Hongloumeng/zh-de4/Chapter 11
第十一回 / Kapitel 11
庆寿辰宁府排家宴
见熙凤贾瑞起淫心
| 中文原文 | Deutsche Übersetzung (DE4, Woesler) |
|---|---|
|
王熙凤毒设相思局 贾天祥正照风月鉴 话说凤姐正与平儿说话,只见有人回说:“瑞大爷来了。”凤姐命:“请进来罢。”贾瑞见请,心中暗喜。见了凤姐,满面陪笑,连连问好。凤姐儿也假意殷勤,让坐让茶。贾瑞见凤姐如此打扮,越发酥倒,因饧了眼问道:“二哥哥怎么还不回来?”凤姐道:“不知什么缘故。”贾瑞笑道:“别是路上有人绊住了脚,舍不得回来了罢?”凤姐道:“可知男人家见一个爱一个,也是有的。”贾瑞笑道:“嫂子这话错了,我就不是这样人。”凤姐笑道:“像你这样的人,能有几个呢?十个里也挑不出一个来。” 贾瑞听了,喜的抓耳挠腮。又道:“嫂子天天也闷的很?”凤姐道:“正是呢,只盼个人来说话解解闷儿。”贾瑞笑道:“我倒天天闲着。若天天过来替嫂子解解闷儿,可好么?”凤姐笑道:“你哄我呢,你那里肯往我这里来?”贾瑞道:“我在嫂子面前若有一句谎话,天打雷劈!只因素日闻得人说嫂子是个利害人,在你跟前一点也错不得,所以唬住我了。我如今见嫂子是个有说有笑极疼人的,我怎么不来?死了也情愿。”凤姐笑道:“果然你是个明白人,比蓉儿兄弟两个强远了。我看他们那样清秀,只当他们心里明白,谁知竟是两个糊涂虫,一点不知人心。” 贾瑞听了这话,越发撞在心坎上,由不得又往前凑一凑,觑着眼看凤姐的荷包。又问:“戴着什么戒指?”凤姐悄悄的道:“放尊重些,别叫丫头们看见了。”贾瑞如听纶音、佛语一般,忙往后退。凤姐笑道:“你该去了。”贾瑞道:“我再坐一坐儿。好狠心的嫂子!”凤姐儿又悄悄的道:“大天白日,人来人往,你就在这里,也不方便。你且去,等到晚上起了更你来,悄悄的在西边穿堂儿等我。”贾瑞听了,如得珍宝,忙问道:“你别哄我。但是那里人过的多,怎么好躲呢?”凤姐道:“你只放心,我把上夜的小厮们都放了假,两边门一关,再没别人了。” 贾瑞听了,喜之不尽,忙忙的告辞而去,心内以为得手。盼到晚上,果然黑地里摸入荣府,趁掩门时钻入穿堂。果见漆黑,无一人来往,贾母那边去的门已倒锁了,只有向东的门未关。贾瑞侧耳听着,半日不见人来。忽听咯噔一声,东边的门也关上了。贾瑞急的也不敢则声,只得悄悄出来,将门撼了撼,关得铁桶一般。此时要出去亦不能了,南北俱是大墙,要跳也无攀援。这屋内又是过堂风,空落落的,现是腊月天气,夜又长,朔风凛凛,侵肌裂骨,一夜几乎不曾冻死。好容易盼到早晨,只见一个老婆子先将东门开了进来,去叫西门。贾瑞瞅他背着脸,一溜烟抱了肩跑出来。幸而天气尚早,人都未起,从后门一径跑回家去。 原来贾瑞父母早亡,只有他祖父代儒教养。那代儒素日教训最严,不许贾瑞多走一步,生怕他在外吃酒赌钱,有误学业。今忽见他一夜不归,只料定他在外非饮即赌,嫖娼宿妓,那里想到这段公案,因此也气了一夜。贾瑞也捻着一把汗,少不得回来撒谎,只说:“往舅舅家去了,天黑了,留我住了一夜。”代儒道:“自来出门,非禀我不敢擅出,如何昨日私自去了?据此也该打,何况是撒谎。”因此发狠,按倒打了三四十板,还不许他吃饭,叫他跪在院内读文章,定要补出十天功课来方罢。贾瑞先冻了一夜,又挨了打,又饿着肚子,跪在风地里念文章,其苦万状。 此时贾瑞邪心未改,再不想到凤姐捉弄他。过了两日,得了空儿,仍找寻凤姐。凤姐故意抱怨他失信。贾瑞急的起誓。凤姐因他自投罗网,少不的再寻别计,令他知改,故又约他道: “今日晚上,你别在那里了,你在我这房后小过道儿里头那间空屋子里等我。可别冒撞了。”贾瑞道:“果真么?”凤姐道:“你不信,就别来。”贾瑞道:“必来,必来,死也要来的。”凤姐道:“这会子你先去罢。”贾瑞料定晚间必妥,此时先去了。凤姐在这里便点兵派将,设下圈套。 那贾瑞只盼不到晚,偏偏家里亲戚又来了,吃了晚饭才去,那天已有掌灯时候。又等他祖父安歇,方溜进荣府,往那夹道中屋子里来等着,热锅上蚂蚁一般。只是左等不见人影,右听也没声响。心中害怕,不住猜疑道:“别是不来了,又冻我一夜不成?” 正自胡猜,只见黑魆魆的进来一个人。贾瑞便断定是凤姐,不管青红皂白,那人刚到面前,便如饿虎扑食、猫儿捕鼠的一般抱住,叫道:“亲嫂子,等死我了!”说着,抱到屋里炕上,就亲嘴扯裤子,满口里亲爹亲娘的乱叫起来。那人只不做声。贾瑞便扯下自己的裤子来,硬帮帮就想顶入。忽然灯光一闪,只见贾蔷举着个蜡台,照道:“谁在这屋里呢?”只见炕上那人笑道:“瑞大叔要肏我呢!” 贾瑞不看则已,看了时,真臊的无地可入。你道是谁?却是贾蓉。贾瑞回身要跑,被贾蔷一把揪住道:“别走!如今琏二婶子已经告到太太跟前,说你调戏他,他暂时稳住你在这里。太太听见气死过去了,这会子叫我来拿你。快跟我走罢。”贾瑞听了,魂不附体,只说:“好侄儿,你只说没有我,我明日重重的谢你。”贾蔷道:“放你不值什么,只不知你谢我多少?况且口说无凭,写一张文契才算。”贾瑞道:“这怎么落纸呢?”贾蔷道:“这也不妨,写个赌钱输了,借银若干两,就完了。”贾瑞道:“这也容易。”贾蔷翻身出来,纸笔现成,拿来叫贾瑞写。他两个做好做歹,只写了五十两银子,画了押,贾蔷收起来。然后撕掳贾蓉。贾蓉先咬定牙不依,只说:“明日告诉族中的人评评理。”贾瑞急的至于磕头。贾蔷做好做歹的,也写了一张五十两欠契才罢。 贾蔷又道:“如今要放你,我就担着不是。老太太那边的门早已关了;老爷正在厅上看南京来的东西,那一条路定难过去。如今只好走后门。要这一走,倘或遇见了人,连我也不好。等我先去探探,再来领你。这屋里你还藏不住,少时就来堆东西,等我寻个地方。”说毕,拉着贾瑞,仍熄了灯,出至院外,摸着大台阶底下,说道:“这窝儿里好。只蹲着,别哼一声。等我来再走。”说毕,二人去了。 贾瑞此时身不由己,只得蹲在那台阶下。正要盘算,只听头顶上一声响,哗喇喇一净桶尿粪从上面直泼下来,可巧浇了他一身一头。贾瑞撑不住,“嗳哟”一声。忙又掩住口,不敢声张。满头满脸皆是尿屎,浑身冰冷打战。只见贾蔷跑来叫:“快走,快走!”贾瑞方得了命,三步两步从后门跑到家中,天已三更,只得叫开了门。家人见他这般光景,问:“是怎么了?”少不得撒谎说:“天黑了,失脚掉在茅厕里了。”一面即到自己房中更衣洗濯。心下方想到凤姐玩他,因此发一回狠;再想想凤姐的模样儿标致,又恨不得一时搂在怀里:胡思乱想,一夜也不曾合眼。自此虽想凤姐,只不敢往荣府去了。 贾蓉等两个常常来要银子,他又怕祖父知道。正是相思尚且难禁,况又添了债务,日间功课又紧;他二十来岁的人,尚未娶亲,想着凤姐不得到手,自不免有些指头儿告了消乏;更兼两回冻恼奔波:因此三五下里夹攻,不觉就得了一病:心内发膨胀,口内无滋味;脚下如绵,眼中似醋;黑夜作烧,白日常倦;下溺遗精,嗽痰带血……诸如此症,不上一年都添全了。于是不能支持,一头躺倒。合上眼,还只梦魂颠倒,满口胡话,惊怖异常。百般请医疗治,诸如肉桂、附子、鳖甲、麦冬、玉竹等药,吃了有几十斤下去,也不见个动静。 倏又腊尽春回,这病更加沉重。代儒也着了忙,各处请医疗治,皆不见效。因后来吃独参汤,代儒如何有这力量,只得往荣府里来寻。王夫人命凤姐称二两给他。凤姐回说:“前儿新近替老太太配了药;那整的,太太又说留着送杨提督的太太配药,偏偏昨儿我已经叫人送了去了。”王夫人道:“就是咱们这边没了,你叫个人,往你婆婆那里问问,或是你珍大哥哥那里有,寻些来,凑着给人家,吃好了,救人一命,也是你们的好处。”凤姐应了,也不遣人去寻,只将些渣末凑了几钱,命人送去,只说:“太太叫送来的,再也没了。”然后向王夫人说:“都寻了来了,共凑了二两多,送去了。” 那贾瑞此时要命心急,无药不吃,只是白花钱不见效。忽然这日有个跛足道人来化斋,口称专治冤孽之症。贾瑞偏偏在内听见了,直着声叫喊,说:“快去请进那位菩萨来救命!”一面在枕头上磕头。众人只得带进那道士来。贾瑞一把拉住,连叫:“菩萨救我!”那道士叹道:“你这病非药可医。我有个宝贝与你,你天天看时,此命可保矣。”说毕,从搭裢中取出个正面反面皆可照人的镜子来,背上錾着“风月宝鉴”四字,递与贾瑞道:“这物出自太虚幻境空灵殿上,警幻仙子所制,专治邪思妄动之症,有济世保生之功。所以带他到世上来,单与那些聪明俊秀、风雅王孙等照看。千万不可照正面,只照背面,要紧,要紧!三日后我来收取,管叫你病好。”说毕,徉长而去。众人苦留不住。 贾瑞接了镜子,想道:“这道士倒有意思,我何不照一照试试?”想毕,拿起那宝鉴来,向反面一照,只见一个骷髅儿立在里面。贾瑞忙掩了,骂那道士:“混账!如何吓我?我倒再照照正面是什么?”想着,便将正面一照,只见凤姐站在里面点手儿叫他。贾瑞心中一喜,荡悠悠觉得进了镜子,与凤姐云雨一番,凤姐仍送他出来。到了床上,“嗳哟”了一声,一睁眼,镜子从新又掉过来,仍是反面立着一个骷髅。贾瑞自觉汗津津的,底下已遗了一滩精。心中到底不足,又翻过正面来,只见凤姐还招手叫他,他又进去。如此三四次。到了这次,刚要出镜子来,只见两个人走来,拿铁锁把他套住,拉了就走。贾瑞叫道:“让我拿了镜子再走……”只说这句,就再不能说话了。 旁边伏侍的人只见他先还拿着镜子照,落下来,仍睁开眼拾在手内。末后镜子掉下来,便不动了。众人上来看时,已经咽了气了,身子底下冰凉精湿,遗下了一大滩精。这才忙着穿衣抬床。 代儒夫妇哭的死去活来,大骂道士:“是何妖道!”遂命人架起火来烧那镜子。只听空中叫道:“谁叫他自己照了正面呢?你们自己以假为真,为何烧我此镜?”忽见那镜从房中飞出。代儒出门看时,却还是那个跛足道人,喊道:“还我的风月宝鉴来!”说着,抢了镜子,眼看着他飘然去了。 当下代儒没法,只得料理丧事,各处去报。三日起经,七日发引,寄灵铁槛寺后,一时贾家众人齐来吊问。荣府贾赦赠银二十两,贾政也是二十两;宁府贾珍亦有二十两;其馀族中人贫富不一,或一二两、三四两不等;外又有各同窗家中分资,也凑了二三十两。代儒家道虽然淡薄,得此帮助,倒也丰丰富富完了此事。 谁知这年冬底,林如海因为身染重疾,写书来特接黛玉回去。贾母听了,未免又加忧闷,只得忙忙的打点黛玉起身。宝玉大不自在,争奈父女之情,也不好拦阻。于是贾母定要贾琏送他去,仍叫带回来。一应土仪、盘费,不消絮说,自然要妥贴的。作速择了日期,贾琏同着黛玉,辞别了众人,带领仆从,登舟往扬州去了。 要知端的,且听下回分解。 纶(lún伦)音──即帝王的诏书,圣旨。典出《礼记·缁衣》:“王言如丝,其出如纶;王言如纶,其出如綍。”意思是帝王的话犹如绳索束物般不可更改。后即以“纶音”代指圣旨。这里是不敢不听之意。 纶:束印玺或帷幕的带子。 綍(fú弗):粗绳。 黑魆魆(xū虚)──形容极其黑暗。 魆魆:黑暗貌。 指头儿告了消乏──指头儿:暗指手淫。 告了:作为,权当。 消乏:减轻,减少。 语出元·王实甫《西厢记》第三本第三折红娘唱《折桂令》曲文:“他是个娇滴谪美玉无暇,粉脸生春,云鬓堆鸦。恁的般受怕担惊,又不图甚浪酒闲茶。则你那夹被儿时当奋发,指头儿告了消乏。打叠起嗟呀,毕罢了牵挂,收拾了忧愁,准备着撑达。”意谓用手淫的办法减轻单相思的痛苦。 独参汤──是一剂传统的中药滋补汤药。因为此药只用人参一味药,且须一二两,不配其他药,故称。常见药典中均可找到此药方,如清·吴谦《医宗金鉴》卷二六:“独参汤,治元气大虚、昏厥、脉微欲绝,及妇人崩产、脱血、血晕。” 冤孽之症──指由于前生的冤仇或罪孽而造成的病,意即报应。 起经──旧俗以人死后第三天开始请和尚、道士念经。 发引──典出汉·应劭《风俗通义·十反·豫章太守汝南封祈》:“今李氏获保首领,以天年终,而诸君各怀进退,未肯发引。妾幸有三孤,足统丧纪。”意谓发丧或出殡。因出殡时由亲属(一般是孝子)用绳索或白布条在前牵引灵柩(俗称“拉灵”),故称。 引:牵引灵柩的绳索。《礼记·檀弓下》:“吊于丧者必执引。” 寄灵──即把灵柩寄放于某个地方,暂不埋葬。 铁槛寺──此寺名或本唐·王梵志无题诗:“世无百年人,强作千年调。打铁作门限,鬼见拍手笶。”又宋·范成大《重九日行营寿藏之地》:“纵有千年铁门限,终须一个土馒头。”“铁槛”即“铁门槛”、“铁门限”,比喻鬼门关;“土馒头”可简称“馒头”,比喻坟墓。因此“铁槛寺”与 |
