Hongloumeng/de/Chapter 106
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Kapitel 106
王熙凤致祸抱羞惭 / 贾太君祷天消祸患
Wang Hsi-fëng hat ein schlechtes Gewissen ob früherer VergehenDie Herzoginmutter betet zum Himmelsgott und versucht, das Unglück zu vertreiben.
Als Djia Dschëng hörte, daß es der Herzoginmutter nicht gut ging, eilte er direkt zu ihren Gemächern. Er sah, daß sie aufgeregt und unregelmäßig atmete. Die Dame Wang brachte sie mit Hilfe von Yüan-yang und den anderen Mägden wieder zu sich. Sie verabreichten ihr eines ihrer Duftsprühmittel und Beruhigungspillen, was etwas für Erleichterung sorgte. Doch sie blieb traurig und weinte. Djia Dschëng stand ihr zur Seite, versuchte sie zu trösten und zu beruhigen: „Deine Söhne haben dieses Unglück über die Familie gebracht und dir diesen Kummer bereitet, Mutter. Bitte beruhige dich und gib uns Zeit, daß wir uns um alles kümmern können. Wenn du dadurch erkrankst, ist unsere Schuld nicht mehr zu ertragen!“ „Ich bin jetzt über achtzig“, antwortete die Herzoginmutter, „und seit dem Tag, als ich als junges Mädchen herkam und mit eurem Vater verheiratet wurde, habe ich ein behütetes Leben geführt. Von den Ahnen der Familie wurde ich gesegnet und beschützt. Nie zuvor habe ich auch nur von solchen schlimmen Dingen wie diesen gehört. Nun bin ich alt und sehe, daß Ihr bestraft werdet. Wie könnte ich das ertragen? Lieber sterbe ich und laß Euch in Ruhe.“ Wieder brach sie in Tränen aus, und Djia Dschëng wurde immer besorgter um ihren Zustand. Plötzlich hörte man draußen eine Stimme rufen: „Neuigkeiten vom Hof für den Herrn!“ Djia Dschëng eilte hinaus. Ein Gehilfe des Prinzen von Bee-djing wartete in der Hauptempfangshalle auf ihn und begrüßte ihn mit den Worten: „Gute Nachrichten, Herr!“ Djia Dschëng dankte dem Gehilfen für sein Kommen und bat ihn, sich zu setzen. „Was befiehlt ihre Hoheit?“, fragte er. „Mein Herr und Ihre Hoheit der Prinz von Hsi-ping haben seiner Majestät einen Bericht vorgelegt und sprachen zu Ihren Gunsten, Herr, betonten Ihre Reue und Ihre große Anerkennung der Milde, die Ihnen vom Thron erwiesen wurde. Seine Majestät war äußerst mitfühlend und aufmerksam wegen des kürzlichen Ablebens der kaiserlichen Nebenfrau. Er brachte es nicht über sich, Euch zu bestrafen. Stattdessen setzt er Euch auf Eure frühere Position als Untersekretär an die Arbeitsbehörde zurück. Von dem beschlagnahmten Familieneigentum wird nur jenes von Herrn Schë beschlagnahmt behalten. Der Rest wird Euch zurückgegeben. Seine Majestät verlangt von Euch, die Euch auferlegten Pflichten gewissenhaft und treu auszuführen. Die beschlagnahmten Schuldscheine werden von meinem Herrn persönlich überprüft. Schuldscheine mit Wucherzinsen werden nach dem Gesetz umgehend konfisziert. Schuldscheine, die vernünftige Raten beinhalten, sowie Besitzurkunden für Häuser und Ländereien werden alle an Sie zurückgegeben. Djia Liän werden seine Stellung und sein Rang entzogen, er wird allerdings von weiteren Bestrafungen verschont und freigelassen.“ Djia Dschëng erhob sich von seinem Stuhl und verbeugte sich in die vorgesehene Richtung, aus Dank für die kaiserliche Großzügigkeit. Er verneigte sich auch vor dem Gehilfen, um seine tiefempfundene Dankbarkeit für das Eingreifen des Prinzen zu seinen Gunsten zu zeigen. „Seid so gut und übermittet Seiner Hoheit meinen allergrößten Dank. Morgen werde ich am Hof erscheinen, um Seiner Hoheit meine Dankbarkeit persönlich zu erweisen.“ Der Gehilfe des Prinzen brach auf. Kurz darauf erschien ein Beamter, um den Erlaß vorzutragen. Gefolgt von Beamten, die alle Anweisungen sorgfältigst ausführten, die Dokumente einzeln überprüften, nur das konfiszierten, was angegeben war, und den Rest den Eigentümern zurückgaben. Djia Liän wurde freigelassen, während Djia Schës Hausstand und seine Angestellten alle in Staatseigentum übergingen bzw. in den öffentlichen Dienst übernommen wurden. Djia Liäns Position war nicht zu beneiden. Einige der Dokumente wurden zurückgegeben und von seinem anderen Eigentum wurde nichts beschlagnahmt, doch seine Gemächer waren durchwühlt und geplündert. Nichts als die bloßen Möbel waren an ihrem Platz geblieben. Seine anfängliche Erleichterung darüber, frei und