Hongloumeng/Chapter 23

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第二十三回

西厢记妙词通戏语

牡丹亭艳曲警芳心

Worte aus dem 'Westzimmer' werden im Scherz gewechselt, Verse aus dem 'Päonienpavillon' erschrecken ein zartes Herz.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung (Schwarz)

話說賈元春自那日幸大觀園回宮去後,便命將那日所有的題詠,命探春依次抄錄妥協,自己編次,敘其優劣,又命在大觀園勒石,為千古風流雅事。因此,賈政命人各處選拔精工名匠,在大觀園磨石鐫字,賈珍率領蓉、萍等監工。因賈薔又管理著文官等十二個女戲並行頭等事,不大得便,因此賈珍又將賈菖、賈菱喚來監工。一日,湯蠟釘朱,動起手來。這也不在話下。   且說那個玉皇廟並達摩庵兩處,一班的十二個小沙彌並十二個小道士,如今挪出大觀園來,賈政正想發到各廟去分住。不想後街上住的賈芹之母周氏,正盤算著也要到賈政這邊謀一個大小事務與兒子管管,也好弄些銀錢使用,可巧聽見這件事出來,便坐轎子來求鳳姐。鳳姐因見他素日不大拿班作勢的,便依允了,想了幾句話便回王夫人說:「這些小和尚道士萬不可打發到別處去,一時娘娘出來就要承應。倘或散了,若再用時,可是又費事。依我的主意,不如將他們竟送到咱們家廟裡鐵檻寺去,月間不過派一個人拿幾兩銀子去買柴米就完了。說聲用,走去叫來,一點兒不費事呢。」王夫人聽了,便商之於賈政。賈政聽了笑道:「倒是提醒了我,就是這樣。」 即時喚賈璉來。   當下賈璉正同鳳姐吃飯,一聞呼喚,不知何事,放下飯便走。鳳姐一把拉住,笑道:「你且站住,聽我說話。若是別的事我不管,若是為小和尚們的事,好歹依我這麼著。」如此這般教了一套話。賈璉笑道:「我不知道,你有本事你說去。」鳳姐聽了,把頭一梗,把筷子一放,腮上似笑不笑的瞅著賈璉道:「你當真的,是玩話?」賈璉笑道:「西廊下五嫂子的兒子芸兒來求了我兩三遭,要個事情管管。我依了,叫他等著。好容易出來這件事,你又奪了去。」鳳姐兒笑道:「你放心。園子東北角子上,娘娘說了,還叫多多的種松柏樹,樓底下還叫種些花草。等這件事出來,我管保叫芸兒管這件工程。」賈璉道:「果這樣也罷了。只是昨兒晚上,我不過是要改個樣兒,你就扭手扭腳的。」鳳姐兒聽了,嗤的一聲笑了,向賈璉啐了一口,低下頭便吃飯。   賈璉已經笑著去了,到了前面見了賈政,果然是小和尚一事。賈璉便依了鳳姐主意,說道:「如今看來,芹兒倒大大的出息了,這件事竟交予他去管辦。橫豎照在裡頭的規例,每月叫芹兒支領就是了。」賈政原不大理論這些事,聽賈璉如此說,便如此依了。賈璉回到房中告訴鳳姐兒,鳳姐即命人去告訴了周氏。賈芹便來見賈璉夫妻兩個,感謝不盡。風姐又作情央賈璉先支三個月的,叫他寫了領字,賈璉批票畫了押,登時發了對牌出去。銀庫上按數發出三個月的供給來,白花花二三百兩。賈芹隨手拈一塊,撂予掌平的人,叫他們吃茶罷。於是命小廝拿回家,與母親商議。登時雇了大叫驢,自己騎上,又雇了幾輛車,至榮國府角門,喚出二十四個人來,坐上車,一徑往城外鐵檻寺去了。當下無話。   如今且說賈元春,因在宮中自編大觀園題詠之後,忽想起那大觀園中景緻,自己幸過之後,賈政必定敬謹封鎖,不敢使人進去騷擾,豈不寥落。況家中現有幾個能詩會賦的姊妹,何不命他們進去居住,也不使佳人落魄,花柳無顏。卻又想到寶玉自幼在姊妹叢中長大,不比別的兄弟,若不命他進去,只怕他冷清了,一時不大暢快,未免賈母王夫人愁慮,須得也命他進園居住方妙。想畢,遂命太監夏守忠到榮國府來下一道諭,命寶釵等只管在園中居住,不可禁約封錮,命寶玉仍隨進去讀書。   賈政,王夫人接了這諭,待夏守忠去後,便來回明賈母,遣人進去各處收拾打掃,安設簾幔床帳。別人聽了還自猶可,惟寶玉聽了這諭,喜的無可不可。正和賈母盤算,要這個,弄那個,忽見丫鬟來說:「老爺叫寶玉。」寶玉聽了,好似打了個焦雷,登時掃去興頭,臉上轉了顏色,便拉著賈母扭的好似扭股兒糖,殺死不敢去。賈母只得安慰他道: 「好寶貝,你只管去,有我呢,他不敢委屈了你。況且你又作了那篇好文章。想是娘娘叫你進去住,他吩咐你幾句,不過不教你在裡頭淘氣。他說什麼,你只好生答應著就是了。」一面安慰,一面喚了兩個老嬤嬤來,吩咐:「好生帶了寶玉去,別叫他老子唬著他。」老嬤嬤答應了。   寶玉只得前去,一步挪不了三寸,蹭到這邊來。可巧賈政在王夫人房中商議事情,金釧兒、彩雲、彩霞、繡鸞、繡鳳等眾丫鬟都在廊檐底下站著呢,一見寶玉來,都抿著嘴笑。金釧一把拉住寶玉,悄悄的笑道:「我這嘴上是才擦的香浸胭脂,你這會子可吃不吃了?」彩雲一把推開金釧,笑道:「人家正心裡不自在,你還奚落他。趁這會子喜歡,快進去罷。」寶玉只得挨進門去。原來賈政和王夫人都在裡間呢。趙姨娘打起帘子,寶玉躬身進去。只見賈政和王夫人對面坐在炕上說話,地下一溜椅子,迎春、探春、惜春、賈環四個人都坐在那裡。一見他進來,惟有探春和惜春、賈環站了起來。   賈政一舉目,見寶玉站在跟前,神彩飄逸,秀色奪人,看看賈環,人物委瑣,舉止荒疏,忽又想起賈珠來,再看看王夫人只有這一個親生的兒子,素愛如珍,自己的鬍鬚將已蒼白:因這幾件上,把素日嫌惡處分寶玉之心不覺減了八九。半晌說道:「娘娘吩咐說,你日日外頭嬉游,漸次疏懶,如今叫禁管,同你姊妹在園裡讀書寫字。你可好生用心習學,再如不守分安常,你可仔細!」寶玉連連的答應了幾個「是」。王夫人便拉他在身旁坐下。他姊弟三人依舊坐下。   王夫人摸挲著寶玉的脖項說道:「前兒的丸藥都吃完了?」寶玉答道:「還有一丸。」王夫人道:「明兒再取十丸來,天天臨睡的時候,叫襲人伏侍你吃了再睡。」寶玉道:「只從太太吩咐了,襲人天天晚上想著,打發我吃。」賈政問道:「襲人是何人?」王夫人道:「是個丫頭。」賈政道:「丫頭不管叫個什麼罷了,是誰這樣刁鑽,起這樣的名字?」王夫人見賈政不自在了,便替寶玉掩飾道:「是老太太起的。」賈政道:「老太太如何知道這話,一定是寶玉。」寶玉見瞞不過,只得起身回道:「因素日讀詩,曾記古人有一句詩云:『花氣襲人知晝暖 』。因這個丫頭姓花,便隨口起了這個名字。」王夫人忙又道:「寶玉,你回去改了罷。老爺也不用為這小事動氣。」賈政道:「究竟也無礙,又何用改。只是可見寶玉不務正,專在這些濃詞艷賦上作工夫。」說畢,斷喝一聲:「作業的畜生,還不出去!」王夫人也忙道:「去罷,只怕老太太等你吃飯呢。」寶玉答應了,慢慢的退出去,向金釧兒笑著伸伸舌頭,帶著兩個嬤嬤一溜煙去了。   剛至穿堂門前,只見襲人倚門立在那裡,一見寶玉平安回來,堆下笑來問道:「叫你作什麼?」寶玉告訴他:「沒有什麼,不過怕我進園去淘氣,吩咐吩咐。」一面說,一面回至賈母跟前,回明原委。只見林黛玉正在那裡,寶玉便問他:「你住那一處好?」林黛玉正心裡盤算這事,忽見寶玉問他,便笑道:「我心裡想著瀟湘館好,愛那幾竿竹子隱著一道曲欄,比別處更覺幽靜。」寶玉聽了拍手笑道:「正和我的主意一樣,我也要叫你住這裡呢。我就住怡紅院,咱們兩個又近,又都清幽。」   兩人正計較,就有賈政遣人來回賈母說:「二月二十二曰子好,哥兒姐兒們好搬進去的。這幾日內遣人進去分派收拾。」薛寶釵住了蘅蕪苑,林黛玉住了瀟湘館,賈迎春住了綴錦樓,探春住了秋爽齋,惜春住了蓼風軒,李氏住了稻香村,寶玉住了怡紅院。每一處添兩個老嬤嬤,四個丫頭,除各人奶娘親隨丫鬟不算外,另有專管收拾打掃的。至二十二日,一齊進去,登時園內花招繡帶,柳拂香風,不似前番那等寂寞了。   閑言少敘。且說寶玉自進花園以來,心滿意足,再無別項可生貪求之心。每日只和姊妹丫頭們一處,或讀書,或寫字,或彈琴下棋,作畫吟詩,以至描鸞刺鳳,鬥草簪花,低吟悄唱,拆字猜枚,無所不至,倒也十分快樂。他曾有幾首即事詩,雖不算好,卻倒是真情真景,略記幾首云:     春夜即事   霞綃雲幄任鋪陳,隔巷蟆更聽未真。   枕上輕寒窗外雨,眼前春色夢中人。   盈盈燭淚因誰泣,點點花愁為我嗔。   自是小鬟嬌懶慣,擁衾不耐笑言頻。

    夏夜即事   倦繡佳人幽夢長,金籠鸚鵡喚茶湯。   窗明麝月開宮鏡,室靄檀雲品御香。   琥珀杯傾荷露滑,玻璃檻納柳風涼。   水亭處處齊紈動,簾捲朱樓罷晚妝。

    秋夜即事   絳芸軒里絕喧嘩,桂魄流光浸茜紗。   苔鎖石紋容睡鶴,井飄桐露濕棲鴉。   抱衾婢至舒金鳳,倚檻人歸落翠花。   靜夜不眠因酒渴,沉煙重撥索烹茶。

    冬夜即事   梅魂竹夢已三更,錦罽鸘衾睡未成。   松影一庭惟見鶴,梨花滿地不聞鶯。   女兒翠袖詩懷冷,公子金貂酒力輕。   卻喜侍兒知試茗,掃將新雪及時烹。

  因這幾首詩,當時有一等勢利人,見是榮國府十二三歲的公子作的,抄錄出來各處稱頌,再有一等輕浮子弟,愛上那風騷妖艷之句,也寫在扇頭壁上,不時吟哦賞贊。因此竟有人來尋詩覓字,倩畫求題的。寶玉亦發得了意,鎮日家作這些外務。   誰想靜中生煩惱,忽一日不自在起來,這也不好,那也不好,出來進去只是悶悶的。園中那些人多半是女孩兒,正在混沌世界,天真爛漫之時,坐卧不避,嘻笑無心,那裡知寶玉此時的心事。那寶玉心內不自在,便懶在園內,只在外頭鬼混,卻又痴痴的。   茗煙見他這樣,因想與他開心,左思右想,皆是寶玉頑煩了的,不能開心,惟有這件,寶玉不曾看見過。想畢,便走去到書坊內,把那古今小說並那飛燕、合德、武則天、楊貴妃的外傳與那傳奇角本買了許多來,引寶玉看。寶玉何曾見過這些書,一看見了便如得了珍寶。茗煙囑咐他不可拿進園去,「若叫人知道了,我就吃不了兜著走呢。」寶玉那裡舍的不拿進園去,踟躕再三,單把那文理細密的揀了幾套進去,放在床頂上,無人時自己密看。那粗俗過露的,都藏在外面書房裡。   那一日正當三月中浣,早飯後,寶玉攜了一套《會真記》,走到沁芳閘橋邊桃花底下一塊石上坐著,展開《會真記》,從頭細玩。正看到「落紅成陣」,只見一陣風過,把樹頭上桃花吹下一大半來,落的滿身滿書滿地皆是。寶玉要抖將下來,恐怕腳步踐踏了,只得兜了那花瓣,來至池邊,抖在池內。那花瓣浮在水面,飄飄蕩盪,竟流出沁芳閘去了。   回來只見地下還有許多,寶玉正踟躕間,只聽背後有人說道:「你在這裡作什麼?」寶玉一回頭,卻是林黛玉來了,肩上擔著花鋤,鋤上掛著花囊,手內拿著花帚。寶玉笑道:「好,好,來把這個花掃起來,撂在那水裡。我才撂了好些在那裡呢。」林黛玉道:「撂在水裡不好。你看這裡的水乾凈,只一流出去,有人家的地方髒的臭的混倒,仍舊把花遭塌了。那畸角上我有一個花冢,如今把他掃了,裝在這絹袋里,拿土埋上,日久不過隨土化了,豈不乾凈。」寶玉聽了喜不自禁,笑道:「待我放下書,幫你來收拾。」黛玉道:「什麼書?」寶玉見問,慌的藏之不迭,便說道:「不過是《中庸》《大學》。」黛玉笑道:「你又在我跟前弄鬼。趁早兒給我瞧,好多著呢。」寶玉道:「好妹妹,若論你,我是不怕的。你看了,好歹別告訴別人去。真真這是好書!你要看了,連飯也不想吃呢。」一面說,一面遞了過去。林黛玉把花具且都放下,接書來瞧,從頭看去,越看越愛看,不到一頓飯工夫,將十六齣俱已看完,自覺詞藻警人,餘香滿口。雖看完了書,卻只管出神,心內還默默記誦。   寶玉笑道:「妹妹,你說好不好?」林黛玉笑道:「果然有趣。」寶玉笑道:「我就是個『多愁多病身』,你就是那『傾國傾城貌』。」林黛玉聽了,不覺帶腮連耳通紅,登時直豎起兩道似蹙非蹙的眉,瞪了兩隻似睜非睜的眼,微腮帶怒,薄面含嗔,指寶玉道:「你這該死的胡說!好好的把這淫詞艷曲弄了來,還學了這些混話來欺負我。我告訴舅舅舅母去。」說到「欺負」兩個字上,早又把眼睛圈兒紅了,轉身就走。寶玉著了急,向前攔住說道:「好妹妹,千萬饒我這一遭,原是我說錯了。若有心欺負你,明兒我掉在池子里,教個癩頭黿吞了去,變個大忘八,等你明兒做了『一品夫人』病老歸西的時候,我往你墳上替你馱一輩子的碑去。」說的林黛玉嗤的一聲笑了,揉著眼睛,一面笑道:「一般也唬的這個調兒,還只管胡說。呸,原來是『苗而不秀,是個銀樣鑞槍頭』。」寶玉聽了,笑道:「你這個呢?我也告訴去。」林黛玉笑道:「你說你會過目成誦,難道我就不能一目十行麽?」   寶玉一面收書,一面笑道:「正經快把花埋了罷,別提那個了。」二人便收拾落花,正才掩埋妥協,只見襲人走來,說道:「那裡沒找到,摸在這裡來。那邊大老爺身上不好,姑娘們都過去請安,老太太叫打發你去呢。快回去換衣裳去罷。」寶玉聽了,忙拿了書,別了黛玉,同襲人回房換衣不提。   這裡林黛玉見寶玉去了,又聽見眾姊妹也不在房,自己悶悶的。正欲回房,剛走到梨香院牆角上,只聽牆內笛韻悠揚,歌聲婉轉。林黛玉便知是那十二個女孩子演習戲文呢。只是林黛玉素習不大喜看戲文,便不留心,只管往前走。偶然兩句吹到耳內,明明白白,一字不落,唱道是:「原來奼紫嫣紅開遍,似這般都付與斷井頹垣。」林黛玉聽了,倒也十分感慨纏綿,便止住步側耳細聽,又聽唱道是:「良辰美景奈何天,賞心樂事誰家院。」聽了這兩句,不覺點頭自嘆,心下自思道:「原來戲上也有好文章。可惜世人只知看戲,未必能領略這其中的趣味。」想畢,又後悔不該胡想,耽誤了聽曲子。又側耳時,只聽唱道:「則為你如花美眷,似水流年……」林黛玉聽了這兩句,不覺心動神搖。又聽道:「你在幽閨自憐」等句,亦發如醉如痴,站立不住,便一蹲身坐在一塊山子石上,細嚼「如花美眷,似水流年」八個字的滋味。忽又想起前日見古人詩中有「水流花謝兩無情」之句,再又有詞中有「流水落花春去也,天上人間」之句,又兼方纔所見《西廂記》中「花落水流紅,閑愁萬種」之句,都一時想起來,湊聚在一處。仔細忖度,不覺心痛神痴,眼中落淚。正沒個開交,忽覺背上擊了一下,及回頭看時,原來是……且聽下回分解。正是:   妝晨繡夜心無矣,對月臨風恨有之。

注释

