Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 46"

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(DE4 (Woesler 4. Aufl.): Kapitel 46 mit Navigation und Fussnoten)
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= Kapitel 46 =
 
= Kapitel 46 =
== 尴尬人难免尴尬事 ==
 
=== 鸳鸯女誓绝鸳鸯偶 ===
 
  
'''Verdrießliche Leute kommen nicht aus ohne Verdruß,und Yüan-yang gelobt, niemals heiraten zu wollen. '''
+
== Wer in der Klemme steckt, dem bleiben peinliche Auftritte nicht erspart — Mandarinenente schwoert, nie ein Mandarinenenten-Paar zu bilden ==
  
Erst als die vierte Nachtwache zu Ende ging, schlief also Dai-yü allmählich ein. Und mehr ist einstweilen von ihr nicht zu berichten.
+
=== Erst gegen Ende der vierten Nachtwache schlief Kajaljade<ref>Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".</ref> [黛玉] allmaehlich ein. Mehr ist von ihr einstweilen nicht zu berichten. ===
Hsi-fëng aber, die von Dame Hsing gerufen worden war und nicht wußte, worum es ging, zog sich rasch um, stieg in den Wagen und fuhr hinüber. Dame Hsing schickte alle Bedienten aus dem Raum, dann sagte sie leise: „Ich habe dich nur deshalb extra kommen lassen, weil ich in einer Klemme stecke, in die mich der gnädige Herr gebracht hat. Ich weiß nicht, was ich machen soll, deshalb möchte ich mich erst einmal mit dir beraten.
 
Der gnädige Herr hat sich in Yüan-yang aus den Räumen der alten gnädigen Frau verguckt und möchte sie zur Nebenfrau haben. Darum hat er mich beauftragt, sie von der alten gnädigen Frau für ihn zu verlangen. Wie mir scheint, ist das eine ganz normale Sache, aber ich fürchte, die alte gnädige Frau wird Yüan-yang nicht hergeben wollen. Weißt du nicht einen Rat?“
 
„Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch an so etwas nicht die Zähne ausbeißen“, erwiderte Hsi-fëng rasch. „Ohne Yüan-yang bekommt die alte gnädige Frau keinen Bissen herunter. Wie würde sie sich da von ihr trennen wollen?! Außerdem hat die alte gnädige Frau, wenn das Gespräch darauf kam, schon oft gefragt, wozu sich der gnädige Herr, der doch schon in die Jahre kommt, immer noch links und rechts Nebenfrauen nimmt. Zum einen mache er die Mädchen unglücklich, und zum anderen schade er seiner Gesundheit. Und anstatt seinen Posten ordentlich zu versehen, trinke er den ganzen Tag Wein mit seinen Nebenfrauen. Hört sich das für Euch so an, als ob sie den gnädigen Herrn sehr mag?
 
Aber nicht genug damit, daß es ungewiß ist, ob er einem Zusammenprall noch entgehen kann, stochert er dem Tiger mit einem Strohhalm in den Nasenlöchern herum. Seid mir nicht böse, gnädige Frau, aber ich wage das nicht zu übernehmen. Nicht nur, daß es keinen Sinn hat, es kommt nur Ärger dabei heraus. Wenn der gnädige Herr in seinem Alter so unpassende Dinge tut, müßtet Ihr ihm gut zureden. Schließlich ist es doch etwas anderes, als wenn ein Jüngerer so etwas macht. Da stört es nicht. Aber wie will er, der so einen Haufen Brüder, Neffen, Söhne und Enkel hat, den Leuten noch ins Gesicht sehen, wenn er sich dermaßen aufführt?“
 
„In anderen großen Familien haben die Söhne vielfach drei Nebenfrauen und vier Beischläferinnen, und ausgerechnet wir dürfen das nicht?“ fragte Dame Hsing mit kühlem Lächeln. „Außerdem wird er sich sowieso kaum danach richten, was ich ihm rate. Aber die alte gnädige Frau wird es schlecht ablehnen können, wenn ihr ältester Sohn, der schon einen grauen Bart hat und ein Amt bekleidet, ihre Lieblingsmagd zu seiner Konkubine machen möchte.
 
Ich habe dich kommen lassen, um mich mit dir zu beraten, du aber überhäufst mich mit Vorwürfen. Wollte ich denn dich schicken, um mit der alten gnädigen Frau zu sprechen? Zureden soll ich ihm, sagst du. Kennst du seinen Charakter immer noch nicht? Nicht nur, daß er sich nicht zureden läßt, als Erstes würde er mir böse sein.“
 
Hsi-fëng wußte, daß Dame Hsing, von Natur aus dumm und halsstarrig, um ihrer Sicherheit willen Djia Schë in allen Dinge Gehorsam leistete und sich damit begnügte, Besitz und Reichtum anzuhäufen. Alle Familienangelegenheiten, ob groß oder klein, ließ sie Djia Schë allein entscheiden, die Ein- und Auszahlungen jedoch gingen durch ihre Hände. Und den ungewöhnlichen Geiz, den sie dabei an den Tag legte, begründete sie damit, daß Djia Schë ein Verschwender sei, was sie durch Sparsamkeit wett machen müsse. Weder auf ihre Kinder noch auf ihre Sklavinnen stützte sie sich, und sie ließ sich auch kein Wort von ihnen sagen.
 
Als Hsi-fëng hörte, was Dame Hsing ihr zur Antwort gab, erkannte sie, daß sie wieder einmal ihre Mucken hatte und daß es zwecklos war, ihr zuzureden. Darum setzte sie schnell ein Lächeln auf und erwiderte: „Ihr habt ganz recht, gnädige Frau. Wie alt bin ich schon, und was weiß ich schon richtig einzuschätzen! Nicht nur eine Magd, selbst den größten Schatz würde die alte gnädige Frau ihrem Sohn geben. Wem sonst! Wie sollte man dem Glauben schenken, was sie mir unter vier Augen gesagt hat! Ich bin wirklich ein dummes Ding.
 
Auch wenn der junge Herr Liän einmal etwas falsch gemacht hat, so daß ihn der gnädige Herr und die gnädige Frau vor Wut am liebsten auf der Stelle erschlagen hätten, war doch alles wieder gut, sobald sie ihm nur ins Gesicht sahen, und sie hätten ihm geschenkt, was ihnen lieb und teuer ist. Genauso wird jetzt natürlich die alte gnädige Frau den gnädigen Herrn behandeln.
 
Mir schien, die alte gnädige Frau sei heute bei guter Laune, wenn Ihr also Yüan-yang von ihr verlangen wollt, dann verlangt sie jetzt! Ich werde vorfahren und die alte gnädige Frau zum Lachen bringen. Wenn Ihr dann kommt, gehe ich unter dem Vorwand hinaus, ich wolle nicht stören, und nehme auch die anderen mit, die im Zimmer sind. So könnt ihr in Ruhe mit der alten gnädigen Frau sprechen. Wenn sie dem gnädigen Herrn Yüan-yang überläßt, ist es gut, und wenn nicht, macht es auch nichts, weil niemand anders davon erfährt.“
 
Als Dame Hsing diese Worte hörte, wurde sie wieder froh und sagte: „Ich hatte nicht die Absicht, zuerst die alte gnädige Frau zu fragen, denn wenn sie nein sagt, ist die Sache geplatzt. Ich wollte zunächst einmal in aller Stille mit Yüan-yang sprechen. Sie wird sich zwar genieren, aber wenn ich ihr alles erklärt habe, wird sie natürlich nichts einzuwenden haben, und damit ist die Sache entschieden. Dann erst spreche ich mit der alten gnädigen Frau, und selbst wenn sie nicht mag, kann sie nichts machen, weil Yüan-yang einverstanden ist. ‚Wer gehen will, läßt sich nicht aufhalten‘, sagt man. So wird es bstimmt gelingen.“
 
„Ihr seid wirklich ein geschickter Stratege, gnädige Frau!“, schmeichelte Hsi-fëng lächelnd. „Dieser Plan ist einfach unfehlbar. Nicht nur Yüan-yang, auch jede andere möchte gern hochkommen und etwas aus sich machen. Wer würde nicht gern eine halbe Herrin werden, anstatt eine Magd zu bleiben und eines Tages mit einem Diener verheiratet zu werden!“
 
„Eben das ist es, was ich meine“, sagte Dame Hsing und lächelte ebenfalls. „Nicht nur Yüan-yang, auch jede von den verantwortlichen Mägden wäre gern dazu bereit. Fahr du nur schon hinüber, verrate aber kein Wort! Wenn ich zu Abend gegessen habe, komme ich nach.“
 
„Mit Yüan-yang ist nicht zu spaßen“, überlegte Hsi-fëng indessen still bei sich. „Und was man auch immer sagen mag, es ist nicht sicher, daß sie wirklich einverstanden ist. Wenn ich vorfahre und die gnädige Frau nachkommt, will das nichts besagen, sofern Yüan-yang nur zustimmt. Stimmt sie aber nicht zu, wird die gnädige Frau – mißtrauisch, wie sie ist – argwöhnen, ich hätte etwas verraten, und wird sich wer weiß wie aufspielen. Wenn sie sehen muß, daß ich recht hatte, wird ihre Scham zu Wut werden, und diese Wut wird sie an mir auslassen. Das wäre unangenehm. Darum ist es das beste, wir fahren zusammen hinüber. Dann ist es egal, ob Yüan-yang zustimmt oder nicht, auf mich kann kein Verdacht fallen.“
 
Nachdem sie diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, sagte sie lächelnd: „Als ich vorhin losfahren wollte, wurden mir eben aus dem Hause meines Onkels zwei Körbe Wachteln gebracht. Ich hatte befohlen, sie in Öl zu backen, und dachte, ich käme noch zurecht, sie Euch zum Abendessen herzuschicken. Und als ich hier zum Tor hereinkam, sah ich, wie die Dienerknaben einen Wagen hinausbrachten. Sie sagten, es sei Euer Wagen, der einen Riß habe, und sie wollten ihn zur Reparatur schaffen. Da wäre es doch gut, wenn Ihr mit in meinen Wagen steigt, und wir fahren gemeinsam hinüber!“
 
Als Dame Hsing das hörte, rief sie nach ihren Sklavinnen, um sich umzuziehen, und rasch ging ihr Hsi-fëng dabei zur Hand. Dann setzten sich Schwiegermutter und Schwiegertochter zusammen in den Wagen und fuhren hinüber. Dort angekommen, sagte Hsi-fëng: „Es wäre unangenehm, wenn ich Euch zur alten gnädigen Frau begleiten und sie fragen würde, warum wir gemeinsam kämen. Darum ist es besser, Ihr geht vor, und ich komme nach, wenn ich meine Ausgehkleider abgelegt habe.“
 
Dame Hsing fand es vernünftig, was Hsi-fëng sagte, und ging allein zur Herzoginmutter. Nachdem sie ein Weilchen mit ihr geplaudert hatte, gab sie vor, Dame Wang besuchen zu wollen, und ging durch die Hintertür hinaus. Als sie an Yüan-yangs Schlafraum vorbeikam, sah sie, daß Yüan-yang dasaß und mit einer Nadelarbeit beschäftigt war. Beim Anblick von Dame Hsing stand sie rasch auf.
 
Lächelnd sprach Dame Hsing sie an: „Was machst du da? Laß mich einmal sehen! Deine Muster werden immer besser.“ Mit diesen Worten nahm sie ihr die Nadelarbeit aus der Hand, sah sie sich an und lobte sie in einem fort. Dann legte sie die Arbeit hin und musterte Yüan-yang von Kopf bis Fuß. Sie sah, daß sie eine abgetragene Jacke aus zartlila Seide und eine Überweste aus dunkelblauem Atlas trug, die mit andersfarbiger Borte eingefaßt war, und unten herum einen blaßgrünen Rock. Ihre Taille war zart, ihr Rücken schmal, das Gesicht oval wie ein Entenei, die Haare schwarz und ölglänzend, die Nase setzte hoch an, und beide Wangen waren leicht mit Sommersprossen gesprenkelt.
 
Als Yüan-yang sich dermaßen beäugt sah, fühlte sie sich unangenehm berührt und bekam einen Schreck. „Was macht Ihr um diese Stunde hier, gnädige Frau?“ fragte sie lächelnd.
 
Dame Hsing warf ihren Begleiterinnen einen Blick zu, und sie gingen hinaus. Dann setzte sie sich hin, faßte nach Yüan-yangs Hand und sagte lächelnd: „Ich komme extra, um dir eine frohe Botschaft zu bringen.“
 
Bei diesen Worten ahnte Yüan-yang schon zu drei Zehnteln, worum es ging, und unwillkürlich wurde sie rot. Sie senkte den Kopf, sprach kein Wort und hörte, wie Dame Hsing weiter sagte: „Du weißt, daß der gnädige Herr niemand hat, auf den er sich verlassen kann. Er würde gern jemand kaufen, doch es ist zu befürchten, daß man bei den Händlern nichts Sauberes bekommt. Außerdem kann man nicht wissen, was so eine für Mängel hat. Man nimmt sie ins Haus, und nach drei Tagen fängt sie dann an, verrückt zu spielen.
 
Also haben wir uns im ganzen Anwesen unter den Töchtern der Familiensklaven  umgesehen,  um eine  zu uns  zu nehmen,  aber  wir konnten  nie-
 
mand Ordentliches finden. Entweder war ihr Aussehen nicht gut oder ihr Charakter, und wer den einen Vorzug hatte, dem fehlte ein anderer. So haben wir ein halbes Jahr lang ganz nüchtern unter allen Mädchen gewählt, und du warst die Beste von allen. Aussehen, Betragen, Sanftmut und Zuverlässigkeit, alles ist vorhanden.
 
Darum wollten wir die alte gnädige Frau bitten, daß du zu uns kommst. Du wirst es natürlich besser haben als eine, die man neu gekauft hat. Sobald du bei uns im Hause bist und dein Gesicht zurechtgemacht ist, wird man dich Nebenfrau nennen, und du wirst Ansehen und Ehre genießen. Du bist doch ein ehrgeiziger Mensch, und wie das Sprichwort sagt, „Gold kann man nur gegen Gold eintauschen.“ Nachdem jetzt der gnädige Herr an dir Gefallen gefunden hat, kann sich alles erfüllen, was du dir mit stolzem Sinn und strebsamem Herzen erträumt hast, und allen, die dich verachten, wird der Mund gestopft. Also komm mit mir zur alten gnädigen Frau!“
 
Bei diesen Worten griff sie wieder nach Yüan-yangs Hand und wollte losgehen. Yüan-yang aber errötete, zog ihre Hand zurück und ging nicht mit.
 
In der Annahme, daß sich Yüan-yang geniere, sagte Dame Hsing: „Es ist doch nichts Peinliches dabei, du brauchst nicht einmal etwas zu sagen. Nur mitkommen mußt du.“
 
Aber Yüan-yang senkte den Kopf und rührte sich nicht.
 
„Willst du etwa nicht?“ fragte Dame Hsing. „Wenn du wirklich nicht willst, bist du einfach ein dummes Ding, das lieber eine Magd bleibt, als eine Herrin zu werden. Über kurz oder lang würdest du mit einem Diener verheiratet werden und eine Sklavin bleiben. Also komm mit! Du weißt, daß ich einen friedfertigen Charakter habe und kein Mensch bin, der andere nicht gewähren läßt. Auch der gnädige Herr behandelt Euch gut. Und wenn du übers Jahr erst ein Kindchen hast, stehst du auf einer Stufe mit mir. Niemand im Haus wird es wagen, deinen Befehlen nicht Folge zu leisten, beinahe wie eine Herrin würdest du sein. Wenn du aber jetzt die Gelegenheit ungenutzt verstreichen läßt, wird deine Reue zu spät kommen.“
 
Yüan-yang hielt weiter den Kopf gesenkt und sagte kein Wort. Da fuhr Dame Hsing wieder fort: „Du warst doch sonst immer geradeheraus, warum bist du jetzt so verstockt? Wenn dir etwas nicht paßt, dann sag es mir nur, und ich werde dafür sorgen, daß alles nach deinen Wünschen geschieht.“
 
Als Yüan-yang weiter schwieg, setzte Dame Hsing lächelnd hinzu: „Wahrscheinlich hast du Vater und Mutter und möchtest nicht selber reden, weil dir das peinlich ist. Deshalb möchtest du warten, bis sie dich fragen. Das ist natürlich ganz in der Ordnung. Also werde ich mich an sie wenden, damit sie mit dir sprechen. Und wenn du etwas sagen möchtest, dann sag es nur ihnen!“
 
Mit diesen Worten ging sie fort und begab sich in die Räume von Hsi-fëng.
 
Hsi-fëng hatte sich längst umgezogen, und weil sonst niemand anwesend war, erzählte sie die Sache Ping-örl. Ping-örl schüttelte den Kopf und sagte lächelnd: „Meiner Meinung nach geht das noch lange nicht in Ordnung. Nach dem, was sie geäußert hat, wenn wir unter uns waren, wird sie zu so etwas nicht bereit sein. Aber warten wir‘s ab!“
 
„Bestimmt wird die gnädige Frau hierher kommen, um sich mit mir zu beraten“, sagte Hsi-fëng. „Wenn sie Yüan-yangs Zustimmung hat, ist nichts weiter dabei, aber wenn nicht und sie hat sich eine Abfuhr geholt, dann muß deine Gegenwart ihr peinlich sein. Also sag Bescheid, man solle die Wachteln zubereiten und noch ein paar andere Gerichte dazu, was eben da ist, damit wir essen können. Du aber geh irgendwo spazieren und komm erst wieder, wenn man vermuten kann, daß sie fort ist!“
 
Ping-örl gab den Auftrag wie üblich an die Sklavenfrauen weiter und schlenderte dann unbekümmert in den Garten hinüber.
 
Unterdessen sagte sich Yüan-yang, als Dame Hsing fortging, sie werde sich bestimmt mit Hsi-fëng beraten gehen, und es würden andere kommen, um mit ihr zu sprechen, weshalb es das beste sei, von hier zu verschwinden. Also suchte sie Hu-po und bat sie: „Wenn die alte gnädige Frau nach mir fragt, sagst du, mir sei nicht wohl und ich hätte kein Frühstück gegessen. Jetzt sei ich im Garten und käme dann wieder.“
 
Hu-po versprach es, und so begab sich Yüan-yang in den Garten, wo sie überall umherstreifte, bis sie unverhofft Ping-örl in die Arme lief. Da niemand weiter dabei war, sagte Ping-örl lächelnd: „Da kommt ja die neue Nebenfrau!“
 
Yüan-yang wurde rot und erwiderte: „So ist das also! Ihr habt euch wohl alle abgesprochen, über mich zu bestimmen? Warte nur, wenn ich zu deiner Herrin gehe und Krach schlage!“
 
Ping-örl bereute, daß ihr diese Worte entschlüpft waren. Sie faßte Yüan-yang bei der Hand und zog sie mit sich zu einem Felsbrocken unter einem Ahornbaum, wo sie Platz nahmen. Dann erzählte sie Yüan-yang freimütig den Hergang, wie Hsi-fëng bei Dame Hsing gewesen war und was sie besprochen hatten.
 
Wieder wurde Yüan-yang rot und sagte mit verächtlichem Lächeln: „Das also ist unsere Freundschaft! Was hatten wir Hsi-jën, Hu-po, Su-yün, Dsï-djüan, Tsai-hsia, Yü-tschuan, Schë-yüä und Tsuee-mo, auch Tsuee-lü, die Fräulein Schï gefolgt ist, Kë-jën und Djin-tschuan, die beide tot sind, Tjiän-hsüä, die fortgegangen ist, und schließlich dir von klein auf nicht alles anvertraut und mit euch geteilt! Aber jetzt sind alle groß geworden, und jede geht ihre eigenen Wege.
 
