Hongloumeng/Chapter 13

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第十三回

秦可卿死封龙禁尉

王熙凤协理宁国府

Tjin Kë-tjing wird nachträglich mit dem Titel eines Offiziers der Palastwache geehrt, Hsi-fëng wird auf Zeit an der Leitung des Ning-guo-Anwesens beteiligt.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung (Schwarz)

話說鳳姐兒自賈璉送黛玉往揚州去後,心中實在無趣,每到晚間,不過和平兒說笑一回,就胡亂睡了。   這日夜間,正和平兒燈下擁爐倦繡,早命濃薰繡被,二人睡下,屈指算行程該到何處,不知不覺已交三鼓。平兒已睡熟了。鳳姐方覺星眼微蒙,恍惚只見秦氏從外走來,含笑說道:「嬸嬸好睡!我今日回去,你也不送我一程。因娘兒們素日相好,我捨不得嬸子,故來別你一別。還有一件心願未了,非告訴嬸子,別人未必中用。」   鳳姐聽了,恍惚問道:「有何心事?你只管托我就是了。」秦氏道:「嬸嬸,你是個脂粉隊里的英雄,連那些束帶頂冠的男子也不能過你,你如何連兩句俗語也不曉得?常言『月滿則虧,水滿則溢』;又道是『登高必跌重』。如今我們家赫赫揚揚,已將百載,一日倘或樂極悲生,若應了那句『樹倒猢猻散』的俗語,豈不虛稱了一世詩書舊族了!」鳳姐聽了此話,心胸大快,十分敬畏,忙問道:「這話慮的極是,但有何法可以永保無虞?」秦氏冷笑道:「嬸子好痴也。否極泰來,榮辱自古周而複始,豈人力能可常保的。但如今能於榮時籌畫下將來衰時的世業,亦可謂常保永全了。即如今日諸事都妥,只有兩件未妥,若把此事如此一行,則後日可保永全了。」   鳳姐便問何事。秦氏道:「目今祖塋雖四時祭祀,只是無一定的錢糧;第二,家塾雖立,無一定的供給。依我想來,如今盛時固不缺祭祀供給,但將來敗落之時,此二項有何出處?莫若依我定見,趁今日富貴,將祖塋附近多置田莊房舍地畝,以備祭祀供給之費皆出自此處,將家塾亦設於此。合同族中長幼,大家定了則例,日後按房掌管這一年的地畝、錢糧、祭祀、供給之事。如此周流,又無競爭,亦不有典賣諸弊。便是有了罪,凡物可入官,這祭祀產業連官也不入的。便敗落下來,子孫回家讀書務農,也有個退步,祭祀又可永繼。若目今以為榮華不絕,不思後日,終非長策。眼見不日又有一件非常喜事,真是烈火烹油、鮮花著錦之盛。要知道,也不過是瞬息的繁華,一時的歡樂,萬不可忘了那『盛筵必散』的俗語。此時若不早為後慮,臨期只恐後悔無益了。」鳳姐忙問:「有何喜事?」秦氏道:「天機不可泄漏。只是我與嬸子好了一場,臨別贈你兩句話,須要記著。」因念道:

    三春去後諸芳盡,各自須尋各自門。

  鳳姐還欲問時,只聽二門上傳事雲牌連叩四下,將鳳姐驚醒。人回:「東府蓉大奶奶沒了。」鳳姐聞聽,嚇了一身冷汗,出了一回神,只得忙忙的穿衣,往王夫人處來。   彼時合家皆知,無不納罕,都有些疑心。那長一輩的想他素日孝順;平一輩的,想他平日和睦親密,下一輩的想他素日慈愛,以及家中僕從老小想他素日憐貧惜賤、慈老愛幼之恩,莫不悲嚎痛哭者。   閒言少敘,卻說寶玉因近日林黛玉回去,剩得自己孤凄,也不和人頑耍,每到晚間便索然睡了。如今從夢中聽見說秦氏死了,連忙翻身爬起來,只覺心中似戮了一刀的不忍,哇的一聲,直奔出一口血來。襲人等慌慌忙忙上來搊(校者注:蒙古王府本此處作「摟」)扶,問是怎麼樣,又要回賈母來請大夫。寶玉笑道:「不用忙,不相干,這是急火攻心,血不歸經。」說著便爬起來,要衣服換了,來見賈母,即時要過去。襲人見他如此,心中雖放不下,又不敢攔,只是由他罷了。賈母見他要去,因說:「才咽氣的人,那裡不乾淨;二則夜裡風大,明早再去不遲。」寶玉那裡肯依。賈母命人備車,多派跟從人役,擁護前來。   一直到了寧國府前,只見府門洞開,兩邊燈籠照如白晝,亂烘烘人來人往,裡面哭聲搖山振岳。寶玉下了車,忙忙奔至停靈之室,痛哭一番。然後見過尤氏。誰知尤氏正犯了胃疼舊疾,睡在床上。然後又出來見賈珍。彼時賈代儒帶領賈敕、賈效、賈敦、賈赦、賈政、賈琮、賈㻞、賈珩、賈珖、賈琛、賈瓊、賈璘、賈薔、賈菖、賈菱、賈芸、賈芹、賈蓁、賈萍、賈藻、賈蘅、賈芬、賈芳、賈蘭、賈菌、賈芝等都來了。賈珍哭的淚人一般,正和賈代儒等說道:「合家大小,遠親近友,誰不知我這媳婦比兒子還強十倍。如今伸腿去了,可見這長房內絕滅無人了。」說著又哭起來。眾人忙勸道:「人已辭世,哭也無益,且商議如何料理要緊。」賈珍拍手道:「如何料理,不過盡我所有罷了!」   正說著,只見秦業、秦鐘並尤氏的幾個眷屬尤氏姊妹也都來了。賈珍便命賈瓊、賈琛、賈璘、賈薔四個人去陪客,一面吩咐去請欽天監陰陽司來擇日,推準停靈七七四十九日,三日後開喪送訃聞。這四十九日,單請一百單八眾禪僧在大廳上拜大悲懺,超度前亡後化諸魂,以免亡者之罪;另設一壇於天香樓上,是九十九位全真道士,打四十九日解冤洗業醮。然後停靈於會芳園中,靈前另有五十眾高僧、五十眾高道,對壇按七作好事。那賈敬聞得長孫媳婦死了,因自為早晚就要飛升,如何肯又回家染了紅塵,將前功盡棄呢,因此並不在意,只憑賈珍料理。   賈珍見父親不管,亦發恣意奢華。看板時,幾副杉木板皆不中用。可巧薛蟠來吊問,因見賈珍尋好板,便說道:「我們木店里有一副板,叫做什麼檣木,出在潢海鐵網山上,作了棺材,萬年不壞。這還是當年先父帶來,原系義忠親王老千歲要的,因他壞了事,就不曾拿去。現今還封在店里,也沒人出價敢買。你若要,就抬來罷了。」賈珍聽了,喜之不盡,即命人抬來。大家看時,只見幫底皆厚八寸,紋若檳榔,味若檀麝,以手扣之,玎璫如金玉。大家都奇異稱賞。賈珍笑問:「價值幾何?」薛蟠笑道:「拿一千兩銀子來,只怕也沒處買去。什麼價不價,賞他們幾兩工錢就是了。」賈珍聽說,忙謝不盡,即命解鋸糊漆。賈政因勸道:「此物恐非常人可享者,殮以上等杉木也就是了。」此時賈珍恨不能代秦氏之死,這話如何肯聽。   因忽又聽得秦氏之丫鬟名喚瑞珠者,見秦氏死了,他也觸柱而亡。此事可罕,合族中人也都稱讚。賈珍遂以孫女之禮殮殯,一併停靈於會芳園中之登仙閣。小丫鬟名寶珠者,因見秦氏身無所出,乃甘心願為義女,誓任摔喪駕靈之任。賈珍喜之不盡,即時傳下,從此皆呼寶珠為小姐。那寶珠按未嫁女之喪,在靈前哀哀欲絕。於是,合族人丁並家下諸人,都各遵舊制行事,自不敢紊亂。   賈珍因想著賈蓉不過是個黌門監,靈幡經榜上寫時不好看,便是執事也不多,因此心下甚不自在。可巧這日正是首七第四日,早有大明宮掌宮內相戴權,先備了祭禮遣人來,次後坐了大轎,打傘嗚鑼,親來上祭。賈珍忙接著,讓至逗蜂軒獻茶。賈珍心中打算定了主意,因而趁便就說要與賈蓉捐個前程的話。戴權會意,因笑道:「想是為喪禮上風光些?」賈珍忙笑道:「老內相所見不差。」戴權道:「事倒湊巧,正有個美缺。如今三百員龍禁尉短了兩員,昨日襄陽侯的兄弟老三來求我,現拿了一千五百兩銀子,送到我家裡。你知道,咱們都是老相與,不拘怎麼樣,看著他爺爺的分上,胡亂應了。還剩了一個缺,誰知永興節度使馮胖子來求,要與他孩子捐,我就沒工夫應他。既是咱們的孩子要捐,快寫個履歷來。」賈珍聽說,忙吩咐:「快命書房裡人恭敬寫了大爺的履歷來。」小廝不敢怠慢,去了一刻,便拿了一張紅紙來與賈珍。賈珍看了,忙送與戴權。看時,上面寫道:

