Hongloumeng/zh-de4/Chapter 10

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第十回 / Kapitel 10

金寡妇贪利权受辱

张太医论病细穷源

中文原文 Deutsche Übersetzung (DE4, Woesler)

金寡妇贪利权受辱 张太医论病细穷源 话说金荣因人多势众,又兼贾瑞勒令赔了不是,给秦钟磕了头,宝玉方才不吵闹了。大家散了学。金荣自己回到家中,越想越气,说:“秦钟不过是贾蓉的小舅子,又不是贾家的子孙,附学读书,也不过和我一样。因他仗着宝玉和他相好,就目中无人。既是这样,就该干些正经事,也没的说;他素日又和宝玉鬼鬼祟祟的,只当人家都是瞎子看不见。今日他又去勾搭人,偏偏撞在我眼里,就是闹出事来,我还怕什么不成?” 他母亲胡氏听见他咕咕唧唧的,说:“你又要管什么闲事?好容易我和你姑妈说了,你姑妈又千方百计的和他们西府里琏二奶奶跟前说了,你才得了这个念书的地方儿。若不是仗着人家,咱们家里还有力量请的起先生么?况且人家学里茶饭都是现成的,你这二年在那里念书,家里也省好大的嚼用呢。省出来的,你又爱穿件体面衣裳。再者,你不在那里念书,你就认得什么薛大爷了?那薛大爷一年也帮了咱们七八十两银子。你如今要闹出了这个学房,再想找这么个地方儿,我告诉你说罢,比登天的还难呢。你给我老老实实的玩一会子,睡你的觉去,好多着呢。”于是金荣忍气吞声,不多一时,也自睡觉去了。次日,仍旧上学去了,不在话下。 且说他姑妈原给了贾家“玉”字辈的嫡派,名唤贾璜。但其族人,那里皆能像宁、荣二府的家势,原不用细说。这贾璜夫妻守着些小小的产业,又时常到宁、荣二府里去请安,又会奉承凤姐儿并尤氏,所以凤姐儿、尤氏也时常资助资助他,方能如此度日。 今日正遇天气晴明,又值家中无事,遂带了一个婆子,坐上车,来家里走走,瞧瞧嫂子和侄儿。说起话儿来,金荣的母亲偏提起昨日贾家学房里的事,从头至尾,一五一十,都和他小姑子说了。这璜大奶奶不听则已,听了,怒从心上起,说道:“这秦钟小杂种是贾门的亲戚,难道荣儿不是贾门的亲戚?也别太势利了。况且都做的是什么有脸的事!就是宝玉也不犯向着他到这个田地。等我到东府里瞧瞧我们珍大奶奶,再和秦钟的姐姐说说,叫他评评理。”金荣的母亲听了,急的了不得,忙说道:“这都是我的嘴快,告诉了姑奶奶,求姑奶奶快别去说罢。别管他们谁是谁非,倘或闹出来,怎么在那里站的住?要站不住,家里不但不能请先生,还得他身上添出许多嚼用来呢。”璜大奶奶说道:“那里管的那些个?等我说了,看是怎么样。”也不容他嫂子劝,一面叫老婆子瞧了车,坐上,竟往宁府里来。 到了宁府,进了东角门,下了车,进去见了尤氏,那里还有大气儿,殷殷勤勤叙过了寒温,说了些闲话儿,方问道:“今日怎么没见蓉大奶奶?”尤氏说:“他这些日子不知怎么了,经期有两个多月没有来。叫大夫瞧了,又说并不是喜。那两日,到下半日就懒怠动了,话也懒怠说,神也发涅。我叫他:‘你且不必拘礼,早晚不必照例上来,你竟养养儿罢。就有亲戚来,还有我呢;别的长辈怪你,等我替你告诉。’连蓉哥儿我都嘱咐了,我说:‘你不许累掯他,不许招他生气,叫他静静儿的养几天就好了。他要想什么吃,只管到我屋里来取。倘或他有个好歹,你再要娶这么一个媳妇儿,这么个模样儿,这么个性格儿,只怕打着灯笼儿也没处找去呢。’他这为人行事儿,那个亲戚、长辈儿不喜欢他?所以我这两日心里很烦。偏偏儿的早起他兄弟来瞧他,谁知那小孩子家不知好歹:看见他姐姐身上不好,这些事也不当告诉他,就受了万分委屈,也不该向着他说;谁知昨日学房里打架,不知是那里附学的学生倒欺负他,里头还有些不干不净的话,都告诉了他姐姐。婶子你是知道的,那媳妇虽则见了人有说有笑的,他可心细,不拘听见什么话儿,都要忖量个三日五夜才算。这病就是打这用心太过上得的。今儿听见有人欺负了他的兄弟,又是恼,又是气:恼的是那狐朋狗友,搬弄是非,调三窝四;气的是为他兄弟不学好,不上心念书,才弄的学房里吵闹。他为这件事,索性连早饭还没吃。我才到他那边解劝了他一会子;又嘱咐了他的兄弟几句,我叫他兄弟到那边府里找宝玉儿去了;我又瞧着他吃了半锺儿燕窝汤:我才过来了。婶子,你说我心焦不心焦?况且目今又没个好大夫,我想到他病上,我心里如同针扎的一般。你们知道有什么好大夫没有?” 金氏听了这一番话,把方才在他嫂子家的那一团要向秦氏理论的盛气,早吓的丢在爪洼国去了。听见尤氏问他好大夫的话,连忙答道:“我们也没听见人说什么好大夫。如今听起大奶奶这个病来,定不得还是喜呢。嫂子倒别教人混治,倘若治错了,可了不得!”尤氏道:“正是呢。” 说话之间,贾珍从外进来,见了金氏,便问尤氏道:“这不是璜大奶奶么?”金氏向前给贾珍请了安。贾珍向尤氏说:“你让大妹妹吃了饭去。”贾珍说着话,便向那屋里去了。金氏此来原要向秦氏说秦钟欺负他侄儿的事,听见秦氏有病,连提也不敢提了。况且贾珍、尤氏又待的甚好,因转怒为喜的,又说了一会子闲话,方家去了。 金氏去后,贾珍方过来坐下,问尤氏道:“今日他来,又有什么说的?”尤氏答道:“倒没说什么。一进来,脸上倒像有些个恼意似的;及至说了半天话儿,又提起媳妇的病,他倒渐渐的气色平和了。你又叫留他吃饭,他听见媳妇这样的病,也不好意思只管坐着,又说了几句话就去了,倒没有求什么事。如今且说媳妇这病,你那里寻一个好大夫,给他瞧瞧要紧,可别耽误了。现今咱们家走的这群大夫,那里要得:一个个都是听着人的口气儿,人怎么说,他也添几句文话儿说一遍;可倒殷勤的很,三四个人,一日轮流着,倒有四五遍来看脉;大家商量着立个方儿,吃了也不见效。倒弄的一日三五次换衣裳,坐下起来的见大夫,其实于病人无益。” 贾珍道:“可是这孩子也糊涂,何必又脱脱换换的?倘或又着了凉,更添一层病,还了得!任凭什么好衣裳,又值什么呢?孩子的身体要紧,就是一天穿一套新的,也不值什么。我正要告诉你:方才冯紫英来看我,他见我有些心里烦,问我怎么了。我告诉他媳妇身子不大爽快,因为不得个好大夫,断不透是喜是病,又不知有妨碍没妨碍,所以我心里实在着急。冯紫英因说他有一个幼时从学的先生,姓张名友士,学问最渊博,更兼医理极精,且能断人的生死。今年是上京给他儿子捐官,现在他家住着呢。这样看来,或者媳妇的病,该在他手里除灾,也未可定。我已叫人拿我的名帖去请了。今日天晚,或未必来,明日想一定来的。且冯紫英又回家亲替我求他,务必请他来瞧的。等待张先生来瞧了再说罢。” 尤氏听说,心中甚喜,因说:“后日是太爷的寿日,到底怎么个办法?”贾珍说道:“我方才到了太爷那里去请安,兼请太爷来家受一受一家子的礼。太爷因说道:‘我是清净惯了的,我不愿意往你们那是非场中去。你们必定说是我的生日,要叫我去受些众人的头,你莫如把我从前注的《阴骘文》,给我好好的叫人写出来刻了,比叫我无故受众人的头,还强百倍呢。倘或明日后日这两天一家子要来,你就在家里好好的款待他们就是了。也不必给我送什么东西来,连你后日也不必来。