Aber ich fühle noch genauso wie früher und verheimliche euch nicht, was ich denke und tue. Darum will ich dir auch das noch ans Herz legen, was du aber nicht der jungen Herrin weitersagen darfst: Nie – nicht jetzt, wo mich der gnädige Herr zu seiner Nebenfrau machen will, und selbst dann nicht, wenn die gnädige Frau stürbe und er mich mit drei Vermittlern und sechs Zeugen zu seiner Hauptfrau machen wollte – niemals wäre ich dazu bereit!“
 
Gerade wollte Ping-örl ihr lächelnd eine Antwort geben, als hinter dem Felsbrocken jemand auflachte und sagte: „Schamloses Ding! Wie kannst du so etwas sagen!“
 
Erschrocken fuhren die beiden herum, dann standen sie rasch auf und schauten hinter den Felsen. Da war es niemand anders als Hsi-jën, die ihnen lächelnd entgegentrat und fragte: „Worum geht es denn? Das müßt ihr mir erzählen!“
 
Sie setzten sich zu dritt auf den Felsbrocken, dann wiederholte Ping-örl noch einmal, was sie eben Yüan-yang berichtet hatte.
 
Als Hsi-jën die Geschichte gehört hatte, sagte sie: „Also wirklich! Auch wenn unsereins das nicht sagen dürfte, aber der ältere gnädige Herr ist weibstoll! Wenn eine auch nur einigermaßen gut aussieht, läßt er nicht die Finger von ihr.“
 
„Wenn du ihn nicht willst, werde ich dir ein Mittel sagen, wie du ihn ohne viel Umstände los wirst“, bot Ping-örl an.
 
„Und was ist das für ein Mittel?“ fragte Yüan-yang. „Sag es mir!“
 
„Sprich mit der alten gnädigen Frau und laß sie sagen, sie wolle dich bereits dem jungen Herrn Liän geben“, sagte Ping-örl lächelnd, „dann kann der ältere gnädige Herr dich schlecht für sich verlangen.“
 
„Pfui! Was bist du nur für ein Biest!“ schimpfte Yüan-yang und spuckte aus. „Neulich hat schon deine Herrin so einen Unfug geredet, und heute fängst du auch damit an.“
 
„Wenn du sie beide nicht willst, werde ich mit der alten gnädigen Frau sprechen, damit sie sagt, sie habe dich bereits Bau-yü versprochen“, schlug Hsi-jën jetzt lächelnd vor. „Dann wird der ältere gnädige Herr genauso davon ablassen.“
 
Wütend, beschämt und erregt schimpfte Yüan-yang: „Ihr beiden Spitzbeine sollt keines guten Todes sterben! Da hat man einen Kummer und vertraut ihn euch an, weil man meint, ihr wärt ordentliche Leute, die einem aus der Klemme helfen, und statt dessen macht ihr euch lustig über einen. Ihr meint, eure Zukunft sei gesichert, und eines Tages würdet ihr beide Nebenfrauen sein, aber mir scheint, es geht nicht alles nach Wunsch auf dieser Welt. Darum haltet euch ein bißchen zurück und freut euch nicht zu sehr!“
 
Als die beiden sahen, wie Yüan-yang sich ereiferte, redeten sie ihr lächelnd zu: „Du mußt nicht an uns zweifeln! Von klein auf sind wir wie leibliche Schwestern miteinander und erlauben uns nur einmal einen Spaß, wenn sonst niemand dabei ist. Sag uns, was du machen willst, damit wir beruhigt sind!“
 
„Was soll ich groß machen?“ fragte Yüan-yang. „Ich gehe nicht zu ihm, und damit basta!“
 
Kopfschüttelnd gab ihr Ping-örl zu bedenken: „Wenn du nicht zu ihm gehst, wird er dich kaum in Ruhe lassen. Du kennst ja seine Art. Zwar dienst du in den Räumen der alten gnädigen Frau, und er kann dir einstweilen nichts anhaben, aber du kannst ja auch nicht dein Leben lang bei der alten gnädigen Frau bleiben. Wenn du später einmal fort willst und fällst ihm dann in die Hände, sieht es böse für dich aus.“
 
Mit verächtlichem Lächeln gab Yüan-yang zur Antwort: „Solange die alte gnädige Frau lebt, bleibe ich bei ihr. Und wenn sie eines Tages ins Paradies eingeht, muß er jedenfalls drei Jahre in Trauer leben. So etwas gibt es ja nicht, daß jemand eine Nebenfrau nimmt, kaum daß seine Mutter gestorben ist. Und was einmal sein wird, wenn die drei Jahre um sind, werden wir dann sehen! Schlimmstenfalls schneide ich mir das Haar ab und werde Nonne. Auch der Tod ist nicht zu verachten. Was würde es schon ausmachen, wenn ich mein ganzes Leben lang keinen Mann bekäme? Froh und sorglos würde ich sein!“
 
Lächelnd erwiderten Ping-örl und Hsi-jën: „Dieses Spitzbein kennt wirklich keine Scham! Sie redet, was ihr gerade in den Sinn kommt.“
 
„Was macht schon das bißchen Schmach, wenn es nun einmal so weit gekommen ist?“ fragte Yüan-yang. „Wenn ihr mir nicht glaubt, dann wartet‘s nur ab! Vorhin hat die gnädige Frau gesagt, sie wolle mit meinen Eltern sprechen. Das möchte ich sehen, wie sie nach Nan-djing fährt!“
 
„Deine Eltern sind nicht mit hergekommen, weil sie in Nan-djing den dortigen Hausbesitz hüten“, sagte Ping-örl. „Aber eines Tages wird die Herrin sie doch finden. Außerdem sind dein älterer Bruder und deine Schwägerin mit hier. Es ist ein Pech, daß du im Hause geboren bist und nicht allein hier bist wie wir beide.“
 
„Und was hat es zu bedeuten, daß ich im Hause geboren bin?“ wollte Yüan-yang wissen. „‚Wenn das Rind nicht saufen will, drückt man ihm den Kopf mit Gewalt nieder‘, ja? Können sie etwa meine Eltern umbringen, wenn ich ihn nicht mag?“
 
Als sie das eben sagte, sahen sie Yüan-yangs Schwägerin kommen, und Hsi-jën äußerte die Vermutung: „Bestimmt haben sie mit deiner Schwägerin gesprochen, weil deine Eltern nicht zu erreichen sind.“
 
„Überall muß diese Hure ihre Finger im Spiel haben!“ schimpfte Yüan-yang. „Natürlich möchte sie ihnen gefällig sein, kaum daß sie von der Sache gehört hat!“
 
Während sie das eben sagte, stand ihre Schwägerin auch schon vor ihr und sprach sie lächelnd an: „Deshalb also konnte ich dich dort nicht finden, weil du hierher gelaufen bist! Komm mit, ich habe mit dir zu reden!“
 
Ping-örl und Hsi-jën baten rasch, sie solle doch Platz nehmen, aber die Frau erwiderte: „Bleibt nur sitzen! Ich muß ihr etwas sagen.“
 
Ping-örl und Hsi-jën taten so, als ob sie von nichts wüßten, und fragten: „Was gibt es denn so Dringendes? Wir raten hier Rätsel, und wer gewinnt, darf Backpfeifen hauen. Laßt sie bleiben, bis wir das letzte heraus haben!“
 
Yüan-yang aber sagte: „Was willst du? Sag es mir nur!“
 
Lächelnd erwiderte ihre Schwägerin: „Komm nur mit! Ich sage es dir, wenn wir dort sind. Auf jeden Fall ist es etwas Schönes!“
 
„Ist es das, was dir die ältere gnädige Frau gesagt hat?“ wollte Yüan-yang wissen.
 
„Was sträubst du dich noch, wenn du es schon weißt?“ fragte die Schwägerin. „Komm schnell mit, damit ich dir alles genau erzählen kann. Das ist doch ein riesengroßes Glück!“
 
Als Yüan-yang diese Worte vernahm, stand sie auf und spuckte ihrer Schwägerin mit voller Wucht ins Gesicht. Dann richtete sie ihren Finger gegen sie und schimpfte: „Halt dein dreckiges Maul und verschwinde, das wäre das beste für dich! Was heißt hier ‚etwas Schönes‘? Etwas Schönes wäre ein Adlerbild des Sung-Kaisers Huee-dsung<ref>Über Huee-dsung vgl. o., Anm. zu S. 40.</ref> oder ein Pferdebild von Dschau Dsï-ang.<ref>Dsï-ang ist der Ehrenname des Kalligraphen und Malers Dschau Mëng-fu (1254 – 1322).</ref> Was heißt hier ‚Glück‘? Von Glück kann man sprechen, wenn man die Pocken übersteht.
 
Kein Wunder, daß ihr neidisch seid, wenn jemandes Tochter zur Nebenfrau gemacht wird und die ganze Familie sich nun mit ihrer Hilfe tyrannisch und eigenmächtig gebärdet, als ob sie alle Nebenfrauen wären. Das ist dir so vertraut, daß du auch mich ins Elend stoßen möchtest. Wenn ich Gefallen finde, könnt ihr euch großartig als Verwandte aufspielen, und wenn ich keinen Gefallen finde, zieht ihr einfach eure Schildkrötenhälse ein, und ich kann sehen, wo ich bleibe.
 
Während sie das sagte, liefen ihr die Tränen herab, Ping-örl und Hsi-jën aber hielten sie zurück und redeten ihr gut zu.
 
Der Schwägerin war die Sache peinlich, und so sagte sie: „Ob du willst oder nicht, mußt du entscheiden. Aber deshalb brauchst du nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Und wie das Sprichwort sagt: ,In Gegenwart von Kleinwüchsigen spricht man nicht über Zwerge.‘ Wenn du mich beschimpfst, wage ich nichts zu erwidern. Die beiden Fräulein aber haben dir nichts getan, glaubst du, es sei ihnen angenehm, wenn du dich hier des langen und breiten über Nebenfrauen ausläßt?“
 
Rasch sagten Hsi-jën und Ping-örl: „So etwas dürft Ihr nicht sagen! Von uns hat sie nicht gesprochen, also solltet auch Ihr nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Wer will denn uns zu Nebenfrauen erheben? Wir haben auch gar keine Eltern und Geschwister hier im Hause, die sich auf uns stützen könnten, um sich tyrannisch und eigenmächtig aufzuspielen. Sie weiß schon, über wen sie schimpft, und wir haben keinen Grund, sie zu verdächtigen.“
 
„Es war ihr peinlich, daß ich sie beschimpft habe“, sagte Yüan-yang, „und um davon abzulenken, wollte sie euch gegen mich aufstacheln. Ein Glück, daß ihr so verständig seid! In meiner Aufregung habe ich keine Unterschiede gemacht, und das war es, wo sie einhaken wollte.“
 
Jetzt wurde es ihrer Schwägerin zuviel, und sie ging wütend fort. Yüan-yang aber war so erregt, daß sie weiterschimpfte, und erst als Ping-örl und Hsi-jën ihr noch eine Weile gut zugeredet hatten, ließ sie davon ab.
 
„Wozu hattest du dich eigentlich dort versteckt?“ erkundigte sich Ping-örl jetzt bei Hsi-jën. „Wir hatten dich gar nicht gesehen.“
 
„Ich war zu Fräulein Hsi-tschun gegangen, um unsern jungen Herrn zu suchen, kam aber einen Augenblick zu spät. Man sagte, er sei schon nach Hause gegangen“, erklärte Hsi-jën. „Ich wunderte mich, daß ich ihn nicht getroffen hatte, und wollte zu Fräulein Lin gehen, um ihn dort zu suchen. Aber dann traf ich jemand aus ihren Räumen und erfuhr, daß er dort nicht gewesen ist. Als ich mich eben fragte, ob er vielleicht den Garten verlassen hat, sah ich dich kommen und habe mich versteckt, ohne daß du es bemerktest. Dann kam auch noch sie, und ich huschte von dem Baum dort hinter den Felsen. Ich habe euch beobachtet, als ihr euch unterhieltet, ihr aber habt mich auch mit vier Augen nicht gesehen...“
 
Sie hatte noch nicht ausgesprochen, als plötzlich hinter ihnen jemand sagte: „Dich haben sie mit vier Augen nicht gesehen, aber mich habt ihr auch mit sechs Augen nicht gesehen!“
 
Alle drei fuhren vor Schreck zusammen, und als sie sich umwandten, sahen sie, daß es niemand anders war als Bau-yü.
 
„Da kann ich dich lange suchen!“ sagte Hsi-jën lächelnd. „Wo warst du?“
 
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Bau-yü: „Als ich bei Hsi-tschun wegging, kamst du mir entgegen, und ich konnte mir denken, daß du mich holen wolltest. Da habe ich mich versteckt, um dich anzuführen, und habe zugesehen, wie du mit gesenktem Kopf an mir vorbeikamst, ins Haus gingst, wieder herauskamst und schließlich jemand fragtest, der dir entgegenkam. Ich habe mich schön amüsiert und wollte warten, bis du wieder heran bist, um dir einen Schreck einzujagen, aber dann sah ich, wie auch du dich versteckt hast, und wußte, daß du ebenfalls jemand anführen wolltest. Als ich den Kopf hervorstreckte, sah ich die beiden, darum habe ich einen Bogen gemacht, bis ich hinter dir war, und als du vorgekommen bist, bin ich in dein Versteck geschlüpft.“
 
„Wenn wir nachsehen gehen, finden wir vielleicht noch zwei, die sich dort versteckt haben!“ unterbrach ihn Ping-örl lächelnd.
 
Aber Bau-yü versicherte: „Weiter ist niemand da!“
 
Inzwischen sagte sich Yüan-yang, daß Bau-yü alles gehört haben mußte, darum legte sie sich auf den Felsbrocken und stellte sich schlafend. Bau-yü stieß sie an und sagte lächelnd: „Auf dem Stein ist es kalt. Gehen wir ins Haus, und du schläfst dort! Ist das nicht besser?“ Damit zog er Yüan-yang in die Höhe und bat auch Ping-örl, mitzukommen und Tee zu trinken. Aber erst als auch Ping-örl und Hsi-jën auf Yüan-yang einredeten, sie solle doch mitkommen, stand sie auf, und nun gingen sie zu viert zum Hof der Freude am Roten.
 
Bau-yü hatte wirklich die ganze Auseinandersetzung mit angehört und war alles andere als froh darüber. Darum streckte er sich stumm auf seinem Bett aus und ließ die drei im Vorzimmer miteinander plaudern.
 
Inzwischen hatte sich Dame Hsing bei Hsi-fëng nach Yüan-yangs Eltern erkundigt.
 
„Ihr Vater heißt Djin Tsai“, gab Hsi-fëng Auskunft. „Zusammen mit seiner Frau hütet er die Häuser in Nan-djing und kommt seit jeher nur selten in die Hauptstadt. Ihr älterer Bruder heißt Djin Wën-hsiang und ist jetzt Einkäufer für die alte gnädige Frau, ihre Schwägerin aber steht bei der alten gnädigen Frau den Wäscherinnen vor.“
 
Daraufhin hatte Dame Hsing befohlen, Yüan-yangs Schwägerin zu rufen, und hatte ihr alles genau erklärt. Die Schwägerin war natürlich begeistert und hatte sich freudestrahlend auf die Suche nach Yüan-yang gemacht. Sie hatte nichts anderes geglaubt, als daß Yüan-yang auf Anhieb einverstanden sein würde, aber dann war sie von Yüan-yang mit Vorwürfen überhäuft worden, und auch Hsi-jën und Ping-örl hatten ihr die Meinung gesagt.
 
So kam sie beschämt wieder zurück und sagte zu Dame Hsing: „Es hat keinen Zweck gehabt. Im Gegenteil, sie hat mich beschimpft.“ Weil Hsi-fëng anwesend war, wagte sie nicht, Ping-örl zu erwähnen, und fügte nur hinzu: „Auch Hsi-jën hat ihr beigestanden und hat mich geschmäht. Sie hat mir viele ungezogene Sachen gesagt, die ich vor den Herrschaften nicht wiederholen kann. Ihr solltet Euch mit dem gnädigen Herrn beraten und doch besser eine Nebenfrau kaufen. Dieses kleine Spitzbein hat so ein großes Glück nicht verdient, und auch wir sind nicht dafür geboren!“
 
„Was hat Hsi-jën damit zu tun, und woher wußte sie überhaupt davon?“ fragte Dame Hsing. Dann fügte sie hinzu: „Wer war außer ihr noch dabei?“
 
„Fräulein Ping-örl“, erwiderte Yüan-yangs Schwägerin.
 
„Eine Ohrfeige hättest du ihr geben sollen!“ sagte Hsi-fëng sofort. „Kaum daß ich das Haus verlasse, geht sie spazieren. Als ich zurückkam, war kein Schatten von ihr zu entdecken. Bestimmt hat auch sie Yüan-yang beigestanden! Was hat sie gesagt?“
 
„Fräulein Ping-örl war nicht direkt mit dabei“, schränkte Yüan-yangs Schwägerin ein. „Von weitem sah es so aus, als ob sie es wäre, aber genau konnte ich sie nicht erkennen. Ich habe das nur vermutet.“
 
Hsi-fëng aber befahl: „Geht sie schnell holen! Sagt ihr, ich sei zurück, auch die gnädige Frau sei hier, und sie müsse uns einen Gefallen tun.“
 
Rasch trat Fëng-örl vor und berichtete: „Fräulein Lin hatte drei oder vier Mal jemand geschickt, um sie zu sich zu bitten, bis sie dann gegangen ist. Sobald Ihr zu Hause wart, wollte ich sie holen, aber Fräulein Lin hat gesagt: ‚Bestell deiner Herrin, daß ich sie für etwas brauche!‘“
 
Jetzt erst gab Hsi-fëng Ruhe, bemerkte aber noch: „Was ist das nur, wozu sie sie jeden Tag braucht?“
 
Dame Hsing, die nun nichts weiter tun konnte, aß etwas, dann begab sie sich nach Hause zurück und erzählte am Abend Djia Schë, was sich ereignet hatte.
 
Djia Schë dachte kurz nach, dann ließ er Djia Liän rufen und befahl: „Um in Nan-djing die Häuser zu hüten, ist nicht nur die eine Familie dort. Laß sofort Djin Tsai hierher kommen!“
 
„Im letzten Brief aus Nan-djing stand, Djin Tsai sei infolge von Schleimfluß nicht mehr bei Sinnen“, berichtete Djia Liän. „Das Silber für seinen Sarg ist schon angewiesen. Ob er jetzt noch am Leben ist, weiß ich nicht. Aber selbst dann hätte es keinen Zweck, ihn herkommen zu lassen, denn er ist nicht mehr von dieser Welt. Seine Frau aber ist taub.“
 
Djia Schë schrie vor Wut auf, als er das hörte. Dann schimpfte er: „Nichtswürdiges Sträflingspack! Du weißt das natürlich ganz genau! Raus mit dir!“
 
Verwirrt zog sich Djia Liän zurück. Als Djia Schë kurz darauf befahl, Djin Wën-hsiang zu holen, wartete Djia Liän im äußeren Bibliothekszimmer und wagte nicht, nach Hause zu gehen. Ebensowenig wollte er erneut vor seinen Vater treten. So blieb ihm weiter nichts übrig, als zu lauschen, und bald hörte er, wie Djin Wën-hsiang kam und sofort von den Sklavenjungen hineingeführt wurde. Erst nach einer Zeit, in der man fünf, sechs Schalen Reis hätte essen können, kam er wieder heraus und ging fort. Noch traute sich Djia Liän nicht, nachzufragen, und als er es nach einiger Zeit tat, erfuhr er, Djia Schë habe sich schlafen gelegt. Nun ging er in seine Räume hinüber, und erst als ihm Hsi-fëng alles erklärte, verstand er, worum es ging.
 
