Hongloumeng/de/Chapter 50

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Kapitel 50

五言排律──即每句五字、全诗至少十句(即五联)的律诗。 排律:即由律诗(八句)加以铺排(加长)而成的诗,每首至少十句,多则不限。如下面的联句五言排律长达七十句三十五联(韵)。除首联和尾联外,中间各联的上下联必须对仗,与律诗的要求相同;但也可以隔句对仗,称为“扇对”。排律一般分为五言、七言两种。​

二萧韵──即汉字下平声第二韵部,因以“萧”字打头,故称。凡列在此韵部的汉字皆可相互押韵。​

„Nein“, entgegnete Bau-tschai, „wir wollen doch eine Reihenfolge festlegen!“ Wer wissen will, wie es weiterging, muß das nächste Kapitel lesen. 50. In der Hütte am Verschneiten Schilf wetteifert man beim Dichten, im Gehege der Warmen Düfte ersinnt man Laternenrätsel.

Bau-tschai hatte also gesagt: „Wir wollen doch eine Reihenfolge festlegen, ich schreibe sie auf!“ Und damit ließ sie jeden ein Los ziehen, um so die Abfolge zu bestimmen. Erste wurde Li Wan, dann kamen die anderen. „Wenn ihr es so macht, werde ich auch eine Zeile sagen, die ihr an den Anfang stellen könnt“, schlug Hsi-fëng jetzt vor. „Das ist um so besser“, erklärten die anderen lächelnd, und Bau-tschai setzte vor den Namen Alte Reisduftbäuerin noch das Schrifzeichen fëng. Li Wan nannte Hsi-fëng das Thema, und nach langem Nachdenken sagte Hsi-fëng lächelnd: „Ihr dürft mich nicht auslachen, ich habe nur eine einzige plumpe Zeile, mehr fällt mir nicht ein.“ „Je plumper, desto besser“, versicherten die anderen lächelnd. „Sag sie uns, und dann geh dich nur wieder um ernsthafte Dinge kümmern!“ „Ich denke, wenn es schneit, muß Nordwind sein“, sagte Hsi-fëng lächelnd, „und die ganze Nacht über habe ich ihn gehört, darum ist meine Zeile: ‚Die ganze Nacht hat der Nordwind geweht, ...‘ Geht das?“ Alle sahen einander lächelnd an und sagten: „Die Zeile ist zwar plump, und man sieht nicht, wie es weitergehen soll, aber das ist gerade der richtige Anfang für so ein Gedicht. Darum ist die Zeile nicht nur gut, sie läßt auch den andern weiten Raum, und so soll sie am Anfang stehen. Schreib sie rasch auf, Alte Reisduftbäuerin, und dichte weiter!“ Hsi-fëng, Tante Li und Ping-örl tranken noch ein paar Becher Wein, dann gingen sie ihrer Wege. Li Wan aber schrieb die Zeile auf und führte dann weiter: „Auch am Morgen noch wirbeln die Flocken. Bejammernswert diese Reinheit im Schmutz, ...“ Hsiang-ling setzte hinzu: „Wie mit Jade bedeckt ist der Boden. Welke Gräser werden von neuem getränkt, ...“ Tan-tschun schloß an: „Wie geschmückt steht das trockene Röhricht. Teuer bezahlt man jetzt ländlichen Wein, ...“ Li Tji fuhr fort: „Reich sind mit Korn gefüllt nun die Speicher. Schon zeigt das Meßrohr den Winter uns an , ...“ Li Wën sprach weiter: „Auf dem Kopf steht der Himmlische Wagen . Die Berge ziert nicht mehr der Pflanzen Grün, ...“ Hsiu-yän ergänzte: „Der Bach unterm Eis liegt reglos und starr. Leicht hält sich der Schnee am Weidengezweig, ...“ Hsiang-yün fügte hinzu: „Nicht so leicht auf Bananenblattfetzen. Duftende Kohle im Ofen verglüht, ...“ Bau-tjin machte weiter: „Wärmender Zobel die Ärmel umhüllt. Der Glanz beschämt selbst den Spiegel, so hell, ...“


Dai-yü fiel ein: „Der Duft vermischt sich den Düften der Wand . Pausenlos heulet der Wind immerfort, ...“ Bau-yü knüpfte an: „Macht zunichte uns Träume und Schlummer. Woher ertönt da der Flöte Gesang?“ Bau-tschai setzte fort: „Wer bläst denn heute auf jadenem Rohr? Der Riesenschildkrott gerät selbst in Furcht, ...“ Hier unterbrach Li Wan lächelnd mit den Worten: „Ich will sehen, daß man euch frischen Wein wärmt.“ Also befahl Bau-tschai, Bau-tjin solle fortfahren, aber da stand schon Hsiang-yün auf und sprach: „In den Schneewolken winden sich Drachen. Einsam ein Boot kehrt dem Ufer sich zu, ...“ Jetzt erhob sich auch Bau-tjin und sagte: „Zu dichten regt an ein Ritt vor die Stadt. Vom Kaiser beschenkt mit Pelz wird das Heer, ...“ Hsiang-yün wollte natürlich nicht nachgeben, und kein anderer war so flink wie sie. Sie reckte sich, zog die Brauen in die Höhe und sprach: „Der Soldaten gedenkt man beim Schneidern 3. Gib acht, wohin du im Schnee setzt den Fuß, ...“ „Gut, gut!“ lobte Bau-tschai, um dann selbst zu ergänzen: „Hüte dich, an die Zweige zu stoßen! Weiße Gestalten entsteigen dem Schnee, ...“ Rasch schaltete sich jetzt auch Dai-yü ein und sagte: „Wirbeln wie Tänzer im eisigen Wind. Taros jetzt kocht man zu neuem Genuß, ...“ Bei diesen Worten stieß sie Bau-yü an, der nach ihr an der Reihe war. Doch Bau-yü war so darin versunken zu beobachten, wie Bau-tschai, Bau-tjin und Dai-yü zu dritt mit Hsiang-yün wetteiferten, daß er gar nicht mehr daran gedacht hatte, mitzumachen. Erst als Dai-yü ihn anstieß, kam er wieder zu sich und setzte fort: „Salzkörner rieseln, heißt es im Lied. Im Schilf noch trifft man den Angler wohl an, ...