Hongloumeng/de/Chapter 109

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Kapitel 109

Wu'er empfängt fälschlich Zuneigung im Namen eines duftenden Geistes;

Im Kreislauf der Vergeltung kehrt Willkommensfrühling ins Wahre zurück

Es wird erzählt, daß Schatzspange[1] [宝钗] Dufthauch[2] [袭人] beauftragt hatte, den wahren Grund herauszufinden. Aus Sorge, Schatzjade[3] [宝玉] könnte vor Kummer krank werden, sprach sie mit Dufthauch absichtlich im Plauderton über Kajaljades [黛玉] letzte Worte vor ihrem Tod, so daß Schatzjade es mithören konnte. Sie sagte: „Solange ein Mensch auf der Welt ist, hat er Gefühle und Empfindungen. Doch nach dem Tode geht jeder seiner eigenen Wege, und es ist keineswegs so wie im Leben. Die Toten sind nicht mehr so, wie sie zu Lebzeiten waren. Die Lebenden mögen noch so sehr an ihnen hängen — die Verstorbenen wissen nichts davon. Zudem hat Fräulein Lin doch gesagt, sie gehe zu den Unsterblichen; sie betrachtet die Sterblichen als unreine, trübe Wesen — wie sollte sie sich noch in der irdischen Welt aufhalten wollen? Nur der eigene Argwohn der Menschen ruft allerlei Dämonen und böse Geister herbei, die einen dann heimsuchen." Obwohl Schatzspange mit Dufthauch sprach, waren die Worte für Schatzjades Ohren bestimmt. Dufthauch verstand und sagte ebenfalls: „So etwas gibt es nicht. Wenn Fräulein Lins Seele wirklich noch im Garten weilte — wir waren doch auch befreundet, warum habe ich dann nicht ein einziges Mal von ihr geträumt?"

Schatzjade hörte draußen zu und dachte sorgfältig nach: „Es ist wirklich seltsam! Ich weiß, daß Schwester Lin tot ist, und denke jeden Tag unzählige Male an sie — warum habe ich nie von ihr geträumt? Gewiß ist sie in den Himmel aufgestiegen und blickt auf mich gewöhnlichen Sterblichen herab, der nicht mit den Göttern verkehren kann — deshalb habe ich nicht einen einzigen Traum gehabt. Wenn ich heute nacht draußen im Vorzimmer schlafe, oder wenn ich aus dem Garten zurückkomme, wird sie vielleicht mein Herz kennen und mir im Traume erscheinen wollen. Ich muß sie unbedingt fragen, wo sie wirklich hingegangen ist, dann werde ich ihr auch regelmäßig Opfer darbringen. Wenn sie sich aber tatsächlich um dieses trübe Wesen nicht kümmert und kein einziger Traum kommt, dann werde ich auch aufhören, an sie zu denken." Sein Entschluß stand fest, und er sagte: „Ich werde heute nacht draußen im Vorzimmer schlafen. Ihr braucht euch nicht um mich zu kümmern."

Schatzspange drängte ihn nicht, sondern sagte nur: „Du brauchst nicht so wirre Gedanken zu haben. Hast du nicht gesehen, wie aufgeregt die Mutter war, als du in den Garten gegangen bist, so daß sie kaum ein Wort herausbrachte? Wenn du jetzt noch nicht auf deine Gesundheit achtest und die Großmutter davon erfährt, wird sie wieder sagen, wir kümmerten uns nicht genug." Schatzjade sagte: „Es wird schon nichts sein, ich sitze noch ein Weilchen und komme dann herein. Du bist auch müde, leg dich zuerst schlafen." Schatzspange rechnete damit, daß er ohnehin hereinkommen würde, und sagte zum Schein: „Ich gehe schlafen. Laß die Schwester Dufthauch dich bedienen."

Schatzjade hörte das und fand es gerade passend. Als Schatzspange sich niedergelegt hatte, ließ er Dufthauch und Moschusmond[4] [麝月] ein weiteres Bett aufschlagen und schickte ständig jemanden hinein, um nachzusehen, ob die Zweite Herrin schon eingeschlafen sei. Schatzspange tat absichtlich so, als schliefe sie, war aber die ganze Nacht unruhig. Schatzjade glaubte, Schatzspange schlafe, und sagte zu Dufthauch: „Geht alle schlafen, ich bin gar nicht traurig. Wenn du mir nicht glaubst, bediene mich, bis ich eingeschlafen bin, und geh dann hinein; du brauchst mich nur nicht zu wecken." Dufthauch bediente ihn tatsächlich bis zum Einschlafen, stellte Tee bereit, schloß die Tür und ging ins Innenzimmer, um nach dem Rechten zu sehen, legte sich dann selbst hin und döste nur, bereit, wieder herauszukommen, falls Schatzjade sich regen sollte.

Als Schatzjade sah, daß Dufthauch hineingegangen war, schickte er die beiden Nachtwache haltenden alten Weiber nach draußen. Dann setzte er sich leise auf, murmelte im Stillen einige Gebetsworte und legte sich erst dann nieder. Anfangs konnte er durchaus nicht einschlafen, doch nachdem er sein Herz beruhigt hatte, schlief er unversehens ein und ruhte die ganze Nacht friedlich. Erst als es hell wurde, erwachte er, rieb sich die Augen, saß da und dachte nach — doch er hatte keinen Traum gehabt. Er seufzte und sprach: „So ist es denn: ‚Seit langem trennt der Tod uns voneinander, und doch ist ihre Seele nie im Traum erschienen.'" [5]

Schatzspange hingegen hatte die ganze Nacht kein Auge zugetan. Als sie hörte, wie Schatzjade draußen diese beiden Verse murmelte, erwiderte sie: „Da hast du dich unbedacht ausgedrückt — wenn Schwester Lin noch am Leben wäre, würde sie sich wieder ärgern." Als Schatzjade das hörte, wurde es ihm verlegen zumute, und er stand auf, kam verlegen herein und sagte: „Eigentlich wollte ich hereinkommen, doch weiß ich nicht, wie es kam — ich bin einfach eingenickt." Schatzspange sagte: „Ob du hereinkommst oder nicht, was geht mich das an!"

Auch Dufthauch hatte nicht geschlafen. Als sie die beiden reden hörte, stand sie eilig auf und brachte Tee. Da kam ein kleines Mädchen von der Herzoginmutter[6] [贾母] herüber und fragte: „Hat der Zweite Herr Schatzjade letzte Nacht ruhig geschlafen? Wenn ja, soll er sich bald mit der Zweiten Herrin frisieren und herüberkommen." Dufthauch sagte: „Geh und melde der Herzoginmutter, daß Schatzjade letzte Nacht sehr ruhig geschlafen hat; er kommt gleich." Das kleine Mädchen ging. Schatzspange machte sich eilig zurecht, und Oriole [莺儿], Dufthauch und die anderen folgten ihr. Zuerst ging sie zur Herzoginmutter und erwies ihr die Ehre, dann zu Frau Wang[7] [王夫人], danach zu Phönixglanz[8] [王熙凤] — allen machte sie ihren Besuch. Dann kehrte sie zur Herzoginmutter zurück und traf auch ihre Mutter an. Alle fragten: „Geht es Schatzjade abends gut?" Schatzspange sagte: „Er hat sich gleich hingelegt und geschlafen, es gab nichts." Alle waren beruhigt und plauderten noch ein wenig.

