Hongloumeng/de/Chapter 104

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Kapitel 104

醉金刚小鳅生大浪 / 痴公子馀痛触前情

rsucht. Er ist mit Dschou Juee verwandt und arbeitet für die Djias.“ – „Was soll denn schon ein Diener ausrichten“, beklagte sich Ni Ers Familie, „wenn ein respektables Familienmitglied wie Sie nichts für uns tun können?“ Djia Yün war dies sehr peinlich. „Was ihr nicht zu erkennen scheint“, protestierte er entrüstet, „ist, daß die Diener meist größeren Einfluß haben als ihre Herren!“ Ni Ers Frau und Tochter sahen, daß sie nur ihre Zeit mit ihm verschwendeten. „Wir sind Ihnen zu großem Dank verpflichtet für all die Mühe, die wir ihnen bereitet haben, Herr Yün“, murrten sie sarkastisch, „wenn Vater frei ist, wird er sich gewiß noch selbst bedanken.“ Sie gingen ihrer Wege. Zuletzt fanden sie jemand anderen, der ihnen bei Ni Ers Befreiung helfen konnte; der dann ordnungsgemäß freigesprochen und entlassen wurde und während seines Gefängnisaufenthaltes nur ein paar Schläge mit der Rute zu erleiden hatte. Bei seiner Rückkehr an den familiären Herd gaben seine Frauen ihm zu verstehen, daß es den Djias nicht gelungen war, zu seinen Gunsten einzugreifen. Ni Er hatte bereits seine erste Flasche angebrochen und verär­gert sein Vorhaben angekündigt, Djia Yün aufzusuchen und ihm einen Denkzettel zu verpassen: „Lausiger Bastard! Undankbares, feiges Aas! Als er leere Taschen hatte und eine Arbeit brauchte, wer war es, der ihm eine helfende Hand reichte? Direkt beim ersten Mal. Doch wenn ich selber in Schwierigkeiten bin, will er nichts davon hören, oder? Absolut großartig nenne ich das! Ich sag’ dir, wenn ich es möchte, dann pack ich mir diese Djias und steck ihre Nasen da hinein, wo sie hingehören!“ Die Frauen versuchten ängstlich, weitere Drohungen zu verhindern: „Schon wieder betrunken, Vater! Du bist nicht bei Sinnen! Die Flasche wurde dir vor ein paar Tagen schon zum Verhängnis, und du hast sie gut versteckt. Und jetzt sieh dich an! Schon wieder, noch bevor deine Beulen heilen kön­nen.“ „Was, diese Typen, die mich geschlagen haben?“, prahlte Ni Er. „Ich befürchte, die werden daraus keinen Vorteil für sich gewinnen können. Ich habe mich im Gefängnis mit ein paar Typen angefreundet, und ich habe das eine oder andere über die Djias erfahren. Laut denen gibt es in der Stadt und außerhalb der Provinz viele, die Djia heißen. Vor ein paar Tagen waren es viele Djia-Familienmitglieder, die im Gefängnis saßen. Ich war erschrocken, das zu hören. Ich meine, ich wußte, die jüngeren Djias und ihre Diener waren ein schlimmer Haufen, doch ich dachte, die Älteren wären korrekt. Wie sind die in solchen Ärger geraten? Ich habe mich ein bißchen umgehört. Am Ende stellte sich heraus, daß die Djias, über die sie sprachen, alle dieselbe Familie waren, wie die Djias hier. Die Djias sollen erst einmal im Gefängnis über ihre Vergehen Auskunft geben, erst dann bin ich beruhigt. Dieser kleine Yün ist ein undankbarer Bettler, das ist er! Meine Kollegen und ich können von dem ganzen Familientheater erzählen, von den Betrügereien und den Schikanen, von dem Wucherzins und dem Weiberfang... Oh, wenn der Herr das hört, wird es ein Riesenskandal! Dann werden sie wissen, wer Ni Er ist!“ – „Geh schlafen, du betrunkener, alter Bock!“ schrie Ni Ers Frau. „Wessen Weib fangen, um Himmels willen? Noch nie habe ich etwas so Lächerliches gehört!“ „Was weißt du schon, wenn du den ganzen Tag zu Hause hockst?“, erwiderte Ni Er. „Vor zwei Jahren, als ich in einer Spielhalle war, habe ich einen Typen namens Dschang getroffen. Der erzählte mir, wie seine Frau etwas mit einem Herrn Djia hatte. Wir hatten noch darüber diskutiert. Ich habe versucht, ihn zu überreden, daß er das Ganze fallen ließ. Ich weiß nicht, wo er jetzt ist, seit diesen zwei oder drei Jahren hab ich ihn nicht mehr gesehen. Wenn ich das nächste Mal mit diesem Dschang zusammenstoße, weiß ich, was ich ihm sagen werde. Röste diesen kleinen Yün bei lebendigem Leibe! Laß ihn auf Knien kriechen! Ich hab jetzt meine Leine.“ Ni Er brach plötzlich in seinem Bett zusammen, murmelte unzusam­men­hän­gend zu sich selbst und war bald eingeschlafen. Seine Frau und Tochter deuteten seine Drohungen als das Toben eines Trunkenboldes und kümmerten sich nicht weiter drum. Früh am nächsten Morgen begab sich Ni Er wieder in die Spielhalle, wo wir ihn verlassen müssen. Wir kehren zu Djia Yü-tsun zurück: Am Morgen nach seiner Heimkehr erfrischt von dem Schlaf einer guten Nacht, erzählte er seiner Frau (die, wie erinnert werden sollte, einst im Dienst der Dschën Familie in Sudschou stand) von seiner Begegnung mit Dschën Schï-yin. Sie machte ihm seine Herzlosigkeit zum Vorwurf: „Warum bist du nicht zurück gegangen, um nach ihm zu suchen? Wenn er lebendig verbrannt ist, werden wir für immer schuldig sein, ihm etwas angetan zu haben!“ Sie begann zu weinen, und Djia Yü-tsun versuchte, sich zu rechtferti­gen: „Was hätte ich denn machen können? Ein Mensch wie er ist ein Erleuchteter. Er wollte nicht mit uns zusammen sein.“ In diesem Moment wurde Yü-tsun eine Nachricht überbracht: „Der Läufer, den der Herr gestern am Tempel verweilen ließ, um das Feuer zu überprüfen, möchte nun seinen Bericht abgeben.