“ „Du mußt ausscheiden!“ verlangte Hsiang-yün. „Du taugst nichts und hältst uns nur auf.“ Inzwischen sagte wieder Bau-tjin: „Die Holzfälleraxt im Wald ist verstummt. Gleich Elefanten die Berge sich reih‘n, ...“ Rasch übernahm wieder Hsiang-yün: „Ein Weg durchquert sie in Schlangengestalt. Die Blüten des Schnees blühn im Frost erst auf, ...“ „Gut!“ lobten Bau-tschai und die übrigen, da fiel Tan-tschun ein: „Statt wie sonst alle Blumen zu welken. Hungrig vom Hof klingt der Spatzen Getschilp, ...“ Während Hsiang-yün eben durstig von ihrem Tee trank, sagte Hsiu-yän bereits: „Graus tönt am Berge der Eulen Geschrei. Die Flocken wirbeln treppauf, treppab, ...“ Rasch hatte Hsiang-yün die Teeschale abgesetzt und fuhr jetzt wieder fort: „Sie wiegen sich sanft im wogenden Teich. Morgens sie gleißen im Frühsonnenschein, ...“ Dai-yü fügte hinzu: „Abends sie fallen im Mondlicht noch fort. Die Krieger verachten in Treue den Frost, ...“ Lächelnd sagte Hsiang-yün: „Dem Herrscher benimmt die Sorge der Schnee. Auf kaltem Lager der Arme sich krümmt, ...“ Rasch schaltete Bau-tjin sich ein: „Der Reiche ist satt und vom Wein durchwärmt. Ist‘s Seide, die weiß da vom Himmel fällt?“ Schnell fuhr Hsiang-yün wieder fort: „Ist‘s der Fischmenschen zartes Gewebe?“ Ohne ihr Zeit für die zweite Zeile zu lassen, unterbrach sie Dai-yü: „Stille umgibt uns im Haus und im Hof, ...“ Aber rasch nahm wieder Hsiang-yün das Wort: „Auf Schlichtheit gezielt ist all unser Sinn.“ Schon fiel Bau-tjin von neuem ein: „Langsam erwärmt sich das Eis für den Tee, ...“ Hsiang-yün hatte Gefallen an dem neuen Verfahren gefunden und sagte lächelnd: „Zögernd nur brennt im Öfchen das Laub.“ Ebenfalls lächelnd, setzte Dai-yü wieder an: „Vergeblich der Mönch nach dem Besen sucht, ...“ Und Bau-tjin komplettierte lächelnd: „Begraben im Schnee ist die Zither des Herrn.“ Hsiang-yün krümmte sich vor Lachen, als sie die nächste Zeile sprach, so daß die anderen fragen mußten: „Was hast du gesagt?“ Da schrie sie heraus: „Am steinernen Turm der Kranich still schläft, ...“ Lachend preßte Dai-yü die Hände gegen die Brust und rief genauso laut: „Auf weicher Matte die Katze sich wärmt.“ Rasch sagte Bau-tjin dazwischen: „Im Mondlicht getürmt silberne Wogen, ...“ Und Hsiang-yün setzte fort: „Im Schnee versunken der Rotmauerberg .“ Lächelnd deklamierte Dai-yü: „Zarter Blütenduft durch die Schneeluft zieht, ...“ „Gut!“ lobte Bau-tschai und schloß selber an: „Leise der Wind macht im Bambus Musik.“ Schon griff Bau-tjin wieder ein: „Der Schnee befeuchtet den Brautentengurt , ...“ Und Hsiang-yün ergänzte: „Reifsterne zieren den Eisvogelschmuck .“ Dai-yü fuhr fort: „Der Schneefall säuselt wie Windesrauschen, ...“ Und lächelnd knüpfte Bau-tjin an: „Wie sanfter Regen klingt leicht dieser Ton.“ Lachend warf sich Hsiang-yün vornüber. Der Rest der Gesellschaft hatte es längst aufgegeben mitzudichten und hatte nur noch lachend den Wettstreit der drei Rivalinnen beobachtet. Dai-yü stieß Hsiang-yün an, damit sie fortfuhr, und sagte dazu: „Dein Talent ist doch nicht etwa erschöpft? Ich möchte hören, was deine Zunge noch zu leisten vermag!“ Aber Hsiang-yün warf sich an Bau-tschais Brust und hörte nicht auf zu lachen. Bau-tschai stieß sie an, damit sie aufstand, und verlangte: „Wenn du wirklich etwas kannst, dann brauch die Reime der Reimgruppe hsiau bis zu Ende auf, dann gebe ich mich geschlagen!“ Lachend erhob sich Hsiang-yün und erklärte: „Ich dichte ja nicht mehr, ich kämpfe ums bloße Überleben.“ „Das mußt gerade du sagen!“ erwiderten die anderen lächelnd. Tan-tschun hatte, als sie einsah, daß sie zu dem Gedicht nichts mehr beisteuern konnte, alle Verse niedergeschrieben und machte jetzt darauf aufmerksam: „Es fehlt noch der Schluß.“ Li Wan nahm ihr die Blätter aus der Hand, dann bildete sie die erste Zeile: „Heutige Freuden im Vers festhalten, ...“ Und Li Tji ergänzte: „Die Urkaiser ehren soll dies Gedicht.“ „Es ist genug!“ sagte Li Wan. „Wenn auch die Reimgruppe noch nicht erschöpft ist, käme doch nichts Gutes mehr heraus, wenn wir die restlichen Silben noch verwenden wollten.“ Nun machten sich alle an eine genaue Einschätzung, und da Hsiang-yün die meisten Zeilen beigesteuert hatte, erklärten sie lächelnd: „Das kann nur an dem Hirschfleisch liegen.