Kapitel 11: Beim Geburtstagsbankett im Stillfriede-Anwesen erkundigt man sich nach Anmutig Minnes Krankheit — Im Garten der gesammelten Düfte begegnet Phönixglanz dem Glücksstein Kaufmann Ein Gedicht sagt: Ein einziger Fehltritt auf dem Weg — hundert Jahre, wenn man sich umblickt. Der Spiegel von Wind und Mond seit alter Zeit[1]: Wie viele hat er in die Gelbe Quelle geweint! An diesem Tag, dem Geburtstag des Familienältesten Jing Kaufmann[2], ließ Herrlichkeit Kaufmann[3] die besten Speisen und erlesensten Früchte in sechzehn große Trageschachteln packen und befahl Hibiskus Kaufmann[4], sie mit dem Gesinde zum alten Herrn zu bringen. Zu Hibiskus Kaufmann sagte er: „Achte genau darauf, ob der Großvater sich freut. Dann verbeuge dich vor ihm und sage: ‚Mein Vater hält sich an Euren Befehl und hat sich nicht getraut zu kommen. Er hat zu Hause die ganze Familie zum feierlichen Gruß versammelt.'" Hibiskus Kaufmann nahm den Auftrag entgegen und brach mit dem Gesinde auf. Hier kamen nach und nach die Gäste. Zuerst trafen Kette Kaufmann[5] und Edelrose Kaufmann[6] ein, die überall die Sitzplätze inspizierten und fragten: „Gibt es Unterhaltung?" Ein Diener antwortete: „Unser gnädiger Herr hatte eigentlich damit gerechnet, dass der Familienälteste heute ins Haus käme, weshalb er keine Unterhaltung vorbereiten ließ. Als wir vorgestern hörten, dass der alte Herr doch nicht kommt, haben wir in aller Eile eine Theatertruppe junger Schauspieler sowie ein Ensemble für das Zehn-Instrumente-Spiel [Anm.: ein Orchesterarrangement mit zehn verschiedenen Instrumenten] bestellt. Beides wartet im Garten auf der Bühne." Danach erschienen Dame Strafe[7], Dame König[8], Phönixglanz[9] und Schatzjade[10], die von Herrlichkeit Kaufmann und Dame Sonders[11] empfangen wurden. Dame Sonderss Mutter war bereits da. Alle begrüßten einander und nahmen ihre Plätze ein. Herrlichkeit Kaufmann und Dame Sonders reichten höchstpersönlich den Tee und sagten: „Die Herzoginmutter[12] ist unsere Ahnherrin, und mein Vater ist ihr Neffe — an einem solchen Tag würden wir nicht wagen, sie zu belästigen. Aber bei diesem herrlich kühlen Wetter und all den blühenden Chrysanthemen im Garten dachten wir, die alte Ahne könnte sich ein wenig zerstreuen und sich an dem munteren Treiben ihrer Kinder und Enkel erfreuen — das war unser Gedanke. Aber leider hat uns die alte Ahne die Ehre nicht erwiesen." Noch ehe Dame König den Mund auftun konnte, ergriff Phönixglanz das Wort: „Die alte Ahne wollte gestern noch kommen! Aber abends hat sie zugesehen, wie Bruder Schatzjade und die anderen Pfirsiche aßen, und da war die alte Dame selbst lüstern geworden und hat eine gute halbe Frucht gegessen. Um die fünfte Nachtwache musste sie zweimal hintereinander aufstehen, und heute Morgen fühlte sie sich ein wenig matt. Sie bat mich, dem Herrn auszurichten, dass sie heute unmöglich kommen könne. Sie möchte aber gern ein paar Schüsselchen von den guten Speisen haben — und schön weich gekocht sollen sie sein!" Herrlichkeit Kaufmann lachte und sagte: „Ich wusste doch, dass die alte Ahne den Trubel liebt! Wenn sie heute nicht kommt, muss es einen Grund haben. Wenn es so ist, ist alles in Ordnung." Dame König fragte: „Neulich hörte ich deine kleine Schwester sagen, dass es der Frau von Hibiskus Kaufmann [Anmutig Minne, 秦可卿] nicht so gut geht. Was fehlt ihr eigentlich?" Dame Sonders antwortete: „Es ist eine seltsame Krankheit. Zum Mittherbstfest letzten Monat hat sie noch die halbe Nacht mit der Herzoginmutter und den gnädigen Frauen gefeiert und war gesund und munter, als sie nach Hause kam. Aber nach dem Zwanzigsten wurde sie von Tag zu Tag matter, hatte keine Lust mehr zu essen, und so geht es nun schon gut einen halben Monat. Außerdem ist ihre Regel seit zwei Monaten ausgeblieben." Dame Strafe warf ein: „Dann ist sie wohl in anderen Umständen?" In diesem Moment wurde von draußen gemeldet: „Der ältere gnädige Herr, der jüngere gnädige Herr und alle jungen Herren der Familie sind eingetroffen und warten in der Empfangshalle." Herrlichkeit Kaufmann eilte hinaus. Hier berichtete Dame Sonders weiter: „Einige Ärzte meinten zunächst auch, es sei eine Schwangerschaft. Aber gestern vermittelte Feng Ziying[13] einen Gelehrten, bei dem er als Junge studiert hatte und der ein vorzüglicher Arzt ist. Der untersuchte sie und sagte, es sei keine Schwangerschaft, sondern