    江南江寧府江寧縣監生賈蓉,年二十歲。曾祖,原任京營節度使世襲一等神威將軍賈代化;祖,乙卯科進士賈敬;父,世襲三品爵威烈將軍賈珍。

戴權看了,回手便遞與一個貼身的小廝收了,說道:「回來送與戶部堂官老趙,說我拜上他,起一張五品龍禁尉的票,再給個執照,就把那履歷填上,明兒我來兌銀子送去。」小廝答應了,戴權也就告辭了。賈珍十分款留不住,只得送出府門。臨上轎,賈珍因問:「銀子還是我到部兌,還是一併送入老內相府中?」戴權道:「若到部里,你又吃虧了。不如平準一千二百銀子送到我家裡就完了。」賈珍感謝不盡,只說:「待服滿後,親帶小犬到府叩謝。」於是作別。   接著,便又聽喝道之聲,原來是忠靖侯史鼎的夫人來了。王夫人、邢夫人、鳳姐等剛迎入上房,又見錦鄉侯、川寧侯、壽山伯三家祭禮擺在靈前。少時,三人下轎,賈政等忙接上大廳。如此親朋你來我去,也不能勝數。只這四十九日,寧國府街上一條白漫漫人來人往,花簇簇官去官來。   賈珍命賈蓉次日換了吉服,領憑回來。靈前供用執事等物,俱按五品職例。靈牌疏上皆寫「天朝誥授賈門秦氏恭人之靈位」。會芳園臨街大門洞開,旋在兩邊起了鼓樂廳,兩班青衣按時奏樂,一對對執事擺的刀斬斧齊。更有兩面朱紅銷金大字牌對豎在門外,上面大書:「防護內廷紫禁道御前侍衛龍禁尉」。對面高起著宣壇,僧道對壇榜文,榜上大書:「世襲寧國公冢孫婦、防護內廷御前侍衛龍禁尉賈門秦氏恭人之喪。四大部州至中之地,奉天承運太平之國,總理虛無寂靜教門僧錄司正堂萬虛、總理元始三一教門道錄司正堂葉生等,敬謹修齋,朝天叩佛」,以及「恭請諸伽藍、揭諦、功曹等神,聖恩普錫,神威遠鎮,四十九日消災洗業平安水陸道場」等語,亦不消繁記。   只是賈珍雖然此時心意滿足,但裡面尤氏又犯了舊疾,不能料理事務,惟恐各誥命來往,虧了禮數,怕人笑話,因此心中不自在。當下正憂慮時,因寶玉在側問道:「事事都算安貼了,大哥哥還愁什麼?」賈珍見問,便將裡面無人的話說了出來。寶玉聽說笑道:「這有何難,我薦一個人與你權理這一個月的事,管必妥當。」賈珍忙問:「是誰?」寶玉見座間還有許多親友,不便明言,走至賈珍耳邊說了兩句。賈珍聽了喜不自禁,連忙起身道:「果然安貼,如今就去。」說著拉了寶玉,辭了眾人,便往上房裡來。   可巧這日非正經日期,親友來的少,裡面不過幾位近親堂客,邢夫人、王夫人、鳳姐併合族中的內眷陪坐。聞人報:「大爺進來了。」唬的眾婆娘唿的一聲,往後藏之不迭,獨鳳姐款款站了起來。賈珍此時也有些病症在身,二則過於悲痛了,因拄拐踱了進來。邢夫人等因說道:「你身上不好,又連日事多,該歇歇才是,又進來做什麼?」賈珍一面扶拐,扎掙著要蹲身跪下請安道乏。邢夫人等忙叫寶玉攙住,命人挪椅子來與他坐。賈珍斷不肯坐,因勉強陪笑道:「侄兒進來有一件事要求二位嬸子並大妹。」邢夫人等忙問:「什麼事?」賈珍忙道:「嬸子自然知道,如今孫子媳婦沒了,侄兒媳婦偏又病倒,我看裡頭著實不成個體統。怎麼屈尊大妹妹一個月,在這裡料理料理,我就放心了。」邢夫人笑道:「原來為這個。你大妹妹現在你二嬸子家,只和你二嬸子說就是了。」王夫人忙道:「他一個小孩子家何曾經過這樣事,倘或料理不清,反叫人笑話,倒是再煩別人好。」賈珍笑道:「嬸子的意思侄兒猜著了,是怕大妹妹勞苦了。若說料理不開,我包管必料理的開,便是錯一點兒,別人看著還是不錯的。從小兒大妹妹頑笑著就有殺伐決斷,如今出了閣,又在那府里辦事,越發歷練老成了。我想了這幾日,除了大妹妹再無人了。嬸子不看侄兒、侄兒媳婦的分上,只看死了的分上罷!」說著滾下淚來。   王夫人心中怕的是鳳姐未經過喪事,怕他料理不清,惹人恥笑。今見賈珍苦苦的說到這步田地,心中已活了幾分,卻又眼看著鳳姐出神。那鳳姐素日最喜攬事辦,好賣弄才幹,雖然當家妥當,也因未辦過婚喪大事,恐人還不伏,巴不得遇見這事。今見賈珍如此一來,他心中早已歡喜。先見王夫人不允,後見賈珍說的情真,王夫人有活動之意,便向王夫人道:「大哥哥說的這麼懇切,太太就依了罷。」王夫人悄悄的道:「你可能麼?」鳳姐道:「有什麼不能的。外面的大事已經大哥哥料理清了,不過是裡頭照管照管,便是我有不知道的,問問太太就是了。」王夫人見說的有理,便不作聲。賈珍見鳳姐允了,又陪笑道:「也管不得許多了,橫豎要求大妹妹辛苦辛苦。我這裡先與妹妹行禮,等事完了,我再到那府里去謝。」說著,就作揖下去,鳳姐兒還禮不迭。   賈珍便忙向袖中取了寧國府對牌出來,命寶玉送與鳳姐,又說:「妹妹愛怎樣就怎樣,要什麼只管拿這個取去,也不必問我。只求別存心替我省錢,只要好看為上;二則也要同那府里一樣待人才好,不要存心怕人抱怨。只這兩件外,我再沒不放心的了。」鳳姐不敢就接牌,只看著王夫人。王夫人道:「你哥哥既這麼說,你就照看照看罷了。只是別自作主意,有了事,打發人問你哥哥、嫂子要緊。」寶玉早向賈珍手裡接過對牌來,強遞與鳳姐了。又問:「妹妹住在這裡,還是天天來呢?若是天天來,越發辛苦了。不如我這裡趕著收拾出一個院落來,妹妹住過這幾日倒安穩。」鳳姐笑道:「不用。那邊也離不得我,倒是天天來的好。」賈珍聽說,只得罷了。然後又說了一回閒話,方纔出去。   一時女眷散後,王夫人因問鳳姐:「你今兒怎麼樣?」鳳姐兒道:「太太只管請回去,我須得先理出一個頭緒來,才回去得呢。」王夫人聽說,便先同邢夫人等回去,不在話下。   這裡鳳姐兒來至三間一所抱廈內坐了,因想:頭一件是人口混雜,遺失東西;第二件,事無專責,臨期推委;第三件,需用過費,濫支冒領;第四件,任無大小,苦樂不均;第五件,家人豪縱,有臉者不服鈐束,無臉者不能上進。此五件實是寧國府中風俗。不知鳳姐如何處治,且聽下回分解。