Da kam ein kleines Mädchen herein und sagte: „Die Zweite Herrin Schwägerin will zurückfahren. Es heißt, daß von Schwager Suns Seite Leute gekommen sind und bei der Ersten Herrin einiges besprochen haben. Die Erste Herrin hat zum Quartier der Vierten Herrin schicken lassen und sagen lassen, man brauche sie nicht mehr aufzuhalten, sie solle gehen. Jetzt weint die Zweite Herrin Schwägerin bei der Ersten Herrin; wahrscheinlich kommt sie gleich, um sich von der Herzoginmutter zu verabschieden." Als die Herzoginmutter und alle es hörten, waren sie äußerst betrübt und sagten: „Willkommensfrühling[9] [迎春] ist doch eine so feine Person — warum muß das Schicksal ihr ausgerechnet solch einen Menschen bescheren? Ihr ganzes Leben lang kann sie den Kopf nicht heben — wie soll das nur enden?"

Während sie noch redeten, trat Willkommensfrühling herein, das Gesicht voller Tränenspuren. Da es Schatzspanges Geburtstag war, schluckte sie die Tränen hinunter, verabschiedete sich von allen und wollte gehen. Die Herzoginmutter kannte ihr Leid und versuchte sie nicht gewaltsam zurückzuhalten, sondern sagte nur: „Geh nur zurück, aber sei nicht traurig. Einen solchen Menschen zu treffen, dagegen ist kein Kraut gewachsen. In ein paar Tagen schicke ich jemanden, der dich wieder abholt." Willkommensfrühling sagte: „Die Großmutter hat mich von Anfang an geliebt, doch jetzt kann sie nichts mehr für mich tun. Die Ärmste, ich habe keine Gelegenheit mehr, wiederzukommen." Dabei strömten ihr die Tränen. Alle trösteten sie: „Was soll denn daran sein, daß du nicht wiederkommen könntest? Du bist doch nicht wie deine Dritte Schwester, die so weit weg ist, daß ein Wiedersehen schwierig wäre." Als die Herzoginmutter und die anderen an Willkommensfrühlings Dritte Schwester [探春] dachten, begannen unwillkürlich alle zu weinen. Da es Schatzspanges Geburtstag war, rissen sie sich zusammen und sagten: „So schwierig ist das auch nicht — wenn die Küstenprovinzen befriedet sind und die dortigen Anverwandten in die Hauptstadt versetzt werden, dann kann man sich wiedersehen." Alle sagten: „Ja, so wird es wohl sein."

Willkommensfrühling mußte trauernd Abschied nehmen. Alle geleiteten sie hinaus und kehrten dann zur Herzoginmutter zurück. Von morgens bis abends war wieder ein ganzer Tag vergangen. Als die Leute sahen, daß die Herzoginmutter erschöpft war, zerstreuten sich alle.

Nur Tante Schnee[10] [薛姨妈] verabschiedete sich von der Herzoginmutter und ging zu Schatzspange hinüber. Sie sagte: „Dein Bruder hat dieses Jahr hinter sich; man muß bis zu einer kaiserlichen Amnestie warten, bis seine Strafe gemildert und er ausgelöst werden kann. Diese paar Jahre — wie soll ich das allein und verlassen aushalten? Ich möchte deinen Zweiten Bruder [Xue Ke 薛蝌] verheiraten — was meinst du?" Schatzspange sagte: „Mutter hat Angst bekommen wegen der Heirat des älteren Bruders und zweifelt deshalb auch an der Sache des zweiten Bruders. Meiner Meinung nach sollte man es unbedingt tun. Die Xing-Schwägerin [Xing Xiuyan 邢岫烟] kennt Mutter ja — sie hat es hier auch recht schwer. Wenn man sie heiratet, mögen wir auch arm sein, aber es ist allemal besser, als bei fremden Leuten unterzukommen." Tante Schnee sagte: „Wenn du Gelegenheit hast, geh und sag es der Herzoginmutter — sag ihr, daß unser Haus niemanden hat und wir einen günstigen Tag wählen wollen." Schatzspange sagte: „Mutter soll nur mit dem Zweiten Bruder besprechen und einen guten Tag wählen, dann herüberkommen und es der Herzoginmutter und der Ersten Herrin sagen, sie heimführen, und damit ist die Sache erledigt. Die Erste Herrin hier kann es auch kaum erwarten, daß sie geheiratet wird." Tante Schnee sagte: „Heute habe ich gehört, daß auch die Xiang-Schwägerin [Shi Xiangyun 史湘云] bald zurückkehren wird. Die Herzoginmutter möchte, daß deine Schwester noch ein paar Tage hierbleibt, deshalb ist sie geblieben. Ich denke, auch sie wird nicht mehr lange bleiben — ihr Schwestern solltet noch ein paar Tage miteinander plaudern." Schatzspange sagte: „Ganz recht." Daraufhin saß Tante Schnee noch eine Weile, verabschiedete sich von allen und ging heim.

Nun wird erzählt, daß Schatzjade am Abend in sein Zimmer zurückkehrte und bei sich dachte: „Letzte Nacht ist Kajaljade mir wirklich nicht im Traum erschienen. Vielleicht ist sie schon zur Unsterblichen geworden und will sich deshalb einem so trüben Wesen wie mir nicht zeigen — das ist durchaus möglich. Oder aber ich war zu ungeduldig — auch das kann sein." Er ersann einen Plan und sagte zu Schatzspange: „Ich bin gestern zufällig draußen eingeschlafen, und es scheint, als hätte ich draußen ruhiger geschlafen als drinnen. Heute morgen fühlte ich mich auch klarer im Kopf. Ich möchte noch zwei Nächte draußen schlafen, aber ihr werdet mich wohl wieder daran hindern."

Schatzspange hörte es und wußte genau, daß die Verse, die er am Morgen gemurmelt hatte, natürlich Kajaljades wegen gewesen waren. Da sie bedachte, daß sein eigensinniges Naturell nicht umzustimmen war, hielt sie es für besser, ihn zwei Nächte schlafen zu lassen, damit er sich die Sache vielleicht von selbst aus dem Kopf schlage; zudem hatte sie gehört, daß er in der vergangenen Nacht durchaus ruhig geschlafen hatte. Sie sagte: „Was für ein Unsinn! Schlaf nur, wir halten dich doch nicht auf. Nur denk dir nicht lauter wirres Zeug aus und ruf damit Dämonen und Spukgestalten herbei." Schatzjade lachte: „Wer denkt denn an so etwas?"

Dufthauch sagte: „Ich rate dem Zweiten Herrn, doch lieber im Zimmer zu schlafen. Draußen kann man nicht gleich nach dem Rechten sehen, und wenn Ihr Euch erkältet, ist das auch nicht gut." Schatzjade wollte gerade antworten, da machte Schatzspange Dufthauch ein Zeichen mit den Augen. Dufthauch verstand und sagte: „Na gut, dann laß wenigstens jemanden bei dir sein, der dir nachts Tee und Wasser bringen kann." Schatzjade lachte: „Wenn schon, dann komm du mit mir." Dufthauch wurde es peinlich zumute, augenblicklich errötete sie bis über beide Ohren und sagte kein Wort. Schatzspange kannte Dufthauchs gesetztes Wesen und sagte: „Sie ist es gewohnt, bei mir zu sein — laß sie nur bei mir. Moschusmond und Wu'er [五儿] können sich um dich kümmern. Außerdem hat sie heute den ganzen Tag mit mir herumgewirtschaftet und ist müde — laß sie ein wenig ausruhen."

