Hongloumeng/Chapter 59

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第五十九回

柳葉渚邊嗔鶯叱燕 / 絳芸軒裡召將飛符

Am Weidenblattufer schimpft man auf Drosseln und scheucht Schwalben; Im Jiangyun-Pavillon werden Befehle erteilt und Botschaften versandt

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung

話說寶玉聽說賈母等回來,隨多添了一件衣服,拄杖前邊來,都見過了。賈母等因每日辛苦,都要早些歇息,一宿無話,次日五鼓,又往朝中去。   離送靈日不遠,鴛鴦、琥珀、翡翠、玻璃四人都忙著打點賈母之物,玉釧、彩雲、彩霞等皆打疊王夫人之物,當面查點與跟隨的管事媳婦們。跟隨的一共大小六個丫鬟,十個老婆子媳婦子,男人不算。連日收拾馱轎器械。鴛鴦與玉釧兒皆不隨去,只看屋子。一面先幾日預發帳幔鋪陳之物,先有四五個媳婦並幾個男人領了出來,坐了幾輛車繞道先至下處,鋪陳安插等候。   臨日,賈母帶著蓉妻坐一乘馱轎,王夫人在後亦坐一乘馱轎,賈珍騎馬率了眾家丁護衛。又有幾輛大車與婆子丫鬟等坐,並放些隨換的衣包等件。是日薛姨媽尤氏率領諸人直送至大門外方回。賈璉恐路上不便,一面打發了他父母起身趕上賈母王夫人馱轎,自己也隨後帶領家丁押後跟來。   榮府內賴大添派人丁上夜,將兩處廳院都關了,一應出入人等,皆走西邊小角門。日落時,便命關了儀門,不放人出入。園中前後東西角門亦皆關鎖,只留王夫人大房之後常系他姊妹出入之門,東邊通薛姨媽的角門,這兩門因在內院,不必關鎖。裡面鴛鴦和玉釧兒也各將上房關了,自領丫鬟婆子下房去安歇。每日林之孝之妻進來,帶領十來個婆子上夜,穿堂內又添了許多小廝們坐更打梆子,已安插得十分妥當。   一日清曉,寶釵春困已醒,搴帷下榻,微覺輕寒,啟戶視之,見園中土潤苔青,原來五更時落了幾點微雨。於是喚起湘雲等人來,一面梳洗,湘雲因說兩腮作癢,恐又犯了杏癍癬,因問寶釵要些薔薇硝來。寶釵道:「前兒剩的都給了妹子。」因說:「顰兒配了許多,我正要和他要些,因今年竟沒發癢,就忘了。」因命鶯兒去取些來。鶯兒應了才去時,蕊官便說:「我同你去,順便瞧瞧藕官。」說著,一徑同鶯兒出了蘅蕪苑。   二人你言我語,一面行走,一面說笑,不覺到了柳葉渚,順著柳堤走來。因見柳葉才吐淺碧,絲若垂金,鶯兒便笑道:「你會拿著柳條子編東西不會?」蕊官笑道:「編什麼東西?」鶯兒道:「什麼編不得?頑的使的都可。等我摘些下來,帶著這葉子編個花籃兒,採了各色花放在裡頭,才是好頑呢。」說著,且不去取硝,且伸手輓翠披金,採了許多的嫩條,命蕊官拿著。他卻一行走一行編花籃,隨路見花便採一二枝,編出一個玲瓏過梁的籃子。枝上自有本來翠葉滿佈,將花放上,卻也別緻有趣。喜的蕊官笑道:「姐姐,給了我罷。」鶯兒道:「這一個咱們送林姑娘,回來咱們再多採些,編幾個大家頑。」說著,來至瀟湘館中。   黛玉也正晨妝,見了籃子,便笑說:「這個新鮮花籃是誰編的?」鶯兒笑說:「我編了送姑娘頑的。」黛玉接了笑道:「怪道人贊你的手巧,這頑意兒卻也別緻。」一面瞧了,一面便命紫鵑掛在那裡。鶯兒又問候了薛姨媽,方和黛玉要硝。黛玉忙命紫鵑包了一包,遞與鶯兒。黛玉又道:「我好了,今日要出去逛逛。你回去說與姐姐,不用過來問候媽了,也不敢勞他來瞧我,梳了頭同媽都往你那裡去,連飯也端了那裡去吃,大家熱鬧些。」   鶯兒答應了出來,便到紫鵑房中找蕊官。只見藕官與蕊官二人正說得高興,不能相舍,因說:「姑娘也去呢,藕官先同我們去等著豈不好?」紫鵑聽如此說,便也說道:「這話倒是,他這裡淘氣的也可厭。」一面說,一面便將黛玉的匙箸用一塊洋巾包了,交與藕官道:「你先帶了這個去,也算一趟差了。」   藕官接了,笑嘻嘻同他二人出來,一徑順著柳堤走來。鶯兒便又採些柳條,越性坐在山石上編起來,又命蕊官先送了硝去再來。他二人只顧愛看他編,那裡捨得去。鶯兒只顧催說:「你們再不去,我也不編了。」藕官便說:「我同你去了,再快回來。」二人方去了。   這裡鶯兒正編,只見何婆的小女春燕走來,笑問:「姐姐織什麼呢?」正說著,蕊藕二人也到了。春燕便向藕官道:「前兒你到底燒什麼紙?被我姨媽看見了,要告你沒告成,倒被寶玉賴了他一大些不是,氣的他一五一十告訴我媽。你們在外頭這二三年積了些什麼仇恨,如今還不解開?」藕官冷笑道:「有什麼仇恨?他們不知足,反怨我們了。在外頭這兩年,別的東西不算,只算我們的米菜,不知賺了多少家去,合家子吃不了,還有每日買東買西賺的錢。在外逢我們使他們一使兒,就怨天怨地的。你說說可有良心?」春燕笑道:「他是我的姨媽,也不好向著外人反說他的。怨不得寶玉說:『女孩兒未出嫁,是顆無價之寶珠;出了嫁,不知怎麼就變出許多的不好的毛病來,雖是顆珠子,卻沒有光彩寶色,是顆死珠了;再老了,更變的不是珠子,竟是魚眼睛了。分明一個人,怎麼變出三樣來?』這話雖是混話,倒也有些不差。別人不知道,只說我媽和姨媽,他老姊妹兩個,如今越老了越把錢看的真了。先時老姐兒兩個在家抱怨沒個差使,沒個進益,幸虧有了這園子,把我挑進來,可巧把我分到怡紅院。家裡省了我一個人的費用不算外,每月還有四五百錢的餘剩,這也還說不夠。後來老姊妹二人都派到梨香院去照看他們,藕官認了我姨媽,芳官認了我媽,這幾年著實寬裕了。如今挪進來也算撒開手了,還只無厭。你說好笑不好笑?我姨媽剛和藕官吵了,接著我媽為洗頭就和芳官吵。芳官連要洗頭也不給他洗。昨日得月錢,推不去了,買了東西先叫我洗。我想了一想:我自有錢,就沒錢要洗時,不管襲人、晴雯、麝月,那一個跟前和他們說一聲,也都容易,何必借這個光兒?好沒意思。所以我不洗。他又叫我妹妹小鳩兒洗了,才叫芳官,果然就吵起來。接著又要給寶玉吹湯,你說可笑死了人?我見他一進來,我就告訴那些規矩。他只不信,只要強做知道的,足的討個沒趣兒。幸虧園裡的人多,沒人分記的清楚誰是誰的親故。若有人記得,只有我們一家人吵,什麼意思呢?你這會子又跑來弄這個。這一帶地上的東西都是我姑娘管著,一得了這地方,比得了永遠基業還利害,每日早起晚睡,自己辛苦了還不算,每日逼著我們來照看,生恐有人糟踏,又怕誤了我的差使。如今進來了,老姑嫂兩個照看得謹謹慎慎,一根草也不許人動。你還掐這些花兒,又折他的嫩樹,他們即刻就來,仔細他們抱怨。」鶯兒道:「別人亂折亂掐使不得,獨我使得。自從分了地基之後,每日里各房皆有分例,吃的不用算,單管花草頑意兒。誰管什麼,每日誰就把各房裡姑娘丫頭戴的,必要各色送些折枝的去,還有插瓶的。惟有我們說了:『一概不用送,等要什麼再和你們要。』究竟沒有要過一次。我今便掐些,他們也不好意思說的。」   一語未了,他姑娘果然拄了拐走來。鶯兒春燕等忙讓坐。那婆子見採了許多嫩柳,又見藕官等都採了許多鮮花,心內便不受用;看著鶯兒編,又不好說什麼,便說春燕道:「我叫你來照看照看,你就貪住頑不去了。倘或叫起你來,你又說我使你了,拿我做隱身符兒你來樂。」春燕道:「你老又使我,又怕,這會子反說我。難道把我劈做八瓣子不成?」鶯兒笑道:「姑媽,你別信小燕的話。這都是他摘下來的,煩我給他編,我攆他,他不去。」春燕笑道:「你可少頑兒,你只顧頑兒,老人家就認真了。」那婆子本是愚頑之輩,兼之年近昏耄,惟利是命,一概情面不管,正心疼肝斷,無計可施,聽鶯兒如此說,便以老賣老,拿起拄杖來向春燕身上擊上幾下,罵道:「小蹄子,我說著你,你還和我強嘴兒呢。你媽恨的牙根癢癢,要撕你的肉吃呢。你還來和我強梆子似的。」打的春燕又愧又急,哭道:「鶯兒姐姐頑話,你老就認真打我。我媽為什麼恨我?我又沒燒胡了洗臉水,有什麼不是!」鶯兒本是頑話,忽見婆子認真動了氣,忙上去拉住,笑道:「我才是頑話,你老人家打他,我豈不愧?」那婆子道:「姑娘,你別管我們的事,難道為姑娘在這裡,不許我管孩子不成?」鶯兒聽見這般蠢話,便賭氣紅了臉,撒了手冷笑道:「你老人家要管,那一刻管不得,偏我說了一句頑話就管他了。我看你老管去!」說著,便坐下,仍編柳籃子。   偏又有春燕的娘出來找他,喊道:「你不來舀水,在那裡做什麼呢?」那婆子便接聲兒道:「你來瞧瞧,你的女兒連我也不服了!在那裡排揎我呢。」那婆子一面走過來說:「姑奶奶,又怎麼了?我們丫頭眼裡沒娘罷了,連姑媽也沒了不成?」鶯兒見他娘來了,只得又說原故。他姑娘那裡容人說話,便將石上的花柳與他娘瞧道:「你瞧瞧,你女兒這麼大孩子頑的。他先領著人糟踏我,我怎麼說人?」他娘也正為芳官之氣未平,又恨春燕不遂他的心,便走上來打耳刮子,罵道:「小娼婦,你能上去了幾年?你也跟那起輕狂浪小婦學,怎麼就管不得你們了?乾的我管不得,你是我屄里掉出來的,難道也不敢管你不成!既是你們這起蹄子到的去的地方我到不去,你就該死在那裡伺候,又跑出來浪漢。」一面又抓起柳條子來,直送到他臉上,問道:「這叫作什麼?這編的是你娘的屄!」鶯兒忙道:「那是我們編的,你老別指桑罵槐。」那婆子深妒襲人晴雯一干人,已知凡房中大些的丫鬟都比他們有些體統權勢,凡見了這一干人,心中又畏又讓,未免又氣又恨,亦且遷怒於眾,復又看見了藕官,又是他令姊的冤家,四處湊成一股怒氣。   那春燕啼哭著往怡紅院去了。他娘又恐問他為何哭,怕他又說出自己打他,又要受晴雯等之氣,不免著起急來,又忙喊道:「你回來!我告訴你再去。」春燕那裡肯回來?急的他娘跑了去又拉他。他回頭看見,便也往前飛跑。他娘只顧趕他,不防腳下被青苔滑倒,引的鶯兒三個人反都笑了。鶯兒便賭氣將花柳皆擲於河中,自回房去。這裡把個婆子心疼的只念佛,又罵:「促狹小蹄子!糟踏了花兒,雷也是要打的。」自己且掐花與各房送去不提。   卻說春燕一直跑入院中,頂頭遇見襲人往黛玉處去問安。春燕便一把抱住襲人,說:「姑娘救我!我娘又打我呢。」襲人見他娘來了,不免生氣,便說道:「三日兩頭兒打了乾的打親的,還是買弄你女兒多,還是認真不知王法?」這婆子來了幾日,見襲人不言不語是好性的,便說道:「姑娘你不知道,別管我們閑事!都是你們縱的,這會子還管什麼?」說著,便又趕著打。襲人氣的轉身進來,見麝月正在海棠下晾手巾,聽得如此喊鬧,便說:「姐姐別管,看他怎樣。」一面使眼色與春燕,春燕會意,便直奔了寶玉去。眾人都笑說:「這可是沒有的事都鬧出來了。」麝月向婆子道:「你再略煞一煞氣兒,難道這些人的臉面,和你討一個情還討不下來不成?」那婆子見他女兒奔到寶玉身邊去,又見寶玉拉了春燕的手說:「別怕,有我呢。」春燕又一行哭,又一行說,把方纔鶯兒等事都說出來。寶玉越發急起來,說:「你只在這裡鬧也罷了,怎麼連親戚也都得罪起來?」麝月又向婆子及眾人道:「怨不得這嫂子說我們管不著他們的事,我們雖無知錯管了,如今請出一個管得著的人來管一管,嫂子就心服口服,也知道規矩了。」便回頭叫小丫頭子:「去把平兒給我們叫來!平兒不得閑就把林大娘叫了來。」那小丫頭應了就走。眾媳婦上來笑說:「嫂子,快求姑娘們叫回那孩子罷。平姑娘來了,可就不好了。」那婆子說道:「憑你那個平姑娘來也憑個理,沒有娘管女兒大家管著娘的。」眾人笑道:「你當是那個平姑娘?是二奶奶屋裡的平姑娘。他有情呢,你說兩句;他一翻臉,嫂子你吃不了兜著走!」   說話之間,只見小丫頭子回來說:「平姑娘正有事,問我作什麼,我告訴了他,他說:『既這樣,且攆他出去,告訴了林大娘在角門外打他四十板子就是了。 』」那婆子聽如此說,自不捨得出去,便又淚流滿面,央告襲人等說:「好容易我進來了,況且我是寡婦,家裡沒人,正好一心無掛的在裡頭伏侍姑娘們。姑娘們也便宜,我家裡也省些攪過。我這一去,又要去自己生火過活,將來不免又沒了過活。」襲人見他如此,早又心軟了,便說:「你既要在這裡,又不守規矩,又不聽說,又亂打人。那裡弄你這個不曉事的來,天天鬥口,也叫人笑話,失了體統。」晴雯道:「理他呢,打發去了是正經。誰和他去對嘴對舌的。」那婆子又央眾人道:「我雖錯了,姑娘們吩咐了,我以後改過。姑娘們那不是行好積德。」一面又央春燕道:「原是我為打你起的,究竟沒打成你,我如今反受了罪?你也替我說說。」寶玉見如此可憐,只得留下,吩咐他不可再鬧。那婆子走來一一的謝過了下去。   只見平兒走來,問系何事。襲人等忙說:「已完了,不必再提。」平兒笑道:「『得饒人處且饒人』,得省的將就省些事也罷了。能去了幾日,只聽各處大小人兒都作起反來了,一處不了又一處,叫我不知管那一處的是。」襲人笑道:「我只說我們這裡反了,原來還有幾處。」 平兒笑道:「這算什麼。正和珍大奶奶算呢,這三四日的工夫,一共大小出來了八九件了。你這裡是極小的,算不起數兒來,還有大的可氣可笑之事。」不知襲人問他果系何事,且聽下回分解。

