Hongloumeng/zh-de/Chapter 20

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第二十回

王熙凤正言弹妒意

林黛玉俏语谑娇音

Mit gerechten Worten tadelt Hsi-fëng einen neidischen Sinn, durch Nachahmung verspottet Dai-yü liebliche Töne.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung

話說寶玉在林黛玉房中說「耗子精」,寶釵撞來,諷刺寶玉元宵不知「綠蠟」之典,三人正在房中互相譏刺取笑。那寶玉正恐黛玉飯後貪眠,一時存了食,或夜間走了困,皆非保養身體之法;幸而寶釵走來,大家談笑,那林黛玉方不欲睡,自己才放了心。忽聽他房中嚷起來,大家側耳聽了一聽,林黛玉先笑道:「這是你媽媽和襲人叫嚷呢。那襲人也罷了,你媽媽再要認真排場他,可見老背晦了。」   寶玉忙要趕過來,寶釵忙一把拉住道:「你別和你媽媽吵才是,他老糊塗了,倒要讓他一步為是。」寶玉道:「我知道了。」說畢走來,只見李嬤嬤拄著拐棍,在當地罵襲人:「忘了本的小娼婦!我抬舉起你來,這會子我來了,你大模大樣的躺在炕上,見我來也不理一理。一心只想妝狐媚子哄寶玉,哄的寶玉不理我,聽你們的話。你不過是幾兩臭銀子買來的毛丫頭,這屋裡你就作耗,如何使得!好不好拉出去配一個小子,看你還妖精似的哄寶玉不哄!」襲人先只道李嬤嬤不過為他躺著生氣,少不得分辨說「病了,才出汗,蒙著頭,原沒看見你老人家」等語。後來只管聽他說「哄寶玉」、「妝狐媚」,又說「配小子」等,由不得又愧又委屈,禁不住哭起來。   寶玉雖聽了這些話,也不好怎樣,少不得替襲人分辨病了吃藥等話,又說:「你不信,只問別的丫頭們。」李嬤嬤聽了這話,益發氣起來了,說道:「你只護著那起狐狸,那裡認得我了,叫我問誰去?誰不幫著你呢,誰不是襲人拿下馬來的!我都知道那些事。我只和你在老太太,太太跟前去講了。把你奶了這麼大,到如今吃不著奶了,把我丟在一旁,逞著丫頭們要我的強。」一面說,一面也哭起來。彼時黛玉寶釵等也走過來勸說:「媽媽你老人家擔待他們一點子就完了。」李嬤嬤見他二人來了,便拉住訴委屈,將當日吃茶,茜雪出去,與昨日酥酪等事,嘮嘮叨叨說個不清。   可巧鳳姐正在上房算完輸贏賬,聽得後面一片聲嚷,便知是李嬤嬤老病發了,排揎寶玉的人。--正值他今兒輸了錢,遷怒於人。便連忙趕過來,拉了李嬤嬤,笑道:「好媽媽,別生氣。大節下老太太才喜歡了一日,你是個老人家,別人高聲,你還要管他們呢,難道你反不知道規矩,在這裡嚷起來,叫老太太生氣不成?你只說誰不好,我替你打他。我家裡燒的滾熱的野雞,快來跟我吃酒去。」一面說,一面拉著走,又叫:「豐兒,替你李奶奶拿著拐棍子,擦眼淚的手帕子。」那李嬤嬤腳不沾地跟了鳳姐走了,一面還說:「我也不要這老命了,越性今兒沒了規矩,鬧一場子,討個沒臉,強如受那娼婦蹄子的氣!」後面寶釵黛玉隨著,見鳳姐兒這般,都拍手笑道:「虧這一陣風來,把個老婆子撮了去了。」   寶玉點頭嘆道:「這又不知是那裡的帳,只揀軟的排揎。昨兒又不知是那個姑娘得罪了,上在他帳上。」一句未了,晴雯在旁笑道:「誰又不瘋了,得罪他作什麼。便得罪了他,就有本事承任,不犯帶累別人!」襲人一面哭,一面拉著寶玉道:「為我得罪了一個老奶奶,你這會子又為我得罪這些人,這還不夠我受的,還只是拉別人。」寶玉見他這般病勢,又添了這些煩惱,連忙忍氣吞聲,安慰他仍舊睡下出汗。又見他湯燒火熱,自己守著他,歪在旁邊,勸他只養著病,別想著些沒要緊的事生氣。襲人冷笑道:「要為這些事生氣,這屋裡一刻還站不得了。但只是天長日久,只管這樣,可叫人怎麼樣才好呢?時常我勸你,別為我們得罪人,你只顧一時為我們那樣,他們都記在心裡,遇著坎兒,說的好說不好聽,大家什麼意思。」一面說,一面禁不住流淚,又怕寶玉煩惱,只得又勉強忍著。   一時雜使的老婆子煎了二和藥來。寶玉見他才有汗意,不肯叫他起來,自己便端著就枕與他吃了,即命小丫頭子們鋪炕。襲人道:「你吃飯不吃飯,到底老太太,太太跟前坐一會子,和姑娘們頑一會子再回來。我就靜靜的躺一躺也好。」寶玉聽說,只得替他去了簪環,看他躺下,自往上房來。同賈母吃畢飯,賈母猶欲同那幾個老管家嬤嬤鬥牌解悶,寶玉記著襲人,便回至房中,見襲人朦朦睡去。自己要睡,天氣尚早。彼時晴雯、綺霰、秋紋、碧痕都尋熱鬧,找鴛鴦琥珀等耍戲去了,獨見麝月一個人在外間房裡燈下抹骨牌。寶玉笑問道:「你怎不同他們頑去?」麝月道:「沒有錢。」寶玉道:「床底下堆著那麼些,還不夠你輸的?」麝月道:「都頑去了,這屋裡交給誰呢?那一個又病了。滿屋裡上頭是燈,地下是火。那些老媽媽子們,老天拔地,伏侍一天,也該叫他們歇歇,小丫頭子們也是伏侍了一天,這會子還不叫他們頑頑去。所以讓他們都去罷,我在這裡看著。」   寶玉聽了這話,公然又是一個襲人。因笑道:「我在這裡坐著,你放心去罷。」麝月道:「你既在這裡,越發不用去了,咱們兩個說話頑笑豈不好?」寶玉笑道:「咱兩個作什麼呢?怪沒意思的,也罷了,早上你說頭癢,這會子沒什麼事,我替你篦頭罷。」麝月聽了便道:「就是這樣。」說著,將文具鏡匣搬來,卸去釵釧,打開頭髮,寶玉拿了篦子替他一一的梳篦。只篦了三五下,只見晴雯忙忙走進來取錢。一見了他兩個,便冷笑道:「哦,交杯盞還沒吃,倒上頭了!」寶玉笑道:「你來,我也替你篦一篦。」晴雯道:「我沒那麼大福。」說著,拿了錢,便摔帘子出去了。   寶玉在麝月身後,麝月對鏡,二人在鏡內相視。寶玉便向鏡內笑道:「滿屋裡就只是他磨牙。」麝月聽說,忙向鏡中擺手,寶玉會意。忽聽唿一聲帘子響,晴雯又跑進來問道:「我怎麼磨牙了?咱們倒得說說。」麝月笑道:「你去你的罷,又來問人了。」晴雯笑道:「你又護著。你們那瞞神弄鬼的,我都知道。等我撈回本兒來再說話。」說著,一徑出去了。這裡寶玉通了頭,命麝月悄悄的伏侍他睡下,不肯驚動襲人。一宿無話。   至次日清晨起來,襲人已是夜間發了汗,覺得輕省了些,只吃些米湯靜養。寶玉放了心,因飯後走到薛姨媽這邊來閑逛。彼時正月內,學房中放年學,閨閣中忌針,卻都是閑時。賈環也過來頑,正遇見寶釵、香菱、鶯兒三個趕圍棋作耍,賈環見了也要頑。寶釵素習看他亦如寶玉,並沒他意,今兒聽他要頑,讓他上來坐了一處。一磊十個錢,頭一回自己贏了,心中十分歡喜。後來接連輸了幾盤,便有些著急。趕著這盤正該自己擲骰子,若擲個七點便贏,若擲個六點,下該鶯兒擲三點就贏了。因拿起骰子來,狠命一擲,一個作定了五,那一個亂轉。鶯兒拍著手只叫「幺」,賈環便瞪著眼,「六——七——八」混叫。那骰子偏生轉出幺來。賈環急了,伸手便抓起骰子來,然後就拿錢,說是個六點。鶯兒便說:「分明是個幺!」寶釵見賈環急了,便瞅鶯兒說道:「越大越沒規矩,難道爺們還賴你?還不放下錢來呢!」鶯兒滿心委屈,見寶釵說,不敢則聲,只得放下錢來,口內嘟囔說:「一個作爺的,還賴我們這幾個錢,連我也不放在眼裡。前兒我和寶二爺頑,他輸了那些,也沒著急。下剩的錢,還是幾個小丫頭子們一搶,他一笑就罷了。」寶釵不等說完,連忙斷喝。賈環道:「我拿什麼比寶玉呢。你們怕他,都和他好,都欺負我不是太太養的。」說著,便哭了。寶釵忙勸他:「好兄弟,快別說這話,人家笑話你。」又罵鶯兒。   正值寶玉走來,見了這般形況,問是怎麼了。賈環不敢則聲。寶釵素知他家規矩,凡作兄弟的,都怕哥哥,卻不知那寶玉是不要人怕他的。他想著:「兄弟們一併都有父母教訓,何必我多事,反生疏了。況且我是正出,他是庶出,饒這樣還有人背後談論,還禁得轄治他了。」更有個呆意思存在心裡。—— 你道是何呆意?因他自幼姊妹叢中長大,親姊妹有元春、探春,伯叔的有迎春、惜春,親戚中又有史湘雲、林黛玉、薛寶釵等諸人。他便料定,原來天生人為萬物之靈,凡山川日月之精秀,只鐘於女兒,鬚眉男子不過是些渣滓濁沫而已。因有這個呆念在心,把一切男子都看成混沌濁物,可有可無。只是父親叔伯兄弟中。因孔子是亘古第一人說下的,不可忤慢,只得要聽他這句話。所以,弟兄之間不過盡其大概的情理就罷了,並不想自己是丈夫,須要為子弟之表率。是以賈環等都不怕他,卻怕賈母,才讓他三分。如今寶釵恐怕寶玉教訓他,倒沒意思,便連忙替賈環掩飾。寶玉道:「大正月里哭什麼?這裡不好,你別處頑去。你天天念書,倒念糊塗了。比如這件東西不好,橫豎那一件好,就棄了這件取那個。難道你守著這個東西哭一會子就好了不成?你原是來取樂頑的,既不能取樂,就往別處去尋樂頑去。哭一會子,難道算取樂頑了不成?倒招自己煩惱,不如快去為是。」賈環聽了,只得回來。   趙姨娘見他這般,因問:「又是那裡墊了踹窩來了?」一問不答,再問時,賈環便說:「同寶姐姐頑的,鶯兒欺負我,賴我的錢,寶玉哥哥攆我來了。」趙姨娘啐道:「誰叫你上高臺盤去了?下流沒臉的東西!那裡頑不得?誰叫你跑了去討沒意思!」   正說著,可巧鳳姐在窗外過,都聽在耳內,便隔窗說道:「大正月又怎麼了?環兄弟小孩子家,一半點兒錯了,你只教導他,說這些淡話作什麼!憑他怎麼去,還有太太老爺管他呢,就大口啐他!他現是主子,不好了,橫豎有教導他的人,與你什麼相干!環兄弟,出來,跟我頑去。」賈環素日怕鳳姐比怕王夫人更甚,聽見叫他,忙唯唯的出來。趙姨娘也不敢則聲。鳳姐向賈環道:「你也是個沒氣性的!時常說給你:要吃,要喝,要頑,要笑,只愛同那一個姐姐妹妹哥哥嫂子頑,就同那個頑。你不聽我的話,反叫這些人教的歪心邪意,狐媚子霸道的。自己不尊重,要往下流走,安著壞心,還只管怨人家偏心。輸了幾個錢?