Hongloumeng/de/Chapter 38

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Kapitel 38

林潇湘魁夺菊花诗

薛蘅芜讽和螃蟹咏

Bau-tschai und Hsiang-yün hatten sich also über alles geeinigt. Vom Rest der Nacht ist nichts zu berichten. Am nächsten Tag lud Hsiang-yün die Herzoginmutter und die anderen ein, sich am Anblick der Duftblüten zu erfreuen, und die Herzoginmutter wie auch alle anderen sagten: „Sie weiß wirklich, wie man sich vergnügt! An so einem edlen Genuß sollte man teilhaben!“ Und als es Mittag war, ging die Herzoginmutter tatsächlich mit Dame Wang und Hsi-fëng zusammen in den Garten. Auch Tante Hsüä und die anderen hatte sie gebeten, sie zu begleiten. „Wo ist es am schönsten?“ erkundigte sich die Herzoginmutter. „Überall, wo es Euch gefällt, ist es auch schön, alte gnädige Frau“, antwortete Dame Wang darauf. Hsi-fëng aber sagte: „Im Kiosk des Lotoswurzelduftes ist schon alles vorbereitet. Dort blühen die beiden Duftblütensträucher am Berghang sehr schön, und das Wasser im Fluß ist klar und grün. Hat man nicht dort vom Pavillon inmitten des Flusses eine freie Aussicht? Und der Anblick des Wassers macht die Augen klar.“ „Das hast du ganz richtig gesagt“, erwiderte die Herzoginmutter und ging allen voran zum Kiosk des Lotoswurzelduftes. Der Kiosk des Lotoswurzelduftes stand mitten im Teich, und seine Fenster öffneten sich nach allen vier Seiten. Links und rechts hatte er gewundene Wandelgänge, die auch über das Wasser ans Ufer führten. Dahinter aber verbarg sich noch eine Zickzackbrücke aus Bambus. Als sie die Brücke betraten, eilte Hsi-fëng nach vorn zur Herzoginmutter, um sie zu stützen, und sagte dabei: „Ihr könnt bedenkenlos ausschreiten, alte Ahne. Für eine Bambusbrücke gehört es sich, daß sie knarrt.“ Als sie bald darauf am Pavillon waren, entdeckten sie, daß extra zwei Bambustische außerhalb des Geländers aufgestellt waren. Der eine war mit Bechern, Eßstäbchen und Weingeschirr besetzt, auf dem anderen lagen Teepinsel, Teetöpfe und sonstiges Teegeschirr bereit. Hier fachten ein paar Sklavenmädchen mit Fächern das Feuer in einem Öfchen an, um den Tee zu brühen, dort fächelten ein paar andere ebenfalls, um auf einem zweiten Öfchen den Reiswein zu wärmen. „Wie schön, daß du an Tee gedacht hast!“ lobte die Herzoginmutter sofort. „Und wie sauber Umgebung und Ausstattung sind!“ „Kusine Bau-tschai hat mir geholfen, alles vorzubereiten“, erwiderte Hsiang-yün lächelnd. „Ich sage es ja, das Mädel hat einen klaren Verstand, sie denkt an alles“, bemerkte die Herzoginmutter. Und während sie das sagte, fiel ihr Blick auf zwei schwarzlackierte Tafeln, die an den Säulen hingen und in die mit Perlmutt ein Parallelsatzpaar eingelegt war. Sie befahl, ihr die Sätze vorzulesen, und Hsiang-yün las: „Der Lotosblüten Schatten bricht der Ruderschlag, der Lotoswurzeln Duft durchquert der Bambussteg.“ Nun hob die Herzoginmutter den Kopf und blickte nach der Tafel mit dem Namen des Pavillons. Dann wandte sie sich zu Tante Hsüä und sagte: „Als ich noch jung war, hatten wir bei uns zu Hause auch so einen Pavillon. Er hieß ‚Halle, gebettet aufs Abendrot‘ oder so ähnlich. Ich war damals nicht älter, als die Mädchen jetzt sind, und habe mich jeden Tag mit meinen Schwestern und Kusinen dort amüsiert. Einmal bin ich dabei ausgerutscht und ins Wasser gefallen, um ein Haar wäre ich ertrunken. Mit Müh und Not hat man mich herausgezogen, und dabei habe ich mir an einem Holznagel den Kopf aufgeschlagen. Die fingerkuppengroße Delle hier an der Schläfe habe ich davon zurückbehalten. Alle hatten Angst, ich würde es nicht überleben, weil ich erst ins Wasser gefallen war und mich dann noch verkühlte. Doch wider Erwarten bin ich genesen.“ Ohne abzuwarten, ob jemand anders etwas sagen wollte, erklärte Hsi-fëng mit einem Lächeln: „Wenn Ihr damals nicht überlebt hättet, alte Ahne, wer sollte dann heute dieses Glück genießen! Wie man sieht, war Euch von klein auf nicht wenig Glück und Langlebigkeit zugedacht, und die Götterboten und Teufelsdiener haben Euch diese Delle in den Kopf geschlagen, um das Glück und die Langlebigkeit einzufüllen. Auch der Gott des langen Lebens hatte ursprünglich so eine Delle am Kopf, weil der aber mit zehntausendfachem Glück und zehntausendfacher Langlebigkeit angefüllt wurde, hat er schließlich eine kleine Beule nach außen bekommen...