räulein Bau-tschai neulich abgesprochen hatten, geschmorte Bocksdorntriebe zu essen, schickten sie gleich ein Mädchen mit fünfhundert Bronzemünzen zu mir. Da habe ich gelacht und gesagt, selbst wenn sie dem dickbäuchigen Buddha Maitreya glichen0, könnten die Fräulein nicht für fünfhundert Münzen Bocksdorntriebe essen, zwanzig oder dreißig seien genug, und habe das Restgeld zurückgeschickt. Aber sie haben es nicht genommen und gesagt, ich solle mir Wein dafür kaufen. Außerdem meinten sie, daß es jetzt, wo wir im Garten eine eigene Küche hätten, nicht zu verhindern sei, daß sich die Leute aus den einzelnen Gartenhäusern alles mögliche hier holten. Aber auch Salz und Sojawürze kosteten Geld. Wenn ich ihnen nichts gäbe, sei das nicht gut, aber wenn ich es ihnen gebe, könne ich den Verlust nicht ersetzen, darum solle dies Geld den Fehlbetrag ausgleichen, der dadurch entstehe. Das sind zwei verständige Fräulein, und darum beten wir auch zu Buddha für sie. Dann aber hat Nebenfrau Dschau von der Sache erfahren, ist wütend geworden und hat gesagt, man mache es mir zu leicht. Keine zehn Tage später hat sie eine der kleineren Mägde geschickt, um mal dies und mal das zu verlangen. Mir war wirklich zum Lachen zumute. Jetzt aber macht ihr das zur Regel und verlangt ebenfalls mal dies und mal das. Aber wovon soll ich das alles ersetzen?“ Während sie sich so ereiferte, erschien eine andere Botin von Sï-tji, um Liän-hua zu mahnen, und fragte sie: „Bist du hier gestorben, oder warum kommst du nicht zurück?“ Wütend kehrte Liän-hua in ihre Räume zurück und berichtete Sï-tji mit einigen Ausschmückungen, was vorgefallen war. Als Sï-tji das erfuhr, loderte natürlich die Wut in ihrem Herzen auf, und da ihr Dienst bei Ying-tschuns Abendmahlzeit schon beendet war, führte sie die kleineren Sklavenmädchen zur Küche hinüber. Hier saßen die Küchenfrauen eben beim Essen, aber als sie Sï-tji kommen sahen und erkannten, daß dies nichts Gutes bedeuten konnte, standen sie eilfertig auf und boten ihr lächelnd an, Platz zu nehmen. Aber Sï-tji gab den kleinen Sklavenmädchen das Kommando: „Werft alle Eßwaren, die sie in Kisten und Schränken haben, den Hunden zum Fraß vor! Niemand soll hier einen Gewinn haben!“ Darauf hatten die Sklavenmädchen nur gewartet. Sofort stürzten sie vor und warfen alles durcheinander. Die Küchenfrauen versuchten unter Zureden, sie wegzuziehen. Gleichzeitig wandten sie sich an Sï-tji mit den Worten: „Ihr habt vielleicht falsch verstanden, was Euch das Mädchen berichtet hat. Selbst wenn Schwägerin Liu nicht einen, sondern acht Köpfe hätte, würde sie es nicht wagen, Euch zu kränken. Es stimmt wirklich, daß Eier schwer zu bekommen sind. Aber wir haben ihr eben schon gesagt, daß sie gut und böse nicht zu unterscheiden weiß und daß sie sich überlegen muß, wie sie zu den Dingen kommt, die von ihr verlangt werden. Sie hat ihren Fehler eingesehen und gleich die Eier für Euch aufgestellt. Wenn Ihr es nicht glaubt, seht Euch an, was dort auf dem Feuer steht!“ Erst dieser Zuspruch der Küchenfrauen konnte Sï-tjis Wut ein wenig lindern, und auch die kleinen Sklavenmädchen ließen sich beiseite schieben, ehe sie alles zerschlagen hatten. Schimpfend und scheltend rumorte Sï-tji dann noch einige Zeit, ehe sie sich überreden ließ zu gehen. Klappernd sammelte Frau Liu die Schalen und Teller zusammen und murrte dabei vor sich hin. Als die Eier fertig gedämpft waren, ließ sie sie zu Sï-tji hinübertragen, Sï-tji aber schüttete sie verächtlich auf die Erde. Doch davon wagte die Botin nichts zu sagen, als sie zurückkam, denn sie fürchtete, es würde ein neuer Skandal daraus entstehen. Frau Liu gab ihrer Tochter etwas Brühe und eine halbe Schale nüchterne Reissuppe zu essen, dann erzählte sie ihr die Sache mit dem Kokosporlingsschnee. Als Wu-örl alles gehört hatte, wollte sie Fang-guan gern etwas von dem Mittel abgeben, darum wickelte sie die Hälfte davon in ein Stück Papier und machte sich im Schutz der Dämmerung, als nur noch wenige Menschen auf den Beinen waren, auf den Weg zu Fang-guan, wobei sie sich immer im Schatten der Blumen und Weiden hielt. So gelangte sie glücklich bis an das Tor des Hofes der Freude am Roten, ohne von jemandem aufgehalten zu werden, hier aber konnte sie nicht einfach eintreten, und so blieb sie hinter einem Rosenstrauch stehen und hielt Ausschau. Nach der Zeit, die man brauchte, um eine Schale Tee zu trinken, kam zufällig Tschun-yän heraus, und sofort trat Wu-örl vor und rief sie an. Zuerst wußte Tschun-yän nicht, wer da war. Erst als sie einander dicht gegenüberstanden, konnte sie es erkennen und fragte: „Was willst du hier?“ Lächelnd bat Wu-örl: „Ruf Fang-guan heraus, ich muß mit ihr sprechen.“ Tschun-yän lachte leise, dann sagte sie: „Du bist zu ungeduldig, Schwester. In zehn Tagen etwa wirst du ohnehin hier sein. Warum also kommst du jetzt einfach hergelaufen? Fang-guan ist eben mit einem Auftrag unterwegs, und du müßtest auf sie warten. Sonst aber sag mir, was du ihr sagen wolltest, und ich bestelle es ihr, denn lange wirst du nicht warten können, die Gartentore werden wohl bald geschlossen.“ Also gab Wu-örl ihr den Porlingsschnee und erklärte ihr, was das sei, wie man es einzunehmen müsse und wie es wirke. Dann sagte sie: „Ich habe ein wenig davon bekommen und möchte ihr etwas abgeben. Sei so lieb und gib es ihr. Das ist alles.“ Dann verabschiedete sie sich und ging. Als sie eben in die Gegend am Knöterichstrand kam, erblickte sie plötzlich Lin Dschï-hsiaus Frau, die ihr mit einigen alten Sklavinnen entgegenkam. Da keine Zeit mehr war, sich zu verstecken, blieb Wu-örl nichts anderes übrig, als vorzutreten und zu grüßen. „Ich hatte gehört, du seist krank, warum läufst du dann hier herum?“ fragte Lin Dschï-hsiaus Frau. Lächelnd erwiderte Wu-örl: „In den letzten Tagen geht es mir etwas besser, und darum hat mich meine Mutter in den Garten mitgenommen, damit ich auf andere Gedanken komme. Eben habe ich im Auftrag meiner Mutter etwas in den Hof der Freude am Roten gebracht.“ „Das kann doch nicht stimmen“, sagte Lin Dschï-hsiaus Frau, „gerade erst habe ich deine Mutter getroffen, als sie den Garten verließ, und habe hinter ihr das Tor abgeschlossen. Wenn du in ihrem Auftrag unterwegs wärst, hätte sie mir doch gesagt, daß du hier bist, und wäre nicht einfach hinausgegangen und hätte mich das Tor abschließen lassen. Daran sieht man, daß du lügst.