Hongloumeng/Chapter 66

From China Studies Wiki
Jump to navigation Jump to search

1 · ... · 11 · ... · 21 · ... · 31 · ... · 41 · ... · 51 · ... · 61 · 62 · 63 · 64 · 65 · 66 · 67 · 68 · 69 · 70 · 71 · ... · 81 · ... · 91 · ... · 101 · ... · 111 · ... · ← Contents

第六十六回

情小妹恥情歸地府 / 冷二郎一冷入空門

Die gefuehlvolle kleine Schwester geht vor Scham ueber die Liebe in die Unterwelt; Der kalte zweite junge Herr tritt nach einem Frostschauer ins Kloster ein

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung

話說鮑二家的打他一下子,笑道:「原有些真的,叫你又編了這混話,越發沒了捆兒。你倒不象跟二爺的人,這些混話倒象是寶玉那邊的了。」尤二姐才要又問,忽見尤三姐笑問道:「可是你們家那寶玉,除了上學,他作些什麼?」興兒笑道:「姨娘別問他,說起來姨娘也未必信。他長了這麼大,獨他沒有上過正經學堂。我們家從祖宗直到二爺,誰不是寒窗十載,偏他不喜讀書。老太太的寶貝,老爺先還管,如今也不敢管了。成天家瘋瘋顛顛的,說的話人也不懂,乾的事人也不知。外頭人人看著好清俊模樣兒,心裡自然是聰明的,誰知是外清而內濁,見了人,一句話也沒有。所有的好處,雖沒上過學,倒難為他認得幾個字。每日也不習文,也不學武,又怕見人,只愛在丫頭群里鬧。再者也沒剛柔,有時見了我們,喜歡時沒上沒下,大家亂頑一陣;不喜歡各自走了,他也不理人。我們坐著卧著,見了他也不理,他也不責備。因此沒人怕他,只管隨便,都過的去。」尤三姐笑道:「主子寬了,你們又這樣;嚴了,又抱怨。可知難纏。」尤二姐道:「我們看他倒好,原來這樣。可惜了一個好胎子。」尤三姐道:「姐姐信他胡說,咱們也不是見一面兩面的,行事言談吃喝,原有些女兒氣,那是只在裡頭慣了的。若說糊塗,那些兒糊塗?姐姐記得,穿孝時咱們同在一處,那日正是和尚們進來繞棺,咱們都在那裡站著,他只站在頭裡擋著人。人說他不知禮,又沒眼色。過後他沒悄悄的告訴咱們說:『姐姐不知道,我並不是沒眼色。想和尚們臟,恐怕氣味熏了姐姐們。』接著他吃茶,姐姐又要茶,那個老婆子就拿了他的碗倒。他趕忙說:『我吃臟了的,另洗了再拿來。』這兩件上,我冷眼看去,原來他在女孩子們前不管怎樣都過的去,只不大合外人的式,所以他們不知道。」尤二姐聽說,笑道:「依你說,你兩個已是情投意合了。竟把你許了他,豈不好?」三姐見有興兒,不便說話,只低頭嗑瓜子。興兒笑道:「若論模樣兒行事為人,倒是一對好的。只是他已有了,只未露形。將來準是林姑娘定了的。因林姑娘多病,二則都還小,故尚未及此。再過三二年,老太太便一開言,那是再無不准的了。」大家正說話,只見隆兒又來了,說:「老爺有事,是件機密大事,要遣二爺往平安州去。不過三五日就起身,來回也得半月工夫。今日不能來了。請老奶奶早和二姨定了那事,明日爺來,好作定奪。」說著,帶了興兒回去了。   這裡尤二姐命掩了門早睡,盤問他妹子一夜。至次日午後,賈璉方來了。尤二姐因勸他說:「既有正事,何必忙忙又來,千萬別為我誤事。」賈璉道:「也沒甚事,只是偏偏的又出來了一件遠差。出了月就起身,得半月工夫才來。」尤二姐道:「既如此,你只管放心前去,這裡一應不用你記掛。三妹子他從不會朝更暮改的。他已說了改悔,必是改悔的。他已擇定了人,你只要依他就是了。」賈璉問是誰,尤二姐笑道:「這人此刻不在這裡,不知多早才來,也難為他眼力。自己說了,這人一年不來,他等一年;十年不來,等十年;若這人死了再不來了,他情願剃了頭當姑子去,吃長齋念佛,以了今生。」賈璉問:「到底是誰,這樣動他的心?」二姐笑道:「說來話長。五年前我們老娘家裡做生日,媽和我們到那裡給老娘拜壽。他家請了一起串客,裡頭有個作小生的叫作柳湘蓮,他看上了,如今要是他才嫁。舊年我們聞得柳湘蓮惹了一個禍逃走了,不知可有來了不曾?」賈璉聽了道:「怪道呢!我說是個什麼樣人,原來是他!果然眼力不錯。你不知道這柳二郎,那樣一個標緻人,最是冷面冷心的,差不多的人,都無情無義。他最和寶玉合的來。去年因打了薛呆子,他不好意思見我們的,不知那裡去了一向。後來聽見有人說來了,不知是真是假。一問寶玉的小子們就知道了。倘或不來,他萍蹤浪跡,知道幾才來,豈不白耽擱了?」尤二姐道:「我們這三丫頭說的出來,乾的出來,他怎樣說,只依他便了。」   二人正說之間,只見尤三姐走來說道:「姐夫,你只放心。我們不是那心口兩樣人,說什麼是什麼。若有了姓柳的來,我便嫁他。從今日起,我吃齋念佛,只伏侍母親,等他來了,嫁了他去,若一百年不來,我自己修行去了。」說著,將一根玉簪,擊作兩段,「一句不真,就如這簪子!」說著,回房去了,真個竟非禮不動,非禮不言起來。賈璉無了法,只得和二姐商議了一回家務,復回家與鳳姐商議起身之事。一面著人問茗煙,茗煙說:「竟不知道。大約未來;若來了,必是我知道的。」一面又問他的街坊,也說未來。賈璉只得回覆了二姐。至起身之日已近,前兩天便說起身,卻先往二姐這邊來住兩夜,從這裡再悄悄長行。果見小妹竟又換了一個人,又見二姐持家勤慎,自是不消記掛。   是日一早出城,就奔平安州大道,曉行夜住,渴飲飢餐。方走了三日,那日正走之間,頂頭來了一群馱子,內中一夥,主僕十來騎馬,走的近來一看,不是別人,竟是薛蟠和柳湘蓮來了。賈璉深為奇怪,忙伸馬迎了上來,大家一齊相見,說些別後寒溫,大家便入酒店歇下,敘談敘談。賈璉因笑說:「鬧過之後,我們忙著請你兩個和解,誰知柳兄蹤跡全無。怎麼你兩個今日倒在一處了?」薛蟠笑道:「天下竟有這樣奇事。我同伙計販了貨物,自春天起身,往回里走,一路平安。誰知前日到了平安州界,遇一伙強盜,已將東西劫去。不想柳二弟從那邊來了,方把賊人趕散,奪回貨物,還救了我們的性命。我謝他又不受,所以我們結拜了生死弟兄,如今一路進京。從此後我們是親弟親兄一般。到前面岔口上分路,他就分路往南二百裡有他一個姑媽,他去望候望候。我先進京去安置了我的事,然後給他尋一所宅子,尋一門好親事,大家過起來。」賈璉聽了道:「原來如此,倒教我們懸了幾日心。」因又聽道尋親,又忙說道:「我正有一門好親事堪配二弟。」說著,便將自己娶尤氏,如今又要發嫁小姨一節說了出來,只不說尤三姐自擇之語。又囑薛蟠且不可告訴家裡,等生了兒子,自然是知道的。薛蟠聽了大喜,說:「早該如此,這都是舍表妹之過。」湘蓮忙笑說:「你又忘情了,還不住口。」薛蟠忙止住不語,便說:「既是這等,這門親事定要做的。」湘蓮道:「我本有願,定要一個絕色的女子。如今既是貴昆仲高誼,顧不得許多了,任憑裁奪,我無不從命。」賈璉笑道:「如今口說無憑,等柳兄一見,便知我這內娣的品貌是古今有一無二的了。」湘蓮聽了大喜,說:「既如此說,等弟探過姑娘,不過月中就進京的,那時再定如何?」賈璉笑道:「你我一言為定,只是我信不過柳兄。你乃是萍蹤浪跡,倘然淹滯不歸,豈不誤了人家。須得留一定禮。」湘蓮道:「大丈夫豈有失信之理。小弟素系寒貧,況且客中,何能有定禮。」薛蟠道:「我這裡現成,就備一分二哥帶去。」賈璉笑道:「也不用金帛之禮,須是柳兄親身自有之物,不論物之貴賤,不過我帶去取信耳。」湘蓮道:「既如此說,弟無別物,此劍防身,不能解下。囊中尚有一把鴛鴦劍,乃吾家傳代之寶,弟也不敢擅用,只隨身收藏而已。賈兄請拿去為定。弟縱系水流花落之性,然亦斷不舍此劍者。」說畢,大家又飲了幾杯,方各自上馬,作別起程。正是:將軍不下馬,各自奔前程。   且說賈璉一日到了平安州,見了節度,完了公事。因又囑他十月前後務要還來一次,賈璉領命。次日連忙取路回家,先到尤二姐處探望。誰知賈璉出門之後,尤二姐操持家務十分謹肅,每日關門閤戶,一點外事不聞。他小妹子果是個斬釘截鐵之人,每日侍奉母姊之餘,只安分守已,隨分過活。雖是夜晚間孤衾獨枕,不慣寂寞,奈一心丟了眾人,只念柳湘蓮早早回來完了終身大事。這日賈璉進門,見了這般景況,喜之不盡,深念二姐之德。大家敘些寒溫之後,賈璉便將路上相遇湘蓮一事說了出來,又將鴛鴦劍取出,遞與三姐。三姐看時,上面龍吞夔護,珠寶晶瑩,將靶一掣,裡面卻是兩把合體的。一把上面鏨著一「鴛」字,一把上面鏨著一「鴦」字,冷颼颼,明亮亮,如兩痕秋水一般。三姐喜出望外,連忙收了,掛在自己繡房床上,每日望著劍,自笑終身有靠。賈璉住了兩天,回去復了父命,回家合宅相見。那時鳳姐已大愈,出來理事行走了。賈璉又將此事告訴了賈珍。賈珍因近日又遇了新友,將這事丟過,不在心上,任憑賈璉裁奪,只怕賈璉獨力不加,少不得又給了他三十兩銀子。賈璉拿來交與二姐預備妝奩。   誰知八月內湘蓮方進了京,先來拜見薛姨媽,又遇見薛蝌,方知薛蟠不慣風霜,不服水土,一進京時便病倒在家,請醫調治。聽見湘蓮來了,請入卧室相見。薛姨媽也不念舊事,只感新恩,母子們十分稱謝。又說起親事一節,凡一應東西皆已妥當,只等擇日。柳湘蓮也感激不盡。   次日又來見寶玉,二人相會,如魚得水。湘蓮因問賈璉偷娶二房之事,寶玉笑道:「我聽見茗煙一干人說,我卻未見,我也不敢多管。我又聽見茗煙說,璉二哥哥著實問你,不知有何話說?」湘蓮就將路上所有之事一概告訴寶玉,寶玉笑道:「大喜,大喜!難得這個標緻人,果然是個古今絕色,堪配你之為人。」湘蓮道: 「既是這樣,他那裡少了人物,如何只想到我。況且我又素日不甚和他厚,也關切不至此。路上工夫忙忙的就那樣再三要來定,難道女家反趕著男家不成。我自己疑惑起來,後悔不該留下這劍作定。所以後來想起你來,可以細細問個底裡才好。」寶玉道:「你原是個精細人,如何既許了定禮又疑惑起來?你原說只要一個絕色的,如今既得了個絕色便罷了,何必再疑?」湘蓮道:「你既不知他娶,如何又知是絕色?」寶玉道:「他是珍大嫂子的繼母帶來的兩位小姨。我在那裡和他們混了一個月,怎麼不知?真真一對尤物,他又姓尤。」湘蓮聽了,跌足道:「這事不好,斷乎做不得了。你們東府里除了那兩個石頭獅子乾凈,只怕連貓兒狗兒都不乾凈。我不做這剩忘八。」寶玉聽說,紅了臉。湘蓮自慚失言,連忙作揖說:「我該死胡說。你好歹告訴我,他品行如何?」寶玉笑道:「你既深知,又來問我作甚麼?連我也未必乾凈了。」湘蓮笑道:「原是我自己一時忘情,好歹別多心。」寶玉笑道:「何必再提,這倒是有心了。」湘蓮作揖告辭出來,若去找薛蟠,一則他現卧病,二則他又浮躁,不如去索回定禮。主意已定,便一徑來找賈璉。   賈璉正在新房中,聞得湘蓮來了,喜之不禁,忙迎了出來,讓到內室與尤老相見。湘蓮只作揖稱老伯母,自稱晚生,賈璉聽了詫異。吃茶之間,湘蓮便說:「客中偶然忙促,誰知家姑母於四月間訂了弟婦,使弟無言可回。若從了老兄背了姑母,似非合理。若系金帛之訂,弟不敢索取,但此劍系祖父所遺,請仍賜回為幸。」 賈璉聽了,便不自在,還說:「定者,定也。原怕反悔所以為定。豈有婚姻之事,出入隨意的?還要斟酌。」湘蓮笑道:「雖如此說,弟願領責領罰,然此事斷不敢從命。」賈璉還要饒舌,湘蓮便起身說:「請兄外坐一敘,此處不便。」那尤三姐在房明明聽見。好容易等了他來,今忽見反悔,便知他在賈府中得了消息,自然是嫌自己淫奔無恥之流,不屑為妻。今若容他出去和賈璉說退親,料那賈璉必無法可處,自己豈不無趣。一聽賈璉要同他出去,連忙摘下劍來,將一股雌鋒隱在肘內,出來便說:「你們不必出去再議,還你的定禮。」一面淚如雨下,左手將劍並鞘送與湘蓮,右手回肘只往項上一橫。可憐「揉碎桃花紅滿地,玉山傾倒再難扶」,芳靈蕙性,渺渺冥冥,不知那邊去了。當下唬得眾人急救不迭。尤老一面嚎哭,一面又罵湘蓮。賈璉忙揪住湘蓮,命人捆了送官。尤二姐忙止淚反勸賈璉:「你太多事,人家並沒威逼他死,是他自尋短見。你便送他到官,又有何益,反覺生事出醜。不如放他去罷,豈不省事。」賈璉此時也沒了主意,便放了手命湘蓮快去。湘蓮反不動身,泣道:「我並不知是這等剛烈賢妻,可敬,可敬。」湘蓮反扶屍大哭一場。等買了棺木,眼見入殮,又俯棺大哭一場,方告辭而去。   出門無所之,昏昏默默,自想方纔之事。原來尤三姐這樣標緻,又這等剛烈,自悔不及。正走之間,只見薛蟠的小廝尋他家去,那湘蓮只管出神。那小廝帶他到新房之中,十分齊整。忽聽環珮叮噹,尤三姐從外而入,一手捧著鴛鴦劍,一手捧著一捲冊子,向柳湘蓮泣道:「妾痴情待君五年矣,不期君果冷心冷面,妾以死報此痴情。妾今奉警幻之命,前往太虛幻境修註案中所有一干情鬼。妾不忍一別,故來一會,從此再不能相見矣。」說著便走。湘蓮不舍,忙欲上來拉住問時,那尤三姐便說:「來自情天,去由情地。前生誤被情惑,今既恥情而覺,與君兩無干涉。」說畢,一陣香風,無蹤無影去了。   湘蓮警覺,似夢非夢,睜眼看時,那裡有薛家小童,也非新室,竟是一座破廟,旁邊坐著一個跏腿道士捕虱。湘蓮便起身稽首相問:「此系何方?仙師仙名法號?」道士笑道:「連我也不知道此系何方,我系何人,不過暫來歇足而已。」柳湘蓮聽了,不覺冷然如寒冰侵骨,掣出那股雄劍,將萬根煩惱絲一揮而盡,便隨那道士,不知往那裡去了。後回便見

