Hongloumeng/de/Chapter 74
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Kapitel 74
惑奸讒抄檢大觀園 / 避嫌隙杜絕寧國府
Durch ueble Verleumdungen wird der Grosse Garten durchsucht; Um Verdacht zu vermeiden, bricht man mit dem Ningguo-Anwesen
Eine schurkische Verleumderin erwirkt, daß im Garten des Großen Anblicks eine Haussuchung gehalten wird; ein einsam-stolzes Mädchen erklärt, daß es den Umgang mit dem Ning-guo-Anwesen abbrechen will.
Während also Ping-örl belustigt anhörte, was Ying-tschun ihr erwiderte, erschien plötzlich auch noch Bau-yü, und das kam so: Nachdem die jüngere Schwester von Frau Liu, der Verantwortlichen für die Gartenküche, als Leiterin einer der Spielhöllen entlarvt worden war, fanden sich Leute im Garten, die Frau Liu von jeher feindlich gesinnt waren und deshalb auch sie noch anzeigten. Sie behaupteten, Frau Liu habe mit ihrer Schwester unter einer Decke gesteckt, diese habe zwar ihren Namen hergegeben, aber mit den Einnahmen hätten sie halbpart gemacht. So sollte Frau Liu jetzt von Hsi-fëng bestraft werden. Als Frau Liu davon erfahren hatte, war sie in Erregung geraten, und da sie bedachte, daß sie sich am besten von allen immer mit dem Personal im Hof der Freude am Roten verstanden hatte, ging sie dorthin und bat heimlich Tjing-wën und Venturina um Hilfe. Venturina sagte es Bau-yü weiter, und Bau-yü dachte sich, da auch Ying-tschuns Amme desselben Vergehens angeklagt war, würde es besser sein, wenn er sich mit Ying-tschun zusammentäte, um für beide Frauen um Gnade zu bitten, als wenn er allein nur für Frau Liu bäte, und so war er herübergekommen. Hier aber fand er nun zahlreiche Gäste vor, und alle fragten ihn sogleich: „Bist du wieder wohlauf? Was willst du denn hier?“ Da Bau-yü nicht gut verraten konnte, daß es um ein Gnadengesuch ging, sagte er einfach: „Ich wollte Kusine Ying-tschun besuchen.“ Niemand dachte sich etwas dabei, und alle plauderten zwanglos weiter. Dann ging Ping-örl fort, um die Angelegenheit mit dem goldenen Phönixhaarpfeil zu erledigen. Wang Dschu-örls Frau folgte ihr auf dem Fuße und bettelte dabei auf hunderterlei Weise. „Wenn Ihr mich nur nicht ins Unglück stürzt, werde ich den Haarpfeil auf Biegen und Brechen wieder auslösen!“ versprach sie. „Ob du ihn nun früher oder später auslöst, das Wesentliche ist, daß es erst gar nicht so weit hätte kommen dürfen“, sagte Ping-örl lächelnd. „Wenn du sagen willst, daß es mit dem Vergangenen aus und vorbei ist, wäre es mir peinlich, dich noch deswegen anzuzeigen. Löse also den Haarpfeil so früh wie möglich aus und bring ihn mir, damit ich ihn zurückgeben kann, dann will ich die Sache mit keinem Wort erwähnen!“ Jetzt konnte Wang Dschu-örls Frau wieder beruhigt sein, und nachdem sie sich mit zeremoniellem Gruß bedankt hatte, setzte sie noch hinzu: „Geht nur Eurer geschätzten Tätigkeit nach, Fräulein! Ich löse den Haarpfeil aus, bevor es Abend wird, und melde mich bei Euch, ehe ich ihn zurückgebe. Wie findet Ihr das?“ „Gut, aber beklag dich nicht bei mir über die Folgen, wenn du nicht hältst, was du versprichst!“ ermahnte Ping-örl sie noch einmal. Dann gingen sie jede ihres Weges. Als Ping-örl zurück war, fragte Hsi-fëng: „Warum hat das dritte Fräulein dich rufen lassen?“ „Sie befürchtete, Ihr könntet Euch aufgeregt haben, und wollte mich bitten, daß ich Euch gut zurede“, gab Ping-örl vor. „Außerdem hat sie gefragt, wie in den letzten Tagen Euer Appetit war.“ „Sie macht sich doch wenigstens noch Gedanken um mich!“ lobte Hsi-fëng lächelnd. Dann fuhr sie fort: „Inzwischen ist noch etwas passiert. Jemand hat mir angezeigt, Frau Liu sei an der Spielhölle, die ihre jüngere Schwester betrieb, beteiligt gewesen. Alles, was die Jüngere tat, sei von der Älteren befohlen gewesen. Aber ich sage mir, du hast mir oft genug geraten ‚Eine Sorge weniger ist besser als eine Sorge mehr.‘ So könne man sich das Herz frei halten und den Körper schonen, was auch nicht zu verachten sei. Nur weil ich nicht darauf hören konnte, hat sich das tatsächlich an mir bewahrheitet – zuerst habe ich der gnädigen Frau unrecht getan, und dann habe ich mir eine Krankheit geholt. Jetzt endlich sind mir die Augen aufgegangen, und von mir aus kann jeder machen, was er will. Es sind noch genug andere da, die sich darum kümmern können. Ich rege mich nur sinnlos auf und bringe noch alle dazu, daß sie mich verfluchen. Lieber will ich mich in Ruhe auskurieren, das ist mir jetzt das allerwichtigste. Und wenn ich wieder gesund bin, werde ich die liebe Tante spielen, mich freuen und mich amüsieren und alle anderen tun und treiben lassen, was ihnen Spaß macht. Darum habe ich einfach gesagt, es sei gut, ich wisse Bescheid, und habe mir die Sache nicht zu Herzen genommen.“ „Wenn das Euer Ernst ist, würde es unser Glück bedeuten, junge gnädige Frau“, sagte Ping-örl lächelnd. Das hatte sie kaum gesagt, als Djia Liän hereinkam, die Hände zusammenschlug und seufzend verkündete: „Eben war noch alles gut, und nun ist schon wieder etwas geschehen! Woher weiß die gnädige Frau von drüben, daß ich mir neulich durch Yüan-yang etwas zum Versetzen besorgt habe? Eben ließ sie mich rufen und befahl mir, ich solle – egal woher – zweihundert Liang Silber für sie abzweigen, die sie zum fünfzehnten achten für das Fest[1] brauche. Als ich ihr sagte, das könne ich nicht, erwiderte sie: ‚Wenn du selbst kein Geld hast, weißt du immer, woher du welches bekommst, aber wenn ich nur mit dir beratschlagen will, speist du mich mit einer Ausrede ab und sagst, du habest keine Möglichkeit. Und woher hast du neulich, als du dir eintausend Liang beschafftest, etwas zum Verpfänden gehabt? Sogar die Wertsachen der alten gnädigen Frau verstehst du wie mit Geisterhand fortzuschaffen, und wenn ich jetzt zweihundert Liang von dir haben will, kommst du mir so. Ein Glück nur, daß ich niemand davon erzählt habe!‘ Ich frage mich nur, warum die gnädige Frau, die doch bestimmt nicht knapp bei Kasse ist, so einen Anlaß bemüht, um einem etwas am Zeuge zu flicken!“ „An jenem Tag war aber niemand Fremdes anwesend, wer also kann die Sache verraten haben?“ fragte Hsi-fëng. Ping-örl rief sich genau ins Gedächtnis zurück, wer seinerzeit alles dagewesen war, und nach einigem Nachdenken sagte sie: „Ich hab‘s! Während wir hier verhandelten, war zwar kein Außenstehender dabei, aber am Abend, als die Sachen schon hergeschafft waren, kam zufällig die Mutter von diesem Blödchen, das in den Räumen der alten gnädigen Frau dient, und brachte die Wäsche, die sie gewaschen und gestärkt hatte. Sie saß eine Weile in der Gesindestube, und als sie die große Truhe sah, wird sie bestimmt gefragt haben, was das ist, und die kleineren Mädchen in ihrer Ahnungslosigkeit haben es ihr sicher gesagt. Das wäre immerhin möglich.“ Also rief sie die kleineren Sklavenmädchen und fragte sie, wer Dummchens Mutter das verraten habe. Aber die kleinen Sklavenmädchen knieten aufgeregt nieder und schworen hoch und heilig: „Wir haben noch nie gewagt, auch nur ein überflüssiges Wort zu sagen! Wenn uns jemand etwas fragt, sagen wir immer, das wissen wir nicht. Warum sollten wir uns in diesem Fall erdreistet haben zu schwatzen?!“ Hsi-fëng bedachte die Umstände der Angelegenheit und sagte dann: „Sie würden das bestimmt nicht wagen, also wollen wir ihnen kein Unrecht tun! Vertagen wir das erst einmal und stellen zunächst die gnädige Frau zufrieden, das ist das allerwichtigste! Lieber wollen wir uns etwas abknapsen, als uns ein weiteres Mal Unannehmlichkeiten einzuhandeln!“ Und sie befahl Ping-örl: „Hol meinen goldenen Halsreif und geh darauf zweihundert Liang Silber leihen, die wir ihr hinübertragen, damit die Sache ein Ende hat!“ „Sie soll gleich noch zweihundert Liang mehr darauf leihen, wir haben auch noch Ausgaben!“ verlangte Djia Liän. „Durchaus nicht nötig!“ lehnte Hsi-fëng ab, „ich habe keine Ausgaben, und ich weiß nicht einmal, woher ich das Geld nehmen soll, um den Halsreif wieder auszulösen.“ Ping-örl verschwand und erteilte jemand den Auftrag, Lai Wangs Frau zu rufen, der sie dann den Halsreif übergab und die bald darauf mit dem Silber wiederkam. Djia Liän selbst trug es zu Dame Hsing hinüber, und damit einstweilen genug hiervon. Hsi-fëng und Ping-örl rätselten zusammen, wer da aus der Schule geplaudert haben könnte, kamen aber zu keinem Ergebnis. Schließlich sagte Hsi-fëng: „Wenn diese Sache bekannt wird, ist das noch das wenigste. Angst habe ich nur davor, daß verächtliche Menschen die Gelegenheit nutzen, um Verleumdungen zu erfinden und neue Skandale heraufzubeschwören. Das Schlimme ist, daß die da drüben mit Yüan-yang verfeindet ist. Nachdem sie jetzt informiert ist, daß Yüan-yang für unsern jungen Herrn diese Sachen hinausgeschmuggelt hat, wird sie sich die Gelegenheit sicher nicht entgehen lassen. Wer weiß, ob sie sich nicht wieder irgendwelche Ungeheuerlichkeiten ausdenkt, denn kleine Leute sind unersättlich, und sie kriegt es fertig, daß selbst noch ein unbeschädigtes Hühnerei Maden bekommt. Unserm jungen Herrn würde es nicht viel ausmachen, aber Yüan-yang ist ein anständiges Mädchen, und wenn sie mit hineingezogen würde, wären wir daran schuld.