就這麼個樣兒!」賈環見問,只得諾諾的回說:「輸了一二百。」鳳姐道:「虧你還是爺,輸了一二百錢就這樣!」回頭叫豐兒:「去取一弔錢來,姑娘們都在後頭頑呢,把他送了頑去。你明兒再這麼下流狐媚子,我先打了你,打發人告訴學里,皮不揭了你的!為你這個不尊重,恨的你哥哥牙根癢癢,不是我攔著,窩心腳把你的腸子窩出來了。」喝命:「去罷!」賈環諾諾的跟了豐兒,得了錢,自己和迎春等頑去。不在話下。   且說寶玉正和寶釵頑笑,忽見人說:「史大姑娘來了。」寶玉聽了,抬身就走。寶釵笑道:「等著,咱們兩個一齊走,瞧瞧他去。」說著,下了炕,同寶玉一齊來至賈母這邊。只見史湘雲大笑大說的,見他兩個來,忙問好廝見。正值林黛玉在旁,因問寶玉:「在那裡的?」寶玉便說:「在寶姐姐家的。」 黛玉冷笑道:「我說呢,虧在那裡絆住,不然早就飛了來了。」寶玉笑道:「只許同你頑,替你解悶兒。不過偶然去他那裡一趟,就說這話。」林黛玉道:「好沒意思的話!去不去管我什麼事,我又沒叫你替我解悶兒。可許你從此不理我呢!」說著,便賭氣回房去了。   寶玉忙跟了來,問道:「好好的又生氣了?就是我說錯了,你到底也還坐在那裡,和別人說笑一會子。又來自己納悶。」林黛玉道:「你管我呢!」寶玉笑道: 「我自然不敢管你,只沒有個看著你自己作踐了身子呢。」林黛玉道:「我作踐壞了身子,我死,與你何干!」寶玉道:「何苦來,大正月里,死了活了的。」林黛玉道:「偏說死!我這會子就死!你怕死,你長命百歲的,如何?」寶玉笑道:「要象只管這樣鬧,我還怕死呢?倒不如死了乾凈。」黛玉忙道:「正是了,要是這樣鬧,不如死了乾凈。」寶玉道:「我說我自己死了乾凈,別聽錯了話賴人。」正說著,寶釵走來道:「史大妹妹等你呢。」說著,便推寶玉走了。這裡黛玉越發氣悶,只向窗前流淚。沒兩盞茶的工夫,寶玉仍來了。林黛玉見了,越發抽抽噎噎的哭個不住。寶玉見了這樣,知難輓回,打疊起千百樣的款語溫言來勸慰。不料自己未張口,只見黛玉先說道:「你又來作什麼?橫豎如今有人和你頑,比我又會念,又會作,又會寫,又會說笑,又怕你生氣拉了你去,你又作什麼來?死活憑我去罷了!」寶玉聽了忙上來悄悄的說道:「你這麼個明白人,難道連『親不間疏,先不僭後』也不知道?我雖糊塗,卻明白這兩句話。頭一件,咱們是姑舅姊妹,寶姐姐是兩姨姊妹,論親戚,他比你疏。第二件,你先來,咱們兩個一桌吃,一床睡,長的這麼大了,他是才來的,豈有個為他疏你的?」林黛玉啐道:「我難道為叫你疏他?我成了個什麼人了呢!我為的是我的心。」寶玉道:「我也為的是我的心。難道你就知你的心,不知我的心不成?」林黛玉聽了,低頭一語不發,半日說道:「你只怨人行動嗔怪了你,你再不知道你自己慪人難受。就拿今日天氣比,分明今兒冷的這樣,你怎麼倒反把個青肷披風脫了呢?」寶玉笑道:「何嘗不穿著,見你一惱,我一燥就脫了。」 黛玉嘆道:「回來傷了風,又該餓著吵吃的了。」   二人正說著,只見湘雲走來,笑道:「二哥哥,林姐姐,你們天天一處頑,我好容易來了,也不理我一理兒。」黛玉笑道:「偏是咬舌子愛說話,連個『二』哥哥也叫不出來,只是『愛』哥哥『愛』哥哥的。回來趕圍棋兒,又該你鬧『幺愛三四五』了。」寶玉笑道:「你學慣了他,明兒連你還咬起來呢。」史湘雲道:「他再不放人一點兒,專挑人的不好。你自己便比世人好,也不犯著見一個打趣一個。指出一個人來,你敢挑他,我就伏你。」黛玉忙問是誰。湘雲道:「你敢挑寶姐姐的短處,就算你是好的。我算不如你,他怎麼不及你呢。」黛玉聽了,冷笑道:「我當是誰,原來是他!我那裡敢挑他呢。」 寶玉不等說完,忙用話岔開。湘雲笑道:「這一輩子我自然比不上你。我只保佑著明兒得一個咬舌的林姐夫,時時刻刻你可聽『愛』『厄』去。阿彌陀佛,那才現在我眼裡!」說的眾人一笑,湘雲忙回身跑了。要知端詳,下回分解。

Bau-yü erzählte also bei Dai-yü im Zimmer von den Rattengeistern, als Bau-tschai dazukam und ihn verspottete, weil ihm zum Laternenfestdas Zitat vom grünen Wachs nicht eingefallen war. So stichelten sie zu dritt gegeneinander und machten sich übereinander lustig. Bau-yü hatte gefürchtet, Dai-yü werde, wenn sie sich nach dem Essen gehen ließe und schliefe, Verdauungsstörungen bekommen und in der Nacht nicht schlafen können, was nicht der richtige Weg war, die Gesundheit zu pflegen. Als jetzt Bau-tschai kam und Dai-yü über dem Plaudern und Scherzen die Müdigkeit verging, atmete er erleichtert auf. Da war plötzlich aus seinem Zimmer Geschrei zu hören. Alle drei spitzten die Ohren und lauschten. Schließlich war es Dai-yü, die als erste lächelnd erklärte: „Das sind deine Amme und Hsi-jën, die da so schreien. An Hsi-jën ist nichts auszusetzen, und wenn deine Amme ihr allen Ernstes Vorhaltungen macht, heißt das wohl, daß sie vor Alter den Verstand verloren hat!“ Schon wollte Bau-yü hinüberstürzen, aber Bau-tschai hielt ihn rasch fest und sagte: „Du darfst nicht mit ihr streiten! Das Alter hat ihr wirklich den Kopf verwirrt, und man muß nachsichtig mit ihr sein.“ „Schon gut!“ sagte Bau-yü. „Ich habe verstanden.“ Und damit ging er in sein Zimmer, wo er Amme Li vorfand, die auf ihren Stock gestützt dastand und Hsi-jën beschimpfte. „Du undankbare kleine Hure!“ zeterte sie. „Ich habe überhaupt erst etwas gemacht aus dir, und jetzt liegst du hochnäsig auf dem Ofenbett, wenn ich komme, und beachtest mich nicht. Das einzige, woran du denkst, ist, mit Bau-yü schönzutun, um ihn zu bezirzen. So weit hast du‘s schon damit gebracht, daß Bau-yü nichts mehr von mir wissen will und nur noch auf euch hört. Ein dummes Ding bist du, für ein paar Liang schnödes Silber gekauft, und willst dich hier aufspielen! Wie wär‘s, wenn wir dich fortschaffen und mit irgendeinem Kerl verheiraten? Mal sehen, ob du Bau-yü dann immer noch mit deinen Hexenkünsten bezirzen wirst!“ Zu Anfang hatte Hsi-jën geglaubt, Amme Li schimpfe nur deshalb mit ihr, weil sie auf dem Ofenbett lag. Darum hatte sie ihr zu erklären versucht, daß sie krank sei und schwitzen müsse, sich deshalb die Decke über den Kopf gezogen habe und sie so nicht habe sehen können. Als sie sich dann anhören mußte, sie wolle Bau-yü bezirzen und solle verheiratet werden, fühlte sie sich beschämt und beleidigt und brach in Tränen aus. Das alles hatte Bau-yü mit angehört, aber er wußte nicht recht, was er sagen sollte. Darum beschränkte er sich darauf zu erklären, Hsi-jën sei krank und habe Medizin einnehmen müssen. „Wenn du es nicht glaubst, frag die anderen Mädchen!