  正是:     金紫萬千誰治國,裙釵一二可齊家。

注释

auf dem Lande in der Nähe der Ahnengräber recht viele Häuser und Äcker zu kaufen, damit sämtliche Kosten für die Ahnenopfer und den Schulbetrieb allein hieraus bestritten werden können. Dort sollte auch die Familienschule eingerichtet werden. Die ganze Sippe, alt und jung, sollte gemeinsam Regeln aufstellen, nach denen dann jeder Haushalt jeweils ein Jahr lang für die Äcker und die Einkünfte, die Ahnenopfer und den Schulbetrieb verantwortlich ist. Wenn die Verantwortung so reihum geht, kann es weder Vormachtstreben geben noch solchen Mißbrauch wie Verpfändung oder Verkauf. Und wenn sich die Sippe einmal etwas zuschulden kommen läßt, kann alles beschlagnahmt werden, nicht aber der Besitz, aus dem die Ahnenopfer bestritten werden. So könnten selbst im Falle der Not die Söhne und Enkel zu Hause studieren und die Äcker bestellen und hätten so eine Zuflucht. Die Ahnenopfer aber wären auf ewig gesichert. Nur die heutige Pracht zu sehen und zu glauben, sie sei unerschöpflich, und deshalb brauche man nicht an später zu denken, ist kein Mittel, die Zukunft zu sichern. Wie es aussieht, steht in naher Zukunft ein außerordentlich glückliches Ereignis ins Haus, und es wird dabei so üppig zugehen, daß man mit Fug und Recht sagen kann: ‚Das Fett wird auf loderndem Feuer gekocht, frische Blumen werden auf den Brokat gestreut.‘ Aber Ihr müßt wissen, das ist nur ein flüchtiger Glanz und eine kurze Lust. Auf keinen Fall dürft Ihr das Sprichwort vergessen: ‚Auch das prächtigste Fest geht zu Ende.‘ Wer sich nicht rechtzeitig Gedanken um die Zukunft macht, dessen Reue ist umsonst, wenn es erst soweit ist.“ „Und was für ein glückliches Ereignis wird das sein?“ fragte Hsi-fëng rasch. „Die Geheimnisse des Himmels dürfen nicht durchsickern“, beschied sie Frau Tjin. „Aber weil wir uns immer gut miteinander verstanden haben, will ich Euch zum Abschied noch zwei Verszeilen verehren, die Ihr Euch merken müßt.“ Und sie rezitierte: „Alle Blumen verwelken nach dreifachem Lenz, suche nur ein jeder für sich selbst einen Weg!“ Als Hsi-fëng eben noch etwas fragen wollte, wurde sie durch vier aufeinanderfolgende Schläge auf die wolkenförmige Bronzeklangplatte am Innentor aufgeschreckt, und es wurde gemeldet: „Die Gattin von Herrn Jung im Ostanwesen ist entschlafen.“ Hsi-fëng erschrak so sehr, daß ihr am ganzen Körper der kalte Schweiß ausbrach. Eine Zeitlang saß sie völlig benommen da, aber dann zog sie rasch die Kleider über und ging zu Dame Wang. Inzwischen hatte die ganze Familie die Nachricht erfahren, die bei jedermann Verwunderung und einige Zweifel hervorrief. Die Älteren dachten daran, wie kindlich gehorsam Frau Tjin immer gewesen war, die Gleichaltrigen, wie nett und herzlich sie gewesen war, die Jüngeren, wie mild und gütig sie gewesen war. Und vom Gesinde dachte jung und alt daran, wie mitfühlend und barmherzig sie immer zu den Armen und Geringen gewesen war, wie freundlich und wohltätig gegenüber Greisen und Kindern. Da war niemand, der nicht traurig geklagt und schmerzlich geweint hätte. Aber wir wollen keine unnötigen Worte darum machen. Als Dai-yü die Reise angetreten hatte, war Bau-yü einsam und verstört zurückgeblieben und hatte seitdem mit niemandem mehr gescherzt und gelacht. Wenn es Abend wurde, schlief er immer unter Tränen ein. Als er jetzt durch die Nachricht aus dem Traum geschreckt wurde, Frau Tjin sei gestorben, sich hastig herumdrehte und aufsetzte, hatte er das Gefühl, sein Herz werde mit einem Messer durchbohrt, und mit einem gurgelndem Laut spie er einen Mundvoll Blut aus. Hals über Kopf stürzte Hsi-jën mit den anderen zu ihm, legte den Arm um ihn, fragte, was ihm sei, und wollte sogleich der Herzoginmutter davon berichten, damit ein Arzt geholt wurde. Aber Bau-yü sagte lächelnd: „Nicht nötig! Das hat nichts zu besagen. Das Feuer der Aufregung ist mir aufs Herz geschlagen, da ist das Blut nicht in seine Bahn zurückgekehrt.“ Damit stand er auf und verlangte seine Kleider, um sich anzuziehen und bei der Herzoginmutter um die Erlaubnis zu bitten, sich ins Ning-guo-Anwesen begeben zu dürfen. Hsi-jën war durch seine Worte zwar nicht beruhigt, aber sie wagte nicht, ihn aufzuhalten, und ließ ihn gewähren. Als dann die Herzoginmutter seine Bitte vernahm, sagte sie: „Der Ort, an dem eben ein Mensch seinen letzten Atem ausgehaucht hat, ist unrein. Außerdem ist jetzt in der Nacht der Wind zu stark. Wenn du morgen früh gehst, ist das auch nicht zu spät.“ Doch wie hätte Bau-yü ihr nachgeben können! Also befahl die Herzoginmutter, einen Wagen anzuspannen, und gab Bau-yü ein reichliches Gefolge mit, das auf ihn achtgeben sollte. Als sie zum Ning-guo-Anwesen kamen, standen die Tore offen und waren von beiden Seiten mit Laternen taghell erleuchtet. Aufgeregt liefen Menschen hin und her, und das Heulen, das aus dem Hause drang, hätte Berge erschüttern können. Bau-yü stieg aus dem Wagen und lief rasch in das Zimmer, wo die Tote aufgebahrt lag. Nachdem er hier eine Zeitlang bitterlich geweint hatte, ging er zu Frau You, die eben unter Magenschmerzen, ihrer üblichen Krankheit, litt und deshalb das Bett hütete. Dann ging er zu Djia Dschën. Hier waren inzwischen auch Djia Dai-ju, Djia Dai-hsiu, Djia Tschï, Djia Hsiau, Djia Dun, Djia Schë, Djia Dschëng, Djia Dsung, Djia Biän, Djia Hëng, Djia Guang, Djia Tschën, Djia Tjiung, Djia Lin, Djia Tjiang, Djia Tschang, Djia Ling, Djia Yün, Djia Tjin, Djia Dsën, Djia Ping, Djia Dsau, Djia Hung, Djia Fën, Djia Fang, Djia Lan, Djia Djün und Djia Dschï eingetroffen. Tränenüberströmt sagte Djia Dschën gerade: „Die ganze Familie, groß und klein, nahe und ferne Verwandte, Freunde und Bekannte, jeder wußte, daß meine Schwiegertochter zehnmal besser war als mein Sohn. Jetzt ist sie von uns gegangen, und damit ist die ältere Linie unserer Familie zum Aussterben verurteilt.“ Und wieder brach er in Tränen aus. „Nachdem sie einmal aus der Welt geschieden ist, haben Tränen auch keinen Sinn“, redete man ihm zu. „Wichtiger ist es, darüber zu beraten, wie sie beigesetzt werden soll.“ „Wie sie auch beigesetzt wird, mehr als meinen Besitz kann es nicht kosten!“ sagte Djia Dschën und schlug klagend die Hände zusammen. In diesem Moment trafen auch Tjin Yä und Tjin Dschung sowie mehrere Verwandte von Frau You ein, unter ihnen Frau Yous Schwestern. Djia Dschën befahl Djia Tjiung, Djia Tschën, Djia Lin und Djia Tjiang, sie sollten sich den Gästen widmen, außerdem ordnete er an, es solle zum Sterndeuterbüro des Kaiserlichen Astronomieamts geschickt werden, um einen glückverheißenden Tag auswählen zu lassen. Der Tag wurde ausgewählt, die Tote sollte sieben mal sieben Tage zu Hause aufgebahrt bleiben, und die Trauerzeit sollte am dritten Tag beginnen. Gleichzeitig sollte die Trauernachricht verbreitet werden. In den neunundvierzig Tagen sollten einhundertundacht Mönche der Tschan-Sekte in der Empfangshalle das Sutra der Großen Barmherzigkeit verlesen, um die Seele der Toten zusammen mit den Seelen der vor und nach ihr Verstorbenen zur Erlösung zu geleiten. Außerdem sollte im Turm des Himmelsduftes ein Altar errichtet werden, wo neunundneunzig Dauisten der Wahren Richtung in den neunundvierzig Tagen für die Befreiung der Toten von ihren Sünden beten sollten. Aufgebahrt werden sollte die Tote im Garten der Gesammelten Düfte, wo noch einmal je fünfzig hohe buddhistische und dauistische Priester alle sieben Tage an einem Altar vor dem Sarg heilige Texte lesen sollten. Als Djia Djing erfuhr, die Frau seines ältesten Enkels sei gestorben, war er nicht bereit, nach Hause zurückzukehren und sich wieder mit dem ‚roten Staub‘ der Alltagswelt zu beschmutzen, denn er wußte, daß er selbst bald zu den Unsterblichen aufsteigen würde, und wollte nicht alle Verdienste, die er sich bereits erworben hatte, wieder zunichte machen. Darum bekümmerte er sich nicht im geringsten um die Bestattung und verließ sich ganz auf Djia Dschën. Als Djia Dschën merkte, daß er von seiten seines Vaters freie Hand hatte, wurde er vollends zum Verschwender. Beim Aussuchen der Bretter waren ihm verschiedene Partien Spießtannenholz nicht gut genug. Aber da kam eben Hsüä Pan auf Trauerbesuch, und als er hörte, Djia Dschën sei auf der Suche nach gutem Holz, sagte er: „In unserer Holzhandlung liegt eine Partie Bretter aus so einem ‚Mastbaumholz‘, das aus den Tiän-wang-schan-Bergen am Huang-Meer PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT stammt. Ein Sarg aus solchem Holz verrottet auch in zehntausend Jahren nicht. Dieses Holz hatte seinerzeit noch mein Vater mitgebracht. Ursprünglich hatte der alte Prinz I-dschung es haben wollen, aber weil ihm dann sein Malheur passierte, PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT konnte er es nicht nehmen. Es liegt bei uns noch immer unter Verschluß, und der Preis dafür ist so hoch, daß niemand es sich leisten kann. Wenn Ihr es haben wollt, lassen wir es herschaffen, und damit hat sich die Sache!“ Als Djia Dschën das hörte, kannte seine Freude keine Grenze. Er schickte Leute, die das Holz holten, und alle sahen es sich an. Die Seiten- und Bodenbretter waren je acht Tsun stark, in der Maserung glich das Holz dem der Betelnußpalme, sein Geruch erinnerte an Sandelholz oder Moschus, und wenn man dagegenklopfte, tönte es „kling, klang!“ wie Gold oder Jade. Alle staunten darüber und spendeten reichlich Lob.