Yüan-yang fand in dieser Nacht keinen Schlaf. Am nächsten Morgen bat ihr Bruder die Herzoginmutter, sie zu sich nach Hause auf Urlaub nehmen zu dürfen. Die Herzoginmutter stimmte zu und befahl Yüan-yang zu gehen. Yüan-yang wollte zwar nicht, aber da sie Angst hatte, die Herzoginmutter könne einen Verdacht schöpfen, mußte sie notgedrungen folgen.
 
Ihr Bruder konnte nichts anderes tun, als ihr Djia Schës Worte zu wiederholen, und malte ihr aus, welche Ehre es für sie wäre und wie sie den Haushalt leiten würde, wenn sie erst Nebenfrau wäre. Aber Yüan-yang biß die Zähne zusammen und lehnte ab.
 
Da blieb ihrem Bruder keine andere Wahl, als wieder zu Djia Schë zu gehen und ihm dies zu berichten.
 
Wütend erklärte Djia Schë: „Hör zu, was ich dir sage, und laß es ihr von deiner Frau überbringen! Schöne Frauen mögen von alters her junge Burschen. Sicher verachtet sie mich, weil ich alt bin, und schmachtet nach den jungen Herrn. Wahrscheinlich hat sie sich in Bau-yü vergafft, vielleicht aber auch in Djia Liän. Wenn das wirklich so ist, soll sie sich das nur aus dem Kopf schlagen! Wer würde es wagen, sie noch zu nehmen, nachdem ich sie gewollt habe und sie mich abgewiesen hat! Das ist das eine.
 
Zum anderen meint sie wohl, weil die alte gnädige Frau sie gern hat, werde sie sie natürlich nach draußen verheiraten, so daß sie jemandes Hauptfrau wird. Aber sie soll sich einmal gut überlegen, ob sie mir wohl entgehen kann, egal wen sie auch heiraten wird. Wenn sie nicht gerade stirbt oder ihr Leben lang ledig bleibt, werde ich sie schon unterkriegen. Sonst aber ist es das beste für sie, sich rechtzeitig zu besinnen und Vernunft anzunehmen.“
 
Bei jedem Satz, den Djia Schë sprach, hatte Djin Wën-hsiang „Jawohl!“ gesagt. Jetzt fuhr Djia Schë fort: „Versuch nicht, mich anzuführen! Morgen schicke ich noch einmal die gnädige Frau zu Yüan-yang. Wenn Ihr ihr alles gesagt habt, und sie will nicht, trifft Euch keine Schuld. Wenn sie dann aber doch noch ja sagt, mußt du deinen Kopf in acht nehmen!“
 
Wieder sagte Djin Wën-hsiang ein um das andere Mal jawohl, dann zog er sich zurück und ging nach Hause. Er bemühte nicht erst seine Frau, sondern richtete Yüan-yang selbst aus, was Djia Schë ihm gesagt hatte.
 
Zuerst brachte Yüan-yang vor Empörung kein Wort heraus, dann aber sagte sie nach einigem Nachdenken: „Nehmen wir an, ich bin einverstanden, dann müßt ihr mit mir zur alten gnädigen Frau gehen, um sie davon zu unterrichten.“
 
Als ihr Bruder und seine Frau das hörten, glaubten sie, Yüan-yang habe es sich überlegt, und wußten vor Freude nicht ein noch aus. Sofort ging die Schwägerin mit Yüan-yang zur Herzoginmutter. Hier waren eben Dame Wang, Tante Hsüä, Li Wan, Hsi-fëng, Bau-tschai und die Mädchen des Hauses versammelt, dazu noch einige Verwalterinnen und angesehene Sklavenfrauen, um die Herzoginmutter zu unterhalten.
 
Erfreut über dieses Zusammentreffen, zog Yüan-yang ihre Schwägerin mit vor die Herzoginmutter, dann fiel sie auf die Knie nieder und berichtete unter Tränen, was Dame Hsing ihr gesagt hatte, was ihre Schwägerin im Garten gesagt hatte und was schließlich ihr Bruder gesagt hatte. Dann fuhr sie fort: „Weil ich nicht einverstanden war, hat der ältere gnädige Herr rundweg behauptet, ich sei in Bau-yü verliebt oder aber ich wartete darauf, nach draußen verheiratet zu werden. Aber selbst wenn ich bis in den Himmel flüchtete, würde ich mein Lebtag seiner Rache nicht entgehen.
 
Doch mein Entschluß steht fest, und ich erkläre vor allen Leuten: Nicht nur Bau-yü, auch keinen Gold- oder Silberjüngling, keinen Himmelskönig und keinen Jadekaiser, niemand werde ich heiraten, und damit Schluß! Und wenn die alte gnädige Frau mich dazu zwingen will, bringe ich mich eher um, als daß ich gehorche.
 
Wenn ich Glück habe, sterbe ich früher als die alte gnädige Frau, und wenn ich Pech habe und weiterleben muß, dann diene ich der alten gnädigen Frau, bis sie ins Paradies eingeht. Danach aber will ich weder bei meinen Eltern leben noch bei meinem älteren Bruder. Entweder bringe ich mich um, oder schneide mir das Haar ab und werde Nonne.
 
Wenn ich das nicht ehrlich meinen sollte und mich nur sträube, um später andere Pläne zu verfolgen, sollen Himmel und Erde, Götter und Geister mich strafen! Im Licht der Sonne und des Mondes soll eine Eiterbeule aus meiner Kehle wachsen, an der ich auf der Stelle zu Mus verfaule!“
 
Als Yüan-yang hereingekommen war, hatte sie eine Schere im Ärmel verborgen gehalten. Jetzt löste sie sich bei den letzten Worten mit der Linken das Haar und schnitt mit der Rechten drauflos. Rasch traten die Sklavenfrauen und -mädchen näher, um sie festzuhalten, aber schon hatte sie eine Strähne zur Hälfte durchschnitten. Doch glücklicherweise war ihr Haar sehr dicht, und sie hatte es auch nicht geschafft, alles durchzuschneiden, so daß man es ihr rasch wieder hochstecken konnte.
 
Die Herzoginmutter aber bebte vor Wut und stieß hervor: „Sie ist der einzige zuverlässige Mensch, der mir geblieben ist, und um den soll ich auch noch gebracht werden!“ Ihr Blick fiel auf Dame Wang, und an diese gewandt, fuhr sie fort: „Ihr macht mir alle etwas vor! Nach außen zeigt ihr kindliche Ergebenheit, heimlich aber stellt ihr eure Berechnungen an. Alle guten Sachen, die ich habe, müßt ihr mir wegnehmen, und alle guten Leute auch, bis mir nur so ein Mädchen geblieben ist. Und wo ihr seht, daß ich gut zu ihr bin, paßt euch das natürlich nicht, und ihr wollt sie weg haben, damit ihr mit mir machen könnt, was ihr wollt!“
 
Dame Wang hatte sich rasch erhoben und wagte kein Wort zu erwidern. Tante Hsüä konnte, als sie sehen mußte, wie selbst Dame Wang verdächtigt wurde, schlecht etwas Begütigendes sagen. Li Wan hatte die Mädchen des Hauses hinausgeführt, sobald Yüan-yang ihre Klage vorbrachte. Tan-tschun war verständig genug, um sich zu sagen, daß Dame Wang sich natürlich nicht zu verteidigen wagte, wenn sie so geschmäht wurde, und daß Tante Hsüä als ihre leibliche Schwester sie auch nicht gut in Schutz nehmen konnte, ebensowenig wie Bau-tschai imstande war, für ihre Tante einzutreten, während Li Wan, Hsi-fëng und Bau-yü sich auch nicht trauen durften, etwas zu sagen. Ein Mädchen mußte das tun! Aber Ying-tschun war zu naiv und Hsi-tschun noch zu klein. Darum hörte sie noch einen Moment durch das Fenster zu, dann ging sie wieder hinein und sagte lächelnd zur Herzoginmutter: „Was hat die gnädige Frau damit zu tun? Überlegt doch selbst, alte gnädige Frau! Woher soll sie es wissen, wenn ihr älterer Schwager eine Nebenfrau nehmen will? Und selbst wenn sie es wußte, konnte sie gar nicht anders, als sich unwissend zu stellen...“
 
Noch ehe sie ausgesprochen hatte, sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Du hast recht! Ich verdumme schon mit dem Alter. – Lacht nicht über mich, Frau Hsüä! Eure Schwester ist mir kindlich treu ergeben, nicht wie meine andere Schwiegertochter, die in ständiger Furcht vor ihrem Mann lebt und mir nur nach dem Munde redet. Ich habe Eure Schwester gekränkt!“
 
Tante Hsüä sagte nur ja, dann aber fügte sie hinzu: „Vielleicht seid Ihr voreingenommen zugunsten der Frau Eures jüngeren Sohnes, auch so etwas gibt es ja.“
 
„Ich bin nicht voreingenommen“, erwiderte die Herzoginmutter. Dann fragte sie: „Bau-yü, warum hast du nichts gesagt, als ich deine Mutter zu unrecht verdächtigt habe, sondern hast zugesehen, wie sie gekränkt wurde?“
 
„Hätte ich mich vielleicht auf die Seite meiner Mutter gegen Onkel und Tante stellen sollen?“ fragte Bau-yü lächelnd zurück. „Der Fehler bleibt ja bestehen, und wenn meine Mutter ihn nicht auf sich genommen hätte, wem hätte sie ihn dann zuschieben sollen? Und wenn ich gesagt hätte, es sei mein Fehler gewesen, hättet Ihr mir auch nicht geglaubt.“
 
„Das stimmt“, sagte die Herzoginmutter lächelnd. „Knie schnell vor deiner Mutter nieder und sag: ‚Ihr müßt nicht gekränkt sein, gnädige Frau! Die alte gnädige Frau ist nicht mehr die Jüngste. Hört auf um Bau-yüs willen!‘“
 
Wirklich ging Bau-yü rasch hinüber, kniete nieder und wollte schon sprechen, als Dame Wang ihn lächelnd wieder hochzog und sagte: „Steh auf, steh auf! Das geht doch nun wirklich nicht! Du kannst dich nicht für die alte gnädige Frau bei mir entschuldigen.“
 
Also stand Bau-yü wieder auf, inzwischen aber sagte die Herzoginmutter lächelnd: „Hsi-fëng! Du hast mich auch nicht darauf aufmerksam gemacht.“
 
Lächelnd entgegnete Hsi-fëng: „Euren Fehler habe ich Euch nicht vorgeworfen, und jetzt findet Ihr an mir etwas auszusetzen!“
 
„Merkwürdig! Ich möchte wissen, was das für ein Fehler sein soll!“ sagte die Herzoginmutter, und alle anderen pflichteten ihr bei.
 
„Warum mußtet Ihr Euch so gut darauf verstehen, das Mädchen heranzuziehen, daß sie schön wird wie eine Simse?!“ sagte Hsi-fëng. „Und da wundert Ihr Euch noch, daß jemand sie haben möchte! Ein Glück, daß ich die Frau Eures Enkels bin und nicht Euer Enkel. Sonst hätte ich sie schon längst haben wollen und hätte nicht bis heute damit gewartet.“
 
„Das also soll mein Fehler sein?“ fragte die Herzoginmutter lächelnd.
 
„Natürlich ist es das!“ erwiderte Hsi-fëng.
 
„Dann will ich sie auch nicht mehr“, sagte die Herzoginmutter. „Nimm du sie zu dir!“
 
„Wenn ich mich in diesem Leben so weit vervollkommne, daß ich im nächsten als Mann wiedergeboren werde, komme ich sie mir holen“, versprach Hsi-fëng.
 
„Dann nimm sie für Liän mit!“ schlug ihr die Herzoginmutter vor. „Ich möchte doch sehen, ob dein schamloser Schwiegervater sie dann immer noch für sich verlangt!“
 
„Für Liän ist sie nichts“, beharrte Hsi-fëng. „Für ihn sind nur angebrannte Fladen etwas wie ich und Ping-örl, um mit ihnen auszukommen.“
 
Alle brachen darüber in Gelächter aus, als die Sklavenmädchen meldeten: „Die ältere gnädige Frau ist da.“
 
Rasch ging Dame Wang ihr nach draußen entgegen, und wer wissen will, wie es weiterging, ...
 