eine schwere Erkrankung. Gestern schrieb er ein Rezept, und nachdem sie eine Dosis eingenommen hat, ist ihr Schwindel heute etwas besser, aber ansonsten zeigt sich keine große Wirkung." Phönixglanz sagte: „Ich bin sicher, dass sie nicht ganz entkräftet ist — an einem Tag wie diesem hätte sie sich bestimmt zusammengerissen und wäre erschienen." Dame Sonders erwiderte: „Am Dritten hast du sie hier gesehen — da hat sie sich einen halben Tag mit letzter Kraft aufrecht gehalten, und das auch nur, weil ihr zwei euch so gut versteht und sie sich nicht von dir trennen mochte." Als Phönixglanz das hörte, bekam sie rote Augenränder. Erst nach langem Schweigen sagte sie: „Wahrlich: ‚Am Himmel ziehen unvermutete Wolken auf, und über die Menschen brechen ungeahnte Schicksale herein.' Wenn ihr in ihrem Alter wegen dieser Krankheit etwas zustößen sollte — was hätte das Leben dann noch für einen Sinn!" Während sie noch sprach, kam Hibiskus Kaufmann herein, begrüßte nacheinander Dame Strafe, Dame König und Phönixglanz und berichtete dann Dame Sonders: „Ich habe dem Familienältesten eben die Speisen gebracht und ihm ausgerichtet, dass mein Vater zu Hause die gnädigen Herren empfängt und die ganze Familie bewirtet und sich in Befolgung seines Befehls nicht zu kommen getraut hat. Der Familienälteste war sehr erfreut und sagte: ‚So ist es recht!' Er ließ Vater und Mutter ausrichten, sie mögen die gnädigen Herren und Frauen gut bewirten, und auch ich solle mich um die Onkel, Tanten und Vettern kümmern. Außerdem sagte er, man solle den Text der verborgenen Verdienste schleunigst in Druckplatten schneiden lassen und zehntausend Exemplare zum Verteilen drucken. Ich habe meinem Vater bereits alles ausgerichtet. Jetzt muss ich rasch hinaus und mich um das Essen für die gnädigen Herren und die jungen Herren der Familie kümmern." Phönixglanz sagte: „Warte, Hibiskus Kaufmann! Wie geht es deiner Frau heute?" Hibiskus Kaufmann zog die Brauen zusammen und sagte: „Nicht gut! Wenn die Tante nachher hingeht, wird sie es selbst sehen." Damit ging er hinaus. Dame Sonders fragte Dame Strafe und Dame König: „Möchten die gnädigen Frauen hier zu Mittag essen oder drüben im Garten? Die Theatervorführung ist im Garten vorbereitet." Dame König sagte zu Dame Strafe: „Wir sollten einfach hier essen und dann hinübergehen — das erspart die Umstände." Dame Strafe stimmte zu, und Dame Sonders befahl den Dienerinnen: „Bringt rasch das Essen!" Von draußen erschallte ein vielstimmiges „Jawohl!", und jede Dienerin trug ihren Teil herein. Bald war aufgetragen. Dame Sonders bat Dame Strafe, Dame König und ihre eigene Mutter auf die Ehrenplätze; sie selbst saß mit Phönixglanz und Schatzjade an den Seitenplätzen. Dame Strafe und Dame König sagten: „Wir sind gekommen, um dem Familienältesten zum Geburtstag zu gratulieren — und nun sieht es aus, als feierten wir unseren eigenen!" Phönixglanz warf ein: „Der Familienälteste liebt die Stille und Selbstvervollkommnung. Er hat es darin schon so weit gebracht, dass man ihn getrost einen Unsterblichen nennen darf. Wenn die gnädigen Frauen das so sagen, dann ist das eben das, was man ‚das Herz denkt es, und die Götter wissen es' nennt!" Alle im Raum brachen in Gelächter aus. Als Dame Sonderss Mutter, Dame Strafe, Dame König und Phönixglanz fertig gegessen, sich den Mund gespült und die Hände gewaschen hatten und gerade in den Garten aufbrechen wollten, kam Hibiskus Kaufmann herein und berichtete Dame Sonders: „Die gnädigen Herren und alle Onkel, Vettern und Brüder haben auch gegessen. Der ältere gnädige Herr sagte, er habe zu Hause zu tun, und der jüngere gnädige Herr mag kein Theater und fürchtet den Lärm — beide sind bereits gegangen. Die jungen Herren der Familie sind von Onkel Kette Kaufmann und Bruder Edelrose Kaufmann in den Garten zum Theaterschauen gebeten worden. Außerdem haben die vier Prinzenhäuser Nan'an, Dongping, Xining und Beijing sowie die sechs Herzogsfamilien[14], darunter die Familie Niu vom Herzogtum Zhenguo, und die acht Fürstenhäuser, darunter die Familie Shi vom Fürstentum Zhongjing, Boten mit Visitenkarten und Geburtstagsgeschenken geschickt. Ich habe meinem Vater alles gemeldet. Die Geschenke sind einstweilen im Kassenhaus verwahrt, die Geschenklisten zu den Akten genommen. Die Dankeskarten des gnädigen Herrn wurden den Boten übergeben, und jedem wurde das übliche Trinkgeld gegeben. Alle wurden zum Essen eingeladen und sind inzwischen wieder gegangen. Mutter sollte nun die gnädigen Frauen, die Schwiegermutter und die Tante in den Garten bitten." Dame Sonders sagte: „Wir haben gerade fertig gegessen und wollten ohnehin hinübergehen." Phönixglanz sagte: „Gnädige Frau, ich möchte erst nach der Frau von Hibiskus Kaufmann sehen und