Schatzjade ging lachend hinaus. Schatzspange wies Moschusmond und Wu'er an, für Schatzjade im Vorzimmer wieder ein Bett aufzuschlagen, und ermahnte die beiden: „Schlaft mit einem offenen Auge; ob Tee, ob Wasser — seid aufmerksam." Die beiden sagten ja und kamen heraus. Da sahen sie Schatzjade aufrecht auf dem Bett sitzen, die Augen geschlossen, die Hände gefaltet — wahrhaftig wie ein Mönch. Die beiden wagten nicht zu sprechen und konnten ihn nur anblicken und kichern. Schatzspange schickte Dufthauch noch hinaus, um nach dem Rechten zu sehen. Als Dufthauch ihn so sah, mußte sie auch lachen und rief leise: „Es ist Zeit zu schlafen — was sitzt du denn da und meditierst?" Schatzjade öffnete die Augen, sah Dufthauch und sagte: „Geht nur alle schlafen, ich sitze noch ein Weilchen und lege mich dann hin." Dufthauch sagte: „Weil du gestern so warst, hat die Zweite Herrin die ganze Nacht nicht geschlafen. Wenn du so weitermachst, was soll denn das werden?" Schatzjade merkte, daß niemand schlafen würde, solange er selbst nicht schlief, und legte sich gehorsam nieder. Dufthauch ermahnte Moschusmond noch mit einigen Worten und ging dann hinein, schloß die Tür und schlief. Hier räumten Moschusmond und Wu'er ihre Betten zusammen und warteten, bis Schatzjade eingeschlafen war, dann legten sie sich selbst hin.

Doch Schatzjade wollte schlafen und konnte nicht. Als er sah, wie die beiden ihre Betten richteten, fiel ihm plötzlich ein: „In jenem Jahr, als Dufthauch nicht zu Hause war, bedienten mich Heitermuster[11] [晴雯] und Moschusmond. Nachts ging Moschusmond hinaus, und Heitermuster wollte sie erschrecken; weil sie nichts übergezogen hatte, erkältete sie sich, und schließlich ist sie an eben dieser Krankheit gestorben." Bei diesem Gedanken wandten sich alle seine Gedanken Heitermuster zu. Dann fiel ihm ein, daß Phönixglanz gesagt hatte, Wu'er sei Heitermuster wie ein Ebenbild, und er übertrug seine Sehnsucht nach Heitermuster auf Wu'er. Er tat so, als schliefe er, und beobachtete Wu'er verstohlen — je länger er schaute, desto mehr glich sie Heitermuster. Unwillkürlich regte sich wieder sein eigensinniges Wesen. Er lauschte und hörte, daß es im Innenzimmer still geworden war — dort schlief man also. Doch er wußte nicht, ob Moschusmond schon schlief, und rief absichtlich zwei Mal — doch niemand antwortete.

Wu'er hörte, daß Schatzjade nach jemandem rief, und fragte: „Was wünscht der Zweite Herr?" Schatzjade sagte: „Ich möchte mir den Mund ausspülen." Wu'er sah, daß Moschusmond bereits schlief, und stand widerwillig auf, putzte die Kerze, goß eine Tasse Tee ein und hielt mit der anderen Hand die Spülschale. Da sie eilig aufgestanden war, trug sie nur ein dünnes pfirsichrotes Seidenjäckchen und hatte das Haar lose hochgesteckt. Als Schatzjade hinblickte, war es wahrhaftig, als sei Heitermuster wiedererstanden. Da fielen ihm Heitermusters Worte ein: „Hätte ich gewußt, daß ich den Ruf ohne die Tat trage, hätte ich auch gleich zur Tat geschritten" — und er starrte sie geistesabwesend an, ohne den Tee zu nehmen.

Jene Wu'er hatte, seit Duftköpfchen [芳官] fortgegangen war, eigentlich kein Herz mehr gehabt, hierher zu kommen. Später, als sie hörte, daß Phönixglanz sie hereinbeordert hatte, um Schatzjade zu bedienen, war sie noch ungeduldiger als Schatzjade selbst, der auf ihr Kommen wartete. Doch als sie dann wirklich da war und sah, wie Schatzspange und Dufthauch gleichermaßen vornehm und gesetzt waren, empfand sie in ihrem Herzen aufrichtige Bewunderung. Zudem bemerkte sie, daß Schatzjade sich verrückt und töricht benahm, nicht mehr so anmutig wie früher. Und sie hatte gehört, daß Frau Wang alle Mädchen, die mit Schatzjade gescherzt hatten, hinausgeworfen hatte. Deshalb legte sie ihre mädchenhafte Zärtlichkeit und ihre frühere schwärmerische Zuneigung ganz beiseite.

Doch an diesem Abend behandelte der eigensinnige junge Herr sie wie Heitermuster und begann sie zu umhegen. Wu'er war längst vor Scham über beide Wangen errötet, wagte aber nicht laut zu sprechen und sagte nur leise: „Zweiter Herr, spült Euch doch den Mund." Schatzjade nahm lächelnd die Tasse in die Hand — ob er sich den Mund gespült hatte oder nicht, war unklar — und fragte dann grinsend: „Du warst doch mit Schwester Heitermuster befreundet, nicht wahr?" Wu'er wußte nicht, wovon er sprach, und sagte: „Wir waren alle Schwestern, es gab nichts, was nicht gut gewesen wäre." Schatzjade fragte leise weiter: „Als Heitermuster schwer krank war und ich sie besuchte — warst du da nicht auch dabei?" Wu'er lächelte leicht und nickte. Schatzjade fragte: „Hast du gehört, was sie gesagt hat?" Wu'er schüttelte den Kopf: „Nein."

Schatzjade war bereits ganz entrückt und ergriff Wu'ers Hand. Wu'er erschrak und errötete, ihr Herz klopfte wild, und sie sagte leise: „Zweiter Herr, wenn Ihr etwas zu sagen habt, sagt es ruhig, aber bitte kein Zerren und Ziehen." Schatzjade ließ sie erst dann los und sagte: „Sie hat zu mir gesagt: ‚Hätte ich gewußt, daß ich den Ruf ohne die Tat trage, hätte ich auch gleich zur Tat geschritten.' Wie kannst du das nicht gehört haben?"

Wu'er hörte das und merkte deutlich, daß diese Worte auf sie selbst abzielten, wagte aber nichts zu erwidern und sagte: „Das war doch ihr eigenes schamloses Gerede — können wir Mädchen so etwas sagen?" Schatzjade rief aufgeregt: „Wieso bist auch du so ein Moralprediger? Ich sehe, daß du ihr aufs Haar gleichst, deshalb sage ich dir diese Dinge — wie kannst du sie mit solchen Worten beschmutzen?" Wu'er wußte in diesem Augenblick nicht, was Schatzjade eigentlich meinte, und sagte: „Es ist spät in der Nacht, Zweiter Herr, legt Euch schlafen. Sitzt nicht die ganze Zeit auf, Ihr könntet Euch erkälten. Was haben die Herrin und Schwester Dufthauch vorhin gesagt?" Schatzjade sagte: „Mir ist nicht kalt."