“ „Da ist nichts zu befürchten“, sagte Ping-örl lächelnd, „Euretwegen hat Yüan-yang die Sachen zur Verfügung gestellt, nicht des jungen Herrns wegen. Außerdem hat sie zwar behauptet, es sei eine persönliche Gefälligkeit von ihr, in Wirklichkeit aber hatte sie der alten gnädigen Frau darüber berichtet. Die alte gnädige Frau ist nur deshalb in Sorge, weil sie so viele Enkelkinder hat. Wenn sich jeder etwas von ihr borgt und ihr nachher nur mit Schmeicheleien kommt, von wem kann sie dann etwas zurückfordern? Darum stellt sie sich einfach unwissend. Wenn die Sache also wirklich aufgebauscht würde, wäre das kein Hindernis.“ „Das mag schon so sein“, erwiderte Hsi-fëng, „aber was nutzt es, wenn wir es wissen? Die andern, die es nicht wissen, werden doch ihre Zweifel hegen.“ Dies hatte sie kaum gesagt, als jemand meldete: „Die gnädige Frau ist gekommen.“ Verwundert fragte sich Hsi-fëng, warum sie wohl selbst gekommen sei, und ging ihr rasch mit Ping-örl und den anderen Sklavenmädchen zusammen entgegen, um dann zu sehen, wie Dame Wang mit gänzlich veränderter Miene und nur von einem vertrauten kleinen Sklavenmädchen begleitet hereinkam, und ohne ein Wort zu sagen, in das innere Zimmer trat und sich setzte. Sofort brachte Hsi-fëng ihr Tee und sagte mit strahlendem Gesicht: „Ihr müßt Euch heute sehr wohl fühlen, gnädige Frau, daß Ihr vor Freude hier spazierengegangen seid!“ Doch anstatt zu antworten, gab Dame Wang nur schroff den Befehl: „Ping-örl soll hinausgehen!“ Verwirrt und ratlos sagte Ping-örl hastig jawohl und führte die kleineren Sklavenmädchen alle nach draußen, wo sie ihnen befahl, vor der Tür Aufstellung zu nehmen. Dann machte sie die Tür einfach zu, setzte sich auf die steinerne Plattform des Hauses und ließ keinen Menschen hinein. Auch Hsi-fëng war verwirrt und verstand nicht, worum es ging. Aber dann sah sie, wie Dame Wang mit Tränen in den Augen einen Riechbeutel aus dem Ärmel zog und ihn ihr vor die Füße warf, um dann zu sagen: „Sieh dir das an!“ Als Hsi-fëng, die den Beutel rasch aufhob, die farbenprächtige frivole Stickerei darauf entdeckte, fuhr sie vor Schreck zusammen und fragte sofort: „Woher habt Ihr das, gnädige Frau?“ Kaum hatte Dame Wang diese Frage gehört, flossen ihr die Tränen erst recht wie strömender Regen aus den Augen, und sie sagte mit zitternder Stimme: „Woher ich das habe? Ich habe wie gewöhnlich von nichts eine Ahnung – wie ein Frosch, der im Brunnen hockt, und verlasse mich darauf, daß du ja ein umsichtiger Mensch bist, so daß ich mir ein bißchen Ruhe gönnen kann. Und nun stellt sich heraus, daß es mit dir dasselbe ist wie mit mir! Das da lag am hellichten Tag offen auf einem Felsen im Garten herum, so daß eine Magd der alten gnädigen Frau es finden konnte. Wäre nicht zufällig deine Schwiegermutter dazugekommen, dann wäre sie spornstreichs damit zur alten gnädigen Frau gelaufen. Nun frage ich dich: Wie hast du das dort verlieren können?“ Jetzt verfärbte sich auch Hsi-fëng und fragte hastig: „Woher wollt Ihr wissen, daß es mir gehört, gnädige Frau?“ „Das fragst du noch?“ erwiderte Dame Wang unter Tränen und Seufzern. „Überleg doch mal selbst! Ihr seid das einzige junge Paar in unserm Haushalt. Außer euch gibt es hier nur alte Frauen – was sollten die damit? Und die Mädchen – wie sollten die dazu gekommen sein? Natürlich hat Liän, dieser unverbesserliche Schmutzfink, das irgendwoher angeschleppt.Und so gut, wie ihr euch versteht, hast du es natürlich als einen Spaß angesehen. Junge Leute haben solche Heimlichkeiten in ihren inneren Gemächern, mir machst du nichts vor. Glücklicherweise sind die Mädchen im Garten, ob hoch oder niedrig, noch unverständig und waren auch noch nicht auf den Beutel gestoßen. Nicht auszudenken, wenn die Mägde ihn gefunden und deinen Kusinen gezeigt hätten! Oder wenn die kleineren Mägde ihn gefunden hätten und draußen in Gegenwart von Fremden erzählt hätten, das habe im Garten gelegen. Hätten wir das überleben und unsere Ehre bewahren können?“ Vor Erregung und Beschämung war Hsi-fëng im Nu blau angelaufen. Jetzt ließ sie sich vor dem Ofenbett auf beide Knie fallen und erklärte unter Tränen: „Was Ihr sagt, hat natürlich Hand und Fuß, gnädige Frau, und ich will auch durchaus nicht behaupten, ich besäße gar nichts in dieser Art. Aber es gibt doch einiges, was ich Euch sorgsam zu bedenken bitte. Bei diesem Riechbeutel handelt es sich um eine Nachahmung in der Art von Palaststickereien, und er ist irgendwo außerhalb von Lohnstickern angefertigt worden. Die Bänder und die Quasten daran sind gleichermaßen Marktware. Auch wenn ich jung und ein bißchen leichtfertig bin, würde ich doch so etwas Plumpes nicht mögen, und was ich besitze, ist natürlich vom Feinsten. Das ist das eine. Zum andern trägt man so etwas nicht ständig bei sich. Wenn ich dreist solch einen Beutel hätte, könnte ich ihn doch nur zu Hause benutzen und würde ihn nicht am Körper tragen und überall damit hingehen, erst recht nicht, wenn ich den Garten aufsuche, so viel, wie wir Kusinen stets aneinander herumzerren. Und nicht nur vor den Kusinen, auch vor den Sklavinnen würde ich dumm dastehen, wenn er bei mir zum Vorschein käme. Wenn ich auch jung und leichtfertig bin, aber so töricht kann ich schließlich nicht sein. Drittens bin ich zwar unter uns Herrschaften die einzige junge Frau, aber unter den Sklavinnen gibt es mehr als eine Frau, die noch jünger ist als ich. Immerhin kommen sie oft in den Garten, und am Abend sucht jede von ihnen ihre eigene Wohnung auf. Woher wollt Ihr wissen, daß nicht eine von ihnen den Beutel getragen hat? Viertens bin nicht nur ich häufig im Garten, sondern auch die jungen Nebenfrauen, die die gnädige Frau von drüben immer mitbringt, wie zum Beispiel Yän-hung und Tsuee-yün. Als junge Konkubinen dürften sie so etwas eher besitzen als ich. Auch Vetter Dschëns Frau aus dem andern Anwesen ist nicht nur selber noch nicht sehr alt, sie hat auch schon oft genug Pee-fëng und andere mitgebracht, und woher wollt Ihr also wissen, daß der Beutel nicht ihnen gehört hat? Fünftens gibt es auch zu viele Mägde im Garten. Wollt Ihr da sicher sein, daß jede einzelne von ihnen anständig ist? Es gibt unter ihnen auch welche, die schon älter und in die Geheimnisse der Erwachsenen eingeweiht sind, so daß man nicht wissen kann, ob nicht eine von ihnen entweder in einem unbeobachteten Augenblick den Garten heimlich verließ oder aber irgendeinen Vorwand benutzte, um sich mit einem der Burschen am Innentor zu necken, und den Beutel auf diesem Wege hereingebracht hat. Jedenfalls habe nicht nur ich nichts damit zu tun, auch für Ping-örl kann ich mich verbürgen. Das alles solltet Ihr bitte sorgsam bedenken, gnädige Frau.“ Dame Wang sagte sich, daß diese Ausführungen sehr vernünftig klangen, und so befahl sie Hsi-fëng seufzend: „Steh auf! Ich weiß ja auch, daß du die Tochter eines großen Hauses bist und nicht dermaßen leichtfertig sein kannst. Ich war einfach erregt und habe dich mit meinen Worten aufgebracht. Aber wie wollen wir jetzt verfahren? Deine Schwiegermutter hat den Beutel eben erst in einem verschlossenen Päckchen zu mir bringen lassen, damit ich ihn mir ansehe, und sie ließ mir bestellen, sie habe ihn Blödchen abgenommen. Ich hätte mich totärgern können darüber!“ „Ihr solltet Euch nicht länger darüber ärgern, gnädige Frau!“ riet ihr Hsi-fëng. „Wenn das Gesinde etwas davon bemerkt hätte, wüßte die alte gnädige Frau wohl schon darüber Bescheid. Nur wenn wir kühl und nüchtern in aller Stille unsere Nachforschungen anstellen, können wir uns Gewißheit verschaffen. Auch wenn wir nichts herausbekommen, wird doch kein Fremder davon erfahren. Dazu sagt man ‚Der gebrochene Arm wird im Ärmel versteckt.‘ Uns bleibt jetzt keine andere Wahl, als die Gelegenheit zu nutzen, daß wegen dieser Glücksspielaffäre so viele Leute aus dem Dienst entfernt worden sind, um die Frauen von Dschou Juee, Lai Wang und noch zwei, drei andere, die den Mund halten können, im Garten einzusetzen, wo sie dann vorgeben müssen, immer noch wegen der Spielhöllen zu ermitteln.
