Hongloumeng/zh-de/Chapter 9

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第九回

恋风流情友入家塾

起嫌疑顽童闹学堂

Vertraute Freunde, die das Schöne lieben, treten in die Familienschule ein; ungezogene Knaben, die einen Verdacht hegen, stiften Unruhe im Schulzimmer.

中文原文 (庚辰本) Deutsche Übersetzung

話說秦業父子專候賈家的人來送上學擇日之信。原來寶玉急於要和秦鐘相遇,卻顧不得別的,遂擇了後日一定上學。「後日一早,請秦相公到我這裡,會齊了,一同前去。」——打發了人送了信。   至是日一早,寶玉起來時,襲人早已把書筆文物包好,收拾得停停妥妥,坐在床沿上發悶。見寶玉醒來,只得伏待他梳洗。寶玉見他悶悶的,因笑問道:「好姐姐,你怎麼又不自在了?難道怪我上學去丟的你們冷清了不成?」襲人笑道:「這是那裡話。讀書是極好的事,不然就潦倒一輩子,終久怎麼樣呢。但只一件,只是念書的時節想著書,不念的時節想著家些。別和他們一處玩鬧,碰見老爺不是頑的。雖說是奮志要強,那工課寧可少些,一則貪多嚼不爛,二則身子也要保重。這就是我的意思,你可要體諒。」襲人說一句,寶玉答應一句。襲人又道:「大毛衣服我也包好了,交出給小子們去了。學里冷,好歹想著添換,比不得家裡有人照顧。腳爐手爐的炭也交出去了,你可逼著他們添。那一起懶賊,你不說,他們樂得不動,白凍壞了你。」寶玉道:「你放心,出外頭我自己都會調停的。你們也別悶死在這屋裡,長和林妹妹一處去頑笑才好。」說著,俱已穿戴齊備,襲人催他去見賈母、賈政、王夫人等。寶玉且又囑咐了晴雯麝月等幾句,方出來見賈母。賈母也未免有幾句囑咐的話。然後去見王夫人,又出來書房中見賈政。   偏生這日賈政回家早些,正在書房中與相公清客們閒談。忽見寶玉進來請安,回說上學里去,賈政冷笑道:「你如果再提『上學』兩個字,連我也羞死了。依我的話,你竟頑你的去是正理。仔細站臟了我這地,靠臟了我的門!」眾清客相公們都早起身笑道:「老世翁何必又如此。今日世兄一去,三二年就可顯身成名的了,斷不似往年仍作小兒之態了。天也將飯時,世兄竟快請罷。」說著便有兩個年老的攜了寶玉出去。   賈政因問:「跟寶玉的是誰?」只聽外面答應了兩聲,早進來三四個大漢,打千兒請安。賈政看時,認得是寶玉的奶母之子,名喚李貴。因向他道:「你們成日家跟他上學,他到底念了些什麼書!倒念了些流言混話在肚子里,學了些精緻的淘氣。等我閒一閒,先揭了你的皮,再和那不長進的算賬!」嚇的李貴忙雙膝跪下,摘了帽子,碰頭有聲,連連答應「是」,又回說:「哥兒已經念到第三本《詩經》,什麼『呦呦鹿鳴,荷葉浮萍』,小的不敢撒謊。」說的滿座哄然大笑起來。賈政也掌不住笑了。因說道:「那怕再念三十本《詩經》,也都是掩耳偷鈴,哄人而已。你去請學里太爺的安,就說我說了:什麼《詩經》古文,一概不用虛應故事,只是先把《四書》一氣講明背熟,是最要緊的。」李貴忙答應「是」,見賈政無話,方退出去。   此時寶玉獨站在院外屏聲靜候,待他們出來,便忙忙的走了。李貴等一面彈衣服,一面說道:「哥兒可聽見了不曾?可先要揭我們的皮呢!人家的奴才跟主子賺些好體面,我們這等奴才白陪挨打受罵的。從此後也可憐見些才好。」寶玉笑道:「好哥哥,你別委曲,我明兒請你。」李貴道:「小祖宗,誰敢望你請?只求聽一句半句話就有了。」說著,又至賈母這邊,秦鐘已早來候著了,賈母正和他說話兒呢。於是二人見過,辭了賈母。寶玉忽想起未辭黛玉,因又忙至黛玉房中來作辭。彼時黛玉才在窗下對鏡理妝,聽寶玉說上學去,因笑道:「好!這一去,可定是要『蟾宮折桂』去了。我不能送你了。」寶玉道:「好妹妹,等我下學再吃晚飯。和胭脂膏子也等我來再制。」勞叨了半日,方撤身去了。黛玉忙又叫住問道:「你怎麼不去辭辭你寶姐姐呢?」寶玉笑而不答。一徑同秦鐘上學去了。   原來這賈家義學離此也不甚遠,不過一里之遙,原系始祖所立,恐族中子弟有貧窮不能請師者,即入此中肄業。凡族中有官爵之人,皆供給銀兩,按俸之多寡幫助,為學中之費。特共舉年高有德之人為塾掌,專為訓課子弟。如今寶秦二人來了,一一的都互相拜見過,讀起書來。自此以後,他二人同來同往,同起同坐,愈加親密。又兼賈母愛惜,也時常的留下秦鐘,住上三天五日,與自己的重孫一般疼愛。因見秦鐘不甚寬裕,更又助他些衣履等物。不上一月之工,秦鐘在榮府便熟了。寶玉終是不安分之人,竟一味的隨心所欲,因此又發了癖性,又特向秦鐘悄說道:「咱們倆個人一樣的年紀,況又是同窗,以後不必論叔侄,只論弟兄朋友就是了。」先是秦鐘不肯,當不得寶玉不依,只叫他「兄弟」,或叫他的表字「鯨卿」,秦鐘也只得混著亂叫起來。   原來這學中雖都是本族人丁與些親戚家的子弟,俗語說的好,「一龍生九種,種種各別。」未免人多了,就有龍蛇混雜,下流人物在內。自寶、秦二人來了,都生的花朵兒一般的模樣,又見秦鐘靦腆溫柔,未語面先紅,怯怯羞羞,有女兒之風;寶玉又是天生成慣能做小服低,賠身下氣,性情體貼,話語綿纏,因此二人更加親厚,也怨不得那起同窗人起了疑,背地裡你言我語,詬誶謠諑,佈滿書房內外。   原來薛蟠自來王夫人處住後,便知有一家學,學中廣有青年子弟,不免偶動了龍陽之興,因此也假來上學讀書,不過是三日打魚,兩日曬網,白送些束修禮物與賈代儒,卻不曾有一些兒進益,只圖結交些契弟。誰想這學內就有好幾個小學生,圖了薛蟠的銀錢吃穿,被他哄上手的,也不消多記。更有兩個多情的小學生,亦不知是那一房的親眷,亦未考真名姓,只因生得嫵媚風流,滿學中都送了他兩個外號,一號「香憐」,一號「玉愛」。誰都有竊慕之意,將不利於孺子之心,只是都懼薛蟠的威勢,不敢來沾惹。如今寶、秦二人一來了,見了他兩個,也不免繾綣羡慕,亦因知系薛蟠相知,故未敢輕舉妄動。香、玉二人心中,也一般的留情與寶、秦。因此四人心中雖有情意,只未發跡。每日一入學中,四處各坐,卻八目勾留,或設言托意,或詠桑寓柳,遙以心照,卻外面自為避人眼目。不意偏又有幾個滑賊看出形景來,都背後擠眉弄眼,或咳嗽揚聲,這也非此一日。   可巧這日代儒有事,早已回家去了,又留下一句七言對聯,命學生對了,明日再來上書;將學中之事,又命賈瑞暫且管理。妙在薛蟠如今不大來學中應卯了,因此秦鐘趁此和香憐擠眉弄眼,遞暗號兒,二人假裝出小恭,走至後院說體己話。秦鐘先問他:「家裡的大人可管你交朋友不管?」一語未了,只聽背後咳嗽了一聲。二人唬的忙回頭看時,原來是窗友名金榮者。香憐本有些性急,羞怒相激,問他道:「你咳嗽什麼?難道不許我兩個說話不成?」金榮笑道:「許你們說話,難道不許我咳嗽不成?我只問你們:有話不明說,許你們這樣鬼鬼祟祟的幹什麼故事?我可也拿住了,還賴什麼!先得讓我抽個頭兒,咱們一聲兒不言語,不然大家就奮起來。」秦、香二人急得飛紅的臉,便問道:「你拿住什麼了?」金榮笑道:「我現拿住了是真的。」說著,又拍著手笑嚷道:「貼的好燒餅!你們都不買一個吃去?」秦鐘香憐二人又氣又急,忙進來向賈瑞前告金榮,說金榮無故欺負他兩個。   原來這賈瑞最是個圖便宜沒行止的人,每在學中以公報私,勒索子弟們請他;後又附助著薛蟠,圖些銀錢酒肉,一任薛蟠橫行霸道,他不但不去管約,反助紂為虐討好兒。偏那薛蟠本是浮萍心性,今日愛東,明日愛西,近來又有了新朋友,把香、玉二人丟開一邊。就連金榮亦是當日的好朋友,自有了香、玉二人,便棄了金榮。近日連香、玉亦已見棄。故賈瑞也無了提攜幫襯之人,不說薛蟠得新棄舊,只怨香、玉二人不在薛蟠前提攜幫補他,因此賈瑞金榮等一干人,也正在醋妒他兩個。今兒見秦、香二人來告金榮,賈瑞心中便不自在起來,不好呵叱秦鐘,卻拿著香憐作法,反說他多事,著實搶白了幾句。香憐反討了沒趣,連秦鐘也訕訕的各歸坐位去了。金榮越發得了意,搖頭咂嘴的,口內還說許多閒話,玉愛偏又聽了不忿,兩個人隔座咕咕唧唧的角起口來。金榮只一口咬定說:「方纔明明的撞見他兩個在後院子里親嘴摸屁股,一對一肏,撅草棍兒抽長短,誰長誰先干。」金榮只顧得意亂說,卻不防還有別人。誰知早又觸怒了一個。你道這個是誰?   原來這一個名喚賈薔,亦系寧府中之正派玄孫,父母早亡,從小兒跟賈珍過活,如今長了十六歲,比賈蓉生的還風流俊俏。他兄弟二人最相親厚,常相共處。寧府人多口雜,那些不得志的奴僕們,專能造言誹謗主人,因此不知又有了什麼小人詬誶謠諑之辭。賈珍想亦風聞得些口聲不大好,自己也要避些嫌疑,如今竟分與房舍,命賈薔搬出寧府,自去立門戶過活去了。這賈薔外相既美,內性又聰明,雖然應名來上學,亦不過虛掩眼目而已。仍是鬥雞走狗,賞花玩柳。總恃上有賈珍溺愛,下有賈蓉匡助,因此族中人誰敢來觸逆於他。他既和賈蓉最好,今見有人欺負秦鐘,如何肯依?如今自己要挺身出來報不平,心中卻忖度一番,想道:「金榮賈瑞一干人,都是薛大叔的相知,嚮日我又與薛大叔相好,倘或我一齣頭,他們告訴了老薛,我們豈不傷和氣?待要不管,如此謠言,說的大家沒趣。如今何不用計制服,又止息了口聲,又不傷了臉面。」想畢,也裝出小恭,走至外面,悄悄的把跟寶玉的書童名喚茗煙者喚到身邊,如此這般調撥他幾句。   這茗煙乃是寶玉第一個得用的,且又年輕不暗世事,如今聽賈薔說金榮如此欺負秦鐘,連他爺寶玉都干連在內,不給他個利害,下次越發狂縱難制了。這茗煙無故就要欺壓人的,如今得了這個信,又有賈薔助著,便一頭進來找金榮,也不叫金相公了,只說:「姓金的,你是什麼東西!」賈薔遂跺一跺靴子,故意整整衣服,看看日影兒說:「是時候了。」遂先向賈瑞說有事要早一步。賈瑞不敢強他,只得隨他去了。這裡茗煙先一把揪住金榮,問道:「我們肏屁股不肏屁股,管你相干?橫豎沒肏你爹去罷了!你是好小子,出來動一動你茗大爺!」嚇的滿屋中子弟都怔怔的痴望。賈瑞忙吆喝:「茗煙不得撒野!」金榮氣黃了臉,說:「反了!奴才小子都敢如此,我和你主子說。」便奪手要去抓打寶玉秦鐘。尚未去時,從得腦後「颼」的一聲,早見一方硯瓦飛來,並不知系何人打來的,幸未打著,卻又打了旁人的座上,這座上乃是賈藍賈菌。   賈菌亦系榮府近派的重孫,其母亦少寡,獨守著賈菌,這賈菌與賈藍最好,所以二人同桌而坐。誰知賈菌年紀雖小,志氣最大,極是淘氣不怕人的。他在座上冷眼看見金榮的朋友暗助金榮,飛硯來打茗煙,偏沒打著茗煙,便落在他座上,正打在面前,將一個磁硯水壺打了個粉碎,濺了一書黑水。賈菌如何依得,便罵:「好囚攮的們,這不都動了手了麼!」罵著,也抓起硯磚來要打回去。賈藍是個省事的,忙按住硯,極口勸道:「好兄弟,不與咱們相干。」賈菌如何忍得住,便兩手抱起書匣子來,照那邊掄了去。終是身小力薄,卻掄不到那裡,剛到寶玉秦鐘桌案上就落了下來,只聽「嘩啷啷」一聲,砸在桌上,書本紙片等至於筆硯之物撒了一桌,又把寶玉的一碗茶也砸得碗碎茶流。賈菌便跳出來,要揪打那一個飛硯的。