“ Yü-tsun ging langsam heraus, um den Läufer zu empfangen, der ein Knie auf den Boden absetzte und sagte: „Wie sie es mir aufgetragen hatten, ging ich zurück, Herr. Ich trotzte den Flammen und ging zum Tempel, um nach dem Dauisten zu sehen. Seine Hütte war vollkommen zerstört, der Platz, auf dem er saß, war verbrannt. Ich dachte, er muß verbrannt sein. Sogar die Mauer dahinter war zusammengebrochen, und es gab keine Spur von dem alten Mann. Er muß lebendig verbannt sein... Nur seine Gebetsmatte war übrig und seine Trinkflasche; irgendwie schienen die noch intakt zu sein. Ich suchte auf dem ganzen Platz nach menschlichen Überresten, doch ich fand nicht einen Knochen. Ich hatte Angst, daß Ihr mir nicht glaubt, und wollte deshalb die Matte und die Flasche als Beweis mitbringen. Doch als ich sie auflas, zerfielen sie in meiner Hand zu Asche.“ Yü-tsun entnahm diesem Bericht, daß Dschën Schï-yins Verschwinden aus der Feuerszenerie kein gewöhnlicher Tod war, sondern eher ein rätselhafter Prozeß einer Himmelfahrt. Er schickte den Läufer wieder fort und ging in seine privaten Gemächer, wo er gegenüber seiner Frau nichts von Schï-yins feuriger Umwandluung erwähnte, da er dachte, sie würde es nicht verstehen und deshalb betrübt sein; statt dessen sagte er ihr, daß von dem alten Mann keine Spur gefunden wurde und er wahrscheinlich entkommen konnte. Seine privaten Gemächer verlassend begab sich Yü-tsun in sein Arbeitszimmer und saß dort nachdenklich über die Worte, die Dschën Schï-yin während ihrer Begegnung gesprochen hatte. Als einer seiner Angestellten eintrat, um eine Kaiserliche Aufforderung zum Palast zu überbringen, damit bestimmte Unterlagen geprüft werden könnten, eilte Yü-tsun mit seiner Sänfte zum Palast. Als er ankam, hörte er jemanden zufällig sagen: „Der Kornintendant der Provinz Djianghsi, Djia Dschëng, wurde angeklagt und bittet vor Gericht um Nachsicht!“ Yü-tsun schob sich in das Kabinettsbüro und grüßte die verschiedenen hochrangigen Minister, die dort versammelt waren. Er erfüllte zuerst seine Pflichten und betrachtete die Unterlagen (die das Mißvergnügen Seiner Majestät und der Behörde der Küstenverteidigung ausdrückten) und verließ dann sofort das Kabinettsbüro, um Djia Dschëng zu suchen und sein Mitleid bezüglich der Anklage auszudrücken, sagte ihm aber auch, daß er erleichtert sei, daß die Anklage nicht zu streng war und fragte, ob seine Reise zur Hauptstadt angenehm war. Djia Dschëng antwortete mit einem ausführlichen Bericht über sein Unglück. „Haben die Djias dein Gnadengesuch bereits dem Thron übermittelt?“, fragte Yü-tsun. „Das haben sie“, antwortete Djia Dschëng, „ich erwarte das Urteil, wenn seine Majestät vom Mittagessen zurückkehren.“ Während sie sprachen, wurde Djia Dschëng zu einer Kaiserlichen Audienz berufen und eilte dorthin. Diese älteren Minister, die bekannt mit ihm waren, warteten ängstlich in einem der Vorzimmer; und als er nach einer langen Audienz endlich herauskam, war sein Gesicht schweißüberströmt, und sie drängten alle vor, um ihn zu begrüßen. „Und?“, fragten sie. „Wie ist es gelaufen?“ – „Ich hab es vor Angst nicht mehr ausgehalten“ keuchte Djia Dschëng, seine Zunge hing ihm dabei aus dem Mund. „Ich muß Ihnen allen danken, Ihr edlen Herren, für Ihre Betroffenheit. Ich bin erleichtert, Ihnen berichten zu können, daß ich weitgehend unversehrt aus der Sache herausgekommen bin.“ – „Worüber hat seine Majestät Sie denn befragt?“ – „Seine erste Frage betraf das Schmuggeln von Feuerwaffen in der Yunnan Provinz. Die intensive Untersuchung in dem Fall identifizierte ein Mitglied des Djia-Hua Haushaltes als Anführer, den früheren Großpräzeptoren. Seine Majestät dachte, er erinnere sich an den Namen als den von meines Vaters Vetter und fragte mich, ob es sich um die selbe Person handle. Ich verbeugte mich sofort und erinnerte ihn daran, daß Djia Daihua der Vetter meines Vaters war. Seine Majestät lachte. Dann fragte er mich weiter, ob ich ein anderes Familienmitglied mit dem Namen Djia Hua hätte, das einmal Militärminister war, doch dann zurückgesetzt und als Major eingestellt wurde.“ Djia Yü-tsun war auch dabei. Sein eigentlich persönlicher Name war in der Tat Hua, Yü-tsun war eher ein Spitzname und er fuhr beinahe aus der Haut, als er dies hörte. „Und wie haben sie ihm geantwortet, Herr?“, fragte er Djia Dschëng. „Ich antwortete ganz überlegt, daß der frühere Großpräzeptor Djia Hua aus Yünnan stammte, wohingegen der Djia, der zur Zeit Major der hauptstädischen Präfektur war, aus Hudschou aus der Provinz Dschedjiang war. Die zweite Frage Seiner Majestät betraf Djia Fan, der zur Zeit vom Zensor aus Sudschou angeklagt wird. Er fragte mich, ob dieser Mann auch zu meiner Familie gehöre. Ich verbeugte mich und bejahte dies. Eine Wolke schien das Gemüt Seiner Majestät zu verfinstern und er sagte: ‚Das ist eine unehrenhafte Sache für einen Mann, sein Hauspersonal herumlaufen und seine Hände an die Frauen unschuldiger Bürger legen zu lassen!‘ Ich wagte nicht, ein Wort zu sprechen. ‚In welchem Verhältnis stehen sie zu Djia Fan?