你要心中不安,你今日就给我磕了头去。倘或后日你又跟许多人来闹我,我必和你不依。’如此说了,后日我是再不敢去的了。且叫赖升来,吩咐他预备两日的筵席。” 尤氏因叫了贾蓉来:“吩咐赖升照例预备两日的筵席,要丰丰富富的。你再亲自到西府里请老太太、大太太、二太太和你琏二婶子来逛逛。你父亲今日又听见一个好大夫,已经打发人请去了,想明日必来。你可将他这些日子的病症细细的告诉他。” 贾蓉一一答应着出去了。正遇着刚才到冯紫英家去请那先生的小子回来了,因回道:“奴才方才到了冯大爷家,拿了老爷名帖请那先生去,那先生说是:‘方才这里大爷也和我说了。但只今日拜了一天的客,才回到家,此时精神实在不能支持,就是去到府上,也不能看脉。须得调息一夜,明日务必到府。’他又说:‘医学浅薄,本不敢当此重荐;因冯大爷和府上既已如此说了,又不得不去。你先替我回明大人就是了。大人的名帖,着实不敢当。’还叫奴才拿回来了。哥儿替奴才回一声儿罢。”贾蓉复转身进去,回了贾珍、尤氏的话,方出来叫了赖升,吩咐预备两日的筵席的话。赖升答应,自去照例料理,不在话下。 且说次日午间,门上人回道:“请的那张先生来了。”贾珍遂延入大厅坐下。茶毕,方开言道: “昨日承冯大爷示知老先生人品学问,又兼深通医学,小弟不胜钦敬。”张先生道:“晚生粗鄙下士,知识浅陋。昨因冯大爷示知大人家第,谦恭下士,又承呼唤,不敢违命。但毫无实学,倍增汗颜。”贾珍道:“先生不必过谦,就请先生进去看看儿妇,仰仗高明,以释下怀。” 于是贾蓉同了进去,到了内室,见了秦氏,向贾蓉说道:“这就是尊夫人了?”贾蓉道:“正是。请先生坐下,让我把贱内的病症说一说,再看脉如何?”那先生道:“依小弟意下,竟先看脉,再请教病源为是。我初造尊府,本也不知道什么,但我们冯大爷务必叫小弟过来看看,小弟所以不得不来。如今看了脉息,看小弟说得是不是,再将这些日子的病势讲一讲,大家斟酌一个方儿,可用不可用,那时大爷再定夺就是了。”贾蓉道:“先生实在高明,如今恨相见之晚。就请先生看一看脉息,可治不可治,得以使家父母放心。”于是家下媳妇们捧过大迎枕来,一面给秦氏靠着,一面拉着袖口,露出手腕来。这先生方伸手按在右手脉上,调息了至数,凝神细诊了半刻工夫;换过左手,亦复如是。诊毕了,说道:“我们外边坐罢。” 贾蓉于是同先生到外边屋里炕上坐了。一个婆子端了茶来,贾蓉道:“先生请茶。”茶毕,问道:“先生看这脉息还治得治不得?”先生说:“看得尊夫人脉息,左寸沉数,左关沉伏;右寸细而无力,右关虚而无神。其左寸沉数者,乃心气虚而生火;左关沉伏者,乃肝家气滞血亏。右寸细而无力者,乃肺经气分太虚;右关虚而无神者,乃脾土被肝木克制。心气虚而生火者,应现今经期不调,夜间不寐;肝家血亏气滞者,应胁下痛胀,月信过期,心中发热;肺经气分太虚者,头目不时眩晕,寅卯间必然自汗,如坐舟中;脾土被肝木克制者,必定不思饮食,精神倦怠,四肢酸软。据我看这脉,当有这些症候才对。或以这个的为喜脉,则小弟不敢闻命矣。” 旁边一个贴身伏侍的婆子道:“何尝不是这样呢!真正先生说得如神,倒不用我们说了。如今我们家里现有好几位太医老爷瞧着呢,都不能说得这样真切。有的说道是喜,有的说道是病;这位说不相干,这位又说怕冬至前后:总没有个真着话儿。求老爷明白指示指示。” 那先生说:“大奶奶这个症候,可是众位耽搁了。要在初次行经的时候就用药治起,只怕此时已全愈了。如今既是把病耽误到这地位,也是应有此灾。依我看起来,病倒尚有三分治得。吃了我这药看,若是夜间睡的着觉,那时又添了二分拿手了。据我看这脉息,大奶奶是个心性高强、聪明不过的人。但聪明太过,则不如意事常有;不如意事常有,则思虑太过:此病是忧虑伤脾,肝木忒旺,经血所以不能按时而至。大奶奶从前行经的日子问一问,断不是常缩,必是常长的,是不是?”这婆子答道:“可不是,从没有缩过,或是长两日三日,以至十日不等,都长过的。” 先生听了道:“是了,这就是病源了。从前若能以养心调气之药服之,何至于此!这如今明显出一个水亏火旺的症候来。待我用药看。”于是写了方子,递与贾蓉。上写的是: 益气养荣补脾和肝汤 人参二钱 白术二钱(土炒) 云苓三钱 熟地四钱 归身二钱 白芍二钱 川芎一钱五分 黄芪三钱 香附米二钱 醋柴胡八分 淮山药二钱(炒) 阿胶二钱(蛤粉炒) 延胡索钱半(酒炒) 炙甘草八分 引用建莲子七粒去心 大枣二枚 贾蓉看了说:“高明的很。还要请教先生:这病与性命终久有妨无妨?”先生笑道:“大爷是最高明的人:人病到这个地位,非一朝一夕的症候了;吃了这药,也要看医缘了。依小弟看来,今年一冬是不相干的;总是过了春分,就可望全愈了。”贾蓉也是个聪明人,也不往下细问了。 于是贾蓉送了先生去了,方将这药方子并脉案都给贾珍看了,说的话也都回了贾珍并尤氏了。尤氏向贾珍道:“从来大夫不像他说的痛快,想必用药不错的。”贾珍笑道:“他原不是那等混饭吃久惯行医的人,因为冯紫英我们相好,他好容易求了他来的。既有了这个人,媳妇的病或者就能好了。他那方子上有人参,就用前日买的那一斤好的罢。” 贾蓉听毕了话,方出来叫人抓药去,煎给秦氏吃。不知秦氏服了此药,病势如何,且听下回分解。 爪洼国──古代国名,即今南洋群岛的爪哇岛。古人以为该国距中国很远,故借以形容极其遥远的地方。是旧小说的常用语。如明·施耐庵《水浒传》第二四回:“那怒气直钻过爪哇国去了。”​ 《阴骘(zhì治)文》──全名《文昌帝君阴骘文》。是道教信徒伪托文昌帝君之名写成的书,讲论因果报应,灾祥变异等,以劝人行善积德。道教信徒以为抄印该书并广泛散发也可以积阴德。 文昌帝君:简称“文昌帝”、“文昌君”、“文昌”,亦称“梓潼帝君”。《明史·礼志四》:“梓潼帝君者,记云:‘神姓张名亚子,居蜀七曲山,仕晋战没,人为立庙。唐、宋屡封至英显王。道家谓帝(指天帝)命梓潼掌文昌府事及人间禄籍,故元加号为帝君,而天下学校也有祠祀者。’” 阴骘:阴德。​ 迎枕——亦称“迎手”。中医切脉时垫在病人手腕下的小枕。​ “先生说”一段——是张先生对秦可卿切脉后,从脉象上对其病症的诊断,总之是虚弱之症(暗指秦可卿淫荡过度)。中医切脉用食指、中指、无名指,中指所按部位称“寸”,无名指所按部位称“关”,食指所按部位称“尺”,左右手共六个部位。中医即据这六个部位的脉象而判断病人的病症。中医又以五脏与五行相配:肝为木,心为火,脾为土,肺为金,肾为水。根据五行相克之说来判断病人的病症。 沉数、沉伏:“沉”指沉脉,“数”指数脉,“伏”指伏脉。所谓“沉脉”,是指必须重按才能摸到病人的脉息,表示病在内部。所谓“数脉”,是指病人的脉息快于正常人,表示有热症。所谓“伏脉”,是指病人的脉息比“沉脉”更弱,必须加力重按才能摸到脉息,表示病人有邪气、痰滞等症。 月信:月经。以其按月定时而至,有如潮信,故称。 喜脉:妇女怀孕的脉象。 不敢闻命:不敢苟同。委婉的说法。​ 常缩、常长──是指经期经常缩短或延长。​ 脉案──中医根据诊脉而对病症写的诊断书。​

