Hongloumeng/zh-de/Chapter 14

From China Studies Wiki
< Hongloumeng
Revision as of 08:36, 11 April 2026 by Admin (talk | contribs) (Bilingual ZH-DE chapter page (automated))
(diff) ← Older revision | Latest revision (diff) | Newer revision → (diff)
Jump to navigation Jump to search

Kapitel: [1-10] · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 16 · 17 · 18 · 19 · 20 · [21-30] · [31-40] · [41-50] · [51-60] · [61-70] · [71-80] · [81-90] · [91-100] · [101-110] · [111-120] · ← Inhalt

Version: ZH · DE · ZH-DE

第十四回

林如海灵返苏州郡

贾宝玉路谒北静王

In der Stadt Yang-dschou erliegt Lin Ju-hai seinem Leiden, am Wegesrand wird Bau-yü dem Prinzen Bee-djing vorgestellt.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung

話說寧國府中都總管來升聞得裡面委請了鳳姐,因傳齊了同事人等說道:「如今請了西府里璉二奶奶管理內事,倘或他來支取東西,或是說話,我們須要比往日小心些。每日大家早來晚散,寧可辛苦這一個月,過後再歇著,不要把老臉丟了。那是個有名的烈貨,臉酸心硬,一時惱了,不認人的。」眾人都道:「有理。」又有一個笑道:「論理,我們裡面也須得他來整理整理,都忒不像了。」正說著,只見來旺媳婦拿了對牌來領取呈文京榜紙札,票上批著數目。眾人連忙讓坐倒茶,一面命人按數取紙來抱著,同來旺媳婦一路來至儀門口,方交與來旺媳婦自己抱進去了。   鳳姐即命彩明釘造簿冊。即時傳來升媳婦,兼要家口花名冊來查看,又限於明日一早傳齊家人媳婦進來聽差等語。大概點了一點數目單冊,問了來升媳婦幾句話,便坐車回家。一宿無話。   至次日,卯正二刻便過來了。那寧國府中婆娘媳婦聞得到齊,只見鳳姐正與來升媳婦分派,眾人不敢擅入,只在窗外聽覷。只聽鳳姐與來升媳婦道:「既托了我,我就說不得要討你們嫌了。我可比不得你們奶奶好性兒,由著你們去,再不要說你們『這府里原是這樣』的話,如今可要依著我行,錯我半點兒,管不得誰是有臉的,誰是沒臉的,一例現清白處治。」說著,便吩咐彩明念花名冊,按名一個一個的喚進來看視。   一時看完,便又吩咐道:「這二十個分作兩班,一班十個,每日在裡頭單管人客來往倒茶,別的事不用他們管。這二十個也分作兩班,每日單管本家親戚茶飯,別的事也不用他們管。這四十個人也分作兩班,單在靈前上香添油,掛幔守靈,供茶供飯,隨起舉哀,別的事也不與他們相干。這四個人單在內茶房收管杯碟茶器,若少一件,便叫他四個人描賠。這四個人單管酒飯器皿,少一件,也是他四個人描賠。這八個人單管監收祭禮。這八個人單管各處燈油、蠟燭、紙札,我總支了來,交與你八個,然後按我的定數再往各處去分派。這三十個每日輪流各處上夜,照管門戶,監察火燭,打掃地方。這下剩的按著房屋分開,某人守某處,某處所有桌椅古董起,至於痰盒撣帚,一草一苗,或丟或壞,就和守這處的人算帳描賠。來升家的每日攬總查看,或有偷懶的,賭錢吃酒的,打架拌嘴的,立刻來回我。你有徇情,經我查出,三四輩子的老臉就顧不成了。如今都有定規,以後那一行亂了,只和那一行說話。素日跟我的人,隨身自有鐘錶,不論大小事,我是皆有一定的時辰。橫豎你們上房裡也有時辰鐘。卯正二刻我來點卯,巳正吃早飯,凡有領牌回事的,只在午初刻,戍初燒過黃昏紙,我親到各處查一遍,回來上夜的交明鑰匙。第二日仍是卯正二刻過來。說不得咱們大家辛苦這幾日,事完了,你們家大爺自然賞你們。」   說罷,又吩咐按數發與茶葉、油燭、雞毛撣子、笤帚等物。一面又搬取家伙:桌圍、椅搭、坐褥、氈席、痰盒、腳踏之類。一面交發,一面提筆登記,某人管某處,某人領某物,開得十分清楚。眾人領了去,也都有了投奔,不似先時只揀便宜的做,剩下的苦差沒個招攬。各房中也不能趁亂失迷東西。便是人來客往,也都安靜了,不比先前一個正擺茶,又去端飯,正陪舉哀,又顧接客。如這些無頭緒,荒亂、推托、偷閑、竊取等弊,次日一概都蠲了。   鳳姐兒見自己威重令行,心中十分得意。因見尤氏犯病,賈珍又過於悲哀,不大進飲食,自己每日從那府中煎了各樣細粥,精緻小菜,命人送來勸食。賈珍也另外吩咐每日送上等菜到抱廈內,單與鳳姐吃。那鳳姐不畏勤勞,天天於卯正二刻就過來點卯理事,獨在抱廈內起坐,不與眾妯娌合群,便有堂客來往,也不迎會。   這日乃五七正五日上,那應佛僧正開方破獄,傳燈照亡,參閻君,拘都鬼,延請地藏王,開金橋,引幢幡;那道士們正伏章申表,朝三清,叩玉帝;禪僧們行香,放焰口,拜水懺;又有十三眾尼僧,搭繡衣,趿紅鞋,在靈前默誦接引諸咒,十分熱鬧。那鳳姐必知今日人客不少,在家中歇宿一夜,至寅正,平兒便請起來梳洗。及收拾完備,更衣盥手,吃了幾口奶子糖粳粥,漱口已畢,已是卯正二刻了。來旺媳婦率領諸人伺候已久。鳳姐出至廳前,上了車,前面打了一對明角燈,大書 「榮國府」三個大字,款款來至寧府。大門上門燈朗掛,兩邊一色戳燈,照如白晝,白汪汪穿孝僕從兩邊侍立。請車至正門上,小廝等退去,眾媳婦上來揭起車簾。鳳姐下了車,一手扶著豐兒,兩個媳婦執著手把燈罩,簇擁著鳳姐進來。寧府諸媳婦迎來請安接待。鳳姐緩緩走入會芳園中登仙閣靈前,一見了棺材,那眼淚恰似斷線之珠,滾將下來。院中許多小廝垂手伺候燒紙。鳳姐吩咐得一聲:「供茶燒紙。」只聽一棒鑼嗚,諸樂齊奏,早有人端過一張大圈椅來,放在靈前,鳳姐坐了,放聲大哭。於是裡外男女上下,見鳳姐出聲,都忙忙接聲嚎哭。   一時賈珍尤氏遣人來勸,鳳姐方纔止住。來旺媳婦獻茶漱口畢,鳳姐方起身,別過族中諸人,自入抱廈內來,按名查點,各項人數都已到齊,只有迎送親客上的一人未到。即命傳到。那人已張惶愧懼。鳳姐冷笑道:「我說是誰誤了,原來是你!你原比他們有體面,所以才不聽我的話。」那人道:「小的天天來的早,只有今兒,醒了覺得早些,因又睡迷了,來遲了一步,求奶奶饒過這次。」正說著,只見榮府中的王興媳婦來了,在前探頭。   鳳姐且不發放這人,卻先問:「王興媳婦作什麼?」王興媳婦巴不得先問他完了事,連忙進去說:「領牌取線,打車轎上網絡。」說著,將個帖兒遞上去。鳳姐命彩明念道:「大轎兩頂,小轎四頂,車四輛,共用大小絡子若干根,用珠兒線若干斤。」鳳姐聽了,數目相合,便命彩明登記,取榮國府對牌擲下。王興家的去了。   鳳姐方欲說話時,見榮國府的四個執事人進來,都是要支領東西領牌來的。鳳姐命彩明要了帖念過,聽了一共四件,指兩件說道:「這兩件開銷錯了,再算清了來取。」說著擲下帖子來。那二人掃興而去。   鳳姐因見張材家的在旁,因問:「你有什麼事?」張材家的忙取帖兒回說:「就是方纔車轎圍作成,領取裁縫工銀若干兩。」鳳姐聽了,便收了帖子,命彩明登記。待王興家的交過牌,得了買辦的回押相符,然後方與張材家的去領。一面又命念那一個,是為寶玉外書房完竣,支買紙料糊裱。鳳姐聽了,即命收帖兒登記,待張材家的繳清,又發與這人去了。   鳳姐便說道:「明兒他也睡迷了,後兒我也睡迷了,將來都沒了人了。本來要饒你,只是我頭一次寬了,下次人就難管,不如現開發的好。」登時放下臉來,喝令:「帶出去,打二十板子!」一面又擲下寧國府對牌:「出去說與來升,革他一月銀米!」眾人聽說,又見鳳姐眉立,知是惱了,不敢怠慢,拖人的出去拖人,執牌傳諭的忙去傳諭。那人身不由己,已拖出去挨了二十大板,還要進來叩謝。鳳姐道:「明日再有誤的,打四十,後日的六十,有挨打的,只管誤!」說著,吩咐:「散了罷。」窗外眾人聽說,方各自執事去了。彼時寧國榮國兩處執事領牌交牌的,人來人往不絕,那抱愧被打之人含羞去了,這才知道鳳姐利害。眾人不敢偷閑,自此兢兢業業,執事保全。不在話下。   如今且說寶玉因見今日人眾,恐秦鐘受了委曲,因默與他商議,要同他往鳳姐處來坐。秦鐘道:「他的事多,況且不喜人去,咱們去了,他豈不煩膩。」寶玉道:「他怎好膩我們,不相干,只管跟我來。」說著,便拉了秦鐘,直至抱廈。鳳姐才吃飯,見他們來了,便笑道:「好長腿子,快上來罷。」寶玉道:「我們偏了。」鳳姐道:「在這邊外頭吃的,還是那邊吃的?」寶玉道:「這邊同那些渾人吃什麼!原是那邊,我們兩個同老太太吃了來的。」一面歸坐。   鳳姐吃畢,就有寧國府中的一個媳婦來領牌,為支取香燈事。鳳姐笑道:「我算著你們今兒該來支取,總不見來,想是忘了。這會子到底來取,要忘了,自然是你們包出來,都便宜了我。」那媳婦笑道:「何嘗不是忘了,方纔想起來,再遲一步,也領不成了!」說罷,領牌而去。   一時登記交牌。秦鐘因笑道:「你們兩府里都是這牌,倘或別人私弄一個,支了銀子跑了,怎樣?」鳳姐笑道:「依你說,都沒王法了。」寶玉道:「怎麼咱們家沒人領牌子做東西?」鳳姐道:「人家來領的時候,你還做夢呢。我且問你,你們這夜書多早晚才念呢?」寶玉道:「巴不得這如今就念才好,他們只是不快給收拾出書房來,這也無法。」鳳姐笑道: 「你請我一請,包管就快了。」寶玉道:「你要快也不中用。他們該作到那裡的,自然就有了。」鳳姐笑道:「便是他們作,也得要東西,擱不住我不給對牌是難的。」寶玉聽說,便猴向鳳姐身上立刻要牌,說:「好姐姐,給出牌子來,叫他們要東西去。」 鳳姐道:「我乏的身子上生疼,還擱的住揉搓。你放心罷,今兒才領了紙裱糊去了,他們該要的還等叫呢,可不傻了?」寶玉不信,鳳姐便叫彩明查冊子與寶玉看了。   正鬧著,人回:「蘇州去的人昭兒來了。」鳳姐急命喚進來。昭兒打千兒請安。鳳姐便問:「回來做什麼的?」昭兒道:「二爺打發回來的。林姑老爺是九月初三日巳時沒的。二爺帶了林姑娘同送林姑老爺靈到蘇州,大約趕年底就回來。二爺打發小的來報個信請安,討老太太示下,還瞧瞧奶奶家裡好,叫把大毛服帶幾件去。」鳳姐道:「你見過別人了沒有?」昭兒道:「都見過了。」說畢,連忙退去。鳳姐向寶玉笑道:「你林妹妹可在咱們家住長了。」寶玉道:「了不得,想來這幾日他不知哭的怎樣呢!」說著,蹙眉長嘆。   鳳姐見昭兒回來,因當著人未及細問賈璉,心中自是記掛,待要回去,爭奈事情繁雜,一時去了,恐有延遲失誤,惹人笑話。少不得耐到晚上回來,復令昭兒進來,細問一路平安信息。連夜打點大毛衣服,和平兒親自檢點包裹,再細細追想所需何物,一併包藏交付昭兒。又細細吩咐昭兒「在外好生小心伏侍,不要惹你二爺生氣;時時勸他少吃酒,別勾引他認得渾賬老婆,」「回來打折你的腿」等語。趕亂完了,天已四更將盡,總睡下又走了困,不覺又是天明雞唱,忙梳洗過寧府中來。   那賈珍因見發引日近,親自坐車,帶了陰陽司吏,往鐵檻寺來踏看寄靈所在。又一一囑咐住持色空,好生領備新鮮陳設,多請名僧,以備接靈使用。色空忙看晚齋。賈珍也無心茶飯,因天晚不得進城,就在凈室胡亂歇了一夜。次日早,便進城來料理出殯之事,一面又派人先往鐵檻寺,連夜另外修飾停靈之處,並廚茶等項接靈人口坐落。   裡面鳳姐見日期有限,也預先逐細分派料理,一面又派榮府中車轎人從跟王夫人送殯,又顧自己送殯去占下處。目今正值繕國公誥命亡故,王邢二夫人又去打祭送殯;西安郡王妃華誕,送壽禮;鎮國公誥命生了長男,預備賀禮;又有胞兄王仁連家眷回南,一面寫家信稟叩父母並帶往之物;又有迎春染病,每日請醫服藥,看醫生啟帖、症源、藥案等事,亦難盡述。又兼發引在邇,因此忙的鳳姐茶飯也沒工夫吃得,坐卧不得清凈。