Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 84"

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== 试文字宝玉始提亲 / 探惊风贾环重结怨 ==
 
== 试文字宝玉始提亲 / 探惊风贾环重结怨 ==
  
prechen“, sagte Hsiang-yün unverblümt.
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'''Bau-hat eine spontane Prüfung, und seine Verlobung wird erstmals diskutiertDjia Huan besucht ein konvulsivisches Kind, und alte Anfeindungen werden neu aufgenommen.'''
Tan-tschun sagte: „Was für ein Unsinn, Yun! Daß sie nicht sprechen kann, bedeutet doch nicht schon...“
 
Tan-tschun brach mitten im Satz ab.
 
„Dai hat einen wachen Geist“, sagte Hsi-tschun. Doch sie hat immer die Angewohnheit, alles zu ernst zu nehmen. Wenn sie doch nur über allem stehen könnte.“
 
„Wir müssen ohnehin losgehen und schauen, wie es ihr geht“, sagte Tan-tschun. „Wenn es wirklich ernst ist, rufen wir besser Tante Wang und lassen es Großmutter wissen, so daß sie einen Arzt holen können und herausfinden, was zu tun ist.“
 
Hsiang-yün stimmte zu und sie und Tan-tschun machten sich mit einigen der jüngeren Dienstmädchen auf den Weg zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß. Hsi-tschun sagte, sie werde später nachkommen.
 
Zu sehen, wie die Mädchen in ihr Zimmer kamen, verursachte Dai-yü ein merkwürdiges Gefühl und ließ sie noch mehr über ihren Traum nachdenken. Wenn die Herzoginmutter in ihrem Traum so kalt wirkte, würden Tan und Yün nicht auch so sein? Würden sie sich wirklich die Mühe machen, nach ihr zu sehen? Sie überlegte, ob sie sie darum gebeten haben könnte? All diese Zweifel verbergend, gab sie sich große Mühe und bat Dsï-djüan, ihr aufzuhelfen, den anderen raunte sie zu, sich zu setzen. Tan-tschun und Hsiang-yün saßen am Rande des Bettes und waren sehr traurig, Dai-Yü in einem solchen Zustand zu sehen.
 
„Was glaubst du, könnte die Ursache sein, Dai?“, fragte Tan-tschun.
 
„Ach, es ist nichts Ernstes. Ich fühle mich nur sehr schwach.“
 
Dsï-djüan, die auf der anderen Seite von Dai-yü stand, verwies heimlich auf den Spucknapf, und Hsiang-yün (die jüngere und von Natur aus weniger umsichtige der beiden Mädchen) nahm ihn und schaute ihn an. Es war zu spät:
 
„Ist das deins, Dai?“, fragte sie mit schriller Stimme, „wie schrecklich!“
 
Vorher war Dai-yü zu müde, den Inhalt ihres Spucknapfes zu untersuchen. Doch Hsiang-yüns Frage erweckte nun ihren Verdacht. Ihr Herz stockte, als sie sich umblickte, um hineinzuschauen. Tan-tschun versuchte, es für Hsiang-yün zu verdecken:
 
„Das heißt doch nur, daß du etwas zuviel Yang in der Lunge hast, eine Lungenentzündung mit etwas Auswurf hast. Das ist ganz normal. Yün ist so rührend, wie sie von Kleinigkeiten bewegt ist!“
 
Hsiang-yün errötete und wünschte, sie hätte ihren Mund gehalten. Tan-tschun konnte sehen, wie schwach Dai-yüs Lebensgeister waren und daß sie sehr müde war. Sie erhob sich, um zu gehen:
 
„Du mußt ruhen und dich im Bett erholen. Wir werden dich nun verlassen und später nochmal vorbeischauen.“
 
„Dank euch beiden, daß ihr an mich gedacht habt.“
 
„Kümmer’ dich gut um Frau Lin, Dsï-djüan.“ –
 
„Jawohl, Frau Tan-tschun.“
 
Sie waren gerade dabei zu gehen, als die schweigsame Atmosphäre prompt von einem lauten Schrei draußen gestört wurde. Wenn du erfahren möchtest, wessen Stimme es war, lies das nächste Kapitel.
 
83. Eine Unpäßlichkeit der kaiserlichen Konkubine Djia Yüan-tschun – Rufe nach einem Familienbesuch
 
Ungehorsamkeit in den inneren Gemächern – Das Leid der Hsüä Bau-tschai.
 