  
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Nun soll erzaehlt werden, dass Phönixglanz [凤姐], die von Frau Xing [邢夫人] gerufen worden war und nicht wusste, worum es ging, sich rasch umkleidete und im Wagen hinueberfuhr. Frau Xing schickte alle Bediensteten aus dem Zimmer und sagte dann leise zu Phönixglanz: "Ich habe dich nicht wegen einer Belanglosigkeit kommen lassen. Es gibt da eine heikle Angelegenheit: Der gnaedige Herr [贾赦] hat mich damit beauftragt, aber ich weiss nicht, was ich machen soll, und wollte mich erst einmal mit dir beraten. Der gnaedige Herr hat ein Auge auf Mandarinenente<ref>Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenten-Paar". Erste Zofe der Herzoginmutter.</ref> [鸳鸯] geworfen, die Dienerin der Herzoginmutter, und moechte sie als Nebenfrau in sein Haus nehmen. Er hat mich gebeten, sie bei der Herzoginmutter fuer ihn zu erbitten. Ich denke mir, so etwas kommt ja haeufig vor, aber ich fuerchte, die Herzoginmutter wird sie nicht hergeben wollen. Weisst du einen Rat?"
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Als Phönixglanz das hoerte, sagte sie rasch: "Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch an diesem Nagel lieber nicht die Zaehne ausbeissen. Ohne Mandarinenente bekommt die Herzoginmutter [贾母] keinen Bissen herunter — wie sollte sie sich von ihr trennen wollen? Zudem hat die Herzoginmutter schon oft im Gespraech gesagt, der gnaedige Herr sei jetzt in die Jahre gekommen, und wozu er sich immer noch links und rechts Nebenfrauen halte. Er mache nur die Maedchen ungluecklich. Anstatt auf seine Gesundheit zu achten und sein Amt ordentlich zu versehen, trinke er den ganzen Tag mit seinen Nebenfrauen. Klingt das so, als ob die Herzoginmutter den gnaedigen Herrn sehr schaetzt? Jetzt, wo man froh sein sollte, einem Zusammenstoss noch aus dem Weg gehen zu koennen, will man dem Tiger mit einem Strohhalm in die Nasenloecher stochern! Seid mir nicht boese, gnaedige Frau, aber ich wage das nicht zu uebernehmen. Es hat offensichtlich keinen Sinn, und man holt sich nur Aerger. Der gnaedige Herr ist jetzt in dem Alter, wo er solche Dinge lassen sollte — Ihr muestet ihm zureden. Das ist etwas anderes als bei einem jungen Mann, da schadet es nicht. Aber mit diesem ganzen Haufen von Bruedern, Neffen, Soehnen und Enkeln solch ein Aufsehen zu machen — wie will er da noch den Leuten ins Gesicht sehen?"
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Frau Xing sagte mit kuehlem Laecheln: "In anderen grossen Familien haben die Herren drei Nebenfrauen und vier Konkubinen — warum sollen ausgerechnet wir das nicht duerfen? Selbst wenn ich ihm zurede, wird er sich kaum danach richten. Und wenn der aelteste Sohn, der schon einen grauen Bart hat und ein Amt bekleidet, das Lieblingsmaedchen seiner Mutter zur Nebenfrau machen will — wie kann man das wohl abschlagen? Ich habe dich kommen lassen, um mich mit dir zu beraten, und du ueberhaeuflst mich gleich mit Vorwuerfen. Habe ich denn gesagt, du sollst hingehen und mit ihr reden? Natuerlich gehe ich selbst. Du sagst, ich solle ihm zureden — kennst du denn sein Temperament immer noch nicht? Wenn man ihm zuredet, wird er erst recht nicht hoeren, und als Erstes wird er mir boese."
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Phönixglanz wusste, dass Frau Xing von Natur aus eigensinnig und beschraenkt war. Sie kannte nur das eine: Kaufmann Begnadigung<ref>Kaufmann Begnadigung: Chin. 贾赦 Jiǎ Shè. 赦 shè bedeutet „Begnadigung".</ref> [贾赦] in allem zu Willen zu sein, um ihre eigene Position zu sichern, und darueber hinaus Besitz und Reichtum an sich zu raffen. Alle Familienangelegenheiten, ob gross oder klein, ueberliess sie Kaufmann Begnadigung. Nur wo es um Geld ging, behielt sie die Zuegel in der Hand und war dann von ungewoehnlichem Geiz — unter dem Vorwand, Kaufmann Begnaadigungen sei ein Verschwender und sie muesse durch Sparsamkeit ausgleichen, was er vergeude. Auf keines ihrer Kinder oder Dienstboten stuetzte sie sich, und keinem hoerte sie zu. Als Phönixglanz nun diese Worte hoerte, wusste sie, dass Frau Xing wieder ihren Starrsinn an den Tag legte und dass Zureden keinen Sinn hatte. Deshalb setzte sie rasch ein Laecheln auf und sagte: "Ihr habt voellig recht, gnaedige Frau. Wie alt bin ich denn schon, und was verstehe ich davon, was wichtig und was unwichtig ist? Vor den Eltern braucht man gar nicht erst zu fragen — nicht nur ein Dienstmaedchen, selbst den kostbarsten Schatz wuerde man dem gnaedigen Herrn geben, wem denn sonst? Was einem hinter dem Ruecken gesagt wird, darauf darf man nichts geben! Ich bin wirklich ein Dummkopf. Wenn Kaufmann Kette [贾琏] etwas angestellt hat, sind der gnaedige Herr und die gnaedige Frau so wuetend, dass sie ihn am liebsten auf der Stelle erschlagen wuerden. Aber kaum sehen sie ihn, ist alles vergessen, und sie beschenken ihn mit dem, was ihnen am liebsten ist. Genauso wird natuerlich die Herzoginmutter den gnaedigen Herrn behandeln. Meiner Meinung nach ist die Herzoginmutter heute guter Laune — wenn Ihr Mandarinenente erbitten wollt, dann tut es heute gleich! Ich fahre voraus und bringe die Herzoginmutter zum Lachen. Sobald Ihr dann kommt, ziehe ich mich unter einem Vorwand zurueck und nehme auch die uebrigen Anwesenden mit hinaus, damit Ihr in Ruhe mit der Herzoginmutter sprechen koennt. Willigt sie ein, umso besser; willigt sie nicht ein, macht es auch nichts, weil niemand sonst davon erfaehrt."
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Als Frau Xing diese Worte hoerte, wurde sie wieder froh und sagte: "Mein Plan war eigentlich, zuerst nicht die Herzoginmutter zu fragen. Wenn die Herzoginmutter nein sagt, ist die Sache gestorben. Ich wollte zuerst leise und unauffaellig mit Mandarinenente reden. Sie wird sich zwar genieren, aber wenn ich ihr alles erklaere, wird sie natuerlich nichts einzuwenden haben, und die Sache ist beschlossen. Dann erst spreche ich mit der Herzoginmutter. Selbst wenn die Herzoginmutter nicht einverstanden ist — Mandarinenente ist ja bereits einverstanden, und wie das Sprichwort sagt: 'Wer gehen will, laesst sich nicht halten.' So wird es ganz bestimmt gelingen."
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Phönixglanz sagte laechelnd: "Ihr seid wahrlich eine kluge Strategin, gnaedige Frau! Dieser Plan ist hundertfach sicher. Nicht nur Mandarinenente — wer wuerde nicht gern aufsteigen und es zu etwas bringen? Wer wuerde nicht lieber eine halbe Herrin werden, als Dienstmaedchen zu bleiben und eines Tages mit einem Knecht verheiratet zu werden?"
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Frau Xing sagte laechelnd: "Genau das meine ich. Nicht nur Mandarinenente — auch jede der leitenden Maegde waere gern dazu bereit. Fahr du nur voraus, aber verrate kein Sterbenswort! Sobald ich zu Abend gegessen habe, komme ich nach."
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Phönixglanz ueberlegte insgeheim: "Mandarinenente ist eine, mit der nicht zu spassen ist. Auch wenn man so redet, ist keineswegs sicher, dass sie einverstanden ist. Wenn ich vorausfahre und die gnaedige Frau nachkommt — stimmt Mandarinenente zu, ist alles gut. Stimmt sie aber nicht zu, wird die gnaedige Frau argwoehnen — misstrauisch wie sie ist —, ich haette etwas verraten und Mandarinenente zum Widerstand angestiftet. Dann wird ihre Beschaemung zu Wut, und sie laesst es an mir aus. Das waere aeusserst unangenehm. Besser, wir fahren gemeinsam hinueber. Ob Mandarinenente einverstanden ist oder nicht, auf mich kann dann kein Verdacht fallen."
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Nachdem sie diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, sagte sie laechelnd: "Als ich vorhin losfahren wollte, schickte die Tante meiner Mutter [Anm.: im Originaltext 舅母, die Frau des Onkels muetterlicherseits] eben zwei Koerbe Wachteln. Ich habe angeordnet, sie in Öl zu backen, und wollte sie Euch eigentlich noch rechtzeitig zum Abendessen schicken lassen. Als ich hier zum Tor hereinkam, sah ich die Diener einen Wagen hinaustragen. Sie sagten, Euer Wagen habe eine aufgegangene Naht und werde zur Reparatur gebracht. Da waere es doch das Einfachste, Ihr steigt zu mir in den Wagen, und wir fahren gemeinsam hinueber."
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Frau Xing hoerte das und befahl sofort, ihr die Kleider zum Wechseln zu bringen. Phönixglanz half ihr eilfertig beim Umkleiden, und dann fuhren die beiden zusammen im Wagen davon. Unterwegs sagte Phönixglanz: "Wenn Ihr zur Herzoginmutter geht und ich Euch begleite, koennte die Herzoginmutter fragen, warum wir gemeinsam kommen — das waere unguenstig. Besser, Ihr geht voraus, und ich komme nach, sobald ich mich umgezogen habe."
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Frau Xing fand das vernuenftig und ging allein zur Herzoginmutter. Nachdem sie eine Weile geplaudert hatte, gab sie vor, Wang Furen [王夫人] besuchen zu wollen, und ging durch die Hintertuer hinaus. So kam sie an Mandarinenentes Schlafkammer vorbei. Mandarinenente sass drinnen bei ihrer Naeharbeit. Als sie Frau Xing erblickte, stand sie eilig auf.
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Frau Xing sagte laechelnd: "Was machst du da? Lass mich sehen! Deine Stickereien werden immer schoener." Dabei nahm sie Mandarinenente die Handarbeit ab, betrachtete sie und lobte sie in einem fort. Dann legte sie die Arbeit beiseite und musterte Mandarinenente von Kopf bis Fuss. Sie sah, dass sie eine halbgetragene Jacke in zartem Lotusrosa aus Seide trug, darueber eine Ueberweste aus dunklem Satin mit kontrastierenden Bordueren, und unten einen blassgruenen Rock. Ihre Taille war schlank, ihr Ruecken schmal, das Gesicht oval wie ein Entenei, das Haar schwarz und oelglaenzend, die Nase hoch und fein, und auf beiden Wangen zeigten sich ein paar zarte Sommersprossen.
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Als sich Mandarinenente so beaeugt sah, wurde es ihr selbst peinlich, und im Herzen stieg ein Verdacht in ihr auf. Sie fragte laechelnd: "Gnaedige Frau, was fuehrt Euch denn zu dieser ungewoehnlichen Stunde hierher?"
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Frau Xing gab ihren Begleiterinnen einen Wink, und sie zogen sich zurueck. Dann setzte sie sich, fasste Mandarinenentes Hand und sagte laechelnd: "Ich komme eigens, um dir frohe Botschaft zu bringen."
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Als Mandarinenente das hoerte, ahnte sie schon zu drei Zehnteln, worum es ging. Unwillkuerlich wurde sie rot, senkte den Kopf und sagte kein Wort. Da fuhr Frau Xing fort: "Du weisst doch, dass der gnaedige Herr niemand an seiner Seite hat, auf den er sich verlassen kann. Er wuerde gern eine Frau kaufen, aber er fuerchtet, dass die Maedchen von den Haendlern nicht sauber und anstaendig sind und man nicht weiss, welche Maengel sie mitbringen. Man nimmt sie ins Haus, und nach zwei, drei Tagen faengt sie an, Unfug zu treiben. Deshalb hat man unter saemtlichen Toechtern der Hausdienerfamilien im ganzen Anwesen eine auswaehlen wollen — aber keine war gut genug: Entweder stimmte das Aussehen nicht, oder der Charakter war schlecht; hatte man den einen Vorzug, fehlte der andere. Nachdem man so ein halbes Jahr lang nuechtere Auswahl gehalten hat, bist du als die Allerbeste unter allen Maedchen uebriggeblieben. Aussehen, Betragen, Sanftmut und Zuverlaessigkeit — alles ist vorhanden. Der gnaedige Herr beabsichtigt, die Herzoginmutter zu bitten, dich zu uns zu geben und als Nebenfrau aufzunehmen. Du bist ja nicht zu vergleichen mit einer neu Gekauften von draussen — sobald du bei uns einziehst, wirst du ausstaffiert, als Nebenfrau anerkannt und geniesst Ansehen und Ehre. Du bist doch ein ehrgeizig Mensch, und wie das Sprichwort sagt: 'Gold kann nur gegen Gold getauscht werden.' Wer haette gedacht, dass der gnaedige Herr gerade dich erwaehlt! Jetzt kannst du dir deinen langgehegten ehrgeizigen Wunsch erfuellen und allen, die auf dich herabsehen, den Mund stopfen. Komm mit mir zur Herzoginmutter!"
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Bei diesen Worten ergriff sie Mandarinenentes Hand und wollte aufbrechen. Doch Mandarinenente erroetete, entzog ihr die Hand und ging nicht mit.
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Frau Xing, die glaubte, Mandarinenente geniere sich, sagte: "Es ist doch nichts Peinliches dabei. Du brauchst gar nichts zu sagen — folge mir einfach."
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Doch Mandarinenente hielt den Kopf gesenkt und rueherete sich nicht von der Stelle.
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Als Frau Xing das sah, sagte sie: "Willst du etwa nicht? Wenn du wirklich nicht willst, bist du ein dummes Ding! Da verzichtest du darauf, Herrin zu werden, und ziehst es vor, Dienstmaedchen zu bleiben! In zwei, drei Jahren wirst du mit irgendeinem Knecht verheiratet und bist nach wie vor eine Sklavin. Komm mit uns! Du kennst doch meinen Charakter — ich bin gutmuetig und keine, die andere nicht gewahren laesst. Auch der gnaedige Herr behandelt euch gut. In ein, zwei Jahren, wenn du ein Kind zur Welt gebracht hast, stehst du auf gleicher Stufe mit mir. Wen immer du im Haushalt befehligen willst — wer wagte es, sich dir zu widersetzen? Die Gelegenheit, eine Herrin zu werden, liegt vor dir — wenn du sie verstreichen laesst, kommt die Reue zu spaet."
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Mandarinenente hielt weiter den Kopf gesenkt und schwieg. Frau Xing fuhr fort: "Du warst doch sonst immer so frank und frei — warum bist du jetzt so verschlossen? Wenn dir etwas nicht passt, sag es mir nur — ich sorge dafuer, dass alles nach deinen Wuenschen geschieht."
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Mandarinenente schwieg weiter. Frau Xing sagte laechelnd: "Wahrscheinlich hast du Vater und Mutter und willst nicht selbst etwas sagen, weil es dir peinlich ist. Du willst warten, bis sie dich fragen — das ist verstaendlich. Ich werde mich also an sie wenden und sie herbitten, damit sie mit dir reden. Was du sagen willst, sag es ihnen." Damit stand sie auf und begab sich in Phönixglanz' Raeume.
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Phönixglanz hatte sich laengst umgezogen. Da niemand sonst im Zimmer war, hatte sie die Sache Friedchen [平儿] erzaehlt. Friedchen schuettelte den Kopf und sagte laechelnd: "Meiner Meinung nach wird das nichts. Wenn wir unter uns sind und ueber sie reden, hat sie nach allem, was man von ihr weiss, ganz sicher nicht die Absicht einzuwilligen. Aber warten wir es ab."
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Phönixglanz sagte: "Die gnaedige Frau wird bestimmt hierher kommen, um sich mit mir zu beraten. Wenn Mandarinenente einwilligt, gibt es nichts zu besprechen. Willigt sie aber nicht ein und hat sich die gnaedige Frau eine Abfuhr geholt, dann waere es ihr vor euch peinlich — das wuerde ihr Gesicht verletzen. Sag den Leuten, sie sollen die Wachteln in Öl backen und ein paar Beilagen dazu vorbereiten. Du aber geh inzwischen irgendwo spazieren und komm erst zurueck, wenn du schaetzt, dass sie fort ist."
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Friedchen hoerte das, gab den Auftrag wie ueblich an die Dienerinnen weiter und schlenderte dann seelenruhig in den Garten hinueber.
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Unterdessen sagte sich Mandarinenente, als sie Frau Xing fortgehen sah: Die geht bestimmt zu Phönixglanz, um sich zu beraten, und dann schickt man jemanden zu mir — besser, ich verschwinde. Also suchte sie Bernstein [琥珀] auf und sagte: "Wenn die Herzoginmutter nach mir fragt, sag ihr, mir sei nicht wohl, ich haette kein Fruehstueck gegessen und sei in den Garten gegangen, kaeme aber bald zurueck." Bernstein versprach es.
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So kam auch Mandarinenente in den Garten und streifte ueberall umher, bis sie unversehens auf Friedchen stiess. Da niemand in der Naehe war, sagte Friedchen laechelnd: "Da kommt ja die neue Nebenfrau!"
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Mandarinenente wurde rot und sagte: "So ist das also! Ihr habt euch wohl alle verschworen, ueber mich zu bestimmen! Warte nur, ich gehe zu deiner Herrin und mache Krawall!"
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Friedchen bereute sofort ihre unbedachten Worte. Sie fasste Mandarinenente bei der Hand und zog sie unter einen Ahornbaum, wo sie sich auf einen Felsen setzten. Dann erzaehlte sie ihr ausfuehrlich und ohne etwas auszulassen, wie Phönixglanz bei Frau Xing gewesen war und was besprochen und gesagt worden war.
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Mandarinenente erroetete und sagte mit bitterem Laecheln zu Friedchen: "Weil wir so eng befreundet sind — denk nur an Dufthauch<ref>Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die einen überfällt/umweht". Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> [袭人], Bernstein, Reinwolke [素云], Purpurkuckuck<ref>Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurner Kuckuck". Kajaljades treue Kammerzofe.</ref> [紫鹃], Buntwolke [彩霞], Jadearmbband [玉钏儿], Moschusmond [麝月], Tintenjadegrueen [翠墨], und Jadering [翠缕], die dem Fräulein Shi [史湘云] gefolgt ist, Lieblich [可人] und Goldarmband [金钏], die beide gestorben sind, und die fortgegangene Scharlachschnee [茜雪], und dazu du und ich — was haben wir von klein auf nicht alles miteinander geteilt, was haben wir nicht alles zusammen getan! Jetzt sind wir alle gross geworden, und jede geht ihrer eigenen Wege, aber in meinem Herzen ist alles wie frueher: Was ich denke und was mich beschaeftigt, verberge ich nicht vor euch. Deshalb sage ich dir etwas, das du vorerst in deinem Herzen bewahren und nicht der jungen Herrin weitersagen sollst: Nicht nur, dass mich der aeltere gnaedige Herr zur Nebenfrau nehmen will — selbst wenn die gnaedige Frau jetzt auf der Stelle stueerbe und er mich mit drei Heiratsvermittlern und sechs Zeugen als Hauptfrau heiraten wollte, ich koennte nicht dorthin gehen!"
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Friedchen wollte gerade laechelnd antworten, da erscholl hinter dem Felsen ein prustendes Lachen: "Was fuer ein schamloses Ding! Wie kannst du nur so reden, ohne rot zu werden!" Die beiden erschraken, sprangen auf und spaehten hinter den Felsen. Es war niemand anders als Dufthauch, die laechelnd hervortrat und fragte: "Was ist denn los? Erzaehlt mir alles!"
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Die drei setzten sich auf den Felsen, und Friedchen wiederholte alles, was sie eben Mandarinenente erzaehlt hatte.
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Dufthauch sagte: "Eigentlich gehoert es sich nicht, dass Leute wie wir so etwas sagen, aber der aeltere gnaedige Herr ist wirklich zu luesternn! Sobald eine auch nur ein halbwegs huebsches Gesicht hat, laesst er die Finger nicht von ihr."
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Friedchen sagte: "Da du nicht willst, sage ich dir ein Mittel, wie du die Sache ganz ohne Umstaende erledigen kannst."
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"Was fuer ein Mittel? Sag es!" verlangte Mandarinenente.
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Friedchen sagte laechelnd: "Du brauchst nur zur Herzoginmutter zu gehen und zu sagen, du seist bereits dem Zweiten Jungen Herrn Kaufmann Kette [贾琏] versprochen. Dann kann der aeltere gnaedige Herr dich schlecht noch fuer sich verlangen."
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Mandarinenente spuckte aus und schimpfte: "Was fuer ein Unsinn! Und du sagst das auch noch! Hat deine Herrin neulich nicht genau solchen Bloedsinn geredet? Und nun bewahrheitet es sich auch noch!"
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Dufthauch sagte laechelnd: "Da ihr beide nicht wollt, werde ich zur Herzoginmutter gehen und ihr sagen, sie solle erklaeren, Mandarinenente sei bereits Schatzjade<ref>Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.</ref> [宝玉] versprochen. Dann wird der aeltere gnaedige Herr seine Hoffnung aufgeben."
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Mandarinenente, vor Wut, Scham und Erregung zugleich, schimpfte: "Ihr beiden Spitzbuebinnen sollt keines guten Todes sterben! Da hat man einen Kummer und vertraut ihn euch an, weil man meint, ihr waert verstaendige Menschen, die einem einen Rat geben koennten, und statt dessen wechselt ihr euch ab, um mich zum Narren zu halten! Ihr bildet euch ein, eure Zukunft sei sicher und ihr wuerdet eines Tages Nebenfrauen sein — aber meiner Meinung nach geht auf dieser Welt nicht alles nach Wunsch. Darum haltet euch lieber zurueck und uebertreibt eure Freude nicht!"
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Als die beiden sahen, wie aufgebracht Mandarinenente war, redeten sie ihr laechelnd gut zu: "Liebe Schwester, nimm es nicht so tragisch! Wir sind von klein auf wie leibliche Schwestern — es war nur ein kleiner Scherz, wo niemand zuhoert. Sag uns, was du vorhast, damit wir beruhigt sind."
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Mandarinenente sagte: "Was fuer ein Vorhaben! Ich gehe einfach nicht hin, und damit basta."
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Friedchen schuettelte den Kopf: "Du gehst nicht hin — aber ob man dich in Ruhe laesst, ist eine andere Frage. Du kennst das Temperament des aelteren gnaedigen Herrn. Zwar bist du eine Dienerin der Herzoginmutter, und im Augenblick wagt er nichts gegen dich. Aber du kannst ja wohl nicht dein ganzes Leben bei der Herzoginmutter bleiben. Wenn du spaeter einmal in seine Haende faellst, sieht es boese aus."
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Mandarinenente sagte mit bitterem Laecheln: "Solange die Herzoginmutter lebt, bleibe ich keinen einzigen Tag von ihr getrennt. Und wenn die Herzoginmutter eines Tages ins Paradies eingeht, hat er immerhin noch drei Jahre Trauer zu halten. Es gibt ja wohl niemanden, der sich eine Nebenfrau nimmt, kaum dass seine Mutter gestorben ist! Nach den drei Jahren, wer weiss, wie die Dinge dann liegen — darueber reden wir dann. Wenn es zum Aeussersten kommt, schneide ich mir das Haar ab und werde Nonne. Und wenn auch das nicht reicht, bleibt immer noch der Tod. Mein ganzes Leben keinen Mann heiraten — was waere schon dabei? Es waere nur umso sauberer!"
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Friedchen und Dufthauch sagten laechelnd: "Dieses Spitzbein hat wirklich keine Scham! Ihr Mund redet einfach drauflos!"
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Mandarinenente sagte: "Wenn es einmal so weit ist, was macht da noch ein bisschen Scham? Wenn ihr mir nicht glaubt, wartet nur ab! Die gnaedige Frau hat vorhin gesagt, sie wolle meine Eltern aufsuchen — die mag sie mal in Nanjing suchen gehen!"
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Friedchen sagte: "Deine Eltern sind in Nanjing, wo sie das dortige Haus hueten, und sind nicht mit heraufgekommen, aber frueher oder spaeter wird man sie finden. Und hier sind immer noch dein aelterer Bruder und deine Schwaegerin. Schade, dass du als Tochter einer Hausdienerfamilie hier geboren bist — nicht wie wir beide, die wir ganz allein hier sind."
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Mandarinenente sagte: "Was schadet es schon, im Haus geboren zu sein? 'Man kann ein Rind nicht zum Saufen zwingen, indem man ihm den Kopf ins Wasser drueckt!' Ich will nicht — werden sie deshalb meine Eltern umbringen?"
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Waehrend sie noch sprach, sahen sie Mandarinenentes Schwaegerin herankommen. Dufthauch sagte: "Da deine Eltern nicht erreichbar sind, hat man bestimmt mit deiner Schwaegerin gesprochen."
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Mandarinenente sagte: "Diese Hure muss ueberall ihre Finger im Spiel haben! [Anm.: Der Ausdruck 九国贩骆驝的 — woertlich 'eine Kameltreiberin, die in neun Laendern handelt' — bedeutet: eine, die ueberall mitmischt] Sobald sie davon gehoert hat, laeuft sie natuerlich hin und macht sich dienstbar!"
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Waehrend sie noch sprach, stand die Schwaegerin schon vor ihr und sagte laechelnd: "Ueberall habe ich dich gesucht, und hier steckst du! Komm mit, ich muss mit dir reden."