剛到了寧府,榮府的人又跟到寧府;既回到榮府,寧府的人又找到榮府。鳳姐見如此,心中倒十分歡喜,並不偷安推托,恐落人褒貶,因此日夜不暇,籌理得十分的整肅。於是合族上下無不稱嘆者。   這日伴宿之夕,裡面兩班小戲並耍百戲的與親朋堂客伴宿,尤氏猶卧內於室,一應張羅款待,獨是鳳姐一人周全承應。合族中雖有許多妯娌,但或有羞口的,或有羞腳的,或有不慣見人的,也有懼貴怯官的,種種之類,俱不及鳳姐舉止舒徐,言語慷慨,珍貴寬大;因此也不把眾人放在眼裡,揮霍指示,任其所為,目若無人。一夜中燈明火彩,客送官迎,那百般熱鬧,自不用說的。至天明,吉時已到,一般六十四名青衣請靈,前面銘旌上大書「奉天洪建兆年不易之朝誥封一等寧國公冢孫婦防護內廷紫禁道御前侍衛龍禁尉享強壽賈門秦氏恭人之靈柩」。一應執事陳設,皆系現趕著新做出來的,一色光艷奪目。寶珠自行未嫁女之禮外,摔喪駕靈,十分哀苦。   那時官客送殯的,有鎮國公牛清之孫現襲一等伯牛繼宗,理國公柳彪之孫現襲一等子柳芳,齊國公陳翼之孫世襲三品威鎮將軍陳瑞文,治國公馬魁之孫世襲三品威遠將軍馬尚,修國公侯明之孫世襲一等子侯孝康;繕國公誥命亡故,其孫石光珠守孝不曾來得。這六家與榮寧二家,當日所稱「八公」的便是。餘者更有南安郡王之孫,西寧郡王之孫,忠靖侯史鼎,平原侯之孫世襲二等男蔣子寧,定城侯之孫世襲二等男兼京營游擊謝鯨,襄陽侯之孫世襲二等男戚建輝,景田侯之孫五城兵馬司裘良。餘者錦鄉侯公子韓奇,神威將軍公子馮紫英,衛若蘭等諸王孫公子,不可枚數。堂客算來亦有十來頂大轎,三四十小轎,連家下大小轎車輛,不下百十餘乘。連前面各色執事、陳設、百耍,浩浩蕩盪,一帶擺出三四里遠來。   走不多時,路旁彩棚高搭,設席張筵,和音奏樂,俱是各家路祭:第一座是王府東平王府祭棚,第二座是南安郡王祭棚,第三座是西寧郡王,第四座是北靜郡王的。原來這四王,當日惟北靜王功高,及今子孫猶襲王爵。現今北靜王水溶年未弱冠,生得形容秀美,性情謙和。近聞寧國公冢孫媳告殂,因想當日彼此祖父相與之情,同難同榮,未以異姓相視,因此不以王位自居,上日也曾探喪上祭,如今又設路祭,命麾下的各官在此伺候。自己五更入朝,公事一畢,便換了素服,坐大轎鳴鑼張傘而來,至棚前落轎。手下各官兩旁擁侍,軍民人眾不得往還。   一時只見府大殯浩浩蕩盪、壓地銀山一般從北而至。早有寧府開路傳事人看見,連忙回去報與賈珍。賈珍急命前面駐扎,同賈赦賈政三人連忙迎來,以國禮相見。水溶在轎內欠身含笑答禮,仍以世交稱呼接待,並不妄自尊大。賈珍道:「犬婦之喪,累蒙郡駕下臨,蔭生輩何以克當。」 水溶笑道:「世交之誼,何出此言。」遂回頭命長府官主祭代奠。賈赦等一旁還禮畢,復身又來謝恩。   水溶十分謙遜,因問賈政道:「那一位是銜玉而誕者?幾次要見一見,都為雜冗所阻,想今日是來的,何不請來一會?」賈政聽說,忙回去,急命寶玉脫去孝服,領他前來。那寶玉素日就曾聽得父兄親友人等說閑話時,贊水溶是個賢王,且生得才貌雙全,風流瀟灑,每不以官俗國體所縛。每思相會,只是父親拘束嚴密,無由得會,今日反來叫他,自是喜歡。一面走,一面早瞥見那水溶坐在轎內,好個儀錶人才。不知近看時又是怎樣,且聽下回分解。

Als der Hauptverwalter des Ning-guo-Anwesens Lai Schëng erfuhr, Hsi-fëng habe die Leitung des Haushalts übertragen bekommen, rief er alle seine Leute zusammen und sagte: „Man hat die Frau des jungen gnädigen Herrn Liän aus dem Westanwesen gebeten, hier die Haushaltsführung zu übernehmen. Wenn sie sich jetzt etwas von uns geben läßt oder etwas zu uns sagt, müssen wir achtsamer sein als sonst. Jeder von uns sollte von nun an morgens früher kommen und abends später gehen! Lieber wollen wir diesen einen Monat lang hart arbeiten und uns nachher davon erholen, als unser Ansehen zu verlieren! Diese junge gnädige Frau ist für ihr heftiges Wesen, für ihre saure Miene und für ihr hartes Herz bekannt. Wenn sie einmal in Wut gerät, ist keine Nachsicht von ihr zu erwarten.“ Alle sagten, er habe recht, und einer bemerkte lächelnd: „Eigentlich hat es der Haushalt bitter nötig, daß sie kommt und hier Ordnung schafft, denn wie es jetzt ist, ist es doch wahrhaftig kein Zustand!“ Als er das eben sagte, kam Lai Wangs Frau mit der Hausmarke in der Hand, um sich Papier geben zu lassen, wie es für Anschläge und für Eingaben benutzt wird. Auf der Empfangsbestätigung, die sie mitbrachte, waren die benötigten Mengen angegeben. Rasch wurde sie gebeten, Platz zu nehmen. Man goß ihr Tee ein und beauftragte jemanden, das Papier in voller Menge zu holen. Dann trug man es ihr noch hinaus bis ans Zeremonialtor und ließ sie es erst von dort aus selbst hineintragen. Hsi-fëng befahl dann Tsai-ming, Hefte anzufertigen, und ließ Lai Schëngs Frau holen, die ihr die Gesindeliste zur Einsicht vorlegen mußte. Anschließend setzte sie fest, daß am frühen Morgen des nächsten Tages alle zum Befehlsempfang erscheinen sollten, und nachdem sie auch noch die Bestandslisten durchgesehen und Lai Schëngs Frau ein paar Fragen gestellt hatte, stieg sie in den Wagen und fuhr nach Hause. Über die Nacht ist nichts zu berichten. Am nächsten Morgen um halb sieben kam sie wieder herüber, und alle Sklavenfrauen aus dem Ning-guo-Anwesen versammelten sich, als sie es erfuhren. Als sie sahen, daß Hsi-fëng gerade mit Lai Schëngs Frau die Arbeit einteilte, wagten sie es nicht, unaufgefordert einzutreten. Sie lauschten, guckten nur verstohlen durchs Fenster und hörten, wie Hsi-fëng eben zu Lai Schëngs Frau sagte: „Indem ich diesen Auftrag übernommen habe, werde ich mich wohl bei euch unbeliebt machen. Ich bin nun einmal nicht so gutmütig wie eure junge Herrin, die euch tun ließ, was ihr wolltet. Und sagt mir nicht, das und das wurde hier bisher soundso gehandhabt, sondern macht es von jetzt an so, wie ich es euch sage. Wenn sich eine von euch auch nur das Geringste zuschulden kommen läßt, werde ich mich nicht darum kümmern, ob sie angesehen ist oder nicht, sondern die Sache aufklären und die Schuldige bestrafen.“ Dann mußte Tsai-ming die Gesindeliste vorlesen, die Sklavenfrauen wurden einzeln hereingerufen, und Hsi-fëng sah sich jede von ihnen an. Nachdem sie alle gesehen hatte, befahl sie: „Diese zwanzig hier werden in zwei Gruppen zu je zehn eingeteilt und sind nur dafür verantwortlich, jeden Tag in den inneren Gemächern aufzupassen, wenn Gäste kommen oder gehen, und ihnen Tee einzuschenken, alles andere geht sie nichts an. Diese zwanzig werden ebenfalls in zwei Gruppen zu je zehn eingeteilt und sind nur dafür verantwortlich, jeden Tag für die Familienangehörigen den Tee und das Essen aufzutragen, und alles andere geht sie nichts an. Diese vierzig werden in zwei Gruppen nur am Sarg Weihrauch anzünden, Lampenöl nachfüllen, Vorhänge aufhängen, die Totenwache halten, den Opferreis und den Opfertee wechseln und mit den Trauernden zusammen Wehklage erheben, mit