  
Im letzten Kapitel wurde erzählt, wie Dai-yüs Besucher, die gerade im Begriff waren zu gehen, draußen eine Stimme hörten. Diese rief:
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Bau-tschai identifizierte den plötzlichen Schmerz [ihrer Mutter] Frau Hsüäs in der linken Brust als eine Bewegung des schlechten Qis der Leber nach oben in die Brust, hervorgerufen durch die schlimme Szene mit Djin-guee. Weil Bau-tschai die Ursache kannte, wartete sie nicht auf den Arzt, sondern schickte sofort einen Diener aus, um ein Paar Kleinigkeiten zu besorgen, braute eine dicke Brühe für Frau Hsüä und gab es ihr zum Einnehmen. Mit Tjiu-ling massierten sie ihre Beine und Brust, damit sie sich entspanne. Eine Weile beruhigten sich alle; doch Frau Hsüä war weiter traurig und wütend. Sie ärgerte sich über Djin-guees abscheuliches Verhalten und war traurig, daß Bau-tschai so eine Demütigung erleiden mußte.
„Was macht so ein kleiner Unruhestifter wie du überhaupt im Garten? Du bist nichts als eine Plage!“
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Letztendlich, nach einer weiteren Dosis töchterlicher Beschwichtigung, schlief sie ein und das Qi aus der Leber hatten die Möglichkeit abzusacken.
Dai-yü stieß plötzlich einen fürchterlichen Schrei aus:
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„Jetzt mach’ dir bitte keine Sorgen mehr, Mama,“ flehte Bau-tschai, als sie aufwachte. „In ein oder zwei Tagen, wenn du dich ausreichend erholt fühlst, warum gehen wir dann nicht rüber und sehen nach der Herzoginmutter und Tante Wang? Das würde dir sehr gut tun. Tjiu-ling und ich kümmern uns derweil hier um alles, während du fort bist. Und ich bin sicher, es wird von seiner Seite keinen Ärger mehr geben.“
„Ich kann hier nicht länger bleiben!“
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Frau Hsüä nickte: „Vielleicht in ein paar Tagen.“
Sie verdrehte die Augen und bewegte eine Hand in Richtung des Fen­sters.
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Endlich kamen die Neuigkeiten an, daß sich die kaiserliche Nebenfrau Yüän[-tschun] erholt hatte und alle in der Familie Djia waren sichtlich erleichtert. Ein oder zwei Tage später kam eine Gesellschaft von Eunuchen aus dem Palast mit Geschenken und Päckchen mit Geld.
Tatsächlich litt Dai-yü nach all der Zeit, trotz der beständigen Liebe und dem Schutz der Herzoginmutter, immer noch unter dem Gefühl, ein „Außenseiter im Garten“ zu sein. Anscheinend dachte sie, die alte Frau hätte sie beschimpft, und stellte sich sofort folgende Verschwörung vor: Irgendjemand, der sich einen Vorteil davon verschaffen wollte, schickte diese Frau, um sie, ein feines Hoffräulein und Waise, öffentlich zu verhöhnen. Sie glaubte, ihr Herz und ihre Eingeweide müßten zerreißen. Diese Ungerechtigkeit war mehr, als sie ertragen konnte. Sie weinte und wurde ohnmächtig.
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Sie verkündeten, es sei der Wunsch der kaiserlichen Nebenfrau, die Familie für ihren Eifer, den sie bei ihrem Besuch während ihrer Unpäßlichkeit zeigte, zu entschädigen. Die Eunuchen überreichten die sorgfältig verpackten Geschenke. Djia Schë, Djia Dschëng und die anderen Männer traten ein, um der Herzoginmutter davon zu berichten, und kamen alle wieder zurück, um sich für die Großzügigkeit zu bedanken. Als die Eunuchen ihren Tee getrunken hatten und gegangen waren, kehrten alle zu den Gemächern der Herzoginmutter zurück. Nach einer Weile, während sie immer noch redeten, kam eine Amme mit einer Nachricht herein:
„Was ist los, Fräulein?“, Dsï-djüan war selbst in Tränen aufgelöst. „Bitte wachen Sie auf!
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„Die andere Seite berichtet, daß dort ein Besucher mit einem wichtigen Anliegen für Herrn Djia Schë wartet, meine gnädige Dame.“
Tan-tschun rief auch eine Weile, und endlich kam Dai-yü zu sich. Sie konnte nicht sprechen, die Hand zeigte immer noch in Richtung des Fensters. Tan-tschun verstand. Sie öffnete die Tür und entdeckte draußen eine alte Frau mit einem Stock in der Hand, mit welchem sie ein schmutziges kleines Mädchen verfolgte.
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Die Herzoginmutter gestattete es, er bedankte sich und ging, um sich um diese Angelegenheit zu kümmern. Als er gegangen war, mußte sie plötzlich an etwas denken und ihr Gesicht wurde von einem Lächeln erhellt.
„Ich versuche, mit meiner Gartenarbeit voranzukommen“, schimpfte sie. „Du hast hier nichts verloren. Warte nur, bis wir zu Hause sind und ich dich in die Finger bekomme! Ich werde es dir schon zeigen!“
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„Es ist so rührend“, sagte sie und wandte sich zu Djia Dschëng, „wie die kaiserliche Nebenfrau an Bau-yü denkt! An einem Tag fragte sie sogar nach ihm.
Das kleine Mädchen verdrehte ihren Kopf, steckte einen Finger in den Mund und starrte die alte Frau mit einem frechen Grinsen an.
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„Bau-yü will nur leider nicht lernen. Ihre Besorgtheit“, antwortete Djia Dschëng mit sarkastischem Lächeln, „ist genauso großzügig wie unverdient.“
„Habt ihr beide den Verstand verloren?“, rief Tan-tschun in strengem Ton . „Wie kannst du hier herumschimpfen?“
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„Doch ich machte einen glänzenden Bericht über ihn!“ sagte die Herzoginmutter. „Ich sagte, wie gut er mit seinen Aufsätzen vorankäme.“
Als die alte Frau sah, wer es war, nahm sie sich geschickt zusammen und antwortete mit ihrem schmeichelhaftesten Lächeln:
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„Ich wünschte nur, es wäre wahr“, sagte Djia Dschëng mit einem vernichtenden Lächeln.
„Dies hier ist meine Enkelin, Fräulein Tan-tschun. Sie hat mich gesehen und ist mir hierher gefolgt. Ich hatte Angst, daß das Kind Krach macht, deshalb schimpfe ich, um sie nach Hause zu scheuchen. Meine Liebe, hätte ich bedacht, wo ich bin, hätte ich niemals so meine Stimme erhoben.
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„Aber ihr verlangt von ihm doch oft, daß er Verse und Dinge für euch verfaßt. Hat er das nicht geschafft, oder wie? Ich bin sicher, er macht Fortschritte. Er ist noch jung, seid geduldig mit ihm. Ein Sprichwort sagt: ‚Ein Kind wird auch nur Löffelchen für Löffelchen zu einem Wonneproppen,‘ wie das Sprichwort sagt.
„Das reicht“, sagte Tan-tschun, „geht beide fort. Fräulein Dai-yü fühlt sich heute nicht gut, – also beeilt euch und verschwindet!“
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Djia Dschëng lächelte pflichtbewußt: „Ja, Mutter.“
„Sehr wohl, Fräulein! Auf der Stelle, Fräulein!“ Die alte Frau setzte sich in Bewegung, und ihre Enkelin folgte ihr.
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„Dies bringt mich,“ fuhr die alte Dame fort, „zu etwas anderem, worüber ich sprechen wollte. Jetzt, wo Bau-yü erwachsen wird, ist es Zeit, daß ihr ernsthaft darüber nachdenkt, ihm eine vernünftige Frau zu suchen. Die Hochzeit ist einer seiner wichtigsten Schritte im Leben. Wir müssen uns nicht zu viele Gedanken darüber machen, wie nah sie mit uns verwandt oder wie wohlsituiert sie ist; doch wir müssen sicher sein, daß sie ein gutes Herz hat und ein hübsches Mädchen ist.“ –
Als sie wieder eintrat, fand Tan-tschun Hsiang-yün Dai-yüs Hand halten und hilflos weinen, während Dsï-djüan ihre Herrin mit der einen Hand stützte und mit der anderen ihre Brust massierte. Langsam kehrte wieder Leben in Dai-yüs Augen und sie blickte auf. Tan-tschun lächelte freundlich:
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„Danke, daß du mich daran erinnerst, Mutter“, antwortete Djia Dschëng. „Doch so sehr ich die Wichtigkeit, eine Braut zu suchen, anerkenne, liegt der erste Schritt, wie ich finde, bei ihm selbst. Ohne eine bemerkenswerte Verbesserung auf seiner Seite wird er kein echter Mann und keine Karriere machen. Sonst wäre das ein bedauerlicher Fehler für die betroffene junge Dame. Sein derzeitiges faules Betragen kann nur eine eheliche Katastrophe verursachen.“
„Fühltest du dich angegriffen durch das, was die alte Frau sagte?
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Seine Antwort gefiel seiner Mutter nicht, sie antwortete: „Ich weiß, daß es die Entscheidung der Eltern ist! Das ist nicht meine Sache! Doch Bau-yü ist bei mir groß geworden, und ich kümmere mich sehr um ihn. Es ist kein Wunder, daß ich mich ein bißchen mehr um ihn kümmere. Es kann sein, daß ich mich um die wichtigen Dinge für ihn nicht so gekümmert habe. Er sieht gut aus, und sein Herz ist anständig. Er wird kein Taugenichts werden, wie könntest du meinen, er bedrohe das Glück junger Mädchen. Ich denke nicht, daß ich voreingenommen bin! Auf jeden Fall ist er dem jungen Huan vorzuziehen. Oder wie denkt Ihr darüber?“
Dai-yü antwortete mit einem kraftlosen Kopfschütteln.
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Djia Dschëng fühlte sich nun sehr unbehaglich und antwortete mit geheuchelter Freundlichkeit: „Du kannst das mit deiner größeren Erfahrung natürlich besser beurteilen, Mutter. Du magst darin richtig liegen, daß das Schicksal ihn begünstigt. Möglicherweise ist es meine eigene – wie soll ich sagen? – Ungeduld. Wahrscheinlich bin ich nicht, wie die Vorfahren sagen, blind für die Fehler der eigenen Kinder, sondern blind für die Vorzüge der eigenen Kinder.“
„Es war ihre eigene Enkelin, die sie anschrie,“ Tan-tschun fuhr fort um zu erklären: „Sie erzählte mir alles. Menschen wie sie sind das Letzte. Sie wissen niemals, wann sie den Mund zu halten haben.“
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Das brachte nicht nur die Herzoginmutter zum Lachen, sondern alle Umstehenden auch.
Dai-yü seufzte und hielt Tan-tschuns Hand.
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„Ja“, sagte die Herzoginmutter, „und vergiß nicht, wie alt du jetzt bist. Und du bist noch Beamter. Selbstverständlich bist du reich an Erfahrungen.“
„Oh Tan...“, sie weinte kläglich, doch konnte nichts weiter sagen.
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Sie wandte sich lächelnd zu den Damen Hsing und Wang und:
„Komm, zerbrich dir nicht den Kopf“, sagte Tan-tschun. „Wir sind Kusinen und Kusinen halten zusammen. Deshalb kam ich zu dir. Nebenbei, du kannst mir ein bißchen behilflich sein. Hör’ zu, alles, was du tun mußt, ist vernünftig deine Medizin zu nehmen und die Dinge von ihrer guten Seite zu betrachten, bald wird sich deine Kraft wieder herstellen. Dann können wir wieder unsere Treffen im Poesie-Verein abhalten und alles wird gut.“
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„Wenn ihr ihn nur gesehen hättet, als er noch ein Junge war! Er war unmöglich! Doppelt so schlimm wie Bau-yü! Erst die Hochzeit belehrte ihn über ein paar Dinge im Leben. Und jetzt hört er gar nicht mehr auf, sich über den armen Bau-yü zu beschweren. Bau-yü ist in seinem jetztigen Alter bereits viel verständiger, als er es zu der Zeit war.“
„Tan hat recht,“ wiederholte Hsiang-yün. „Das wird ein Spaß!“ – „Ach, wenn ihr wüßtet!“ seuftze Dai-yü. „Ich fühle mich so schwach. Ich denke nicht, daß ich durchkomme.“
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Die Damen Hsing und Wang lachten und sagten, daß die Schwiegermutter sehr witzig sei. Dann traten die jüngeren Mägde ein und informierten Yüan-yang, daß das Essen bereit sei, serviert zu werden.
„So sollten wir nicht reden“, sagte Tan-tschun. „Wir alle werden mal krank, und wir alle haben unsere Sorgen. Du hast keinen Grund, so pessimi­stisch zu sein. Sei einsichtig und ruhe dich gut aus. Yun und ich gehen besser zu Großmutter. Wir kommen dann später wieder, um nach dir zu sehen. Wenn es irgendetwas gibt, das du brauchst, sag’ es Dsï-djüan, sie wird mir Bescheid sagen.
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„Sprich lauter!“, rief die Herzoginmutter aus mit wieder hergestelltem heiteren Gemüt. „Weihe mich ein in das Geheimnis!“
„Tan, wenn du Großmutter siehst, sag’ ihr bitte, daß ich sie auch besuchen möchte, mach’ einen Knicks für mich, ich fühle mich nur ein bißchen schlecht, es ist keine große Krankheit. Ich will nicht, daß sie sich Sorgen macht.“ Tränen flossen über Dai-yüs Gesicht, während sie sprach.
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Yüan-yang lächelte und gab die Nachricht weiter.
„Natürlich. Doch nun rege dich nicht mehr auf. Ruhe dich aus, und es wird besser.“ Tan-tschun und Hsiang-yün machten sich auf den Weg.
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„In diesem Fall“, sagte die Herzoginmutter, „darf sich jeder zum Mittagessen nach Hause zurückziehen, mit Ausnahme von Hsi-Fëng und Vetter Dschëns Frau. Ich hätte gern, daß sie bleiben und mir Gesellschaft leisten.“
Als sie gegangen waren, legte Dsï-djüan Dai-yü wieder hin. Sie überließ alle Besorgungen Hsüä-yüan und blieb die ganze Zeit an Dai-yüs Seite, wobei sie versuchte, ihren Kummer zurückzuhalten. Dai-yü schloß die Augen und lag einen Moment ruhig da. Doch der Schlaf kam nicht. Der Garten draußen, der sonst immer ein Paradies der Ruhe und Einsamkeit war, schien durch Geräusche sehr belebt – der Wind, das Summen der Insekten, das Schnattern der Vögel, der Klang menschlicher Schritte, Kinder, die in der Ferne schrieen – all dies zog leicht durch das Fenster und ging ihr auf die Nerven. Sie trug Dsï-djüan auf, einen Vorhang um ihr Bett herabzulassen.
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Djia Dschëng, die Damen Wang und Hsing nickten, warteten, bis das Essen aufgetragen war, und dann, nach einigen weiteren Schwänken der Herzoginmutter, brachen sie auf und gingen getrennte Wege.
Sogleich erschien Hsüä-yän, die eine Schüssel Vogelnestsuppe bei sich trug und sie Dsï-djüan gab, welche durch die Vorhänge flüsterte:
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Nachdem die Dame Hsing gegangen war, kam Djia Dschëng zusammen mit seiner Frau, der Dame Wang, wieder auf das Thema, daß er mit der Herzoginmutter besprochen hatte:
„Möchten sie etwas Suppe, Fräulein?“
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„Meine Mutter kümmert sich so sehr um Bau-yü! Sie hofft, daß er anständig studiert und sich einen guten Namen macht. Hoffentlich enttäuscht er ihre Hoffnung nicht und wird tatsächlich noch eine gute Partie.“
Ein schwaches „Ja“ war von innen zu hören, Dsï-djüan reichte die Suppe einen Moment an Hsüä-yän zurück, um Dai-yü zu einer angenehmen Sitzposition zu helfen. Als sie sich umdrehte, um die Schüssel entgegenzunehmen, probierte sie selber den Inhalt und hielt sie vorsichtig an Dai-yüs Lippen, während sie behutsam einen Arm um ihre Schulter legte. Dai-yü öffnete kraftlos ihre Augen, nahm ein paar Schlucke und zeigte mit einem leichten Kopfschütteln an, daß sie nicht mehr schaffe. Dsï-djüan gab Hsüä-yän die Schüssel zurück, und legte sie sanft wieder hin.  
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„Was Ihr sagt, ist natürlich richtig!stimmte die Dame Wang zu.
Für einige Minuten war alles still und Dai-yü schien friedvoller. Dann hörten sie außerhalb des Fensters ein Flüstern:
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Djia Dschëng schickte sofort eine Magd mit folgenden Anweisungen für Li Guee los:
„Ist Dsï-djüan hier?
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„Sag’ Bau-yü, ich wünsche, ihn heute Abend zu sehen. Anstatt mich nach der Schule zu besuchen, soll er erst sein Abendbrot einnehmen und danach direkt in mein Arbeitszimmer kommen. Ich habe ihm etwas zu sagen.“ Li Guee nickte.  
Hsüä-yän eilte hinaus. Es war Hsi-jën.
+
Li Guee fing an diesem Nachmittag Bau-yü auf seinem Heimweg von der Schule ab: „Besuchen Sie Ihren Vater heute nicht direkt, sondern essen Sie erst zu Abend und besuchen Sie ihn erst danach, weil er Ihnen etwas zu sagen hat.“ Bau-yü schien vom Blitz getroffen; er besuchte seine Großmutter, eilte zurück zum Hof, aß ein kärgliches Mahl, spülte den Mund aus und begab sich zur Wohnung seines Vaters.
„Komm herein,“ flüsterte sie.
+
Djia Dschëng wartete im inneren Arbeitszimmer auf ihn. Bau-yü trat ein, verbeugte sich und stand dort angespannt.
„Wie geht es Fräulein Dai-yü?“, fragte Hsi-jën.
+
Djia Dschëng sagte „Ich bin zur Zeit sehr beschäftigt und hatte noch nicht die Gelegenheit, dich nach der Entwicklung deines Studiums zu fragen. Ich erinnere mich, daß der Lehrer dir einen Monat Zeit zur Nachbearbeitung gab, nach welcher er vorhatte, dich Aufsätze schreiben zu lassen. Da inzwischen zwei Monate vergangen sind, solltest du inzwischen schon angefangen haben, denke ich.“ –  
Sie gingen gemeinsam zum Eingang, und Hsi-jën lauschte entsetzt, als Hsüä-yän beschrieb, was an diesem Morgen und in der vorhergehenden Nacht geschehen war.
+
„Das habe ich, Herr“, antwortete Bau-yü. „Ich habe drei Aufsätze geschrieben. Der Lehrer sagte, ich solle dir jetzt noch keine Aufsätze zeigen, sondern erst später, wenn sie besser würden. Deswegen habe ich dir die Aufsätze in den letzten Tagen noch nicht gezeigt.“ – „Was waren deine ersten drei Themen?“ –
„Kein Wunder!, rief sie. „Tsuee-lou erzählte auch so etwas und Herr Bau-yü war so besorgt, daß er mich sofort losgeschickt hat.“
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„Das erste war aus den Gesprächen, Buch zwei“, antwortete Bau-yü. „Der Weise sagt, mit 15 habe er zu studieren begonnen.“<ref>Gespräche, Buch zwei</ref> Das zweite Thema war auch aus den Gesprächen, Buch eins: „Hasse den nicht, der dich nicht versteht.“<ref>Gespräche, Buch eins</ref> Und das dritte war Mencius, Buch drei, Teil zwei: „Entweder gehört man der Schule Mo oder Yang an“<ref>Mencius, Buch drei, Teil zwei</ref>.
Während sie redeten, hob Dsï-djüan den Vorhang an und winkte Hsi-jën zu, die leise in den Raum schlich:
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„Und hast du deine Entwürfe aufbewahrt?“, fragte Djia Dschëng.
„Ist Fräulein Dai-yü eingeschlafen?“
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„Ich habe ausreichend Abschriften von allen dreien, mit den Verbesserungen des Lehrers.“
Dsï-djüan nickte. „Hat Hsüä-yän es dir erzählt?“, sie nickte.
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„Sind sie zu Hause oder im Schulraum?“
Hsi-jën blickte finster drein und sagte:
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„Im Schulraum.“
„Das ist schrecklich! Herr Bau-yü hat mir letzte Nacht auch große Sorgen bereitet!“
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„Dann laß jemanden gehen und sie besorgen. Ich würde sie gerne sehen.“
„Was meinst du?“, fragte Dsï-djüan. Hsi-jën erzählte:
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Bau-yü schickte eine Eilnachricht an Bee-ming: „Gehe in den Schulraum; in der Schublade unter meinem Pult ist ein dünnes Schreibheft aus Bambuspapier, auf dem Achtgliedrige Aufsätze steht. Bring es schnell her!“
„Als er an diesem Abend schlafen ging, schien noch alles in Ordnung. Doch mitten in der Nacht begann er fürchterlich zu schreien, zuerst über ein Stechen in seinem Herzen, dann darüber, erstochen zu werden er war im Delirium und beruhigte sich nicht bis zum Morgengrauen. Wärst du nicht auch erschrocken gewesen? Er darf heute nicht in die Schule gehen, der Arzt wurde bereits gerufen, um ihm etwas zu verschreiben.
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Nach kurzer Zeit kehrte Bee-ming mit dem Heft zurück, welches er Bau-yü gab, der es Djia Dschëng zeigte. Djia Dschëng schlug die erste Seite auf und begann den ersten Achtgliedrigen Aufsatz von Bau-yü mit dem Thema „Mit 15 zu studieren anfangen“ zu lesen.
Während sie redeten, hörten sie Dai-yü in ihrem Bett wieder husten, und Dsï-djüan eilte herbei, um den Spucknapf zu holen. Dai-yü öffnete leicht ihre Augen und fragte Dsï-djüan:
+
Der Weise nahm sich vor, zu studieren, obwohl er jung war.
„Mit wem redest du?“ – „Es ist Hsi-jën, Fräulein. Sie kam, um zu fragen, wie es dir geht.“
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Der Lehrer hatte aber das Zeichen für „jung“ in „fünfzehn Jahre“ korrigiert.
Während sie sprach, kam Hsi-jën ans Bett. Dai-yü bat Dsï-djüan, sie aufzurichten, und zeigte Hsi-jën an, sich auf den Bettrand zu setzen. Hsi-jën setzte sich auf die Ecke und sagte mit ihrer besten Krankenbett-Manier:
+
Djia Dschëng fragte Bau-yü:
„Sollten Sie nicht lieber liegen, Fräulein?“ –
+
„Du hast ja vorher ‚jung‘ geschrieben, das stimmt ja mit dem Thema nicht ganz überein, weil ‚jung‘ die Phase von klein an bis sechzehn Jahren. Dieser Aufsatz geht darüber, wie der Weise darüber spricht, wie er selbst, als er anfing zu studieren, immer weiter voran kam, deshalb die Altersangaben fünfzehn, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig. So kann man erst seine Entwicklung sehen. Er beschreibt, wie man bis zu jenem Jahrzehnt jenen Meilenstein erreicht hat; deshalb hat der Lehrer ‚jung‘ in ‚mit fünfzehn Jahren‘ korrigiert. So kann man es besser verstehen.“