“ „Wenn man das Gedicht Zeile für Zeile beurteilt“, sagte jetzt Li Wan, „so ist alles wie aus einem Guß, mit Ausnahme dessen, was Bau-yü gedichtet hat, das war wieder ungenügend.“ „Ich verstehe mich nicht auf Gemeinschaftsgedichte“, entschuldigte Bau-yü sich lächelnd. „Das müßt ihr mir schon nachsehen.“ Lächelnd entgegnete Li Wan: „Wir können dir nicht bei jedem Treffen etwas nachsehen! Mal sagst du, der Reim war zu schwierig, dann hast du beim Korrigieren einen Fehler hineingebracht, und nun verstehst du dich nicht auf Gemeinschaftsgedichte. Heute mußt du bestraft werden! Vorhin habe ich gesehen, wie schön im Kloster Gefangenes Grün die roten Aprikosen blühen. Davon möchte ich einen Zweig haben, um ihn mir in die Vase zu stellen. Aber ich mag Miau-yüs Benehmen nicht und lasse sie deshalb immer links liegen. Darum sollst du mir jetzt zur Strafe einen Zweig holen.“ „Diese Strafe hat etwas Edles und verspricht zugleich Spaß“, sagten die anderen. Auch Bau-yü stimmte fröhlich zu und wollte sich sogleich auf den Weg machen, aber Hsiang-yün und Dai-yü empfahlen ihm: „Draußen ist es kalt. Trink einen Becher heißen Wein, ehe du gehst!“ Schon griff Hsiang-yün nach der Kanne, und Dai-yü hielt einen großen Becher. Als Hsiang-yün ihn gefüllt hatte, sagte sie lächelnd: „Wenn du jetzt den Zweig nicht bringst, nachdem du von uns Wein bekommen hast, wird deine Strafe noch verschärft.“ Rasch trank Bau-yü den Wein aus, dann ging er durch das Schneetreiben davon. Li Wan wollte den Befehl geben, daß jemand mitgehen sollte, aber Dai-yü hinderte sie daran und sagte: „Wenn jemand dabei ist, wird er nichts bekommen.“ Li Wan nickte und sagte: „Jawohl!“, anschließend befahl sie den Sklavenmädchen, für den Zweig eine Vase ‚mit hohen Mädchenschultern‘ zu holen und mit Wasser zu füllen. Dann sagte sie lächelnd: „Wenn Bau-yü zurück ist, müßten wir die roten Blüten besingen!“ Sofort erklärte Hsiang-yün: „Ich mache ein Gedicht darüber!“ Aber Bau-tschai protestierte: „Dir erlauben wir heute auf keinen Fall mehr, noch etwas zu dichten. Du hast dich immer vorgedrängt und die andern nicht zum Zuge kommen lassen, das macht doch auch keinen Spaß. Wir wollen es Bau-yü zur Strafe dichten lassen, wenn er zurück ist. Er hat gesagt, er verstehe sich nicht auf Gemeinschaftsgedichte, jetzt kann er allein eins machen.“ „Das ist ganz richtig!“ pflichtete Dai-yü ihr bei. „Aber ich habe noch eine andere Idee. Das Gemeinschaftsgedicht allein war nicht genug, darum sollten wir diejenigen auswählen, die am wenigsten dazu beigetragen haben, und sie über die roten Blüten schreiben lassen.“ „Du hast vollkommen recht!“ pflichtete Bau-tschai ihr bei. „Bau-tjin, Dai-yü und Hsiang-yün haben so viel an sich gerissen, daß Hsiu-yän und die Schwestern Li ihr Talent nicht unter Beweis stellen konnten, obwohl sie doch unsere Gäste sind. Darum ist es das beste, wenn wir andern nicht weitermachen und es ganz diesen dreien überlassen zu dichten.“ „Aber Tji kann nicht besonders dichten“, wandte Li Wan ein, „wir sollten besser Bau-tjin ihre Stelle einnehmen lassen.“ Dem mußte Bau-tschai sich fügen, dann schlug sie vor: „Als Reim sollten wir die drei Schriftzeichen hung – ‚rot‘, mee – ‚Aprikose‘ und hua – ‚Blüte‘ wählen, und jede schreibt ein siebensilbiges Regelgedicht, Hsiu-yän auf den Reim hung, Li Wën auf den Reim mee und Bau-tjin auf den Reim hua.“ „Ich bin aber nicht bereit, Bau-yü die Strafe zu erlassen“, protestierte Li Wan. „Ich weiß ein gutes Thema, das wir ihm aufgeben können“, schaltete Hsiang-yün sich ein. Alle wollten wissen, was es sei, und Hsiang-yün erläuterte: „Wir befehlen ihm, über das Thema zu schreiben ‚Besuch bei Miau-yü mit der Bitte um rote Aprikosenblüten‘. Wäre das nicht gut?“ Alle sagten: „Das ist gut!“ Und ehe sie noch ausgeredet hatten, erblickten sie Bau-yü, der lachend mit einem Zweig roter Aprikosenblüten hereinkam, den ihm die Sklavenmädchen rasch abnahmen und in die Vase stellten. Inzwischen kamen aus allen Räumen Sklavenmädchen, um zusätzliche Kleidungsstücke zu bringen, und auch Hsi-jën hatte jemanden mit einer abgetragenen Jacke geschickt, die mit Fuchsklaue gefüttert war. Li Wan befahl, einen Teller mit gedämpften Taroknollen zu füllen sowie zwei weitere mit gelbroten Mandarinen, goldgelben Orangen und blaßgelben Kanariennüssen und sie Hsi-jën zu bringen. Indessen beeilte sich Hsiang-yün, Bau-yü zu erklären, worüber er ein Gedicht schreiben sollte, und drängte ihn, rasch damit zu beginnen. „Liebe Schwestern, laßt mich aber selbst den Reim