“ Sie hatte noch nicht zu Ende gesprochen, als sich die Herzoginmutter und alle anderen schon vor Lachen bogen. Lächelnd sagte dann die Herzoginmutter: „Dieses Äffchen ist ja völlig außer Rand und Band! In einem fort macht sie sich über mich lustig. – Warte nur, ich will dir dein Ölmaul zerreißen!“ Hsi-fëng aber erwiderte ihr lächelnd: „Wir wollen gleich Krabben essen, da hatte ich Angst, die Kälte könnte sich in Eurem Innern anstauen, alte Ahne. Deshalb wollte ich Euch zum Lachen bringen, um Euer Inneres aufzulockern. Jetzt könnt ihr ohne Bedenken ein paar Krabben mehr essen.“ „Dann wirst du von nun an Tag und Nacht bei mir bleiben, damit ich immer lachen kann und mein Inneres aufgelockert wird. Nach Hause darfst du nicht mehr zurück“, befahl die Herzoginmutter im Scherz. „Nur weil Ihr sie so gern habt, ist sie so zügellos, alte gnädige Frau“, schaltete Dame Wang sich ebenfalls lächelnd ein. „Wenn Ihr jetzt so etwas sagt, wird sie in Zukunft erst recht keinen Anstand mehr haben.“ Aber immer noch lächelnd, sagte die Herzoginmutter: „Ich mag sie so, wie sie ist. Außerdem ist sie keins von den Kindern, die zwischen hoch und niedrig nicht zu unterscheiden wissen. Und in den eigenen vier Wänden sollten Mütter und Töchter so miteinander umgehen, sofern niemand weiter dabei ist! Es reicht, wenn man sich beim Zeremoniell korrekt benimmt. Soll ich vielleicht von ihr verlangen, daß sie auf den Spuren der Götter wandelt?“ Bei diesen Worten traten alle in den Pavillon, und nachdem der Tee gereicht worden war, befahl Hsi-fëng rasch, man solle die Tische bringen und sie mit Weinbechern und Eßstäbchen eindecken. Am Haupttisch nahm die Herzoginmutter mit Tante Hsüä, Bau-tschai, Dai-yü und Bau-yü Platz, und an den östlichen Tisch setzten sich Hsiang-yün, Dame Wang, Ying-tschun, Tan-tschun und Hsi-tschun. Am westlichen Tisch neben der Tür aber blieben die Plätze von Li Wan und Hsi-fëng leer, denn die beiden wagten es nicht, sich zu setzen, und bedienten an den beiden Tischen, an denen die Herzoginmutter beziehungsweise Dame Wang saßen. „Bringt nicht zu viel von den Krabben, und laßt die anderen noch im Dämpfgefäß!“ befahl Hsi-fëng. „Zehn Stück reichen fürs erste. Wenn sie aufgegessen sind, könnt ihr mehr bringen.“ Dann ließ sie Wasser holen, wusch sich die Hände, stellte sich neben die Herzoginmutter und begann, Krabben zu schälen. Die erste Portion wollte sie Tante Hsüä reichen, die lehnte ab: „Mir schmeckt es am besten, wenn ich sie selber schäle. Mich braucht keiner zu bedienen!“ Also gab Hsi-fëng das Krabbenfleisch der Herzoginmutter, die zweite Portion gab sie Bau-yü. Dann rief sie: „Bringt den Wein sprudelnd heiß herein!“ Außerdem befahl sie den kleineren Sklavenmädchen, sie sollten mit Chrysanthemenblättern und Duftblüten parfümiertes Bohnenmehl zum Säubern der Hände bereithalten. Hsiang-yün aß nur zur Gesellschaft eine Krabbe mit, dann stand sie auf, um die anderen zu bedienen, und ging schließlich hinaus, wo sie zwei Teller mit Krabbenfleisch zu füllen befahl, um sie den Nebenfrauen Dschau und Dschou bringen zu lassen. Da kam eben auch Hsi-fëng heraus und forderte sie auf: „Geh nur hinein und iß, du bist es nicht gewöhnt, andere zu bedienen! Ich will es an deiner Statt tun und selber essen, wenn die anderen gegangen sind!“ Aber Hsiang-yün verzichtete darauf und ordnete an, auch auf der Veranda zwei Tische aufzustellen, damit Yüan-yang, Hu-po, Tsai-hsia, Tsai-yün und Ping-örl dort essen konnten. Lächelnd sagte Yüan-yang zu Hsi-fëng: „Ihr könnt bedienen, junge gnädige Frau, und wir werden essen!“ „Ja, eßt nur und laßt mich machen!“ erwiderte Hsi-fëng. Jetzt kehrte Hsiang-yün an ihren Tisch zurück, Hsi-fëng und Li Wan aber aßen rasch etwas, so gut es die Umstände erlaubten. Anschließend kam Hsi-fëng wieder in den Innenraum, um hier zu bedienen, nach einiger Zeit aber ging sie von neuem auf die Veranda hinaus, wo Yüan-yang und die anderen Sklavenmädchen eben nach Herzenslust zulangten. Als sie Hsi-fëng kommen sahen, standen sie auf und Yüan-yang fragte: „Was wollt Ihr schon wieder hier, junge gnädige Frau? Gönnt Ihr uns nicht das bißchen Freude?