金榮此時隨手抓了一根毛竹大板在手,地狹人多,那裡經得舞動長板。茗煙早吃了一下,亂嚷:「你們還不來動手!」寶玉還有三個小廝:一名鋤藥,一名掃紅,一名墨雨。這三個豈有不淘氣的,一齊亂嚷:「小婦養的!動了兵器了!」墨雨遂掇起一根門閂,掃紅鋤藥手中都是馬鞭子,蜂擁而上。賈瑞急攔一回這個,勸一回那個,誰聽他的話,肆行大鬧。眾頑童也有趁勢幫著打太平拳助樂的,也有膽小藏在一邊的,也有直立在桌上拍著手兒亂笑、喝著聲兒叫打的,登時間鼎沸起來。   外邊李貴等幾個大僕人聽見裡邊作反起來,忙都進來一齊喝住。問是何原故。眾聲不一,這一個如此說,那一個又如彼說。李貴且喝罵了茗煙四個一頓,攆了出去。秦鐘的頭早撞在金榮的板上,打去一層油皮,寶玉正拿褂襟子替他揉呢,見喝住了眾人,便命:「李貴,收書!拉馬來,我回去回太爺去!我們被人欺負了,不敢說別的,守禮來告訴瑞大爺,瑞大爺反倒派我們不是,聽人家罵我們,還調唆他們打我們茗煙,連秦鐘的頭也打破,這還在這裡念什麼書!茗煙他也是為有人欺侮我的。不如散了罷。」李貴勸道:「哥兒不要性急。太爺既有事回家去了,這會子為這點子事去聒噪他老人家,倒顯的咱們沒理。依我的主意,那裡的事那裡了結好,何必去驚動他老人家。這都是瑞大爺的不是,太爺不在這裡,你老人家就是這學里的頭腦了,眾人看你著行事。眾人有了不是,該打的打,該罰的罰,如何等鬧到這步田地不管?」賈瑞道:「我吆喝著都不聽。」李貴笑道:「不怕你老人家惱我,素日你老人家到底有些不正經,所以這些兄弟才不聽。就鬧到太爺跟前去,連你老人家也脫不過的。還不快作主意撕羅開了罷。」寶玉道:「撕羅什麼?我必是回去的!」秦鐘哭道:「有金榮,我是不在這裡念書的。」寶玉道:「這是為什麼?難道有人家來得的,咱們倒來不得?我必回明白眾人,攆了金榮去。」又問李貴:「金榮是那一房的親戚?」李貴想了一想:「也不用問了。若說起那一房的親戚,更傷了弟兄們的和氣了。」   茗煙在窗外道:「他是東衚衕里璜大奶奶的侄兒,那是什麼硬正仗腰子的,也來唬我們。璜大奶奶是他姑娘。你那姑媽只會打旋磨子,給我們璉二奶奶跪著借當頭。我眼裡就看不起他那樣的主子奶奶!」李貴忙斷喝不止,說:「偏你這小狗肏的知道,有這些蛆嚼!」寶玉冷笑道:「我只當是誰的親戚,原來是璜嫂子的侄兒,我就去問問他來!」說著便要走,叫茗煙進來包書。茗煙包著書,又得意道:「爺也不用自己去見,等我去到他家,就說老太太有說的話問他呢,雇上一輛車拉進去,當著老太太問他,豈不省事?」李貴忙喝道:「你要死!仔細回去我好不好先捶了你,然後再回老爺太太,就說寶玉全是你調唆的。我這裡好容易勸哄的好了一半了,你又來生個新法子。你鬧了學堂,不說變法兒壓息了才是,倒要往大里鬧!」茗煙方不敢作聲兒了。   此時賈瑞也怕鬧大了,自己也不乾淨,只得委曲著來央告秦鐘,又央告寶玉。先是他二人不肯。後來寶玉說:「不回去也罷了,只叫金榮賠不是便罷。」金榮先是不肯,後來禁不得賈瑞也來逼他去賠不是,李貴等只得好勸金榮說:「原來是你起的端,你不這樣,怎得了局?」金榮強不得,只得與秦鐘作了揖。寶玉還不依,偏定要磕頭。賈瑞只要暫息此事,又悄悄的勸金榮說:「俗語說的好,『殺人不過頭點地』。你既惹出事來,少不得下點氣兒,磕個頭就完事了。」金榮無奈,只得進前來與秦鐘磕頭。且聽下回分解。

Tjin Yä und sein Sohn warteten also nur darauf, daß ihnen ein Bote der Djias die Nachricht brachte, es sei ein Glückstag für den Schulanfang ausgesucht worden. Aber Bau-yü war so begierig darauf, mit Tjin Dschung zusammenzukommen, daß er nichts anderes mehr im Sinn hatte und bestimmte, er wolle unbedingt vom übernächsten Tag an den Unterricht besuchen. „Übermorgen früh bitte ich den jungen Herrn Tjin zu mir, und dann gehen wir gemeinsam zur Schule“, lautete die Nachricht, die er übermitteln ließ. Als der Tag gekommen war und Bau-yü in aller Frühe aufstand, hatte Hsi-jën längst die Bücher und das Schreibzeug ordentlich zusammengelegt und saß geistesabwesend bei Bau-yü auf der Bettkante. Als sie sah, daß er wach war, mußte sie ihm wohl oder übel beim Frisieren und Waschen zur Hand gehen. Bau-yü bemerkte, daß Hsi-jën in gedrückter Stimmung war, und so fragte er lächelnd: „Was fehlt dir wieder einmal, liebste Schwester? Du bist mir doch nicht etwa böse, weil ich zur Schule gehe und euch hier einsam zurücklasse?“ Ebenfalls lächelnd, erwiderte Hsi-jën: „Wie kannst du so etwas sagen! Lernen ist doch etwas sehr Gutes. Wenn man nicht lernt, vertut man leichtfertig sein Leben, und wie steht man dann da? Es geht mir nur darum: Denk beim Lernen an die Bücher, und sonst denk an Zuhause, anstatt mit denen dort herumzutoben! Wenn der gnädige Herr dich bei so etwas trifft, ist mit ihm nicht zu spaßen! Und dann – wenn es auch heißt, man muß sich tüchtig anstrengen –, solltest du besser nicht so viele Stunden nehmen. Zum einen kann man nicht richtig kauen, wenn man zu gierig ißt, zum anderen muß man auch auf seine Gesundheit achten. Das ist es, woran ich gedacht habe und was du erwägen solltest.“ Bau-yü stimmte jedem Wort zu, das sie gesagt hatte, und sie fuhr fort: „Den Pelz habe ich zusammengepackt und den Dienerknaben gegeben. Denk daran, ihn anzuziehen, wenn es kalt ist in der Schule! Dort ist es nicht wie zu Hause, wo andere für dich darauf achten. Holzkohle für den Fußofen und den Handofen habe ich ihnen auch gegeben. Aber du mußt ihnen befehlen nachzulegen, diese Faulenzer tun keinen Handschlag, wenn du nichts sagst, und lassen dich einfach erfrieren.“ „Sei unbesorgt!“ erwiderte Bau-yü darauf. „Außer Hause kann ich gut alles selbst regeln. Kommt ihr mir hier nicht um vor Langeweile! Ihr müßt öfter einmal zu Kusine Lin gehen und euch mit ihr zusammen die Zeit vertreiben!“ Inzwischen war Bau-yü fertig angezogen, und Hsi-jën drängte ihn, die Herzogimutter, Djia Dschëng und Dame Wang aufzusuchen. Bau-yü aber ermahnte erst noch Tjing-wën, Schë-yüä und die anderen mit ein paar Sätzen, ehe er zur Herzoginmutter ging, die ihm natürlich auch noch einiges mit auf den Weg zu geben hatte. Danach ging er zu Dame Wang und anschließend in die Bibliothek zu Djia Dschëng. Ausgerechnet heute war Djia Dschëng etwas früher nach Hause zurückgekommen und unterhielt sich in der Bibliothek eben mit seinen Schützlingen. Als plötzlich Bau-yü hereinkam, um ihm seinen Gruß zu entbieten, und dann berichtete, er gehe zur Schule, lachte Djia Dschëng sarkastisch und sagte: „Wenn du noch einmal sagst, du gehst zur Schule, komme ich um vor Scham! Mir scheint, es wäre richtiger zu sagen, du gehst spielen. Gib acht, daß du meinen Boden nicht beschmutzt, auf dem du stehst, und meine Tür, an die du dich lehnst!