‘ – ‚In einem weitläufigen, Eure Majestät,‘ antwortete ich eilig. Seine Majestät gab einen Ton der Mißbilligung von sich und befahl mir zu gehen. Eine insgesamt sehr Besorgnis erregende Erfahrung, da werdet ihr mir gewiß zustimmen!“ – „Mit Sicherheit ein erstaunlicher Zufall, daß diese zwei anderen Fälle sich zu der gleichen Zeit wie der Eurige ereigneten“, folgerten die anderen. „Die Fälle an sich sind nicht so bemerkenswert“, antwortete Djia Dschëng, „doch die Tatsache, daß beide betroffenen Herren zum Djia Clan gehören, kann nichts Gutes verheißen. Ich glaube, es war nicht anders zu erwarten: Unsere Familie ist schließlich sehr groß und hat sich durch die Jahrhunderte über das ganze Reich verbreitet. Es gibt im Moment keinen Skandal, in den unsere Familie nicht ver­wickelt ist, doch ich fürchte, daß sich nach diesem Mal seine Majestät den Namen Djia besonders eingeprägt hat. Ich sehe keine Aussicht – muß ich leider bemerken.“ – „Kommen sie, es gibt nichts zu befürchten“, versicherten ihm die Anderen. „Bedenken sie, die Wahrheit siegt immer.“ – „Ich sollte mich besser ganz aus der Öffentlichkeit zurückziehen“, sagte Djia Dschëng. „Doch nein, ich kann kaum auf mein hohes Alter plädieren und die vererbten Familientitel sind verpflichtend, daß kein Zweig der Familie verzichten darf.“ „Jetzt, da sie in der Arbeitsbehörde wieder eingestellt sind, Herr“, warf Djia Yü-tsun ein, „denke ich, werden sie ein Leben führen, das mit weniger Schwierigkeiten erfüllt ist.“ „Stellungen in der Stadt sind in der Regel weniger stressig“, antwortete Djia Dschëng, „doch da ich nun zwei Mal in der Provinz gedient habe, heißt das nicht, daß mir keine Unannehmlichkeiten mehr bevorstehen.“ „Wir alle halten ihre Rechtschaffenheit in höchstem Ansehen“, versicherten die Anderen ihm wieder. „Und der Charakter ihres Bruders ist ohne Tadel. Allerdings sollten sie mit ihrem Neffen und der jüngeren Generation etwas strenger sein.“ – „Das stimmt, ich habe viel zu wenig Zeit zu Hause verbracht“, sagte Djia Dschëng, „und ich habe nicht genügend Acht auf das Verhalten meines Neffen gegeben. Das stimmt mich alles sehr unbehaglich. Seit Sie alle dieses Thema erwähnt haben und seit ich weiß, wie gut Sie meiner Familie geneigt sind, wäre ich Ihnen verpflichtet, wenn Sie noch ein wenig präziser wären. Sagen Sie mir zum Beispiel, haben Sie von irgendwelchen Unregelmäßigkeiten in der Familie meines Neffen Dschën im Ning-guo-Anwesen gehört?“ – „Wir haben nur gehört“, antworteten sie, „daß er irgendwie mit einigen Vizepräsidenten in Konflikt geraten ist, nicht zu vergessen die Eunuchen-Kämmerer im Palast. Es ist nichts, worüber man sich zu große Sorgen machen müßte, doch Sie sollten ihn vielleicht warnen, in Zukunft etwas vorsichtiger zu sein.“ Als die Konversation vorüber war, salutierten die Minister vor Djia Dschëng und verabschiedeten sich. Djia Dschëng ging nach Hause und wurde von einer Menge junger, männlicher Djias empfangen. Er erkundigte sich zuerst nach der Herzoginmutter, und dann begrüßten ihn alle, setzten ein Knie auf den Boden und folgten ihm in das Gebäude. Die Dame Wang und die anderen Damen hatten sich zu einer förmlichen Begrüßung in der Halle des Blühenden Glücks versammelt, worauf Djia Dschëng die Herzoginmutter in ihren privaten Gemächern begrüßte. Er berichtete ihr alle Neuigkeiten und gab ihr, als sie ihn nach Tan-tschun fragte, einen ausführlichen Bericht von ihrer Hochzeit. „Ich mußte eine kurze Nachricht hinterlassen und konnte das Doppelneun-Fest nicht mit ihr feiern. Doch obwohl ich sie dann nicht mehr selbst gesehen hatte, kamen mich Familienmitglieder ihres Mannes besuchen und erzählten mir, wie gut es ihr ginge. Ihre Schwiegereltern senden Euch ihre Empfehlungen. Sie sagten, daß sie diesen Winter oder nächsten Frühling vielleicht in die Stadt ziehen würden, was gewiß sehr begrüßenswert ist. Doch seit diesen Unruhen an der Küste, bezweifle ich sehr, daß sie so bald kommen können.“ Die Herzoginmutter war zuerst sehr bestürzt über die Nachricht von Djia Dschëngs Zurücksetzung und Rückkehr in die Stadt: Unabhängig davon würde das heißen, daß Tan-tschun, die weit entfernt von zu Hause lebte, noch mehr von der Familie isoliert wäre. Doch als Djia Dschëng von dem fabelhaften Ergebnis seiner Audienz mit dem Kaiser berichtete und sie einen Moment nicht über Tan-tschun nachdachte, wurde sie um einiges heiterer und ein Lächeln zeichnete sich auf ihrem Gesicht ab, als sie ihm gestattete, zu gehen. Als nächstes ging Djia Dschëng zu seinem Bruder, dann zu den anderen Männern und man stimmte überein, daß sie am nächsten Morgen zuerst am Familienschrein beten würden. Nachdem er diese Pflichten erfüllt hatte, zog sich Djia Dschëng in seine privaten Gemächer zurück, wo er mit den Damen sprach. Die Dame Wang konnte ihre Tränen kaum zurückhalten. Tsai-yün und ihre anderen Mägde, die in der Nähe standen, zogen diskret an ihrem Kleid, und sie faßte sich wieder und lenkte das Gespräch zu einem fröhlicheren Thema und wenig später ging sie zu Bett. Früh am Morgen wurde die Zeremonie am Schrein der Ahnen