bestellen, ich hätte die Sachen bekommen, die Leute könnten jetzt gehen!“ „Was sind das für Sachen, daß sie so verpackt und verschnürt sind?“ wollten Tante Hsüä und Bau-tschai nun wissen. Also ließ Hsüä Pan zwei von den Sklavenjungen hereinkommen, und als sie die Stricke aufgeschnürt, die Verschalungen entfernt und das Schloß aufgesperrt hatten, sah man, daß in der ersten Kiste Atlas, Brokat und andere Seidenstoffe, überseeische Waren und weitere Dinge lagen, wie man sie ständig im Haushalt braucht. Dann sagte Hsüä Pan lächelnd: „Die zweite Truhe ist für dich, Schwester.“ Und er öffnete diese Truhe selbst. Hier erblickten Mutter und Tochter Schreibpinsel, Tusche, Papier, Tuschereibsteine, verschiedenartiges Zierpapier, Riechbeutelchen, Perlenschnüre aus Duftholz, Fächer, Fächeranhänger, Blütenpuder, Rouge und so weiter, außerdem Trinkspiele und automatische Puppen, die Hsüä Pan vom Tigerhügel0 mitgebracht hatte, kobolzschießende Knabenfigürchen, die eine Quecksilberfüllung hatten, ‚Sandlampen‘, die außen mit Figuren verziert waren, deren papierne Köpfe und Gliedmaßen zu zucken begannen, wenn man die ‚Lampe‘ bewegte und dadurch den Sand, der darin war, in Bewegung brachte, mit blauer Seide bezogene Schachteln voller Tonfigürchen, die ganze Theatertruppen bildeten, und schließlich eine Tonstatuette, die Hsüä Pan am Tigerhügel von sich hatte anfertigen lassen und die ihm auch aufs Haar glich. Dieser Statuette galt Bau-tschais ganze Aufmerksamkeit, kaum daß sie sie erblickt hatte, während alles andere sie gleichgültig ließ. Sie nahm sie in die Hand und betrachtete sie aufmerksam, danach betrachtete sie ihren Bruder und konnte sich schließlich das Lachen nicht verbeißen. Dann erteilte sie Ying-örl den Auftrag, zusammen mit einigen alten Sklavenfrauen alles hinüber in den Garten zu bringen, einschließlich der Truhe. Sie selbst kehrte erst dorthin zurück, nachdem sie noch ein Weilchen mit Mutter und Bruder geplaudert hatte. Inzwischen nahm Tante Hsüä Stück für Stück aus der Truhe, die sie bekommen hatte, teilte alles sorgfältig ein Portionen ein und ließ diese von Tung-hsi zur Herzoginmutter, zu Dame Wang und zu den anderen tragen. Doch davon braucht hier nicht erzählt zu werden. Als Bau-tschai wieder in ihren Räumen war, ließ sie all die Mitbringsel Revue passieren. Alles, was sie nicht selber gebrauchen wollte, stellte sie portionsweise zusammen: für die eine Schreibpinsel, Tusche, Papier und Tuschereibstein, für eine andere Riechbeutelchen, Fächer und Duftholzanhänger, für eine weitere Rouge, Puder und Haaröl und für manche auch nur etwas von den Spielsachen. Einzig Dai-yü wurde anders bedacht als die übrigen und bekam auch eine doppelte Portion. Nachdem Bau-tschai mit der Einteilung fertig war, ließ sie alles durch Ying-örl und eine alte Sklavin, die ihr folgen mußte, nach den einzelnen Wohnstätten tragen. Jedes der Mädchen nahm seine Geschenke entgegen, belohnte die Botinnen mit einem Trinkgeld und kündigte an, sich beim nächsten Wiedersehen persönlich zu bedanken. Nur Dai-yü wurde durch den Anblick der Mitbringsel aus ihrer Heimat schmerzlich berührt. Sie mußte daran denken, daß ihre Eltern beide tot waren, daß sie keine Geschwister hatte und daß sie nur als Gast bei Verwandten lebte. „Für mich wird nie jemand etwas mitbringen, das aus meiner Heimat stammt!“ sagte sie sich, und unversehens wurde sie wieder einmal vom Kummer überwältigt. Dsï-djüan kannte sich zutiefst in allen Gefühlsregungen von Dai-yü aus, wagte es aber nicht, ihr das zu verraten, und redete ihr nur zu: „Ihr leidet an vielerlei Krankheiten, Fräulein, und müßt früh und spät Medikamente einnehmen, auch wenn es in den letzten Tagen so aussah, als ob es Euch schon ein bißchen besser ginge. Selbst wenn Euer Lebensmut ein wenig gewachsen ist, seid Ihr doch noch nicht wieder ganz gesund. Jetzt hat Euch Fräulein Bau-tschai diese Geschenke bringen lassen, ein Beweis dafür, wie hoch sie Euch schätzt. Eigentlich müßtet Ihr Euch beim Anblick dieser Sachen freuen, statt dessen seid Ihr betrübt. Habt Ihr Euch etwa geärgert, weil Fräulein Bau-tschai Euch beschenkt hat? Es wäre ihr sicher peinlich, wenn sie das erführe. Zum andern sind die alte gnädige Frau und die gnädige Frau mit allen Mitteln bemüht, gute Ärzte zu finden, die Euch untersuchen und behandeln, damit Ihr wieder gesund werdet. Aber fügt Ihr Eurem Körper nicht selber Schaden zu, wenn Ihr jetzt weint und heult, kaum daß es Euch ein bißchen besser geht? Würde es nicht der alten gnädigen Frau neuen Kummer bereiten, wenn sie Euch so sähe? Zumal Eure Krankheit daher rührt, daß Ihr Euch immer traurige Gedanken macht und Eure Lebenskraft dadurch geschädigt habt. Ihr dürft Euren kostbaren Körper nicht selber geringschätzen, Fräulein!“ Während sie so auf Dai-yü einredete, hörte sie, wie eines der kleineren Sklavenmädchen vom Hof her meldete: „Der junge Herr ist gekommen.“ „Tretet ein, junger Herr!“ sagte Dsï-djüan sofort. Schon trat Bau-yü ins Zimmer, und als Dai-yü ihn aufforderte, Platz zu nehmen, sah er, daß ihr ganzes Gesicht mit Tränenspuren bedeckt war. Darum fragte er: „Wer hat dich wieder einmal geärgert, Kusinchen?“ „Wer ärgert sich denn?“ erwiderte Dai-yü und zwang sich zu einem Lächeln. Dsï-djüan, die neben ihr stand, wies mit dem Kinn nach dem Tisch hinter dem Bett. Bau-yü verstand, wie das gemeint war, warf einen Blick hinüber, und als er der vielen Dinge gewahr wurde, die dort aufgehäuft lagen, war ihm klar, daß es sich um die Geschenke von Bau-tschai handeln mußte. „Willst du einen Gemischtwarenladen aufmachen mit all diesen Sachen?“ scherzte er. Aber Dai-yü antwortete ihm nicht. Statt dessen sagte Dsï-djüan mit lächelnder Miene: „Weil Ihr eben diese Sachen erwähnt – kaum daß Fräulein Bau-tschai sie bringen ließ, hat sich unser Fräulein betrübt. Ich war gerade dabei, ihr gut zuzureden, und Ihr kommt eben recht, um mir dabei zu helfen.