“ Seine Kostgänger und Schützlinge, die sich längst von ihren Plätzen erhoben hatten, sagten jetzt lächelnd: „Warum müßt Ihr nur wieder so sein, ehrwürdiger Freund unserer Väter? Heute geht Euer Sohn zur Schule, und in zwei, drei Jahren kann er sich bei den Prüfungen einen Namen machen. Er ist ganz bestimmt nicht mehr so kindisch wie ehedem. Aber jetzt ist schon bald Essenszeit, und er muß sich endlich verabschieden!“ Damit faßten zwei ältere unter ihnen Bau-yü an den Händen und gingen mit ihm hinaus. „Wer begleitet Bau-yü?“ erkundigte sich Djia Dschëng. Von draußen waren Antwortrufe zu hören, und schon kamen drei, vier kräftige Männer herein, die mit gebeugtem Knie ihren Gruß entboten. Djia Dschëng erkannte Li Guee, den Sohn von Bau-yüs Amme Li, unter ihnen und sprach ihn an: „Ihr seid doch ganze Tage beim Unterricht mit ihm zusammen, was hat er denn nun für Bücher studiert? Wahrscheinlich hat er irgendwelchen haltlosen Unsinn gelesen und sich ein paar extrafeine Rüpeleien zu eigen gemacht. Wartet nur, bis ich ein wenig Muße habe, dann werde ich zuerst Euch die Haut vom Leibe schinden, und dann rechne ich mit diesem Versager ab!“ Damit hatte er Li Guee so sehr erschreckt, daß er rasch auf beide Knie niederfiel, die Mütze abnahm und hörbar mit der Stirn auf den Boden schlug, wobei er immer wieder sagte: „Sehr wohl, sehr wohl!“ Dann berichtete er: „Er hat das ‚Buch der Lieder‘ schon bis zum dritten Band gelesen, wo es heißt ‚You, you! schrei‘n die Hirsche,Lotosblätter und Entengrütze.‘ Ich sage wirklich die Wahrheit!“ Alle brachen in ein schallendes Gelächter aus, und selbst Djia Dschëng konnte nicht an sich halten und lachte mit. Dann sagte er: „Und wenn er noch dreißig Bände vom ‚Buch der Lieder‘ liest, macht er doch damit nur sich selbst etwas vor und hält die Leute zum besten. Bestell dem Herrn Lehrer in der Schule einen Gruß und richte ihm aus, ich hätte gesagt, er brauche sich nicht routinemäßig mit dem ‚Buch der Lieder‘ und der klassischen Prosa aufzuhalten, er solle vielmehr in einem Zug die Vier Büchererklären und auswendig lernen lassen. Das ist das Allerwichtigste!“ Li Guee antwortete rasch : „Sehr wohl!“ Und als er merkte, daß Djia Dschëng ihm nichts weiter sagen wollte, zog er sich wieder zurück. Bau-yü hatte inzwischen ganz allein außerhalb des Hofes gewartet und dabei kaum zu atmen gewagt. Als jetzt seine Begleiter erschienen, ging er rasch mit ihnen davon. Li Guee klopfte sich den Staub von den Kleidern und sagte dabei: „Habt Ihr das gehört, kleiner Herr? Zuerst will er uns die Haut abziehen! Anderer Leute Sklaven gewinnen noch ein bißchen Ansehen durch ihren Herrn, unsereiner aber wird für nichts und wieder nichts mit geschlagen und mit gescholten. Habt doch in Zukunft ein wenig Mitleid mit uns!“ „Nimm es dir nicht zu Herzen, Bruder!“ erwiderte Bau-yü lächelnd. „Morgen werde ich dich bewirten.“ „Wer wagt wohl zu hoffen, von Euch bewirtet zu werden, kleiner Gebieter!“ sagte Li Guee. „Es reicht ja, wenn Ihr auf einen Satz hört, den man Euch sagt, oder wenigstens auf einen halben!“ Mittlerweile waren sie in die Räume der Herzoginmutter gekommen, wo Tjin Dschung schon lange wartete. Die Herzoginmutter sprach eben mit ihm. Als Tjin Dschung und Bau-yü einander begrüßt und sich dann von der Herzoginmutter verabschiedet hatten, fiel Bau-yü plötzlich ein, daß er Dai-yü noch nicht auf Wiedersehen gesagt hatte. Also ging er rasch in ihr Zimmer, wo sie am Fenster vor dem Spiegel saß und ihren Putz in Ordnung brachte. Als Dai-yü hörte, wie Bau-yü sagte, er gehe jetzt in die Schule, bemerkte sie lächelnd: „Dann wirst du ja bald ‚im Krötenpalast einen Kassiazweig brechen‘. Begleiten kann ich dich nicht.“ „Liebstes Kusinchen“, bat Bau-yü, „iß bitte erst, wenn ich aus der Schule zurück bin, und misch auch deine Schminkpaste erst, wenn ich wieder hier bin!“ So schwatzten sie noch lange, ehe Bau-yü endlich ging. Da rief Dai-yü ihn noch einmal an und fragte: „Warum gehst du dich von Kusine Bau-tschai nicht verabschieden?