Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 64"
(DE4 (Woesler 4. Aufl.): Kapitel 64 mit Navigation und Fussnoten) |
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| − | + | == 幽淑女悲题五美吟 / 浪荡子情遗九龙佩 == | |
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| − | + | === Kapitel 64 === | |
| + | Kajaljade [黛玉] verfasst fünf Gedichte auf berühmte Schönheiten des Altertums | ||
| + | Kaufmann Jadeschale [贾琏] kehrt heim, und die You-Schwestern treten ins Geschehen | ||
| − | + | Es wird erzählt, dass Kaufmann Herrlichkeit [贾蓉], als er sah, dass zu Hause alle Vorbereitungen getroffen waren, eilig zum Tempel zurückfuhr, um Kaufmann Schein-Echt [贾珍] Bericht zu erstatten. Daraufhin wurden über Nacht alle Amtsdiener und Gehilfen eingeteilt und sämtliche benötigten Trauerbanner, Tragstangen und anderes Gerät vorbereitet. Man bestimmte die Mao-Stunde <ref>5–7 Uhr morgens</ref> des vierten Tages für den Einzug des Sarges in die Stadt und benachrichtigte alle Verwandten und Freunde. An jenem Tag war das Trauergeleit prächtig und strahlend, die Gäste zahlreich wie Wolken. Vom Eiserne-Schwelle-Kloster bis zum Ningfu säumten weit mehr als zehntausend Schaulustige den Weg. Unter ihnen gab es solche, die seufzten, solche, die neidisch waren, und auch jene Halbgebildeten, die sagten: „Bei einer Trauerfeier ist es besser, bescheiden und aufrichtig zu trauern, als verschwenderisch und gleichgültig zu sein." Die Meinungen gingen auf dem ganzen Weg auseinander. Erst zur Wei-Shen-Stunde <ref>gegen 15–17 Uhr</ref> traf der Zug ein. Der Sarg wurde in der Haupthalle aufgestellt. Nach den Opfern und der Wehklage zerstreuten sich die Verwandten und Freunde allmählich; nur die Familienmitglieder blieben, um die Empfänge und Verabschiedungen zu regeln. Von den nahen Verwandten war nur der Älteste Schwager Xing geblieben. Kaufmann Schein-Echt und Kaufmann Herrlichkeit waren nun an die Traueretikette gebunden und mussten neben dem Sarg auf Stroh liegen und Lehmklötze als Kissen benutzen, in bitterer Trauer verharrend. Doch sobald die Besucher fort waren, suchten sie wieder die Gelegenheit, sich mit den jungen Schwägerinnen einzulassen. Auch Schatzjade [宝玉] trug täglich im Ningfu Trauerkleidung; erst abends, wenn die Besucher gegangen waren, kehrte er in den Garten zurück. Phönixglanz [熙凤] war noch nicht genesen und konnte nicht ständig dort sein, doch an Tagen, wenn die Altäre für Rezitationen eröffnet wurden oder Verwandte und Freunde zum Opfern kamen, schleppte sie sich dennoch her, um Frau You bei der Organisation zu helfen. | |
| − | Schatzjade | + | Eines Tages, nach dem Frühstücksopfer, als die Tage noch lang waren und Kaufmann Schein-Echt und die anderen vor Erschöpfung neben dem Sarg eingenickt waren, sah Schatzjade, dass keine Gäste kamen, und beschloss, nach Hause zu gehen und nach Kajaljade zu sehen. Er kehrte zunächst ins Yihongyuan zurück. Als er durch das Tor trat, war es still und menschenleer im Hof; nur einige alte Dienerinnen und kleine Mädchen ruhten sich unter der Wandelhalle aus — manche schliefen, manche saßen dösend da. Schatzjade störte sie nicht. Nur Si'er bemerkte ihn, lief herbei und hob den Vorhang hoch. Gerade als sie ihn aufschlug, kam Fangguan lachend von drinnen herausgelaufen und wäre beinahe mit Schatzjade zusammengeprallt. Als sie ihn sah, blieb sie lächelnd stehen und sagte: „Wie kommst du hierher? Schnell, halt mir Heitermuster [晴雯] auf — sie will mich schlagen!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da hörte man drinnen Klappern und Poltern — irgendetwas war über den ganzen Boden verstreut worden. Dann kam Heitermuster hinterher und schimpfte: „Du kleines Biest — wohin willst du? Verloren und willst dich nicht schlagen lassen? Schatzjade ist nicht da; mal sehen, wer dich diesmal rettet!" Schatzjade hielt sie lachend auf und sagte: „Die Kleine ist noch jung — ich weiß nicht, womit sie dich beleidigt hat. Um meinetwillen, vergib ihr." Heitermuster hatte nicht erwartet, dass Schatzjade gerade jetzt zurückkam; als sie ihn so plötzlich sah, musste sie unwillkürlich lachen: „Fangguan ist wahrhaftig ein verwandelter Fuchsgeist — selbst Beschwörungsformeln, die Götter bannen und Generäle herbeirufen, wirken nicht so schnell!" Dann lachte sie: „Selbst wenn du wirklich einen Gott herbeigerufen hättest, fürchte ich mich nicht!" Damit versuchte sie erneut, Fangguan zu fangen. Doch Fangguan hatte sich längst hinter Schatzjade versteckt. Schatzjade nahm Heitermuster bei der einen und Fangguan bei der anderen Hand und führte sie ins Zimmer. Dort sah er auf dem westlichen Kang Moschusmond, Qiuwen, Bihen und Zixiao, die gerade mit Steinchen um Kürbiskerne spielten. Fangguan hatte gegen Heitermuster verloren und sich geweigert, den Strafklaps entgegenzunehmen, worauf sie weggelaufen war. Heitermuster hatte bei der Verfolgung die Steinchen aus ihrem Schoß über den ganzen Boden verstreut. Schatzjade freute sich: „Bei diesen langen Tagen, wenn ich nicht zu Hause bin, fürchtete ich, ihr würdet euch langweilen, nach dem Essen nur schlafen und davon krank werden. Es ist gut, wenn ihr euch eine Beschäftigung sucht und euch amüsiert!" Als er Dufthauch [袭人] nicht sah, fragte er: „Wo ist eure Schwester Dufthauch?" Heitermuster sagte: „Die Dufthauch? Die wird immer frömmer — sie sitzt ganz allein drinnen vor der Wand wie ein Zen-Mönch. Seit geraumer Zeit bin ich nicht hineingegangen; ich weiß nicht, was sie treibt — nicht ein Laut ist zu hören. Geh schnell nachsehen — vielleicht hat sie inzwischen die Erleuchtung erlangt!" |
| − | + | Schatzjade hörte das, lachte und ging in das innere Zimmer. Dort saß Dufthauch auf dem Bett am Fenster, einen grauen Seidenstrang in der Hand, und knüpfte Knoten. Als sie Schatzjade eintreten sah, stand sie hastig auf und sagte lachend: „Was hat dieses Biest Heitermuster wieder über mich erzählt! Ich wollte nur schnell diesen Knotenstrang fertig bekommen und hatte keine Zeit, mit ihnen herumzutoben. Deshalb habe ich ihnen gesagt: ‚Geht nur spielen; solange der Zweite Junge Herr nicht da ist, will ich hier still sitzen und mich ein wenig ausruhen.' Daraus hat sie dann diesen ganzen Unsinn gemacht — ‚vor der Wand sitzen', ‚meditieren' — warte nur, gleich reiße ich ihr das Maul auf!" Schatzjade setzte sich lachend neben Dufthauch und sah ihr beim Knotenknüpfen zu. Er fragte: „Bei diesen langen Tagen solltest du dich auch einmal ausruhen, mit ihnen scherzen, oder Schwester Lin besuchen gehen. Es ist so heiß — wozu brauchst du das jetzt?" Dufthauch sagte: „Mir ist aufgefallen, dass das Fächeretui, das du trägst, noch das von damals ist, als im Östlichen Palais die ältere Schwägerin Rong <ref>Qin Lieblich</ref> starb. Dieses blauschwarze Ding trägt man nur in der Familie oder bei Verwandten, wenn im Sommer ein Todesfall ist — ein- oder zweimal im Jahr. Gewöhnlich braucht man keins anzufertigen. Aber jetzt, wo drüben die Trauerfeierlichkeiten stattfinden, musst du es täglich tragen. Deshalb beeile ich mich, ein neues zu machen. Wenn der Knotenstrang fertig ist, tausche ich das alte gegen das neue aus. Du magst zwar nicht auf solche Dinge achten, aber wenn die Alte Herrin zurückkommt und es sieht, wird sie wieder sagen, wir seien nachlässig und kümmerten uns nicht einmal um deine Kleidung und dein Zubehör." Schatzjade lachte: „Es ist wirklich rücksichtsvoll, dass du daran denkst. Nur solltest du dich nicht überanstrengen — in der Hitze krank zu werden, wäre schlimmer." Während sie sprachen, brachte Fangguan schon eine Tasse frisch im kalten Wasser gekühlten Tee. Schatzjade war von Natur aus zart besaitet und wagte selbst im Hochsommer kein Eis zu verwenden; man tauchte nur den Teekrug in eine Schüssel mit frischem Brunnenwasser, das regelmäßig gewechselt wurde, um den Tee zu kühlen. Schatzjade trank eine halbe Tasse aus Fangguans Hand und sagte dann zu Dufthauch: „Als ich ging, habe ich Mingyan Bescheid gesagt — wenn beim Ältesten Bruder Zhen wichtige Gäste kommen, soll er mir sofort Nachricht schicken; wenn nichts Dringendes anliegt, gehe ich nicht mehr hinüber." Damit trat er aus der Tür, wandte sich noch um und sagte zu Bihen und den anderen: „Wenn etwas ist, sucht mich bei Fräulein Lin." Damit ging er geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon, um Kajaljade zu besuchen. | |
| − | Schatzjade senkte den Kopf und überlegte bei sich: „Nach dem, was Xueyan sagt, muss es einen besonderen Grund geben. Wenn sie nur mit einer der Schwestern zusammensäße, brauchte sie nicht vorher das Opfergeschirr aufzustellen. Vielleicht ist es der Todestag ihres Vaters oder ihrer Mutter | + | Gerade hatte er die Qinfang-Brücke passiert, als er Xueyan mit zwei alten Dienerinnen kommen sah, die allerlei Wasserkastanien, Lotosrhizome, Melonen und Früchte trugen. Schatzjade fragte Xueyan eilig: „Eure Fräulein isst doch nie solch kalte Sachen — wozu die ganzen Früchte? Wollt ihr etwa jemanden einladen?" Xueyan lachte: „Ich sage es dir, aber du darfst es nicht dem Fräulein weitererzählen." Schatzjade nickte zustimmend. Xueyan wies die beiden Dienerinnen an: „Bringt die Früchte voraus und übergebt sie der Schwester Purpurkuckuck [紫鹃]. Wenn sie nach mir fragt, sagt ihr, ich erledige noch etwas und komme gleich." Die Dienerinnen gingen. Xueyan sagte: „Unserem Fräulein geht es die letzten beiden Tage etwas besser. Heute nach dem Essen kam das Dritte Fräulein vorbei und wollte sie mitnehmen, um die Zweite Herrin zu besuchen, aber das Fräulein ging nicht mit. Dann hat sie an irgendetwas gedacht, wurde traurig und hat eine ganze Weile geschrieben — ob Gedichte oder Lieder, weiß ich nicht. Als sie mich losschickte, um die Früchte zu holen, hörte ich sie noch Purpurkuckuck beauftragen, den kleinen Räuchertisch aus der Stube freizuräumen, den Tisch in die Mitte des Vorzimmers zu stellen und das Bronzegefäß mit Drachenmuster darauf zu setzen — die Früchte seien für ein bestimmtes Ritual. Wenn sie jemanden einladen wollte, würde sie doch nicht zuerst ein Räuchergefäß aufstellen! Und wenn sie Räucherwerk abbrennen wollte — unser Fräulein hat gewöhnlich nur frische Blumen, Früchte und Quitten im Zimmer und mag es gar nicht, Kleider zu parfümieren. Wenn sie schon Räucherwerk verwendete, würde sie es an ihrem gewöhnlichen Platz anzünden. Sollte etwa eine Dienerin das Zimmer voll gestunken haben und man es mit Räucherwerk vertreiben wollen? Ich verstehe es wirklich nicht." Damit eilte sie davon. |
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| + | Schatzjade senkte den Kopf und überlegte bei sich: „Nach dem, was Xueyan sagt, muss es einen besonderen Grund geben. Wenn sie nur mit einer der Schwestern zusammensäße, brauchte sie nicht vorher das Opfergeschirr aufzustellen. Vielleicht ist es der Todestag ihres Vaters oder ihrer Mutter <ref>Wald Ozeangleich und Jia Min, Kajaljades verstorbene Eltern</ref>. Aber ich erinnere mich, dass die Alte Herrin jedes Jahr an diesem Datum eigens Speisen zubereiten und an Schwester Lin schicken lässt, damit sie privat opfert — und dieser Tag ist bereits vorüber. Es muss wohl sein, dass im siebten Monat, dem Monat der Früchte und der Ahnenopfer, wenn jede Familie die Herbstopfer an den Gräbern darbringt, Schwester Lin davon bewegt ist und in ihrem Privatgemach ein eigenes Opfer darbringt — im Sinne des Li Ji: ‚Im Frühling und Herbst opfere man die Früchte der jeweiligen Jahreszeit.' Wenn ich jetzt hingehe und sie trauernd finde, werde ich sie trösten wollen — aber das könnte ihr Kummer sich innerlich nur noch mehr verdichten. Gehe ich aber nicht, trauert sie vielleicht übermäßig, und niemand hält sie zurück. Beides könnte zu Krankheit führen. Am besten gehe ich zunächst kurz zu Schwester Feng, bleibe dort nur einen Moment und kehre dann zurück. Wenn ich Schwester Lin dann noch traurig finde, werde ich behutsam trösten — so wird sie weder in übermäßige Trauer verfallen, noch ihren Kummer unterdrücken müssen." | ||
Er verließ den Garten und ging geradewegs zu Phönixglanz. Dort waren gerade viele Verwalterinnen mit ihren Berichten fertig geworden und zerstreuten sich. Phönixglanz lehnte sich an den Türrahmen und sprach mit Friedchen. Als sie Schatzjade sah, lachte sie: „Du bist zurück! Ich habe gerade Frau Lin Zhixiao beauftragt, deinen Dienern ausrichten zu lassen, dass du, wenn nichts Wichtiges anliegt, doch bitte zurückkommst und dich ausruhst. Außerdem sind dort drüben so viele Leute — wie hältst du diese Gerüche aus? Da kommst du ja schon von selbst." Schatzjade lachte: „Vielen Dank, dass Schwester an mich denkt. Da heute nichts los war und ich gesehen habe, dass Schwester die letzten Tage nicht drüben war, wollte ich nach deinem Befinden sehen." Phönixglanz sagte: „Es geht so — drei Tage gut, zwei schlecht. Die Alte Herrin und die Gnädige Frau sind nicht da, und diese Damen — ach, keine einzige ist friedlich! Jeden Tag gibt es Prügeleien oder Streit; sogar Glücksspiel und Diebstähle, zwei, drei Fälle, sind schon vorgekommen. Zwar hilft das Dritte Fräulein bei der Verwaltung, aber sie ist ein unverheiratetes Mädchen — manches kann man ihr sagen, anderes nicht. Ich kann mich nur zusammenreißen, so gut es geht. Einen Augenblick Ruhe gibt es nie. Von Genesung kann keine Rede sein; ich wäre schon zufrieden, wenn es nicht schlimmer wird." Schatzjade sagte: „Das mag sein, aber Schwester muss dennoch auf ihre Gesundheit achten und sich weniger Sorgen machen." Nachdem sie noch ein wenig geplaudert hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Phönixglanz und kehrte in den Garten zurück. | Er verließ den Garten und ging geradewegs zu Phönixglanz. Dort waren gerade viele Verwalterinnen mit ihren Berichten fertig geworden und zerstreuten sich. Phönixglanz lehnte sich an den Türrahmen und sprach mit Friedchen. Als sie Schatzjade sah, lachte sie: „Du bist zurück! Ich habe gerade Frau Lin Zhixiao beauftragt, deinen Dienern ausrichten zu lassen, dass du, wenn nichts Wichtiges anliegt, doch bitte zurückkommst und dich ausruhst. Außerdem sind dort drüben so viele Leute — wie hältst du diese Gerüche aus? Da kommst du ja schon von selbst." Schatzjade lachte: „Vielen Dank, dass Schwester an mich denkt. Da heute nichts los war und ich gesehen habe, dass Schwester die letzten Tage nicht drüben war, wollte ich nach deinem Befinden sehen." Phönixglanz sagte: „Es geht so — drei Tage gut, zwei schlecht. Die Alte Herrin und die Gnädige Frau sind nicht da, und diese Damen — ach, keine einzige ist friedlich! Jeden Tag gibt es Prügeleien oder Streit; sogar Glücksspiel und Diebstähle, zwei, drei Fälle, sind schon vorgekommen. Zwar hilft das Dritte Fräulein bei der Verwaltung, aber sie ist ein unverheiratetes Mädchen — manches kann man ihr sagen, anderes nicht. Ich kann mich nur zusammenreißen, so gut es geht. Einen Augenblick Ruhe gibt es nie. Von Genesung kann keine Rede sein; ich wäre schon zufrieden, wenn es nicht schlimmer wird." Schatzjade sagte: „Das mag sein, aber Schwester muss dennoch auf ihre Gesundheit achten und sich weniger Sorgen machen." Nachdem sie noch ein wenig geplaudert hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Phönixglanz und kehrte in den Garten zurück. | ||