“ Bau-yü wußte genau, warum Dai-yü sich grämte, aber er wagte nicht, davon anzufangen, und so sagte er lächelnd: „Wahrscheinlich hat euer Fräulein keinen anderen Grund, sich zu ärgern und zu betrüben, als den, daß Fräulein Bau-tschai ihr zuwenig geschickt hat. – Mach dir keine Sorgen, Kusinchen! Nächstes Jahr werde ich jemand in den Süden schicken und dir zwei reichliche Schiffsladungen mitbringen lassen, damit du nicht zu weinen brauchst.“ Als Dai-yü das hörte, war sie sich darüber im klaren, daß Bau-yü sie aufheitern wollte, und da sie ihm keine Abfuhr erteilen wollte, aber auch sein Gerede nicht ertragen konnte, sagte sie: „Ich mag mich nicht auskennen in der Welt, aber so wenig denn doch nicht, daß es mich ärgern und betrüben würde, wenn ich nicht genug geschenkt bekomme. Außerdem bin ich kein Kleinkind, und du hältst mich wohl für gar zu engherzig. Ich habe meine Gründe, aber was weißt denn du davon!“ Und schon begannen ihr wieder die Tränen zu fließen. Rasch trat Bau-yü nun an das Bett, setzte sich neben Dai-yü und nahm die Sachen Stück für Stück in die Hand, um sie hin und her zu wenden und genau zu betrachten. Dabei fragte er absichtlich: „Was ist das hier?... Wie nennt man das?... Woraus ist das gemacht, daß es so niedlich aussieht?... Und was ist das? Wozu dient das?“ Dann wieder schlug er vor: „Das könntest du dir so hinstellen, daß du es immer vor Augen hast. Und das hier könntest du schön als Antiquität auf das schmale Tischchen stellen.“ So redete er in einem fort Belanglosigkeiten, bis es Dai-yü nicht mehr aushielt und sagte: „Spar dir dein Geschwätz! Gehen wir zu Kusine Bau-tschai hinüber!“ Nichts hatte Bau-yü sehnlicher gewünscht, als daß Dai-yü das Haus verlassen, ihre Laune abreagieren und ihren Kummer zerstreuen würde, darum sagte er: „Ja, wir müssen uns für die Geschenke bedanken gehen, die Kusine Bau-tschai uns geschickt hat!“ „Das ist unter den Kusinen eines Hauses nicht nötig“, widersprach Dai-yü. „Aber bestimmt hat Vetter Pan ihr viel von den alten Sehenswürdigkeiten im Süden erzählt, das will ich mir anhören, und es wird sein, als ob ich selbst eine Reise nach Hause machte.“ Bei diesen Worten röteten sich ihre Augenränder schon wieder, also stand Bau-yü wirklich auf, und nun blieb Dai-yü nichts weiter übrig, sie mußte mit ihm hinausgehen und Bau-tschai einen Besuch abstatten. Indessen hatte Hsüä Pan, wie seine Mutter es verlangt hatte, rasch Einladungen geschrieben und befohlen, eine Weintafel herzurichten. Als am nächsten Tag die vier Gehilfen, die er eingeladen hatte, alle beisammen waren, drehte sich das Gespräch, wie nicht anders zu erwarten, zunächst um Kauf und Verkauf, Rechnungsführung und Warenversand. Bald aber bat Hsüä Pan seine Gäste, sie sollten an der Tafel Platz nehmen, und goß ihnen der Rangfolge nach Wein ein. Auch Tante Hsüä schickte jemanden hinaus, um ihre Dankesworte zu übermitteln. Als alle tranken und plauderten, bemerkte einer der Gehilfen: „Hier fehlen zwei gute Freunde.“ Alle fragten wie aus einem Munde, wen er meinte, und darauf erwiderte er: „Wen anders als den jungen Herrn Djia Liän aus dem Anwesen der Djias und den Schwurbruder unseres gnädigen Herrn, den jungen Herrn Liu!“ Nun erinnerten auch sie sich und fragten Hsüä Pan: „Warum habt Ihr die beiden jungen Herren nicht ebenfalls eingeladen?“ Hsüä Pan zog die Brauen zusammen und antwortete seufzend: „Der junge Herr Djia ist noch einmal nach Ping-an unterwegs und erst vor zwei Tagen aufgebrochen. An den jungen Herrn Liu aber darf ich gar nicht denken. Denn mit ihm ist es wirklich die merkwürdigste Sache von der Welt. Er ist überhaupt kein junger Herr mehr, vielmehr lebt er jetzt irgendwo als ein Jünger des Dau.“ „Wie das?“ fragten alle verwundert, und Hsüä Pan erzählte ihnen von Anfang bis Ende, was sich mit Liu Hsiang-liän zugetragen hatte. Nun waren sie erst recht entsetzt und verwundert, und einer von ihnen sagte: „Da ist es kein Wunder, daß auch wir neulich im Geschäft mit halbem Ohr gehört haben, wie die Leute aufgeregt erzählten, ein Dauistenpriester habe mit ganz knappen Worten jemand auf den Pfad der Erkenntnis gebracht. Außerdem hieß es, ein Windstoß habe die beiden fortgetragen. Unklar blieb nur, wer es gewesen ist. Wir waren ja damit beschäftigt, die Waren zu verschicken, und hatten natürlich keine Zeit, uns näher zu erkundigen. Bis heute waren wir noch halbwegs im Zweifel, ob die Geschichte wahr sei. Wer hätte gedacht, daß es sich um den jungen Herrn Liu handelte! Hätten wir das gleich gewußt, dann hätten wir ihm alle gut zureden müssen, um ihn, koste es was es wolle, von diesem Schritt abzuhalten...“ „Vielleicht steckt aber auch ganz etwas anderes dahinter“, warf einer der Gehilfen ein. Und als die anderen fragten, was er damit meinte, erklärte er: „Wendig, wie er ist, muß sich der junge Herr Liu dem Dauistenpriester ja nicht wirklich angeschlossen haben. Er verstand sich doch ein wenig auf die Kunst, mit den Waffen umzugehen, und besaß auch Kraft. Wer weiß, ob er nicht die Hexereien dieses Dauisten durchschaute und nur zum Schein mitgegangen ist, um in Wirklichkeit mit ihm abzurechnen!“ „Wenn dem wirklich so wäre, könnte man die Sache auf sich beruhen lassen“, sagte Hsüä Pan. „Warum sollte sich nicht jemand finden, der einmal mit diesen Kerlen abrechnet, die mit ihren teuflischen Lehren die Leute verdummen?“ „Habt Ihr eigentlich nicht nach ihm suchen lassen, als Ihr von der Sache erfahren habt?“ wollten die Gehilfen nun wissen. „Überall habe ich gesucht, innerhalb und außerhalb der Stadt“, beteuerte Hsüä Pan. „Auch wenn ihr vielleicht darüber lachen werdet, aber als ich ihn nicht finden konnte, habe ich sogar geweint.“ Nach diesen Worten seufzte und ächzte er und war überhaupt apathisch und unlustig, ganz anders als in früheren Tagen. Bei diesem Anblick konnten seine Handlungsgehilfen nicht gut lange bei ihm verweilen. So tranken sie nur noch ohne viel Umstände ein paar Becher Wein, aßen von den Speisen, und dann gingen sie wieder fort. Als Bau-yü mit Dai-yü zu Bau-tschai kam, sagte er nach der Begrüßung: „Mit großer Anstrengung hat dir dein Bruder diese Sachen mitgebracht, und anstatt sie zu behalten, schenkst du sie uns.