Außerdem gibt es wirklich zu viele Mägde im Garten. Da ist nicht auszuschließen, daß in dem Maße, wie sie erwachsen werden, auch ihre Wünsche wachsen, und daß sie irgend etwas anstellen. Wenn erst etwas passiert ist, kommt die Reue zu spät. Aber wenn wir jetzt ohne jeden Grund einen Teil der Mägde entlassen, würde das nicht nur unsere Mädchen kränken und verärgern, wir könnten uns das auch nicht einfach so erlauben. Darum ist es das beste, von jetzt an alle, die schon etwas älter und vielleicht ein bißchen frech und nicht leicht zu zügeln sind, bei einer Verfehlung zu ertappen und aus dem Garten zu entfernen, um sie dann zu verheiraten. Dadurch wird gewährleistet, daß nichts mehr passieren kann, und außerdem können wir einige Kosten sparen. Was meint Ihr dazu, gnädige Frau?“
„Es ist natürlich richtig, was du sagst“, räumte Dame Wang seufzend ein, „aber wenn man gerecht ist und die Sache genau bedenkt, sind deine Kusinen wirklich zu bedauern. Ich brauche gar nicht so weit zu gehen mit meinem Vergleich, nehmen wir nur die Mutter von deiner Kusine Dai-yü! Wie wurde sie verwöhnt, als sie noch nicht verheiratet war! Das nenne ich ‚goldene Würde und jadene Vornehmheit‘, das war der Stil, wie ein Mädchen aus besseren Kreisen leben sollte! Dagegen leben deine Kusinen heute nicht viel besser als bei andern Leuten die Mägde. Keine von ihnen hat mehr als zwei oder drei Dienstmägde, die wie Menschen aussehen. Die übrigen vier oder fünf, die noch kleiner sind, wirken wie die kleinen Teufel, die als Figuren in den Tempeln dargestellt sind. Wenn wir jetzt noch welche von ihnen entlassen wollen, könnte nicht nur ich das nicht ertragen, auch die alte gnädige Frau würde wohl kaum ihre Zustimmung geben. Und wenn es uns auch schlecht geht, aber so schlecht geht es uns doch wieder noch nicht. Ich habe zwar auch keinen so großen Glanz miterlebt, aber doch etwas mehr als ihr. Darum will lieber ich mich einschränken, als die Mädchen zu kurz kommen zu lassen. Wenn wir in Zukunft sparsamer wirtschaften müssen, wollen wir nur bei mir den Anfang machen! Jetzt aber laß Dschou Juees Frau und die anderen rufen und gib ihnen den Befehl, sie sollten schnell und in aller Stille Licht in diese Sache bringen. Das ist das allerwichtigste.“ Sofort rief Hsi-fëng nach Ping-örl und schickte sie mit dem entsprechenden Auftrag los. Bald darauf erschienen die Frauen von Dschou Juee, Wu Hsing, Dschëng Hua, Lai Wang und Lai Hsi, alle fünf Frauen, die seinerzeit von Dame Wang beziehungsweise Hsi-fëng als Sklavenmädchen mit in die Ehe gebracht wurden und jetzt hier anwesend waren. Von den übrigen hatte jede im Süden ihre Aufgabe zu erfüllen. Eben sagte sich Dame Wang, daß es noch nicht genug seien, um eine Ermittlung anzustellen, da kam plötzlich Wang Schan-baus Frau herein, die seinerzeit von Dame Hsing mit in die Ehe gebracht worden war. Sie war es auch, die vorhin den Riechbeutel gebracht hatte. Da Dame Wang die bevorzugten Vertrauten von Dame Hsing nie anders betrachtet hatte als ihre eigenen, sagte sie jetzt, als Wang Schan-baus Frau erschien, um sich nach dem Fortgang der Sache zu erkundigen, und dabei sehr besorgt tat: „Geh und melde deiner Herrin, daß ich dich mit in den Garten schicken möchte, um dort nach dem Rechten zu sehen, denn du bist dafür besser geeignet als irgend jemand anders!“ Nun war Wang Schan-baus Frau den Sklavenmädchen im Garten schon lange gram, weil die sie nicht eben respektvoll behandelten, wenn sie in den Garten kam, und hätte ihnen gar zu gern etwas am Zeuge geflickt, wenn sie nur eine Gelegenheit dazu gehabt hätte. Nachdem sich nun diese Geschichte ereignet hatte, glaubte sie, ihre Stunde sei endlich gekommen. Und so war es genau das, was sie sich erhofft hatte, als Dame Wang ihr jetzt diesen Auftrag gab. Deshalb erwiderte sie: „Das ist kein Problem. Ich will ja nicht zuviel sagen, aber von Rechts wegen war es schon lange Zeit, einmal hart durchzugreifen. Ihr geht nicht viel in den Garten, gnädige Frau, und könnt das nicht wissen. Die dortigen Mägde benehmen sich eine wie die andere so, als ob sie der Kaiser mit Ehrentiteln belehnt hätte und als ob sie vornehme junge Fräulein wären. Aber selbst wenn sie den Himmel zum Einstürzen brächten, würde niemand wagen aufzumucken. Sonst würden sie nämlich die Mägde, die bei den jungen Fräulein Dienst tun, anstacheln, einfach zu behaupten, man habe ihre Fräulein gedemütigt, und wer hat schon den Mut, das zu riskieren?!“ „Das ist doch nur normal“, gab Dame Wang ihr zurück. „Die Mägde der jungen Fräulein sind nun einmal verwöhnter als die anderen. Ihr müßt ihnen also gut zureden. Nicht einmal die jungen Fräulein kommen ohne Belehrung aus, um wieviel mehr muß das also für die Mägde gelten!“ „Die übrigen mögen noch zu ertragen sein“, nahm wieder Wang Schan-baus Frau das Wort, „was Ihr aber nicht wissen werdet, gnädige Frau, ist, daß diese Tjing-wën in den Räumen von Bau-yü, nur weil sie ein wenig hübscher ist als die anderen und weil sie ein flottes Mundwerk hat, sich jeden Tag herausstaffiert wie eine Hsi-schï[2], vor allen Leuten das große Wort führt und sich stets in den Vordergrund schiebt, weil sie hoch hinaus möchte. Sagt man auch nur einen Satz, der ihr nicht paßt, dann starrt sie einen mit ihren frechen Augen an und beschimpft einen. Und ihre verführerisch-lockere Art ist alles andere als anständig.“ Bei diesen Worten fiel Dame Wang plötzlich etwas ein, und sie sagte zu Hsi-fëng: „Als wir voriges Mal mit der alten gnädigen Frau zusammen im Garten spazierengegangen sind, war da eine mit einer Wasserschlangentaille und abfallenden Schultern, deren Augen und Brauen ein wenig an deine Kusine Dai-yü erinnerten und die eben eine kleinere Magd ausschimpfte. Ihre wilde Art war mir so zuwider, daß ich mit der alten gnädigen Frau weiterging, ohne etwas zu sagen. Ich wollte später fragen, wer das war, aber dann habe ich es vergessen. Die Beschreibung von eben paßt so gut auf sie, daß ich glaube, es müßte diese Magd gewesen sein.“ „Wenn man all diese Mägde miteinander vergleicht, ist keine so gut gewachsen wie Tjing-wën, und in Betragen und Ausdrucksweise ist sie wirklich ein bißchen leichtfertig“, bestätigte Hsi-fëng. „Was Ihr eben erzählt habt, würde ihr schon ähnlich sehen, aber ich kann mich an diesen Tag nicht mehr erinnern, und darum möchte ich nicht leichtfertig etwas daherreden.“ „Warum auch?“ warf Wang Schan-baus Frau ein. „Es ist doch nicht schwer, sie herzurufen, damit die gnädige Frau sie sich ansieht.“ „Von den Mädchen aus Bau-yüs Räumen kommen für gewöhnlich nur Hsi-jën und Schë-yüä zu mir“, berichtete Dame Wang. „Die sind beide plump, und das ist gut so. Wenn die aber so eine ist, wagt sie natürlich nicht, zu mir zu kommen. Menschen wie sie sind es, die ich mein Leben lang am meisten verachtet habe. Es wäre nicht auszudenken, wenn unser guter Bau-yü von diesem Spitzbein verdorben würde!“ Dann rief sie ihr Sklavenmädchen zu sich und befahl ihm, in den Garten zu gehen. „Du sagst nur, ich wolle nach etwas fragen“, ordnete sie an, „aber Hsi-jën und Schë-yüä sollen nicht kommen, sie sollen bei Bau-yü bleiben, um ihm aufzuwarten. Nur diese flinke Tjing-wën soll auf der Stelle bei mir erscheinen. Und du darfst kein Wort mit ihr sprechen!“ Das kleine Sklavenmädchen sagte: „Jawohl!