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Als er durch das Tor des Xiaoxiang-Pavillons trat, sah er: Der Rauch im Räuchergefäß war verglommen, und auf dem Opfertisch standen die Reste eines Trankopfers aus Jadewein. Purpurkuckuck überwachte gerade, wie die Dienerinnen den Tisch wieder hineintrugen und die Gegenstände verräumten. Schatzjade wusste, dass die Zeremonie bereits beendet war. Er trat ins Zimmer; dort lag Kajaljade mit dem Gesicht zur Wand, matt und hinfällig, mit einem Ausdruck äußerster Erschöpfung. Purpurkuckuck sagte eilig: „Der Zweite Junge Herr Bao ist da." Kajaljade richtete sich langsam auf und lud ihn lächelnd zum Sitzen ein. Schatzjade fragte: „Geht es Schwester die letzten Tage besser? Du siehst etwas ruhiger aus — aber warum bist du wieder traurig gewesen?" Kajaljade sagte: „Was redest du nur? Wann soll ich traurig gewesen sein?" Schatzjade lachte: „Auf Schwesterchens Gesicht sind noch Tränenspuren — wie willst du mich täuschen? Ich denke nur: Schwester ist ohnehin stets kränklich; bei allem solltest du dich selbst trösten und nicht in nutzlose Trauer verfallen. Wenn du deinen Körper zugrunde richtest, dann werde ich ..." Bei diesen Worten stockte er, denn das Folgende war schwer auszusprechen. Obwohl er und Kajaljade zusammen aufgewachsen waren, einander zutiefst zugetan und bereit, füreinander zu leben und zu sterben, hatten sie das doch nur im Herzen empfunden, ohne es je offen auszusprechen. Zudem war Kajaljade empfindlich, und seine Worte gerieten oft unbedacht; er hatte sie schon oft verletzt. Heute war er eigentlich gekommen, um sie zu trösten, doch unversehens hatte er sich wieder im Ton vergriffen und wusste nicht, wie er fortfahren sollte. In seiner Verlegenheit, aus Furcht, Kajaljade könnte ihm zürnen, und im Bewusstsein, dass sein Herz es wirklich gut meinte, wandelte sich seine Unruhe in Trauer, und die Tränen rollten ihm über die Wangen. Kajaljade war zunächst unwillig über seine unbedachten Worte gewesen; als sie ihn nun aber so sah, wurde sie ebenfalls gerührt. Sie, die ohnehin stets zum Weinen neigte, konnte auch jetzt die Tränen nicht zurückhalten und weinte stumm mit. | Als er durch das Tor des Xiaoxiang-Pavillons trat, sah er: Der Rauch im Räuchergefäß war verglommen, und auf dem Opfertisch standen die Reste eines Trankopfers aus Jadewein. Purpurkuckuck überwachte gerade, wie die Dienerinnen den Tisch wieder hineintrugen und die Gegenstände verräumten. Schatzjade wusste, dass die Zeremonie bereits beendet war. Er trat ins Zimmer; dort lag Kajaljade mit dem Gesicht zur Wand, matt und hinfällig, mit einem Ausdruck äußerster Erschöpfung. Purpurkuckuck sagte eilig: „Der Zweite Junge Herr Bao ist da." Kajaljade richtete sich langsam auf und lud ihn lächelnd zum Sitzen ein. Schatzjade fragte: „Geht es Schwester die letzten Tage besser? Du siehst etwas ruhiger aus — aber warum bist du wieder traurig gewesen?" Kajaljade sagte: „Was redest du nur? Wann soll ich traurig gewesen sein?" Schatzjade lachte: „Auf Schwesterchens Gesicht sind noch Tränenspuren — wie willst du mich täuschen? Ich denke nur: Schwester ist ohnehin stets kränklich; bei allem solltest du dich selbst trösten und nicht in nutzlose Trauer verfallen. Wenn du deinen Körper zugrunde richtest, dann werde ich ..." Bei diesen Worten stockte er, denn das Folgende war schwer auszusprechen. Obwohl er und Kajaljade zusammen aufgewachsen waren, einander zutiefst zugetan und bereit, füreinander zu leben und zu sterben, hatten sie das doch nur im Herzen empfunden, ohne es je offen auszusprechen. Zudem war Kajaljade empfindlich, und seine Worte gerieten oft unbedacht; er hatte sie schon oft verletzt. Heute war er eigentlich gekommen, um sie zu trösten, doch unversehens hatte er sich wieder im Ton vergriffen und wusste nicht, wie er fortfahren sollte. In seiner Verlegenheit, aus Furcht, Kajaljade könnte ihm zürnen, und im Bewusstsein, dass sein Herz es wirklich gut meinte, wandelte sich seine Unruhe in Trauer, und die Tränen rollten ihm über die Wangen. Kajaljade war zunächst unwillig über seine unbedachten Worte gewesen; als sie ihn nun aber so sah, wurde sie ebenfalls gerührt. Sie, die ohnehin stets zum Weinen neigte, konnte auch jetzt die Tränen nicht zurückhalten und weinte stumm mit. | ||
| − | Purpurkuckuck kam mit Tee herein, bemerkte, dass die beiden offenbar wieder Streit hatten, und sagte: „Dem Fräulein geht es kaum besser, und da kommt der Zweite Junge Herr schon wieder, um sie zu ärgern — was ist es denn diesmal?" Schatzjade wischte sich die Tränen ab und lachte: „Wer würde es wagen, die Schwester zu ärgern?" Dabei stand er auf und schlenderte umher. Unter dem Tuschstein lugte eine Papierecke hervor; er konnte nicht widerstehen, sie hervorzuziehen. Kajaljade wollte hastig aufstehen, um sie ihm zu entreißen, doch Schatzjade hatte sie bereits in den Busen gesteckt und bat lachend: „Liebe Schwester, lass mich einmal schauen!" Kajaljade sagte: „Egal was es ist — du kommst herein und wühlst gleich alles durch!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da kam Schatzspange | + | Purpurkuckuck kam mit Tee herein, bemerkte, dass die beiden offenbar wieder Streit hatten, und sagte: „Dem Fräulein geht es kaum besser, und da kommt der Zweite Junge Herr schon wieder, um sie zu ärgern — was ist es denn diesmal?" Schatzjade wischte sich die Tränen ab und lachte: „Wer würde es wagen, die Schwester zu ärgern?" Dabei stand er auf und schlenderte umher. Unter dem Tuschstein lugte eine Papierecke hervor; er konnte nicht widerstehen, sie hervorzuziehen. Kajaljade wollte hastig aufstehen, um sie ihm zu entreißen, doch Schatzjade hatte sie bereits in den Busen gesteckt und bat lachend: „Liebe Schwester, lass mich einmal schauen!" Kajaljade sagte: „Egal was es ist — du kommst herein und wühlst gleich alles durch!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da kam Schatzspange [宝钗] lachend herein: „Was will Bruder Bao denn sehen?" Schatzjade hatte noch nicht gelesen, was darauf stand, und wusste auch nicht, was Kajaljade davon hielt; er wagte nicht vorschnell zu antworten und sah nur Kajaljade lachend an. Kajaljade lud Schatzspange zum Sitzen ein und sagte lachend: „In der alten Geschichte habe ich viele talentierte und schöne Frauen gefunden, deren Lebensschicksal zugleich bewundernswert, beneidenswert, beklagenswert und beseufzenswert war. Heute Nachmittag, nach dem Essen, hatte ich nichts zu tun und habe mir einige von ihnen ausgewählt, um aufs Geratewohl ein paar Gedichte darüber zu verfassen. Gerade als Spürfrühling [探春] mich besuchen und zur Zweiten Schwägerin mitnehmen wollte, war mir zu unwohl, um mitzugehen. Ich hatte gerade fünf Stück fertig, als mich die Müdigkeit überkam und ich sie liegen ließ — und da kam der Zweite Junge Herr und sah sie. Im Grunde schadet es nichts, wenn er sie liest; nur fürchte ich, dass er sie unbesonnen anderen zeigt." Schatzjade sagte eilig: „Wann hätte ich je etwas anderen gezeigt! Der Fächer neulich — ich mochte nur die Gedichte über die weißen Begonien und habe sie in kleiner Kursivschrift abgeschrieben, nur um sie bequemer in der Hand lesen zu können. Ich weiß sehr wohl, dass Gedichte und Schriften aus dem Frauengemach nicht leichtfertig nach außen getragen werden dürfen. Seit du es gesagt hast, habe ich sie nie aus dem Garten gebracht." Schatzspange sagte: „Schwester Lins Bedenken sind berechtigt. Da du sie auf den Fächer geschrieben hast — wenn du ihn einmal vergisst und ins Studierzimmer mitnimmst und die jungen Herren ihn sehen, werden sie unweigerlich fragen, wer sie verfasst hat. Wenn das sich herumspricht, wäre das unschicklich. Seit alters heißt es: ‚Talentlosigkeit ist die Tugend der Frau' <ref>berühmtes konfuzianisches Diktum</ref>. Züchtigkeit und Stille stehen an erster Stelle, Handarbeit an zweiter. Die Dichtkunst ist nur ein Zeitvertreib des Frauengemachs — man kann sie beherrschen oder auch nicht. Junge Frauen aus Häusern wie dem unseren brauchen keinen Ruf als Dichterinnen." Dann lächelte sie Kajaljade zu: „Zeig sie mir — das schadet nicht. Nur darf Bruder Bao sie nicht nach draußen tragen." Kajaljade lachte: „Wenn du schon so sprichst, brauchst auch du sie nicht zu sehen." Dann zeigte sie auf Schatzjade und lachte: „Er hat sie mir längst entrissen!" Schatzjade nahm sie nun aus dem Busen, rückte neben Schatzspange, und beide lasen aufmerksam. Darauf stand: |
| − | + | Xi Shi <ref>die berühmteste der Vier Schönheiten des chinesischen Altertums</ref> | |
| − | + | Ein Zeitalter der Schönheit verging mit den Wellen; | |
| − | + | Im leeren Wu-Palast denkt sie vergeblich an Kindertage. | |
| − | + | Lacht nicht die Nachbarin aus dem Ostdorf, die ihr Stirnrunzeln nachahmte — | |
| − | + | Mit weißem Haar wäscht jene am Bach noch immer ihr Tuch. | |
| − | + | Yu Ji <ref>Konkubine des Königs Xiang Yu, die sich nach seiner Niederlage das Leben nahm</ref> | |
| − | + | Herzzerreißend wiehert das Rabenpferd im Nachtsturm; | |
| − | + | Yu Ji, dein stiller Gram vor dem Doppelpupilligen! | |
| − | + | Qing Bu und Peng Yue ließen sich später zerstückeln — | |
| − | + | Besser doch, das Schwert zu trinken im Zelt von Chu! | |
| − | + | Wang Zhaojun <ref>die Han-Hofdame, die zu den Xiongnu geschickt wurde</ref> | |
| − | + | Überirdische Schönheit erschreckt die Welt, als sie den Han-Palast verlässt; | |
| − | + | Das Los der Schönen ist seit je dasselbe. | |
| − | + | Selbst wenn der Kaiser Schönheit gering achtete — | |
| − | + | Warum gab er dem Hofmaler die Macht über Leben und Tod? | |
| − | + | Lü Zhu <ref>die schöne Konkubine, die sich für ihren Herrn Shi Chong vom Turm stürzte</ref> | |
| − | + | Scherben und Perlen werden gleichermaßen geworfen; | |
| − | + | Wann hätte Shi Chong je seine Schönheit wirklich geschätzt? | |
| − | + | Es war allein das Glück aus früheren Leben, | |
| − | + | Das ihr den Trost gab, gemeinsam in den Tod zu gehen. | |
| − | + | Hong Fu <ref>die mutige Frau, die Li Jing erkannte und mit ihm floh</ref> | |
| − | + | Mit langem Gruß und heldenhaftem Gespräch — ein ganz besondres Wesen; | |
| − | + | Mit scharfem Blick erkannte die Schöne den Helden im Elend. | |
| − | + | In Yang Sus Palast verweste nur noch ein lebender Leichnam — | |
| − | + | Wie könnte man eine Heldin dort in Ketten halten? | |
| − | Schatzjade las es und lobte ohne Ende. Dann sagte er: „Die Schwester hat genau fünf Gedichte verfasst — warum nicht den Titel ‚Fünf Gesänge auf berühmte Schönheiten' geben?" Ohne eine Widerrede zuzulassen, nahm er den Pinsel und schrieb den Titel darunter. Schatzspange sagte: „Beim Dichten ist das Thema nicht entscheidend — es kommt darauf an, die Gedanken der Alten geschickt umzukehren. Wenn man nur in den Fußstapfen anderer wandelt, mögen die Worte noch so kunstvoll sein — das bleibt zweitrangig und zählt am Ende nicht als gute Dichtung. Über Wang Zhaojun etwa gibt es unzählige Gedichte: manche beklagen ihr Schicksal, manche schelten den Maler Yan Shou, andere tadeln den Han-Kaiser, dass er sich zwar Beamtenporträts, aber auch Schönheitsbilder malen ließ. Wang Anshi dichtete: ‚Anmut und Wesen lassen sich nicht malen — umsonst wurde damals Mao Yanshou getötet.' Und Ouyang Xiu schrieb: ‚Was Auge und Ohr sehen, ist schon so — wie kann man auf zehntausend Li Entfernung die Barbaren beherrschen?' Beide Gedichte bringen je einen eigenen Standpunkt hervor, der sich von allen anderen unterscheidet. Schwester Lins fünf Gedichte heute kann man wahrhaft als neuartig im Gedanken und bahnbrechend in der Darstellung bezeichnen." | + | Schatzjade las es und lobte ohne Ende. Dann sagte er: „Die Schwester hat genau fünf Gedichte verfasst — warum nicht den Titel ‚Fünf Gesänge auf berühmte Schönheiten<ref>Chin. 五美吟 Wǔ Měi Yín. Kajaljades Gedichte auf fünf tragische Schönheiten des Altertums spiegeln indirekt ihr eigenes Schicksal: Jede der besungenen Frauen war schön, begabt und dem Untergang geweiht.</ref>' geben?" Ohne eine Widerrede zuzulassen, nahm er den Pinsel und schrieb den Titel darunter. Schatzspange sagte: „Beim Dichten ist das Thema nicht entscheidend — es kommt darauf an, die Gedanken der Alten geschickt umzukehren. Wenn man nur in den Fußstapfen anderer wandelt, mögen die Worte noch so kunstvoll sein — das bleibt zweitrangig und zählt am Ende nicht als gute Dichtung. Über Wang Zhaojun etwa gibt es unzählige Gedichte: manche beklagen ihr Schicksal, manche schelten den Maler Yan Shou, andere tadeln den Han-Kaiser, dass er sich zwar Beamtenporträts, aber auch Schönheitsbilder malen ließ. Wang Anshi<ref>Wang Anshi (王安石, 1021–1086), berühmter Reformpolitiker und Dichter der Song-Dynastie.</ref> dichtete: ‚Anmut und Wesen lassen sich nicht malen — umsonst wurde damals Mao Yanshou getötet.' Und Ouyang Xiu<ref>Ouyang Xiu (欧阳修, 1007–1072), einer der „Acht Großen Prosaisten der Tang und Song“.</ref> schrieb: ‚Was Auge und Ohr sehen, ist schon so — wie kann man auf zehntausend Li Entfernung die Barbaren beherrschen?' Beide Gedichte bringen je einen eigenen Standpunkt hervor, der sich von allen anderen unterscheidet. Schwester Lins fünf Gedichte heute kann man wahrhaft als neuartig im Gedanken und bahnbrechend in der Darstellung bezeichnen." |