An dieser Stelle fiel ihm plötzlich ein, daß Wu'er keinen Mantel anhatte, und er fürchtete, sie könnte sich wie Heitermuster erkälten. Er fragte: „Warum bist du herübergekommen, ohne dir etwas überzuziehen?" Wu'er sagte: „Der Herr hat so dringend gerufen, wo hätte ich Zeit gehabt, mich erst ordentlich anzuziehen? Hätte ich gewußt, daß wir so lange reden, hätte ich mich auch angezogen." Schatzjade nahm sogleich seinen eigenen mondweißen Seidenwattejacke, die über ihn gebreitet lag, und reichte sie Wu'er, damit sie sich darin einwickle. Wu'er weigerte sich anzunehmen und sagte: „Der Zweite Herr soll sich zudecken, mir ist nicht kalt; wenn mir kalt ist, habe ich meine eigenen Sachen."

Damit ging sie zu ihrem Bett zurück und zog eine lange Jacke über. Sie horchte — Moschusmond schlief tief und fest. Dann kam sie langsam herüber und sagte: „Wollte der Zweite Herr heute nacht nicht den Geist beruhigen?" Schatzjade lachte: „Ich sage es dir ehrlich — was ‚Geist beruhigen', ich wollte eigentlich Unsterblichen begegnen." Wu'er wurde immer mißtrauischer und fragte: „Welchen Unsterblichen begegnen?" Schatzjade sagte: „Wenn du es wissen willst, das ist eine lange Geschichte. Setz dich neben mich, dann erzähle ich es dir." Wu'er errötete und lachte: „Ihr liegt da im Bett — wie soll ich mich denn setzen?" Schatzjade sagte: „Was macht das schon? In jenem kalten Winter spielten deine Schwester Heitermuster und Schwester Moschusmond miteinander. Ich fürchtete, sie könne frieren, und nahm sie sogar mit unter eine Decke. Was ist schon dabei? Im allgemeinen soll man sich nicht so affig und heuchlerisch anstellen."

Wu'er hörte es, und Satz für Satz klangen Schatzjades Worte wie Schmeichelei — doch wußte sie nicht, daß dieser eigensinnige junge Herr jedes Wort von Herzen meinte. Wu'er wußte in diesem Augenblick weder, ob sie gehen, stehen oder sich setzen sollte, und war ganz ratlos. Sie blickte ihn aus den Augenwinkeln an, preßte die Lippen zusammen und kicherte: „Hört auf, solches Zeug zu reden — wenn jemand das hört, was soll der denken? Kein Wunder, daß die Leute sagen, Ihr wendet Eure ganze Mühe nur an die Mädchen. Ihr habt doch die Zweite Herrin und Schwester Dufthauch, die wie Göttinnen sind — und mißt Euch lieber mit anderen herum. Wenn Ihr morgen wieder so redet, gehe ich zur Zweiten Herrin und sage es — dann schauen wir mal, wie Ihr den Leuten ins Gesicht blickt!"

Gerade als sie das sagte, hörten sie draußen ein dumpfes Poltern, und beide erschraken. Im Innenzimmer hustete Schatzspange. Schatzjade hörte es und legte hastig den Finger auf die Lippen. Wu'er löschte eilig die Lampe und legte sich leise hin. In Wahrheit hatten Schatzspange und Dufthauch, da sie in der vergangenen Nacht nicht geschlafen und tagsüber den ganzen Tag geschuftet hatten, so fest geschlafen, daß sie ihr Gespräch gar nicht gehört hatten. Als es im Hof polterte, fuhren sie jäh aus dem Schlaf, lauschten eine Weile und hörten nichts mehr.

Schatzjade lag im Bett und grübelte: „Sollte Schwester Lin gekommen sein, unser Gespräch gehört und uns absichtlich erschreckt haben?" Er wälzte sich hin und her, in wirren Gedanken, und erst nach der fünften Nachtwache fiel er in einen leichten Schlummer.

Nun wird erzählt, daß Wu'er, die Schatzjades alberne Reden eine halbe Nacht lang über sich hatte ergehen lassen, überdies durch Schatzspanges Husten ein schlechtes Gewissen bekam, weil sie fürchtete, Schatzspange könnte alles gehört haben. Sie grübelte vor und zurück und schlief die ganze Nacht nicht. Am nächsten Morgen stand sie früh auf und sah, daß Schatzjade noch in tiefem Schlummer lag. Leise räumte sie das Zimmer auf. Inzwischen war Moschusmond wach geworden und sagte: „Warum bist du so früh aufgestanden? Hast du etwa die ganze Nacht nicht geschlafen?" Als Wu'er das hörte, glaubte sie, Moschusmond wüßte Bescheid, und konnte nur verlegen lächeln, ohne zu antworten. Bald standen auch Schatzspange und Dufthauch auf und öffneten die Tür. Als sie sahen, daß Schatzjade noch schlief, wunderten sie sich: „Wie kommt es, daß er draußen zwei Nächte lang so ruhig geschlafen hat?"

Als Schatzjade erwachte und sah, daß alle schon auf waren, sprang er hastig auf. Er rieb sich die Augen und dachte sorgfältig nach — auch letzte Nacht hatte er nicht geträumt; die Wege der Unsterblichen und Sterblichen waren also wirklich getrennt. Langsam stieg er aus dem Bett und erinnerte sich an Wu'ers gestrige Worte, daß Schatzspange und Dufthauch wie himmlische Göttinnen seien — das war eigentlich gar nicht falsch. So starrte er Schatzspange geistesabwesend an.

Schatzspange sah sein Starren und wußte, daß es wegen Kajaljade war, doch sie konnte nicht sicher sein, ob er geträumt hatte oder nicht. Nur daß sein Starren sie selbst verlegen machte. Sie sagte: „Bist du gestern nacht einer Unsterblichen begegnet?" Schatzjade hörte es und glaubte, Schatzspange habe das Gespräch von gestern abend gehört. Er lachte verlegen und sagte gezwungen: „Was für ein Unsinn!" Als Wu'er das hörte, wurde sie nur noch nervöser, wagte aber nichts zu sagen und beobachtete nur Schatzspanges Miene. Schatzspange fragte Wu'er lächelnd: „Hast du gehört, ob der Zweite Herr im Schlaf geredet hat?" Schatzjade hörte das, konnte nicht mehr sitzen bleiben und schlüpfte verlegen davon.

Wu'er errötete tief und sagte nur vage: „In der ersten Nachthälfte hat er ein paar Sätze gesagt, ich habe nicht genau zugehört. Etwas von ‚einen falschen Ruf getragen' und ‚keinen ordentlichen Entschluß gefaßt' — ich habe es nicht verstanden und den Zweiten Herrn zum Schlafen ermahnt. Danach bin ich auch eingeschlafen und weiß nicht, ob der Zweite Herr noch weiter geredet hat." Schatzspange senkte den Kopf und überlegte: „Diese Worte beziehen sich eindeutig auf Kajaljade. Doch wenn ich ihn ständig draußen schlafen lasse, könnte sein Geist sich verirren und allerlei Blumen- und Weidengespenster herbeirufen. Zudem lag sein altes Leiden ja immer in seiner tiefen Zuneigung zu den Schwestern. Man muß einen Weg finden, seine Zuneigung auf mich zu lenken, dann wird es vielleicht Ruhe geben." Bei diesem Gedanken errötete sie unwillkürlich, und auch ihr wurde es verlegen zumute. So ging sie linkisch ins Zimmer, um sich frisieren und waschen zu lassen.