Goldruhm [金荣] hatte sich der Übermacht beugen müssen, und da auch Glücksstein Kaufmann[1] [贾瑞] ihn dazu zwang, hatte er sich entschuldigt und vor Liebglocke Minne[2] [秦钟] einen Kotau gemacht. Erst dann gab Schatzjade[3] [贾宝玉] Ruhe. Alle gingen aus der Schule nach Hause. Goldruhm kehrte heim und wurde immer wütender, je länger er darüber nachdachte. „Liebglocke Minne ist nichts weiter als der kleine Schwager von Hibiskus Kaufmann [贾蓉]", sagte er sich. „Er ist kein Spross der Familie Kaufmann — er ist bloß ein Gastschüler, genau wie ich. Nur weil Schatzjade ihn begünstigt, spielt er sich so auf und glaubt, er sei etwas Besseres als alle anderen. Wenn er sich schon so aufspielt, sollte er wenigstens anständige Dinge treiben, dann hätte niemand etwas zu sagen. Aber er treibt sich tagaus, tagein heimlich mit Schatzjade herum, als wären wir alle blind und sähen nichts! Und heute hat er wieder jemanden verführen wollen und ist mir geradewegs in die Augen gelaufen. Selbst wenn es deswegen Ärger gibt — was soll ich schon zu fürchten haben?"

Seine Mutter, Frau Hu, hörte ihn vor sich hin murren und fragte: „Worüber ärgerst du dich schon wieder? Ich habe mich mühsam an deine Tante gewandt, und deine Tante hat mit tausend Listen und hundert Kniffen die Zweitfrau Kette Kaufmann [贾琏] [d.i. Phönixglanz[4], 王熙凤] im Westanwesen dazu gebracht, dir diesen Studienplatz zu verschaffen. Ohne die Hilfe dieser Leute — hätten wir etwa das Geld, um uns einen eigenen Hauslehrer zu leisten? Außerdem sind in der Schule Tee und Mahlzeiten umsonst. Seitdem du dort lernst — das sind jetzt zwei Jahre —, haben wir zu Hause einen ganzen Haufen Essgeld gespart. Und vom Ersparten kaufst du dir gern ein schickes Gewand. Und wärst du nicht in dieser Schule, hättest du dann den Herrn Xue [薛蟠] kennengelernt? Dieser Herr Xue hat uns in den letzten zwei Jahren, ob er nun wollte oder nicht, mit siebzig, achtzig Liang Silber geholfen! Wenn du jetzt aus dieser Schule hinausfliegst und einen solchen Platz wiederfinden willst — das sage ich dir —, das ist schwerer, als zum Himmel hinaufzusteigen! Also sei brav, spiel noch ein Weilchen und geh schlafen — mehr habe ich nicht zu sagen."

Goldruhm schluckte seinen Zorn hinunter, und nach kurzer Zeit ging er tatsächlich schlafen. Am nächsten Tag besuchte er wie gehabt die Schule. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein.

Nun zu seiner Tante väterlicherseits: Sie war in die Hauptlinie der Kaufmann-Familie eingeheiratet, in die Generation mit dem Radikal „Jade" im Namen. Ihr Mann hieß Huang Kaufmann [贾璜]. Doch nicht alle Sippenangehörigen waren so wohlhabend und mächtig wie die Familien der beiden Anwesen Ning-guo und Jung-guo — das versteht sich von selbst. Die Eheleute Huang Kaufmann lebten von ihrem kleinen Besitz, statteten den beiden Anwesen regelmäßig Höflichkeitsbesuche ab und verstanden es, sich bei Phönixglanz [王熙凤] und Dame Sonders[5] [尤氏] einzuschmeicheln. Darum unterstützten Phönixglanz und Dame Sonders sie auch hin und wieder mit Zuwendungen, was ihnen so gerade zum Leben reichte.

An diesem Tag war zufällig das Wetter schön, und da zu Hause nichts Dringendes anlag, nahm sie eine alte Dienerin mit, stieg in eine Kutsche und fuhr zu ihrer Familie hinüber, um ihre verwitwete Schwägerin und ihren Neffen zu besuchen.

