Hongloumeng/Chapter 14

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第十四回

林如海灵返苏州郡

贾宝玉路谒北静王

In der Stadt Yang-dschou erliegt Lin Ju-hai seinem Leiden, am Wegesrand wird Bau-yü dem Prinzen Bee-djing vorgestellt.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung (Schwarz)

話說寧國府中都總管來升聞得裡面委請了鳳姐,因傳齊了同事人等說道:「如今請了西府里璉二奶奶管理內事,倘或他來支取東西,或是說話,我們須要比往日小心些。每日大家早來晚散,寧可辛苦這一個月,過後再歇著,不要把老臉丟了。那是個有名的烈貨,臉酸心硬,一時惱了,不認人的。」眾人都道:「有理。」又有一個笑道:「論理,我們裡面也須得他來整理整理,都忒不像了。」正說著,只見來旺媳婦拿了對牌來領取呈文京榜紙札,票上批著數目。眾人連忙讓坐倒茶,一面命人按數取紙來抱著,同來旺媳婦一路來至儀門口,方交與來旺媳婦自己抱進去了。   鳳姐即命彩明釘造簿冊。即時傳來升媳婦,兼要家口花名冊來查看,又限於明日一早傳齊家人媳婦進來聽差等語。大概點了一點數目單冊,問了來升媳婦幾句話,便坐車回家。一宿無話。   至次日,卯正二刻便過來了。那寧國府中婆娘媳婦聞得到齊,只見鳳姐正與來升媳婦分派,眾人不敢擅入,只在窗外聽覷。只聽鳳姐與來升媳婦道:「既托了我,我就說不得要討你們嫌了。我可比不得你們奶奶好性兒,由著你們去,再不要說你們『這府里原是這樣』的話,如今可要依著我行,錯我半點兒,管不得誰是有臉的,誰是沒臉的,一例現清白處治。」說著,便吩咐彩明念花名冊,按名一個一個的喚進來看視。   一時看完,便又吩咐道:「這二十個分作兩班,一班十個,每日在裡頭單管人客來往倒茶,別的事不用他們管。這二十個也分作兩班,每日單管本家親戚茶飯,別的事也不用他們管。這四十個人也分作兩班,單在靈前上香添油,掛幔守靈,供茶供飯,隨起舉哀,別的事也不與他們相干。這四個人單在內茶房收管杯碟茶器,若少一件,便叫他四個人描賠。這四個人單管酒飯器皿,少一件,也是他四個人描賠。這八個人單管監收祭禮。這八個人單管各處燈油、蠟燭、紙札,我總支了來,交與你八個,然後按我的定數再往各處去分派。這三十個每日輪流各處上夜,照管門戶,監察火燭,打掃地方。這下剩的按著房屋分開,某人守某處,某處所有桌椅古董起,至於痰盒撣帚,一草一苗,或丟或壞,就和守這處的人算帳描賠。來升家的每日攬總查看,或有偷懶的,賭錢吃酒的,打架拌嘴的,立刻來回我。你有徇情,經我查出,三四輩子的老臉就顧不成了。如今都有定規,以後那一行亂了,只和那一行說話。素日跟我的人,隨身自有鐘錶,不論大小事,我是皆有一定的時辰。橫豎你們上房裡也有時辰鐘。卯正二刻我來點卯,巳正吃早飯,凡有領牌回事的,只在午初刻,戍初燒過黃昏紙,我親到各處查一遍,回來上夜的交明鑰匙。第二日仍是卯正二刻過來。說不得咱們大家辛苦這幾日,事完了,你們家大爺自然賞你們。」   說罷,又吩咐按數發與茶葉、油燭、雞毛撣子、笤帚等物。一面又搬取家伙:桌圍、椅搭、坐褥、氈席、痰盒、腳踏之類。一面交發,一面提筆登記,某人管某處,某人領某物,開得十分清楚。眾人領了去,也都有了投奔,不似先時只揀便宜的做,剩下的苦差沒個招攬。各房中也不能趁亂失迷東西。便是人來客往,也都安靜了,不比先前一個正擺茶,又去端飯,正陪舉哀,又顧接客。如這些無頭緒,荒亂、推托、偷閑、竊取等弊,次日一概都蠲了。   鳳姐兒見自己威重令行,心中十分得意。因見尤氏犯病,賈珍又過於悲哀,不大進飲食,自己每日從那府中煎了各樣細粥,精緻小菜,命人送來勸食。賈珍也另外吩咐每日送上等菜到抱廈內,單與鳳姐吃。那鳳姐不畏勤勞,天天於卯正二刻就過來點卯理事,獨在抱廈內起坐,不與眾妯娌合群,便有堂客來往,也不迎會。   這日乃五七正五日上,那應佛僧正開方破獄,傳燈照亡,參閻君,拘都鬼,延請地藏王,開金橋,引幢幡;那道士們正伏章申表,朝三清,叩玉帝;禪僧們行香,放焰口,拜水懺;又有十三眾尼僧,搭繡衣,趿紅鞋,在靈前默誦接引諸咒,十分熱鬧。那鳳姐必知今日人客不少,在家中歇宿一夜,至寅正,平兒便請起來梳洗。及收拾完備,更衣盥手,吃了幾口奶子糖粳粥,漱口已畢,已是卯正二刻了。來旺媳婦率領諸人伺候已久。鳳姐出至廳前,上了車,前面打了一對明角燈,大書 「榮國府」三個大字,款款來至寧府。大門上門燈朗掛,兩邊一色戳燈,照如白晝,白汪汪穿孝僕從兩邊侍立。請車至正門上,小廝等退去,眾媳婦上來揭起車簾。鳳姐下了車,一手扶著豐兒,兩個媳婦執著手把燈罩,簇擁著鳳姐進來。寧府諸媳婦迎來請安接待。鳳姐緩緩走入會芳園中登仙閣靈前,一見了棺材,那眼淚恰似斷線之珠,滾將下來。院中許多小廝垂手伺候燒紙。鳳姐吩咐得一聲:「供茶燒紙。」只聽一棒鑼嗚,諸樂齊奏,早有人端過一張大圈椅來,放在靈前,鳳姐坐了,放聲大哭。於是裡外男女上下,見鳳姐出聲,都忙忙接聲嚎哭。   一時賈珍尤氏遣人來勸,鳳姐方纔止住。來旺媳婦獻茶漱口畢,鳳姐方起身,別過族中諸人,自入抱廈內來,按名查點,各項人數都已到齊,只有迎送親客上的一人未到。即命傳到。那人已張惶愧懼。鳳姐冷笑道:「我說是誰誤了,原來是你!你原比他們有體面,所以才不聽我的話。」那人道:「小的天天來的早,只有今兒,醒了覺得早些,因又睡迷了,來遲了一步,求奶奶饒過這次。」正說著,只見榮府中的王興媳婦來了,在前探頭。   鳳姐且不發放這人,卻先問:「王興媳婦作什麼?」王興媳婦巴不得先問他完了事,連忙進去說:「領牌取線,打車轎上網絡。」說著,將個帖兒遞上去。鳳姐命彩明念道:「大轎兩頂,小轎四頂,車四輛,共用大小絡子若干根,用珠兒線若干斤。」鳳姐聽了,數目相合,便命彩明登記,取榮國府對牌擲下。王興家的去了。   鳳姐方欲說話時,見榮國府的四個執事人進來,都是要支領東西領牌來的。鳳姐命彩明要了帖念過,聽了一共四件,指兩件說道:「這兩件開銷錯了,再算清了來取。」說著擲下帖子來。那二人掃興而去。   鳳姐因見張材家的在旁,因問:「你有什麼事?」張材家的忙取帖兒回說:「就是方纔車轎圍作成,領取裁縫工銀若干兩。」鳳姐聽了,便收了帖子,命彩明登記。待王興家的交過牌,得了買辦的回押相符,然後方與張材家的去領。一面又命念那一個,是為寶玉外書房完竣,支買紙料糊裱。鳳姐聽了,即命收帖兒登記,待張材家的繳清,又發與這人去了。   鳳姐便說道:「明兒他也睡迷了,後兒我也睡迷了,將來都沒了人了。本來要饒你,只是我頭一次寬了,下次人就難管,不如現開發的好。」登時放下臉來,喝令:「帶出去,打二十板子!」一面又擲下寧國府對牌:「出去說與來升,革他一月銀米!」眾人聽說,又見鳳姐眉立,知是惱了,不敢怠慢,拖人的出去拖人,執牌傳諭的忙去傳諭。那人身不由己,已拖出去挨了二十大板,還要進來叩謝。鳳姐道:「明日再有誤的,打四十,後日的六十,有挨打的,只管誤!」說著,吩咐:「散了罷。」窗外眾人聽說,方各自執事去了。彼時寧國榮國兩處執事領牌交牌的,人來人往不絕,那抱愧被打之人含羞去了,這才知道鳳姐利害。眾人不敢偷閑,自此兢兢業業,執事保全。不在話下。   如今且說寶玉因見今日人眾,恐秦鐘受了委曲,因默與他商議,要同他往鳳姐處來坐。秦鐘道:「他的事多,況且不喜人去,咱們去了,他豈不煩膩。」寶玉道:「他怎好膩我們,不相干,只管跟我來。」說著,便拉了秦鐘,直至抱廈。鳳姐才吃飯,見他們來了,便笑道:「好長腿子,快上來罷。」寶玉道:「我們偏了。」鳳姐道:「在這邊外頭吃的,還是那邊吃的?」寶玉道:「這邊同那些渾人吃什麼!原是那邊,我們兩個同老太太吃了來的。」一面歸坐。   鳳姐吃畢,就有寧國府中的一個媳婦來領牌,為支取香燈事。鳳姐笑道:「我算著你們今兒該來支取,總不見來,想是忘了。這會子到底來取,要忘了,自然是你們包出來,都便宜了我。」那媳婦笑道:「何嘗不是忘了,方纔想起來,再遲一步,也領不成了!」說罷,領牌而去。   一時登記交牌。秦鐘因笑道:「你們兩府里都是這牌,倘或別人私弄一個,支了銀子跑了,怎樣?」鳳姐笑道:「依你說,都沒王法了。」寶玉道:「怎麼咱們家沒人領牌子做東西?」鳳姐道:「人家來領的時候,你還做夢呢。我且問你,你們這夜書多早晚才念呢?」寶玉道:「巴不得這如今就念才好,他們只是不快給收拾出書房來,這也無法。」鳳姐笑道: 「你請我一請,包管就快了。」寶玉道:「你要快也不中用。他們該作到那裡的,自然就有了。」鳳姐笑道:「便是他們作,也得要東西,擱不住我不給對牌是難的。」寶玉聽說,便猴向鳳姐身上立刻要牌,說:「好姐姐,給出牌子來,叫他們要東西去。」 鳳姐道:「我乏的身子上生疼,還擱的住揉搓。你放心罷,今兒才領了紙裱糊去了,他們該要的還等叫呢,可不傻了?」寶玉不信,鳳姐便叫彩明查冊子與寶玉看了。   正鬧著,人回:「蘇州去的人昭兒來了。」鳳姐急命喚進來。昭兒打千兒請安。鳳姐便問:「回來做什麼的?」昭兒道:「二爺打發回來的。林姑老爺是九月初三日巳時沒的。二爺帶了林姑娘同送林姑老爺靈到蘇州,大約趕年底就回來。二爺打發小的來報個信請安,討老太太示下,還瞧瞧奶奶家裡好,叫把大毛服帶幾件去。」鳳姐道:「你見過別人了沒有?」昭兒道:「都見過了。」說畢,連忙退去。鳳姐向寶玉笑道:「你林妹妹可在咱們家住長了。」寶玉道:「了不得,想來這幾日他不知哭的怎樣呢!」說著,蹙眉長嘆。   鳳姐見昭兒回來,因當著人未及細問賈璉,心中自是記掛,待要回去,爭奈事情繁雜,一時去了,恐有延遲失誤,惹人笑話。少不得耐到晚上回來,復令昭兒進來,細問一路平安信息。連夜打點大毛衣服,和平兒親自檢點包裹,再細細追想所需何物,一併包藏交付昭兒。又細細吩咐昭兒「在外好生小心伏侍,不要惹你二爺生氣;時時勸他少吃酒,別勾引他認得渾賬老婆,」「回來打折你的腿」等語。趕亂完了,天已四更將盡,總睡下又走了困,不覺又是天明雞唱,忙梳洗過寧府中來。   那賈珍因見發引日近,親自坐車,帶了陰陽司吏,往鐵檻寺來踏看寄靈所在。又一一囑咐住持色空,好生領備新鮮陳設,多請名僧,以備接靈使用。色空忙看晚齋。賈珍也無心茶飯,因天晚不得進城,就在凈室胡亂歇了一夜。次日早,便進城來料理出殯之事,一面又派人先往鐵檻寺,連夜另外修飾停靈之處,並廚茶等項接靈人口坐落。   裡面鳳姐見日期有限,也預先逐細分派料理,一面又派榮府中車轎人從跟王夫人送殯,又顧自己送殯去占下處。目今正值繕國公誥命亡故,王邢二夫人又去打祭送殯;西安郡王妃華誕,送壽禮;鎮國公誥命生了長男,預備賀禮;又有胞兄王仁連家眷回南,一面寫家信稟叩父母並帶往之物;又有迎春染病,每日請醫服藥,看醫生啟帖、症源、藥案等事,亦難盡述。又兼發引在邇,因此忙的鳳姐茶飯也沒工夫吃得,坐卧不得清凈。剛到了寧府,榮府的人又跟到寧府;既回到榮府,寧府的人又找到榮府。鳳姐見如此,心中倒十分歡喜,並不偷安推托,恐落人褒貶,因此日夜不暇,籌理得十分的整肅。於是合族上下無不稱嘆者。   這日伴宿之夕,裡面兩班小戲並耍百戲的與親朋堂客伴宿,尤氏猶卧內於室,一應張羅款待,獨是鳳姐一人周全承應。合族中雖有許多妯娌,但或有羞口的,或有羞腳的,或有不慣見人的,也有懼貴怯官的,種種之類,俱不及鳳姐舉止舒徐,言語慷慨,珍貴寬大;因此也不把眾人放在眼裡,揮霍指示,任其所為,目若無人。一夜中燈明火彩,客送官迎,那百般熱鬧,自不用說的。至天明,吉時已到,一般六十四名青衣請靈,前面銘旌上大書「奉天洪建兆年不易之朝誥封一等寧國公冢孫婦防護內廷紫禁道御前侍衛龍禁尉享強壽賈門秦氏恭人之靈柩」。一應執事陳設,皆系現趕著新做出來的,一色光艷奪目。寶珠自行未嫁女之禮外,摔喪駕靈,十分哀苦。   那時官客送殯的,有鎮國公牛清之孫現襲一等伯牛繼宗,理國公柳彪之孫現襲一等子柳芳,齊國公陳翼之孫世襲三品威鎮將軍陳瑞文,治國公馬魁之孫世襲三品威遠將軍馬尚,修國公侯明之孫世襲一等子侯孝康;繕國公誥命亡故,其孫石光珠守孝不曾來得。這六家與榮寧二家,當日所稱「八公」的便是。餘者更有南安郡王之孫,西寧郡王之孫,忠靖侯史鼎,平原侯之孫世襲二等男蔣子寧,定城侯之孫世襲二等男兼京營游擊謝鯨,襄陽侯之孫世襲二等男戚建輝,景田侯之孫五城兵馬司裘良。餘者錦鄉侯公子韓奇,神威將軍公子馮紫英,衛若蘭等諸王孫公子,不可枚數。堂客算來亦有十來頂大轎,三四十小轎,連家下大小轎車輛,不下百十餘乘。連前面各色執事、陳設、百耍,浩浩蕩盪,一帶擺出三四里遠來。   走不多時,路旁彩棚高搭,設席張筵,和音奏樂,俱是各家路祭:第一座是王府東平王府祭棚,第二座是南安郡王祭棚,第三座是西寧郡王,第四座是北靜郡王的。原來這四王,當日惟北靜王功高,及今子孫猶襲王爵。現今北靜王水溶年未弱冠,生得形容秀美,性情謙和。近聞寧國公冢孫媳告殂,因想當日彼此祖父相與之情,同難同榮,未以異姓相視,因此不以王位自居,上日也曾探喪上祭,如今又設路祭,命麾下的各官在此伺候。自己五更入朝,公事一畢,便換了素服,坐大轎鳴鑼張傘而來,至棚前落轎。手下各官兩旁擁侍,軍民人眾不得往還。   一時只見府大殯浩浩蕩盪、壓地銀山一般從北而至。早有寧府開路傳事人看見,連忙回去報與賈珍。賈珍急命前面駐扎,同賈赦賈政三人連忙迎來,以國禮相見。水溶在轎內欠身含笑答禮,仍以世交稱呼接待,並不妄自尊大。賈珍道:「犬婦之喪,累蒙郡駕下臨,蔭生輩何以克當。」 水溶笑道:「世交之誼,何出此言。」遂回頭命長府官主祭代奠。賈赦等一旁還禮畢,復身又來謝恩。   水溶十分謙遜,因問賈政道:「那一位是銜玉而誕者?幾次要見一見,都為雜冗所阻,想今日是來的,何不請來一會?」賈政聽說,忙回去,急命寶玉脫去孝服,領他前來。那寶玉素日就曾聽得父兄親友人等說閑話時,贊水溶是個賢王,且生得才貌雙全,風流瀟灑,每不以官俗國體所縛。每思相會,只是父親拘束嚴密,無由得會,今日反來叫他,自是喜歡。一面走,一面早瞥見那水溶坐在轎內,好個儀錶人才。不知近看時又是怎樣,且聽下回分解。