Nun wird berichtet, daß die Herzoginmutter an den beiden festlichen Tagen etwas zuviel gegessen hatte und sich am Abend unwohl fühlte. Am nächsten Tag hatte sie ein Völlegefühl in der Brust. Mandarinenente[12] [鸳鸯] und die anderen wollten Kaufmann Aufrecht[13] [贾政] benachrichtigen, doch die Herzoginmutter verbot es ihnen und sagte: „Ich war in den letzten Tagen etwas gierig und habe zuviel gegessen. Wenn ich eine Mahlzeit auslasse, wird es schon besser. Macht nur ja keinen Lärm!" So sagten Mandarinenente und die anderen niemandem Bescheid.

Am Abend dieses Tages kehrte Schatzjade in sein Zimmer zurück. Schatzspange war gerade von ihrem Besuch bei der Herzoginmutter und Frau Wang zurückgekommen. Schatzjade dachte an die peinliche Angelegenheit vom Morgen und schämte sich. Schatzspange sah ihn so und wußte, daß es ihm unangenehm war. Da sie bedachte, daß er ein leidenschaftlicher Mensch war, mußte man seine Krankheit wohl mit Leidenschaft heilen. Sie überlegte und fragte Schatzjade dann: „Willst du heute abend wieder draußen schlafen?" Schatzjade fühlte sich beschämt und sagte: „Drinnen oder draußen, das ist alles dasselbe." Schatzspange wollte noch etwas sagen, aber es kam ihr nicht über die Lippen.

Dufthauch sagte: „Laßt doch, was soll das für eine Ordnung sein? Ich glaube nicht, daß er so ruhig geschlafen hat." Wu'er hörte das und warf schnell ein: „Wenn der Zweite Herr draußen schläft, gibt es weiter nichts — nur redet er gern im Schlaf, man versteht kein Wort, und man traut sich auch nicht, ihm zu widersprechen." Dufthauch sagte: „Heute nacht werde ich draußen auf dem Bett schlafen und nachsehen, ob er im Schlaf redet oder nicht. Bringt einfach das Bettzeug des Zweiten Herrn ins Innenzimmer, dann ist es erledigt."

Schatzspange hörte das und sagte nichts. Schatzjade schämte sich — wie hätte er da noch widersprechen können? Also fügte er sich und zog wieder ins Innenzimmer. Zum einen wollte Schatzjade sein Vergehen gutmachen und Schatzspanges Herz beruhigen; zum anderen fürchtete Schatzspange, Schatzjade könnte vor Grübelei krank werden, und zeigte ihm lieber etwas Zärtlichkeit und Nähe — eine List, um die Blume zu verpflanzen und den Stamm zu wechseln [14]. So schlief Dufthauch tatsächlich an diesem Abend draußen. Schatzjade hatte natürlich die Absicht, sein Vergehen abzubüßen, und Schatzspange war natürlich nicht abgeneigt, den Gast zu empfangen. Von der Hochzeitsnacht bis zum heutigen Tage war es erst jetzt so weit, daß Regen und Wolken sich süß vereinten und Dunst und Nebel sich harmonisch vermischten [15]. Fortan „verbanden sich Yin und Yang, die fünf Wandlungsphasen fügten sich wunderbar zusammen und verdichteten sich" [16]. Doch dies ist eine spätere Geschichte.

Am nächsten Morgen standen Schatzjade und Schatzspange gemeinsam auf. Schatzjade machte sich zurecht und ging als erstes zur Herzoginmutter hinüber. Die Herzoginmutter, die Schatzjade liebte und auch an Schatzspanges Pietät dachte, fiel plötzlich ein bestimmter Gegenstand ein. Sie ließ Mandarinenente eine Truhe öffnen und ein von den Vorfahren vererbtes Jadestück aus der Han-Dynastie herausnehmen — ein Jade-Jue [17]. Zwar kam es nicht an Schatzjades eigenen Jadestein heran, doch am Körper getragen war es durchaus kostbar. Mandarinenente fand es und reichte es der Herzoginmutter, wobei sie sagte: „Dieses Stück habe ich anscheinend noch nie gesehen. Die Herzoginmutter erinnert sich nach all den Jahren noch so genau — sie sagte, in welcher Truhe, in welchem Kästchen es lag, und ich brauchte nur hinzugreifen. Wozu läßt die Herzoginmutter es jetzt heraussuchen?" Die Herzoginmutter sagte: „Das weißt du nicht. Dieses Jadestück hat mein Urgroßvater meinem Großvater gegeben. Mein Großvater liebte mich, und als ich heiratete, ließ er mich zu sich kommen und gab es mir eigenhändig. Er sagte noch: ‚Dieses Jade stammt aus der Han-Dynastie und ist sehr kostbar. Wenn du es trägst, ist es, als sähest du mich.' Damals war ich noch klein; ich nahm es und machte mir nichts daraus — warf es einfach in die Truhe. Als ich hierherkam, sah ich, daß unsere Familie ohnehin viele Schätze besaß; was war das schon? Ich habe es nie getragen und über sechzig Jahre lang vergessen. Heute, da Schatzjade so voller Pietät ist und seinen Jadestein verloren hat, dachte ich daran, es herauszuholen und ihm zu geben — ganz im Sinne meines Großvaters, der es mir einst schenkte."

Als Schatzjade seine Aufwartung gemacht hatte, sagte die Herzoginmutter freudig: „Komm her, ich zeige dir etwas." Schatzjade trat ans Bett, und die Herzoginmutter reichte ihm das Han-Jade. Schatzjade betrachtete es: Es war etwa drei Zoll im Umfang, melonenförmig, rötlich schimmernd und äußerst fein gearbeitet. Schatzjade pries es in den höchsten Tönen. Die Herzoginmutter fragte: „Gefällt es dir? Mein Urgroßvater hat es mir gegeben — ich vererbe es dir." Schatzjade lachte, machte eine tiefe Verbeugung zum Dank und wollte es seiner Mutter zeigen. Die Herzoginmutter sagte: „Wenn deine Mutter es sieht und es deinem Vater erzählt, wird er wieder sagen, ich liebte die Enkel mehr als die Söhne. Die haben es noch nie gesehen." Schatzjade ging lachend davon. Schatzspange und die anderen wechselten noch ein paar Worte und verabschiedeten sich ebenfalls.