Im Laufe des Gesprächs kam Goldruhms Mutter ausgerechnet auf den Vorfall in der Familienschule der Kaufmanns vom Vortag zu sprechen und erzählte ihrer Schwägerin die ganze Geschichte von Anfang bis Ende, Punkt für Punkt.

Frau Huang Kaufmann brauchte es nur zu hören, um in helle Empörung auszubrechen: „Dieser kleine Bengel Liebglocke Minne ist ein Verwandter der Kaufmanns — ist unser Rong'er etwa keiner? Die Leute sollten nicht so entsetzlich auf den Vorteil bedacht sein! Und überhaupt — was für ehrenwerte, schöne Dinge treiben denn die alle! Selbst Schatzjade hat keinen Grund, ihn derart zu begünstigen. Wartet nur, ich fahre ins Ostanwesen und besuche die Frau unseres Herrn Herrlichkeit Kaufmann[6] [贾珍]. Dann spreche ich auch mit Qin Zhongs Schwester [Anmutig Minne[7], 秦可卿] und lasse sie beurteilen, ob das gerecht ist!"

Goldruhms Mutter erschrak heftig und sagte hastig: „Das kommt nur von meiner vorschnellen Zunge, dass ich der Frau Tante das erzählt habe! Ich bitte die Frau Tante, nicht hinzugehen und sich nicht darum zu scheren, wer recht hat und wer nicht. Wenn es deswegen Krach gibt, wie soll er sich dann dort noch halten können? Wenn er seinen Platz verliert, können wir uns zu Hause nicht nur keinen Hauslehrer leisten, sondern er fällt uns obendrein als zusätzlicher Esser wieder zur Last!"

Frau Huang Kaufmann erwiderte: „So viel kann ich nicht bedenken! Warte nur, bis ich dort geredet habe — dann wirst du schon sehen!" Ohne sich von ihrer Schwägerin zurückhalten zu lassen, ließ sie ihre Dienerin die Kutsche herrichten und fuhr geradewegs zum Stillfriede-Anwesen.

Dort angekommen, fuhr sie durchs große Tor, stieg vor dem kleinen Seiteneingang an der Ostseite aus der Kutsche und ging hinein, um Herrlichkeit Kaufmanns Gattin, Dame Sonders, zu besuchen. Doch sie wagte es nicht, ihrem Zorn freien Lauf zu lassen. Mit betont herzlicher Höflichkeit erkundigte sie sich nach dem Befinden, plauderte über dies und jenes und fragte schließlich: „Warum ist die junge Frau Herrlichkeit Kaufmann [Anmutig Minne] heute nicht zu sehen?"

Dame Sonders seufzte: „Seit einigen Tagen geht es ihr irgendwie gar nicht gut. Ihre Regel ist seit über zwei Monaten ausgeblieben. Wir haben Ärzte kommen lassen, aber die sagen, eine Schwangerschaft sei es nicht. In den letzten Tagen mag sie sich nachmittags kaum noch bewegen, hat keine Lust zu sprechen, und vor den Augen wird ihr schwindlig.

Ich habe zu ihr gesagt: ‚Du brauchst dich nicht an die Etikette zu halten. Morgens und abends brauchst du nicht wie üblich bei mir zu erscheinen — pflege dich einfach ordentlich! Wenn Verwandte zu Besuch kommen, bin immer noch ich da. Und wenn die Älteren sich über dich beklagen, werde ich es ihnen erklären.'

Selbst dem jungen Hibiskus Kaufmann habe ich eingeschärft: ‚Du darfst sie nicht ermüden, du darfst sie nicht ärgern — lass sie in aller Ruhe gesund werden! Wenn sie Appetit auf etwas hat, soll sie es bei mir holen. Wenn ich es nicht habe, soll sie es bei der Frau von Kette Kaufmann [Phönixglanz] besorgen. Wenn ihr etwas zustößt und du eine solche Ehefrau wieder finden willst — eine von solcher Schönheit und solchem Wesen —, da kannst du mit der Laterne suchen und wirst sie nirgends finden!'

Ihr Betragen und ihre Art, die Dinge zu handhaben — welcher Verwandte, welcher Ältere in der Familie hat sie nicht gern? Deshalb bin ich in den letzten Tagen ganz außer mir vor Sorge. Und dann musste ausgerechnet heute Morgen ihr kleiner Bruder sie besuchen kommen! Dieses Kind versteht eben noch nicht, was sich gehört — wenn er sieht, dass seine Schwester nicht wohlauf ist, sollte er selbst bei etwas Wichtigem nichts davon sagen. Von einer solchen Kleinigkeit ganz zu schweigen — selbst wenn man zehntausendfaches Unrecht erlitten hat, hätte man es ihr nicht erzählen dürfen!

Aber nein — es gab gestern in der Schule eine Schlägerei, und irgendein Gastschüler hat ihn beleidigt. Es kamen auch einige anrüchige Geschichten dabei vor, und er hat ihr alles haarklein berichtet.

Du kennst ja unsere Schwiegertochter, Schwägerin: Nach außen hin ist sie heiter und gesellig und versteht es, mit allen umzugehen. Aber im Herzen ist sie empfindsam und nimmt sich alles schwer. Bei jedem Wort, das sie hört, grübelt sie drei Tage und fünf Nächte darüber nach. Ihre Krankheit kommt eben von diesem Naturell — vom zu vielen Grübeln!

Heute hat sie gehört, dass jemand ihren Bruder schikaniert hat, und da war sie zugleich empört und betrübt. Empört über diese Bande von nichtsnutzigen Fuchs- und Hundefreunden, die Gerüchte verbreiten und Streit säen. Betrübt darüber, dass ihr Bruder nichts Rechtes lernt und sich nicht auf seine Bücher konzentriert, sodass es zu solchem Tumult in der Schule kommt.

Nachdem sie das gehört hatte, hat sie heute nicht einmal gefrühstückt. Als ich das erfuhr, bin ich sofort zu ihr gegangen und habe sie eine Weile getröstet, dann habe ich ihrem Bruder ins Gewissen geredet. Ich habe ihn hinüber ins andere Anwesen geschickt, damit er Schatzjade aufsucht. Erst als sie unter meiner Aufsicht eine halbe Schale Schwalbennestersuppe[8] zu sich genommen hatte, bin ich hierhergekommen.

Schwägerin, kannst du dir vorstellen, wie besorgt ich bin? Dazu kommt, dass wir einfach keinen guten Arzt finden. Wenn ich an ihre Krankheit denke, ist mir, als stäche man mir Nadeln ins Herz. Wisst ihr vielleicht von einem tüchtigen Arzt?"

Frau Huang Kaufmann hatte diese lange Rede angehört, und der ganze Zorn, mit dem sie eben noch bei ihrer Schwägerin Anmutig Minne zur Rede stellen wollte, war ihr vor Schreck in die Fersen gefahren. Als Dame Sonders sie fragte, ob sie einen guten Arzt kenne, beeilte sie sich zu antworten: „So, wie wir das hören, hat wirklich niemand einen guten Arzt empfohlen. Aber nach dem, was die Frau Schwägerin eben beschrieben hat, ist es am Ende doch vielleicht eine Schwangerschaft. Da sollte man nicht irgendwelche Pfuscher an sie heranlassen. Wenn die sich irren — das wäre nicht auszudenken!"