n Frau!“ Also zog sich Bau-yü zurück und begab sich in den hinteren Hauptraum. Als Dame Hsing ihn hereinkommen sah, erhob sie sich und trug ihm einen Gruß an die Herzoginmutter auf. Dann erst konnte ihr Bau-yü seinen Gruß entbieten. Anschließend zog Dame Hsing ihn zu sich aufs Ofenbett und erkundigte sich nach dem Rest der Familie. Sie befahl, Tee einzugießen, und sie hatten die erste Tasse noch nicht geleert, als Djia Dsung hereinkam, um Bau-yü zu begrüßen. „Das ist ja ein Affe, wie er im Buche steht!“ tadelte Dame Hsing. „Sind denn deine Ammen alle gestorben, daß dich niemand in Ordnung halten kann? Sieht so vielleicht ein Kind aus einer alten Beamtenfamilie aus, das schon Unterricht hat – mit schwarzer Stirn und schmutziger Schnute?“ Während sie das sagte, kamen auch Onkel und Neffe Djia Huan und Djia Lan herein. Nachdem sie ihren Gruß entboten hatten, ließ Dame Hsing sie auf zwei Stühlen Platz nehmen. Aber Djia Huan verdroß es, daß Bau-yü mit Dame Hsing auf demselben Sitzpolster saß und von ihr gestreichelt und gehätschelt wurde, darum gab er Djia Lan schon bald einen Wink, daß sie gehen wollten. Djia Lan mußte gehorchen, und so standen sie gemeinsam auf und verabschiedeten sich. Daraufhin erhob sich Bau-yü ebenfalls und wollte mit ihnen zusammen gehen, aber Dame Hsing sagte lächelnd zu ihm: „Bleib sitzen! Ich habe noch mit dir zu reden.“ Also mußte sich Bau-yü wieder hinsetzen. „Grüßt zu Hause eure Mütter von mir!“ trug Dame Hsing den beiden anderen auf. „Eure Mädchen sind alle hier und haben solchen Spektakel gemacht, daß mir ganz schwindlig davon ist, darum behalte ich euch heute nicht zum Essen hier.“ Djia Huan und Djia Lan sagten jawohl und gingen. „Warum sind die Mädchen nicht zu sehen, wenn sie alle hier sind?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Sie haben ein Weilchen hier gesessen und sind dann irgendwo nach hinten gegangen“, erwiderte Dame Hsing. „Ihr sagtet, Ihr wolltet mit mir reden“, fuhr Bau-yü fort. „Was gibt es denn?“ „Gar nichts“, sagte Dame Hsing lächelnd, „ich wollte nur, daß du noch bleibst und mit den Mädchen zusammen hier ißt. Außerdem habe ich etwas Schönes für dich, was du mitnehmen kannst.“ Tante und Neffe hatten nicht bemerkt, daß es über ihrem Gespräch Zeit geworden war, zu Abend zu essen, aber jetzt wurden Tische und Stühle zurechtgestellt und Becher und Schalen aufgetragen. Nachdem sie mit den Mädchen zusammen gegessen hatten, ging Bau-yü noch zu Djia Schë, um sich zu verabschieden, dann kehrte er mit den Mädchen nach Hause zurück, wo sie die Herzoginmutter und Dame Wang aufsuchten, ehe sich jeder in sein Wohngebäude begab und sich schlafen legte. Mehr ist davon nicht zu berichten. Als Djia Yün zu Djia Liän gekommen war, hatte er sich erkundigt: „Gibt es nicht irgendeinen Auftrag, den ich übertragen bekommen könnte?“ „Neulich gab es etwas“, sagte Djia Liän, „aber deine Tante hat mich so lange gebeten, bis ich Tjin den Auftrag verschaffte. Sie hat mir jedoch gesagt, im Garten sollten demnächst noch an einigen Stellen Blumen und Bäume gepflanzt werden, und wenn diese Arbeit an der Reihe sei, solltest du sie ganz bestimmt übertragen bekommen.“ „Dann warte ich eben!“ erklärte Djia Yün nach längerer Pause. „Aber sagt der Tante nichts davon, daß ich mich erkundigt habe. Wenn es soweit ist, können wir immer noch darüber sprechen.“ „Warum sollte ich es ihr sagen?“ fragte Djia Liän. „Für müßiges Geschwätz habe ich keine Zeit. Morgen früh muß ich schon in der fünften Nachtwache nach Hsing-i PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT aufbrechen, um noch am selben Tag zurück zu sein. Also warte ab und hol dir übermorgen zur ersten Nachtwache Bescheid! Eher kann ich nicht.“ Damit verschwand er in den Innenraum, um sich umzuziehen. Djia Yün verließ das Jung-guo-Anwesen und grübelte unentwegt nach. Dann kam ihm ein Gedanke, und sofort ging er zu seinem Onkel mütterlicherseits, der mit Namen Bu Schï-jën hieß. Dieser Bu Schï-jën betrieb eine Spezereihandlung und war eben aus dem Geschäft nach Hause gekommen, als plötzlich Djia Yün hereintrat. „Was willst du denn um diese Zeit noch hier?“ erkundigte er sich bei seinem Neffen, nachdem sie einander begrüßt hatten. „Ich möchte Euch um Eure Hilfe bitten“, sagte Djia Yün. „Ich brauche etwas Kampfer und etwas Moschus. Gebt mir doch je vier Liang auf Pump! Im achten Monat zahle ich Euch die volle Summe Silber dafür.“ „Red mir nicht von Pumpgeschäften!“ sagte Bu Schï-jën mit abweisendem Lächeln. „Einer unserer Verkäufer hatte auch mal etwas für mehrere Liang Silber auf Pump an einen Verwandten verkauft, aber der hat sie ihm bis heute noch nicht bezahlt. Darum haben wir alle zusammengelegt, um die Schuld zu begleichen, und haben ausgemacht, daß niemand mehr seinen Verwandten oder Freunden etwas auf Pump geben darf. Wer es doch tut, muß die andern zur Strafe für zwanzig Liang Silber bewirten. Außerdem sind die Sachen, die du haben willst, im Augenblick sowieso knapp. Selbst wenn du sie mit barem Silber in unserem Lädchen kaufen wolltest, hätten wir sie nicht am Lager und müßten sie irgendwo anders kaufen gehen. Das ist das eine. Zum andern ist doch das bestimmt nichts Reelles, was du vorhast. Du kaufst die Sachen auf Pump und stellst dann irgendwelchen Blödsinn damit an. Du siehst, daß dein Onkel dir nur Vorhaltungen macht, sooft wir uns treffen. Aber jung, wie du bist, hast du von nichts eine Ahnung. Du solltest dir endlich etwas einfallen lassen, um zu ein wenig Geld zu kommen, damit du zu essen und anzuziehen hast, dann werde auch ich mich freuen.“ „Ihr habt ganz recht, Onkel!