“ Aber darüber geriet Amme Li erst recht in Wut. „Du mußt natürlich diese Füchsinnen in Schutz nehmen und kennst mich nicht mehr!“ sagte sie. „Wen soll ich denn fragen? Hier machen doch alle gemeinsame Sache mit dir und werden von Hsi-jën unter Druck gesetzt. Ich weiß alles! Diese Dinge werde ich mit dir nur vor der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau ausmachen. Mit meiner Milch habe ich dich großgezogen, und jetzt, wo du mich nicht mehr brauchst, läßt du mich links liegen und gestattest den Mädchen, sich vor mir aufzuspielen.“ Noch ehe sie ihren Wortschwall beendet hatte, brach auch sie in Tränen aus. Inzwischen waren auch Dai-yü und Bau-tschai herübergekommen und redeten begütigend auf sie ein. „Habt doch ein wenig Nachsicht mit ihnen, dann ist der Fall erledigt!“ sagten sie. Amme Li aber hatte die beiden kaum erblickt, als sie sie schon bei den Händen faßte und ihnen ihr Leid zu klagen begann, wobei sie den Tee, den sie damals trank, was dann Tjiän-hsüä die Stellung gekostet hatte, mit der Cremespeise von gestern und weiteren Vorfällen hoffnungslos durcheinanderbrachte. Der Zufall wollte es, daß sich Hsi-fëng eben im Hauptraum aufhielt, wo sie gerade dabei war, Gewinn und Verlust einer Spielrunde zu berechnen. Als sie jetzt aus einem der hinteren Zimmer Lärm hörte, wußte sie, daß Amme Li wieder einmal in ihren alten Fehler verfallen war und Bau-yüs Sklavenmädchen herunterputzte, um ihre Wut über ihre Spielverluste an ihnen auszulassen. Darum eilte sie nach hinten, faßte Amme Li beim Ärmel und sagte: „Reg dich doch hier nicht auf, wo die alte gnädige Frau eben erst an dem großen Feiertag ein bißchen Freude gehabt hat! Alt, wie du bist, solltest du für Ruhe sorgen, wenn andere laut sind. Du aber scheinst kein Gefühl für Anstand zu haben, wenn du hier schreist und die alte gnädige Frau damit in Aufregung versetzt! Sag mir nur, wer dir etwas getan hat, und ich werde sie an deiner Statt dafür schlagen. Komm, ich habe geschmorten Fasan zu Hause, der ist noch ganz heiß. Also komm schnell mit, wir woll‘n ihn uns schmecken lassen und Wein dazu trinken!“ Bei diesen Worten zog sie Amme Li mit sich fort und befahl Fëng-örl: „Du bringst ihren Stock und ein Taschentuch, um ihr die Tränen abzuwischen!“ Stolpernd ließ Amme Li sich wegführen und sagte dabei: „Was soll mir dieses Leben noch, nachdem ich so alt geworden bin! Schön, ich habe kein Gefühl mehr für Anstand und habe hier so spektakelt, daß ich mich unmöglich gemacht habe. Aber immer noch besser, als mich von dieser kleinen Hure beleidigen zu lassen!“ Bau-tschai und Dai-yü klatschten vor Vergnügen in die Hände, als sie sahen, wie resolut Hsi-fëng handelte. „Ein Glück, daß dieser Wirbelwind gekommen ist und die Alte weggetragen hat!“ sagten sie. Bau-yü aber nickte mit dem Kopf und sagte seufzend: „Wer weiß, auf wessen Konto es geht, daß sie wieder die Schwächste zum Sündenbock gemacht hat! Sicher war noch eine Rechnung offen, weil eines der Mädchen sie gestern gekränkt hat.“ Das hatte er kaum gesagt, als Tjing-wën lachend bemerkte: „Keine von uns ist so verrückt, sie zu kränken. Und wer es dennoch täte, würde es eingestehen und nicht andere mit hineinziehen.“ Hsi-jën faßte weinend nach Bau-yüs Hand und sagte: „Meinetwegen ist deine alte Amme beleidigt worden, und jetzt beleidigst du noch meinetwegen die andern. War es denn nicht genug, daß ich zu leiden hatte, müssen auch sie etwas abbekommen?“ Als Bau-yü sah, wie sich Hsi-jën erregte, die doch ohnehin schon krank war, schluckte er rasch seinen Ärger hinunter und versuchte, sie zu beruhigen. „Schlaf nur und schwitze weiter!