der befürchteten Strafe entgangen zu sein, ging über in ein tiefes Gefühl des Verlustes, wenn er sah, wie sein eigener und Hsi-fëngs Besitz – alles zusammen mit einem Wert von siebzig- bis achtzigtausend Goldtaler – an einem einzigen Morgen verschwunden war. Die Verhaftung seines Vaters, Hsi-fëngs lebensbedrohlicher Gesundheitszustand: Das war zuviel für ihn. Und nun mußte er Djia Dschëng Rechenschaft ablegen, der ihn einbestellte und, sein Schluchzen unterdrückend, ausschalt: „Ich war viel zu oft mit meinen amtlichen Pflichten beschäftigt und habe den Familienangelegenheiten überhaupt zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht. Deshalb habe ich dich und deine Frau den Haushalt führen lassen. Ich kann deinem Vater Vorhaltungen über seine falsche Erziehung machen, doch dieser Wucher, der ans Licht gekommen ist – wer um Himmels willen ist dafür verantwortlich? Familien wie unsere haben mit so etwas nichts zu schaffen. Die Dokumente wurden konfisziert und Aufträge und Zinsen sind verfallen: doch es ist nicht das Geld, es ist der unglaubliche Schlag, den es unserem Ruf versetzt hat!“ Djia Liän fiel auf seine Knie: „Ich habe mich immer um die Familienangelegenheiten gekümmert, doch ich habe nie privat etwas zurückbehalten. Alle Konten wurden von den Verwaltern Lai Da, Wu Hsin-deng, Dai Liang und den anderen geführt. Bitte bestelle sie her, und höre die Wahrheit aus ihrem Munde. In den letzten Jahren waren unsere Ausgaben viel höher als unser Einkommen, und es gab Defizite in den Konten, die ich bislang nicht ausgleichen konnte, unabhängig von den Schulden, die ich noch zu bewältigen hatte. Tante Wang wird dir davon erzählen können. Und was das geliehene Geld betrifft, so habe ich keine Vorstellung davon, wo das herkommen könnte. Frag’ doch besser Dschou Juee und Wang Örl.“ – „Du willst mir damit also sagen, daß du nicht weißt, was in deinen eigenen Gemächern vor sich ging, und daß du den ganzen Haushalt allein ließest! Ich sollte besser nicht weiter mit dir darüber reden. Schätze dich selbst glücklich, daß du so einfach davongekommen bist. Jetzt bewegst du dich besser und siehst nach, was mit deinem Vater und Vetter Dschën los ist.“ Djia Liän fühlte sich sehr streng behandelt, doch hielt er seine Tränen zurück und folgte gehorsam den Anweisungen seines Onkels. Ganz allein gelassen sann Djia Dschëng tief seufzend über diese Familientragödie: ‚Es war vergebens, daß mein Großvater und mein Großonkel dem Thron so loyal dienten, der Familie große Ehre und erbliche Titel erwarben. Jetzt sind unsere beiden Haushalte entehrt, beide Titel wurden uns genommen. Und auf weitere Sicht sehe ich keine Ruhepause, keinen aufsteigenden Stern in der jüngeren Generation! Gütiger Himmel! Dank einer Handlung außerordentlicher Großzügigkeit auf Seiten Seiner Majestät wurde ich verschont und habe mein Eigentum zurückerhalten. Doch beide Haushalte müssen sich nun zusammenraufen, und wie könnte ich das alleine bewältigen? Die letzte Offenbarung von Liän war ein weiterer schmerzlicher Schlag. Nicht nur, daß wir keine Rücklagen haben, hinzu kommen noch Schulden. Wir haben offensichtlich über Jahre unwissend über unsere Verhältnisse gelebt! Und alles wegen meiner Dummheit. Ich hasse mich. Wie konnte ich nur so blind sein? Wenn nur [mein ältester Sohn] Dschu-örl noch leben würde! Dschu hätte mich wenigstens unterstützen können. Doch Bau-yü, obwohl er mein Sohn und nun erwachsen ist, wird mir keine Stütze sein.’ Während dieses stillen Monologes mußte Djia Dschëng unfreiwillig weinen, und der Kragen seines Umhangs war naß vor Tränen. „Und Mutter – besonders in Anbetracht ihres hohen Alters, haben wir beinahe in den Tod getrieben. Wer außer mir selbst ist Schuld an diesem frevelhaften Vergehen?“ Er brütete vor sich hin, war in den tiefsten Selbstvorwürfen versunken, als ein Diener eintrat, um die Ankunft verschiedener Freunde und Verwandten anzukündigen. Djia Dschëng empfing sie und dankte jedem einzeln für seine Betroffenheit. „Diese Unglücksfälle bei uns“, sagte er in entschuldigendem Ton zu ihnen, „sind die direkte Folge meiner Unfähigkeit, der jüngeren Generation das nötige Verantwortungsbewußtsein zu vermitteln.