„Keine Sorge“, erwiderte Dai-yü, „übertreibe nicht! Von wem erzähltest du gerade eben, er habe heute Nacht einen stechenden Schmerzen im Herzen gehabt?“
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Im Achtgliedrigen Aufsatz folgte auf zwei Sätze Einleitung eine Interpretation, so las Djia Dschëng die Interpretation.
„Ach, das war nichts Ernstes!“, sagte Hsi-jën. „Es war nur ein Alptraum, den Herr Bau-yü hatte.“
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Bau-yüs Text, bevor der Lehrer diesen korrigiert hatte, lautete:
Dai-yü hatte sofort verstanden: ,Hsi-jën versucht aus Rücksicht, mich von meinem Kummer abzubringen. Sie freute sich, das Bau-yü denselben Traum hatte, ist aber auch traurig.‘ Sie versuchte es noch einmal, diesmal noch eindringlicher:
+
„Wenn ein Mann nicht zum Studium motiviert ist, ist er ein gewöhnlicher Mensch.“
„Was war das für einen Alptraum? Was hat er gesagt?“
+
Djia Dschëng schüttelte den Kopf und sagte: „Du bist ja noch recht kindisch. Man sieht ja, daß in dir keine Motivation zum Gelehrten steckt. Dann ging er weiter im Text: „Der Weise hat mit 15 schon angefangen zu studieren, wie schwer muß das sein.“ – Wie kann man denn so etwas schreiben, das ist doch kein Satz.“ Er sah dann die Korrektur des Lehrers. „Wie sollte der Mann nicht studieren, wenn er nicht vorhat, ein Elite-Gelehrter zu werden? Deshalb glaubt der Weise, mit 15 zu studieren anfangen zu können.“ Er fragte, „Hast du verstanden, was der Lehrer korrigiert hat?– „Ich habe es verstanden.“
„Ach, er hat gar nichts mehr gesagt“, sagte Hsi-jën.
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Djia Dschëng ging zum zweiten Thema über: „Hasse den nicht, der dich nicht versteht.“ Er las die korrigierte Version des Lehrers, übersetzte sie sich selbst und fuhr fort:
Dai-yü nickte nachdenklich und verharrte für einige Minuten still. Dann seufzte sie wieder und sagte:
+
„Wenn man sich nicht versteht und man sich nicht haßt, teilt man auch die Freude nicht.“
„Du solltest meine Krankheit Herrn Bau-yü gegenüber nicht erwähnen. Es könnte seine Arbeit beeinträchtigen und ihm Ärger mit seinem Vater, Herrn Dschëng bescheren.
+
Er kniff seine Augen zusammen, um verwischtes Original zu entziffern:
„Natürlich nicht, Fräulein,“ versicherte Hsi-jën ihr. „Doch nun lege dich hin und ruhe dich aus.
+
„Was hast du denn geschrieben? ‚Wenn man kein wütendes Herz hat, gehört man zu den Gelehrten.‘ Mit diesem Satz hast nur das halbe Thema behandelt. Das muß ja korrigiert werden, damit es mit dem Thema zusammenpaßt. Der Folgesatz muß ja den Anfangstext erklären, so kann der Text ja erst fließen und logisch sein. Du brauchst Sorgfalt und Verständnis, dann erst kann es klappen.“
Dai-yü nickte und bat Dsï-djüan, sie niederzulegen. Hsi-jën blieb etwas länger an ihrer Seite, sagte ein paar tröstende Worte und brach auf. Als sie wieder in seinem Hof der Freude am Roten anlangte, berichtete sie, Dai-yü sei zur Zeit unpäßlich, doch daß es nichts Ernstes sei, dies beruhigte Bau-yü zutiefst.
+
Bau-yü stimmte zu. Djia Dschëng las weiter und sagte: „Du weißt nicht, daß jeder wütend werden kann? Wie soll denn das gehen? Wie könnte man auf diesem Wege noch erreichen, dann noch über Freude zu sprechen?“ Der Original-Satz war: „Oder gehört man nicht zu den Gelehrten?“ – Djia Dschëng sagte: „Das ist der gleiche Fehler, was geändert wurde, ist richtig. Obwohl ich einigermaßen verstehe, was du damit sagen willst. Man kann es gerade durchgehen lassen.“ –
Tan-tschun und Hsiang-yün verließen die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß und machten sich auf den Weg zum Hof der Herzoginmutter. Als sie gingen, warnte Tan-tschun Hsiang-yün:
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Das dritte Thema war: „Alle Äußerungen auf der Welt gehören nicht zur Yang-Schule der Orthodoxie, sondern zur Mo-Schule der Häresie.“ Djia Dschëng las das Thema, hob den Kopf, dachte eine Weile nach und fragte dann Bau-yü: „Seit ihr schon so weit im Stoff?“
„Wenn wir die Herzoginmutter sehen, sei bitte vorsichtig mit dem, was du sagst.
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Bau-yü antwortete: „Der Lehrer hat gesagt, Meng-zi sei leicht verständlich, deshalb haben wir ihn vorgezogen. Bis vorgestern haben wir Meng-zi beendet. Heute lesen wir wieder die Gespräche.
Hsiang-yün nickte:
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Djia Dschëng sah, daß Bau-yüs Text nicht viel vom Lehrer korrigiert worden war. In der Einführung stand: „Die Wörter, die außerhalb der Yang-Schule gesprochen werden, können nicht zur Yang-Schule gehören.Djia Dschëng sagte, „Der zweite Satz ist ja etwas schwierig für dich.“---„Der Mensch der Mo-Schule ist derjenige, der frei von Gier ist. Die Gedanken der Mo-Schule haben die halbe Welt erreicht, aber alles außerhalb der Yang-Schule. Die Gier gehört nicht zur Mo-Schule, ist das nicht so?“ – Djia Dschëng fragte: „Hast du das geschrieben?
„Das werde ich. Nur vorhin war ich von Herrin Dai-yüs Zustand so erschüttert, daß ich im Moment die Fassung verlor.“
+
„Jawohl, Herr.
Sie gelangten bei der Herzoginmutter an und Tan-tschun erwähnte Dai-yüs Krankheit. Wie sie es vorhergesehen hatte, war die alte Dame sehr genervt: „Ausgerechnet meine zwei Jade-Enkel sind mit soviel Krankheiten und Katastrophen übersät! Dai-yü muß ja krank werden von so viel Hin und Her in letzter Zeit. Ihre Gesundheit ist das Wichtigste. Ich weiß, daß sie sich zuviel Gedanken macht.“
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Er nickte nachdenklich.
Niemand wagte, etwas zu sagen. Sie wandte sich zu Yüan-yang: „Der Arzt kommt morgen, um nach Bau-yü zu sehen. Danach wird er bei Fräulein Dai-yü vorbeischauen.“ – „Ja, meine Dame“, antwortete Yüan-yang und ging hinaus, um die Dienstmädchen zu unterweisen, welche die Anweisungen weitergaben. Tan-tschun und Hsiang-yün verweilten bei der Herzoginmutter bis zum Abendessen und kehrten gemeinsam in den Garten zurück.
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„Natürlich ist nichts Brilliantes daran, doch für den ersten Versuch ist es nicht schlecht, muß ich sagen. Ah, Mencius! Ich erinnere mich, wie ich während meiner obligatorischen Zeit als Prüfer die Gelegenheit hatte, eines meiner Themen zu bearbeiten. Das Thema war von Menzius: ‚Nur ein Gelehrter kann ohne festes Einkommen und Kapital feste moralische Prinzipien haben und sich rechtschaffen verhalten<ref>Mencius, Buch Eins, Teil Zwei</ref>‘. Damals hat keiner der Kandidaten des ersten Grades, muß ich leider sagen, deren Köpfe voll mit Standard-Kompositionen über dieses Thema waren, etwas Originelles hervorgebracht. Alles Nachahmungen. Bist du mit dem Zitat vertraut?“ –
Am nächsten Tag kam der Doktor. Er schaute bei Bau-yü vorbei und berichtete, daß nur das Essen nicht ausgewogen genug war, er sei ein bißchen erkältet, das sei nichts Besonderes, er müsse sich nur ein wenig ausruhen, dann würde es schon wieder besser werden. Die Damen Wang und Hsi-fëng schickten das Rezept zur Herzoginmutter und schickten zur selben Zeit jemanden zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß, um Bescheid zu sagen, daß der Arzt auf dem Weg sei. Dsï-djüan deckte Dai-yü eilig zu und ließ den Bettvorhang herunter, während Hsüä-yän schnell das Zimmer aufräumte.
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„Ja, Herr.“, sagte Bau-. Djia Dschëng sagte: „Ich will, daß du deine Einstellung wechselst. Greife nicht auf die Tradition zurück, sondern denke dir etwas aus. Auch eine Eröffnung wäre in Ordnung.
Dann traf bereits Djia Liän mit dem Arzt ein, er kündigte an, daß dies ihr vertrauter Hausarzt sei und die Mädchen nicht verschwinden müßten. Eine Amme hob den Vorhang hoch, Djia Liän führte den Arzt in Dai-yüs Zimmer und die beiden Männer saßen nieder. Djia Liän begann: „Liebe Dsï-djüan, bitte erzähle Doktor Wang, was du über die Krankheit deiner Herrin weißt.
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Bau-yü stimmte unwillig zu. Er senkte konzentriert seinen Kopf und begann, sich den Kopf über einen prägnanten Einleitungssatz zu zerbrechen, während Djia Dschëng gedankenvoll im Eingang stand und die Hände hinter dem Rücken hielt. Genau in diesem Moment flitzte ein winziger Page vorbei. Als er den Herrn im Eingang stehen sah, erstarrte er, sein Körper war sichtlich gebeugt, seine Arme hingen schlaff herunter.
„Langsam,“ warf der Arzt ein, „bitte erlaubt mir doch, zunächst ihren Puls zu messen, um meine eigene Diagnose zu machen. Dann können Sie mir sagen, ob ich richtig liege. Wenn ich daneben liege, korrigieren Sie mich bitte.“
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„Was ist dein Anliegen, Junge?“, fragte Djia Dschëng.
Dsï-djüan setzte Dai-yü so hin, daß eine ihrer Hände für die Untersuchungen aus dem Vorhang herausragte, legte die Hand auf ein Kissen vor dem Bett und schob behutsam ihren Armreif und Ärmel beiseite, sodaß sie den Puls nicht behindern konnten. Der Arzt fühlte lange Zeit den Puls der einen Hand, dann den der anderen. Als er fertig war, zog er sich mit Djia Liän in den äußeren Raum zurück, wo sie sich beide setzten.
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„Frau Hsüä ist gerade bei der gnädigen Herrin angekommen, und Frau Liän hat mich mit speziellen Anweisungen für die Küche geschickt, Herr.“ Djia Dschëng hörte das, gab keine Antwort, und der Page verschwand.
„Alle sechs Pulse haben einen extrem langsamen Wert“, sagte der Arzt, „und verweisen auf eine fortgeschrittene schwere Krankheit.“
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Seit Bau-tschai aus dem Garten abgereist war, vermißte Bau-yü sie sehr. Als er nun hörte, daß Frau Hsüä zu Besuch sei, vermutete er, daß Bau-tschai auch da wäre. Seine Aufregung über den Gedanken, sie wiederzusehen, spornte ihn an:
Während er sprach, erschien Dsï-djüan im Eingang. Der Arzt wandte sich ihr zu und sagte: „Der Zustand läßt sich wie folgt beschreiben: Schwächeanfälle, Appetitverlust, häufige Träume und unruhiger Schlaf in den frühen Morgenstunden; tagsüber Überempfindlichkeit und generell eine psychotische Empfindlichkeit gegenüber anderen Menschen. Außenstehende würden dies als Charakterzug mißdeuten, doch damit irren sie. Dies alles setzt sich zusammen aus einem Mangel an Yin in der Leber mit einer begleitenden fortschreitenden Herzschwäche. Stimmt meine Diagnose mit dem überein, was ihr beobachtet habt?“
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„Ich habe den Entwurf einer Eröffnung für Sie, aber ich weiß nicht, ob es geht.“ –
Dsï-djüan nickte und sagte zu Djia Liän gewandt: „Fräulein Dai-yü erging es genau so, Herr.
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„Dann laß mal hören!“, erwiderte Djia Dschëng.
„Gut“, sagte Doktor Wang, sich von seinem Stuhl erhebend. „Wir fahren fort.“
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Bau-yü las vor: „Nicht alle Gelehrten auf dieser Welt können ohne Kapital gut sein.“
Djia Liän geleitete ihn aus dem Schlafzimmer heraus und hinüber in das Arbeitszimmer, wo die Dienstmädchen bereits rote Blätter für Rezepte bereit gelegt hatten. Tee wurde serviert, dann nahm Doktor Wang den Pinsel und schrieb:
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Djia Dschëng nickte.
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„Das geht. In Zukunft mußt du, wenn du Aufsätze schreibst, die Themenabgrenzung klar erkennen, erst wenn du das verstanden hast, darfst du deinen Pinsel schwingen. Sag’ mir, wußte deine Großmutter, daß ich nach dir schickte?“ –
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„Ja, Herr.“ –
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„Wenn das so ist, dann geh jetzt dorthin.“ –
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„Ja!“
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Bau-yü begab sich rückwärts aus dem Arbeitszimmer und ging über den gepflasterten Weg, imitierte dabei bis zur Perfektion die gemächliche Gangart eines Gelehrten. Sobald er das Mondhöhlentor am Ende des Ganges erreicht hatte und diese große schützende Abschirmung zwischen sich und dem Arbeitszimmer war, begann er zu rennen und stürmte direkt zu den Gemächern der Herzoginmutter.
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„Vorsicht, stolpere nicht! Der gnädige Herr kommt!“, rief Bee-ming ihm nach.
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Bau-yü hörte das nicht. Als er sich dem Eingang zu den Gemächern der Herzoginmutter näherte, konnte er den Klang von Gesprächen und Gelächter von innen her hören. Er konnte unter anderem die Stimme seiner Mutter, der Dame Wang, Hsi-fëng und Tan-tschun ausmachen.
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Wie die Mägde ihn kommen sahen, zogen sie schnell den Vorhang beiseite und flüsterten ihm im Vorbeigehen zu: „Frau Hsüä ist hier, damit du es weißt.“
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Bau-yü eilte, um seine Tante zu begrüßen und machte dann seiner Großmutter die abendliche Aufwartung. Die Herzoginmutter fragte: „Warum kommst du erst so spät von der Schule?“
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Er berichtete ihr ausführlich von seinem Gespräch mit Djia Dschëng, und ihr Gesicht strahlte vor Freude und Begeisterung.
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„Wo ist Kusine Bau-tschai?“, fragte er an die gesamte Gesellschaft gewandt.
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„Sie konnte heute nicht mit mir kommen“, sagte Frau Hsüä lächelnd, „sie und Hsiang-ling haben zu Hause noch viele Näharbeiten zu verrichten.“
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Bau-yü war sehr enttäuscht, wagte es aber nicht, sofort wieder zu gehen. Das Essen wurde aufgetragen und die Herzoginmutter und Frau Hsüä setzten sich an den Tisch, während Tan-tschun und die anderen weiter unten Platz nahmen.
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„Wo soll Bau-yü sitzen?“, fragte Frau Hsüä.
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„Er kommt hier an meine Seite“, sagte Herzoginmutter mit einem Lächeln.
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„Li Guee sagte mir, ich solle erst essen, bevor ich Vater antreffe,“ informierte sie Bau-yü eilig, „deshalb verlangte ich nach einem schnellen Mahl, als ich aus der Schule kam. Ich bekam einen Teller mit Fleisch und Gemüse, eine Schale Reis und Tee. Fahrt doch bitte fort.“
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„In diesem Fall“, sagte die Herzoginmutter, kann Hsi-fëng kommen und bei uns sitzen. Deine Mutter sagt, heute sei einer ihrer vegetarischen Tage, deshalb kann sie alleine essen.“
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„Das stimmt“, sagte die Dame Wang. „Du speist mit ihnen. Warte nicht auf mich. Ich werde daheim mein Gemüse essen.“
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Hsi-fëng nahm höflich Platz, und die Mägde teilten Weinschalen und Stäbchen aus. Dann ging Hsi-fëng mit einer Weinkaraffe herum und ging, als eines jeden Schale voll war, zurück an ihren Platz.
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Nachdem alle etwas Wein getrunken hatten, fragte die Herzoginmutter:
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„Hörte ich dich nicht gerade Hsiang-ling sagen? Das ist lustig. Eines meiner Dienstmädchen sprach vor kurzem noch über jemanden, der Tjiu-ling genannt wird, und ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wer damit gemeint sein könnte. Als ich sie fragte, sagte sie mir, es sei Hsiang-lings neuer Name. Jetzt sag’ mir, wofür ändert sie bloß ihren Namen?“
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Frau Hsüäs Wangen erröteten schnell, und sie seufzte: „Bitte sprich darüber nicht noch einmal, gnädige Frau. Seit dem Tag, als Pan die Frau geheiratet hatte, die gut und böse nicht unterscheiden kann, hatten wir keine friedlichen Momente mehr. Die Zankereien, die Garstigkeiten, es war grauenhaft. Ich habe mehrmals versucht, mit ihr zu reden, doch sie ist unzugänglich für Vernunft. Und ich halte es nicht mehr aus, ständig in Streitereien zu geraten, deswegen lasse ich sie streiten. Ja, sie beschloß, Hsiang-lings Namen zu ändern. Das liegt bestimmt daran, daß sie den Namen des Mädchens nicht mochte.“
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„Also“, sagte die Herzoginmutter, „Namen sind Schall und Rauch.“ –
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„Ich könnte vor Scham sterben!“ sagte Frau Hsüä. „Ich bin sicher, ihr alle wißt den wahren Grund. Es lag nicht am Namen. Sie hat davon erfahren, daß Bau-tschai den Namen verliehen hatte. Das war es, was sie wirklich zu beanstanden hatte.“
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„Was meinst du?“, fragte die Herzoginmutter.
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Frau Hsüä mußte die ganze Zeit mit einem Taschentuch ihre Augen betupfen. Sie seufzte noch einmal tief, bevor sie in der Lage war, fortzufahren.
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„Weißt du es sicher nicht? Absolut alles, was meine Schwiegertochter macht, geschieht mit der Absicht, Bau-tschai zu provozieren. Vorgestern, als du jemanden schicktest, um nach mir zu sehen, waren wir mitten in einer dieser Szenen!“ –
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„Das muß an dem Tag gewesen sein, als du, wie ich hörte, einige Leberbeschwerden hattest“, sagte die Herzoginmutter taktvoll. „Ich schickte jemanden, der nach dir sehen sollte, doch dann hörte ich, daß es dir wieder besser ginge und dachte daher nicht weiter darüber nach. Wenn du mich fragst, rate ich dir, es dir nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Sie sind ein frisch verheiratetes Paar und du mußt ihnen Zeit geben. Und du kannst so froh sein,  Bau-tschai zu haben. Sie ist so ein freundliches, unerschütterliches Mädchen. Sie mag zwar jung sein, aber sie ist einige Male stärker als ein Erwachsener! Als meine Magd zurückkam und uns erzählte, was an diesem Tag passiert und wie sie damit umgegangen sei, haben wir sie alle sehr gelobt. So ein wunderbarer Charakter! Sie sticht aus hundert Mädchen hervor. Wenn sie einst heiratet - nimm mir nicht übel, daß ich es erwähne - wird es keine Schwiegereltern geben, die sie nicht mögen. Und auch die ganze Familie wird von ihr überzeugt sein, da bin ich sicher.“
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Bau-yü empfand den Inhalt dieses Gespräche als unausstehlich und suchte nur nach einer Ausrede, um gehen zu können. Aber als seine Großmutter mit ihrer Lobrede auf Bau-tschai anfing, hörte er erstarrt weiter zu.
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„Was bringt das?“, fragte Frau Hsüä. „Was auch immer ihre Vorzüge sein mögen, sie ist letztlich doch nur eine Tochter. Mit einem so hoffnungslosen Sohn wie Pan werde ich keinen Frieden finden. Immer wieder bin ich in Sorge, wenn er unterwegs zu seinen Lieblingsorten ist, jede Menge trinkt und wieder in eine Rauferei gerät. In der Tat ist die einzige Zeit, in der ich mich beruhigt fühle, wenn er hier beim alten Herrn [Djia Dschën] und beim zweiten Herrn [Djia Liän] ist.“
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Hier brachte sich Bau-yü ein:
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„Es gibt wirklich nichts zu befürchten, Tantchen. Ich kann für Vetter Pans Freunde bürgen. Sie sind alle ernsthafte Geschäftsmänner und viel zu anständig, um sich in Ärger verwickeln zu lassen.“
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„In diesem Fall“, sagte Frau Hsüä mit einem Lächeln, „sollte ich mir besser doch keine Sorgen machen.“
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Das Abendessen war gerade vorbei, als sich Bau-yü damit entschuldigte, daß er noch etwas für den Abend vorzubereiten habe. Die Mägde servierten den Tee, als Hu-po den Raum betrat und etwas in das Ohr der Herzoginmutter flüsterte. Sie drehte sich zu Hsi-fëng:
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„Du solltest besser schnell gehen. Es ist Tjiau-djiä.“ Hsi-fëng hatte keine Ahnung, um was es gehen könnte, und die anderen waren genau so verwundert wie sie.
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„Ping schickte eine ihrer jüngeren Mägde mit einer Nachricht für sie, die zweite gnädige Frau,“ führte Hu-po aus und ging dort hin, wo Hsi-fëng saß. „Fräulein Tjiau-djiä scheint es überhaupt nicht gut zu gehen, wenn Sie dann bitte so schnell wie möglich hinübergehen könnten.“ –
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„Am besten gehst du jetzt sofort“, sagte die Herzoginmutter. „Du mußt nicht auf der Feier für deine Tante Hsüä bleiben.“ –