Von da an nahm die Herzoginmutter zwei Tage lang keine Nahrung zu sich. Die Brust war immer noch aufgebläht, und sie fühlte Schwindel und Husten. Frau Xing[18] [邢夫人], Frau Wang, Phönixglanz und andere kamen, um nach ihr zu sehen. Da die Herzoginmutter noch bei gutem Geist war, ließen sie nur Kaufmann Aufrecht informieren, der sogleich kam und nach ihr sah. Kaufmann Aufrecht ging hinaus und rief sofort einen Arzt. Nach kurzer Zeit kam der Arzt, untersuchte den Puls und sagte, es handle sich bei einer betagten Person um eine Verdauungsstörung mit leichter Erkältung; ein wenig verdauungsanregende und schweißtreibende Medizin, und alles werde gut. Er schrieb ein Rezept. Kaufmann Aufrecht sah es sich an, erkannte gewöhnliche Kräuter und ließ die Medizin kochen und verabreichen. Danach kam Kaufmann Aufrecht morgens und abends, um nach der Herzoginmutter zu sehen.

Drei Tage vergingen ohne Besserung. Kaufmann Aufrecht befahl Kaufmann Kette [贾琏]: „Erkundige dich nach einem guten Arzt und hole ihn schnell, um die Herzoginmutter zu untersuchen. Die Ärzte, die wir gewöhnlich rufen, scheinen mir nicht besonders gut zu sein — deshalb schicke ich dich." Kaufmann Kette überlegte und sagte: „Ich erinnere mich, daß in jenem Jahr, als Bruder Schatzjade krank war, ein Arzt gerufen wurde, der gar nicht praktizierte, und der hat ihn geheilt. Warum suchen wir nicht ihn?" Kaufmann Aufrecht sagte: „Die Heilkunst ist in der Tat äußerst schwierig; gerade die Ärzte, die nicht in Mode sind, haben oft die größte Begabung. Schick sofort Leute, ihn zu suchen." Kaufmann Kette ging eilig und kam zurück mit der Nachricht: „Dieser Doktor Liu ist kürzlich aufs Land gezogen, um als Lehrer zu arbeiten, und kommt nur alle zehn Tage in die Stadt. Jetzt können wir nicht so lange warten. Ich habe einen anderen bestellt, der kommt gleich." Kaufmann Aufrecht hörte es und mußte sich damit abfinden.

Als die Herzoginmutter krank lag, kamen alle Frauen des Hauses täglich, um nach ihr zu sehen. Eines Tages, als alle versammelt waren, kam die alte Frau, die die Gartenpforte bewachte, herein und meldete: „Die ehrwürdige Meisterin Miao[19] [妙玉] aus dem Grünlack-Kloster [栊翠庵] im Garten hat von der Krankheit der Herzoginmutter erfahren und kommt eigens, um nach ihr zu sehen." Die Leute sagten: „Sie kommt sonst nicht oft herüber; wenn sie heute eigens kommt, bittet sie schnell herein." Phönixglanz ging zum Bett und meldete es der Herzoginmutter. Xiuyan[20] [邢岫烟], die Meisterin Miao von früher kannte, ging als erste hinaus, um sie zu empfangen. Sie sah Meisterin Miao mit der Miaochangguan-Haube auf dem Kopf [21], in einem mondweißen Seidenhemd, darüber eine lange Weste aus wasserblauem Atlas mit eingefaßtem Rand, mit einer herbstgelben Seidenkordel gegürtet, darunter einen weißen Seidenrock mit blasser Tuschmalerei. In der Hand hielt sie einen Fliegenwedel und einen Rosenkranz, und eine Dienerin folgte ihr — so kam sie herangeschwebt. Xiuyan begrüßte sie und sagte: „Als ich noch im Garten wohnte, konnte ich dich oft besuchen. Seit weniger Leute im Garten wohnen, kommt man als einzelne Frau nicht leicht heraus, und außerdem ist unsere Gartenpforte meist geschlossen — deshalb habe ich dich in letzter Zeit nicht gesehen. Welch glückliches Treffen heute!" Meisterin Miao sagte: „Früher wart ihr alle in eurer lebhaften Gesellschaft, und obwohl du auch im äußeren Garten wohntest, schickte es sich für mich nicht, ständig zu kommen. Nun weiß ich, daß es hier nicht mehr so gut steht; ich habe gehört, daß die Herzoginmutter krank liegt; ich denke an dich und will auch Fräulein Schatzspange sehen. Ob ihr die Türen sperrt oder nicht — wenn ich kommen will, komme ich; und wenn ich nicht kommen will, könnt ihr mich auch nicht herbeirufen!" Xiuyan lachte: „Du hast noch immer dein altes Temperament."

Während sie sprachen, gelangten sie ins Zimmer der Herzoginmutter. Alle begrüßten sich. Meisterin Miao trat ans Bett der Herzoginmutter und erkundigte sich nach ihrem Befinden, wobei sie einige Höflichkeitsfloskeln sagte. Die Herzoginmutter sprach: „Du bist eine weibliche Bodhisattva — sag mir, ob meine Krankheit zu heilen ist oder nicht." Meisterin Miao sagte: „Ein so gütiger Mensch wie die Herzoginmutter hat gewiß noch viele Lebensjahre. Eine vorübergehende Erkältung — ein paar Rezepte, und es wird schon besser. Bei betagten Personen kommt es nur darauf an, sich nicht zu viele Sorgen zu machen." Die Herzoginmutter sagte: „Mir geht es gar nicht um solche Dinge — ich suche von jeher gern das Vergnügen. Diese Krankheit spüre ich kaum, nur die Brust ist mir beklemmt. Vorhin sagte der Arzt, es komme von Kummer und Ärger. Du weißt doch selbst — wer wagte es, mir Ärger zu bereiten? Ist das nicht ein Beweis, daß der Arzt den Puls nur mittelmäßig liest? Ich habe zu Kaufmann Kette gesagt, der erste Arzt, der Erkältung und Verdauungsstörung diagnostizierte, lag richtig — morgen soll er ihn wieder holen." Dann rief sie Mandarinenente: „Sag der Küche, sie soll ein rein vegetarisches Mahl zubereiten — die ehrwürdige Meisterin Miao soll hier zu Mittag essen." Meisterin Miao sagte: „Ich habe schon zu Mittag gegessen; ich esse nichts mehr." Frau Wang sagte: „Dann setz dich wenigstens noch ein Weilchen, und wir plaudern." Meisterin Miao sagte: „Ich habe euch schon lange nicht gesehen; heute kam ich, um nach euch zu sehen." Sie unterhielt sich noch eine Weile und wollte dann gehen. Da sah sie Xichun[22] [惜春] stehen und fragte: „Warum ist die Vierte Schwester so mager geworden? Du solltest nicht so viel malen und dein Herz anstrengen." Xichun sagte: „Ich habe schon lange nicht mehr gemalt. Die Räume, in denen ich jetzt wohne, sind nicht so hell wie im Garten — deshalb habe ich keine Lust mehr zu malen." Meisterin Miao fragte: „Wo wohnst du denn jetzt?" Xichun sagte: „Gleich östlich von der Pforte, durch die du eben gekommen bist. Wenn du mich besuchen willst, ist es ganz nah." Meisterin Miao sagte: „Wenn mir danach ist, komme ich dich besuchen." Xichun und die anderen geleiteten sie hinaus. Als sie zurückkamen, hörten sie die Mägde sagen, der Arzt sei bei der Herzoginmutter, und alle zerstreuten sich vorläufig.