“ sagte er. Dann bemerkte er, daß sie vor Fieber zu glühen schien, und so legte er sich selbst neben sie, um nach ihr sehen zu können. Dabei redete er ihr zu, sie solle sich auskurieren und sich nicht über jede Kleinigkeit aufregen. „Wenn man sich darüber aufregen wollte, könnte man es keine Viertelstunde hier bei dir aushalten“, erwiderte sie ihm mit bitterem Lächeln darauf. „Aber ich weiß wirklich nicht, wie ich das auf die Dauer ertragen soll. Immer wieder habe ich dir gesagt, du sollst unseretwegen niemanden beleidigen. Du siehst nur, daß du uns im Augenblick beistehst, die Leute aber merken sich alles, und sobald sich eine Gelegenheit bietet, kramen sie es hervor, und wie stehen wir dann da!“ Bei diesen Worten begann sie wieder zu weinen, aber um Bau-yü nicht unnötig aufzuregen, verbiß sie sich tapfer die Tränen. Bald darauf brachte eine Alte, die allerlei Handreichungen verrichtete, den zweiten Aufguß der Medizin herein, und weil Bau-yü sah, daß Hsi-jën eben wieder anfing zu schwitzen, ließ er nicht zu, daß sie aufstand. Vielmehr griff er selbst nach der Medizin und flößte sie ihr im Sitzen ein. Dann befahl er den kleineren Sklavenmädchen, sie sollten das Ofenbett richten. „Egal, ob du etwas essen willst oder nicht, geh jetzt ein Weilchen zur alten gnädigen Frau und zur gnädigen Frau! Unterhalte dich auch ein wenig mit den Fräulein, und dann komm wieder zurück!“ riet ihm Hsi-jën. „Mir wird es gut tun, solange still hier liegen zu bleiben.“ Bau-yü nahm ihr noch die Haarpfeile und die Ohrringe ab und überzeugte sich, daß sie sich ordentlich hinlegte, dann ging er in den Hauptraum hinüber und aß mit der Herzoginmutter. Nach dem Essen wollte sich die Herzoginmutter beim Kartenspielen mit ein paar alten Verwalterinnen die Zeit vertreiben, Bau-yü aber machte sich Gedanken um Hsi-jën und ging in seine Räume zurück. Hier fand er Hsi-jën schlafend vor, aber um selbst schlafen zu gehen, schien es ihm noch zu früh. Tjing-wën, Tji-hsiän, Tjiu-wën und Bi-hën waren auf der Suche nach Zerstreuung zu Yüan-yang und Hu-po gegangen, um sich mit ihnen beim Spiel zu vergnügen. Im Vorraum saß Schë-yüä einsam im Lampenschein und spielte mit Dominosteinen. „Warum bist du nicht auch mit den anderen spielen gegangen?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Weil ich kein Geld habe“, antwortete Schë-yüä. „Aber es liegt doch genug unter dem Bett“, sagte Bau-yü. „Reicht dir das nicht zum Verspielen?“ „Und wer soll hier aufpassen, wenn alle spielen gehen?“ fuhr Schë-yüä fort. „Sie liegt dort drinnen krank, und hier brennen überall Lichter und Feuer. Die alten Frauen haben es den Tag über schwer genug gehabt mit ihren müden Knochen, da muß man ihnen schon Ruhe gönnen. Die Mädchen haben auch den ganzen Tag über aufgewartet, warum sollen sie da jetzt nicht spielen dürfen? Darum habe ich sie alle gehen lassen und passe hier auf.“ Als Bau-yü das hörte, sagte er sich, sie sei geradezu eine zweite Hsi-jën, und lächelnd bot er ihr an: „Ich bleibe hier sitzen, du kannst ruhig gehen.“ „Wenn du hier bist, brauche ich erst recht nicht zu gehen. Wir wollen uns miteinander unterhalten und lustig sein, ja?“ erwiderte Schë-yüä darauf. „Was können wir zu zweit schon anfangen?“ fragte Bau-yü. „Das hat doch keinen Sinn! Aber sei‘s drum! Hast du nicht heute früh gesagt, dir juckt der Kopf? Jetzt haben wir weiter nichts zu tun, da werde ich dir das Haar durchkämmen!“ „Schön!“ sagte Schë-yüä und holte ihr Frisierzeug und ihr Spiegelkästchen. Dann legte sie Haarpfeile und Armreifen ab und öffnete ihr Haar. Bau-yü nahm einen Staubkamm und begann, ihr Haar Strähne für Strähne zu kämmen. Da kam, als er das eben drei- oder viermal getan hatte, plötz­lich Tjing-wën herein, um sich Geld zu holen. Kaum hatte sie die beiden