“ sagte Djia Yün und lächelte. „Als mein Vater starb, war ich noch klein und unverständig. Von meiner Mutter hörte ich später, wie Ihr alles in die Hand genommen und das Begräbnis ausgerichtet habt. Wißt Ihr da nicht, daß wir nicht mehr haben als ein Mu Land und das Haus mit zwei Räumen? Soll ich das jetzt verkaufen, oder wie? Die geschickteste Hausfrau kann ohne Reis keine Reissuppe kochen, sagt man. Was meint Ihr denn, was ich machen soll? Ihr habt noch Glück, daß ich bin wie ich bin und kein unverschämter Kerl, der Euch in drei Tagen zweimal auf die Pelle rückt und mal drei Schëng Reis und dann zwei Schëng Bohnen verlangt. Dann könntet Ihr nämlich auch nichts dagegen machen.“ „Du solltest ja alles kriegen, mein Junge, wenn ich es nur hätte!“ beteuerte Bu Schï-jën. „Tag für Tag sage ich zu deiner Tante, es sei ein Jammer, daß du so wenig Verstand besitzt. Du brauchtest dich nur aufzuraffen und zu deiner reichen Verwandtschaft zu gehen. Wenn du die Herrschaften nicht zu Gesicht bekommst, bescheide dich nur und stell dich mit ihren Verwaltern und Aufsehern gut, damit man dir einen Auftrag gibt, für den du verantwortlich bist. Neulich war ich außerhalb der Stadt und habe den viertältesten Sohn deines dritten Onkels getroffen. Er ritt auf einem kräftigen Esel und hatte fünf Wagen mit vierzig oder fünfzig jungen Nonnen bei sich, die er in den Familientempel brachte. Das ist ein tüchtiger Kerl, und ihm vertraut man auch Aufträge an.“ Djia Yün konnte das Geschwätz nicht länger anhören, darum stand er auf und verabschiedete sich. „Warum so eilig?“ fragte Bu Schï-jën. „Iß doch mit uns, bevor du gehst, und...“ Aber noch ehe er zu Ende gesprochen hatte, schaltete seine Frau sich ein und sagte: „Was redest du wieder für Unsinn? Ich habe dir doch gesagt, daß wir keinen Reis mehr im Haus haben. Ich habe ein halbes Djin Nudeln gekauft, die will ich dir kochen, und du tust hier wer weiß wie dick. Willst du deinen Neffen einladen, hungrig dabeizusitzen, oder was?“ „Dann kaufst du eben noch ein halbes Djin und tust es dazu!“ entschied Bu Schï-jën. Also befahl seine Frau, die Tochter Yin-djiä solle gegenüber bei Mutter Wang fragen, ob sie ihnen bis morgen zwanzig oder dreißig Bronzemünzen borgen könne. Aber während die Ehegatten noch miteinander sprachen, sagte Djia Yün mehrmals hintereinander: „Nur keine Umstände, bitte!“ und war im nächsten Augenblick spurlos verschwunden. Lassen wir also die Familie Bu und erzählen weiter von Djia Yün! Als er das Haus seines Onkels wütend verlassen hatte, ging er den Weg wieder zurück, den er gekommen war, und hing dabei zornigen Gedanken nach. Und während er so mit gesenktem Kopf dahinging, prallte er auf einmal unversehens mit voller Wucht gegen einen Betrunkenen. Erschrocken sprang Djia Yün beiseite und hörte den anderen fluchen: „Schänd deine Mutter! Hast du keine Augen im Kopf, daß du mich anrempeln mußt?“ Ehe Djia Yün sich aus dem Staube machen konnte, hatte der Betrunkene ihn schon gepackt, und jetzt erkannte Djia Yün, daß es niemand anders war als sein Nachbar Ni Örl. Dieser Ni Örl war ein Taugenichts, der von Wucherzinsen und vom Glücksspiel lebte und dessen ganzes Vergnügen Schlägereien und Saufgelage waren. Heute hatte er bei einem Schuldner Zinsen kassiert und kam eben betrunken zurück, als er plötzlich angerempelt wurde. Wütend fuchtelte er mit der Faust und wollte gerade zuschlagen, als der andere plötzlich rief: „Halt ein, Ni Örl, ich bin es doch!“ Die Stimme kam Ni Örl bekannt vor, und als er seine Säuferaugen aufriß, erkannte er Djia Yün. Rasch ließ er ihn los, torkelte zurück und sagte lächelnd: „Ach, der junge Herr Djia ist das! Verflucht will ich sein! Wohin willst du?“ „Das kann ich dir schlecht sagen“, erwiderte Djia Yün. „Für nichts und wieder nichts habe ich mir eine Abfuhr geholt.“ „Nur keine falsche Bescheidenheit!“ forderte Ni Örl ihn auf. „Sag es mir nur, wenn dir jemand ein Unrecht getan hat, und ich rechne für dich mit ihm ab! In unsern drei Straßen und sechs Gassen hier gibt es niemand, den ich, der Betrunkene Himmelswächter, nicht in Teufels Küche brächte, wenn er meinen Nachbarn beleidigt.“ „Reg dich nicht auf, ich werde dir alles erzählen!“ sagte Djia Yün und berichtete ihm, was sich bei Bu Schï-jën zugetragen hatte. Ni Örl bebte vor Zorn, als er die Geschichte gehört hatte. „Wenn er nicht dein Onkel wäre, sollte ihm das schlecht bekommen!“ erklärte er. „Es bringt mich um vor Wut! Aber laß gut sein, du mußt dich deswegen nicht grämen! Ich habe ein paar Liang Silber bei mir. Nimm sie nur, wenn du etwas brauchst! Aber nur unter einer Bedingung. Wir sind nun schon so viele Jahre Nachbarn, und ich bin überall als Geldverleiher bekannt, aber du hast mich nie deswegen angesprochen. Nun weiß ich nicht, ob du mich für einen Taugenichts hältst und mich deswegen verachtest und meinst, du würdest dir dadurch etwas vergeben, oder ob du fürchtest, mit mir sei schlecht auszukommen und ich würde zu hohe Zinsen nehmen. Wenn es wegen der Zinsen ist – ich will für dieses Geld keine Zinsen, ich will nicht einmal etwas Schriftliches darüber. Wenn du aber Angst hast, du könntest dir mit mir etwas vergeben, dann will ich dir das Silber nicht aufdrängen, dann geht eben jeder von uns seines Weges.“ Bei diesen Worten holte er wirklich ein Päckchen Silber aus dem Gürtel. Djia Yün sagte sich: ‚Dieser Ni Örl ist zwar ein Taugenichts, aber er ist doch auch hilfsbereit und weithin dafür bekannt, daß er sich furchtlos für die Gerechtigkeit einsetzt. Wenn ich jetzt seine Großzügigkeit zurückweise, wird er beleidigt sein, und wer weiß, was dann daraus wird. Besser ist, ich nehme das Silber und gebe ihm später das Doppelte wieder. Also sei‘s drum!‘ Als er diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, sagte er lächelnd: „Ni Örl, du bist wirklich ein guter Kerl! Und natürlich hatte ich schon an dich gedacht und wollte mich an dich wenden. Aber ich habe gesehen, daß deine Freunde nur mutige und tüchtige Menschen sind und solche unfähigen Gestalten wie ich gar keine Beachtung bei dir finden. Bestimmt hättest du mir nichts borgen wollen, wenn ich mich an dich gewandt hätte. Wenn mir jetzt deine Großmut zuteil wird, sage ich natürlich nicht nein, und sobald ich zu Hause bin, schreibe ich dir einen Schuldschein, wie es sich gehört, und bringe ihn zu dir.