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Friedchen und Dufthauch boten ihr rasch einen Platz an. Die Schwaegerin sagte: "Bleibt nur sitzen, Fräulein. Ich moechte nur ein Wort mit meiner Schwaegerin reden."
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Friedchen und Dufthauch taten, als wuessten sie von nichts, und sagten laechelnd: "Was gibt es denn so Eiliges? Wir spielen gerade Raetsel raten — wer gewinnt, darf dem anderen eine Backpfeife geben. Lass sie noch dieses Raetsel loesen, dann kann sie gehen."
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Mandarinenente sagte: "Was willst du? Sag es."
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Die Schwaegerin sagte laechelnd: "Komm nur mit! Dort erzaehle ich es dir — es ist auf jeden Fall etwas Schoenes."
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Mandarinenente sagte: "Etwa das, was die aeltere gnaedige Frau dir gesagt hat?"
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Die Schwaegerin sagte laechelnd: "Wenn du es schon weisst, warum straeubst du dich noch? Komm schnell, ich erzaehle dir alles genau — es ist ein riesengrosses Glueck!"
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Als Mandarinenente das hoerte, stand sie auf, spuckte ihrer Schwaegerin mit voller Wucht ins Gesicht, richtete den Finger auf sie und schimpfte: "Halt dein dreckiges Maul und mach, dass du wegkommst, das waere das Klueegste! Was fuer 'etwas Schoenes'! Etwas Schoenes waere ein Adlerbild von Kaiser Huizong [Anm.: Song-Kaiser Huizong, beruehmt fuer seine Vogelmalerei] oder ein Pferdebild von Zhao Mengfu [Anm.: Zhao Ziang, beruehmt als Pferdemaler] — das waeren 'schoene Malereien'! Und was fuer ein 'Glueck'! Von Glueck kann man sprechen, wenn bei den Pocken die Pusteln schoen reifen [Anm.: Wortspiel — 喜事 'Glueck/Freude' wird gleichlautend mit 'Pockenpusteln' verglichen; als die Pocken bei Kindern gut abheilten, war das ein Anlass zur Freude] — das waere wirklich ein Glueck! Kein Wunder, dass ihr vor Neid platzt, wenn jemandes Tochter Nebenfrau wird und die ganze Sippschaft dann dank ihrer tyrannisch und willkuerlich herumstolziert, als waeret ihr alle Nebenfrauen geworden! Das hat dir so in die Augen gestochen, dass du mich jetzt auch ins Elend stuerzen willst! Wenn es mir gut geht, spielt ihr euch als 'Verwandte' auf und nennt euch stolz die Schwager. Wenn mir das Glueck aber nicht hold ist und ich in Ungnade falle, zieht ihr eure Schildkroetenhaelse ein und lasst mich allein sehen, wo ich bleibe!"
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Waehrend sie so sprach und weinte, hielten Friedchen und Dufthauch sie fest und redeten ihr gut zu.
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Die Schwaegerin, der es peinlich wurde, sagte: "Ob du willst oder nicht, darueber laesst sich ja reden. Aber deshalb brauchst du nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Wie das Sprichwort sagt: 'Vor Kleinen spricht man nicht von Kleinem.' Wenn du mich beschimpfst, wage ich nichts zu erwidern. Aber die beiden Fräulein hier haben dir nichts getan — wenn du dauernd von 'Nebenfrau' dies und 'Nebenfrau' das redest, wie steht das fuer sie da?"
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Dufthauch und Friedchen sagten rasch: "So duerft Ihr nicht reden! Sie hat nicht von uns gesprochen, also solltet auch Ihr nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Hat denn irgendeine gnaedige Frau oder ein gnaediger Herr beschlossen, uns zu Nebenfrauen zu machen? Wir zwei haben auch keine Eltern oder Brueder hier im Haus, die sich auf uns stuetzen und tyrannisch aufspielen. Sie weiss schon, wen sie beschimpft — wir haben keinen Grund, es auf uns zu beziehen."
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Mandarinenente sagte: "Als ich sie beschimpft habe, war es ihr peinlich, und weil sie nicht mehr wusste, wohin mit ihrer Scham, hat sie versucht, euch beide gegen mich aufzuhetzen. Zum Glueck seid ihr vernuenftig genug! In meiner Wut habe ich nicht mehr unterschieden, und genau in diese Luecke wollte sie stossen."
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Jetzt wurde es der Schwaegerin zu dumm, und sie ging wuetend fort.
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Mandarinenente war noch immer so aufgebracht, dass sie weiterschimpfte. Erst nach einer Weile guten Zuredens von Friedchen und Dufthauch beruhigte sie sich. Friedchen fragte Dufthauch: "Wo hast du dich denn versteckt? Wir haben dich gar nicht gesehen."
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Dufthauch sagte: "Ich war bei Bewahrfrühling [惜春], um nach Schatzjade zu sehen. Aber ich kam einen Moment zu spaet — er war schon nach Hause gegangen, hiess es. Ich wunderte mich, dass ich ihm nicht begegnet war, und wollte ihn bei Fräulein Kajaljade suchen, da traf ich jemand von ihr, der sagte, er sei auch nicht dort gewesen. Gerade fragte ich mich, ob er den Garten verlassen habe, da kamst du von dort drueben. Ich habe mich hinter einen Baum gedrueckt, und du hast mich nicht gesehen. Dann kam auch sie. Ich bin hinter dem Baum hervor zum Felsen geschluepft. Ich sah, wie ihr euch unterhalten habt — aber ihr habt mich auch mit vier Augen nicht bemerkt..."
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Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da ertoeente hinter ihnen eine Stimme: "Euch hat sie mit vier Augen nicht gesehen? Und ihr habt mich mit sechs Augen nicht gesehen!" Die drei erschraken heftig, drehten sich um und sahen — niemand anders als Schatzjade [宝玉], der laechelnd herankaim.
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Dufthauch sagte als Erste laechelnd: "Da habe ich dich lang und breit gesucht! Wo kommst du her?"
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Schatzjade sagte laechelnd: "Als ich bei Bewahrfrühling herauskam, sah ich dich mir entgegenkommen und wusste sofort, du suchst mich. Da habe ich mich versteckt, um dich hereinzulegen. Ich sah, wie du mit gesenktem Kopf an mir vorbeigingst, ins Haus tratest und gleich wieder herauskamst und jeden fragtest, der dir begegnete. Ich war sehr amuesiiert und wollte warten, bis du wieder herankamst, um dir einen Schreck einzujagen. Aber dann sah ich, wie auch du dich versteeckt hast, und wusste, dass auch du jemanden anführen wolltest. Ich streckte den Kopf vor und sah die beiden dort. Also bin ich um dich herum geschlichen, und als du hervortratest, schluepfte ich in dein Versteck."
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Friedchen sagte laechelnd: "Wenn wir dahinter noch weitersuchen, finden wir vielleicht noch zwei weitere Versteckte!"
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Schatzjade lachte: "Nein, mehr gibt es wirklich nicht."
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Mandarinenente, die wusste, dass Schatzjade alles mit angehoert hatte, legte sich baeuchlings auf den Felsen und stellte sich schlafend. Schatzjade stupste sie an und sagte laechelnd: "Auf dem Stein ist es kalt! Gehen wir nach drinnen — dort kannst du viel besser schlafen." Er zog Mandarinenente hoch und bat auch Friedchen, mitzukommen und Tee zu trinken. Als auch Friedchen und Dufthauch Mandarinenente zuredeten, stand sie schliesslich auf, und die vier gingen gemeinsam zum Hof der Roten Freude [怡红院].
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Schatzjade hatte in der Tat das ganze Gespraeech mit angehoert und war innerlich keineswegs froh darüber. Stumm lag er auf seinem Bett ausgestreckt und liess die drei im Vorzimmer miteinander plaudern und scherzen.
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Inzwischen hatte Frau Xing Phönixglanz nach Mandarinenentes Eltern gefragt. Phönixglanz berichtete: "Ihr Vater heisst Jin Cai [金彩]. Das Ehepaar huetet die Haeuser in Nanjing und ist so gut wie nie in die Hauptstadt heraufgekommen. Ihr aelterer Bruder Jin Wenxiang [金文翔] ist gegenwaertig Einkaeufeer fuer die Herzoginmutter. Seine Frau leitet die Waescherei bei der Herzoginmutter."
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Frau Xing liess also Mandarinenentes Schwaegerin, Jin Wenxiangs Frau, rufen und erklaerte ihr die Sache ausfuehrlich. Die Schwaegerin war natuerlich hoecherfreut und machte sich freudestrahlend auf die Suche nach Mandarinenente, fest davon ueberzeugt, dass ein einziges Wort genuegen wuerde. Doch stattdessen wurde sie von Mandarinenente heftig abgekanzelt, und auch Dufthauch und Friedchen sagten ihr die Meinung.
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Beschaemt und veraergert kam sie zurueck und sagte zu Frau Xing: "Es hat keinen Zweck. Sie hat mich sogar beschimpft." Weil Phönixglanz daneben stand, wagte sie nicht, Friedchen zu erwaehnen, sondern sagte nur: "Auch Dufthauch hat ihr beigestanden und mich geschmaecht. Sie haben allerhand ungehoeriges Zeug geredet, das man vor den Herrschaften nicht wiederholen kann. Die gnaedige Frau sollte sich mit dem gnaedigen Herrn beraten und lieber eine Nebenfrau kaufen. Dieses kleine Biest hat offenbar nicht so viel Glueck, und wir sind auch nicht dafuer geschaffen."
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Frau Xing sagte: "Was hat Dufthauch damit zu tun? Woher wusste sie ueberhaupt davon?" Dann fragte sie: "Wer war sonst noch dabei?"
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Die Schwaegerin sagte: "Fräulein Friedchen."
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Phönixglanz sagte sofort: "Du haettest ihr eine Ohrfeige geben sollen! Kaum bin ich aus dem Haus, geht sie spazieren. Wenn ich heimkomme, ist kein Schatten von ihr zu finden! Bestimmt hat sie auch irgendetwas gesagt."
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Die Schwaegerin sagte: "Fräulein Friedchen war nicht direkt dabei. Von weitem sah es so aus, als waere sie es, aber ganz sicher bin ich nicht — das war nur meine Vermutung."
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Phönixglanz befahl: "Schnell, holt sie her! Sagt ihr, ich bin zurueck, die gnaedige Frau ist auch hier, und sie soll kommen und uns helfen." Sogleich trat Feng'er [丰儿] vor und berichtete: "Fräulein Kajaljade hat drei- bis viermal nach ihr schicken lassen, bis sie schliesslich gegangen ist. Sobald die gnaedige Frau heimkam, habe ich sie hingeschickt. Fräulein Kajaljade laesst bestellen: 'Sagt eurer Herrin, ich brauche sie fuer etwas.'"
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Erst da gab Phönixglanz Ruhe, sagte aber noch absichtlich: "Jeden Tag braucht sie sie — was gibt es denn dauernd zu tun?"
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Frau Xing, die nun keinen Ausweg mehr sah, ass etwas, fuhr nach Hause zurueck und erzaehlte am Abend Kaufmann Begnadigung, was geschehen war.
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Kaufmann Begnadigung ueberlegte einen Moment, dann liess er sofort Kaufmann Kette [贾琏] rufen und befahl: "In Nanjing hueten nicht nur die Jins die Haeuser — es gibt mehrere Familien dort. Lass Jin Cai unverzueglich heraufkommen!"
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Kaufmann Kette berichtete: "Im letzten Brief aus Nanjing stand, Jin Cai habe einen Schleimfluss erlitten und sei nicht mehr bei Sinnen [Anm.: eine schwere Erkrankung, vermutlich ein Schlaganfall]. Man hat ihm drueben bereits das Sargeld ueberwiesen. Ob er noch lebt oder tot ist, weiss ich nicht. Aber selbst wenn er lebt, ist er geistig verwirrt — es haette keinen Sinn, ihn herbeizurufen. Seine Frau ist obendrein taub."
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Kaufmann Begnadigung schrie wuetend auf und fluchte: "Du nichtswuerdiges Stück! Natuerlich weisst ausgerechnet du alles ganz genau! Hinaus mit dir!"
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Erschrocken zog sich Kaufmann Kette zurueck. Kurz darauf befahl Kaufmann Begnadigung, Jin Wenxiang zu holen. Kaufmann Kette wartete im aeusseren Arbeitszimmer und wagte weder nach Hause zu gehen noch seinem Vater erneut unter die Augen zu treten. Er konnte nur lauschen. Bald hoerte er, wie Jin Wenxiang kam und von den Dienerjungen sofort ins Innere gefuehrt wurde. Erst nach einer Zeit, die lang genug gewesen waere, um fuenf, sechs Schalen Reis zu essen, kam er wieder heraus und ging fort. Kaufmann Kette wagte zunaechst nicht nachzufragen. Erst eine Weile spaeter erkundigte er sich und erfuhr, Kaufmann Begnadigung habe sich schlafen gelegt. Da ging er in seine eigenen Raeume hinueber, und erst als ihm Phönixglanz am Abend alles erklaerte, verstand er, worum es ging.
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Mandarinenente fand in jener Nacht keinen Schlaf. Am naechsten Tag bat ihr Bruder die Herzoginmutter, seine Schwester auf einen Besuch nach Hause mitnehmen zu duerfen. Die Herzoginmutter willigte ein und befahl Mandarinenente zu gehen. Mandarinenente wollte nicht, aber aus Furcht, die Herzoginmutter koennte Verdacht schoepfen, fuegte sie sich widerwillig.
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Ihr Bruder uebermittelte ihr Kaufmann Begnaadigungen Worte und malte ihr aus, wie ehrenvoll das waere und wie sie als Nebenfrau den Haushalt leiten wuerde. Doch Mandarinenente biss die Zaehne zusammen und lehnte ab. Ihrem Bruder blieb nichts anderes uebrig, als zu Kaufmann Begnadigung zurueckzukehren und ihm Bericht zu erstatten.
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Kaufmann Begnadigung geriet in Wut und erklaerte: "Hoer mir genau zu und lass es ihr durch deine Frau ausrichten! Sage ihr in meinem Namen: 'Seit alters her steht die schoene Mondfrau Chang'e auf junge Burschen.' Sie verachtet mich bestimmt, weil ich alt bin. Wahrscheinlich hat sie ein Auge auf einen der jungen Herren geworfen — vermutlich auf Schatzjade, vielleicht auch auf Kaufmann Kette. Wenn das wirklich so ist, soll sie sich das schnellstens aus dem Kopf schlagen! Nachdem ich sie gewollt habe und sie mich zurueckgewiesen hat — wer wuerde es dann noch wagen, sie zu nehmen? Das ist das eine. Zum zweiten meint sie wohl, weil die Herzoginmutter sie gern hat, werde man sie eines Tages nach draussen als Hauptfrau verheiraten. Aber sie soll sich gut ueberlegen: An wen immer sie auch verheiratet wird, sie wird meiner Hand nicht entkommen. Nur wenn sie stirbt oder lebenslang unverheiratet bleibt, gebe ich mich geschlagen! Andernfalls soll sie sich rechtzeitig eines Besseren besinnen — es waere nur zu ihrem Vorteil."
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Bei jedem Satz, den Kaufmann Begnadigung sprach, antwortete Jin Wenxiang mit einem "Jawohl". Kaufmann Begnadigung fuhr fort: "Versuch nicht, mich hinters Licht zu fuehren! Morgen schicke ich noch einmal die gnaedige Frau zu Mandarinenente. Wenn ihr es ihr gesagt habt und sie nicht einwilligt, trifft euch keine Schuld. Stimmt sie dann aber doch zu — dann nimm deinen Kopf in Acht!"
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Jin Wenxiang sagte eilig wieder und wieder jawohl, zog sich zurueck und ging nach Hause. Ohne erst seine Frau als Uebermittlerin einzuschalten, richtete er Mandarinenente Kaufmann Begnaadigungen Worte persoenlich und direkt aus.
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Mandarinenente war so empoeert, dass ihr zunaechst die Worte fehlten. Nachdem sie einen Moment nachgedacht hatte, sagte sie: "Angenommen, ich bin einverstanden — dann muesst ihr mich zur Herzoginmutter begleiten und es ihr melden."
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Bruder und Schwaegerin hoerten das und glaubten, sie habe es sich ueberlegt. Vor Freude wussten sie nicht ein noch aus. Sofort brachte die Schwaegerin Mandarinenente zur Herzoginmutter hinauf.
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Es traf sich, dass gerade Wang Furen, Tante Schnee [薛姨妈], Schleierfrau [李纨], Phönixglanz, Schatzspange<ref>Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange".</ref> [宝钗] und die anderen Schwestern sowie einige der fuehrenden und angesehenen Verwalterinnen bei der Herzoginmutter versammelt waren, um sie zu unterhalten.
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Mandarinenente freute sich unbaaendig ueber dieses glueckliche Zusammentreffen. Sie zog ihre Schwaegerin mit vor die Herzoginmutter, fiel auf die Knie und berichtete unter Traenen: wie Frau Xing zu ihr gekommen war und was sie gesagt hatte, wie dann ihre Schwaegerin sie im Garten aufsuchte und was sie sagte, und was heute ihr Bruder ausgerichtet hatte. "Weil ich nicht eingewilligt habe", fuhr sie fort, "hat der aeltere gnaedige Herr rundheraus behauptet, ich sei in Schatzjade verliebt oder aber ich wartete darauf, nach draussen verheiratet zu werden. Selbst wenn ich in den Himmel fluchtete, wuerde ich mein Leben lang seiner Rache nicht entgehen. Doch ich habe meinen Entschluss gefasst, und ich erklaere vor allen Anwesenden: Nicht nur 'Schatzjade' — selbst wenn einer 'Schatzgold' oder 'Schatzsilber' oder 'Schatzhimmelskoenig' oder 'Schatzkaiser' hiesse — ich werde nie und nimmer einen Mann heiraten, und damit Schluss! Und selbst wenn die Herzoginmutter mich dazu zwingt, bringe ich mich eher mit einem Messerstrich um, als dass ich gehorche! Wenn ich Glueck habe, sterbe ich vor der Herzoginmutter. Wenn ich Pech habe und es mir bestimmt ist, als Bettlerin zu leben, dann diene ich der Herzoginmutter, bis sie ins Paradies eingeht. Danach aber will ich weder zu meinen Eltern noch zu meinem Bruder. Entweder bringe ich mich um oder schneide mir das Haar ab und werde Nonne! Wenn ich das nicht ehrlich meine und mich nur straeube, um spaeter andere Plaene zu verfolgen, dann sollen Himmel und Erde, Goetter und Geister, Sonne und Mond Zeugen sein — dann soll aus meiner Kehle eine Eiterbeule wachsen und mich bei lebendigem Leibe verfaulen und zu Brei zersetzen lassen, hier an dieser Stelle!"
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Wie sich zeigte, hatte sie bei ihrem Eintreten eine Schere im Aermel verborgen. Waehrend sie nun die letzten Worte sprach, loeste sie sich mit der linken Hand das Haar und begann mit der rechten Hand zu schneiden. Eilig stuerzten die Dienerinnen und Maegde herbei, um sie festzuhalten, doch sie hatte schon eine halbe Straehne abgeschnitten. Zum Glueck war ihr Haar ungewoehnlich dicht und sie hatte es nicht ganz durchschneiden koennen. Rasch steckte man ihr das Haar wieder hoch.
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Die Herzoginmutter aber bebte am ganzen Leib vor Zorn und stiess hervor: "Sie ist die einzige zuverlaessige Person, die mir noch geblieben ist, und um die soll ich auch noch gebracht werden!" Ihr Blick fiel auf Wang Furen, und an diese gewandt fuhr sie fort: "Ihr macht mir alle etwas vor! Nach aussen zeigt ihr Ehrerbietung, insgeheim aber stellt ihr eure Berechnungen an. Alles Gute, was ich habe, wollt ihr mir wegnehmen, ob Sachen oder Menschen! Jetzt ist mir nur noch dieses Maedchen geblieben. Und weil ihr seht, dass ich sie gern habe, kann euch das natuerlich nicht gefallen, also schafft ihr sie mir vom Hals, damit ihr mit mir machen koennt, was ihr wollt!"
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Wang Furen hatte sich rasch erhoben und wagte kein Wort zu erwidern. Tante Schnee konnte, als sie sah, dass sogar Wang Furen beschuldigt wurde, schwerlich etwas Beschwichtigendes sagen. Schleierfrau hatte die Schwestern aus dem Zimmer gefuehrt, sobald Mandarinenente ihre Klage vorbrachte.
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Spuerfrühling [探春], die ein scharfsinniger Mensch war, ueberlegte: Wang Furen wird Unrecht getan, doch sie wagt sich nicht zu verteidigen. Tante Schnee als ihre leibliche Schwester kann sie auch schlecht in Schutz nehmen. Schatzspange kann nicht fuer ihre Tante eintreten. Schleierfrau, Phönixglanz und Schatzjade wagen ebensowenig etwas zu sagen. Hier muss ein Maedchen auftreten! Aber Willkommenfrühling [迎春] ist zu arglos, Bewahrfrühling [惜春] noch zu klein. Also lauschte sie einen Moment am Fenster, trat dann wieder ein und sagte laechelnd zur Herzoginmutter: "Was hat denn die gnaedige Frau damit zu tun? Ueberlegt doch einmal selbst, Herzoginmutter! Gibt es das wohl, dass die Frau des juengeren Bruders es erfaehrt, wenn der aeltere Schwager eine Nebenfrau nehmen will? Und selbst wenn sie es wuesste, koennte sie sich nur unwissend stellen..."
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Noch bevor sie ausgesprochen hatte, sagte die Herzoginmutter laechelnd: "Du hast recht! Ich werde wirklich schon wirr im Kopf vor Alter! Lacht nicht ueber mich, liebe Frau Schnee! Eure Schwester ist mir aufrichtig ergeben — nicht wie meine andere Schwiegertochter, die vor lauter Angst vor ihrem Mann mir gegenueber nur nach dem Munde redet. Ich habe Eurer Schwester Unrecht getan."
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Tante Schnee sagte nur "Jawohl" und fuegte dann hinzu: "Vielleicht seid Ihr ein wenig voreingenommen zugunsten der Frau Eures juengeren Sohnes — auch so etwas kommt vor."
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Die Herzoginmutter sagte: "Ich bin nicht voreingenommen!" Dann wandte sie sich an Schatzjade: "Schatzjade, ich habe deiner Mutter Unrecht getan — warum hast du nichts gesagt und zugesehen, wie sie gekraenkt wurde?"
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Schatzjade sagte laechelnd: "Haette ich mich etwa auf die Seite meiner Mutter stellen und den aelteren Onkel und die aeltere Tante beschuldigen sollen? Im Grunde bleibt der Fehler bestehen: Wenn meine Mutter ihn hier nicht auf sich nimmt, wem soll sie ihn denn zuschieben? Und wenn ich gesagt haette, es sei mein Fehler, haettet Ihr mir auch nicht geglaubt."
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Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Das stimmt allerdings. Knie jetzt schnell vor deiner Mutter nieder und sag: 'Gnaedige Frau, seid nicht gekraenkt! Die Herzoginmutter ist schon in die Jahre gekommen — habt Nachsicht um Schatziades willen!'"
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Schatzjade ging tatsaechlich eilig hinueber und kniete nieder, wollte gerade sprechen, da zog Wang Furen ihn laechelnd hoch und sagte: "Steh auf, steh auf! Das geht wirklich nicht! Du kannst dich nicht an Stelle der Herzoginmutter bei mir entschuldigen!"
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Schatzjade stand auf. Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Auch Phönixglanz hat mich nicht darauf aufmerksam gemacht."
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Phönixglanz sagte laechelnd: "Ich habe der Herzoginmutter gar keinen Fehler vorgeworfen, und jetzt sucht sie einen bei mir!"
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Die Herzoginmutter sagte, und alle lachten mit: "Das waere ja seltsam! Ich moechte doch hoeren, was fuer ein Fehler das sein soll."
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Phönixglanz sagte: "Warum musstet Ihr das Maedchen so gut aufziehen, dass sie schoen wurde wie eine frische Fruehlingszwiebel? Da wundert Ihr Euch noch, dass jemand sie haben will? Ein Glueck, dass ich nur die Frau Eures Enkels bin und nicht Euer Enkel! Sonst haette ich sie schon laengst fuer mich beansprucht und nicht bis heute gewartet."
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Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Das also soll mein Fehler sein?"
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Phönixglanz sagte laechelnd: "Natuerlich ist es Euer Fehler!"
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Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Dann will ich sie auch nicht mehr. Nimm du sie!"
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Phönixglanz sagte: "Wenn ich mich in diesem Leben so vervollkommne, dass ich im naechsten als Mann wiedergeboren werde, komme ich sie holen."
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Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Dann nimm sie fuer Kaufmann Kette, und gib sie ihm als Nebenfrau! Dann moechte ich sehen, ob dein schamloser Schwiegervater sie immer noch fuer sich verlangt!"
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Phönixglanz sagte: "Kaufmann Kette ist ihrer nicht wuerdig. Fuer ihn sind nur solche angebrannten Fladen wie ich und Friedchen gut genug, dass er mit uns auskommen kann."
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Alle brachen in Gelaechter aus. Da meldete ein Dienstmaedchen: "Die aeltere gnaedige Frau ist gekommen." Wang Furen eilte ihr rasch entgegen. Was weiter geschah —
 