komme dann nach." Dame König sagte: „Das ist recht. Wir würden alle gern nach ihr sehen, fürchten aber, der Trubel wäre ihr lästig. Sag ihr, wir lassen sie grüßen!" Dame Sonders fügte hinzu: „Liebe Schwägerin, auf dich hört die Schwiegertochter. Rede ihr ein wenig zu, dann bin ich beruhigt. Aber komm dann schnell in den Garten nach!" Auch Schatzjade wollte mit Phönixglanz zu Anmutig Minne gehen, aber Dame König ermahnte ihn: „Schau kurz nach ihr und komm dann in den Garten — sie ist die Frau deines Neffen." So bat Dame Sonders Dame Strafe, Dame König und ihre Mutter in den Garten der Gesammelten Düfte, während Phönixglanz und Schatzjade mit Hibiskus Kaufmann zu Anmutig Minne gingen. Als sie das Haus betraten und leise an die Tür des inneren Zimmers traten, erblickte Anmutig Minne sie und wollte aufstehen. „Bleib sitzen!" sagte Phönixglanz rasch. „Wenn du zu hastig aufstehst, wird dir schwindlig." Sie trat zwei schnelle Schritte näher, ergriff Anmutig Minnes Hand und rief: „Ach, junge Frau! Wie bist du nur in den paar Tagen, seit wir uns nicht gesehen haben, so mager geworden!" Damit setzte sie sich neben Anmutig Minne auf das Polster. Schatzjade begrüßte sie ebenfalls und nahm auf einem Stuhl gegenüber Platz. Hibiskus Kaufmann rief: „Bringt schnell Tee! Die Tante und der Onkel haben im Hauptgebäude noch keinen getrunken!" Anmutig Minne hielt Phönixglanz' Hand, zwang sich zu einem Lächeln und sagte: „Es fehlt mir eben am Glück — das ist alles. In einem solchen Hause behandeln mich die Schwiegereltern wie ihre eigene Tochter. Euer Neffe und ich, obwohl wir jung sind, achten einander — nie sind wir aneinandergeraten. Und von den Älteren und Gleichaltrigen in der ganzen Familie — von Euch ganz zu schweigen — hat mich jeder gern und ist gut zu mir. Und dann musste ich diese Krankheit bekommen! All mein Ehrgeiz ist dahin. Nicht einen Tag konnte ich meinen Schwiegereltern meine kindliche Pflicht erweisen! Und Ihr, liebe Tante, die Ihr mich so liebhabt — selbst wenn ich die tiefste Dankbarkeit empfinde, kann ich sie nicht mehr zeigen. Ich fürchte, ich werde den Jahreswechsel nicht überleben." Schatzjade hatte gerade auf das Bild „Frühlingsschlaf unter Begonien" und das von Qin Taixu[15] kalligrafierte Versepaar „Kühle Frische sperrt den Traum ein, denn der Frühling ist kalt; / Blütenduft umhüllt den Schlafenden — es ist der Hauch des Weins" gestarrt und war in die Erinnerung daran versunken, wie er hier einst während des Mittagsschlafs im Traum in die Wahngefilde der Großen Leere [Anm.: 太虚幻境, das Reich der Illusionen] gelangt war. Völlig in Gedanken verloren, hörte er Anmutig Minnes Worte — und es war ihm, als durchbohrten tausend Pfeile sein Herz. Die Tränen liefen ihm über die Wangen, ohne dass er es bemerkte. Auch Phönixglanz war tief erschüttert, doch sie fürchtete, wenn sie alle ihren Gefühlen freien Lauf ließen, würde das den Kummer der Kranken nur noch mehren — und das war nicht der Sinn ihres Besuchs gewesen. Als sie Schatzjades Tränen sah, sagte sie: „Bruder Schatzjade, du bist wahrhaft weibisch! Sie redet als Kranke eben so dahin — so schlimm wird es schon nicht sein! In ihrem Alter, bei einem kleinen Unwohlsein gleich solche Gedanken zu haben — das macht einen ja noch kränker!" Hibiskus Kaufmann warf ein: „Die Hauptsache ist, dass sie wieder ordentlich isst und trinkt — dann ist nichts zu befürchten." Phönixglanz sagte: „Bruder Schatzjade, die gnädige Frau hat gesagt, du sollst schnell nachkommen! Wenn du hier so dasitzt, bringst du die junge Frau auch auf trübe Gedanken, und drüben macht sich die gnädige Frau Sorgen um dich." Dann wandte sie sich an Hibiskus Kaufmann: „Geh du mit deinem Onkel Schatzjade voraus — ich bleibe noch einen Augenblick." Also ging Hibiskus Kaufmann mit Schatzjade in den Garten der Gesammelten Düfte. Phönixglanz blieb bei Anmutig Minne und tröstete sie ausgiebig. Mit leiser, inniger Stimme sprach sie ihr viele herzliche Worte zu. Erst als Dame Sonders zwei-, dreimal nach ihr schicken ließ, sagte Phönixglanz zu Anmutig Minne: „Pflege dich ordentlich! Ich komme dich wieder besuchen. Es ist ein gutes Zeichen, dass man vorgestern diesen tüchtigen Arzt gefunden hat — jetzt gibt es keinen Grund mehr zur Sorge!" Anmutig Minne lächelte und sagte: „Selbst ein Unsterblicher kann nur die Krankheit behandeln, nicht aber das Schicksal verändern. Tante, ich weiß: Ich schleppe mich mit dieser Krankheit nur noch von Tag zu Tag." Phönixglanz erwiderte: „Wenn du immer so denkst, wie soll die Krankheit da besser werden? Du musst dir Mut machen! Außerdem hat der Arzt gesagt, wenn man nichts unternimmt, sei im Frühling mit dem Schlimmsten zu rechnen. Jetzt ist erst Mitte des neunten Monats — bis dahin sind es noch vier bis