“ Lachend erwiderte Ni Örl: „Du hast eine flinke Zunge, aber ich nehme dir das nicht ab. Wenn jemand mein Freund ist, kann ich ihm nicht Geld auf Zinsen leihen, und bei wem es mir um die Zinsen geht, der ist nicht mein Freund. Aber wir haben genug geschwatzt. Wenn du einverstanden bist, gebe ich dir hier etwas über fünfzehn Liang und drei Tjiän, und du kaufst dir dafür, was du brauchst. Aber wenn du darauf bestehst, mir einen Schuldschein zu schreiben, gib es nur gleich wieder her, und ich verborge es an jemand anders, bei dem etwas zu holen ist.“ Lächelnd nahm Djia Yün das Silber entgegen und sagte: „Also schreibe ich nichts! Das ist doch kein Grund, sich aufzuregen!“ „So ist es recht!“ erwiderte Ni Örl lächelnd. „Jetzt ist es schon dunkel, da will ich dich nicht noch zu Tee oder Wein einladen. Ich habe auch noch etwas zu erledigen, also geh du nur nach Hause und tu mir nur den Gefallen, meinen Leuten Bescheid zu sagen, sie sollen rechtzeitig das Tor schließen und schlafen gehen. Wenn etwas ist, kann mich die Tochter morgen früh beim Pferdehändler Wang Kurzbein finden.“ Damit ging er schwankenden Schrittes davon, und mehr soll hier nicht von ihm die Rede sein. Verwundert über dieses unverhoffte Erlebnis, sagte sich Djia Yün: „Dieser Ni Örl ist gar nicht so übel, aber vielleicht ist er nur so großzügig, wenn er betrunken ist, und verlangt morgen die doppelte Summe von mir? Was mache ich dann?“ Während er unschlüssig darüber nachgrübelte, fiel ihm plötzlich ein: „Wenn die Sache klappt und ich bekomme den Auftrag, kann ich ihm auch die doppelte Summe zahlen!“ Nun begab er sich geradewegs in eine Wechselstube PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT , um das Silber abwiegen zu lassen, und es waren fünfzehn Liang, drei Tjiän, vier Fën und zwei Li. Ni Örl hatte ihn also nicht belogen, und das gab Djia Yün erst recht Grund zur Freude. Er packte das Silber wieder ein, und als er nach Hause kam, richtete er zuerst nebenan bei Ni Örls Frau dessen Botschaft aus. Als er dann in sein eigenes Haus trat, fand er seine Mutter auf dem Ofenbett, wo sie damit beschäftigt war, Garn zu drehen. „Wo warst du den ganzen Tag?“ fragte sie, als er hereinkam. Weil Djia Yün befürchtete, die Mutter könnte sich aufregen, wenn sie davon erfuhr, erzählte er nicht, was ihm bei Bu Schï-jën widerfahren war, und sagte nur, er habe so lange im Westanwesen auf Djia Liän gewartet. Dann erkundigte er sich, ob die Mutter schon gegessen habe. Ja, sagte sie, und sie habe auch etwas für ihn aufgehoben. Das kleine Sklavenmädchen brachte ihm das Essen, und da schon die Lampen brannten, machte sich Djia Yün gleich danach zum Schlafengehen zurecht und legte sich hin. Über die Nacht aber ist nichts zu berichten. Am nächsten Tag stand Djia Yün in aller Frühe auf, und nachdem er sich das Gesicht gewaschen hatte, begab er sich zu einer großen Spezereihandlung vor dem Südtor und kaufte dort Kampfer und Moschus. Dann begab er sich ins Jung-guo-Anwesen, und ging, als er erfahren hatte, Djia Liän sei wirklich außer Haus, bis zum Tor von Djia Liäns Wohngehöft hinein, wo ein paar kleine Sklavenjungen mit großen Bambusbesen den Hof fegten. Plötzlich kam Dschou Juees Frau aus dem Haus und befahl ihnen, für ein Weilchen damit aufzuhören, weil jetzt die junge Herrin herauskomme. Rasch trat Djia Yün an Dschou Juees Frau heran und fragte lächelnd: „Wohin geht denn meine Tante?“ „Die alte gnädige Frau hat sie rufen lassen“, sagte Dschou Juees Frau. „Sie soll wohl Stoff zuschneiden.“ Als sie das eben sagte, trat Hsi-fëng, von einem ganzen Schwarm Begleiterinnen umringt, aus dem Haus. Djia Yün wußte genau, daß Hsi-fëng es mochte, wenn man im Umgang mit ihr alle Formen des Anstands wahrte, darum legte er rasch die Hände zusammen, trat respektvoll näher und wünschte ihr Gesundheit. Hsi-fëng aber sah ihn kaum an und fragte nur im Weitergehen: „Wie geht es deiner Mutter? Warum kommt sie uns nie besuchen?“ „Sie fühlt sich nicht recht wohl“, erwiderte Djia Yün. „Sie denkt immer an Euch, Tante, und möchte Euch gern sehen, aber sie ist leider nicht imstande herzukommen.“ „Du kannst aber lügen!“ sagte Hsi-fëng lächelnd. „Wenn ich nicht nach ihr gefragt hätte, wärst du doch nicht darauf gekommen zu sagen, sie denke an mich.“ „Glaubt Ihr, ich hätte keine Angst, daß mich der Donner erschlägt, wenn ich Ältere anlüge?“ sagte Djia Yün, ebenfalls lächelnd. „Noch gestern abend hat Mutter gesagt, so zart, wie Ihr seid, müßtet Ihr eine Menge Energie haben, um hier alles so umsichtig zu leiten, und wenn es Euch auch nur ein bißchen daran mangeln würde, müßtet Ihr wer weiß wie erschöpft sein.“ Als Hsi-fëng das hörte, strahlte sie über das ganze Gesicht und blieb unwillkürlich stehen. „Was hattet ihr denn hinter meinem Rücken über mich zu schwatzen?“ fragte sie. „Das hatte seinen Grund“, erwiderte Djia Yün. „Ein Freund von mir, der einiges Geld besitzt, hatte bisher eine Spezereihandlung, aber dann hat er sich den Posten eines Präfekturassistenten gekauft und neulich irgendwo in Yün-nan eine Anstellung bekommen. Nun fährt er mit der ganzen Familie dorthin und hat deshalb seinen Laden aufgegeben. Er machte eine Bestandsaufnahme und gab den Leuten, was er ihnen schuldig war. Anderes hat er billig verkauft, aber die besseren Waren hat er an Verwandte und Freunde verschenkt. Ich habe dabei etwas Kampfer und Moschus bekommen und habe nun mit meiner Mutter beratschlagt, was wir damit machen sollen. Wenn wir es verkauften, würden wir nicht den vollen Preis dafür bekommen.Wer hätte schon das Silber, um so viel zu kaufen, und was soll er auch damit? Selbst den großen, begüterten Familien fällt es schwer genug, die wenigen Fën oder Tjiän zu kaufen, die sie davon brauchen. Wenn wir es aber verschenken wollten, haben wir niemand, der selbst Verwendung dafür hätte. Jeder würde es für ein Spottgeld verkaufen. Und dann seid Ihr mir eingefallen, Tante. Früher habe ich selbst gesehen, wie Ihr dicke Silberpakete für so etwas ausgegeben habt. Ganz zu schweigen von der kaiserlichen Nebenfrau im Palast, werdet Ihr allein zum Drachenbootfest PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT zehnmal so viel Duftstoffe brauchen wie sonst. So haben wir hin und her überlegt, und schließlich sagten wir uns, daß es das beste sei, diese Sachen Euch zum Geschenk zu machen, denn nur so sind sie nicht sinnlos verschwendet.