vollzo­gen, in Gegenwart aller jungen, männlichen Mitglieder der Familie, und an­schließend empfing Djia Dschëng Djia Dschën und Djia Liän in der Galerie an der Seite des Schreins, wo er nach einem Haushaltsbericht verlangte, welchen Vetter Dschën ihm lieferte, aber in einer sehr ausgewählten Form. „Als ich gerade zu Hause ankam“, berichtete Djia Dschëng, „... ich will dich aber jetzt nicht zu einer näheren Untersuchung auffordern, Dschën, doch laß mich folgendes sagen: Während ich fort war, habe ich gehört, daß du sehr nachlässig in der Bewahrung der Norm bist. Du mußt größte Sorgfalt und Vorsicht bewahren. Du bist älter als die anderen Mitglieder deiner Generation und solltest den Jüngeren als Vorbild dienen. Die Jüngeren sollen die Leute draußen nicht angreifen. Und das gilt auch für dich, Liän. Das ist keine gewöhnliche Heimkehrpredigt. Ich habe meine Gründe, dich zu warnen. Ich habe einiges gehört. Ich wiederhole: Ihr müßt in Zukunft beide sehr vorsichtig sein.“ Vetter Dschën und Djia Liän wurden beide ganz rot im Gesicht und alles, was sie herausbekamen, war ein leises „Ja, Herr.“ Djia Dschëng verfolgte das Thema nicht weiter, sondern ging weiter zu seinen westlichen Gemächern, wo all seine männlichen Bediensteten vor ihm einen Kotau machten; darauf begab er sich in die inneren Gemächer, um von den Mägden und Dienstmädchen empfangen zu werden. Doch diese Ereignisse sollen hier nun nicht zu ausführlich beschrieben werden. Unsere Geschichte wendet sich nun wieder dem Ereignis des Vortags und damit Bau-yü zu, der im Geheimen traurig war zu hören, wie seine Mutter seinem Vater antwortete, der nach Dai-yü fragte, daß diese „krank“ gewesen sei. Bau-yü wartete, bis Djia Dschëng ihm schließlich aus der Familienversammlung entließ. Er kehrte in seine Gemächer zurück und weinte fast den ganzen Weg dahin. Dort fand er Bau-tschai und Hsi-jën miteinander redend und ging sofort in ein äußeres Zimmer, um für sich und mit seinem Kummer allein zu sein. Bau-tschai wies Hsi-jën an, ihm etwas Tee zu bringen und entschied sich dann, selbst zu ihm zu gehen, da sie vermutete, er sei aufgeregt wegen der bevorstehenden Konfrontation mit seinem Vater. Wenn dieser sein Versagen entdecken würde, daß er in seinen Studien keine Fortschritte gemacht hatte, würde er zweifelsfrei bestraft. Außerdem war es ihre Pflicht, ihm Trost zu spenden. Bau-yü benutzte dieses Mißverständnis zu seinem Vorteil: „Es ist schon gut. Du kannst jetzt zu Bett gehen. Ich brauche nur etwas Zeit, um meine Gedanken zu sammeln. So spät tut sich mein Gedächtnis schwer, und es wird Ärger geben, wenn ich mich vor meinem Vater wie ein Dummkopf benehme. Du gehst schlafen. Hsi-jën kann aufbleiben und mir etwas Gesellschaft leisten.“ Bau-tschai hielt es für ratsam, ihm nachzugeben und nickte zustimmend. Sobald sie weg war, ging Bau-yü hinüber zu Hsi-jën und flüsterte ihr ins Ohr: „Würdest du bitte Dsï-djüan fragen, ob sie zu mir kommt? Ich muß etwas fragen. Aber immer wenn Dsï-djüan mich sieht, macht sie ein Gesicht, als wenn sie böse auf mich wäre. Du mußt ihr sagen, wie die Dinge wirklich stehen. Vielleicht ist sie mir dann nicht mehr so böse.“ Hsi-jën entgegnete: „Ich dachte, du bräuchtest Zeit, um deine Gedanken zu sammeln. Doch jetzt schau’ dich an! Was für eine Konzentration soll das sein? Was immer du mit ihr besprechen willst, kann sicher bis morgen warten, oder?“ Bau-yü erwiderte: „Aber heute abend habe ich frei. Wer weiß, morgen oder übermorgen wird mich mein Vater vielleicht rufen, um etwas zu erledigen, und dann habe ich keinen Moment mehr für mich. Liebe Hsi-jën! Geh und sag’ es ihr, bitte!“ Sie entgegegnete: „Du weißt ganz genau, daß sie nicht kommen wird, bevor Frau Bau nach ihr schickt.“ Bau-yü sagte: „Deshalb bitte ich dich ja darum, es ihr zu erklären, nur so wird es gehen.“ Hsi-jën fragte: „Aber was soll ich ihr sagen?“ Bau-yü antwortete: „Du kennst doch mein Herz, und du kennst auch ihr Herz. Es ist alles wegen Dai-yü. Sag’ doch mal, ich bin doch nicht ihr Herzensbrecher. Man hat mich heutzutage zu einem Herzensbrecher gemacht.“ Wie er dies sagte, zeigte er zu den inneren Gemächern und sagte: „Sie ist nicht diejenige, die ich wollte. Das war alles von der Großmutter und den anderen arrangiert. Sie waren es, die die gesunde Dai-yü in den Tod getrieben haben. Sie sind schuld. Wenn ich sie doch nur einmal noch hätte sehen können, bevor sie starb, und ihr die Wahrheit hätte sagen können. Stattdessen starb sie im Glauben, ich hätte sie betrogen! Du hast selbst gehört, was Kusine Tan-tschun sagte: Mit ihrem letzten Atemzug sprach Dai-yü verbittert und verärgert über mich. Deswegen hat Dsï-djüan sich so gewaltsam gegen mich gewandt – nur aus Loyalität zu ihrer Herrin. Denkst auch du, ich sei herzlos? Denke zurück an Tjing-wëns Tod. Tjing-wën war nur eine Magd und bedeutete mir nicht so viel wie Dai-yü; trotzdem verfaßte ich für ihre Beerdigung eine Grabesode und brachte ihrem Geist ein Opfer. Es gibt keinen Grund, es länger vor dir geheim zu halten. Dai-yü hat es mit eigenen Augen gesehen. Jetzt ist sie selbst tot; und ist sie von niedrigerer Natur als Tjing-wën? Doch ihr konnte ich überhaupt kein Opfer darbringen. Würde ihr Geist dies nicht als weiteren Beweis meiner Herzlosigkeit sehen? Wäre sie dann nicht noch mehr verbittert als vorher?