Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 38"

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= Kapitel 38 =
 
= Kapitel 38 =
== 林潇湘魁夺菊花诗 ==
 
=== 薛蘅芜讽和螃蟹咏 ===
 
  
'''Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß siegt mit Lobliedern über Chrysanthemen,die Edle von Haselwurz schreibt Spottverse auf Krabben. '''
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== Die Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang erringt den Sieg beim Chrysanthemen-Dichten ==
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=== Die Edle von Haselwurz dichtet spöttisch über Krabben ===
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Es wird erzählt, dass Schatzspange<ref>薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schnee Kostbare-Haarspange" — Schatzjades Kusine aus der Familie Xue, klug, besonnen und tugendreich.</ref> und Wolkenkind<ref>史湘云 Shǐ Xiāngyún, wörtl. „Geschichtsschreiber Wolke-am-Xiang-Fluss" — Schatzjades lebenslustige Kusine, eine begabte Dichterin.</ref> ihren Plan bereits besprochen hatten. Von der restlichen Nacht ist nichts weiter zu berichten. Am nächsten Tag lud Wolkenkind die Herzoginmutter<ref>贾母 Jiǎ Mǔ, wörtl. „Matriarchin der Kaufmann-Familie" — die Großmutter des Hauses Kaufmann (Jiǎ), eine der mächtigsten Figuren des Romans.</ref> und die anderen ein, sich an den Duftblüten zu erfreuen. Die Herzoginmutter und alle Übrigen sagten einhellig: „Sie weiß wirklich, wie man sich vergnügt! An diesem edlen Zeitvertreib sollte man unbedingt teilhaben!"
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Zur Mittagszeit kam die Herzoginmutter tatsächlich in Begleitung von Dame Wang<ref>王夫人 Wáng Fūrén — Schatzjades Mutter, zweite Frau des Kaufmann Aufrecht.</ref> und Phönixglanz<ref>王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „König Heiterer-Phönix" — die energische und verschlagene Haushälterin des Kaufmann-Anwesens.</ref> in den Garten; auch Tante Schnee<ref>薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Schnee" — Schatzspanges Mutter, Schwester von Dame Wang.</ref> und die anderen hatte sie eingeladen mitzukommen.
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„Wo ist es am schönsten?" erkundigte sich die Herzoginmutter.
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„Überall, wo es Euch gefällt, alte gnädige Frau, ist es auch schön", antwortete Dame Wang.
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Phönixglanz aber sagte: „Im Kiosk des Lotoswurzelduftes ist schon alles vorbereitet. Dort blühen die beiden Duftblütensträucher am Berghang besonders schön, und das Wasser im Fluss ist klar und grün. Vom Pavillon inmitten des Flusses hat man eine freie Aussicht — und der Anblick des Wassers erfreut die Augen!"
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„Das hast du vollkommen richtig gesagt", erwiderte die Herzoginmutter, und schon ging sie allen voran zum Kiosk des Lotoswurzelduftes<ref>Chin. 藕香榭</ref>.
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Dieser Kiosk stand mitten im Teich und hatte an allen vier Seiten Fenster. Rechts und links führten gewundene Wandelgänge über das Wasser ans Ufer; im hinteren Teil verbarg sich zudem eine geschwungene Zickzackbrücke aus Bambus, die den Kiosk mit dem Ufer verband.
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Als die Gesellschaft die Bambusbrücke betrat, eilte Phönixglanz nach vorn, um die Herzoginmutter zu stützen, und sagte dabei: „Nur kräftig ausschreiten, alte Ahnin, das macht gar nichts! Bei einer Bambusbrücke gehört es sich, dass sie knarzt und ächzt!"
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Bald darauf betraten sie den Kiosk, und man sah, dass außerhalb des Geländers zwei Bambustische aufgestellt waren. Der eine war mit Bechern, Essstäbchen und Weingeschirr eingedeckt, auf dem anderen standen Teepinsel, Teetöpfe und allerlei Teegerät bereit. Auf der einen Seite fächelten zwei, drei Dienstmädchen die Glut in einem Windöfchen an, um den Tee zu brühen; auf der anderen Seite fächelten weitere Mädchen ebenfalls, um auf einem zweiten Öfchen den Reiswein zu wärmen.
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Die Herzoginmutter rief sogleich erfreut: „Wie schön, dass du an Tee gedacht hast! Und wie sauber alles ringsum ist — der Platz, die Ausstattung!"
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Wolkenkind erwiderte lächelnd: „Schatzspange-Schwester hat mir geholfen, alles vorzubereiten."
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„Ich sage es ja", bemerkte die Herzoginmutter, „dieses Mädchen ist fein und umsichtig, sie denkt an alles." Während sie das sagte, fielen ihr auch die schwarzlackierten, mit Perlmutt eingelegten Spruchpaare auf, die an den Säulen hingen. Sie befahl, man solle ihr die Sätze vorlesen. Wolkenkind las:
  
Bau-tschai und Hsiang-yün hatten sich also über alles geeinigt. Vom Rest der Nacht ist nichts zu berichten.
 
Am nächsten Tag lud Hsiang-yün die Herzoginmutter und die anderen ein, sich am Anblick der Duftblüten zu erfreuen, und die Herzoginmutter wie auch alle anderen sagten: „Sie weiß wirklich, wie man sich vergnügt! An so einem edlen Genuß sollte man teilhaben!“ Und als es Mittag war, ging die Herzoginmutter tatsächlich mit Dame Wang und Hsi-fëng zusammen in den Garten. Auch Tante Hsüä und die anderen hatte sie gebeten, sie zu begleiten.
 
„Wo ist es am schönsten?“ erkundigte sich die Herzoginmutter.
 
„Überall, wo es Euch gefällt, ist es auch schön, alte gnädige Frau“, antwortete Dame Wang darauf. Hsi-fëng aber sagte: „Im Kiosk des Lotoswurzelduftes ist schon alles vorbereitet. Dort blühen die beiden Duftblütensträucher am Berghang sehr schön, und das Wasser im Fluß ist klar und grün. Hat man nicht dort vom Pavillon inmitten des Flusses eine freie Aussicht? Und der Anblick des Wassers macht die Augen klar.“
 
„Das hast du ganz richtig gesagt“, erwiderte die Herzoginmutter und ging allen voran zum Kiosk des Lotoswurzelduftes.
 
Der Kiosk des Lotoswurzelduftes stand mitten im Teich, und seine Fenster öffneten sich nach allen vier Seiten. Links und rechts hatte er gewundene Wandelgänge, die auch über das Wasser ans Ufer führten. Dahinter aber verbarg sich noch eine Zickzackbrücke aus Bambus.
 
Als sie die Brücke betraten, eilte Hsi-fëng nach vorn zur Herzoginmutter, um sie zu stützen, und sagte dabei: „Ihr könnt bedenkenlos ausschreiten, alte Ahne. Für eine Bambusbrücke gehört es sich, daß sie knarrt.“
 
Als sie bald darauf am Pavillon waren, entdeckten sie, daß extra zwei Bambustische außerhalb des Geländers aufgestellt waren. Der eine war mit Bechern, Eßstäbchen und Weingeschirr besetzt, auf dem anderen lagen Teepinsel, Teetöpfe und sonstiges Teegeschirr bereit. Hier fachten ein paar Sklavenmädchen mit Fächern das Feuer in einem Öfchen an, um den Tee zu brühen, dort fächelten ein paar andere ebenfalls, um auf einem zweiten Öfchen den Reiswein zu wärmen.
 
„Wie schön, daß du an Tee gedacht hast!“ lobte die Herzoginmutter sofort. „Und wie sauber Umgebung und Ausstattung sind!“
 
„Kusine Bau-tschai hat mir geholfen, alles vorzubereiten“, erwiderte Hsiang-yün lächelnd.
 
„Ich sage es ja, das Mädel hat einen klaren Verstand, sie denkt an alles“, bemerkte die Herzoginmutter. Und während sie das sagte, fiel ihr Blick auf zwei schwarzlackierte Tafeln, die an den Säulen hingen und in die mit Perlmutt ein Parallelsatzpaar eingelegt war. Sie befahl, ihr die Sätze vorzulesen, und Hsiang-yün las:
 