“ Lächelnd entgegnete Bau-tschai: „Es war ja nichts Besonderes, nur Lokalprodukte aus der Ferne. Wenn ihr ein wenig Spaß daran habt, ist alles in Ordnung.“ „In der Kindheit hat man solche Sachen gar nicht beachtet“, sagte Dai-yü. „Aber wenn man sie jetzt sieht, erscheinen sie einem wirklich als etwas Besonderes.“ „Weißt du“, erwiderte Bau-tschai lächelnd, „das ist nichts anderes als das Sprichwort besagt ‚Die Entfernung vom Heimatort macht die Dinge wertvoll.‘ Aber was stellen sie schon großartig dar!“ Als Bau-yü diese Worte hörte, die Dai-yü an ihren Kummer von eben erinnern mußten, lenkte er rasch ab: „Wenn dein Bruder vielleicht nächstes Jahr wieder nach dem Süden reist, muß er uns noch mehr davon mitbringen.“ Dai-yü schoß einen Blick zu ihm hinüber, dann sagte sie: „Wenn du etwas haben willst, dann sag es nur, aber zieh nicht andere mit hinein! – Hör dir das an, Kusine, er kommt sich nicht bei dir bedanken, er will eine Bestellung für nächstes Jahr aufgeben!“ Bau-tschai und Bau-yü lachten darüber, dann plauderten sie zu dritt weiter und kamen dabei auf Dai-yüs Krankheit zu sprechen. Nachdem Bau-tschai schon ein Weilchen auf Dai-yü eingeredet hatte, sagte sie schließlich: „Wenn du dich lustlos fühlst, mußt du dich mit Gewalt zusammenreißen und draußen spazierengehen, um die miese Stimmung zu vertreiben. Das ist auf jeden Fall besser, als traurig im Zimmer zu hocken. Habe ich mich vor ein paar Tagen nicht selbst auch träge und fiebrig gefühlt, und hatte ich nicht nur noch den Wunsch, mich hinzulegen? Aber weil ich bei diesem trügerischen Wetter fürchtete, krank zu werden, suchte ich mir Beschäftigung, um darüber hinwegzukommen. Erst in den letzten Tagen fühle ich mich wieder besser.“ „Du hast natürlich recht“, pflichtete Dai-yü ihr bei. „Ich denke genauso.“ Ehe sie sich trennten, saßen sie noch ein Weilchen beisammen, und dann begleitete Bau-yü erst Dai-yü bis ans Tor der Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß, bevor er wieder seine eigenen Räume aufsuchte. Als Nebenfrau Dschau sah, daß auch Djia Huan einige Geschenke von Bau-tschai erhielt, war sie hocherfreut und dachte sich: „Man kann wahrhaftig niemand einen Vorwurf machen, wenn er von dieser Bau-tschai sagt, sie wisse sich zu benehmen und sei großzügig. Wie es jetzt aussieht, ist das wirklich wahr. Wieviel kann denn ihr Bruder von diesen Sachen mitgebracht haben, und trotzdem schickt sie jemand damit von Tür zu Tür, übergeht niemand dabei und zeigt auch nicht, wer ihr mehr wert ist und wer weniger. Sogar an uns Unglücksmenschen hat sie noch gedacht. Dai-yü dagegen hätte an ihrer Stelle nicht einmal einen Blick für uns übrig gehabt, von Geschenken ganz zu schweigen.“ Bei diesen Überlegungen drehte und wendete sie die Geschenke, um sie genauer in Augenschein zu nehmen, und plötzlich fiel ihr ein, daß ja Bau-tschai eine Blutsverwandte von Dame Wang war. Warum sollte sie also die Gelegenheit nicht nutzen, um sich bei Dame Wang einzuschmeicheln! Mit den Geschenken in der Hand ging sie verstohlen zu Dame Wang hinüber, nahm dort an der Seite Aufstellung, setzte ein Lächeln auf und sagte: „Das hier hat Huan eben von Fräulein Bau-tschai bekommen. Ist es nicht bewundernswert, daß ein junges Mädchen so aufmerksam ist? Das ist wirklich die rechte Art für ein Fräulein aus großem Hause – aufgeschlossen und großzügig. Wie sollte man sie da nicht verehren?! Kein Wunder, daß die alte gnädige Frau und auch Ihr, gnädige Frau, sie nur immer mit Lob und Liebe bedenkt! Darum wage ich es auch nicht, die Geschenke ganz für uns allein zu behalten, und komme extra damit her, um sie Euch zu zeigen, damit auch Ihr Eure Freude daran habt, gnädige Frau.“ Dame Wang begriff natürlich sofort, warum Nebenfrau Dschau gekommen war, und hörte, daß es Unsinn war, was sie vorbrachte. Andererseits war es ihr nicht gut möglich, sie einfach unbeachtet zu lassen, darum sagte sie: „Nimm nur und laß Huan damit spielen!“ Nebenfrau Dschau war in Hochstimmung gekommen, nun aber hatte sie sich wider Erwarten eine Abfuhr geholt. Innerlich erfüllt von Wut, was sie nicht zu zeigen wagte, zog sie betreten wieder ab. Als sie in ihre Räume kam, warf sie die Sachen beiseite und murmelte: „Was ist das schon groß!“ Dann setzte sie sich nieder und brütete eine Weile ärgerlich vor sich hin. Als Ying-örl und die alte Sklavenfrau alle Geschenke ausgetragen hatten und zurückkamen, machten sie Bau-tschai davon Meldung und berichteten ihr, was jeder zum Dank gesagt hatte und wieviel Trinkgeld sie bekommen hatten. Dann ging die alte Sklavenfrau hinaus, Ying-örl aber trat einen Schritt näher und sagte leise zu Bau-tschai: „Als ich eben bei der zweiten jungen gnädigen Frau war, hat sie ein ganz böses Gesicht gemacht. Nachdem ich ihr die Geschenke übergeben hatte und wieder draußen war, befragte ich heimlich Hsiau-hung, und sie hat mir erzählt, die zweite junge gnädige Frau sei eben aus den Räumen der alten gnädigen Frau zurückgekommen, aber gar nicht so fröhlich und ausgelassen wie sonst, habe Ping-örl zu sich gerufen und geheimnisvoll mit ihr geflüstert. Das sieht doch so aus, als ob etwas Schwerwiegendes vorgefallen wäre. Habt Ihr nicht gehört, ob es drüben bei der alten gnädigen Frau etwas gegeben hat?“ Auch Bau-tschai war verwundert und konnte sich nicht vorstellen, worüber Hsi-fëng böse sein sollte. Darum sagte sie: „Ein jeder hat seine eigenen Sorgen. Wie könnten wir uns um alles kümmern?! Geh mir jetzt Tee holen!