„Das ist wohl wahr", stimmte Dame Sonders zu.

Während sie noch sprachen, kam Herrlichkeit Kaufmann von draußen herein, erblickte Frau Huang Kaufmann und fragte Dame Sonders: „Ist das nicht die Frau von Huang Kaufmann?" Frau Huang Kaufmann trat vor und grüßte Herrlichkeit Kaufmann mit einer Verbeugung. Herrlichkeit Kaufmann sagte zu Dame Sonders: „Bewirte die Schwester zum Essen, ehe sie geht." Damit ging er in ein anderes Zimmer hinüber.

Frau Huang Kaufmann war eigentlich gekommen, um Anmutig Minne wegen der Beleidigung ihres Neffen durch Liebglocke Minne zur Rede zu stellen. Doch als sie von Qin Keqings Krankheit erfuhr, konnte sie die Sache nicht nur nicht ansprechen — sie wagte es nicht einmal, sie zu erwähnen. Zudem behandelten Herrlichkeit Kaufmann und Dame Sonders sie so freundlich, dass sich ihr Zorn in Freude verwandelte. Sie plauderte noch eine Weile und fuhr dann nach Hause.

Nachdem Frau Huang Kaufmann gegangen war, kam Herrlichkeit Kaufmann herüber, setzte sich und fragte Dame Sonders: „Hatte sie heute ein besonderes Anliegen?"

Dame Sonders antwortete: „Eigentlich nicht. Als sie hereinkam, sah sie zwar so aus, als sei sie verärgert, aber nachdem wir lange geredet und die Krankheit unserer Schwiegertochter zur Sprache gekommen war, beruhigte sie sich allmählich. Als du ihr dann sagtest, sie solle zum Essen bleiben, war es ihr angesichts der Krankheit unserer Schwiegertochter nicht recht, noch länger sitzenzubleiben. Sie plauderte noch ein wenig und ging dann. Ein besonderes Anliegen hatte sie nicht.

Aber sprechen wir lieber über die Krankheit unserer Schwiegertochter: Du musst irgendwo einen guten Arzt finden, der sie untersucht — und bald! Die Ärzte, die bei uns ein und aus gehen, taugen doch nichts! Jeder Einzelne von ihnen hört nur auf das, was man ihm sagt, und wiederholt es dann mit ein paar gelehrten Redewendungen aufgeputzt. Eifrig sind sie allerdings — drei oder vier von ihnen wechseln sich ab und kommen vier- bis fünfmal am Tag, um den Puls zu fühlen. Dann beraten sie gemeinsam und stellen ein Rezept zusammen, aber die Arznei zeigt keine Wirkung. Dabei muss sie sich vier- bis fünfmal am Tag umziehen und sich aufsetzen, um die Ärzte zu empfangen — der Kranken schadet das nur."

Herrlichkeit Kaufmann sagte: „So ist es. Das Kind ist auch einfältig — warum muss sie sich denn ständig umziehen? Wenn sie sich dabei erkältet, kommt noch eine weitere Krankheit hinzu, und das wäre schlimm! Kleider, gleichgültig wie kostbar sie sind, was sind die schon wert? Die Gesundheit des Kindes ist das Wichtigste — selbst wenn sie jeden Tag einen neuen Anzug trüge, wäre das nichts.

Ich bin gerade hereingekommen, um dir etwas mitzuteilen: Vorhin war Feng Ziying [冯紫英][9] bei mir zu Besuch. Er bemerkte meinen trübsinnigen Ausdruck und fragte, was mir fehle. Da erzählte ich ihm, dass unsere Schwiegertochter plötzlich ernstlich erkrankt sei, dass wir keinen guten Leibarzt finden könnten, der zuverlässig feststelle, ob es sich um eine Schwangerschaft oder eine Krankheit handle, und ob Gefahr drohe oder nicht — weshalb ich mir seit Tagen ernsthafte Sorgen mache.

Da erzählte Feng Ziying, er habe einen Lehrer aus seiner Jugendzeit, mit Nachnamen Zhang [张], mit Vornamen Youshi [友士], einen Mann von außerordentlicher Gelehrsamkeit, der sich zudem auf die Heilkunst aufs Gründlichste verstehe und sogar über Leben und Tod eines Menschen Auskunft geben könne. Dieses Jahr sei er nach Peking gekommen, um für seinen Sohn ein Amt zu kaufen, und logiere derzeit bei ihm.

So betrachtet, scheint es geradezu vom Schicksal bestimmt, dass unsere Schwiegertochter durch seine Hände von ihrem Leiden befreit werden soll. Ich habe sofort einen Boten mit meiner Visitenkarte losgeschickt, um ihn einzuladen. Sollte er heute Abend nicht mehr kommen können, wird er sicher morgen erscheinen. Außerdem ist Feng Ziying sogleich persönlich nach Hause geeilt, um ihn zu bitten. Er hat sich verpflichtet, ihn auf jeden Fall herzubringen. Warten wir also auf diesen Herrn Zhang."

Dame Sonders war erfreut und fragte: „Übermorgen ist der Geburtstag des Familienältesten — was sollen wir tun?"

Herrlichkeit Kaufmann berichtete: „Ich bin vorhin zum Familienältesten gegangen, um ihm meinen Gruß zu entbieten und ihn einzuladen, in unser Haus zu kommen und die Glückwünsche der ganzen Familie entgegenzunehmen. Aber der Familienälteste sagte: ‚Ich bin an Ruhe und Frieden gewöhnt — ich mag nicht in eure Streitarena gehen und mich ins Getümmel stürzen! Ihr werdet wohl sagen, es sei mein Geburtstag und ich solle kommen, damit alle vor mir ihren Kotau machen. Doch mir wäre es hundertmal lieber, wenn du meinen Kommentar zum Text der verborgenen Verdienste[10] [Anm.: ein taoistisches Werk über himmlische Belohnung guter Taten] von jemandem sauber abschreiben und in Druckplatten schneiden ließest — das wäre besser, als mich grundlos all diese Kotaus über mich ergehen zu lassen!

Wenn übermorgen die ganze Familie kommt, dann bewirte sie ordentlich in deinem Hause — damit hat sich's. Ihr braucht mir auch nichts zu schicken, und du brauchst übermorgen auch nicht eigens zu kommen. Falls es dir im Herzen keine Ruhe lässt, kannst du schon heute deinen Kotau vor mir machen. Solltest du aber übermorgen mit einem ganzen Gefolge bei mir aufkreuzen und mich belästigen, werde ich das nicht hinnehmen!'

Nachdem er das wieder und wieder gesagt hat, traue ich mich übermorgen wahrlich nicht mehr hin. Lass Laisheng [来升] rufen und trag ihm auf, für zwei Tage ein Festmahl vorzubereiten."