 
„Der Lotosblüten Schatten bricht der Ruderschlag,
 
„Der Lotosblüten Schatten bricht der Ruderschlag,
der Lotoswurzeln Duft durchquert der Bambussteg.
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der Lotoswurzeln Duft durchquert der Bambussteg."
Nun hob die Herzoginmutter den Kopf und blickte nach der Tafel mit dem Namen des Pavillons. Dann wandte sie sich zu Tante Hsüä und sagte: „Als ich noch jung war, hatten wir bei uns zu Hause auch so einen Pavillon. Er hieß ‚Halle, gebettet aufs Abendrot‘ oder so ähnlich. Ich war damals nicht älter, als die Mädchen jetzt sind, und habe mich jeden Tag mit meinen Schwestern und Kusinen dort amüsiert. Einmal bin ich dabei ausgerutscht und ins Wasser gefallen, um ein Haar wäre ich ertrunken. Mit Müh und Not hat man mich herausgezogen, und dabei habe ich mir an einem Holznagel den Kopf aufgeschlagen. Die fingerkuppengroße Delle hier an der Schläfe habe ich davon zurückbehalten. Alle hatten Angst, ich würde es nicht überleben, weil ich erst ins Wasser gefallen war und mich dann noch verkühlte. Doch wider Erwarten bin ich genesen.
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Ohne abzuwarten, ob jemand anders etwas sagen wollte, erklärte Hsi-fëng mit einem Lächeln: „Wenn Ihr damals nicht überlebt hättet, alte Ahne, wer sollte dann heute dieses Glück genießen! Wie man sieht, war Euch von klein auf nicht wenig Glück und Langlebigkeit zugedacht, und die Götterboten und Teufelsdiener haben Euch diese Delle in den Kopf geschlagen, um das Glück und die Langlebigkeit einzufüllen. Auch der Gott des langen Lebens<ref>Der chinesische Gott der Langlebigkeit (Schou-hsing) wird stets mit beulenartig vergrößerter Stirn dargestellt.</ref> hatte ursprünglich so eine Delle am Kopf, weil der aber mit zehntausendfachem Glück und zehntausendfacher Langlebigkeit angefüllt wurde, hat er schließlich eine kleine Beule nach außen bekommen...
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Die Herzoginmutter hob den Kopf und blickte zur Namenstafel des Pavillons empor. Dann wandte sie sich an Tante Schnee und sagte: „Als ich noch ein junges Mädchen war, hatten wir zu Hause auch so einen Pavillon. Er hieß 'Pavillon des Ruhekissens im Abendrot' oder so ähnlich. Ich war damals nicht älter als die Mädchen hier jetzt und habe mich jeden Tag mit meinen Schwestern und Kusinen dort amüsiert. Eines Tages bin ich ausgerutscht und ins Wasser gefallen um ein Haar wäre ich ertrunken! Mit Müh und Not wurde ich herausgezogen, aber dabei hatte ich mir an einem Holznagel den Kopf aufgeschlagen. Die fingerkuppengroße Delle hier an meiner Schläfe habe ich davon zurückbehalten. Alle hatten Angst, ich würde es nicht überleben, nachdem ich erst ins Wasser gefallen war und mich dann auch noch verkühlt hatte. Doch wider Erwarten bin ich genesen."
Sie hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als sich die Herzoginmutter und alle anderen schon vor Lachen bogen. Lächelnd sagte dann die Herzoginmutter: „Dieses Äffchen ist ja völlig außer Rand und Band! In einem fort macht sie sich über mich lustig. – Warte nur, ich will dir dein Ölmaul zerreißen!
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Hsi-fëng aber erwiderte ihr lächelnd: „Wir wollen gleich Krabben essen, da hatte ich Angst, die Kälte könnte sich in Eurem Innern anstauen, alte Ahne. Deshalb wollte ich Euch zum Lachen bringen, um Euer Inneres aufzulockern. Jetzt könnt ihr ohne Bedenken ein paar Krabben mehr essen.
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Ohne auch nur abzuwarten, ob sonst jemand etwas sagen wollte, ergriff Phönixglanz lächelnd das Wort: „Wenn Ihr damals nicht überlebt hättet, alte Ahnin — wer sollte dann heute all dieses Glück genießen? Wie man sieht, war Euch von Kindheit an kein geringes Maß an Glück und langem Leben zugedacht, und die Götterdiener und Teufelsknechte haben Euch eigens diese Delle in den Kopf geschlagen, damit sich darin das Glück und die Langlebigkeit sammeln konnten! Auch der Gott des langen Lebens hatte ursprünglich so eine Delle am Kopf — aber weil bei ihm zehntausendfaches Glück und zehntausendfache Langlebigkeit hineingefüllt wurden, ist die Delle schließlich nach außen gewölbt und zu einer Beule geworden ..."
„Dann wirst du von nun an Tag und Nacht bei mir bleiben, damit ich immer lachen kann und mein Inneres aufgelockert wird. Nach Hause darfst du nicht mehr zurück“, befahl die Herzoginmutter im Scherz.
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„Nur weil Ihr sie so gern habt, ist sie so zügellos, alte gnädige Frau“, schaltete Dame Wang sich ebenfalls lächelnd ein. „Wenn Ihr jetzt so etwas sagt, wird sie in Zukunft erst recht keinen Anstand mehr haben.
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Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da bogen sich die Herzoginmutter und alle Anwesenden schon vor Lachen. Die Herzoginmutter sagte glucksend: „Dieses Äffchen wird immer schlimmer! In einem fort macht sie sich über mich lustig! — Warte nur, ich werde dir dein geschmiertes Mundwerk zerreißen!"
Aber immer noch lächelnd, sagte die Herzoginmutter: „Ich mag sie so, wie sie ist. Außerdem ist sie keins von den Kindern, die zwischen hoch und niedrig nicht zu unterscheiden wissen. Und in den eigenen vier Wänden sollten Mütter und Töchter so miteinander umgehen, sofern niemand weiter dabei ist! Es reicht, wenn man sich beim Zeremoniell korrekt benimmt. Soll ich vielleicht von ihr verlangen, daß sie auf den Spuren der Götter wandelt?
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Bei diesen Worten traten alle in den Pavillon, und nachdem der Tee gereicht worden war, befahl Hsi-fëng rasch, man solle die Tische bringen und sie mit Weinbechern und Eßstäbchen eindecken. Am Haupttisch nahm die Herzoginmutter mit Tante Hsüä, Bau-tschai, Dai-yü und Bau-yü Platz, und an den östlichen Tisch setzten sich Hsiang-yün, Dame Wang, Ying-tschun, Tan-tschun und Hsi-tschun. Am westlichen Tisch neben der Tür aber blieben die Plätze von Li Wan und Hsi-fëng leer, denn die beiden wagten es nicht, sich zu setzen, und bedienten an den beiden Tischen, an denen die Herzoginmutter beziehungsweise Dame Wang saßen.
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Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Gleich werden wir Krabben essen, und ich hatte Sorge, die Kälte könnte sich in Eurem Innern stauen, alte Ahnin. Deshalb wollte ich Euch zum Lachen bringen, um Euch das Herz aufzulockern. Wenn Ihr gut aufgelegt seid und ein paar Krabben mehr esst, schadet es gar nichts."
„Bringt nicht zu viel von den Krabben, und laßt die anderen noch im Dämpfgefäß!“ befahl Hsi-fëng. „Zehn Stück reichen fürs erste. Wenn sie aufgegessen sind, könnt ihr mehr bringen.
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Dann ließ sie Wasser holen, wusch sich die Hände, stellte sich neben die Herzoginmutter und begann, Krabben zu schälen. Die erste Portion wollte sie Tante Hsüä reichen, die lehnte ab: „Mir schmeckt es am besten, wenn ich sie selber schäle. Mich braucht keiner zu bedienen!“
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Die Herzoginmutter lachte: „Von nun an wirst du Tag und Nacht an meiner Seite bleiben! Wenn ich oft lache, fühle ich mich immer wohl. Nach Hause darfst du nicht mehr zurück!"
Also gab Hsi-fëng das Krabbenfleisch der Herzoginmutter, die zweite Portion gab sie Bau-yü. Dann rief sie: „Bringt den Wein sprudelnd heiß herein!“ Außerdem befahl sie den kleineren Sklavenmädchen, sie sollten mit Chrysanthemenblättern und Duftblüten parfümiertes Bohnenmehl zum Säubern der Hände bereithalten.
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Hsiang-yün aß nur zur Gesellschaft eine Krabbe mit, dann stand sie auf, um die anderen zu bedienen, und ging schließlich hinaus, wo sie zwei Teller mit Krabbenfleisch zu füllen befahl, um sie den Nebenfrauen Dschau und Dschou bringen zu lassen. Da kam eben auch Hsi-fëng heraus und forderte sie auf: „Geh nur hinein und iß, du bist es nicht gewöhnt, andere zu bedienen! Ich will es an deiner Statt tun und selber essen, wenn die anderen gegangen sind!
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Dame Wang mischte sich lächelnd ein: „Nur weil Ihr sie so gernhabt, alte gnädige Frau, verwöhnt Ihr sie dermaßen. Wenn Ihr jetzt noch so etwas sagt, wird sie in Zukunft erst recht jeden Anstand vergessen."
Aber Hsiang-yün verzichtete darauf und ordnete an, auch auf der Veranda zwei Tische aufzustellen, damit Yüan-yang, Hu-po, Tsai-hsia, Tsai-yün und Ping-örl dort essen konnten.  
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Lächelnd sagte Yüan-yang zu Hsi-fëng: „Ihr könnt bedienen, junge gnädige Frau, und wir werden essen!“
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Aber die Herzoginmutter meinte immer noch lächelnd: „Ich mag sie genau so, wie sie ist. Außerdem ist sie kein Kind, das den Unterschied zwischen hoch und niedrig nicht kennt. In den eigenen vier Wänden sollten Mütter und Töchter so ungezwungen miteinander umgehen, solange keine Fremden dabei sind. Es reicht doch, wenn man sich bei offiziellen Anlässen korrekt benimmt. Was nützte es, von ihr zu verlangen, sie solle wandeln wie eine Göttin?"
„Ja, eßt nur und laßt mich machen!“ erwiderte Hsi-fëng.
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Jetzt kehrte Hsiang-yün an ihren Tisch zurück, Hsi-fëng und Li Wan aber aßen rasch etwas, so gut es die Umstände erlaubten. Anschließend kam Hsi-fëng wieder in den Innenraum, um hier zu bedienen, nach einiger Zeit aber ging sie von neuem auf die Veranda hinaus, wo Yüan-yang und die anderen Sklavenmädchen eben nach Herzenslust zulangten. Als sie Hsi-fëng kommen sahen, standen sie auf und Yüan-yang fragte: „Was wollt Ihr schon wieder hier, junge gnädige Frau? Gönnt Ihr uns nicht das bißchen Freude?“
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Mit diesen Worten traten alle zusammen in den Pavillon. Nachdem der Tee gereicht worden war, ließ Phönixglanz eilends die Tische aufstellen und mit Bechern und Essstäbchen eindecken. Am Ehrentisch nahmen die Herzoginmutter, Tante Schnee, Schatzspange, Kajaljade<ref>林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Wald Kajal-Jade" — die weibliche Protagonistin, Schatzjades Kusine mütterlicherseits, berühmt für ihre Dichtkunst und Empfindsamkeit.</ref> und Schatzjade<ref>贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kaufmann Kostbare-Jade" — der männliche Protagonist des Romans, ein verträumter junger Mann aus der Kaufmann-Familie.</ref> Platz. Am östlichen Tisch saßen Wolkenkind, Dame Wang, Willkommensfrühling<ref>迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommensfrühling" — Schatzjades zweite Schwester.</ref>, Spürfrühling<ref>探春 Tànchūn, wörtl. „Spürfrühling" — Schatzjades dritte Halbschwester (Tochter der Nebenfrau Zhao), klug und tatkräftig.</ref> und Bewahrfrühling<ref>惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrfrühling" — Schatzjades jüngste Schwester (eigentlich Nichte).</ref>. Am westlichen Tisch, der neben der Tür stand, waren die Plätze für Li Schleierfrau<ref>李纨 Lǐ Wán — die tugendhafte junge Witwe des verstorbenen Kaufmann Perle, Schatzjades älteste Schwägerin.</ref> und Phönixglanz zwar eingedeckt, blieben jedoch leer — die beiden wagten es nicht, sich hinzusetzen, und warteten stattdessen an den Tischen der Herzoginmutter und Dame Wangs auf.
Lächelnd erwiderte Hsi-fëng: „Yüan-yang, du kleines Spitzbein! Du verkommst immer mehr! Ich übernehme deinen Dienst, doch anstatt mir zu danken, bist du mir böse. Willst du mir nicht endlich einen Humpen Wein einschenken?“
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Lächelnd füllte Yüan-yang einen Becher mit Wein und hielt ihn Hsi-fëng an die Lippen. Hsi-fëng streckte den Hals und leerte den Becher in einem Zug. Da gossen auch Hu-po und Tsai-hsia einen Becher voll und hoben ihn an Hsi-fëngs Mund, so daß sie nur zu schlucken brauchte. Inzwischen hatte Ping-örl eine fette Krabbe abgeschält, die sie ihr nun brachte.
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Phönixglanz ordnete an: „Die Krabben nicht alle auf einmal bringen! Lasst die übrigen im Dampfgefäß, und bringt erst einmal zehn Stück — wenn die aufgegessen sind, könnt ihr nachbringen." Dann ließ sie sich Wasser reichen, wusch sich die Hände, stellte sich neben die Herzoginmutter und begann, Krabbenfleisch aus den Schalen zu lösen. Die erste Portion bot sie Tante Schnee an.
„Schütte recht viel Ingwer und Essig darüber!“ verlangte Hsi-fëng. Dann aß sie und sagte anschließend mit einem Lächeln: „Setzt euch nur wieder hin und eßt weiter, ich gehe.
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Da sagte Yüan-yang mit lächelndem Gesicht: „Was für eine Unverschämtheit, uns die Krabben wegzuessen!“
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Tante Schnee wehrte ab: „Am besten schmeckt es mir, wenn ich sie selbst aufbreche! Bedient mich nur nicht."
Hsi-fëng aber erwiderte ebenfalls lächelnd: „Spar dir deine Scherze mit mir! Du weißt doch, der junge Herr Liän hat sich in dich verliebt und will dich von der alten gnädigen Frau erbitten, um dich zu seiner Nebenfrau zu machen.
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„Pfui!“ sagte Yüan-yang und spuckte aus. „So etwas sagt eine junge Herrin? Das wenigste ist, daß ich Euch meine Krabbenfinger ins Gesicht schmiere!“ Damit trat sie rasch näher und streckte die Hände nach Hsi-fëng aus.
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Also gab Phönixglanz die Portion der Herzoginmutter, die zweite Schatzjade. Dann rief sie: „Den Wein bringt kochend heiß!" Außerdem wies sie die kleinen Dienstmädchen an, mit Chrysanthemenblättern und Duftblütenkernen parfümiertes Grünbohnenmehl zum Händewaschen bereitzuhalten.
„Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!“ bat Hsi-fëng. Hu-po aber bemerkte lächelnd: „Wird auch Ping-örl verzeihen, daß Yüan-yang zur Nebenfrau gemacht wird? Seht nur, sie hat noch keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig verbraucht. Ohne Saures geht es bei ihr nicht.“
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Als Ping-örl, die eben eine fette Krabbe zerteilte, hörte, wie sie verspottet wurde, ging sie mit der Krabbe auf Hu-pos Gesicht los und schimpfte dabei lachend: „Dir werde ich helfen, du kleines Spitzbein mit deiner Lästerzunge!“
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Wolkenkind aß nur eine einzige Krabbe zur Gesellschaft mit, dann stand sie auf und ging umher, um die anderen zu bedienen. Schließlich trat sie hinaus und befahl, zwei Teller voll Krabbenfleisch für die Nebenfrauen Zhao<ref>Chin. 赵姨娘</ref> und Zhou<ref>Chin. 周姨娘</ref> hinzuschicken. Dann kam auch Phönixglanz heraus und sagte zu ihr: „Du bist es nicht gewohnt, andere zu bewirten — geh lieber hinein und iss! Ich übernehme es an deiner Stelle, und wenn alle fertig sind, esse ich selbst."
Ebenfalls lachend, wich Hu-po seitwärts aus, Ping-örls Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere und traf Hsi-fëng genau auf die Wange. Hsi-fëng, die sich noch mit Yüan-yang neckte, schnellte erschrocken hoch und schrie: „O weh!“ Darüber brachen alle Anwesenden unwillkürlich in lautes Gelächter aus, und selbst Hsi-fëng konnte nicht an sich halten und mußte lachen, als sie Ping-örl ausschimpfte: „Du verflixte Hure! Hast du dich blindgefressen, daß du deiner Herrin das Gesicht verschmierst?“
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Rasch trat Ping-örl zu Hsi-fëng heran, wischte ihr das Gesicht ab und ging dann selbst Wasser holen. Yüan-yang aber sagte: „Buddha Amitabha! Das war die Vergeltung!
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Doch Wolkenkind lehnte ab und ließ stattdessen draußen auf dem Wandelgang zwei weitere Tische aufstellen, damit Mandarinenente<ref>鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente" — die treue Leibdienerin der Herzoginmutter.</ref>, Bernstein<ref>琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein" — ein Dienstmädchen der Herzoginmutter.</ref>, Farbenwolke<ref>彩霞 Cǎixiá, wörtl. „Farbenwolke" — ein Dienstmädchen der Dame Wang.</ref>, Wolkenglanz<ref>Chin. 彩云</ref> und Friedchen<ref>平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen" — Phönixglanz' loyale Kammerzofe und engste Vertraute.</ref> dort Platz nehmen konnten.
Drinnen hatte die Herrzoginmutter den Lärm gehört und erkundigte sich nun gleich ein paarmal hintereinander: „Was ist denn passiert? Was war denn, daß ihr so fröhlich seid? Erzählt es uns, damit auch wir lachen können!
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Sofort berichtete Yüan-yang laut und mit lachender Stimme: „Die Frau des zweiten jungen Herrn ist bei uns Krabben stehlen gekommen. Darüber ist Ping-örl in Wut geraten und hat ihr das ganze Gesicht mit Krabbenfett vollgeschmiert. Herrin und Sklavin lagen sich in den Haaren.“
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Mandarinenente sagte lächelnd zu Phönixglanz: „Die junge gnädige Frau bedient hier, dann werden wir wohl essen gehen!"
Als die Herzoginmutter und Dame Wang das hörten, lachten sie ebenfalls, und die Herzoginmutter sagte: „Erbarmt euch doch und gebt ihr von den Krabbenbeinen und den Bauchpanzern etwas ab, und laßt es gut sein!
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Lachend versprachen es Yüan-yang und die anderen, dann sagte Yüan-yang noch immer mit lauter Stimme: „Eßt nur ungeniert alle Krabbenbeine, die auf dem Tisch herumliegen, junge gnädige Frau!
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Phönixglanz erwiderte: „Geht nur! Lasst mir alles, ich kümmere mich darum."
Nachdem sich Hsi-fëng das Gesicht gewaschen hatte, ging sie wieder hinein, um der Herzoginmutter und den anderen noch einige Zeit aufzuwarten. Dai-yü, die sich nicht traute, viel von den Krabben zu essen, nahm sich nur ein wenig Fleisch von den Scheren, dann stand sie vom Tisch auf. Alle anderen gingen erst auseinander, als die Herzoginmutter nichts mehr aß. Sie wuschen sich die Hände, und anschließend sahen sich die einen die Blüten an, während andere im Wasser pantschten und nach den Fischen schauten.
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So vergnügten sie sich noch ein Weilchen, dann erklärte Dame Wang der Herzoginmutter: „Hier ist es windig, alte gnädige Frau, außerdem habt Ihr eben Krabben gegessen. Darum ist es das Beste, wenn Ihr jetzt in Eure Räume zurückkehrt, um zu ruhen. Wenn Ihr Spaß daran hattet, können wir morgen noch einmal herüberkommen.“
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So kehrte Wolkenkind an ihren Platz zurück, während Phönixglanz und Li Schleierfrau eilig ein wenig aßen, so gut es die Umstände erlaubten. Dann ging Phönixglanz wieder hinein, um aufzuwarten. Nach einer Weile trat sie erneut auf den Wandelgang hinaus, wo Mandarinenente und die anderen fröhlich beim Essen saßen. Als sie Phönixglanz kommen sahen, standen sie auf, und Mandarinenente fragte: „Was wollt Ihr schon wieder hier, junge gnädige Frau? Gönnt Ihr uns nicht einmal ein wenig Genuss?"