“ dazu und ging in den Hof der Freude am Roten hinüber, wo Tjing-wën, die sich nicht wohl fühlte, eben erst vom Mittagsschlaf aufgestanden war und stumm vor sich hinbrütete. Als sie jetzt den Befehl vernahm, mußte sie wohl oder übel folgen. Nun wußten alle Sklavenmädchen recht gut, daß Dame Wang verführerische Aufmachungen und leichtfertige Reden zutiefst verachtete, und deshalb war Tjing-wën ihr stets aus dem Wege gegangen. Da ihr aber schon seit Tagen nicht wohl war, hatte sie Kleidung und Schmuck ohnehin vernachlässigt, und deshalb sah sie jetzt auch kein Hindernis. Kaum daß Tjing-wën bei Hsi-fëng eintrat und Dame Wang sie erblickte – mit schiefem Haarpfeil und lockerer Frisur, herabhängendem Gewand und offenem Gürtel, schlaftrunken und kränklich, und als sie sie obendrein an Gestalt und Gesicht sofort als diejenige wiedererkannte, die sie im Monat zuvor gesehen hatte, da loderte die Wut von vorhin erneut in ihr auf. Und Dame Wang war als Mensch offen und ungekünstelt, Freude und Zorn kamen bei ihr direkt aus dem Herzen, nicht wie bei jenen Leuten, die ihre Worte verbrämen und ihre Gedanken verbergen. So sagte sie auch jetzt, als wirklicher Zorn ihr Herz bedrängte, mit verächtlichem Lächeln: „Was für eine Schönheit! Die leibhaftige kranke Hsi-schï![3] Für wen produzierst du dich Tag für Tag in dieser schamlosen Weise? Glaubst du, ich wüßte nicht, was du treibst? Noch lasse ich dich laufen, aber schon bald werde ich dir die Haut vom Leibe schinden! Geht es Bau-yü heute besser?“ Als Tjing-wën diese Worte vernahm, war sie höchst verwundert und sagte sich, hier müsse jemand versuchen, heimlich mit ihr abzurechnen. Doch so ärgerlich sie darüber auch war, wagte sie doch nicht, etwas davon verlauten zu lassen. Und da sie einen durchdringenden Verstand besaß, entschloß sie sich, die Frage nach Bau-yü nicht wahrheitsgemäß zu beantworten. Vielmehr sagte sie: „Ich komme nicht groß in Bau-yüs Zimmer und bin auch nicht viel mit ihm zusammen. Daher kann ich auch nicht wissen, wie es ihm geht. Ihr solltet Hsi-jën und Schë-yüä fragen!“ „Dafür sollte man dir auf den Mund schlagen!“ schimpfte Dame Wang. „Bist du denn tot? Was kann man mit euch schon anfangen?!“ „Ich gehöre eigentlich zum Gefolge der alten gnädigen Frau“, wehrte sich Tjing-wën. „Da die alte gnädige Frau meinte, im Garten sei es zu einsam und es gebe dort zu wenig Erwachsene, so daß Bau-yü sich fürchte, hat sie mich abgestellt, damit ich bei ihm im Vorzimmer Nachtwache halte und einfach die Räume beaufsichtige. Ich habe die alte gnädige Frau damals darauf hingewiesen, daß ich zu plump bin und mich nicht darauf verstehe, jemandem aufzuwarten, aber die alte gnädige Frau hat mich gescholten und erklärt: ‚Um ihn sollst du dich ja nicht kümmern, also ist Gewandtheit auch nicht vonnöten.‘ Erst daraufhin bin ich gegangen. Höchstens alle zehn Tage oder einmal in einem halben Monat, wenn Bau-yü Langeweile hat, vergnügen wir uns alle zusammen ein Weilchen, und dann gehen wir wieder auseinander. Für Bau-yüs Essen und Trinken wie auch für seinen Tagesablauf sind auf höherer Stufe seine alten Ammen und die übrigen Alten verantwortlich, auf unterer Stufe aber Hsi-jën, Schë-yüä und Tjiu-wën. Wenn ich sonst nichts zu tun habe, muß ich noch im Dienste der alten gnädigen Frau Nadelarbeiten machen, und so habe ich mich um Bau-yü nie gekümmert. Wenn Ihr mir das verübelt, werde ich es von jetzt an tun.“ Dame Wang dachte nicht anders, als daß dies die Wahrheit sei, deshalb sagte sie rasch: „Buddha Amitabha! Ich sehe es als ein Glück an, wenn du nicht näher mit Bau-yü zu tun hast, darum will ich dich nicht weiter bemühen. Wenn es die alte gnädige Frau war, die dich Bau-yü zugeteilt hat, will ich zuerst mit ihr sprechen, ehe du hinausgeworfen wirst.“ Anschließend wandte sie sich an Wang Schan-baus Frau und sagte: „Geh also in den Garten und hab ein paar Tage lang ein wachsames Auge auf sie! Sie darf nicht in Bau-yüs Zimmer schlafen! Sobald ich mit der alten gnädigen Frau gesprochen habe, werden wir über sie entscheiden.“ Dann fuhr sie Tjing-wën an: „Raus! Was stehst du hier herum? Diese Schlamperei ist mir ein Greuel! Und wer hat dir überhaupt diesen dirnenhaft rot-grünen Aufzug gestattet?“ Also hatte sich Tjing-wën zurückzuziehen, und ihre Erbitterung war nicht gering. Kaum daß sie zur Tür hinaus war, bedeckte sie ihr Gesicht mit dem Taschentuch und weinte haltlos im Gehen, bis sie wieder drüben im Garten war. Hier aber bezichtigte Dame Wang sich selbst, indem sie, an Hsi-fëng gewandt, sagte: „In den letzten Jahren hat meine Energie immer mehr nachgelassen, und ich bin nicht mehr mit der nötigen Aufmerksamkeit an die Dinge herangegangen. So ein Hexenbiest, und ich habe sie nie bemerkt! Ich fürchte nur, daß es noch mehr davon gibt. Demnächst muß ich das untersuchen.“ Angesichts von Dame Wangs loderndem Zorn und wegen der Anwesenheit von Wang Schan-baus Frau, die für Dame Hsing spionierte und sie auch häufig dazu anstachelte, Unruhe zu stiften, wagte Hsi-fëng nichts zu sagen, wenn sie wohl auch hunderterlei und tausenderlei zu sagen gewußt hätte. So aber senkte sie nur den Kopf und beschränkte sich auf ein Jawohl. Wang Schan-baus Frau dagegen bemerkte: „Pflegt Ihr nur Eure Gesundheit, gnädige Frau, und überlaßt diese Kleinigkeit mir, Eurer Sklavin! Es wird gar nicht schwer sein, die Schuldige ausfindig zu machen. Wir warten, bis am Abend die Gartentore geschlossen sind, so daß keine Nachricht mehr herein- oder hinausgelangt, und dann überrumpeln wir sie, indem wir mit ein paar Leuten in jedem Gartenhaus die Mägdezimmer durchsuchen. Wem dieser Beutel gehörte, wird bestimmt nicht nur ihn gehabt haben, sondern sicher noch mehr von solchem Zeug besitzen. Und bei welcher von ihnen dann etwas in dieser Art zum Vorschein kommt, der hat natürlich auch der Beutel gehört.“ Dame Wang erklärte sich einverstanden. „Das ist vollkommen richtig!“ sagte sie. „So müssen wir vorgehen, sonst können wir auf keinen Fall Klarheit schaffen!“ Dann fragte sie Hsi-fëng nach ihrer Meinung, und Hsi-fëng kam nicht umhin zuzustimmen: „Ihr habt recht, gnädige Frau. Also wollen wir es so machen!“ „Der Plan ist ganz ausgezeichnet!“ bekräftigte Dame Wang noch einmal. „Anders würden wir es auch in einem Jahr nicht herausfinden.“ Und damit galt die Haussuchung als beschlossene Sache. Als sich die Herzoginmutter nach dem Abendessen schlafen gelegt hatte und Bau-tschai mit den anderen Mädchen in den Garten zurückgekehrt war, forderte Wang Schan-baus Frau dann Hsi-fëng auf, mit ihnen in den Garten zu kommen. Nachdem sie befohlen hatten, auch die Seitentore abzuschließen, begannen sie die Durchsuchung in der Wachstube der Nachtwächterinnen. Aber hier wurde lediglich ein Überschuß an gehorteten Kerzen und Lampenöl festgestellt. „Auch das ist Diebesgut und wird nicht angerührt, ehe morgen die gnädige Frau darüber informiert ist“, entschied Wang Schan-baus Frau. Anschließend gingen sie in den Hof der Freude am Roten und befahlen, man solle das Tor hinter ihnen schließen. Da Tjing-wën sich nicht wohl fühlte und plötzlich ein ganzer Trupp Frauen erschien und ohne Angabe von Gründen zu den Zimmern der Sklavenmädchen stürzte, trat Bau-yü auf Hsi-fëng zu und fragte, was es gebe. „Es ist etwas Wichtiges verlorengegangen“, behauptete Hsi-fëng, „und da es einer nur immer unsinnig auf den anderen schiebt, ist zu befürchten, daß die Mägde es gestohlen haben. Jetzt wird bei allen eine Durchsuchung vorgenommen, um jeden Zweifel zu zerstreuen.“ Nachdem sie das gesagt hatte, nahm sie Platz, um Tee zu trinken. Inzwischen machten sich Wang Schan-baus Frau und die anderen an die Sucharbeit, fragten bei jeder Truhe, wem sie gehörte, und ließen sie von der Besitzerin selbst aufmachen. Hsi-jën, die sich schon vorhin beim Anblick von Tjing-wën gesagt hatte, es müsse etwas Außergewöhnliches vorgefallen sein, kam jetzt, als sie hörte, es gehe um eine Haussuchung, notgedrungen ebenfalls heraus und öffnete ihre Truhe und ihre Kästen, um alles durchsuchen zu lassen. Es waren jedoch nur die alltäglichsten Dinge darin, und so ließen die Frauen davon ab und wandten sich den Truhen der übrigen Sklavenmädchen zu, um sie eine nach der anderen zu kontrollieren. Als sie dabei schließlich zu Tjing-wëns Truhe kamen, fragten sie: „Wem gehört die? Warum ist sie noch nicht aufgemacht, damit wir sie durchsuchen können?