Hongloumeng/Chapter 15
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第十五回
王凤姐弄权铁槛寺
秦鲸卿得趣馒头庵
Im Kloster Eiserne Schwelle mißbraucht Hsi-fëng ihre Macht, im Dampfbrötchenkloster findet Tjin Dschung seine Lust.
| 中文原文 (庚辰本) | Deutsche Übersetzung (Schwarz) |
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話說寶玉舉目見北靜王水溶頭上戴著潔白簪纓銀翅王帽,穿著江牙海水五爪坐龍白蟒袍,繫著碧玉紅鞓帶,面如美玉,目似明星,真好秀麗人物。寶玉忙搶上來參見,水溶連忙從轎內伸出手來輓住。見寶玉戴著束髮銀冠,勒著雙龍出海抹額,穿著白蟒箭袖,圍著攢珠銀帶,面若春花,目如點漆。水溶笑道:「名不虛傳,果然如『寶』似『玉』。」因問:「銜的那寶貝在那裡?」寶玉見問,連忙從衣內取了遞與過去。水溶細細的看了,又念了那上頭的字,因問:「果靈驗否?」賈政忙道:「雖如此說,只是未曾試過。」水溶一面極口稱奇道異,一面理好彩絛,親自與寶玉帶上,又攜手問寶玉幾歲,讀何書。寶玉一一答應。 水溶見他言语清楚,談吐有致,一面又向賈政笑道:「令郎真乃龍駒鳳雛,非小王在世翁前唐突,將來『雛鳳清於老鳳聲』,未可諒也。」賈政忙陪笑道:「犬子豈敢謬承金獎。賴藩郡餘禎 ,果如是言,亦蔭生輩之幸矣。」水溶又道:「只是一件,令郎如是資質,想老太夫人、夫人輩自然鐘愛極矣;但吾輩後生,甚不宜鐘溺,鐘溺則未免荒失學業。昔小王曾蹈此轍,想令郎亦未必不如是也。若令郎在家難以用功,不妨常到寒第。小王雖不才,卻多蒙海上眾名士凡至都者,未有不另垂青,是以寒第高人頗聚。令郎常去談會談會,則學問可以日進矣。」賈政忙躬身答應。 水溶又將腕上一串念珠卸了下來,遞與寶玉道:「今日初會,傖促竟無敬賀之物,此系前日聖上親賜鶺鴒香念珠一串,權為賀敬之禮。」寶玉連忙接了,回身奉與賈政。賈政與寶玉一齊謝過。於是賈赦、賈珍等一齊上來請回輿,水溶道:「逝者已登仙界,非碌碌你我塵寰中之人也。小王雖上叩天恩,虛邀郡襲,豈可越仙輀而進也?」賈赦等見執意不從,只得告辭謝恩回來,命手下掩樂停音,滔滔然將殯過完,方讓水溶回輿去了。不在話下。 且說寧府送殯,一路熱鬧非常。剛至城門前,又有賈赦、賈政、賈珍等諸同僚屬下各家祭棚接祭,一一的謝過,然後出城,竟奔鐵檻寺大路行來。彼時賈珍帶賈蓉來到諸長輩前讓坐轎上馬,因而賈赦一輩的各自上了車轎,賈珍一輩的也將要上馬。鳳姐兒因記掛著寶玉,怕他在郊外縱性逞強,不服家人的話,賈政管不著這些小事,惟恐有個失閃,難見賈母,因此便命小廝來喚他。寶玉只得來到他車前。鳳姐笑道:「好兄弟,你是個尊貴人,女孩兒一樣的人品,別學他們猴在馬上。下來,咱們姐兒兩個坐車,豈不好?」寶玉聽說,忙下了馬,爬入鳳姐車上,二人說笑前進。 不一時,只見從那邊兩騎馬壓地飛來,離鳳姐車不遠,一齊躥下來,扶車回說:「這裡有下處,奶奶請歇更衣。」鳳姐急命請邢夫人王夫人的示下,那人回來說:「太太們說不用歇了,叫奶奶自便罷。」鳳姐聽了,便命歇了再走。眾小廝聽了,一帶轅馬,岔出人群,往北飛走。寶玉在車內急命請秦相公。那時秦鐘正騎馬隨著他父親的轎,忽見寶玉的小廝跑來請他去打尖。秦鐘看時,只見鳳姐兒的車往北而去,後面拉著寶玉的馬,搭著鞍籠,便知寶玉同鳳姐坐車,自己也便帶馬趕上來,同入一莊門內。早有家人將眾莊漢攆盡。那莊農人家無多房舍,婆娘們無處迴避,只得由他們去了。那些村姑莊婦見了鳳姐、寶玉、秦鐘的人品衣服,禮數款段,豈有不愛看的? 一時鳳姐進入茅堂,因命寶玉等先出去頑頑。寶玉等會意,因同秦鐘出來,帶著小廝們各處游頑。凡莊農動用之物,皆不曾見過。寶玉一見了鍬、钁、鋤、犁等物,皆以為奇,不知何項所使,其名為何。小廝在旁一一的告訴了名色,說明原委。寶玉聽了,因點頭嘆道:「怪道古人詩上說:『誰知盤中餐,粒粒皆辛苦。』正為此也。」一面說,一面又至一間房屋前,只見炕上有個紡車,寶玉又問小廝們:「這又是什麼?」小廝們又告訴他原委。寶玉聽說,便上來擰轉作耍,自為有趣。只見一個約有十七八歲的村莊丫頭跑了來亂嚷:「別動壞了!」眾小廝忙斷喝攔阻,寶玉忙丟開手,陪笑說道:「我因為沒見過這個,所以試他一試。」那丫頭道:「你們那裡會弄這個,站開了,我紡與你瞧。」秦鐘暗拉寶玉笑道:「此卿大有意趣。」寶玉一把推開,笑道:「該死的!再胡說,我就打了!」說著,只見那丫頭紡起線來。寶玉正要說話時,只聽那邊老婆子叫道:「二丫頭,快過來!」那丫頭聽見,丟下紡車,一徑去了。 寶玉悵然無趣。只見鳳姐兒打發人來叫他兩個進去。鳳姐洗了手,換衣服抖灰,問他們換不換。寶玉不換,只得罷了。家下僕婦們將帶著行路的茶壺茶杯、十錦屜盒、各樣小食端來,鳳姐等吃過茶,待他們收拾完備,便起身上車。外面旺兒預備下賞封,賞了那本村主人,莊婦等來叩賞。鳳姐並不在意,寶玉卻留心看時,內中並沒有二丫頭。一時上了車,出來走不多遠,只見迎頭二丫頭懷裡抱著他小兄弟,同著幾個小女孩子說笑而來。寶玉恨不得下車跟了他去,料是眾人不依的,少不得以目相送,爭奈車輕馬快,一時展眼無蹤。 走不多時,仍又跟上大殯了。早有前面法鼓金鐃,幢幡寶蓋:鐵檻寺接靈眾僧齊至。少時到入寺中,另演佛事,重設香壇。安靈於內殿偏室之中,寶珠安於里寢室相伴。外面賈珍款待一應親友,也有擾飯的,也有不吃飯而辭的,一應謝過乏從公侯伯子男一起一起的散去,至未末時分方纔散盡了。裡面的堂客皆是鳳姐張羅接待,先從顯官誥命散起,也到晌午大錯時方散盡了。只有幾個親戚是至近的,等做過三日安靈道場方去。那時邢、王二夫人知鳳姐必不能來家,也便就要進城。王夫人要帶寶玉去,寶玉乍到郊外,那裡肯回去,只要跟鳳姐住著。王夫人無法,只得交與鳳姐便回來了。 原來這鐵檻寺原是寧榮二公當日修造,現今還是有香火地畝佈施,以備京中老了人口,在此便宜寄放。其中陰陽兩宅俱已預備妥貼,好為送靈人口寄居。不想如今後輩人口繁盛,其中貧富不一,或性情參商,有那家業艱難安分的,便住在這裡了;有那尚排場有錢勢的,只說這裡不方便,一定另外或村莊或尼庵尋個下處,為事畢宴退之所。即今秦氏之喪,族中諸人皆權在鐵檻寺下榻,獨有鳳姐嫌不方便,因而早遣人來和饅頭庵的姑子凈虛說了,騰出兩間房子來作下處。 原來這饅頭庵就是水月庵,因他廟裡做的饅頭好,就起了這個渾號,離鐵檻寺不遠。當下和尚工課已完,奠過晚茶,賈珍便命賈蓉請鳳姐歇息。鳳姐見還有幾個妯娌們陪著女親,自己便辭了眾人,帶著寶玉、秦鐘往水月庵來。原來秦業年邁多病,不能在此,只命秦鐘等待安靈罷了。那秦鐘便只跟著鳳姐、寶玉,一時到了水月庵,凈虛帶領智善、智能兩個徒弟出來迎接,大家見過。鳳姐等來至凈室更衣凈手畢,因見智能兒越發長高了,模樣兒越發出息了,因說道:「你們師徒怎麼這些日子也不往我們那裡去?」凈虛道:「可是這幾天都沒工夫,因胡老爺府里產了公子,太太送了十兩銀子來這裡,叫請幾位師父念三日《血盆經》,忙的沒個空兒,就沒來請奶奶的安。」 不言老尼陪著鳳姐。且說秦鐘、寶玉二人正在殿上頑耍,因見智能過來,寶玉笑道:「能兒來了。」秦鐘道:「理那東西作什麼?」寶玉笑道:「你別弄鬼,那一日在老太太屋裡,一個人沒有,你摟著他作什麼呢?這會子還哄我。」秦鐘笑道:「這可是沒有的話。」寶玉笑道:「有沒有也不管你,你只叫他倒碗茶來我吃,就丟開手。」秦鐘笑道:「這又奇了,你叫他倒去,還怕他不倒?何必要我說呢。」寶玉道: 「我叫他倒的是無情意的,不及你叫他倒的是有情意的。」秦鐘只得說道:「能兒,倒碗茶來給我。」那智能兒自幼在榮府走動,無人不識,因常與寶玉秦鐘頑笑。他如今大了,漸知風月,便看上了秦鐘人物風流,那秦鐘也極愛他妍媚,二人雖未上手,卻已情投意合了。今智能見了秦鐘,心眼俱開,走去倒了茶來。秦鐘笑說:「給我。」寶玉叫:「給我!」智能兒抿著嘴笑道:「一碗茶也爭,我難道手裡有蜜!」寶玉先搶得了,吃著,方要問話,只見智善來叫智能去擺茶碟子,一時來請他兩個去吃茶果點心。他兩個那裡吃這些東西?坐一坐仍出來頑耍。 鳳姐也略坐片時,便回至凈室歇息,老尼相送。此時眾婆娘媳婦見無事,都陸續散了,自去歇息,跟前不過幾個心腹常服侍小婢,老尼便趁機說道:「我下有一事,要到府里求太太,先請奶奶一個示下。」鳳姐因問何事。老尼道:「阿彌陀佛!只因當日我先在長安縣內善才庵內出家的時節,那時有個施主姓張,是大財主。他有個女兒小名金哥,那年都往我廟裡來進香,不想遇見了長安府府太爺的小舅子李衙內。那李衙內一心看上,要娶金哥,打發人來求親,不想金哥已受了原任守備的公子的聘定。張家若退親,又怕守備不依,因此說已有了人家。誰知李公子執意不依,定要娶他女兒。張家正無計策,兩處為難。不想守備家聽了此信,也不管青紅皂白,便來作踐辱罵,說一個女孩兒許幾家,偏不許退定禮,就打官司告狀起來。那張家急了,只得著人上京來尋門路,賭氣偏要退定禮。我想如今長安節度雲老爺與府上最契,可以求太太與老爺說聲,打發一封書去,求雲老爺和那守備說聲,不怕那守備不依。若是肯行,張家連傾家孝順,也都情願。」 鳳姐聽了笑道:「這事倒不大,只是太太再不管這樣的事。」老尼道:「太太不管,奶奶也可以主張了。」鳳姐聽說笑道:「我也不等銀子使,也不做這樣的事。」凈虛聽了,打去妄想,半晌嘆道:「雖如此說,張家已知我來求府里,如今不管這事,張家不知道沒工夫管這事,不希罕他的謝禮,倒像府里連這點子手段也沒有的一般。」 鳳姐聽了這話,便發了興頭,說道:「你是素日知道我的,從來不信什麼是陰司地獄報應的,憑是什麼事,我說要行就行。你叫他拿三千銀子來,我就替他出這口氣。」老尼聽說,喜不自禁,忙說:「有!有!這個不難。」鳳姐又道:「我比不得他們扯篷拉縴的圖銀子。這三千銀子,不過是給打發說去的小廝作盤纏,使他賺幾個辛苦錢,我一個錢也不要他的。便是三萬兩,我此刻也拿的出來。」老尼連忙答應,又說道:「既如此,奶奶明日就開恩也罷了。」鳳姐道:「你瞧瞧我忙的,那一處少了我?既應了你,自然快快的了結。」老尼道:「這點子事,別人的跟前就忙的不知怎麼樣,若是奶奶的跟前,再添上些也不夠奶奶一發揮的。只是俗語說的『能者多勞』,太太因大小事見奶奶妥貼,越發都推給奶奶了,奶奶也要保重金體才是。」一路話奉承的鳳姐越發受用,也不顧勞乏,更攀談起來。 誰想秦鐘趁黑無人,來尋智能。剛至後面房中,只見智能獨在房中洗茶碗,秦鐘跑來便摟著親嘴。智能兒急的跺腳說:「這算什麼!再這麼我就叫喚。」秦鐘求道:「好人,我已急死了。你今兒再不依,我就死在這裡。」智能道:「你想怎樣?除非我出了這牢坑,離了這些人,才依你。」秦鐘道:「這也容易,只是遠水救不得近渴。」說著,一口吹了燈,滿屋漆黑,將智能抱到炕上,就雲雨起來。那智能百般的掙挫不起,又不好叫的,少不得依他了。正在得趣,只見一人進來,將他二人按住,也不則聲。二人不知是誰,唬的不敢動一動。只聽那人嗤的一聲,掌不住笑了,二人聽聲方知是寶玉。秦鐘連忙起來,抱怨道:「這算什麼?」寶玉笑道:「你倒不依,咱們就喊起來。」羞的智能趁黑地跑了。寶玉拉了秦鐘出來道:「你可還和我強?」秦鐘笑道:「好人,你只別嚷的眾人知道,你要怎樣我都依你。」寶玉笑道:「這會子也不用說,等一會睡下,再細細的算帳。」一時寬衣要安歇的時節,鳳姐在裡間,秦鐘寶玉在外間,滿地下皆是家下婆子,打鋪坐更。鳳姐因怕通靈玉失落,便等寶玉睡下,命人拿來塞在自己枕邊。寶玉不知與秦鐘算何帳目,未見真切,未曾記得,此系疑案,不敢纂創。 一宿無話,至次日一早,便有賈母王夫人打發了人來看寶玉,又命多穿兩件衣服,無事寧可回去。寶玉那裡肯回去,又有秦鐘戀著智能,調唆寶玉求鳳姐再住一天。鳳姐想了一想:凡喪儀大事雖妥,還有一半點小事未曾安插,可以指此再住一日,豈不又在賈珍跟前送了滿情;二則又可以完凈虛那事;三則順了寶玉的心,賈母聽見,豈不歡喜?因有此三益,便向寶玉道:「我的事都完了,你要在這裡逛,少不得索性辛苦一日罷了,明兒可是定要走的了。」寶玉聽說,千姐姐萬姐姐的央求:「只住一日,明兒回去的。」於是又住了一夜。 鳳姐便命悄悄將昨日老尼之事,說與來旺兒。來旺兒心中俱已明白,急忙進城找著主文的相公,假托賈璉所囑,修書一封,連夜往長安縣來,不過百里路程,兩日工夫俱已妥協。那節度使名喚雲光,久受賈府之情,這點小事,豈有不允之理,給了回書,旺兒回來。且不在話下。 卻說鳳姐等又過了一日,次日方別了老尼,著他三日後往府里去討信。那秦鐘與智能百般不忍分離,背地裡多少幽期密約,俱不用細述,只得含恨而別。鳳姐又到鐵檻寺中照望一番。寶珠執意不肯回家,賈珍只得派婦女相伴。後回再見。 注释 |