“ Also ging Ying-örl hinaus und goß Tee ein, aber davon soll hier nicht erzählt werden. Als Bau-yü dann Dai-yü nach Hause begleitet hatte, dachte er über ihre Einsamkeit und Bitternis nach, und unwillkürlich überkam auch ihn der Schmerz. Er hätte gern mit Hsi-jën darüber gesprochen, aber als er in seine Räume trat, waren nur Schë-yüä und Tjiu-wën da. Also erkundigte er sich: „Wo ist eure Schwester Hsi-jën?“ „Wo könnte sie anders sein als in einem der Gehöfte hier?“ gab Schë-yüä zurück. „Sie geht dir schon nicht verloren. Kaum daß sie einmal nicht da ist, mußt du gleich nach ihr suchen.“ „Ich habe nicht Angst, daß sie mir verloren gehen könnte, sondern ich war eben bei Fräulein Lin und habe gesehen, daß sie wieder einmal sehr traurig ist“, sagte Bau-yü lächelnd. „Als ich nach dem Grund fragte, stellte sich heraus, daß der Anblick der Geschenke von Fräulein Hsüä, weil sie aus ihrer Heimatgegend kommen, alte Wunden bei ihr aufgerissen hat. Das wollte ich Hsi-jën sagen, damit sie zu Fräulein Lin hinübergeht, wenn sie etwas Muße hat, und sie tröstet.“ Bei diesen Worten kam Tjing-wën herein und sagte: „Da bist du ja! Wen willst du wieder einmal trösten lassen?“ Da erzählte Bau-yü auch ihr, was er eben gesagt hatte, und Tjing-wën berichtete: „Schwester Hsi-jën ist gerade erst fortgegangen. Ich habe gehört, wie sie gesagt hat, sie wolle zur zweiten jungen gnädigen Frau hinüber. Wer weiß, vielleicht schaut sie auch bei Fräulein Lin mit hinein.“ Nun sagte Bau-yü nichts mehr, und Tjiu-wën goß ihm Tee ein. Nachdem er sich den Mund damit gespült hatte, reichte er die Schale einem der kleineren Sklavenmädchen und streckte sich betrübt, wie er war, auf seinem Bett aus. Hsi-jën hatte sich, als Bau-yü ausgegangen war, zunächst eine Zeitlang mit einer Handarbeit beschäftigt. Dann war ihr plötzlich eingefallen, daß ja Hsi-fëng sich nicht wohl fühlte, daß sie schon tagelang nicht bei ihr gewesen war und daß sie doch gehört hatte, Djia Liän sei nicht zu Hause. Eine günstige Gelegenheit für einen großen Plausch! Also sagte sie zu Tjing-wën: „Bleibt schön im Haus und lauft nicht alle weg, damit Bau-yü nicht etwa niemand vorfindet, wenn er zurückkommt!“ „O weh, du bist wirklich die einzige, die sich hier Gedanken um ihn macht, während alle andern nur Müßiggänger und unnütze Fresser sind“, gab Tjing-wën zurück. Hsi-jën lachte nur darüber und ging hinaus, ohne etwas erwidert zu haben. Als sie an die Duftgetränkte Brücke kam, standen dort – denn es war die Zeit zwischen Sommerende und Herbstanfang – die Lotosblumen eben an der Schwelle zwischen Unversehrtheit und Verfall, und ihr Rot und Grün war schon in Auflösung begriffen. Im Weitergehen erfreute sich Hsi-jën an dem Anblick, der sich ihr am Deich entlang bot, doch als sie unversehens den Kopf hob, erblickte sie unter dem Weinspalier am anderen Ufer eine Gestalt, die einen Flederwisch in der Hand hielt und damit herumfuchtelte. Als sie näher kam, erkannte sie Mutter Dschu. Kaum war die Alte auf Hsi-jën aufmerksam geworden, kam sie ihr mit lächelnder Miene entgegen und fragte: „Wie kommt es denn, daß Ihr heute Zeit habt, spazierenzugehen, Fräulein?“ „Woher denn!“ sagte Hsi-jën abwehrend, „ich bin auf dem Wege zur zweiten jungen gnädigen Frau, um nach ihr zu sehen. Aber was treibst du hier?“

Aus: Jinyuyuan 1889a. „Ich scheuche die Wespen fort“, entgegnete die Alte. „In diesem Jahr hat es während der Hundstage wenig Regen gegeben, und so sind die Obstbäume voller Ungeziefer. So zerfressen ist das Obst, daß vieles schon abgefallen ist. Und am allerschlimmsten sind die Wespen. Ihr habt das wahrscheinlich noch nicht gewußt, Fräulein, aber wenn sie von einer Traube auch nur zwei, drei Beeren anfressen und der Saft tropft daraus auf die guten Beeren, dann verfault die ganze Traube. Da, seht nur, während wir miteinander sprachen, hielt ich den Wedel still, und schon sitzen jede Menge Wespen auf den Beeren.“ „Wie viele kannst du schon wegscheuchen, selbst wenn du ununterbrochen wedelst“, wandte Hsi-jën ein. „Du mußt den Einkäufern sagen, sie sollen viele, viele Beutel aus Baumwollgaze machen lassen, von denen dann einer über jede Traube gezogen wird. So bekommen sie Luft und sind trotzdem geschützt.“ „Ihr habt recht, Fräulein“, sagte die Alte lächelnd. „Ich mache das hier in diesem Jahr zum erstenmal, darum habe ich diesen Kniff noch nicht gekannt.“ Dann fuhr sie fort: „Es ist zwar viel Obst verdorben in diesem Jahr, aber wohlschmeckend ist es. Wenn Ihr mir nicht glauben wollt, werde ich Euch etwas pflücken, damit Ihr kosten könnt.“ „Wie ginge das an?!“ hielt Hsi-jën ihr mit ernsthafter Miene vor. „Ganz abgesehen davon, daß es noch nicht reif und deshalb nicht zu genießen ist, selbst wenn es reif wäre, könnten wir doch nicht davon essen, noch ehe den Oberen davon dargebracht ist. Du bist doch hier im Dienst alt geworden, hast du da etwa nicht einmal diese Regel begriffen?“ „Ihr seid ganz im Recht, Fräulein“, sagte die Alte rasch und lächelte dazu. „Nur weil ich mich so freute, Euch zu sehen, wagte ich, Euch von dem Obst anzubieten, und habe dadurch die Regel verletzt. Ich werde wirklich schon dumm vor Alter.“ „Schon gut“, beschwichtigte Hsi-jën sie nun. „Wenn nur ihr alten Ammen den Jüngeren kein schlechtes Beispiel gebt, ist schon alles in Ordnung.“ Nach diesen Worten ging Hsi-jën geradewegs zum Gartentor hinaus und begab sich zu den Wohnräumen von Hsi-fëng. Kaum war sie hier in den Hof getreten, hörte sie Hsi-fëngs Stimme: „Hat man da noch Worte?! Während ich hier krank im Bett schmore, wird er mehr und mehr zum Banditen!“ Hsi-jën begriff, daß etwas vorgefallen sein mußte und daß sie deshalb weder gut vor noch zurück konnte, darum trat sie etwas lauter auf und fragte durchs Fenster: „Bist du zu Hause, Schwester Ping-örl?“ Rasch antwortete Ping-örl von drinnen jawohl und ging Hsi-jën entgegen. „Ist die zweite junge gnädige Frau auch zu Hause? Geht es ihr wieder besser?