“ Aber Bau-yü lachte nur, anstatt zu antworten. Er begab sich jetzt mit Tjin Dschung geradeswegs zur Schule. Die Freischule der Djias war nicht weit entfernt, nicht mehr als ein Li. Der Urahn hatte sie eingerichtet, weil er fürchtete, es könnte junge Leute in der Sippe geben, für die aus Armut kein Lehrer angestellt werden konnte. Sie sollten hier eintreten und lernen können. Jeder aus der Sippe, der einen Beamtenposten innehatte, steuerte je nach der Höhe seines Gehalts eine bestimmte Menge Silber für die Schulkosten bei, und gemeinsam wählten sie einen bejahrten, tugendhaften Mann zum Schulleiter, der die jungen Leute unterrichtete. Als Bau-yü und Tjin Dschung heute in die Schule gekommen waren und mit jedem einzelnen Mitschüler den zeremoniellen Gruß gewechselt hatten, begannen sie ihre Lektüre. Von diesem Tag an kamen und gingen sie gemeinsam, setzten sich zusammen hin und standen zusammen wieder auf, und so wurden sie immer vertrauter miteinander. Es kam noch hinzu, daß die Herzoginmutter in ihrer liebevollen Fürsorge Tjin Dschung häufig für drei oder fünf Tage dabehielt und ihn genausogern hatte wie ihre Urenkelkinder. Weil sie sah, daß Tjin Dschung nicht eben sehr begütert war, half sie ihm auch mit Kleidung, Schuhen und anderen Dingen. Es brauchte keinen vollen Monat, damit Tjin Dschung im Jung-guo-Anwesen heimisch wurde. Nun war Bau-yü ein Mensch, der mit seinem Los nie zufrieden war und den Regungen seines Herzens stets freien Lauf ließ. Er zeigte auch jetzt seine alte Schwäche, indem er verstohlen zu Tjin Dschung sagte: „Wir beide sind gleichaltrig, überdies sind wir Schulkameraden, darum wollen wir uns in Zukunft nicht mehr als Onkel und Neffe anreden, sondern nur noch als Bruder und Freund!“ Tjin Dschung sträubte sich anfangs dagegen, aber als Bau-yü nicht auf ihn hören wollte und ihn nur noch Bruder nannte oder ihn mit seinem Ehrennamen Djing-tjing anredete, blieb ihm nichts weiter übrig, als ihn einmal so, einmal so anzureden. In die Schule gingen zwar nur Angehörige der eigenen Sippe und einige angeheiratete junge Leute, aber wie der Volksmund richtig sagt, kann ein Drache neun Junge haben, und jedes ist von einer anderen Art. Wo viele Menschen beisammen sind, findet man unvermeidlich Schlangen unter die Drachen gemischt, und so gab es auch hier niedriggesinnte Menschen. Als jetzt Bau-yü und Tjin Dschung dazugekommen waren, die beide ein blumengleiches Aussehen hatten, und die Mitschüler bemerkten, daß Tjin Dschung sanft und schüchtern war, ein jedes Mal errötete, bevor er den Mund aufmachte, und daß Bau-yü imstande war, sich ihm zuliebe zu demütigen und seinen Zorn zu besänftigen, daß er mitfühlend in seiner Art und zart in seiner Sprache war, wodurch sie sich beide so nahe gekommen waren, da war es kein Wunder, daß sie bei einer Reihe von Mitschülern in Verdacht gerieten. Hinter ihrem Rücken wurde geschwatzt und gemunkelt, Schmähreden und Gerüchte verbreiteten sich in der Schule und außerhalb. Auch Hsüä Pan hatte, nachdem sie zu den Djias gezogen waren, erfahren, daß es hier eine Familienschule gab, die von vielen jungen Leuten besucht wurde, und da war es nicht zu vermeiden, daß sich ein plötzliches Gelüste nach Knabenschönheit bei ihm regte. So hatte auch er dem Namen nach begonnen, die Schule zu besuchen. Allerdings war er ein Fischer, der drei Tage lang fischte und zwei Tage lang die Netze trocknen ließ. Die Schulkosten und gelegentliche Geschenke, die Djia Dai-ju von Hsüä Pan bekam, waren sinnlos vertan, denn dieser lernte nicht das mindeste bei ihm, es kam ihm nur darauf an, hier seine ‚Brüderschaften‘ zu schließen. Tatsächlich gab es unter den kleineren Schülern etliche, die auf das Silber und das Geld, das Essen und die Kleidung aus waren, die sie von Hsüä Pan erhielten, und sich von ihm betören ließen. Aber davon braucht nicht weiter berichtet zu werden. Besonders waren es zwei gefühlvolle kleinere Schüler, von denen ich nicht weiß, zu welchem Zweig der Familie sie gehörten. Ich habe auch nicht nachgeforscht, wie sie hießen. In der Schule hatten sie, weil sie von edlem, anmutigem Wuchs waren, die Spitznamen ‚Duftliebchen‘ und ‚Jadeschätzchen‘ bekommen. Und obwohl alle ein heimliches Verlangen nach ihnen hatten und Wünsche hegten, die den Knaben schädlich sind, wagte es aus Furcht vor Hsüä Pans Macht niemand, sich ihnen zu nähern. Als jetzt Bau-yü und Tjin Dschung in die Schule kamen und die beiden sahen, war es nicht anders möglich, als daß auch sie sich unwiderstehlich zu ihnen hingezogen fühlten. Doch weil sie erfuhren, die beiden seien mit Hsüä Pan befreundet, wagten sie nicht, leichtfertig vorzugehen. Duftliebchen und Jadeschätzchen fanden genauso an Bau-yü und Tjin Dschung Gefallen. So hatten zwar alle vier denselben Wunsch, aber noch war er nicht Wirklichkeit geworden. Jeder von ihnen setzte sich täglich bei Unterrichtsbeginn auf seinen Platz, aber ihre Blicke trafen sich, sie redeten in Anspielungen miteinander, machten sich versteckte Komplimente und verstanden einander auch von weitem. Dabei waren sie