fünf Monate. In dieser Zeit lässt sich jede Krankheit heilen! Wären wir eine Familie, die sich keinen Ginseng leisten kann — ja, dann wäre es schwierig. Aber deine Schwiegereltern werden, wenn sie hören, dass es dir hilft, nicht nur zwei Qian Ginseng am Tag aufbringen — sie könnten dir auch zwei Jin [Anm.: ca. 1 kg] geben, ohne mit der Wimper zu zucken! Also pflege dich ordentlich — ich gehe jetzt in den Garten hinüber." Anmutig Minne sagte: „Tante, verzeiht, dass ich Euch nicht begleiten kann. Wenn Ihr einmal frei seid, besucht mich bitte oft! Ich möchte gern noch oft so mit Euch zusammensitzen und plaudern." Als Phönixglanz das hörte, bekam sie unwillkürlich wieder rote Augenränder und sagte: „Sobald ich frei bin, komme ich bestimmt oft zu dir." Damit verließ sie, gefolgt von ihren eigenen Dienerinnen und den Dienerinnen des Stillfriede-Anwesens, die inneren Gemächer und gelangte auf Umwegen durch ein Seitentor in den Garten. Was sie erblickte: Gelbe Blumen bedecken den Boden, weiße Weiden stehen am Hang. Schmale Brücken überspannen den Bach von Ruoye, gewundene Pfade führen zum Berg Tiantai. Zwischen den Steinen rauscht klares Wasser, durch den Bambuszaun streicht ein Duft; rotes Laub tanzt von den Bäumen herab — der lichte Hain gleicht einem Gemälde. Kaum weht der Westwind heftiger, verstummt der Goldamsel Lied; doch wärmt die Sonne ein wenig mehr, erhebt sich erneut der Grillengesang. Fern im Südosten Pavillons an den Berg gelehnt, dort im Nordwesten ein Haus, das aufs Wasser blickt. Flötenklänge füllen das Ohr — ein Zauber ganz eigener Art; Seidenkleider schimmern im Wald und vollenden das reizvolle Bild. Als Phönixglanz bewundernd Schritt für Schritt durch diese Gartenlandschaft wandelte, trat plötzlich hinter einem künstlichen Felsen eine Gestalt hervor, stellte sich vor sie hin und sagte: „Meinen Gruß, Schwägerin!" Phönixglanz erschrak und wich einen Schritt zurück. „Seid Ihr Herr Glücksstein Kaufmann[16]?" fragte sie. „Schwägerin erkennt mich nicht einmal?" fragte Glücksstein Kaufmann. „Natürlich bin ich es!" „Doch, natürlich erkenne ich Euch", sagte Phönixglanz. „Aber Ihr seid so plötzlich aufgetaucht — ich hatte nicht erwartet, Euch hier zu treffen." „Es muss uns vorherbestimmt gewesen sein, uns hier zu begegnen!" sagte Glücksstein Kaufmann. „Eben hatte ich mich aus der Tischrunde gestohlen, um mich an diesem stillen, abgelegenen Ort ein wenig zu ergehen — und da kommt Ihr hier vorbei! Wenn das keine Bestimmung ist!" Während er sprach, ließen seine Augen nicht einen Moment von Phönixglanz ab. Phönixglanz war eine kluge Frau — sie durchschaute seine Absichten sofort. Mit gespieltem Lächeln sagte sie: „Kein Wunder, dass Euer Vetter Kette Kaufmann stets von Euch schwärmt und Euch lobt! Jetzt, wo ich Euch kennenlerne und diese Worte höre, weiß ich, dass Ihr ein kluger, umgänglicher Mensch seid. Aber ich bin auf dem Weg zu den gnädigen Frauen und kann mich jetzt nicht mit Euch unterhalten. Reden wir ein andermal, wenn ich Zeit habe!" Glücksstein Kaufmann sagte: „Ich würde Euch ja gerne zu Hause meinen Respekt erweisen, nur fürchte ich, in Eurem jungen Alter werdet Ihr nicht leichthin Besuch empfangen wollen." Phönixglanz lächelte scheinheilig: „Wir sind doch eine Familie, Fleisch und Blut — was hat da das Alter damit zu tun?" Als Glücksstein Kaufmann auch noch diese Worte hörte — nachdem ihm schon die bloße Begegnung wie ein Geschenk des Himmels vorkam —, verzog sich sein Gesicht zu einer unerträglich selbstgefälligen Grimasse. „Geht lieber schnell zurück zu Eurer Tischgesellschaft", sagte Phönixglanz. „Gebt acht, dass sie Euch nicht erwischen — sonst müsst Ihr Strafbecher trinken!" Glücksstein Kaufmann, den es am ganzen Leib kribbelte, ging langsam davon und drehte sich im Gehen immer wieder nach ihr um. Phönixglanz verlangsamte absichtlich ihre Schritte, und als er außer Sichtweite war, dachte sie bei sich: „Wahrhaftig: Man kennt das Gesicht eines Menschen, aber nicht sein Herz! Wie kann es nur solche Bestien unter den Menschen geben! Wenn er wirklich so weit geht, soll er einst durch meine Hand sterben — dann wird er erfahren, was ich kann!" Damit setzte sie ihren Weg fort. Als sie um einen Hügel bog, kamen ihr zwei oder drei alte Dienerinnen hastig entgegen und sagten lächelnd: „Die Herrin war ganz außer sich, weil Ihr einfach nicht kamt, und hat uns geschickt, Euch noch einmal zu holen!" „Eure Herrin hat es immer so eilig wie ein Geist!" sagte Phönixglanz. Sie ging gemächlich weiter und fragte: „Wie viele Szenen sind schon gespielt worden?" Die Dienerinnen antworteten: „Acht oder neun." Inzwischen waren sie am Hintereingang des Turms des Himmelsdufts[17] [天香楼] angekommen, wo Schatzjade mit einer Schar Mägde spielte. „Nicht