“ Lächelnd erwiderte Hsi-fëng: „Yüan-yang, du kleines Spitzbein! Du verkommst immer mehr! Ich übernehme deinen Dienst, doch anstatt mir zu danken, bist du mir böse. Willst du mir nicht endlich einen Humpen Wein einschenken?“ Lächelnd füllte Yüan-yang einen Becher mit Wein und hielt ihn Hsi-fëng an die Lippen. Hsi-fëng streckte den Hals und leerte den Becher in einem Zug. Da gossen auch Hu-po und Tsai-hsia einen Becher voll und hoben ihn an Hsi-fëngs Mund, so daß sie nur zu schlucken brauchte. Inzwischen hatte Ping-örl eine fette Krabbe abgeschält, die sie ihr nun brachte. „Schütte recht viel Ingwer und Essig darüber!“ verlangte Hsi-fëng. Dann aß sie und sagte anschließend mit einem Lächeln: „Setzt euch nur wieder hin und eßt weiter, ich gehe.“ Da sagte Yüan-yang mit lächelndem Gesicht: „Was für eine Unverschämtheit, uns die Krabben wegzuessen!“ Hsi-fëng aber erwiderte ebenfalls lächelnd: „Spar dir deine Scherze mit mir! Du weißt doch, der junge Herr Liän hat sich in dich verliebt und will dich von der alten gnädigen Frau erbitten, um dich zu seiner Nebenfrau zu machen.“ „Pfui!“ sagte Yüan-yang und spuckte aus. „So etwas sagt eine junge Herrin? Das wenigste ist, daß ich Euch meine Krabbenfinger ins Gesicht schmiere!“ Damit trat sie rasch näher und streckte die Hände nach Hsi-fëng aus. „Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!“ bat Hsi-fëng. Hu-po aber bemerkte lächelnd: „Wird auch Ping-örl verzeihen, daß Yüan-yang zur Nebenfrau gemacht wird? Seht nur, sie hat noch keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig verbraucht. Ohne Saures geht es bei ihr nicht.“ Als Ping-örl, die eben eine fette Krabbe zerteilte, hörte, wie sie verspottet wurde, ging sie mit der Krabbe auf Hu-pos Gesicht los und schimpfte dabei lachend: „Dir werde ich helfen, du kleines Spitzbein mit deiner Lästerzunge!“ Ebenfalls lachend, wich Hu-po seitwärts aus, Ping-örls Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere und traf Hsi-fëng genau auf die Wange.s. „Liebste Schwester, verzeih mir dies eine Mal!“ bat Hsi-fëng. Hu-po aber bemerkte lächelnd: „Wird auch Ping-örl verzeihen, daß Yüan-yang zur Nebenfrau gemacht wird? Seht nur, sie hat noch keine zwei Krabben gegessen, aber ein ganzes Schälchen Essig verbraucht. Ohne Saures geht es bei ihr nicht.“ Als Ping-örl, die eben eine fette Krabbe zerteilte, hörte, wie sie verspottet wurde, ging sie mit der Krabbe auf Hu-pos Gesicht los und schimpfte dabei lachend: „Dir werde ich helfen, du kleines Spitzbein mit deiner Lästerzunge!“ Ebenfalls lachend, wich Hu-po seitwärts aus, Ping-örls Hand mit der Krabbe fuhr ins Leere und traf Hsi-fëng genau auf die Wange. Hsi-fëng, die sich noch mit Yüan-yang neckte, schnellte erschrocken hoch und schrie: „O weh!“ Darüber brachen alle Anwesenden unwillkürlich in lautes Gelächter aus, und selbst Hsi-fëng konnte nicht an sich halten und mußte lachen, als sie Ping-örl ausschimpfte: „Du verflixte Hure! Hast du dich blindgefressen, daß du deiner Herrin das Gesicht verschmierst?“ Rasch trat Ping-örl zu Hsi-fëng heran, wischte ihr das Gesicht ab und ging dann selbst Wasser holen. Yüan-yang aber sagte: „Buddha Amitabha! Das war die Vergeltung!“ Drinnen hatte die Herrzoginmutter den Lärm gehört und erkundigte sich nun gleich ein paarmal hintereinander: „Was ist denn passiert? Was war denn, daß ihr so fröhlich seid? Erzählt es uns, damit auch wir lachen können!“ Sofort berichtete Yüan-yang laut und mit lachender Stimme: „Die Frau des zweiten jungen Herrn ist bei uns Krabben stehlen gekommen. Darüber ist Ping-örl in Wut geraten und hat ihr das ganze Gesicht mit Krabbenfett vollgeschmiert. Herrin und Sklavin lagen sich in den Haaren.“ Als die Herzoginmutter und Dame Wang das hörten, lachten sie ebenfalls, und die Herzoginmutter sagte: „Erbarmt euch doch und gebt ihr von den Krabbenbeinen und den Bauchpanzern etwas ab, und laßt es gut sein!