äußerlich bemüht, alles vor fremden Augen geheimzuhalten. Wider Erwarten gab es aber doch ein paar gewiefte Burschen, die die Sache durchschauten und hinter dem Rücken der vier die Augen verdrehten, hüstelten oder die Stimme erhoben. Und so ging es nicht nur einen Tag. Einmal war Djia Dai-ju einer Erledigung wegen schon früher nach Hause gegangen und hatte den Schülern aufgegeben, zu einem siebensilbigen Satz einen Parallelsatz zu bilden, den sie am nächsten Tag vorlegen sollten. Die Aufsicht über die Schulangelegenheiten hatte er einstweilen Djia Juee übertragen. Der Zufall wollte es, daß Hsüä Pan in der letzten Zeit nicht einmal zu jeder Anwesenheitskontrolle in die Schule kam. So nahm Tjin Dschung die Gelegenheit wahr und machte Duftliebchen mit Augen und Brauen heimliche Zeichen, woraufhin sie beide unter dem Vorwand, ein kleines Geschäft verrichten zu wollen, in den hinteren Hof gingen, um ein vertrautes Gespräch zu führen. „Kümmern sich die Erwachsenen bei dir zu Hause darum, mit wem du befreundet bist...?“ fragte Tjin Dschung den anderen als erstes. Aber noch ehe er ausgesprochen hatte, hustete es hinter ihnen, und als sie erschrocken mit den Köpfen herumfuhren, erblickten sie ihren Schulkameraden Djin Jung. Duftliebchen, dessen Temperament etwas hitzig war, fragte, erregt vor Scham und Zorn: „Was gibt es da zu husten? Dürfen wir beide vielleicht nicht miteinander sprechen?“ „Und darf ich vielleicht nicht husten, wenn ihr miteinander sprecht?“ fragte Djin Jung grinsend. „Ich möchte bloß wissen, warum ihr euch nicht in aller Öffentlichkeit unterhaltet, wenn ihr etwas zu bereden habt. Wer hat euch eigentlich erlaubt, so heimlich und verstohlen hierher zu schleichen, und was treibt ihr hier für Geschichten? Jetzt habe ich euch erwischt, da hilft kein Leugnen! Entweder ihr laßt mich auch mal mitmachen, dann sage ich kein Wort davon, oder aber die ganze Schule erfährt es!“ Tjin Dschung und Duftliebchen schoß vor Erregung das Blut ins Gesicht, und sie fragten: „Wobei hast du uns erwischt?“ „Auf frischer Tat habe ich euch erwischt“, sagte Djin Jung. Dann klatschte er in die Hände und rief lachend: „Hier werden prima Sesambrötchen gebacken! Wer kauft eins zum Essen?“ Zornig und aufgebracht eilten Tjin Dschung und Duftliebchen in den Unterrichtsraum zurück und beklagten sich bei Djia Juee über Djin Jung. Djin Jung habe sie ohne jeden Grund beleidigt, sagten sie. Nun war dieser Djia Juee ein Mensch, der vor allem auf seinen Vorteil bedacht war und keinerlei Anstand besaß. Seine Stellung in der Schule nutzte er aus, um die Jüngeren zu zwingen, ihn freizuhalten. Später hatte er sich an Hsüä Pan gehängt, weil er auf das Silber und das Geld, den Wein und das Fleisch erpicht war, das er bei ihm bekam. Er ließ ihm jede tyrannische Eigenmächtigkeit durchgehen, und anstatt ihn zu zügeln, machte er sich, nur um sein Wohlgefallen zu erringen, sogar zum ‚Helfershelfer des Tyrannen‘. Hsüä Pan aber hatte die Beständigkeit von Entengrütze, die auf dem Wasser treibt, seine Zuneigung ging heute nach Ost und morgen nach West. Er hatte unlängst neue Freunde gefunden, Duftliebchen und Jadeschätzchen aber hatte er fallengelassen. Selbst Djin Jung war einstmals sein Freund gewesen, hatte aber zugunsten von Duftliebchen und Jadeschätzchen den Laufpaß bekommen. Jetzt waren Duftliebchen und Jadeschätzchen ihrerseits verstoßen worden, und Djia Juee hatte niemanden mehr, der bei Hsüä Pan ein gutes Wort für ihn einlegen konnte. Er störte sich aber nicht etwa an Hsüä Pans Treulosigkeit, vielmehr war er auf Duftliebchen und Jadeschätzchen böse, weil sie ihm nicht mehr als Fürsprecher dienten. So waren Djia Juee, Djin Jung und ihresgleichen eifersüchtig auf Duftliebchen und Jadeschätzchen, und als sich jetzt Tjin Dschung und Duftliebchen über Djin Jung beschwerten, ging das Djia Juee erst recht gegen den Strich. Nun konnte er Tjin Dschung nicht gut herunterputzen, statt dessen wollte er an Duftliebchen ein Exempel statuieren und hielt ihm entgegen, er sei ein aufdringlicher Nörgler. Dazu machte er ihm noch einige ernsthafte Vorhaltungen. So holte sich nicht nur Duftliebchen eine Abfuhr, auch Tjin Dschung fühlte sich mit beschämt, und sie kehrten beide auf ihre Plätze zurück. Djin Jung war außerordentlich zufrieden. Er wiegte seinen Kopf, schnalzte mit der Zunge und schwatzte allen möglichen Unsinn. Das aber konnte Jadeschätzchen nicht mit anhören, und so begannen sie sich von Platz zu Platz tuschelnd zu zanken. Dabei behauptete Djin Jung steif und fest: „Eben habe ich klar und deutlich gesehen, wie sich die beiden im Hof geküßt und die Hintern befummelt haben. Sie hatten ausgemacht, sich gegenseitig zu ficken, und wollten Grashalme ziehen, damit der, der den längeren zog, als erster durfte.