Dame Sonders ließ daraufhin Herrlichkeit Kaufmann rufen und wies ihn an: „Sag Laisheng, er soll wie üblich für zwei Tage ein üppiges Festmahl herrichten! Dann geh persönlich ins Westanwesen und lade die Herzoginmutter[11] [贾母], die Erste Gnädige Frau, die Zweite Gnädige Frau und die Frau von Kette Kaufmann [Phönixglanz] ein, uns zu besuchen. Dein Vater hat heute von einem guten Arzt erfahren und schon jemanden losgeschickt, um ihn einzuladen. Morgen wird er sicher kommen — dann musst du ihm die Krankheitssymptome der letzten Tage genau schildern."

Herrlichkeit Kaufmann sagte zu allem ja und ging hinaus. Dort traf er auf den Boten, der eben aus dem Hause des Feng Ziying zurückgekehrt war. Der berichtete: „Euer Diener war soeben bei Herrn Feng und hat mit der Visitenkarte des gnädigen Herrn den Arzt eingeladen. Der Herr Arzt sagte: ‚Der Herr hier hat mir eben davon erzählt. Aber ich habe den ganzen Tag Besuche abgestattet und bin gerade erst nach Hause gekommen. Im Augenblick reichen meine Kräfte nicht mehr aus — selbst wenn ich in Euer Haus käme, könnte ich den Puls nicht untersuchen. Lasst mich eine Nacht ausruhen — morgen komme ich bestimmt.'

Dann sagte er noch: ‚Meine medizinischen Kenntnisse sind nur oberflächlich, und eigentlich wage ich es nicht, dieser gewichtigen Empfehlung nachzukommen. Aber da sowohl Herr Feng als auch Euer gnädiger Herr darauf bestehen, kann ich nicht ablehnen. Richtet das Eurem Herrn aus! Die Visitenkarte Eures Herrn anzunehmen, wage ich wahrhaftig nicht.' Dann befahl er mir, die Karte zurückzubringen. Bitte, junger Herr, meldet das statt meiner!"

Herrlichkeit Kaufmann ging noch einmal hinein, erstattete Herrlichkeit Kaufmann und Dame Sonders Bericht und kam dann heraus, um Laisheng rufen zu lassen und ihm die Vorbereitungen für das zweitägige Festmahl aufzutragen. Laisheng ging, um alles wie gewohnt herzurichten. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein.

Am nächsten Tag gegen Mittag wurde gemeldet: „Der eingeladene Arzt Zhang ist da!" Herrlichkeit Kaufmann ließ ihn in die große Empfangshalle führen, wo sie Platz nahmen. Nachdem der Tee getrunken war, begann Herrlichkeit Kaufmann: „Gestern hat mich Herr Feng über Eure vorzüglichen Fähigkeiten und Eure Gelehrsamkeit unterrichtet und auch darüber, wie tief Eure medizinischen Kenntnisse reichen. Meine Bewunderung kennt keine Grenzen!"

Arzt Zhang erwiderte: „Ich bin nur ein ungehobelter, unbedeutender Gelehrter, dessen Wissen seicht und beschränkt ist. Gestern hat mich Herr Feng darüber belehrt, dass man in Eurem hohen Hause auch bescheidenen Gelehrten mit Hochachtung begegnet. Da Ihr mich zudem habt rufen lassen — wie dürfte ich mich Eurem Befehl widersetzen? Doch ich habe keinerlei wirkliche Kenntnisse, und mein Schweiß der Beschämung verdoppelt sich."

„Warum so übertrieben bescheiden, Herr!" sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Bitte geht hinein und untersucht meine Schwiegertochter! Ich setze alle Hoffnung in Eure Weisheit, damit mein besorgtes Herz Ruhe findet."

Daraufhin ging Herrlichkeit Kaufmann mit dem Arzt hinein. Als sie in die Gemächer kamen und der Arzt Anmutig Minne erblickte, fragte er Herrlichkeit Kaufmann: „Das ist also Eure verehrte Gemahlin?" „So ist es", antwortete Herrlichkeit Kaufmann. „Bitte nehmt Platz. Darf ich Euch zunächst die Krankheit schildern, ehe Ihr den Puls fühlt?"

Der Arzt sagte: „Meiner bescheidenen Meinung nach wäre es besser, erst den Puls zu fühlen und dann zu sprechen. Ich betrete Euer erhabenes Haus zum ersten Mal und weiß von nichts. Nur weil Herr Feng so dringend darauf bestand, konnte ich nicht umhin zu kommen. Lasst mich nun den Puls fühlen, und dann urteilt, ob meine Diagnose zutrifft oder nicht. Anschließend könnt Ihr mir den Krankheitsverlauf der letzten Tage schildern, und gemeinsam werden wir ein Rezept erwägen. Ob es taugt oder nicht, könnt dann Ihr entscheiden."

„Ihr seid wahrhaft ein herausragender Arzt, und ich kann nur bedauern, Euch nicht früher begegnet zu sein!" sagte Herrlichkeit Kaufmann. „Bitte fühlt den Puls und sagt mir, ob Heilung möglich ist, damit meine Eltern beruhigt sind."

Die Dienerinnen brachten ein großes Unterlagekissen, und man streifte Qin Keqings Ärmel zurück, um ihre Handgelenke freizulegen. Erst jetzt legte der Arzt seine Hand auf die Pulsstelle des rechten Arms. Er regulierte seinen Atem, zählte die Pulsschläge und konzentrierte sich eine gute halbe Viertelstunde auf die feinsten Regungen des Pulses. Dann wechselte er zum linken Arm und verfuhr ebenso. Als er die Pulsdiagnose abgeschlossen hatte, sagte er: „Setzen wir uns draußen hin."

Herrlichkeit Kaufmann ging mit dem Arzt ins Vorzimmer hinaus, wo sie sich auf dem Ruhebett niederließen. Eine alte Dienerin brachte Tee. „Bitte", sagte Herrlichkeit Kaufmann und trank dem Arzt Gesellschaft. Dann fragte er: „Wie lautet Eure Diagnose? Ist die Krankheit noch heilbar?"

Der Arzt erklärte: „Bei Eurer verehrten Gemahlin zeigt der linke untere Puls[12] [Anm.: die Pulsstelle, die dem Herzen zugeordnet ist] Schwäche und beschleunigte Schläge; der linke mittlere Puls [Anm.: der Leber zugeordnet] ist kaum spürbar; der rechte untere Puls [Anm.: der Lunge zugeordnet] ist zart und kraftlos; der rechte mittlere Puls [Anm.: der Milz zugeordnet] ist matt und ohne Energie.

Dass der linke untere Puls schwach und beschleunigt ist, zeigt an, dass die Lebenskraft des Herzens geschwächt ist, wodurch überschüssiges Feuer entsteht. Dass der linke mittlere Puls kaum spürbar ist, zeigt an, dass die Lebenskraft der Leber stockt und das Blut verarmt. Dass der rechte untere Puls zart und kraftlos ist, bedeutet, dass die Lebenskraft der Lungenbahn zu schwach ist. Und dass der rechte mittlere Puls matt und ohne Energie ist, zeigt an, dass das Erdelement der Milz vom Holzelement der Leber unterdrückt wird [Anm.: gemäß der Fünf-Elemente-Lehre[13] der chinesischen Medizin überwindet Holz die Erde].