Sie wollte gerade fortfahren, als jemand meldete: „Der Zweite Herr Lian ist zurückgekehrt. Eben hieß es, er sei zum Östlichen Palais gegangen und müsste bald wieder hier sein." Schatzjade hörte das, sprang auf und eilte zur Pforte, um ihn zu empfangen. Gerade kam Kaufmann Jadeschale von draußen hereingeritten. Schatzjade kniete vor ihm nieder, erkundigte sich nach dem Befinden der Alten Herrin, Kaufmann Aufrechts, Frau Wangs und der anderen und begrüßte dann Kaufmann Jadeschale selbst. Die beiden gingen Hand in Hand hinein. Li Schleierfrau, Phönixglanz, Schatzspange, Kajaljade, Willkommensfrühling, Spürfrühling, Bewahrfrühling und die anderen warteten bereits in der Mittelhalle. Nachdem alle Begrüßungen vollzogen waren, berichtete Kaufmann Jadeschale: „Die Alte Herrin trifft morgen früh ein. Auf der Reise war sie bei guter Gesundheit. Man hat mich heute vorausgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Morgen in der fünften Nachtwache muss ich wieder hinaus, um sie zu empfangen." Danach fragte man nach den Reiseerlebnissen. Da Kaufmann Jadeschale von weither kam, verabschiedeten sich alle und ließen ihn sich ausruhen. Die weiteren Ereignisse des Abends bedürfen keiner ausführlichen Schilderung. | Sie wollte gerade fortfahren, als jemand meldete: „Der Zweite Herr Lian ist zurückgekehrt. Eben hieß es, er sei zum Östlichen Palais gegangen und müsste bald wieder hier sein." Schatzjade hörte das, sprang auf und eilte zur Pforte, um ihn zu empfangen. Gerade kam Kaufmann Jadeschale von draußen hereingeritten. Schatzjade kniete vor ihm nieder, erkundigte sich nach dem Befinden der Alten Herrin, Kaufmann Aufrechts, Frau Wangs und der anderen und begrüßte dann Kaufmann Jadeschale selbst. Die beiden gingen Hand in Hand hinein. Li Schleierfrau, Phönixglanz, Schatzspange, Kajaljade, Willkommensfrühling, Spürfrühling, Bewahrfrühling und die anderen warteten bereits in der Mittelhalle. Nachdem alle Begrüßungen vollzogen waren, berichtete Kaufmann Jadeschale: „Die Alte Herrin trifft morgen früh ein. Auf der Reise war sie bei guter Gesundheit. Man hat mich heute vorausgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Morgen in der fünften Nachtwache muss ich wieder hinaus, um sie zu empfangen." Danach fragte man nach den Reiseerlebnissen. Da Kaufmann Jadeschale von weither kam, verabschiedeten sich alle und ließen ihn sich ausruhen. Die weiteren Ereignisse des Abends bedürfen keiner ausführlichen Schilderung. | ||
| − | Am nächsten Tag, um die Essenszeit, trafen tatsächlich die Alte Herrin, Frau Wang und die anderen ein. Die Begrüßung war vollzogen; man saß kurz beisammen und trank Tee. Dann führte die Alte Herrin Frau Wang und die anderen zum Ningfu. Drinnen ertönte Wehklagen, das den Himmel erschütterte — Kaufmann Begnadigung | + | Am nächsten Tag, um die Essenszeit, trafen tatsächlich die Alte Herrin, Frau Wang und die anderen ein. Die Begrüßung war vollzogen; man saß kurz beisammen und trank Tee. Dann führte die Alte Herrin Frau Wang und die anderen zum Ningfu. Drinnen ertönte Wehklagen, das den Himmel erschütterte — Kaufmann Begnadigung [贾赦] und Kaufmann Jadeschale hatten die Alte Herrin nach Hause gebracht und waren sofort herübergekommen. Als die Alte Herrin eintrat, kamen ihr Kaufmann Begnadigung und Kaufmann Jadeschale mit der ganzen Verwandtschaft weinend entgegen. Vater und Sohn stützten sie, einen auf jeder Seite, und führten sie vor den Sarg, wo Kaufmann Schein-Echt und Kaufmann Herrlichkeit auf den Knien in die Arme der Alten Herrin stürzten und bitterlich weinten. Die Alte Herrin, eine betagte Frau, konnte bei diesem Anblick ebenfalls nicht an sich halten und umarmte Zhen und Rong, weinend ohne Ende. Kaufmann Begnadigung und Kaufmann Jadeschale trösteten sie mühsam, bis sie sich ein wenig beruhigte. Dann ging sie zum rechten Flügel des Sargraums, wo sie Frau You und ihre Schwiegertochter traf, und es folgte eine weitere Szene bitterer Tränen. Danach traten die anderen der Reihe nach vor, um ihre Aufwartung zu machen. Da Kaufmann Schein-Echt sah, dass die Alte Herrin gerade erst nach Hause gekommen war und noch keine Ruhe gehabt hatte, und er fürchtete, sie könnte sich vor dem Sarg zu sehr grämen, bat er sie wiederholt, nach Hause zurückzukehren. Frau Wang und die anderen drängten ebenfalls. Die Alte Herrin gab schließlich nach und kehrte zurück. Tatsächlich hielt eine betagte Person Wind, Frost und Trauer schlecht aus: Am Abend fühlte sie sich benommen, die Augen schmerzten, die Nase war verstopft und die Stimme heiser. Eilig ließ man den Arzt kommen, den Puls fühlen und Medizin verschreiben. Ein halber Tag und eine halbe Nacht voller Aufregung folgten. Glücklicherweise wirkte das Mittel schnell, und die Krankheit griff nicht auf die inneren Organe über; gegen die dritte Nachtwache brach ein leichter Schweiß aus, der Puls beruhigte sich und das Fieber sank — alle atmeten auf. Am nächsten Tag nahm sie weiter Medizin ein. |
Einige Tage später kam der Termin für Kaufmann Andacht [贾敬]s Beisetzung. Da die Alte Herrin noch nicht vollständig genesen war, blieb Schatzjade zu Hause, um sie zu pflegen. Auch Phönixglanz war noch nicht ganz gesund und ging nicht mit. Kaufmann Begnadigung, Kaufmann Jadeschale, Frau Xing, Frau Wang und die anderen führten Dienerschaft und Gefolge zum Eiserne-Schwelle-Kloster; erst am Abend kehrten sie zurück. Kaufmann Schein-Echt, Frau You und Kaufmann Herrlichkeit blieben weiterhin im Tempel, um den Sarg zu bewachen, bis nach dem hundertsten Tag der Sarg in die Heimat überführt würde. Zu Hause vertrauten sie die Aufsicht der alten Frau You und den beiden Schwestern Erjie und Sanjie an. | Einige Tage später kam der Termin für Kaufmann Andacht [贾敬]s Beisetzung. Da die Alte Herrin noch nicht vollständig genesen war, blieb Schatzjade zu Hause, um sie zu pflegen. Auch Phönixglanz war noch nicht ganz gesund und ging nicht mit. Kaufmann Begnadigung, Kaufmann Jadeschale, Frau Xing, Frau Wang und die anderen führten Dienerschaft und Gefolge zum Eiserne-Schwelle-Kloster; erst am Abend kehrten sie zurück. Kaufmann Schein-Echt, Frau You und Kaufmann Herrlichkeit blieben weiterhin im Tempel, um den Sarg zu bewachen, bis nach dem hundertsten Tag der Sarg in die Heimat überführt würde. Zu Hause vertrauten sie die Aufsicht der alten Frau You und den beiden Schwestern Erjie und Sanjie an. | ||
| − | Kaufmann Jadeschale hatte seit langem von den You-Schwestern gehört und bedauert, ihnen nie begegnet zu sein. Seit Kaufmann Andachts Aufbahrung zu Hause hatte er sich mit der Zweiten und der Dritten täglich vertraut gemacht und konnte sein Begehren nicht mehr verbergen. Da er wusste, dass Kaufmann Schein-Echt und Kaufmann Herrlichkeit ohnehin im Ruf der Ausschweifung mit ihnen standen, nutzte er jede Gelegenheit, sie mit Blicken und Mienen zu umwerben. Die Dritte Schwester | + | Kaufmann Jadeschale hatte seit langem von den You-Schwestern gehört und bedauert, ihnen nie begegnet zu sein. Seit Kaufmann Andachts Aufbahrung zu Hause hatte er sich mit der Zweiten und der Dritten täglich vertraut gemacht und konnte sein Begehren nicht mehr verbergen. Da er wusste, dass Kaufmann Schein-Echt und Kaufmann Herrlichkeit ohnehin im Ruf der Ausschweifung mit ihnen standen, nutzte er jede Gelegenheit, sie mit Blicken und Mienen zu umwerben. Die Dritte Schwester <ref>You Sanjie, eine stolze und entschlossene Frau</ref> begegnete ihm jedoch kühl und gleichgültig; nur die Zweite <ref>You Erjie, sanft und nachgiebig</ref> zeigte deutlich Interesse. Aber es gab zu viele Augen und Ohren, und er fand keine Gelegenheit. Zudem fürchtete er, Kaufmann Schein-Echt könnte eifersüchtig werden, und wagte nicht, sich zu bewegen — so begnügten sich beide mit stillem Einverständnis. Nach der Beisetzung waren im Hause Kaufmann Schein-Echts wenig Leute: Nur die alte Frau You mit der Zweiten und Dritten Schwester und einigen groben Dienstmägden bewohnten die Haupträume; alle übrigen Mägde und Konkubinen waren mit ins Kloster gezogen. Draußen dienten die Bediensteten nur als Nachtwachen und Türhüter; tagsüber, wenn nichts zu tun war, betraten sie die inneren Gemächer nicht. Kaufmann Jadeschale sah seine Gelegenheit. Unter dem Vorwand, Kaufmann Schein-Echt Gesellschaft zu leisten, schlief er ebenfalls im Tempel, nutzte aber häufig den Anlass, für Kaufmann Schein-Echt die Hausverwaltung zu erledigen, um ins Ningfu zu kommen und die Zweite Schwester zu umwerben. |
Eines Tages kam der Unterverwalter Yu Lu zu Kaufmann Schein-Echt und berichtete: „Für die Trauerbanner, Tragstangen, Trauerseide und die Sargträger mit den blauen Gewändern wurden insgesamt eintausendeinhundertzehn Liang Silber ausgegeben. Davon sind fünfhundert bezahlt; es fehlen noch sechshundertzehn. Gestern kamen die beiden Lieferanten und forderten die Bezahlung; ich bitte um Anweisung." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Hol das Geld einfach aus der Schatzkammer — warum musst du mich fragen?" Yu Lu sagte: „Gestern war ich schon bei der Schatzkammer, aber seit dem Ableben des alten Herrn sind von allen Seiten so viele Auszahlungen erfolgt, dass das Verbleibende für die hundert-Tage-Zeremonien und die Tempelkosten reserviert werden muss. Man kann im Moment nichts auszahlen. Deshalb bitte ich den Herrn, ob er es aus der Privatschatulle vorschießen oder von einem anderen Posten umbuchen möchte." Kaufmann Schein-Echt lachte: „Du glaubst wohl, es sei noch wie früher, als wir Silber hatten und es nicht ausgaben! Leih es dir irgendwo und zahle es ihnen." Yu Lu lachte: „Ein- oder zweihundert könnte ich auftreiben; aber fünf- oder sechshundert — das schaffe ich nicht auf die Schnelle." Kaufmann Schein-Echt überlegte und sagte zu Kaufmann Herrlichkeit: „Frag deine Mutter — gestern nach der Beisetzung hat die Familie Zhen aus dem Süden fünfhundert Liang Opfersilber geschickt, die noch nicht an die Schatzkammer abgeliefert wurden. Hol sie dir und gib sie ihm." Kaufmann Herrlichkeit ging zu Frau You, kam zurück und berichtete: „Von dem Silber sind schon zweihundert ausgegeben worden; die restlichen dreihundert hat man nach Hause geschickt und der alten Mutter zur Aufbewahrung gegeben." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Dann nimm ihn mit, hol das Silber von der alten Mutter und gib es ihm. Sieh auch nach, ob zu Hause alles in Ordnung ist, und richte den beiden Tanten Grüße aus. Den Rest soll Yu Lu sich borgen und aufstocken." | Eines Tages kam der Unterverwalter Yu Lu zu Kaufmann Schein-Echt und berichtete: „Für die Trauerbanner, Tragstangen, Trauerseide und die Sargträger mit den blauen Gewändern wurden insgesamt eintausendeinhundertzehn Liang Silber ausgegeben. Davon sind fünfhundert bezahlt; es fehlen noch sechshundertzehn. Gestern kamen die beiden Lieferanten und forderten die Bezahlung; ich bitte um Anweisung." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Hol das Geld einfach aus der Schatzkammer — warum musst du mich fragen?" Yu Lu sagte: „Gestern war ich schon bei der Schatzkammer, aber seit dem Ableben des alten Herrn sind von allen Seiten so viele Auszahlungen erfolgt, dass das Verbleibende für die hundert-Tage-Zeremonien und die Tempelkosten reserviert werden muss. Man kann im Moment nichts auszahlen. Deshalb bitte ich den Herrn, ob er es aus der Privatschatulle vorschießen oder von einem anderen Posten umbuchen möchte." Kaufmann Schein-Echt lachte: „Du glaubst wohl, es sei noch wie früher, als wir Silber hatten und es nicht ausgaben! Leih es dir irgendwo und zahle es ihnen." Yu Lu lachte: „Ein- oder zweihundert könnte ich auftreiben; aber fünf- oder sechshundert — das schaffe ich nicht auf die Schnelle." Kaufmann Schein-Echt überlegte und sagte zu Kaufmann Herrlichkeit: „Frag deine Mutter — gestern nach der Beisetzung hat die Familie Zhen aus dem Süden fünfhundert Liang Opfersilber geschickt, die noch nicht an die Schatzkammer abgeliefert wurden. Hol sie dir und gib sie ihm." Kaufmann Herrlichkeit ging zu Frau You, kam zurück und berichtete: „Von dem Silber sind schon zweihundert ausgegeben worden; die restlichen dreihundert hat man nach Hause geschickt und der alten Mutter zur Aufbewahrung gegeben." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Dann nimm ihn mit, hol das Silber von der alten Mutter und gib es ihm. Sieh auch nach, ob zu Hause alles in Ordnung ist, und richte den beiden Tanten Grüße aus. Den Rest soll Yu Lu sich borgen und aufstocken." | ||