“ Eben wollten Hsi-jën und die übrigen Sklavenmädchen die Truhe öffnen, da kam Tjing-wën mit aufgelöstem Haar hereingestürzt, riß den Deckel auf, daß es krachte, packte dann die Truhe mit beiden Händen am Boden und stülpte sie mit einem Ruck um, so daß das Unterste zuoberst kam und alles, was darin gewesen war, auf der Erde lag. Ärgerlich warf Wang Schan-baus Frau einen Blick auf die Sachen, konnte jedoch nichts Geheimes darunter entdecken. Also erstattete sie Hsi-fëng ihre Meldung und schlug vor, ins nächste Gartenhaus weiterzugehen. Aber Hsi-fëng fragte: „Habt ihr auch sorgfältig nachgesehen? Wenn bei der ganzen Durchsuchung nichts herauskommt, werden wir uns nur schwer rechtfertigen können.“ Doch übereinstimmend erklärten ihr die Frauen: „Wir haben jedes Stück umgedreht und alles angesehen. Es sind zwar auch Knabensachen dabei, aber die müssen einem Kind gehört haben, wahrscheinlich stammen sie noch aus Bau-yüs Kindertagen. Das ist nichts von Belang.“ „Also wollen wir gehen und uns die anderen Häuser ansehen!“ forderte Hsi-fëng sie lächelnd auf und ging schon geradewegs hinaus. Dann aber sagte sie noch zu Wang Schan-baus Frau: „Etwas wäre da noch, wenn ich auch nicht weiß, ob ich recht damit habe. Nämlich, wir sollten diese Haussuchung auf unsere Sippenangehörigen beschränken, die Räume von Fräulein Hsüä dürfen wir auf gar keinen Fall durchsuchen!“ „Das versteht sich von selbst!“ pflichtete Wang Schan-baus Frau ihr lächelnd bei. „Wie kämen wir dazu, die angeheiratete Verwandtschaft zu kontrollieren?!“ „Das meine ich auch“, sagte Hsi-fëng und nickte dazu. Bei diesen Worten waren sie schon in der Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß angelangt. Hier hatte sich Dai-yü bereits schlafen gelegt, und als ihr plötzlich gemeldet wurde, wer alles gekommen war, konnte sie sich keinen Reim darauf machen. Sie wollte schon aufstehen, da kam Hsi-fëng zu ihr herein, drückte sie auf das Kissen zurück und sagte, sie solle liegenbleiben. „Schlaf nur, wir gehen gleich wieder!“ versicherte sie ihr und verwickelte sie zugleich in eine Plauderei. Inzwischen ging Wang Schan-baus Frau mit ihrem Gefolge in die Zimmer der Sklavenmädchen und ließ auch hier jede Truhe öffnen und jeden Deckelkorb ausleeren, um alles genau zu kontrollieren. Dabei fanden sie in Dsï-djüans Zimmer zwei abgelegte Namensamulette von Bau-yü, ein vollständiges Gürtelgehänge, zwei Seidenbeutelchen und eine Fächerhülle mit einem Fächer darin, und bei näherer Betrachtung stellte sich heraus, daß es alles Dinge waren, die vor Jahr und Tag Bau-yü getragen hatte. Triumphierend ließ Wang Schan-baus Frau sogleich Hsi-fëng herüberbitten, um ihr den Fund vorzuführen, und sagte dabei: „Wie kommt das hierher?“ Aber lächelnd erklärte ihr Hsi-fëng: „Bau-yü hat von klein auf jahrelang mit ihnen zusammen herumgetollt, und das sind natürlich alte Sachen von ihm. Daran ist überhaupt nichts Außergewöhnliches. Leg die Sachen nur zurück, und dann gehen wir weiter. Das wäre wahrhaftig das Beste!“ Und Dsï-djüan fügte dem lächelnd hinzu: „Noch bis zum heutigen Tage können wir die Sachen der beiden nicht richtig auseinanderhalten. Wenn ihr nach diesem Zeug hier fragt, habe ich schon längst vergessen, seit wann es bei uns liegt.“ Ehe sie als Nächstes in Tan-tschuns Gehöft kamen, war Tan-tschun ganz wider Erwarten schon von jemandem informiert worden. Und da sie sich sagte, so ein würdeloses Vorgehen müsse einen Grund haben, befahl sie all ihren Sklavenmädchen, mit brennenden Kerzen an der offenen Tür wartend Aufstellung zu nehmen, und als jetzt die zahlreichen Ankömmlinge erschienen, fragte sie, was eigentlich los sei. Lächelnd erklärte ihr Hsi-fëng: „Es ist etwas verlorengegangen, und der Täter war trotz tagelanger Suche nicht zu ermitteln. Nun muß wohl jemand Außenstehender die Mädchen hier bezichtigt haben, deshalb wird einfach bei allen eine Durchsuchung vorgenommen, um jeden Verdacht auszuräumen. Das ist doch das beste Mittel, um sie reinzuwaschen.“ „Alle meine Mägde sind natürlich Diebinnen“, sagte Tan-tschun mit sarkastischem Lächeln, „und ich bin die große Hehlerin. Also müßt ihr zuerst meine Truhen und Schränke durchsuchen, denn alles, was sie stehlen, geben sie mir zum Verstecken!“ Damit befahl sie den Sklavenmädchen, sie sollten ihre Truhen und Schränke öffnen, ebenso ihren Spiegelkasten, ihr Schminkkästchen, ihr Deckenbündel, ihre Kleidersäcke und sämtliche anderen Behälter, groß und klein, und forderte dann Hsi-fëng auf, alles zu durchsuchen. „Ich bin nur auf Befehl der gnädigen Frau hier, und du solltest mich nicht zu unrecht verdächtigen, Kusine“, sagte Hsi-fëng mit lächelndem Gesicht. „Warum regst du dich unnötig auf?“ Dann befahl sie den Sklavenmädchen, alles rasch wieder zuzumachen, und Ping-örl und Fëng-örl und die übrigen Mägde beeilten sich, Dai-schu und den anderen beim Verschließen und Einsammeln der Sachen zu helfen. „Meine Sachen dürft ihr durchsuchen, aber nicht die meiner Mägde“, sagte inzwischen Tan-tschun. „Denn ich bin bösartiger als jeder andere, und alles, was meine Mägde besitzen, kenne ich ganz genau, alles wird bei mir hier drinnen aufbewahrt, und keine Nadel und keinen Faden können sie vor mir geheimhalten. Wenn ihr also eine Haussuchung machen wollt, müßt ihr sie bei mir machen. Und wenn ihr damit nicht einverstanden seid, dann geht es der gnädigen Frau melden! Sagt ihr nur, ich widersetzte mich ihrem Befehl, und die Strafe, die mir dafür zusteht, würde ich willig auf mich nehmen. Nur nicht so ungeduldig! Der Tag wird kommen, an dem auch bei euch eine Haussuchung gehalten wird! Habt ihr nicht heute früh von den Dschëns gesprochen, die ihr Anwesen mir nichts, dir nichts genauso durchsuchen ließen, und dann ist eine Haussuchung bei ihnen selbst gehalten worden? Da sieht man, daß die großen Familien von außen nicht so leicht totzukriegen sind. Wie die Alten richtig sagten: ‚Ein Tausendfüßer zappelt lange, wenn er stirbt.‘ Erst wenn man von innen mit Selbstmord und Selbstzerstörung beginnt, kann es gelingen, alles dem Erdboden gleichzumachen.“ Bei den letzten Sätzen hatte sie unwillkürlich zu weinen begonnen. Hsi-fëng sah nur die Sklavenfrauen an, und endlich machte Dschou Juees Frau den Vorschlag: „Wenn alle Sachen von den Mädchen mit hier sind, sollten wir weitergehen, junge gnädige Frau, damit sich das gnädige Fräulein zur Ruhe begeben kann!“ Also erhob sich Hsi-fëng von ihrem Sitz und verabschiedete sich. „Hast du auch alles ganz genau kontrolliert?“ fragte Tan-tschun. „Wenn du morgen wiederkommst, lasse ich mir das nicht noch einmal gefallen.“ Lächelnd erwiderte Hsi-fëng: „Wenn die Sachen deiner Mägde alle mit hier sind, braucht nichts kontrolliert zu werden.“ „Also, du bist wirklich raffiniert!“ sagte Tan-tschun mit verächtlichem Lächeln. „Selbst meine Kleidersäcke waren geöffnet, und trotzdem sagst du noch, es sei nichts kontrolliert worden. Morgen wirst du behaupten, ich hätte meine Mägde in Schutz genommen und keine Durchsuchung zugelassen. Darum sag es rechtzeitig! Wenn ihr weiterkontrollieren wollt, können wir alles noch einmal auspacken.“ Hsi-fëng wußte, daß Tan-tschun von jeher anders war als die übrigen Mädchen, deshalb hatte sie keine andere Wahl, als ein Lächeln aufzusetzen und ihr zu versichern: „Einschließlich deiner eigenen Sachen habe ich alles genau gesehen.“ „Habt auch ihr alles genau gesehen?