“ Und mit diesen Worten hielt er ihr ein brokatbezogenes Kästchen hin. Hsi-fëng hatte gerade die Gaben zum Drachenbootfest zu beschaffen und brauchte deshalb auch Duft- und Arzneistoffe. Darum war sie froh und zufrieden, als Djia Yün so plötzlich auftauchte und ihr seine Geschichte erzählte. „Nimm ihm das ab“, befahl sie Fëng-örl, „und bring es ins Haus zu Ping-örl!“ Dann wandte sie sich wieder zu Djia Yün und sagte: „So verständig, wie du bist, ist es kein Wunder, daß dein Onkel oft von dir spricht und sagt, du wüßtest dich klar auszudrücken und hättest einen wachen Verstand.“ Als Djia Yün merkte, daß er mit seinen Worten gut angekommen war, trat er einen Schritt näher und vergewisserte sich: „Der Onkel hat also von mir gesprochen?“ Schon wollte Hsi-fëng ihm sagen, daß er einen Auftrag bekommen sollte, aber dann beherrschte sie sich, weil sie dachte: „Wenn ich es ihm jetzt

Aus: Jinyuyuan 1889b. sage, glaubt er womöglich, ich sei so dumm, ihm den Auftrag zu verschaffen, bloß weil er mir diese Kleinigkeit von Duftstoffen geschenkt hat. Besser, ich sage noch nichts davon!“ Also erwähnte sie mit keinem Wort, daß er beim Anpflanzen der Bäume und Blumen die Aufsicht führen sollte, sprach nur noch ein paar belanglose Sätze mit ihm und ging dann zur Herzoginmutter. Auch Djia Yün konnte schlecht von sich aus danach fragen, und so blieb ihm nichts anderes übrig, als wieder zu gehen. Da Bau-yü ihn am Tag zuvor aufgefordert hatte, in seiner Bibliothek auf ihn zu warten, kam Djia Yün nach dem Essen noch einmal ins Jung-guo-Anwesen zurück und ging zur Studierstube der Seidenwolken außerhalb des Innentors zum Wohngehöft der Herzoginmutter. Hier fand er die beiden Sklavenjungen Bee-ming und Tschu-yau beim Hsiang-tji-Schach PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT , als sie sich eben eines Steins wegen stritten, während Yin-tjüan, Sau-hua, Tiau-yün und Bau-hë auf dem Dach hockten und ein Nest mit jungen Sperlingen ausnahmen. Als Djia Yün in den Hof trat, stampfte er mit dem Fuß auf und sagte: „Seht ihr nicht, daß Besuch da ist, ihr ungezogenen Affen?“ Worauf die Knaben vom Dach verschwanden. Djia Yün trat ins Haus, nahm auf einem Stuhl Platz und fragte: „Ist der junge Herr Bau-yü noch nicht hier gewesen?“ „Er war heute überhaupt noch nicht hier“, erwiderte Bee-ming, „aber ich werde auskundschaften, was er Euch sagen läßt!“ Und damit ging er hinaus. Djia Yün sah sich Bilder, Kalligraphien und Antiquitäten an, doch dann war schon so viel Zeit vergangen, wie man sie braucht, um eine Schale Reis zu essen, ohne daß Bee-ming wiedergekommen war. Die anderen Sklavenjungen aber waren alle verschwunden, um irgendwo anders zu spielen. Djia Yün wurde schon ungeduldig, da ertönte draußen plötzlich eine zarte Stimme und rief: „Bruder!“ Djia Yün schaute hinaus und erblickte ein Sklavenmädchen von sechzehn, siebzehn Jahren, das schlank und sauber aussah. Als sie ihn sah, verbarg sie sich rasch, aber da kam gerade Bee-ming zurück, und als er das Mädchen vor der Tür fand, sagte er: „Das trifft sich gut! Eben konnte ich niemand finden, der eine Bestellung ausrichtet.“ Als Djia Yün bemerkte, daß Bee-ming zurück war, kam er vor die Tür und fragte: „Nun, was ist?“ „Ich habe die ganze Zeit gewartet, und es ist niemand gekommen. Aber hier ist jemand aus den Räumen des jungen Herrn“, sagte Bee-ming. Dann wandte er sich an das Mädchen und fuhr fort: „Sei so gut und richte drinnen aus, der zweite junge Herr aus dem Westanbau sei hier!“ Jetzt wußte das Mädchen, daß der Besucher zur Familie gehörte, darum war sie nicht mehr ganz so zurückhaltend und sah ihn ein paarmal unverwandt an. „Was soll der Anbau? Sag ihm einfach, sein Neffe Yün sei hier!“ hörte sie Djia Yün sagen, und nach einer Pause erwiderte sie kühl: „Meiner Meinung nach solltet Ihr nach Hause gehen und morgen wiederkommen, wenn Ihr etwas besprechen wollt. Heute abend werde ich es ausrichten, wenn sich eine Gelegenheit bietet.“ „Wie meinst du das?“ fragte Bee-ming. „Unser junger Herr hat keinen Mittagsschlaf gehalten und wird bestimmt früh zu Abend essen und dann nicht mehr hierher kommen“, sagte das Mädchen. „Soll der junge Herr vielleicht zum Spaß hier sitzen und hungern? Da ist es doch besser, er geht jetzt und kommt morgen wieder. Es hat nicht einmal Sinn, jemand zu bitten, er solle Bescheid sagen, denn auf wen ist schon Verlaß? Versprechen wird er es sicher, aber halten nicht unbedingt.“ Djia Yün fand den Gedanken vernünftig, aber auch schön gesagt und wollte das Mädchen schon nach ihrem Namen fragen, aber dann schien ihm das unangebracht, weil sie zu Bau-yüs Bedienung gehörte, und so sagte er einfach: „Das ist richtig, ich komme morgen wieder!“ Und damit ging er hinaus. „Ich werde Euch Tee eingießen!“ bot Bee-ming an. „Trinkt erst einmal, ehe Ihr geht!“ Aber Djia Yün wandte nur den Kopf und sagte: „Nicht nötig, ich habe noch etwas zu erledigen!