“ Lachend versprachen es Yüan-yang und die anderen, dann sagte Yüan-yang noch immer mit lauter Stimme: „Eßt nur ungeniert alle Krabbenbeine, die auf dem Tisch herumliegen, junge gnädige Frau!“ Nachdem sich Hsi-fëng das Gesicht gewaschen hatte, ging sie wieder hinein, um der Herzoginmutter und den anderen noch einige Zeit aufzuwarten. Dai-yü, die sich nicht traute, viel von den Krabben zu essen, nahm sich nur ein wenig Fleisch von den Scheren, dann stand sie vom Tisch auf. Alle anderen gingen erst auseinander, als die Herzoginmutter nichts mehr aß. Sie wuschen sich die Hände, und anschließend sahen sich die einen die Blüten an, während andere im Wasser pantschten und nach den Fischen schauten. So vergnügten sie sich noch ein Weilchen, dann erklärte Dame Wang der Herzoginmutter: „Hier ist es windig, alte gnädige Frau, außerdem habt Ihr eben Krabben gegessen. Darum ist es das Beste, wenn Ihr jetzt in Eure Räume zurückkehrt, um zu ruhen. Wenn Ihr Spaß daran hattet, können wir morgen noch einmal herüberkommen.“ „Du hast recht“, erwiderte die Herzoginmutter lächelnd, „ich dachte, euch macht es Freude, und wollte euch durch meinen Aufbruch nicht die Stimmung verderben. Aber wenn du es sagst, gehen wir jetzt!“ Dann wandte sie den Kopf nach Hsiang-yün und ordnete an: „Paß auf, daß dein Vetter Bau-yü und deine Kusine Dai-yü nicht zu viel von den Krabben essen!“ Als Hsiang-yün es ihr versprochen hatte, befahl sie ihr und Bau-tschai dasselbe: „Auch ihr beide dürft nicht zu viel davon essen! Denn es schmeckt wohl gut, ist aber nichts Gutes. Wenn man zu viel davon ißt, bekommt man Bauchschmerzen!“ Die beiden versprachen es sofort und geleiteten die Herzoginmutter zum Garten hinaus. Dann kamen sie zurück und befahlen, die Tische abzuräumen und neu einzudecken. „Die Tische brauchen nicht wieder gedeckt zu werden“, schlug Bau-yü vor. „Wir wollen doch Gedichte machen! Wir stellen den großen runden Tisch in die Mitte, und darauf kommen der Wein und die Speisen! Auch eine strenge Sitzordnung sparen wir uns! Wer essen möchte, geht an den Tisch und ißt, die anderen setzen sich hin, wo sie wollen. Ist das nicht viel besser?“ „Der Vorschlag ist ausgezeichnet!“ lobte Bau-tschai. „Das stimmt schon“, wandte Hsiang-yün ein, „aber die anderen sind auch noch da.“ Und sie befahl, noch einen zweiten Tisch zu decken, dann suchte sie heiße Krabben heraus und bat Hsi-jën, Dsï-djüan, Sï-tji, Dai-schu, Ju-hua, Ying-örl und Tsuee-mo, an diesem Tisch Platz zu nehmen. Unter den Duftblütensträuchern am Berghang ließ sie zwei bunte Teppiche ausbreiten und ordnete an, auch die alten Sklavinnen und die kleineren Sklavenmädchen sollten sich hinsetzen und ungeniert essen und trinken, bis man sie wieder rufen würde. Anschließend holte Hsiang-yün das Blatt mit den Themen für die Gedichte und heftete es mit Nadeln an die Wand. Alle lasen und sagten dann: „Neuartig und ungewöhnlich sind die Themen schon, aber wir werden wohl kaum Gedichte darüber zustande bringen.“ Hsiang-yün erläuterte noch, warum sie keinen Reim festgelegt hatte, worauf Bau-yü bemerkte: „Das ist das einzig Wahre! Ich habe für festgelegte Reime auch nichts übrig.“ Dai-yü, die sich aus Wein nicht viel machte und auch keine Krabben mehr essen wollte, ließ sich einen Porzellanhocker mit gesticktem Bezug an das Geländer stellen, setzte sich darauf und warf die Angel aus, um Fische zu fangen. Bau-tschai hielt einen Zweig Duftblüten in der Hand, und nachdem sie sich eine Zeitlang daran erfreut hatte, lehnte sie sich gegen den Fenstersims, zupfte die Blüten ab und warf sie aufs Wasser, so daß die Fische hochstiegen, um danach zu schnappen. Hsiang-yün schaute ein Weilchen gedankenverloren vor sich hin, dann bediente sie eine Zeitlang Hsi-jën und die anderen Sklavenmädchen, die am Tisch saßen, und forderte schließlich auch die Leute vom Gesinde, die sich am Berghang niedergelassen hatten, noch einmal auf, tüchtig zuzugreifen. Tan-tschun stand mit Li Wan und Hsi-tschun zwischen den herabhängenden Weidenzweigen und schaute nach den Möwen und Reihern, während