“ „Den Auftrag hatte mir meine Mutter schon heute früh gegeben, aber ich hatte es vergessen, und erst jetzt war es mir wieder eingefallen. Meine Mutter wird gedacht haben, ich hätte den Garten schon verlassen, und hat Euch deshalb nichts gesagt“, versuchte sich Wu-örl herauszureden. Da diese Erklärung unglaubwürdig klang und Wu-örls Gesichtsausdruck unaufrichtig war, wurde Lin Dschï-hsiaus Frau vollends mißtrauisch, zumal Yü-tschuan kürzlich berichtet hatte, es seien Gegenstände aus Dame Wangs Hauptraum verschwunden, und die anderen Sklavenmädchen erklärt hatten, sie wüßten von nichts, so daß der Schuldige noch nicht ermittelt war. Zufällig kamen jetzt Tschan-djiä und Liän-hua mit einigen Sklavenfrauen des Weges, und als sie die Situation erkannten, rieten sie Lin Dschï-hsiaus Frau: „Ihr solltet sie genauer verhören! In den letzten Tagen ist sie andauernd hier hereingekommen, und immer so verstohlen, daß man nicht wußte, was man davon halten sollte.“ „Richtig!“ setzte Tschan-djiä noch hinzu. „Schwester Yü-tschuan hat gesagt, im Nebengebäude des Anwesens der gnädigen Frau habe ein Schrank offengestanden und es fehlten allerhand Sachen daraus, und als die zweite junge gnädige Frau Ping-örl zu Yü-tschuan geschickt hat, um etwas Rosennektar zu holen, fehlte auch davon eine Flasche. Es wäre nicht einmal aufgefallen, wenn sie nicht davon gebraucht hätten.“ „Das wußte ich gar nicht“, sagte wieder Liän-hua, „eine Flasche mit Rosennektar habe ich heute gesehen.“ „Wo?“ fragte Lin Dschï-hsiaus Frau sofort, die sich in dieser Angelegenheit bisher nicht zu helfen gewußt hatte und auf Hsi-fëngs Geheiß täglich von Ping-örl gemahnt wurde. „Bei ihnen in der Küche“, gab Liän-hua Auskunft. Jetzt befahl Lin Dschï-hsiaus Frau, eine Laterne anzuzünden, dann ging sie an der Spitze der Sklavenfrauen los, um selbst nachzusehen. Aufgeregt erklärte Wu-örl: „Der Rosennektar ist ein Geschenk von Fang-guan aus den Räumen des jungen Herrn.“ „Papperlapapp!“ sagte Lin Dschï-hsiaus Frau, „zunächst ist das ein Beweisstück, und ich werde es melden. Vor der Herrschaft kannst du dich verteidigen.“ Bei diesen Worten betraten sie die Küche, und unter Liän-huas Führung wurde die Flasche mit dem Rosennektar hervorgeholt. Da zu vermuten war, daß noch anderes Diebesgut zum Vorschein kommen würde, wurde eine sorgfältige Durchsuchung vorgenommen, bei der man auf das Päckchen mit dem Kokosporlingsschnee stieß, das ebenfalls mitgenommen wurde. Dann sollte Wu-örl vor Li Wan und Tan-tschun geführt werden, da aber Djia Lan erkrankt war, kümmerte sich Li Wan nicht um Haushaltsangelegenheiten und verwies Lin Dschï-hsiaus Frau an Tan-tschun. Tan-tschun war bereits in ihre Räume zurückgekehrt, und die Sklavin, die ihr Meldung machen sollte, fand alle Sklavenmädchen im Hof, wo sie die Kühle genossen, während Tan-tschun sich drinnen wusch. Nur Dai-schu erklärte sich bereit, ihr den Fall vorzutragen, und als sie nach geraumer Zeit wiederkam, sagte sie: „Das Fräulein hat es zur Kenntnis genommen und gesagt, ihr solltet zu Ping-örl gehen, damit sie es der zweiten jungen gnädigen Frau meldet.“ So mußte Lin Dschï-hsiaus Frau ihren Trupp wieder hinausführen und zu Hsi-fëngs Räumen hinübergehen, wo sie zuerst Ping-örl suchte. Als Ping-örl hineinging, um Meldung zu machen, hatte Hsi-fëng sich eben zu Bett gelegt. Sie hörte sich die Sache an und befahl: „Die Mutter bekommt vierzig Schläge mit dem Prügel und wird hinausgeworfen. Sie darf nie wieder zum Innentor herein. Wu-örl bekommt ebenfalls vierzig Schläge und wird sofort aufs Dorf geschickt, um dort entweder verkauft oder verheiratet zu werden.“ Als Ping-örl herauskam und die Entscheidung so, wie sie sie empfangen hatte, an Lin Dschï-hsiaus Frau weitergab, begann Wu-örl vor Angst laut zu weinen. Sie warf sich vor Ping-örl auf die Knie und berichtete ihr in allen Einzelheiten, was sie mit Fang-guan zu tun gehabt hatte. „Das ergibt keine Schwierigkeiten“, sagte Ping-örl darauf. „Morgen werden wir Fang-guan fragen, und dann wissen wir, was wahr ist und was gelogen. Aber der Kokosporlingsschnee ist gerade erst gebracht worden, und wir warten ab, bis die alte gnädige Frau und die gnädige Frau ihn gesehen haben, bevor wir ihn anrühren. Davon hättest du nichts nehmen dürfen.“ Als Wu-örl diesen Vorwurf hörte, erzählte sie rasch, wie sie den Kokosporlingsschnee von ihrem Onkel geschenkt bekommen hatten. „Dann wärst du ja vollkommen unschuldig, und man wollte dich nur zum Sündenbock machen“, sagte Ping-örl lächelnd und entschied: „Es ist jetzt schon spät, und die junge gnädige Frau hat eben ihre Medizin eingenommen und sich schlafen gelegt, da können wir sie schlecht wegen so einer Lappalie belästigen. Übergebt also Wu-örl den Nachtwachen, damit sie die Nacht über in Gewahrsam bleibt, morgen früh aber spreche ich noch einmal mit der jungen gnädigen Frau, und dann sehen wir weiter.“ Lin Dschï-hsiaus Frau wagte nicht zu widersprechen. Sie führte Wu-örl hinaus und übergab sie den Nachtwächtersklavinnen zur Beaufsichtigung, dann ging sie fort. Wu-örl aber befand sich nun in Haft und wagte keinen überflüssigen Schritt zu tun. Hinzu kam noch, daß einige der Sklavenfrauen ihr ins Gewissen redeten, sie hätte so etwas Ehrloses nicht tun dürfen, während andere sich beklagten: „Nachtwache zu halten ist gerade schon schwer genug, und nun müssen wir auch noch eine Diebin bewachen. Wenn sie sich unbemerkt das Leben nimmt oder ausrückt, wird man uns die Schuld geben.