wählen, anstatt ihn festzulegen“, bat Bau-yü. „Mach, wie du willst“, sagten sie bereitwillig und widmeten sich dem Aprikosenzweig. Der Hauptzweig war nicht mehr als zwei Tschï lang, aber er hatte einen Seitenzweig von fünf oder sechs Tschï Länge. Kleinere Zweige, die davon abgingen, hatten das Aussehen geringelter Drachen oder erstarrter Würmer. Sie wuchsen einzeln wie Pinselstiele oder dicht wie ein kleiner Wald. Die Blüten leuchteten rot wie Schminke, ihr Duft konnte selbst Orchideen beschämen. Während sich alle in Lobsprüchen darüber ergingen, hatten Hsiu-yän, Li Wën und Bau-tjin bereits ihre Gedichte im Kopf fertig und schrieben sie nieder. Dann lasen die anderen sie in der Reihenfolge durch, wie es die Reime ‚rot‘, ‚Aprikose‘ und ‚Blüte‘ verlangten. Sie lasen: ‚Lob der roten Aprikosenblüte Hsing Hsiu-yän

Ehe noch Kirsche und Pfirsich blühn, Lacht sie im Ostwind trotz Schnee und Frost. Nach Yü-ling fühle ich mich versetzt, oder ist das die Fee von Luo-fu ? Rot glühen Kerzen im grünen Kelch, von Schnee wie von Geistern umwoben. Das ist kein Baum wie andere auch, blüht er nun rosa, blüht er nun rot.‘

‚Lob der roten Aprikosenblüte Li Wën

Rote Blüten, euch will ich preisen, die im Winter schon schmeicheln dem Blick. Blütengesichter, blutüberströmt, wenn ihr welkt, zeigt ihr kein Bedauern. Farbe verlieh euch Feenmedizin, fern am Jadeteich wart ihr zu Hause. Blüht ihr, möchte ich die Bienen warnen: Vertraut nicht dem Aprikosenbaum!‘

‚Lob der roten Aprikosenblüte Hsüä Bau-tjin

Spärliche Zweige, üppiges Blühn, ein Baum wie im Festtagsgewande. Kein Schnee, der im Höfchen liegenblieb, Morgenrot über Fluß und Bergen. Die Knospen träumen beim Flötenklang, ihr Duft scheint dem Feenreich entstiegen. Der Jadeplattform entstammt dieser Baum, wie hätte er sonst solche Blüten!‘ Alle äußerten lächelnd ihr Lob darüber und bezeichneten das letzte Gedicht als das beste. Bau-yü war zutiefst darüber verwundert, daß Bau-tjin als die Jüngste so einen wachen Geist hatte. Dai-yü und Hsiang-yün aber füllten einen kleinen Becher mit Wein und beglückwünschten Bau-tjin, indem sie ihr den Becher reichten. Lächelnd sagte Bau-tschai: „Jedes der drei Gedichte hat seine Vorzüge. Bisher habt ihr beide euch Tag für Tag bis zum Überdruß über mich lustig gemacht, jetzt kommt wohl sie an die Reihe?“ „Hast du dein Gedicht fertig?“ wandte sich Li Wan an Bau-yü. „Ich hatte schon etwas“, sagte Bau-yü rasch, „aber als ich die drei Gedichte las, habe ich es vor Staunen vergessen. Laß mich nachdenken!“ Als Hsiang-yün das hörte, griff sie nach einem Messingschürhaken, schlug damit an ihr Handöfchen und erklärte lächelnd: „Ich schlage die Trommel, und wenn du beim letzten Trommelschlag nicht fertig bist, bekommst du noch eine Strafe!“ „Ich habe es schon wieder“, beschwichtigte Bau-yü sie mit einem Lächeln. „Dann sprich, und ich schreibe!“ forderte Dai-yü ihn auf und griff zum Schreibpinsel. Hsiang-yün schlug mit dem Schürhaken zu und verkündete: „Der erste Schlag!“ „Aber ich habe es ja schon“, sagte Bau-yü lächelnd. „Schreib nur!“ Alle hörten, wie er sprach: „Eh‘ noch das Trinken, das Dichten beginnt, ...“ Dai-yü schrieb und schüttelte den Kopf dabei. „Als Anfang ist das nichts Besonderes“, kommentierte sie lächelnd. „Schneller!“ drängte Hsiang-yün. Und lächelnd fuhr Bau-yü fort: „Such ich den Frühling im Feenland Pëng-lai .“ Dai-yü und Hsiang-yün nickten und sagten lächelnd: „Das ist schon besser.“ Wieder fuhr Bau-yü fort: „Doch will ich nicht Tau aus der Guan-yin Krug, allein einen Zweig von der Göttin Tor.“ Dai-yü schrieb und schüttelte wieder den Kopf, wobei sie sagte: „Ein Zufallstreffer!“ Rasch mahnte Hsiang-yün mit einem zweiten Trommelschlag zur Eile, und Bau-yü deklamierte weiter: „Purpurne Wolken und blutroten Schnee bring mit ich zurück in die Menschenwelt. Doch niemand dauert‘s, scheint‘s, daß ich friere, und daß befleckt mein Kleid grün mit Moos.“ Als Dai-yü eben zu Ende geschrieben hatte und alle beginnen wollten, das Gedicht zu besprechen, kamen ein paar Sklavenmädchen hereingestürzt und meldeten: „Die alte gnädige Frau kommt!“ Sofort gingen alle hinaus, um die Herzoginmutter zu empfangen, wobei sie sich lächelnd fragten: „Wie kommt es wohl, daß sie so in Stimmung ist?