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Kaufmann Herrlichkeit und Yu Lu hatten sich gerade verabschiedet, als Kaufmann Jadeschale hereinkam. Yu Lu begrüßte ihn eilig. Kaufmann Jadeschale fragte, worum es gehe; Kaufmann Schein-Echt erzählte alles. Kaufmann Jadeschale dachte bei sich: „Das ist die Gelegenheit, zum Ningfu zu gehen und die Zweite Schwester zu sehen!" Und sagte: „Was für eine Sache — warum soll man sich Geld borgen? Gestern habe ich gerade eine Summe Silber bekommen, die ich noch nicht ausgegeben habe. Nehmt davon, und die Sache ist erledigt." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Ausgezeichnet! Dann gib Rong'er die Anweisung, er soll es zusammen abholen." Kaufmann Jadeschale sagte eilig: „Dazu muss ich persönlich hin. Außerdem war ich jetzt mehrere Tage nicht zu Hause; ich muss der Alten Herrin, dem Herrn Vater und den Damen die Aufwartung machen. Dann schaue ich auch bei Bruder drüben nach, ob die Dienerschaft sich benimmt, und besuche die Schwiegermutter." Kaufmann Schein-Echt lachte: „Da mühen wir dich schon wieder — das ist mir unangenehm." Kaufmann Jadeschale lachte: „Unter Brüdern — was macht das schon!" Kaufmann Schein-Echt trug noch Kaufmann Herrlichkeit auf: „Begleite deinen Onkel und erkundige dich auch bei der Alten Herrin und den Damen nach dem Befinden. Sag, deine Mutter und ich lassen grüßen, und frag, ob es der Alten Herrin viel besser geht und ob sie noch Medizin nimmt." Kaufmann Herrlichkeit sagte zu allem ja und folgte Kaufmann Jadeschale hinaus. Mit einigen Dienern ritten sie gemeinsam in die Stadt. | Kaufmann Herrlichkeit und Yu Lu hatten sich gerade verabschiedet, als Kaufmann Jadeschale hereinkam. Yu Lu begrüßte ihn eilig. Kaufmann Jadeschale fragte, worum es gehe; Kaufmann Schein-Echt erzählte alles. Kaufmann Jadeschale dachte bei sich: „Das ist die Gelegenheit, zum Ningfu zu gehen und die Zweite Schwester zu sehen!" Und sagte: „Was für eine Sache — warum soll man sich Geld borgen? Gestern habe ich gerade eine Summe Silber bekommen, die ich noch nicht ausgegeben habe. Nehmt davon, und die Sache ist erledigt." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Ausgezeichnet! Dann gib Rong'er die Anweisung, er soll es zusammen abholen." Kaufmann Jadeschale sagte eilig: „Dazu muss ich persönlich hin. Außerdem war ich jetzt mehrere Tage nicht zu Hause; ich muss der Alten Herrin, dem Herrn Vater und den Damen die Aufwartung machen. Dann schaue ich auch bei Bruder drüben nach, ob die Dienerschaft sich benimmt, und besuche die Schwiegermutter." Kaufmann Schein-Echt lachte: „Da mühen wir dich schon wieder — das ist mir unangenehm." Kaufmann Jadeschale lachte: „Unter Brüdern — was macht das schon!" Kaufmann Schein-Echt trug noch Kaufmann Herrlichkeit auf: „Begleite deinen Onkel und erkundige dich auch bei der Alten Herrin und den Damen nach dem Befinden. Sag, deine Mutter und ich lassen grüßen, und frag, ob es der Alten Herrin viel besser geht und ob sie noch Medizin nimmt." Kaufmann Herrlichkeit sagte zu allem ja und folgte Kaufmann Jadeschale hinaus. Mit einigen Dienern ritten sie gemeinsam in die Stadt. | ||
| − | Unterwegs plauderten Onkel und Neffe. Kaufmann Jadeschale kam absichtlich auf die Zweite Tante You zu sprechen und lobte, wie hübsch sie sei, wie angenehm im Umgang, wie würdevoll in ihrem Auftreten und wie sanft in ihrer Sprache — in jeder Hinsicht bewundernswert und liebenswert. „Alle sagen, deine Tante | + | Unterwegs plauderten Onkel und Neffe. Kaufmann Jadeschale kam absichtlich auf die Zweite Tante You zu sprechen und lobte, wie hübsch sie sei, wie angenehm im Umgang, wie würdevoll in ihrem Auftreten und wie sanft in ihrer Sprache — in jeder Hinsicht bewundernswert und liebenswert. „Alle sagen, deine Tante <ref>Phönixglanz</ref> sei schön, aber nach meiner Meinung reicht sie nicht im Mindesten an deine Zweite Tante heran!" Kaufmann Herrlichkeit durchschaute seine Absicht und sagte lachend: „Wenn Onkel sie so sehr schätzt, soll ich als Heiratsvermittler fungieren und sie als Zweitfrau für dich arrangieren?" Kaufmann Jadeschale lachte: „Meinst du das im Scherz oder im Ernst?" Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Ich meine es durchaus ernst." Kaufmann Jadeschale lachte wieder: „Selbstverständlich wäre mir das recht. Nur fürchte ich, deine Tante stimmt nicht zu; und vielleicht will deine Großmutter auch nicht. Außerdem habe ich gehört, dass deine Zweite Tante bereits verlobt ist." Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Das alles ist kein Hindernis. Meine Zweite und Dritte Tante sind nicht die leiblichen Kinder meines Großvaters — sie sind von meiner Großmutter mitgebracht worden. Soweit ich weiß, hat meine Großmutter, als sie noch in jener Familie lebte, die Zweite Tante bereits dem Sohn des kaiserlichen Getreidepächters Zhang verlobt — eine Verlobung im Mutterleib. Später geriet die Familie Zhang in einen Prozess und verarmte; meine Großmutter heiratete aus jener Familie fort, und seit über zehn Jahren hatten die beiden Familien keinen Kontakt mehr. Meine Großmutter klagt oft darüber und will die Verlobung lösen; mein Vater will die Zweite Tante anderweitig verheiraten. Man wartet nur auf einen guten Kandidaten; dann schickt man jemanden zu den Zhangs, gibt ihnen zehn, zwanzig Liang und lässt einen Auflösungsbrief schreiben. Bei ihrer Armut werden sie, wenn sie Silber sehen, kaum widersprechen. Außerdem wissen sie, mit was für einem Haus sie es zu tun haben — sie wagen es nicht, zu widersprechen. Wenn ein Mann wie der Onkel sie zur Zweitfrau nehmen will, werden Großmutter und Vater bestimmt einverstanden sein. Das einzige Problem ist die Tante ..." Kaufmann Jadeschale hörte das, und sein Herz blühte auf; er konnte nur noch stumm und dümmlich grinsen. Kaufmann Herrlichkeit überlegte noch einen Moment und sagte dann lachend: „Wenn der Onkel den Mut hat, meinem Plan zu folgen, garantiere ich, dass alles glattgeht — es kostet nur ein paar Taler mehr." Kaufmann Jadeschale sagte hastig: „Was für ein Plan? Sag schnell — ich bin einverstanden!" Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Wenn der Onkel nach Hause kommt, verrät er mit keinem Wort etwas. Ich berichte meinem Vater und verhandle mit der Großmutter. Dann kaufen wir hinter unserem Palais ein kleines Haus und die nötige Ausstattung und verlegen zwei Gruppen Dienstboten dorthin. An einem günstigen Tag wird ohne Aufsehen geheiratet, und die Dienstboten dürfen kein Wort verlauten lassen. Die Tante lebt drinnen in ihrem tiefen Palais und wird es so bald nicht erfahren. Der Onkel wohnt an beiden Orten. Nach einem Jahr oder anderthalb — selbst wenn es herauskommt, gibt es höchstens eine Schelte vom Herrn Vater. Der Onkel sagt einfach, die Tante bekomme keine Kinder, und es sei um der Nachkommenschaft willen geschehen, deshalb habe er es heimlich arrangiert. Selbst die Tante wird, wenn der Reis schon zu Brei gekocht ist, sich fügen müssen. Dann bittet man die Alte Herrin um Vermittlung — das wird schon gut gehen." Seit alters heißt es: „Begierde macht den Verstand blind." Kaufmann Jadeschale war nur von der Schönheit der Zweiten Schwester geblendet und hielt Kaufmann Herrlichkeits Plan für narrensicher. Dass er noch in Trauerkleidung war, dass das Nehmen einer Zweitfrau neben der rechtmäßigen Gattin unschicklich war, dass sein strenger Vater und seine eifersüchtige Frau Einwände haben würden — all das schob er beiseite. Doch er ahnte nicht, dass auch Kaufmann Herrlichkeit es keineswegs gut meinte: Seit langem hatte er mit seinen Tanten ein Verhältnis, doch weil Kaufmann Schein-Echt im Hause war, konnte er sich nicht frei bewegen. Wenn nun Kaufmann Jadeschale die Zweite Schwester heiratete und sie außerhalb lebte, konnte er in Kaufmann Jadeschales Abwesenheit leichter mit ihr zusammenkommen. Kaufmann Jadeschale dachte an so etwas nicht im Mindesten und dankte Kaufmann Herrlichkeit gerührt: „Lieber Neffe, wenn du das wirklich zustande bringst, kaufe ich dir zwei bildschöne Dienstmädchen zum Dank!" Damit waren sie am Tor des Ningfu angelangt. Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Der Onkel geht hinein und holt das Silber von der Großmutter; gibt es Yu Lu. Ich gehe zuerst zur Alten Herrin und mache meine Aufwartung." Kaufmann Jadeschale nickte lächelnd: „Sag vor der Alten Herrin nicht, dass wir zusammen gekommen sind." Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Verstanden." Dann flüsterte er Kaufmann Jadeschale ins Ohr: „Wenn du heute die Zweite Tante triffst, sei ja nicht voreilig — wenn es Ärger gibt, ist danach alles viel schwieriger." Kaufmann Jadeschale lachte: „Hör auf mit dem Unsinn — geh schon!" Kaufmann Herrlichkeit ging, um der Alten Herrin seine Aufwartung zu machen. |
Kaufmann Jadeschale betrat den Ningfu. Sofort kamen der Oberbedienstete und die Diener, um ihn zu begrüßen, und geleiteten ihn bis zum Saal. Kaufmann Jadeschale stellte pflichtgemäß einige Fragen und entließ sie dann. Allein ging er in die inneren Gemächer. Da er und Kaufmann Schein-Echt seit jeher eng vertraut und Brüder waren und es zwischen ihnen keine Förmlichkeiten gab, brauchte er sich nicht anmelden zu lassen. Er ging zur Hauptwohnung; eine Dienerin auf der Veranda hob den Vorhang und ließ ihn ein. Er trat ein und sah: Auf dem südlichen Kang saß nur die Zweite Schwester You mit zwei Dienstmädchen bei der Handarbeit — von der alten Frau You und der Dritten Schwester keine Spur. Kaufmann Jadeschale begrüßte sie eilig. Die Zweite Schwester lud ihn lächelnd zum Sitzen ein; er setzte sich an der Ostseite neben ein Wandgestell. Kaufmann Jadeschale ließ ihr den Ehrenplatz und sagte einige höfliche Worte. Dann fragte er lachend: „Wo sind die Schwiegermutter und die Dritte Schwester? Warum sehe ich sie nicht?" Die Zweite Schwester lachte: „Sie sind gerade nach hinten gegangen — sie kommen gleich." Die Mädchen waren Tee holen gegangen, und niemand war im Raum. Kaufmann Jadeschale schielte unablässig zur Zweiten Schwester hinüber. Sie senkte den Kopf und lächelte nur, ohne ihn zu beachten. Kaufmann Jadeschale wagte nicht, sich Freiheiten herauszunehmen. Er sah, dass sie ein seidenes Tuch mit einem angebundenen Beutelchen in den Händen drehte, und sagte beiläufig, nach seinem eigenen Gürtel tastend: „Ich habe meinen Betelnus-Beutel vergessen — hat die Schwester vielleicht Betelnuss und schenkt mir ein Stück?" Die Zweite Schwester sagte: „Betelnuss habe ich schon — nur gebe ich meine Betelnuss nie einem anderen." Kaufmann Jadeschale rückte lachend näher, um sie sich zu nehmen. Die Zweite Schwester befürchtete, jemand könnte sie sehen; lachend warf sie ihm den Beutel zu. Kaufmann Jadeschale fing ihn, schüttete alles heraus, steckte sich ein halb aufgegessenes Stück in den Mund und verstaute den Rest in seinem Busen. Gerade wollte er ihr den Beutel persönlich zurückbringen, als zwei Mädchen mit dem Tee kamen. Kaufmann Jadeschale nahm den Tee entgegen und löste heimlich seinen eigenen Hanyü-Jadegürtel mit neun Drachen, band ihn an sein Taschentuch und warf es, als die Mädchen sich umdrehten, zu ihr hinüber. Die Zweite Schwester rührte es nicht an, tat, als sähe sie nichts, und trank ihren Tee. Hinter ihnen raschelte ein Vorhang: Die alte Frau You und die Dritte Schwester kamen mit zwei Mädchen von hinten herein. Kaufmann Jadeschale blickte die Zweite Schwester an und deutete ihr, das Tuch aufzuheben — doch sie reagierte nicht. Kaufmann Jadeschale wusste nicht, was sie damit bezweckte, und wurde ganz nervös. Er musste der alten Frau You und der Dritten Schwester entgegengehen und sie begrüßen. Als er sich nochmals nach der Zweiten Schwester umdrehte, lächelte sie unbekümmert; er sah nach dem Tuch — es war verschwunden. Kaufmann Jadeschale war beruhigt. | Kaufmann Jadeschale betrat den Ningfu. Sofort kamen der Oberbedienstete und die Diener, um ihn zu begrüßen, und geleiteten ihn bis zum Saal. Kaufmann Jadeschale stellte pflichtgemäß einige Fragen und entließ sie dann. Allein ging er in die inneren Gemächer. Da er und Kaufmann Schein-Echt seit jeher eng vertraut und Brüder waren und es zwischen ihnen keine Förmlichkeiten gab, brauchte er sich nicht anmelden zu lassen. Er ging zur Hauptwohnung; eine Dienerin auf der Veranda hob den Vorhang und ließ ihn ein. Er trat ein und sah: Auf dem südlichen Kang saß nur die Zweite Schwester You mit zwei Dienstmädchen bei der Handarbeit — von der alten Frau You und der Dritten Schwester keine Spur. Kaufmann Jadeschale begrüßte sie eilig. Die Zweite Schwester lud ihn lächelnd zum Sitzen ein; er setzte sich an der Ostseite neben ein Wandgestell. Kaufmann Jadeschale ließ ihr den Ehrenplatz und sagte einige höfliche Worte. Dann fragte er lachend: „Wo sind die Schwiegermutter und die Dritte Schwester? Warum sehe ich sie nicht?" Die Zweite Schwester lachte: „Sie sind gerade nach hinten gegangen — sie kommen gleich." Die Mädchen waren Tee holen gegangen, und niemand war im Raum. Kaufmann Jadeschale schielte unablässig zur Zweiten Schwester hinüber. Sie senkte den Kopf und lächelte nur, ohne ihn zu beachten. Kaufmann Jadeschale wagte nicht, sich Freiheiten herauszunehmen. Er sah, dass sie ein seidenes Tuch mit einem angebundenen Beutelchen in den Händen drehte, und sagte beiläufig, nach seinem eigenen Gürtel tastend: „Ich habe meinen Betelnus-Beutel vergessen — hat die Schwester vielleicht Betelnuss und schenkt mir ein Stück?" Die Zweite Schwester sagte: „Betelnuss habe ich schon — nur gebe ich meine Betelnuss nie einem anderen." Kaufmann Jadeschale rückte lachend näher, um sie sich zu nehmen. Die Zweite Schwester befürchtete, jemand könnte sie sehen; lachend warf sie ihm den Beutel zu. Kaufmann Jadeschale fing ihn, schüttete alles heraus, steckte sich ein halb aufgegessenes Stück in den Mund und verstaute den Rest in seinem Busen. Gerade wollte er ihr den Beutel persönlich zurückbringen, als zwei Mädchen mit dem Tee kamen. Kaufmann Jadeschale nahm den Tee entgegen und löste heimlich seinen eigenen Hanyü-Jadegürtel mit neun Drachen, band ihn an sein Taschentuch und warf es, als die Mädchen sich umdrehten, zu ihr hinüber. Die Zweite Schwester rührte es nicht an, tat, als sähe sie nichts, und trank ihren Tee. Hinter ihnen raschelte ein Vorhang: Die alte Frau You und die Dritte Schwester kamen mit zwei Mädchen von hinten herein. Kaufmann Jadeschale blickte die Zweite Schwester an und deutete ihr, das Tuch aufzuheben — doch sie reagierte nicht. Kaufmann Jadeschale wusste nicht, was sie damit bezweckte, und wurde ganz nervös. Er musste der alten Frau You und der Dritten Schwester entgegengehen und sie begrüßen. Als er sich nochmals nach der Zweiten Schwester umdrehte, lächelte sie unbekümmert; er sah nach dem Tuch — es war verschwunden. Kaufmann Jadeschale war beruhigt. | ||