de Ohren in sie verliebt hat und sie heiraten will. Als er aber jemanden schickte, der für ihn um Djin-gës Hand bitten mußte, stellte sich heraus, daß sie bereits mit dem Sohn des ehemaligen Stadtkommandanten von Tschang-an verlobt ist. Aus Furcht vor diesem wagt die Familie Dschang nicht, die Absprache rückgängig zu machen, und sagte nur, ihre Tochter sei bereits verlobt. Das hat aber den jungen Herrn Li von seinem Vorhaben nicht abzubringen vermocht, und er ist fest entschlossen, Djin-gë zu seiner Frau zu machen. Als nun die Familie Dschang keinen Ausweg wußte und beide Seiten in Verlegenheit waren, hat der ehemalige Stadtkommandant von der Sache erfahren, und ohne viel Federlesens ist er gekommen und hat die Dschangs geschmäht und beschimpft, indem er fragte: ‚Mit wieviel Männern kann denn ein Mädchen verlobt sein?‘ Er hat es ganz entschieden abgelehnt, die Verlobungsgeschenke zurückzunehmen, und hat Anzeige erstattet. Da ist die Familie Dschang unruhig geworden und hat jetzt Boten in die Hauptstadt geschickt, um hier Protektion zu suchen. Die Verlobung wollen sie auf jeden Fall lösen. Nun habe ich mir gedacht, wo doch Herr Yün, der Garnisonskommandant der Präfektur Tschang-an, so eng mit Eurer Familie befreundet ist, könnte man die gnädige Frau bitten, mit dem gnädigen Herrn zu sprechen, damit er einen Brief an Herrn Yün schreibt, er solle einmal mit diesem ehemaligen Stadtkommandanten reden, denn dann würde dieser ganz bestimmt nachgeben. Wenn sich das machen ließe, wäre die Familie Dschang gern bereit, aus Dankbarkeit ihr gesamtes Vermögen zu opfern.“ „An sich wäre das keine Schwierigkeit“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Aber die gnädige Frau befaßt sich mit solchen Dingen nicht mehr.“ „Wenn die gnädige Frau sich nicht damit befaßt, könnt ja Ihr es regeln“, sagte die Äbtissin. „Ich bin auf Silber nicht erpicht“, entgegnete Hsi-fëng lächelnd. „Ich mache so etwas nicht.“ Als die Äbtissin Djing-hsü das hörte, ließ sie von der Sache ab, aber eine Weile später sagte sie seufzend: „Ihr sagt das so, aber den Dschangs ist bekannt, daß ich Euch darum bitten wollte. Und da sie nicht wissen, daß Ihr keine Zeit habt, Euch um die Sache zu kümmern, und daß Ihr auf ihren Dank keinen Wert legt, wird es für sie so aussehen, als ob Eure Familie nicht imstande wäre, so eine Kleinigkeit zu regeln.“ Diese Worte verfehlten nicht ihre Wirkung auf Hsi-fëng, und sie sagte: „Du kennst mich ja lange genug und weißt, daß ich an eine Vergeltung in Jenseits und Hölle nicht glaube. Wenn ich von etwas sage, es geht, dann geht es auch. Also bestell den Leuten, sie sollen mir dreitausend Liang Silber bringen, dann will ich für sie den Ärger aus der Welt schaffen!“ Dschï-nëng. Aus: Gai Qi 1879. Jetzt kannte die Freude der Äbtissin keine Grenze, und rasch sagte sie: „Das ist kein Problem, das Silber haben sie!“ „Aber so eine bin ich nicht, die um des Silbers willen Ränke schmiedet“, sagte Hsi-fëng. „Diese dreitausend Liang sind nur die Auslagen für die Diener, die ich dieser Sache wegen losschicken werde. Schließlich muß ja ihre Mühe belohnt werden. Ich selbst will keine einzige Bronzemünze von den Leuten. Wenn es not tut, kann ich dreißigtausend Liang auf den Tisch legen!“ Hastig stimmte ihr die Äbtissin zu und bat: „Würdet Ihr dann morgen so gütig sein, junge gnädige Frau? Dann wäre die Sache geregelt.“ „Du siehst doch, wie beschäftigt ich bin“, sagte Hsi-fëng. „Nirgends kann man auf mich verzichten. Aber wenn ich es dir versprochen habe, werde ich es auch schnell erledigen.“ „Andere Leute würde so eine Kleinigkeit wer weiß was für Mühe kosten“, fuhr die Äbtissin fort, „für Euch aber könnte noch einiges dazukommen, und es wäre noch immer nicht so viel, daß Ihr Euch anstrengen müßtet. Nur sagt das Sprichwort: ‚Wer viel kann, muß viel tun.‘ Die gnädige Frau sieht, daß Ihr großen und kleinen Aufträgen gewachsen seid, also überträgt sie alles Euch, aber Ihr solltet auch auf Eure werte Gesundheit achten!“ Diese Schmeichelei berührte Hsi-fëng so wohltuend, daß sie ihre Müdigkeit vergaß und sich noch weiter ins Gespräch einließ. Inzwischen aber machte sich Tjin Dschung die Dunkelheit und die Stille zunutze und begab sich auf die Suche nach Dschï-nëng. Er fand sie allein in einem der rückwärtigen Räume, wo sie eben das Teegeschirr abwusch. Tjin Dschung eilte auf sie zu, schloß sie in seine Arme und küßte sie auf den Mund. In ihrer Aufregung stampfte Dschï-nëng mit dem Fuß auf und sagte: „Was soll das? Wenn du das noch einmal machst, schreie ich!“ „Liebste, ich sterbe vor Ungeduld!“ flehte Tjin Dschung. „Wenn du mich heute wieder nicht erhörst, komme ich auf der Stelle um!“ „Wie denkst du dir das?“ sagte Dschï-nëng. „Erst muß ich aus diesem Kerker heraus und von diesen Leuten weg sein, ehe ich dir nachgeben kann.“ „Das ist schön und gut“, wandte Tjin Dschung ein, „aber Wasser in der Ferne kann den Durst in der Nähe nicht löschen!“ Damit blies er die Lampe aus, so daß es stockfinster im Raum wurde, und trug Dschï-nëng auf das Ofenbett, wo er das Wolken-und-Regen-Spiel mit ihr zu spielen begann. Trotz aller Anstrengungen gelang es Dschï-nëng nicht, wieder aufzustehen, und da es schlecht anging zu rufen, konnte sie nichts anderes tun, als ihn gewähren zu lassen. Als sie eben ihre Lust hatten, kam plötzlich jemand zur Tür herein und preßte sie beide auf das Ofenbett nieder, ohne ein Wort dabei zu sagen. Da sie nicht wußten, wer es war, wagten sie sich vor Schreck nicht zu rühren. Aber dann lachte der Eindringling prustend los, und an der Stimme erkannten sie Bau-yü. Rasch erhob sich Tjin Dschung und sagte vorwurfsvoll: „Was soll das?“ Aber lachend sagte Bau-yü: „Wenn du nicht gehorchst, rufe ich!“ Die beschämte Dschï-nëng lief im Schutze der Dunkelheit davon, Bau-yü aber zog Tjin Dschung aus dem Raum und fragte: „Willst du es immer noch abstreiten?“ Lächelnd antwortete Tjin Dschung: „Ich mache alles, was du willst, mein Bester, wenn du nur still bist und niemand davon erfährt.“ „Schon gut!“ sagte Bau-yü. „Nach dem Schlafengehen rechnen wir miteinander ab!