“ wollte Tan-tschun von den Sklavenfrauen wissen. Und lächelnd bestätigten Dschou Juees Frau und die anderen: „Ja, wir haben alles genau gesehen.“ Die Frau von Wang Schan-bau war jedoch ein Mensch ohne Sinn für das rechte Maß. Sie hatte zwar schon viel von Tan-tschun reden gehört, nahm aber an, das müsse daran liegen, daß die anderen sie nicht zu durchschauen vermochten und einfach keinen Mumm hatten. Wie konnte sich denn ein Mädchen so aufspielen? Was durfte die sich schon groß erlauben, zumal sie nur die Tochter einer Nebenfrau war? Sie selbst konnte sich schließlich darauf berufen, daß sie von Dame Hsing mit in die Ehe gebracht worden war. Sogar Dame Wang mußte sie noch mit anderen Augen ansehen, um wieviel mehr mußte das erst für andere gelten! Und als sie jetzt sah, wie Tan-tschun sich aufführte, nahm sie tatsächlich an, deren Zorn richte sich allein gegen Hsi-fëng und habe mit ihnen gar nichts zu tun. Darum entschloß sie sich, ihre Machtstellung auszunutzen und sich ein rechtes Ansehen zu verschaffen, damit sie sich vor ihrer Herrin damit brüsten konnte. Sie schob sich also durch die Menge nach vorn, faßte den Saum von Tan-tschuns Gewand, hob ihn betont in die Höhe und sagte dabei kichernd: „Sogar eine Leibesvisitation habe ich gemacht und nichts dabei gefunden.“ Als Hsi-fëng das sah, riet sie ihr schnell: „Geh, Muttchen, und spiel hier nicht verrückt!“ Aber noch ehe sie zu Ende gesprochen hatte, klatschte es, und Wang Schan-baus Frau hatte Tan-tschuns Hand ins Gesicht bekommen. Zugleich geriet Tan-tschun in heftigsten Zorn, wies mit dem Finger auf Wang Schan-baus Frau und fragte: „Wer bist du denn, daß du es wagst, an meinen Kleidern zu zerren? Nur um des Ansehens der gnädigen Frau willen und weil du schon bei Jahren bist, habe ich dich immer mit Muttchen angeredet. Du aber führst dich auf wie ein Hund, der sich auf die Macht seines Herrn verläßt, stellst jeden Tag etwas an und stiftest nichts als Unruhe. Jetzt endlich benimmst du dich völlig unerhört. Wenn du glaubst, daß ich genauso gutmütig sei wie euer Fräulein, das sich von euch beleidigen läßt, hast du dich verrechnet! Solange du nur meine Sachen durchsuchst, bleibe ich friedlich, aber zum Gespött machen lasse ich mich nicht von dir!“ Bei diesen Worten hatte sie ihr Gewand geöffnet und ihren Rock abgelegt. Jetzt zog sie Hsi-fëng zu sich heran, damit die sie durchsuchte, und sagte dazu: „Erspar es mir, mich von Sklaven abtasten zu lassen!“ Rasch band ihr Hsi-fëng mit Ping-örls Hilfe den Rock wieder um und brachte ihre Ärmel in Ordnung. Dabei sagte sie mit scharfer Stimme zu Wang Schan-baus Frau: „Kaum hast du ein paar Schluck Wein getrunken, fängst du an, verrückt zu spielen, Muttchen. Neulich bist du dabei sogar mit der gnädigen Frau aneinandergeraten. Mach, daß du hinauskommst! Und kein Wort von der Sache!“ Dann redete sie Tan-tschun zu, ihr Temperament zu zügeln. „Wenn ich nur wirklich Temperament hätte, dann hätte ich mir jetzt längst den Kopf eingerannt und mich umgebracht“, erwiderte Tan-tschun mit kühlem Lächeln darauf. „Wie könnte ich sonst einer Sklavin erlauben, an meinem Körper nach Diebesgut zu suchen? Morgen werde ich in aller Frühe zuerst der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau davon berichten, und dann gehe ich hinüber, um mich bei meiner Tante zu entschuldigen. Egal, welche Strafe mir zukommt, ich nehme sie an!“ Wang Schan-baus Frau aber, die sich diese Abfuhr geholt hatte, sagte von draußen durchs Fenster: „Schluß und aus! Das war das erste Mal, daß mich jemand geschlagen hat. Morgen spreche ich mit der gnädigen Frau, und dann kehre ich in die Familie meiner Mutter zurück! Welchen Sinn hat für mich noch dies Leben?!“ „Habt ihr gehört, was sie da gesagt hat?“ fragte Tan-tschun ihre Sklavenmädchen. „Sie scheint noch zu glauben, ich würde etwas dagegen einwenden.“ Als Dai-schu diese Aufforderung vernahm, lief sie hinaus, um Wang Schan-baus Frau zu sagen: „Wenn du wirklich zu deiner Mutter zurückgehen würdest, wäre das unser Glück. Es ist nur leider zu befürchten, daß du dich hier nicht losreißen kannst.“ „Ein prächtiges Mädchen!“ stellte Hsi-fëng lächelnd fest. „Wirklich, ‚Wie der Herr, so der Knecht.‘“ „Diebe wie wir haben immer ein paar passende knappe Worte auf Lager, da war das sogar noch plump“, sagte Tan-tschun mit höhnischem Lächeln. „Bloß heimlich die Herrschaft aufstacheln können wir nicht.“ Lächelnd ging Ping-örl zu Dai-schu hinaus, um ihr einige besänftigende Worte zu sagen, und holte sie wieder herein. Auch Dschou Juees Frau und die anderen redeten noch ein Weilchen zur Güte, und Hsi-fëng wartete so lange, bis Tan-tschun zu Bett gebracht war, ehe sie mit ihrem Gefolge zum Gehege der Warmen Düfte aufbrach. Da Li Wan noch krank zu Bett lag und da sie eine unmittelbare Nachbarin von Hsi-tschun war, aber auch in der Nähe von Tan-tschun wohnte, beschloß Hsi-fëng, diese beiden Orte als Nächste aufzusuchen. Nun hatte Li Wan eben erst ihre Medizin eingenommen und sich schlafen gelegt, darum konnte sie schlecht gestört werden, und so wurden nur die Zimmer ihrer Sklavenmädchen eins nach dem andern durchsucht, ohne daß dabei etwas zum Vorschein gekommen wäre. Anschließend ging es zu Hsi-tschun. Und da Hsi-tschun noch klein und unverständig war, so daß sie vor Schreck annahm, es müsse wer weiß etwas geschehen sein, kam Hsi-fëng nicht umhin, sie zunächst einmal zu beruhigen. Dann fand sich zum allgemeinen Erstaunen in Ju-huas Truhe ein ansehnliches Paket kleiner Gold- und Silberbarren – insgesamt nicht weniger als dreißig bis vierzig Stück, eine Jadespange von einem Männergürtel, ein Bündel Männerschuhe und -strümpfe und ähnliche Dinge mehr. Ju-hua war fahl im Gesicht geworden, und als man sie fragte, woher die Sachen stammten, fiel sie auf die Knie, um weinend zu gestehen: „Die Sachen hat der junge Herr Dschën meinem großen Bruder geschenkt. Weil jedoch unsere Eltern im Süden sind, leben wir hier mit unserm Onkel, aber der und die Tante haben nichts anderes im Sinn als nur Weintrinken und Glücksspiele. Deshalb hatte mein Bruder Angst, die Sachen dem Onkel zu geben, weil der nur alles verschwendet hätte, und so hat er jedesmal, wenn er ein Geschenk bekam, ein altes Muttchen gebeten, es zu mir in den Garten zu tragen, damit ich es für ihn aufbewahre.“ Furchtsam, wie Hsi-tschun war, bekam sie es auch jetzt mit der Angst zu tun und sagte: „Davon habe ich nichts gewußt. Das ist unerhört! Aber wenn du sie schlagen willst, Schwägerin, führ sie bitte hinaus und schlag sie draußen. Ich bin es nicht gewöhnt, so etwas anzuhören.“ Aber Hsi-fëng erwiderte lächelnd: „Wenn es wahr ist, was sie sagt, könnte man ihr schon verzeihen. Nur hätte sie die Sachen nicht heimlich hier einschmuggeln dürfen. Denn wenn man das einschmuggeln kann, kann man alles andere auch einschmuggeln. Aber dieses Vergehen geht zu Lasten der Schmugglerin. Falls es jedoch nicht wahr ist, was sie gesagt hat, und die Sachen sind gestohlen, kann sie getrost vom Leben Abschied nehmen.“ Weinend beteuerte Ju-hua auf Knien: „Ich würde nicht wagen zu lügen. Erkundigt Euch nur morgen bei der jungen Herrin und dem jungen Herrn aus dem andern Anwesen, junge gnädige Frau! Wenn sie sagen, sie haben das meinem Bruder nicht geschenkt, dann könnt Ihr mich mit meinem Bruder zusammen totschlagen, ohne daß ich darüber grollen werde.“ „Natürlich werde ich mich danach erkundigen“, versicherte Hsi-fëng. „Doch selbst dann, wenn es wirklich Geschenke sind, hast du dich eines Vergehens schuldig gemacht. Wer hat dir gestattet, hier etwas heimlich hereinzuschaffen? Aber sag mir, wer euch dabei geholfen hat, dann vergebe ich dir! Und noch einmal darfst du das auf gar keinen Fall tun!