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„Ja, Großmutter“, sagte Hsi-fëng und verabschiedete sich von Frau Hsüä. Als sie auf dem Weg nach draußen war, hörte sie die Dame Wang sagen:
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„Geh du erst hinüber, ich komme gleich. Ermahne die Mägde, ruhig zu sein und nicht zu viel Wirbel zu machen. Die Kleinen werden so schnell unruhig. Und vergewissere dich, daß die Katzen und Hunde gut aus dem Weg gehalten werden. Armes Kind! Aber ich glaube, solche Störungen kann man selbst in einer derart reich gesegneten Familie wie unserer erwarten.“
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Hsi-fëng versprach der Dame Wang, ihre Anweisungen auszuführen, und ging mit ihrer Magd fort. Nach ihrem Abgang erkundigte sich Frau Hsüä weiter nach Dai-yüs Gesundheit.
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„Fräulein Dai-yü geht es soweit gut“, antwortete die Herzoginmutter, „sie nimmt nur alles so schwer. Wenn du mich fragst, zehrt das an ihrer Gesundheit. Sie mag zwar so klug wie Bau-tschai sein, doch im Umgang mit Menschen kann man sie nicht vergleichen. Bau-tschai ist so anständig, großzügig und rücksichtsvoll.“
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Das Gespräch ging noch etwas weiter, und dann sagte Frau Hsüä.
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„Ruht euch nun aus. Ich sehe besser nach, wie Bau-tschai und Hsiang-ling daheim zurecht kommen. Ich gehe dann mit Tante Wang und schaue auf meinem Weg bei Tjiau-djiä vorbei.“ –
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„Was für eine gute Idee“, sagte die Herzoginmutter. „Mit deiner Erfahrung wirst du ihnen einen nützlichen Rat geben können, da bin ich sicher.“
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Frau Hsüä brach auf und ging mit der Dame Wang zu Hsi-fëngs Wohnung.
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Um zu Djia Dschëng zurückzukommen: er war wirklich angenehm überrascht von Bau-yüs Darbietung an diesem Abend und erwähnte es später im Zuge einer Unterhaltung mit seinen Gästen im äußeren Arbeitszimmer. Ein Neuzugang unter ihnen, ein ausgezeichneter Go-Spieler mit dem Namen Wang Örl-tiau, auch Vermittler Wang genannt, bemerkte: „Ich denke, Herr Bau-yü hat in seinen Studien gute Fortschritte gemacht. Er entwickelt sich so langsam zu einem kultivierten jungen Gesellen.“ –
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„Ich denke eher nicht“, antwortete Djia Dschëng, „sein Verständnisvermögen hat sich verbessert, das versichere ich euch. Aber Bildung? Nein, er hat noch einen weiten Weg zu gehen.“ –
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„Kommen sie schon, Herr Dschëng!“, sagte Dschan Guang. „Sie sind wirklich zu bescheiden. Wir alle teilen Freund Wangs Meinung. Herr Bau-yü wird es sicher weit bringen.“ –
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„Ich fürchte, es ist eure Vorliebe für diesen Jungen, die euch zu dieser Meinung bringt,“ war die Antwort ihres Gastgebers, doch er war sichtlich begeistert.
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„Mit ihrer Erlaubnis, Herr,“ fuhr Herr Wang fort, „es gibt in diesem Zusammenhang noch ein anderes Thema, das ich gerne anschneiden möchte, wenn ich darf.“ –
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„Auf jeden Fall.“
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Wang lächelte.
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„Nach meiner Kenntnis, hat seine Exzellenz Dschang, welcher zuletzt Präfekt des Kreises Nanshuo war, eine Tochter, Herr, ein sehr ansehnliches, fleißiges und durchaus lobenswertes Kind, so wurde mir erzählt, und noch nicht verlobt. Exzellenz Dschang hat sonst keine eigenen Söhne und ist, sollte ich hinzufügen, ein Mann mit enormem Reichtum. Er ist sehr eigen in seiner Art und verlangt, daß sein Schwiegersohn nicht nur einer bedeutenden und wohlhabenden Familie entstammt und klug, sondern auch ein Mann von ausgewähltem Charakter ist. In den zwei Monaten, in denen ich dort war, Herr, wurde ich des moralischen und intellektuellen Formats des jungen Herrn Bau-yü gewahr, die für die Zukunft Großes versprechen. Käme ein Antrag von einer so  erhabenen Familie wie der Eurigen, Herr, bedürfte es nur, da bin ich sicher, eines einzigen Besuches von mir und die Verlobung wäre so gut wie besiegelt.“
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„Es stimmt, daß Bau-yü ein heiratsfähiges Alter erreicht hat“, antwortete Djia Dschëng. „Mutter hat mich mehr als einmal daran erinnert. Doch wer ist diese Exzellenz Dschang? Ich habe noch nie von ihm gehört.“
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„Erlauben sie mir, dies klarzustellen,“ wagte sich Zhan Guang vor, „ich bin mit der Familie Dschang, die Freund Wang erwähnte, befreundet. Sie stehen tatsächlich in Verbindung mit seiner Exzellenz Shïs Familie, und es dürfte nicht schwer sein, noch mehr Informationen über sie zu bekommen.“
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„Wirklich?“, sagte Djia Dschëng gedankenverloren, „ich kann nicht sagen, daß ich meinen Bruder jemals von einer solchen Verwandtschaft habe sprechen hören.“
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„Nun, streng genommen, Herr,“ führte Zhan aus, „sind sie über die Ehe mit dem älteren Bruder der Dame Hsing verwandt.“
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,Ach, da liegt also die Verbindung‘, dachte Djia Dschëng.
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Ein wenig später ging er wieder hinein mit der Absicht, diese neue Anregung mit der Dame Wang zu besprechen und sie zu bitten, die Dame Hsing über die Familie Dschang auszuhorchen. Er mußte jedoch feststellen, daß seine Frau fort war, um Tjiau-djiä mit Frau Hsüä zu besuchen. Als dann später Frau Hsüä nach Hause gegangen und die Dame Wang zurückgekehrt war, besprach Djia Dschëng sein Anliegen mit ihr. Er erkundigte sich auch nach Tjiau-djiä.
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„Wir denken, es kommt von der Erkältung. Die Kälte ist noch nicht aus ihrem Körper heraus“, sagte Dame Wang.
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„Nichts Ernstes, hoffe ich?“ sagte Djia Dschëng
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„Es ist zu früh, um das festlegen zu können. Die Anfälle sind noch nicht vorüber.“
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Djia Dschëng seufzte, doch sagte er nichts mehr, und sie begaben sich zur Nachtruhe.
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Als die Dame Hsing am nächsten Tag kam, um der Herzoginmutter ihre morgendliche Aufwartung zu machen, erwähnte die Dame Wang die Heiratspläne und nahm die Gelegenheit wahr, die Dame Hsing über die Familie Dschang zu befragen.
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„Ja, sie sind Verwandte von uns,“ enthüllte die Dame Hsing, „doch wir haben jetzt schon seit Jahren keinen Kontakt mehr zueinander, deshalb habe ich keine Vorstellung, wie dieses Fräulein Dschang sein könnte. Wo du es gerade erwähnst, Frau Sun<ref>Yings Schwiegermutter</ref> schickte vor ein oder zwei Tagen eine ihrer Frauen zu mir und erwähnte dabei die Dschangs. Sie erzählte, sie hätten eine Tochter und hätten die Suns darum gebeten, sich nach einem passenden Ehemann für sie umzuschauen. Offensichtlich ist sie ein Einzelkind und sehr wählerisch. Sie verfügt über Bildung und klingt nach einem eher schüchternen Mädchen, das gern zu Hause bleibt. Sie hat noch nicht viel von der Welt gesehen. Weil sie ein Einzelkind ist, würde ihr Vater es niemals in Erwägung ziehen, sie von zu Hause fortzulassen. Er fürchtet, die Strenge einer Stiefmutter könnte eine zu große Belastung für sie sein und besteht darauf, daß der Schwiegersohn mit ihnen zusammen lebt und sie sich die familiäre Verantwortung teilen.“
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„Das kommt nicht in Frage!“, rief die Herzoginmutter, „Bau-yü ist ja eigentlich derjenige, der auf andere angewiesen ist. Kannst du dir vorstellen, ihn fortzuschicken, um das Oberhaupt einer fremden Familie zu werden?“ –
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„Du hast vollkommen Recht“, sagte die Dame Hsing.
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Die Herzoginmutter wandte sich an die Dame Wang.
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„Wenn du nach Hause gehst, sag’ Dschëng, daß sich die Angelegenheit endgültig erledigt hat.“ –
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„Ja, Mutter.“ –
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„Erzähl’ mir,“ fuhr die alte Dame fort, „wie ging es Tjiau-djiä, als du sie gestern besuchtest? Als Ping herkam, schien es ja nicht gut auszusehen. Ich möchte gern dorthin und selber nach ihr sehen.“
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Die beiden Damen dankten der Herzoginmutter für den guten Einfall und baten sie, sich wegen Tjiau-djiä nicht zu sehr zu sorgen.
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„Es ist nicht nur ihretwegen. Es ist die Bewegung. Ich möchte meine Beine gern etwas stärken“, sagte die alte Dame, „ihr beide nehmt euer Mittagessen ein, dann gehen wir gemeinsam los.“
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Die Damen Wang und Hsing gingen zum Mittagessen nach Hause. Anschließend holten sie die Herzoginmutter ab und begleiteten sie zu Hsi-fëngs Wohnung. Hsi-fëng grüßte sie an der Tür und führte sie herein.
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„Wie geht es ihr?“, fragte die Herzoginmutter.
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„Es scheint sich um einen Krampfanfall zu handeln,“ informierte sie Hsi-fëng.
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„Hättest du nicht besser sofort den Arzt rufen sollen?“ – „Das haben wir bereits,“
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Die Herzoginmutter ging mit den Damen Wang und Hsing hinein und fand Tjiau-djiä in den Armen ihrer Krankenschwester, eingehüllt in eine rosafarbene Decke aus Damast-Seide, ihr Gesicht war grün, ihre Augenbrauen und Nasenflügel zitterten etwas. Nach diesem kurzen Nachschauen zogen sie sich in das äußere Zimmer zurück und setzten sich, um zu reden. In diesem Moment kam eine junge Magd aus der Wohnung von Dame Wang mit einer Nachricht für Hsi-fëng:
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„Der Herr schickte mich, um zu fragen, wie es Tjiau-djiä geht.“
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„Sag’ ihr, wir haben den Arzt verständigt“, antwortete Hsi-fëng, „davon werde ich berichten, sobald er ein Rezept ausgestellt hat.“
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Die Ankunft der Magd erinnerte die Herzoginmutter an die gegenwärtigen Heiratspläne. Sie wandte sich an die Dame Wang:
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„Du solltest Dschëng schnellstens von dieser Heiratssache berichten. Wenn wir dem jetzt ein Ende setzen, bevor es jemand an die Familie Dschang weitergibt, sparen wir uns jetzt den Ärger, es später absagen zu müssen.“
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Sie wandte sich an die Dame Hsing: „Warum besucht ihr in letzter Zeit die Familie Dschang nicht mehr so oft?“
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„Sie sind schwierige Verwandte“, antwortete die Dame Hsing. „Sie sind sehr geizig und wären für Bau-yü eine Erniedrigung gewesen.“
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„Ist es Bau-yüs Verlobung, über die ihr sprecht, Mutter?“, fragte Hsi-fëng.
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„Nun ja, eigentlich schon“, sagte die Dame Hsing. Die Herzoginmutter erzählte Hsi-fëng von dem Vorschlag mit den Dschangs. Hsi-fëng lachte:
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„Ich hoffe, ihr entschuldigt, Großmutter, Mutter, Tante Wang, daß ich unaufgefordert davon spreche, doch warum sollte man sich jetzt nach einer Braut für Bau-yü umsehen, wenn wir eine ,vorbestimmte Zuneigung‘ direkt vor unseren Augen haben?“
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„Was meinst du?“, fragte die Herzoginmutter interessiert.
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„Aber, Mutter, du kannst doch nicht Jade-Kostbarkeit und kostbare Haarspange vergessen haben?“
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Die Herzoginmutter lachte.
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„Aber natürlich! Doch warum hast du das gestern nicht erwähnt, als Tante Hsüä hier war?“ –
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„Es wäre kaum angemessen für mich gewesen, in Anwesenheit von Älteren davon zu sprechen“, antwortete Hsi-fëng. „Nebenbei, Tante Hsüä kam für einen Höflichkeitsbesuch, und es wäre wirklich unpassend gewesen. Wenn wir die Sache vernünftig angehen wollen, müssen Mutter und Tante Wang hinübergehen und bei Tante Hsüä ordentlich um Bau-tschais Hand anhalten.“
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Sie lachten alle zusammen.
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„Sei gesegnet, Hsi-fëng“, sagte die Herzoginmutter, „ich war ja blind.“
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Währenddessen wurde der Arzt angekündigt, und die Herzoginmutter setzte sich im äußeren Zimmer nieder, während sich die beiden Damen diskret zurückzogen. Der Arzt trat mit Djia Liän ein und grüßte die Herzoginmutter herzlich, bevor er Tjiau-djiäs Zimmer betrat. Als er zurückkam, beugte er sich zur Herzoginmutter und formulierte seine Diagnose.
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„Das kleine Mädchen leidet unter Krampfanfällen, die zur Hälfte von Fieber, zur anderen von einer Erkältung erschwert werden. Zuerst muß sie eine einzige Dosis der Mischung eines krampf- und schleimlösenden Mittels einnehmen, und dann möchte ich ihr etwas von meinen vier Wunderpulvern verabreichen. Es ist ein sehr ernster Infekt. Ihr werdet in meinem Rezept Rinder-Bezoarsteine notiert sehen. Ich sollte erwähnen, daß viele der Bezoars, die von den Apthekern heutzutage verkauft werden, nicht echt sind. Es ist wichtig, daß Ihr echte besorgt.“
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Die Herzoginmutter dankte ihm für sein Kommen, und der Arzt ging mit Djia Liän hinaus, schrieb das Rezept und brach auf.
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„Es gibt immer Ginseng im Haus“, sagte Hsi-fëng, „doch ich glaube, wir haben keine Bezoarsteine. Wir müssen welche kaufen und darauf achten, daß sie echt sind.“ –
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„Warte, bis ich jemanden zu meiner Schwester geschickt habe“, sagte die Dame Wang, „ich weiß, daß Pan oft Geschäfte mit Händlern von Übersee führte. Sie könnten vielleicht echten Bezoar haben.“
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Während sie sprach, kamen mehrere Mädchen an, um Tjiau-djiä zu sehen. Sie blieben eine Weile und brachen dann mit der Herzoginmutter und den anderen auf.
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Tjiau-djiäs Schleimlöser war nun zubereitet und floß in ihre Kehle. Es gab ein würgendes Geräusch und  alles kam hoch,  Medizin,  Schleim und an-
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deres, ganz zu Hsi-fëngs Erleichterung. Eine der jüngeren Mägde der Dame Wang erschien mit einem kleinen roten Päckchen.
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„Wir haben etwas Bezoar gefunden, zweite gnädige Frau. Die gnädige Herrin sagt, ihr sollt die Menge in zwei Rationen aufteilen und verwenden.“
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Hsi-fëng bat die Magd, der Herzoginmutter ihren Dank auszusprechen. Hsi-fëng nahm das Päckchen und trug Ping auf, die pulverisierten Perlen, Sumatrakampfer und Zinnober zusammen mit dem Bezoar in den vorgeschriebenen Mengen zusammenzukochen. Sie selbst wog die korrekte Menge des pulverisierten Bezoars aus und fügte es der Mixtur hinzu. Sie wartete, bis Tjiau-djiä wieder aufwachte, um ihr dann den Trunk zu verabreichen.
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Wer außer Djia Huan könnte genau in diesem Moment in den Raum platzen?
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„Wie geht es Tjiau-djiä, Kusine Hsi-fëng? Mutter schickte mich, um nach ihr zu fragen.“
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Hsi-fëngs Nackenhaare sträubten sich immer vollständig, wenn sie ihn oder seine Mutter, Tante Dschau, sah.
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„Es geht ihr etwas besser“, antwortete sie mit einem beißenden Ton. „Wenn du zurückgehst, sag’ deiner Mutter bitte, daß es mir leid tut, ihr so viel Ärger bereitet zu haben.“
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Djia Huan murmelte etwas von Abschied, begann aber , im Zimmer herumzuschnüffeln.
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„Sag’ mal“, sagte er nach einer Weile, „ich habe gehört, ihr habt etwas von diesem Bezoarzeug hier. Ich habe noch nie zuvor welches gesehen. Laß es mich doch mal ansehen.“
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„Tjiau-djiä erholt sich langsam“, sagte Hsi-fëng, „was winselst du dann noch hier rum? Die Bezoarsteine wurden bereits vollständig für ihren Trunk aufgebraucht.“
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Dies vernehmend, faßte Djia Huan ungeschickt an die Bettvorhangsquaste und warf dabei den heißen kochenden Medizintopf um. Es gab ein großes Zischen, als der Topf auslief und die kostbare Medizin sich in die Kohle ergoß und beinahe das Feuer löschte. Djia Huan sah, daß er in Schwierigkeiten war und zog sich schnell zurück. Hsi-fëng war so wütend, daß sie Funken vor Wut versprühte.
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„Du Balg einer verkommenen Widersacherin!“ schrie Hsi-fëng ihm nach. „Fluch meines Lebens! Was habe ich in meinem vergangenen Leben nur angerichtet, um so eine Schmach zu verdienen? Deine Mutter versuchte, es mir einzuflößen, jetzt hat es Tjiau-djiä erwischt! Wofür muß sich diese Fehde über so viele Generationen fortsetzen?“
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Sie beschimpfte auch Ping, daß diese nicht vorsichtig genug gewesen sei. Während Hsi-fëng vollkommen in Rage war, kam eine Magd, um Djia Huan zu suchen.
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„Geh und sag’ Frau Dschau,“ befahl Hsi-fëng, „daß sie sich keine Umstände machen muß. Tjiau-djiä ist so gut wie tot, sie muß nicht mehr lange ausharren!“
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Die Magd, verblüfft von Hsi-fëngs Bemerkungen, ging hinüber zu Ping, die eben einen neuen Trunk zubereitete und fragte flüsternd:
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„Was hat die zweite gnädige Frau denn so wütend gemacht?“
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Ping erzählte ihr Djia Huans Debakel.
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„Kein Wunder, daß er wegrannte und sich nicht traute, nach Hause zu kommen!“ erläuterte die Magd. „Er hat sich irgendwo versteckt. Ich weiß noch nicht, wie das morgen mit diesem Huan weitergehen wird! Kann ich beim Aufräumen helfen, Ping?“
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„Mach’ dir keine Umstände. Glücklicherweise hatten wir noch einige Bezoarsteine übrig und alles ist fertig gemacht, du kannst nun ruhig gehen.“
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„Ich werde gewiß Frau Dschau davon berichten, wenn ich zurück bin. Vielleicht hört sie dann auf, ständig von ihm zu prahlen.“
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Die Magd ging wieder zurück, hielt ihr Wort und gab Tante Dschau einen ausführlichen Bericht von Djia Huans Debakel.
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„Bring ihn zu mir!“, rief Tante Dschau mit erregter Stimme.
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Nach kurzer Suche entdeckte ihn die Magd, wie er im angrenzenden Raum  herumschlich, und Tante Dschau begann unverzüglich, einen Hagel von Beschimpfungen auf ihn niederprasseln zu lassen:
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„Du verkommener kleiner Wicht! Was mußtest du unbedingt losgehen und Unruhe stiften, indem du die ganze Medizin auf dem Boden verteiltest? Ich sagte, du solltest gehen und fragen, wie es ihr geht und nicht dort hineinstürmen! Doch du mußtest unbedingt, oder? Und als du drinnen warst, mußtest du unbedingt bleiben und Flöhe auf dem Tigerkopf suchen. Warte nur, bis dein Vater davon hört! Er wird dir die Prügel geben, die du verdienst!“
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Während sie Djia Huan beschimpfte, hörte sie noch schlimmere Beschimpfungen im äußeren Zimmer. Doch um es selbst zu hören, lese man im nächsten Kapitel weiter.
  