“ Es gab aber auch Leute, die mit den Lius verfeindet waren und die sich jetzt höchst zufrieden zeigten und extra kamen, um ihren Spott mit Wu-örl zu treiben. Wu-örl war zugleich wütend und beschämt, doch sie konnte sich bei niemandem beklagen. Kränklich und schwächlich, wie sie war, bekam sie doch die Nacht über keinen Schluck Tee und keinen Schluck Wasser, kein Kissen und auch keine Decke. Unentwegt schluchzte sie bis zum Morgen. Die Feindinnen von Mutter und Tochter Liu, die nichts sehnlicher wünschten, als die beiden hinausgeworfen zu sehen, und die befürchteten, das Urteil könne noch revidiert werden, standen dann in aller Frühe auf und gingen heimlich zu Ping-örl, um sie für sich zu gewinnen. Sie machten ihr Geschenke, lobten ihre resolute Art und berichteten ihr von vielerlei Verfehlungen, derer sich Frau Liu schuldig gemacht haben sollte. Ping-örl sagte zu allem ja, ja und schickte die Frauen fort. Dann begab sie sich in aller Stille zu Hsi-jën hinüber, um sie zu fragen, ob Wu-örl den Rosennektar wirklich von Fang-guan bekommen hatte. „Fang-guan hatte ich welchen gegeben“, bestätigte Hsi-jën. „Aber an wen sie ihn weitergegeben hat, weiß ich nicht.“ Als Hsi-jën sich bei Fang-guan danach erkundigte, bekam diese einen Riesenschreck und beteuerte, sie selbst habe Wu-örl den Rosennektar gebracht. Dann erzählte sie Bau-yü von der Sache, und sofort wurde auch er unruhig und sagte: „Mit dem Rosennektar ist alles klar, aber wenn sie der Sache mit dem Porlingsschnee nachgehen, wird sie natürlich auch darüber wahrheitsgemäß aussagen. Wenn sie dann erfahren, daß ihr Onkel ihn beim Tordienst erhalten hat, ist wieder er bloßgestellt. Stürzen wir ihn da nicht einer Sache wegen ins Unglück, die er nur gut gemeint hat?“ Sofort beriet er sich mit Ping-örl und sagte: „Das mit dem Rosennektar ist erledigt, aber an der Sache mit dem Porlingsschnee ist etwas faul. Liebste Schwester, sag doch Wu-örl, sie solle angeben, den Porlingsschnee habe sie ebenfalls von Fang-guan bekommen, dann ist auch das abgetan.“ „Schön und gut“, wandte Ping-örl lächelnd ein, „aber sie hat gestern schon gesagt, daß sie den Porlingsschnee von ihrem Onkel hat. Wie kann sie jetzt sagen, er käme von dir? Außerdem ist nun für den Rosennektar, der drüben verschwunden ist, noch kein Täter gefunden. Glaubst du, sie lassen jemand straffrei ausgehen, bei dem ein Beweisstück gefunden wurde, und suchen jemand anders? Wer wird die Tat jetzt noch gestehen? Und die Leute würden sich auch nicht damit zufriedengeben.“ Lächelnd trat Tjing-wën näher und sagte: „Den Rosennektar bei der gnädigen Frau hat ganz eindeutig niemand anders als Tsai-yün gestohlen, um ihn dem jungen Herrn Huan zu geben. Wozu also das ganze Gerede?“


Aus: Jinyuyuan 1889a. „Wer wüßte nicht, daß es so ist?“ entgegnete Ping-örl lächelnd. „Yü-tschuan heult schon vor lauter Aufregung. Wenn man Tsai-yün in aller Stille fragen könnte und sie es zugeben würde, dann könnte Yü-tschuan Ruhe geben, und alle würden mit Stillschweigen darüber hinweggehen. Schließlich haben wir kein Interesse daran, die Sache absichtlich aufzubauschen. Das Dumme ist nur, daß Tsai-yün den Diebstahl nicht nur leugnet, sondern auf Yü-tschuan schiebt. Die beiden haben sich so miteinander verzankt, daß das ganze Haus davon weiß, also können wir nicht so tun, als sei nichts gewesen, und müssen die Sache schon untersuchen. Alle wissen, daß diejenige, die den Diebstahl gemeldet hat, selber der Dieb ist, aber wie sollen wir sie beschuldigen, wenn kein Beweisstück da ist?“ „Laß gut sein!“ sagte Bau-yü. „Ich werde auch das auf mich nehmen. Ich sage, ich wollte ihnen einen Schreck einjagen, und habe den Rosennektar heimlich weggenommen. Dann sind beide Fälle erledigt.“ „Damit würdest du gewiß im Verborgenen eine gute Tat vollbringen, indem du sie vor dem Vorwurf des Diebstahls schützt“, erklärte Hsi-jën, „aber wenn die gnädige Frau davon erfährt, wird sie wieder sagen, du benähmst dich kindisch und wüßtest nicht, was du tust.“ „Das ist doch nur eine Kleinigkeit“, warf Ping-örl lächelnd ein. „Es wäre ein leichtes, das Beweisstück in den Räumen von Nebenfrau Dschau zu finden. Ich habe nur Angst, das würde dem Ansehen eines guten Menschen schaden. Alle andern würde es nicht groß kümmern, diese eine aber würde sich wieder aufregen. Mit ihr hatte ich Mitleid, ihretwegen wollte ich nicht ‚nach der Ratte werfen und dabei die Jadevase zerschlagen.‘“ Bei diesen Worten hatte sie drei Finger in die Luft gestreckt, und Hsi-jën wie auch alle anderen begriffen, sie meinte Tan-tschun, das dritte Fräulein des Hauses. Sofort bestätigten sie: „Du hast recht. Es ist das beste, wir nehmen die Sache auf uns.“ „Wir müssen aber auch die beiden Übeltäter Tsai-yün und Yü-tschuan herrufen und uns ihrer Zustimmung versichern“, ergänzte Ping-örl lächelnd. „Sonst werden sie entlastet und meinen, nicht dies sei der Grund, sondern meine Unfähigkeit, die Sache aufzuklären, und ich hätte euch nur damit belästigt, um den Fall zu einem Abschluß zu bringen. Dann würden die einen weiter stehlen und die andern weiter den Dingen ihren Lauf lassen.“ „Völlig richtig!“ stimmten ihr Hsi-jën und die anderen zu. „Dein Stand muß gewahrt bleiben.“ Nun ließ Ping-örl die beiden rufen und eröffnete ihnen: „Ihr braucht euch nicht länger aufzuregen, die Diebin ist gefunden.“ „Wo ist sie?“ fragte Yü-tschuan. „Jetzt ist sie bei der zweiten jungen gnädigen Frau drüben“, sagte Ping-örl. „Sie gibt alles zu, was man sie fragt. Aber ich weiß genau, daß nicht sie es war, die gestohlen hat. Die Ärmste gesteht alles nur aus Angst. Dem jungen Herrn tut das so leid, daß er die Hälfte der Schuld auf sich nehmen will. Ich könnte die wahre Schuldige nennen, aber es ist eine von uns, die ich gern mag. Dagegen ist mir die Empfängerin der gestohlenen Sachen gleichgültig. Es würde aber außerdem ein guter Mensch um sein Ansehen gebracht werden. Und das ist der Grund, warum ich den jungen Herrn bitten will, die Sache auf sich zu nehmen, damit allen andern der Ärger erspart bleibt. Jetzt aber möchte ich von euch wissen, wie ihr dazu steht. Wenn ihr in Zukunft genau wie alle andern umsichtig handeln und auf euer Ansehen bedacht sein wollt, werde ich den jungen Herrn bitten. Wenn nicht, dann mache ich der zweiten jungen gnädigen Frau Meldung, damit nicht ein guter Mensch unschuldig leiden muß.