Zu traulicher Nachtstunde spricht Hsi-jën ein ernstes Wort. Aus: Jin­yu­­yuan, 1889a. erblickt, bemerkte sie mit spöttischem Lächeln: „Ach, die Hochzeitsbecher habt ihr noch nicht miteinander geleert, aber du richtest ihr schon die Frisur der Jungvermählten!“ „Komm her!“ sagte Bau-yü lächelnd. „Dann kämme ich dich auch!“ „Wie käme ich zu diesem Glück!“ sagte Tjing-wën, nahm das Geld, schleuderte den Türvorhang beiseite und ging hinaus. Bau-yü saß hinter Schë-yüä, Schë-yüä aber saß vor dem Spiegel, und so konnten sie einander im Spiegel sehen. Jetzt lächelte Bau-yü ihr im Spiegel zu und sagte: „Von allen, die hier im Zimmer sind, hat nur sie so eine spitze Zunge.“ Als Schë-yüä das hörte, machte sie ihm im Spiegel rasch mit der Hand ein Zeichen, aber schon klappte wieder der Türvorhang, und Tjing-wën stürzte herein und sagte: „Was ist mit meiner Zunge? Darüber wollen wir einmal reden!“ „Ach, geh!“ sagte Schë-yüä lächelnd. „Was soll denn das?“ „Du mußt ihm natürlich beistehen“, sagte Tjing-wën. „Ich bin schon längst hinter eure Schliche gekommen. Wenn ich mein Geld zurückgewonnen habe, sprechen wir uns wieder!“ Und damit ging sie hinaus. Hier aber kämmte Bau-yü Schë-yüäs Haar zu Ende und befahl dann, sie solle ihm leise beim Zubettgehen behilflich sein, weil er Hsi-jën nicht stören wollte. Über die Nacht ist weiter nichts zu sagen. Am nächsten Morgen fühlte sich Hsi-jën etwas leichter, nachdem sie in der Nacht geschwitzt hatte, und aß ein wenig nüchterne Reissuppe. Dann wollte sie weiter ruhen. So ging Bau-yü nach dem Essen unbesorgt zu Tante Hsüä hinüber. Nach dem Neujahrsfest waren in der Schule jetzt Ferien, und für die Mädchen ruhte die Nadelarbeit. So hatte jedermann frei, und auch Djia Huan war gekommen, um am Vergnügen teilzuhaben. Er hatte Bau-tschai, Hsiang-ling und Ying-örl zu dritt beim Würfelspiel gefunden und verlangte, mitspielen zu dürfen. Bau-tschai sah Djia Huan seit jeher mit denselben Augen an wie Bau-yü und hatte keinerlei Nebengedanken.sie hinaus. Hier aber kämmte Bau-yü Schë-yüäs Haar zu Ende und befahl dann, sie solle ihm leise beim Zubettgehen behilflich sein, weil er Hsi-jën nicht stören wollte. Über die Nacht ist weiter nichts zu sagen. Am nächsten Morgen fühlte sich Hsi-jën etwas leichter, nachdem sie in der Nacht geschwitzt hatte, und aß ein wenig nüchterne Reissuppe. Dann wollte sie weiter ruhen. So ging Bau-yü nach dem Essen unbesorgt zu Tante Hsüä hinüber. Nach dem Neujahrsfest waren in der Schule jetzt Ferien, und für die Mädchen ruhte die Nadelarbeit. So hatte jedermann frei, und auch Djia Huan war gekommen, um am Vergnügen teilzuhaben. Er hatte Bau-tschai, Hsiang-ling und Ying-örl zu dritt beim Würfelspiel gefunden und verlangte, mitspielen zu dürfen. Bau-tschai sah Djia Huan seit jeher mit denselben Augen an wie Bau-yü und hatte keinerlei Nebengedanken. Als sie hörte, er wolle mitspielen, bat sie ihn, Platz zu nehmen. Sie spielten um einen Einsatz von zehn Bronzemünzen, und als Djia Huan die erste Runde gewann, frohlockte er innerlich. Dann aber verlor er mehrere Male hintereinander und wurde unruhig. Jetzt war er mit Würfeln an der Reihe und brauchte sieben Augen, um zu gewinnen. Würde er nur sechs werfen, dann konnte ihn Ying-örl, die als nächste kam, mit drei Augen besiegen. Also nahm er die Würfel und schleuderte sie mit aller Kraft auf den Tisch. Der eine blieb liegen und zeigte eine Fünf, der andere aber drehte sich immer weiter. Ying-örl klatschte in die Hände und rief: „Eine Eins, eine Eins!“, Djia Huan jedoch starrte auf den Würfel und rief ohne Sinn und Verstand: „Sechs, sieben, acht...“ Doch als der Würfel liegenblieb, zeigte er ausgerechnet eine Eins. Da streckte Djia Huan rasch die Hand aus und nahm den Würfel fort. Dann sammelte er das Geld ein und sagte: „Es war eine Sechs!“ Ying-örl aber widersprach: „Es war ganz klar eine Eins!“ Bau-tschai hatte gesehen, wie Djia Huan sich erregte, darum warf sie Ying-örl einen Blick zu und sagte: „Je älter du wirst, desto mehr verlierst du den Anstand. Wird ein junger Herr dich betrügen? Sofort legst du das Geld wieder hin!“ Ying-örl war zwar zutiefst gekränkt, wagte Bau-tschai jedoch nicht zu widersprechen. Also legte sie das Geld wieder hin, murmelte aber dabei: „Das ist mir schon ein Herr, der uns um ein paar Münzen betrügt! Neulich habe ich mit dem jungen Herrn Bau-yü gespielt, und es hat ihn überhaupt nicht gekümmert, daß er verloren hat. Sogar als sich die kleineren Mädchen einfach die restlichen Münzen nahmen, hat er nur darüber gelacht und...