“ So redete er den größten Unfug daher, nur weil es ihm Spaß machte, und war nicht auf der Hut, daß auch noch andere ihn hören konnten. Und schon hatte er jemanden in Wut gebracht. Wer das war? Er hieß Djia Tjiang und war einer der Ururenkel der Hauptlinie der Djias im Ning-guo-Anwesen. Seine Eltern waren beide früh gestorben, er hatte von klein auf bei Djia Dschën gelebt. Jetzt war er sechzehn Jahre alt und sah noch edler und lieblicher aus als sein Vetter Djia Jung, mit dem er auf vertrautem Fuß stand und häufig beisammen war. Nun gab es aber viele Leute im Ning-guo-Anwesen und ebensoviel Geschwätz. Unzufriedene Sklaven verstehen sich bestens darauf, Gerüchte in die Welt zu setzen und ihre Herrschaft zu schmähen. Ich weiß nicht, welcher niedrigdenkende Mensch wieder Verleumdungen in Umlauf gesetzt hatte, aber Djia Dschën mußte wohl etwas Häßliches munkeln gehört haben und hatte, um sich auch selbst vor Verdächtigungen zu schützen, Djia Tjiang eigene Räume außerhalb des Ning-guo-Anwesens zugewiesen, wo er einen selbständigen Haushalt führen sollte. Djia Tjiang war nicht nur schön von Gestalt, er war dabei auch schlau. Dem Namen nach ging er zwar zur Schule, aber das war bloße Tarnung, denn er besuchte weiter Hahnenkämpfe und Hunderennen und verbrachte seine Zeit in Freudenhäusern. Dabei verließ er sich ganz darauf, daß Djia Dschën eine Schwäche für ihn hatte und Djia Jung ihm behilflich war. Wer von den Sippenangehörigen hätte es da gewagt, ihm zu nahe zu treten! So gut wie sich Djia Tjiang mit Djia Jung stand, konnte er es nicht dulden, daß Tjin Dschung von jemandem beleidigt wurde. Schon wollte er mutig vortreten, um das Unrecht zu sühnen, aber dann überdachte er die Sache noch einmal in seinem Herzen. „Djin Jung und Djia Juee sind mit Onkel Hsüä befreundet“, sagte er sich. „Und ich bin mit Onkel Hsüä auch immer gut ausgekommen. Wenn ich jetzt offen in Erscheinung trete und die anderen erzählen es Alt Hsüä, leidet natürlich unser gutes Verhältnis darunter. Mische ich mich aber nicht ein, sind doch diese Gerüchte zu beschämend für alle. Warum sollte ich nicht eine List gebrauchen, damit dieses Gerede aufhört und gleichzeitig mein Ansehen gewahrt bleibt?“ Als dieser Gedanke zur Klarheit gereift war, gab er ebenfalls vor, ein kleines Geschäft verrichten zu müssen, und ging hinaus, wo er heimlich Bau-yüs Bücherknaben Ming-yän zu sich rief und ihn, „So und so...“, mit ein paar Sätzen aufstachelte. Ming-yän war der tüchtigste von Bau-yüs Sklavenjungen, dazu jung und unerfahren. Jetzt hörte er von Djia Tjiang, Djin Jung habe Tjin Dschung so beleidigt, daß selbst sein Herr Bau-yü mit davon betroffen sei, und Djin Jung würde sich ohne einen ordentlichen Denkzettel beim nächsten Mal sicher noch größere Dreistigkeiten erlauben und dann kaum noch zu bändigen sein. Nun war Ming-yän fähig, auch ohne Grund jemandem Gewalt anzutun. Darum stürmte er jetzt, als er die Nachricht vernommen hatte und sich von Djia Tjiang unterstützt sah, Hals über Kopf in den Unterrichtsraum, um sich Djin Jung vorzuknöpfen. Er redete ihn nicht einmal mit ‚junger Herr‘ an, sondern sagte einfach: „He, Djin! Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“ Jetzt stampfte Djia Tjiang mit den Stiefeln auf, brachte betont seine Kleidung in Ordnung, schaute nach dem Sonnenstand, sagte: „Es wird Zeit!“, und erklärte Djia Juee, er habe eine Besorgung zu machen und müsse deshalb etwas früher gehen. Djia Juee, der es nicht wagte, ihn aufzuhalten, mußte ihn gehen lassen. Inzwischen hatte Ming-yän Djin Jung am Arm gepackt und fragte ihn: „Hat das etwas mit deinem Schwanz zu tun, ob wir arschficken oder nicht? Schließlich haben wir nicht deinen Vater gefickt, verdammt noch mal! Wenn du ein Kerl bist, komm raus und versuch dein Glück mit Herrn Ming-yän!“ Alle im Raum glotzten vor Schreck wie versteinert. Djia Juee schrie Ming-yän an, er solle sich benehmen, und Djin Jung, dessen Gesicht vor Wut fahl geworden war, sagte: „Du wagst es, du Sklave, du niedriger Wicht? Das werde ich mit deinem Herrn abmachen!“ Damit riß er sich los und wollte sich auf Bau-yü und Tjin Dschung stürzen. Aber noch ehe er den ersten Schritt gemacht hatte, kam sausend ein Tuschereibstein von hinten geflogen, den wer weiß wer geworfen hatte. Glücklicherweise traf er nicht und schlug vielmehr auf einem der Nachbarplätze auf, wo Djia Lan und Djia Djün saßen. Djia Djün gehörte zur Generation der Urenkel im Jung-guo-Anwesen und entstammte einer nahe verwandten Nebenlinie der Sippe. Auch seine Mutter war in jungen Jahren Witwe geworden und hatte nur diesen einen Sohn. Djia Djün war mit Djia Lan eng befreundet, und darum saßen sie zusammen an einem Tisch. Wenn Djia Djün auch noch klein war, hatte er doch große Vorsätze und war dreist und unerschrocken. Es hatte ihn kalt gelassen, als er sah, daß einer von Djin Jungs Freunden diesen heimlich unterstützen wollte, indem er einen Tuschereibstein nach Ming-yän schleuderte. Aber wie konnte er ruhig bleiben, als der Reibstein, anstatt