“ Dabei ruhten seine Augen auf dem Sklavenmädchen, das noch immer da stand. Dann ging er geradewegs nach Hause. Als er am nächsten Tag wiederkam, traf er am Außentor auf Hsi-fëng, die eben ins Ning-guo-Anwesen fahren wollte, um ihren Gruß zu entbieten. Sie saß schon im Wagen, als sie Djia Yün kommen sah, und befahl, man solle ihn zu ihr rufen. Dann sagte sie lächelnd durchs Wagenfenster zu ihm: „Du hast also doch die Stirn gehabt, mir etwas vorzumachen! Kein Wunder, daß du mir Geschenke machst, wenn du etwas von mir willst! Gestern hat mir dein Onkel erzählt, du hättest dich schon an ihn gewandt.“ „Erinnert mich nur nicht daran, Tante!“ sagte Djia Yün lächelnd. „Ich habe es wirklich bereut. Hätte ich vorher gewußt, wie das ausgeht, hätte ich mich gleich zu Anfang an Euch gewandt, und die Sache wäre längst erledigt. Wie konnte ich ahnen, daß der Onkel nichts zuwege bringt!“ „Da bist du also erst zu mir gekommen, als du bei ihm nichts erreichtest?“ fragte Hsi-fëng lächelnd. „Ihr dürft meine kindliche Ehrerbiertung nicht falsch verstehen, Tante!“ sagte Djia Yün. „Das habe ich durchaus nicht gewollt. Wenn das meine Absicht gewesen wäre, hätte ich Euch doch gestern darum gebeten. Aber nachdem Ihr es einmal wißt, muß ich den Onkel aus dem Spiel lassen und statt dessen Euch bitten, mir ein wenig Liebe zu erweisen!“ „Wenn du so einen Umweg machst, wird es mir auch nicht leicht“, sagte Hsi-fëng mit kühlem Lächeln. „Hättest du mir nur früher einen Ton davon gesagt, dann könnte schon alles erledigt sein. Was ist das schon für eine großartige Sache, daß sie bis heute hinausgezögert werden mußte? Im Garten sind noch Bäume und Blumen zu pflanzen, und mir war niemand eingefallen, den man damit beauftragen konnte. Wärst du nur früher gekommen, hätte alles längst perfekt sein können.“ „Dann setzt mich doch morgen dafür ein, Tante!“ bat Djia Yün lächelnd. Hsi-fëng ließ ihn eine Weile warten, ehe sie sagte: „Das erscheint mir nicht so sehr gut. Warte, bis nächstes Jahr im ersten Monat der große Auftrag für Feuerwerk und Kerzen kommt, und laß dich dafür einsetzen!“ „Beste Tante, setzt mich doch erst für den Gartenauftrag ein, und wenn ich es gut mache, gebt Ihr mir später den anderen Auftrag auch“, bat Djia Yün weiter. „Na, du verstehst es ja wirklich, auf lange Sicht Vorsorge zu treffen“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Aber genug jetzt! Wenn nicht dein Onkel darum gebeten hätte, würde ich nichts für dich tun. Nach dem Essen bin ich zurück. Also komm am Nachmittag wieder und nimm das Silber in Empfang! Übermorgen fängst du im Garten zu pflanzen an!“ Damit befahl sie abzufahren. Vor Freude ganz außer sich, ging Djia Yün zur Studierstube der Seidenwolken und fragte nach Bau-yü, aber dieser war schon seit dem Morgen beim Prinzen Bee-djing. Also saß Djia Yün bis zum Mittag müßig herum, und als er erfuhr, Hsi-fëng sei zurückgekehrt, schrieb er eine Empfangsbescheinigung und wollte sich die Hausmarke geben lassen. Vom Hoftor aus schickte er jemanden hinein, um Bescheid sagen zu lassen, und daraufhin kam Tsai-ming heraus, verlangte die Empfangsbescheinigung und verschwand damit im Haus, wo sie die Summe und das Datum eintragen ließ. Dann brachte sie Djia Yün den Schein mit der Hausmarke zusammen wieder. Djia Yün sah, daß als Betrag zweihundert Liang Silber eingetragen waren, und seine Freude kannte keine Grenze. Er machte kehrt und ging zur Silberkammer, wo er die Empfangsbescheinigung und die Hausmarke dem Verantwortlichen übergab und das Silber ausgehändigt bekam. Dann kehrte er nach Hause zurück und sagte seiner Mutter Bescheid, die sich genauso darüber freute wie er selbst. Am nächsten Morgen ging Djia Yün noch in der fünften Nachtwache zu Ni Örl, um ihm das geliehene Silber zurückzuerstatten. Und weil Ni Örl sah, daß Djia Yün jetzt genügend Silber hatte, nahm er es ohne weiteres an. Mit fünfzig Liang Silber begab sich Djia Yün dann zum Haus des Gärtners Fang Tschun vor dem Westtor, um Bäume zu kaufen. Mehr soll davon einstweilen nicht die Rede sein. Als Bau-yü vor zwei Tagen Djia Yün traf und ihn einlud, am nächsten Tag zu ihm zu kommen, war das nur so dahingesagt, wie es bei reichen Herrensöhnen die Art ist, und er hatte nicht weiter daran gedacht. Als er jetzt am Abend vom Prinzen Bee-djing zurückkam und sich bei der Herzoginmutter und Dame Wang gemeldet hatte, ging er in den Garten, zog sich um und wollte sich baden. Nun war Hsi-jën von Bau-tschai gebeten worden, ihr beim Knüpfen von Zierknoten zu helfen. Tjiu-wën und Bi-hën waren wegen des Wassers unterwegs. Tan-yün war nach Hause geholt worden, weil ihre Mutter Geburtstag hatte. Schë-yüä schließlich lag krank zu Hause. Die anderen Sklavenmädchen aber, die die gröberen Arbeiten und Handreichungen verrichteten, hatten gemeint, man werde sie nicht brauchen, und waren alle fortgegangen, um sich Gesellschaft zu suchen und Vergnügungen nachzugehen. So war Bau-yü allein im Zimmer, und als er Tee trinken wollte, kamen nach mehrmaligem Rufen nur ein paar alte Ammen herein. Als Bau-yü sie sah, winkte er rasch ab und sagte: „Nein, euch brauche ich nicht!“ Also gingen sie wieder hinaus, Bau-yü aber mußte sich selbst eine Schale nehmen und zur Teekanne gehen, um sich einzuschenken. Da hörte er plötzlich, wie hinter ihm jemand sagte: „Seid vorsichtig, junger Herr, damit Ihr Euch nicht die Hand verbrüht! Laßt lieber mich eingießen!"“Und schon trat jemand heran und nahm ihm die Teeschale aus der Hand. Erschrocken fuhr Bau-yü zurück und fragte: „Wo kommst du denn so plötzlich her? Du hast mir einen schönen Schreck eingejagt!“ Das Sklavenmädchen reichte ihm den Tee und sagte dabei: „Ich war hinten im Hof und bin durch die Hintertür des Innenraums hereingekommen. Habt Ihr denn meine Schritte nicht gehört?“ Bau-yü trank seinen Tee und musterte dabei sorgfältig das Sklavenmädchen. Ihre Kleider waren zwar abgetragen, aber sie hatte tiefschwarzes Haar, das zu einem Knoten geschlungen war, ihr Gesicht war schmal, ihr Körper schlank, und sie machte einen hübschen und reinlichen Eindruck. „Gehörst du mit in meine Räume?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Ja“, antwortete das Mädchen. „Aber warum kenne ich dich dann nicht?