DIAGNOSE
+
== Anmerkungen ==
Die sechs Pulse sind langsam. Der Grund ist eine Ansammlung verschiedener Schwächen.
+
<references/>
Der linker Fernpuls ist schwach. Fortschreitende Herzschwäche.
 
Der Hauptpuls ist stark und unregelmäßig. Die Leber (Holz) ist hyperaktiv.
 
Ihre Kraft kann nicht abfließen. Das beeinträchtigt nach oben hin die Milz (Erde), das führt zu konsequentem Appetitverlust. Und das Ganze wird noch verstärkt durch eine Schwächung der Lunge (Metall).
 
Daß die Körpersäfte nicht mehr richtig zirkulieren, hat den Schleim erstarren lassen. Aufwallen und Auswurf von Blut.
 
Behandlung
 
1. Beruhigung der Leber.
 
2. Wiederherstellung der Lungen.
 
3. Stärkung von Herz und Milz.
 
„Stärkungsmittel werden keine Wirkung zeigen. Für den Anfang schlage ich die Mischung ‚Schwarze ätherische Essenz‘ vor, dadurch wird die Lunge gestärkt und damit das Metall gefestigt. Hilft dies nicht, müssen Sie einen besseren Arzt kommen lassen.“
 
Der Arzt schrieb ein Rezept für sieben Zutaten und eine Zubereitungs-Anleitung. Djia Liän nahm das Papier und begutachtete die Liste.
 
„Ich sehe, sie führen Sichelblättriges Hasenohr in dem Rezept auf“, sagte er. „Entschuldigen sie, wenn ich falsch liege, doch ich dachte es würde die Hyperaktivität des Blutkreislaufes erhöhen?“
 
„Es erhöht auch das Tji, so daß das schlechte Blut ausgespuckt wird“, antwortete Doktor Wang mit einem wissenden Lächeln. „Es ist wohlbekannt, daß im Falle von Bluthusten oder Nasenbluten dieses bestimmte Kraut kontraindiziert ist. Doch gestatte mir, dich darüber aufzuklären, daß es in Verarbeitung mit Schildkrötenblut (wie in meinem Rezept) das einzig effektive Heilmittel erzeugt, womit wir den Körpersaft der niederen Yang-Peripherie der Gallenblase ableiten können. Wie man sieht, hat die verständige Beimischung von Schildkrötenblut den bemerkenswerten Effekt, die Brechreiz-Eigenschaften vom Hasenohr zu fördern, während es das Yin der Leber wiederherstellt und die entzündlichen Störungen (Feuer) eindämmt. Mit den Worten des kaiserlichen Medizinbuchs: „Bekämpfe Durchfall mit Beruhigungsmittel, bekämpfe Verstopfungen mit Stärkungsmittel.“ Und die – auf den ersten Blick – paradoxe Verwendung von Hasenohr ist die klassische List aus der Han-Dynastie, daß sich ein loyaler Berater mit dem Thronräuber anfreundete.“
 
„Ich verstehe“, sagte Djia Liän verständig nickend. „Vielen Dank für die Aufklärung, Doktor Wang.“
 
Der Arzt fuhr fort:
 
„Ich hätte gern, daß die junge Dame zwei Dosen von dem Sud einnimmt, dann werden wir sehen, ob wir etwas an der Rezeptur ändern sollten oder zusammen eine neue anfertigen müssen. Ich habe jetzt einen weiteren Termin, bitte entschuldige Sie mich. Ich werde mich in den nächsten Tagen melden.“
 
Djia Liän begleitete den Arzt nach draußen und fragte ihn:
 
„Und was haben sie meinem Vetter Bau-yü verschrieben?“
 
„Ach, er hat keine schwere Krankheit. Nur eine Dosis von dem Pulver, das ich ihm verschrieben habe, und alles ist wieder gut.“
 
Mit diesen Worten stieg Doktor Wang in seine Kutsche.
 
Djia Liän schickte einen Diener, um die erforderlichen Arzneimittel zu besorgen, und ging wieder hinein, um Hsi-fëng über Dai-yüs Diagnose zu informieren. Sie hatten noch nicht lange miteinander gesprochen, da erschien Dschou Juees Frau, um mit Hsi-fëng über einige drängende Dinge in der Haushaltsführung zu sprechen. Nachdem sie eine Weile zugehört hatte, erhob sich Djia Liän, um aufzubrechen.
 
„Berichten Sie ruhig der zweiten Herrin Hsi-fëng weiter, Frau Dschou, ich muß jetzt gehen.“
 
Nun, da Djia Liän aus dem Zimmer war und der verbleibende Hausstand seiner Arbeit nachging, war Dschou Juees Frau in der Lage, zum eigentlichen Anliegen ihres Besuches zu kommen.
 
„Ich komme gerade von Fräulein Dai-yü, gnädige Frau. Ich kann ihren Anblick nicht ertragen! Da ist nicht ein Hauch Farbe auf ihren Wangen und wenn man sie berührt, spürt man nur Haut und Knochen. Ich fragte sie, was denn los sei, doch sie konnte nicht sprechen, saß nur da und weinte. Bevor ich ging, sagte Dsï-djüan, daß Fräulein Dai-yü derzeit sehr krank sei. Wenn sie etwas brauche, sei sie zu stolz, um das zu äußern. Ich habe vor, die zweite Herrin Hsi-fëng zu fragen, ob sie Lin Dai-yü ein bis zwei Monate Geld borgen könne. Die Arznei wurde ja von der Herzoginmutter bezahlt, aber sie benötigt das Geld für den täglichen Lebensunterhalt. Ich versicherte ihr, es an Sie weiterzuleiten, gnädige Frau.“
 
Hsi-fëng senkte ihren Kopf für einen Moment, antwortete dann:
 
„In Ordnung, machen wir es so, ich schenke ihr einige Dutzend Tael Silber. Dennoch muß man es  Fräulein Dai-yü nicht erzählen. Das Geld für diesen Monat ist nicht einfach zu bezahlen. Wenn ich bei einer Person eine Ausnahme mache, wollen es andere auch. Beginnt man einmal damit, gibt es kein Ende mehr. Erinnerst du dich noch daran, als Frau Dschau und Fräulein Tan-tschun sich darüber lebhaft gestritten haben? Damals ging es auch um das Monatsgeld. Außerdem weißt du doch, daß wir derzeit hohe Ausgaben haben und wenig Einnahmen. Wir hoffen, daß wir über die Runden kommen.“
 
Nach einer Pause fuhr sie fort:
 
„Manche behaupten, ich wirtschaftete schlecht. Manche böse Zungen behaupten, ich würde die Familie Wang auf Kosten der Familie Djia ernähren. Doch du weißt es besser, Schwägerin Dschou. Du bist ja eine gute Hauswirtschafterin, du weißt sicher Bescheid.“ –
 
„Dieses Gerede kann ja wirklich jemanden so unfair behandeln, daß er stirbt“, sagte Dschou Juees Gattin. „Wer außer Euch, aufopferungsvoller Schwägerin könnte diesen großen und weitläufigen Haushalt aufrechterhalten? Man sagt immer, wir Frauen könnten das nicht. Selbst ein ausgewachsener Mann mit sechs Armen und drei Köpfen würde an dieser Belastung verzweifeln, da bin ich sicher! Was für ein Blödsinn wird da geredet!“ Während sie redete, lachte sie auf.
 