Djia Juee fällt auf Hsi-Fëng herein und erhält eine Abreibung. Aus: Jinyuyuan 1889b. Lächelnd fragte Djia Dschën nach dem Preis, und Hsüä Pan antwortete, ebenfalls lächelnd: „So etwas bekommt man auch für tausend Liang Silber nirgends zu kaufen. Was soll also der Preis? Gebt ihnen ein paar Liang Lohn für die Arbeit, dann ist es recht!“ Djia Dschëns Dank fand kein Ende, und er befahl, man solle das Holz zurechtsägen, leimen und lackieren.

„So ein Holz ist, fürchte ich, nichts für einfache Leute!“ gab Djia Dschëng zu bedenken. „Wenn man sie in einem Sarg aus bestem Spießtannenholz begraben würde, wäre das auch genug.“ Aber nie wäre Djia Dschën imstande gewesen, auf ihn zu hören, da er am liebsten selber gestorben wäre, wenn er Frau Tjin dadurch hätte wieder lebendig machen können!

Dann wurde auf einmal bekannt, eines der Sklavenmädchen von Frau Tjin namens Juee-dschu habe sich angesichts des Todes ihrer Herrin das Leben genommen, indem sie sich an einer Säule den Kopf einrannte. Die ganze Sippe war voll Bewunderung über diesen seltenen Fall, und Djia Dschën ließ die Sklavin einsargen, wie es die Regel für eine Enkeltochter vorschreibt, und den Sarg mit in der Halle des Aufstiegs zu den Unsterblichen im Garten der Gesammelten Düfte aufstellen. Weil Frau Tjin keine Kinder geboren hatte, wollte das Sklavenmädchen Bau-dschu als Adotivtochter dienen und schwor, sie sei der Aufgabe gewachsen, den Tontopf zu zerschmettern PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT und dem Sarg voranzugehen. Djia Dschën war unendlich froh darüber und befahl, Bau-dschu solle künftig mit ‚Fräulein‘ angeredet werden. Wie es die Trauerriten von einer unverheirateten Tochter verlangen, wehklagte Bau-dschu vor dem Sarg, als ob ihr das Herz brechen wollte. Sämtliche Sippenangehörigen und alle Leute vom Hausgesinde verhielten sich in der herkömmlichen Weise, die niemand eigenmächtig zu verletzen wagte. Djia Dschën war bei dem Gedanken, daß Djia Jung nur den Titel eines Studenten der Reichsuniversität führte, der sich auf der Trauerfahne und dem Altaranschlag nicht eben großartig ausnehmen würde und der ihn nur zu wenigen Ranginsignien berechtigte, nicht besonders wohl zumute. Aber der Zufall wollte es, daß am vierten der ersten sieben Trauertage erst Opfergeschenke des Hofmeisters des Palastes der Großen Klarheit, des Eunuchen Dai Tjüan, gebracht wurden und dann dieser selbst in einer großen Sänfte kam, von Ehrenschirmträgern und Gongschlägern begleitet, um das Opfer zu vollziehen. Djia Dschën beeilte sich, ihn zu begrüßen, und bat ihn ins Gemach des Bienenlockens, wo er ihm Tee vorsetzte. Djia Dschëns Entschluß stand bereits fest, darum sagte er beiläufig, er wünsche, für Djia Jung einen höheren Rang zu erwerben. „Wohl damit das Begräbnis etwas prächtiger wird?“ fragte Dai Tjüan mit einem verständnisvollen Lächeln. Ebenfalls lächelnd, erwiderte Djia Dschën: „Ihr habt es getroffen, Herr Hofmeister!“ „Da habt Ihr aber Glück!“ sagte Dai Tjüan. „Es ist gerade ein schöner Posten frei. Zwei von den dreihundert Offiziersstellen der kaiserlichen Palastwache sind zur Zeit unbesetzt. Gestern war Alt Drei, der Bruder des Fürsten Hsiang-yang, bei mir und bat mich um eine der Stellen. Heute hat er mir eintausendfünfhundert Liang Silber dafür ins Haus gebracht. Wie Ihr wißt, bin ich ein alter Freund der Familie, und so habe ich – was sonst auch immer sein möge – seinem Großvater zuliebe ohne Bedenken zugesagt. Um die restliche offene Stelle bat mich ganz unverhofft der Kommandant von Yung-hsing, der dicke Fëng, für seinen Sohn, aber ich hatte noch keine Zeit, ihm zu antworten. Wenn Ihr diese Stelle für Euren Sohn haben wollt, schreibt mir nur schnell seine Ahnenliste auf!“ Als Djia Dschën das hörte, ordnete er sogleich an, den Leuten im Schreibzimmer schnellstens aufzutragen, sie sollten die Ahnenliste des jungen Herrn in würdiger Form niederschreiben. Ein Sklavenjunge ging ohne zu verweilen fort und kam bald darauf mit einem roten Blatt Papier zurück. Djia Dschën sah es durch, um es dann Dai Tjüan zu reichen, der darauf folgendes las: ‚Djia Jung, zwanzig Jahre alt, Student der Reichsuniversität aus dem Kreis Djiang-ning, Präfektur Djiang-ning. Urgroßvater: Djia Dai-hua, ehemals Kommandant der hauptstädtischen Garnison, Erbmarschall erster Klasse mit dem Ehrentitel Schën-wee. Großvater: Djia Djing, Djin-schï des Jahrgangs I-mau. PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT Vater: Djia Dschën, Erbmarschall dritter Klasse mit dem Ehrentitel Wee-liä.‘ Als Dai Tjüan zu Ende gelesen hatte, zog er seine Hand wieder zurück, gab das Blatt einem Sklavenjungen seines Vertrauens zur Aufbewahrung und sagte dazu: „Wenn wir zu Hause sind, bringst du das zum alten Dschau, dem Finanzminister, und sagst ihm, ich ließe grüßen, er möchte dir bitte das Amtszeichen für einen Offizier der kaiserlichen Palastwache im fünften Beamtenrang aushändigen und dazu eine Urkunde mit den Angaben, die er aus dieser Ahnenliste übertragen lassen soll. Ich käme morgen selbst, um das Silber zu bringen.“ Der Knabe sagte „Jawohl!“, und nun verabschiedete sich Dai Tjüan. Djia Dschën versuchte mit allen Mitteln, ihn noch zum Bleiben zu bewegen, aber ohne Erfolg. Also hatte er keine andere Wahl, als ihn bis zum Außentor hinauszubegleiten. Als Dai Tjüan dort eben in seine Sänfte steigen wollte, fragte Djia Dschën noch: „Soll ich das Silber selbst ins Ministerium bringen, oder soll ich es mit in Eure Residenz bringen?“ „Wenn Ihr es ins Ministerium bringt, habt Ihr einen Verlust dabei“, sagte Dai Tjüan. „Das Beste ist, Ihr wiegt genau eintausendzweihundert Liang ab und bringt sie mir, damit ist die Sache erledigt!“ Djia Dschën bedankte sich in einem fort und sagte: „Wenn die Trauerperiode zu Ende ist, werde ich selbst meinen Köter von Sohn in Eure Residenz führen, damit er zum Dank seinen Stirnaufschlag vor Euch macht!