“ Diese Worte trieben Tsai-yün die Schamröte in die Wangen, und sie sagte: „Sei unbesorgt, Schwester! Kein guter Mensch soll unschuldig leiden, und kein Unbeteiligter soll um sein Ansehen gebracht werden. Nebenfrau Dschau war es, die mich immer wieder gebeten hat zu stehlen, und so habe ich einiges für den jungen Herrn Huan genommen. Das ist die Wahrheit. Auch wenn die gnädige Frau zu Hause war, haben wir von den Sachen genommen, und jeder hat davon verschenkt. Ich hatte geglaubt, nach ein paar Tagen Aufregung würde alles vergessen sein, aber wenn jetzt ein guter Mensch deswegen leiden soll, kann ich das nicht ertragen. Also bring mich zur zweiten jungen gnädigen Frau, und ich werde alles gestehen.“ Alle waren verwundert über ihren Mut, und Bau-yü sagte lächelnd: „Du bist wirklich ein anständiger Mensch, Schwester Tsai-yün. Aber du brauchst nichts zu gestehen. Ich werde sagen, ich hätte den Rosennektar heimlich genommen, um euch einen Schreck einzujagen, aber nachdem jetzt ein Skandal daraus geworden ist, wolle ich es zugeben. Ich bitte euch nur um das eine – daß ihr nämlich in Zukunft dafür sorgt, daß es weniger Ärger gibt. Das wäre zu unser aller Vorteil.“ „Warum willst du etwas gestehen, was ich getan habe?“ fragte Tsai-yün. „Ich muß es auf mich nehmen, was immer dabei herauskommt.“ „So geht das nicht!“ wandten Ping-örl und Hsi-jën rasch ein. „Wenn du es gestehst, bringst du unvermeidlich Nebenfrau Dschau mit ins Spiel, und wenn dann Fräulein Tan-tschun davon erfährt, regt sie sich natürlich auf. Darum ist es das beste, wenn Bau-yü die Sache gesteht und niemand weiter damit zu tun hat. Niemand außer uns weiß etwas davon, es ist eine saubere Lösung. In Zukunft aber müssen unbedingt alle vorsichtiger sein. Wenn ihr etwas nehmen wollt, geduldet euch, bis die gnädige Frau wieder da ist. Dann könnt ihr getrost das ganze Haus verschenken, mit uns hat es nichts zu tun.“ Tsai-yün senkte den Kopf und dachte ein Weilchen nach, dann stimmte sie zu. Nachdem sie zusammen alles abgesprochen hatten, ging Ping-örl mit Tsai-yün, Yü-tschuan und Fang-guan hinüber, wo die Sklavenfrauen von der Nachtwache saßen, ließ Wu-örl rufen und instruierte sie heimlich, sie solle angeben, auch den Kokosporlingsschnee habe sie von Fang-guan bekommen. Wu-örls Dank fand kein Ende. Nun führte Ping-örl sie mit den anderen Mädchen zu ihren eigenen Räumen hinüber, wo sie Lin Dschï-hsiaus Frau erblickte, die mit einigen Sklavinnen zusammen Frau Liu hergebracht hatte und schon lange wartete. „Ich habe sie in aller Frühe hergeschafft“, meldete Lin Dschï-hsiaus Frau, „und weil ich Angst hatte, nun sei niemand da, der sich um das Essen für die Fräulein kümmert, habe ich einstweilen Tjin Hsiäns Frau damit beauftragt. Berichtet bitte auch das der jungen gnädigen Frau und sagt ihr, sie sei reinlich und umsichtig und könne diese Arbeit in Zukunft ständig machen.“ „Und wer ist Tjin Hsiäns Frau?“ fragte Ping-örl. „Ich glaube nicht, daß ich sie kenne.“ „Sie ist Nachtwächterin am südlichen Nebentor und hat daher am Tage nichts hier zu schaffen, deshalb kennt Ihr sie nicht“, erläuterte Lin Dschï-hsiaus Frau. „Sie hat hohe Backenknochen und große Augen, und sie ist wirklich reinlich und flink.“ „Ja“, bestätigte Yü-tschuan, „wie konntest du sie vergessen? Sie ist die Tante von Sï-tji, die bei Fräulein Ying-tschun dient. Sï-tjis Eltern sind zwar drüben beim alten gnädigen Herrn, aber ihr Onkel und ihre Tante sind hier bei uns.“ Jetzt erst fiel Ping-örl ein, um wen es sich handelte, und lächelnd meinte sie: „Ach, das hättest du gleich sagen sollen, dann hätte ich Bescheid gewußt!“ Und lächelnd setzte sie hinzu: „Das war ein bißchen vorschnell gehandelt. Denn der Fall hat sich aufgeklärt. Auch wer die Sachen aus den Räumen der gnädigen Frau genommen hat, wissen wir jetzt. Bau-yü war es, der hinübergegangen war und diese beiden nichtsnutzigen Dinger um etwas gebeten hatte. Um ihn zu ärgern, haben die beiden gesagt, solange die gnädige Frau nicht da sei, wagten sie nichts zu nhehmen. Daraufhin hat Bau-yü einen unbeobachteten Augenblick abgepaßt, ist selber hineingegangen und hat einiges weggenommen. Weil die beiden nichts davon wußten, haben sie einen Riesenschreck bekommen. Nachdem Bau-yü jetzt erfahren hat, daß jemand anders verdächtigt wird, hat er mir alles erklärt und die Sachen herausgegeben. Ich habe mich selbst überzeugt, daß nichts fehlt. Den Kokosporlingsschnee hatte Bau-yü von draußen bekommen, und er hat viele Leute damit beschenkt, nicht nur hier im Garten. Selbst die alten Muttchen haben sich welchen erbeten und ihren Verwandten davon gegeben, damit sie ihn einnehmen, aber auch von denen ist etwas davon noch weiterverschenkt worden. Auch Hsi-jën hat Fang-guan und anderen davon gegeben. Daß auch sie ihre privaten Freundschaften haben, ist nichts Außergewöhnliches. Die beiden Korbbehälter aber stehen noch in der Palaverhalle, und die Siegel daran sind unversehrt. Wie kann man also einfach jemand verdächtigen? Jetzt werde ich der jungen gnädigen Frau berichten, und dann sehen wir weiter!