anderen Dingen haben sie nichts zu tun. Diese vier werden in der Teeküche Schalen, Teller und Teezeug verwalten. Wenn auch nur ein Stück davon fehlt, werden sie es ersetzen. Diese vier werden das Wein- und das Eßgeschirr verwalten und ebenfalls jedes fehlende Stück ersetzen. Diese acht sind ausschließlich für die Entgegennahme von Trauergeschenken verantwortlich. Diese acht werden Lampenöl, Wachskerzen und Opferpapier für alle Räume in ihrer Obhut haben. Ich selbst gehe diese Dinge im ganzen holen und übergebe sie ihnen, dann werden sie in den von mir festgelegten Mengen auf die einzelnen Gebäude verteilt. Diese dreißig haben reihum in den einzelnen Gebäuden Nachtdienst. Sie kontrollieren die Türen, sehen nach Feuern und Lichtern und fegen den Boden aus. Alle übrigen werden auf die einzelnen Räume verteilt, um dort Aufsicht zu führen. Von Möbeln und Antiquitäten bis zu Spucknäpfen, Flederwischen und Besen wird auch die letzte Kleinigkeit, die davon verschwindet oder beschädigt wird, der Aufseherin für den jeweiligen Raum in Rechnung gestellt und von ihr ersetzt. Lai Schëngs Frau wird jeden Tag eine Gesamtkontrolle vornehmen, und wenn etwa eine von euch faulenzen sollte oder sich an Glücksspielen beteiligt, Wein trinkt, sich prügelt oder zankt, wird sie mir sofort gemeldet. Wenn ich feststelle, daß sich eine einen persönlichen Vorteil verschafft, wird

Aus: Jinyuyuan 1889a.

keine verschont, auch wenn sie schon in dritter oder vierter Generation im Hause ist. Jetzt gibt es für alles feststehende Regeln, und wenn irgendwo Unordnung herrscht, werde ich mich an die betreffende Gruppe halten, die dafür verantwortlich ist. In meinem ständigen Gefolge trägt jede eine Uhr bei sich, und für jegliche Sache, ob groß oder klein, gibt es bei mir eine feste Zeit. Schließlich gibt es auch bei euch in allen Haupträumen Uhren. Morgens um halb sieben komme ich und halte Appell, um zehn wird gefrühstückt. Wer sich die Hausmarke geben lassen muß oder Rapport erstatten will, kommt zwischen elf und zwölf zu mir. Abends um sieben, nachdem das Opfergeld für die Nacht abgebrannt ist, gehe ich selbst durch alle Räume und kontrolliere. Wenn ich damit fertig bin, liefert mir der Nachtdienst die Schlüssel ab. Am nächsten Morgen um halb sieben bin ich dann wieder hier. Daß diese Tage schwer für uns werden, versteht sich von selbst, aber wenn sie zu Ende sind, wird euer Herr euch natürlich belohnen.“ Anschließend befahl sie, Tee, Lampenöl, Kerzen, Flederwische, Besen und so weiter in den von ihr festgelegten Mengen auszugeben und solchen Hausrat wie Tischverkleidungen, Stuhltücher, Sitzpolster, Teppiche, Spucknäpfe und Fußbänke zu holen. Beim Ausgeben wurde klar und übersichtlich notiert, wer für welches Gebäude zuständig war und wer welche Materialien empfangen hatte. Von nun an wußte jede Sklavin, wohin sie zu gehen hatte, und es war nicht mehr so wie zuvor, als sich jede nur angenehme Arbeiten aussuchte, und alles, was unbequem war, liegen blieb, weil niemand es übernehmen wollte. Aus den einzelnen Räumen konnte auch nichts mehr im allgemeinen Durcheinander verlorengehen. Obwohl ein ständiges Kommen und Gehen war, blieb es doch überall ruhig, und es konnte auch nicht mehr geschehen, daß eine Sklavin, die eben den Tee servierte, plötzlich das Essen auftragen mußte oder mitten aus dem Wehklagen mit Trauernden weggeholt wurde, um beim Empfang von Gästen dabei zu sein. Solche Übel wie heillose Unordnung und faule Ausflüchte, Drückebergerei und Diebstähle gab es vom nächsten Tag an nicht mehr. Als Hsi-fëng merkte, daß man ihre Macht respektierte und ihre Befehle ausgeführt wurden, war sie innerlich sehr zufrieden. Und weil sie sah, daß Frau You durch ihre Krankheit und Djia Dschën durch seinen übergroßen Schmerz kaum etwas zu sich nahmen, brachte sie jeden Tag nüchterne Reissuppe und ein paar leckere Kleinigkeiten aus dem Jung-guo-Anwesen mit herüber und ließ sie ihnen auftragen, wobei sie den Sklavenfrauen befahl, sie sollten ihnen zureden zu essen. Djia Dschën seinerseits hatte angeordnet, täglich die besten Speisen allein für Hsi-fëng in den Anbau zu schicken. Ohne die Anstrengung zu scheuen, kam Hsi-fëng jeden Morgen um halb sieben ins Ning-guo-Anwesen herüber, hielt Appell und erledigte die Geschäfte. Sie hielt sich nur in dem Anbau auf und gesellte sich nicht zu den jungen Frauen des Hauses. Auch die Besucherinnen begrüßte sie nicht. Am fünften Tag der fünften siebentägigen Trauerperiode war es für die buddhistischen Mönche Zeit, die Erde zu öffnen, die Hölle aufzubrechen,der Seele zu leuchten, dem Höllenkönig aufzuwarten, die Höllenteufel zu binden, den Bodhisattwa Ksitigarbhaum Freigabe der Goldenen Brücke zu bitten und mit Fahnen voranzugehen. Die Dauisten hatten gesenkten Hauptes ihre Lobgebete vorzutragen, den Drei Reinenihren Respekt zu erweisen und dem Jadekaiserihre fußfällige Verehrung zu bezeugen. Die Mönche der Tschan-Sekte mußten die Weihrauchprozession anführen, die Hungergeister erlösen und das