“ Und damit grüßte er zum Abschied. Aber schon waren wieder Rufe zu hören, die Straße frei zu machen. Es war die Gemahlin von Schï Ding, dem Fürsten Dschung-djing, die da kam. Kaum hatten Dame Wang, Dame Hsing und Hsi-fëng sie begrüßt und in den Hauptraum geführt, als Opfergeschenke der Fürsten Djin-hsiang und Tschuan-ning sowie des Grafen Schaou-schan vor dem Sarg abgestellt wurden, und bald darauf entstiegen diese drei ihren Sänften. Djia Dschën führte sie rasch in die Empfangshalle. So herrschte ein ununterbrochenes Kommen und Gehen von Verwandten und Freunden – unmöglich, sie alle aufzuzählen. Die ganzen neunundvierzig Tage lang wogte ein Strom von Verwandten in weißer Trauerkleidung und Beamten in bunten Amtsroben die Straße, die zum Ning-guo-Anwesen führte, auf und ab. Am Tage darauf legte Djia Jung auf Befehl von Djia Dschën seine Festtagsgewänder an und ging die Belege für seine Ernennung abholen. Sowohl die Insignien vor dem Sarg als auch die übrigen Gegenstände wurden durch solche ersetzt, die für einen Beamten der fünften Rangstufe PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT vorgesehen sind. Der Papierstreifen auf der provisorischen Seelentafel erhielt die Aufschrift ‚Hier hat die Seele der Frau Tjin, Gattin eines Beamten der fünften Rangstufe aus der durch kaiserliche Huld belehnten Sippe der Djias, ihren Platz.‘ Das auf die Straße führende Haupttor des Gartens der Gesammelten Düfte wurde geöffnet, und sogleich wurden beiderseits davon Orchesterstände aufgebaut, wo zwei Gruppen von Musikanten zu festgelegten Zeiten spielten. Die Ranginsignien waren paarweise mit peinlicher Genauigkeit aufgestellt. Außerdem ragten vor dem Tor zwei zinnoberrote Tafeln auf, die in großen goldenen Schriftzeichen die Inschrift trugen: ‚Offizier der kaiserlichen Palastwache, Hüter der Wege in der Verbotenen Stadt‘. Den Tafeln gegenüber erhob sich ein hoher Altar, vor dem die Buddhisten- und Dauistenpriester ihren Anschlag angebracht hatten, auf dem es in großer Schrift hieß: ‚Zur Trauerfeier der Frau Tjin, Gattin eines Offiziers der kaiserlichen Palastwache und Hüters der Verbotenen Stadt im fünften Beamtenrang aus der Sippe der Djias, des ältesten Enkels des Erbherzogs Ning-guo, bringen im Zentrum der vier Kontinente, dem im Auftrag des Himmels regierten Reiche des Friedens, der Direktor der Zentralen Buddhistenkanzlei Wan Hsü, oberster Leiter der Lehre vom Nichts und der Stille, sowie der Direktor der Zentralen Dauistenkanzlei Yä Schëng, oberster Leiter der Lehre vom Ureinen und Dreifach-Einen, dem Himmel und Buddha ehrfürchtig ihre Gebete dar und bitten die Götter aller Tempel und die diensttuenden Geister, ihre heilige Gnade breit zu gewähren und ihre göttliche Macht weit zu entfalten, damit die Seele in neunundvierzig Tagen von ihren Sünden gereinigt wird und die zu Wasser und zu Lande Gestorbenen Ruhe finden...‘ Der Text ging noch weiter, aber er kann hier nicht in aller Ausführlichkeit wiederholt werden. So waren Djia Dschëns Wünsche zwar in Erfüllung gegangen, aber da Frau You in den inneren Gemächern mit ihrem alten Leiden krank darniederlag und sich um nichts kümmern konnte, fürchtete er, von den Leuten ausgelacht zu werden, wenn es beim Empfang der Beamtengattinnen zu einem Verstoß gegen die Riten kommen würde, und dieser Gedanke bereitete ihm Unbehagen. Da fragte Bau-yü, der eben neben ihm saß: „Alles scheint doch so zu sein, wie es sein soll, was bedrückt dich noch, Vetter?“ Und Djia Dschën sagte ihm, daß er niemanden habe, der in den inneren Gemächern nach dem Rechten sehen könne. „Wo ist da die Schwierigkeit?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Ich werde dir jemand empfehlen, der für einen Monat die Leitung übernehmen kann und bestimmt alles richtig macht.“ „Wer ist das?“ fragte Djia Dschën sofort. Angesichts der vielen Verwandten und Freunde, die mit im Raum waren, konnte Bau-yü es ihm nicht gut offen sagen, darum beugte er sich näher zu ihm und flüsterte ihm ein paar Sätze ins Ohr. Als Djia Dschën sie gehört hatte, kannte seine Freude keine Grenze, er erhob sich eilig und sagte lächelnd: „Das ist wirklich die Richtige, sofort gehe ich hin!“ Damit zog er Bau-yü hinter sich her, verabschiedete sich von den Gästen und begab sich in den Hauptraum. Zufällig war gerade keiner der großen Trauertage, und so waren nur wenige Gäste anwesend. In den inneren Gemächern saßen nur einige Frauen aus der engeren Verwandtschaft, denen Dame Hsing, Dame Wang, Hsi-fëng und noch ein paar weibliche Familienangehörige Gesellschaft leisteten. Als gemeldet wurde, der gnädige Herr komme, erschraken die Besucherinnen so sehr, daß sie mit einem Aufschrei in den Innenraum stürzten, um sich dort zu verbergen. Einzig Hsi-fëng erhob sich gelassen von ihrem Sitz. Djia Dschën kränkelte in den letzten Tagen ebenfalls ein wenig, außerdem war der Kummer zuviel für ihn, darum kam er auf einen Stock gestützt hereingehinkt. „Du fühlst dich nicht wohl und hast jetzt jeden Tag so viele Sorgen, da solltest du dich besser ausruhen, anstatt hierher zu kommen“, empfing ihn Dame Hsing. Djia Dschën umklammerte seinen Stock und versuchte niederzuknien, um Gruß und Dank zu äußern, aber Dame Hsing befahl Bau-yü rasch, ihm aufzuhelfen, und ordnete an, daß ein Stuhl gebracht wurde. Aber Djia Dschën wollte sich auf keinen Fall setzen. Er zwang sich zu einem Lächeln und sagte: „Es hat seinen Grund, daß ich hierher komme. Ich möchte die Tanten und die Schwägerin um etwas bitten.“ „Was ist es?“ fragte Dame Hsing sogleich. „Ihr wißt es ja, Tante“, sagte Djia Dschën, „die Frau Eures Großneffen ist entschlafen, und ausgerechnet jetzt muß auch die Frau Eures Neffen krank darniederliegen, so daß in den inneren Gemächern wirklich Unordnung herrscht. Wenn sich die Schwägerin herablassen wollte, hier einen Monat lang nach dem Rechten zu sehen, würde ich beruhigt sein.“ „Das ist es also!“ sagte Dame Hsing lächelnd. „Deine Schwägerin gehört aber zum Haushalt deiner zweiten Tante, also mußt du mit ihr darüber sprechen.