„Du hast recht“, erwiderte die Herzoginmutter lächelnd, „ich dachte, euch macht es Freude, und wollte euch durch meinen Aufbruch nicht die Stimmung verderben. Aber wenn du es sagst, gehen wir jetzt!“ Dann wandte sie den Kopf nach Hsiang-yün und ordnete an: „Paß auf, daß dein Vetter Bau-yü und deine Kusine Dai-yü nicht zu viel von den Krabben essen!
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Als Hsiang-yün es ihr versprochen hatte, befahl sie ihr und Bau-tschai dasselbe: „Auch ihr beide dürft nicht zu viel davon essen! Denn es schmeckt wohl gut, ist aber nichts Gutes. Wenn man zu viel davon ißt, bekommt man Bauchschmerzen!“
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Phönixglanz lachte: „Mandarinenente, du kleines Spitzbein, du wirst wirklich immer schlimmer! Ich übernehme deinen Dienst, und anstatt mir dankbar zu sein, machst du mir Vorwürfe? Willst du mir nicht endlich einen Becher Wein einschenken?"
Die beiden versprachen es sofort und geleiteten die Herzoginmutter zum Garten hinaus. Dann kamen sie zurück und befahlen, die Tische abzuräumen und neu einzudecken.
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„Die Tische brauchen nicht wieder gedeckt zu werden“, schlug Bau-yü vor. „Wir wollen doch Gedichte machen! Wir stellen den großen runden Tisch in die Mitte, und darauf kommen der Wein und die Speisen! Auch eine strenge Sitzordnung sparen wir uns! Wer essen möchte, geht an den Tisch und ißt, die anderen setzen sich hin, wo sie wollen. Ist das nicht viel besser?“
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Lächelnd goss Mandarinenente rasch einen Becher voll und hielt ihn Phönixglanz an die Lippen. Phönixglanz streckte den Hals und leerte ihn in einem Zug. Inzwischen hatte Friedchen schon ein fettes Stück gelben Krabbenrogen herausgelöst und brachte es ihr.
„Der Vorschlag ist ausgezeichnet!“ lobte Bau-tschai.
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„Das stimmt schon“, wandte Hsiang-yün ein, „aber die anderen sind auch noch da.“ Und sie befahl, noch einen zweiten Tisch zu decken, dann suchte sie heiße Krabben heraus und bat Hsi-jën, Dsï-djüan, Sï-tji, Dai-schu, Ju-hua, Ying-örl und Tsuee-mo, an diesem Tisch Platz zu nehmen. Unter den Duftblütensträuchern am Berghang ließ sie zwei bunte Teppiche ausbreiten und ordnete an, auch die alten Sklavinnen und die kleineren Sklavenmädchen sollten sich hinsetzen und ungeniert essen und trinken, bis man sie wieder rufen würde.
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„Tüchtig Ingwer-Essig darüber!" verlangte Phönixglanz. Dann aß sie es und sagte lächelnd: „Setzt euch nur wieder und esst weiter — ich muss zurück."
Anschließend holte Hsiang-yün das Blatt mit den Themen für die Gedichte und heftete es mit Nadeln an die Wand. Alle lasen und sagten dann: „Neuartig und ungewöhnlich sind die Themen schon, aber wir werden wohl kaum Gedichte darüber zustande bringen.
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Hsiang-yün erläuterte noch, warum sie keinen Reim festgelegt hatte, worauf Bau-yü bemerkte: „Das ist das einzig Wahre! Ich habe für festgelegte Reime auch nichts übrig.
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Mandarinenente rief lachend: „Was für eine Unverschämtheit, uns das Essen wegzuschnappen!"
Dai-yü, die sich aus Wein nicht viel machte und auch keine Krabben mehr essen wollte, ließ sich einen Porzellanhocker mit gesticktem Bezug an das Geländer stellen, setzte sich darauf und warf die Angel aus, um Fische zu fangen.
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Bau-tschai hielt einen Zweig Duftblüten in der Hand, und nachdem sie sich eine Zeitlang daran erfreut hatte, lehnte sie sich gegen den Fenstersims, zupfte die Blüten ab und warf sie aufs Wasser, so daß die Fische hochstiegen, um danach zu schnappen.
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Phönixglanz erwiderte ebenfalls lachend: „Spar dir deine Scherze mit mir! Du weißt doch, dass dein Herr Kaufmann Kette<ref>Chin. 贾琏</ref> sich in dich verguckt hat und die alte gnädige Frau bitten will, dich ihm als Nebenfrau zu geben."
Hsiang-yün schaute ein Weilchen gedankenverloren vor sich hin, dann bediente sie eine Zeitlang Hsi-jën und die anderen Sklavenmädchen, die am Tisch saßen, und forderte schließlich auch die Leute vom Gesinde, die sich am Berghang niedergelassen hatten, noch einmal auf, tüchtig zuzugreifen.
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Tan-tschun stand mit Li Wan und Hsi-tschun zwischen den herabhängenden Weidenzweigen und schaute nach den Möwen und Reihern, während Ying-tschun allein im Schatten der blühenden Bäume stand und mit einer Sticknadel Jasminblüten auffädelte.
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„Pfui!" Mandarinenente spuckte empört aus. „So etwas sagt eine junge Herrin! Wenn ich Euch jetzt nicht meine nach Krabbe riechenden Finger durchs Gesicht schmiere, dann wäre ich keine Mandarinenente!" Und schon stürzte sie auf Phönixglanz zu.
Bau-yü sah erst Dai-yü beim Angeln zu, anschließend schaute er einige Zeit mit Bau-tschai zusammen aufs Wasser und unterhielt sich dabei mit ihr, dann wieder leistete er Hsi-jën und den anderen Sklavenmädchen Gesellschaft, während sie Krabben aßen, und trank ihnen zuliebe einen Schluck Wein, Hsi-jën aber füllte für ihn einen Krabbenpanzer mit Fleischstückchen.
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Inzwischen legte Dai-yü die Angelrute fort, ging an den Tisch, griff nach einem Schwarzsilberkännchen mit Aprikosenblütenmuster und nahm sich einen winzigen Bananenblattbecher aus zierapfelblütenfarbigem Speckstein. Als die Sklavenmädchen sahen, daß Dai-yü Wein trinken wollten, traten sie schnell heran, um ihr einzugießen, aber Dai-yü sagte: „Geht ihr nur essen und laßt mich selber eingießen! So macht es erst den richtigen Spaß!“ Dann stellte sie fest, daß es Reiswein war, und sagte: „Ich habe zwar nur ein ganz kleines bißchen Krabbenfleisch gegessen, aber jetzt tut mir der Leib ein wenig weh. Ich muß einen Schluck heißen Branntwein trinken!“
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Phönixglanz flehte: „Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!"
„Es ist welcher da!“ sagte Bau-yü sofort und befahl, es sollte ein Kännchen von dem mit Albizzienblüten angesetzten Branntwein heiß gemacht werden. Dai-yü trank nur einen Schluck davon und stellte den Rest wieder hin. Auch Bau-tschai kam herüber, suchte sich ebenfalls einen Becher aus und trank einen Schluck. Dann befeuchtete sie einen Schreibpinsel mit Tusche, trat vor die Wand, hakte das erste Thema – ‚Denken an Chrysanthemen‘ – ab und setzte das Schriftzeichen hëng für Haselwurz darunter.
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„Liebste Kusine“, bat Bau-yü rasch, „ich habe schon vier Zeilen für das zweite Thema zusammen, überlaß das mir!“
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Bernstein bemerkte lächelnd von der Seite: „Mandarinenente will sich rächen, aber wird Friedchen sie auch verschonen? Seht nur, sie hat keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig ausgetrunken! Man kann wirklich nicht sagen, dass sie nicht sauer werden kann!" <ref>Das Wortspiel bezieht sich darauf, dass 'Essig trinken' (吃醋) im Chinesischen 'eifersüchtig sein' bedeutet — Bernstein stichelt, Friedchen sei eifersüchtig über die Scherze bezüglich Mandarinenentes Verheiratung an ihren Herrn.</ref>
„Warum so aufgeregt?“ fragte Bau-tschai lächelnd. „Ich habe ja auch erst dies eine Gedicht fertig.
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Ohne ein Wort zu sagen, nahm Dai-yü ihr den Schreibpinsel aus der Hand und hakte das achte Thema – ‚Chrysanthemen befragen‘ – ab und anschließend auch das elfte – ‚Chrysanthementraum‘. Darunter setzte sie das Schriftzeichen hsiau aus ihrem Dichternamen Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß.
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Friedchen, die gerade eine fette, prall mit gelbem Rogen gefüllte Krabbe auseinanderbrach, hörte, wie sie so aufgezogen wurde, und ging mit der Krabbe in der Hand auf Bernsteins Gesicht los, wobei sie lachend schimpfte: „Dir werde ich's zeigen, du Lästerzunge, du kleines Spitzbein!"
Jetzt griff auch Bau-yü nach dem Schreibpinsel und hakte das zweite Thema – ‚Chrysanthemen suchen‘ – ab, darunter setzte er das Schriftzeichen djiang – ‚rot‘.
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Tan-tschun kam herüber, sah sich die Liste an und sagte: „Wenn keiner über das Thema ‚Chrysanthemen ins Haar stecken‘ schreiben will, werde ich es nehmen!“ Dann wies sie mit dem Finger auf Bau-yü und warnte ihn lächelnd: „Vorhin ist verkündet worden, daß auf keinen Fall Ausdrücke vorkommen dürfen, die aus den Mädchengemächern stammen. Also sei auf der Hut!“
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Bernstein wich lachend zur Seite aus, und Friedchens Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere, traf aber — als sie nach vorne stolperte — genau Phönixglanz' Wange. Phönixglanz, die sich gerade noch mit Mandarinenente geneckt hatte und nicht damit rechnete, schreckte auf, schrie „Au!" — und alle Anwesenden brachen in lautes Gelächter aus. Selbst Phönixglanz konnte nicht anders und schimpfte lachend: „Du verflixtes Frauenzimmer! Hast du dich blindgefressen, dass du deiner eigenen Herrin das Gesicht vollschmierst?"
Während sie das eben sagte, trat auch Hsiang-yün heran und hakte das vierte und das fünfte Thema – ‚Chrysanthemen zugewandt‘ und ‚Chrysanthemen aufstellen‘ – ab und setzte das Schriftzeichen hsiang aus ihrem Namen darunter.
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„Du mußt dir auch einen Beinamen bilden“, verlangte Tan-tschun. Lächelnd erwiderte Hsiang-yün: „Es gibt zwar auch bei uns ein paar Gartenhäuser, aber ich wohne ja nicht darin, darum hat es keinen Sinn, wenn ich mich danach nenne.
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Friedchen eilte sofort herbei, wischte ihr das Gesicht ab und ging selbst Wasser holen. Mandarinenente sagte: „Amitabha Buddha! Das war die gerechte Vergeltung!"
„Die alte gnädige Frau hat vorhin erzählt, es habe auch bei euch so einen Pavillon über dem Wasser gegeben, der ‚Halle, gebettet aufs Abendrot‘ hieß“, sagte Bau-tschai lächelnd. „Hätte der dir vielleicht nicht gehören müssen? Heute gibt es ihn zwar nicht mehr, trotzdem bist du die eigentliche Herrin davon.
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„Sie hat recht“, bestätigten alle, und ehe Hsiang-yün noch die Hand rühren konnte, hatte Bau-yü schon das Schriftzeichen hsiang übermalt und statt dessen das Schriftzeichen hsia – ‚Abendrot‘ – hingeschrieben.
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Drinnen hatte die Herzoginmutter den Lärm vernommen und erkundigte sich ein ums andere Mal: „Was ist da los? Was macht euch so fröhlich? Erzählt es uns, damit auch wir etwas zu lachen haben!"
Jetzt dauerte es nur noch so lange, wie man braucht, um eine Schale Reis zu essen, da waren die zwölf Gedichte fertig. Jeder schrieb auf, was er verfaßt hatte, und übergab es Ying-tschun, die einen Bogen ‚Schneewellen‘-Zierpapier nahm und alles zusammen noch einmal abschrieb. Unter jeden Titel setzte sie den Dichternamen des Verfassers. Dann las Li Wan mit den anderen zusammen alles durch:
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„Denken an Chrysanthemen
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Mandarinenente rief mit lauter Stimme und lachend hinüber: „Die Frau des zweiten jungen Herrn kam herüber, um uns die Krabben zu stibitzen! Da ist Friedchen in Zorn geraten und hat ihrer eigenen Herrin das ganze Gesicht mit Krabbenrogen vollgeschmiert! Herrin und Dienerin prügeln sich!"
Edle von Haselwurz
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Im Westwind steh ich enttäuscht und betrübt;
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Als die Herzoginmutter und Dame Wang das hörten, lachten auch sie laut auf. Die Herzoginmutter sagte: „Erbarmt euch doch über sie! Gebt ihr von den Krabbenbeinen und den Bauchpanzern etwas ab, dann ist es gut."
wird der Knöterich rot, bricht mir das Herz.
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Kahl ragt im Garten der Bambuszaun auf,
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Lachend versprachen Mandarinenente und die anderen es, und Mandarinenente rief noch immer laut: „Die Krabbenbeinchen auf dem ganzen Tisch — die junge gnädige Frau darf ruhig zugreifen!"
und nur der Traum bringt das Bild mir zurück.
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Weit fliegt mein Geist mit den Wildgänsen fort,
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Phönixglanz wusch sich das Gesicht und ging wieder hinein, um die Herzoginmutter und die anderen noch eine Weile zu bedienen. Kajaljade allein wagte nicht, viel von den Krabben zu essen; sie nahm sich nur etwas Scherenfleisch und verließ dann den Tisch.
höre ich einsam der Waschbleuel Schlag.
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Wie soll ich nun meine Sehnsucht stillen?
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Als die Herzoginmutter schließlich nichts mehr aß, löste sich die Tafel auf. Alle wuschen sich die Hände, und dann besichtigten die einen die Blumen, während andere am Wasser standen und die Fische beobachteten, und so vergnügten sie sich noch ein Weilchen.
Einziger Trost bleibt der kommende Herbst.
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Chrysanthemen suchen
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Dame Wang wandte sich an die Herzoginmutter: „Hier weht ein frischer Wind, und Ihr habt eben erst Krabben gegessen, alte gnädige Frau. Es wäre wohl das Beste, wenn Ihr jetzt in Eure Gemächer zurückkehrt und Euch ausruht. Wenn Ihr Lust habt, können wir morgen wiederkommen."
Ein Fürstensohn, der sich am Roten freut
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Müßig durchschreit ich den reifklaren Tag,
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Die Herzoginmutter lächelte: „Du hast ganz recht. Ich fürchtete nur, euch den Spaß zu verderben, wenn ich aufbreche. Aber wenn du es so sagst, dann gehen wir jetzt alle zusammen." Sie wandte sich an Wolkenkind: „Pass auf, dass dein Schatzjade-Vetter und deine Kajaljade-Schwester nicht zu viel von den Krabben essen!"
anstatt bei den Bechern zu säumen.
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Wer hat da Blumen ins Mondlicht gepflanzt,
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Wolkenkind versprach es. Dann ermahnte die Herzoginmutter auch Wolkenkind und Schatzspange: „Auch ihr beide dürft nicht zu viel davon essen! Krabben schmecken zwar gut, aber sie sind schwer verdaulich. Isst man zu viel davon, bekommt man Bauchschmerzen!" Die beiden versprachen es sofort und geleiteten die Herzoginmutter bis vor den Garten. Dann kehrten sie zurück und ließen die Überreste der Tafel abräumen und frisch eindecken.
wie kommen die Blüten hier an den Zaun?
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Reich ist vergolten mein endloser Weg,
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Schatzjade schlug vor: „Wir brauchen gar nicht neu einzudecken! Wir wollen doch Gedichte schreiben. Stellt einfach den großen runden Tisch in die Mitte, Wein und Speisen darauf — und auf eine feste Sitzordnung verzichten wir! Wer essen möchte, geht hin und greift zu, die übrigen setzen sich, wo immer es ihnen beliebt. Ist das nicht viel zwangloser?"
froh klingt mein Lied in den frostigen Tag.
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Wenn auch die Blumen den Dichter verstehen,
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Schatzspange stimmte zu: „Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag."
war nicht umsonst das Geld für den Wein.
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Chrysanthemen pflanzen
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Wolkenkind wandte ein: „So weit, so gut — aber wir dürfen die anderen nicht vergessen." Sie ließ noch einen weiteren Tisch aufstellen und frische, heiße Krabben herausbringen, dann lud sie Dufthauch<ref>袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch" — Schatzjades treueste Kammerzofe, besonnen und pflichtbewusst.</ref>, Purpurkuckuck<ref>紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck" — Kajaljade's treue Kammerzofe.</ref>, Siqui<ref>Chin. 司棋</ref>, Daishu<ref>Chin. 侍书</ref>, Ruhua<ref>Chin. 入画</ref>, Goldreifchen<ref>Chin. 莺儿</ref> und Tuschegrün<ref>Chin. 翠墨</ref> ein, sich gemeinsam an diesem Tisch niederzulassen. Unter den Duftblütensträuchern am Berghang ließ sie zwei bunt gemusterte Filzteppiche ausbreiten und befahl, auch die wartenden Bediensteten und die kleinen Dienstmädchen sollten sich setzen und nach Herzenslust essen und trinken — wenn man sie brauche, werde man sie rufen.
Ein Fürstensohn, der sich am Roten freut
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Zur Hacke griff ich und setzte im Garten
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Dann holte Wolkenkind das Blatt mit den Gedichtthemen und heftete es mit Nadeln an die Wand. Alle lasen es und sagten: „Die Themen sind allerdings neu und ungewöhnlich — aber ob wir etwas Brauchbares darüber zustande bringen?" Wolkenkind erklärte noch einmal, warum sie auf einen festgelegten Reim verzichtet hatte.
junge Pflänzchen am Zaun vor dem Hof.
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Vom Regen befeuchtet, wuchsen sie kräftig,
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Schatzjade sagte: „Das ist die einzig richtige Vorgehensweise! Ich bin auch überhaupt kein Freund festgelegter Reime."
blühn heute üppig inmitten von Reif.
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Tausend Gedichte will ich euch singen,
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Kajaljade, die nicht viel Wein trank und auch keine Krabben mehr essen wollte, ließ sich einen bestickten Porzellanhocker ans Geländer stellen, setzte sich darauf und griff nach der Angelrute, um Fische zu fangen.
spendiern einen Becher vom besten Wein.
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Werde euch gießen, werde euch hegen,
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Schatzspange hielt einen Zweig Duftblüten in der Hand und betrachtete ihn eine Weile, dann lehnte sie sich ans Fensterbrett, zupfte die Blütenblättchen ab und warf sie aufs Wasser, sodass die Fische hochstiegen und danach schnappten.
werde euch schützen vor dem Staub dieser Welt.
+
 