“ Noch ehe sie ausgesprochen hatte, wurde sie von Bau-tschai scharf unterbrochen. Djia Huan aber sagte: „Worin könnte ich mich schon mit Bau-yü messen! Ihr stellt euch alle nur gut mit ihm, weil ihr Angst vor ihm habt. Mich aber beleidigt ihr, weil nicht die gnädige Frau mich geboren hat.“ Und schon begann er zu weinen. „Liebster Vetter“, redete Bau-tschai ihm zu, „hör auf damit, sonst wird man dich noch auslachen!“ Dann begann sie mit Ying-örl zu schimpfen. In diesem Augenblick kam Bau-yü ins Zimmer und erkundigte sich, was vorgefallen sei. Djia Huan wagte kein Wort zu sagen, Bau-tschai aber wußte, daß es in anderen Familien die Regel war, daß die jüngeren Brüder vor den älteren Angst hatten. Was sie jedoch nicht wußte, war, daß Bau-yü nicht wollte, daß jemand Angst vor ihm hatte. Er sagte sich: „Wir haben doch alle unsere Eltern, die uns erziehen, warum also soll ich mir die Mühe machen, mich jemandem zu entfremden? Noch dazu, wo ich der Sohn der Hauptfrau bin, er aber ist der Sohn einer Nebenfrau, und es gibt ohnehin schon Leute, die heimlich darüber reden. Was würden sie erst sagen, wenn ich versuchte, ihm Vorschriften zu machen!“ Er hatte sogar noch eine andere törichte Vorstellung, und wißt ihr auch, welche? Von klein auf inmitten von Schwestern und Kusinen aufgewachsen (da waren seine Schwestern Yüan-tschun und Tan-tschun, dann die nahen Kusinen Ying-tschun und Hsi-tschun sowie die entfernteren Schï Hsiang-yün, Lin Dai-yü und Hsüä Bau-tschai), meinte er, der Himmel habe den Menschen als Seele aller Dinge hervorgebracht, aber die Quintessenz von Bergen und Strömen, Sonne und Mond sei nur den Mädchen eingegeben, während die bärtigen Männer nichts weiter seien als Abschaum und Bodensatz. Mit dieser törichten Vorstellung im Herzen sah er alle Männer als dumme, schmutzige Wesen an, deren Existenz ihm gleichgültig war. Und nur weil Kung-dsï der größte Mensch aller Zeiten war, dessen Lehren man nicht zuwiderhandeln konnte, hörte er notgedrungen auf das, was Vater, Onkel und ältere Vettern ihm sagten. Den Jüngeren gegenüber ließ er es jedoch einfach bei dem bewenden, was die Vernunft gebot, und dachte gar nicht daran, daß er ihnen ein Vorbild sein müßte. Deshalb fürchteten ihn weder Djia Huan noch die anderen und gaben ihm nur deswegen ein wenig nach, weil sie Angst vor der Herzoginmutter hatten. Bau-tschai aber glaubte, Bau-yü werde Djia Huan Belehrungen erteilen, und das werde die Sache nicht besser machen, deshalb nahm sie ihn rasch mit einer Ausrede in Schutz. „Wie kann man denn im Neujahrsmonat heulen!“ sagte Bau-yü. „Wenn es dir hier nicht gefällt, dann geh woandershin spielen! Tag für Tag studierst du die Schriften, da hast du dich wohl dummstudiert? Wenn dir etwas nicht gefällt, etwas anderes aber gefällt dir, dann laß doch jenes und nimm dieses. Oder meinst du, wenn du es festhältst und heulst eine Weile, wird es besser? Du bist doch hergekommen, um dich zu vergnügen, und wenn du dich hier nicht vergnügen kannst, dann geh doch weg und such dir ein anderes Vergnügen. Oder hältst du es für ein Vergnügen, hier herumzuheulen? Du bereitest dir nur selber Ärger. Das beste ist wirklich, du verschwindest recht schnell von hier!“ Nach diesen Worten blieb Djia Huan keine andere Wahl, als in seine Wohnräume zurückzukehren. Als seine Mutter, Nebenfrau Dschau, sah, was er für ein Gesicht machte, fragte sie: „Wer hat denn nun wieder seine Wut an dir ausgelassen?“ Da sie keine Antwort bekam, wiederholte sie die Frage, und erst jetzt sagte Djia Huan: „Ich habe mit Kusine Bau-tschai gespielt, und ihre Ying-örl hat mich beleidigt und um mein Geld betrogen. Dann hat Bau-yü mich weggejagt.“ Nebenfrau Dschau spuckte aus und hielt ihm dann vor: „Mußtest du dich dort aufdrängen, du gemeiner, schamloser Bengel? Das ist kein Platz für dich zum Spielen. Wer hat dich geheißen, ausgerechnet dorthin zu laufen und dir Scherereien einzuhandeln?“