“ Bei diesen Worten erblickten sie die Herzoginmutter in der Ferne. In einen weiten Umhang gehüllt und mit einer warmen Mütze aus Eichhörnchenfell auf dem Kopf, saß sie in einem leichten Bambustragstuhl und hielt einen Schirm aus ölgetränkter schwarzer Seide in der Hand. Neben ihr gingen fünf oder sechs Sklavenmädchen, allen voran Yüan-yang und Hu-po. Auch sie trugen jede einen Schirm. Li Wan und alle anderen wollten der Herzoginmutter entgegeneilen, diese aber schickte jemanden vor, um sie aufzuhalten, und ließ ihnen sagen, sie sollten bleiben, wo sie waren. Als sie dann herangekommen war, sagte die Herzoginmutter fröhlich: „Die gnädige Frau und Hsi-fëng wissen nichts davon, daß ich hier bin. Mir macht der tiefe Schnee nichts aus, wenn ich im Tragstuhl sitze, aber wozu sollen die beiden durch den Schnee stapfen!“ Alle gaben ihr recht und stürzten zu ihr, um ihr den Umhang abzunehmen und sie beim Aussteigen zu stützen. Als die Herzoginmutter ins Zimmer trat, bemerkte sie als erstes lächelnd: „Welch schöne Aprikosenblüten! Auch ihr versteht es, euch zu vergnügen, hier bin ich richtig!“ Während sie das sagte, wurde auf Li Wans Befehl eine große Decke aus Wolfsfell gebracht und die Mitte des Ofenbetts damit gepolstert. Nachdem die Herzoginmutter sich gesetzt hatte, sagte sie lächelnd: „Vergnügt euch nur weiter und eßt und trinkt! Da die Tage jetzt kürzer sind, wage ich keinen Mittagsschlaf mehr zu halten. Ich hatte ein Weilchen Domino gespielt, dann seid ihr mir eingefallen, und ich bin hergekommen, um auch meinen Spaß zu haben.“ Inzwischen hatte Li Wan ihr ein Handöfchen gereicht, Tan-tschun aber brachte ihr Becher und Eßstäbchen, goß mit eigener Hand heißen Wein ein und reichte ihn ihr. Die Herzoginmutter trank einen Schluck, dann fragte sie: „Was ist das dort auf dem Teller?“ Rasch reichte man ihr den Teller und gab Auskunft: „Das sind marinierte Wachteln.“ „Aha“, sagte die Herzoginmutter. „Reißt mir ein oder zwei Keulchen davon ab!“ „Jawohl!“ sagte Li Wan sogleich, ließ sich Wasser bringen, um sich die Hände zu waschen, und zerlegte dann selbst das Geflügel. „Nehmt wieder Platz und unterhaltet euch weiter, ich höre zu!“ forderte die Herzoginmutter sie nun auf. „Auch du mußt dich setzen!“ befahl sie Li Wan. „Macht es genau so, wie es war, ehe ich gekommen bin, dann ist es recht. Sonst aber gehe ich wieder!“ Nun setzten sich alle der Rangfolge gemäß wieder hin, nur Li Wan rutschte auf den untersten Platz. „Was habt ihr getrieben?“ erkundigte sich die Herzoginmutter. „Wir haben Gedichte gemacht“, wurde ihr geantwortet. „Besser wäre es, ein paar Laternenrätsel zu machen, mit denen wir uns im Neujahrsmonat vergnügen können“, schlug die Herzoginmutter vor. Alle sagten jawohl, und nachdem sie noch ein Weilchen geplaudert hatten, stellte die Herzoginmutter fest: „Hier ist es feucht. Bleibt nicht zu lange sitzen, damit ihr euch nicht verkühlt!“ Dann setzte sie hinzu: „Drüben bei Hsi-tschun ist es wärmer. Sehen wir doch einmal nach, ob sie mit dem Bild bis zu Neujahr fertig wird!“ „Bis Neujahr?“ fragten die Mädchen. „Nächstes Jahr zum Drachenbootfest wird das Bild wohl fertig sein.“ „Ist denn das die Möglichkeit?“ wunderte sich die Herzoginmutter. „Da braucht sie ja länger, als es gedauert hat, den Garten zu bauen!“ Nach diesen Worten nahm sie wieder auf ihrem Bambustragstuhl Platz, während die anderen neben oder hinter ihr gingen. Am Kiosk des Lotoswurzelduftes betraten sie einen in Mauern gefaßten Gang, der im Osten und Westen jeweils an einem Tor zur Straße endete. An jedem Torgebäude war innen und außen je eine Steinplatte mit einer Inschrift eingelassen. Am Westtor, das sie jetzt durchschritten, standen außen die beiden Schriftzeichen „Durch die Wolken“, innen aber die beiden Schriftzeichen „Über den Mond“. Nachdem sie den Gang betreten hatten, kamen sie durch ein weiteres Tor, das nach Süden führte. Hier stieg die Herzoginmutter aus ihrem Tragstuhl, und schon kam ihr Hsi-tschun zur Begrüßung entgegen. Durch einen überdachten Wandelgang gelangten sie bis zu ihrem Schlafzimmer. Über der Tür prangte die Inschrift „Gehege der Warmen Düfte“. Schon wurde der Türvorhang aus scharlachrotem Filz von mehreren Händen zurückgeschlagen, und man konnte einen warmen Duft wahrnehmen, der einem von drinnen entgegenschlug. Als alle eingetreten waren, dachte die Herzoginmutter nicht daran, sich hinzusetzen, und fragte nur: „Wo ist das Bild?“ Lächelnd berichtete Hsi-tschun: „Die Leimfarben gerinnen bei dieser Kälte, anstatt zu fließen. Ich hatte Angst, das Bild zu verderben, darum habe ich es weggetan.“ „Aber zu Neujahr will ich es haben“, beharrte die Herzoginmutter lächelnd, „also mach keine Ausflüchte, hol es hervor und mal weiter!