„Sie haben ja noch nicht gehört, daß Leute von außerhalb noch blöder sind! Vor einiger Zeit, als mein Mann Dschou Juee nach Hause kam, erzählte er, daß jemand von außerhalb versucht herauszubekommen, wie wohlhabend die Familie ist. Manche erzählen, „die Djias haben einige Gemächer für Silber und einige für Gold! Jedes Möbelstück im Haus ist aus Gold und mit Jadesteinen verziert!“ Manche lästern über die kaiserliche Nebenfrau: „Ihre Tochter am Hofe, ist die Frau des Kaisers. Natürlich wird der Kaiser die Hälfte seines Reichtums dem Mädchen geschenkt haben. Als sie damals zu ihrem großen Besuch war, sahen wir mit unseren eigenen Augen, daß sie Fuhren Gold und Silber mit sich brachte, so daß sich zu Hause die Reichtümer wie ein Kristallpalast auftürmten … Und als die Familie zu der großen Feier am Tempel einlud, hat sie dafür zigtausend Tael Silber ausgegeben, das hat sie noch nicht einmal gejuckt! Manche sagten, daß die Steinlöwen vor dem Haupttor aus massiver Jade seien, und im Garten gibt es ein goldenes Kylin-Fabeltier, ursprünglich seien es zwei gewesen, bis eines gestohlen wurde! Von den Damen in der Familie Djia braucht man gar nicht zu sprechen. Selbst die Dienstmädchen würden sich kaum bewegen, tränken Wein, spielten Go, musizierten und malten Kalligraphie. Es gäbe unvorstellbar viele Diener. Sie kümmern sich nur darum, was sie anziehen, was sie essen, was sie tragen; kennen normale Menschen nicht. Und die Kinder! So verwöhnt, daß selbst wenn sie nach einem Mondscheinstrahl verlangten, sich jemand auf den Weg machen würde, einen zu besorgen, daß die kleinen Lieblinge damit spielen können! Es gibt sogar ein Lied über Sie:
 
‚Familie Ning-guo, Familie Jung-guo
 
Gold, Silber und Reichtum ist wie Kot und Erde.
 
Sie können sich nicht arm fressen und nicht arm anziehen.
 
Wenn man es zusammenrechnet ...’“
 
Frau Dschou brach in der Mitte ab. Die letzten zwei Zeilen ihres Liedes lauteten wirklich:
 
„Wenn man sie zusammenrechnet, ist alles nichts!“
 
Sie hatte sich von ihrer eigenen Darbietung davontragen lassen, sie schluckte, und es verschlug ihr die Sprache. Hsi-fëng konnte erahnen, daß das Lied eine bittere Pointe hatte.
 
„Das ist nicht so schlimm,“ bemerkte sie beiläufig, „nur was könnte die Geschichte des goldenen Kylins begründet haben?“
 
„Es muß das kleine Kylin gemeint sein, welches der alte Abt Dschang Herrn Bau-yü im Tempel gegeben hat“, antwortete Frau Dschou. „Er verlor es, und einige Tage später fand das junge Fräulein Schï es für ihn wieder. Eine solche Kleinigkeit ist schon genug für diese Stadtleute, um ihre Fäden herumzuspinnen! Sind sie nicht alle lächerlich, Frau Liän?“ –
 
„Ich finde das nicht unbedingt witzig“, antwortete Hsi-fëng, „es ist eher beängstigend. Bei uns wird es Tag für Tag schwieriger, und die Leute draußen reden so etwas. Es gibt ein bekanntes Sprichwort: Ein Mensch fürchtet die Berühmtheit, ein Schwein die Fettleibigkeit. Das Schlimmste ist, daß es bei uns nur so scheint. Manchmal frage ich mich, wohin das ganze führen soll.“ –
 
„Ich verstehe Eure Sorgen, gnädige Frau“, sagte die Gemahlin von Dschou Juee. „Doch Geschwätz wie dieses kursiert bestimmt mindestens schon ein Jahr in der Stadt, in den Teestuben und Weinläden, in jeder Passage. Wie könnte man den Mund von so vielen stopfen?“
 
Hsi-fëng nickte. Sie wies Ping an, ein Paar Tael Silber abzuwiegen und gab sie Dschou Juees Frau.
 
„Gib dies Dsï-djüan. Sag’, es sei nur eine Kleinigkeit von mir, um zusätzliche Dinge zu kaufen. Falls noch weitere Anschaffungen anfallen sollten, soll sie sich nicht scheuen, es zu sagen. Trotzdem, keine Rede mehr von Vorschüssen. Ich weiß, daß Dsï-djüan ein kluges Kind ist und versteht, was ich meine. Sag’ ihr, daß ich hinüber kommen werde, um nach Fräulein Dai-yü zu sehen, wenn ich Zeit habe.“
 
Dschou Juees Frau nahm das Geld und ging, um die Anweisungen auszuführen.
 
Djia Liän ging nach draußen, sah daß Hsiau-si herauskam, der ihm sagte: „Der Herr wünscht den zweiten Herrn zu sprechen.“ Djia Liän lief direkt zu seinem Vater Djia Schë.
 
„Vorhin habe ich gehört, daß der Kaiserliche Hofarzt und zwei Berater verlangt werden, weil jemand am Hof krank ist“, sagte Djia Schë. „Ich denke, daß es unsere Tochter ist. Haben wir in den letzten Tagen etwas von ihr gehört.“
 
„Nein, nichts“, antwortete Liän.
 
„Geh los und frage deinen Onkel und deinen Vetter Dschën“, sagte Djia Schë. „Find heraus, ob sie mehr darüber wissen. Wenn nicht, schicke jemanden, der sich im Kaiserlichen Krankenhaus erkundigt. Wir müssen her­aus­bekommen, um was es geht.“ –
 
„Ja, Vater.“
 
Djia Liän verfolgte beide Erkundungslinien gleichzeitig, entsendete einen seiner Männer zum Krankenhaus, während er sich eiligst auf den Weg machte, Djia Dschëng und Djia Dschën zu besuchen.
 
„Wo hast du das denn gehört?“, fragte Djia Dschëng, nachdem er Lians Darstellung der Geschichte gehört hatte.
 
„Gerade eben von Vater.“ –
 
„Du solltest mit Vetter Dschën zusammen zum kaiserlichen Krankenhaus gehen und sehen, was man dort herausfinden kann.“
 
„Ich habe bereits jemanden zum Krankenhaus geschickt“, antwortete Liän, „um zu sehen, ob es etwas Neues gibt.“
 
Während er sprach, machte er sich auf den Weg, um Djia Dschën zu suchen. Er sah aber, daß ihm Vetter Dschën entgegenkam, und erzählte ihm, was los war. Dieser entgegnete: „Ja, Ich habe das gleiche auch gehört. Der alte und der zweite Herr gehen auch dorthin.“ Beide gingen zusammen wieder zu Djia Dschëng, der sagte:
 
„Wenn es die kaiserliche Nebenfrau ist, werden wir gewiß früher oder später darüber aufgeklärt.“
 
Während er sprach, kam auch noch Djia Schë dazu.
 
Am Mittag warteten die vier immer noch auf die Rückkehr von Djia Liäns Kundschaftern aus dem Krankenhaus, als einer der Torwächter eintrat, um die Ankunft zweier Eunuchen aus dem Palast mit einer kaiserlichen Nachricht für Herrn Schë und Herrn Dschëng anzukündigen.
 
„Führ sie herein,“ befahl Djia Schë und ging mit seinem Bruder zum inneren Tor, um sie zu begrüßen. In der Art der Manchus knieten die Brüder nieder und gaben Ehrenbekundungen wie „Die allerdemütigsten Diener der kaiserlichen Nebenfrau“ von sich, bevor sie die kaiserliche Delegation durch den Torweg und über den Innenhof zur Empfangshalle führten, wo sie jene baten, sich zu setzen. Einer der Eunuchen erhob sich und sagte:
 
„Ihre Tochter, die kaiserliche Nebenfrau, fühlte sich vorgestern unwohl. Gestern befahl der Kaiser, daß vier Damen aus Eurer Familie sie im Palast besuchen. Jeder Dame ist es gestattet, ein Dienstmädchen zur Begleitung zu wählen. Mehr ist nicht erforderlich. Männliche Verwandte dürfen nur bis zu den Palasttoren voranschreiten und ihre Karten vorlegen. Sie dürfen nicht weitergehen, sollen jedoch ihre Huldigung bezeugen und außerhalb des Tores weitere Anweisungen erwarten. Morgens sollen Sie zwischen  neun bis elfUhr ankommen, abends zwischen siebzehn und neunzehn Uhr abreisen.“
 
Djia Dschëng und Djia Schë und alle anderen Anwesenden empfingen den Erlaß stehend. Als er geendet hatten, setzten sie sich wieder hin und boten den Eunuchen Tee an, danach verabschiedete sich die kaiserliche Gesellschaft. Die beiden älteren Brüder sahen ihnen bis zum Haupttor nach und gingen wieder hinein, um der Herzoginmutter davon zu berichten.
 
„Vier?“, fragte die alte Dame. „Eure beiden Damen und ich selber sind drei. Für wen ist der vierte Platz bestimmt?“
 
Nach einer Weile des Nachdenkens fuhr die Herzoginmutter fort: „Damit muß Feng gemeint sein. Sie findet sich in jeder Situation zurecht. Nun, ihr Männer geht jetzt und besprecht das.“
 
Djia Schë und Djia Dschëng nickten, brachen unverzüglich auf und gaben Anweisungen, daß abgesehen von Liän und Jung, deren Aufgabe es war, zu bleiben und sich um die beiden Wohnhäuser zu kümmern, ein volles Aufgebot der jüngeren und älteren Clan-Mitglieder erwartet würde. Darauf wurden die Diener beauftragt, vier der besten grünen Hofsänften der Familie ausstaffieren zu lassen und ein Dutzend Kutschen mit blauen Baldachinen und all dies vor dem ersten Licht des Tages herzurichten. Die Diener gingen eilig ihrer Arbeit nach, während die zwei Herren Djia zu einer letzten Besprechung mit der Herzoginmutter zurückkehrten.
 
„Wir müssen zwischen sieben und neun Uhr ankommen und zwischen siebzehn und neunzehn Uhr herauskommen, Mutter. Es scheint ratsam, noch früher als gewöhnlich aufzustehen, wenn wir am Morgen unverzüglich aufbrechen wollen. Wir brauchen ausreichend Zeit, um uns für den Hof herzurichten.“
 
„Nun gut“, antwortete die Herzoginmutter, „ihr könnt jetzt gehen.“
 
Die beiden Brüder entfernten sich, verließen die Herzoginmutter mit ihren beiden Schwiegertöchtern und Hsi-fëng. Sie sprachen eine Weile über Yüän-tschuns Krankheit und über Belanglosigkeiten und zogen sich für die Nacht zurück.
 
Am nächsten Morgen noch vor Tagesanbruch, zündeten Mägde die Lichter in allen Wohnungen an, und die Damen begannen, sich herzurichten. Um fünf Uhr, als die Damen bereit waren, und die Herren ihren feierlichen Gewändern den letzten Schliff verliehen hatten, kamen Lin Dschï-hsiau und Lai Da zum Inneren Tor, um zu berichten, daß die Sänften und Kutschen wie angeordnet draußen bereit stünden. Djia Schë und die Dame Hsing kamen an, und die Gesellschaft war vollständig. Nach dem Frühstück, welches sie zusammen einnahmen, führte die Herzoginmutter, die sich auf Hsi-fëngs Arm stützte, alle hinaus, und der Hausstand versammelte sich, als die vier Damen, jede von einer einzigen Magd begleitet, langsam hinausgingen. Eine Vorhut, bestehend aus Li Guee und einem Älteren, ritt zu den äußeren Toren des Palastes, um die Vorbereitungen abzusprechen. Drei Generationen der Djias stiegen in ihre Kutschen oder setzten sich auf ihre Pferde. Die Prozession schloß sich an und mit Gefolgsleuten, die den Zug begleiteten, bewegten sie sich über die Straßen. Djia Liän und Djia Jung blieben zurück, um die beiden Wohnsitze zu beaufsichtigen.
 
Die Prozession hielt unter dem Westwall-Tor an, einem der äußeren Tore der Verbotenen Stadt, und kurz darauf traten die Eunuchen hervor, um anzukündigen:
 
„Angehörige der Familie Djia! Die Damen werden jetzt den Palast für ihren privaten Besuch betreten. Die Herren treten vor und halten am inneren Tor. Sie werden den inneren Bereich nicht betreten, sondern von dort ihre Ehrerbietungen erweisen:“
 
Die Männer auf dem Tor drängten die Gesellschaft herein. Ein jüngerer Eunuch leitete die vier Sänften der Damen weiter, während die Herren, ihre Diener am äußeren Tor zurücklassend, den Sänften gemessenenSchrittes zu Fuß folgten. Als sie sich dem inneren Tor näherten, konnten sie dort einige ältere Eunuchen sitzen sehen, die sich erhoben, als die Prozession ankam, und meldeten:
 
„Herren der Djia Familie! Haltet hier!“
 
Djia Schë und Djia Dschëng ließen ihre Männer außerhalb des Tores ihre Stellung beziehen, während die Sänften der Damen unter dem inneren Tor anhielten, wo die Damen ausstiegen. Eine Eskorte jüngerer Eunuchen zeigte den Weg, und die Djia Damen, jede am Arm von ihrer Magd gestützt, gingen zu Fuß weiter in den inneren Bereich des Palastes, bis sie vor sich die überreich verzierte Fassade und die glanzvoll verglasten Dachziegel der Kaiserlichen Schlafgemächer der Konkubinen vor sich sahen.
 
Zwei junge Kammerfrauen kamen ihnen entgegen, um sie darüber aufzuklären, daß die einzig notwenige Formalität ein Knicks sei. Die Wertschätzung für diese Gunst bekundend, näherten sich die Besucher dem Bett und knicksten der Reihe nach. Yüän-tschun forderte sie auf, sich zu setzen, was sie nach einem freundlichen Zögern auch taten. Zuerst sprach sie zur Herzoginmutter:
 
„Sind Sie bei guter Gesundheit?“
 
An ihre Magd gelehnt, erhob sich die alte Dame zitternd und antwortete:
 
„Dank der wohltätigen Aura der kaiserlichen Nebenfrau bin ich noch wohlauf.“
 
Yüän-tschun sprach nun weiter zu den Damen Wang und Hsing, die beide auf die gleiche Art antworteten. Dann wandte sie sich an Hsi-fëng:
 
„Wie läuft es zu Hause?
 