“ Bald darauf war es Zeit, sich auszukleiden und ins Bett zu gehen. Hsi-fëng schlief im Innenraum, Tjin Dschung und Bau-yü im Vorzimmer. Überall auf dem Fußboden hatten sich die alten Sklavinnen der Familie Lagerstätten bereitet, um Nachtwache zu halten. Hsi-fëng, die befürchtete, Bau-yüs beseelter Jadestein könnte verlorengehen, schickte jemanden den Stein holen, als Bau-yü sich schlafen gelegt hatte, und schob ihn unter ihr eigenes Kissen. Wie Bau-yü mit Tjin Dschung abgerechnet hat, wissen wir nicht. Niemand hat es gesehen, niemand hat es vermerkt. Es ist ein Fall, der wegen Mangels an Beweisen nicht zu klären ist, und etwas erdichten wollen wir nicht. Weiter ist über diese Nacht nichts zu sagen. Am nächsten Tag kamen früh am Morgen Boten von der Herzoginmutter und Dame Wang, um nach Bau-yü zu sehen und ihm zu bestellen, er solle sich warm anziehen und lieber nach Hause kommen, wenn hier nichts weiter zu tun sei. Aber wie hätte wohl Bau-yü dazu bereit sein sollen! Außerdem drängte ihn auch der verliebte Tjin Dschung, er solle Hsi-fëng bitten, noch einen Tag zu bleiben. „Alle wichtigen Trauerriten sind schon vollzogen, aber einige Kleinigkeiten sind doch noch offen“, überlegte Hsi-fëng. „Die könnte man schon zum Anlaß nehmen, um noch einen Tag zu bleiben. Dann hätte ich Djia Dschëns Wunsch bis ins letzte erfüllt. Zum anderen ließe sich die Sache regeln, um die mich Djing-hsü gebeten hat. Und außerdem kann ich noch Bau-yü einen Gefallen damit tun, und wenn die Herzoginmutter das erfährt, freut sie sich.“ Diese drei Vorteile bewogen Hsi-fëng, zu Bau-yü zu sagen: „Ich habe hier nichts weiter zu tun, aber wenn du noch einen Tag länger bleiben möchtest, muß ich die Mühen wohl auf mich nehmen. Morgen aber müssen wir auf jeden Fall abfahren!“ Als Bau-yü das hörte, nannte er sie tausend und Tjin Dschung findet im Dampfbrötchenkloster seine Lust. Aus: Jinyuyuan, 1889a. abertausend Mal ‚liebste Kusine‘ und beteuerte, er wolle ja nur noch diesen einen Tag bleiben, am nächsten Morgen könnten sie in die Stadt zurückkehren. Also verbrachten sie noch eine weitere Nacht im Kloster. Hsi-fëng befahl dann, die Sache, die ihr am Tag zuvor die Äbtissin vorgetragen hatte, in aller Heimlichkeit Lai Wang mitzuteilen. Lai Wang verstand auch, worum es ging, und eilte sofort in die Stadt, wo er dem jungen Mann, der den Schriftwechsel führte, befahl, in Djia Liäns Namen einen Brief aufzusetzen. Dann brach er noch am Abend desselben Tages nach Tschang-an auf, und da die Entfernung nicht mehr als einhundert Li betrug, war schon in zwei Tagen alles erledigt. Yün Guang, der Garnisonskommandant der dortigen Präfektur, der sich schon lange der Freundschaft der Djias erfreute, sah keinen Grund, ihnen die Bitte abzuschlagen. Er schrieb einen Antwortbrief, und Lai Wang machte sich auf den Heimweg. Aber davon soll jetzt nicht weiter die Rede sein. Nachdem Hsi-fëng noch einen Tag im Kloster verbracht hatte, verabschiedete sie sich von der Äbtissin und trug ihr auf, in drei Tagen zu ihr ins Anwesen zu kommen, um sich einen Bescheid zu holen. Tjin Dschung und Dschï-nëng vermochten sich kaum voneinander zu trennen. Heimlich trafen sie mancherlei verstohlene Abrede, die hier nicht wiederholt werden muß, aber dann hieß es, der Not gehorchend, voneinander Abschied nehmen. Hsi-fëng fuhr noch einmal ins Kloster Eiserne Schwelle, um einen letzten Blick auf alles zu werfen. Dort hatte es sich Bau-dschu inzwischen in den Kopf gesetzt, nicht wieder nach Hause zurückzukehren, und so war Djia Dschën gezwungen, ihr Sklavinnen zur Gesellschaft zu schicken. Im weiteren mehr davon! 16. Yüan-tschun wird für ihr Talent in den Phönixmusterpalast aufgenommen, Tjin Dschung muß in der Blüte seiner Jahre den Weg zu den Gelben Quellen antreten. Als Bau-yü sah, daß sein Studierzimmer fertig war, wollte er sich mit Tjin Dschung verabreden, an den Abenden hier zu lernen. Aber Tjin Dschung besaß eine schwächliche Konstitution und hatte sich außerhalb der Stadt ein wenig verkühlt. Und weil er dann noch, anstatt sich zu schonen, immerzu heimlich mit Dschï-nëng zusammen gewesen war, kam er mit Husten und Erkältung zurück, mochte weder essen noch trinken und fühlte sich sehr schwach. Deshalb wagte er sich jetzt nicht aus dem Hause und blieb im Zimmer, um sich zu erholen. Da mußte sich Bau-yü enttäuscht ins Unvermeidliche fügen und warten, bis Tjin Dschung wieder gesund war, um sich dann erst mit ihm zu verabreden. Hsi-fëng hatte mittlerweile den Antwortbrief von Yün Guang bekommen, der besagte, es sei alles geregelt. Die alte Äbtissin teilte es der Familie Dschang mit, und tatsächlich nahm der ehemalige Stadtkommandant die Verlobungsgeschenke mit verhaltenem Zorn zurück. Aber ganz wider Erwarten zeigte es sich, daß die Dschangs, die nur nach Macht und Reichtum strebten, eine pflichtbewußte, gefühlvolle Tochter hatten. Nachdem sie erfahren mußte, ihre Eltern hätten die ursprünglich getroffene Verlobung gelöst, nahm sie einen Strick und erhängte sich damit in aller Stille. Als der Sohn des ehemaligen Stadtkommandanten hörte, Djin-gë habe sich umgebracht, erwies er sich als nicht weniger gefühlvoll und ertränkte sich im Fluß, um hinter der Rechtschaffenheit seiner Verlobten nicht zurückzustehen. Nun waren die Familien Dschang und Li enttäuscht, denn das Mädchen und das Geld waren gleichermaßen verloren. Hsi-fëng aber war, ohne einen Handschlag zu tun, in den Genuß von dreitausend Liang Silber gekommen. Davon erfuhren Dame Wang und die anderen aber kein Sterbenswörtchen, und so wurde Hsi-fëng noch dreister. Wenn in Zukunft etwas Ähnliches auf sie zukam, handelte sie ohne jeden Skrupel. Davon soll aber hier nicht weiter die Rede zu sein. Eines Tages, als Djia Dschëng Geburtstag hatte und alle Angehörigen aus dem Ning-guo- und dem Jung-guo-Anwesen versammelt waren, um mit ihm zu feiern, wobei ein großes Getümmel herrschte, kam plötzlich einer der Torhüter herein, trat an die Tafel und meldete, Herr