“ „Das muß man aber klar trennen“, antwortete einer von ihnen. „Wir haben lange über Herrn Schës fragwürdige Erziehung nachgedacht. Und Herr Dschën war auf seine Art noch arroganter und liederlicher. Jetzt ist ihr Fehlverhalten ans Licht gekommen und brachte ihnen öffentliche Zensur. Die Schuld liegt voll und ganz bei ihnen. Es ist höchst bedauerlich, daß ihr Fehlverhalten nun auf Sie zurückfällt, Herr.“ „Ich kenne da einige ähnliche Fälle“, kommentierte ein anderer, „doch keiner davon führte zu einer solchen Anklage. Herr Dschën muß irgendjemanden geärgert haben.“ „Das Eingreifen des Zensors kann in diesem Fall leicht erklärt werden“, erwiderte ein anderer. „Es scheint, daß einer der Hausangestellten und einige der weniger respektablen Freunde unangenehme Gerüchte verbreitet haben und daß diese zum Zensor vorgedrungen sind. Er wünschte Beweise dafür, bevor sie fortschritten und holte eben diesen Diener von Euch, um ihn zu verhören. Wenn ich bedenke, wie großzügig Ihr mit Euren Angestellten umgeht, kann ich mir kaum vorstellen, daß so etwas passieren konnte.“ – „So ist das mit den Angestellten“, bemerkte ein anderer, „sie ziehen ihre Vorteile aus der Großzügigkeit ihrer Herren. Da wir hier unter Freunden sind, kann ich gewiß ganz frei reden. Ich weiß, was für ein unbestechlicher Mann Sie sind, Herr; doch während Sie in Djiang-hsi waren, wurde Ihr Ruf irgendwie befleckt. Das müssen eure Diener gewesen sein. In Zukunft müssen Sie noch vorsichtiger sein. Obwohl Sie dieses Mal mit ihrem Eigentum davongekommen sind, könnte es wesentlich unangenehmer werden, wenn Seine Majestät jemals wieder ihre Pflichttreue in Frage stellen sollten.“ Djia Dschëng schien sehr verstört. „Was meinen sie? Inwiefern wurde mein Ruf befleckt?“ – „Es gibt natürlich keine eindeutigen Beweise dafür“, war die Antwort, „doch wir haben andere sagen gehört, daß sie während ihrer Zeit als Korninspektor ihre Diener beauftragten, Erpressung zu betreiben.“ – „Der Himmel sei mein Zeuge“, rief Djia Dschëng aus, „ich habe noch nicht einmal im Traum an so etwas gedacht! Meine Männer haben hinter meinem Rücken krumme Geschäfte betrieben. Noch mehr von solchem Gerede, und ich bin am Ende!“ – „Es bringt nichts, davor Angst zu haben“, kommentierte einer aus der Gesellschaft. „Doch ihr solltet Euren jetzigen Hausstand gründlich überprüfen. Sortiert alle widerspenstigen Elemente unter ihnen aus und seid strenger mit ihnen.“ In diesem Moment betrat ein Pförtner den Raum: „Herr Sun hat einen Diener mit einer Nachricht geschickt, Herr. Sein Herr ist zu beschäftigt, um selbst zu kommen. Dieser Mann wurde angewiesen, Euch darüber zu informieren, daß die Suns von Euch erwarten, die Schulden von Herrn Schë zu bezahlen.“ Djia Dschëng blickte finster und genervt und sagte: „Ich weiß Bescheid.“ Seine Freunde lachten verächtlich: „Dieser Herr Sun macht seinem schlechten Ruf alle Ehre. Wenn das Haus seines Schwiegervaters leergeräumt und sein Eigentum beschlagnahmt ist, kommt er, anstatt Hilfe anzubieten, nur um um Geld zu betteln. Das ist höchst ungebührlich!“ – „Laßt uns nicht über ihn sprechen“, antwortete Djia Dschëng. „Ich hätte daran denken sollen, daß meine arme Nichte bereits genug durch die Hand dieses jungen Mannes gelitten hat, jetzt quält er auch noch mich.“ Als er sprach, erschien Hsüä Kë. „Ich habe herausgefunden,“ berichtete er Djia Dschëng, „daß Komissar Dschau darauf besteht, jeden Punkt der Anklage zu verfolgen. Ich fürchte, es wird für Onkel Schë und Vetter Dschën nicht leicht.“ – „In dieser Angelegenheit mußt du die Hilfe des Prinzen suchen“, wiesen Djia Dschëngs Freunde ihn an, „ohne sein Eingreifen werdet ihr alle ruiniert werden.