Chrysanthemen zugewandt
+
Wolkenkind schaute eine Weile gedankenverloren vor sich hin, bediente dann eine Zeitlang Dufthauch und die anderen Mädchen, die am Tisch saßen, und rief den Leuten am Berghang zu, sie sollten nur kräftig zugreifen.
Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet
+
 
Köstlichste Blumen, kostbar wie Gold,
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Spürfrühling stand mit Li Schleierfrau und Bewahrfrühling im Schatten der Trauerweiden und beobachtete die Möwen und Reiher auf dem Wasser. Willkommensfrühling saß für sich allein im Blütenschatten und fädelte mit einer Sticknadel Jasminblüten auf.
ein Busch so dunkel, einer so hell.
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Barhäuptig will ich mich zu euch setzen,
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Schatzjade schaute eine Weile Kajaljade beim Angeln zu, lehnte sich dann an Schatzspanges Seite und plauderte ein paar Sätze mit ihr, ging darauf zu Dufthauch und den anderen, sah ihnen beim Krabbenessen zu und trank ihnen zuliebe ein, zwei Schlückchen Wein. Dufthauch löste ihm ein Stück Krabbenfleisch aus der Schale und reichte es ihm.
die Knie umfassend, sing ich ein Lied.
+
 
Wer auf der Welt ist stolzer als ihr!
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Kajaljade legte die Angelrute beiseite, ging an den Tisch und griff nach einem Selbsteingieß-Kännchen aus geschwärztem Silber mit eingraviertem Aprikosenblütenmuster. Dann suchte sie sich einen winzigen Bananenblattbecher aus mit Speckstein in der Farbe gefrorener Zierapfelblüten. Als die Dienstmädchen sahen, dass Kajaljade Wein trinken wollte, kamen sie eilig herbei, um für sie einzugießen.
Ich allein bin es, der euch versteht.
+
 
Ich bleib euch treu, welkt ihr auch hin,
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Kajaljade sagte: „Geht nur essen! Lasst mich mir selbst einschenken — so macht es erst richtig Spaß." Sie goss sich einen halben Becher ein und sah, dass es gelber Reiswein war. „Ich habe vorhin nur ein kleines bisschen Krabbe gegessen", sagte sie, „aber jetzt tut mir leicht der Leib weh. Ich müsste einen Schluck heißen Branntwein trinken."
traure mit euch um die schwindende Zeit.
+
 
Chrysanthemen aufstellen
+
Schatzjade rief sofort: „Es ist welcher da!" und befahl, man solle ein Kännchen von dem mit Albizienblüten<ref>Chin. 合欢花</ref> angesetzten Branntwein aufwärmen. Kajaljade trank nur einen Schluck davon und stellte den Rest hin.
Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet
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Bei Musik und Wein als Partner
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Schatzspange kam ebenfalls herüber, nahm sich einen eigenen Becher und trank einen Schluck. Dann befeuchtete sie den Schreibpinsel mit Tusche, trat an die Wand und hakte das erste Thema — „Erinnerung an Chrysanthemen" — ab. Darunter setzte sie das Schriftzeichen „Heng"<ref>Chin. 蘅</ref>, ihren Dichternamen „Edle von Haselwurz".
steht die Zierde auf dem Tisch,
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duftet würzig-feucht herüber –
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Schatzjade bat sogleich: „Liebste Schwester, das zweite Thema — dafür habe ich schon vier Verse zusammen. Überlass es mir, bitte!"
nur ein Stengel Herbstschönheit.
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Bringt zur Nacht mir neue Träume,
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Schatzspange lachte: „So eilig? Ich habe mit Mühe und Not erst dieses eine Gedicht fertig."
mahnt mich an den alten Freund.
+
 
Unser Stolz ist uns gemeinsam,
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Kajaljade sagte nichts, nahm den Pinsel und hakte das achte Thema — „Chrysanthemen befragen" — ab, anschließend auch das elfte — „Chrysanthementraum". Darunter setzte sie das Schriftzeichen „Xiao"<ref>Chin. 潇</ref> aus ihrem Dichternamen „Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang".
nicht für uns ist Lenzesblühn.
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Lob der Chrysantheme
+
Nun griff auch Schatzjade zum Pinsel und hakte das zweite Thema — „Chrysanthemen aufsuchen" — ab, mit dem Zeichen „Jiang"<ref>Chin. 绛</ref> für „Rot" darunter.
Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß
+
 
Sie lockt zu dichten von früh bis spät,
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Spürfrühling kam herbei, musterte die Liste und sagte: „Es will tatsächlich niemand über 'Chrysanthemen ins Haar stecken' schreiben? Dann übernehme ich das!" Dann wies sie mit dem Finger auf Schatzjade und warnte ihn lachend: „Vorhin wurde ausdrücklich verkündet, dass keinerlei Ausdrücke aus den Mädchengemächern vorkommen dürfen! Gib also acht!"
Verse zu reimen vor Blumen und Fels.
+
 
Der Pinsel, er schreibt schon am reifkalten Morgen,
+
Während sie noch sprach, trat Wolkenkind heran und hakte auf einen Streich das vierte und das fünfte Thema — „Chrysanthemen zugewandt" und „Chrysanthemen aufstellen" — ab, mit dem Zeichen „Xiang"<ref>Chin. 湘</ref> darunter.
die Lippen, sie singen in mondheller Nacht.
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Blatt für Blatt erzählt von Kummer,
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Spürfrühling sagte: „Du musst dir auch einen Dichternamen zulegen."
doch wer zeigt für Herbstleid Sinn?
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Seit einstens Tau Tjiän Chrysanthemen pries,<ref>Der Dichter Tau Tjiän (Tau Yüan-ming, vgl. o., Anm. zu S. 40) ist für seine Liebe zu den Chrysanthemen bekannt.</ref>
+
Wolkenkind erwiderte lächelnd: „In unserem Haus gibt es zwar einige Pavillons und Gartenhäuser, aber ich wohne ja gar nicht darin. Mir einen solchen Namen zu borgen hätte keinen Reiz."
klingt laut dieses Lob bis zum heutigen Tag.
+
 
Chrysanthemen malen
+
Schatzspange meinte lächelnd: „Vorhin hat die alte gnädige Frau erzählt, bei euch zu Hause habe es auch so einen Wasserpavillon gegeben, der 'Pavillon des Ruhekissens im Abendrot' hieß. Gehörte der nicht eigentlich dir? Es gibt ihn heute zwar nicht mehr, aber trotzdem bist du seine einstige Herrin."
Edle von Haselwurz
+
 
Eh‘ die Dichtlust mir vergangen,
+
Alle stimmten zu. Noch ehe Wolkenkind die Hand rühren konnte, hatte Schatzjade bereits das Zeichen „Xiang" übermalt und stattdessen „Xia"<ref>Chin. 霞</ref> — „Abendrot" — hingeschrieben.
reißt es mich zu malen fort.
+
 
Dunkle Flecken sind die Blätter,
+
Nun dauerte es nur noch so lange, wie man braucht, um eine Schale Reis zu essen, und alle zwölf Gedichte waren vollendet. Jeder schrieb das Seine auf und gab es Willkommensfrühling, die einen Bogen feinstes „Schneewellen"-Zierpapier<ref>Chin. 雪浪笺</ref> nahm und alles zusammen abschrieb, unter jedem Titel den Dichternamen des Verfassers.
Blüten zieret weißer Reif.
+
 
Schwarz die Schatten sich bewegen,
+
Li Schleierfrau und die anderen begannen, die Gedichte von Anfang an durchzulesen:
aus dem Bild strömt Herbstesduft,
+
 
scheint wie frisch gepflückte Blumen,
+
Erinnerung an Chrysanthemen — Edle von Haselwurz<ref>Chin. 蘅芜君</ref>
tröstet mich zur Winterszeit.
+
 
Chrysanthemen befragen
+
Im Westwind steh ich betrübt, von Sehnsucht bedrängt;
Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß
+
Wird der Knöterich rot und das Schilfgras weiß, bricht mir das Herz.
Auskunft über Herbstgedanken
+
Im leeren Garten am alten Zaun ist keine Spur mehr vom Herbst,
suche ich am Blumenzaun:
+
Doch der magere Mond und der kühle Reif wissen: Ich träume von dir.
Wem gleicht ihr so stolz und edel?
+
Mein Herz fliegt fort mit den Wildgänsen, Gedanke um Gedanke,
Warum blüht als letzte ihr?
+
Und einsam lausch ich am Abend dem Schlag der Waschbleuel.
Fröstelt euch in Reif und Kälte?
+
Wer hat Erbarmen mit mir und meiner gelben Blumenkrankheit?
Grämt ihr euch beim Vogelzug?
+
Getrost! Zur Doppelneun-Feier sehen wir uns wieder.
Sagt mir nicht, ihr wäret einsam,
+
 
könnt ihr sprechen, sprecht mit mir!
+
Chrysanthemen aufsuchen — Fürstensohn, der sich am Roten freut<ref>Chin. 怡红公子</ref>
Chrysanthemen ins Haar stecken
+
 
Ein Gast unter Bananen
+
Müßig streif ich umher an einem reifklaren Tag,
Täglich breche ich mir Blüten,
+
Statt bei Arzneibecher und Weinpokal zu verweilen.
Stecke sie als Schmuck mir an.
+
Wer hat die Blumen dort im Mondlicht gepflanzt?
Tau Tjiän war dem Wein ergeben,
+
Am Zaun, am Geländer — wo kommt all dieser Herbst nur her?
Du Mu war ein Blumennarr.<ref>803 – 852, Beamter und Dichter.</ref>
+
In Holzschuhen bin ich von weit her gewandert, tapp, tapp,
Kalter Tau netzt meine Schläfen,
+
Und mein kühles Gedicht klingt nie aus, so endlos die Freude.
Herbstduft tränkt das Kopftuch mir.
+
Wenn die gelben Blumen den Dichter verstehen könnten,
Fremd erscheint mein Tun der Menge.
+
War nicht umsonst mein Geld für den Wanderstab.
Lacht ihr nur am Wegesrand!
+
 
Chrysanthemenschatten
+
Chrysanthemen pflanzen — Fürstensohn, der sich am Roten freut<ref>Chin. 怡红公子</ref>
Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet
+
 
Herbstsonne zaubert Schatten hervor,
+
Mit der Hacke kam ich zum Herbstgarten und setzte sie um,
die abends zögernd verblassen,
+
Pflanzte sie sorgsam am Zaun und vor dem Haus.
im Lampenlicht und im Mondenschein
+
Unverhofft kam der Regen gestern Nacht — und sie wuchsen,
tanzen sie wieder von neuem,
+
Heute blühen sie fröhlich, noch immer bedeckt vom Reif.
zeigen uns nur ein Trugbild, nicht mehr,
+
Tausend Gedichte sing ich zur Herbstesfarbe,
und sind doch die Seelen der Blumen.
+
Und ein Becher Wein sei dem kühlen Duft geweiht.
Gib acht und zertritt nicht die duftige Spur,
+
Ich will sie gießen, die Erde häufen und sie hegen —
wenn trunkene Augen dich leiten.
+
Auf dass der Gartenpfad frei bleibe von Staub und Getöse.
Chrysanthementraum
+
 
Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß
+
Chrysanthemen zugewandt — Freundin des Ruhekissens im Abendrot<ref>Chin. 枕霞旧友</ref>
Süß schläft im Herbst die Blume am Zaun,
+
 
ihr Geist folgt dem Mond und den Wolken.
+
Kostbare Blüten, köstlicher als Gold,
Sie träumt nicht wie Dschuang-dsï vom Schmetterling,
+
Ein Busch ganz blass, ein anderer tief und dunkel.
sie geht nach Tau Tjiän auf die Suche.
+
Barhäuptig sitz ich am Zaun,
Und schlummert sie ein bei der Wildgänse Ruf,
+
Die Knie umfassend, summe ich ein Lied.
so weckt sie der Lärm der Zikaden.
+
Zählt man die Stolzen dieser Welt — keiner übertrifft euch;
Wem aber klagt sie erwachend ihr Leid?
+
Seht euch um: Nur ich allein bin euer wahrer Freund.
Ringsum ist nur Öde und Leere.
+
Lasst das Herbstlicht nicht ungenutzt verrinnen,
Verwelkte Chrysanthemen
+
Einander zugewandt, wollen wir jede Stunde schätzen.
Ein Gast unter Bananen
+
 
Langsam sie neigen in Tau sich und Reif,
+
Chrysanthemen aufstellen — Freundin des Ruhekissens im Abendrot<ref>Chin. 枕霞旧友</ref>
kaum daß es wintert und schneiet.
+
 
Noch sind sie duftig, blaß wird ihr Gold,
+
Bei Saitenspiel und Wein — willkommener Gefährte! —
von den Stengeln löst sich das Grüne.
+
Steht ihr anmutig auf dem Tisch, ziert still den Raum.
Die Zikaden singen ihr Sterbelied,
+
Vom Nebensitz strömt feuchter Duft aus dem Gartenpfad herüber,
hoch am Himmel ziehn wilde Gänse.
+
Ich lege das Buch beiseite — nur ein Stengel Herbstschönheit genügt.
Übers Jahr bringt der Herbst uns ein Wiedersehn,
+
Im kühlen Reif bringt ihr mir neue Träume,
laßt euch nicht durch die Trennung vergrämen.“
+
Im kalten Garten erinnert die schräge Sonne an alte Zeiten.
Jedes Gedicht, das sie lasen, wurde sogleich gelobt, und die wechselseitigen Komplimente nahmen kein Ende.
+
Unser Stolz ist uns gemeinsam — wir sind eines Wesens;
„Wartet doch, bis ich mein Urteil fälle!“ mahnte Li Wan lächelnd. „Nachdem ich alles gelesen habe, muß ich sagen, daß jedem auf seine Art ein paar erstklassige Zeilen gelungen sind. Mein Urteil lautet so: Das beste Gedicht ist ‚Lob der Chrysantheme‘, an zweiter Stelle folgt ‚Chrysanthemen befragen‘ und an dritter Stelle ‚Chrysanthementraum‘.
+
Kirsch- und Pflaumenblüte im Frühling — das ist nicht unsere Art.
Die Themen sind neuartig, die Gedichte sind es auch, und erst recht ist es der Sinn, der hineingelegt wurde. Darum könnt ihr nicht böse sein, wenn ich die Kaiserin vom Hsiau-hsiang-Fluß zur Siegerin erkläre. Auf ihre Verse
+
 
folgen als Nächste die Gedichte ‚Chrysanthemen ins Haar stecken‘, ‚Chrysanthemen zugewandt‘, ‚Chrysanthemen aufstellen‘, ‚Chrysanthemen malen‘ und ‚Denken an Chrysanthemen‘.
+
Lob der Chrysantheme — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang<ref>Chin. 潇湘妃子</ref>
Als Bau-yü das hörte, klatschte er vor Freude in die Hände und rief: „Vollkommen richtig! Höchst gerecht!“ Dai-yü aber wandte ein: „So gut sind meine Verse auch wieder nicht, ihr Fehler ist, daß sie ein wenig zu niedlich sind.
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„Niedlich sind sie“, pflichtete Li Wan ihr bei, „aber nicht steif und nicht überladen.“
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Der Dichterdämon lockt mich, morgens und abends,
„Die beste Zeile ist meiner Meinung nach ‚Mahnt mich an den alten Freund‘“, sagte Dai-yü. „Sie schafft einen starken Kontrast. Schon vorher die Stelle ‚Nur ein Stengel Herbstschönheit‘ ist sehr treffend formuliert. Zuvor ist alles über das Aufstellen der Chrysanthemen gesagt, darum passen diese Worte nirgendwo anders hin. Danach kehren die Gedanken dorthin zurück, als die Blumen noch nicht gebrochen und aufgestellt waren. Darin liegt ein tiefer Sinn.“
+
Am Zaun, am Felsen versinke ich in Verse.
„Das stimmt schon“, bestätigte Li Wan, „aber dein Ausdruck ‚singen in mondheller Nacht‘ übertrifft alles andere.“
+
Der Pinsel entfaltet Schönheit und schreibt im Reif,
„Man muß aber einräumen, daß die Edle von Haselwurz mit den Worten ‚kahl ragt der Zaun‘ und ‚der Traum bringt‘s zurück‘ den Gedanken der Sehnsucht gut zum Ausdruck bringt“, meinte Tan-tschun.
+
Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht.
„Und bei dir schildern die ‚taunassen Schläfen‘ und das ‚duftgetränkte Kopftuch‘ das Bild von Chrysanthemen im Haar bis ins letzte Detail“, erwiderte Bau-tschai darauf.
+
Blatt um Blatt ist nichts als stille Klage,
„Mit den Fragen ‚Wem gleicht ihr so stolz?‘ und ‚Warum blüht ihr so spät?‘ werden die armen Chrysanthemen aber schön in die Enge getrieben“, scherzte Hsiang-yün.
+
Doch wer versteht das Herbstherz in einem einzigen Wort?
„Na, wenn du dich ‚barhäuptig hinsetzt‘ und ‚die Knie umfassend‘ singst, ohne wieder wegzugehen, wird das den Blumen, wenn sie nur fühlen können, wohl auch lästig werden“, gab Li Wan zurück und brachte damit alle zum Lachen.
+
Seit einst Tao Yuanming sein Urteil sprach,
„Und ich bin wieder mal durchgerasselt“, sagte Bau-yü. „Drückt denn ‚Wer hat gepflanzt?‘, ‚Wie kommen sie hierher?, ‚endloser Weg‘, ‚froh klingt mein Lied‘ nicht das Suchen aus? Sagt ‚vom Regen befeuchtet‘ und ‚blühen im Reif‘ etwa nichts über die Pflanzen? Nur darüber kann ich mich ärgern, daß ich den Ausdrücken ‚sing ich in mondheller Nacht‘, ‚die Knie umfassend, sing ich ein Lied‘, ‚Tau netzt die Schläfen‘, ‚Duft tränkt das Tuch‘, ‚blaß wird ihr Gold‘, ‚löst sich das Grün‘, ‚kahl ragt der Zaun‘, ‚der Traum bringt‘s zurück‘ nichts Gleichwertiges entgegensetzen konnte.“ Dann fügte er hinzu: „Wenn ich morgen Muße habe, schreibe ich noch einmal allein über alle zwölf Themen!“
+
Hallt sein edles Lob bis zum heutigen Tag.
„Auch deine Gedichte sind nicht schlecht“, tröstete ihn Li Wan. „Sie sind bloß nicht so originell wie die andern.
+
<ref>Tao Qian (陶渊明/陶潜, 365–427), der berühmte Eremit und Dichter, der die Chrysantheme zum Symbol des Rückzugs und der Unbestechlichkeit erhob.</ref>
Nachdem sich alle noch ein Weilchen zu ihren Wertungen geäußert hatten, verlangten sie frische Krabben und aßen gemeinsam am großen runden Tisch. Plötzlich sagte Bau-yü: „Heute feiern wir die Duftblüten mit einem Krabbenessen, das muß ebenfalls besungen werden! Mein Gedicht ist schon fertig, wer hält noch mit?“ Und rasch wusch er sich die Hände, griff zum Pinsel und schrieb.
+
 