   1. Schë-yüä. Aus: Gai Qi 1879.

Gerade als sie das sagte, kam draußen Hsi-fëng am Fenster vorbei und hörte Wort für Wort. Und so sagte sie durchs Fenster: „Was soll denn das im Neujahrsmonat? Schwager Huan ist doch noch ein Kind, und wenn er eine Kleinigkeit falsch macht, muß er belehrt werden und nicht solche Sachen gesagt bekommen. Was er macht, darum kümmern sich die gnädige Frau und der gnädige Herr. Einfach vor ihm auszuspucken! Er gehört doch mit zu den Herrschaften, und wenn er einen Fehler macht, sind schließlich Leute da, um ihn zu belehren. Was geht dich das an! – Komm heraus, Schwager, und geh mit mir spielen!“ Djia Huan hatte seit jeher vor Hsi-fëng mehr Respekt als vor Dame Wang. Darum ging er jetzt folgsam zu ihr hinaus, und auch Nebenfrau Dschau wagte keinen Ton mehr zu sagen. „Hast du denn gar keinen Charakter?“ Mit diesen Worten wurde Djia Huan von Hsi-fëng empfangen. „Habe ich dir nicht oft genug gesagt, du sollst essen und trinken, sollst spielen und lachen, und du kannst mit allen Vettern und Kusinen zusammen spielen, wenn du nur willst? Aber anstatt auf mich zu hören, läßt du dir von andern beibringen, schlecht und boshaft zu sein, den einen zu schmeicheln und die andern zu bedrängen. Wer sich selbst nicht achtet, sinkt immer tiefer. Und wer Böses im Herzen trägt, sollte nicht andern vorwerfen, sie seien ungerecht. Wieviel hast du denn im Spiel verloren, daß du dich so aufführen mußt?“ „Ein- bis zweihundert Münzen habe ich verloren“, gab Djia Huan bereitwillig Auskunft. „Du willst ein Herr sein und machst so ein Gewese um ein paar hundert Münzen?“ fragte Hsi-fëng. Sie wandte sich um und befahl Fëng-örl: „Hol eine Schnur Münzen! Und dann bring ihn nach hinten, wo die jungen Fräulein spielen, damit er dort mitspielen kann!“ Anschließend fuhr sie, wieder zu Djia Huan gewandt, fort: „Wenn du weiter so gemein und würdelos bist, werde ich dich zuerst selber schlagen und dann jemand in der Schule Bescheid sagen lassen, damit man dir dort die Haut vom Leibe schindet! Dein Vetter Liän knirscht über deinen Mangel an Selbstachtung schon vor Wut mit den Zähnen, und wenn ich ihn nicht daran hindern würde, hätte er dir schon längst einen Tritt versetzt, daß dir die Därme aus dem Bauch quellen. – Verschwinde!“ schrie sie ihn schließlich an, und Djia Huan ging gehorsam hinter Fëng-örl her, nahm das Geld in Empfang und ließ sich dann zu Ying-tschun bringen, um zu spielen. Aber davon soll hier nicht die Rede sein. Während Bau-yü mit Bau-tschai spielte und scherzte, wurde plötzlich gemeldet: „Fräulein Schï ist da!“ Sofort stand Bau-yü auf, um zu gehen, Bau-tschai aber sagte lächelnd: „Warte doch, wir gehen gemeinsam! Ich möchte sie auch sehen.“ Damit stieg sie vom Ofenbett und ging mit Bau-yü zusammen zur Herzoginmutter hinüber, wo Schï Hsiang-yün eben mit lauter Stimme lachte und sprach. Als sie die beiden erblickte, fragte sie rasch nach ihrem Befinden, und sie begrüßten einander. Dai-yü, die ebenfalls dort war, fragte Bau-yü, wo er gewesen sei. „Ich war bei Kusine Bau-tschai“, erwiderte er. „Da kann ich nur sagen, welch ein Glück, daß ihre Gesellschaft dich so gefesselt hat“, sagte Dai-yü spöttisch. „Sonst hättest du ja schon längst hier sein können!“ „Darf ich denn nur mit dir spielen und nur dir die Zeit vertreiben?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Kaum daß ich einmal zufällig bei ihr war, mußt du so etwas sagen!“ „Was für einen Unsinn du redest!“ gab Dai-yü zurück. „Was kümmert das mich, ob du sie besuchst oder nicht? Ich habe dich ja schließlich nicht gebeten, mir die Zeit zu vertreiben. In Zukunft brauchst du dich um mich überhaupt nicht mehr zu kümmern!“ Und wütend ging sie in ihre Räume. Rasch ging Bau-yü ihr nach und sagte: „Nun regst du dich wieder auf! Auch wenn ich etwas Falsches gesagt habe, kannst du doch drüben sitzen bleiben und noch ein Weilchen mit den andern plaudern und scherzen, anstatt dich hier einsam zu grämen.“ „Du brauchst mir keine Vorschriften zu machen!“ sagte Dai-yü. „Das würde ich niemals wagen“, erwiderte Bau-yü lächelnd. „Ich kann doch aber nicht einfach zusehen, wie du dich zugrunde richtest.“ „Hat das etwas mit dir zu tun, wenn ich mich zugrunde richte und sterbe?“ fragte Dai-yü. „Warum quälst du dich nur und mußt im Neujahrsmonat vom Sterben sprechen?“ sagte Bau-yü ihr darauf. „Ich will aber gerade vom Sterben sprechen!“ beharrte Dai-yü. „Ich sterbe jetzt, und du kannst hundert Jahre alt werden, wenn du Angst hast zu sterben. Wie wäre das?“ „Meinst du, ich hätte noch Angst davor, wenn du immer nur mit mir zankst?