Bei geschwächter Herzenskraft und überschüssigem Feuer müssen Regelstörungen und Schlaflosigkeit auftreten. Bei stockender Leberkraft und Blutarmut muss es zu schmerzhafter Schwellung unter den Rippen kommen, die Regel muss ausbleiben, und im Herzen muss Hitze empfunden werden. Bei zu schwacher Lungenkraft wird der Kopf benommen, vor den Augen flimmert es, und in den frühen Morgenstunden zwischen drei und sieben Uhr treten unweigerlich Schweißausbrüche auf — ein Gefühl, als säße man in einem schwankenden Boot. Wenn das Erdelement der Milz vom Holzelement der Leber unterdrückt wird, fehlt der Appetit, der Geist ist matt, und die vier Gliedmaßen sind kraftlos und schmerzen.

Dies sind die Symptome, die nach meiner Beurteilung dieses Pulses vorliegen müssen. Wer diesen Puls als Zeichen einer Schwangerschaft deuten will — dem zu folgen wage ich nicht."

Eine alte Dienerin, die Anmutig Minne persönlich bediente, bestätigte: „Genau so ist es! Der Herr Arzt spricht so unfehlbar, als wäre er ein Gott — wir brauchen gar nichts mehr zu schildern! Wir haben schon etliche Hofärzte gehabt, die sie untersuchten, aber keiner konnte so treffsicher diagnostizieren. Der eine sagt, sie sei schwanger, der andere, sie sei krank. Dieser sagt, es habe nichts auf sich, jener, sie müsse sich vor der Wintersonnenwende in Acht nehmen — nie weiß einer etwas Bestimmtes. Wir bitten den Herrn Arzt, uns klar und deutlich den Weg zu weisen!"

Der Arzt lächelte und sagte: „Die Krankheitssymptome der jungen gnädigen Frau sind durch diese Herren viel zu lange verschleppt worden. Hätte man gleich bei Einsetzen der ersten Regelblutung mit der richtigen Arznei begonnen, wäre es nicht nur nie zu dem heutigen Leiden gekommen — sie wäre inzwischen längst völlig genesen. Doch nachdem die Krankheit so weit fortgeschritten ist, musste dieses Unheil wohl eintreten.

Meiner Einschätzung nach bestehen noch drei Zehntel Aussicht auf Heilung. Wenn sie nach Einnahme meiner Arznei nachts schlafen kann, kommen noch zwei weitere Zehntel Zuversicht hinzu.

Wie ich den Puls lese, ist die junge gnädige Frau ein Mensch von höchstem Ehrgeiz und überragender Klugheit. Doch wer allzu klug ist, trifft unweigerlich auf Dinge, die nicht nach seinem Sinn sind, und wer ständig auf solche Dinge trifft, grübelt zu viel. Diese Krankheit rührt daher, dass sorgenschweres Grübeln die Milz geschädigt und das Holzelement der Leber übermächtig hat werden lassen — darum kann die Regelblutung nicht zur rechten Zeit kommen.

Darf ich fragen, wie es um die früheren Zyklen der jungen gnädigen Frau bestellt war? Die Regel kam gewiss nie zu früh, sondern immer zu spät — habe ich recht?"

Die alte Dienerin bestätigte: „Jawohl! Zu früh ist sie nie gekommen — manchmal zwei oder drei Tage zu spät, manchmal sogar ganze zehn Tage."

„Aha!" rief der Arzt. „Da haben wir die Krankheitsursache! Hätte man ihr rechtzeitig ein Mittel zur Stärkung des Herzens und Regulierung der Monatsblutung verabreicht, wäre es nie so weit gekommen. Jetzt zeigt sich deutlich das Muster: Das Wasserelement ist zu schwach und das Holzelement zu stark. Versuchen wir es mit einer Arznei."

Er schrieb ein Rezept und reichte es Herrlichkeit Kaufmann. Darauf stand:

Absud zur Stärkung der Lebenskraft[14], Nährung des Blutes, Kräftigung der Milz und Harmonisierung der Leber:

Ginsengwurzel (人参) — 2 Qian Atractylodes-Wurzel (白术), in Ofenlehm geröstet — 2 Qian Yünnan-Porling (云苓) — 3 Qian Aufbereitete Rehmannia-Wurzel (熟地) — 4 Qian Angelikawurzel (归身), mit Reiswein gewaschen — 2 Qian Weiße Päonie (白芍) — 2 Qian Szechuan-Liebstöckel (川芎) — 1½ Qian Tragantwurzel (黄芪) — 3 Qian Gemahlene Zypergraswurzel (香附米) — 2 Qian Mit Essig behandelte Hasenohrwurzel (醋柴胡) — 8 Fen Yamswurzel aus Huaining (怀山药), geröstet — 2 Qian Echter Eselsleim (真阿胶), mit Muschelschalenpulver geröstet — 2 Qian Lerchenspornwurzel (延胡索), in Reiswein gekocht — 1½ Qian Mit Honig kandiertes Süßholz (炙甘草) — 8 Fen

Zusätze: 7 Lotoskerne aus Fujian, ohne Keim; 2 rote Jujuben.

Herrlichkeit Kaufmann las das Rezept und sagte: „Das ist wahrhaft meisterhaft! Nur eine Frage noch: Ist die Krankheit letztendlich lebensbedrohlich oder nicht?"

Der Arzt lächelte und sagte: „Ihr seid ein kluger Mann und werdet verstehen: Eine Krankheit, die so weit fortgeschritten ist, ist nicht das Werk eines einzelnen Tages. Ob die Arznei wirkt, hängt auch vom Schicksal ab. Meiner Einschätzung nach besteht diesen ganzen Winter hindurch keine unmittelbare Gefahr. Wenn sie die Frühlings-Tagundnachtgleiche gut übersteht, darf man auf vollständige Genesung hoffen."

Herrlichkeit Kaufmann war verständig genug, nicht weiter nachzufragen. Er geleitete den Arzt hinaus und brachte dann das Rezept und die Diagnose Herrlichkeit Kaufmann. Er berichtete ihm und Dame Sonders alles, was der Arzt gesagt hatte.

Dame Sonders sagte zu Herrlichkeit Kaufmann: „So klar und bestimmt hat sich noch keiner der Ärzte geäußert. Ich denke, auf sein Rezept ist Verlass."

Herrlichkeit Kaufmann erwiderte: „Er ist ja auch kein gewöhnlicher Arzt, der seine Brötchen mit Medizin verdient. Nur weil ich mit Feng Ziying befreundet bin, hat der ihn mit größter Mühe dazu bewegen können zu kommen. Nun, da wir diesen Mann haben, wird unsere Schwiegertochter vielleicht wirklich gesund. Im Rezept steht Ginseng — dafür nehmen wir das Jin erstklassigen Ginseng, das wir neulich gekauft haben."