Aus: Jinyuyuan 1889b. Ming-yän zu treffen, gerade vor ihm auf den Tisch niederkrachte und den Wasserbehälter aus Porzellan zertrümmerte, so daß schmutziges Wasser seine Bücher bespritzte! „Ihr Sträflingspack!“ schimpfte er. „Jetzt geht es erst richtig los!“ Damit ergriff er den Tuschereibstein und wollte ihn zurückwerfen, aber Djia Lan, der Unannehmlichkeiten lieber aus dem Wege ging, hielt den Reibstein fest und redete nach Kräften auf Djia Djün ein. „Liebster Vetter“, sagte er, „uns geht doch das nichts an!“ Aber Djia Djün konnte die Angelegenheit natürlich nicht auf sich beruhen lassen. Er packte deshalb mit beiden Händen einen Kasten mit Büchern und warf ihn durch den Raum. Aber klein und schlapp, wie er war, erreichte sein Geschoß nicht das Ziel und landete genau auf dem Tisch, an dem Bau-yü und Tjin Dschung saßen. Krach! machte es, und Bücher, Papier, Pinsel und Reibstein flogen durcheinander über den ganzen Tisch. Auch Bau-yüs Teeschale war mit getroffen. Die Schale zerbrach, und der Tee lief aus. Nun sprang Djia Djün auf, um den Jungen zu packen, der den Tuschereibstein geworfen hatte. Djin Jung hatte sich inzwischen einen großen Bambusprügel gegriffen, konnte aber in dem engen Raum voller Jungen das lange Ding nicht richtig herumwirbeln lassen. Doch schon hatte Ming-yän einen Schlag damit abbekommen und schrie jetzt aufgeregt: „Wollt ihr nicht endlich mitmachen?“ Bau-yü hatte noch drei andere kleine Sklavenjungen – Tschu-yau, Sau-hung und Mo-yü, einer so frech wie der andere. „Ihr Konkubinenbrut, habt ihr zu den Waffen gegriffen?!“ schrien sie, und Mo-yü faßte den schweren Balken, der dazu diente, die Tür zu versperren, während Sau-hung und Tschu-yau ihre Pferdepeitschen zur Hand hatten. So stürzten sie wie ein Bienenschwarm hinein. Djia Juee stellte sich in seiner Aufregung hier jemandem in den Weg und redete dort auf jemanden ein, aber wer hörte schon auf ihn! Alle tobten wild durcheinander. Von der Menge der zuchtlosen Knaben trugen die einen dazu bei, die Stimmung zu heben, indem sie im rechten Augenblick ungefährdet ein paar Schläge von hinten austeilten, andere verkrochen sich ängstlich am Rande, und manche standen hoch aufgerichtet auf den Tischen, klatschten in die Hände, lachten wie verrückt und schrien: „Feste, feste!“ So war der Raum in wenigen Augenblicken zu einem brodelnden Kessel geworden. Als Li Guee und die anderen erwachsenen Sklaven von draußen hörten, daß drinnen der Aufruhr tobte, gingen sie rasch hinein, geboten Ruhe und fragten nach dem Grund für die Aufregung. Aber darüber war die Meinung geteilt, der eine sagte so, der andere so. Also schimpfte Li Guee erst einmal Ming-yän und seine drei Gefährten aus und jagte sie aus dem Raum. Tjin Dschung hatte eine Schramme am Kopf, der mit Djin Jungs Bambusprügel Bekanntschaft gemacht hatte, und Bau-yü wischte sie eben mit dem Aufschlag seines Gewandes ab. Als er sah, daß alle zur Ruhe gebracht waren, befahl er Li Guee: „Sammle meine Bücher ein und bring mein Pferd! Ich will zum gnädigen Herrn, ihm alles zu berichten! Man hat uns beleidigt, mehr will ich gar nicht davon sagen, und als wir uns in aller Form bei Herrn Djia Juee darüber beklagten, hat er uns die Schuld aufgegeben. Er hat geduldet, daß die andern uns beschimpfen, und hat sie noch aufgestachelt, unsern Ming-yän zu hauen. Tjin Dschung haben sie sogar den Kopf aufgeschlagen. Wie soll ich noch länger hier lernen? Ming-yän hatte sich doch nur eingemischt, weil ich beleidigt worden war. Das Beste ist wirklich, ich gehe!“ „Nicht so hitzig, kleiner Herr!“ redete Li Guee ihm zu. „Wenn der gnädige Herr schon wieder zu Hause ist, weil er hier etwas zu tun hat, und Ihr ihn wegen so einer Lappalie belästigt, würde uns das sehr ins Unrecht setzen. Ich halte es für das Beste, solche Sachen immer gleich an Ort und Stelle zu erledigen. Warum müßt Ihr unbedingt den gnädigen Herrn auf Euch aufmerksam machen?