“ erkundigte sich Hsi-jën, und schon stand sie im Zimmer. Hier gab sich Hsi-fëng den Anschein, als habe sie auf dem Bett geruht, und als Hsi-jën eintrat, erhob sie sich lächelnd und sagte: „Etwas besser geht es mir schon. Entschuldige, daß ich dir Sorgen bereitet habe! Aber warum bist du in all den Tagen nie herübergekommen, um ein Weilchen mit uns zusammenzusitzen?“ „Ihr befindet Euch unwohl, junge gnädige Frau, und so müßten wir eigentlich tagtäglich kommen, um Euch Wohlergehen zu wünschen“, erklärte Hsi-jën. „Aber ich hatte mir gedacht, da Ihr nicht auf dem Posten seid, wolltet Ihr Euch bestimmt ungestört der Ruhe hingeben, und wenn wir kämen, würde unser Geschwätz Euch lästig werden.“ „Von lästig kann nicht die Rede sein“, gab Hsi-fëng lächelnd zurück, „aber von all den Mädchen in Bau-yüs Räumen bist du die einzige, auf die Verlaß ist, und so kannst du wirklich nicht fort. Doch Ping-örl hat mir oft berichtet, wie du dich insgeheim um mich gesorgt und dich oft nach mir erkundigt hast. Damit hast du getan, was du konntest.“ Dann befahl sie Ping-örl, einen Hocker zu bringen und an ihr Bett zu stellen, damit Hsi-jën sich setzen konnte. Als Fëng-örl dann den Tee hereinbrachte, verneigte sich Hsi-jën im Sitzen und forderte sie auf: „Nimm doch Platz, Schwester!“ Während sie dann miteinander plauderten, hörte Hsi-jën, wie im Vorraum ein kleineres Sklavenmädchen leise zu Ping-örl sagte: „Lai Wang ist da, er wartet am Innentor.“ Und Ping-örl erwiderte genauso leise: „Gut, ich weiß Bescheid. Schick ihn noch einmal weg, und wenn er dann wieder da ist, soll er hereinkommen, ohne am Tor stehenzubleiben.“ Daraus schloß Hsi-jën, daß sie hier im Wege war, und nach einigen weiteren Sätzen stand sie auf, um zu gehen. „Wenn du wieder einmal Zeit hast, komm her, setz dich zu uns und plaudere mit uns, das macht mir Freude“, forderte Hsi-fëng sie auf. Dann befahl sie Ping-örl: „Begleite deine Schwester hinaus!“ Ping-örl sagte: „Jawohl!“ und trat mit Hsi-jën hinaus. Dort standen zwei, drei kleinere Sklavenmädchen in korrekter Haltung wartend bereit und wagten kaum zu atmen. Hsi-jën konnte sich keinen Reim darauf machen und ging ihres Weges. Kaum hatte sie Hsi-jën draußen verabschiedet, ging Ping-örl wieder hinein und meldete Hsi-fëng: „Eben ist Lai Wang gekommen, aber weil Hsi-jën hier war, habe ich ihm sagen lassen, er solle draußen warten. Soll ich ihn jetzt gleich holen lassen, oder wollt Ihr warten, bis er wiederkommt? Ich bitte um Eure Weisung, junge Herrin.“ „Laß ihn holen!“ sagte Hsi-fëng, und sofort befahl Ping-örl den kleinen Sklavenmädchen, hinauszugehen und Lai Wang zu bestellen, er solle jetzt kommen. Dann erkundigte sich Hsi-fëng bei Ping-örl: „Wie hast du es erfahren?“ „Eine kleine Magd hat es mir erzählt, dieselbe wie voriges Mal“, gab Ping-örl Auskunft. „Sie sagte, daß sie am Innentor gehört hätte, wie zwei von den Jungens hinter dem Tor miteinander sprachen und der eine sagte: ‚Die neue Frau des zweiten jungen Herrn ist schöner als die alte, und ein besseres Gemüt hat sie auch.‘ Dann habe Lai Wang oder wer die beiden angeschrien und gesagt: ‚Was heißt neue Frau, alte Frau?! Wollt ihr wohl endlich still sein! Wenn die drinnen davon erfahren, wird man euch die Zunge abschneiden!‘“ Während Ping-örl das erzählte, kam eines der kleineren Sklavenmädchen herein, um zu melden: „Lai Wang wartet draußen.“ Mit kühlem Lächeln befahl Hsi-fëng: „Er soll hereinkommen!“ Das Sklavenmädchen ging hinaus und sagte dort: „Die junge gnädige Frau läßt rufen.“ Sofort sagte Lai Wang jawohl und trat ins Haus. Nachdem er seinen Gruß entboten hatte, nahm er mit dienstfertig herabhängenden Armen an der Tür des Vorraums Aufstellung. „Komm her, ich will dich etwas fragen!“ sagte Hsi-fëng, und jetzt erst trat Lai Wang in den Innenraum und blieb wieder an der Tür stehen. „Weißt du etwas davon, daß sich der junge Herr draußen jemand angeschafft hat?“ fragte Hsi-fëng. Noch einmal beugte Lai Wang das Knie und sagte: „Ich Sklave stehe tagtäglich in Erwartung von Aufträgen am Innentor, wie könnte ich davon wissen, was der junge Herr außerhalb tut?“ „Natürlich weißt du von nichts“, sagte Hsi-fëng mit höhnischem Lächeln, „wenn du etwas wüßtest, wie könntest du dann versuchen, ihn zu decken?!“ Aus diesen Worten schloß Lai Wang, daß er sich schon verraten hatte, und da er fürchtete, nichts mehr vertuschen zu können, kniete er nieder und berichtete: „Ich Sklave weiß wahrhaftig nichts. Neulich habe ich Hsing-örl und Hsi-örl nur die Meinung gesagt, als sie diesen Unsinn schwatzten, aber die näheren Umstände kenne ich nicht, und ich möchte Euch keinen falschen Bericht geben, junge gnädige Frau. Fragt bitte Hsing-örl, er ist lange Zeit mit dem jungen Herrn zusammen draußen gewesen.“ Als Hsi-fëng das gehört hatte, spuckte sie aus, so stark sie konnte, und schimpfte: „Ihr verkommenes, gewissenloses Pack! Ihr steckt doch alle unter einer Decke und glaubt, ich merke nichts. Hol mir Hsing-örl, diesen Hurensohn! Aber geh nicht fort! Wenn ich mit ihm fertig bin, rede ich mit dir weiter. Ha! Ein sauberes Gesindel habe ich da in meinen Diensten herangezogen!“ Lai Wang hatte keine andere Wahl, als immer wieder jawohl zu sagen. Dann schlug er mit der Stirn auf den Boden, rappelte sich auf und ging hinaus, um Hsing-örl zu holen. Hsing-örl saß gerade mit anderen Sklavenjungen zusammen in der Buchhaltung beim Spiel, als er hörte, die zweite junge Herrin lasse ihn rufen. Im ersten Augenblick fuhr er vor Schreck zusammen, aber da er nicht ahnen konnte, was bereits im Gange war, folgte er Lai Wang rasch nach drinnen. Als Lai Wang zuerst allein hineinging und meldete, Hsing-örl sei da, brüllte Hsi-fëng mit furchtbarer Stimme: „Hol ihn herein!