Wassersutra beten, während dreizehn Nonnen in gestickten Gewändern und roten Schuhen vor dem Sarg stumm die Geleitformeln beteten. So würde ein lebhaftes Treiben herrschen. Hsi-fëng wußte, daß an diesem Tag zahlreiche Gäste zu erwarten waren, darum ruhte sie die Nacht über und ließ sich schon früh um vier von Ping-örl wecken. Als sie frisiert war und ihr Gesicht gewaschen hatte, zog sie sich um, wusch sich die Hände, trank ein paar Schlucke Milch und gesüßte Reissuppe, und als sie sich dann noch den Mund gespült hatte, war es bereits halb sieben, und Lai Wangs Frau wartete schon längst mit dem übrigen Gefolge. Hsi-fëng trat vor die Halle und stieg in den Wagen. Vorneweg wurden zwei klare Hornlaternen getragen, auf denen in großen Schriftzeichen ‚Jung-guo-Residenz‘ stand. So fuhr sie langsam zum Ning-guo-Anwesen hinüber. Hier hingen starke Lampen über dem Tor, und zwei Reihen Kandelaber von reiner Farbe erleuchteten alles taghell. Ein Spalier von Dienern in weißer Trauerkleidung stand bis zum Haupteingang, wo sich Hsi-fëngs Sklavenjungen entfernten, während Sklavenfrauen herantraten, um den Vorhang des Wagens zurückzuschlagen. Hsi-fëng stieg aus und stützte sich mit einer Hand auf Fëng-örl. Zwei Sklavenfrauen mit Handlaternen geleiteten sie hinein. Hier kamen ihr die Sklavinnen des Ning-guo-Anwesens entgegen und begrüßten sie. Bedächtig schritt Hsi-fëng bis vor den Sarg in der Halle des Aufstiegs zu den Unsterblichen im Garten der Gesammelten Düfte. Kaum daß sie den Sarg erblickte, liefen ihr die Tränen herab wie Perlen von einer zerrissenen Schnur. Im Hof standen zahlreiche Sklavenjungen mit dienstfertig herabhängenden Armen und warteten darauf, das Opfergeld zu verbrennen. Als Hsi-fëng mit knappen Worten befahl, den Opfertee zu bringen und das Papiergeld anzuzünden, ertönte ein Gongschlag, dann begann die Musik zu spielen. Schon längst war ein großer Lehnstuhl vor den Sarg gestellt worden, jetzt nahm Hsi-fëng darauf Platz und brach in lautes Weinen aus. Alle Anwesenden, Männer und Frauen, hoch und niedrig, fielen eifrig ein und heulten mit. Erst als Djia Dschën und Frau You ein Weilchen später Botinnen schickten, um begütigend auf Hsi-fëng einzureden, hielt sie inne. Lai Wangs Frau reichte ihr Tee, und als sie sich damit den Mund gespült hatte, stand sie auf, verabschiedete sich von den Sippenangehörigen und ging in den Anbau hinüber, wo sie die einzelnen Gruppen der Sklavenfrauen namentlich aufrief. Alle waren da bis auf eine Sklavin aus der Gruppe, die sich um die eintreffenden und aufbrechenden Gäste zu kümmern hatte. Als Hsi-fëng eben befohlen hatte, sie zu holen, kam sie schon ängstlich und verstört herbeigeeilt. „Du bist es also, die zu spät kommen muß!“ sagte Hsi-fëng und lächelte eisig. „Du bist wohl etwas Besseres als die andern, daß du meinen Worten nicht Folge zu leisten brauchst?“ „Ich Unwürdige bin jeden Tag rechtzeitig hier gewesen“, verteidigte sich die Frau. „Aber heute schien es mir noch so früh, als ich aufgewacht war, da bin ich noch einmal eingeschlafen und jetzt einen Augenblick zu spät gekommen. Ich bitte Euch, mein Vergehen dieses eine Mal zu entschuldigen, junge gnädige Frau!“ Während sie das eben sagte, steckte Wang Hsings Frau aus dem Jung-guo-Anwesen den Kopf zur Tür herein. Ohne jene Sklavin zu entlassen, erkundigte sich Hsi-fëng bei Wang Hsings Frau, was sie wolle. In dem Wunsch, recht schnell abgefertigt zu werden, trat Wang Hsings Frau ein und sagte, sie brauche die Hausmarke, um sich Seide geben zu lassen, aus der Ziernetze für Wagen und Sänften geknüpft werden sollten. Bei diesen Worten reichte sie ihr einen Bestellschein. Auf Hsi-fëngs Befehl las Tsai-ming vor, daß zu soundsoviel größeren und kleineren Netzen für zwei große und vier kleine Sänften sowie vier Wagen soundsoviel Djin Perlseide gebraucht würden. Hsi-fëng fand die Mengenangabe angemessen, befahl Tsai-ming, sie einzutragen, und warf Wang Hsings Frau die Hausmarke des Jung-guo-Anwe­sens hin. Als Wang Hsings Frau gegangen war und Hsi-fëng sich eben wieder jener Sklavin zuwenden wollte, kamen noch vier Beauftragte aus dem Jung-guo-Anwesen herein, die ebenfalls etwas holen sollten und die Marke dafür brauchten. Hsi-fëng ließ sie ihre Bestellscheine abgeben, und nachdem sie ihr vorgelesen worden waren, wies sie auf zwei der vier Posten darin und sagte: „Diese beiden Posten sind falsch berechnet, rechnet sie noch einmal richtig aus und kommt dann wieder!“ Damit warf sie ihnen die Scheine hin, und die beiden gingen betreten hinaus. Hsi-fëng sah, daß jetzt Dschang Tsais Frau an der Reihe war und fragte sie: „Was hast du für einen Auftrag?