“ Ehe sie noch aussprechen konnte, trat plötzlich Hsi-fëng lachend in den Raum. Sie trug ein Gewand aus rotem Wollstoff, das mit Lammfell gefüttert war. „Ihr seid heimlich hierher gegangen, alte Ahne, ohne einem Menschen davon zu sagen. Da konnte ich schön nach Euch suchen!“ beklagte sie sich. „Ich hatte Angst, ihr würdet frieren, darum habe ich nicht erlaubt, daß man euch Bescheid sagt“, erwiderte die Herzoginmutter, die sich natürlich darüber freute, daß Hsi-fëng gekommen war. „Aber du bist wirklich ein Schlaufuchs, daß du mich hier gefunden hast. Dabei ist das eigentlich nicht der Sinn der kindlichen Ehrerbietung.“ „Ich habe Euch ja nicht aus kindlicher Ehrerbietung gesucht“, gab Hsi-fëng zurück. „Als ich in Eure Räume kam, war es dort mucksmäuschenstill. Ich fragte die kleinen Sklavenmädchen, aber sie wollten mir nichts sagen und haben mich nur in den Garten geschickt. Während ich so noch im Zweifel war, kamen plötzlich ein paar Nonnen, und da wurde mir klar: Die Nonnen kommen doch, um die Neujahrsgebete zu bringen und die Jahreszuwendungen und Weihrauchspenden zu holen, und weil Ihr zum Jahresende viel zu tun habt, wolltet Ihr Euch bestimmt vor diesen Gläubigern drücken. Also fragte ich sofort die Nonnen, und es stellte sich heraus, daß ich Recht hatte. Darum gab ich ihnen schnell die Jahreszuwendungen und komme jetzt, um Euch zu melden, daß die Gläubiger fort sind und Ihr Euch nicht länger versteckt halten müßt. Außerdem hat man einen zarten Fasan für Euch zubereitet, und Ihr müßt bitte zu Abend essen gehen. Wenn Ihr noch zögert, wird er hart und trocken.“ Alle hatten gelacht, während Hsi-fëng das vortrug. Nun befahl Hsi-fëng, ohne auf eine Erwiderung der Herzoginmutter zu warten, man solle den Tragstuhl bringen. Lächelnd nahm die Herzoginmutter darauf Platz, wobei sie sich von Hsi-fëng stützen ließ. Von allen begleitet und mit ihnen plaudernd, wurde sie zurück durch den Gang zwischen den Mauern und durch das östliche Tor getragen. Ringsum sah alles aus wie weiß überpudert, wie aus Silber geformt. Dann erschien plötzlich auf dem Berghang Bau-tjin mit ihrem Entenfederumhang, und hinter ihr trug ein Sklavenmädchen eine Vase mit einem rotblühenden Aprikosenzweig.

Aus: Chengjiaben 1791. „Deshalb also fehlten die beiden!“ sagten die Mädchen lächelnd. „Sie hat sich auch einen Zweig verschafft und wartet jetzt auf uns.“ „Woran erinnert euch das?“ fragte die Herzoginmutter fröhlich. „Der Berg, das Mädchen in dieser Kleidung und die Aprikosenblüten?“ „An Tjiu Yings Bild ‚Zwei Schönheiten‘ , das in Euren Räumen hängt“, antworteten alle lächelnd. Aber die Herzoginmutter schüttelte den Kopf. „Das Mädchen auf dem Bild ist nicht so gekleidet“, sagte sie, „und so schön ist sie auch nicht.“ Während sie das eben sagte, sah sie, wie jemand in einem dunkelroten Filzumhang hinter Bau-tjin zum Vorschein kam. „Was ist das noch für ein Mädchen?“ erkundigte sie sich. „Wir sind alle hier“, antworteten die Mädchen. „Das ist Bau-yü.“ „Mir flimmert es immer mehr vor den Augen“, klagte die Herzoginmutter lächelnd. Inzwischen waren sie bei den beiden angekommen, und es waren wirklich Bau-tjin und Bau-yü. Lächelnd berichtete Bau-yü, an Bau-tschai, Dai-yü und die anderen gewandt: „Eben war ich noch einmal im Kloster Gefangenes Grün, und Miau-yü hat jeder von euch einen Zweig Aprikosenblüten geschenkt. Ich habe die Zweige schon austragen lassen.“ „Vielen Dank für die Mühe!“ sagten die Mädchen strahlend. Über diesem Gespräch hatten sie den Garten schon verlassen und waren in die Räume der Herzoginmutter gelangt. Nach dem Essen blieben alle noch zusammen, um ein Weilchen zu plaudern, als plötzlich auch Tante Hsüä erschien. „Was für ein Schnee!“ sagte sie. „Ich bin den ganzen Tag nicht herübergekommen, um Euch meine Aufwartung zu machen, alte gnädige Frau. Ihr seid wohl heute nicht in Stimmung? Ihr hättet hinausgehen sollen, um die Schneelandschaft zu bewundern!“ „Warum sollte ich nicht in Stimmung sein?“ fragte die Herzoginmutter. „Ich habe die Mädchen besucht und mich bei ihnen vergnügt.“ „Gestern abend hatte ich vor, die gnädige Frau zu bitten, mir heute für einen Tag den Garten zu überlassen, um ein paar Tische mit einfachem Wein herzurichten und Euch dann einzuladen, den Anblick des Schnees zu genießen“, erklärte Tante Hsüä. „Aber dann erfuhr ich, Ihr hättet Euch früh zur Ruhe begeben, und meine Tochter sagte, Euch sei nicht wohl gewesen.