== Anmerkungen ==
 
== Anmerkungen ==
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''Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage (2026). Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本).''
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Revision as of 12:36, 15 April 2026

Kapitel: 1 · 2 · 3 · 4 · 5 · 6 · 7 · 8 · 9 · 10 · [11-20] · [21-30] · [31-40] · [41-50] · [51-60] · [61-70] · [71-80] · [81-90] · [91-100] · [101-110] · [111-120] · ← Inhalt

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Kapitel 46

Wer in der Klemme steckt, dem bleiben peinliche Auftritte nicht erspart — Mandarinenente schwoert, nie ein Mandarinenenten-Paar zu bilden

Erst gegen Ende der vierten Nachtwache schlief Kajaljade[1] [黛玉] allmaehlich ein. Mehr ist von ihr einstweilen nicht zu berichten.

Nun soll erzaehlt werden, dass Phönixglanz [凤姐], die von Frau Xing [邢夫人] gerufen worden war und nicht wusste, worum es ging, sich rasch umkleidete und im Wagen hinueberfuhr. Frau Xing schickte alle Bediensteten aus dem Zimmer und sagte dann leise zu Phönixglanz: "Ich habe dich nicht wegen einer Belanglosigkeit kommen lassen. Es gibt da eine heikle Angelegenheit: Der gnaedige Herr [贾赦] hat mich damit beauftragt, aber ich weiss nicht, was ich machen soll, und wollte mich erst einmal mit dir beraten. Der gnaedige Herr hat ein Auge auf Mandarinenente[2] [鸳鸯] geworfen, die Dienerin der Herzoginmutter, und moechte sie als Nebenfrau in sein Haus nehmen. Er hat mich gebeten, sie bei der Herzoginmutter fuer ihn zu erbitten. Ich denke mir, so etwas kommt ja haeufig vor, aber ich fuerchte, die Herzoginmutter wird sie nicht hergeben wollen. Weisst du einen Rat?"

Als Phönixglanz das hoerte, sagte sie rasch: "Meiner Meinung nach solltet Ihr Euch an diesem Nagel lieber nicht die Zaehne ausbeissen. Ohne Mandarinenente bekommt die Herzoginmutter [贾母] keinen Bissen herunter — wie sollte sie sich von ihr trennen wollen? Zudem hat die Herzoginmutter schon oft im Gespraech gesagt, der gnaedige Herr sei jetzt in die Jahre gekommen, und wozu er sich immer noch links und rechts Nebenfrauen halte. Er mache nur die Maedchen ungluecklich. Anstatt auf seine Gesundheit zu achten und sein Amt ordentlich zu versehen, trinke er den ganzen Tag mit seinen Nebenfrauen. Klingt das so, als ob die Herzoginmutter den gnaedigen Herrn sehr schaetzt? Jetzt, wo man froh sein sollte, einem Zusammenstoss noch aus dem Weg gehen zu koennen, will man dem Tiger mit einem Strohhalm in die Nasenloecher stochern! Seid mir nicht boese, gnaedige Frau, aber ich wage das nicht zu uebernehmen. Es hat offensichtlich keinen Sinn, und man holt sich nur Aerger. Der gnaedige Herr ist jetzt in dem Alter, wo er solche Dinge lassen sollte — Ihr muestet ihm zureden. Das ist etwas anderes als bei einem jungen Mann, da schadet es nicht. Aber mit diesem ganzen Haufen von Bruedern, Neffen, Soehnen und Enkeln solch ein Aufsehen zu machen — wie will er da noch den Leuten ins Gesicht sehen?"

Frau Xing sagte mit kuehlem Laecheln: "In anderen grossen Familien haben die Herren drei Nebenfrauen und vier Konkubinen — warum sollen ausgerechnet wir das nicht duerfen? Selbst wenn ich ihm zurede, wird er sich kaum danach richten. Und wenn der aelteste Sohn, der schon einen grauen Bart hat und ein Amt bekleidet, das Lieblingsmaedchen seiner Mutter zur Nebenfrau machen will — wie kann man das wohl abschlagen? Ich habe dich kommen lassen, um mich mit dir zu beraten, und du ueberhaeuflst mich gleich mit Vorwuerfen. Habe ich denn gesagt, du sollst hingehen und mit ihr reden? Natuerlich gehe ich selbst. Du sagst, ich solle ihm zureden — kennst du denn sein Temperament immer noch nicht? Wenn man ihm zuredet, wird er erst recht nicht hoeren, und als Erstes wird er mir boese."

Phönixglanz wusste, dass Frau Xing von Natur aus eigensinnig und beschraenkt war. Sie kannte nur das eine: Kaufmann Begnadigung[3] [贾赦] in allem zu Willen zu sein, um ihre eigene Position zu sichern, und darueber hinaus Besitz und Reichtum an sich zu raffen. Alle Familienangelegenheiten, ob gross oder klein, ueberliess sie Kaufmann Begnadigung. Nur wo es um Geld ging, behielt sie die Zuegel in der Hand und war dann von ungewoehnlichem Geiz — unter dem Vorwand, Kaufmann Begnaadigungen sei ein Verschwender und sie muesse durch Sparsamkeit ausgleichen, was er vergeude. Auf keines ihrer Kinder oder Dienstboten stuetzte sie sich, und keinem hoerte sie zu. Als Phönixglanz nun diese Worte hoerte, wusste sie, dass Frau Xing wieder ihren Starrsinn an den Tag legte und dass Zureden keinen Sinn hatte. Deshalb setzte sie rasch ein Laecheln auf und sagte: "Ihr habt voellig recht, gnaedige Frau. Wie alt bin ich denn schon, und was verstehe ich davon, was wichtig und was unwichtig ist? Vor den Eltern braucht man gar nicht erst zu fragen — nicht nur ein Dienstmaedchen, selbst den kostbarsten Schatz wuerde man dem gnaedigen Herrn geben, wem denn sonst? Was einem hinter dem Ruecken gesagt wird, darauf darf man nichts geben! Ich bin wirklich ein Dummkopf. Wenn Kaufmann Kette [贾琏] etwas angestellt hat, sind der gnaedige Herr und die gnaedige Frau so wuetend, dass sie ihn am liebsten auf der Stelle erschlagen wuerden. Aber kaum sehen sie ihn, ist alles vergessen, und sie beschenken ihn mit dem, was ihnen am liebsten ist. Genauso wird natuerlich die Herzoginmutter den gnaedigen Herrn behandeln. Meiner Meinung nach ist die Herzoginmutter heute guter Laune — wenn Ihr Mandarinenente erbitten wollt, dann tut es heute gleich! Ich fahre voraus und bringe die Herzoginmutter zum Lachen. Sobald Ihr dann kommt, ziehe ich mich unter einem Vorwand zurueck und nehme auch die uebrigen Anwesenden mit hinaus, damit Ihr in Ruhe mit der Herzoginmutter sprechen koennt. Willigt sie ein, umso besser; willigt sie nicht ein, macht es auch nichts, weil niemand sonst davon erfaehrt."

Als Frau Xing diese Worte hoerte, wurde sie wieder froh und sagte: "Mein Plan war eigentlich, zuerst nicht die Herzoginmutter zu fragen. Wenn die Herzoginmutter nein sagt, ist die Sache gestorben. Ich wollte zuerst leise und unauffaellig mit Mandarinenente reden. Sie wird sich zwar genieren, aber wenn ich ihr alles erklaere, wird sie natuerlich nichts einzuwenden haben, und die Sache ist beschlossen. Dann erst spreche ich mit der Herzoginmutter. Selbst wenn die Herzoginmutter nicht einverstanden ist — Mandarinenente ist ja bereits einverstanden, und wie das Sprichwort sagt: 'Wer gehen will, laesst sich nicht halten.' So wird es ganz bestimmt gelingen."

Phönixglanz sagte laechelnd: "Ihr seid wahrlich eine kluge Strategin, gnaedige Frau! Dieser Plan ist hundertfach sicher. Nicht nur Mandarinenente — wer wuerde nicht gern aufsteigen und es zu etwas bringen? Wer wuerde nicht lieber eine halbe Herrin werden, als Dienstmaedchen zu bleiben und eines Tages mit einem Knecht verheiratet zu werden?"

Frau Xing sagte laechelnd: "Genau das meine ich. Nicht nur Mandarinenente — auch jede der leitenden Maegde waere gern dazu bereit. Fahr du nur voraus, aber verrate kein Sterbenswort! Sobald ich zu Abend gegessen habe, komme ich nach."

Phönixglanz ueberlegte insgeheim: "Mandarinenente ist eine, mit der nicht zu spassen ist. Auch wenn man so redet, ist keineswegs sicher, dass sie einverstanden ist. Wenn ich vorausfahre und die gnaedige Frau nachkommt — stimmt Mandarinenente zu, ist alles gut. Stimmt sie aber nicht zu, wird die gnaedige Frau argwoehnen — misstrauisch wie sie ist —, ich haette etwas verraten und Mandarinenente zum Widerstand angestiftet. Dann wird ihre Beschaemung zu Wut, und sie laesst es an mir aus. Das waere aeusserst unangenehm. Besser, wir fahren gemeinsam hinueber. Ob Mandarinenente einverstanden ist oder nicht, auf mich kann dann kein Verdacht fallen."

Nachdem sie diesen Gedanken zu Ende gebracht hatte, sagte sie laechelnd: "Als ich vorhin losfahren wollte, schickte die Tante meiner Mutter [Anm.: im Originaltext 舅母, die Frau des Onkels muetterlicherseits] eben zwei Koerbe Wachteln. Ich habe angeordnet, sie in Öl zu backen, und wollte sie Euch eigentlich noch rechtzeitig zum Abendessen schicken lassen. Als ich hier zum Tor hereinkam, sah ich die Diener einen Wagen hinaustragen. Sie sagten, Euer Wagen habe eine aufgegangene Naht und werde zur Reparatur gebracht. Da waere es doch das Einfachste, Ihr steigt zu mir in den Wagen, und wir fahren gemeinsam hinueber."

Frau Xing hoerte das und befahl sofort, ihr die Kleider zum Wechseln zu bringen. Phönixglanz half ihr eilfertig beim Umkleiden, und dann fuhren die beiden zusammen im Wagen davon. Unterwegs sagte Phönixglanz: "Wenn Ihr zur Herzoginmutter geht und ich Euch begleite, koennte die Herzoginmutter fragen, warum wir gemeinsam kommen — das waere unguenstig. Besser, Ihr geht voraus, und ich komme nach, sobald ich mich umgezogen habe."

Frau Xing fand das vernuenftig und ging allein zur Herzoginmutter. Nachdem sie eine Weile geplaudert hatte, gab sie vor, Wang Furen [王夫人] besuchen zu wollen, und ging durch die Hintertuer hinaus. So kam sie an Mandarinenentes Schlafkammer vorbei. Mandarinenente sass drinnen bei ihrer Naeharbeit. Als sie Frau Xing erblickte, stand sie eilig auf.

Frau Xing sagte laechelnd: "Was machst du da? Lass mich sehen! Deine Stickereien werden immer schoener." Dabei nahm sie Mandarinenente die Handarbeit ab, betrachtete sie und lobte sie in einem fort. Dann legte sie die Arbeit beiseite und musterte Mandarinenente von Kopf bis Fuss. Sie sah, dass sie eine halbgetragene Jacke in zartem Lotusrosa aus Seide trug, darueber eine Ueberweste aus dunklem Satin mit kontrastierenden Bordueren, und unten einen blassgruenen Rock. Ihre Taille war schlank, ihr Ruecken schmal, das Gesicht oval wie ein Entenei, das Haar schwarz und oelglaenzend, die Nase hoch und fein, und auf beiden Wangen zeigten sich ein paar zarte Sommersprossen.

Als sich Mandarinenente so beaeugt sah, wurde es ihr selbst peinlich, und im Herzen stieg ein Verdacht in ihr auf. Sie fragte laechelnd: "Gnaedige Frau, was fuehrt Euch denn zu dieser ungewoehnlichen Stunde hierher?"

Frau Xing gab ihren Begleiterinnen einen Wink, und sie zogen sich zurueck. Dann setzte sie sich, fasste Mandarinenentes Hand und sagte laechelnd: "Ich komme eigens, um dir frohe Botschaft zu bringen."

Als Mandarinenente das hoerte, ahnte sie schon zu drei Zehnteln, worum es ging. Unwillkuerlich wurde sie rot, senkte den Kopf und sagte kein Wort. Da fuhr Frau Xing fort: "Du weisst doch, dass der gnaedige Herr niemand an seiner Seite hat, auf den er sich verlassen kann. Er wuerde gern eine Frau kaufen, aber er fuerchtet, dass die Maedchen von den Haendlern nicht sauber und anstaendig sind und man nicht weiss, welche Maengel sie mitbringen. Man nimmt sie ins Haus, und nach zwei, drei Tagen faengt sie an, Unfug zu treiben. Deshalb hat man unter saemtlichen Toechtern der Hausdienerfamilien im ganzen Anwesen eine auswaehlen wollen — aber keine war gut genug: Entweder stimmte das Aussehen nicht, oder der Charakter war schlecht; hatte man den einen Vorzug, fehlte der andere. Nachdem man so ein halbes Jahr lang nuechtere Auswahl gehalten hat, bist du als die Allerbeste unter allen Maedchen uebriggeblieben. Aussehen, Betragen, Sanftmut und Zuverlaessigkeit — alles ist vorhanden. Der gnaedige Herr beabsichtigt, die Herzoginmutter zu bitten, dich zu uns zu geben und als Nebenfrau aufzunehmen. Du bist ja nicht zu vergleichen mit einer neu Gekauften von draussen — sobald du bei uns einziehst, wirst du ausstaffiert, als Nebenfrau anerkannt und geniesst Ansehen und Ehre. Du bist doch ein ehrgeizig Mensch, und wie das Sprichwort sagt: 'Gold kann nur gegen Gold getauscht werden.' Wer haette gedacht, dass der gnaedige Herr gerade dich erwaehlt! Jetzt kannst du dir deinen langgehegten ehrgeizigen Wunsch erfuellen und allen, die auf dich herabsehen, den Mund stopfen. Komm mit mir zur Herzoginmutter!"