“ Da sagte Dame Wang bereits: „Ein Kind wie sie ist doch diesen Dingen gar nicht gewachsen! Wenn sie nicht damit zu Rande kommt, werden die Leute lachen. Besser, du bemühst jemand anders!“ Aber Djia Dschën erwiderte lächelnd: „Ich kann mir schon denken, was Ihr befürchtet, Tante! Ihr habt Angst, es wäre zu anstrengend für sie. Ihr meint, sie sei dem nicht gewachsen, aber sie es ist, ich verbürge mich dafür. Und wenn sie einmal eine Kleinigkeit falsch macht, wird es für die andern doch immer noch richtig aussehen. Von klein auf ist die Schwägerin bei aller Liebe zum Spaß eine resolute Kämpfernatur, und seit sie verheiratet ist und drüben bei Euch im Haushalt hilft, hat sie genug Übung und Erfahrung gewonnen. Ich habe tagelang darüber nachgedacht, außer ihr kommt niemand in Frage. Wenn Ihr nicht Eurem Neffen und seiner Frau zuliebe zustimmen wollt, Tante, dann tut es der Toten zuliebe!“ Bei diesen Worten stürzten ihm Tränen aus den Augen. Dame Wangs heimliche Sorge war es, Hsi-fëng, die noch keine Erfahrung mit Trauerfällen hatte, könnte damit nicht fertig werden und würde sich zum Gespött der Leute machen. Als sie jetzt sah, wie flehentlich Djia Dschën darum bat, war sie schon halb erweicht, aber noch saß sie da und blickte Hsi-fëng gedankenverloren an. Hsi-fëng ihrerseits kannte kein größeres Vergnügen, als alle möglichen Angelegenheiten unter ihre Obhut zu nehmen und sich mit ihrer Begabung und ihrer Tüchtigkeit hervorzutun. Den Haushalt führte sie einwandfrei, aber weil sie ein größeres Ereignis wie eine Hochzeit oder einen Trauerfall noch nicht hatte leiten können, fürchtete sie, die Leute seien noch nicht ganz von ihr überzeugt, und hatte deshalb auf so etwas nur gewartet. Als jetzt Djia Dschën kam, frohlockte sie innerlich. Und nachdem sie gesehen hatte, wie Dame Wang erst ablehnte, dann aber durch Djia Dschëns Aufrichtigkeit angerührt wurde, sagte sie: „Stimmt doch zu, gnädige Frau, wenn der Schwager so inständig darum bittet!“ „Wirst du es können?“ fragte Dame Wang leise. „Was ist denn schon dabei?“ entgegnete Hsi-fëng. „Was an wichtigen Dingen vor den Augen der Öffentlichkeit zu erledigen ist, besorgt Schwager Dschën. Ich soll ja nur auf die inneren Gemächer ein Auge haben. Und wenn ich etwas nicht weiß, werde ich Euch fragen. So muß es doch gehen!“ Dame Wang erkannte, daß Hsi-fëng recht hatte, und sagte nichts weiter. Als Djia Dschën sah, daß Hsi-fëng einverstanden war, lächelte er wieder und sagte: „Viel ist es nicht, worum ich mich kümmern kann. Jedenfalls wird es eine Last für Euch sein, worum ich Euch bitte. Jetzt will ich Euch hier meinen Gruß entbieten, und wenn die Sache abgeschlossen ist, komme ich noch ins Jung-guo-Anwesen hinüber, um Euch meinen Dank abzustatten.“ Und schon legte er seine Hände zusammen und verneigte sich ein Mal ums andere. Sein Gruß wurde von Hsi-fëng jedesmal erwidert. Nun holte Djia Dschën eine Hausmarke des Ning-guo-Anwesens aus seinem Ärmel hervor und befahl Bau-yü, sie Hsi-fëng zu geben. Dazu sagte er: „Macht nur alles, wie Ihr selbst es für richtig haltet, Schwägerin! Wenn Ihr etwas braucht, zeigt diese Marke vor und laßt es Euch geben, ohne mich erst zu fragen! Setzt Euch bitte nur nicht in den Kopf, sparsam mit meinem Geld umzugehen, denn das Wichtigste ist, daß alles gefällig aussieht! Im übrigen müßt Ihr mit den Leuten so umgehen, wie Ihr es drüben im Jung-guo-Anwesen tut, habt keine Angst, daß Euch jemand gram darum sein könnte! Das sind die beiden einzigen Bitten, die ich habe, in bezug auf alles andere bin ich unbesorgt.“ Hsi-fëng wagte nicht, die Hausmarke ohne weiteres anzunehmen, und blickte erwartungsvoll auf Dame Wang, bis diese sagte: „Nun sieh schon hier nach dem Rechten, wenn dein Schwager es so haben will! Triff aber keine eigenmächtigen Entscheidungen dabei, sondern schick jemand zu deinem Schwager oder zu seiner Frau, um zu fragen, wenn etwas ist! Denk daran!“ Schon hatte Bau-yü Djia Dschën die Marke abgenommen und drückte sie Hsi-fëng in die Hand. Da fragte Djia Dschën noch: „Wollt Ihr hier wohnen, Schwägerin, oder jeden Tag herüberkommen? Tag für Tag hin- und herzufahren würde die Sache nur noch anstrengender für Euch machen, darum ist es das beste, ich lasse hier rasch ein Gehöft für Euch herrichten, wo Ihr solange wohnen könnt. Das ist doch bequemer für Euch!“ „Nicht nötig!“ sagte Hsi-fëng lächelnd. „Auch drüben geht es nicht ohne mich. Da ist es besser, ich komme jeden Tag herübergefahren.“ So mußte Djia Dschën diesen Punkt auf sich beruhen lassen. Er sprach dann noch über einige Belanglosigkeiten, und danach ging er wieder. Als sich schließlich auch die Besucherinnen verabschiedet hatten, erkundigte sich Dame Wang bei Hsi-fëng: „Wie willst du es heute machen?“ „Fahrt nur bitte nach Hause, gnädige Frau“, antwortete Hsi-fëng. „Ich muß mich hier erst einmal zurechtfinden, ehe ich nachkommen kann.“ Also fuhr Dame Wang mit Dame Hsing zusammen nach Hause, und es soll jetzt von ihnen nicht weiter die Rede sein. Hsi-fëng aber ging in einen Anbau von drei Säulenzwischenräumen Breite, setzte sich dort hin und dachte nach. „Das erste Problem ist, daß hier eine so gemischte Gesellschaft zusammenlebt, wodurch allerhand abhanden kommt“, überlegte sie. „Das zweite ist, daß niemand seine feste Aufgabe hat und alle Aufträge von Fall zu Fall vergeben werden. Das dritte ist, daß die Aufgaben zu groß sind, daß es Verschwendung und Unterschlagung gibt. Das vierte ist, daß die Aufgaben achtlos vergeben werden, wodurch Freude und Qual ungleich verteilt sind. Das fünfte ist, daß das Gesinde außer Rand und Band ist; wer Ansehen genießt, ist nicht zu bändigen, und wer keines genießt, kommt nicht voran.“ Diese fünf Punkte kennzeichnen wirklich die Zustände, wie sie im Ning-guo-Anwesen herrschten. Wer wissen will, wie Hsi-fëng damit fertig wurde, muß das nächste Kapitel lesen. Wahrlich: Ein Beamtenheer hält das Reich nicht in Zucht, doch ein, zwei Frauen schaffen Ordnung im Haus. 14. In der Stadt Yang-dschou erliegt Lin Ju-hai seinem Leiden, am Wegesrand wird Bau-yü dem Prinzen Bee-djing vorgestellt.