Ying-tschun allein im Schatten der blühenden Bäume stand und mit einer Sticknadel Jasminblüten auffädelte. Bau-yü sah erst Dai-yü beim Angeln zu, anschließend schaute er einige Zeit mit Bau-tschai zusammen aufs Wasser und unterhielt sich dabei mit ihr, dann wieder leistete er Hsi-jën und den anderen Sklavenmädchen Gesellschaft, während sie Krabben aßen, und trank ihnen zuliebe einen Schluck Wein, Hsi-jën aber füllte für ihn einen Krabbenpanzer mit Fleisch­stück­chen. Inzwischen legte Dai-yü die Angelrute fort, ging an den Tisch, griff nach einem Schwarzsilberkännchen mit Aprikosenblütenmuster und nahm sich einen winzigen Bananenblattbecher aus zierapfelblütenfarbigem Speckstein. Als die Sklavenmädchen sahen, daß Dai-yü Wein trinken wollten, traten sie schnell heran, um ihr einzugießen, aber Dai-yü sagte: „Geht ihr nur essen und laßt mich selber eingießen! So macht es erst den richtigen Spaß!“ Dann stellte sie fest, daß es Reiswein war, und sagte: „Ich habe zwar nur ein ganz kleines bißchen Krabbenfleisch gegessen, aber jetzt tut mir der Leib ein wenig weh. Ich muß einen Schluck heißen Branntwein trinken!“ „Es ist welcher da!“ sagte Bau-yü sofort und befahl, es sollte ein Kännchen von dem mit Albizzienblüten angesetzten Branntwein heiß gemacht werden. Dai-yü trank nur einen Schluck davon und stellte den Rest wieder hin. Auch Bau-tschai kam herüber, suchte sich ebenfalls einen Becher aus und trank einen Schluck. Dann befeuchtete sie einen Schreibpinsel mit Tusche, trat vor die Wand, hakte das erste Thema – ‚Denken an Chrysanthemen‘ – ab und setzte das Schriftzeichen hëng für Haselwurz darunter. „Liebste Kusine“, bat Bau-yü rasch, „ich habe schon vier Zeilen für das zweite Thema zusammen, überlaß das mir!“ „Warum so aufgeregt?“ fragte Bau-tschai lächelnd. „Ich habe ja auch erst dies eine Gedicht fertig.“ Ohne ein Wort zu sagen, nahm Dai-yü ihr den Schreibpinsel aus der Hand und hakte das achte Thema – ‚Chrysanthemen befragen‘ – ab und anschließend auch das elfte – ‚Chrysanthementraum‘. Darunter setzte sie das Schriftzeichen hsiau aus ihrem Dichternamen Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß. Jetzt griff auch Bau-yü nach dem Schreibpinsel und hakte das zweite Thema – ‚Chrysanthemen suchen‘ – ab, darunter setzte er das Schriftzeichen djiang – ‚rot‘. Tan-tschun kam herüber, sah sich die Liste an und sagte: „Wenn keiner über das Thema ‚Chrysanthemen ins Haar stecken‘ schreiben will, werde ich es nehmen!“ Dann wies sie mit dem Finger auf Bau-yü und warnte ihn lächelnd: „Vorhin ist verkündet worden, daß auf keinen Fall Ausdrücke vorkommen dürfen, die aus den Mädchengemächern stammen. Also sei auf der Hut!“ Während sie das eben sagte, trat auch Hsiang-yün heran und hakte das vierte und das fünfte Thema – ‚Chrysanthemen zugewandt‘ und ‚Chrysanthemen aufstellen‘ – ab und setzte das Schriftzeichen hsiang aus ihrem Namen darunter. „Du mußt dir auch einen Beinamen bilden“, verlangte Tan-tschun. Lächelnd erwiderte Hsiang-yün: „Es gibt zwar auch bei uns ein paar Gartenhäuser, aber ich wohne ja nicht darin, darum hat es keinen Sinn, wenn ich mich danach nenne.“ „Die alte gnädige Frau hat vorhin erzählt, es habe auch bei euch so einen Pavillon über dem Wasser gegeben, der ‚Halle, gebettet aufs Abendrot‘ hieß“, sagte Bau-tschai lächelnd. „Hätte der dir vielleicht nicht gehören müssen? Heute gibt es ihn zwar nicht mehr, trotzdem bist du die eigentliche Herrin davon.“ „Sie hat recht“, bestätigten alle, und ehe Hsiang-yün noch die Hand rühren konnte, hatte Bau-yü schon das Schriftzeichen hsiang übermalt und statt dessen das Schriftzeichen hsia – ‚Abendrot‘ – hingeschrieben. Jetzt dauerte es nur noch so lange, wie man braucht, um eine Schale Reis zu essen, da waren die zwölf Gedichte fertig. Jeder schrieb auf, was er verfaßt hatte, und übergab es Ying-tschun, die einen Bogen ‚Schneewellen‘-Zierpapier nahm und alles zusammen noch einmal abschrieb. Unter jeden Titel setzte sie den Dichternamen des Verfassers. Dann las Li Wan mit den anderen zusammen alles durch: „Denken an Chrysanthemen Edle von Haselwurz