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Danach setzten sich alle zusammen und plauderten. Kaufmann Jadeschale sagte: „Die Schwägerin hat gesagt, neulich sei ein Paket Silber der Schwiegermutter zur Aufbewahrung übergeben worden; heute wird es gebraucht, um eine Schuld zu bezahlen. Der Älteste Bruder hat mich geschickt, es abzuholen. Außerdem wollte ich sehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist." Die alte Frau You ließ sofort die Zweite Schwester den Schlüssel holen und das Silber bringen. Kaufmann Jadeschale sagte noch: „Ich wollte auch der Schwiegermutter meine Aufwartung machen und die beiden Schwestern besuchen. Die Schwiegermutter sieht gut aus; nur die beiden Schwestern müssen es bei uns schwer haben." Die alte Frau You lachte: „Wir sind doch alle eine Familie — was soll das! Ob zu Hause oder hier — es ist das Gleiche. Offen gesagt: Seit mein verstorbener Mann starb, ist es finanziell recht eng geworden; wir leben ganz von der Unterstützung des Schwiegersohns. Da er eine solche Familienangelegenheit hat, können wir nichts anderes tun als ein bisschen auf das Haus aufzupassen — wovon sollte man da reden?" Während sie sprachen, brachte die Zweite Schwester das Silber und gab es der alten Frau You, die es an Kaufmann Jadeschale weiterreichte. Kaufmann Jadeschale ließ ein Mädchen eine Dienerin rufen und sagte: „Übergebt dies Yu Lu und sagt ihm, er soll damit drüben auf mich warten." Die Dienerin ging. | Danach setzten sich alle zusammen und plauderten. Kaufmann Jadeschale sagte: „Die Schwägerin hat gesagt, neulich sei ein Paket Silber der Schwiegermutter zur Aufbewahrung übergeben worden; heute wird es gebraucht, um eine Schuld zu bezahlen. Der Älteste Bruder hat mich geschickt, es abzuholen. Außerdem wollte ich sehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist." Die alte Frau You ließ sofort die Zweite Schwester den Schlüssel holen und das Silber bringen. Kaufmann Jadeschale sagte noch: „Ich wollte auch der Schwiegermutter meine Aufwartung machen und die beiden Schwestern besuchen. Die Schwiegermutter sieht gut aus; nur die beiden Schwestern müssen es bei uns schwer haben." Die alte Frau You lachte: „Wir sind doch alle eine Familie — was soll das! Ob zu Hause oder hier — es ist das Gleiche. Offen gesagt: Seit mein verstorbener Mann starb, ist es finanziell recht eng geworden; wir leben ganz von der Unterstützung des Schwiegersohns. Da er eine solche Familienangelegenheit hat, können wir nichts anderes tun als ein bisschen auf das Haus aufzupassen — wovon sollte man da reden?" Während sie sprachen, brachte die Zweite Schwester das Silber und gab es der alten Frau You, die es an Kaufmann Jadeschale weiterreichte. Kaufmann Jadeschale ließ ein Mädchen eine Dienerin rufen und sagte: „Übergebt dies Yu Lu und sagt ihm, er soll damit drüben auf mich warten." Die Dienerin ging. | ||
| − | Da hörte man im Hof Kaufmann Herrlichkeits Stimme. Bald trat er ein, begrüßte seine Großmutter und die Tanten und sagte dann lachend zu Kaufmann Jadeschale: „Eben hat der Herr Vater nach dem Onkel gefragt — er hat einen Auftrag. Er wollte schon jemanden zum Tempel schicken; ich habe ihm gesagt, der Onkel komme gleich. Der Herr Vater sagt, er möge sich beeilen." Kaufmann Jadeschale wollte sich schon erheben, da hörte er, wie Kaufmann Herrlichkeit zu seiner Großmutter sagte: „Neulich habe ich der Alten Herrin erzählt, dass mein Vater für die Zweite Tante einen Schwiegersohn suche — der sehe ungefähr so aus wie mein Onkel hier. Was meint die Alte Herrin — ist er gut?" Dabei deutete er heimlich mit dem Finger auf Kaufmann Jadeschale und warf der Zweiten Tante einen vielsagenden Blick zu. Die Zweite Schwester war zu verlegen, um etwas zu sagen. Doch die Dritte Schwester | + | Da hörte man im Hof Kaufmann Herrlichkeits Stimme. Bald trat er ein, begrüßte seine Großmutter und die Tanten und sagte dann lachend zu Kaufmann Jadeschale: „Eben hat der Herr Vater nach dem Onkel gefragt — er hat einen Auftrag. Er wollte schon jemanden zum Tempel schicken; ich habe ihm gesagt, der Onkel komme gleich. Der Herr Vater sagt, er möge sich beeilen." Kaufmann Jadeschale wollte sich schon erheben, da hörte er, wie Kaufmann Herrlichkeit zu seiner Großmutter sagte: „Neulich habe ich der Alten Herrin erzählt, dass mein Vater für die Zweite Tante einen Schwiegersohn suche — der sehe ungefähr so aus wie mein Onkel hier. Was meint die Alte Herrin — ist er gut?" Dabei deutete er heimlich mit dem Finger auf Kaufmann Jadeschale und warf der Zweiten Tante einen vielsagenden Blick zu. Die Zweite Schwester war zu verlegen, um etwas zu sagen. Doch die Dritte Schwester <ref>You Sanjie, die deutlich temperamentvoller ist</ref> schimpfte mit halb lächelndem, halb zornigem Gesicht: „Du verdorbener kleiner Affenbalg! Warte, bis ich dir gleich den Mund zerfetze!" Damit lief sie auf ihn zu. Kaufmann Herrlichkeit rannte lachend hinaus, und Kaufmann Jadeschale verabschiedete sich ebenfalls lachend. Im Saal angekommen, gab er den Dienern noch Anweisungen, nicht zu spielen und zu trinken. Dann ermahnte er Kaufmann Herrlichkeit, schnell mit seinem Vater zu sprechen. Er selbst nahm Yu Lu mit, vervollständigte das Silber und übergab es ihm zur Auszahlung. Dann machte er bei Kaufmann Begnadigung und der Alten Herrin seine Aufwartung — davon sei hier nicht weiter die Rede. |
Kaufmann Herrlichkeit, als Yu Lu mit Kaufmann Jadeschale gegangen war, hatte nichts weiter zu tun und ging wieder in die inneren Gemächer, wo er eine Weile mit seinen beiden Tanten scherzte und herumspielte, bevor er aufbrach. Am Abend berichtete er im Tempel Kaufmann Schein-Echt: „Das Silber ist Yu Lu übergeben. Der Alten Herrin geht es viel besser; sie nimmt keine Medizin mehr." Dann erzählte er beiläufig von Kaufmann Jadeschales Wunsch, die Zweite Schwester You als Zweitfrau zu nehmen. Er schilderte, wie man ein Haus außerhalb kaufen und es vor Phönixglanz verbergen wolle. „Es geschieht nur um der Nachkommenschaft willen. Die Zweite Tante kennt man ja bereits — unter Verwandten ist eine Heirat besser als mit einer Familie, die man nicht kennt. Der Zweite Onkel hat mich dringend gebeten, mit dem Vater zu sprechen." Dass es sein eigener Plan war, verschwieg er. Kaufmann Schein-Echt überlegte und sagte lachend: „Eigentlich wäre das schon in Ordnung. Nur weiß ich nicht, ob deine Zweite Tante einverstanden ist. Geh morgen zuerst zu deiner Großmutter und besprich es mit ihr; sie soll die Zweite Tante fragen. Danach entscheiden wir." Dann gab er Kaufmann Herrlichkeit noch einige Anweisungen und ging zu Frau You, um ihr die Sache mitzuteilen. Frau You wusste, dass dies nicht richtig war, und versuchte es mit allen Kräften zu verhindern. Doch Kaufmann Schein-Echts Entschluss stand fest; sie war es gewohnt, sich ihm zu fügen; und zudem war die Zweite Schwester nicht ihre leibliche Schwester — sie konnte sich nicht einmischen. So ließ sie die Dinge ihren Lauf nehmen. | Kaufmann Herrlichkeit, als Yu Lu mit Kaufmann Jadeschale gegangen war, hatte nichts weiter zu tun und ging wieder in die inneren Gemächer, wo er eine Weile mit seinen beiden Tanten scherzte und herumspielte, bevor er aufbrach. Am Abend berichtete er im Tempel Kaufmann Schein-Echt: „Das Silber ist Yu Lu übergeben. Der Alten Herrin geht es viel besser; sie nimmt keine Medizin mehr." Dann erzählte er beiläufig von Kaufmann Jadeschales Wunsch, die Zweite Schwester You als Zweitfrau zu nehmen. Er schilderte, wie man ein Haus außerhalb kaufen und es vor Phönixglanz verbergen wolle. „Es geschieht nur um der Nachkommenschaft willen. Die Zweite Tante kennt man ja bereits — unter Verwandten ist eine Heirat besser als mit einer Familie, die man nicht kennt. Der Zweite Onkel hat mich dringend gebeten, mit dem Vater zu sprechen." Dass es sein eigener Plan war, verschwieg er. Kaufmann Schein-Echt überlegte und sagte lachend: „Eigentlich wäre das schon in Ordnung. Nur weiß ich nicht, ob deine Zweite Tante einverstanden ist. Geh morgen zuerst zu deiner Großmutter und besprich es mit ihr; sie soll die Zweite Tante fragen. Danach entscheiden wir." Dann gab er Kaufmann Herrlichkeit noch einige Anweisungen und ging zu Frau You, um ihr die Sache mitzuteilen. Frau You wusste, dass dies nicht richtig war, und versuchte es mit allen Kräften zu verhindern. Doch Kaufmann Schein-Echts Entschluss stand fest; sie war es gewohnt, sich ihm zu fügen; und zudem war die Zweite Schwester nicht ihre leibliche Schwester — sie konnte sich nicht einmischen. So ließ sie die Dinge ihren Lauf nehmen. | ||
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Es heißt dazu: | Es heißt dazu: | ||
| − | + | Nur weil die Brüder der gleichen Familie der Lust frönten, | |
| − | + | Ließen sie die zusammengewachsenen Äste zu Speer und Hellebarde greifen. | |
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== Anmerkungen == | == Anmerkungen == | ||
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Revision as of 12:40, 15 April 2026
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幽淑女悲题五美吟 / 浪荡子情遗九龙佩
Kapitel 64
Kajaljade [黛玉] verfasst fünf Gedichte auf berühmte Schönheiten des Altertums Kaufmann Jadeschale [贾琏] kehrt heim, und die You-Schwestern treten ins Geschehen
Es wird erzählt, dass Kaufmann Herrlichkeit [贾蓉], als er sah, dass zu Hause alle Vorbereitungen getroffen waren, eilig zum Tempel zurückfuhr, um Kaufmann Schein-Echt [贾珍] Bericht zu erstatten. Daraufhin wurden über Nacht alle Amtsdiener und Gehilfen eingeteilt und sämtliche benötigten Trauerbanner, Tragstangen und anderes Gerät vorbereitet. Man bestimmte die Mao-Stunde [1] des vierten Tages für den Einzug des Sarges in die Stadt und benachrichtigte alle Verwandten und Freunde. An jenem Tag war das Trauergeleit prächtig und strahlend, die Gäste zahlreich wie Wolken. Vom Eiserne-Schwelle-Kloster bis zum Ningfu säumten weit mehr als zehntausend Schaulustige den Weg. Unter ihnen gab es solche, die seufzten, solche, die neidisch waren, und auch jene Halbgebildeten, die sagten: „Bei einer Trauerfeier ist es besser, bescheiden und aufrichtig zu trauern, als verschwenderisch und gleichgültig zu sein." Die Meinungen gingen auf dem ganzen Weg auseinander. Erst zur Wei-Shen-Stunde [2] traf der Zug ein. Der Sarg wurde in der Haupthalle aufgestellt. Nach den Opfern und der Wehklage zerstreuten sich die Verwandten und Freunde allmählich; nur die Familienmitglieder blieben, um die Empfänge und Verabschiedungen zu regeln. Von den nahen Verwandten war nur der Älteste Schwager Xing geblieben. Kaufmann Schein-Echt und Kaufmann Herrlichkeit waren nun an die Traueretikette gebunden und mussten neben dem Sarg auf Stroh liegen und Lehmklötze als Kissen benutzen, in bitterer Trauer verharrend. Doch sobald die Besucher fort waren, suchten sie wieder die Gelegenheit, sich mit den jungen Schwägerinnen einzulassen. Auch Schatzjade [宝玉] trug täglich im Ningfu Trauerkleidung; erst abends, wenn die Besucher gegangen waren, kehrte er in den Garten zurück. Phönixglanz [熙凤] war noch nicht genesen und konnte nicht ständig dort sein, doch an Tagen, wenn die Altäre für Rezitationen eröffnet wurden oder Verwandte und Freunde zum Opfern kamen, schleppte sie sich dennoch her, um Frau You bei der Organisation zu helfen.
Eines Tages, nach dem Frühstücksopfer, als die Tage noch lang waren und Kaufmann Schein-Echt und die anderen vor Erschöpfung neben dem Sarg eingenickt waren, sah Schatzjade, dass keine Gäste kamen, und beschloss, nach Hause zu gehen und nach Kajaljade zu sehen. Er kehrte zunächst ins Yihongyuan zurück. Als er durch das Tor trat, war es still und menschenleer im Hof; nur einige alte Dienerinnen und kleine Mädchen ruhten sich unter der Wandelhalle aus — manche schliefen, manche saßen dösend da. Schatzjade störte sie nicht. Nur Si'er bemerkte ihn, lief herbei und hob den Vorhang hoch. Gerade als sie ihn aufschlug, kam Fangguan lachend von drinnen herausgelaufen und wäre beinahe mit Schatzjade zusammengeprallt. Als sie ihn sah, blieb sie lächelnd stehen und sagte: „Wie kommst du hierher? Schnell, halt mir Heitermuster [晴雯] auf — sie will mich schlagen!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da hörte man drinnen Klappern und Poltern — irgendetwas war über den ganzen Boden verstreut worden. Dann kam Heitermuster hinterher und schimpfte: „Du kleines Biest — wohin willst du? Verloren und willst dich nicht schlagen lassen? Schatzjade ist nicht da; mal sehen, wer dich diesmal rettet!" Schatzjade hielt sie lachend auf und sagte: „Die Kleine ist noch jung — ich weiß nicht, womit sie dich beleidigt hat. Um meinetwillen, vergib ihr." Heitermuster hatte nicht erwartet, dass Schatzjade gerade jetzt zurückkam; als sie ihn so plötzlich sah, musste sie unwillkürlich lachen: „Fangguan ist wahrhaftig ein verwandelter Fuchsgeist — selbst Beschwörungsformeln, die Götter bannen und Generäle herbeirufen, wirken nicht so schnell!" Dann lachte sie: „Selbst wenn du wirklich einen Gott herbeigerufen hättest, fürchte ich mich nicht!" Damit versuchte sie erneut, Fangguan zu fangen. Doch Fangguan hatte sich längst hinter Schatzjade versteckt. Schatzjade nahm Heitermuster bei der einen und Fangguan bei der anderen Hand und führte sie ins Zimmer. Dort sah er auf dem westlichen Kang Moschusmond, Qiuwen, Bihen und Zixiao, die gerade mit Steinchen um Kürbiskerne spielten. Fangguan hatte gegen Heitermuster verloren und sich geweigert, den Strafklaps entgegenzunehmen, worauf sie weggelaufen war. Heitermuster hatte bei der Verfolgung die Steinchen aus ihrem Schoß über den ganzen Boden verstreut. Schatzjade freute sich: „Bei diesen langen Tagen, wenn ich nicht zu Hause bin, fürchtete ich, ihr würdet euch langweilen, nach dem Essen nur schlafen und davon krank werden. Es ist gut, wenn ihr euch eine Beschäftigung sucht und euch amüsiert!" Als er Dufthauch [袭人] nicht sah, fragte er: „Wo ist eure Schwester Dufthauch?" Heitermuster sagte: „Die Dufthauch? Die wird immer frömmer — sie sitzt ganz allein drinnen vor der Wand wie ein Zen-Mönch. Seit geraumer Zeit bin ich nicht hineingegangen; ich weiß nicht, was sie treibt — nicht ein Laut ist zu hören. Geh schnell nachsehen — vielleicht hat sie inzwischen die Erleuchtung erlangt!"