注释

g Hsings Frau die Hausmarke des Jung-guo-Anwe­sens hin. Als Wang Hsings Frau gegangen war und Hsi-fëng sich eben wieder jener Sklavin zuwenden wollte, kamen noch vier Beauftragte aus dem Jung-guo-Anwesen herein, die ebenfalls etwas holen sollten und die Marke dafür brauchten. Hsi-fëng ließ sie ihre Bestellscheine abgeben, und nachdem sie ihr vorgelesen worden waren, wies sie auf zwei der vier Posten darin und sagte: „Diese beiden Posten sind falsch berechnet, rechnet sie noch einmal richtig aus und kommt dann wieder!“ Damit warf sie ihnen die Scheine hin, und die beiden gingen betreten hinaus. Hsi-fëng sah, daß jetzt Dschang Tsais Frau an der Reihe war und fragte sie: „Was hast du für einen Auftrag?“ Rasch holte Dschang Tsais Frau ihren Bestellschein hervor und berichtete, für jene Wagen und Sänften, von denen eben schon die Rede gewesen war, seien die Vorhänge angefertigt worden, und sie solle soundsoviel Liang Silber als Lohn für den Schneider holen. Nachdem Hsi-fëng sie angehört hatte, nahm sie ihr den Schein ab und befahl Tsai-ming, die Summe einzutragen und zu warten, bis Wang Hsings Frau die Hausmarke mit der entsprechenden Empfangsbestätigung des Einkäufers zurückbrachte, um die Marke dann Dschang Tsais Frau zu geben, damit sie das Silber holen konnte. Dann befahl sie, auch den anderen Bestellschein vorzulesen, und darin wurde Papier verlangt, um in der Studierstube, die für Bau-yü hergerichtet wurde, die Wände zu bekleben. Hsi-fëng befahl, den Bestellschein einzubehalten, die Summe einzutragen und zu warten, bis Dschang Tsais Frau abgerechnet hatte, um dann die Hausmarke an die nächste weiterzugeben. Anschließend aber sagte Hsi-fëng: „Morgen wird diese verschlafen, übermorgen jene, und zum Schluß ist gar niemand mehr da. Eigentlich wollte ich dir verzeihen, aber wenn ich beim ersten Mal großzügig bin, läßt sich beim nächsten Mal kein Mensch etwas sagen, darum ist es das beste, es wird jetzt eine ordentliche Lektion erteilt!“ Und schon rief sie mit drohender Miene den Befehl: „Führt sie hinaus und gebt ihr zwanzig Schläge mit dem Prügel!“ Dann warf sie die Hausmarke des Ning-guo-Anwesens hin und ordnete an, Lai Schëng mitzuteilen, er solle der Sklavin für einen Monat ihre Silber- und Reiszuteilung entziehen. Als die Leute das hörten und sahen, daß Hsi-fëng die Brauen steil zusammengezogen hatte, erkannten sie, daß sie wütend war, und darum wagten sie nicht zu zögern. Die einen zerrten die Frau hinaus, die anderen gingen mit der Hausmarke den Befehl übermitteln. Und ehe die Sklavin es sich versah, war sie draußen und bekam zwanzig Hiebe mit dem großen Prügel. Dann mußte sie wieder hereinkommen, um sich bei Hsi-fëng auch noch fußfällig zu bedanken. „Wer sich morgen etwas zuschulden kommen läßt, bekommt vierzig Schläge, und übermorgen gibt es sechzig“, verkündete Hsi-fëng. „Wer Appetit darauf hat, braucht also nur etwas falsch zu machen.“ Dann befahl sie: „Geht jetzt!“ Und als die Frauen vor den Fenstern das hörten, ging jede ihrem Auftrag gemäß davon. Der Strom der Beauftragten aus dem Ning-guo- und dem Jung-guo-Anwesen, die die Hausmarken holen und bringen kamen, riß um diese Stunde nicht ab. Die Sklavin, die so schmachvoll geschlagen worden war, ging beschämt davon. Nachdem die Leute gesehen hatten, daß mit Hsi-fëng nicht zu spaßen war, wagten sie nicht mehr, nachlässig zu sein, und führten ehrfurchtsvoll ihre Aufträge aus, um vor Strafe sicher zu sein. Aber davon soll jetzt nicht weiter berichtet werden. Als Bau-yü sah, was für Menschenmassen an diesem Tage da waren, befürchtete er, jemand könnte Tjin Dschung eine Kränkung zufügen, und so beriet er insgeheim mit ihm darüber, zu Hsi-fëng zu gehen und sich dort hinzusetzen. „Sie hat viel zu tun und mag es nicht, wenn jemand dorthin kommt, bestimmt wird es ihr lästig sein, wenn wir kommen“, wandte Tjin Dschung ein. „Warum sollten wir ihr lästig sein?“ fragte Bau-yü. „Es macht gar nichts, komm nur mit!“ Damit zog er Tjin Dschung hinter sich her und ging geradewegs zum Anbau. Hsi-fëng war eben beim Essen, und als sie die beiden hereinkommen sah, forderte sie sie lächelnd auf: „Kommt schnell her, ihr Flinkbeinigen!“ „Danke, wir haben schon gegessen!“ sagte Bau-yü. „Hier draußen oder bei uns drüben?