Hsia, der Obereunuch der Sechs Paläste, PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT sei gekommen, um einen kaiserlichen Befehl zu überbringen. Erschrocken ließ Djia Dschëng, der nicht wußte, was die Nachricht besagen würde, die Theatervorführung abbrechen und die Festtafel wegräumen. Dann wurde der Weihrauchtisch aufgestellt, und die Mitteltür wurde geöffnet. Als sie zum Empfang niedergekniet waren, ritt der Obereunuch Hsia Schou-dschung bereits in den Hof. Vor und hinter ihm, zu seiner Linken und zu seiner Rechten begleitete ihn ein zahlreiches Gefolge aus Eunuchen. Hsia Schou-dschung trug jedoch keinen schriftlichen Erlaß bei sich. Am Dachvorsprung angekommen, saß er ab und stieg zur Halle empor. Dabei strahlte er über das ganze Gesicht. Dann nahm er mit dem Blick nach Süden Aufstellung und sprach: „Auf speziellen Befehl verkünde ich, Djia Dschëng möge sofort zur Audienz erscheinen. Er wird in der Halle der Huldvollen Anerkennung empfangen werden.“ Nach diesen Worten stieg er, ohne auch nur einen Schluck Tee zu trinken, wieder aufs Pferd und ritt davon. Keiner vermochte zu deuten, was das verhieß, und so blieb Djia Dschëng keine andere Wahl, als sich eiligst umzukleiden und sich in den Kaiserpalast zu begeben. Die Herzoginmutter blieb mit der Familie in Furcht und Verwirrung zurück. Immer wieder schickte sie Berittene los, die hin- und herjagten, um die neuesten Nachrichten zu übermitteln. Aber erst nach zwei Doppelstunden stürzte Lai Da mit drei, vier anderen Verwaltern keuchend zum Zeremonialtor herein und meldete: „Frohe Botschaft! Der gnädige Herr hat befohlen, wir sollten rasch die alte gnädige Frau bitten, mit den gnädigen Frauen zusammen zur Audienz zu kommen, um für die kaiserliche Gnade zu danken!“ Die Herzoginmutter hatte bangen Herzens unbeweglich vor der Halle auf der Plattform gestanden. Dame Hsing, Dame Wang, Frau You, Li Wan, Hsi-fëng, Ying-tschun und ihre Kusinen sowie Tante Hsüä waren alle beisammen. Als die Herzoginmutter Lai Das Meldung hörte, befahl sie ihm hereinzukommen und wollte genau von ihm wissen, worum es ging. „Wir mußten draußen vor dem Tor der Huldvollen Anerkennung warten und konnten nicht das Mindeste darüber in Erfahrung bringen, was drinnen geschah“, berichtete Lai Da. „Schließlich kam der Obereunuch Hsia heraus, gratulierte uns und sagte, unser ältestes Fräulein habe den Titel Kanz- Tjin Dschung. Aus: Gai Qi 1879. lerin des Phönixmusterpalastes bekommen und sei zur kaiserlichen Nebenfrau mit dem Namen Hsiän-dë erhoben worden. Später ist der gnädige Herr herausgekommen und hat uns dasselbe gesagt. Jetzt ist der gnädige Herr noch in den Östlichen Palast PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT gegangen. Er läßt Euch dringend bitten, Euch mit allen anderen zusammen bedanken zu gehen.“ Als die Herzoginmutter und die anderen dies vernahmen, waren sie beruhigt, und die Freude färbte ihre Wangen. Jede von ihnen kleidete und schmückte sich, wie es ihrem Rang entsprach, und dann begab sich die Herzoginmutter mit Dame Hsing, Dame Wang und Frau You zusammen in vier großen Sänften zum Kaiserpalast. Auch Djia Schë und Djia Dschën zogen ihre Audienzgewänder an und begleiteten mit Djia Jung und Djia Tjiang zusammen die Sänfte der Herzoginmutter. Im Ning-guo- und im Jung-guo-Anwesen hüpfte hoch und niedrig vor Freude, und jedem leuchtete die Genugtuung aus den Augen. Vor lauter Lachen und Schwatzen brodelte es wie ein siedender Kessel. Inzwischen hatte sich vor ein paar Tagen die Novizin Dschï-nëng aus dem Wassermondkloster weggestohlen und war in die Stadt gekommen, wo sie sich zu Tjin Dschungs Wohnung durchfragte, um ihn zu besuchen. Wider Erwarten war sie dabei von Tjin Yä ertappt worden, der sie fortjagte und Tjin Dschung verprügelte. Die Sache hatte Tjin Yä so sehr in Wut gebracht, daß eine alte Krankheit wieder zum Ausbruch kam, an der er schon wenige Tage später starb. Tjin Dschung, der bei seiner ohnehin schwächlichen Konstitution und trotz seiner Krankheit auch noch eine Tracht Prügel bekommen hatte und dann sehen mußte, wie sein alter Vater vor Zorn über ihn starb, fand jetzt in seiner Reue und seinem Schmerz keine Grenzen, was seinen Zustand beträchtlich verschlimmerte. Darüber war Bau-yü so verstört, als sei ihm etwas anhanden gekommen. Auch die Nachricht von Yüan-tschuns Ernennung konnte seinen Kummer nicht lindern. Mochte die Herzoginmutter sich mit den anderen Frauen bedanken gehen, mochten sie zurückkommen, mochten die Verwandten und Freunde gratulieren kommen, mochten im Ning-guo- und im Jung-guo-Anwesen Jubel und Trubel herrschen, und mochten alle glücklich und zufrieden sein, für Bau-yü schien es das alles nicht zu geben, er schenkte alledem nicht die geringste Beachtung. So sagte man von ihm spöttisch, er werde nur immer stumpfsinniger. Glücklicherweise kamen Djia Liän und Dai-yü zurück und schickten jemanden mit der Meldung voraus, sie würden am nächsten Tag zu Hause sein. Diese Nachricht heiterte Bau-yü ein wenig auf. Als er sich näher erkundigte, erfuhr er, auch Djia Yü-tsun komme in die Hauptstadt, der Kaiser wolle ihm eine Audienz gewähren. Das habe Wang Dsï-tëng durch mehrere Throneingaben bewirkt, in denen er sich für Djia Yü-tsun verwendete, und dieser reise jetzt an, um zu warten, daß in der Hauptstadt ein Posten für ihn frei werde. Als entfernter Vetter von Djia Liän und ehemaliger Lehrer von Dai-yü reise er mit ihnen zusammen. Lin Ju-hai aber sei bereits im Grab seiner Ahnen beigesetzt worden. Und nur weil jetzt alles wohl bestellt sei, kehre Djia Liän in die Hauptstadt zurück. Eigentlich habe er erst im folgenden Monat zurück sein wollen, aber seitdem er die Freudenmeldung von Yüan-tschuns Ernennung erhalten habe, sei er Tag und Nacht ohne Aufenthalt unterwegs, und alle seien wohlauf. Bau-yü interessierte davon nur, daß Dai-yü wohlauf war, für den Rest hatte er keinen Sinn. Nur mit Mühe geduldete er sich bis zum nächsten Tag, als nach der Mittagsstunde tatsächlich gemeldet wurde: „Der junge Herr Liän und Fräulein Lin sind im Anwesen eingetroffen.