Im Westwind steh ich enttäuscht und betrübt; wird der Knöterich rot, bricht mir das Herz. Kahl ragt im Garten der Bambuszaun auf, und nur der Traum bringt das Bild mir zurück. Weit fliegt mein Geist mit den Wildgänsen fort, höre ich einsam der Waschbleuel Schlag. Wie soll ich nun meine Sehnsucht stillen? Einziger Trost bleibt der kommende Herbst.

Chrysanthemen suchen Ein Fürstensohn, der sich am Roten freut

Müßig durchschreit ich den reifklaren Tag, anstatt bei den Bechern zu säumen. Wer hat da Blumen ins Mondlicht gepflanzt, wie kommen die Blüten hier an den Zaun? Reich ist vergolten mein endloser Weg, froh klingt mein Lied in den frostigen Tag. Wenn auch die Blumen den Dichter verstehen, war nicht umsonst das Geld für den Wein.

Chrysanthemen pflanzen Ein Fürstensohn, der sich am Roten freut

Zur Hacke griff ich und setzte im Garten junge Pflänzchen am Zaun vor dem Hof. Vom Regen befeuchtet, wuchsen sie kräftig, blühn heute üppig inmitten von Reif. Tausend Gedichte will ich euch singen, spendiern einen Becher vom besten Wein. Werde euch gießen, werde euch hegen, werde euch schützen vor dem Staub dieser Welt.

Aus: Jinyuyuan 1889b. Chrysanthemen zugewandt Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet

Köstlichste Blumen, kostbar wie Gold, ein Busch so dunkel, einer so hell. Barhäuptig will ich mich zu euch setzen, die Knie umfassend, sing ich ein Lied. Wer auf der Welt ist stolzer als ihr! Ich allein bin es, der euch versteht. Ich bleib euch treu, welkt ihr auch hin, traure mit euch um die schwindende Zeit.

Chrysanthemen aufstellen Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet

Bei Musik und Wein als Partner steht die Zierde auf dem Tisch, duftet würzig-feucht herüber – nur ein Stengel Herbstschönheit. Bringt zur Nacht mir neue Träume, mahnt mich an den alten Freund. Unser Stolz ist uns gemeinsam, nicht für uns ist Lenzesblühn.

Lob der Chrysantheme Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß

Sie lockt zu dichten von früh bis spät, Verse zu reimen vor Blumen und Fels. Der Pinsel, er schreibt schon am reifkalten Morgen, die Lippen, sie singen in mondheller Nacht. Blatt für Blatt erzählt von Kummer, doch wer zeigt für Herbstleid Sinn? Seit einstens Tau Tjiän Chrysanthemen pries, klingt laut dieses Lob bis zum heutigen Tag.

Chrysanthemen malen Edle von Haselwurz

Eh‘ die Dichtlust mir vergangen, reißt es mich zu malen fort. Dunkle Flecken sind die Blätter, Blüten zieret weißer Reif.

Schwarz die Schatten sich bewegen,
aus dem Bild strömt Herbstesduft,
scheint wie frisch gepflückte Blumen,
tröstet mich zur Winterszeit.

Chrysanthemen befragen Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß

Auskunft über Herbstgedanken suche ich am Blumenzaun: Wem gleicht ihr so stolz und edel? Warum blüht als letzte ihr? Fröstelt euch in Reif und Kälte? Grämt ihr euch beim Vogelzug? Sagt mir nicht, ihr wäret einsam, könnt ihr sprechen, sprecht mit mir!

Chrysanthemen ins Haar stecken Ein Gast unter Bananen

Täglich breche ich mir Blüten, Stecke sie als Schmuck mir an. Tau Tjiän war dem Wein ergeben, Du Mu war ein Blumennarr. Kalter Tau netzt meine Schläfen, Herbstduft tränkt das Kopftuch mir. Fremd erscheint mein Tun der Menge. Lacht ihr nur am Wegesrand!