“ Kaum daß Hsing-örl diese Stimme vernahm, wußte er weder aus noch ein, aber wohl oder übel mußte er seinen Mut zusammennehmen und eintreten. Als Hsi-fëng ihn erblickte, sagte sie sofort: „Ein feiner Schlingel bist du! Und feine Dinge treibst du mit deinem Herrn! Los, raus mit der Sprache!“ Bei diesen Worten und beim Anblick von Hsi-fëngs Miene und den Sklavenmädchen, die zu beiden Seiten bereitstanden, begannen Hsing-örl die Glieder zu schlottern, und schon kniete er nieder und schlug in einem fort mit der Stirn auf den Boden. „Wie ich hörte, hast du ja mit der Sache nichts zu tun“, fuhr Hsi-fëng jetzt fort, „aber dein Fehler war es, daß du mir nicht schon längst davon berichtet hast. Wenn du mir jetzt die Wahrheit sagst, will ich dir noch verzeihen, aber wenn du auch nur ein einziges Wort lügen willst, dann überzeug dich besser als erstes, wie viele Köpfe du auf den Schultern hast!“ Zitternd schlug Hsing-örl noch einmal mit der Stirn vor ihr auf den Boden, ehe er fragte: „Was für Dinge meint Ihr, junge gnädige Frau, die ich Sklave mit dem jungen Herrn zusammen verbrochen haben soll?“ Jetzt begann es in Hsi-fëng zu kochen, und sie schrie: „Aufs Maul schlagen!“ Schon trat Lai Wang näher und wollte zuschlagen, da schimpfte Hsi-fëng: „Du dummer Hurensohn! Er selbst soll sich schlagen, was braucht es dich! Für deine Ohrfeigen ist nachher noch Zeit, wenn ihr alle ihn schlagt.“ Tatsächlich holte Hsing-örl links und rechts aus und gab sich mehr als zehn Ohrfeigen. „Genug!“ rief Hsi-fëng und fragte: „Daß der junge Herr woanders eine neue Frau genommen hat, weißt du also nicht, nein?“ Als Hsing-örl hörte, worum es ging, verlor er vollends den Kopf. Hastig riß er seine Mütze herunter, schlug mit der Stirn auf den Backsteinboden, daß es dröhnte, und versprach: „Wenn Ihr mir nur das Leben schenkt, junge gnädige Frau, werde ich Sklave mich nicht erdreisten, auch nur ein einziges Wort zu lügen.“ „Also sprich, aber schnell!“ forderte Hsi-fëng ihn auf. Hsing-örl richtete sich in kniender Haltung kerzengerade auf, und dann berichtete er: „Ich Sklave hatte zuvor keine Ahnung von der Sache. Eines Tages aber, als der Leichnam des alten gnädigen Herrn aus dem anderen Anwesen schon in den Familientempel übergeführt worden war, kam Yü Lu dorthin, um sich vom gnädigen Herrn Dschën Silber geben zu lassen. Da ist unser junger Herr mit Herrn Jung zusammen in das andere Anwesen geritten, und unterwegs haben sie von den beiden Schwestern der Frau des gnädigen Herrn Dschën gesprochen. Als unser junger Herr die beiden gelobt hat, hat Herr Jung ihm zum Scherz angeboten, er wolle ihm die gnädige Frau Tante zur Frau geben...“ Als Hsi-fëng bis hierher zugehört hatte, spuckte sie wütend aus und schnauzte ihn an: „Du schamloser Hurenbock! Was für eine gnädige Frau Tante ist sie für dich?!“ Rasch schlug Hsing-örl erneut mit der Stirn auf den Boden und versicherte: „Ich Sklave habe den Tod verdient.“ Dann blickte er wieder auf, wagte aber nicht fortzufahren. „War das schon alles? Warum sprichst du nicht weiter?“ fragte Hsi-fëng. Jetzt erst machte Hsing-örl wieder den Mund auf und sagte: „Nur wenn Ihr mir Sklaven verzeiht, werde ich wagen weiterzusprechen, junge gnädige Frau.“ „Einen Dreck werde ich tun!“ schimpfte Hsi-fëng, nachdem sie ein weiteres Mal ausgespuckt hatte. „Was heißt hier verzeihen? Erzähl nur hübsch weiter, es fehlt noch eine ganze Menge!“ Also fuhr Hsing-örl fort: „Als der junge Herr das hörte, hat er sich gefreut. Später ist dann, ich weiß nicht wie, Ernst aus der Sache geworden.“ „Natürlich, wie könntest du das auch wissen!“ höhnte Hsi-fëng mit einem leichten ironischen Lächeln. „Alles, was du weißt, bringt dir nur Ärger ein. Also los, erzähl mir, was dann daraus geworden ist!“ „Dann hat Herr Jung für den jungen Herrn ein Haus gesucht“, fuhr Hsing-örl fort. „Wo ist dieses Haus?“ wollte Hsi-fëng sofort wissen. „Hinter unserm Anwesen“, verriet Hsing-örl. „Ach!“ sagte Hsi-fëng. Dann wandte sie sich um, blickte Ping-örl an und sagte: „Was waren wir dumm! Hör dir das an!“ Ping-örl wagte kein Wort darauf zu erwidern, und Hsing-örl fuhr in seinem Bericht fort: „Die Familie Dschang hat vom gnädigen Herrn Dschën Silber bekommen, wieviel weiß ich nicht, und hat nichts dazu gesagt.“ „Wieso kommt nun wieder eine Familie Dschang ins Spiel?“ erkundigte sich Hsi-fëng. „Ihr müßt wissen, junge gnädige Frau, daß die gnädige junge Frau Tante...“ Hier unterbrach sich Hsing-örl und gab sich eine Ohrfeige. Als Hsi-fëng deswegen auflachte, verzogen auch die Sklavenmädchen, die auf beiden Seiten standen, den Mund zu einem Lächeln. Hsing-örl aber dachte nach und korrigierte sich dann: „Also die Schwester der Frau des gnädigen Herrn Dschën...“ „Was war?“ fragte Hsi-fëng. „So rede doch endlich!“ „Die Schwester der Frau des gnädigen Herrn Dschën war eigentlich von klein auf mit einem gewissen Dschang verlobt“, erzählte Hsing-örl weiter. „Dschang Hua heißt er wohl. Aber der ist jetzt so arm, daß er auf Almosen angewiesen ist und sein Essen zusammenbetteln muß. Der gnädige Herr Dschën hat ihm Silber gegeben, und da hat er auf seine Verlobte verzichtet.“ Hier nickte Hsi-fëng, wandte sich zu ihren Sklavenmädchen und fragte: „Habt ihr das alles gehört? Aber zuerst hat dieser kleine Hurenbengel behauptet, er wisse von nichts.“ Und wieder fuhr Hsing-örl fort: „Dann erst hat der junge Herr befohlen, das Haus neu zu tapezieren, und hat seine Frau dorthin geholt.“ „Woher hat er sie geholt?“ wollte Hsi-fëng wissen. „Aus dem Haus ihrer Mutter“, antwortete Hsing-örl. „Schön“, sagte Hsi-fëng, um dann weiter zu fragen: „Hat niemand der Braut das Geleit gegeben?“ „Einzig Herr Jung“, sagte Hsing-örl, „sonst nur ein paar Mägde und alte Weiber, weiter niemand.“ „Die junge gnädige Frau von drüben war nicht dabei?“ vergewisserte sich Hsi-fëng. „Nein“, sagte Hsing-örl, „sie ist erst ein paar Tage später gekommen und hat Geschenke gebracht.