“ Hsi-jën antwortete: „Das verstehe ich nicht. Wenn du eine Ode schreiben oder etwas opfern willst, dann nur zu. Was haben wir damit zu tun?“ Bau-yü sagte: „Ich wollte es, seit es mir besser ging. Doch irgendwie habe ich meine ganze Inspiration verloren. Für eine andere Person hätte mir etwas weniger Inspiriertes gereicht. Doch für Dai-yü muß es das Reinste und Beste sein. Deshalb muß ich Dsï-djüan befragen. Ich möchte in ihr Herz schauen, um die Gefühle ihrer Herrin zu ergründen. Als ich noch bei klarem Verstand war, hätte ich das entschlüsseln können. Aber seit ich krank bin, kann ich nicht alles im Kopf behalten. Hattest du mir nicht gesagt, ihre Gesundheit habe sich verbessert? Warum ist ihr Tod dann so schnell eingetreten? Was sagte sie, als ich sie nicht besuchte, während es ihr noch gut ging? Und als ich dann erkrankte, sagte sie da jemals, warum sie nicht zu mir kam? Ich habe dafür gesorgt, daß ihre Sachen hierher gebracht wurden, doch Frau Bau läßt mich sie nicht anfassen. Ich verstehe nicht, warum.“ Hsi-jën erklärte: „Weil sie befürchtet, es würde dich traurig machen, warum denn sonst?“ Bau-yü erwiderte: „Das glaube ich nicht. Es muß mehr dahinter stecken. Außerdem frage ich mich, warum Dai-yü, wenn sie sich doch um mich sorgte oder mich vermißte, ihre ganzen Gedichte verbrannt hat, bevor sie starb? Sie hätte sie doch sicher für mich als Andenken aufbewahrt? Es ist sehr verwirrend. Und was ist mit der Musik, die man bei ihrem Tod hören konnte? Sie muß eine Fee geworden oder ins himmlische Reich der Unsterblichen aufgestiegen sein. Wenn das so ist, weiß ich noch nicht einmal, ob sie wirklich tot ist. Ich habe nur den Sarg gesehen – wie kann ich da sicher sein, daß sie auch darin lag?“ Hsi-jën sagte: „Also wirklich! Mit jedem Wort erzählst du immer Verworreneres! Glaubst du wirklich, daß man einen leeren Sarg dahinstellt und sie nicht starb, sondern sich nur tot stellte?“ – Bau-yü erklärte: „Nein, ich meine etwas anderes. Du weißt, wenn Menschen Unsterblichkeit erlangen, gibt es zwei Wege, über die sie der Welt entkommen können: Entweder sie gehen durch das Fleisch, in weltlicher Form, oder sie legen ihren Körper gewissermaßen ab und ihr Geist wird auf magische Weise in den Himmel befördert. Oh, Hsi-jën, hilf mir bitte, daß Dsï-djüan herkommt!“ Hsi-jën sagte: „Du mußt warten, bis ich ihr alle deine Details ausführlich erklärt habe. Wenn sie dann geneigt ist mitzukommen, schön und gut. Wenn nicht, werde ich nochmal versuchen müssen, sie zu überzeugen. Und doch selbst wenn sie sich dann überreden läßt, wird sie dir nicht alles im im einzelnen erklären wollen. Wenn du meinen Rat annimmst, dann warte zumindest bis übermorgen. Wenn Frau Bau am Morgen zur Gnädigen Herrin geht, werde ich mit Dsï-djüan sprechen. Ich werde dann so schnell wie möglich zu dir kommen, um dir zu sagen, was dabei herausgekommen ist.“ Bau-yü sagte: „Ich nehme an, du hast recht. Doch du kannst dir nicht vorstellen, wie ungeduldig ich bin.“ Da erschien plötzlich Schë-yüä: „Frau Bau-yü sagt, es ist bereits nach Mitternacht, und Sie sollten jetzt ins Bett gehen, Herr Bau-yü. Hsi-jën muß sich mit Ihnen festgeredet und die Zeit vergessen haben ...“ – „Meine Güte, so spät!“, rief Hsi-jën. „Zeit zu schlafen. Wenn es noch irgendetwas gibt, kann das sicher bis morgen warten.“ Bau-yü erhob sich unwillig, um sorgenvoll ins Schlafzimmer zu gehen und flüsterte Hsi-jën beim Vorbeigehen noch ins Ohr: „Bitte vergiß nicht, was du morgen zu tun hast!“ „Ich weiß!“, sagte Hsi-jën mit einem Lächeln. „Ihr zwei beiden wieder!“, sagte Schë-yüä. Dann zu Bau-yü: „Warum gehen sie nicht direkt zu Ihrer Frau Gemahlin und sagen ihr, daß sie bei Hsi-jën schlafen wollen? Dann habt ihr die ganze Nacht für euch. Niemand von uns wird euch dann stören.“ Bau-yü hob seine Hand: „Reden wir nicht mehr darüber!“ – „Kleines Luder!“, sagte Hsi-jën erhitzt, „immer mußt du deine Zunge beschäftigen. Paß lieber auf! Morgen werde ich dir noch die Zunge herausreißen!“ An Bau-yü gewandt fuhr sie fort: „Jetzt sieh, was du getan hast! Es ist alles deine Schuld. Bis mitten in der Nacht mit mir zu reden ...“ Sie begleitete ihn in sein Zimmer und ging dann allein zu Bett. Bau-yü konnte diese Nacht nicht schlafen und war am Morgen immer noch mit denselben Gedanken beschäftigt. Der neue Tag begann mit einer Ankündigung von draußen: „Familie und Freunde des Herrn wünschen anläßlich seiner Heimkehr, ihm zu Ehren ein Theater-Fest zu veranstalten. Der Herr hat jedoch abgelehnt, zu dieser Gelegenheit sei dies unangemessen. Stattdessen möchte er einen kleinen Umtrunk zu Hause veranstalten, zu welcher die ganze Familie und alle Freunde eingeladen sind. Der Zeitpunkt wurde auf übermorgen festgelegt. So lautet die vorläufige Ankündigung.“ Um herauszufinden, wer eingeladen war, lese man das nächste Kapitel. 105. Die Goldjacken rauben das Ning-guo-Anwesen aus Zensor Li klagt den Präfekten von Ping-an an.