“ erkundigte sich Hsi-fëng. „Warum sollten wir hier mit den Dummköpfen essen? Wir haben beide drüben bei der alten gnädigen Frau gegessen“, sagte Bau-yü und setzte sich hin. Als Hsi-fëng mit Essen fertig war, kam eine Sklavin aus dem Ning-guo-Anwesen und verlangte die Hausmarke, um sich das Silber zum Einkauf von Weihrauch und Kerzen holen zu können. Lächelnd sagte Hsi-fëng: „Ich hatte es so berechnet, daß ihr danach heute kommen mußtet, und als niemand kam, dachte ich schon, ihr hättet es vergessen. Nun aber bist du doch gekommen. Hättet ihr es vergessen, hättet ihr natürlich selbst dafür aufkommen müssen, und ich wäre billig davongekommen.“ „Wir hatten es tatsächlich vergessen“, sagte die Sklavin lächelnd. „Aber eben ist es mir noch eigefallen. Wäre ich auch nur einen Augenblick später hier gewesen, hätte ich die Hausmarke nicht mehr bekommen.“ Damit griff sie nach der Marke und ging hinaus. Bald darauf kam sie zurück, ließ die Summe eintragen und gab die Marke wieder ab. Lächelnd sagte jetzt Tjin Dschung: „Ihr habt hier in beiden Anwesen diese Hausmarken. Was ist, wenn sich jemand heimlich eine davon verschafft und dann Silber holt und damit wegläuft?“ „Wenn man dich so hört, könnte man meinen, es gäbe nicht Recht noch Gesetz“, erwiderte ihm Hsi-fëng. „Warum holt sich keiner von unsern Leuten die Marke, um etwas zu besorgen?“ fragte Bau-yü. „Als unsere Leute hier waren, hast du noch geträumt“, erwiderte ihm Hsi-fëng. „Aber sag einmal, wann fangt ihr endlich an, auch am Abend zu lernen?“ „Am liebsten schon heute“, erklärte Bau-yü. „Aber solange mein Studierzimmer noch nicht fertig ist, ist das unmöglich.“ „Wenn du mich einmal bewirten würdest, könnte ich dafür sorgen, daß es schneller geht“, sagte Hsi-fëng und lächelte dazu. „Du kannst da auch nichts beschleunigen. Denn was sie tun müssen, tun sie ohnehin“, wandte Bau-yü ein. „Um etwas zu tun, brauchen sie Material. Und niemand kann mich hindern, ihnen die Hausmarke dafür zu verweigern. Das ist die Schwierigkeit!“ hielt Hsi-fëng ihm entgegen. Als Bau-yü das hörte, umklammerte er sie wie ein Affe und wollte ihr die Hausmarke wegnehmen. „Liebste Kusine“, bat er zugleich, „gib die Hausmarke heraus und sag ihnen, sie sollen das Material holen!“ „Mir tut vor Erschöpfung schon alles weh, wie soll ich da noch deine Quälereien aushalten!“ protestierte Hsi-fëng. „Aber sei unbesorgt, heute erst haben sie Papier geholt, um in deinem Studierzimmer die Wände damit zu bekleben. Meinst du, sie warten, bis man sie darauf aufmerksam macht, wenn etwas gebraucht wird? Das wäre ja schön dumm!“ Als Bau-yü ihr nicht glauben wollte, befahl Hsi-fëng, Tsai-ming solle in ihrem Heft nachschlagen und Bau-yü die Eintragung zeigen. Noch ehe ihr Streit beendet war, wurde gemeldet: „Dschau-örl ist aus Su-dschou zurück!“ Sofort befahl Hsi-fëng, ihn hereinzurufen. Dschau-örl beugte ein Knie zum Gruß, und Hsi-fëng fragte: „Warum bist du zurückgekommen?“ „Der junge Herr hat mich geschickt, um zu melden, daß der Vater von Fräulein Lin am dritten Tag des neunten Monats in der sechsten Doppelstunde verstorben ist. Der junge Herr hat mit Fräulein Lin zusammen den Sarg nach Su-dschou begleitet und wird wahrscheinlich zum Jahresende wieder zu Hause sein“, berichtete Dschau-örl. „Der junge Herr hat mich Unwürdigen geschickt, um diese Nachrichten zu überbringen, um Grüße zu bestellen und um Befehle der alten gnädigen Frau einzuholen. Außerdem sollte ich nachschauen, ob bei Euch alles wohlauf ist, und dann hat er noch befohlen, ein paar von seinen pelzgefütterten Sachen mitzubringen.“ „Warst du auch bei den anderen?“ fragte Hsi-fëng. „Ich bin bei allen gewesen“, bestätigte Dschau-örl und zog sich rasch wieder zurück. Lächelnd sagte nun Hsi-fëng zu Bau-yü: „Jetzt wird dein Kusinchen noch lange bei uns bleiben.“ „Nicht auszudenken, wie sie in diesen Tagen geweint haben muß!“ sagte Bau-yü, runzelte seine Brauen und stieß einen langen Seufzer aus. Hsi-fëng, die Dschau-örl in Gegenwart der anderen nicht genauer über Djia Liän hatte ausfragen können, verging fast vor Ungeduld und wäre am liebsten nach Hause geeilt. Doch angesichts der Fülle von Aufgaben hatte sie Angst, in ihrer Abwesenheit könnte etwas falsch gemacht werden und die Leute hätten dann etwas zu lachen. Also mußte sie sich bis zum Abend gedulden und ließ dann Dschau-örl zu Hause noch einmal zu sich kommen, fragte ihn gründlich aus, ob unterwegs alles in Ordnung gewesen sei und ob er noch weitere Nachrichten habe. In derselben Nacht suchte sie die pelzgefütterten Sachen heraus, sah sie selbst mit Ping-örl zusammen durch und schnürte ein Bündel daraus. Dann dachte sie gründlich nach, was Djia Liän sonst noch fehlen könnte, packte alles mit ein und übergab es Dschau-örl. Dazu erteilte sie ihm eingehende Verhaltensmaßregeln. „Sei schön folgsam in der Fremde und ärgere deinen Herrn nicht!“ trug sie ihm auf. „Halte ihn stets davon ab, zuviel Wein zu trinken, und verleite ihn nicht zum Umgang mit liederlichen Weibern, sonst breche ich dir die Beine, wenn du wieder zu Hause bist!