Chrysanthemenschatten Ein Freund, der sich aufs Abendrot bettet

Herbstsonne zaubert Schatten hervor, die abends zögernd verblassen, im Lampenlicht und im Mondenschein tanzen sie wieder von neuem, zeigen uns nur ein Trugbild, nicht mehr, und sind doch die Seelen der Blumen. Gib acht und zertritt nicht die duftige Spur, wenn trunkene Augen dich leiten.

Chrysanthementraum Die Kaiserfrau vom Hsiau-hsiang-Fluß

Süß schläft im Herbst die Blume am Zaun, ihr Geist folgt dem Mond und den Wolken. Sie träumt nicht wie Dschuang-dsï vom Schmetterling, sie geht nach Tau Tjiän auf die Suche. Und schlummert sie ein bei der Wildgänse Ruf, so weckt sie der Lärm der Zikaden. Wem aber klagt sie erwachend ihr Leid? Ringsum ist nur Öde und Leere.

Verwelkte Chrysanthemen Ein Gast unter Bananen

Langsam sie neigen in Tau sich und Reif, kaum daß es wintert und schneiet. Noch sind sie duftig, blaß wird ihr Gold, von den Stengeln löst sich das Grüne. Die Zikaden singen ihr Sterbelied, hoch am Himmel ziehn wilde Gänse. Übers Jahr bringt der Herbst uns ein Wiedersehn, laßt euch nicht durch die Trennung vergrämen.“ Jedes Gedicht, das sie lasen, wurde sogleich gelobt, und die wechselseitigen Komplimente nahmen kein Ende. „Wartet doch, bis ich mein Urteil fälle!“ mahnte Li Wan lächelnd. „Nachdem ich alles gelesen habe, muß ich sagen, daß jedem auf seine Art ein paar erstklassige Zeilen gelungen sind. Mein Urteil lautet so: Das beste Gedicht ist ‚Lob der Chrysantheme‘, an zweiter Stelle folgt ‚Chrysanthemen befragen‘ und an dritter Stelle ‚Chrysanthementraum‘. Die Themen sind neuartig, die Gedichte sind es auch, und erst recht ist es der Sinn, der hineingelegt wurde. Darum könnt ihr nicht böse sein, wenn ich die Kaiserin vom Hsiau-hsiang-Fluß zur Siegerin erkläre. Auf ihre Verse folgen als nächste die Gedichte ‚Chrysanthemen ins Haar stecken‘, ‚Chrysanthemen zugewandt‘, ‚Chrysanthemen aufstellen‘, ‚Chrysanthemen malen‘ und ‚Denken an Chrysanthemen‘.“ Als Bau-yü das hörte, klatschte er vor Freude in die Hände und rief: „Vollkommen richtig! Höchst gerecht!“ Dai-yü aber wandte ein: „So gut sind meine Verse auch wieder nicht, ihr Fehler ist, daß sie ein wenig zu niedlich sind.“ „Niedlich sind sie“, pflichtete Li Wan ihr bei, „aber nicht steif und nicht überladen.“ „Die beste Zeile ist meiner Meinung nach ‚Mahnt mich an den alten Freund‘“, sagte Dai-yü. „Sie schafft einen starken Kontrast. Schon vorher die Stelle ‚Nur ein Stengel Herbstschönheit‘ ist sehr treffend formuliert. Zuvor ist alles über das Aufstellen der Chrysanthemen gesagt, darum passen diese Worte nirgendwo anders hin. Danach kehren die Gedanken dorthin zurück, als die Blumen noch nicht gebrochen und aufgestellt waren. Darin liegt ein tiefer Sinn.“ „Das stimmt schon“, bestätigte Li Wan, „aber dein Ausdruck ‚singen in mondheller Nacht‘ übertrifft alles andere.“ „Man muß aber einräumen, daß die Edle von Haselwurz mit den Worten ‚kahl ragt der Zaun‘ und ‚der Traum bringt‘s zurück‘ den Gedanken der Sehnsucht gut zum Ausdruck bringt“, meinte Tan-tschun. „Und bei dir schildern die ‚taunassen Schläfen‘ und das ‚duftgetränkte Kopftuch‘ das Bild von Chrysanthemen im Haar bis ins letzte Detail“, erwiderte Bau-tschai darauf. „Mit den Fragen ‚Wem gleicht ihr so stolz?‘ und ‚Warum blüht ihr so spät?‘ werden die armen Chrysanthemen aber schön in die Enge getrieben“, scherzte Hsiang-yün. „Na, wenn du dich ‚barhäuptig hinsetzt‘ und ‚die Knie umfassend‘ singst, ohne wieder wegzugehen, wird das den Blumen, wenn sie nur fühlen können, wohl auch lästig werden“, gab Li Wan zurück und brachte damit alle zum Lachen. „Und ich bin wieder mal durchgerasselt“, sagte Bau-yü. „Drückt denn ‚Wer hat gepflanzt?