Schatzjade hörte das, lachte und ging in das innere Zimmer. Dort saß Dufthauch auf dem Bett am Fenster, einen grauen Seidenstrang in der Hand, und knüpfte Knoten. Als sie Schatzjade eintreten sah, stand sie hastig auf und sagte lachend: „Was hat dieses Biest Heitermuster wieder über mich erzählt! Ich wollte nur schnell diesen Knotenstrang fertig bekommen und hatte keine Zeit, mit ihnen herumzutoben. Deshalb habe ich ihnen gesagt: ‚Geht nur spielen; solange der Zweite Junge Herr nicht da ist, will ich hier still sitzen und mich ein wenig ausruhen.' Daraus hat sie dann diesen ganzen Unsinn gemacht — ‚vor der Wand sitzen', ‚meditieren' — warte nur, gleich reiße ich ihr das Maul auf!" Schatzjade setzte sich lachend neben Dufthauch und sah ihr beim Knotenknüpfen zu. Er fragte: „Bei diesen langen Tagen solltest du dich auch einmal ausruhen, mit ihnen scherzen, oder Schwester Lin besuchen gehen. Es ist so heiß — wozu brauchst du das jetzt?" Dufthauch sagte: „Mir ist aufgefallen, dass das Fächeretui, das du trägst, noch das von damals ist, als im Östlichen Palais die ältere Schwägerin Rong [3] starb. Dieses blauschwarze Ding trägt man nur in der Familie oder bei Verwandten, wenn im Sommer ein Todesfall ist — ein- oder zweimal im Jahr. Gewöhnlich braucht man keins anzufertigen. Aber jetzt, wo drüben die Trauerfeierlichkeiten stattfinden, musst du es täglich tragen. Deshalb beeile ich mich, ein neues zu machen. Wenn der Knotenstrang fertig ist, tausche ich das alte gegen das neue aus. Du magst zwar nicht auf solche Dinge achten, aber wenn die Alte Herrin zurückkommt und es sieht, wird sie wieder sagen, wir seien nachlässig und kümmerten uns nicht einmal um deine Kleidung und dein Zubehör." Schatzjade lachte: „Es ist wirklich rücksichtsvoll, dass du daran denkst. Nur solltest du dich nicht überanstrengen — in der Hitze krank zu werden, wäre schlimmer." Während sie sprachen, brachte Fangguan schon eine Tasse frisch im kalten Wasser gekühlten Tee. Schatzjade war von Natur aus zart besaitet und wagte selbst im Hochsommer kein Eis zu verwenden; man tauchte nur den Teekrug in eine Schüssel mit frischem Brunnenwasser, das regelmäßig gewechselt wurde, um den Tee zu kühlen. Schatzjade trank eine halbe Tasse aus Fangguans Hand und sagte dann zu Dufthauch: „Als ich ging, habe ich Mingyan Bescheid gesagt — wenn beim Ältesten Bruder Zhen wichtige Gäste kommen, soll er mir sofort Nachricht schicken; wenn nichts Dringendes anliegt, gehe ich nicht mehr hinüber." Damit trat er aus der Tür, wandte sich noch um und sagte zu Bihen und den anderen: „Wenn etwas ist, sucht mich bei Fräulein Lin." Damit ging er geradewegs zum Xiaoxiang-Pavillon, um Kajaljade zu besuchen.
Gerade hatte er die Qinfang-Brücke passiert, als er Xueyan mit zwei alten Dienerinnen kommen sah, die allerlei Wasserkastanien, Lotosrhizome, Melonen und Früchte trugen. Schatzjade fragte Xueyan eilig: „Eure Fräulein isst doch nie solch kalte Sachen — wozu die ganzen Früchte? Wollt ihr etwa jemanden einladen?" Xueyan lachte: „Ich sage es dir, aber du darfst es nicht dem Fräulein weitererzählen." Schatzjade nickte zustimmend. Xueyan wies die beiden Dienerinnen an: „Bringt die Früchte voraus und übergebt sie der Schwester Purpurkuckuck [紫鹃]. Wenn sie nach mir fragt, sagt ihr, ich erledige noch etwas und komme gleich." Die Dienerinnen gingen. Xueyan sagte: „Unserem Fräulein geht es die letzten beiden Tage etwas besser. Heute nach dem Essen kam das Dritte Fräulein vorbei und wollte sie mitnehmen, um die Zweite Herrin zu besuchen, aber das Fräulein ging nicht mit. Dann hat sie an irgendetwas gedacht, wurde traurig und hat eine ganze Weile geschrieben — ob Gedichte oder Lieder, weiß ich nicht. Als sie mich losschickte, um die Früchte zu holen, hörte ich sie noch Purpurkuckuck beauftragen, den kleinen Räuchertisch aus der Stube freizuräumen, den Tisch in die Mitte des Vorzimmers zu stellen und das Bronzegefäß mit Drachenmuster darauf zu setzen — die Früchte seien für ein bestimmtes Ritual. Wenn sie jemanden einladen wollte, würde sie doch nicht zuerst ein Räuchergefäß aufstellen! Und wenn sie Räucherwerk abbrennen wollte — unser Fräulein hat gewöhnlich nur frische Blumen, Früchte und Quitten im Zimmer und mag es gar nicht, Kleider zu parfümieren. Wenn sie schon Räucherwerk verwendete, würde sie es an ihrem gewöhnlichen Platz anzünden. Sollte etwa eine Dienerin das Zimmer voll gestunken haben und man es mit Räucherwerk vertreiben wollen? Ich verstehe es wirklich nicht." Damit eilte sie davon.
Schatzjade senkte den Kopf und überlegte bei sich: „Nach dem, was Xueyan sagt, muss es einen besonderen Grund geben. Wenn sie nur mit einer der Schwestern zusammensäße, brauchte sie nicht vorher das Opfergeschirr aufzustellen. Vielleicht ist es der Todestag ihres Vaters oder ihrer Mutter [4]. Aber ich erinnere mich, dass die Alte Herrin jedes Jahr an diesem Datum eigens Speisen zubereiten und an Schwester Lin schicken lässt, damit sie privat opfert — und dieser Tag ist bereits vorüber. Es muss wohl sein, dass im siebten Monat, dem Monat der Früchte und der Ahnenopfer, wenn jede Familie die Herbstopfer an den Gräbern darbringt, Schwester Lin davon bewegt ist und in ihrem Privatgemach ein eigenes Opfer darbringt — im Sinne des Li Ji: ‚Im Frühling und Herbst opfere man die Früchte der jeweiligen Jahreszeit.' Wenn ich jetzt hingehe und sie trauernd finde, werde ich sie trösten wollen — aber das könnte ihr Kummer sich innerlich nur noch mehr verdichten. Gehe ich aber nicht, trauert sie vielleicht übermäßig, und niemand hält sie zurück. Beides könnte zu Krankheit führen. Am besten gehe ich zunächst kurz zu Schwester Feng, bleibe dort nur einen Moment und kehre dann zurück. Wenn ich Schwester Lin dann noch traurig finde, werde ich behutsam trösten — so wird sie weder in übermäßige Trauer verfallen, noch ihren Kummer unterdrücken müssen."
Er verließ den Garten und ging geradewegs zu Phönixglanz. Dort waren gerade viele Verwalterinnen mit ihren Berichten fertig geworden und zerstreuten sich. Phönixglanz lehnte sich an den Türrahmen und sprach mit Friedchen. Als sie Schatzjade sah, lachte sie: „Du bist zurück! Ich habe gerade Frau Lin Zhixiao beauftragt, deinen Dienern ausrichten zu lassen, dass du, wenn nichts Wichtiges anliegt, doch bitte zurückkommst und dich ausruhst. Außerdem sind dort drüben so viele Leute — wie hältst du diese Gerüche aus? Da kommst du ja schon von selbst." Schatzjade lachte: „Vielen Dank, dass Schwester an mich denkt. Da heute nichts los war und ich gesehen habe, dass Schwester die letzten Tage nicht drüben war, wollte ich nach deinem Befinden sehen." Phönixglanz sagte: „Es geht so — drei Tage gut, zwei schlecht. Die Alte Herrin und die Gnädige Frau sind nicht da, und diese Damen — ach, keine einzige ist friedlich! Jeden Tag gibt es Prügeleien oder Streit; sogar Glücksspiel und Diebstähle, zwei, drei Fälle, sind schon vorgekommen. Zwar hilft das Dritte Fräulein bei der Verwaltung, aber sie ist ein unverheiratetes Mädchen — manches kann man ihr sagen, anderes nicht. Ich kann mich nur zusammenreißen, so gut es geht. Einen Augenblick Ruhe gibt es nie. Von Genesung kann keine Rede sein; ich wäre schon zufrieden, wenn es nicht schlimmer wird." Schatzjade sagte: „Das mag sein, aber Schwester muss dennoch auf ihre Gesundheit achten und sich weniger Sorgen machen." Nachdem sie noch ein wenig geplaudert hatten, verabschiedete sich Schatzjade von Phönixglanz und kehrte in den Garten zurück.
Als er durch das Tor des Xiaoxiang-Pavillons trat, sah er: Der Rauch im Räuchergefäß war verglommen, und auf dem Opfertisch standen die Reste eines Trankopfers aus Jadewein. Purpurkuckuck überwachte gerade, wie die Dienerinnen den Tisch wieder hineintrugen und die Gegenstände verräumten. Schatzjade wusste, dass die Zeremonie bereits beendet war. Er trat ins Zimmer; dort lag Kajaljade mit dem Gesicht zur Wand, matt und hinfällig, mit einem Ausdruck äußerster Erschöpfung. Purpurkuckuck sagte eilig: „Der Zweite Junge Herr Bao ist da." Kajaljade richtete sich langsam auf und lud ihn lächelnd zum Sitzen ein. Schatzjade fragte: „Geht es Schwester die letzten Tage besser? Du siehst etwas ruhiger aus — aber warum bist du wieder traurig gewesen?" Kajaljade sagte: „Was redest du nur? Wann soll ich traurig gewesen sein?" Schatzjade lachte: „Auf Schwesterchens Gesicht sind noch Tränenspuren — wie willst du mich täuschen? Ich denke nur: Schwester ist ohnehin stets kränklich; bei allem solltest du dich selbst trösten und nicht in nutzlose Trauer verfallen. Wenn du deinen Körper zugrunde richtest, dann werde ich ..." Bei diesen Worten stockte er, denn das Folgende war schwer auszusprechen. Obwohl er und Kajaljade zusammen aufgewachsen waren, einander zutiefst zugetan und bereit, füreinander zu leben und zu sterben, hatten sie das doch nur im Herzen empfunden, ohne es je offen auszusprechen. Zudem war Kajaljade empfindlich, und seine Worte gerieten oft unbedacht; er hatte sie schon oft verletzt. Heute war er eigentlich gekommen, um sie zu trösten, doch unversehens hatte er sich wieder im Ton vergriffen und wusste nicht, wie er fortfahren sollte. In seiner Verlegenheit, aus Furcht, Kajaljade könnte ihm zürnen, und im Bewusstsein, dass sein Herz es wirklich gut meinte, wandelte sich seine Unruhe in Trauer, und die Tränen rollten ihm über die Wangen. Kajaljade war zunächst unwillig über seine unbedachten Worte gewesen; als sie ihn nun aber so sah, wurde sie ebenfalls gerührt. Sie, die ohnehin stets zum Weinen neigte, konnte auch jetzt die Tränen nicht zurückhalten und weinte stumm mit.
Purpurkuckuck kam mit Tee herein, bemerkte, dass die beiden offenbar wieder Streit hatten, und sagte: „Dem Fräulein geht es kaum besser, und da kommt der Zweite Junge Herr schon wieder, um sie zu ärgern — was ist es denn diesmal?" Schatzjade wischte sich die Tränen ab und lachte: „Wer würde es wagen, die Schwester zu ärgern?" Dabei stand er auf und schlenderte umher. Unter dem Tuschstein lugte eine Papierecke hervor; er konnte nicht widerstehen, sie hervorzuziehen. Kajaljade wollte hastig aufstehen, um sie ihm zu entreißen, doch Schatzjade hatte sie bereits in den Busen gesteckt und bat lachend: „Liebe Schwester, lass mich einmal schauen!" Kajaljade sagte: „Egal was es ist — du kommst herein und wühlst gleich alles durch!" Noch hatte sie nicht ausgesprochen, da kam Schatzspange [宝钗] lachend herein: „Was will Bruder Bao denn sehen?" Schatzjade hatte noch nicht gelesen, was darauf stand, und wusste auch nicht, was Kajaljade davon hielt; er wagte nicht vorschnell zu antworten und sah nur Kajaljade lachend an. Kajaljade lud Schatzspange zum Sitzen ein und sagte lachend: „In der alten Geschichte habe ich viele talentierte und schöne Frauen gefunden, deren Lebensschicksal zugleich bewundernswert, beneidenswert, beklagenswert und beseufzenswert war. Heute Nachmittag, nach dem Essen, hatte ich nichts zu tun und habe mir einige von ihnen ausgewählt, um aufs Geratewohl ein paar Gedichte darüber zu verfassen. Gerade als Spürfrühling [探春] mich besuchen und zur Zweiten Schwägerin mitnehmen wollte, war mir zu unwohl, um mitzugehen. Ich hatte gerade fünf Stück fertig, als mich die Müdigkeit überkam und ich sie liegen ließ — und da kam der Zweite Junge Herr und sah sie. Im Grunde schadet es nichts, wenn er sie liest; nur fürchte ich, dass er sie unbesonnen anderen zeigt." Schatzjade sagte eilig: „Wann hätte ich je etwas anderen gezeigt! Der Fächer neulich — ich mochte nur die Gedichte über die weißen Begonien und habe sie in kleiner Kursivschrift abgeschrieben, nur um sie bequemer in der Hand lesen zu können. Ich weiß sehr wohl, dass Gedichte und Schriften aus dem Frauengemach nicht leichtfertig nach außen getragen werden dürfen. Seit du es gesagt hast, habe ich sie nie aus dem Garten gebracht." Schatzspange sagte: „Schwester Lins Bedenken sind berechtigt. Da du sie auf den Fächer geschrieben hast — wenn du ihn einmal vergisst und ins Studierzimmer mitnimmst und die jungen Herren ihn sehen, werden sie unweigerlich fragen, wer sie verfasst hat. Wenn das sich herumspricht, wäre das unschicklich. Seit alters heißt es: ‚Talentlosigkeit ist die Tugend der Frau' [5]. Züchtigkeit und Stille stehen an erster Stelle, Handarbeit an zweiter. Die Dichtkunst ist nur ein Zeitvertreib des Frauengemachs — man kann sie beherrschen oder auch nicht. Junge Frauen aus Häusern wie dem unseren brauchen keinen Ruf als Dichterinnen." Dann lächelte sie Kajaljade zu: „Zeig sie mir — das schadet nicht. Nur darf Bruder Bao sie nicht nach draußen tragen." Kajaljade lachte: „Wenn du schon so sprichst, brauchst auch du sie nicht zu sehen." Dann zeigte sie auf Schatzjade und lachte: „Er hat sie mir längst entrissen!" Schatzjade nahm sie nun aus dem Busen, rückte neben Schatzspange, und beide lasen aufmerksam. Darauf stand:
Xi Shi [6]
Ein Zeitalter der Schönheit verging mit den Wellen; Im leeren Wu-Palast denkt sie vergeblich an Kindertage. Lacht nicht die Nachbarin aus dem Ostdorf, die ihr Stirnrunzeln nachahmte — Mit weißem Haar wäscht jene am Bach noch immer ihr Tuch.
Yu Ji [7]
Herzzerreißend wiehert das Rabenpferd im Nachtsturm; Yu Ji, dein stiller Gram vor dem Doppelpupilligen! Qing Bu und Peng Yue ließen sich später zerstückeln — Besser doch, das Schwert zu trinken im Zelt von Chu!
Wang Zhaojun [8]
Überirdische Schönheit erschreckt die Welt, als sie den Han-Palast verlässt; Das Los der Schönen ist seit je dasselbe. Selbst wenn der Kaiser Schönheit gering achtete — Warum gab er dem Hofmaler die Macht über Leben und Tod?
Lü Zhu [9]
Scherben und Perlen werden gleichermaßen geworfen; Wann hätte Shi Chong je seine Schönheit wirklich geschätzt? Es war allein das Glück aus früheren Leben, Das ihr den Trost gab, gemeinsam in den Tod zu gehen.
Hong Fu [10]
Mit langem Gruß und heldenhaftem Gespräch — ein ganz besondres Wesen; Mit scharfem Blick erkannte die Schöne den Helden im Elend. In Yang Sus Palast verweste nur noch ein lebender Leichnam — Wie könnte man eine Heldin dort in Ketten halten?
Schatzjade las es und lobte ohne Ende. Dann sagte er: „Die Schwester hat genau fünf Gedichte verfasst — warum nicht den Titel ‚Fünf Gesänge auf berühmte Schönheiten[11]' geben?" Ohne eine Widerrede zuzulassen, nahm er den Pinsel und schrieb den Titel darunter. Schatzspange sagte: „Beim Dichten ist das Thema nicht entscheidend — es kommt darauf an, die Gedanken der Alten geschickt umzukehren. Wenn man nur in den Fußstapfen anderer wandelt, mögen die Worte noch so kunstvoll sein — das bleibt zweitrangig und zählt am Ende nicht als gute Dichtung. Über Wang Zhaojun etwa gibt es unzählige Gedichte: manche beklagen ihr Schicksal, manche schelten den Maler Yan Shou, andere tadeln den Han-Kaiser, dass er sich zwar Beamtenporträts, aber auch Schönheitsbilder malen ließ. Wang Anshi[12] dichtete: ‚Anmut und Wesen lassen sich nicht malen — umsonst wurde damals Mao Yanshou getötet.' Und Ouyang Xiu[13] schrieb: ‚Was Auge und Ohr sehen, ist schon so — wie kann man auf zehntausend Li Entfernung die Barbaren beherrschen?' Beide Gedichte bringen je einen eigenen Standpunkt hervor, der sich von allen anderen unterscheidet. Schwester Lins fünf Gedichte heute kann man wahrhaft als neuartig im Gedanken und bahnbrechend in der Darstellung bezeichnen."