Bei diesen Worten ergriff sie Mandarinenentes Hand und wollte aufbrechen. Doch Mandarinenente erroetete, entzog ihr die Hand und ging nicht mit.

Frau Xing, die glaubte, Mandarinenente geniere sich, sagte: "Es ist doch nichts Peinliches dabei. Du brauchst gar nichts zu sagen — folge mir einfach."

Doch Mandarinenente hielt den Kopf gesenkt und rueherete sich nicht von der Stelle.

Als Frau Xing das sah, sagte sie: "Willst du etwa nicht? Wenn du wirklich nicht willst, bist du ein dummes Ding! Da verzichtest du darauf, Herrin zu werden, und ziehst es vor, Dienstmaedchen zu bleiben! In zwei, drei Jahren wirst du mit irgendeinem Knecht verheiratet und bist nach wie vor eine Sklavin. Komm mit uns! Du kennst doch meinen Charakter — ich bin gutmuetig und keine, die andere nicht gewahren laesst. Auch der gnaedige Herr behandelt euch gut. In ein, zwei Jahren, wenn du ein Kind zur Welt gebracht hast, stehst du auf gleicher Stufe mit mir. Wen immer du im Haushalt befehligen willst — wer wagte es, sich dir zu widersetzen? Die Gelegenheit, eine Herrin zu werden, liegt vor dir — wenn du sie verstreichen laesst, kommt die Reue zu spaet."

Mandarinenente hielt weiter den Kopf gesenkt und schwieg. Frau Xing fuhr fort: "Du warst doch sonst immer so frank und frei — warum bist du jetzt so verschlossen? Wenn dir etwas nicht passt, sag es mir nur — ich sorge dafuer, dass alles nach deinen Wuenschen geschieht."

Mandarinenente schwieg weiter. Frau Xing sagte laechelnd: "Wahrscheinlich hast du Vater und Mutter und willst nicht selbst etwas sagen, weil es dir peinlich ist. Du willst warten, bis sie dich fragen — das ist verstaendlich. Ich werde mich also an sie wenden und sie herbitten, damit sie mit dir reden. Was du sagen willst, sag es ihnen." Damit stand sie auf und begab sich in Phönixglanz' Raeume.

Phönixglanz hatte sich laengst umgezogen. Da niemand sonst im Zimmer war, hatte sie die Sache Friedchen [平儿] erzaehlt. Friedchen schuettelte den Kopf und sagte laechelnd: "Meiner Meinung nach wird das nichts. Wenn wir unter uns sind und ueber sie reden, hat sie nach allem, was man von ihr weiss, ganz sicher nicht die Absicht einzuwilligen. Aber warten wir es ab."

Phönixglanz sagte: "Die gnaedige Frau wird bestimmt hierher kommen, um sich mit mir zu beraten. Wenn Mandarinenente einwilligt, gibt es nichts zu besprechen. Willigt sie aber nicht ein und hat sich die gnaedige Frau eine Abfuhr geholt, dann waere es ihr vor euch peinlich — das wuerde ihr Gesicht verletzen. Sag den Leuten, sie sollen die Wachteln in Öl backen und ein paar Beilagen dazu vorbereiten. Du aber geh inzwischen irgendwo spazieren und komm erst zurueck, wenn du schaetzt, dass sie fort ist."

Friedchen hoerte das, gab den Auftrag wie ueblich an die Dienerinnen weiter und schlenderte dann seelenruhig in den Garten hinueber.

Unterdessen sagte sich Mandarinenente, als sie Frau Xing fortgehen sah: Die geht bestimmt zu Phönixglanz, um sich zu beraten, und dann schickt man jemanden zu mir — besser, ich verschwinde. Also suchte sie Bernstein [琥珀] auf und sagte: "Wenn die Herzoginmutter nach mir fragt, sag ihr, mir sei nicht wohl, ich haette kein Fruehstueck gegessen und sei in den Garten gegangen, kaeme aber bald zurueck." Bernstein versprach es.

So kam auch Mandarinenente in den Garten und streifte ueberall umher, bis sie unversehens auf Friedchen stiess. Da niemand in der Naehe war, sagte Friedchen laechelnd: "Da kommt ja die neue Nebenfrau!"

Mandarinenente wurde rot und sagte: "So ist das also! Ihr habt euch wohl alle verschworen, ueber mich zu bestimmen! Warte nur, ich gehe zu deiner Herrin und mache Krawall!"

Friedchen bereute sofort ihre unbedachten Worte. Sie fasste Mandarinenente bei der Hand und zog sie unter einen Ahornbaum, wo sie sich auf einen Felsen setzten. Dann erzaehlte sie ihr ausfuehrlich und ohne etwas auszulassen, wie Phönixglanz bei Frau Xing gewesen war und was besprochen und gesagt worden war.

Mandarinenente erroetete und sagte mit bitterem Laecheln zu Friedchen: "Weil wir so eng befreundet sind — denk nur an Dufthauch[4] [袭人], Bernstein, Reinwolke [素云], Purpurkuckuck[5] [紫鹃], Buntwolke [彩霞], Jadearmbband [玉钏儿], Moschusmond [麝月], Tintenjadegrueen [翠墨], und Jadering [翠缕], die dem Fräulein Shi [史湘云] gefolgt ist, Lieblich [可人] und Goldarmband [金钏], die beide gestorben sind, und die fortgegangene Scharlachschnee [茜雪], und dazu du und ich — was haben wir von klein auf nicht alles miteinander geteilt, was haben wir nicht alles zusammen getan! Jetzt sind wir alle gross geworden, und jede geht ihrer eigenen Wege, aber in meinem Herzen ist alles wie frueher: Was ich denke und was mich beschaeftigt, verberge ich nicht vor euch. Deshalb sage ich dir etwas, das du vorerst in deinem Herzen bewahren und nicht der jungen Herrin weitersagen sollst: Nicht nur, dass mich der aeltere gnaedige Herr zur Nebenfrau nehmen will — selbst wenn die gnaedige Frau jetzt auf der Stelle stueerbe und er mich mit drei Heiratsvermittlern und sechs Zeugen als Hauptfrau heiraten wollte, ich koennte nicht dorthin gehen!"

Friedchen wollte gerade laechelnd antworten, da erscholl hinter dem Felsen ein prustendes Lachen: "Was fuer ein schamloses Ding! Wie kannst du nur so reden, ohne rot zu werden!" Die beiden erschraken, sprangen auf und spaehten hinter den Felsen. Es war niemand anders als Dufthauch, die laechelnd hervortrat und fragte: "Was ist denn los? Erzaehlt mir alles!"

Die drei setzten sich auf den Felsen, und Friedchen wiederholte alles, was sie eben Mandarinenente erzaehlt hatte.

Dufthauch sagte: "Eigentlich gehoert es sich nicht, dass Leute wie wir so etwas sagen, aber der aeltere gnaedige Herr ist wirklich zu luesternn! Sobald eine auch nur ein halbwegs huebsches Gesicht hat, laesst er die Finger nicht von ihr."

Friedchen sagte: "Da du nicht willst, sage ich dir ein Mittel, wie du die Sache ganz ohne Umstaende erledigen kannst."

"Was fuer ein Mittel? Sag es!" verlangte Mandarinenente.

Friedchen sagte laechelnd: "Du brauchst nur zur Herzoginmutter zu gehen und zu sagen, du seist bereits dem Zweiten Jungen Herrn Kaufmann Kette [贾琏] versprochen. Dann kann der aeltere gnaedige Herr dich schlecht noch fuer sich verlangen."

Mandarinenente spuckte aus und schimpfte: "Was fuer ein Unsinn! Und du sagst das auch noch! Hat deine Herrin neulich nicht genau solchen Bloedsinn geredet? Und nun bewahrheitet es sich auch noch!"

Dufthauch sagte laechelnd: "Da ihr beide nicht wollt, werde ich zur Herzoginmutter gehen und ihr sagen, sie solle erklaeren, Mandarinenente sei bereits Schatzjade[6] [宝玉] versprochen. Dann wird der aeltere gnaedige Herr seine Hoffnung aufgeben."

Mandarinenente, vor Wut, Scham und Erregung zugleich, schimpfte: "Ihr beiden Spitzbuebinnen sollt keines guten Todes sterben! Da hat man einen Kummer und vertraut ihn euch an, weil man meint, ihr waert verstaendige Menschen, die einem einen Rat geben koennten, und statt dessen wechselt ihr euch ab, um mich zum Narren zu halten! Ihr bildet euch ein, eure Zukunft sei sicher und ihr wuerdet eines Tages Nebenfrauen sein — aber meiner Meinung nach geht auf dieser Welt nicht alles nach Wunsch. Darum haltet euch lieber zurueck und uebertreibt eure Freude nicht!"

Als die beiden sahen, wie aufgebracht Mandarinenente war, redeten sie ihr laechelnd gut zu: "Liebe Schwester, nimm es nicht so tragisch! Wir sind von klein auf wie leibliche Schwestern — es war nur ein kleiner Scherz, wo niemand zuhoert. Sag uns, was du vorhast, damit wir beruhigt sind."

Mandarinenente sagte: "Was fuer ein Vorhaben! Ich gehe einfach nicht hin, und damit basta."

Friedchen schuettelte den Kopf: "Du gehst nicht hin — aber ob man dich in Ruhe laesst, ist eine andere Frage. Du kennst das Temperament des aelteren gnaedigen Herrn. Zwar bist du eine Dienerin der Herzoginmutter, und im Augenblick wagt er nichts gegen dich. Aber du kannst ja wohl nicht dein ganzes Leben bei der Herzoginmutter bleiben. Wenn du spaeter einmal in seine Haende faellst, sieht es boese aus."

Mandarinenente sagte mit bitterem Laecheln: "Solange die Herzoginmutter lebt, bleibe ich keinen einzigen Tag von ihr getrennt. Und wenn die Herzoginmutter eines Tages ins Paradies eingeht, hat er immerhin noch drei Jahre Trauer zu halten. Es gibt ja wohl niemanden, der sich eine Nebenfrau nimmt, kaum dass seine Mutter gestorben ist! Nach den drei Jahren, wer weiss, wie die Dinge dann liegen — darueber reden wir dann. Wenn es zum Aeussersten kommt, schneide ich mir das Haar ab und werde Nonne. Und wenn auch das nicht reicht, bleibt immer noch der Tod. Mein ganzes Leben keinen Mann heiraten — was waere schon dabei? Es waere nur umso sauberer!"

Friedchen und Dufthauch sagten laechelnd: "Dieses Spitzbein hat wirklich keine Scham! Ihr Mund redet einfach drauflos!"

Mandarinenente sagte: "Wenn es einmal so weit ist, was macht da noch ein bisschen Scham? Wenn ihr mir nicht glaubt, wartet nur ab! Die gnaedige Frau hat vorhin gesagt, sie wolle meine Eltern aufsuchen — die mag sie mal in Nanjing suchen gehen!"

Friedchen sagte: "Deine Eltern sind in Nanjing, wo sie das dortige Haus hueten, und sind nicht mit heraufgekommen, aber frueher oder spaeter wird man sie finden. Und hier sind immer noch dein aelterer Bruder und deine Schwaegerin. Schade, dass du als Tochter einer Hausdienerfamilie hier geboren bist — nicht wie wir beide, die wir ganz allein hier sind."

Mandarinenente sagte: "Was schadet es schon, im Haus geboren zu sein? 'Man kann ein Rind nicht zum Saufen zwingen, indem man ihm den Kopf ins Wasser drueckt!' Ich will nicht — werden sie deshalb meine Eltern umbringen?"

Waehrend sie noch sprach, sahen sie Mandarinenentes Schwaegerin herankommen. Dufthauch sagte: "Da deine Eltern nicht erreichbar sind, hat man bestimmt mit deiner Schwaegerin gesprochen."

Mandarinenente sagte: "Diese Hure muss ueberall ihre Finger im Spiel haben! [Anm.: Der Ausdruck 九国贩骆驝的 — woertlich 'eine Kameltreiberin, die in neun Laendern handelt' — bedeutet: eine, die ueberall mitmischt] Sobald sie davon gehoert hat, laeuft sie natuerlich hin und macht sich dienstbar!"

Waehrend sie noch sprach, stand die Schwaegerin schon vor ihr und sagte laechelnd: "Ueberall habe ich dich gesucht, und hier steckst du! Komm mit, ich muss mit dir reden."

Friedchen und Dufthauch boten ihr rasch einen Platz an. Die Schwaegerin sagte: "Bleibt nur sitzen, Fräulein. Ich moechte nur ein Wort mit meiner Schwaegerin reden."

Friedchen und Dufthauch taten, als wuessten sie von nichts, und sagten laechelnd: "Was gibt es denn so Eiliges? Wir spielen gerade Raetsel raten — wer gewinnt, darf dem anderen eine Backpfeife geben. Lass sie noch dieses Raetsel loesen, dann kann sie gehen."

Mandarinenente sagte: "Was willst du? Sag es."

Die Schwaegerin sagte laechelnd: "Komm nur mit! Dort erzaehle ich es dir — es ist auf jeden Fall etwas Schoenes."

Mandarinenente sagte: "Etwa das, was die aeltere gnaedige Frau dir gesagt hat?"

Die Schwaegerin sagte laechelnd: "Wenn du es schon weisst, warum straeubst du dich noch? Komm schnell, ich erzaehle dir alles genau — es ist ein riesengrosses Glueck!"

Als Mandarinenente das hoerte, stand sie auf, spuckte ihrer Schwaegerin mit voller Wucht ins Gesicht, richtete den Finger auf sie und schimpfte: "Halt dein dreckiges Maul und mach, dass du wegkommst, das waere das Klueegste! Was fuer 'etwas Schoenes'! Etwas Schoenes waere ein Adlerbild von Kaiser Huizong [Anm.: Song-Kaiser Huizong, beruehmt fuer seine Vogelmalerei] oder ein Pferdebild von Zhao Mengfu [Anm.: Zhao Ziang, beruehmt als Pferdemaler] — das waeren 'schoene Malereien'! Und was fuer ein 'Glueck'! Von Glueck kann man sprechen, wenn bei den Pocken die Pusteln schoen reifen [Anm.: Wortspiel — 喜事 'Glueck/Freude' wird gleichlautend mit 'Pockenpusteln' verglichen; als die Pocken bei Kindern gut abheilten, war das ein Anlass zur Freude] — das waere wirklich ein Glueck! Kein Wunder, dass ihr vor Neid platzt, wenn jemandes Tochter Nebenfrau wird und die ganze Sippschaft dann dank ihrer tyrannisch und willkuerlich herumstolziert, als waeret ihr alle Nebenfrauen geworden! Das hat dir so in die Augen gestochen, dass du mich jetzt auch ins Elend stuerzen willst! Wenn es mir gut geht, spielt ihr euch als 'Verwandte' auf und nennt euch stolz die Schwager. Wenn mir das Glueck aber nicht hold ist und ich in Ungnade falle, zieht ihr eure Schildkroetenhaelse ein und lasst mich allein sehen, wo ich bleibe!"

Waehrend sie so sprach und weinte, hielten Friedchen und Dufthauch sie fest und redeten ihr gut zu.

Die Schwaegerin, der es peinlich wurde, sagte: "Ob du willst oder nicht, darueber laesst sich ja reden. Aber deshalb brauchst du nicht vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Wie das Sprichwort sagt: 'Vor Kleinen spricht man nicht von Kleinem.' Wenn du mich beschimpfst, wage ich nichts zu erwidern. Aber die beiden Fräulein hier haben dir nichts getan — wenn du dauernd von 'Nebenfrau' dies und 'Nebenfrau' das redest, wie steht das fuer sie da?"

Dufthauch und Friedchen sagten rasch: "So duerft Ihr nicht reden! Sie hat nicht von uns gesprochen, also solltet auch Ihr nicht vom Hundertsten ins Tausendste kommen. Hat denn irgendeine gnaedige Frau oder ein gnaediger Herr beschlossen, uns zu Nebenfrauen zu machen? Wir zwei haben auch keine Eltern oder Brueder hier im Haus, die sich auf uns stuetzen und tyrannisch aufspielen. Sie weiss schon, wen sie beschimpft — wir haben keinen Grund, es auf uns zu beziehen."

Mandarinenente sagte: "Als ich sie beschimpft habe, war es ihr peinlich, und weil sie nicht mehr wusste, wohin mit ihrer Scham, hat sie versucht, euch beide gegen mich aufzuhetzen. Zum Glueck seid ihr vernuenftig genug! In meiner Wut habe ich nicht mehr unterschieden, und genau in diese Luecke wollte sie stossen."

Jetzt wurde es der Schwaegerin zu dumm, und sie ging wuetend fort.

Mandarinenente war noch immer so aufgebracht, dass sie weiterschimpfte. Erst nach einer Weile guten Zuredens von Friedchen und Dufthauch beruhigte sie sich. Friedchen fragte Dufthauch: "Wo hast du dich denn versteckt? Wir haben dich gar nicht gesehen."

Dufthauch sagte: "Ich war bei Bewahrfrühling [惜春], um nach Schatzjade zu sehen. Aber ich kam einen Moment zu spaet — er war schon nach Hause gegangen, hiess es. Ich wunderte mich, dass ich ihm nicht begegnet war, und wollte ihn bei Fräulein Kajaljade suchen, da traf ich jemand von ihr, der sagte, er sei auch nicht dort gewesen. Gerade fragte ich mich, ob er den Garten verlassen habe, da kamst du von dort drueben. Ich habe mich hinter einen Baum gedrueckt, und du hast mich nicht gesehen. Dann kam auch sie. Ich bin hinter dem Baum hervor zum Felsen geschluepft. Ich sah, wie ihr euch unterhalten habt — aber ihr habt mich auch mit vier Augen nicht bemerkt..."

Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da ertoeente hinter ihnen eine Stimme: "Euch hat sie mit vier Augen nicht gesehen? Und ihr habt mich mit sechs Augen nicht gesehen!" Die drei erschraken heftig, drehten sich um und sahen — niemand anders als Schatzjade [宝玉], der laechelnd herankaim.

Dufthauch sagte als Erste laechelnd: "Da habe ich dich lang und breit gesucht! Wo kommst du her?"

Schatzjade sagte laechelnd: "Als ich bei Bewahrfrühling herauskam, sah ich dich mir entgegenkommen und wusste sofort, du suchst mich. Da habe ich mich versteckt, um dich hereinzulegen. Ich sah, wie du mit gesenktem Kopf an mir vorbeigingst, ins Haus tratest und gleich wieder herauskamst und jeden fragtest, der dir begegnete. Ich war sehr amuesiiert und wollte warten, bis du wieder herankamst, um dir einen Schreck einzujagen. Aber dann sah ich, wie auch du dich versteeckt hast, und wusste, dass auch du jemanden anführen wolltest. Ich streckte den Kopf vor und sah die beiden dort. Also bin ich um dich herum geschlichen, und als du hervortratest, schluepfte ich in dein Versteck."