Hsi-fëng erhob sich.
 
„Wir schaffen es, zurechtzukommen, kaiserliche Nebenfrau“, antwortete sie und setzte sich hin.
 
„Ich schätze“, sagte Yüän-tschun, „daß es in den vergangenen Jahren nicht leicht für euch war.“
 
Hsi-fëng war dabei, sich wieder zu erheben und zu antworten, als eine Kammerfrau mit vielen offiziellen Karten zur Begutachtung für die kaiserliche Nebenfrau eintrat. Als sie die Familiennamen erkannte, fühlte Yüän-tschun einen stechenden Schmerz und Tränen liefen ihr über die Wangen. Die Kammerfrau nahm ein Seidentaschentuch, mit dem sie ihre Tränen wegwischte und sagte dabei:
 
„Es geht mir heute ein wenig besser, bitte sag’ es ihnen. Und bitte sie, draußen zu warten.“
 
Die Djia Damen erhoben sich noch einmal und drückten ihre Dankbarkeit aus. Yüän-tschuns Augen waren immer noch gefüllt mit Tränen.
 
„Familien einfachen Standes sind so viel glücklicher als wir! Wenig­stens können sie zusammen sein!“
 
Der Herzoginmutter und den anderen standen auch die Tränen in den Augen.
 
„Wir flehen die kaiserliche Nebenfrau an, nicht traurig zu sein. Euer erhabener Segen ließ unsere Familie sich bereits tausendfach glücklich fühlen.“
 
„Wie geht es Bau-yü?“, fragte Yüän-tschun.
 
„Er nimmt seine Studien zur Zeit sehr ernst“, antwortete die Herzoginmutter. „Sein Vater war sehr streng mit ihm, er entwickelt sich langsam zu einem kleinen Gelehrten.“
 
„Ich bin sehr froh, das zu hören.“
 
Yüän-tschun gab Anweisungen, das Mittagessen in der äußeren Empfangshalle servieren zu lassen, und zwei Kammerfrauen, von zwei jüngeren Eunuchen unterstützt, geleiteten sie hinaus. Die Sitzordnung wurde in Übereinstimmung mit der Rangordnung der Dija Familie festgelegt und die Damen setzten sich nieder zu einem tadellosen Mahl, Einzelheiten brauchen wir nicht schildern.
 
Als das Mittagessen vorüber war, dankten die Damen für das Essen und blieben noch eine Weile. Schließlich sahen sie, daß es bald fünf Uhr war und aus Angst, die Vorgabe zu überschreiten, machten sie sich auf den Weg. Yüän-tschun schickte eine ihrer Kammerfrauen, sie bis zum inneren Tor zu begleiten, wo bereits dieselben vier Eunuchen warteten, sie hinauszuführen. Die  Herzoginmutter  und  ihre Begleitung bestiegen ihre Sänften und wurden
 
 
 
Aus: Jinyuyuan 1889a.
 
zum äußeren Tor getragen, wo sie Djia Schë und die Männer antrafen. Die ganze Familie kehrte so in ihrer Prozession zurück.
 
Der Besuch wurde am nächsten Tag wiederholt und am Tag darauf und da die Prozeduren alle miteinander die gleichen waren, müssen wir dies hier nicht weiter ausführen.
 
Währenddessen erging es der Familie Hsüä immer schlechter. Seit Hsia Djin-guee Hsüä Pan rausgeworfen hatte, hatte sie niemals Mangel an Partnern gespürt. Tchiu-ling zog aus, und lebte bei Bau-tschai, und die einzig übriggebliebene Person in diesem Bereich war Bau-tschan. Doch seit ihrer Beförderung in des Herren Bett, hatte sich Bau-tschan eine neue Selbstversicherung besorgt und Djin-guee beobachtete bald, daß ihre List, Bau-tschan Pan zu geben, versagt hatte. Ihre Magd wurde in der Tat ihre größte Rivalin. ‚Nun gut‘, dachte sie bei sich eines Tages, nachdem sie viel getrunken hatte und auf ihrem Ofenbett mit weinerlichem Gemüt lag, ‚laß uns sehen, was sie wert ist ...‘ Eine Runde oder zwei mit Bau-tschan könnte genau das Selters sein, das sie brauchte.
 
„Komm schon!“ verhöhnte sie sie. „Wohin ist unser prächtiger Herr und Herr bloß verschwunden? Wo versteckt er sich? Du weißt es, natürlich weißt du es, oder?“
 
„Ich habe nicht die geringste Ahnung“, antwortete Bau-tschan. „Wenn er es euch nicht erzählt hat, meine Herrin, wird es wohl sonst keiner wissen.“
 
„Verschone mich bloß mit „Herrin! Das ist doch auch Eure Welt geworden“, sagte Djin-guee mit einem hämischen Lächeln. „Andere Leute können wir nicht verärgern, die haben Beschützer. Ich wage es auch nicht, auf dem Kopf des Tigers nach Flöhen zu suchen. Doch du bist immer noch meine Magd, von dir muß ich mir keine Frechheiten gefallen lassen! Du versteckst Sachen vor mir. Wenn du deiner selbst so sicher bist, warum machst du nicht weiter und erwürgst mich? Dann haben du und Tchiu-ling euer Ziel erreicht! Wer möchte denn dann die Dame werden? Leider bin ich noch nicht tot und stehe Euch im Weg!“
 
Bau-tschan konnte dies nicht so hinnehmen. Sie schaute Djin-guee an:
 
„Herrin, das was Sie erzählt haben, kann ja nur von fremden Leuten stammen. Ich habe Ihrer Schwiegermutter nichts gegen sie gesagt. Die Herrin möchte die anderen nicht verärgern, warum müssen Sie das an mir auslassen, der kleinen schwachen? Tatsächlich tut Ihr immer so, als hättet ihr nichts gehört. Alle sind immer unschuldig.“
 
Beim Sprechen fing sie an, laut zu weinen. Djin-guee wurde noch wütender, stand vom Ofenbett auf und wollte sie schlagen. Bau-tschan hatte den Charakter der Familie Hsia und wollte kein Stück zurückweichen. Djin-guee überhörte Bau-tschans Unschuldsbeteuerungen und schlug mit voller Wucht Tische und Stühle kurz und klein.
 
Frau Hsüä war gerade in Bau-tschais Zimmer und hörte den fürchterlichen Lärm, den sie machten.
 
„Hsiang-ling,“ befahl sie, ohne nachzudenken, „geh hinüber und sieh nach, was los ist! Bring’ sie dazu, sich zu beruhigen.“
 
„Du kannst unmöglich Hsiang-ling schicken,“ erinnerte sie Bau-tschai. „Das ist wie Öl ins Feuer zu gießen.“
 
„Nun gut, dann gehe ich eben selbst“, erklärte Frau Hsüä.
 
„Tu das besser nicht, Mama,“ wandte Bau-tschai ein, „sie sollen das unter sich ausmachen. Ich fürchte, es gibt nichts, das wir tun können.“
 
„Dieser Zustand ist einfach nicht tragbar!“ schrie Frau Hsüä und, von einer ihrer Mägde gestützt, begab sie sich in Richtung von Djin-guees Wohnung. Bau-tschai folgte ihr unwillig, gab dabei Hsiang-ling strenge Anweisungen, zurückzubleiben. Als sie sich Djin-guees Wohnung näherten, konnten sie innen den Sturm hören, der nicht abklingen wollte.
 
„Was hat das alles zu bedeuten?“, rief Frau Hsüä. „Schaut euch nur an! Was für eine schändliche Art, sich zu benehmen! Ihr wißt, daß andere Leute euch hören können. Schämt ihr euch nicht für das, was die Verwandschaft wohl denken mag? Habt ihr keine Angst, euch zu Witzfiguren zu machen?“
 
„Ich eine Witzfigur – das reicht!“ keifte Djin-guee von innen. „Eure ganze verkommene Familie ist eine Witzfigur. Es gibt keinen Familienvorstand, keine Dienstmagd, keine Ehefrau und Nebenfrau, das ist eine Welt der Chaoten! Ich wurde ganz anders erzogen, das kann ich euch sagen! Bei mir zu Hause kannte jeder seinen Platz. Ich habe genug in eurer Familie ertragen müssen!“
 
„Schwägerin,“ flehte Bau-tschai, „Mutter ist nur gekommen, weil sie euch zwei kämpfen hörte. Falls du glaubst, sie hätte dich beleidigt, ist es nur, weil sie nicht zwischen dir und Bau-tschan unterschied, sie war doch nur traurig. Mit Sicherheit meinte sie es nicht so. Wäre es nicht besser, in Ruhe zu erklären, was dir nicht gefällt, und wir alle finden gemeinsam eine friedliche Lösung? Arme Mutter, wir bekümmern sie noch zu Tode.“
 
„Ja,“ fügte Frau Hsüä hinzu, „bevor du mich beschuldigst, erklär’ mir bitte, welche Probleme es gibt.“
 
„So ein gutes Mädchen!“, sagte Djin-guee an Bau-tschai gewandt.
 
 
 
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Revision as of 13:46, 12 April 2026

Kapitel: 1 · 11 · 21 · 31 · 41 · 51 · 61 · 71 · 81 · 82 · 83 · 84 · 85 · 86 · 87 · 88 · 89 · 90 · 91 · 101 · 111 · ← Inhalt

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Kapitel 84

试文字宝玉始提亲 / 探惊风贾环重结怨

Bau-yü hat eine spontane Prüfung, und seine Verlobung wird erstmals diskutiertDjia Huan besucht ein konvulsivisches Kind, und alte Anfeindungen werden neu aufgenommen.

Bau-tschai identifizierte den plötzlichen Schmerz [ihrer Mutter] Frau Hsüäs in der linken Brust als eine Bewegung des schlechten Qis der Leber nach oben in die Brust, hervorgerufen durch die schlimme Szene mit Djin-guee. Weil Bau-tschai die Ursache kannte, wartete sie nicht auf den Arzt, sondern schickte sofort einen Diener aus, um ein Paar Kleinigkeiten zu besorgen, braute eine dicke Brühe für Frau Hsüä und gab es ihr zum Einnehmen. Mit Tjiu-ling massierten sie ihre Beine und Brust, damit sie sich entspanne. Eine Weile beruhigten sich alle; doch Frau Hsüä war weiter traurig und wütend. Sie ärgerte sich über Djin-guees abscheuliches Verhalten und war traurig, daß Bau-tschai so eine Demütigung erleiden mußte. Letztendlich, nach einer weiteren Dosis töchterlicher Beschwichtigung, schlief sie ein und das Qi aus der Leber hatten die Möglichkeit abzusacken. „Jetzt mach’ dir bitte keine Sorgen mehr, Mama,“ flehte Bau-tschai, als sie aufwachte. „In ein oder zwei Tagen, wenn du dich ausreichend erholt fühlst, warum gehen wir dann nicht rüber und sehen nach der Herzoginmutter und Tante Wang? Das würde dir sehr gut tun. Tjiu-ling und ich kümmern uns derweil hier um alles, während du fort bist. Und ich bin sicher, es wird von seiner Seite keinen Ärger mehr geben.“ Frau Hsüä nickte: „Vielleicht in ein paar Tagen.“ Endlich kamen die Neuigkeiten an, daß sich die kaiserliche Nebenfrau Yüän[-tschun] erholt hatte und alle in der Familie Djia waren sichtlich erleichtert. Ein oder zwei Tage später kam eine Gesellschaft von Eunuchen aus dem Palast mit Geschenken und Päckchen mit Geld. Sie verkündeten, es sei der Wunsch der kaiserlichen Nebenfrau, die Familie für ihren Eifer, den sie bei ihrem Besuch während ihrer Unpäßlichkeit zeigte, zu entschädigen. Die Eunuchen überreichten die sorgfältig verpackten Geschenke. Djia Schë, Djia Dschëng und die anderen Männer traten ein, um der Herzoginmutter davon zu berichten, und kamen alle wieder zurück, um sich für die Großzügigkeit zu bedanken. Als die Eunuchen ihren Tee getrunken hatten und gegangen waren, kehrten alle zu den Gemächern der Herzoginmutter zurück. Nach einer Weile, während sie immer noch redeten, kam eine Amme mit einer Nachricht herein: „Die andere Seite berichtet, daß dort ein Besucher mit einem wichtigen Anliegen für Herrn Djia Schë wartet, meine gnädige Dame.“ Die Herzoginmutter gestattete es, er bedankte sich und ging, um sich um diese Angelegenheit zu kümmern. Als er gegangen war, mußte sie plötzlich an etwas denken und ihr Gesicht wurde von einem Lächeln erhellt. „Es ist so rührend“, sagte sie und wandte sich zu Djia Dschëng, „wie die kaiserliche Nebenfrau an Bau-yü denkt! An einem Tag fragte sie sogar nach ihm.“ „Bau-yü will nur leider nicht lernen. Ihre Besorgtheit“, antwortete Djia Dschëng mit sarkastischem Lächeln, „ist genauso großzügig wie unverdient.“ „Doch ich machte einen glänzenden Bericht über ihn!“ sagte die Herzoginmutter. „Ich sagte, wie gut er mit seinen Aufsätzen vorankäme.“ „Ich wünschte nur, es wäre wahr“, sagte Djia Dschëng mit einem vernichtenden Lächeln. „Aber ihr verlangt von ihm doch oft, daß er Verse und Dinge für euch verfaßt. Hat er das nicht geschafft, oder wie? Ich bin sicher, er macht Fortschritte. Er ist noch jung, seid geduldig mit ihm. Ein Sprichwort sagt: ‚Ein Kind wird auch nur Löffelchen für Löffelchen zu einem Wonneproppen,‘ wie das Sprichwort sagt.“ Djia Dschëng lächelte pflichtbewußt: „Ja, Mutter.“ „Dies bringt mich,“ fuhr die alte Dame fort, „zu etwas anderem, worüber ich sprechen wollte. Jetzt, wo Bau-yü erwachsen wird, ist es Zeit, daß ihr ernsthaft darüber nachdenkt, ihm eine vernünftige Frau zu suchen. Die Hochzeit ist einer seiner wichtigsten Schritte im Leben. Wir müssen uns nicht zu viele Gedanken darüber machen, wie nah sie mit uns verwandt oder wie wohlsituiert sie ist; doch wir müssen sicher sein, daß sie ein gutes Herz hat und ein hübsches Mädchen ist.“ – „Danke, daß du mich daran erinnerst, Mutter“, antwortete Djia Dschëng. „Doch so sehr ich die Wichtigkeit, eine Braut zu suchen, anerkenne, liegt der erste Schritt, wie ich finde, bei ihm selbst. Ohne eine bemerkenswerte Verbesserung auf seiner Seite wird er kein echter Mann und keine Karriere machen. Sonst wäre das ein bedauerlicher Fehler für die betroffene junge Dame. Sein derzeitiges faules Betragen kann nur eine eheliche Katastrophe verursachen.“ Seine Antwort gefiel seiner Mutter nicht, sie antwortete: „Ich weiß, daß es die Entscheidung der Eltern ist! Das ist nicht meine Sache! Doch Bau-yü ist bei mir groß geworden, und ich kümmere mich sehr um ihn. Es ist kein Wunder, daß ich mich ein bißchen mehr um ihn kümmere. Es kann sein, daß ich mich um die wichtigen Dinge für ihn nicht so gekümmert habe. Er sieht gut aus, und sein Herz ist anständig. Er wird kein Taugenichts werden, wie könntest du meinen, er bedrohe das Glück junger Mädchen. Ich denke nicht, daß ich voreingenommen bin! Auf jeden Fall ist er dem jungen Huan vorzuziehen. Oder wie denkt Ihr darüber?“ Djia Dschëng fühlte sich nun sehr unbehaglich und antwortete mit geheuchelter Freundlichkeit: „Du kannst das mit deiner größeren Erfahrung natürlich besser beurteilen, Mutter. Du magst darin richtig liegen, daß das Schicksal ihn begünstigt. Möglicherweise ist es meine eigene – wie soll ich sagen? – Ungeduld. Wahrscheinlich bin ich nicht, wie die Vorfahren sagen, blind für die Fehler der eigenen Kinder, sondern blind für die Vorzüge der eigenen Kinder.“ Das brachte nicht nur die Herzoginmutter zum Lachen, sondern alle Umstehenden auch. „Ja“, sagte die Herzoginmutter, „und vergiß nicht, wie alt du jetzt bist. Und du bist noch Beamter. Selbstverständlich bist du reich an Erfahrungen.“ Sie wandte sich lächelnd zu den Damen Hsing und Wang und: „Wenn ihr ihn nur gesehen hättet, als er noch ein Junge war! Er war unmöglich! Doppelt so schlimm wie Bau-yü! Erst die Hochzeit belehrte ihn über ein paar Dinge im Leben. Und jetzt hört er gar nicht mehr auf, sich über den armen Bau-yü zu beschweren. Bau-yü ist in seinem jetztigen Alter bereits viel verständiger, als er es zu der Zeit war.“ Die Damen Hsing und Wang lachten und sagten, daß die Schwiegermutter sehr witzig sei. Dann traten die jüngeren Mägde ein und informierten Yüan-yang, daß das Essen bereit sei, serviert zu werden. „Sprich lauter!“, rief die Herzoginmutter aus mit wieder hergestelltem heiteren Gemüt. „Weihe mich ein in das Geheimnis!“ Yüan-yang lächelte und gab die Nachricht weiter. „In diesem Fall“, sagte die Herzoginmutter, „darf sich jeder zum Mittagessen nach Hause zurückziehen, mit Ausnahme von Hsi-Fëng und Vetter Dschëns Frau. Ich hätte gern, daß sie bleiben und mir Gesellschaft leisten.“ Djia Dschëng, die Damen Wang und Hsing nickten, warteten, bis das Essen aufgetragen war, und dann, nach einigen weiteren Schwänken der Herzoginmutter, brachen sie auf und gingen getrennte Wege. Nachdem die Dame Hsing gegangen war, kam Djia Dschëng zusammen mit seiner Frau, der Dame Wang, wieder auf das Thema, daß er mit der Herzoginmutter besprochen hatte: „Meine Mutter kümmert sich so sehr um Bau-yü! Sie hofft, daß er anständig studiert und sich einen guten Namen macht. Hoffentlich enttäuscht er ihre Hoffnung nicht und wird tatsächlich noch eine gute Partie.“ „Was Ihr sagt, ist natürlich richtig!“ stimmte die Dame Wang zu. Djia Dschëng schickte sofort eine Magd mit folgenden Anweisungen für Li Guee los: „Sag’ Bau-yü, ich wünsche, ihn heute Abend zu sehen. Anstatt mich nach der Schule zu besuchen, soll er erst sein Abendbrot einnehmen und danach direkt in mein Arbeitszimmer kommen. Ich habe ihm etwas zu sagen.“ Li Guee nickte. Li Guee fing an diesem Nachmittag Bau-yü auf seinem Heimweg von der Schule ab: „Besuchen Sie Ihren Vater heute nicht direkt, sondern essen Sie erst zu Abend und besuchen Sie ihn erst danach, weil er Ihnen etwas zu sagen hat.“ Bau-yü schien vom Blitz getroffen; er besuchte seine Großmutter, eilte zurück zum Hof, aß ein kärgliches Mahl, spülte den Mund aus und begab sich zur Wohnung seines Vaters. Djia Dschëng wartete im inneren Arbeitszimmer auf ihn. Bau-yü trat ein, verbeugte sich und stand dort angespannt. Djia Dschëng sagte „Ich bin zur Zeit sehr beschäftigt und hatte noch nicht die Gelegenheit, dich nach der Entwicklung deines Studiums zu fragen. Ich erinnere mich, daß der Lehrer dir einen Monat Zeit zur Nachbearbeitung gab, nach welcher er vorhatte, dich Aufsätze schreiben zu lassen. Da inzwischen zwei Monate vergangen sind, solltest du inzwischen schon angefangen haben, denke ich.“ – „Das habe ich, Herr“, antwortete Bau-yü. „Ich habe drei Aufsätze geschrieben. Der Lehrer sagte, ich solle dir jetzt noch keine Aufsätze zeigen, sondern erst später, wenn sie besser würden. Deswegen habe ich dir die Aufsätze in den letzten Tagen noch nicht gezeigt.“ – „Was waren deine ersten drei Themen?“ –