“ Als Bau-yü und Dai-yü sich wiedersahen, mischte sich Kummer mit Freude, und so war es kein Wunder, daß manche Träne floß. Dann aber sprach Dai-yü ihre Glückwünsche aus. Bau-yü musterte Dai-yü still für sich und fand sie gereift und noch erhabener als zuvor. Dai-yü hatte viele Bücher mitgebracht. Jetzt ließ sie eilig ihr Schlafgemach fegen und brachte ihre Sachen dort unter. Dann beschenkte sie Bau-tschai, Ying-tschun und Bau-yü mit Schreibpinseln, Papier und ähnlichen Mitbringseln. Daraufhin holte Bau-yü feierlich die Gebetsschnur aus Bachstelzenholzperlen, die ihm der Prinz Bee-djing geschenkt hatte, und schenkte sie seinerseits Dai-yü. Dai-yü aber sagte: „Was ein stinkiger Mann in der Hand gehabt hat, mag ich nicht!“ Damit warf sie die Gebetsschnur hin, und Bau-yü blieb nichts weiter übrig, als sie wieder zurückzunehmen. Weiter soll davon einstweilen nicht die Rede sein. Nachdem Djia Liän nach seiner Ankunft sämtliche Angehörigen begrüßt hatte, kehrte er in seine eigenen Räume zurück. Hier mußte sich Hsi-fëng, die in den letzten Tagen so viel zu tun hatte, daß sie kaum einen freien Augenblick fand, die Zeit nehmen, ihn zu begrüßen. Da sonst niemand im Zimmer war, sagte sie lächelnd: „Meinen Glückwunsch, Herr kaiserlicher Schwager! Der Herr kaiserliche Schwager haben eine anstrengende Reise hinter sich! Als ich Unwürdige gestern durch die Meldereiter erfuhr, Euer erhabener Wagen werde heute zurück sein, habe ich eine Schale wäßrigen Wein bereitgestellt, mit dem Ihr den Staub des Weges herunterspülen könnt. Wollt Ihr mir die Ehre erweisen, ihn anzunehmen?“ „Wie dürfte ich es wagen! Vielen Dank, vielen Dank!“ sagte Djia Liän, der lächelnd auf den Scherz einging. Jetzt begrüßte ihn Ping-örl zusammen mit den anderen Sklavenmädchen, dann wurde der Tee serviert. Als Djia Liän fragte, was sich seit seiner Abreise zu Hause getan habe, und sich bei Hsi-fëng für die Mühe bedankte, die sie auf die Haushaltsführung verwandt hatte, sagte Hsi-fëng: „Als ob ich diesen Dingen gewachsen wäre! Meine Kenntnisse sind gering, meine Ausdrucksweise ist plump, und mein Sinn ist gerade und offen. Naiv, wie ich bin, lasse ich mir weismachen, ein Knüppel sei eine Nadel. Außerdem bin ich zu weichherzig. Sagt mir jemand auch nur zwei nette Sätze, dann kann ich nicht widerstehen und bekomme Mitleid. Außerdem hatte ich noch nie ein großes Ereignis erlebt und bin auch zaghaft. Wenn der gnädigen Frau etwas nicht recht ist, bekomme ich gleich so einen Schreck, daß ich nachts nicht schlafen kann. Ein paarmal bat ich sie flehentlich, mir diese Pflichten abzunehmen, aber die gnädige Frau hat es nicht zugegeben. Im Gegenteil, sie hat noch gesagt, ich wolle es mir bequem machen, anstatt etwas zu lernen. Sie ahnt ja nicht, daß ich Blut und Wasser schwitze, um nur nicht ein Wort zuviel zu sagen oder einen falschen Schritt zu tun. Du weißt ja selbst, wie schwer mit unsern verantwortlichen Sklavenfrauen auszukommen ist. Beim kleinsten Fehler, den man macht, lachen sie einen aus. Bei der geringsten Bevorzugung, die man zeigt, beklagen sie sich, indem sie über den Schnurbaum schimpfen und dabei auf den Maulbeerbaum weisen. Vom Berg aus den kämpfenden Tigern zuzusehen, jemanden mit fremder Hand zu töten, den Wind ins lodernde Feuer zu leiten, stets am trockenen Ufer zu bleiben, den stürzenden Ölkrug nicht festzuhalten – das sind die Kriegslisten, die sie beherrschen. Überdies bin ich zu jung und stehe nicht richtig über ihnen. Kein Wunder also, daß sie mich nicht ernst nehmen. Noch lächerlicher wurde es, als drüben im Ning-guo-Anwesen plötzlich Jungs Frau starb und dein Vetter Dschën die gnädige Frau gleich ein paarmal auf Knien bat, sie möge mich dort für ein paar Tage aushelfen lassen. Ich habe das immer wieder abgelehnt, aber davon wollte die gnädige Frau nichts wissen, also mußte ich gehorchen. So habe ich dort in meiner üblichen Art alles auf den Kopf gestellt und ein heilloses Durcheinander angerichtet. Dein Vetter Dschën grollt noch immer deswegen und bereut es, mich darum gebeten zu haben. Jetzt, da du wieder da bist, mußt du unbedingt alles erklären und wiedergutmachen, wenn du ihn morgen siehst. Sag ihm, ich sei jung und unerfahren, und du verstündest nicht, was ihn auf den Gedanken gebracht hat, so eine falsche Wahl zu treffen...“ Als sie das eben sagte, waren im Vorzimmer Stimmen zu hören, und Hsi-fëng fragte, wer da sei. Ping-örl kam herein und berichtete: „Die gnädige Frau Tante hat Schwester Hsiang-ling hergeschickt, um mich etwas zu fragen. Ich habe es ihr gesagt und sie zurückgeschickt.“ „Ach ja“, sagte Djia Liän lächelnd, „als ich vorhin bei der Tante war, stieß ich versehentlich auf eine blutjunge Frau, die sehr hübsch aussah, und sagte mir, sie könne nicht zur Familie gehören. Im Laufe des Gesprächs fragte ich die Tante nach ihr, und es stellte sich heraus, daß es jenes Sklavenmädchen mit Namen Hsiang-ling war, das sie gekauft hatten, ehe sie in die Hauptstadt kamen. Der Hsüä, dieser Trottel, hat sie endlich zu seiner Beischläferin gemacht, und seitdem sie sich das Gesicht zupft und bemalt, ist sie richtig aufgeblüht. Aber durch den Trottel Hsüä wird sie einfach besudelt.