“ Rasch holte Dschang Tsais Frau ihren Bestellschein hervor und berichtete, für jene Wagen und Sänften, von denen eben schon die Rede gewesen war, seien die Vorhänge angefertigt worden, und sie solle soundsoviel Liang Silber als Lohn für den Schneider holen.g Hsings Frau die Hausmarke des Jung-guo-Anwe­sens hin. Als Wang Hsings Frau gegangen war und Hsi-fëng sich eben wieder jener Sklavin zuwenden wollte, kamen noch vier Beauftragte aus dem Jung-guo-Anwesen herein, die ebenfalls etwas holen sollten und die Marke dafür brauchten. Hsi-fëng ließ sie ihre Bestellscheine abgeben, und nachdem sie ihr vorgelesen worden waren, wies sie auf zwei der vier Posten darin und sagte: „Diese beiden Posten sind falsch berechnet, rechnet sie noch einmal richtig aus und kommt dann wieder!“ Damit warf sie ihnen die Scheine hin, und die beiden gingen betreten hinaus. Hsi-fëng sah, daß jetzt Dschang Tsais Frau an der Reihe war und fragte sie: „Was hast du für einen Auftrag?“ Rasch holte Dschang Tsais Frau ihren Bestellschein hervor und berichtete, für jene Wagen und Sänften, von denen eben schon die Rede gewesen war, seien die Vorhänge angefertigt worden, und sie solle soundsoviel Liang Silber als Lohn für den Schneider holen. Nachdem Hsi-fëng sie angehört hatte, nahm sie ihr den Schein ab und befahl Tsai-ming, die Summe einzutragen und zu warten, bis Wang Hsings Frau die Hausmarke mit der entsprechenden Empfangsbestätigung des Einkäufers zurückbrachte, um die Marke dann Dschang Tsais Frau zu geben, damit sie das Silber holen konnte. Dann befahl sie, auch den anderen Bestellschein vorzulesen, und darin wurde Papier verlangt, um in der Studierstube, die für Bau-yü hergerichtet wurde, die Wände zu bekleben. Hsi-fëng befahl, den Bestellschein einzubehalten, die Summe einzutragen und zu warten, bis Dschang Tsais Frau abgerechnet hatte, um dann die Hausmarke an die nächste weiterzugeben. Anschließend aber sagte Hsi-fëng: „Morgen wird diese verschlafen, übermorgen jene, und zum Schluß ist gar niemand mehr da. Eigentlich wollte ich dir verzeihen, aber wenn ich beim ersten Mal großzügig bin, läßt sich beim nächsten Mal kein Mensch etwas sagen, darum ist es das beste, es wird jetzt eine ordentliche Lektion erteilt!“ Und schon rief sie mit drohender Miene den Befehl: „Führt sie hinaus und gebt ihr zwanzig Schläge mit dem Prügel!“ Dann warf sie die Hausmarke des Ning-guo-Anwesens hin und ordnete an, Lai Schëng mitzuteilen, er solle der Sklavin für einen Monat ihre Silber- und Reiszuteilung entziehen. Als die Leute das hörten und sahen, daß Hsi-fëng die Brauen steil zusammengezogen hatte, erkannten sie, daß sie wütend war, und darum wagten sie nicht zu zögern. Die einen zerrten die Frau hinaus, die anderen gingen mit der Hausmarke den Befehl übermitteln. Und ehe die Sklavin es sich versah, war sie draußen und bekam zwanzig Hiebe mit dem großen Prügel. Dann mußte sie wieder hereinkommen, um sich bei Hsi-fëng auch noch fußfällig zu bedanken. „Wer sich morgen etwas zuschulden kommen läßt, bekommt vierzig Schläge, und übermorgen gibt es sechzig“, verkündete Hsi-fëng. „Wer Appetit darauf hat, braucht also nur etwas falsch zu machen.“ Dann befahl sie: „Geht jetzt!“ Und als die Frauen vor den Fenstern das hörten, ging jede ihrem Auftrag gemäß davon. Der Strom der Beauftragten aus dem Ning-guo- und dem Jung-guo-Anwesen, die die Hausmarken holen und bringen kamen, riß um diese Stunde nicht ab. Die Sklavin, die so schmachvoll geschlagen worden war, ging beschämt davon. Nachdem die Leute gesehen hatten, daß mit Hsi-fëng nicht zu spaßen war, wagten sie nicht mehr, nachlässig zu sein, und führten ehrfurchtsvoll ihre Aufträge aus, um vor Strafe sicher zu sein. Aber davon soll jetzt nicht weiter berichtet werden. Als Bau-yü sah, was für Menschenmassen an diesem Tage da waren, befürchtete er, jemand könnte Tjin Dschung eine Kränkung zufügen, und so beriet er insgeheim mit ihm darüber, zu Hsi-fëng zu gehen und sich dort hinzusetzen. „Sie hat viel zu tun und mag es nicht, wenn jemand dorthin kommt, bestimmt wird es ihr lästig sein, wenn wir kommen“, wandte Tjin Dschung ein. „Warum sollten wir ihr lästig sein?“ fragte Bau-yü. „Es macht gar nichts, komm nur mit!“ Damit zog er Tjin Dschung hinter sich her und ging geradewegs zum Anbau. Hsi-fëng war eben beim Essen, und als sie die beiden hereinkommen sah, forderte sie sie lächelnd auf: „Kommt schnell her, ihr Flinkbeinigen!“ „Danke, wir haben schon gegessen!“ sagte Bau-yü. „Hier draußen oder bei uns drüben?“ erkundigte sich Hsi-fëng. „Warum sollten wir hier mit den Dummköpfen essen? Wir haben beide drüben bei der alten gnädigen Frau gegessen“, sagte Bau-yü und setzte sich hin. Als Hsi-fëng mit Essen fertig war, kam eine Sklavin aus dem Ning-guo-Anwesen und verlangte die Hausmarke, um sich das Silber zum Einkauf von Weihrauch und Kerzen holen zu können. Lächelnd sagte Hsi-fëng: „Ich hatte es so berechnet, daß ihr danach heute kommen mußtet, und als niemand kam, dachte ich schon, ihr hättet es vergessen. Nun aber bist du doch gekommen. Hättet ihr es vergessen, hättet ihr natürlich selbst dafür aufkommen müssen, und ich wäre billig davongekommen.“ „Wir hatten es tatsächlich vergessen“, sagte die Sklavin lächelnd. „Aber eben ist es mir noch eigefallen. Wäre ich auch nur einen Augenblick später hier gewesen, hätte ich die Hausmarke nicht mehr bekommen.