Alle schauten auf sein Blatt und lasen dort:
+
Chrysanthemen malen — Edle von Haselwurz<ref>Chin. 蘅芜君</ref>
„Krabbenfleisch schmeckt erst, wenn Duftblüten blühen,
+
 
mit Essig begossen, mit Ingwer bestreut.
+
Noch ehe die Dichtlust verebbt, greift die Hand schon zum Pinsel,
Nun brauche ich Vielfraß noch Reiswein dazu,
+
Nicht der schönen Farben wegen allein.
dann schmaus ich, dann trink ich wie toll.
+
Die Blätter spritzen aufs Papier wie tausend Tuschetupfer,
Da schrecke ich auch nicht vor Bauchweh zurück
+
Die Blüten, eng gedrängt, tragen weißen Reifeshauch.
und Fingern, die kleben von rötlichem Fett.
+
Im blass-dunklen Spiel erahnt man die Schatten im Wind,
Man lebt nicht umsonst für solch Schlemmermahl,
+
Lebendig springt der Herbstduft vom Handgelenk.
wie recht hatte doch Su Dung-po!“<ref>1036 – 1101, Beamter und Dichter.</ref>
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Verwechselt dies nicht mit frisch gepflückten Blumen am Ostzaun —
Lächelnd sagte Dai-yü: „Von solchen Gedichten kannst du hundert Stück haben, wenn du möchtest.
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Aufgeklebt auf den Wandschirm tröstet es mich zum Doppelneunfest.
Ebenfalls lächelnd, erwiderte Bau-yü: „Deine Inspiration ist für heute erschöpft, du kannst nichts mehr dichten, trotzdem mußt du andere herabsetzen!“
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Ohne ihm zu antworten und ohne auch nur nachzudenken, griff Dai-yü zum Schreibpinsel, und im Nu war ein Gedicht fertig. Die anderen lasen:
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Chrysanthemen befragen — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang<ref>Chin. 潇湘妃子</ref>
„Noch im Tod mit Wehr und Harnisch
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locken Krabben auf dem Tisch.
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Ich forsche nach den Geheimnissen des Herbstes, doch keiner weiß Bescheid,
Weißen Jade birgt ihr Panzer,
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Leise murmelnd, die Hände auf dem Rücken, klopfe ich am Ostzaun an:
duftig riecht ihr rotes Fett.
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So stolz und edel — mit wem wollt ihr euch zurückziehen?
Schmackhaft sind auch die acht Beine,
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Gleich den anderen Blumen — warum blüht ihr so spät?
reichlich trink ich Wein dazu.
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Im Gartentau, im Hofreif — ist euch nicht einsam?
Und vollendet wird der Festtag
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Wenn die Gänse ziehen und die Grillen verstummen — fühlt ihr nicht Sehnsucht?
durch den Reif der Chrysanthem‘.
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Sagt nicht, auf der ganzen Welt gebe es niemanden zum Reden —
Als Bau-yü das Gedicht zu Ende gelesen hatte und es nun lauthals lobte, zerriß Dai-yü das Blatt mit raschem Griff und reichte es dann einer Sklavin mit dem Befehl, es zu verbrennen. Dann wandte sie sich zu Bau-yü und sagte lächelnd: „Meines reicht an deines nicht heran, darum lasse ich es verbrennen. Aber deines ist gut, besser als deine Chrysanthemengedichte von vorhin. Heb es auf und zeig es den Leuten!“
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Wenn ihr sprechen könnt, so sprecht ein paar Worte mit mir!
„Ich habe mir auch etwas abgequält“, meldete sich jetzt lächelnd Bau-tschai zu Wort. „Es ist nicht unbedingt gut, aber ich will es aufschreiben, damit ihr etwas zu lachen habt!“ Mit diesen Worten griff sie zum Pinsel und schrieb. Alle anderen lasen mit:
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„Unter den blühenden Bäumen zu prassen
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Chrysanthemen ins Haar stecken — Gast unter Bananenblättern<ref>Chin. 蕉下客</ref>
haben die Schlemmer von Tschang-an im Sinn.<ref>Der Name Tschang-an wird hier metaphorisch für die Hauptstadt (Peking) verwendet. Tschang-an (heute Hsi-an) war Chinas Hauptstadt in der Han- und der Tang-Zeit sowie unter weiteren Dynastien. An anderer Stelle (15. Kap.) wird dasselbe Tschang-an als Name für eine fiktive kleinere Stadt verwendet (vgl. o., Anm. zu S. 255).</ref>
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Ihr bornierten Seitwärtsgänger,
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Täglich in Eile — hier Vasen füllen, dort Beete pflegen,
Farbe heißt es jetzt bekannt!
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Die gebrochene Blüte steck ich mir an, und der Spiegel zeigt, wie sie steht.
Die anderen schrien vor Begeisterung auf, als sie bis hierher gelesen hatten, und Bau-yü sagte: „Das ist ein Spaß! Mein Gedicht werde ich auch verbrennen!“ Dann las er weiter:
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In Chang'an war einst ein junger Herr von Blumen besessen,
„Heißer Reiswein würzt die Speise,
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Der Altmeister von Pengze war dem Wein verfallen.
  Ingwerwurz hält Leibweh fern.
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Kalter Tau benetzt mir die kurzen Schläfen,
Mitgegangen, mitgehangen,
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Herbstreif durchtränkt mein Kopftuch mit seinem Duft.
trübe sieht es für euch aus!“
+
Solch edle Neigung ist dem gemeinen Auge fremd —
Als alle fertiggelesen hatten, sagten sie: „Das ist ein unübertreffliches Gedicht vom Krabbenessen. Solch tiefen Sinn in ein kleines Thema zu legen ist der Beweis für ein großes Talent. Aber dein Spott gegen die Zeitgenossen ist vielleicht ein bißchen zu giftig.“
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Lasst sie nur lachen und spotten am Wegesrand!
In diesem Augenblick sahen sie, daß Ping-örl in den Garten zurückkam, und wußten nicht, was sie davon halten sollten.
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<ref>Chang'an war die alte Kaiserstadt. Der 'Altmeister von Pengze' ist wieder Tao Qian, der einst Bezirksvorsteher von Pengze war.</ref>
Im nächsten Kapitel wird es erklärt.  
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Chrysanthemenschatten — Freundin des Ruhekissens im Abendrot<ref>Chin. 枕霞旧友</ref>
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Herbstlicht, Schicht um Schicht, übereinander,
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Leise wandern die Schatten durch den Gartenpfad.
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Im Fensterlicht zeichnet die ferne Lampe ihre Umrisse,
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Durch den Zaun siebt sich der zerbrochene Mond, und ihr Bild wird filigran.
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Die kalte Seele scheint im Schein zu verweilen,
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Im Reif bewahrt sich ein Geist — doch der Traum bleibt leer.
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Gebt acht und zertretet nicht die zarte Duftspur —
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Welch trunkenes Auge erkennte im Dämmerlicht noch klar?
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Chrysanthementraum — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang<ref>Chin. 潇湘妃子</ref>
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Süß schlummert am Zaun die Herbstblume, frisch und klar,
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Ihr Geist folgt den Wolken und dem Mond, verschwommen.
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Sie träumt nicht wie Zhuangzi vom Schmetterling,
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Nein, nach dem alten Bund mit Tao Qian sucht sie.
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Einschlummernd folgt sie den Wildgänsen, die in der Ferne verschwinden,
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Erwachend ärgert sie der Lärm der Herbstgrillen.
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Wem soll sie klagen, wenn sie wieder bei sich ist?
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Welkes Gras, kalter Rauch — grenzenlose Trauer.
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<ref>Zhuangzi (庄子, ca. 369–286 v. Chr.), der daoistische Philosoph, der träumte, er sei ein Schmetterling, und nicht mehr wusste, ob er Mensch oder Falter war.</ref>
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Verwelkte Chrysanthemen — Gast unter Bananenblättern<ref>Chin. 蕉下客</ref>
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In Tau und Reif neigen sie sich, langsam welkend,
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Kaum hat die kleine Schneezeit begonnen, neigt sich ihr Fest.
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Noch duftet der Stiel, doch blass wird das Gold,
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Von den Zweigen löst sich das letzte Grün.
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Im Mondlicht auf dem Bett klingen die Grillen müde,
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Am fernen Himmel ziehen die Wildgänse langsam dahin.
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Im nächsten Herbst — wer weiß? — sehen wir uns wieder;
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Für diesen kurzen Abschied lasst euch nicht grämen!
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Jedes Gedicht, das vorgelesen wurde, erntete sogleich Lob, und die gegenseitigen Komplimente nahmen kein Ende. Li Schleierfrau sagte lächelnd: „Wartet, bis ich mein gerechtes Urteil fälle. Im Ganzen betrachtet ist jedem auf seine Weise eine prächtige Zeile gelungen. Mein Urteil lautet: 'Lob der Chrysantheme' nimmt den ersten Platz ein, 'Chrysanthemen befragen' den zweiten und 'Chrysanthementraum' den dritten. Die Themen sind neu, die Gedichte sind neu, und der Sinn, der hineingelegt wurde, ist erst recht neu — da kann man nicht anders, als die Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang zur Siegerin zu erklären! Danach folgen 'Chrysanthemen ins Haar stecken', 'Chrysanthemen zugewandt', 'Chrysanthemen aufstellen', 'Chrysanthemen malen' und 'Erinnerung an Chrysanthemen'."
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Als Schatzjade das hörte, klatschte er vor Freude in die Hände und rief: „Genau richtig! Höchst gerecht!"
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Kajaljade aber wandte bescheiden ein: „So gut ist mein Vers auch wieder nicht. Im Grunde ist er etwas zu zierlich und gekünstelt."
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Li Schleierfrau erwiderte: „Zierlich ist er, ja — aber auf eine gute Art, ohne Steifheit und ohne Überladung."
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Kajaljade sagte: „Meiner Meinung nach ist die beste Zeile von allen 'Im kalten Garten erinnert die schräge Sonne an alte Zeiten'. Das ist ein meisterhafter Kontrast. Schon die Zeile davor — 'Ich lege das Buch beiseite, nur ein Stengel Herbstschönheit genügt' — ist vollendet. Zuvor ist alles über das Aufstellen der Chrysanthemen gesagt, es gibt nichts mehr hinzuzufügen; deshalb kehren die Gedanken zurück zu dem Augenblick, als die Blumen noch nicht gebrochen und aufgestellt waren. Darin liegt ein tiefer Sinn."
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Li Schleierfrau lächelte: „Das stimmt schon. Aber dein Vers 'Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht' steht dem in nichts nach."
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Spürfrühling fügte hinzu: „Man muss aber einräumen, dass die Edle von Haselwurz den Gedanken der Sehnsucht am tiefsten auslotete — 'keine Spur vom Herbst' und 'der Traum weiß es' bringen das Wort 'Erinnern' wunderbar zum Ausdruck."
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Schatzspange erwiderte lachend: „Und bei dir schildern 'kalter Tau benetzt die Schläfen' und 'Herbstduft durchtränkt das Kopftuch' das Bild von Chrysanthemen im Haar so treffend, dass kein Spalt mehr offen bleibt."
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Wolkenkind sagte: „'Mit wem wollt ihr euch zurückziehen?' und 'Warum blüht ihr so spät?' — damit werden die armen Chrysanthemen wirklich in die Enge getrieben, dass ihnen die Worte fehlen!"
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Li Schleierfrau gab lachend zurück: „Na, wenn du dich 'barhäuptig am Zaun hinsetzt' und 'die Knie umfassend' singst und gar nicht mehr weggehen willst, dann wird das auch den Chrysanthemen, wenn sie fühlen könnten, allmählich lästig werden!" Alle lachten.
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Schatzjade seufzte lachend: „Und ich bin wieder einmal durchgefallen! Drücken denn 'Wer hat gepflanzt?', 'Wo kommt der Herbst her?', 'in Holzschuhen von weit her gewandert' und 'mein kühles Gedicht klingt nie aus' nicht das Suchen aus? Und sprechen 'unverhofft der Regen gestern Nacht' und 'heute blühen sie bedeckt vom Reif' nicht vom Pflanzen? Ich ärgere mich nur, dass meine Verse nicht aufkommen gegen 'Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht', 'Die Knie umfassend, summe ich ein Lied', 'Kalter Tau benetzt die Schläfen', 'Herbstduft durchtränkt das Kopftuch', 'blass wird das Gold', 'löst sich das Grün', 'keine Spur vom Herbst' und 'der Traum weiß es'." Dann fügte er hinzu: „Wenn ich morgen Muße habe, schreibe ich alle zwölf Themen noch einmal ganz allein!"
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Li Schleierfrau tröstete ihn: „Auch deine Gedichte sind gut — sie sind nur nicht ganz so originell wie die anderen."
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Nachdem sich alle noch eine Weile über ihre Beurteilungen ausgetauscht hatten, ließen sie frische heiße Krabben bringen und aßen gemeinsam am großen runden Tisch. Plötzlich sagte Schatzjade lächelnd: „Heute feiern wir die Duftblüten mit einem Krabbengelage — das muss ebenfalls besungen werden! Mein Gedicht ist schon fertig, wer traut sich noch?" Rasch wusch er sich die Hände, griff zum Pinsel und schrieb. Alle blickten auf sein Blatt und lasen:
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Beim Krabbenessen unter Duftblüten
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Beim Krabbenschmaus im kühlen Duftblüten-Schatten
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Begieß ich sie mit Essig, würze sie mit Ingwer — welch ein Rausch!
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Ein Vielfraß von Rang braucht Wein dazu,
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Der freche Seitwärtsgeher aber hat kein Herz.
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Die Kälte im Leib vergisst der Gierige,
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Die Finger riechen nach Fisch, selbst gewaschen noch duftend.
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Schon immer lebt der Mensch für die Freuden des Gaumens —
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Hatte nicht Su Dongpo gelacht, ein Leben lang rührig zu sein?
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<ref>Su Shi (苏轼/苏东坡, 1037–1101), einer der größten Dichter der Song-Dynastie, berühmt auch als Feinschmecker.</ref>
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Kajaljade sagte lächelnd: „Von solchen Gedichten könnte man hundert Stück haben."
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Schatzjade erwiderte ebenfalls lächelnd: „Deine Eingebung ist für heute erschöpft, du bringst nichts mehr zustande — und trotzdem musst du andere herabsetzen!"
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Kajaljade antwortete nicht, besann sich auch keinen Augenblick, nahm den Pinsel und hatte im Nu ein Gedicht geschrieben. Die anderen lasen:
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In Panzer und Lanze noch im Tode gerüstet,
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Lockt ihr, auf dem Teller aufgetürmt, zum ersten Bissen.
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Die Scheren bergen zarten Jade, paarweise prall und voll,
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Aus dem Panzer duftet rotes Fett, Stück für Stück.
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Acht Beine, fleischig — man liebt euch nur mehr dafür,
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Tausend Becher Wein — wer riet mir, so viel zu trinken?
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Zu solch edler Speise am Festtag erhoben,
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Streicht der Wind durch Duftblüten und die Chrysanthemen tragen Reif.
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Schatzjade las und rief begeistert Bravo, doch Kajaljade riss ihm das Blatt aus der Hand, zerriss es und befahl einer Dienerin, die Fetzen zu verbrennen. Dann sagte sie lächelnd: „Mein Gedicht ist nicht so gut wie deines, darum lasse ich es verbrennen. Aber deines ist wirklich gelungen — besser sogar als deine Chrysanthemengedichte von vorhin. Heb es auf und zeig es den Leuten."
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Schatzspange meldete sich lächelnd: „Ich habe mir auch eines abgerungen. Es ist nicht unbedingt gut, aber ich schreibe es auf, damit ihr wenigstens etwas zum Lachen habt." Sie griff zum Pinsel und schrieb. Alle lasen mit:
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Unter Duftblüten und Paulownien den Becher erhoben —
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Die Schlemmer von Chang'an wässern sich den Mund zum Doppelneunfest.
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Vor euch liegt ein Weg ohne Recht und ohne Ordnung,
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Unter eurer Schale verbergt ihr Herbst und Frühling, nichts als Schwärze und Gelb.
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Als sie bis hierher gelesen hatten, riefen alle begeistert Bravo. Schatzjade sagte: „Großartig geschrieben! Mein Gedicht sollte ich auch verbrennen!" Dann las er weiter:
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Heißer Wein vertreibt den Fischgeruch — nimm noch Chrysanthemen dazu,
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Gegen die anstauende Kälte hilft gewiss der Ingwer.
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Nun aber seid ihr im Kessel gelandet — was nützt euch das alles noch?
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Am Mondufer bleibt nur der leere Duft von Hirse und Korn.
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Als alle fertig gelesen hatten, sagten sie: „Das ist das unübertreffliche Gedicht zum Krabbenessen! Bei solch einem kleinen Thema einen tiefen Sinn zu verbergen — das zeugt von großem Talent. Allerdings ist der Spott über die Menschen der Gegenwart vielleicht ein wenig zu giftig."
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<ref>Die verdeckte Satire kritisiert die korrupten Beamten und Höflinge, die — gleich den Krabben — hinter den Kulissen ihre eigennützigen Machenschaften betreiben und am Ende doch im 'Kochtopf' enden.</ref>
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In diesem Augenblick sahen sie Friedchen wieder in den Garten zurückkehren. Was sie wollte, wird im nächsten Kapitel erzählt.
  