“ fragte er sie verwundert. Das Mädchen lachte spöttisch auf, ehe sie sagte: „Ich bin nicht die einzige, die ihr nicht kennt. Solche wie mich gibt es viele. Ich habe Euch nie Tee oder Wasser gereicht oder irgend etwas gebracht. Ich mache nichts, was Ihr zu sehen bekommt. Woher solltet Ihr mich also kennen?“ „Und warum machst du nichts, was ich sehe?“ erkundigte sich Bau-yü. „Das kann ich wohl schlecht sagen“, erwiderte das Mädchen, „aber ich habe Euch etwas auszurichten. Gestern war ein gewisser Yün da und hat Euch gesucht. Ich glaubte, Ihr hättet bestimmt keine Zeit für ihn, und habe Bee-ming beauftragt, ihm zu sagen, er solle heute früh wiederkommen. Aber da seid Ihr beim Prinzen Bee-djing gewesen.“ Gerade als sie das sagte, kamen Tjiu-wën und Bi-hën kichernd und gackernd mit einem Eimer Wasser ins Haus, wobei sie ihre Kleider mit einer Hand hochgerafft hielten, weil das Wasser durch ihren schwankenden Gang überschwappte. Rasch ging ihnen das Mädchen entgegen, um ihnen den Eimer abzunehmen. Eben warfen sich Tjiu-wën und Bi-hën gegenseitig vor: „Du hast mir den Rock naßgespritzt!“ – „Du hast mir auf den Schuh getreten!“ Da sahen sie plötzlich, wie jemand kam, um ihnen den Eimer abzunehmen, und entdeckten bei näherem Hinsehen, daß es Hsiau-hung war. Verblüfft stellten sie den Eimer ab und traten ins Zimmer, wo sie sich nach allen Seiten umsahen und niemand weiter als Bau-yü entdeckten, was sie reichlich verwirrte. Nachdem sie Bau-yü das Bad gerichtet hatten, warteten sie noch, bis er sich auszog, dann verließen sie das Zimmer und machten die Tür hinter sich zu. In den anderen Räumen suchten sie nach Hsiau-hung und fragten sie: „Was hattest du denn vorhin im Zimmer zu erzählen?“ „Ich bin ja gar nicht im Zimmer gewesen“, verteidigte sich Hsiau-hung. „Ich vermißte mein Taschentuch und war nach hinten gegangen, um es zu suchen. Da rief der junge Herr auf einmal nach Tee, und weil von euch niemand hier war, bin ich hineingegangen. Kaum daß ich ihm den Tee eingegossen hatte, seid ihr gekommen.“ Zur Antwort spuckte Tjiu-wën sie an und schimpfte: „Du gemeines, schamloses Ding! Als du dich um das Wasser kümmern solltest, hast du gesagt, du hättest etwas anderes zu tun und wir sollten gehen. In Wirklichkeit hast du nur auf einen günstigen Augenblick gelauert, um dich rasch vorzudrängen. Du meinst wohl, wir könnten nicht mithalten mit dir? Sieh dich mal im Spiegel an, ob du wohl das Zeug hast, ihm den Tee zu reichen!“ Und Bi-hën sagte: „Morgen werde ich allen sagen, immer wenn der junge Herr Tee oder Wasser verlangt oder sonst etwas gebracht haben will, rühren wir uns nicht von der Stelle, und sie soll gehen!“ „Ach, das allerbeste wäre, wir gingen alle weg und ließen sie alleine hier!“ nahm wieder Tjiu-wën das Wort. So krakeelten sie abwechselnd weiter, bis endlich eine alte Amme erschien, um im Auftrag von Hsi-fëng zu melden: „Morgen wird jemand mit Gärtnern kommen, um hier Bäume zu setzen. Ihr sollt euch zurückhalten und nicht überall eure Röcke und Kleider zum Lüften hinhängen. Die Hügel werden mit Blendvorhängen abgeschirmt, und ihr dürft auch nicht überall herumlaufen.“ „Wer wird denn die Gärtner begleiten und die Aufsicht führen?“ fragte Tjiu-wën. „Ein gewisser Yün aus dem Westanbau soll es sein“, sagte die Alte. Da weder Tjiu-wën noch Bi-hën ihn kannten, erkundigten sie sich weiter nach anderen Dingen, Hsiau-hung aber begriff, daß es sich um den jungen Mann handelte, den sie am Tag zuvor draußen in Bau-yüs Studierstube gesehen hatte. Diese Hsiau-hung hieß mit Familiennamen Lin, ihr Rufname lautete eigentlich Hung-yü – ‚Rotjade‘, weil sich aber das yü der Namen Dai-yü und Bau-yü wegen verbot, nannte man sie Hsiau-hung – ‚Rotchen‘. Hung-yüs Vorfahren dienten schon seit Generationen im Jung-guo-Anwesen, und Hung-yüs Eltern waren jetzt mit der Verwaltung des auswärtigen Haus- und Grundbesitzes betraut. Hung-yü war erst sechzehn Jahre alt, und als das Personal für den Garten des Großen Anblicks eingeteilt worden war, hatte man sie in den Hof der Freude am Roten geschickt, der still und abgeschieden lag. Als dann aber die kaiserliche Nebenfrau befohlen hatte, die jungen Leute sollten im Garten wohnen, war ausgerechnet dieser Platz Bau-yü zugefallen. Nun war Hung-yü nur ein unerfahrenes Sklavenmädchen, weil sie jedoch über drei Zehntel Schönheit verfügte, hegte sie den törichten Wunsch, etwas Besseres zu werden, und hatte sich schon lange vor Bau-yü produzieren

Hsiau-hung. Aus: Gai Qi 1879. wollen. Aber die Mädchen in Bau-yüs Gefolge hatten so scharfe Zähne und so spitze Krallen, daß sie nicht zum Zuge kommen konnte. Heute nun hatte sich endlich etwas ergeben, doch als sie dafür den Haß von Tjiu-wën und Bi-hën hatte ernten müssen, hatte sie ihre Hoffnungen zur Hälfte wieder begraben. Dann hatte sie mitten in ihrem Kummer den Namen Djia Yün gehört, und unversehens hatte sich dabei in ihrem Herzen etwas geregt. Benommen ging sie in ihr Zimmer und legte sich auf das Bett, um alles in Ruhe zu überdenken. Da hörte sie, während sie sich noch unschlüssig hin und her wälzte, auf einmal, wie vor dem Fenster jemand mit leiser Stimme rief: „Hung-yü! Hier ist dein Taschentuch, ich habe es gefunden!“ Als sie rasch hinaustrat, erblickte sie dort niemand anders als Djia Yün. Unwillkürlich rötete ihr die Scham die gepuderten Wangen, als sie fragte: „Wo habt Ihr es gefunden, junger Herr?“ „Komm her, ich will es dir sagen!“ erwiderte Djia Yün lächelnd, trat auf sie zu und griff nach ihr. Hastig wandte sich Hung-yü zur Flucht, aber da stolperte sie über die Türschwelle. Wer wissen will, was dann geschah, muß das nächste Kapitel lesen. 25. Durch schwarze Magie treffen Bau-yü und Hsi-fëng auf fünf Teufel, während seines Traums in Prachtgemächern begegnet der beseelte Jadestein den beiden Heiligen.