Hsüä Bau-tjin. Aus: Gai Qi 1879. Deshalb habe ich heute nicht gewagt, Euch zu belästigen. Hätte ich eher gewußt, wie es war, hätte ich Euch wirklich einladen sollen.“ Lächelnd erwiderte die Herzoginmutter: „Jetzt ist erst der zehnte Monat, und wir haben gerade den ersten Schnee. Es wird noch öfter schneien, dann ist es immer noch früh genug, Geld zu verschwenden.“ „So ist es“, bestätigte Tante Hsüä. „Es soll ein Beweis meiner kindlichen Ehrerbietung sein.“ „Seht nur zu, daß Ihr es nicht vergeßt, Frau Tante“, sagte Hsi-fëng lächelnd. „Laßt nur schon heute fünfzig Liang Silber abwiegen und gebt sie mir zur Aufbewahrung. Sobald es dann schneit, lasse ich Wein und Zuspeisen herrichten. So erspart Ihr Euch die Umstände, und vergessen wird es auch nicht.“ „Am besten, Ihr gebt ihr die fünfzig Liang Silber, und ich teile mit ihr, so daß jeder fünfundzwanzig bekommt“, scherzte die Herzoginmutter. „Wenn es dann schneit, lasse ich mich wegen Unpäßlichkeit entschuldigen, und die Sache verläuft im Sande. So habt Ihr überhaupt keine Umstände, ich jedoch erziele mit Hsi-fëng einen echten Gewinn.“ Lachend klatschte Hsi-fëng in die Hände und verriet: „Genau das war mein Plan!“ Alle lachten, die Herzoginmutter aber sagte lächelnd: „Pfui, du Schamlose! Das wäre natürlich nach deinem Sinn! Aber nicht nur, daß die Frau Tante als unser Gast nicht gekränkt werden darf, sind wir es, die sie einladen müßten. Wie können wir sie für uns Geld ausgeben lassen! Doch anstatt das zu sagen, besitzt du noch die Frechheit, fünfzig Liang Silber im Voraus von ihr zu verlangen. Du hast wirklich keine Scham im Leibe!“ „Unsere alte Ahne hat wahrhaftig einen scharfen Blick“, erwiderte Hsi-fëng. „Sie wollte es einfach probieren. Wenn die Frau Tante nachgiebig gewesen wäre und die fünfzig Liang herausgerückt hätte, dann hätte sie mit mir halbe-halbe gemacht. Aber weil abzusehen war, daß es schiefgeht, machte sie eine Kehrtwendung und hat mich mit großen Worten heruntergeputzt. Jetzt werde ich nicht mehr Silber von der Frau Tante verlangen, sondern ihr Silber geben, damit sie Euch davon bewirtet, alte Ahne. Außerdem werde ich Euch weitere fünfzig Liang Silber verehren als Strafe dafür, daß ich mich um Dinge gekümmert habe, die mich nichts angehen. Ist es so recht?“ Noch ehe sie ausgeredet hatte, warfen sich schon alle vor Lachen auf das Ofenbett. Dann schilderte die Herzoginmutter, wie Bau-tjin im Schnee mit dem Blütenzweig aufgetaucht war und dabei schöner als ein Bild ausgesehen hatte. Anschließend wollte sie die acht Schriftzeichen für Jahr, Monat, Tag und Stunde ihrer Geburt wissen und erkundigte sich nach ihren Familienverhältnissen. Tante Hsüä konnte sich denken, daß die Herzoginmutter die Absicht hatte, Bau-tjin zu Bau-yüs Frau zu machen, und sie wäre durchaus damit einverstanden gewesen, wenn Bau-tjin nicht bereits mit dem Sohn der Mees verlobt gewesen wäre. Aber weil sich die Herzoginmutter nicht klar darüber geäußert hatte, konnte sie auch nicht direkt darauf eingehen und mußte einen Umweg wählen. „Das Mädchen hat kein Glück“, sagte sie. „Vorvoriges Jahr ist ihr Vater gestorben. Solange er noch lebte, hat sie ein tüchtiges Stück von der Welt gesehen. Die vier großen Gebirge und die Fünf heiligen Berge hat sie mit ihren Eltern besucht. Ihr Vater verstand es, das Leben zu genießen, und da er in allen Gegenden Handel trieb, hat er mit seiner Familie mal hier ein Jahr verbracht und mal dort sechs Monate, so daß sie das Reich zu fünf oder sechs Zehnteln gesehen haben. Dabei hat er das Mädchen seinerzeit hier mit dem Sohn eines Mitglieds der Kaiserlichen Akademie namens Mee verlobt, und ausgerechnet im Jahr darauf mußte er sterben. Die Mutter des Mädchens aber leidet an Asthma...“ „Schade!“ mischte sich Hsi-fëng mit Seufzen und Fußaufstampfen ein, ohne das Ende der Rede abzuwarten. „Ich wollte mich als Heiratsvermittlerin anbieten, und nun ist sie schon verlobt.“ „Für wen wolltest du denn um sie werben?“ fragte die Herzoginmutter lächelnd. „Fragt nicht danach, alte Ahne!“ erwiderte Hsi-fëng. „Ich bin sicher, daß die beiden ein Paar ergeben hätten. Aber da sie nun einmal verlobt ist, hat es keinen Sinn, darüber zu sprechen. Darum ist es das beste, wir lassen das Thema!“ Die Herzoginmutter wußte, wen Hsi-fëng im Sinn gehabt hatte, aber da sie gehört hatte, Bau-tjin sei bereits verlobt, ließ sie die Sache fallen. Jetzt plauderten alle noch ein Weilchen, ehe sie endlich auseinandergingen. Von der Nacht ist nichts zu berichten. Am nächsten Tag klarte es auf. Nach dem Essen gab die Herzoginmutter selbst Hsi-tschun den Auftrag: „Mal weiter, egal ob es kalt oder warm ist, und werde zu Neujahr fertig damit! Wenn es natürlich überhaupt nicht geht, dann mußt du es bleibenlassen. Aber das Allerwichtigste ist jetzt, daß du Bau-tjin und ihr Mädchen mit dem Blütenzweig haargenau so, wie wir es gestern gesehen haben, rasch mit auf das Bild bringst.