“ „Schon diesmal darfst du ihr nicht verzeihen, Schwägerin!“ mischte Hsi-tschun sich ein. „Hier sind viele Leute beisammen, und wenn nicht an ihr ein Exempel statuiert wird, so daß auch die Schlimmeren davon erfahren, werden sie sich wer weiß wie aufführen. Wenn du ihr vergibst, werde ich mich damit nicht abfinden.“ „Ich habe immer gesehen, daß sie gar nicht so schlecht ist“, widersprach Hsi-fëng. „Gibt es denn jemand, der nie einen Fehler begeht? Und es ist ja nur dies eine Mal. Wenn sie sich noch einmal etwas zuschulden kommen läßt, wird sie für beide Vergehen zugleich bestraft. Ich möchte nur wissen, wer die Schmugglerin war.“ „Nach der brauchst du nicht lange zu suchen“, meinte Hsi-tschun darauf. „Bestimmt ist es diese alte Mutter Dschang vom Hintertor. Sie hatte immer ihre Heimlichkeiten mit den Mägden, und die Mägde waren auch immer gut zu ihr.“ Als Hsi-fëng das hörte, befahl sie den Frauen, es sich zu merken. Dann gab sie den Fund aus Ju-huas Truhe vorläufig Dschou Juees Frau in Verwahrung, um am nächsten Tag, wenn sie ihre Informationen eingeholt hätte, darüber befinden zu können. Anschließend verabschiedete sie sich von Hsi-tschun und ging nun weiter zu Ying-tschun. Ying-tschun selbst schlief bereits, und ihre Sklavenmädchen wollten sich gerade ebenfalls hinlegen, darum mußten die Besucherinnen lange ans Tor klopfen, ehe ihnen endlich geöffnet wurde. „Das Fräulein dürft ihr nicht aufstören!“ befahl Hsi-fëng und wandte sich zu den Zimmern der Sklavenmädchen. Da Sï-tji über ihre Mutter eine Enkelin von Wang Schan-baus Frau war, wollte Hsi-fëng sehen, ob Wang Schan-baus Frau wohl insgeheim parteiisch war oder nicht, und beobachtete diesmal genau, wie die Durchsuchung vonstatten ging. Zuerst wurde bei den anderen nachgesehen und nirgends etwas Verdächtiges festgestellt. Als sie dann zu Sï-tjis Truhe kamen, sahen sie sie ebenfalls durch, und Wang Schan-baus Frau sagte: „Hier ist auch nichts.“ Doch als der Deckel gerade wieder zugeklappt werden sollte, forderte Dschou Juees Frau die anderen auf: „Wartet mal! Was ist denn das hier?“ Und sie streckte die Hand aus, um ein Paar Männerstrümpfe mit Brokatbändern und ein Paar Damastschuhe aus der Truhe zu ziehen. Außerdem fand sie noch ein kleines Päckchen mit einem Liebessymbol in Form zweier ineinander verschlungener Glückwunschzepter und einem beschriebenen Briefbogen darin. Das alles übergab Dschou Juees Frau an Hsi-fëng, und da Hsi-fëng bei der Leitung des Hauswesens stets Belege und Rechnungen anzusehen hatte, beherrschte sie auch ein gut Teil Schriftzeichen. Als sie jetzt den Briefbogen entfaltete, stellte sie fest, daß er in roter Farbe groß mit der Zeichenkombination „zweifache Freude“ (Freude zu zweit) bedruckt war und daß darauf geschrieben stand: „Nachdem du letzten Monat zu Hause warst, haben die Eltern schon herausgefunden, wie wir zueinander stehen. Unser Herzenswunsch kann jedoch nicht in Erfüllung gehen, solange Dein Fräulein noch nicht verheiratet ist. Wenn es möglich ist, daß wir uns im Garten treffen, gib mir Nachricht durch Mutter Dschang. Im Garten können wir besser miteinander reden als zu Hause. Bitte, bitte tu‘s doch! Ansonsten habe ich die beiden Riechbeutel richtig erhalten, die Du mir als Geschenk übersandt hast und schicke Dir hiermit eine Gebetsschnur aus Duftholzperlen als kleinen Beweis meiner Gefühle. Heb sie nur gut auf! Dies schrieb Dein Vetter Pan You-an mit dem Ausdruck tiefster Verehrung.“ Als Hsi-fëng zu Ende gelesen hatte, war sie nicht zornig, sondern fröhlich. Von ihren Begleiterinnen aber konnte keine schreiben und lesen. Wang Schan-baus Frau, die von der Liebesgeschichte zwischen den beiden Geschwisterkindern in ihrer Familie keine Ahnung hatte, war beim Anblick der Schuhe und Strümpfe schon von einem unguten Gefühl befallen worden. Als sie dann den rotbedruckten Bogen erblickte und sah, wie Hsi-fëng beim Lesen schmunzelte, sagte sie: „Das ist bestimmt eine dumme Rechnung, in der kein einziges Schriftzeichen richtig ist, daß Ihr Euch so darüber amüsiert, junge gnädige Frau!“ „Ja“, sagte Hsi-fëng, „diese Rechnung geht wirklich nicht auf. Du bist doch Sï-tjis Großmutter. Da müßte doch ihr Vetter ebenfalls Wang heißen, warum nennt er sich Pan?“ Wang Schan-baus Frau wunderte sich zwar über die Frage, kam aber nicht umhin zu antworten: „Sï-tjis Tante väterlicherseits ist jemand aus der Familie Pan zur Frau gegeben worden, und darum heißt Sï-tjis Vetter mit Familiennamen Pan. Es ist dieser Pan You-an, der neulich entflohen ist.“ „Genau so muß es sein!“ bestätigte Hsi-fëng. „Hör jetzt zu, was auf dem Zettel steht!“ Und sie las den ganzen Brief laut vor, was alle vor Schreck erstarren ließ. Wang Schan-baus Frau hatte nichts sehnlicher gewünscht, als jemanden bei einer Verfehlung zu ertappen, und nun war die Ertappte ihre eigene Enkeltochter. Darüber war sie ärgerlich und beschämt zugleich. Jetzt sagten auch noch Dschou Juees Frau und die drei anderen Sklavenfrauen: „Hast du gehört, Alte? Das ist klar und deutlich, dazu ist nichts mehr zu sagen. Was meinst du, was nun zu tun ist?“ Da bedauerte Wang Schan-baus Frau nur, daß keine Spalte im Boden war, in die sie sich hätte verkriechen können. Hsi-fëng aber lachte ihr ungeniert ins Gesicht und bemerkte dann lächelnd zu Dschou Juees Frau: „Das ist doch gut! Sie hat der alten Oma die Mühe erspart und in aller Stille und Heimlichkeit selbst einen feinen Schwiegersohn ins Haus gebracht. So haben schließlich alle weniger Sorgen!“ Auch Dschou Juees Frau machte lächelnd ihre Scherze, bis Wang Schan-baus Frau, die ihren Zorn nirgends abreagieren konnte, mit der Hand ausholte, sich selbst ins Gesicht schlug und sich dabei noch beschimpfte: „Du alte Hure, die ihre Zeit überlebt hat! Wozu hast du mit deinen Sünden den Grund gelegt?! Die eigene Großmäuligkeit bringt dir jetzt Maulschellen ein. Die Vergeltung kam in derselben Existenz und dazu noch vor aller Augen!“ Alle, die das mit ansahen, wollten sich ausschütten vor Lachen und vermischten weiteren Spott mit scheinbar begütigenden Worten. Wie Hsi-fëng inzwischen beobachtete, hielt Sï-tji zwar den Kopf gesenkt und sprach kein Wort, aber sie zeigte weder Furcht noch ein schlechtes Gewissen, und das kam ihr merkwürdig vor. Da sie sich sagte, daß jetzt in später Nacht nicht die richtige Zeit für eine Vernehmung war, andererseits aber befürchtet werden mußte, daß Sï-tji über Nacht aus Reue eine Dummheit beginge, befahl sie zwei von den Sklavenfrauen, sie sollten sie einsperren und bewachen. Dann nahm sie die Beweisstücke an sich, führte die Leute fort und kehrte in ihre Räume zurück, wo sie sich schlafen legte, denn sie wollte die Vorfälle erst am nächsten Tag aufklären. Unerwartet mußte sie aber die Nacht über mehrmals hintereinander aufstehen, weil sie unten herum in einem fort blutete. Am nächsten Tag fühlte Hsi-fëng sich außerordentlich matt, und als sie aufstand, wurde ihr so schwindlig, daß sie sich nicht auf den Beinen zu halten vermochte. Ein Hofarzt wurde geholt, und nachdem er ihr die Pulse gefühlt hatte, setzte er folgenden Befund auf: „Die junge gnädige Frau leidet offensichtlich an Herzschwäche, und durch Entkräftung entstandenes Feuer hat von der Milz Besitz ergriffen. Die Ursachen sind in Kummer und Überanstrengung zu suchen, und die Folge besteht in einem süchtigen Verlangen nach Ruhe und Schlaf. Da der Magen in Mitleidenschaft gezogen und das Holzelement der Leber geschwächt ist, besteht Appetitlosigkeit. Vorläufig sind Medikamente angezeigt, die dem yang-Element aufhelfen[4] und eine allgemeine Kräftigung bewirken.