“ „Schau an“, sagte Hsi-fëng, „da kommst du gerade aus Su-dschou und Hang-dschou zurück und hast etwas gesehen von der Welt, aber deine Gier ist immer noch nicht gestillt. Wenn du sie magst, ist doch das nicht weiter schwer. Ich tausche sie einfach gegen Ping-örl ein. Wie wäre das? Der junge Hsüä ist doch auch so ein Gierschlund, der schon nach den Töpfen schielt, während er noch aus der Schale ißt. Wie oft hat er im letzten Jahr der Tante in den Ohren gelegen, um endlich mit Hsiang-ling freie Hand zu bekommen! Daß die Tante sah, wie schön Hsiang-ling ist, war noch das Wenigste. Viel wichtiger war, daß sie sich nach Art und Verhalten von den anderen Mädchen unterscheidet. Sie ist so sanft und friedfertig, daß ihr die meisten Mädchen aus herrschaftlichen Familien kaum gleichkommen. Deshalb hat sich die Tante auch die Mühe gemacht, Gäste zum Wein einzuladen, damit er das Mädchen in aller Form zu seiner Nebenfrau macht, aber kaum daß ein halber Monat vergangen war, dünkte sie ihm nicht mehr besser als Stallgeruch. Das Mitleid kann einen packen, wenn man nur davon spricht!“ Während sie das eben sagte, kam ein Sklavenjunge vom Innentor mit der Meldung: „Der alte gnädige Herr erwartet den jungen Herrn in der großen Bibliothek!“ Als Djia Liän das hörte, ordnete er schnell seine Kleider und ging hinaus. Hier aber erkundigte sich Hsi-fëng bei Ping-örl: „Was war es denn, was die Tante eben wollte, daß sie extra Hsiang-ling hierher geschickt hat?“ „Es war gar nicht Hsiang-ling“, gab Ping-örl lächelnd zur Antwort: „Ihr Name mußte nur für eine Notlüge herhalten. Lai Wangs Frau hat wohl auch immer weniger Verstand im Kopf.“ Damit trat sie näher an Hsi-fëng heran und fuhr leise fort: „Erst konnte und konnte sie Euch die Zinsen nicht bezahlen, und ausgerechnet jetzt, wo der junge Herr zu Hause ist, mußte sie nun das Silber bringen. Ein Glück noch, daß ich sie draußen in der Halle getroffen habe, sonst wäre sie hereingekommen und hätte es Euch gebracht. Wenn Euch der junge Herr gefragt hätte, was das für Zinsen sind, hättet Ihr ihn natürlich nicht anschwindeln wollen, und so hättet Ihr ihm wohl oder übel die Wahrheit sagen müssen. Aber wenn einer wie er, der fähig ist, in einen Kessel mit siedendem Öl zu greifen, um eine Münze herauszufischen, die er ausgeben kann, gehört hätte, daß Ihr eigenes Geld besitzt, würde er es doch seelenruhig verbrauchen, oder nicht? Darum habe ich sie rasch hinübergeführt und habe ihr ein paar passende Worte gesagt. Ich ahnte ja nicht, daß Ihr das hören mußtet. Als Ihr mich dann fragtet, habe ich geflunkert, es sei Hsiang-ling gewesen.“ „Und ich habe mich gewundert, wie die Tante plötzlich ‚eine aus den inneren Gemächern‘ schicken kann, da sie doch weiß, dass der junge Herr zu Hause ist“, erwiderte Hsi-fëng, „dabei war das nur ein Trick von dir kleinem Spitzbein!“ Bei diesen Worten trat Djia Liän wieder ins Zimmer, und Hsi-fëng befahl, den Wein und die Speisen aufzutragen. Dann nahmen die Gatten einander gegenüber Platz. Obwohl Hsi-fëng durchaus einen Schluck vertragen konnte, wagte sie doch nicht, diesem Drang freien Lauf zu lassen, und trank nur zu Djia Liäns Gesellschaft mit. Bald darauf kam Djia Liäns Amme Dschau herein. Djia Liän und Hsi-fëng luden sie sofort zum Mittrinken ein und baten sie, sich zu ihnen aufs Ofenbett zu setzen. Amme Dschau aber weigerte sich beharrlich, und schon stellten Ping-örl und die anderen einen Hocker und eine kleine Fußbank vor das Ofenbett. Amme Dschau nahm auf der Fußbank Platz, und Djia Liän suchte von dem Tischchen auf dem Ofenbett zwei Teller mit Zuspeisen aus, die er für Amme Dschau auf den Hocker stellte. Aber Hsi-fëng sagte: „Das kann ja Mutter nicht kauen! Willst du ihr denn die Zähne kaputt machen?“ Dann fuhr sie, zu Ping-örl gewandt, fort: „Das gedünstete Eisbein mit Schinken, von dem wir heute morgen gesprochen haben, ist doch ganz zart. Das ist gerade das Richtige! Warum hast du es noch nicht warm machen lassen?“ Und schließlich forderte sie Amme Dschau auf: „Koste mal von dem Huee-Quellen-Wein PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT , den dein Junge mitgebracht hat!“ „Das werde ich!“ antwortete Amme Dschau. „Ihr müßt aber auch eine Schale trinken, junge Frau! Wovor habt Ihr Angst? Man darf nur nicht zu viel trinken. Aber nicht zum Weintrinken bin ich gekommen, sondern wegen einer wichtigen Sache, die ich Euch ans Herz legen möchte, damit Ihr Euch meiner erbarmt. Denn der junge Herr kann immer nur schöne Worte machen, und wenn es drauf ankommt, vergißt er uns. – Mit meiner Milch habe ich dich großgezogen. Jetzt bin ich alt und habe nichts als meine beiden Söhne. Niemand würde dir einen Vorwurf machen, wenn du sie ein wenig bevorzugen würdest. Wie oft habe ich dich darum gebeten, und du hast mir die schönsten Versprechungen gemacht, aber versprechen kann man viel. – Wenn jetzt dieses große Ereignis vom Himmel fällt, werden doch sicher Leute gebraucht. Und deshalb wollte ich mit Euch sprechen, junge Frau. Denn wenn ich mich auf den jungen Herrn verlasse, werde ich noch verhungern.“ „Sei unbesorgt, Mutter, und überlaß seine beiden Milchbrüder nur mir!“ sagte Hsi-fëng lächelnd. „Weißt du immer noch nicht, wie dein Junge ist, den du mit deiner Milch großgezogen hast? Er wirft sich an Fremde weg, die ihn nichts angehen. – Sind denn die eigenen Milchbrüder nicht besser als alle andern Leute? Wer würde etwas dagegen haben, wenn du dich ihrer erbarmst und dich um sie kümmerst? Räum doch nicht Fremden für nichts und wieder nichts Vorteile ein! – Ach nein, das stimmt ja nicht! Dir sind ja die Fremden die Liebsten!“ Alle brachen darüber in Gelächter aus, und Amme Dschau konnte kaum wieder aufhören damit. Dann rief sie den Namen Buddhas an und sagte: „So kommt die Wahrheit ans Tageslicht! Aber den dummen Unterschied zwischen Eigenen und Fremden macht unser junger Herr nicht. Es ist nur, daß er so ein gütiges Herz hat und nicht widerstehen kann, wenn man ihn bittet.“ „Ja, aber gütig ist er nur, wenn es um eine Liebste geht“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Zu dir und zu mir ist er hart.