“ Dieser Auftrag brachte Hsi-tschun zwar in Verlegenheit, aber notgedrungen mußte sie es versprechen. Als bald darauf alle zu ihr kamen, um zu sehen, wie sie malte, blickte Hsi-tschun geistesabwesend vor sich hin. „Laßt sie nur in Ruhe nachdenken!“ wandte Li Wan sich an die übrigen. „Wir aber wollen uns unterhalten! Gestern hat die alte gnädige Frau befohlen, wir sollten uns Laternenrätsel ausdenken, und als ich mit Tji und Wën zu Hause war und wir nicht einschlafen konnten, habe ich mir zwei Rätsel zu den Vier Büchern ausgedacht, und sie genauso.“ „Richtig!“ sagten die anderen. „Die Rätsel! Sag uns deine, damit wir sie raten!“ Lächelnd sagte Li Wan: „Die Göttin Guan-yin hat keine Familienchronik . Die Auflösung ist eine Stelle aus den Vier Büchern.“ „‚Schluß ist mit dem Allerbesten‘?“ riet Hsiang-yün sofort. Aber lächelnd empfahl ihr Bau-tschai: „Denk nach, was eine Familienchronik besagt, ehe du rätst!“ Und auch Li Wan forderte sie auf: „Denk noch einmal nach!“ „Oh, das muß es sein“, sagte Dai-yü lächelnd. „‚Gütig, doch ohne Beweis.‘“ „Das ist die richtige Stelle“, bestätigten alle lächelnd. „Grün bewächst damit der Teich, was ist das?“ fragte Li Wan weiter. „Das ist bestimmt ‚Schilf und Rohr‘ , was sonst?“ beeilte sich Hsiang-yün mit einer Antwort. „Diesmal hast du es erraten“, erklärte Li Wan lächelnd. „Ratet jetzt Wëns Rätsel: ‚Kalt fließt das Wasser am Fels.‘ Herauskommen soll der Name einer Person aus alter Zeit.“ „Ist es Schan Tau ?“ fragte Tan-tschun lächelnd. „Richtig“, gab Li Wën zu und lächelte ebenfalls. „Tjis Rätsel ist ein Glühwürmchen. Zu erraten ist ein Schriftzeichen“, fuhr Li Wan fort. Alle rätselten lange daran herum, ehe Bau-tjin lächelnd sagte: „Das ist tiefsinnig! Ist es nicht das Schriftzeichen hua – ‚Blume‘?“ „Genau!“ bestätigte Li Tji lächelnd. „Was hat ein Glühwürmchen mit Blumen zu tun?“ fragten die anderen. „Das ist höchst scharfsinnig“, erklärte Dai-yü, „sind nicht Glühwürmchen, wie das Schriftzeichen hua besagt, ‚aus Gras verwandelt‘? “ Jetzt verstanden auch die anderen und sagten, das Rätsel sei gut. „Die Rätsel sind wohl gut, aber sie treffen nicht den Geschmack der alten gnädigen Frau“, wandte Bau-tschai ein. „Wir müssen uns welche ausdenken, in denen es um einfache und naheliegende Alltagsdinge geht und an denen Edle wie Profane gleichermaßen Freude haben.“ Lächelnd bestätigten die anderen: „Ja, vertraute Alltäglichkeiten müssen es sein.“ „Ich habe eins nach dem Tonmuster ‚Die roten Lippen betupfen‘“, meldete Hsiang-yün sich zu Wort. „Es ist etwas Alltägliches, versucht es zu erraten!“ Und sie rezitierte: „Den Tälern, den Bächen entrissen, tollt es einher im Staub dieser Welt. Doch wo liegt der Sinn? Gewinn wie auch Ruhm sind nur eitel, nichts folgt mehr hinten ihm nach.“ Keiner vermochte, das Rätsel zu lösen. Nach langem Überlegen glaubten die einen, es sei ein buddhistischer Mönch oder ein dauistischer Priester, während andere meinten, es müsse eine Marionette sein. Bau-yü aber lächelte nur darüber und sagte schließlich: „Alles falsch! Ich glaube, es muß bestimmt ein dressierter Affe sein.“ „Richtig, der ist es“, erklärte Hsiang-yün. „Schön, die ersten Sätze sind klar, aber was soll der letzte bedeuten?“ fragten die anderen. „Gibt es vielleicht dressierte Affen, denen nicht der Schwanz abgeschnitten ist?“ fragte Hsiang-yün zurück. Alle lachten darüber und meinten dann, selbst beim Rätselmachen komme Hsiang-yün noch auf die absonderlichsten Gedanken. Inzwischen sagte Li Wan: „Bau-tjin, wie deine Tante gestern erzählte, hast du viel gesehen und bist viel gereist, da mußt du dir auch ein paar Rätsel ausdenken, zumal du gut dichten kannst, und dann gibst du sie uns zum Raten auf!“ Bau-tjin nickte lächelnd und ging beiseite, um nachzudenken. Da hatte auch Bau-tschai ein Rätsel fertig und rezitierte: „Stockwerk für Stockwerk aus edelstem Holz , jedoch war kein Meister daran zu Werk. Und mag der Wind auch noch so sehr blasen, ein Dachglöckchen setzt er hier nicht in Gang.“ Während alle noch mit Raten beschäftigt waren, ließ auch Bau-yü sich vernehmen: „Endlos fern ist der Himmel der Erde, darum ist Vorsicht hier erstes Gebot. Hör nur gut auf den Kranich, den Phönix, schluchz die Antwort hinauf in das Blau!“ Dai-yü hatte ebenfalls ein Rätsel erdacht und trug es vor: „Was braucht der Renner noch seid‘ne Zügel, eilt er nicht wild genug rings um die Stadt? Er rast wie ein Blitz auf Wink seines Herrn, Und so genießt er auch einsamen Ruhm.“ Tan-tschun hatte gleichfalls ein Rätsel fertig und wollte es jetzt hersagen, aber da trat Bau-tjin eben wieder heran und sagte lächelnd: „Unter den Orten, die ich von klein auf besucht habe, waren auch viele historische Stätten. Ich habe zehn davon ausgewählt und je ein Gedicht darüber gemacht. Zwar sind meine Verse grob, aber sie erinnern an Ereignisse der Vergangenheit, und in jedem Gedicht ist ein alltäglicher Gegenstand zu erraten. Versucht es einmal!“ „Das ist geschickt gemacht!“ lobten die anderen. „Aber warum willst du die Gedichte nicht aufschreiben, damit alle sie lesen können?“ Wer wissen will, wie es weiterging, ...