“ Als alles in größter Eile erledigt war, ging die vierte Nachtwache schon zu Ende. Aber nachdem Hsi-fëng sich endlich hingelegt hatte, konnte sie nicht einschlafen, und ehe sie sich‘s versah, wurde es hell, und die Hähne krähten. Also kämmte und wusch sie sich rasch und begab sich ins Ning-guo-Anwesen hinüber. Der Tag, an dem der Sarg übergeführt werden sollte, war schon nah, darum stieg Djia Dschën selbst in einen Wagen und fuhr mit einem Beamten vom Sterndeuterbüro zum Kloster Eiserne Schwelle, besichtigte dort den Platz, an dem der Sarg aufgestellt werden sollte, und wies den Vorsteher Së-kung an, die Ausstattung zu erneuern und noch einige angesehene Mönche zu bitten, beim Empfang des Sarges Dienst zu tun. Së-kung ließ rasch ein klösterlich-vegetarisches Abendessen richten, aber Djia Dschën stand der Sinn nicht nach Tee und Reis. Weil es schon spät war und er vor Toresschluß nicht mehr zur Stadt zurückgelangen konnte, verbrachte er die Nacht, so gut es ging, in einem der Klosterräume. Am nächsten Morgen fuhr er in die Stadt zurück und traf die Vorbereitungen für den Leichenzug. Außerdem schickte er Leute ins Kloster voraus, die dort über Nacht den Platz für den Sarg herrichten mußten, sich zugleich um Küche und Tee bekümmern sollten und um all jene, die den Sarg empfangen würden. Auch Hsi-fëng hatte, als der Zeitpunkt näher kam, im Haushalt rechtzeitig alles vorbereitet und festgelegt. Im Jung-guo-Anwesen hatte sie eingeteilt, mit welchen Wagen und Sänften sowie mit welchem Gefolge Dame Wang den Sarg begleiten sollte. Auch hatte sie ein Quartier ausgewählt, wo sie absteigen konnte, wenn sie selbst den Sarg begleitete. Da eben die Gemahlin des Herzogs Schan-guo verstorben war, mußten Dame Wang und Dame Hsing an ihrem Sarg ein Opfer bringen und an ihrem Leichenbegängnis teilnehmen. Zum Geburtstag der Gemahlin des Prinzen Hsi-an mußten Geschenke geschickt werden, ebenso anläßlich der Geburt des ersten Sohnes durch die Gemahlin des Herzogs Dschën-guo. Dann zog Hsi-fëngs älterer Bruder Wang Jën mit seiner ganzen Familie in den Süden zurück, und Hsi-fëng mußte ihm einen Brief mit fußfälligen Grüßen an die Eltern sowie Geschenke mitgeben. Schließlich erkrankte auch noch Ying-tschun, und so mußten jeden Tag Ärzte geholt und Arzneien zubereitet, Diagnosen studiert und Rezepte geprüft werden – das kann hier nicht gut in allen Einzelheiten wiedergegeben werden. Überdies kam der Tag der Sargüberführung immer näher, und so hatte Hsi-fëng keine Zeit mehr für Essen und Trinken, und weder im Sitzen noch im Liegen gab es Ruhe für sie. War sie eben ins Ning-guo-Anwesen gekommen, folgten ihr auch schon die Leute aus dem Jung-guo-Anwesen dorthin, und kaum war sie ins Jung-guo-Anwesen zurückgekehrt, so kamen ihr die Leute aus dem Ning-guo-Anwesen hierher nachgelaufen. Aber Hsi-fëng fand gerade daran großen Gefallen. Sie dachte auch nicht daran, sich einmal heimlich zu verschnaufen oder die Leute abzuweisen, denn sie fürchtete, man könnte schlecht über sie reden. So gönnte sie sich keine Pause bei Tag und bei Nacht, und alles wurde von ihr bestens geregelt. Da war niemand in der ganzen Sippe, der sie nicht anerkennend gelobt und mitfühlend über sie geseufzt hätte. Am Vorabend der Überführung des Sarges unterhielten zwei Schauspielertruppen sowie Gaukler die Verwandten und Freunde, die gekommen waren, um diese letzte Nacht am Sarg durchzuwachen. Da Frau You immer noch krank in ihrem Gemach lag, mußte Hsi-fëng die gesamte Bewirtung und Betreuung allein übernehmen, denn es gab zwar genug junge Frauen im Haus, aber die einen genierten sich, den Mund aufzumachen, die anderen hatten eine Scheu, sich zu zeigen, die nächsten waren den Umgang mit Fremden überhaupt nicht gewöhnt, und der Rest hatte Angst vor Vornehmen und Beamten. Keine von ihnen hatte das ungezwungene Auftreten und die sichere Ausdrucksweise, die Eleganz und die Großzügigkeit von Hsi-fëng. Darum sah sie auch über alle hinweg und schaltete und waltete nach Belieben, als ob sie ganz allein gewesen wäre. Die ganze Nacht hindurch leuchteten die Laternen und loderten die Feuer, Gäste kamen und gingen. Aber dieses abwechslungsreiche Getümmel braucht hier nicht beschrieben zu werden. Als es hell wurde und die glückverheißende Stunde anbrach, nahm eine Gruppe von vierundsechzig Trägern den Sarg auf, und vorneweg wurde eine Trauerfahne getragen, auf der in großen Schriftzeichen stand: ‚Dies ist der Sarg der jung verstorbenen Frau Tjin, Gattin eines Offiziers der kaiserlichen Palastwache und Hüters der Wege in der Verbotenen Stadt im fünften Beamtenrang aus der Sippe der Djias, des ältesten Enkels des von der im Auftrage des Himmels fest gegründeten und in Jahrmillionen unwandelbaren Dynastie belehnten Herzogs Ning-guo.