“ Dann fuhr er fort: „Alles ist nur Eure Schuld, Herr Djia Juee! Wenn Euer Großvater nicht in der Schule ist, seid Ihr hier der Leiter, und alle verhalten sich so, wie Ihr sie leitet. Wenn sie sich etwas zuschulden kommen lassen, muß Schläge bekommen, wer Schläge verdient, und Strafe, wer Strafe verdient. Wie konntet Ihr es zulassen, daß so ein Tumult entsteht, ohne daß Ihr eingegriffen habt?“ „Ich habe ja geschrien, aber keiner hat auf mich gehört“, verteidigte sich Djia Juee. „Nehmt es mir nicht übel“, erwiderte Li Guee mit einem Lächeln, „aber für gewöhnlich benehmt Ihr Euch selbst nicht ganz korrekt, und deshalb hören sie nicht auf Euch. Wenn der Skandal jetzt bis vor den gnädigen Herrn gelangt, kommt Ihr auch nicht ungeschoren davon. Also macht Euch lieber rasch Gedanken, wie die Sache beizulegen ist!“ „Was heißt hier beilegen?“ wandte Bau-yü ein. „Ich gehe es melden, auf jeden Fall!“ Und Tjin Dschung sagte unter Tränen: „Wo Djin Jung ist, gehe ich nicht länger zur Schule!“ „Was soll denn das heißen?“ fragte Bau-yü. „Sollen die etwa kommen dürfen und wir nicht? Ich werde allen genau darüber berichten, und Djin Jung wird hinausgeworfen.“ Dann wandte er sich an Li Guee, um zu fragen: „Über welchen Zweig der Familie ist Djin Jung überhaupt mit uns verwandt?“ Li Guee dachte kurz nach und sagte dann: „Ihr solltet besser nicht danach fragen, damit das Verhältnis von Euch jungen Herren untereinander nicht noch mehr leidet.“ Aber da rief Ming-yän durchs Fenster: „Er ist der Neffe der Frau Eures Vetters Huang aus der Ostgasse, und so einer will kräftig genug sein, andern den Rücken zu stärken und uns Angst einzujagen! Herrn Djia Huangs Frau ist seine Tante väterlicherseits. – Du, Deine Tante ist eine Speichelleckerin, die vor der Frau von Herrn Djia Liän immer nur auf den Knien rutscht und sie bittet, ihr Sachen zu borgen, die sie in die Pfandleihe schaffen kann. Solche Art Herrschaften kann ich nur verachten!“ „Du verfluchtes kleines Aas!“ fuhr Li Guee ihn an. „Mußt ausgerechnet du von diesen Klatschgeschichten wissen?“ „Ich hatte gedacht, er sei mit wer weiß wem verwandt“, sagte Bau-yü mit höhnischem Lächeln. „Dabei ist er ein Neffe der Frau von Vetter Huang. Mit der werde ich gleich mal ein Wörtchen reden!“ Damit wollte er wirklich gehen und befahl Ming-yän, hereinzukommen und ihm die Bücher zusammenzupacken. Während Ming-yän damit beschäftigt war, sagte er mit Genugtuung: „Warum wollt Ihr selbst gehen, Herr? Ich werde zu ihr gehen und sagen, die alte gnädige Frau wolle sie etwas fragen. Dann miete ich einen Wagen und bringe sie, und Ihr könnt sie in Gegenwart der alten gnädigen Frau zur Rede stellen. Ist das nicht einfacher?“ „Daß du verrecken mögest!“ schrie Li Guee ihn an. „Paß auf, daß ich dir nicht zuerst eine ordentliche Tracht verpasse, wenn wir zu Hause sind, und dann dem gnädigen Herrn und der gnädigen Frau berichte, daß Bau-yü nur von dir aufgehetzt worden ist! Kaum habe ich ihn hier mit Müh und Not halbwegs zur Ruhe gebracht, da kommst du wieder mit einer neuen Idee. Du hast die ganze Schule in Aufruhr versetzt, und anstatt nun mit einem andern Mittel auch wieder für Ruhe zu sorgen, wie es sich gehören würde, willst du die Sache immer noch schlimmer machen.“ Jetzt erst wagte sich Ming-yän nicht mehr zu mucksen. Auch Djia Juee, dessen Gewissen alles andere als rein war, hatte Angst, der Skandal könnte noch weitere Kreise ziehen, darum demütigte er sich und leistete erst bei Tjin Dschung und dann bei Bau-yü Abbitte. Zuerst wollten die beiden nichts davon wissen, aber dann sagte Bau-yü: „Ich brauche es auch nicht zu melden, aber Djin Jung muß sich entschuldigen, dann erst ist die Sache erledigt!“ Djin Jung weigerte sich zunächst, aber Djia Juees Druck konnte er schließlich nicht widerstehen. Auch Li Guee und die anderen redeten ihm gut zu. „Du hast die Sache angefangen, jetzt mußt du ihr auch ein Ende machen“, sagten sie. Nun konnte sich Djin Jung nicht länger sträuben, und es blieb ihm nichts anderes übrig, als sich vor Tjin Dschung zu verbeugen. Bau-yü war das noch nicht genug, er bestand auf einem Stirnaufschlag. Djia Juee, der keinen anderen Wunsch hatte, als die Sache erst einmal beizulegen, redete Djin Jung leise zu: „Was heißt hier umbringen, wenn nur der Kopf ab soll, sagt der Volksmund. Alles halb so schlimm! Und wer sich selbst in Unannehmlichkeiten bringt, der kann nicht umhin, seinen Zorn herunterzuschlucken. Mach einen Stirnaufschlag, und der Fall ist erledigt!“ Djin Jung blieb nun keine andere Wahl, er mußte vor Tjin Dschung niederknien und mit der Stirn den Boden berühren. Im nächsten Kapitel soll alles näher erläutert werden.