“ fragte Bau-yü. „Da ist es besser zu sterben, und damit Schluß!“ „Eben!“ sagte Dai-yü. „Anstatt sich zanken zu müssen, ist es besser, ich sterbe, und damit Schluß!“ „Ich habe gesagt, ich sterbe, und damit Schluß“, protestierte Bau-yü. „Dreh mir doch nicht die Worte im Munde herum!“ In diesem Moment kam Bau-tschai herein und sagte: „Kusine Hsiang-yün wartet auf dich.“ Und sie stieß Bau-yü an, um ihn zum Mitkommen aufzufordern. Dai-yü aber drehte sich verzweifelt zum Fenster und ließ ihren Tränen freien Lauf. Es verging nicht einmal so viel Zeit, wie man sie braucht, um zwei Tassen Tee zu trinken, da war Bau-yü wieder da, Dai-yü aber schluchzte nur um so heftiger. Bau-yü wußte, daß es schwer sein würde, sie auf andere Gedanken zu bringen, und legte sich hundert zärtliche Worte zurecht, mit denen er sie trösten wollte. Aber unversehens begann Dai-yü selbst zu sprechen, noch ehe er den Mund aufgetan hatte. „Was willst du denn schon wieder hier?“ fragte sie. „Du hast doch eine gefunden, mit der du spielen kannst und die besser liest, besser dichtet, besser schreibt und besser plaudert und lacht als ich. Sie hat dich ja sogar weggeholt, weil sie Angst hatte, du würdest dich aufregen. Was willst du also hier? Geh mir nur weg!“ Bau-yü aber trat näher an sie heran und redete leise auf sie ein: „Du bist doch klug genug, um einen Satz wie diesen zu verstehen: ‚Nahe Verwandte werden nicht durch entfernte getrennt, neue Freunde nehmen nicht die Plätze der alten ein.‘ Ich bin zwar dumm, aber ich verstehe ihn. Zum ersten bist du die Tochter der Schwester meines Vaters, Bau-tschai aber ist die Tochter der Schwester meiner Mutter, folglich bin ich mit ihr entfernter verwandt als mit dir. Zum zweiten warst du früher hier, und wir haben an einem Tisch gegessen und auf einem Bett geschlafen, als wir aufgewachsen sind, sie aber ist erst vor kurzem gekommen. Wie könnte ich dich also ihretwegen hintansetzen?“ Dai-yü spuckte aus und sagte dann: „Geht es mir etwa darum, daß du sie hintansetzen sollst? Für wen hältst du mich denn? Worum es mir geht, ist, wie es im Herzen aussieht!“ „Darum geht es mir ja auch!“ sagte Bau-yü. „Kennst du etwa nur dein eigenes Herz und meines nicht?“ Als Dai-yü das hörte, senkte sie schweigend den Kopf. Erst nach einer langen Pause sagte sie: „Du siehst nur, daß andere durch ihr Benehmen dich ärgern, aber daß auch du die andern ärgerst und betrübst, merkst du nicht. Wie konntest du nur heute bei dieser Kälte deinen Umhang aus Blaufuchsklaue ablegen!“ „Ich habe ihn ja umgehabt“, erwiderte Bau-yü lächelnd. „Aber als du dich aufgeregt hast, ist mir so heiß geworden, daß ich ihn ablegen mußte.“ „Und dann wunderst du dich, wenn du dich erkältet hast!“ seufzte Dai-yü. Bei diesen Worten kam Hsiang-yün herein und sagte lächelnd: „Vetter Bau-yü, Kusine Dai-yü, ihr zwei seid Tag für Tag beieinander, und wenn ich es einmal schaffe, herzukommen, kümmert ihr euch nicht um mich.“ „Also wirklich“, sagte Dai-yü lächelnd, „wer mit der Zunge anstößt, spricht besonders gern. Immer sagst du ai – ‚lieben‘ – statt örl – ‚zwei‘. Demnächst wirst du auch beim Würfelspiel zählen: Eins liebt drei, vier, fünf...“ „Mach sie nur tüchtig nach!“ sagte Bau-yü. „Dann wirst du bald genauso sprechen.“ „Sie kann aber auch kein bißchen nachsichtig sein“, beklagte sich Hsiang-yün. „Immer muß sie andern ihre Schwächen vorhalten! – Auch wenn du besser bist als alle andern, mußt du dich doch nicht über jeden, den du siehst, lustig machen. Aber ich will dir eine nennen, und wenn du es wagst, auch ihr etwas vorzuhalten, habe ich wirklich Respekt vor dir!“ „Und wer soll das sein?“ fragte Dai-yü sofort. „Kusine Bau-tschai“, erwiderte Hsiang-yün. „Wenn du es fertigbringst, auch ihr eine Schwäche vorzuhalten, bist du wirklich die beste. Mag auch ich nicht an sie heranreichen, aber worin käme sie dir nicht gleich?“ „Ich dachte, wunder wen du meinst, und da ist sie es“, sagte Dai-yü mit kühlem Lächeln. „Wie könnte ich es wagen, ihr etwas vorzuhalten, ich...“ Ohne Dai-yü ausreden zu lassen, brachte Bau-yü die beiden von ihrem Thema ab. Dann sagte Hsiang-yün lächelnd: „Ich werde natürlich nie an dich nicht heranreichen, solange ich lebe. Ich wünsche mir nur, daß du einen Mann bekommst, der auch mit der Zunge anstößt, damit du immerzu von ‚Liebe‘ hörst. Buddha Amitabha, das möchte ich erleben!“ Alle brachen in Gelächter aus, Hsiang-yün aber machte kehrt und lief hinaus. Wer wissen will, wie es weiterging – im nächsten Kapitel wird alles genau erklärt.