“ Djia Dschëng dankte seinen Besuchern für diesen Rat, den er zu befolgen versicherte, und sie brachen auf. Es dämmerte bereits und Djia Dschëng stattete der Herzoginmutter seinen abendlichen Besuch ab. Diese hatte sich sichtlich erholt. Er kehrte in seine Gemächer zurück, saß dort im Stillen und grübelte über Djia Liän und Hsi-fëngs unbedachtes Verhalten. Da ihr Betrug nun ans Licht gekommen war, würde es der ganzen Familie schaden, und er gab ihnen die Schuld dafür. Doch er bedachte auch, daß Hsi-fëng schwer krank war und bei der Plünderung alles verloren hatte, was ihr bestimmt einen schweren Schlag versetzt haben mußte. Er entschied, sie zunächst nicht zu kritisieren, sondern seinen Ärger für sich zu behalten und nichts zu sagen. Der Rest dieser Nacht verlief ohne weitere Ereignisse. Früh am nächsten Morgen ging Djia Dschëng zu den Palästen der Prinzen von Bee-djing und Hsi-ping, wo er seine Ehrenbezeugungen darbot und sie bat, Djia Schë und Vetter Dschën zu unterstützen. Die Prinzen versicherten es. Djia Dschëng besuchte weiter andere Freunde und Bekannte, um auch sie um Unterstützung zu bitten. Unser Erzähler widmet sich nun Djia Liän. Als er sich umhörte, fand er heraus, daß seinem Vater und Vetter Dschën in der Tat ein ernstes Urteil bevorstand. Und da er sah, daß er ihnen unter keinen Umständen einen Aufschub verschaffen konnte, konnte er nur nach Hause zurückkehren. In seinen Gemächern saß Ping-örl weinend an Hsi-fëngs Seite, während Tjiu-tung im Nebenzimmer um Hsi-fëng klagte. Als Djia Liän sich Hsi-fëng näherte und sah, daß sie dem Tode nahe war, fand er für seine Wehklage keine Worte. Ping-örl sagte weinend zu ihm: „Die Sache hat sich nun einmal so entwickelt. Alles, was weg ist, wird auch nicht mehr wiederkommen. Und sehen Sie sich Frau Liän an, Herr.“ – Liän spuckte aus und sagte. „Nicht einmal für mein Leben besteht noch Hoffnung, wie könnte ich ihr Leben retten?“ Hsi-fëng hörte das, öffnete ihre Augen und blickte Djia Liän still an. Tränen liefen ihr über die Wangen. Sie sah, wie Djia Liän das Zimmer verließ und sagte zu Ping-örl: So wie die Dinge sich entwickelt haben, solltest du dich nicht mehr um mich kümmern. Ich wünschte nur, ich könnte heute sterben und mit allem fertig sein! Wenn ich dir noch irgend etwas bedeute, dann kümmere dich bitte um die kleine Tjiau-djiä, wenn ich tot bin. Tu es für mich, und meine Seele wird dir in der nächsten Welt dankbar sein.“ Ping-örl brach in Tränen aus. „Nun komm schon“, sagte Hsi-fëng, „du bist doch eine kluge Person! Ich weiß, daß keiner kommen und es mir ins Gesicht sagen würde, doch ich weiß, daß sie mir die Schuld für alles geben, was passiert ist. Andere haben draußen damit angefangen. Doch ich gebe zu, wenn ich das Geld nicht lieben würde, wäre mir das heute nicht widerfahren. All meine Pläne und Vorhaben enden im Nichts. Mein lebenslanges Streben war umsonst. Ich bin zerbrochen, niedriger als die Niedrigen. Ich hasse nur, daß wir keine anständigen Menschen angestellt haben. Ich hörte, daß drüben Vetter Dschën die Verlobte eines Herrn Dschang zur Konkubine nahm und sie zu Tode brachte? Überleg’ mal, wer dieser Herr Dschang sein könnte. Wenn die Geschichte jemals ans Licht kommt, wird Herr Liän entehrt sein. Und wie stehe ich dann da? Ich wünschte, ich könnte sofort sterben! Doch wie? Ich wage nicht, selbst Gold zu schlucken oder Gift einzunehmen. Und du willst einen Arzt rufen! Damit würdest du mir nur schaden!“ Ping-örl wurde mit jedem Wort Hsi-fëngs noch verzweifelter. Sie empfand viel für sie und beschloß, nahe bei ihr zu bleiben und noch besser auf sie aufzupassen, aus Angst, sie könnte sich in ihrer Verzweiflung etwas antun. Glücklicherweise wußte die Herzoginmutter nichts von solch beklemmenden Szenen. Ihre eigene Genesung und ihr Seelenheil wurden von der Kenntnis über Djia Dschëngs Wiedereinstellung stark gefördert und auch von der ständigen Gegenwart von Bau-yü und Bau-tschai an ihrer Seite. Sie hatte immer eine Schwäche für Hsi-fëng gehabt, und nun rief sie Yüan-yang zu sich, und sagte: „Nimm diese Sachen von mir und bring sie hinüber zu Frau Liän. Und gib Ping-örl etwas Geld, daß sie sich gut um sie kümmern kann!