“ Damit griff sie nach der Marke und ging hinaus. Bald darauf kam sie zurück, ließ die Summe eintragen und gab die Marke wieder ab. Lächelnd sagte jetzt Tjin Dschung: „Ihr habt hier in beiden Anwesen diese Hausmarken. Was ist, wenn sich jemand heimlich eine davon verschafft und dann Silber holt und damit wegläuft?“ „Wenn man dich so hört, könnte man meinen, es gäbe nicht Recht noch Gesetz“, erwiderte ihm Hsi-fëng. „Warum holt sich keiner von unsern Leuten die Marke, um etwas zu besorgen?“ fragte Bau-yü. „Als unsere Leute hier waren, hast du noch geträumt“, erwiderte ihm Hsi-fëng. „Aber sag einmal, wann fangt ihr endlich an, auch am Abend zu lernen?“ „Am liebsten schon heute“, erklärte Bau-yü. „Aber solange mein Studierzimmer noch nicht fertig ist, ist das unmöglich.“ „Wenn du mich einmal bewirten würdest, könnte ich dafür sorgen, daß es schneller geht“, sagte Hsi-fëng und lächelte dazu. „Du kannst da auch nichts beschleunigen. Denn was sie tun müssen, tun sie ohnehin“, wandte Bau-yü ein. „Um etwas zu tun, brauchen sie Material. Und niemand kann mich hindern, ihnen die Hausmarke dafür zu verweigern. Das ist die Schwierigkeit!“ hielt Hsi-fëng ihm entgegen. Als Bau-yü das hörte, umklammerte er sie wie ein Affe und wollte ihr die Hausmarke wegnehmen. „Liebste Kusine“, bat er zugleich, „gib die Hausmarke heraus und sag ihnen, sie sollen das Material holen!“ „Mir tut vor Erschöpfung schon alles weh, wie soll ich da noch deine Quälereien aushalten!“ protestierte Hsi-fëng. „Aber sei unbesorgt, heute erst haben sie Papier geholt, um in deinem Studierzimmer die Wände damit zu bekleben. Meinst du, sie warten, bis man sie darauf aufmerksam macht, wenn etwas gebraucht wird? Das wäre ja schön dumm!“ Als Bau-yü ihr nicht glauben wollte, befahl Hsi-fëng, Tsai-ming solle in ihrem Heft nachschlagen und Bau-yü die Eintragung zeigen. Noch ehe ihr Streit beendet war, wurde gemeldet: „Dschau-örl ist aus Su-dschou zurück!“ Sofort befahl Hsi-fëng, ihn hereinzurufen. Dschau-örl beugte ein Knie zum Gruß, und Hsi-fëng fragte: „Warum bist du zurückgekommen?“ „Der junge Herr hat mich geschickt, um zu melden, daß der Vater von Fräulein Lin am dritten Tag des neunten Monats in der sechsten Doppelstunde verstorben ist. Der junge Herr hat mit Fräulein Lin zusammen den Sarg nach Su-dschou begleitet und wird wahrscheinlich zum Jahresende wieder zu Hause sein“, berichtete Dschau-örl. „Der junge Herr hat mich Unwürdigen geschickt, um diese Nachrichten zu überbringen, um Grüße zu bestellen und um Befehle der alten gnädigen Frau einzuholen. Außerdem sollte ich nachschauen, ob bei Euch alles wohlauf ist, und dann hat er noch befohlen, ein paar von seinen pelzgefütterten Sachen mitzubringen.“ „Warst du auch bei den anderen?“ fragte Hsi-fëng. „Ich bin bei allen gewesen“, bestätigte Dschau-örl und zog sich rasch wieder zurück. Lächelnd sagte nun Hsi-fëng zu Bau-yü: „Jetzt wird dein Kusinchen noch lange bei uns bleiben.“ „Nicht auszudenken, wie sie in diesen Tagen geweint haben muß!“ sagte Bau-yü, runzelte seine Brauen und stieß einen langen Seufzer aus. Hsi-fëng, die Dschau-örl in Gegenwart der anderen nicht genauer über Djia Liän hatte ausfragen können, verging fast vor Ungeduld und wäre am liebsten nach Hause geeilt. Doch angesichts der Fülle von Aufgaben hatte sie Angst, in ihrer Abwesenheit könnte etwas falsch gemacht werden und die Leute hätten dann etwas zu lachen. Also mußte sie sich bis zum Abend gedulden und ließ dann Dschau-örl zu Hause noch einmal zu sich kommen, fragte ihn gründlich aus, ob unterwegs alles in Ordnung gewesen sei und ob er noch weitere Nachrichten habe. In derselben Nacht suchte sie die pelzgefütterten Sachen heraus, sah sie selbst mit Ping-örl zusammen durch und schnürte ein Bündel daraus. Dann dachte sie gründlich nach, was Djia Liän sonst noch fehlen könnte, packte alles mit ein und übergab es Dschau-örl. Dazu erteilte sie ihm eingehende Verhaltensmaßregeln. „Sei schön folgsam in der Fremde und ärgere deinen Herrn nicht!“ trug sie ihm auf. „Halte ihn stets davon ab, zuviel Wein zu trinken, und verleite ihn nicht zum Umgang mit liederlichen Weibern, sonst breche ich dir die Beine, wenn du wieder zu Hause bist!“ Als alles in größter Eile erledigt war, ging die vierte Nachtwache schon zu Ende. Aber nachdem Hsi-fëng sich endlich hingelegt hatte, konnte sie nicht einschlafen, und ehe sie sich‘s versah, wurde es hell, und die Hähne krähten. Also kämmte und wusch sie sich rasch und begab sich ins Ning-guo-Anwesen hinüber. Der Tag, an dem der Sarg übergeführt werden sollte, war schon nah, darum stieg Djia Dschën selbst in einen Wagen und fuhr mit einem Beamten vom Sterndeuterbüro zum Kloster Eiserne Schwelle, besichtigte dort den Platz, an dem der Sarg aufgestellt werden sollte, und wies den Vorsteher Së-kung an, die Ausstattung zu erneuern und noch einige angesehene Mönche zu bitten, beim Empfang des Sarges Dienst zu tun. Së-kung ließ rasch ein klösterlich-vegetarisches Abendessen richten, aber Djia Dschën stand