Sie wollte gerade fortfahren, als jemand meldete: „Der Zweite Herr Lian ist zurückgekehrt. Eben hieß es, er sei zum Östlichen Palais gegangen und müsste bald wieder hier sein." Schatzjade hörte das, sprang auf und eilte zur Pforte, um ihn zu empfangen. Gerade kam Kaufmann Jadeschale von draußen hereingeritten. Schatzjade kniete vor ihm nieder, erkundigte sich nach dem Befinden der Alten Herrin, Kaufmann Aufrechts, Frau Wangs und der anderen und begrüßte dann Kaufmann Jadeschale selbst. Die beiden gingen Hand in Hand hinein. Li Schleierfrau, Phönixglanz, Schatzspange, Kajaljade, Willkommensfrühling, Spürfrühling, Bewahrfrühling und die anderen warteten bereits in der Mittelhalle. Nachdem alle Begrüßungen vollzogen waren, berichtete Kaufmann Jadeschale: „Die Alte Herrin trifft morgen früh ein. Auf der Reise war sie bei guter Gesundheit. Man hat mich heute vorausgeschickt, um nach dem Rechten zu sehen. Morgen in der fünften Nachtwache muss ich wieder hinaus, um sie zu empfangen." Danach fragte man nach den Reiseerlebnissen. Da Kaufmann Jadeschale von weither kam, verabschiedeten sich alle und ließen ihn sich ausruhen. Die weiteren Ereignisse des Abends bedürfen keiner ausführlichen Schilderung.
Am nächsten Tag, um die Essenszeit, trafen tatsächlich die Alte Herrin, Frau Wang und die anderen ein. Die Begrüßung war vollzogen; man saß kurz beisammen und trank Tee. Dann führte die Alte Herrin Frau Wang und die anderen zum Ningfu. Drinnen ertönte Wehklagen, das den Himmel erschütterte — Kaufmann Begnadigung [贾赦] und Kaufmann Jadeschale hatten die Alte Herrin nach Hause gebracht und waren sofort herübergekommen. Als die Alte Herrin eintrat, kamen ihr Kaufmann Begnadigung und Kaufmann Jadeschale mit der ganzen Verwandtschaft weinend entgegen. Vater und Sohn stützten sie, einen auf jeder Seite, und führten sie vor den Sarg, wo Kaufmann Schein-Echt und Kaufmann Herrlichkeit auf den Knien in die Arme der Alten Herrin stürzten und bitterlich weinten. Die Alte Herrin, eine betagte Frau, konnte bei diesem Anblick ebenfalls nicht an sich halten und umarmte Zhen und Rong, weinend ohne Ende. Kaufmann Begnadigung und Kaufmann Jadeschale trösteten sie mühsam, bis sie sich ein wenig beruhigte. Dann ging sie zum rechten Flügel des Sargraums, wo sie Frau You und ihre Schwiegertochter traf, und es folgte eine weitere Szene bitterer Tränen. Danach traten die anderen der Reihe nach vor, um ihre Aufwartung zu machen. Da Kaufmann Schein-Echt sah, dass die Alte Herrin gerade erst nach Hause gekommen war und noch keine Ruhe gehabt hatte, und er fürchtete, sie könnte sich vor dem Sarg zu sehr grämen, bat er sie wiederholt, nach Hause zurückzukehren. Frau Wang und die anderen drängten ebenfalls. Die Alte Herrin gab schließlich nach und kehrte zurück. Tatsächlich hielt eine betagte Person Wind, Frost und Trauer schlecht aus: Am Abend fühlte sie sich benommen, die Augen schmerzten, die Nase war verstopft und die Stimme heiser. Eilig ließ man den Arzt kommen, den Puls fühlen und Medizin verschreiben. Ein halber Tag und eine halbe Nacht voller Aufregung folgten. Glücklicherweise wirkte das Mittel schnell, und die Krankheit griff nicht auf die inneren Organe über; gegen die dritte Nachtwache brach ein leichter Schweiß aus, der Puls beruhigte sich und das Fieber sank — alle atmeten auf. Am nächsten Tag nahm sie weiter Medizin ein.
Einige Tage später kam der Termin für Kaufmann Andacht [贾敬]s Beisetzung. Da die Alte Herrin noch nicht vollständig genesen war, blieb Schatzjade zu Hause, um sie zu pflegen. Auch Phönixglanz war noch nicht ganz gesund und ging nicht mit. Kaufmann Begnadigung, Kaufmann Jadeschale, Frau Xing, Frau Wang und die anderen führten Dienerschaft und Gefolge zum Eiserne-Schwelle-Kloster; erst am Abend kehrten sie zurück. Kaufmann Schein-Echt, Frau You und Kaufmann Herrlichkeit blieben weiterhin im Tempel, um den Sarg zu bewachen, bis nach dem hundertsten Tag der Sarg in die Heimat überführt würde. Zu Hause vertrauten sie die Aufsicht der alten Frau You und den beiden Schwestern Erjie und Sanjie an.
Kaufmann Jadeschale hatte seit langem von den You-Schwestern gehört und bedauert, ihnen nie begegnet zu sein. Seit Kaufmann Andachts Aufbahrung zu Hause hatte er sich mit der Zweiten und der Dritten täglich vertraut gemacht und konnte sein Begehren nicht mehr verbergen. Da er wusste, dass Kaufmann Schein-Echt und Kaufmann Herrlichkeit ohnehin im Ruf der Ausschweifung mit ihnen standen, nutzte er jede Gelegenheit, sie mit Blicken und Mienen zu umwerben. Die Dritte Schwester [14] begegnete ihm jedoch kühl und gleichgültig; nur die Zweite [15] zeigte deutlich Interesse. Aber es gab zu viele Augen und Ohren, und er fand keine Gelegenheit. Zudem fürchtete er, Kaufmann Schein-Echt könnte eifersüchtig werden, und wagte nicht, sich zu bewegen — so begnügten sich beide mit stillem Einverständnis. Nach der Beisetzung waren im Hause Kaufmann Schein-Echts wenig Leute: Nur die alte Frau You mit der Zweiten und Dritten Schwester und einigen groben Dienstmägden bewohnten die Haupträume; alle übrigen Mägde und Konkubinen waren mit ins Kloster gezogen. Draußen dienten die Bediensteten nur als Nachtwachen und Türhüter; tagsüber, wenn nichts zu tun war, betraten sie die inneren Gemächer nicht. Kaufmann Jadeschale sah seine Gelegenheit. Unter dem Vorwand, Kaufmann Schein-Echt Gesellschaft zu leisten, schlief er ebenfalls im Tempel, nutzte aber häufig den Anlass, für Kaufmann Schein-Echt die Hausverwaltung zu erledigen, um ins Ningfu zu kommen und die Zweite Schwester zu umwerben.
Eines Tages kam der Unterverwalter Yu Lu zu Kaufmann Schein-Echt und berichtete: „Für die Trauerbanner, Tragstangen, Trauerseide und die Sargträger mit den blauen Gewändern wurden insgesamt eintausendeinhundertzehn Liang Silber ausgegeben. Davon sind fünfhundert bezahlt; es fehlen noch sechshundertzehn. Gestern kamen die beiden Lieferanten und forderten die Bezahlung; ich bitte um Anweisung." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Hol das Geld einfach aus der Schatzkammer — warum musst du mich fragen?" Yu Lu sagte: „Gestern war ich schon bei der Schatzkammer, aber seit dem Ableben des alten Herrn sind von allen Seiten so viele Auszahlungen erfolgt, dass das Verbleibende für die hundert-Tage-Zeremonien und die Tempelkosten reserviert werden muss. Man kann im Moment nichts auszahlen. Deshalb bitte ich den Herrn, ob er es aus der Privatschatulle vorschießen oder von einem anderen Posten umbuchen möchte." Kaufmann Schein-Echt lachte: „Du glaubst wohl, es sei noch wie früher, als wir Silber hatten und es nicht ausgaben! Leih es dir irgendwo und zahle es ihnen." Yu Lu lachte: „Ein- oder zweihundert könnte ich auftreiben; aber fünf- oder sechshundert — das schaffe ich nicht auf die Schnelle." Kaufmann Schein-Echt überlegte und sagte zu Kaufmann Herrlichkeit: „Frag deine Mutter — gestern nach der Beisetzung hat die Familie Zhen aus dem Süden fünfhundert Liang Opfersilber geschickt, die noch nicht an die Schatzkammer abgeliefert wurden. Hol sie dir und gib sie ihm." Kaufmann Herrlichkeit ging zu Frau You, kam zurück und berichtete: „Von dem Silber sind schon zweihundert ausgegeben worden; die restlichen dreihundert hat man nach Hause geschickt und der alten Mutter zur Aufbewahrung gegeben." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Dann nimm ihn mit, hol das Silber von der alten Mutter und gib es ihm. Sieh auch nach, ob zu Hause alles in Ordnung ist, und richte den beiden Tanten Grüße aus. Den Rest soll Yu Lu sich borgen und aufstocken."
Kaufmann Herrlichkeit und Yu Lu hatten sich gerade verabschiedet, als Kaufmann Jadeschale hereinkam. Yu Lu begrüßte ihn eilig. Kaufmann Jadeschale fragte, worum es gehe; Kaufmann Schein-Echt erzählte alles. Kaufmann Jadeschale dachte bei sich: „Das ist die Gelegenheit, zum Ningfu zu gehen und die Zweite Schwester zu sehen!" Und sagte: „Was für eine Sache — warum soll man sich Geld borgen? Gestern habe ich gerade eine Summe Silber bekommen, die ich noch nicht ausgegeben habe. Nehmt davon, und die Sache ist erledigt." Kaufmann Schein-Echt sagte: „Ausgezeichnet! Dann gib Rong'er die Anweisung, er soll es zusammen abholen." Kaufmann Jadeschale sagte eilig: „Dazu muss ich persönlich hin. Außerdem war ich jetzt mehrere Tage nicht zu Hause; ich muss der Alten Herrin, dem Herrn Vater und den Damen die Aufwartung machen. Dann schaue ich auch bei Bruder drüben nach, ob die Dienerschaft sich benimmt, und besuche die Schwiegermutter." Kaufmann Schein-Echt lachte: „Da mühen wir dich schon wieder — das ist mir unangenehm." Kaufmann Jadeschale lachte: „Unter Brüdern — was macht das schon!" Kaufmann Schein-Echt trug noch Kaufmann Herrlichkeit auf: „Begleite deinen Onkel und erkundige dich auch bei der Alten Herrin und den Damen nach dem Befinden. Sag, deine Mutter und ich lassen grüßen, und frag, ob es der Alten Herrin viel besser geht und ob sie noch Medizin nimmt." Kaufmann Herrlichkeit sagte zu allem ja und folgte Kaufmann Jadeschale hinaus. Mit einigen Dienern ritten sie gemeinsam in die Stadt.
Unterwegs plauderten Onkel und Neffe. Kaufmann Jadeschale kam absichtlich auf die Zweite Tante You zu sprechen und lobte, wie hübsch sie sei, wie angenehm im Umgang, wie würdevoll in ihrem Auftreten und wie sanft in ihrer Sprache — in jeder Hinsicht bewundernswert und liebenswert. „Alle sagen, deine Tante [16] sei schön, aber nach meiner Meinung reicht sie nicht im Mindesten an deine Zweite Tante heran!" Kaufmann Herrlichkeit durchschaute seine Absicht und sagte lachend: „Wenn Onkel sie so sehr schätzt, soll ich als Heiratsvermittler fungieren und sie als Zweitfrau für dich arrangieren?" Kaufmann Jadeschale lachte: „Meinst du das im Scherz oder im Ernst?" Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Ich meine es durchaus ernst." Kaufmann Jadeschale lachte wieder: „Selbstverständlich wäre mir das recht. Nur fürchte ich, deine Tante stimmt nicht zu; und vielleicht will deine Großmutter auch nicht. Außerdem habe ich gehört, dass deine Zweite Tante bereits verlobt ist." Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Das alles ist kein Hindernis. Meine Zweite und Dritte Tante sind nicht die leiblichen Kinder meines Großvaters — sie sind von meiner Großmutter mitgebracht worden. Soweit ich weiß, hat meine Großmutter, als sie noch in jener Familie lebte, die Zweite Tante bereits dem Sohn des kaiserlichen Getreidepächters Zhang verlobt — eine Verlobung im Mutterleib. Später geriet die Familie Zhang in einen Prozess und verarmte; meine Großmutter heiratete aus jener Familie fort, und seit über zehn Jahren hatten die beiden Familien keinen Kontakt mehr. Meine Großmutter klagt oft darüber und will die Verlobung lösen; mein Vater will die Zweite Tante anderweitig verheiraten. Man wartet nur auf einen guten Kandidaten; dann schickt man jemanden zu den Zhangs, gibt ihnen zehn, zwanzig Liang und lässt einen Auflösungsbrief schreiben. Bei ihrer Armut werden sie, wenn sie Silber sehen, kaum widersprechen. Außerdem wissen sie, mit was für einem Haus sie es zu tun haben — sie wagen es nicht, zu widersprechen. Wenn ein Mann wie der Onkel sie zur Zweitfrau nehmen will, werden Großmutter und Vater bestimmt einverstanden sein. Das einzige Problem ist die Tante ..." Kaufmann Jadeschale hörte das, und sein Herz blühte auf; er konnte nur noch stumm und dümmlich grinsen. Kaufmann Herrlichkeit überlegte noch einen Moment und sagte dann lachend: „Wenn der Onkel den Mut hat, meinem Plan zu folgen, garantiere ich, dass alles glattgeht — es kostet nur ein paar Taler mehr." Kaufmann Jadeschale sagte hastig: „Was für ein Plan? Sag schnell — ich bin einverstanden!" Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Wenn der Onkel nach Hause kommt, verrät er mit keinem Wort etwas. Ich berichte meinem Vater und verhandle mit der Großmutter. Dann kaufen wir hinter unserem Palais ein kleines Haus und die nötige Ausstattung und verlegen zwei Gruppen Dienstboten dorthin. An einem günstigen Tag wird ohne Aufsehen geheiratet, und die Dienstboten dürfen kein Wort verlauten lassen. Die Tante lebt drinnen in ihrem tiefen Palais und wird es so bald nicht erfahren. Der Onkel wohnt an beiden Orten. Nach einem Jahr oder anderthalb — selbst wenn es herauskommt, gibt es höchstens eine Schelte vom Herrn Vater. Der Onkel sagt einfach, die Tante bekomme keine Kinder, und es sei um der Nachkommenschaft willen geschehen, deshalb habe er es heimlich arrangiert. Selbst die Tante wird, wenn der Reis schon zu Brei gekocht ist, sich fügen müssen. Dann bittet man die Alte Herrin um Vermittlung — das wird schon gut gehen." Seit alters heißt es: „Begierde macht den Verstand blind." Kaufmann Jadeschale war nur von der Schönheit der Zweiten Schwester geblendet und hielt Kaufmann Herrlichkeits Plan für narrensicher. Dass er noch in Trauerkleidung war, dass das Nehmen einer Zweitfrau neben der rechtmäßigen Gattin unschicklich war, dass sein strenger Vater und seine eifersüchtige Frau Einwände haben würden — all das schob er beiseite. Doch er ahnte nicht, dass auch Kaufmann Herrlichkeit es keineswegs gut meinte: Seit langem hatte er mit seinen Tanten ein Verhältnis, doch weil Kaufmann Schein-Echt im Hause war, konnte er sich nicht frei bewegen. Wenn nun Kaufmann Jadeschale die Zweite Schwester heiratete und sie außerhalb lebte, konnte er in Kaufmann Jadeschales Abwesenheit leichter mit ihr zusammenkommen. Kaufmann Jadeschale dachte an so etwas nicht im Mindesten und dankte Kaufmann Herrlichkeit gerührt: „Lieber Neffe, wenn du das wirklich zustande bringst, kaufe ich dir zwei bildschöne Dienstmädchen zum Dank!" Damit waren sie am Tor des Ningfu angelangt. Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Der Onkel geht hinein und holt das Silber von der Großmutter; gibt es Yu Lu. Ich gehe zuerst zur Alten Herrin und mache meine Aufwartung." Kaufmann Jadeschale nickte lächelnd: „Sag vor der Alten Herrin nicht, dass wir zusammen gekommen sind." Kaufmann Herrlichkeit sagte: „Verstanden." Dann flüsterte er Kaufmann Jadeschale ins Ohr: „Wenn du heute die Zweite Tante triffst, sei ja nicht voreilig — wenn es Ärger gibt, ist danach alles viel schwieriger." Kaufmann Jadeschale lachte: „Hör auf mit dem Unsinn — geh schon!" Kaufmann Herrlichkeit ging, um der Alten Herrin seine Aufwartung zu machen.