“ „Ihr habt so recht von Herzensgrund Eure Meinung gesagt, und ich bin so fröhlich, daß ich noch einen Becher von dem guten Wein trinke“, sagte Amme Dschau und lächelte ebenfalls dabei. „Nachdem jetzt Ihr die Sache in die Hand genommen habt, brauche ich mir keine Sorgen mehr zu machen.“ Djia Liän, dem das alles sehr peinlich war, lächelte nur verlegen und trank seinen Wein. Er wußte nicht mehr dazu zu sagen als „Unsinn!“ Dann aber fiel ihm ein: „Bringt schnell den Reis! Ich will eine Schale davon essen und dann zu Herrn Dschën gehen, um etwas mit ihm zu besprechen.“ „Ach ja“, sagte Hsi-fëng, „daß du nicht die Hauptsache vergißt! Was hat denn der alte gnädige Herr vorhin von dir gewollt?“ „Um den Besuch ging es natürlich“, antwortete Djia Liän. „Also ist er wohl genehmigt?“ fragte Hsi-fëng begierig. „Zwar noch nicht ganz, aber doch zu acht Zehnteln“, erwiderte Djia Liän und lächelte. „Da sieht man, wie groß die Gnade unseres Kaisers ist“, sagte Hsi-fëng strahlend. „Nach dem, was ich aus Geschichten und Theaterstücken weiß, hat es so etwas in der alten Zeit nie gegeben.“ „Ja, richtig!“ schaltete Amme Dschau sich ein, „ich werde schon wirklich dumm. In den letzten Tagen habe ich hoch und niedrig davon sprechen hören, ob es den Besuch geben wird oder nicht, aber ich habe niemand danach gefragt. Jetzt ist wieder die Rede von diesem Besuch. Was hat es eigentlich damit auf sich?“ „Unser regierender Kaiser teilt die Gefühle der Menschen“, erklärte Djia Liän, „und nichts Höheres gibt es auf der Welt als kindliche Ehrerbietung, die Gefühle aber zwischen Eltern und Kindern unterscheiden sich wohl nicht bei Vornehmen und Geringen. Der Herrscher selbst ist Tag und Nacht um das Wohl seiner kaiserlichen Eltern besorgt, PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT aber damit ist sein Gefühl kindlicher Ehrerbietung noch nicht erschöpft. Er hat bedacht, daß seine Nebenfrauen und Beischläferinnen, die schon jahrelang im Palast leben und seitdem ihre Eltern weder sehen noch hören konnten, Sehnsucht nach ihnen empfinden müssen, was ja nur natürlich ist, und daß andererseits auch die Eltern sich nach ihren Kindern sehnen, ohne sie jemals sehen zu dürfen, und daß sie schließlich auch, weil sie auf Grund der kaiserlichen Einschränkungen nicht den Wünschen nachgehen können, die den natürlichen Grundbeziehungen entspringen, krank werden oder gar sterben könnten, was eine schwere Verletzung der natürlichen Harmonie bedeuten würde. Deshalb hat er eine Eingabe an seine kaiserlichen Eltern gerichtet, in der er sie bat, den Angehörigen seiner Frauen zu gestatten, am zwölften jedes Monats in den Palast kommen dürfen, um ihren Gruß zu entrichten und einen Besuch zu machen. Darüber waren die kaiserlichen Eltern sehr erfreut, und sie haben den Kaiser wärmstens gelobt, weil er von höchster kindlicher Ehrerbietung und reinster Menschenliebe sei und den Willen des Himmels sowie die Natur der Dinge erfasse. Dann ließen die kaiserlichen Eltern einen Befehl ergehen, in dem es heißt, daß – kämen die Angehörigen der Frauen des Kaisers in den Palast – auf Staatsetikette und Zeremonialsystem nicht verzichtet werden könnte, was nicht geeignet sei, die Sehnsucht von Müttern und Töchtern zu stillen. Deshalb werde ihnen eine besondere Gnade gewährt und verfügt, daß sie sich nicht nur der Gunst erfreuen dürften, am zwölften jedes Monats in den Palast zu kommen, sondern daß diejenigen unter ihnen, die über gesonderte Gebäude und Höfe verfügten, wo eine kaiserliche Frau absteigen könne und geschützt sei, sogar die Bitte äußern dürften, den Besuch in ihrem Privatanwesen erfolgen zu lassen. So könnten dann wohl auch die vertrauten Gefühle zwischen Eltern und Kindern zu ihrem Recht kommen, jene höchste Form der natürlichen Grundbeziehungen. Kaum war diese Anordnung ergangen, gab es niemanden, der nicht froh und bewegt gewesen wäre. Der Vater der kaiserlichen Nebenfrau Dschou hat auf seinem Anwesen bereits begonnen, einen gesonderten Hof für einen Besuch bauen zu lassen. Und Wu Tiän-you, der Vater der kaiserlichen Nebenfrau Wu, ist vor der Stadt gewesen, um dort einen Baugrund zu besichtigen. Heißt das nicht, daß die Sache schon zu neun Zehnteln feststeht?“ „Buddha Amitabha!“ sagte Amme Dschau, „so ist das also! Dann werden wir wohl auch Vorbereitungen treffen, um unser ältestes Fräulein zu empfangen?“ „Das versteht sich!“ erwiderte Djia Liän. „Wozu sonst die ganze Aufregung?“ „Wenn es wirklich wahr wird, bekomme ich doch auch ein Stück von der großen Welt zu sehen“, sagte Hsi-fëng. „Es ist zu dumm, daß ich so jung bin. Wäre ich nur zwanzig, dreißig Jahre früher auf die Welt gekommen, dann könnten die alten Leute nicht geringschätzig auf mich herabsehen, weil ich nichts erlebt habe. Wenn davon die Rede ist, wie damals der Begründer der Dynastie nach dem Vorbild des Kaisers Schun seine Inspektionsreisen machte, PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT ist das spannender als ein Buch. Leider war es mir nicht vergönnt, dies mitzuerleben!“ „Ach ja!“ sagte Amme Dschau. „So etwas gibt es nur einmal in tausend Jahren. Damals war ich gerade in dem Alter, wo einem die Dinge im Gedächtnis zu haften beginnen. Die Djias lebten seinerzeit in der Gegend von Gu-su und Yang-dschou und hatten die Aufsicht über den Bau von Seeschiffen und die Instandhaltung der Meeresdeiche. Um nur ein einziges Mal den Kaiser zu empfangen, wurde das Silber so achtlos verbraucht, als ob es nur Meerwasser gewesen wäre, das man verschüttet, und...“ „Auch unser Anwesen wurde einmal dafür hergerichtet“, unterbrach Hsi-fëng sie ungeduldig. „Damals hatte mein Großvater den Empfang von Tributgaben und Hofgeschenken aus allen Ländern unter sich. Immer, wenn Ausländer kamen, wohnten sie bei uns, und wir besaßen alle Waren, die auf den Seeschiffen nach Yüä, Min, Diän und Dschë gebracht wurden.“ PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT „Das weiß doch ein jeder“, sagte Amme Dschau. „Noch heute kennt man den Spruch ‚Fehlt im Ostmeer aus weißem Jade ein Bett, fragt der Drachenkönig in Djiang-nan PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT die Wangs danach.‘ Damit ist Eure Familie gemeint, junge Frau! Dann gibt es auch noch die Dschëns, die bis heute in Djiang-nan wohnen. Du meine Güte, wie mächtig die sind! Sie allein haben den Kaiser vier Mal bei sich empfangen. Wenn man es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, würde es einem keiner glauben. Ganz zu schweigen davon, daß ihnen Silber nicht mehr galt als Schlamm, gibt es nichts auf der Welt, was sich dort nicht zu Bergen häufte oder zu Meeren staute! Die Ausdrücke ‚Tut mir leid!‘ und ‚Bedaure!‘ gab es dort nicht.“ „Die alten gnädigen Herren haben oft dasselbe erzählt“, sagte Hsi-fëng. „Warum also sollte man es nicht glauben? Ich möchte bloß wissen, wie die Familie so reich sein kann.“ „Das will ich Euch sagen, junge Frau!“ erwiderte Amme Dschau. „Sie haben doch nur für den Kaiser ausgegeben, was dem Kaiser gehört. Wer sonst hätte das Geld, um so einen nichtigen Trubel zu bezahlen?“ Während sie sich noch angeregt unterhielten, kam eine Botin von Dame Wang, um nachzusehen, ob Hsi-fëng mit dem Essen fertig war oder nicht. Daraus schloß Hsi-fëng, daß es etwas für sie zu tun gab, deshalb aß sie schnell eine halbe Schale Reis, spülte sich den Mund und wollte eben gehen, als wieder ein Sklavenjunge vom Innentor kam, um zu melden: „Die beiden jungen Herren Jung und Tjiang aus dem Ostanwesen sind da.“ Auch Djia Liän hatte sich gerade den Mund gespült und wusch sich nun die Hände in einer Schüssel, die Ping-örl ihm hinhielt, als er die beiden hereinkommen sah. „Was gibt‘s?“ fragte er. „Sagt es nur rasch!“ Und Hsi-fëng blieb stehen, um zu hören, was die beiden zu berichten hatten. Djia Jung nahm als erster das Wort. „Mein Vater schickt mich, um dem Onkel zu melden, die alten gnädigen Herren hätten bereits beschlossen, das Gelände im Osten unter Einschluß des Gartens des Ostanwesens zu nehmen und von dort nach Norden zu gehen“, sagte er. „Es seien insgesamt dreieinhalb Li, und das reiche aus, um einen gesonderten Hof für den Besuch zu erbauen. Sie hätten bereits jemanden beauftragt, eine Zeichnung zu machen, die morgen fertig werde. Der Onkel sei gerade erst von der Reise zurück und deshalb müde, darum brauche er nicht herüberzukommen. Wenn es etwas zu sagen gebe, möge er morgen früh kommen, um es von Angesicht zu Angesicht zu besprechen.“ „Ich lasse dem gnädigen Herrn für seine Rücksichtnahme vielmals danken“, erwiderte Djia Liän rasch mit einem Lächeln. „Ich komme dann heute nicht mehr hinüber. Der Plan aber ist wirklich günstig, und der Bau so leicht auszuführen. Wollte man ein anderes Gelände suchen, würde alles viel umständlicher werden, ohne daß etwas Ordentliches dabei herauskäme. Sag dem gnädigen Herrn, es sei sehr gut so, und wenn die alten gnädigen Herren es noch einmal ändern wollten, verließe ich mich ganz darauf, daß er sie davon abbringen werde. Es dürfe auf keinen Fall ein anderes Gelände dafür ausgesucht werden. Morgen käme ich in aller Frühe, um ihm meinen Gruß zu entbieten, und dann könnten wir alles genau besprechen.“ Hastig anwortete Djia Jung mehrere Male hintereinander: „Jawohl!“ Nun trat Djia Tjiang vor und sagte: „Mich schickt der gnädige Herr nach Gu-su, um Theaterlehrer zu engagieren, Mädchen zu kaufen sowie Musikinstrumente, Kostüme und Requisiten anzuschaffen. Ich soll die beiden Söhne des Verwalters Lai Schëng mitnehmen, und zwei Schützlinge des alten gnädigen Herrn, die jungen Herren Schan Pin-jën und Bu Gu-hsiu, fahren auch mit. Das sollte ich Euch sagen.“ Als Djia Liän das gehört hatte, musterte er Djia Tjiang kritisch, dann fragte er: „Verstehst du dich denn darauf? So großartig ist die Sache zwar nicht, aber es sind doch eine Menge Kniffe dabei.“ „Die muß ich dann dabei lernen!“ gab Djia Tjiang lächelnd zur Antwort. Im Schatten zupfte Djia Jung heimlich am Saum von Hsi-fëngs Gewand, und Hsi-fëng, die verstand, was er wollte, sagte lächelnd: „Du machst dir zu viele Gedanken! Versteht sich dein Vetter nicht besser als wir darauf, die Leute einzusetzen? Du fürchtest natürlich, Tjiang verstünde nichts von der Sache, aber versteht sich nicht schließlich jeder darauf? So groß, wie die Kinder sind, werden sie doch, wie man so sagt, wissen, wie ein Schwein aussieht, auch wenn sie noch kein Schweinefleisch gegessen haben. Dein Vetter schickt ihn doch nur mit, damit er den Oberbefehl hat, und nicht, damit er über die Preise verhandelt und etwas vom Geschäft versteht. Ich finde, er ist bestens geeignet.“ „Natürlich!“ stimmte Djia Liän zu. „Das will ich ja gar nicht bestreiten, aber trotzdem kann ich mir doch Gedanken darum machen. – Woher soll denn das Silber genommen werden, das dafür gebraucht wird?“ „Darüber ist auch gesprochen worden“, gab Djia Tjiang Auskunft. „Opa Lai meinte, wir brauchten es nicht aus der Hauptstadt mitzunehmen. Die Dschëns in Djiang-nan haben noch fünfzigtausend Liang Silber von uns, da werden morgen ein Brief und eine Zahlungsanweisung geschrieben, die wir mitnehmen, und darauf lassen wir uns zunächst dreißigtausend Liang geben. Die restlichen zwanzigtausend bleiben noch da und werden dann zum Kauf von Zierkerzen, bunten Laternen sowie von Matten und Vorhängen aller Art verwendet.“ „Ein guter Gedanke“, sagte Djia Liän und nickte mit dem Kopf. „Wenn das so ist“, sagte Hsi-fëng, „habe ich zwei passende Leute zur Hand, die sich darauf verstehen. Nimm sie mit, damit sie das erledigen, und du hast es bequemer dadurch!“ „Eben wollte ich Euch um zwei Leute bitten, Tante“, sagte Djia Liän rasch und lächelte dazu. |