‘ Alle Ranginsignien und Opfergaben waren neu angefertigt worden und blendeten die Augen mit strahlendem Glanz. Bau-dschu, die schon die Trauerriten vollzogen hatte, wie sie für eine unverheiratete Tochter vorgeschrieben sind, zerschmetterte jetzt den Tontopf und ging dem Zug voran, wobei sie schmerzlichste Trauer zeigte. Unter den Gästen, die dem Sarg das Geleit gaben, waren der Graf Niu Dji-dsung, ein Enkel von Niu Tjing, Herzog Dschën-guo; der Baron Liu Fang, ein Enkel von Liu Biau, Herzog Li-guo; Tschën Juee-wën, Marschall dritter Klasse mit dem Ehrentitel Wee-dschën, ein Enkel von Tschën I, Herzog Tji-guo; Ma Schang, Marschall dritter Klasse mit dem Ehrentitel Wee-yüan, ein Enkel von Ma Kuee, Herzog Dschï-guo; und Baron Hou Hsiau-kang, ein Enkel von Hou Hsiau-ming, Herzog Hsiu-guo. Da die Gemahlin des Herzogs Schan-guo verstorben war, befand sich sein Enkel Schï Guang-dschu in Trauer und konnte nicht kommen. Diese sechs Herzöge waren es, die einstmals mit den Herzögen Ning-guo und Jung-guo zusammen die Acht Herzöge genannt worden waren. Unter den übrigen Trauergästen befanden sich ein Enkel des Prinzen Nan-an; ein Enkel des Prinzen Hsi-ning; Schï Ding, Fürst Dschung-djing; Freiherr Djiang Dsï-ning, ein Enkel des Fürsten Ping-yüan; Freiherr Hsiä Djing, Oberst der hauptstädtischen Garnison, ein Enkel des Fürsten Ding-tschëng; Freiherr Tji Djiän-huee, ein Enkel des Fürsten Hsiang-yang; Tjiu Liang, Polizeichef der fünf Bezirke der Hauptstadt, ein Enkel des Fürsten Djing-tiän; dann Han Tji, ein Sohn des Grafen Djin-hsiang; Fëng Dsï-ying, ein Sohn des Marschalls Schën-wu; sowie Tschën Yä-djün und Wee Juo-lan. Es können hier nicht sämtliche Söhne und Enkel der Adelsgeschlechter aufgezählt werden. Weibliche Trauergäste waren in mehr als zehn großen und dreißig oder vierzig kleinen Sänften anwesend, zusammen mit den Sänften und Wagen der Familie waren das weit über hundert Gefährte. Mit den verschiedenen Insignien und Opfergaben, die vornweg getragen wurden, zog sich der Trauerzug drei bis vier Li weit hin. Er war noch nicht lange unterwegs, als er große bunte Stände erreichte, die mit Matten verkleidet und überdacht waren und in denen die Musik spielte. All das waren Wegeopfer, die von den einzelnen befreundeten Familien am Straßenrand dargebracht wurden. Der erste Opferstand gehörte dem Hause des Prinzen Dung-ping, der zweite dem des Prinzen Nan-an, der dritte dem des Prinzen Hsi-ning und der vierte dem des Prinzen Bee-djing. Von den ersten vier Trägern dieser Titel hatte sich nur der Prinz Bee-djing hohe Verdienste erworden, deretwegen seine Söhne und Enkel weiter im Besitz der Prinzenwürde geblieben waren. Schuee Jung, der jetzige Prinz Bee-djing, war noch keine zwanzig Jahre alt. Er war von schönem Wuchs und freundlich-schlichtem Charakter. Als er unlängst erfuhr, daß die Gemahlin des ältesten Enkels des Herzogs Ning-guo gestorben war, hatte er eingedenk der vormaligen Freundschaft der beiderseitigen Ahnen, die in Zeiten der Not und des Glanzes zusammenhielten, als ob sie zur selben Familie gehörten, ungeachtet seines prinzlichen Ranges einen Trauerbesuch gemacht und ein Opfer dargebracht. Heute nun hatte er einen Opferstand am Straßenrand aufstellen lassen und den ihm unterstellten Beamten befohlen, dort zu warten, während er selbst in der fünften Nachtwache zur Frühaudienz des Kaisers ging. Als seine Amtsgeschäfte erledigt waren, hatte er weiße Trauerkleidung angelegt und hatte sich in einer großen Sänfte, von Gongschlägern und Ehrenschirmträgern begleitet, zu seinem Opferstand tragen lassen. Seine Untergebenen nahmen zu beiden Seiten Aufstellung, und weder Militär- noch Zivilpersonen durften die Straße passieren. Bald näherte sich von Norden her der große Trauerzug des Ning-guo-Anwesens, an seiner Spitze, gewichtig wie ein silberweißer Berg, der Sarg. Schon hatten die Wegbereiter und Melder aus dem Ning-guo-Anwesen den Prinzen erblickt und eilten zurück, um Djia Dschën davon zu unterrichten. Djia Dschën befahl sogleich, den Trauerzug halten zu lassen, und eilte mit Djia Schë und Djia Dschëng zur Sänfte des Prinzen, den er nach dem Staatszeremoniell begrüßte. Schuee Jung erwiderte den Gruß, indem er sich lächelnd im Sitzen verbeugte. Er begrüßte und behandelte Djia Dschën als Angehörigen einer seit Generationen befreundeten Familie und zeigte nicht die geringste Spur von Hochmut. „Hoheit beehren die Trauerfeierlichkeiten für die Frau meines Köters von Sohn noch einmal mit Ihrer Anwesenheit“, sagte Djia Dschën. „Wie kann ich Hoheit das vergelten?“ Lächelnd entgegnete Schuee Jung: „Was sollen unter Freunden seit Generationen solche Worte?“ Dann wandte er den Kopf und befahl seinem Kämmerer, an seiner Statt das Opfer zu leiten. Nachdem Djia Schë mit den übrigen das Ritual erwidert hatte, kehrte er zurück, um sich für die erwiesene Gnade zu bedanken. Leutselig erkundigte sich Schuee Jung bei Djia Dschëng: „Wer ist es denn, der mit dem Jadestein im Mund zur Welt gekommen ist? Schon mehrmals hatte ich den Wunsch, ihn zu sehen, aber immer ist etwas dazwischen gekommen. Ich denke, er wird heute mit dabei sein. Kann man ihn nicht herbitten, damit ich ihn kennenlerne?“ Als Djia Dschëng das hörte, ging er sofort nach hinten, befahl Bau-yü, das Trauergewand abzulegen, und führte ihn nach vorn. Bau-yü hatte Vater, Onkel und Vettern, Verwandte und Freunde schon immer gesprächsweise sagen hören, Schuee Jung sei ein würdiger Prinz, noch dazu von erlesenem Talent und vollendeter Schönheit, er sei elegant und erhaben in seinem Betragen und lasse sich nicht durch das übliche Gehabe der Würdenträger und die Staatsetikette einschränken. Stets hatte er gehofft, den Prinzen kennenzulernen, aber von seinem Vater streng gehalten, hatte er nie eine Gelegenheit gehabt, ihm zu begegnen. Als nun heute der Prinz ihn rufen ließ, freute er sich natürlich, und schon von weitem nahm er die edle Erscheinung des Prinzen in der Sänfte wahr.