“ Damit machte sie kehrt und ging zu Hsi-fëng ins Schlafzimmer, wo sie ihr den Fall mit denselben Worten erklärte. „Schön und gut“, sagte Hsi-fëng, „aber Bau-yü hält Recht und Unrecht nicht auseinander und liebt es, sich um alles und jedes zu kümmern. Wenn man ihn um etwas bittet, wird er nach ein paar guten Worten weich, und wenn man ihm schmeichelt, nimmt er jede Schuld auf sich. Wenn wir ihm diesmal glauben, wie wollen wir dann in Zukunft zurechtkommen, wenn es um größere Dinge geht? Darum sollten wir den Fall gründlichst untersuchen! Meiner Meinung nach sollten wir alle Mägde aus den Räumen der gnädigen Frau hier herüberholen. Wir können sie zwar nicht gut schlagen, aber wir könnten sie in der Sonne auf Porzellanscherben knien lassen und ihnen nichts zu essen und nichts zu trinken geben, und das den ganzen Tag lang, wenn sie nicht reden. Da müßten sie schon aus Eisen sein, wenn sie nach einem Tag nicht gestehen. Und wie man sagt, gehen die Fliegen nicht an ein Ei, wenn es nicht einen Knacks hat. Wenn diese Liu auch nichts gestohlen hat, muß doch etwas mit ihr faul sein, sonst hätten die andern sie nicht bezichtigt. Wir müssen sie ja nicht als Diebin behandeln, aber trotzdem sollte sie aus dem Dienst entfernt werden. Das ist keine Schande.“ „Wozu die Mühe?“ fragte Ping-örl. „Wenn man nachgeben muß, soll man nachgeben. Was ist das schon für eine großartige Affäre, daß Ihr nicht Gnade vor Recht ergehen lassen könnt? Wie sehr Ihr Euch auch ins Zeug legt, Ihr gehört doch nicht hierher, sondern nach drüben. Warum also die Feindschaft der kleinen Leute erwecken und sich ihren Groll zuziehen? Zumal Ihr den Sohn, mit dem Ihr nach tausend Schwierigkeiten endlich schwanger wart, nur deshalb im sechsten oder siebenten Monat verloren habt, weil Ihr Euch immer überanstrengt und alles zu schwer genommen habt. Wäre es da nicht besser, sich nur noch um die Hälfte von allem zu kümmern?“ Lachend sagte Hsi-fëng: „So mach schon, was du willst, kleines Spitzbein! Ich fühle mich eben etwas besser und möchte mich nicht schon wieder ärgern.“ „Das ist recht!“ sagte Ping-örl strahlend und ging hinaus, um dort ihre Anordnungen zu treffen. Wer wissen will, wie es weiterging, muß das nächste Kapitel lesen. 62. Die närrische Hsiang-yün schläft betrunken auf einem Päonienblütenkissen ein, die törichte Hsiang-ling zieht gerührt ihren Granatapfelrock aus.

Ping-örl ging also hinaus und verkündete Lin Dschï-hsiaus Frau: „In einer blühenden Familie muß es möglich sein, daß eine große Angelegenheit zu einer kleinen und eine kleine zu nichts wird. Ohne jeden Anlaß Alarm zu schlagen und alles auf den Kopf zu stellen ist keine Art und Weise. Führe Mutter und Tochter zurück und laß sie ihren Dienst ausüben wie bisher! Und schick auch Tjin Hsiäns Frau wieder auf ihren alten Posten zurück! In Zukunft soll von der Sache nicht mehr die Rede sein. Halte nur täglich überall die Augen offen, darauf kommt es an!“ Damit machte sie kehrt, um zu gehen. Mutter und Tochter Liu aber traten rasch näher und schlugen mit der Stirn auf den Boden. Dann brachte Lin Dschï-hsiaus Frau sie in den Garten zurück und erstattete Li Wan und Tan-tschun Bericht. „Gut, wir wissen Bescheid. Um wieviel besser ist es doch, daß nichts vorlag!“ sagten sie beide. Sï-tji und ihre Parteigänger hatten sich umsonst gefreut, und Tjin Hsiäns Frau, die lange genug auf so eine Gelegenheit gewartet hatte, triumphierte nur einen Vormittag. Hals über Kopf übernahm sie in der Küche Gerätschaften, Reis und Feuerungsmaterial und stellte dabei vielerlei Fehlmengen fest. „Es sind zwei Dan nichtklebender Reis zu wenig, gewöhnlicher Reis ist für einen Monat zuviel empfangen worden, und Holzkohle fehlt auch“, sagte sie. Zugleich bereitete sie Geschenke für Lin Dschï-hsiaus Frau vor. Einen Korb Holzkohle, fünfhundert Djin Brennholz und eine Last nichtklebenden Reis ließ sie heimlich draußen bereitstellen und dann durch Sohn und Neffen zum Hause der Lins schaffen. Auch für die Leute von der Haushaltskasse machte sie Geschenke zurecht. Dann ließ sie einige Speisen anrichten, lud ihre Mitarbeiterinnen zu Tisch und sagte: „Nur durch eure Hilfe bin ich hierher gekommen. Von nun an wollen wir eine einzige große Familie sein! Wenn ich etwas übersehe, müßt ihr desto umsichtiger sein.“ Mitten in all diese Aufregungen platzte jemand mit dem Bescheid: „Nach der Frühmahlzeit mußt du fort! Schwägerin Liu ist unschuldig und führt die Küche weiter.“ Als Tjin Hsiäns Frau das hörte, war ihr zumute, als ob ihr die Seele aus dem Leib fahren wollte. Völlig niedergeschlagen mußte sie ihre Segel streichen. Sie packte also ihr Bündel und zog wieder aus. Was sie den Leuten geschenkt hatte, war nun nutzlos vertan, und für den Verlust mußte sie aus der eigenen Tasche aufkommen. Sï-tji war vor Ärger wie vor den Kopf geschlagen, aber da sie nicht wußte, wie sie der Sache abhelfen sollte, mußte sie alles auf sich beruhen lassen. Nebenfrau Dschau, die sich insgeheim so viele Dinge von Tsai-yün hatte geben lassen, was durch Yü-tschuans Gezänk ruchbar geworden war, hatte nun Angst, bei einer Untersuchung würde alles ans Tageslicht kommen, deshalb schwitzte sie täglich Blut und Wasser und erkundigte sich immer wieder nach Neuigkeiten, bis plötzlich Tsai-yün hereinkam und sagte: „Bau-yü hat alles auf sich genommen, es ist nichts mehr zu befürchten.“ Nebenfrau Dschau fiel darüber ein Stein vom Herzen, Djia Huan dagegen wurde mißtrauisch, holte alles hervor, was Tsai-yün ihm heimlich gebracht hatte, und warf es ihr an den Kopf. Dabei stieß er hervor: „Ich bin nicht scharf auf den Kram, du falsches Ding! Warum sollte Bau-yü dich in Schutz nehmen, wenn du dich nicht mit ihm gut gestellt hättest? Wenn du mir die Sachen auch geben mußtest, durftest du doch keinen Menschen davon wissen lassen. Nachdem du ihm jetzt davon gesagt hast, habe ich keine Lust mehr, das zu behalten.“ Aufgeregt schwor ihm Tsai-yün, sie habe es nicht verraten, und bemühte sich unter Tränen, die Sache auf hunderterlei Weise zu erklären. Djia Huan aber blieb starrsinnig und glaubte ihr nicht. „Wie du auch immer zu mir gestanden hast, ich sollte es Schwägerin Hsi-fëng melden!