Hung-yü hatte also mit beklommenem Herzen und wirrem Sinn zwischen Schlafen und Wachen gelegen, als Djia Yün gekommen war und sie packen wollte. Als sie sich umwandte, um wegzulaufen, stolperte sie über die Türschwelle, und vor Schreck wurde sie wach. Da merkte sie erst, daß es nur ein Traum gewesen war. Nun wälzte sie sich hin und her und fand die ganze Nacht hindurch keinen Schlaf. Als es am nächsten Morgen hell wurde und sie eben aufgestanden war, wurde sie von ein paar anderen Sklavenmädchen geholt, um mit ihnen zusammen die Räume zu fegen und nach Waschwasser zu gehen. Ohne sich groß zu waschen und zu kämmen, strich sich Hung-yü nur vor dem Spiegel die Haare zurecht, spülte sich die Hände ab, schlang eine Binde um den Leib und ging ausfegen. Nun hatte Hung-yü am Tag zuvor Bau-yüs Aufmerksamkeit erregt. Bau-yü jedoch fürchtete, wenn er sie ohne weiteres zu sich riefe, damit sie ihn bediente, würde er damit einerseits Hsi-jën und die anderen verärgern, und andererseits wußte man nicht, wie Hung-yü sich aufführen würde. Führte sie sich gut, wäre alles in Ordnung, wenn aber nicht, könnte er sie schlecht wieder wegschicken. Diese Überlegungen machten ihm so zu schaffen, daß er früh aufstand, aber anstatt sich zu kämmen und zu waschen, saß er nur gedankenverloren da. Ein Weilchen später ging er ans Fenster und spähte durch die Gazebespannung aufmerksam nach draußen. Dort fegte ein ganzer Schwarm von Sklavenmädchen den Hof, die alle geschminkt und gepudert waren und Blumen und Zweige im Haar trugen. Aber das Mädchen vom Vortag war nicht darunter. Also schlüpfte Bau-yü in seine Schuhe und trat zur Tür hinaus, wo er so tat, als wollte er die Blumen betrachten. Er blickte hierhin und dorthin, und schließlich entdeckte er in der Südwestecke des Hofes eine Gestalt, die dort an das Geländer des Wandelganges gelehnt stand. Ärgerlich war nur, daß ihm ein blühender Zierapfelbaum die Sicht nahm. So mußte er neben den Baum treten, und als er dann genau hinsah, erkannte er, daß es wirklich das Mädchen vom Vortag war, das dort stand und träumte. Schon wollte er zu ihr gehen, aber dann schien ihm das nicht das Richtige. Da kam, während er noch überlegte, plötzlich Bi-hën zu ihm und mahnte, er solle sich endlich waschen. So blieb ihm nichts weiter übrig, als wieder ins Haus zu gehen, und mehr soll einstweilen davon nicht die Rede sein. Hung-yü stand noch ganz in Gedanken versunken da, als plötzlich Hsi-jën ihr winkte und nach ihr rief. Also mußte sie zu ihr gehen, und Hsi-jën sagte dann lächelnd zu ihr: „Unsere Gießkanne ist noch nicht wieder in Ordnung. Geh zu Fräulein Lin hinüber und borge die von dort für uns aus!“ Hung-yü sagte: „Jawohl!“, verließ das Gehöft und machte sich auf den Weg zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß. Als sie auf die Brücke des Blauen Rauches kam und dort den Blick hob, sah sie, daß die Höhen der Hügel durch Blendvorhänge verdeckt waren, und ihr fiel wieder ein, daß ja heute die Arbeiter kommen sollten, um Bäume zu pflanzen. Suchend blickte sie ringsumher und entdeckte in der Ferne einen Trupp Männer, die dort in der Erde gruben. Djia Yün aber saß auf einem Felsbrocken dabei. Am liebsten wäre Hung-yü hingegangen, aber das wagte sie nicht, und so ging sie statt dessen verdrossen in die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß und holte die Gießkanne. Dann trat sie lustlos und niedergeschlagen in ihr Zim­mer und legte sich hin. Die anderen dachten, sie fühle sich wahr­schein­lich nicht wohl, und sagten nichts dazu. Im Nu war der Tag vergangen. Der nächste Tag war der Geburtstag von Wang Dsï-tëngs Gattin, und die Herzoginmutter war mit Dame Wang zusammen dazu eingeladen. Als aber Dame Wang sah, daß die Herzoginmutter unpäßlich war, blieb sie ebenfalls zu Hause. Tante Hsüä dagegen fuhr mit Hsi-fëng, den Mädchen des Hauses sowie Bau-tschai und Bau-yü zusammen hin, und erst am Abend kamen sie wieder. Inzwischen erhielt Djia Huan, als er aus der Schule kam, von Dame Wang den Befehl, er solle das Diamantsutra abschreiben und rezitieren. Also setzte er sich auf ihr Ofenbett, befahl jemandem, eine Kerze anzuzünden, und machte sich mit großem Getue ans Abschreiben. Mal verlangte er von Tsai-yün, sie solle ihm eine Schale Tee bringen, mal forderte er von Yü-tschuan, sie solle die Kerze putzen, dann wieder beklagte er sich, Djin-tschuan stehe ihm im Licht. Die Mädchen aber, denen er allen verhaßt war, beachteten ihn nicht. Nur Tsai-hsia, die sich als einzige noch mit ihm vertrug, goß eine Schale Tee ein und reichte sie ihm. Und weil die Dame Wang eben mit jemandem sprach, sagte Tsai-hsia leise zu Djia Huan: „Gib dich doch zufrieden! Was mußt du an allen herumnörgeln?“ „Ja, ja, ich weiß schon“, sagte Djia Huan, „mich führst du nicht hinters Licht. Mit Bau-yü stellst du dich gut, und ich bin für dich Luft. Meinst du, ich merke das nicht?“ Tsai-hsia biß sich auf die Lippen und bohrte Djia Huan einen Finger in die Stirn. „Undankbarer Kerl!“ sagte sie, „du bist wie der Hund, der Lü Dung-bin PAGEREF schnurmuenzen \* MERGEFORMAT beißt. Du weißt nicht, wer es gut mit dir meint!“ Während sie so miteinander sprachen, trat Hsi-fëng in den Raum, und als sie Dame Wang ihren Gruß entboten hatte, erkundigte sich diese des langen und breiten, wen sie alles auf der Geburtstagsfeier getroffen habe, ob ihr die Theatervorführung gefallen habe und wie die Bewirtung gewesen sei. Sie hatten erst wenige Sätze gewechselt, da kam auch Bau-yü herein, entbot Dame Wang seinen Gruß und äußerte die üblichen Höflichkeitsfloskeln. Dann aber ließ er sich die Stirnbinde abnehmen, Robe und Stiefel ausziehen und schmiegte sich an Dame Wangs Brust. Zärtlich strich sie ihm mit der Hand über Körper und Gesicht, er aber schlang seine Arme um ihren Nacken und redete in einem fort. „Junge!“ sagte Dame Wang, „du hast wieder einmal zuviel Wein getrunken, dein Gesicht ist ganz heiß. Wenn du jetzt auch noch herumtollst, steigt dir der Wein zu Kopf, und du schlägst über die Stränge.