“ Sie sagte der Dame Wang auch, sie solle nachsehen, was die Dame Hsing bräuchte. Das gesamte Vermögen des Ning-guo-Anwesens, eingeschlossen Eigentum und Angestellte, wurden inventarisiert und beschlagnahmt. Die Herzoginmutter ließ einen Wagen besorgen, der Frau You und Djia Jungs Frau herüberholen sollte. Diese beiden Damen und Vetter Dschëns zwei Konkubinen, Pei-fëng und Djie Yüän, waren als einzige in den luxuriösen Gemächern des Ning-guo-Anwesens übriggeblieben. Nicht ein einziger Diener war mehr dort. Sie verlangte nach vier Ammen und zwei Mägden, um ihr aufzuwarten, und ordnete an, daß ihre Speisen und andere tägliche Erforderlichkeiten aus der Hauptküche gebracht werden sollten. Sie schickte ihnen auch Kleidung und andere Notwendigkeiten und wies die Haushalts-Kasse an, ihnen die gleichen monatlichen Beträge zu gewähren wie den Mitgliedern des Jung-guo Zweiges. Doch es stand außer Frage, Geld von den Konten zu besorgen, um die Ausgaben (hauptsächlich Bestechung), die bei Djia Schë, Vetter Dschën und Djia Jung im Kerker anfielen, zu decken. Hsi-fëng hatte kein Geld und Djia Liän war hoch verschuldet, wohingegen Djia Dschëng, der keine Erfahrung mit Familien-Finanzen hatte, auf seine charakteristische Art nur fruchtlos sagen konnte: „Ich habe mit einigen Leuten gesprochen und bin zuversichtlich, daß sie tun werden, was sie können.“ Djia Liän fiel keine Möglichkeit ein, um an Geld zu kommen. Es würde nichts bringen, sich an Hsi-fëngs Seite der Familie zu wenden. Die Hsüäs waren bankrott, ihr älterer Onkel Wang Dsï-tëng war tot, und die anderen Wangs waren nicht in der Position zu helfen. Am Ende schickte er aus Verzweiflung geheim einen Mann zum Jung-guo-Anwesen mit der Anweisung, eine Landfläche mit einem Wert von tausend Silbertael zu verkaufen. Dieses Geld würde er seinen Familienmitgliedern im Gefängnis anbieten. Als die Bediensteten sahen, zu welchen Methoden ihr Herr gezwungen war, entschieden manche, selbst ihren Nutzen aus der Situation zu ziehen und erfanden Vorwände dafür, gegen Pachtanteile des östlichen Landsitzes der Familie auf eigene Rechnung Geld auszuleihen. Doch darauf werden wir später in der Geschichte noch eingehen. Die Herzoginmutter sah die Familie ihrer erblichen Titel beraubt. Sie sah einen ihrer Söhne und Enkel im Kerker die Verhandlung erwarten. Sie hörte die ganze Nacht das Weinen der Damen Hsing und You, und Hsi-fëng lag im Sterben. Bau-yü und Bau-tschai trösteten sie zwar, doch sie konnten ihr den Kummer und Schmerz nicht nehmen, die ihr Herz schwer machten. Eines Tages gegen Abend schickte sie Bau-yü zurück in seine Wohnung, erhob sich mühevoll ohne Hilfe von ihrem Sofa und trug Yüan-yang und den anderen Mägden auf, überall vor den Buddhastatuen Räucherstäbchen anzuzünden. Zuletzt gab sie Anweisungen, im eigenen Hof ein großes scheffelförmiges Bündel Räucherstäbchen anzuzünden und ging auf ihren Stock gestützt in den Hof. Hu-po wußte, daß sie vorhatte zu beten und legte ihr eine große rote Meditationsmatte zurecht, damit sie darauf niederknien konnte. Die alte Dame kniete nieder und machte mehrere Kotaus. Sie rezitierte eine Strophe aus einem Sutra und begann mit Tränen in den Augen zu den Göttern von Himmel und Erde zu beten: „Allmächtiger höchster Buddha! Ich, deine demütige Dienerin, in die Familie Schï geboren und verheiratet mit dem Hause Djia, erbitte ergeben deine Barmherzigkeit. Über viele Generationen haben wir nichts Falsches gemacht, wir haben uns nicht in den Wegen der Gewalt und des Hochmuts verirrt. Ich habe demütig und unzureichend mein Bestes versucht, dem Pfad der Rechtschaffenheit zu folgen, meinen Ehemann zu unterstützen und meinen Söhnen zu helfen. Doch die jüngere Generation hat mit mutwilliger Sorglosigkeit gehandelt, sie haben sich dem Zorn des Schicksals ausgeliefert, und jetzt wurde unser Heim geplündert und unser Eigentum geraubt. Mein Sohn und sitzen im Gefängnis und haben das Schlimmste zu befürchten. Die Schuld dieses Unglücks lastet allein auf meinen Schultern, da ich der jüngeren Generation nicht die richtigen Verhaltens-Grundsätze vermitteln konnte. Nun verbeuge ich mich und bitte den Allmächtigen Himmel, uns zu schützen. Möge denen im Gefängnis ihr Kummer zur Freude werden, mögen die Kränklichen wieder ihre Gesundheit erlangen. Möge ich für alles sühnen und die Schuld der Familie auf meinen Schultern tragen! Und möge den Söhnen und Enkeln vergeben werden! Sei gnädig mit mir, allmächtiger Himmel, und erhöre mein gläubiges Flehen. Schenke mir einen frühen Tod, daß ich für die Sünden meiner Kinder und Enkelkinder büßen kann!