“ drohte er. „Ich sage ihr, du hast die Sachen gestohlen und hast sie mir geben wollen, aber ich habe sie nicht gewollt. Das überleg dir einmal!“ Und mit einer wegwerfenden Handbewegung lief er hinaus. „Ach, du Unglücksbrut, du Strafe meiner Sünden!“ schimpfte Nebenfrau Dschau aufgeregt hinter ihm her. Tsai-yün aber weinte sich vor Wut die Augen aus, egal wie Nebenfrau Dschau auch beruhigend auf sie einredete. „Ich habe es wohl bemerkt, wie er dich verletzt hat, mein gutes Kind“, sagte Nebenfrau Dschau. „Laß mich die Sachen an mich nehmen! In ein paar Tagen wird er ganz von selbst wieder zu sich kommen.“ Mit diesen Worten wollte sie die Gegenstände einsammeln, aber wütend raffte Tsai-yün alles zusammen, und als niemand sie sehen konnte, lief sie damit in den Garten und warf es dort in den Bach. Teils versanken die Sachen, teils trieben sie mit dem Wasser fort, Tsai-yün aber weinte vor Zorn des Nachts heimlich unter der Decke. Mittlerweilen kam Bau-yüs Geburtstag. Am selben Tag hatte auch Bau-tjin Geburtstag. Weil aber Dame Wang nicht zu Hause war, ging es nicht so lebhaft zu wie in früheren Jahren. Nur der dauistische Abt Dschang schickte viererlei Geschenke und ein neues Namensamulett, die buddhistischen Mönche und Nonnen aus den verschiedensten Klöstern schickten Opfergebäck, Bilder des Gottes der Langlebigkeit, Papiergaben und Segenssprüche zum Verbrennen, Bilder der Sternengötter, die Bau-yüs Geburtsjahr und das laufende Jahr regierten, sowie Amulette für das neue Lebensjahr. Auch die Geschichtenerzählerinnen, die regelmäßig ins Haus kamen, erschienen zur Gratulation. Wang Dsï-tëng schenkte eine komplette Garnitur Kleidungsstücke, ein Paar Stiefel und Strümpfe, einhundert ‚Pfirsiche der Langlebigkeit‘0 aus Gebäck und einhundert Bündel ‚Silberfadennudeln‘0 aus der kaiserlichen Küche. Die Geschenke von Tante Hsüä waren um eine Stufe geringer. Von den übrigen Familienmitgliedern schenkten Frau You ein Paar Stiefel und Strümpfe, Hsi-fëng aber ein besticktes Täschchen aus dem Kaiserpalast mit einem goldenen Figürchen des Gottes der Langlebigkeit darin sowie ein persisches Spielzeug. In alle Tempel wurden Leute geschickt, um dort Geld an die Mönche zu verteilen. Auch Bau-tjin bekam Geschenke, die aber hier nicht aufgezählt werden können. Von den Schwestern und Kusinen schenkte jede nach eigenem Belieben, die eine einen Fächer, die andere eine Kalligraphie, ein Bild oder ein Gedicht, nur eben um ein Geschenk zu machen. An seinem Geburtstag stand Bau-yü früh auf, und nachdem er sich frisiert und gewaschen hatte, ging er in korrekter Kleidung samt Gürtel und Kopfbedeckung in den Hof vor der vorderen Haupthalle hinüber, wo Li Guee und drei, vier andere Sklaven schon Weihrauch und Kerzen aufgebaut hatten, die dem Himmel und der Erde geopfert werden sollten. Nachdem Bau-yü den Weihrauch in Brand gesetzt, die Riten vollzogen, den Tee geopfert und die Papierfiguren verbrannt hatte, begab er sich ins Ning-guo-Anwesen hinüber, wo er im Familientempel und in der Ahnenhalle die Riten vollzog. Dann stieg er auf die Mondterrasse und kniete hier in Richtung der Orte nieder, wo er die Herzoginmutter, Djia Dschëng und Dame Wang wußte. Nachdem er auch noch Frau You in ihren Haupträumen aufgesucht hatte, um vor ihr niederzuknien und dann ein Weilchen bei ihr zu sitzen, kehrte er ins Jung-guo-Anwesen zurück, wo er zuerst Tante Hsüä aufsuchte, die ihm ein um das andere Mal in den Arm fiel, als er vor ihr niederknien wollte. Auch Hsüä Kë machte er seine Aufwartung, der ihn gleichfalls ein Weilchen Platz nehmen ließ. Anschließend kam Bau-yü in den Garten zurück, wo er mit Tjing-wën, Schë-yüä und einem kleineren Sklavenmädchen, das eine Filzmatte trug, zuerst Li Wan und dann auch alle anderen aufsuchte, die älter waren als er. Dann begab er sich durchs Innentor hinaus zu den Wohnungen seiner Ammen Li, Dschau, Dschang und Wang, wo er jeweils einige Zeit verweilte. Als er wieder im Garten war, wollte das Gesinde seinen Kniefall vor ihm vollführen, Bau-yü aber ließ es nicht zu. Er ging in seine Räume zurück, und hier traten Hsi-jën und die anderen vor ihn hin, um ihm mündlich zu gratulieren, und das war alles. Denn Dame Wang hatte befohlen, die jungen Leute sollten keine kniefälligen Glückwünsche empfangen, weil das ihrem Glück und ihrer Langlebigkeit Abbruch tun könnte. Darum machten Bau-yüs Sklavenmädchen keinen Stirnaufschlag vor ihm. Nachdem Bau-yü ein Weilchen geruht hatte, erschienen Djia Huan, Djia Lan und die anderen, und rasch mußte Hsi-jën sie festhalten, damit sie nicht niederknieten. Nachdem sie für kurze Zeit Platz genommen hatten, gingen sie wieder fort. „Ich bin müde vom Laufen“, sagte Bau-yü lächelnd und streckte sich auf dem Bett aus. Aber kaum daß er eine halbe Schale Tee getrunken hatte, war von draußen Stimmengewirr zu hören, und ein ganzer Schwarm Sklavenmädchen kam lachend herein. Es waren Tsuee-mo, Hsiau-luo, Tsuee-lü, Ju-hua, Hsiu-yäns Sklavenmädchen Dschuan-örl, die Amme mit Tjiau-djiä auf dem Arm sowie Tsai-luan und Hsiu-luan. Jede hielt eine rote Filzmatte in den Händen, und während sie lachend nähertraten, sagten sie: „Die Gratulanten rennen dir das Haus ein. Schnell, laß die Geburtstagsnudeln auftragen!“ In diesem Augenblick kamen jedoch auch Tan-tschun, Hsiang-yün, Bau-tjin, Hsiu-yän und Hsi-tschun, und rasch ging ihnen Bau-yü mit den Worten entgegen: „Ihr hättet euch nicht bemühen müssen! – Schnell, brüht einen guten Tee auf!“ Als die Mädchen in den Innenraum getreten waren, gab es natürlich erst ein höfliches Getue, ehe sie alle Platz genommen hatten. Hsi-jën und die anderen trugen den Tee auf, aber kaum daß die Gäste den ersten Schluck getrunken hatten, trat auch die festlich geschmückte Ping-örl ins Haus. Sofort ging ihr Bau-yü entgegen und sagte lächelnd: „Als ich eben bei Kusine Hsi-fëng am Tor war und mich anmelden ließ, konnte sie mich nicht empfangen, darum habe ich noch einmal jemand hineingeschickt und dich bitten lassen.