 
== Anmerkungen ==
 
== Anmerkungen ==
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[[Kategorie:Hongloumeng]]

Revision as of 12:28, 15 April 2026

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Kapitel 38

Die Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang erringt den Sieg beim Chrysanthemen-Dichten

Die Edle von Haselwurz dichtet spöttisch über Krabben

Es wird erzählt, dass Schatzspange[1] und Wolkenkind[2] ihren Plan bereits besprochen hatten. Von der restlichen Nacht ist nichts weiter zu berichten. Am nächsten Tag lud Wolkenkind die Herzoginmutter[3] und die anderen ein, sich an den Duftblüten zu erfreuen. Die Herzoginmutter und alle Übrigen sagten einhellig: „Sie weiß wirklich, wie man sich vergnügt! An diesem edlen Zeitvertreib sollte man unbedingt teilhaben!"

Zur Mittagszeit kam die Herzoginmutter tatsächlich in Begleitung von Dame Wang[4] und Phönixglanz[5] in den Garten; auch Tante Schnee[6] und die anderen hatte sie eingeladen mitzukommen.

„Wo ist es am schönsten?" erkundigte sich die Herzoginmutter.

„Überall, wo es Euch gefällt, alte gnädige Frau, ist es auch schön", antwortete Dame Wang.

Phönixglanz aber sagte: „Im Kiosk des Lotoswurzelduftes ist schon alles vorbereitet. Dort blühen die beiden Duftblütensträucher am Berghang besonders schön, und das Wasser im Fluss ist klar und grün. Vom Pavillon inmitten des Flusses hat man eine freie Aussicht — und der Anblick des Wassers erfreut die Augen!"

„Das hast du vollkommen richtig gesagt", erwiderte die Herzoginmutter, und schon ging sie allen voran zum Kiosk des Lotoswurzelduftes[7].

Dieser Kiosk stand mitten im Teich und hatte an allen vier Seiten Fenster. Rechts und links führten gewundene Wandelgänge über das Wasser ans Ufer; im hinteren Teil verbarg sich zudem eine geschwungene Zickzackbrücke aus Bambus, die den Kiosk mit dem Ufer verband.

Als die Gesellschaft die Bambusbrücke betrat, eilte Phönixglanz nach vorn, um die Herzoginmutter zu stützen, und sagte dabei: „Nur kräftig ausschreiten, alte Ahnin, das macht gar nichts! Bei einer Bambusbrücke gehört es sich, dass sie knarzt und ächzt!"

Bald darauf betraten sie den Kiosk, und man sah, dass außerhalb des Geländers zwei Bambustische aufgestellt waren. Der eine war mit Bechern, Essstäbchen und Weingeschirr eingedeckt, auf dem anderen standen Teepinsel, Teetöpfe und allerlei Teegerät bereit. Auf der einen Seite fächelten zwei, drei Dienstmädchen die Glut in einem Windöfchen an, um den Tee zu brühen; auf der anderen Seite fächelten weitere Mädchen ebenfalls, um auf einem zweiten Öfchen den Reiswein zu wärmen.

Die Herzoginmutter rief sogleich erfreut: „Wie schön, dass du an Tee gedacht hast! Und wie sauber alles ringsum ist — der Platz, die Ausstattung!"

Wolkenkind erwiderte lächelnd: „Schatzspange-Schwester hat mir geholfen, alles vorzubereiten."

„Ich sage es ja", bemerkte die Herzoginmutter, „dieses Mädchen ist fein und umsichtig, sie denkt an alles." Während sie das sagte, fielen ihr auch die schwarzlackierten, mit Perlmutt eingelegten Spruchpaare auf, die an den Säulen hingen. Sie befahl, man solle ihr die Sätze vorlesen. Wolkenkind las:

„Der Lotosblüten Schatten bricht der Ruderschlag, der Lotoswurzeln Duft durchquert der Bambussteg."

Die Herzoginmutter hob den Kopf und blickte zur Namenstafel des Pavillons empor. Dann wandte sie sich an Tante Schnee und sagte: „Als ich noch ein junges Mädchen war, hatten wir zu Hause auch so einen Pavillon. Er hieß 'Pavillon des Ruhekissens im Abendrot' oder so ähnlich. Ich war damals nicht älter als die Mädchen hier jetzt und habe mich jeden Tag mit meinen Schwestern und Kusinen dort amüsiert. Eines Tages bin ich ausgerutscht und ins Wasser gefallen — um ein Haar wäre ich ertrunken! Mit Müh und Not wurde ich herausgezogen, aber dabei hatte ich mir an einem Holznagel den Kopf aufgeschlagen. Die fingerkuppengroße Delle hier an meiner Schläfe habe ich davon zurückbehalten. Alle hatten Angst, ich würde es nicht überleben, nachdem ich erst ins Wasser gefallen war und mich dann auch noch verkühlt hatte. Doch wider Erwarten bin ich genesen."

Ohne auch nur abzuwarten, ob sonst jemand etwas sagen wollte, ergriff Phönixglanz lächelnd das Wort: „Wenn Ihr damals nicht überlebt hättet, alte Ahnin — wer sollte dann heute all dieses Glück genießen? Wie man sieht, war Euch von Kindheit an kein geringes Maß an Glück und langem Leben zugedacht, und die Götterdiener und Teufelsknechte haben Euch eigens diese Delle in den Kopf geschlagen, damit sich darin das Glück und die Langlebigkeit sammeln konnten! Auch der Gott des langen Lebens hatte ursprünglich so eine Delle am Kopf — aber weil bei ihm zehntausendfaches Glück und zehntausendfache Langlebigkeit hineingefüllt wurden, ist die Delle schließlich nach außen gewölbt und zu einer Beule geworden ..."

Sie hatte noch nicht ausgesprochen, da bogen sich die Herzoginmutter und alle Anwesenden schon vor Lachen. Die Herzoginmutter sagte glucksend: „Dieses Äffchen wird immer schlimmer! In einem fort macht sie sich über mich lustig! — Warte nur, ich werde dir dein geschmiertes Mundwerk zerreißen!"

Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Gleich werden wir Krabben essen, und ich hatte Sorge, die Kälte könnte sich in Eurem Innern stauen, alte Ahnin. Deshalb wollte ich Euch zum Lachen bringen, um Euch das Herz aufzulockern. Wenn Ihr gut aufgelegt seid und ein paar Krabben mehr esst, schadet es gar nichts."

Die Herzoginmutter lachte: „Von nun an wirst du Tag und Nacht an meiner Seite bleiben! Wenn ich oft lache, fühle ich mich immer wohl. Nach Hause darfst du nicht mehr zurück!"

Dame Wang mischte sich lächelnd ein: „Nur weil Ihr sie so gernhabt, alte gnädige Frau, verwöhnt Ihr sie dermaßen. Wenn Ihr jetzt noch so etwas sagt, wird sie in Zukunft erst recht jeden Anstand vergessen."

Aber die Herzoginmutter meinte immer noch lächelnd: „Ich mag sie genau so, wie sie ist. Außerdem ist sie kein Kind, das den Unterschied zwischen hoch und niedrig nicht kennt. In den eigenen vier Wänden sollten Mütter und Töchter so ungezwungen miteinander umgehen, solange keine Fremden dabei sind. Es reicht doch, wenn man sich bei offiziellen Anlässen korrekt benimmt. Was nützte es, von ihr zu verlangen, sie solle wandeln wie eine Göttin?"

Mit diesen Worten traten alle zusammen in den Pavillon. Nachdem der Tee gereicht worden war, ließ Phönixglanz eilends die Tische aufstellen und mit Bechern und Essstäbchen eindecken. Am Ehrentisch nahmen die Herzoginmutter, Tante Schnee, Schatzspange, Kajaljade[8] und Schatzjade[9] Platz. Am östlichen Tisch saßen Wolkenkind, Dame Wang, Willkommensfrühling[10], Spürfrühling[11] und Bewahrfrühling[12]. Am westlichen Tisch, der neben der Tür stand, waren die Plätze für Li Schleierfrau[13] und Phönixglanz zwar eingedeckt, blieben jedoch leer — die beiden wagten es nicht, sich hinzusetzen, und warteten stattdessen an den Tischen der Herzoginmutter und Dame Wangs auf.

Phönixglanz ordnete an: „Die Krabben nicht alle auf einmal bringen! Lasst die übrigen im Dampfgefäß, und bringt erst einmal zehn Stück — wenn die aufgegessen sind, könnt ihr nachbringen." Dann ließ sie sich Wasser reichen, wusch sich die Hände, stellte sich neben die Herzoginmutter und begann, Krabbenfleisch aus den Schalen zu lösen. Die erste Portion bot sie Tante Schnee an.

Tante Schnee wehrte ab: „Am besten schmeckt es mir, wenn ich sie selbst aufbreche! Bedient mich nur nicht."

Also gab Phönixglanz die Portion der Herzoginmutter, die zweite Schatzjade. Dann rief sie: „Den Wein bringt kochend heiß!" Außerdem wies sie die kleinen Dienstmädchen an, mit Chrysanthemenblättern und Duftblütenkernen parfümiertes Grünbohnenmehl zum Händewaschen bereitzuhalten.

Wolkenkind aß nur eine einzige Krabbe zur Gesellschaft mit, dann stand sie auf und ging umher, um die anderen zu bedienen. Schließlich trat sie hinaus und befahl, zwei Teller voll Krabbenfleisch für die Nebenfrauen Zhao[14] und Zhou[15] hinzuschicken. Dann kam auch Phönixglanz heraus und sagte zu ihr: „Du bist es nicht gewohnt, andere zu bewirten — geh lieber hinein und iss! Ich übernehme es an deiner Stelle, und wenn alle fertig sind, esse ich selbst."

Doch Wolkenkind lehnte ab und ließ stattdessen draußen auf dem Wandelgang zwei weitere Tische aufstellen, damit Mandarinenente[16], Bernstein[17], Farbenwolke[18], Wolkenglanz[19] und Friedchen[20] dort Platz nehmen konnten.

Mandarinenente sagte lächelnd zu Phönixglanz: „Die junge gnädige Frau bedient hier, dann werden wir wohl essen gehen!"

Phönixglanz erwiderte: „Geht nur! Lasst mir alles, ich kümmere mich darum."

So kehrte Wolkenkind an ihren Platz zurück, während Phönixglanz und Li Schleierfrau eilig ein wenig aßen, so gut es die Umstände erlaubten. Dann ging Phönixglanz wieder hinein, um aufzuwarten. Nach einer Weile trat sie erneut auf den Wandelgang hinaus, wo Mandarinenente und die anderen fröhlich beim Essen saßen. Als sie Phönixglanz kommen sahen, standen sie auf, und Mandarinenente fragte: „Was wollt Ihr schon wieder hier, junge gnädige Frau? Gönnt Ihr uns nicht einmal ein wenig Genuss?"

Phönixglanz lachte: „Mandarinenente, du kleines Spitzbein, du wirst wirklich immer schlimmer! Ich übernehme deinen Dienst, und anstatt mir dankbar zu sein, machst du mir Vorwürfe? Willst du mir nicht endlich einen Becher Wein einschenken?"

Lächelnd goss Mandarinenente rasch einen Becher voll und hielt ihn Phönixglanz an die Lippen. Phönixglanz streckte den Hals und leerte ihn in einem Zug. Inzwischen hatte Friedchen schon ein fettes Stück gelben Krabbenrogen herausgelöst und brachte es ihr.

„Tüchtig Ingwer-Essig darüber!" verlangte Phönixglanz. Dann aß sie es und sagte lächelnd: „Setzt euch nur wieder und esst weiter — ich muss zurück."

Mandarinenente rief lachend: „Was für eine Unverschämtheit, uns das Essen wegzuschnappen!"

Phönixglanz erwiderte ebenfalls lachend: „Spar dir deine Scherze mit mir! Du weißt doch, dass dein Herr Kaufmann Kette[21] sich in dich verguckt hat und die alte gnädige Frau bitten will, dich ihm als Nebenfrau zu geben."

„Pfui!" Mandarinenente spuckte empört aus. „So etwas sagt eine junge Herrin! Wenn ich Euch jetzt nicht meine nach Krabbe riechenden Finger durchs Gesicht schmiere, dann wäre ich keine Mandarinenente!" Und schon stürzte sie auf Phönixglanz zu.

Phönixglanz flehte: „Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!"

Bernstein bemerkte lächelnd von der Seite: „Mandarinenente will sich rächen, aber wird Friedchen sie auch verschonen? Seht nur, sie hat keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig ausgetrunken! Man kann wirklich nicht sagen, dass sie nicht sauer werden kann!" [22]

Friedchen, die gerade eine fette, prall mit gelbem Rogen gefüllte Krabbe auseinanderbrach, hörte, wie sie so aufgezogen wurde, und ging mit der Krabbe in der Hand auf Bernsteins Gesicht los, wobei sie lachend schimpfte: „Dir werde ich's zeigen, du Lästerzunge, du kleines Spitzbein!"