“ Hsi-fëng lächelte flüchtig, dann sah sie sich nach Ping-örl um und sagte: „Ist es ein Wunder, daß unser junger Herr die junge gnädige Frau von drüben in der letzten Zeit nur in einem fort gepriesen hat?“ Dann wandte sie sich wieder Hsing-örl zu, um ihn weiter auszufragen: „Wer bedient dort? Natürlich du!“ Rasch schlug Hsing-örl mit der Stirn auf den Boden, sagte aber kein Wort. Also fragte Hsi-fëng: „Demnach war d a s seine Beschäftigung, wenn er in der letzten Zeit immer gesagt hat, er habe drüben im anderen Anwesen zu tun?“ „Teils hatte er wirklich drüben zu tun, teils war er in seinem neuen Haus“, gestand Hsing-örl. „Und wer wohnt mit ihm zusammen?“ wollte Hsi-fëng nun wissen. „Ihre Mutter und zuerst auch noch ihre jüngere Schwester, aber die hat sich jetzt die Gurgel durchgeschnitten“, sagte Hsing-örl. „Warum das nun wieder?“ fragte Hsi-fëng, und daraufhin erzählte Hsing-örl ihr die Sache mit Liu Hsiang-liän. „Der Mann ist vom Glück begünstigt, möchte ich sagen, denn es ist ihm erspart geblieben, ein stadtbekannter Hahnrei zu werden“, kommentierte Hsi-fëng, um sich dann zu erkundigen: „Weiter war nichts?“ „Weiter weiß ich Sklave nichts“, beteuerte Hsing-örl. „Und jedes Wort, das ich Sklave eben gesagt habe, ist wahr. Wenn Ihr herausfindet, daß auch nur ein Wort gelogen war, könnt Ihr mich totschlagen, ohne daß ich deswegen grollen werde, junge gnädige Frau.“ Hsi-fëng saß ein Weilchen mit gesenktem Kopf da, dann wies sie mit der Hand auf Hsing-örl und sagte: „Ich sollte dich wirklich totschlagen, du Affenbastard! Hast du geglaubt, du könntest mir etwas verheimlichen? Wolltest es verheimlichen, um dich bei deinem törichten Herrn und deiner neuen jungen Herrin einzuschmeicheln, ja? Wenn ich nicht gesehen hätte, daß du eben vor lauter Angst nicht zu lügen wagtest, würde ich dir die Beine brechen lassen. – Steh auf!“ herrschte sie ihn schließlich an, und Hsing-örl schlug ein weiteres Mal mit der Stirn auf den Boden, bevor er wieder aufstand und sich bis an die Tür des Vorraums zurückzog, wo er abwartend stehenblieb, weil er nicht einfach zu gehen wagte. „Komm her, ich habe dir noch etwas zu sagen!“ befahl ihm Hsi-fëng, und rasch nahm Hsing-örl mit herabhängenden Armen vor ihr Aufstellung, um ergeben zuzuhören. „Warum so eilig?“ fragte Hsi-fëng. „Deine neue junge Herrin wartet wohl mit einer Belohnung auf dich?“ Hsing-örl wagte nicht einmal aufzublicken, und Hsi-fëng fuhr fort: „Ab sofort gehst du mir nicht mehr dorthin! Wann immer ich dich rufen lasse, kommst du zu mir! Und versuch es nur, auch nur einen Augenblick zu zögern. – Raus jetzt!“ Hastig sagte Hsing-örl mehrmals hintereinander jawohl, dann zog er sich vor die Tür zurück. Aber noch einmal rief Hsi-fëng: „Hsing-örl!“ Sofort antwortete er und kam wieder herein. „Jetzt willst du wohl schnell zu deinem Herrn eilen, um ihm alles zu erzählen, ja?“ fragte Hsi-fëng. „Ich Sklave werde es nicht wagen“, versicherte Hsing-örl. „Wenn du draußen auch nur ein Wort davon erwähnst, dann nimm dein Fell in acht!“ warnte ihn Hsi-fëng, und rasch sagte Hsing-örl jawohl dazu, ehe er wieder hinausging. „Lai Wang?“ rief Hsi-fëng nun. Und sofort meldete sich Lai Wang und kam herein. Schweigend ließ Hsi-fëng ihren Blick so lange auf ihm ruhen, wie man braucht, um zwei, drei Sätze zu sprechen, dann erst sagte sie: „Brav, mein guter Lai Wang! Jetzt kannst du gehen, aber wenn irgendjemand draußen auch nur ein Wort über die Sache spricht, wirst du mir dafür geradestehen.“ „Jawohl“, sagte Lai Wang und ging. Inzwischen verlangte Hsi-fëng nach Tee, und die kleineren Sklavenmädchen verstanden, wie das gemeint war, und gingen sämtlich hinaus. Dann erst sagte Hsi-fëng sarkastisch zu Ping-örl: „Hast du das gehört? War das nicht gut?“ Aber Ping-örl wagte nichts zu erwidern und lächelte nur schweigend zu ihr hinüber. Je länger Hsi-fëng über den Fall nachdachte, desto mehr geriet sie in Zorn. An ihre Kissen gelehnt, brütete sie stumm vor sich hin. Auf einmal aber runzelte sie die Brauen – jetzt hatte sie einen Plan bereit. „Ping-örl!“ rief sie, und Ping-örl sagte rasch jawohl und trat näher. „Paß auf, wie wir es machen müssen!“ sagte Hsi-fëng. „Wir dürfen nicht warten, bis der junge Herr wieder zurück ist.“ Wer wissen will, was Hsi-fëng unternahm, muß das nächste Kapitel lesen. 68. Die unglückliche zweite Schwester You wird in den Garten des Großen Anblicks gelockt, die eifersüchtige Hsi-fëng wütet im Ning-guo-Anwesen.

Als Djia Liän auf die Reise ging, war der Kommandant von Ping-an eben zu einer Grenzinspektion unterwegs und wurde erst in ungefähr einem Monat zurückerwartet. Da Djia Liän noch keine eindeutige Antwort von ihm bekommen hatte, blieb ihm nichts weiter übrig, als sich in einem Gasthaus einzumieten und zu warten. Bis der Kommandant endlich zurück war und sie sich gesehen und die Sache geregelt hatten, war Djia Liän bereits annähernd zwei Monate von zu Hause fort. Wer konnte schon ahnen, daß Hsi-fëng alles längst entschieden hatte und nur wartete, bis Djia Liän weit genug fort war! Die verschiedensten Handwerker mußten kommen, und dann ließ sie drei Räume im östlichen Seitenflügel genauso herrichten und ausstatten wie ihre eigenen Zimmer. Am vierzehnten teilte Hsi-fëng der Herzoginmutter und Dame Wang mit, sie wolle am nächsten Morgen in aller Frühe ins Nonnenkloster fahren, um dort Weihrauch zu opfern. Von ihrem Gefolge nahm sie nur Ping-örl, Fëng-örl und die Frauen von Dschou Juee und Lai Wang mit, und erst als sie in die Wagen stiegen, eröffnete sie ihnen den wahren Zweck der Aktion. Das männliche Gesinde mußte noch auf ihren Befehl weiße Trauerkleider und ‑kopfbedeckungen anlegen, und dann ging es los. Hsing-örl führte den Zug schnurstracks zum Hause der zweiten Schwester You und pochte dort ans Tor.