“ Als dieses Gebet beendet war, brach die Herzoginmutter zusammen und begann so kläglich zu schluchzen, daß sie nur noch keuchen konnte. Yüan-yang und Hu-po trösteten sie, halfen ihr auf die Beine und begleiteten sie zurück ins Haus. Die Dame Wang kam kurz danach mit Bau-yü und Bau-tschai, um ihren abendlichen Besuch abzustatten. Der bedauerliche Zustand der Herzoginmutter rührte sie sehr, und alle drei weinten laut. Bau-tschai hatte ihren eigenen Grund zum Kummer. Die Zukunft ihres Bruders war ungewiß. Keiner wußte, ob sein Urteil gemildert oder er freigelassen würde. Und obwohl Djia Dschëng und die Dame Wang nicht direkt von den derzeitigen Ereignissen betroffen waren, konnte Bau-tschai selbst sehen, daß die Familie Djia um sie herum dezimiert wurde. Während ihr Ehemann sich so blöde und hilflos wie immer benahm. Als sie über ihre eigene Notlage nachdachte, war ihr Schluchzen sogar noch anrührender als das der Herzoginmutter und der Dame Wang. Bau-yü sah, daß Bau-tschai so verzweifelt war und wurde auch sehr traurig. „Großmutter ist in ihrem Alter mit Sorgen überhäuft, Mutter und Vater haben auch nichts als Kummer. Meine Schwestern und Kusinen sind fort, zerstreut wie Wolken von den vier Winden, und jeder Tag macht mich noch einsamer, mit nichts, was mich noch hält, außer den Erinnerungen an eine glückliche Vergangenheit, an die goldenen Tage der Poesietreffen im Garten. Seit Kusine Dai-yüs Tod kann ich nichts tun, um meine Lethargie und Depression loszuwerden, und ich muß mich zusammenreißen, nicht ständig zu weinen, um Bau-tschai nicht zu bekümmern, die selber um ihren Bruder und ihre Mutter trauert und nur sehr selten ein Lächeln auf ihrem Gesicht sehen läßt.“ Bau-tschais untröstliches Weinen traf ihn so sehr, daß er selber laut hoffnungslos zu weinen begann, was wiederum Yüan-yang, Tsai-yün, Ying-örl und Hsi-jën traurig stimmte, und bald weinte jeder von ihnen bitterlich aus eigenen Beweggründen. Zuletzt ging die Welle dieses hinderlichen Kummers bis zu den anderen Mägden über, und es war niemand mehr übrig, der selber hätte trösten können. Ein Chor des Jammers erfüllte den Raum und erreichte die Ohren der Dienstmädchen in der Nachtschicht, welche dies umgehend Djia Dschëng berichteten. Djia Dschëng grübelte immer noch in seinem Arbeitszimmer, was inzwischen zur Gewohnheit geworden war, als die Neuigkeiten ihn erreichten. Er sprang alarmiert auf und eilte zu den Gemächern der Herzoginmutter. Auf seinem Weg hörte er den Klang weinender Stimmen in der Ferne und fürchtete das Schlimmste für die alte Dame. Als er eilig die Gemächer betrat, war er tödlich besorgt. Er fand sie zu seiner großen Erleichterung schluchzend, aber lebendig. Er wandte sich an die versammelte Familie und hielt ihnen vor: „Die Herzoginmutter ist traurig. In einem solchen Moment solltet ihr die gnädige Frau Djia besser trösten und mit eurem kollektiven Gejammer nicht alles noch schlimmer machen.“ Als alle die Stimme von Djia Dschëng hörten, herrschte plötzlich Stille, alle starrten sich verblüfft an. Djia Dschëng sagte der Herzoginmutter ein paar Worte, dann sprach er zu den anderen. ‚Wir kamen her, um die gnädige Frau aufzuheitern,‘ dachten sie bei sich, ‚wir wollten sie trösten. Wie konnten wir uns nur so vergessen und damit alles nur noch schlimmer machen?‘ Sie waren immer noch in einem Zustand der Verwirrung, als eine altes Dienstmädchen mit zwei Frauen aus dem Schï-Haushalt eintraf. Nachdem sie vor der Herzoginmutter geknickst und alle Anwesenden gegrüßt hatten, überbrachten sie ihre Nachricht: „Unser hochedler Herr, die hochedle Herrin, die kaiserliche Konkubine, und Fräulein Schï haben uns mit einer Nachricht geschickt: Sie haben von Euren Neuigkeiten gehört und möchten Euch versichern, daß dies keine schlimme Sache sei. Sie befürchteten, daß Herr Dschëng und die Herzoginmutter sich grundlos Sorgen machten und baten uns, nachdrücklich zu sagen, daß Herr Dschëng sich beruhigen solle. Er selbst sei nicht in Gefahr. Fräulein Schï wäre selbst gekommen, doch wird sie in einigen Tagen heiraten.“ Die Herzoginmutter fühlte sich etwas unbeholfen, den Dienstmädchen ihre Dankbarkeit auszudrücken. „Wenn ihr zurückkehrt“, sagte sie, „überbringt Eurem Herrn und Eurer Herrin meine Hochachtung. Was unserer Familie widerfuhr, war vom Schicksal so bestimmt. An einem anderen Tag werde ich den Hochedlen persönlich für ihre Anteilnahme danken. Und für Hsiang-yüns Hochzeit bin ich sicher, daß sie sich einen guten jungen Ehemann gewählt hat. Ich wäre sehr froh, etwas von seiner Familie zu hören.