Friedchen sagte laechelnd: "Wenn wir dahinter noch weitersuchen, finden wir vielleicht noch zwei weitere Versteckte!"

Schatzjade lachte: "Nein, mehr gibt es wirklich nicht."

Mandarinenente, die wusste, dass Schatzjade alles mit angehoert hatte, legte sich baeuchlings auf den Felsen und stellte sich schlafend. Schatzjade stupste sie an und sagte laechelnd: "Auf dem Stein ist es kalt! Gehen wir nach drinnen — dort kannst du viel besser schlafen." Er zog Mandarinenente hoch und bat auch Friedchen, mitzukommen und Tee zu trinken. Als auch Friedchen und Dufthauch Mandarinenente zuredeten, stand sie schliesslich auf, und die vier gingen gemeinsam zum Hof der Roten Freude [怡红院].

Schatzjade hatte in der Tat das ganze Gespraeech mit angehoert und war innerlich keineswegs froh darüber. Stumm lag er auf seinem Bett ausgestreckt und liess die drei im Vorzimmer miteinander plaudern und scherzen.

Inzwischen hatte Frau Xing Phönixglanz nach Mandarinenentes Eltern gefragt. Phönixglanz berichtete: "Ihr Vater heisst Jin Cai [金彩]. Das Ehepaar huetet die Haeuser in Nanjing und ist so gut wie nie in die Hauptstadt heraufgekommen. Ihr aelterer Bruder Jin Wenxiang [金文翔] ist gegenwaertig Einkaeufeer fuer die Herzoginmutter. Seine Frau leitet die Waescherei bei der Herzoginmutter."

Frau Xing liess also Mandarinenentes Schwaegerin, Jin Wenxiangs Frau, rufen und erklaerte ihr die Sache ausfuehrlich. Die Schwaegerin war natuerlich hoecherfreut und machte sich freudestrahlend auf die Suche nach Mandarinenente, fest davon ueberzeugt, dass ein einziges Wort genuegen wuerde. Doch stattdessen wurde sie von Mandarinenente heftig abgekanzelt, und auch Dufthauch und Friedchen sagten ihr die Meinung.

Beschaemt und veraergert kam sie zurueck und sagte zu Frau Xing: "Es hat keinen Zweck. Sie hat mich sogar beschimpft." Weil Phönixglanz daneben stand, wagte sie nicht, Friedchen zu erwaehnen, sondern sagte nur: "Auch Dufthauch hat ihr beigestanden und mich geschmaecht. Sie haben allerhand ungehoeriges Zeug geredet, das man vor den Herrschaften nicht wiederholen kann. Die gnaedige Frau sollte sich mit dem gnaedigen Herrn beraten und lieber eine Nebenfrau kaufen. Dieses kleine Biest hat offenbar nicht so viel Glueck, und wir sind auch nicht dafuer geschaffen."

Frau Xing sagte: "Was hat Dufthauch damit zu tun? Woher wusste sie ueberhaupt davon?" Dann fragte sie: "Wer war sonst noch dabei?"

Die Schwaegerin sagte: "Fräulein Friedchen."

Phönixglanz sagte sofort: "Du haettest ihr eine Ohrfeige geben sollen! Kaum bin ich aus dem Haus, geht sie spazieren. Wenn ich heimkomme, ist kein Schatten von ihr zu finden! Bestimmt hat sie auch irgendetwas gesagt."

Die Schwaegerin sagte: "Fräulein Friedchen war nicht direkt dabei. Von weitem sah es so aus, als waere sie es, aber ganz sicher bin ich nicht — das war nur meine Vermutung."

Phönixglanz befahl: "Schnell, holt sie her! Sagt ihr, ich bin zurueck, die gnaedige Frau ist auch hier, und sie soll kommen und uns helfen." Sogleich trat Feng'er [丰儿] vor und berichtete: "Fräulein Kajaljade hat drei- bis viermal nach ihr schicken lassen, bis sie schliesslich gegangen ist. Sobald die gnaedige Frau heimkam, habe ich sie hingeschickt. Fräulein Kajaljade laesst bestellen: 'Sagt eurer Herrin, ich brauche sie fuer etwas.'"

Erst da gab Phönixglanz Ruhe, sagte aber noch absichtlich: "Jeden Tag braucht sie sie — was gibt es denn dauernd zu tun?"

Frau Xing, die nun keinen Ausweg mehr sah, ass etwas, fuhr nach Hause zurueck und erzaehlte am Abend Kaufmann Begnadigung, was geschehen war.

Kaufmann Begnadigung ueberlegte einen Moment, dann liess er sofort Kaufmann Kette [贾琏] rufen und befahl: "In Nanjing hueten nicht nur die Jins die Haeuser — es gibt mehrere Familien dort. Lass Jin Cai unverzueglich heraufkommen!"

Kaufmann Kette berichtete: "Im letzten Brief aus Nanjing stand, Jin Cai habe einen Schleimfluss erlitten und sei nicht mehr bei Sinnen [Anm.: eine schwere Erkrankung, vermutlich ein Schlaganfall]. Man hat ihm drueben bereits das Sargeld ueberwiesen. Ob er noch lebt oder tot ist, weiss ich nicht. Aber selbst wenn er lebt, ist er geistig verwirrt — es haette keinen Sinn, ihn herbeizurufen. Seine Frau ist obendrein taub."

Kaufmann Begnadigung schrie wuetend auf und fluchte: "Du nichtswuerdiges Stück! Natuerlich weisst ausgerechnet du alles ganz genau! Hinaus mit dir!"

Erschrocken zog sich Kaufmann Kette zurueck. Kurz darauf befahl Kaufmann Begnadigung, Jin Wenxiang zu holen. Kaufmann Kette wartete im aeusseren Arbeitszimmer und wagte weder nach Hause zu gehen noch seinem Vater erneut unter die Augen zu treten. Er konnte nur lauschen. Bald hoerte er, wie Jin Wenxiang kam und von den Dienerjungen sofort ins Innere gefuehrt wurde. Erst nach einer Zeit, die lang genug gewesen waere, um fuenf, sechs Schalen Reis zu essen, kam er wieder heraus und ging fort. Kaufmann Kette wagte zunaechst nicht nachzufragen. Erst eine Weile spaeter erkundigte er sich und erfuhr, Kaufmann Begnadigung habe sich schlafen gelegt. Da ging er in seine eigenen Raeume hinueber, und erst als ihm Phönixglanz am Abend alles erklaerte, verstand er, worum es ging.

Mandarinenente fand in jener Nacht keinen Schlaf. Am naechsten Tag bat ihr Bruder die Herzoginmutter, seine Schwester auf einen Besuch nach Hause mitnehmen zu duerfen. Die Herzoginmutter willigte ein und befahl Mandarinenente zu gehen. Mandarinenente wollte nicht, aber aus Furcht, die Herzoginmutter koennte Verdacht schoepfen, fuegte sie sich widerwillig.

Ihr Bruder uebermittelte ihr Kaufmann Begnaadigungen Worte und malte ihr aus, wie ehrenvoll das waere und wie sie als Nebenfrau den Haushalt leiten wuerde. Doch Mandarinenente biss die Zaehne zusammen und lehnte ab. Ihrem Bruder blieb nichts anderes uebrig, als zu Kaufmann Begnadigung zurueckzukehren und ihm Bericht zu erstatten.

Kaufmann Begnadigung geriet in Wut und erklaerte: "Hoer mir genau zu und lass es ihr durch deine Frau ausrichten! Sage ihr in meinem Namen: 'Seit alters her steht die schoene Mondfrau Chang'e auf junge Burschen.' Sie verachtet mich bestimmt, weil ich alt bin. Wahrscheinlich hat sie ein Auge auf einen der jungen Herren geworfen — vermutlich auf Schatzjade, vielleicht auch auf Kaufmann Kette. Wenn das wirklich so ist, soll sie sich das schnellstens aus dem Kopf schlagen! Nachdem ich sie gewollt habe und sie mich zurueckgewiesen hat — wer wuerde es dann noch wagen, sie zu nehmen? Das ist das eine. Zum zweiten meint sie wohl, weil die Herzoginmutter sie gern hat, werde man sie eines Tages nach draussen als Hauptfrau verheiraten. Aber sie soll sich gut ueberlegen: An wen immer sie auch verheiratet wird, sie wird meiner Hand nicht entkommen. Nur wenn sie stirbt oder lebenslang unverheiratet bleibt, gebe ich mich geschlagen! Andernfalls soll sie sich rechtzeitig eines Besseren besinnen — es waere nur zu ihrem Vorteil."

Bei jedem Satz, den Kaufmann Begnadigung sprach, antwortete Jin Wenxiang mit einem "Jawohl". Kaufmann Begnadigung fuhr fort: "Versuch nicht, mich hinters Licht zu fuehren! Morgen schicke ich noch einmal die gnaedige Frau zu Mandarinenente. Wenn ihr es ihr gesagt habt und sie nicht einwilligt, trifft euch keine Schuld. Stimmt sie dann aber doch zu — dann nimm deinen Kopf in Acht!"

Jin Wenxiang sagte eilig wieder und wieder jawohl, zog sich zurueck und ging nach Hause. Ohne erst seine Frau als Uebermittlerin einzuschalten, richtete er Mandarinenente Kaufmann Begnaadigungen Worte persoenlich und direkt aus.

Mandarinenente war so empoeert, dass ihr zunaechst die Worte fehlten. Nachdem sie einen Moment nachgedacht hatte, sagte sie: "Angenommen, ich bin einverstanden — dann muesst ihr mich zur Herzoginmutter begleiten und es ihr melden."

Bruder und Schwaegerin hoerten das und glaubten, sie habe es sich ueberlegt. Vor Freude wussten sie nicht ein noch aus. Sofort brachte die Schwaegerin Mandarinenente zur Herzoginmutter hinauf.

Es traf sich, dass gerade Wang Furen, Tante Schnee [薛姨妈], Schleierfrau [李纨], Phönixglanz, Schatzspange[7] [宝钗] und die anderen Schwestern sowie einige der fuehrenden und angesehenen Verwalterinnen bei der Herzoginmutter versammelt waren, um sie zu unterhalten.

Mandarinenente freute sich unbaaendig ueber dieses glueckliche Zusammentreffen. Sie zog ihre Schwaegerin mit vor die Herzoginmutter, fiel auf die Knie und berichtete unter Traenen: wie Frau Xing zu ihr gekommen war und was sie gesagt hatte, wie dann ihre Schwaegerin sie im Garten aufsuchte und was sie sagte, und was heute ihr Bruder ausgerichtet hatte. "Weil ich nicht eingewilligt habe", fuhr sie fort, "hat der aeltere gnaedige Herr rundheraus behauptet, ich sei in Schatzjade verliebt oder aber ich wartete darauf, nach draussen verheiratet zu werden. Selbst wenn ich in den Himmel fluchtete, wuerde ich mein Leben lang seiner Rache nicht entgehen. Doch ich habe meinen Entschluss gefasst, und ich erklaere vor allen Anwesenden: Nicht nur 'Schatzjade' — selbst wenn einer 'Schatzgold' oder 'Schatzsilber' oder 'Schatzhimmelskoenig' oder 'Schatzkaiser' hiesse — ich werde nie und nimmer einen Mann heiraten, und damit Schluss! Und selbst wenn die Herzoginmutter mich dazu zwingt, bringe ich mich eher mit einem Messerstrich um, als dass ich gehorche! Wenn ich Glueck habe, sterbe ich vor der Herzoginmutter. Wenn ich Pech habe und es mir bestimmt ist, als Bettlerin zu leben, dann diene ich der Herzoginmutter, bis sie ins Paradies eingeht. Danach aber will ich weder zu meinen Eltern noch zu meinem Bruder. Entweder bringe ich mich um oder schneide mir das Haar ab und werde Nonne! Wenn ich das nicht ehrlich meine und mich nur straeube, um spaeter andere Plaene zu verfolgen, dann sollen Himmel und Erde, Goetter und Geister, Sonne und Mond Zeugen sein — dann soll aus meiner Kehle eine Eiterbeule wachsen und mich bei lebendigem Leibe verfaulen und zu Brei zersetzen lassen, hier an dieser Stelle!"

Wie sich zeigte, hatte sie bei ihrem Eintreten eine Schere im Aermel verborgen. Waehrend sie nun die letzten Worte sprach, loeste sie sich mit der linken Hand das Haar und begann mit der rechten Hand zu schneiden. Eilig stuerzten die Dienerinnen und Maegde herbei, um sie festzuhalten, doch sie hatte schon eine halbe Straehne abgeschnitten. Zum Glueck war ihr Haar ungewoehnlich dicht und sie hatte es nicht ganz durchschneiden koennen. Rasch steckte man ihr das Haar wieder hoch.

Die Herzoginmutter aber bebte am ganzen Leib vor Zorn und stiess hervor: "Sie ist die einzige zuverlaessige Person, die mir noch geblieben ist, und um die soll ich auch noch gebracht werden!" Ihr Blick fiel auf Wang Furen, und an diese gewandt fuhr sie fort: "Ihr macht mir alle etwas vor! Nach aussen zeigt ihr Ehrerbietung, insgeheim aber stellt ihr eure Berechnungen an. Alles Gute, was ich habe, wollt ihr mir wegnehmen, ob Sachen oder Menschen! Jetzt ist mir nur noch dieses Maedchen geblieben. Und weil ihr seht, dass ich sie gern habe, kann euch das natuerlich nicht gefallen, also schafft ihr sie mir vom Hals, damit ihr mit mir machen koennt, was ihr wollt!"

Wang Furen hatte sich rasch erhoben und wagte kein Wort zu erwidern. Tante Schnee konnte, als sie sah, dass sogar Wang Furen beschuldigt wurde, schwerlich etwas Beschwichtigendes sagen. Schleierfrau hatte die Schwestern aus dem Zimmer gefuehrt, sobald Mandarinenente ihre Klage vorbrachte.

Spuerfrühling [探春], die ein scharfsinniger Mensch war, ueberlegte: Wang Furen wird Unrecht getan, doch sie wagt sich nicht zu verteidigen. Tante Schnee als ihre leibliche Schwester kann sie auch schlecht in Schutz nehmen. Schatzspange kann nicht fuer ihre Tante eintreten. Schleierfrau, Phönixglanz und Schatzjade wagen ebensowenig etwas zu sagen. Hier muss ein Maedchen auftreten! Aber Willkommenfrühling [迎春] ist zu arglos, Bewahrfrühling [惜春] noch zu klein. Also lauschte sie einen Moment am Fenster, trat dann wieder ein und sagte laechelnd zur Herzoginmutter: "Was hat denn die gnaedige Frau damit zu tun? Ueberlegt doch einmal selbst, Herzoginmutter! Gibt es das wohl, dass die Frau des juengeren Bruders es erfaehrt, wenn der aeltere Schwager eine Nebenfrau nehmen will? Und selbst wenn sie es wuesste, koennte sie sich nur unwissend stellen..."

Noch bevor sie ausgesprochen hatte, sagte die Herzoginmutter laechelnd: "Du hast recht! Ich werde wirklich schon wirr im Kopf vor Alter! Lacht nicht ueber mich, liebe Frau Schnee! Eure Schwester ist mir aufrichtig ergeben — nicht wie meine andere Schwiegertochter, die vor lauter Angst vor ihrem Mann mir gegenueber nur nach dem Munde redet. Ich habe Eurer Schwester Unrecht getan."

Tante Schnee sagte nur "Jawohl" und fuegte dann hinzu: "Vielleicht seid Ihr ein wenig voreingenommen zugunsten der Frau Eures juengeren Sohnes — auch so etwas kommt vor."

Die Herzoginmutter sagte: "Ich bin nicht voreingenommen!" Dann wandte sie sich an Schatzjade: "Schatzjade, ich habe deiner Mutter Unrecht getan — warum hast du nichts gesagt und zugesehen, wie sie gekraenkt wurde?"

Schatzjade sagte laechelnd: "Haette ich mich etwa auf die Seite meiner Mutter stellen und den aelteren Onkel und die aeltere Tante beschuldigen sollen? Im Grunde bleibt der Fehler bestehen: Wenn meine Mutter ihn hier nicht auf sich nimmt, wem soll sie ihn denn zuschieben? Und wenn ich gesagt haette, es sei mein Fehler, haettet Ihr mir auch nicht geglaubt."

Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Das stimmt allerdings. Knie jetzt schnell vor deiner Mutter nieder und sag: 'Gnaedige Frau, seid nicht gekraenkt! Die Herzoginmutter ist schon in die Jahre gekommen — habt Nachsicht um Schatziades willen!'"

Schatzjade ging tatsaechlich eilig hinueber und kniete nieder, wollte gerade sprechen, da zog Wang Furen ihn laechelnd hoch und sagte: "Steh auf, steh auf! Das geht wirklich nicht! Du kannst dich nicht an Stelle der Herzoginmutter bei mir entschuldigen!"

Schatzjade stand auf. Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Auch Phönixglanz hat mich nicht darauf aufmerksam gemacht."

Phönixglanz sagte laechelnd: "Ich habe der Herzoginmutter gar keinen Fehler vorgeworfen, und jetzt sucht sie einen bei mir!"

Die Herzoginmutter sagte, und alle lachten mit: "Das waere ja seltsam! Ich moechte doch hoeren, was fuer ein Fehler das sein soll."

Phönixglanz sagte: "Warum musstet Ihr das Maedchen so gut aufziehen, dass sie schoen wurde wie eine frische Fruehlingszwiebel? Da wundert Ihr Euch noch, dass jemand sie haben will? Ein Glueck, dass ich nur die Frau Eures Enkels bin und nicht Euer Enkel! Sonst haette ich sie schon laengst fuer mich beansprucht und nicht bis heute gewartet."

Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Das also soll mein Fehler sein?"

Phönixglanz sagte laechelnd: "Natuerlich ist es Euer Fehler!"

Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Dann will ich sie auch nicht mehr. Nimm du sie!"

Phönixglanz sagte: "Wenn ich mich in diesem Leben so vervollkommne, dass ich im naechsten als Mann wiedergeboren werde, komme ich sie holen."

Die Herzoginmutter sagte laechelnd: "Dann nimm sie fuer Kaufmann Kette, und gib sie ihm als Nebenfrau! Dann moechte ich sehen, ob dein schamloser Schwiegervater sie immer noch fuer sich verlangt!"

Phönixglanz sagte: "Kaufmann Kette ist ihrer nicht wuerdig. Fuer ihn sind nur solche angebrannten Fladen wie ich und Friedchen gut genug, dass er mit uns auskommen kann."

Alle brachen in Gelaechter aus. Da meldete ein Dienstmaedchen: "Die aeltere gnaedige Frau ist gekommen." Wang Furen eilte ihr rasch entgegen. Was weiter geschah —

Anmerkungen

  1. Kajaljade: Chin. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Kajal-Jade".
  2. Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenten-Paar". Erste Zofe der Herzoginmutter.
  3. Kaufmann Begnadigung: Chin. 贾赦 Jiǎ Shè. 赦 shè bedeutet „Begnadigung".
  4. Dufthauch: Chin. 袭人 Xírén, wörtl. „die einen überfällt/umweht". Schatzjades erste Kammerzofe.
  5. Purpurkuckuck: Chin. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurner Kuckuck". Kajaljades treue Kammerzofe.
  6. Schatzjade: Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kostbarer Jade" des Kaufmann-Hauses.
  7. Schatzspange: Chin. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schatz-Haarspange".

Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage (2026). Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本).