Aus: Jinyuyuan 1889b. Wer wissen will, was geschah, als er ihn aus der Nähe sah, muß das nächste Kapitel lesen. 15. Im Kloster Eiserne Schwelle mißbraucht Hsi-fëng ihre Macht, im Dampfbrötchenkloster PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT findet Tjin Dschung seine Lust.

Als Bau-yü aufblickte, sah er, daß Schuee Jung, Prinz Bee-djing, eine Prinzenkappe mit einem reinweißen Pompon und silbernen Flügeln aufhatte. Gekleidet war er in eine weiße, mit fünfklauigen Drachen über Bergen und Meereswellen bestickte Robe, und um den Leib trug er einen roten Lederriemen, der mit Jaspisen verziert war. Sein Gesicht glich einem edlen Jadestein, seine Augen ähnelten leuchtenden Sternen. Er war wirklich eine vollendete Schönheit. Rasch stürzte Bau-yü vor, um den Prinzen respektvoll zu begrüßen, und schon streckte Schuee Jung seinen Arm aus der Sänfte, um ihm aufzuhelfen. Dabei sah er, daß Bau-yü einen silbernen Kopfschmuck und eine Stirnbinde trug, die mit zwei Drachen verziert war, welche aus den Mereswogen auftauchten. Gekleidet war er in eine weiße Robe mit hufförmigen Manschetten, die mit vierklauigen Drachen bestickt war, und um den Leib hatte er einen silbernen Gürtel, der mit Perlen geschmückt war. Sein Gesicht glich einer Frühlingsblume, seine Augen ähnelten Tupfern aus Lack. Lächelnd sagte Schuee Jung: „Er trägt seinen Namen zu Recht, er gleicht wahrhaftig einem wertvollen Jade!“ Dann fragte er „Und wo ist der Stein, den er im Mund gehabt hat?“ Als Bau-yü die Frage vernahm, holte er seinen Jadestein sogleich unter der Kleidung hervor und reichte ihn dem Prinzen hin. Schuee Jung sah den Stein aufmerksam an, las die Schriftzeichen darauf und fragte: „Ist er tatsächlich beseelt?“ Rasch erwiderte Djia Dschëng: „Es heißt zwar so, aber erprobt ist es nicht.“ Während sich Schuee Jung in Ausdrücken der Verwunderung erging, ordnete er die bunte Schnur an dem Stein und hängte ihn Bau-yü eigenhändig wieder um. Dann faßte er seine Hand und fragte ihn, wie alt er sei und welche Bücher er lese. Bau-yü gab Antwort auf die eine wie die andere Frage, und als Schuee Jung hörte, daß Bau-yüs Rede klar und exakt war, wandte er sich wieder zu Djia Dschëng und sagte lächelnd: „Euer Sohn ist wahrhaftig ein Drachenjunges oder ein Phönixküken. Ich kleiner Prinz will ja einem alten Freund unseres Hauses gegenüber nicht vorlaut sein, aber wer weiß, ob man nicht eines Tages sagen kann: ‚Des jungen Phönix Stimme klingt reiner als des alten Lied.‘“ Ebenfalls lächelnd, erwiderte Djia Dschëng: „Wie wäre mein Köter von Sohn es wert, so goldene Worte zu empfangen! Wenn es im Schatten des Glücks von Euer Hoheit wirklich so käme, wäre es ein Segen für uns.“ „Eines nur ist bedenklich“, nahm der Prinz wieder das Wort. „Bei seinen Gaben erfreut er sich bestimmt der zärtlichsten Liebe von seiten Eurer verehrten Frau Mutter und Eurer werten Gattin. Aber für junge Leute ist es gar nicht gut, so verzärtelt zu werden. Wer nämlich verzärtelt wird, vernachlässigt mit Sicherheit seine Studien. Das habe ich seinerzeit am eigenen Leibe erfahren, und ich denke, mit Eurem Sohn ist es bestimmt nicht anders. Wenn es mit dem Lernen zu Hause nichts werden will, sollte er sich nicht genieren, öfter einmal in mein bescheidenes Haus zu kommen. Zwar bin ich selbst nicht begabt, aber ich werde oft von den bekanntesten Gelehrten des Landes beehrt. Immer, wenn sie in die Hauptstadt kommen, darf auch ich mich ihres Wohlwollens erfreuen. Dadurch kommen viele tüchtige Männer in mein Haus. Wenn Euer Sohn recht oft kommt, um ihr Gespräch zu suchen, werden seine Kenntnisse mit jedem Tag wachsen.“ Djia Dschëng bedankte sich rasch mit einer Verbeugung. Jetzt streifte Schuee Jung eine Gebetsschnur von seinem Handgelenk und reichte sie Bau-yü mit den Worten: „Wir sehen uns heute zum ersten Mal, und in der Eile habe ich kein Geschenk vorbereitet. Diese Gebetsschnur, deren Perlen aus Bachstelzen-Duftholz PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT verfertigt sind, hat mir neulich seine Majestät persönlich verehrt, mag sie einstweilen meine Wertschätzung bekunden!“ Bau-yü nahm die Gabe rasch entgegen, wandte sich um und reichte sie Djia Dschëng. Nachdem sich Djia Dschëng zusammen mit Bau-yü bedankt hatte, traten Djia Schë und Djia Dschën heran und schlugen dem Prinzen vor, sich jetzt nach Hause tragen zu lassen. Aber Schuee Jung sagte: „Die Verstorbene ist bereits in die Gefilde der Unsterblichen aufgestiegen und befindet sich nicht mehr in der Welt des Staubes wie Ihr und wir. Mir ist zwar die Gnade des Himmlischen zuteil geworden, der mir unverdient die Prinzenwürde verliehen hat, aber wie könnte ich es wagen, dem Gefährt einer Unsterblichen in den Weg zu treten!“ Als Djia Schë und die anderen sahen, daß er hartnäckig auf seiner Meinung bestand, blieb ihnen nichts weiter zu tun, als sich zu verabschieden und dem Prinzen für seine Huld zu danken. Sie gingen zurück und befahlen ihrem Gefolge, den Musikanten Ruhe zu gebieten. Erst als der Sarg schwerfällig vorbeigezogen war, forderten sie den Prinzen noch einmal auf, sich zurücktragen zu lassen. Aber davon soll nicht weiter die Rede sein, wir wollen lieber darüber berichten, wie der Trauerzug unter Lärm und Getöse seines Weges zog. Als er das Stadttor erreichte, standen dort die Opferstände der einzelnen Familien von Djia Schës, Djia Dschëngs und Djia Dschëns Amtsgefährten und Untergebenen. Nachdem alle Opfer vollzogen und die Dankesriten dafür ausgeführt waren, passierte der Trauerzug das Stadttor und bewegte sich dann die Straße entlang, die zum Kloster Eiserne Schwelle führte. Jetzt begab sich Djia Dschën mit Djia Jung zusammen zu den Älteren der Familie und bat sie, in den Sänften Platz zu nehmen oder aufs Pferd zu steigen. So setzten sich die Männer von Djia Schës Generation in Wagen und Sänften, Djia Dschëns Altersgefährten aber bestiegen ihre Pferde. Hsi-fëng machte sich Gedanken um Bau-yü und hegte die Befürchtung, er könnte hier außerhalb der Stadt mutwillig seine Kräfte unter Beweis stellen wollen und würde auf die Ermahnungen des Gesindes nicht hören, während sich Djia Dschëng um solche Kleinigkeiten nicht kümmern konnte. Wenn aber Bau-yü etwas zustoßen sollte, würde sie der Herzoginmutter schlecht unter die Augen treten können. Also befahl sie einem Sklavenjungen, ihn zu rufen. Bau-yü blieb nichts weiter übrig, als zu Hsi-fëngs Wagen zu reiten, wo sie ihn lächelnd mit den Worten empfing: „Liebster Vetter, du bist edel und zart wie ein Mädchen, warum mußt du es den andern nachmachen und wie ein Affe auf dem Pferd hocken? Willst du nicht lieber absteigen und mit mir zusammen im Wagen fahren?“ Rasch stieg Bau-yü vom Pferd und schlüpfte zu Hsi-fëng in den Wagen. Lachend und schwatzend fuhren sie weiter, bis bald darauf zwei Reiter in vollem Galopp herangeritten kamen, um unweit von Hsi-fëngs Wagen abzusitzen und dann, mit der Hand an der Deichsel, zu berichten: „Hier ist eine Absteigemöglichkeit. Dort könnt Ihr Rast machen und die Kleider wechseln, junge gnädige Frau.