Der Tag des Banketts war angebrochen. Djia Dschëng war damit beschäftigt, seine Gäste in der Halle des Blühenden Glücks zu unterhalten, als Lai Da, der Verwalter, herbeieilte, um zu berichten, daß Komissar Dschau mit einer Abteilung der Goldjacken, der Kaiserlichen Geheimpolizei draußen war: „Er sagte, er komme zu Besuch vorbei, und als ich ihn nach seiner Einladung fragte, meinte er, solche Formalitäten seien nicht notwendig, weil er so gut mit ihnen auskäme, Herr. Dann stieg er aus seiner Kutsche und kam direkt herein. Ich bitte Sie, Herr, mit den jungen Herren hinauszugehen und ihn sofort zu empfangen.“ – ‚Ich habe nie etwas mit diesem Dschau zu tun gehabt,‘ grübelte Djia Dschëng. ‚Ich frage mich, was ihn hergeführt haben mag? Und das zu einem so unangemessenen Zeitpunkt. Ich kann kaum meine Gäste verlassen, um ihn zu unterhalten; aber wenn ich ihn nicht auch hierher einlade, erscheint das unfreundlich.‘ Er mußte einen Moment darüber nachdenken, doch Djia Liän drängte ihn, sich zu beeilen: „Wenn ihr noch viel länger wartet, Onkel, werden sie vor uns eintreffen.“ Als er dies gerade gesagt hatte, trat ein Diener ein, um anzukündigen, daß Komissar Dschau das innere Tor bereits durchschritten habe und Djia Dschëng eilte auf den Hof, um ihn zu empfangen. Dschau war bereits zu sehen, lächelnd, doch ruhig, ging er hin und her. Ihm folgten fünf oder sechs seiner Helfer, einige davon kannte Djia Dschëng, andere nicht, doch obwohl Djia Dschëng sie grüßte, antwortete niemand auch nur mit einem Wort: Djia Dschëng ging ihnen hilflos hinterher und bat sie, sich zu setzen. Einige der Gäste waren mit Dschau bekannt, doch er ging erhobenen Hauptes an ihnen vorbei und ignorierte jeden außer Djia Dschëng, den er bei der Hand nahm und in ein kleines Gespräch verwickelte, dabei lächelte er unergründlich. Die Gäste witterten Ärger in der Luft, und mancher zog sich in sein privates Gemach im hinteren Bereich des Wohnsitzes zurück, manche blieben stehen, wo sie waren, allerdings steif, mit hängenden Armen, besorgt und respektvoll. Djia Dschëng gelang es, ein ängstliches Lächeln zu bewahren, und er wollte gerade eine von Dschaus Nettigkeiten erwidern, als ein nervöser Diener die Halle betrat und verlauten ließ: „Herr, der Prinz von Hsi-ping!“ Djia Dschëng eilte wieder hinaus und sah, wie der Prinz bereits den Hof betrat. Komissar Dschau ging gelassen vor Djia Dschëng, um dem Prinzen zu salutieren, und erteilte seinen eigenen Helfern Aufträge: „Ihre Königliche Hoheit ist nun angekommen; nehmt eure Männer und stellt sie am Tor vor dem Gebäude auf.“ Dschaus Helfer folgten seinem Gebot, während Djia Dschëng und die anderen Männer, erfüllt mit Vorahnungen schlimmer Ereignisse, die folgen würden, niederknieten und dem Prinzen von Hsi-ping Ehre bezeugten. Der Prinz erhob beide Hände zu Djia Dschëng und sagte mit einem Lächeln: „Ich würde Sie nicht zu dieser Zeit belästigen, wenn es dafür nicht trifftige Gründe gäbe: Ich wurde mit einem Kaiserlichen Erlaß für Ihren Bruder betraut, Herrn Schë. Doch ich sehe, wir haben Sie inmitten einer privaten Versammlung angetroffen und es wäre kaum angemessen fortzuschreiten, während Ihre Freunde und Verwandten immer noch da sind, daher würde ich sie bitten zu gehen. Nur Mitglieder des Haushaltes sollten bleiben.“ – „Das ist eine großzügige Geste Eurer Hoheit,“ warf Komissar Dschau scharf ein. „Doch der Herr kümmert sich auch sehr zuverlässig um das Ning-guo-Anwesen, und er wird sicherlich schon alle Tore verriegeln haben lassen.“ Die Gäste erfuhren, daß beide Häuser irgendwie in Schwierigkeiten verwickelt waren und wollten nur noch schnell weg. Der Prinz war davon jedoch unbeeindruckt und kündigte lächelnd an: „Verehrte Herren, Sie haben die Freiheit aufzubrechen.“ An Dschau gewandt, fuhr er fort: „Schickt einige meiner Männer, um sie hinauszuführen, und sagen Sie Ihren Beamten, daß sie alle Gäste sind und auf keinen Fall behindert oder durchsucht werden dürfen, sondern ohne Verzögerung durchgelassen werden sollen.“ Sobald sie dies hörten, lösten sich die Gäste auf wie eine Rauchwolke. Übrig blieben nur Djia Schë, Djia Dschëng und die direkte Familie, sie zitterten alle und waren blaß vor Angst. Kurz danach strömten die Schutzleute herein und stellten sich an jeder Tür auf, unterbanden dabei jegliche Bewegungsmöglichkeit von Herren und Dienern. Dschau wandte sich an den Prinzen mit giftigem Gesicht: „Wären Ihre Hoheit so freundlich, jetzt das Edikt vorzulesen, daß wir mit unserem Auftrag beginnen können?“ Die Schutzleute legten ihre Umhänge zurecht, krempelten ihre Ärmel hoch und standen dort voller Erwartung auf das Edikt. Mit großer Sorgfalt trug der Prinz die Präambel vor: „Hiermit wurde ich von ihrer Majestät angewiesen, mit Komissar Dschau Tchüän von den Goldjacken das vollständige Inventar und Eigentum von Djia Schë zu untersuchen.“ Djia Schë kauerte ausgestreckt auf dem Boden, als der Prinz die Terasse bestieg und Richtung Süden blickend begann, das gesamte Edikt vor-