“ „Ich war eben dabei, deiner Kusine das Haar zu richten“, erwiderte Ping-örl lächelnd. „Darum konnte ich nicht zu dir herauskommen. Dann hörte ich, du habest mich bitten lassen, aber das ist zuviel der Ehre. So bin ich jetzt hergekommen, um meinen Stirnaufschlag vor dir zu machen.“ „Das ist für mich zuviel Ehre!“ gab Bau-yü lächelnd zurück. Inzwischen hatte Hsi-jën schon im Außenraum einen Sitz für Ping-örl zurechtgemacht und bat sie, darauf Platz zu nehmen. Ping-örl aber machte einen Knicks vor Bau-yü, den dieser mit einer Verbeugung erwiderte. Dann kniete Ping-örl nieder, und sofort fiel auch Bau-yü auf die Knie. Hsi-jën half Ping-örl wieder auf die Beine, und noch einmal knickste diese vor Bau-yü. Wieder antwortete Bau-yü mit einer Verbeugung. Lächelnd drängte ihn Hsi-jën: „Verbeug dich noch einmal!“ „Warum?“ fragte Bau-yü. „Ich bin doch schon fertig.“ „Das war, weil sie dir zum Geburtstag gratuliert hat“, erläuterte Hsi-jën, „aber sie hat heute ebenfalls Geburtstag, darum mußt auch du ihr gratulieren.“ Sofort verbeugte sich Bau-yü fröhlich ein weiteres Mal und sagte: „So ist also heute auch dein Ehrentag, Schwester!“ Als Ping-örl seine Verbeugung mit einem Knicks erwiderte, griff Hsiang-yün nach den Händen von Bau-tjin und Hsiu-yän und sagte: „Von Rechts wegen müßtet ihr vier euch heute den ganzen Tag voreinander verbeugen!“ „Hat denn Schwester Hsiu-yän auch heute Geburtstag?“ fragte Tan-tschun rasch. „Wie konnte ich das vergessen!“ Und sie befahl einem Sklavenmädchen: „Bestell der zweiten jungen Herrin, sie solle rasch ein Geschenk wie das für Fräulein Bau-tjin in die Räume von Fräulein Ying-tschun bringen lassen!“ Nun mußte Hsiu-yän, nachdem Hsiang-yün ihren Geburtstag ungeniert ausgeplaudert hatte, notgedrungen auch durch die einzelnen Wohnstätten gehen und überall einen Höflichkeitsbesuch machen. „Ist es nicht interessant?“ fragte Tan-tschun lächelnd. „Auf jeden der zwölf Monate des Jahres kommen ein paar Geburtstage. Und weil wir so viele Leute sind, ergibt es sich, daß manches Mal zwei oder drei Geburtstage auf einen Tag fallen. Nicht einmal der Neujahrstag geht ohne Geburtstag vorüber, den hat sich Schwester Yüan-tschun gesichert. Kein Wunder, daß sie so großes Glück genießt, wenn sie eher als alle anderen an der Reihe ist! Zugleich war das auch der Geburtstag unseres Urahns. Nach dem Laternenfest sind die gnädige Frau Tante und Kusine Bau-tschai dran. Das nenne ich einen Zufall, daß Mutter und Tochter zusammen Geburtstag haben. Am ersten Tag des dritten Monats hat die gnädige Frau Geburtstag und am neunten Vetter Liän. Im zweiten Monat aber hat niemand Geburtstag...“ „Am zwölften zweiten hat Fräulein Lin Geburtstag“, wurde sie von Hsi-jën unterbrochen. „Wie könnt Ihr also sagen, es habe niemand Geburtstag, sie gehört bloß nicht zum Hause.“ „Was ist nur mit meinem Gedächtnis!“ klagte Tan-tschun lächelnd. Bau-yü aber wies lachend auf Hsi-jën und sagte: „Sie hat am selben Tag Geburtstag wie Kusine Dai-yü, deshalb hat sie es sich gemerkt.“ „Da habt ihr am selben Tag Geburtstag, aber du hast nie vor uns niedergekniet“, beanstandete Tan-tschun lächelnd. „Und auch Ping-örls Geburtstag haben wir bis heute nicht gewußt.“ „Was sind wir schon für Berühmtheiten!“ wehrte Ping-örl lächelnd ab. „Wir haben nicht das Glück, daß man uns gratulieren müßte, und auch nicht den Rang, daß wir Geschenke empfangen dürften. Warum also sollten wir viel Aufhebens um den Tag machen, statt ihn in aller Stille vorübergehen zu lassen? Heute nun mußte sie es ausplaudern, da werde ich meine Grüße entbieten kommen, wenn die Fräulein wieder in ihren Räumen sind.“ „Ich wollte dich nicht beunruhigen“, sagte Tan-tschun lächelnd. „Aber heute wird dein Geburtstag gefeiert, anders gebe ich mich nicht zufrieden!“ „So ist es recht!“ bestätigten Bau-yü und Hsiang-yün wie aus einem Munde. Daraufhin trug Tan-tschun einem Sklavenmädchen auf: „Geh und sag ihrer Herrin, wir alle hätten beschlossen, daß Ping-örl heute nicht wieder fort darf. Wir legen zusammen und richten den Geburtstag für sie aus.“ Lachend ging das Mädchen hinaus, und als sie nach geraumer Zeit wieder zurückkam, berichtete sie: „Die zweite junge Herrin hat gesagt, sie danke den Fräulein vielmals für die Ehre, die sie ihr damit erweisen, und sie wisse zwar nicht, womit die Fräulein Ping-örl zu bewirten gedächten, aber wenn man nur sie dabei nicht vergesse, wolle sie Ping-örl auch nicht weiter belästigen.“ Alle lachten darüber, dann erläuterte Tan-tschun: „Zufällig wird heute in der Gartenküche nicht gekocht, die Geburtstagsnudeln und die Zuspeisen werden drüben in der Hauptküche zubereitet. Wenn wir das Geld zusammengelegt haben, können wir Frau Liu holen, damit sie die Sache in die Hand nimmt und hier für uns kocht. Das trifft sich gut.“ „Völlig richtig!“ stimmten die anderen zu. Also schickte Tan-tschun nach Li Wan, Bau-tschai und Dai-yü, und gleichzeitig ließ sie Frau Liu holen, um ihr aufzutragen, sie solle in der Gartenküche rasch alles für ein paar Weintafeln herrichten. Frau Liu verstand nicht, was das bedeuten sollte, und sagte: „Aber in der Hauptküche ist doch schon alles vorbereitet.“ Lächelnd erklärte ihr Tan-tschun: „Du mußt wissen, daß heute auch Fräulein Ping-örl Geburtstag hat. Was drüben zubereitet wird, geht auf Kosten des Hauses, hierfür aber haben wir zusammengelegt, um Fräulein Ping-örl zu bewirten. Wähle also ein paar schmackhafte neue Gerichte aus und bereite sie für uns zu! Und wenn du die Rechnung dafür aufgestellt hast, kommst du zu mir und holst dir das Geld.“ Lächelnd sagte Frau Liu: „Da hat also auch Fräulein Ping-örl heute Geburtstag.