“ Sofort befahl Hsi-fëng, bei Dame Hsing und Dame Wang Weisungen einzuholen. Als ihr Bote zurückkam, meldete er: „Die gnädigen Frauen lassen Euch sagen, sie brauchten nicht zu rasten, Ihr aber solltet ganz nach eigenem Ermessen verfahren.“ Als Hsi-fëng das vernahm, befahl sie, eine Pause einzulegen. Also lenkten die Sklavenjungen den Wagen aus der Menge heraus und dann schnell in nördlicher Richtung davon. Bau-yü befahl noch rasch aus dem Wagen heraus, man solle den jungen Herrn Tjin zu ihm bitten. Tjin Dschung ritt hinter der Sänfte seines Vaters einher, da kam plötzlich Bau-yüs Sklavenjunge gelaufen und lud ihn zu einer Rast ein. Als Tjin Dschung sich umblickte und sah, daß Hsi-fëngs Wagen nach Norden abgebogen war und Bau-yüs Pferd, das hinten am Wagen angebunden war, nur Sattel und Zaumzeug trug, wußte er, daß Bau-yü bei Hsi-fëng im Wagen sitzen mußte. Also ritt er ihnen hinterher und holte sie ein, als der Wagen eben in einen Bauernhof einfuhr. Die Männer der Bauernfamilie hatte das Gefolge längst fortgejagt, aber da es hier nicht so viele Räume gab, daß sich die Frauen hätten verbergen können, mußten sie bei den Besuchern bleiben. Für die Bauernfrauen und Dorfmädchen waren Hsi-fëng, Bau-yü und Tjin Dschung durch ihr Aussehen, ihre Kleidung und ihr gelassenes Betragen natürlich ein fesselnder Anblick. Nachdem sie dann in das strohgedeckte Haus getreten waren, befahl Hsi-fëng, Bau-yü solle mit den anderen erst einmal ein wenig an die frische Luft gehen. Bau-yü verstand, was sie wollte, und ging mit Tjin Dschung hinaus, wo sie sich in Begleitung der Sklavenjungen überall umsahen. All die Geräte, wie Bauern sie brauchen, hatte Bau-yü nie gesehen. Als er jetzt Spaten, Haue, Hacke und Pflug erblickte, waren das fremdartige Dinge für ihn, von denen er weder wußte, wozu sie dienten, noch wie sie genannt wurden. Die Sklavenjungen an seiner Seite erklärten ihm von jedem Stück, wie es hieß und was es damit auf sich hatte. Da nickte Bau-yü und sagte mit einem Seufzer: „Kein Wunder, daß es bei einem alten Dichter heißt: ‚Wer ahnt schon, wieviel Mühe es kostet, ein jedes Korn Reis in der Schüssel!‘ PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT Das hat er damit gemeint!“ Bei diesen Worten gelangte er zu einem anderen Gebäude, wo er auf dem Ofenbett ein Spinnrad erblickte. „Was ist das nun wieder?“ fragte er die Sklavenjungen. Sie erklärten es ihm, und Bau-yü trat ein und drehte zum Spaß an dem Spinnrad, was ihm sehr lustig erschien. Da kam plötzlich ein Bauenmädchen von siebzehn, achtzehn Jahren gelaufen und rief aufgeregt: „Mach mir das nicht entzwei, ...“ Sofort schrien die Sklavenjungen sie an und hinderten sie am Weiterreden. Bau-yü aber zog rasch die Hand zurück und sagte lächelnd: „Ich hatte so etwas noch nie gesehen, da wollte ich es einmal ausprobieren.“ „Was versteht schon Euresgleichen davon!“ sagte das Mädchen. „Geh beiseite, dann zeige ich dir, wie man spinnt!“ Verstohlen zupfte Tjin Dschung an Bau-yüs Gewand und sagte lächelnd: „Die Maid hier deucht mir lustverheißend!“ „Verfluchter Kerl!“ sagte Bau-yü lächelnd und schob ihn weg. „Wenn du weiter Unsinn redest, bekommst du Schläge von mir!“ Damit blickte er wieder zu dem Mädchen, das begonnen hatte, einen Faden zu spinnen. Als Bau-yü eben etwas zu ihr sagen wollte, rief irgendwo eine alte Frau: „Wirst du wohl herkommen, Zweites Mädchen! Aber schnell!“ Da stellte sie das Spinnrad weg und ging fort. Bau-yü aber war die Laune verdorben. Jetzt kam ein Bote, den Hsi-fëng geschickt hatte, um Bau-yü und Tjin Dschung ins Haus zu rufen. Hsi-fëng hatte sich schon die Hände gewaschen und die Kleider gewechselt, um den Staub ausschütteln zu lassen. Jetzt fragte sie Bau-yü und Tjin Dschung, ob sie sich ebenfalls umziehen wollten, aber Bau-yü mochte nicht, und so mußte es unterbleiben. Nun brachten die begleitenden Sklaven und Sklavinnen die mitgeführten Teekannen und Schalen sowie Speiseschachteln mit verschiedenen Kleinigkeiten für einen Imbiß auf den Tisch. Nach dem Teetrinken wartete Hsi-fëng, bis alles eingepackt war, dann stand sie auf, um wieder in den Wagen zu steigen. Draußen hielt Lai Wang ein Päckchen Silber bereit, das er als Geschenk für den Gastgeber überreichte, und die Bauernfrauen bedankten sich fußfällig dafür. Hsi-fëng schenkte dem keine Beachtung, Bau-yü aber sah genau hin, doch das Zweite Mädchen war nicht dabei. Er stieg in den Wagen, und als sie abfuhren, kam sie ihnen nach einer kurzen Wegstrecke entgegen. Sie trug ein kleines Brüderchen auf dem Arm und unterhielt sich lachend mit ein paar jüngeren Mädchen. Bau-yü wäre am liebsten vom Wagen gestiegen und mit ihr gegangen. Weil man ihm das aber kaum gestattet hätte, folgte er ihr wenigstens mit den Augen und bedauerte nur, daß der Wagen so leicht und das Pferd so schnell war. Bald darauf war sie seinen Blicken entschwunden. Es dauerte nicht lange, da hatten sie den Sarg wieder eingeholt, und schon kamen ihnen die Mönche vom Kloster Eiserne Schwelle mit Trommeln und Becken, Bannern und Schirmen entgegen, um den Sarg zu empfangen. Bald darauf waren sie im Kloster, wo noch einmal Sutras verlesen und Weihrauchopfer gebracht wurden, während man den Sarg in einem Seitenraum der inneren Halle aufstellte. Bau-dschu richtete sich dort eine Lagerstatt her, um am Sarg die Nachtwache zu halten. In der äußeren Halle bat Djia Dschën die zahlreichen Verwandten und Freunde zum Essen. Die einen nahmen die Einladung an, die anderen verabschiedeten sich, ohne zu essen. Nachdem sich Djia Dschën bei allen bedankt hatte, brachen die Herzöge, Fürsten, Grafen, Barone und Freiherren der Rangfolge nach Trupp für Trupp auf, und erst am Ende der achten Doppelstunde waren sie alle fort. Drinnen bewirtete Hsi-fëng die weiblichen Gäste, und auch hier brachen die Ranghöchsten zuerst auf. Erst als die Mittagsstunde schon lange vorbei war, waren sie alle abgefahren. Jetzt waren nur noch die engsten Verwandten da, die erst nach Abschluß der dreitägigen Gebete anläßlich der Sargaufstellung zurückkehren würden. Auch Dame Hsing und Dame Wang wollten jetzt in die Stadt zurückfahren, wenn sie auch wußten, daß Hsi-fëng noch nicht mitkommen konnte. Dame Wang wollte Bau-yü mitnehmen, aber Bau-yü, der zum ersten Mal aus der Stadt herausgekommen war, wollte nicht zurück und wünschte nur, zusammen mit Hsi-fëng noch zu bleiben. Da hatte Dame Wang keine andere Wahl, als ihn in Hsi-fëngs Obhut zu geben und nach Hause zu fahren. Das Kloster Eiserne Schwelle hatten seinerzeit die beiden Herzöge Ning-guo und Jung-guo errichten lassen, und es gab noch immer einigen Landbesitz, der die notwendigen Mittel für den Unterhalt des Tempels und der Mönche erbrachte. So konnte man Sippenangehörige, die in der Hauptstadt von ihrem Geschick ereilt wurden, hier unterbringen. Und weil der Tempel mit Räumen für die Toten und die Lebenden wohl versehen war, konnten auch die