so wild, Bruder Schatzjade!" mahnte Phönixglanz. Ein Mädchen sagte: „Die gnädigen Frauen sitzen alle oben. Bitte geht von hier hinauf, junge Herrin!" Phönixglanz raffte ihr Gewand, stieg vorsichtig die Treppe hinauf und fand Dame Sonders bereits oben wartend. Lächelnd sagte Dame Sonders: „Ihr versteht euch wirklich zu gut, ihr zwei! Jedes Mal, wenn ihr euch seht, könnt ihr euch kaum trennen. Am besten ziehst du morgen gleich bei ihr ein! Setz dich — ich will dir zuerst einen Becher kredenzen." Phönixglanz bat Dame Strafe und Dame König um Erlaubnis, sich zu setzen, machte Dame Sonderss Mutter ihre Aufwartung und setzte sich dann mit Dame Sonders an einen Tisch, um Wein zu trinken und dem Theaterspiel zuzusehen. Dame Sonders ließ den Spielplan bringen und bat Phönixglanz, Stücke auszuwählen. „Wie könnte ich es wagen, in Gegenwart der gnädigen Frauen und der Frau Schwiegermutter die Stücke auszusuchen?" wehrte Phönixglanz ab. Dame Strafe und Dame König sagten: „Wir und die Frau Schwiegermutter haben schon etliche ausgewählt — such du zwei schöne Szenen aus!" Phönixglanz erhob sich, sagte „Jawohl!", nahm den Spielplan entgegen und sah ihn durch. Sie wählte „Die Rückkehr der Seele[18]" und „Die Ballade" [Anm.: zwei Szenen aus dem berühmten Kunqu-Stück Mudanting (Der Pfingstrosenpavillon) von Tang Xianzu], reichte den Plan zurück und sagte: „Wenn die laufende Szene ‚Zwei Ernennungen in einem Erlass' zu Ende ist, können sie noch diese beiden spielen — dann wird es auch Zeit." Dame König stimmte zu: „Ganz recht. Wir sollten deinem Schwager und seiner Frau rechtzeitig Ruhe gönnen — sie haben genug Sorgen." Dame Sonders bat: „Aber Ihr gnädigen Frauen kommt so selten! Bleibt noch ein Weilchen — es ist doch noch früh!" Phönixglanz stand auf, blickte vom Turm hinab und fragte: „Wo sind denn unsere Herren geblieben?" Eine alte Dienerin antwortete: „Die Herren sind eben ins Gemach des Geronnenen Sonnenscheins [凝曦轩] gegangen und haben das Orchester mitgenommen. Dort trinken sie Wein." „Hier ist es ihnen wohl zu anständig — wer weiß, was sie dort treiben!" bemerkte Phönixglanz. Dame Sonders lächelte: „Nicht jeder ist so tugendhaft wie du!" So lachten und plauderten sie, bis die ausgewählten Stücke alle gespielt waren. Dann wurde der Wein abgeräumt und das Essen aufgetragen. Nach dem Essen verließen sie den Garten, setzten sich im Hauptgebäude nieder, tranken Tee und ließen die Wagen vorfahren. Sie verabschiedeten sich von Dame Sonderss Mutter. Dame Sonders geleitete sie mit dem Gefolge der Nebenfrauen und Dienerinnen hinaus. Dort stand Herrlichkeit Kaufmann mit den Söhnen und Neffen der Familie dienstfertig neben den Wagen. Als Dame Strafe und Dame König kamen, sagte er: „Die verehrten Tanten müssen morgen noch einmal herüberkommen!" Dame König wehrte ab: „Wir haben den ganzen Tag hier gesessen und sind müde. Morgen wollen wir uns ausruhen." Damit stiegen sie ein und fuhren davon. Die ganze Zeit über hatte Glücksstein Kaufmann kein Auge von Phönixglanz gelassen. Erst als Herrlichkeit Kaufmann mit den anderen hineingegangen war, brachte Li Gui[19] das Pferd, und Schatzjade ritt dem Wagen Dame Königs hinterher. Im Stillfriede-Anwesen aß Herrlichkeit Kaufmann noch mit den jungen Leuten der Familie zu Abend, ehe sich alle trennten. Am nächsten Tag feierten die engeren Familienmitglieder unter sich weiter, doch davon soll nicht die Rede sein. Danach besuchte Phönixglanz Anmutig Minne häufig persönlich. An manchen Tagen ging es der Kranken etwas besser, an anderen war ihr Zustand wieder wie zuvor. Herrlichkeit Kaufmann, Dame Sonders und Hibiskus Kaufmann waren von Herzen besorgt. Glücksstein Kaufmann kam in dieser Zeit mehrmals ins Jung-guo-Anwesen, aber es traf sich jedes Mal so, dass Phönixglanz gerade ins Stillfriede-Anwesen gefahren war. In diesem Jahr fiel die Wintersonnenwende auf den dreißigsten Tag des elften Monats. Als der Tag näher rückte, schickten die Herzoginmutter, Dame König und Phönixglanz täglich jemanden, um nach Anmutig Minne zu sehen. Die Boten meldeten jedes Mal: „Es ist weder eine Verschlimmerung noch eine merkliche Besserung zu erkennen." Dame König sagte zur Herzoginmutter: „Wenn diese Krankheit an einem so bedeutenden Wendepunkt nicht schlimmer wird, besteht noch die beste Hoffnung!" Die Herzoginmutter erwiderte: „Ganz recht! Das liebe Kind! Wenn ihr etwas vorherbestimmt sein sollte — das bräche mir das Herz!" Bei diesen Worten überkam sie der Schmerz, und sie wandte sich an Phönixglanz: „Du hast dich doch immer gut mit ihr verstanden. Morgen ist der erste Tag des neuen Monats — aber übermorgen solltest du wieder nach ihr sehen. Achte genau darauf, wie es ihr geht. Wenn es ihr vielleicht besser geht, sag es mir gleich, wenn du