“ – „Seine Familie ist nicht besonders wohlhabend“, antworteten die Frauen. „Doch er ist ein angenehmer, junger Mann und hat eine freundliche Natur. Wir haben ihn einige Male gesehen, und er ähnelt äußerlich sehr eurem Herrn Bau-yü. Er hat auch ein besonderes literarisches Talent.“ Der Herzoginmutter gefiel diese Beschreibung sehr, und sie sagte erfreut. „Wir sind ja alle aus dem Süden. Auch wenn wir hier lange leben, haben ihre und unsere Familie stets die alten südlichen Heiratssitten aufrecht erhalten, und deswegen haben wir den Bräutigam bis zum heutigen Tage nicht zu Gesicht bekommen. Gerade eben dachte ich noch an meine eigene Familie, besonders an. Sie war mir immer die Liebste. Als kleines Mädchen hatte sie immer mehr als zweihundert Tage im Jahr bei mir verbracht. Ich hatte mir vorgenommen, ihr selbst einen angenehmen Ehemann zu suchen, wenn sie erwachsen würde, doch da ihr Onkel nicht zu Hause war, konnte ich kaum die Initiative ergreifen. Nun, da das Glück sie begünstigt und sie eine gute Partie gefunden hat, bin ich ja beruhigt. Ich weiß, daß sie noch in diesem Monat heiraten wird, und ich hätte an dem Empfang so gern ein Glas Wein mitgetrunken. Leider hat es bei uns Verwicklungen gegeben und mein Herz ist wie ein kochender Topf, wie könnte ich in diesem Zustand zur Hochzeit gehen? Bitte überbringt ihnen bei Eurer Rückkehr meine Hochachtung und sagt, daß wir alle ihnen das Beste wünschen. Und sagt Fräulein Schï, sie soll sich meinetwegen nicht sorgen. Ich bin jetzt über achtzig und wenn ich sterbe, habe ich keinen Grund, mich zu beklagen. Ich konnte meinen Segen genug auskosten. Mein einziges Gebet ist, daß sie und ihr Mann glücklich miteinander leben und ein hohes Alter erreichen. Dann kann ich zufrieden sterben.“ Während sie sprach, kamen der Herzoginmutter wieder die Tränen. Eines der Dienstmädchen der Familie Schï sagte: „Bitte macht euch nicht selbst unglücklich, gnädige Frau Djia. Wenn Fräulein Schï erst verheiratet ist und ihren Neunten Tag gefeiert hat, bin ich sicher, werden sie und ihr Mann herkommen, um bei Euch vorbeizuschauen. So können Sie ihn selbst kennenlernen, und das wird Euch erfreuen.“ Die Herzoginmutter nickte. Die Frauen gingen. Bau-yü schien die einzige Person zu sein, die von den Neuigkeiten über Hsiang-yüns bevorstehende Hochzeit betroffen war. Er schaute etwas verwirrt und dachte bei sich: „Warum müssen die Mädchen nur unmittelbar, sobald sie erwachsen sind, verheiratet werden? Einmal verheiratet, haben sie kaum Freiheiten mehr. Sogar die liebe Hsiang-yün muß dem Willen ihres Onkels gehorchen. Wenn wir sie bald wieder treffen, wird es wieder das Gleiche sein. Sie wird einfach nur distanziert zu mir sein. Wozu soll ich denn noch leben, wenn ich für immer so gemieden werde?“ Er hätte beinahe wieder geweint. Doch seiner Großmutter zuliebe bemühte er sich, nicht zu weinen, und stattdessen brütete er im Stillen. Djia Dschëng war immer noch besorgt um die Gesundheit der Herzoginmutter und kam gerade vorbei, um zu sehen, wie es ihr ging. Er stellte eine leichte Verbesserung fest und ging wieder hinaus. Er bestellte den Verwalter Lai Da zu sich, trug diesem auf, die vollständigen Haushaltsbücher mit allen Hausangestellten in verantwortlichen Stellungen zu bringen. Er ging das Register Eintrag für Eintrag durch. Abgesehen von Djia Schës Dienern, die verhaftet worden waren, waren dort mehr als dreißig Familien in dem Register mit insgesamt zweihundertzwöf männlichen und weiblichen Angestellten aufgeführt. Djia Dschëng schickte nach einundzwanzig männlichen Dienern, die zur Zeit im Haus angestellt waren und ging mit ihnen sämtliche Einnahmen und Ausgaben der letzten Jahre in verschiedenen Bereichen durch. Der Hauptverwalter zeigte das Kontenbuch zur näheren Betrachtung, und Djia Dschëng konnte auf einen Blick sehen, daß nichts im Gleichgewicht war. Die Ausgaben überstiegen die Einnahmen um einiges und zusätzliche Ausgaben fielen über mehrere Jahre in Zusammenhang mit der kaiserlichen Nebenfrau an. Weiterhin wurden Einträge über unregelmäßige