Angehörigen, die den Sarg begleiteten, hier unterkommen. Da aber die Sippenangehörigen jetzt sehr zahlreich waren und der Reichtum ungleichmäßig unter ihnen verteilt war (vielleicht vertrugen sich auch die Charaktere nicht recht miteinander), blieben nur diejenigen hier im Kloster, die in dürftigen Verhältnissen lebten und sich in ihr Los zu fügen wußten, während die anspruchsvollen Reichen erklärten, hier sei es ihnen zu unbequem, und sich in einem Dorf beziehungsweise in einem Nonnenkloster ein Quartier suchten, wohin sie sich zurückziehen konnten, wenn die jeweiligen Trauerhandlungen zu Ende waren. Diesmal nun, bei der Überführung des Sarges von Frau Tjin, übernachteten im Kloster Eiserne Schwelle alle Sippenangehörigen bis auf Hsi-fëng, der es hier nicht komfortabel genug war. Sie hatte deswegen schon längst jemanden zum Dampfbrötchenkloster geschickt, um die Äbtissin Djing-hsü zu bitten, sie solle ihr zwei Räume als Unterkunft abtreten. Das Dampfbrötchenkloster hieß eigentlich Wassermondkloster, aber weil man dort gute Dampfbrötchen machte, war dieser Scherzname aufgekommen. Es befand sich unweit des Klosters Eiserne Schwelle. Als die Mönche ihr Tagewerk getan hatten und der abendliche Opfertee bereitgestellt war, wurde Djia Jung von Djia Dschën zu Hsi-fëng geschickt, um sie zu bitten, sich zur Ruhe zu begeben. Da noch mehrere junge Frauen des Hauses da waren, die den anderen weiblichen Angehörigen Gesellschaft leisteten, verabschiedete sich Hsi-fëng von allen und begab sich mit Bau-yü und Tjin Dschung zum Wassermondkloster. Tjin Yä hatte, weil er alt und krank war, nicht dableiben können und hatte nur Tjin Dschung befohlen, bis zum Ende der Sargaufstellung zu verweilen. Dieser hielt sich jetzt an Hsi-fëng und Bau-yü. Als sie nach kurzer Zeit zum Wassermondkloster gelangten, kam ihnen Djing-hsü mit den beiden Novizinnen Dschï-schan und Dschï-nëng entgegen, und alle begrüßten einander. Nachdem sich Hsi-fëng umgezogen und ihre Notdurft verrichtet hatte, stellte sie fest, daß Dschï-nëng schon wieder ein Stück gewachsen und noch hübscher geworden war. Und so fragte sie: „Warum seid ihr in der letzten Zeit nicht bei uns gewesen?“ „Wir konnten einfach nicht abkommen“, erwiderte Djing-hsü. „Im Hause Hu ist ein Sohn geboren worden, und die gnädige Frau hat uns zehn Liang Silber geschickt, damit wir dort drei Tage lang Sutras für eine glückliche Niederkunft lesen. So hatten wir keinen freien Augenblick, um Euch unseren Gruß zu entbieten, junge Herrin!“ Aber nicht davon wollen wir jetzt erzählen, wie die alte Nonne Hsi-fëng Gesellschaft leistete. Als Tjin Dschung und Bau-yü eben in der Haupthalle des Klosters waren, kam Dschï-nëng durch den Raum, und Bau-yü sagte lächelnd zu Tjin Dschung: „Da ist Dschï-nëng!“ „Was kümmert uns das dumme Ding?“ fragte Tjin Dschung. Aber lächelnd hielt ihm Bau-yü entgegen: „Tu doch bloß nicht so! Warum hast du sie denn da neulich bei der alten gnädigen Frau im Zimmer umarmt, als niemand dabei war? Meinst du, ich lasse mir hier etwas vormachen?“ „Aber das stimmt ja gar nicht!“ protestierte Tjin Dschung lächelnd. „Mir soll es egal sein, ob es stimmt oder nicht“, erwiderte Bau-yü. „Ruf sie her, damit sie mir eine Schale Tee eingießt, dann lasse ich dich in Ruhe!“ „Na, du bist ja gut!“ sagte Tjin Dschung darauf. „Meinst du, wenn du es ihr sagst, macht sie es nicht, und darum muß ich es ihr sagen?“ „Bei mir wäre es ohne Gefühl, aber bei dir ist es mit Gefühl!“ erklärte ihm Bau-yü. So blieb Tjin Dschung nichts weiter übrig, als zu rufen: „Dschï-nëng, bring uns eine Schale Tee!“ Diese Dschï-nëng ging von klein auf im Jung-guo-Anwesen ein und aus und war dort mit jedermann bekannt, so hatte sie auch oft mit Bau-yü und Tjin Dschung zusammen gescherzt und gelacht. Jetzt, da sie erwachsen wurde und allmählich um die Liebe zu wissen begann, hatte sie sich in Tjin Dschung

Am Wegesrand wird Bao-yü dem Prinzen Bee-djing vorgestellt. Aus: Chengjiaben 1791.

verguckt, weil er so eine elegante Erscheinung war. Tjin Dschung seinerseits liebte sie um ihrer Schönheit willen. Und wenn auch noch nichts zwischen den beiden vorgefallen war, waren sie sich doch einig.

Als Dschï-nëng jetzt Tjin Dschungs Aufforderung hörte, schlug ihr Herz höher, und ihre Augen strahlten. Sie ging Tee eingießen und brachte ihn. „Gib ihn mir!“ bat Tjin Dschung lächelnd. „Nein, mir!“ rief Bau-yü. Da verzog Dschï-nëng den Mund zu einem Lächeln und fragte: „Müßt ihr euch um eine Schale Tee streiten? Habe ich vielleicht Honig an den Fingern?“ Rasch nahm Bau-yü ihr die Teeschale ab und trank. Als er sie eben etwas fragen wollte, kam Dschï-schan und rief Dschï-nëng weg, um den Teetisch zu decken. Bald darauf kam sie und lud Bau-yü und Tjin Dschung zu Tee mit Obst und Gebäck ein. Aber die beiden machten sich nichts daraus, und nachdem sie ein Weilchen am Tisch gesessen hatten, gingen sie wieder hinaus, um sich draußen die Zeit zu vertreiben. Auch Hsi-fëng saß ein Weilchen am Teetisch, dann ging sie in ihr Zimmer, um zu ruhen. Die Äbtissin begleitete sie, und als Hsi-fëngs Sklavenfrauen sahen, daß weiter nichts zu tun war, gingen sie nacheinander hinaus, um sich schlafen zu legen. Jetzt waren nur noch ein paar ergebene Sklavenmädchen mit im Raum, die zu Hsi-fëngs ständiger Bedienung gehörten, darum nahm die Äbtissin die Gelegenheit wahr und sagte: „Ich habe eine Bitte und hatte in Euer Anwesen kommen wollen, um sie der gnädigen Frau vorzutragen. Aber jetzt möchte ich zuerst Euch nach Eurer Meinung fragen.“ „Was ist es?“ fragte Hsi-fëng. „Buddha Amitabha!“ sagte die Äbtissin, „als ich seinerzeit im Kloster der Guten Begabung in Tschang-an PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT lebte, gehörte zu unserern Gönnern ein reicher Mann namens Dschang. Dieser Dschang hat eine Tochter, die mit Kindheitsnamen Djin-gë heißt und die damals immer in unser Kloster kam, um Weihrauch zu opfern. Sie mußte nun einem Herrn Li begegnen, dem jüngeren Bruder der Frau des Präfekten von Tschang-an, der sich bis über beide Ohren in sie verliebt hat und sie heiraten will. Als er aber jemanden schickte, der für ihn um Djin-gës Hand bitten mußte, stellte sich heraus, daß sie bereits mit dem Sohn des ehemaligen Stadtkommandanten von Tschang-an verlobt ist. Aus Furcht vor diesem wagt die Familie Dschang nicht, die Absprache rückgängig zu machen, und sagte nur, ihre Tochter sei bereits verlobt. Das hat aber den jungen Herrn Li von seinem Vorhaben nicht abzubringen vermocht, und er ist fest entschlossen, Djin-gë zu seiner Frau zu machen. Als nun die Familie Dschang keinen Ausweg wußte und beide Seiten in Verlegenheit waren, hat der ehemalige Stadtkommandant von der Sache erfahren, und ohne viel Federlesens ist er gekommen und hat die Dschangs geschmäht und beschimpft, indem er fragte: ‚Mit wieviel Männern kann denn ein Mädchen verlobt sein?‘ Er hat es ganz entschieden abgelehnt, die Verlobungsgeschenke zurückzunehmen, und hat Anzeige erstattet.