‘, ‚Wie kommen sie hierher?‘, ‚endloser Weg‘, ‚froh klingt mein Lied‘ nicht das Suchen aus? Sagt ‚vom Regen befeuchtet‘ und ‚blühen im Reif‘ etwa nichts über die Pflanzen? Nur darüber kann ich mich ärgern, daß ich den Ausdrücken ‚sing ich in mondheller Nacht‘, ‚die Knie umfassend, sing ich ein Lied‘, ‚Tau netzt die Schläfen‘, ‚Duft tränkt das Tuch‘, ‚blaß wird ihr Gold‘, ‚löst sich das Grün‘, ‚kahl ragt der Zaun‘, ‚der Traum bringt‘s zurück‘ nichts Gleichwertiges entgegensetzen konnte.“ Dann fügte er hinzu: „Wenn ich morgen Muße habe, schreibe ich noch einmal allein über alle zwölf Themen!“ „Auch deine Gedichte sind nicht schlecht“, tröstete ihn Li Wan. „Sie sind bloß nicht so originell wie die andern.“ Nachdem sich alle noch ein Weilchen zu ihren Wertungen geäußert hatten, verlangten sie frische Krabben und aßen gemeinsam am großen runden Tisch. Plötzlich sagte Bau-yü: „Heute feiern wir die Duftblüten mit einem Krabbenessen, das muß ebenfalls besungen werden! Mein Gedicht ist schon fertig, wer hält noch mit?“ Und rasch wusch er sich die Hände, griff zum Pinsel und schrieb. Alle schauten auf sein Blatt und lasen dort: „Krabbenfleisch schmeckt erst, wenn Duftblüten blühen, mit Essig begossen, mit Ingwer bestreut. Nun brauche ich Vielfraß noch Reiswein dazu, dann schmaus ich, dann trink ich wie toll. Da schrecke ich auch nicht vor Bauchweh zurück und Fingern, die kleben von rötlichem Fett. Man lebt nicht umsonst für solch Schlemmermahl, wie recht hatte doch Su Dung-po!“ Lächelnd sagte Dai-yü: „Von solchen Gedichten kannst du hundert Stück haben, wenn du möchtest.“ Ebenfalls lächelnd, erwiderte Bau-yü: „Deine Inspiration ist für heute erschöpft, du kannst nichts mehr dichten, trotzdem mußt du andere herabsetzen!“ Ohne ihm zu antworten und ohne auch nur nachzudenken, griff Dai-yü zum Schreibpinsel, und im Nu war ein Gedicht fertig. Die anderen lasen: „Noch im Tod mit Wehr und Harnisch locken Krabben auf dem Tisch. Weißen Jade birgt ihr Panzer, duftig riecht ihr rotes Fett. Schmackhaft sind auch die acht Beine, reichlich trink ich Wein dazu. Und vollendet wird der Festtag durch den Reif der Chrysanthem‘.“ Als Bau-yü das Gedicht zu Ende gelesen hatte und es nun lauthals lobte, zerriß Dai-yü das Blatt mit raschem Griff und reichte es dann einer Sklavin mit dem Befehl, es zu verbrennen. Dann wandte sie sich zu Bau-yü und sagte lächelnd: „Meines reicht an deines nicht heran, darum lasse ich es verbrennen. Aber deines ist gut, besser als deine Chrysanthemengedichte von vorhin. Heb es auf und zeig es den Leuten!“ „Ich habe mir auch etwas abgequält“, meldete sich jetzt lächelnd Bau-tschai zu Wort. „Es ist nicht unbedingt gut, aber ich will es aufschreiben, damit ihr etwas zu lachen habt!“ Mit diesen Worten griff sie zum Pinsel und schrieb. Alle anderen lasen mit: „Unter den blühenden Bäumen zu prassen haben die Schlemmer von Tschang-an im Sinn. Ihr bornierten Seitwärtsgänger, Farbe heißt es jetzt bekannt!“ Die anderen schrien vor Begeisterung auf, als sie bis hierher gelesen hatten, und Bau-yü sagte: „Das ist ein Spaß! Mein Gedicht werde ich auch verbrennen!“ Dann las er weiter: „Heißer Reiswein würzt die Speise, Ingwerwurz hält Leibweh fern. Mitgegangen, mitgehangen, trübe sieht es für euch aus!“ Als alle fertiggelesen hatten, sagten sie: „Das ist ein unübertreffliches Gedicht vom Krabbenessen. Solch tiefen Sinn in ein kleines Thema zu legen ist der Beweis für ein großes Talent. Aber dein Spott gegen die Zeitgenossen ist vielleicht ein bißchen zu giftig.“ In diesem Augenblick sahen sie, daß Ping-örl in den Garten zurückkam, und wußten nicht, was sie davon halten sollten. Im nächsten Kapitel wird es erklärt.