der Sinn nicht nach Tee und Reis. Weil es schon spät war und er vor Toresschluß nicht mehr zur Stadt zurückgelangen konnte, verbrachte er die Nacht, so gut es ging, in einem der Klosterräume. Am nächsten Morgen fuhr er in die Stadt zurück und traf die Vorbereitungen für den Leichenzug. Außerdem schickte er Leute ins Kloster voraus, die dort über Nacht den Platz für den Sarg herrichten mußten, sich zugleich um Küche und Tee bekümmern sollten und um all jene, die den Sarg empfangen würden. Auch Hsi-fëng hatte, als der Zeitpunkt näher kam, im Haushalt rechtzeitig alles vorbereitet und festgelegt. Im Jung-guo-Anwesen hatte sie eingeteilt, mit welchen Wagen und Sänften sowie mit welchem Gefolge Dame Wang den Sarg begleiten sollte. Auch hatte sie ein Quartier ausgewählt, wo sie absteigen konnte, wenn sie selbst den Sarg begleitete. Da eben die Gemahlin des Herzogs Schan-guo verstorben war, mußten Dame Wang und Dame Hsing an ihrem Sarg ein Opfer bringen und an ihrem Leichenbegängnis teilnehmen. Zum Geburtstag der Gemahlin des Prinzen Hsi-an mußten Geschenke geschickt werden, ebenso anläßlich der Geburt des ersten Sohnes durch die Gemahlin des Herzogs Dschën-guo. Dann zog Hsi-fëngs älterer Bruder Wang Jën mit seiner ganzen Familie in den Süden zurück, und Hsi-fëng mußte ihm einen Brief mit fußfälligen Grüßen an die Eltern sowie Geschenke mitgeben. Schließlich erkrankte auch noch Ying-tschun, und so mußten jeden Tag Ärzte geholt und Arzneien zubereitet, Diagnosen studiert und Rezepte geprüft werden – das kann hier nicht gut in allen Einzelheiten wiedergegeben werden. Überdies kam der Tag der Sargüberführung immer näher, und so hatte Hsi-fëng keine Zeit mehr für Essen und Trinken, und weder im Sitzen noch im Liegen gab es Ruhe für sie. War sie eben ins Ning-guo-Anwesen gekommen, folgten ihr auch schon die Leute aus dem Jung-guo-Anwesen dorthin, und kaum war sie ins Jung-guo-Anwesen zurückgekehrt, so kamen ihr die Leute aus dem Ning-guo-Anwesen hierher nachgelaufen. Aber Hsi-fëng fand gerade daran großen Gefallen. Sie dachte auch nicht daran, sich einmal heimlich zu verschnaufen oder die Leute abzuweisen, denn sie fürchtete, man könnte schlecht über sie reden. So gönnte sie sich keine Pause bei Tag und bei Nacht, und alles wurde von ihr bestens geregelt. Da war niemand in der ganzen Sippe, der sie nicht anerkennend gelobt und mitfühlend über sie geseufzt hätte. Am Vorabend der Überführung des Sarges unterhielten zwei Schauspielertruppen sowie Gaukler die Verwandten und Freunde, die gekommen waren, um diese letzte Nacht am Sarg durchzuwachen. Da Frau You immer noch krank in ihrem Gemach lag, mußte Hsi-fëng die gesamte Bewirtung und Betreuung allein übernehmen, denn es gab zwar genug junge Frauen im Haus, aber die einen genierten sich, den Mund aufzumachen, die anderen hatten eine Scheu, sich zu zeigen, die nächsten waren den Umgang mit Fremden überhaupt nicht gewöhnt, und der Rest hatte Angst vor Vornehmen und Beamten. Keine von ihnen hatte das ungezwungene Auftreten und die sichere Ausdrucksweise, die Eleganz und die Großzügigkeit von Hsi-fëng. Darum sah sie auch über alle hinweg und schaltete und waltete nach Belieben, als ob sie ganz allein gewesen wäre. Die ganze Nacht hindurch leuchteten die Laternen und loderten die Feuer, Gäste kamen und gingen. Aber dieses abwechslungsreiche Getümmel braucht hier nicht beschrieben zu werden. Als es hell wurde und die glückverheißende Stunde anbrach, nahm eine Gruppe von vierundsechzig Trägern den Sarg auf, und vorneweg wurde eine Trauerfahne getragen, auf der in großen Schriftzeichen stand: ‚Dies ist der Sarg der jung verstorbenen Frau Tjin, Gattin eines Offiziers der kaiserlichen Palastwache und Hüters der Wege in der Verbotenen Stadt im fünften Beamtenrang aus der Sippe der Djias, des ältesten Enkels des von der im Auftrage des Himmels fest gegründeten und in Jahrmillionen unwandelbaren Dynastie belehnten Herzogs Ning-guo.‘ Alle Ranginsignien und Opfergaben waren neu angefertigt worden und blendeten die Augen mit strahlendem Glanz. Bau-dschu, die schon die Trauerriten vollzogen hatte, wie sie für eine unverheiratete Tochter vorgeschrieben sind, zerschmetterte jetzt den Tontopf und ging dem Zug voran, wobei sie schmerzlichste Trauer zeigte. Unter den Gästen, die dem Sarg das Geleit gaben, waren der Graf Niu Dji-dsung, ein Enkel von Niu Tjing, Herzog Dschën-guo; der Baron Liu Fang, ein Enkel von Liu Biau, Herzog Li-guo; Tschën Juee-wën, Marschall dritter Klasse mit dem Ehrentitel Wee-dschën, ein Enkel von Tschën I, Herzog Tji-guo; Ma Schang, Marschall dritter Klasse mit dem Ehrentitel Wee-yüan, ein Enkel von Ma Kuee, Herzog Dschï-guo; und Baron Hou Hsiau-kang, ein Enkel von Hou Hsiau-ming, Herzog Hsiu-guo. Da die Gemahlin des Herzogs Schan-guo verstorben war, befand sich sein Enkel Schï Guang-dschu in Trauer und konnte nicht kommen. Diese sechs Herzöge waren es, die einstmals mit den Herzögen Ning-guo und Jung-guo zusammen die Acht Herzöge genannt worden