Aus: Jinyuyuan 1889a. zutragen: „Vernehmet! Insofern als die betroffene Person Djia Schë sich mit einem Beamten der Provinz verschworen hat und seinen Einfluß mißbrauchte, um wehrlose Bürger zu verfolgen, hat er sich unserer Gnade unwürdig erwiesen, unsere Ahnen entehrt, und somit wird ihm seine Erbfolge aberkannt. Durch Kaiserliche Anordnung.“ – „Nehmt ihn fest!“, brüllte Dschau. „Haltet die anderen unter strenger Bewachung!“ Dies betraf die anderen Dija-Männer: Djia Dschëng, Djia Liän, Vetter Dschën, Djia Jung, Djia Tchiang, Djia Dschï und Djia Lan. Nur Bau-yü hatte es irgendwie geschafft, unter dem Vorwand einer Unpäßlichkeit oder ähnlichem, etwas früher in die Gemächer der Herzoginmutter zu fliehen, während Djia Huan bei solchen gesellschaftlichen Versammlungen eher selten in Erscheinung trat. Dschau trug seinen Helfern weiterhin auf, den jüngeren Beamten und den Schutzleuten ihre Aufträge zu geben: Sie sollten sich aufteilen, den Wohnsitz Zimmer für Zimmer durchsuchen und dabei eine ausführliche Bestandsaufnahme machen. Diese Befehle und die penible Genauigkeit, mit der sie ausgeführt wurden, hatten eine vernichtende Wirkung auf die Moral der Familie Djia, auf die Jungen wie auf die Alten. Sie blickten sich voller Schrecken gegenseitig an, als sie weggeführt wurden, während Dschaus Schutzleute und persönliche Lakaien sich in schadenfroher Erwartung die Hände rieben. „Ich verstehe“, sagte der Prinz von Hsi-ping, „daß Herr Dschëng und Herr Schë verschiedene Unternehmen führen. Da das Edikt uns nur die Vollmacht erteilt, Herrn Schës Eigentum zu beschlagnahmen, sollten die anderen Gemächer verschlossen und bewacht werden, bis ich weitere Anweisungen von ihrer Majestät erhalten habe.“ Dschau erhob sich. „Euer Hoheit, ich sollte Sie darüber informieren, daß Djia Schë und Djia Dschëng tatsächlich keine verschiedenen Unterneh­men führen. Im Gegenteil, man hat mir zu verstehen gegeben, daß die Ange­le­gen­heiten beider Zweige des Jung-guo-Anwesens von einer Person geleitet wer­den, Djia Liän, dem Sohn von Herrn Schë und Neffen von Herrn Dschëng. Es ist deshalb zwingend notwendig, beide Wohnsitze zu durchsuchen.“ Der Prinz schwieg und Dschau fuhr fort: „In diesem Fall sollte ich besser persönlich die Residenzen von Djia Schë und Djia Liän durchsuchen.“ „Das eilt nicht“, sagte der Prinz, „schickt erst eine Nachricht zu den inneren Gemächern und gebt den Damen Zeit, sich zurückzuziehen. Ein paar Minuten Verzögerung werden nicht schaden.“ Doch sogar während er sprach, teilten sich Dschaus Männer, welche bereits die Dija-Männer weggeführt hatten, in verschiedene Suchtrupps auf und begannen ihre Arbeit, jeder nahm dazu einen Dija-Diener zur Führung. „Ich will kein gewalttätiges Verhalten sehen!“, schrie der Prinz, „ich werde das Geschehen selber verfolgen.“ Er erhob sich auf eine stattliche Art und wies seine Begleiter an: „Keiner von Euch bewegt sich. Wartet hier, und wir werden gemeinsam das Inventar untersuchen.“ Auf der Stelle kehrte einer von Dschaus Männern von der Suche zurück und kniete nieder: „Eure Hoheit, nur vom Kaiser zu benutzende Gewänder und Röcke für den Palastgebrauch und viele andere verbotene Gegenstände wurden in den inneren Gemächern gefunden. Ich habe die Anordnung gegeben, daß diese nicht von der Stelle bewegt werden dürfen. Ich bitte um Anweisung von Eurer Hoheit.“ Dann kehrte ein anderer Suchtrupp zurück und verkündete: „Es wurden zwei Kisten mit Eigentumsurkunden im östlichen Seitengelände gefunden und eine davon enthielt Schuldscheine – allesamt unrechtmäßig und höchst interessant!“ – „Wucherer!“ zischte Dschau. „Sie verdienen, alles zu verlieren. Setzt Euch, Eure Hoheit und erlaubt mir, die sofortige Beschlagnahme des gesamten Besitzes des Hauses zu befehlen. Wir können beim Thron die nötigen Genehmigungen immer noch später erbitten.“ In diesem Augenblick kam ein Helfertrupp, um mit dem Prinzen zu sprechen: „Die Soldaten am Tor teilten uns mit, daß der Prinz von Bee-djing eingetroffen ist, als spezieller Abgesandter Seiner Majestät und einen zweiten Erlaß vortragen wird. Man verlangt, daß Sie herauskommen, um ihn zu empfangen.“ Dschau vernahm dies und freute sich innerlich. ‚Ich hatte ja so ein Pech‘, dachte er bei sich, ‚so einen schlecht gelaunten Prinzen getroffen zu haben! Jetzt wird er ersetzt, und ich sollte nun zu meinem Geschäft kommen können!‘ Er ging hinaus auf den vorderen Hof, um den Prinzen von Bee-djing, bereits Richtung Süden stehend, zu sehen, wie er das neue Edikt verkündete. „Zur Einberufung von Dschau Tchüän, Komissar der Goldjacken, vernehmet! Die Männer unter Dschaus Befehlen dürfen niemanden festnehmen, mit Ausnahme von Djia Schë, der zur Befragung festgenommen wird. Der Prinz von Hsi-ping wird alle Angelegenheiten bezüglich dieser Ermittlungen nach unserem Ermessen ausführen.“ Der Prinz von Hsi-ping war erleichtert. Er setzte sich mit dem Prinzen von Bee-djing nieder und wies Dschau an, Djia Schë mit sich zu nehmen und in seinen Yamen zurückzukehren. Die Suchtrupps, die bereits über die Ankunft des neuen Prinzen unterrichtet waren, versammelten sich alle erneut im Hof. Sie waren sehr enttäuscht zu hören, daß Dschau aufbrechen solle, standen umher und warteten dabei vergeblich auf neue Befehle. Der Prinz von Bee-djing wählte zwei der am ehrlichsten aussehenden Beamten und ein Dutzend der älteren Schutzleute, um zu bleiben und schickte die anderen fort. „Ich fing gerade an, mich über den alten Dschau aufzuregen“, sagte der Prinz von Hsi-ping, „du bist gerade zur rechten Zeit mit dem zweiten Erlaß angekommen. Wärst du später gekommen, hätte es schlecht mit den Djias ausgesehen.