zurückkommst, damit auch ich mich freuen kann. Das Kind hat immer gern gegessen — lass öfter etwas für sie zubereiten und hinüberschicken!" Phönixglanz versprach alles. Am zweiten Tag des neuen Monats fuhr sie nach dem Frühstück ins Stillfriede-Anwesen. Anmutig Minnes Zustand hatte sich zwar nicht verschlechtert, aber Gesicht und Körper waren bis auf die Knochen abgemagert. Phönixglanz saß lange bei ihr, plauderte und versuchte, sie mit der Versicherung aufzuheitern, die Krankheit sei nicht schlimm. Anmutig Minne sagte: „Im Frühling wird sich zeigen, ob ich gesund werde. Jetzt ist die Wintersonnenwende vorbei, und es ist nichts passiert — vielleicht werde ich doch noch gesund, wer weiß? Richtet der Herzoginmutter und der gnädigen Frau aus, sie mögen beruhigt sein. Von den Yamswurzelkuchen mit Jujubenpaste, die mir die Herzoginmutter gestern geschickt hat, habe ich zwei Stück gegessen — ich glaube, ich kann sie verdauen." Phönixglanz sagte: „Morgen schicke ich dir mehr davon. Jetzt gehe ich noch kurz zu deiner Schwiegermutter und dann schnell nach Hause, um der Herzoginmutter Bericht zu erstatten." Anmutig Minne bat: „Bestellt der Herzoginmutter und der gnädigen Frau meinen Gruß!" Phönixglanz versprach es und ging hinaus. Im Hauptgebäude bei Dame Sonders fragte diese: „Wie schätzt du den Zustand der Schwiegertochter ein — ganz nüchtern betrachtet?" Phönixglanz blickte lange zu Boden, ehe sie sagte: „Es gibt keinen anderen Weg. Du solltest alles für den Ernstfall vorbereiten lassen — vielleicht kann man dadurch das Schicksal abwenden." Dame Sonders sagte: „Ich habe bereits im Stillen Vorbereitungen treffen lassen. Nur für das Bewusste [Anm.: den Sarg] haben wir noch kein geeignetes Holz gefunden. Damit müssen wir noch warten." Phönixglanz trank ihren Tee, plauderte noch eine Weile und sagte dann: „Ich muss jetzt schnell nach Hause und der Herzoginmutter Bericht erstatten." Dame Sonders mahnte: „Sag es behutsam — erschreck die alte Dame nicht!" „Ich weiß schon", sagte Phönixglanz. Zu Hause angekommen, trat sie vor der Herzoginmutter und sagte: „Die Frau des jungen Hibiskus Kaufmann lässt die alte Ahne grüßen und macht ihren Kotau vor Euch. Sie sagt, es gehe ihr besser, und sie bittet die alte Ahne, unbesorgt zu sein. Wenn sie sich noch etwas erholt hat, will sie persönlich kommen, um der alten Ahne ihren fußfälligen Gruß zu entbieten." Die Herzoginmutter fragte: „Wie findest du ihren Zustand?" „Einstweilen besteht keine Gefahr, und ihre Stimmung ist gut", sagte Phönixglanz. Die Herzoginmutter schwieg eine lange Zeit und sagte dann: „Geh dich umziehen und ruh dich aus." Phönixglanz nahm den Befehl entgegen und ging hinaus. Nachdem sie Dame König begrüßt hatte, ging sie in ihre Gemächer, wo Friedchen[20] ihr die vorgewärmten Hauskleider anlegte. Kaum hatte Phönixglanz sich gesetzt, fragte sie: „Ist hier irgendetwas vorgefallen?" Friedchen brachte gerade den Tee und reichte ihn ihr. „Nichts Besonderes. Nur die Zinsen für die dreihundert Liang Silber hat die Frau von Laiwang gebracht — ich habe sie verwahrt. Dann hat Herr Glücksstein Kaufmann jemanden geschickt, um zu fragen, ob die Herrin zu Hause sei — er wolle seinen Gruß entbieten und plaudern." Phönixglanz hörte das und schnaubte verächtlich: „Dieses Vieh rennt sehenden Auges ins Verderben! Warte nur, bis er kommt — ich werde ihm schon zeigen!" Friedchen fragte: „Warum kommt Herr Glücksstein Kaufmann nur immer wieder?" Also erzählte ihr Phönixglanz in allen Einzelheiten, wie sie ihm im neunten Monat im Garten des Stillfriede-Anwesens begegnet war und was er gesagt hatte. Friedchen sagte: „Die Kröte gelüstet es nach Schwanenfleisch! Dieser ehrlose, sittenlose Kerl — für solche Gedanken verdient er ein elendes Ende!" Phönixglanz erwiderte: „Wenn er kommt, habe ich schon einen Plan für ihn." Was Glücksstein Kaufmann bei seinem Besuch erwartete — das soll im nächsten Kapitel erzählt werden. |
Anmerkungen
- ↑ 风月宝鉴 Fēngyuè bǎojiàn „Kostbarer Spiegel von Wind und Mond" — klassische literarische Wendung für die zwei Seiten der erotischen Begierde: die rauschhafte Verlockung (Wind = unbeständig, Mond = illusorisch) und ihr letztlich tödlicher Preis. Im Roman hat dieser Spiegel zwei konkrete Bedeutungen: (1) als allegorischer Untertitel „风月宝鉴" für den gesamten Roman (vgl. Kap. 1, eine der frühen Titelvarianten); (2) als der **buchstäbliche** magische Spiegel, der in Kap. 12 dem todkranken 贾瑞 Jiǎ Ruì (Glücksstein Kaufmann) vom hinkenden Priester überreicht wird — wer in seine Vorderseite blickt, sieht die begehrte Frau und stirbt; wer in die Rückseite blickt (einen Totenschädel), kann gerettet werden. Das Eröffnungsgedicht dieses Kapitels ist programmatische Vorausdeutung auf Jia Ruis Schicksal.