Anleihen außerhalb gefunden. Als er die Renten des Familienvermögens in den östlichen Provinzen betrachtete, konnte er sehen, daß das Einkommen in den letzten Jahren auf weniger als die Hälfte als noch zu Großvaters Zeiten gesunken war, während die Familienausgaben um das Zehnfache gestiegen waren. Diese offensichtliche Mißwirtschaft war ein großer Schock für ihn und er stampfte verärgert mit dem Fuß: „Das ist ungeheuerlich! Ich dachte, Liän sei in der Lage, mit so etwas zurecht zu kommen. Und jetzt sehe ich, daß wir uns in den Ruin gewirtschaftet haben, nur um eine leere Fassade aufrecht zu erhalten. Wir haben weit über unsere Verhältnisse gelebt. Diese Sorglosigkeit mußte ins Verderben führen. Und jetzt ist es zu spät, um mit dem Sparen anzufangen.“ Er ging mit den Händen hinter dem Rücken auf und ab und fand keinen Ausweg aus diesem tiefen Familienelend. Seine Diener wußten, daß ihr Herr nicht der Mann für Haushaltsbücher war und jedes Bemühen seinerseits nichts bringen würde. „Es bringt nichts, sich unnötig zu sorgen, Herr“, rieten sie ihm, „es ist mit jedem Haushalt das Gleiche, sogar bei den Prinzen aus dem Reich! Wenn Sie ihre Konten sehen könnten, würden Sie sehen, daß jene ebenso wenig mit ihrem Vermögen haushalten können. Sie bewahren nur den Anschein und wursteln den ganzen Tag herum so gut, wie sie können. Bedenkt nur, daß ihr Euch glücklich schätzen solltet. Der Kaiser war so freundlich und gestattete Ihnen, Euer Familieneigentum zu bewahren. Doch selbst wenn alles konfisziert worden wäre, so würdet Ihr doch immer noch auf die eine oder andere Art zurechtkommen!“ „Was redet ihr für einen Unsinn“, rief Djia Dschëng wütend, „ihr Diener seid wertlose Räuber, selbst der letzte von euch! Als es eurem Herrn gut ging, habt ihr alles wie verrückt ausgegeben. Und wenn nichts mehr übrig ist, flieht wer fliehen kann. Was bedeutet es euch, ob wir leben oder sterben? Ihr sagt, wir können glücklich sein, daß nicht alles konfisziert wurde, doch was wißt ihr eigentlich davon? Erkennt ihr nicht, daß so, wie es mit unserem Ruf aussieht, es schwierig sein wird, dem Konkurs zu entgehen? Und wenn ihr euch so benehmt, als wäret ihr reich, so redet, als wäret ihr wichtig, aber Leute von vorne bis hinten anschwindelt, dann haben wir keine Chance. Wenn Unheil kommt, seid ihr froh, daß wir die Folgen auf uns nehmen. Ich bin darüber informiert, daß einer von euch, ein Diener mit dem Namen Bau Örl, die Gerüchte verbreitet hat, die meinen Bruder und Herrn Dschën beschuldigt haben. Warum ist sein Name nicht in dem Register aufgeführt?“ – „Er steht nicht offiziell in unseren Büchern, Herr“, lautete die Antwort, „er gehörte eigentlich zum Ning-guo Register. Dann fiel sein Blick auf Herrn Liän als eine vertrauenswürdige Person, und er und seine Frau wurden von Herrn Liän aufgenommen. Seine Frau starb, und danach ging er in das Ning-guo-Anwesen zurück. Einmal, als Sie in der Behörde so beschäftigt waren, Herr, waren die Herzoginmutter, die anderen Damen und die anderen jungen Herren zum Trauern im Mausoleum, da kam Herr Dschën herüber, um auf dieser Seite alles zu untersuchen und nahm Bau Örl mit sich. Bau Örl ging danach mit ihm wieder zurück ins Ning-guo-Anwesen. Es ist viele Jahre her, daß Sie sich mit solchen Angelegenheiten beschäftigt haben, Herr, und es überrascht kaum, daß Sie von diesen Dingen nichts wissen. Wahrscheinlich denken Sie, sein Name sei der Einzige, der nicht im Register steht. Tatsächlich hat jeder Mann seine verschiedenen Angehörigen – sogar Diener haben ihre eigenen Diener!“ – „Unerhört!“ protestierte Djia Dschëng. Djia Dschëng verstand, daß er sowieso nicht in kurzer Zeit alles herausfinden könnte, und er entließ seine Diener. Er hatte sich fest vorgenommen, erst abzuwarten, was bei der Untersuchung von Djia Schë und Vetter Dschën herauskam, und dann erst zu entscheiden, was zu tun war. Einen Tag später saß er in seinem Studierzimmer und rechnete im Haushaltsbuch, als ein Diener herbeieilte, um ihn zu informieren, daß seine Präsenz am Hof verlangt würde. Djia Dschëng brach auf der Stelle voller Unruhe auf. Um herauszufinden, ob das Urteil für ihn günstig oder eher schlecht war, muß man das nächste Kapitel lesen.