Bernstein wich lachend zur Seite aus, und Friedchens Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere, traf aber — als sie nach vorne stolperte — genau Phönixglanz' Wange. Phönixglanz, die sich gerade noch mit Mandarinenente geneckt hatte und nicht damit rechnete, schreckte auf, schrie „Au!" — und alle Anwesenden brachen in lautes Gelächter aus. Selbst Phönixglanz konnte nicht anders und schimpfte lachend: „Du verflixtes Frauenzimmer! Hast du dich blindgefressen, dass du deiner eigenen Herrin das Gesicht vollschmierst?"

Friedchen eilte sofort herbei, wischte ihr das Gesicht ab und ging selbst Wasser holen. Mandarinenente sagte: „Amitabha Buddha! Das war die gerechte Vergeltung!"

Drinnen hatte die Herzoginmutter den Lärm vernommen und erkundigte sich ein ums andere Mal: „Was ist da los? Was macht euch so fröhlich? Erzählt es uns, damit auch wir etwas zu lachen haben!"

Mandarinenente rief mit lauter Stimme und lachend hinüber: „Die Frau des zweiten jungen Herrn kam herüber, um uns die Krabben zu stibitzen! Da ist Friedchen in Zorn geraten und hat ihrer eigenen Herrin das ganze Gesicht mit Krabbenrogen vollgeschmiert! Herrin und Dienerin prügeln sich!"

Als die Herzoginmutter und Dame Wang das hörten, lachten auch sie laut auf. Die Herzoginmutter sagte: „Erbarmt euch doch über sie! Gebt ihr von den Krabbenbeinen und den Bauchpanzern etwas ab, dann ist es gut."

Lachend versprachen Mandarinenente und die anderen es, und Mandarinenente rief noch immer laut: „Die Krabbenbeinchen auf dem ganzen Tisch — die junge gnädige Frau darf ruhig zugreifen!"

Phönixglanz wusch sich das Gesicht und ging wieder hinein, um die Herzoginmutter und die anderen noch eine Weile zu bedienen. Kajaljade allein wagte nicht, viel von den Krabben zu essen; sie nahm sich nur etwas Scherenfleisch und verließ dann den Tisch.

Als die Herzoginmutter schließlich nichts mehr aß, löste sich die Tafel auf. Alle wuschen sich die Hände, und dann besichtigten die einen die Blumen, während andere am Wasser standen und die Fische beobachteten, und so vergnügten sie sich noch ein Weilchen.

Dame Wang wandte sich an die Herzoginmutter: „Hier weht ein frischer Wind, und Ihr habt eben erst Krabben gegessen, alte gnädige Frau. Es wäre wohl das Beste, wenn Ihr jetzt in Eure Gemächer zurückkehrt und Euch ausruht. Wenn Ihr Lust habt, können wir morgen wiederkommen."

Die Herzoginmutter lächelte: „Du hast ganz recht. Ich fürchtete nur, euch den Spaß zu verderben, wenn ich aufbreche. Aber wenn du es so sagst, dann gehen wir jetzt alle zusammen." Sie wandte sich an Wolkenkind: „Pass auf, dass dein Schatzjade-Vetter und deine Kajaljade-Schwester nicht zu viel von den Krabben essen!"

Wolkenkind versprach es. Dann ermahnte die Herzoginmutter auch Wolkenkind und Schatzspange: „Auch ihr beide dürft nicht zu viel davon essen! Krabben schmecken zwar gut, aber sie sind schwer verdaulich. Isst man zu viel davon, bekommt man Bauchschmerzen!" Die beiden versprachen es sofort und geleiteten die Herzoginmutter bis vor den Garten. Dann kehrten sie zurück und ließen die Überreste der Tafel abräumen und frisch eindecken.

Schatzjade schlug vor: „Wir brauchen gar nicht neu einzudecken! Wir wollen doch Gedichte schreiben. Stellt einfach den großen runden Tisch in die Mitte, Wein und Speisen darauf — und auf eine feste Sitzordnung verzichten wir! Wer essen möchte, geht hin und greift zu, die übrigen setzen sich, wo immer es ihnen beliebt. Ist das nicht viel zwangloser?"

Schatzspange stimmte zu: „Das ist ein ausgezeichneter Vorschlag."

Wolkenkind wandte ein: „So weit, so gut — aber wir dürfen die anderen nicht vergessen." Sie ließ noch einen weiteren Tisch aufstellen und frische, heiße Krabben herausbringen, dann lud sie Dufthauch[23], Purpurkuckuck[24], Siqui[25], Daishu[26], Ruhua[27], Goldreifchen[28] und Tuschegrün[29] ein, sich gemeinsam an diesem Tisch niederzulassen. Unter den Duftblütensträuchern am Berghang ließ sie zwei bunt gemusterte Filzteppiche ausbreiten und befahl, auch die wartenden Bediensteten und die kleinen Dienstmädchen sollten sich setzen und nach Herzenslust essen und trinken — wenn man sie brauche, werde man sie rufen.

Dann holte Wolkenkind das Blatt mit den Gedichtthemen und heftete es mit Nadeln an die Wand. Alle lasen es und sagten: „Die Themen sind allerdings neu und ungewöhnlich — aber ob wir etwas Brauchbares darüber zustande bringen?" Wolkenkind erklärte noch einmal, warum sie auf einen festgelegten Reim verzichtet hatte.

Schatzjade sagte: „Das ist die einzig richtige Vorgehensweise! Ich bin auch überhaupt kein Freund festgelegter Reime."

Kajaljade, die nicht viel Wein trank und auch keine Krabben mehr essen wollte, ließ sich einen bestickten Porzellanhocker ans Geländer stellen, setzte sich darauf und griff nach der Angelrute, um Fische zu fangen.

Schatzspange hielt einen Zweig Duftblüten in der Hand und betrachtete ihn eine Weile, dann lehnte sie sich ans Fensterbrett, zupfte die Blütenblättchen ab und warf sie aufs Wasser, sodass die Fische hochstiegen und danach schnappten.

Wolkenkind schaute eine Weile gedankenverloren vor sich hin, bediente dann eine Zeitlang Dufthauch und die anderen Mädchen, die am Tisch saßen, und rief den Leuten am Berghang zu, sie sollten nur kräftig zugreifen.

Spürfrühling stand mit Li Schleierfrau und Bewahrfrühling im Schatten der Trauerweiden und beobachtete die Möwen und Reiher auf dem Wasser. Willkommensfrühling saß für sich allein im Blütenschatten und fädelte mit einer Sticknadel Jasminblüten auf.

Schatzjade schaute eine Weile Kajaljade beim Angeln zu, lehnte sich dann an Schatzspanges Seite und plauderte ein paar Sätze mit ihr, ging darauf zu Dufthauch und den anderen, sah ihnen beim Krabbenessen zu und trank ihnen zuliebe ein, zwei Schlückchen Wein. Dufthauch löste ihm ein Stück Krabbenfleisch aus der Schale und reichte es ihm.

Kajaljade legte die Angelrute beiseite, ging an den Tisch und griff nach einem Selbsteingieß-Kännchen aus geschwärztem Silber mit eingraviertem Aprikosenblütenmuster. Dann suchte sie sich einen winzigen Bananenblattbecher aus mit Speckstein in der Farbe gefrorener Zierapfelblüten. Als die Dienstmädchen sahen, dass Kajaljade Wein trinken wollte, kamen sie eilig herbei, um für sie einzugießen.

Kajaljade sagte: „Geht nur essen! Lasst mich mir selbst einschenken — so macht es erst richtig Spaß." Sie goss sich einen halben Becher ein und sah, dass es gelber Reiswein war. „Ich habe vorhin nur ein kleines bisschen Krabbe gegessen", sagte sie, „aber jetzt tut mir leicht der Leib weh. Ich müsste einen Schluck heißen Branntwein trinken."

Schatzjade rief sofort: „Es ist welcher da!" und befahl, man solle ein Kännchen von dem mit Albizienblüten[30] angesetzten Branntwein aufwärmen. Kajaljade trank nur einen Schluck davon und stellte den Rest hin.

Schatzspange kam ebenfalls herüber, nahm sich einen eigenen Becher und trank einen Schluck. Dann befeuchtete sie den Schreibpinsel mit Tusche, trat an die Wand und hakte das erste Thema — „Erinnerung an Chrysanthemen" — ab. Darunter setzte sie das Schriftzeichen „Heng"[31], ihren Dichternamen „Edle von Haselwurz".

Schatzjade bat sogleich: „Liebste Schwester, das zweite Thema — dafür habe ich schon vier Verse zusammen. Überlass es mir, bitte!"

Schatzspange lachte: „So eilig? Ich habe mit Mühe und Not erst dieses eine Gedicht fertig."

Kajaljade sagte nichts, nahm den Pinsel und hakte das achte Thema — „Chrysanthemen befragen" — ab, anschließend auch das elfte — „Chrysanthementraum". Darunter setzte sie das Schriftzeichen „Xiao"[32] aus ihrem Dichternamen „Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang".

Nun griff auch Schatzjade zum Pinsel und hakte das zweite Thema — „Chrysanthemen aufsuchen" — ab, mit dem Zeichen „Jiang"[33] für „Rot" darunter.

Spürfrühling kam herbei, musterte die Liste und sagte: „Es will tatsächlich niemand über 'Chrysanthemen ins Haar stecken' schreiben? Dann übernehme ich das!" Dann wies sie mit dem Finger auf Schatzjade und warnte ihn lachend: „Vorhin wurde ausdrücklich verkündet, dass keinerlei Ausdrücke aus den Mädchengemächern vorkommen dürfen! Gib also acht!"

Während sie noch sprach, trat Wolkenkind heran und hakte auf einen Streich das vierte und das fünfte Thema — „Chrysanthemen zugewandt" und „Chrysanthemen aufstellen" — ab, mit dem Zeichen „Xiang"[34] darunter.

Spürfrühling sagte: „Du musst dir auch einen Dichternamen zulegen."

Wolkenkind erwiderte lächelnd: „In unserem Haus gibt es zwar einige Pavillons und Gartenhäuser, aber ich wohne ja gar nicht darin. Mir einen solchen Namen zu borgen hätte keinen Reiz."

Schatzspange meinte lächelnd: „Vorhin hat die alte gnädige Frau erzählt, bei euch zu Hause habe es auch so einen Wasserpavillon gegeben, der 'Pavillon des Ruhekissens im Abendrot' hieß. Gehörte der nicht eigentlich dir? Es gibt ihn heute zwar nicht mehr, aber trotzdem bist du seine einstige Herrin."

Alle stimmten zu. Noch ehe Wolkenkind die Hand rühren konnte, hatte Schatzjade bereits das Zeichen „Xiang" übermalt und stattdessen „Xia"[35] — „Abendrot" — hingeschrieben.

Nun dauerte es nur noch so lange, wie man braucht, um eine Schale Reis zu essen, und alle zwölf Gedichte waren vollendet. Jeder schrieb das Seine auf und gab es Willkommensfrühling, die einen Bogen feinstes „Schneewellen"-Zierpapier[36] nahm und alles zusammen abschrieb, unter jedem Titel den Dichternamen des Verfassers.

Li Schleierfrau und die anderen begannen, die Gedichte von Anfang an durchzulesen:

Erinnerung an Chrysanthemen — Edle von Haselwurz[37]

Im Westwind steh ich betrübt, von Sehnsucht bedrängt; Wird der Knöterich rot und das Schilfgras weiß, bricht mir das Herz. Im leeren Garten am alten Zaun ist keine Spur mehr vom Herbst, Doch der magere Mond und der kühle Reif wissen: Ich träume von dir. Mein Herz fliegt fort mit den Wildgänsen, Gedanke um Gedanke, Und einsam lausch ich am Abend dem Schlag der Waschbleuel. Wer hat Erbarmen mit mir und meiner gelben Blumenkrankheit? Getrost! Zur Doppelneun-Feier sehen wir uns wieder.

Chrysanthemen aufsuchen — Fürstensohn, der sich am Roten freut[38]

Müßig streif ich umher an einem reifklaren Tag, Statt bei Arzneibecher und Weinpokal zu verweilen. Wer hat die Blumen dort im Mondlicht gepflanzt? Am Zaun, am Geländer — wo kommt all dieser Herbst nur her? In Holzschuhen bin ich von weit her gewandert, tapp, tapp, Und mein kühles Gedicht klingt nie aus, so endlos die Freude. Wenn die gelben Blumen den Dichter verstehen könnten, War nicht umsonst mein Geld für den Wanderstab.

Chrysanthemen pflanzen — Fürstensohn, der sich am Roten freut[39]

Mit der Hacke kam ich zum Herbstgarten und setzte sie um, Pflanzte sie sorgsam am Zaun und vor dem Haus. Unverhofft kam der Regen gestern Nacht — und sie wuchsen, Heute blühen sie fröhlich, noch immer bedeckt vom Reif. Tausend Gedichte sing ich zur Herbstesfarbe, Und ein Becher Wein sei dem kühlen Duft geweiht. Ich will sie gießen, die Erde häufen und sie hegen — Auf dass der Gartenpfad frei bleibe von Staub und Getöse.

Chrysanthemen zugewandt — Freundin des Ruhekissens im Abendrot[40]

Kostbare Blüten, köstlicher als Gold, Ein Busch ganz blass, ein anderer tief und dunkel. Barhäuptig sitz ich am Zaun, Die Knie umfassend, summe ich ein Lied. Zählt man die Stolzen dieser Welt — keiner übertrifft euch; Seht euch um: Nur ich allein bin euer wahrer Freund. Lasst das Herbstlicht nicht ungenutzt verrinnen, Einander zugewandt, wollen wir jede Stunde schätzen.

Chrysanthemen aufstellen — Freundin des Ruhekissens im Abendrot[41]

Bei Saitenspiel und Wein — willkommener Gefährte! — Steht ihr anmutig auf dem Tisch, ziert still den Raum. Vom Nebensitz strömt feuchter Duft aus dem Gartenpfad herüber, Ich lege das Buch beiseite — nur ein Stengel Herbstschönheit genügt. Im kühlen Reif bringt ihr mir neue Träume, Im kalten Garten erinnert die schräge Sonne an alte Zeiten. Unser Stolz ist uns gemeinsam — wir sind eines Wesens; Kirsch- und Pflaumenblüte im Frühling — das ist nicht unsere Art.

Lob der Chrysantheme — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang[42]

Der Dichterdämon lockt mich, morgens und abends, Am Zaun, am Felsen versinke ich in Verse. Der Pinsel entfaltet Schönheit und schreibt im Reif, Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht. Blatt um Blatt ist nichts als stille Klage, Doch wer versteht das Herbstherz in einem einzigen Wort? Seit einst Tao Yuanming sein Urteil sprach, Hallt sein edles Lob bis zum heutigen Tag. [43]

Chrysanthemen malen — Edle von Haselwurz[44]

Noch ehe die Dichtlust verebbt, greift die Hand schon zum Pinsel, Nicht der schönen Farben wegen allein. Die Blätter spritzen aufs Papier wie tausend Tuschetupfer, Die Blüten, eng gedrängt, tragen weißen Reifeshauch. Im blass-dunklen Spiel erahnt man die Schatten im Wind, Lebendig springt der Herbstduft vom Handgelenk. Verwechselt dies nicht mit frisch gepflückten Blumen am Ostzaun — Aufgeklebt auf den Wandschirm tröstet es mich zum Doppelneunfest.

Chrysanthemen befragen — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang[45]

Ich forsche nach den Geheimnissen des Herbstes, doch keiner weiß Bescheid, Leise murmelnd, die Hände auf dem Rücken, klopfe ich am Ostzaun an: So stolz und edel — mit wem wollt ihr euch zurückziehen? Gleich den anderen Blumen — warum blüht ihr so spät? Im Gartentau, im Hofreif — ist euch nicht einsam? Wenn die Gänse ziehen und die Grillen verstummen — fühlt ihr nicht Sehnsucht? Sagt nicht, auf der ganzen Welt gebe es niemanden zum Reden — Wenn ihr sprechen könnt, so sprecht ein paar Worte mit mir!