waren. Unter den übrigen Trauergästen befanden sich ein Enkel des Prinzen Nan-an; ein Enkel des Prinzen Hsi-ning; Schï Ding, Fürst Dschung-djing; Freiherr Djiang Dsï-ning, ein Enkel des Fürsten Ping-yüan; Freiherr Hsiä Djing, Oberst der hauptstädtischen Garnison, ein Enkel des Fürsten Ding-tschëng; Freiherr Tji Djiän-huee, ein Enkel des Fürsten Hsiang-yang; Tjiu Liang, Polizeichef der fünf Bezirke der Hauptstadt, ein Enkel des Fürsten Djing-tiän; dann Han Tji, ein Sohn des Grafen Djin-hsiang; Fëng Dsï-ying, ein Sohn des Marschalls Schën-wu; sowie Tschën Yä-djün und Wee Juo-lan. Es können hier nicht sämtliche Söhne und Enkel der Adelsgeschlechter aufgezählt werden. Weibliche Trauergäste waren in mehr als zehn großen und dreißig oder vierzig kleinen Sänften anwesend, zusammen mit den Sänften und Wagen der Familie waren das weit über hundert Gefährte. Mit den verschiedenen Insignien und Opfergaben, die vornweg getragen wurden, zog sich der Trauerzug drei bis vier Li weit hin. Er war noch nicht lange unterwegs, als er große bunte Stände erreichte, die mit Matten verkleidet und überdacht waren und in denen die Musik spielte. All das waren Wegeopfer, die von den einzelnen befreundeten Familien am Straßenrand dargebracht wurden. Der erste Opferstand gehörte dem Hause des Prinzen Dung-ping, der zweite dem des Prinzen Nan-an, der dritte dem des Prinzen Hsi-ning und der vierte dem des Prinzen Bee-djing. Von den ersten vier Trägern dieser Titel hatte sich nur der Prinz Bee-djing hohe Verdienste erworden, deretwegen seine Söhne und Enkel weiter im Besitz der Prinzenwürde geblieben waren. Schuee Jung, der jetzige Prinz Bee-djing, war noch keine zwanzig Jahre alt. Er war von schönem Wuchs und freundlich-schlichtem Charakter. Als er unlängst erfuhr, daß die Gemahlin des ältesten Enkels des Herzogs Ning-guo gestorben war, hatte er eingedenk der vormaligen Freundschaft der beiderseitigen Ahnen, die in Zeiten der Not und des Glanzes zusammenhielten, als ob sie zur selben Familie gehörten, ungeachtet seines prinzlichen Ranges einen Trauerbesuch gemacht und ein Opfer dargebracht. Heute nun hatte er einen Opferstand am Straßenrand aufstellen lassen und den ihm unterstellten Beamten befohlen, dort zu warten, während er selbst in der fünften Nachtwache zur Frühaudienz des Kaisers ging. Als seine Amtsgeschäfte erledigt waren, hatte er weiße Trauerkleidung angelegt und hatte sich in einer großen Sänfte, von Gongschlägern und Ehrenschirmträgern begleitet, zu seinem Opferstand tragen lassen. Seine Untergebenen nahmen zu beiden Seiten Aufstellung, und weder Militär- noch Zivilpersonen durften die Straße passieren. Bald näherte sich von Norden her der große Trauerzug des Ning-guo-Anwesens, an seiner Spitze, gewichtig wie ein silberweißer Berg, der Sarg. Schon hatten die Wegbereiter und Melder aus dem Ning-guo-Anwesen den Prinzen erblickt und eilten zurück, um Djia Dschën davon zu unterrichten. Djia Dschën befahl sogleich, den Trauerzug halten zu lassen, und eilte mit Djia Schë und Djia Dschëng zur Sänfte des Prinzen, den er nach dem Staatszeremoniell begrüßte. Schuee Jung erwiderte den Gruß, indem er sich lächelnd im Sitzen verbeugte. Er begrüßte und behandelte Djia Dschën als Angehörigen einer seit Generationen befreundeten Familie und zeigte nicht die geringste Spur von Hochmut. „Hoheit beehren die Trauerfeierlichkeiten für die Frau meines Köters von Sohn noch einmal mit Ihrer Anwesenheit“, sagte Djia Dschën. „Wie kann ich Hoheit das vergelten?“ Lächelnd entgegnete Schuee Jung: „Was sollen unter Freunden seit Generationen solche Worte?“ Dann wandte er den Kopf und befahl seinem Kämmerer, an seiner Statt das Opfer zu leiten. Nachdem Djia Schë mit den übrigen das Ritual erwidert hatte, kehrte er zurück, um sich für die erwiesene Gnade zu bedanken. Leutselig erkundigte sich Schuee Jung bei Djia Dschëng: „Wer ist es denn, der mit dem Jadestein im Mund zur Welt gekommen ist? Schon mehrmals hatte ich den Wunsch, ihn zu sehen, aber immer ist etwas dazwischen gekommen. Ich denke, er wird heute mit dabei sein. Kann man ihn nicht herbitten, damit ich ihn kennenlerne?“ Als Djia Dschëng das hörte, ging er sofort nach hinten, befahl Bau-yü, das Trauergewand abzulegen, und führte ihn nach vorn. Bau-yü hatte Vater, Onkel und Vettern, Verwandte und Freunde schon immer gesprächsweise sagen hören, Schuee Jung sei ein würdiger Prinz, noch dazu von erlesenem Talent und vollendeter Schönheit, er sei elegant und erhaben in seinem Betragen und lasse sich nicht durch das übliche Gehabe der Würdenträger und die Staatsetikette einschränken. Stets hatte er gehofft, den Prinzen kennenzulernen, aber von seinem Vater streng gehalten, hatte er nie eine Gelegenheit gehabt, ihm zu begegnen. Als nun heute der Prinz ihn rufen ließ, freute er sich natürlich, und schon von weitem nahm er die edle Erscheinung des Prinzen in der Sänfte wahr.

Aus: Jinyuyuan 1889b. Wer wissen will, was geschah, als er ihn aus der Nähe sah, muß das nächste Kapitel lesen.