Als der Hauptverwalter des Ning-guo-Anwesens Lai Schëng erfuhr, Hsi-fëng habe die Leitung des Haushalts übertragen bekommen, rief er alle seine Leute zusammen und sagte: „Man hat die Frau des jungen gnädigen Herrn Liän aus dem Westanwesen gebeten, hier die Haushaltsführung zu übernehmen. Wenn sie sich jetzt etwas von uns geben läßt oder etwas zu uns sagt, müssen wir achtsamer sein als sonst. Jeder von uns sollte von nun an morgens früher kommen und abends später gehen! Lieber wollen wir diesen einen Monat lang hart arbeiten und uns nachher davon erholen, als unser Ansehen zu verlieren! Diese junge gnädige Frau ist für ihr heftiges Wesen, für ihre saure Miene und für ihr hartes Herz bekannt. Wenn sie einmal in Wut gerät, ist keine Nachsicht von ihr zu erwarten.“ Alle sagten, er habe recht, und einer bemerkte lächelnd: „Eigentlich hat es der Haushalt bitter nötig, daß sie kommt und hier Ordnung schafft, denn wie es jetzt ist, ist es doch wahrhaftig kein Zustand!“ Als er das eben sagte, kam Lai Wangs Frau mit der Hausmarke in der Hand, um sich Papier geben zu lassen, wie es für Anschläge und für Eingaben benutzt wird. Auf der Empfangsbestätigung, die sie mitbrachte, waren die benötigten Mengen angegeben. Rasch wurde sie gebeten, Platz zu nehmen. Man goß ihr Tee ein und beauftragte jemanden, das Papier in voller Menge zu holen. Dann trug man es ihr noch hinaus bis ans Zeremonialtor und ließ sie es erst von dort aus selbst hineintragen. Hsi-fëng befahl dann Tsai-ming, Hefte anzufertigen, und ließ Lai Schëngs Frau holen, die ihr die Gesindeliste zur Einsicht vorlegen mußte. Anschließend setzte sie fest, daß am frühen Morgen des nächsten Tages alle zum Befehlsempfang erscheinen sollten, und nachdem sie auch noch die Bestandslisten durchgesehen und Lai Schëngs Frau ein paar Fragen gestellt hatte, stieg sie in den Wagen und fuhr nach Hause. Über die Nacht ist nichts zu berichten. Am nächsten Morgen um halb sieben kam sie wieder herüber, und alle Sklavenfrauen aus dem Ning-guo-Anwesen versammelten sich, als sie es erfuhren. Als sie sahen, daß Hsi-fëng gerade mit Lai Schëngs Frau die Arbeit einteilte, wagten sie es nicht, unaufgefordert einzutreten. Sie lauschten, guckten nur verstohlen durchs Fenster und hörten, wie Hsi-fëng eben zu Lai Schëngs Frau sagte: „Indem ich diesen Auftrag übernommen habe, werde ich mich wohl bei euch unbeliebt machen. Ich bin nun einmal nicht so gutmütig wie eure junge Herrin, die euch tun ließ, was ihr wolltet. Und sagt mir nicht, das und das wurde hier bisher soundso gehandhabt, sondern macht es von jetzt an so, wie ich es euch sage. Wenn sich eine von euch auch nur das Geringste zuschulden kommen läßt, werde ich mich nicht darum kümmern, ob sie angesehen ist oder nicht, sondern die Sache aufklären und die Schuldige bestrafen.“ Dann mußte Tsai-ming die Gesindeliste vorlesen, die Sklavenfrauen wurden einzeln hereingerufen, und Hsi-fëng sah sich jede von ihnen an. Nachdem sie alle gesehen hatte, befahl sie: „Diese zwanzig hier werden in zwei Gruppen zu je zehn eingeteilt und sind nur dafür verantwortlich, jeden Tag in den inneren Gemächern aufzupassen, wenn Gäste kommen oder gehen, und ihnen Tee einzuschenken, alles andere geht sie nichts an. Diese zwanzig werden ebenfalls in zwei Gruppen zu je zehn eingeteilt und sind nur dafür verantwortlich, jeden Tag für die Familienangehörigen den Tee und das Essen aufzutragen, und alles andere geht sie nichts an. Diese vierzig werden in zwei Gruppen nur am Sarg Weihrauch anzünden, Lampenöl nachfüllen, Vorhänge aufhängen, die Totenwache halten, den Opferreis und den Opfertee wechseln und mit den Trauernden zusammen Wehklage erheben, mit anderen Dingen haben sie nichts zu tun. Diese vier werden in der Teeküche Schalen, Teller und Teezeug verwalten. Wenn auch nur ein Stück davon fehlt, werden sie es ersetzen. Diese vier werden das Wein- und das Eßgeschirr verwalten und ebenfalls jedes fehlende Stück ersetzen. Diese acht sind ausschließlich für die Entgegennahme von Trauergeschenken verantwortlich. Diese acht werden Lampenöl, Wachskerzen und Opferpapier für alle Räume in ihrer Obhut haben. Ich selbst gehe diese Dinge im ganzen holen und übergebe sie ihnen, dann werden sie in den von mir festgelegten Mengen auf die einzelnen Gebäude verteilt. Diese dreißig haben reihum in den einzelnen Gebäuden Nachtdienst. Sie kontrollieren die Türen, sehen nach Feuern und Lichtern und fegen den Boden aus. Alle übrigen werden auf die einzelnen Räume verteilt, um dort Aufsicht zu führen. Von Möbeln und Antiquitäten bis zu Spucknäpfen, Flederwischen und Besen wird auch die letzte Kleinigkeit, die davon verschwindet oder beschädigt wird, der Aufseherin für den jeweiligen Raum in Rechnung gestellt und von ihr ersetzt. Lai Schëngs Frau wird jeden Tag eine Gesamtkontrolle vornehmen, und wenn etwa eine von euch faulenzen sollte oder sich an Glücksspielen beteiligt, Wein trinkt, sich prügelt oder zankt, wird sie mir sofort gemeldet. Wenn ich feststelle, daß sich eine einen persönlichen Vorteil verschafft, wird