Die Krankheit der Herzoginmutter verschlimmerte sich jedoch von Tag zu Tag. Die ärztliche Behandlung zeigte keine Wirkung, und es kam noch Durchfall hinzu. Kaufmann Aufrecht war sehr besorgt, wußte, daß die Krankheit schwer zu heilen war, und ließ seinen Urlaub vom Amt melden. Tag und Nacht pflegte er zusammen mit Frau Wang die Kranke persönlich und reichte ihr die Medizin.

Eines Tages, als die Herzoginmutter ein wenig gegessen hatte und Kaufmann Aufrechts Sorge etwas nachließ, sah er eine alte Frau vor der Tür herumspähen. Frau Wang schickte Caiyun [彩云] nachsehen, wer es sei. Caiyun erkannte die Begleiterin, die Willkommensfrühling zum Hause Sun begleitet hatte, und sagte: „Was willst du hier?" Die alte Frau sagte: „Ich bin schon eine halbe Ewigkeit hier, konnte aber keine der Fräulein finden. Ich wagte nicht, mich vorzudrängen, und bin doch so in Sorge." Caiyun fragte: „Was hast du für Sorgen? Hat der Schwiegersohn die Herrin wieder mißhandelt?" Die alte Frau sagte: „Der Herrin geht es schlecht! Vorgestern gab es wieder einen schrecklichen Streit, die Herrin weinte die ganze Nacht. Gestern hat Schleim ihr die Atemwege verstopft. Die haben auch keinen Arzt geholt, und heute ist es noch schlimmer." Caiyun sagte: „Die Herzoginmutter ist krank — mach hier keine Aufregung."

Frau Wang hatte drinnen alles gehört und fürchtete, die Herzoginmutter könnte es hören und sich aufregen. Eilig ließ sie Caiyun die Frau nach draußen bringen. Doch die Herzoginmutter, deren Geist in der Krankheit besonders wach war, hatte jedes Wort gehört und fragte: „Will Willkommensfrühling sterben?" Frau Wang sagte: „Nein, nein. Die alten Weiber kennen kein Maß; sie sagen nur, sie sei seit einigen Tagen ein wenig krank und werde wohl nicht so schnell gesund. Sie kommen hierher, um nach dem Arzt zu fragen." Die Herzoginmutter sagte: „Dann schickt unseren Arzt hin. Beeilt euch!" Frau Wang ließ Caiyun die alte Frau zur Ersten Herrin [Frau Xing] schicken. Die alte Frau ging.

Da begann die Herzoginmutter zu weinen und sagte: „Meine drei Enkeltöchter — eine hat das Glück bis zum Ende genossen und ist gestorben [23]; die Dritte ist weit fortgeheiratet und läßt sich nicht mehr sehen; Willkommensfrühling hat es zwar schwer, aber vielleicht übersteht sie es — doch daß ein so junges Mädchen schon sterben soll, damit habe ich nicht gerechnet. Wozu lebe ich Alte noch?" Frau Wang, Mandarinenente und die anderen trösteten sie eine ganze Weile.

Zu dieser Zeit waren Schatzspange, Frau Li[24] [李纨] und die anderen nicht im Zimmer; Phönixglanz war seit kurzem selbst krank. Frau Wang, die fürchtete, die Herzoginmutter könnte vor Trauer noch kränker werden, ließ sie alle herbeiholen. Sie selbst ging in ihr Zimmer zurück und schalt Caiyun: „Diese dumme Alte! Von jetzt an, wenn ich bei der Herzoginmutter bin, braucht ihr mit nichts zu kommen!" Die Mägde gehorchten und sagten nichts mehr.

Doch kaum war die alte Frau bei Frau Xing eingetroffen, brachten die Leute von draußen die Nachricht: „Die Zweite Herrin Schwägerin ist gestorben." Als Frau Xing es hörte, weinte sie eine ganze Weile. Da Willkommensfrühlings Vater [Kaufmann Begnadigung / 贾赦] nicht daheim war, ließ sie nur Kaufmann Kette hingehen, um nachzusehen. Da die Herzoginmutter schwer krank war, wagte niemand, es ihr zu sagen. Ach, die arme Willkommensfrühling — blumenschön und mondgleich, kaum ein Jahr verheiratet, vom Hause Sun zu Tode gequält! Und da die Herzoginmutter im Sterben lag, konnte niemand fortgehen; man ließ die Familie Sun die Beerdigung notdürftig erledigen.

Die Krankheit der Herzoginmutter nahm von Tag zu Tag zu. Sie dachte ständig an ihre Enkeltöchter. Einmal dachte sie an Xiangyun[25] [史湘云] und schickte Leute, nach ihr zu sehen. Der Bote kam zurück und suchte leise Mandarinenente; da diese aber am Bett der Herzoginmutter saß und auch Frau Wang dabei war, traute er sich nicht hinauf. Er ging nach hinten und fand Hupo[26] [琥珀] und erzählte ihr: „Die Herzoginmutter vermißt die Xiang-Schwester und hat mich losgeschickt, Erkundigungen einzuziehen. Wer hätte gedacht, daß die Xiang-Schwester bitter weint! Sie sagt, ihr Mann sei plötzlich schwer erkrankt, alle Ärzte hätten ihn gesehen, und man fürchtet, er werde nicht gesund. Wenn es sich in eine Schwindsucht verwandelt, könne er vielleicht noch vier, fünf Jahre hinschleppen. Die Xiang-Schwester macht sich große Sorgen. Sie weiß auch von der Krankheit der Herzoginmutter und kann nur nicht zur Aufwartung kommen. Sie bittet, es vor der Herzoginmutter nicht zu erwähnen, und falls die Herzoginmutter fragen sollte, sollen wir uns eine Ausrede einfallen lassen." Als Hupo das hörte, seufzte sie nur und sagte lange nichts. Dann sagte sie: „Geh nur." Hupo wagte es auch nicht, es zu berichten; sie wollte Mandarinenente informieren und sie lügen lassen. Als sie an das Bett der Herzoginmutter trat, sah sie, daß sich die Gesichtsfarbe der Herzoginmutter stark verändert hatte. Im Zimmer standen die Leute dicht an dicht und flüsterten: „Es sieht nicht gut aus." Da wagte sie nicht mehr zu sprechen.

Kaufmann Aufrecht winkte Kaufmann Kette leise zu sich und flüsterte ihm einige Worte ins Ohr. Kaufmann Kette antwortete leise, ging hinaus, versammelte alle im Hause anwesenden Leute und sagte: „Was die Angelegenheit der Herzoginmutter betrifft — sowie es so weit ist, geht schnell und verteilt die Aufgaben. Erstens: Laßt den Sarg herausschaffen und prüft, ob die Auskleidung in Ordnung ist. Zweitens: Geht schnell zu allen und nehmt die Maße für die Kleidung auf, schreibt alles genau auf und laßt die Schneider sofort die Trauerkleider nähen. Drittens: Die Trauerzelte, die Sargträger und das Geleit müssen bestellt werden. Viertens: Die Küche braucht mehr Personal." Laide [赖大] und die anderen fragten: „Zweiter Herr, um all das braucht Ihr Euch nicht zu sorgen — wir haben alles schon vorbereitet. Nur eins: Woher kommt das Geld dafür?" Kaufmann Kette sagte: „Dieses Geld braucht nicht von außen zu kommen — die Herzoginmutter hat es selbst zurückgelegt. Der Herr hat es gerade so bestimmt: Es soll gut gemacht werden. Ich denke, auch nach außen soll es ansehnlich sein." Laide und die anderen antworteten und gingen, die Aufgaben zu verteilen.