Herrlichkeit Kaufmann hörte alles an, ging hinaus und befahl einem Diener, die Arzneizutaten zu besorgen, sie zu kochen und den Trank Anmutig Minne einzugeben.

Ob Qin Keqings Zustand sich nach Einnahme dieser Arznei besserte oder verschlechterte — das soll im nächsten Kapitel erzählt werden.

  1. Chin. 贾瑞 Jiǎ Ruì, wörtl. „Glücksstein Kaufmann".
  2. Chin. 秦钟 Qín Zhōng, wörtl. „Qin-Glocke".
  3. Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Jade-Schatz".
  4. Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Phönix im hellen Glanz".
  5. Chin. 尤氏 Yóu Shì, Ehefrau von Herrlichkeit Kaufmann im Stillfriede-Anwesen.
  6. Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Stillfriede-Anwesen.
  7. Chin. 秦可卿 Qín Kěqīng, Schwiegertochter im Stillfriede-Anwesen.
  8. 燕窝 yànwō „Schwalbennest" — die getrockneten Speichelnester der Mauersegler (Aerodramus, nicht echte Schwalben), gewonnen aus Höhlen in Südostasien (Indonesien, Malaysia, südliches China). Eines der teuersten Lebensmittel der Welt und Symbol höchsten Luxus. In der TCM seit der Ming-Zeit verwendet als 滋阴润肺 zīyīn rùnfèi „yin-nährend, lungen-befeuchtend"-Tonikum, besonders für Frauen mit „Yin-Mangel" und Lungenschwäche. Dass Anmutig Minne morgens 燕窝粥 yànwō zhōu (Schwalbennest-Brei) gereicht bekommt, unterstreicht zugleich ihren Status (extrem kostbar) und ihre medizinische Verfassung (klassisch indizierte yin-Mangel-Symptomatik mit irregulärer Menstruation und Erschöpfung).
  9. 冯紫英 Féng Zǐyīng — Sohn eines kaiserlichen Generals (神武将军 Shénwǔ jiāngjūn), Adliger, Sportsmann (Bogenschießen, Jagd, Kampfkunst), zugleich aber ein gebildeter und großzügiger Charakter mit weiten Verbindungen. In Kap. 26 und Kap. 28 hat er eine zentrale Rolle bei dem berühmten Trinkgelage, in dessen Verlauf Schatzjade und seine Freunde im Kreis ihre „Lieder vom Frauenleid" improvisieren. Die hier in Kap. 10 begonnene Freundschaft mit Herrlichkeit Kaufmann zeigt das Beziehungsgeflecht der späten-Ming/Qing-Aristokratie: Empfehlungen für Ärzte, Lehrer oder Beamte gingen über persönliche Loyalitätsverhältnisse, nicht über öffentliche Listen.
  10. 阴骘文 Yīnzhì wén „Traktat von den verborgenen Verdiensten" — kurze daoistische Moralschrift, dem Kaiser 文昌帝君 Wénchāng dìjūn (Gott der Literatur und der Beamtenprüfungen) zugeschrieben. Der Text formuliert das Prinzip 阴骘 yīnzhì („verborgene Verdienste"): Gute Taten, die ohne Erwartung von Lohn oder Anerkennung getan werden, häufen unsichtbares karmisches Verdienst an, das den Nachkommen zugutekommt (积阴德 jī yīndé). Im 17.-19. Jahrhundert eines der populärsten Erbauungs-Traktate der literati-Schicht; Herr 贾敬 Jiǎ Jìng (der Daoist-Großvater) signalisiert mit seinem Kommentar zum 阴骘文 sowohl religiöse Tiefe als auch — ironisch — Weltflucht: er flieht die Familie zugunsten der Tugend-Schrift.
  11. Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die greise Matriarchin.
  12. 寸关尺 cùn-guān-chǐ „Daumen-Steg-Elle" — die drei klassischen Pulsstellen am Handgelenk in der traditionellen chinesischen Medizin (TCM, 中医). Auf jeder Hand gibt es drei Fingerpositionen, denen jeweils Organpaare (脏腑 zàngfǔ) zugeordnet sind: • Linke Hand: 寸 (oben) = Herz/Dünndarm; 关 (Mitte) = Leber/Galle; 尺 (unten) = Niere(yin)/Blase • Rechte Hand: 寸 = Lunge/Dickdarm; 关 = Milz/Magen; 尺 = Niere(yang)/Sanjiao Die deutschen Übersetzungen „oben/unten" bei Schwarz/Woesler invertieren diese Positionen — gemeint ist die jeweilige Organ-Position. Die Pulsdiagnose (脉诊 màizhěn) gilt als die subtilste Diagnoseform der TCM und wird bis heute praktiziert.
  13. 五行 wǔxíng „Fünf Phasen/Elemente" — Holz (木 mù), Feuer (火 huǒ), Erde (土 tǔ), Metall (金 jīn), Wasser (水 shuǐ). Sie stehen in zyklischen Beziehungen: 相生 xiāngshēng „Erzeugen" (Holz erzeugt Feuer, Feuer Erde, Erde Metall, Metall Wasser, Wasser Holz) und 相克 xiāngkè „Überwinden" (Holz überwindet Erde, Erde Wasser, Wasser Feuer, Feuer Metall, Metall Holz). In der TCM sind den 5 Elementen die zàng-Organe zugeordnet: Leber=Holz, Herz=Feuer, Milz=Erde, Lunge=Metall, Niere=Wasser. Wenn also „Holz die Erde überwindet" (木克土), bedeutet das pathologisch: die emotionale Anspannung (Leber) zerstört die Verdauungs- und Transformationskraft (Milz) — exakt Anmutig Minnes Krankheitsbild.
  14. Das Rezept ist eine raffinierte Variante des 八珍汤 Bā zhēn tāng „Acht-Schätze-Absud" (das klassische TCM-Doppel-Tonikum, das 四君子汤 Sìjūnzǐ tāng = qi-Stärkung [Ginseng/Atractylodes/Poria/Süßholz] mit 四物汤 Sìwù tāng = Blut-Nährung [Rehmannia/Angelika/Päonie/Liebstöckel] kombiniert). Dr. Zhang erweitert das Acht-Schätze-Grundgerüst um: • 黄芪 huángqí (Tragant) — verstärkt qi • 香附 xiāngfù (Cyperus) — bewegt das stagnierende Leber-qi • 醋柴胡 cù-cháihú (essig-bearbeiteter Bupleurum) — entspannt die Leber, harmonisiert • 阿胶 ējiāo (Esel-Gelatine) — Blut-Nährung • 延胡索 yánhúsuǒ (Corydalis) — schmerzstillend Das ist eine Lehrbuch-Antwort auf 肝郁脾虚 gānyù-pīxū „Leberstauung mit Milz-Schwäche" — exakt die Diagnose. Die genaue Mengenangabe in 钱 qián (≈3,7 g) und 分 fēn (≈0,37 g) entspricht dem Qing-zeitlichen Apotheken-Standardmaß.

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