“ Nachdem er das geschrieben hatte, fügte er die Namen einiger Arzneimittel hinzu, aber das waren nur Ginseng, Engelwurz, Tragant und dergleichen. Ein Weilchen später, als der Arzt wieder fort war, gingen die alten Ammen mit dem Rezept zu Dame Wang, um ihr Bericht zu erstatten, und nun litt sie natürlich noch unter einem weiteren Kummer. Die Angelegenheit mit Sï-tji blieb daher vorläufig unerledigt. Zufällig kam eben Frau You herüber, um Hsi-fëng einen Besuch zu machen, und nachdem sie eine Zeitlang bei ihr gesessen hatte, ging sie in den Garten, um auch Li Wan zu besuchen. Anschließend wollte sie noch zu den Mädchen gehen, aber da erschien plötzlich eine Botin von Hsi-tschun, um Frau You zu ihrer Herrin hinüberzubitten. Als Frau You dort angekommen war, berichtete Hsi-tschun ihr den Vorfall vom vergangenen Abend in allen Einzelheiten und ließ ihr dann die Sachen aus Ju-huas Truhe vorlegen. „Das sind tatsächlich Geschenke, die dein Bruder ihrem Bruder gemacht hat“, bestätigte Frau You, setzte dann aber hinzu: „Sie hätte sie bloß nicht heimlich hier hereinschaffen dürfen. Auf diese Weise ist das Monopolsalz zu Schmuggelsalz geworden[5].“ Anschließend beschimpfte sie Ju-hua, das Fett müsse ihr das Herz verkleistert und sie dumm gemacht haben. Hsi-tschun dagegen erwiderte: „Erst erzieht ihr die Mägde nicht streng genug, und dann beschimpft ihr sie. Von allen Kusinen bin ich die einzige, die so eine unverschämte Magd hat, daß ich keinem Menschen mehr ins Gesicht sehen kann. Gestern habe ich Kusine Hsi-fëng gedrängt, sie auf der Stelle mitzunehmen, aber damit war Hsi-fëng nicht einverstanden, und da Ju-hua von drüben aus eurem Anwesen stammt, mußte ich mir sagen, Hsi-fëng habe recht. Heute wollte ich sie gerade zu euch hinüberbringen lassen, darum kommst du eben richtig, Schwägerin. Also nimm sie nur rasch mit! Ob ihr sie verprügeln, totschlagen oder verkaufen werdet, ist mir einerlei.“ Als Ju-hua das hörte, kniete sie noch einmal nieder und flehte unter Tränen: „Ich will das nie wieder tun, Fräulein, und ich bitte Euch nur um das eine: Denkt daran, was uns von klein auf miteinander verbunden hat, und laßt mich um alles in der Welt bei Euch leben und sterben!“ Auch Frau You und Hsi-tschuns alte Ammen setzten sich für Ju-hua ein und sagten: „Sie hat dieses eine Mal eine Dummheit gemacht und wird es kein zweites Mal wagen. Von Kindesbeinen an hat sie dir gedient, darum ist es nur recht und billig, wenn du sie bei dir behältst.“ Aber Hsi-tschun besaß trotz ihrer Jugend die Charaktereigenschaft, unbeugsam rechtschaffen und stolz zu sein. Was man ihr auch sagen mochte, für sie galt nur, daß sie ihr Ansehen einbüßen würde, also biß sie die Zähne zusammen und lehnte es entschieden ab, Ju-hua bei sich zu behalten. Sie ging sogar noch weiter, indem sie erklärte: „Nicht nur, daß ich Ju-hua nicht mehr will, ich bin jetzt auch groß und kann nicht gut noch länger zu euch hinüberkommen. Zumal ich in letzter Zeit immer wieder gerüchteweise davon höre, daß heimlich irgendwelche haarsträubenden Dinge von euch erzählt werden. Wenn ich euch noch weiter besucher, werde ich selbst ins Gerede kommen.“ „Wer erzählt da von uns?“ fragte Frau You. „Und was gibt es von uns zu erzählen? Wer bist du, und wer sind wir? Wenn du hörst, wie jemand über uns herzieht, müßtest du ihn zur Rechenschaft ziehen, das wäre richtig!“ Aber mit kühlem Lächeln gab Hsi-tschun zur Antwort: „Das hast du aber fein gesagt! Für mich als Mädchen ist Zurückhaltung das einzige, was in Frage kommt. Was würde aus mir werden, wenn ich anfangen wollte zu rechten? Und noch etwas: Ich habe keine Angst davor, daß du wütend wirst. Glücklicherweise habe ich meinen eigenen Verstand, warum also sollte ich andere fragen? Die Alten sagen zu Recht ‚Wenn es um Gut und Böse, Leben und Sterben geht, können auch Vater und Sohn einander nicht helfen.‘ Um wieviel mehr gilt das für mich und dich! Für mich heißt es nur, mich selbst zu bewahren, und das ist mir genug, mit euch will ich nichts zu tun haben. Ihr dürft mich also nicht mit hineinziehen, wenn euch in Zukunft etwas zustößt!“ Frau You war ärgerlich und belustigt zugleich, und zum anwesenden Gesinde gewandt, sagte sie: „Kein Wunder, wenn jedermann sagt, das vierte gnädige Fräulein sei jung und dumm! Ich hatte das bloß nicht glauben wollen. Habt ihr gehört, was sie eben gesagt hat, ohne Grund und Ursache, ohne Verständnis für Gut und Böse und ohne Gefühl für Maß und Norm? Es war zwar nur das Geschwätz eines Kindes, aber es konnte einem heiß und kalt dabei werden.“ „Das Fräulein ist noch jung“, sagten die alten Ammen lächelnd, „da müßt Ihr schon etwas einstecken, junge gnädige Frau!“ Wieder lächelte Hsi-tschun geringschätzig und parierte: „Ich bin zwar jung, aber aus meinen Worten spricht nicht die Jugend. Ihr könnt nicht lesen, kennt kaum ein paar Schriftzeichen, also seid ihr die Dummköpfe. Jetzt seht ihr jemand, der Verstand besitzt, aber da sagt ihr, ich sei jung und dumm.“ „Ja, du gehörst zu den Besten in der Palastprüfung[6], bist das größte Talent aller Zeiten“, höhnte Frau You. „Wir aber sind dumm und haben keinen Verstand. Bist du nun zufrieden?“ „Als ob es unter den Besten in der Palastprüfung keine Dummköpfe gäbe!“ erwiderte Hsi-tschun. „Man weiß doch, daß es auch unter ihnen welche gibt, denen die Erleuchtung fehlt.“ „Fein sagst du das!“ fuhr wieder Frau You lächelnd fort. „Eben warst du noch das große Prüfungstalent, jetzt bist du ein weiser Mönch und sprichst von Erleuchtung.“ „Wenn ich nicht erleuchtet wäre, würde ich auch nicht auf Ju-hua verzichten“, erklärte Hsi-tschun. „Das zeigt nur, daß du hartherzig und kaltschnäuzig bist, bösartig und starrsinnig“, behauptete Frau You. „‚Wer nicht hart zu sein versteht, kann auch nicht für sich einstehen.‘ Das ist ebenfalls ein Wort von den Alten“, gab Hsi-tschun zurück. „Warum soll ich mich, rein und sauber, wie ich bin, von euch in den Schmutz ziehen lassen?“ Da Frau You wirklich Dreck am Stecken hatte, fürchtete sie natürlich jede Erwähnung davon. Schon als von den Gerüchten die Rede gewesen war, hatten Scham und Wut ihr Herz bedrängt, weil sie das aber nicht gut an Hsi-tschun auslassen konnte, hatte sie es mehr oder weniger hinnehmen müssen. Als sie aber den letzten Satz hörte, konnte sie sich nicht länger beherrschen und fragte: „Was heißt, wir ziehen dich in den Schmutz? Deine Magd hat etwas angestellt, und du greifst mich an. Lange genug habe ich mir das gefallen lassen, aber du bist immer selbstgerechter geworden und sagst mir jetzt solche Sachen! Wenn du so ein überaus edles Fräulein bist, werden wir uns in Zukunft von dir fernhalten, damit der gute Ruf des Fräuleins nicht leidet. Und Ju-hua werde ich sofort mitnehmen lassen.“ Mit diesen Worten erhob sie sich zornig von ihrem Platz, um zu gehen. „Wenn du wirklich nicht mehr kommst, bleiben mir Zank und Streit erspart, und alle haben ihre Ruhe“, rief Hsi-tschun ihr noch hinterher, aber Frau You ging geradewegs hinaus, ohne etwas darauf zu erwidern. Wer wissen will, wie es weiterging...
Anmerkungen
- ↑ Für das Mittelherbstfest; vgl. o., Anm. zu S. 16.
- ↑ Vgl. o., S. 6 (Hsi-dsï).
- ↑ Vgl. o., Anm. zu S. 6 (Hsi-dsï) u. S. 526 (›Eine falsche Hsi-schï...‹).
- ↑ Vgl. o., Anm. zu S. 784 (Sie kräftigt ungemein das yin-Element).
- ↑ Der Handel mit Salz war im alten China ein staatliches Monopol und durfte nur von speziell konzessionierten Händlern gegen Zahlung einer entsprechenden Abgabe betrieben werden.
- ↑ Die Prüfung im Kaiserpalast war die höchste Stufe der staatlichen Prüfungen im alten China, durch die man sich für einen Beamtenposten qualifizieren mußte. Den drei besten Teilnehmern an der Palastprüfung wurden besondere Ehrentitel verliehen.