Kaufmann Kette kehrte in sein eigenes Zimmer zurück und fragte Friedchen[27] [平儿]: „Wie geht es deiner Herrin heute?" Friedchen deutete mit einer Lippenbewegung nach innen und sagte: „Sieh selbst." Kaufmann Kette trat ein und sah Phönixglanz, die sich gerade anziehen wollte, aber nicht mehr konnte und sich vorläufig auf den Kangtisch lehnte. Kaufmann Kette sagte: „Du wirst wohl nicht durchhalten können. Die Sache mit der Herzoginmutter — heute oder morgen wird es so weit sein. Kannst du dich noch aufraffen? Laß schnell das Zimmer aufräumen und dann geh hinauf. Wenn es soweit ist, können wir dann noch hierher zurückkommen?" Phönixglanz sagte: „Was gibt es hier noch aufzuräumen? Es sind nur noch diese paar Dinge, was soll man da fürchten? Geh du zuerst und sieh nach, ob der Herr dich braucht. Ich ziehe mich um und komme gleich." Kaufmann Kette ging zurück zum Zimmer der Herzoginmutter und berichtete Kaufmann Aufrecht leise: „Alles ist verteilt und geregelt." Kaufmann Aufrecht nickte.

Von draußen wurde gemeldet: „Der Leibarzt ist da." Kaufmann Kette empfing ihn und ließ ihn den Puls fühlen. Der Arzt ging hinaus und sagte leise zu Kaufmann Kette: „Der Puls der Herzoginmutter ist ungünstig. Seid darauf gefaßt." Kaufmann Kette verstand und informierte Frau Wang und die anderen. Frau Wang gab Mandarinenente sogleich ein Zeichen, sie solle die Sterbekleider der Herzoginmutter heraussuchen und bereitlegen. Mandarinenente ging, um alles vorzubereiten.

Die Herzoginmutter öffnete die Augen und verlangte nach Tee. Frau Xing reichte ihr eine Tasse Ginsengbrühe. Die Herzoginmutter setzte gerade die Lippen an und sagte: „Das will ich nicht. Bringt mir eine Tasse Tee." Die Leute wagten nicht zu widersprechen und brachten ihn sogleich. Sie trank einen Schluck und wollte noch mehr, trank einen zweiten Schluck und sagte dann: „Ich möchte mich aufsetzen." Kaufmann Aufrecht und die anderen sagten: „Wenn die Herzoginmutter etwas wünscht, soll sie es nur sagen — aber bitte nicht aufstehen." Die Herzoginmutter sagte: „Ich habe einen Schluck Wasser getrunken, und mein Herz fühlt sich etwas besser. Ich möchte mich nur anlehnen und ein wenig mit euch reden." Perle [珍珠] und die anderen richteten sie vorsichtig auf, und man sah, daß die Herzoginmutter in diesem Augenblick etwas mehr Lebenskraft hatte.

Ob sie leben oder sterben wird — das wird im nächsten Kapitel erzählt.


Basierend auf der Cheng-Jia-Ausgabe (程甲本). Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage 2026.

  1. Schatzspange: Chin. 薛宝钗 (Xuē Bǎochāi), wörtl. „Kostbare Haarspange". Ehefrau von Schatzjade.
  2. Dufthauch: Chin. 袭人 (Xírén), wörtl. „Den Menschen überraschend duftend". Erste Kammerzofe von Schatzjade.
  3. Schatzjade: Chin. 贾宝玉 (Jiǎ Bǎoyù), wörtl. „Kostbare Jade". Protagonist des Romans.
  4. Moschusmond: Chin. 麝月 (Shèyuè), wörtl. „Moschusmond". Dienstmädchen von Schatzjade.
  5. Zitat aus Bai Juyis „Lied von der ewigen Sehnsucht", in dem der Kaiser Tang Xuanzong vergeblich auf den Traum seiner toten Geliebten Yang Guifei wartet.
  6. Herzoginmutter: Chin. 贾母 (Jiǎ Mǔ), auch „Alte Fürstin". Oberhaupt der Familie Kaufmann.
  7. Frau Wang: Chin. 王夫人 (Wáng Fūrén). Ehefrau von Kaufmann Aufrecht, Mutter von Schatzjade.
  8. Phönixglanz: Chin. 王熙凤 (Wáng Xīfèng), wörtl. „Strahlender Phönix". Ehefrau von Kaufmann Jadeschale, Haushälterin des Rong-Palastes.
  9. Willkommensfrühling: Chin. 迎春 (Yíngchūn), wörtl. „Den Frühling willkommen heißen". Zweite Tochter von Kaufmann Begnadigung.
  10. Tante Schnee: Chin. 薛姨妈 (Xuē Yímā). Mutter von Schatzspange und Xue Pan.
  11. Heitermuster: Chin. 晴雯 (Qíngwén), wörtl. „Heiteres Wolkenmuster". Verstorbene Kammerzofe von Schatzjade.
  12. Mandarinenente: Chin. 鸳鸯 (Yuānyāng), wörtl. „Mandarinenten-Paar". Engste Dienerin der Herzoginmutter.
  13. Kaufmann Aufrecht: Chin. 贾政 (Jiǎ Zhèng), wörtl. „Aufrecht/Rechtschaffen". Vater von Schatzjade.
  14. „yihua jie mu" — die Zuneigung von Kajaljade auf sich selbst zu lenken
  15. poetische Umschreibung der ehelichen Vereinigung
  16. Zitat aus Zhou Dunyis „Erklärung zum Taiji-Diagramm" — ein Hinweis darauf, daß Schatzspange schwanger wurde
  17. ein ringförmiges Jadeschmuckstück mit einer Öffnung, Symbol für Entschluß und Trennung
  18. Frau Xing: Chin. 邢夫人 (Xíng Fūrén). Ehefrau von Kaufmann Begnadigung.
  19. Meisterin Miao: Chin. 妙玉 (Miàoyù), wörtl. „Wunderbare Jade". Buddhistische Nonne im Grünlack-Kloster.
  20. Xiuyan: Chin. 邢岫烟 (Xíng Xiùyān), wörtl. „Nebelwolke am Felsgipfel". Nichte von Frau Xing.
  21. benannt nach der Figur Chen Miaochang aus dem Theaterstück „Der Jadehaarschmuck"
  22. Xichun: Chin. 惜春 (Xīchūn), wörtl. „Den Frühling bewahren". Vierte Tochter der Familie Kaufmann, aus dem Ning-Palast.
  23. Yuanchun / Frühlingsbeginn, die kaiserliche Gemahlin
  24. Frau Li: Chin. 李纨 (Lǐ Wán). Witwe von Kaufmann Zhu, Mutter von Kaufmann Lan.
  25. Xiangyun: Chin. 史湘云 (Shǐ Xiāngyún), wörtl. „Wolken über dem Xiang-Fluss". Cousine von Schatzjade.
  26. Hupo: Chin. 琥珀 (Hǔpò), wörtl. „Bernstein". Dienerin der Herzoginmutter.
  27. Friedchen: Chin. 平儿 (Píng'ér), wörtl. „Friedliches Kind". Nebenfrau und treue Gehilfin von Phönixglanz.