Aus: Jinyuyuan 1889a.

keine verschont, auch wenn sie schon in dritter oder vierter Generation im Hause ist. Jetzt gibt es für alles feststehende Regeln, und wenn irgendwo Unordnung herrscht, werde ich mich an die betreffende Gruppe halten, die dafür verantwortlich ist. In meinem ständigen Gefolge trägt jede eine Uhr bei sich, und für jegliche Sache, ob groß oder klein, gibt es bei mir eine feste Zeit. Schließlich gibt es auch bei euch in allen Haupträumen Uhren. Morgens um halb sieben komme ich und halte Appell, um zehn wird gefrühstückt. Wer sich die Hausmarke geben lassen muß oder Rapport erstatten will, kommt zwischen elf und zwölf zu mir. Abends um sieben, nachdem das Opfergeld für die Nacht abgebrannt ist, gehe ich selbst durch alle Räume und kontrolliere. Wenn ich damit fertig bin, liefert mir der Nachtdienst die Schlüssel ab. Am nächsten Morgen um halb sieben bin ich dann wieder hier. Daß diese Tage schwer für uns werden, versteht sich von selbst, aber wenn sie zu Ende sind, wird euer Herr euch natürlich belohnen.“ Anschließend befahl sie, Tee, Lampenöl, Kerzen, Flederwische, Besen und so weiter in den von ihr festgelegten Mengen auszugeben und solchen Hausrat wie Tischverkleidungen, Stuhltücher, Sitzpolster, Teppiche, Spucknäpfe und Fußbänke zu holen. Beim Ausgeben wurde klar und übersichtlich notiert, wer für welches Gebäude zuständig war und wer welche Materialien empfangen hatte. Von nun an wußte jede Sklavin, wohin sie zu gehen hatte, und es war nicht mehr so wie zuvor, als sich jede nur angenehme Arbeiten aussuchte, und alles, was unbequem war, liegen blieb, weil niemand es übernehmen wollte. Aus den einzelnen Räumen konnte auch nichts mehr im allgemeinen Durcheinander verlorengehen. Obwohl ein ständiges Kommen und Gehen war, blieb es doch überall ruhig, und es konnte auch nicht mehr geschehen, daß eine Sklavin, die eben den Tee servierte, plötzlich das Essen auftragen mußte oder mitten aus dem Wehklagen mit Trauernden weggeholt wurde, um beim Empfang von Gästen dabei zu sein. Solche Übel wie heillose Unordnung und faule Ausflüchte, Drückebergerei und Diebstähle gab es vom nächsten Tag an nicht mehr. Als Hsi-fëng merkte, daß man ihre Macht respektierte und ihre Befehle ausgeführt wurden, war sie innerlich sehr zufrieden. Und weil sie sah, daß Frau You durch ihre Krankheit und Djia Dschën durch seinen übergroßen Schmerz kaum etwas zu sich nahmen, brachte sie jeden Tag nüchterne Reissuppe und ein paar leckere Kleinigkeiten aus dem Jung-guo-Anwesen mit herüber und ließ sie ihnen auftragen, wobei sie den Sklavenfrauen befahl, sie sollten ihnen zureden zu essen. Djia Dschën seinerseits hatte angeordnet, täglich die besten Speisen allein für Hsi-fëng in den Anbau zu schicken. Ohne die Anstrengung zu scheuen, kam Hsi-fëng jeden Morgen um halb sieben ins Ning-guo-Anwesen herüber, hielt Appell und erledigte die Geschäfte. Sie hielt sich nur in dem Anbau auf und gesellte sich nicht zu den jungen Frauen des Hauses. Auch die Besucherinnen begrüßte sie nicht. Am fünften Tag der fünften siebentägigen Trauerperiode war es für die buddhistischen Mönche Zeit, die Erde zu öffnen, die Hölle aufzubrechen, PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT der Seele zu leuchten, dem Höllenkönig aufzuwarten, die Höllenteufel zu binden, den Bodhisattwa Ksitigarbha PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT um Freigabe der Goldenen Brücke zu bitten und mit Fahnen voranzugehen. Die Dauisten hatten gesenkten Hauptes ihre Lobgebete vorzutragen, den Drei Reinen PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT ihren Respekt zu erweisen und dem Jadekaiser PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT ihre fußfällige Verehrung zu bezeugen. Die Mönche der Tschan-Sekte mußten die Weihrauchprozession anführen, die Hungergeister erlösen und das Wassersutra beten, während dreizehn Nonnen in gestickten Gewändern und roten Schuhen vor dem Sarg stumm die Geleitformeln beteten. So würde ein lebhaftes Treiben herrschen. Hsi-fëng wußte, daß an diesem Tag zahlreiche Gäste zu erwarten waren, darum ruhte sie die Nacht über und ließ sich schon früh um vier von Ping-örl wecken. Als sie frisiert war und ihr Gesicht gewaschen hatte, zog sie sich um, wusch sich die Hände, trank ein paar Schlucke Milch und gesüßte Reissuppe, und als sie sich dann noch den Mund gespült hatte, war es bereits halb sieben, und Lai Wangs Frau wartete schon längst mit dem übrigen Gefolge. Hsi-fëng trat vor die Halle und stieg in den Wagen. Vorneweg wurden zwei klare Hornlaternen getragen, auf denen in großen Schriftzeichen ‚Jung-guo-Residenz‘ stand. So fuhr sie langsam zum Ning-guo-Anwesen hinüber. Hier hingen starke Lampen über dem Tor, und zwei Reihen Kandelaber von reiner Farbe erleuchteten alles taghell. Ein Spalier von Dienern in weißer Trauerkleidung stand bis zum Haupteingang, wo sich Hsi-fëngs Sklavenjungen entfernten, während Sklavenfrauen herantraten, um den Vorhang des Wagens zurückzuschlagen. Hsi-fëng stieg aus und stützte sich mit einer Hand auf Fëng-örl. Zwei Sklavenfrauen mit Handlaternen geleiteten sie hinein. Hier kamen ihr die Sklavinnen des Ning-guo-Anwesens entgegen und begrüßten sie. Bedächtig schritt Hsi-fëng bis vor den Sarg in der Halle des Aufstiegs zu den Unsterblichen im Garten der Gesammelten Düfte. Kaum daß sie den Sarg erblickte, liefen ihr die Tränen herab wie Perlen von einer zerrissenen Schnur. Im Hof standen zahlreiche Sklavenjungen mit dienstfertig herabhängenden Armen und warteten darauf, das Opfergeld zu verbrennen. Als Hsi-fëng mit knappen Worten befahl, den Opfertee zu bringen und das Papiergeld anzuzünden, ertönte ein Gongschlag, dann begann die Musik zu spielen. Schon längst war ein großer Lehnstuhl vor den Sarg gestellt worden, jetzt nahm Hsi-fëng darauf Platz und brach in lautes Weinen aus. Alle Anwesenden, Männer und Frauen, hoch und niedrig, fielen eifrig ein und heulten mit. Erst als Djia Dschën und Frau You ein Weilchen später Botinnen schickten, um begütigend auf Hsi-fëng einzureden, hielt sie inne. Lai Wangs Frau reichte ihr Tee, und als sie sich damit den Mund gespült hatte, stand sie auf, verabschiedete sich von den Sippenangehörigen und ging in den Anbau hinüber, wo sie die einzelnen Gruppen der Sklavenfrauen namentlich aufrief. Alle waren da bis auf eine Sklavin aus der Gruppe, die sich um die eintreffenden und aufbrechenden Gäste zu kümmern hatte. Als Hsi-fëng eben befohlen hatte, sie zu holen, kam sie schon ängstlich und verstört herbeigeeilt. „Du bist es also, die zu spät kommen muß!“ sagte Hsi-fëng und lächelte eisig. „Du bist wohl etwas Besseres als die andern, daß du meinen Worten nicht Folge zu leisten brauchst?“ „Ich Unwürdige bin jeden Tag rechtzeitig hier gewesen“, verteidigte sich die Frau. „Aber heute schien es mir noch so früh, als ich aufgewacht war, da bin ich noch einmal eingeschlafen und jetzt einen Augenblick zu spät gekommen. Ich bitte Euch, mein Vergehen dieses eine Mal zu entschuldigen, junge gnädige Frau!“ Während sie das eben sagte, steckte Wang Hsings Frau aus dem Jung-guo-Anwesen den Kopf zur Tür herein. Ohne jene Sklavin zu entlassen, erkundigte sich Hsi-fëng bei Wang Hsings Frau, was sie wolle. In dem Wunsch, recht schnell abgefertigt zu werden, trat Wang Hsings Frau ein und sagte, sie brauche die Hausmarke, um sich Seide geben zu lassen, aus der Ziernetze für Wagen und Sänften geknüpft werden sollten. Bei diesen Worten reichte sie ihr einen Bestellschein. Auf Hsi-fëngs Befehl las Tsai-ming vor, daß zu soundsoviel größeren und kleineren Netzen für zwei große und vier kleine Sänften sowie vier Wagen soundsoviel Djin Perlseide gebraucht würden. Hsi-fëng fand die Mengenangabe angemessen, befahl Tsai-ming, sie einzutragen, und warf Wang Hsings Frau die Hausmarke des Jung-guo-Anwe­sens hin. Als Wang Hsings Frau gegangen war und Hsi-fëng sich eben wieder jener Sklavin zuwenden wollte, kamen noch vier Beauftragte aus dem Jung-guo-Anwesen herein, die ebenfalls etwas holen sollten und die Marke dafür brauchten. Hsi-fëng ließ sie ihre Bestellscheine abgeben, und nachdem sie ihr vorgelesen worden waren, wies sie auf zwei der vier Posten darin und sagte: „Diese beiden Posten sind falsch berechnet, rechnet sie noch einmal richtig aus und kommt dann wieder!“ Damit warf sie ihnen die Scheine hin, und die beiden gingen betreten hinaus. Hsi-fëng sah, daß jetzt Dschang Tsais Frau an der Reihe war und fragte sie: „Was hast du für einen Auftrag?“ Rasch holte Dschang Tsais Frau ihren Bestellschein hervor und berichtete, für jene Wagen und Sänften, von denen eben schon die Rede gewesen war, seien die Vorhänge angefertigt worden, und sie solle soundsoviel Liang Silber als Lohn für den Schneider holen.