Kaufmann Jadeschale betrat den Ningfu. Sofort kamen der Oberbedienstete und die Diener, um ihn zu begrüßen, und geleiteten ihn bis zum Saal. Kaufmann Jadeschale stellte pflichtgemäß einige Fragen und entließ sie dann. Allein ging er in die inneren Gemächer. Da er und Kaufmann Schein-Echt seit jeher eng vertraut und Brüder waren und es zwischen ihnen keine Förmlichkeiten gab, brauchte er sich nicht anmelden zu lassen. Er ging zur Hauptwohnung; eine Dienerin auf der Veranda hob den Vorhang und ließ ihn ein. Er trat ein und sah: Auf dem südlichen Kang saß nur die Zweite Schwester You mit zwei Dienstmädchen bei der Handarbeit — von der alten Frau You und der Dritten Schwester keine Spur. Kaufmann Jadeschale begrüßte sie eilig. Die Zweite Schwester lud ihn lächelnd zum Sitzen ein; er setzte sich an der Ostseite neben ein Wandgestell. Kaufmann Jadeschale ließ ihr den Ehrenplatz und sagte einige höfliche Worte. Dann fragte er lachend: „Wo sind die Schwiegermutter und die Dritte Schwester? Warum sehe ich sie nicht?" Die Zweite Schwester lachte: „Sie sind gerade nach hinten gegangen — sie kommen gleich." Die Mädchen waren Tee holen gegangen, und niemand war im Raum. Kaufmann Jadeschale schielte unablässig zur Zweiten Schwester hinüber. Sie senkte den Kopf und lächelte nur, ohne ihn zu beachten. Kaufmann Jadeschale wagte nicht, sich Freiheiten herauszunehmen. Er sah, dass sie ein seidenes Tuch mit einem angebundenen Beutelchen in den Händen drehte, und sagte beiläufig, nach seinem eigenen Gürtel tastend: „Ich habe meinen Betelnus-Beutel vergessen — hat die Schwester vielleicht Betelnuss und schenkt mir ein Stück?" Die Zweite Schwester sagte: „Betelnuss habe ich schon — nur gebe ich meine Betelnuss nie einem anderen." Kaufmann Jadeschale rückte lachend näher, um sie sich zu nehmen. Die Zweite Schwester befürchtete, jemand könnte sie sehen; lachend warf sie ihm den Beutel zu. Kaufmann Jadeschale fing ihn, schüttete alles heraus, steckte sich ein halb aufgegessenes Stück in den Mund und verstaute den Rest in seinem Busen. Gerade wollte er ihr den Beutel persönlich zurückbringen, als zwei Mädchen mit dem Tee kamen. Kaufmann Jadeschale nahm den Tee entgegen und löste heimlich seinen eigenen Hanyü-Jadegürtel mit neun Drachen, band ihn an sein Taschentuch und warf es, als die Mädchen sich umdrehten, zu ihr hinüber. Die Zweite Schwester rührte es nicht an, tat, als sähe sie nichts, und trank ihren Tee. Hinter ihnen raschelte ein Vorhang: Die alte Frau You und die Dritte Schwester kamen mit zwei Mädchen von hinten herein. Kaufmann Jadeschale blickte die Zweite Schwester an und deutete ihr, das Tuch aufzuheben — doch sie reagierte nicht. Kaufmann Jadeschale wusste nicht, was sie damit bezweckte, und wurde ganz nervös. Er musste der alten Frau You und der Dritten Schwester entgegengehen und sie begrüßen. Als er sich nochmals nach der Zweiten Schwester umdrehte, lächelte sie unbekümmert; er sah nach dem Tuch — es war verschwunden. Kaufmann Jadeschale war beruhigt.
Danach setzten sich alle zusammen und plauderten. Kaufmann Jadeschale sagte: „Die Schwägerin hat gesagt, neulich sei ein Paket Silber der Schwiegermutter zur Aufbewahrung übergeben worden; heute wird es gebraucht, um eine Schuld zu bezahlen. Der Älteste Bruder hat mich geschickt, es abzuholen. Außerdem wollte ich sehen, ob zu Hause alles in Ordnung ist." Die alte Frau You ließ sofort die Zweite Schwester den Schlüssel holen und das Silber bringen. Kaufmann Jadeschale sagte noch: „Ich wollte auch der Schwiegermutter meine Aufwartung machen und die beiden Schwestern besuchen. Die Schwiegermutter sieht gut aus; nur die beiden Schwestern müssen es bei uns schwer haben." Die alte Frau You lachte: „Wir sind doch alle eine Familie — was soll das! Ob zu Hause oder hier — es ist das Gleiche. Offen gesagt: Seit mein verstorbener Mann starb, ist es finanziell recht eng geworden; wir leben ganz von der Unterstützung des Schwiegersohns. Da er eine solche Familienangelegenheit hat, können wir nichts anderes tun als ein bisschen auf das Haus aufzupassen — wovon sollte man da reden?" Während sie sprachen, brachte die Zweite Schwester das Silber und gab es der alten Frau You, die es an Kaufmann Jadeschale weiterreichte. Kaufmann Jadeschale ließ ein Mädchen eine Dienerin rufen und sagte: „Übergebt dies Yu Lu und sagt ihm, er soll damit drüben auf mich warten." Die Dienerin ging.
Da hörte man im Hof Kaufmann Herrlichkeits Stimme. Bald trat er ein, begrüßte seine Großmutter und die Tanten und sagte dann lachend zu Kaufmann Jadeschale: „Eben hat der Herr Vater nach dem Onkel gefragt — er hat einen Auftrag. Er wollte schon jemanden zum Tempel schicken; ich habe ihm gesagt, der Onkel komme gleich. Der Herr Vater sagt, er möge sich beeilen." Kaufmann Jadeschale wollte sich schon erheben, da hörte er, wie Kaufmann Herrlichkeit zu seiner Großmutter sagte: „Neulich habe ich der Alten Herrin erzählt, dass mein Vater für die Zweite Tante einen Schwiegersohn suche — der sehe ungefähr so aus wie mein Onkel hier. Was meint die Alte Herrin — ist er gut?" Dabei deutete er heimlich mit dem Finger auf Kaufmann Jadeschale und warf der Zweiten Tante einen vielsagenden Blick zu. Die Zweite Schwester war zu verlegen, um etwas zu sagen. Doch die Dritte Schwester [17] schimpfte mit halb lächelndem, halb zornigem Gesicht: „Du verdorbener kleiner Affenbalg! Warte, bis ich dir gleich den Mund zerfetze!" Damit lief sie auf ihn zu. Kaufmann Herrlichkeit rannte lachend hinaus, und Kaufmann Jadeschale verabschiedete sich ebenfalls lachend. Im Saal angekommen, gab er den Dienern noch Anweisungen, nicht zu spielen und zu trinken. Dann ermahnte er Kaufmann Herrlichkeit, schnell mit seinem Vater zu sprechen. Er selbst nahm Yu Lu mit, vervollständigte das Silber und übergab es ihm zur Auszahlung. Dann machte er bei Kaufmann Begnadigung und der Alten Herrin seine Aufwartung — davon sei hier nicht weiter die Rede.
Kaufmann Herrlichkeit, als Yu Lu mit Kaufmann Jadeschale gegangen war, hatte nichts weiter zu tun und ging wieder in die inneren Gemächer, wo er eine Weile mit seinen beiden Tanten scherzte und herumspielte, bevor er aufbrach. Am Abend berichtete er im Tempel Kaufmann Schein-Echt: „Das Silber ist Yu Lu übergeben. Der Alten Herrin geht es viel besser; sie nimmt keine Medizin mehr." Dann erzählte er beiläufig von Kaufmann Jadeschales Wunsch, die Zweite Schwester You als Zweitfrau zu nehmen. Er schilderte, wie man ein Haus außerhalb kaufen und es vor Phönixglanz verbergen wolle. „Es geschieht nur um der Nachkommenschaft willen. Die Zweite Tante kennt man ja bereits — unter Verwandten ist eine Heirat besser als mit einer Familie, die man nicht kennt. Der Zweite Onkel hat mich dringend gebeten, mit dem Vater zu sprechen." Dass es sein eigener Plan war, verschwieg er. Kaufmann Schein-Echt überlegte und sagte lachend: „Eigentlich wäre das schon in Ordnung. Nur weiß ich nicht, ob deine Zweite Tante einverstanden ist. Geh morgen zuerst zu deiner Großmutter und besprich es mit ihr; sie soll die Zweite Tante fragen. Danach entscheiden wir." Dann gab er Kaufmann Herrlichkeit noch einige Anweisungen und ging zu Frau You, um ihr die Sache mitzuteilen. Frau You wusste, dass dies nicht richtig war, und versuchte es mit allen Kräften zu verhindern. Doch Kaufmann Schein-Echts Entschluss stand fest; sie war es gewohnt, sich ihm zu fügen; und zudem war die Zweite Schwester nicht ihre leibliche Schwester — sie konnte sich nicht einmischen. So ließ sie die Dinge ihren Lauf nehmen.
Am nächsten Morgen fuhr Kaufmann Herrlichkeit tatsächlich wieder in die Stadt zur Großmutter und überbrachte seines Vaters Botschaft. Er fügte viele Worte hinzu: wie gut Kaufmann Jadeschale sei, dass Phönixglanz ohnehin kränkle und es mit ihr nicht mehr lange dauern könne; einstweilen kaufe man ein Haus außerhalb; nach ein oder zwei Jahren, sobald Phönixglanz sterbe, werde er die Zweite Tante als rechtmäßige Gattin ins Haus nehmen. Er beschrieb, wie sein Vater die Verlobung arrangiere, wie Kaufmann Jadeschale die Hochzeit durchführe, wie man die Großmutter zu sich nehme, damit sie ihren Lebensabend genieße; und dass man auch der Dritten Schwester drüben einen Mann suchen wolle. Er redete so betörend, dass die alte Frau You schließlich einwilligte. Zudem war sie zeitlebens auf Kaufmann Schein-Echts finanzielle Unterstützung angewiesen; es war Kaufmann Schein-Echt, der die Verlobung arrangierte; die Mitgift brauchte sie nicht selbst zu kaufen; und Kaufmann Jadeschale war ein junger Edelmann, zehnmal besser als Zhang Hua. Also ging sie eilig zur Zweiten Schwester, um es mit ihr zu besprechen. Die Zweite Schwester war von wankelmütigem Charakter; schon zuvor hatte sie es mit dem Schwager nicht bei der Schicklichkeit belassen und stets bedauert, damals dem Zhang Hua versprochen worden zu sein, was ihr ganzes weiteres Leben ruiniert hatte. Da Kaufmann Jadeschale nun Zuneigung zeigte und ihr Schwager die Heirat vermittelte, gab es nichts, was sie hätte ablehnen wollen. Sie nickte zustimmend. Man teilte Kaufmann Herrlichkeit die Antwort mit; Kaufmann Herrlichkeit berichtete seinem Vater.
Am nächsten Tag ließ Kaufmann Schein-Echt Kaufmann Jadeschale in den Tempel bitten und teilte ihm mit, dass die alte Frau You zugestimmt habe. Kaufmann Jadeschale war außer sich vor Freude und dankte Kaufmann Schein-Echt und Kaufmann Herrlichkeit überschwänglich. Die beiden besprachen alles: Man schickte Leute los, um ein Haus zu suchen, Schmuck anfertigen zu lassen und für die Zweite Schwester Mitgift sowie Bett und Vorhänge für das neue Haus zu kaufen. Binnen weniger Tage war alles erledigt. In der Kleinen Blumenzweiggasse, etwa zwei Li hinter der Ning-Rong-Straße, kaufte man ein Haus mit über zwanzig Zimmern und dazu zwei kleine Mägde. Plötzlich fiel ihm der Diener Bao Er ein: Dessen Frau hatte damals ein Verhältnis mit Kaufmann Jadeschale gehabt, und als Phönixglanz sie erwischte und einen Skandal machte, hatte sich die Frau vor Scham erhängt. Kaufmann Jadeschale hatte Lin Zhixiao zweihundert Liang für die Bestattung versprechen lassen und Bao Er noch privat etwas Silber gegeben mit dem Versprechen, ihm eines Tages eine neue Frau zu suchen. Bao Er hatte nun Ansehen und Geld und diente Kaufmann Jadeschale weiterhin ergeben. Kaufmann Jadeschale rief ihn und seine neue Frau ins neue Haus, damit sie dort für die Zweite Schwester bereitstünden. Dann ließ er den Vater und Sohn Zhang herbeischaffen und nötigte sie, der alten Frau You einen Auflösungsbrief für die Verlobung auszustellen. Zhang Huas Großvater war einst kaiserlicher Getreidepächter gewesen, doch dann gestorben. Sein Vater hatte das Amt weitergeführt und war mit dem verstorbenen ersten Mann der alten Frau You befreundet gewesen — deshalb die Verlobung im Mutterleib zwischen Zhang Hua und der Zweiten Schwester You. Doch dann war die Familie Zhang in einen Prozess geraten und hatte alles verloren; sie konnten sich nicht einmal ernähren, geschweige denn eine Schwiegertochter aufnehmen. Die alte Frau You hatte jene Familie verlassen und neu geheiratet; seit über zehn Jahren war der Kontakt abgerissen. Als die Jia-Diener die Zhangs nun herbeischaffen ließen und sie zur Auflösung der Verlobung zwangen, waren diese zwar unwillig, fürchteten aber die Macht der Familie Jia und wagten nicht zu widersprechen. Also schrieben sie den Auflösungsbrief. Die alte Frau You gab ihnen zwanzig Liang Silber — von der Auflösung der Verlobung sei hier nicht weiter die Rede.
Als Kaufmann Jadeschale und die anderen sahen, dass alles geregelt war, wählten sie den dritten des Monats als glückverheißenden Tag für die Hochzeit mit der Zweiten Schwester.
Wer wissen will, wie es weiterging, der lese das nächste Kapitel.
Es heißt dazu:
Nur weil die Brüder der gleichen Familie der Lust frönten, Ließen sie die zusammengewachsenen Äste zu Speer und Hellebarde greifen.
Anmerkungen
- ↑ 5–7 Uhr morgens
- ↑ gegen 15–17 Uhr
- ↑ Qin Lieblich
- ↑ Wald Ozeangleich und Jia Min, Kajaljades verstorbene Eltern
- ↑ berühmtes konfuzianisches Diktum
- ↑ die berühmteste der Vier Schönheiten des chinesischen Altertums
- ↑ Konkubine des Königs Xiang Yu, die sich nach seiner Niederlage das Leben nahm
- ↑ die Han-Hofdame, die zu den Xiongnu geschickt wurde
- ↑ die schöne Konkubine, die sich für ihren Herrn Shi Chong vom Turm stürzte
- ↑ die mutige Frau, die Li Jing erkannte und mit ihm floh
- ↑ Chin. 五美吟 Wǔ Měi Yín. Kajaljades Gedichte auf fünf tragische Schönheiten des Altertums spiegeln indirekt ihr eigenes Schicksal: Jede der besungenen Frauen war schön, begabt und dem Untergang geweiht.
- ↑ Wang Anshi (王安石, 1021–1086), berühmter Reformpolitiker und Dichter der Song-Dynastie.
- ↑ Ouyang Xiu (欧阳修, 1007–1072), einer der „Acht Großen Prosaisten der Tang und Song“.
- ↑ You Sanjie, eine stolze und entschlossene Frau
- ↑ You Erjie, sanft und nachgiebig
- ↑ Phönixglanz
- ↑ You Sanjie, die deutlich temperamentvoller ist
Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage (2026). Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本).