“ – „Ich hörte vor Gericht“, antwortete der Prinz von Bee-djing, „daß dir das originale Edikt anvertraut wurde und daß die Ermittlungen in deinen Händen lagen, darüber war ich sehr erleichtert. Ich wußte, ich könnte mich auf dich verlassen, daß die Dinge nicht außer Kontrolle geraten. Doch ich hatte nicht mit dem alten Dschau gerechnet. Sag’ mir, wo sind Herr Dschëng und der junge Bau-yü? Ich hoffe, die beiden haben nicht zu viel Chaos angerichtet.“ „Djia Dschëng und die anderen Edelmänner werden in den Zimmern der Bediensteten bewacht“; die Beamten hätten ihm davon berichtet. „Die Männer haben bei ihrer Suche alles auf den Kopf gestellt.“ Der Prinz von Bee-djing wandte sich an einen von ihnen: „Bring Herrn Dschëng sofort her. Ich will ihn sprechen.“ Djia Dschëng wurde hereingebracht und fiel auf die Knie, flehte in Tränen aufgelöst um Gnade. Der Prinz von Bee-djing stand auf, nahm ihn an beiden Hände und sagte: „Alter Dschëng, beruhigen Sie sich erst einmal.“ Als der Prinz ihn über den zweiten Erlaß informierte, weinte Djia Dschëng vor Rührung und sprach in Richtung Norden dem Thron seinen größten Dank und Ehrerbietung aus. Dann drehte er sich wieder zum Prinzen, um weitere Anweisungen entgegenzunehmen. Es war der Prinz von Hsi-ping, der fortfuhr: „Mein Freund, als Komissar Dschau eben hier war, berichteten seine Männer, verbotene Kleidung und Schuldscheine gefunden zu haben. Es ist schwer, das zu beschönigen. Die Kleider waren ohne Zweifel für den Gebrauch der Kaiserlischen Konkubine gedacht – das kann ich in meinem Bericht plausibel erklären. Doch die Schuldscheine – was können wir darüber sagen? Dschëng, ich denke, du solltest besser mit einem der Beamten gehen und ihm eine ausführliche Erklärung über Herrn Schës Eigentum geben. Es ist wichtig, daß du nichts vorenthältst, oder es wird für dich nur noch schlimmer.“ „Wie könnte ich wagen, etwas zu verbergen“, antwortete Djia Dschëng. „Doch ich bitte Euch, Euer Hoheit zu berichten, daß unser Familienerbe niemals offiziell unter meinem Bruder und mir aufgeteilt wurde. Daneben verfügt jeder getrennt für sich über das, was sich in seinen Gemächern befindet.“ – „Nun gut“, sagten die Prinzen, „fahrt so fort wie bisher und registriert alles, was sich auf Herrn Schës Gelände befindet.“ Die Offiziere wurden angewiesen, diese Anweisungen ordentlich und auf zivilisierte Art auszuführen und brachen dann mit Djia Dschëng auf. Laßt uns zu den Gemächern der Herzoginmutter zurückkehren, wo die Djia-Damen ein Familienessen vorbereiteten. Bau-yü hatte sich zu ihnen gesellt und die Dame Wang fragte ihn, ob er nicht zu den Männern gehen wolle, aus Angst, seinen Vater zu verärgern. Hsi-fëng war trotz ihrer Krankheit auch da, und sie antwortete etwas heiser für Bau-yü: „Ich bin sicher, Bau-yü fürchtet die Gesellschaft nicht, Herrin Wang, und ich bin sicher, er wollte sich nicht vor seiner Verantwortung drücken. Er dachte nur, draußen sei bereits eine Menge von Männern, um auf die Gäste zu warten, und er hielt es für ratsamer, uns hier zu helfen, was bereits genug Verantwortung ist. Wenn Herr Dschëng noch eine helfende Hand braucht, kannst du Bau-yü später noch hinüberschicken.“ Die Herzoginmutter lachte: „Hsi-fëng mag zwar krank sein, aber gesprächig ist sie wie eh und je!“ Die Gesellschaft war erheitert und die Konversation wurde sehr fröhlich, als plötzlich eine der Hausmädchen der Dame Hsing hereinrannte und kreischte: „Eure Gnädige Herrin! Es ist etwas Schreckliches passiert! Hunderte von Banditen mit großen Stiefeln sind ins Haus eingebrochen, öffnen alle Truhen und Kisten und fangen an, alles zu plündern!“ Die Damen starrten sie sprachlos an. Als nächstes eilte Ping-örl ins Zimmer, ihre Haare zerzaust, zerrte Tchiau-djie an der Hand herein und schluchzte hysterisch: „Es ist etwas Schreckliches passiert! Ich aß gerade mit Tchiau-djie zu Mittag, als Wang Örl hereingebracht wurde mit den Händen auf dem Rücken.“ „Beeilt euch, Fräulein“, sagte er mir, „geht hinein und sagt der gnädigen Herrin sie solle sich verstecken. Der Prinz sei dabei, unseren Besitz zu durchsuchen! Ich starb beinahe vor Angst. Ich ging in unsere Gemächer, um ein paar wichtige Dinge zu retten und lief in einen Gang voller Banditen, die mich aus dem Weg stießen. Ihr solltet Euch besser beeilen und alle Kleider und Dinge einsammeln, bevor es zu spät ist.“ Die Damen Hsing und Wang waren völlig entgeistert; Hsi-fëng hörte mit weit aufgerissenen Augen zu, als Ping-örl die Geschichte erzählte, fiel dann mit zurückgeworfenem Kopf auf den Boden und wurde ohnmächtig. Die Herzoginmutter brach in eine Flut von Tränen aus, bevor Ping-örl zu Ende erzählen konnte, und war zu bestürzt, um irgendetwas zu veranlassen.