- ↑ Chin. 贾敬 Jiǎ Jìng, wörtl. „Ehrfurcht Kaufmann“.
- ↑ Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn. 珍 zhēn „kostbar/herrlich“. Hausherr des Stillfriede-Anwesen.
- ↑ Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng, wörtl. „Hibiskus Kaufmann“.
- ↑ Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Jadekette Kaufmann“.
- ↑ Chin. 贾蔷 Jiǎ Qiáng, wörtl. „Kaufmann Kletterrose“.
- ↑ Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén — Gemahlin von 贾赦 Jiǎ Shè (Begnadigung Kaufmann), der älteren Linie der Rongguo-Familie. Der Familienname 邢 xíng ist homophon zu 刑 xíng „Strafe/Bestrafung" — eine ironische Spiegelung mit ihrem Mannes Namen 赦 shè „Begnadigung". Sie wird im Roman als engstirnig, geizig und ohne Autorität charakterisiert; sie lebt im Schatten der mächtigeren 王夫人 Wáng Fūrén (Dame König) im Hauptzweig.
- ↑ Chin. 王夫人 Wáng Fūrén, Gemahlin von Aufrecht Kaufmann (贾政).
- ↑ Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Phönix des Glanzes“.
- ↑ Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎyù, wörtl. „Schatzjade Kaufmann“.
- ↑ Chin. 尤氏 Yóu Shì, Gemahlin von Herrlichkeit Kaufmann (贾珍).
- ↑ Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die Ahnherrin der Kaufmann-Familie.
- ↑ Chin. 冯紫英 Féng Zǐyīng, ein Freund der Kaufmann-Familie.
- ↑ 八公 Bāgōng „die Acht Herzöge" — die acht Gründer-Adelsfamilien der gegenwärtigen Dynastie (im Roman ein fiktives Gegenstück zu den Qing-„Acht Bannern" und den Ming-„Acht Marquis"): 镇国公 (Niu, „Befrieder des Reiches"), 理国公 (Liu, „Lenker des Reiches"), 齐国公 (Chen, „Ordner des Reiches"), 治国公 (Ma, „Reglierer des Reiches"), 修国公 (Hou, „Erbauer des Reiches"), 缮国公 (Shi, „Vollender des Reiches"), 宁国公 (Jia, vom Stillfriede-Anwesen), 荣国公 (Jia, vom Prunkwille-Anwesen). Plus die vier 王 Wáng „Prinzenhäuser" (Nan'an, Dongping, Xining, Beijing). Die Aufzählung in dieser Geburtstagsszene zeigt das politisch-soziale Netzwerk, in dem die Jia-Familie eingebettet ist — ein Netz, das beim Untergang der Familie (Kap. 105 ff.) gleichzeitig zerfällt.
- ↑ Chin. 秦太虚 Qín Tàixū, Kalligraph der Song-Dynastie (auch Qin Guan 秦观).
- ↑ Chin. 贾瑞 Jiǎ Ruì, wörtl. „Kaufmann Glücksverheißung“.
- ↑ 天香楼 Tiānxiāng lóu „Turm/Pavillon des himmlischen Duftes" — der höchste Pavillon im 会芳园 Garten der Gesammelten Düfte des Stillfriede-Anwesens. Hier finden in mehreren Kapiteln die wichtigsten festlichen Versammlungen statt. Der Name birgt eine düstere Ironie: in der ältesten Roman-Fassung (脂砚斋-Manuskript) starb 秦可卿 Qín Kěqīng (Anmutig Minne) buchstäblich auf diesem Pavillon — 秦可卿淫丧天香楼 „Qin Keqing stirbt in Schande am Tianxiang lou". Cao Xueqin wurde von Zhiyanzhai überredet, diese Episode zu mildern; in der gedruckten Fassung kommt es zur Krankheit ohne explizite Schande, doch der Pavillon bleibt im Hintergrund präsent als Zeichen der nicht-ausgesprochenen Tabu-Tragödie der Ningguo-Linie.
- ↑ 《牡丹亭》 Mǔdān tíng „Der Pfingstrosenpavillon" (1598) — meisterhaftes Kunqu-Opern-Drama von 汤显祖 Tāng Xiǎnzǔ (1550–1616), einem der bedeutendsten Dramatiker der späten Ming-Zeit. Die Heldin 杜丽娘 Dù Lìniáng träumt von einem unbekannten Geliebten, verliebt sich, stirbt vor Sehnsucht — und kehrt drei Jahre später aus dem Totenreich zurück, um den realen 柳梦梅 Liǔ Mèngméi zu finden. Die Szene 还魂 Huánhún „Rückkehr der Seele" (Akt 35) ist ein Höhepunkt; 离魂 (oder Beimei: „Ballade") bezieht sich wahrscheinlich auf eine andere Szene des Stücks. Die Wahl gerade dieser zwei Szenen durch Phönixglanz ist nicht zufällig: das Stück handelt von einer jungen Frau, die an Liebes-Gram stirbt — unmittelbare Parallele zu Anmutig Minne, deren Tod im nächsten Kapitel-Block droht.
- ↑ Chin. 李贵 Lǐ Guì, Schatzjades Diener.
- ↑ Chin. 平儿 Píng’ér, Zofe und Vertraute von Phönixglanz.