Chrysanthemen ins Haar stecken — Gast unter Bananenblättern[46]

Täglich in Eile — hier Vasen füllen, dort Beete pflegen, Die gebrochene Blüte steck ich mir an, und der Spiegel zeigt, wie sie steht. In Chang'an war einst ein junger Herr von Blumen besessen, Der Altmeister von Pengze war dem Wein verfallen. Kalter Tau benetzt mir die kurzen Schläfen, Herbstreif durchtränkt mein Kopftuch mit seinem Duft. Solch edle Neigung ist dem gemeinen Auge fremd — Lasst sie nur lachen und spotten am Wegesrand! [47]

Chrysanthemenschatten — Freundin des Ruhekissens im Abendrot[48]

Herbstlicht, Schicht um Schicht, übereinander, Leise wandern die Schatten durch den Gartenpfad. Im Fensterlicht zeichnet die ferne Lampe ihre Umrisse, Durch den Zaun siebt sich der zerbrochene Mond, und ihr Bild wird filigran. Die kalte Seele scheint im Schein zu verweilen, Im Reif bewahrt sich ein Geist — doch der Traum bleibt leer. Gebt acht und zertretet nicht die zarte Duftspur — Welch trunkenes Auge erkennte im Dämmerlicht noch klar?

Chrysanthementraum — Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang[49]

Süß schlummert am Zaun die Herbstblume, frisch und klar, Ihr Geist folgt den Wolken und dem Mond, verschwommen. Sie träumt nicht wie Zhuangzi vom Schmetterling, Nein, nach dem alten Bund mit Tao Qian sucht sie. Einschlummernd folgt sie den Wildgänsen, die in der Ferne verschwinden, Erwachend ärgert sie der Lärm der Herbstgrillen. Wem soll sie klagen, wenn sie wieder bei sich ist? Welkes Gras, kalter Rauch — grenzenlose Trauer. [50]

Verwelkte Chrysanthemen — Gast unter Bananenblättern[51]

In Tau und Reif neigen sie sich, langsam welkend, Kaum hat die kleine Schneezeit begonnen, neigt sich ihr Fest. Noch duftet der Stiel, doch blass wird das Gold, Von den Zweigen löst sich das letzte Grün. Im Mondlicht auf dem Bett klingen die Grillen müde, Am fernen Himmel ziehen die Wildgänse langsam dahin. Im nächsten Herbst — wer weiß? — sehen wir uns wieder; Für diesen kurzen Abschied lasst euch nicht grämen!

Jedes Gedicht, das vorgelesen wurde, erntete sogleich Lob, und die gegenseitigen Komplimente nahmen kein Ende. Li Schleierfrau sagte lächelnd: „Wartet, bis ich mein gerechtes Urteil fälle. Im Ganzen betrachtet ist jedem auf seine Weise eine prächtige Zeile gelungen. Mein Urteil lautet: 'Lob der Chrysantheme' nimmt den ersten Platz ein, 'Chrysanthemen befragen' den zweiten und 'Chrysanthementraum' den dritten. Die Themen sind neu, die Gedichte sind neu, und der Sinn, der hineingelegt wurde, ist erst recht neu — da kann man nicht anders, als die Kaiserfrau vom Fluss Xiao und Xiang zur Siegerin zu erklären! Danach folgen 'Chrysanthemen ins Haar stecken', 'Chrysanthemen zugewandt', 'Chrysanthemen aufstellen', 'Chrysanthemen malen' und 'Erinnerung an Chrysanthemen'."

Als Schatzjade das hörte, klatschte er vor Freude in die Hände und rief: „Genau richtig! Höchst gerecht!"

Kajaljade aber wandte bescheiden ein: „So gut ist mein Vers auch wieder nicht. Im Grunde ist er etwas zu zierlich und gekünstelt."

Li Schleierfrau erwiderte: „Zierlich ist er, ja — aber auf eine gute Art, ohne Steifheit und ohne Überladung."

Kajaljade sagte: „Meiner Meinung nach ist die beste Zeile von allen 'Im kalten Garten erinnert die schräge Sonne an alte Zeiten'. Das ist ein meisterhafter Kontrast. Schon die Zeile davor — 'Ich lege das Buch beiseite, nur ein Stengel Herbstschönheit genügt' — ist vollendet. Zuvor ist alles über das Aufstellen der Chrysanthemen gesagt, es gibt nichts mehr hinzuzufügen; deshalb kehren die Gedanken zurück zu dem Augenblick, als die Blumen noch nicht gebrochen und aufgestellt waren. Darin liegt ein tiefer Sinn."

Li Schleierfrau lächelte: „Das stimmt schon. Aber dein Vers 'Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht' steht dem in nichts nach."

Spürfrühling fügte hinzu: „Man muss aber einräumen, dass die Edle von Haselwurz den Gedanken der Sehnsucht am tiefsten auslotete — 'keine Spur vom Herbst' und 'der Traum weiß es' bringen das Wort 'Erinnern' wunderbar zum Ausdruck."

Schatzspange erwiderte lachend: „Und bei dir schildern 'kalter Tau benetzt die Schläfen' und 'Herbstduft durchtränkt das Kopftuch' das Bild von Chrysanthemen im Haar so treffend, dass kein Spalt mehr offen bleibt."

Wolkenkind sagte: „'Mit wem wollt ihr euch zurückziehen?' und 'Warum blüht ihr so spät?' — damit werden die armen Chrysanthemen wirklich in die Enge getrieben, dass ihnen die Worte fehlen!"

Li Schleierfrau gab lachend zurück: „Na, wenn du dich 'barhäuptig am Zaun hinsetzt' und 'die Knie umfassend' singst und gar nicht mehr weggehen willst, dann wird das auch den Chrysanthemen, wenn sie fühlen könnten, allmählich lästig werden!" Alle lachten.

Schatzjade seufzte lachend: „Und ich bin wieder einmal durchgefallen! Drücken denn 'Wer hat gepflanzt?', 'Wo kommt der Herbst her?', 'in Holzschuhen von weit her gewandert' und 'mein kühles Gedicht klingt nie aus' nicht das Suchen aus? Und sprechen 'unverhofft der Regen gestern Nacht' und 'heute blühen sie bedeckt vom Reif' nicht vom Pflanzen? Ich ärgere mich nur, dass meine Verse nicht aufkommen gegen 'Die Lippen tragen Duft und singen im Mondlicht', 'Die Knie umfassend, summe ich ein Lied', 'Kalter Tau benetzt die Schläfen', 'Herbstduft durchtränkt das Kopftuch', 'blass wird das Gold', 'löst sich das Grün', 'keine Spur vom Herbst' und 'der Traum weiß es'." Dann fügte er hinzu: „Wenn ich morgen Muße habe, schreibe ich alle zwölf Themen noch einmal ganz allein!"

Li Schleierfrau tröstete ihn: „Auch deine Gedichte sind gut — sie sind nur nicht ganz so originell wie die anderen."

Nachdem sich alle noch eine Weile über ihre Beurteilungen ausgetauscht hatten, ließen sie frische heiße Krabben bringen und aßen gemeinsam am großen runden Tisch. Plötzlich sagte Schatzjade lächelnd: „Heute feiern wir die Duftblüten mit einem Krabbengelage — das muss ebenfalls besungen werden! Mein Gedicht ist schon fertig, wer traut sich noch?" Rasch wusch er sich die Hände, griff zum Pinsel und schrieb. Alle blickten auf sein Blatt und lasen:

Beim Krabbenessen unter Duftblüten

Beim Krabbenschmaus im kühlen Duftblüten-Schatten Begieß ich sie mit Essig, würze sie mit Ingwer — welch ein Rausch! Ein Vielfraß von Rang braucht Wein dazu, Der freche Seitwärtsgeher aber hat kein Herz. Die Kälte im Leib vergisst der Gierige, Die Finger riechen nach Fisch, selbst gewaschen noch duftend. Schon immer lebt der Mensch für die Freuden des Gaumens — Hatte nicht Su Dongpo gelacht, ein Leben lang rührig zu sein? [52]

Kajaljade sagte lächelnd: „Von solchen Gedichten könnte man hundert Stück haben."

Schatzjade erwiderte ebenfalls lächelnd: „Deine Eingebung ist für heute erschöpft, du bringst nichts mehr zustande — und trotzdem musst du andere herabsetzen!"

Kajaljade antwortete nicht, besann sich auch keinen Augenblick, nahm den Pinsel und hatte im Nu ein Gedicht geschrieben. Die anderen lasen:

In Panzer und Lanze noch im Tode gerüstet, Lockt ihr, auf dem Teller aufgetürmt, zum ersten Bissen. Die Scheren bergen zarten Jade, paarweise prall und voll, Aus dem Panzer duftet rotes Fett, Stück für Stück. Acht Beine, fleischig — man liebt euch nur mehr dafür, Tausend Becher Wein — wer riet mir, so viel zu trinken? Zu solch edler Speise am Festtag erhoben, Streicht der Wind durch Duftblüten und die Chrysanthemen tragen Reif.

Schatzjade las und rief begeistert Bravo, doch Kajaljade riss ihm das Blatt aus der Hand, zerriss es und befahl einer Dienerin, die Fetzen zu verbrennen. Dann sagte sie lächelnd: „Mein Gedicht ist nicht so gut wie deines, darum lasse ich es verbrennen. Aber deines ist wirklich gelungen — besser sogar als deine Chrysanthemengedichte von vorhin. Heb es auf und zeig es den Leuten."

Schatzspange meldete sich lächelnd: „Ich habe mir auch eines abgerungen. Es ist nicht unbedingt gut, aber ich schreibe es auf, damit ihr wenigstens etwas zum Lachen habt." Sie griff zum Pinsel und schrieb. Alle lasen mit:

Unter Duftblüten und Paulownien den Becher erhoben — Die Schlemmer von Chang'an wässern sich den Mund zum Doppelneunfest. Vor euch liegt ein Weg ohne Recht und ohne Ordnung, Unter eurer Schale verbergt ihr Herbst und Frühling, nichts als Schwärze und Gelb.

Als sie bis hierher gelesen hatten, riefen alle begeistert Bravo. Schatzjade sagte: „Großartig geschrieben! Mein Gedicht sollte ich auch verbrennen!" Dann las er weiter:

Heißer Wein vertreibt den Fischgeruch — nimm noch Chrysanthemen dazu, Gegen die anstauende Kälte hilft gewiss der Ingwer. Nun aber seid ihr im Kessel gelandet — was nützt euch das alles noch? Am Mondufer bleibt nur der leere Duft von Hirse und Korn.

Als alle fertig gelesen hatten, sagten sie: „Das ist das unübertreffliche Gedicht zum Krabbenessen! Bei solch einem kleinen Thema einen tiefen Sinn zu verbergen — das zeugt von großem Talent. Allerdings ist der Spott über die Menschen der Gegenwart vielleicht ein wenig zu giftig." [53]

In diesem Augenblick sahen sie Friedchen wieder in den Garten zurückkehren. Was sie wollte, wird im nächsten Kapitel erzählt.

Anmerkungen

  1. 薛宝钗 Xuē Bǎochāi, wörtl. „Schnee Kostbare-Haarspange" — Schatzjades Kusine aus der Familie Xue, klug, besonnen und tugendreich.
  2. 史湘云 Shǐ Xiāngyún, wörtl. „Geschichtsschreiber Wolke-am-Xiang-Fluss" — Schatzjades lebenslustige Kusine, eine begabte Dichterin.
  3. 贾母 Jiǎ Mǔ, wörtl. „Matriarchin der Kaufmann-Familie" — die Großmutter des Hauses Kaufmann (Jiǎ), eine der mächtigsten Figuren des Romans.
  4. 王夫人 Wáng Fūrén — Schatzjades Mutter, zweite Frau des Kaufmann Aufrecht.
  5. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „König Heiterer-Phönix" — die energische und verschlagene Haushälterin des Kaufmann-Anwesens.
  6. 薛姨妈 Xuē Yímā, wörtl. „Tante Schnee" — Schatzspanges Mutter, Schwester von Dame Wang.
  7. Chin. 藕香榭
  8. 林黛玉 Lín Dàiyù, wörtl. „Wald Kajal-Jade" — die weibliche Protagonistin, Schatzjades Kusine mütterlicherseits, berühmt für ihre Dichtkunst und Empfindsamkeit.
  9. 贾宝玉 Jiǎ Bǎoyù, wörtl. „Kaufmann Kostbare-Jade" — der männliche Protagonist des Romans, ein verträumter junger Mann aus der Kaufmann-Familie.
  10. 迎春 Yíngchūn, wörtl. „Willkommensfrühling" — Schatzjades zweite Schwester.
  11. 探春 Tànchūn, wörtl. „Spürfrühling" — Schatzjades dritte Halbschwester (Tochter der Nebenfrau Zhao), klug und tatkräftig.
  12. 惜春 Xīchūn, wörtl. „Bewahrfrühling" — Schatzjades jüngste Schwester (eigentlich Nichte).
  13. 李纨 Lǐ Wán — die tugendhafte junge Witwe des verstorbenen Kaufmann Perle, Schatzjades älteste Schwägerin.
  14. Chin. 赵姨娘
  15. Chin. 周姨娘
  16. 鸳鸯 Yuānyāng, wörtl. „Mandarinenente" — die treue Leibdienerin der Herzoginmutter.
  17. 琥珀 Hǔpò, wörtl. „Bernstein" — ein Dienstmädchen der Herzoginmutter.
  18. 彩霞 Cǎixiá, wörtl. „Farbenwolke" — ein Dienstmädchen der Dame Wang.
  19. Chin. 彩云
  20. 平儿 Píng'ér, wörtl. „Friedchen" — Phönixglanz' loyale Kammerzofe und engste Vertraute.
  21. Chin. 贾琏
  22. Das Wortspiel bezieht sich darauf, dass 'Essig trinken' (吃醋) im Chinesischen 'eifersüchtig sein' bedeutet — Bernstein stichelt, Friedchen sei eifersüchtig über die Scherze bezüglich Mandarinenentes Verheiratung an ihren Herrn.
  23. 袭人 Xīrén, wörtl. „Dufthauch" — Schatzjades treueste Kammerzofe, besonnen und pflichtbewusst.
  24. 紫鹃 Zǐjuān, wörtl. „Purpurkuckuck" — Kajaljade's treue Kammerzofe.
  25. Chin. 司棋
  26. Chin. 侍书
  27. Chin. 入画
  28. Chin. 莺儿
  29. Chin. 翠墨
  30. Chin. 合欢花
  31. Chin. 蘅
  32. Chin. 潇
  33. Chin. 绛
  34. Chin. 湘
  35. Chin. 霞
  36. Chin. 雪浪笺
  37. Chin. 蘅芜君
  38. Chin. 怡红公子
  39. Chin. 怡红公子
  40. Chin. 枕霞旧友
  41. Chin. 枕霞旧友
  42. Chin. 潇湘妃子
  43. Tao Qian (陶渊明/陶潜, 365–427), der berühmte Eremit und Dichter, der die Chrysantheme zum Symbol des Rückzugs und der Unbestechlichkeit erhob.
  44. Chin. 蘅芜君
  45. Chin. 潇湘妃子
  46. Chin. 蕉下客
  47. Chang'an war die alte Kaiserstadt. Der 'Altmeister von Pengze' ist wieder Tao Qian, der einst Bezirksvorsteher von Pengze war.
  48. Chin. 枕霞旧友
  49. Chin. 潇湘妃子
  50. Zhuangzi (庄子, ca. 369–286 v. Chr.), der daoistische Philosoph, der träumte, er sei ein Schmetterling, und nicht mehr wusste, ob er Mensch oder Falter war.
  51. Chin. 蕉下客
  52. Su Shi (苏轼/苏东坡, 1037–1101), einer der größten Dichter der Song-Dynastie, berühmt auch als Feinschmecker.
  53. Die verdeckte Satire kritisiert die korrupten Beamten und Höflinge, die — gleich den Krabben — hinter den Kulissen ihre eigennützigen Machenschaften betreiben und am Ende doch im 'Kochtopf' enden.

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