„Das erste war aus den Gesprächen, Buch zwei“, antwortete Bau-yü. „Der Weise sagt, mit 15 habe er zu studieren begonnen.“[1] Das zweite Thema war auch aus den Gesprächen, Buch eins: „Hasse den nicht, der dich nicht versteht.“[2] Und das dritte war Mencius, Buch drei, Teil zwei: „Entweder gehört man der Schule Mo oder Yang an“[3].

„Und hast du deine Entwürfe aufbewahrt?“, fragte Djia Dschëng. „Ich habe ausreichend Abschriften von allen dreien, mit den Verbesserungen des Lehrers.“ „Sind sie zu Hause oder im Schulraum?“ „Im Schulraum.“

„Dann laß jemanden gehen und sie besorgen. Ich würde sie gerne sehen.“

Bau-yü schickte eine Eilnachricht an Bee-ming: „Gehe in den Schulraum; in der Schublade unter meinem Pult ist ein dünnes Schreibheft aus Bambuspapier, auf dem Achtgliedrige Aufsätze steht. Bring es schnell her!“ Nach kurzer Zeit kehrte Bee-ming mit dem Heft zurück, welches er Bau-yü gab, der es Djia Dschëng zeigte. Djia Dschëng schlug die erste Seite auf und begann den ersten Achtgliedrigen Aufsatz von Bau-yü mit dem Thema „Mit 15 zu studieren anfangen“ zu lesen. Der Weise nahm sich vor, zu studieren, obwohl er jung war. Der Lehrer hatte aber das Zeichen für „jung“ in „fünfzehn Jahre“ korrigiert. Djia Dschëng fragte Bau-yü: „Du hast ja vorher ‚jung‘ geschrieben, das stimmt ja mit dem Thema nicht ganz überein, weil ‚jung‘ die Phase von klein an bis sechzehn Jahren. Dieser Aufsatz geht darüber, wie der Weise darüber spricht, wie er selbst, als er anfing zu studieren, immer weiter voran kam, deshalb die Altersangaben fünfzehn, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig. So kann man erst seine Entwicklung sehen. Er beschreibt, wie man bis zu jenem Jahrzehnt jenen Meilenstein erreicht hat; deshalb hat der Lehrer ‚jung‘ in ‚mit fünfzehn Jahren‘ korrigiert. So kann man es besser verstehen.“ Im Achtgliedrigen Aufsatz folgte auf zwei Sätze Einleitung eine Interpretation, so las Djia Dschëng die Interpretation. Bau-yüs Text, bevor der Lehrer diesen korrigiert hatte, lautete: „Wenn ein Mann nicht zum Studium motiviert ist, ist er ein gewöhnlicher Mensch.“ Djia Dschëng schüttelte den Kopf und sagte: „Du bist ja noch recht kindisch. Man sieht ja, daß in dir keine Motivation zum Gelehrten steckt. Dann ging er weiter im Text: „Der Weise hat mit 15 schon angefangen zu studieren, wie schwer muß das sein.“ – Wie kann man denn so etwas schreiben, das ist doch kein Satz.“ Er sah dann die Korrektur des Lehrers. „Wie sollte der Mann nicht studieren, wenn er nicht vorhat, ein Elite-Gelehrter zu werden? Deshalb glaubt der Weise, mit 15 zu studieren anfangen zu können.“ Er fragte, „Hast du verstanden, was der Lehrer korrigiert hat?“ – „Ich habe es verstanden.“ Djia Dschëng ging zum zweiten Thema über: „Hasse den nicht, der dich nicht versteht.“ Er las die korrigierte Version des Lehrers, übersetzte sie sich selbst und fuhr fort: „Wenn man sich nicht versteht und man sich nicht haßt, teilt man auch die Freude nicht.“ Er kniff seine Augen zusammen, um verwischtes Original zu entziffern: „Was hast du denn geschrieben? ‚Wenn man kein wütendes Herz hat, gehört man zu den Gelehrten.‘ Mit diesem Satz hast nur das halbe Thema behandelt. Das muß ja korrigiert werden, damit es mit dem Thema zusammenpaßt. Der Folgesatz muß ja den Anfangstext erklären, so kann der Text ja erst fließen und logisch sein. Du brauchst Sorgfalt und Verständnis, dann erst kann es klappen.“ Bau-yü stimmte zu. Djia Dschëng las weiter und sagte: „Du weißt nicht, daß jeder wütend werden kann? Wie soll denn das gehen? Wie könnte man auf diesem Wege noch erreichen, dann noch über Freude zu sprechen?“ Der Original-Satz war: „Oder gehört man nicht zu den Gelehrten?“ – Djia Dschëng sagte: „Das ist der gleiche Fehler, was geändert wurde, ist richtig. Obwohl ich einigermaßen verstehe, was du damit sagen willst. Man kann es gerade durchgehen lassen.“ – Das dritte Thema war: „Alle Äußerungen auf der Welt gehören nicht zur Yang-Schule der Orthodoxie, sondern zur Mo-Schule der Häresie.“ Djia Dschëng las das Thema, hob den Kopf, dachte eine Weile nach und fragte dann Bau-yü: „Seit ihr schon so weit im Stoff?“ Bau-yü antwortete: „Der Lehrer hat gesagt, Meng-zi sei leicht verständlich, deshalb haben wir ihn vorgezogen. Bis vorgestern haben wir Meng-zi beendet. Heute lesen wir wieder die Gespräche.“ Djia Dschëng sah, daß Bau-yüs Text nicht viel vom Lehrer korrigiert worden war. In der Einführung stand: „Die Wörter, die außerhalb der Yang-Schule gesprochen werden, können nicht zur Yang-Schule gehören.“ Djia Dschëng sagte, „Der zweite Satz ist ja etwas schwierig für dich.“---„Der Mensch der Mo-Schule ist derjenige, der frei von Gier ist. Die Gedanken der Mo-Schule haben die halbe Welt erreicht, aber alles außerhalb der Yang-Schule. Die Gier gehört nicht zur Mo-Schule, ist das nicht so?“ – Djia Dschëng fragte: „Hast du das geschrieben?“ – „Jawohl, Herr.“ Er nickte nachdenklich. „Natürlich ist nichts Brilliantes daran, doch für den ersten Versuch ist es nicht schlecht, muß ich sagen. Ah, Mencius! Ich erinnere mich, wie ich während meiner obligatorischen Zeit als Prüfer die Gelegenheit hatte, eines meiner Themen zu bearbeiten. Das Thema war von Menzius: ‚Nur ein Gelehrter kann ohne festes Einkommen und Kapital feste moralische Prinzipien haben und sich rechtschaffen verhalten[4]‘. Damals hat keiner der Kandidaten des ersten Grades, muß ich leider sagen, deren Köpfe voll mit Standard-Kompositionen über dieses Thema waren, etwas Originelles hervorgebracht. Alles Nachahmungen. Bist du mit dem Zitat vertraut?“ – „Ja, Herr.“, sagte Bau-yü. Djia Dschëng sagte: „Ich will, daß du deine Einstellung wechselst. Greife nicht auf die Tradition zurück, sondern denke dir etwas aus. Auch eine Eröffnung wäre in Ordnung.“ Bau-yü stimmte unwillig zu. Er senkte konzentriert seinen Kopf und begann, sich den Kopf über einen prägnanten Einleitungssatz zu zerbrechen, während Djia Dschëng gedankenvoll im Eingang stand und die Hände hinter dem Rücken hielt. Genau in diesem Moment flitzte ein winziger Page vorbei. Als er den Herrn im Eingang stehen sah, erstarrte er, sein Körper war sichtlich gebeugt, seine Arme hingen schlaff herunter. „Was ist dein Anliegen, Junge?“, fragte Djia Dschëng. „Frau Hsüä ist gerade bei der gnädigen Herrin angekommen, und Frau Liän hat mich mit speziellen Anweisungen für die Küche geschickt, Herr.“ Djia Dschëng hörte das, gab keine Antwort, und der Page verschwand. Seit Bau-tschai aus dem Garten abgereist war, vermißte Bau-yü sie sehr. Als er nun hörte, daß Frau Hsüä zu Besuch sei, vermutete er, daß Bau-tschai auch da wäre. Seine Aufregung über den Gedanken, sie wiederzusehen, spornte ihn an: „Ich habe den Entwurf einer Eröffnung für Sie, aber ich weiß nicht, ob es geht.“ – „Dann laß mal hören!“, erwiderte Djia Dschëng. Bau-yü las vor: „Nicht alle Gelehrten auf dieser Welt können ohne Kapital gut sein.“ Djia Dschëng nickte. „Das geht. In Zukunft mußt du, wenn du Aufsätze schreibst, die Themenabgrenzung klar erkennen, erst wenn du das verstanden hast, darfst du deinen Pinsel schwingen. Sag’ mir, wußte deine Großmutter, daß ich nach dir schickte?“ – „Ja, Herr.“ – „Wenn das so ist, dann geh jetzt dorthin.“ – „Ja!“ Bau-yü begab sich rückwärts aus dem Arbeitszimmer und ging über den gepflasterten Weg, imitierte dabei bis zur Perfektion die gemächliche Gangart eines Gelehrten. Sobald er das Mondhöhlentor am Ende des Ganges erreicht hatte und diese große schützende Abschirmung zwischen sich und dem Arbeitszimmer war, begann er zu rennen und stürmte direkt zu den Gemächern der Herzoginmutter. „Vorsicht, stolpere nicht! Der gnädige Herr kommt!“, rief Bee-ming ihm nach. Bau-yü hörte das nicht. Als er sich dem Eingang zu den Gemächern der Herzoginmutter näherte, konnte er den Klang von Gesprächen und Gelächter von innen her hören. Er konnte unter anderem die Stimme seiner Mutter, der Dame Wang, Hsi-fëng und Tan-tschun ausmachen. Wie die Mägde ihn kommen sahen, zogen sie schnell den Vorhang beiseite und flüsterten ihm im Vorbeigehen zu: „Frau Hsüä ist hier, damit du es weißt.“ Bau-yü eilte, um seine Tante zu begrüßen und machte dann seiner Großmutter die abendliche Aufwartung. Die Herzoginmutter fragte: „Warum kommst du erst so spät von der Schule?“ Er berichtete ihr ausführlich von seinem Gespräch mit Djia Dschëng, und ihr Gesicht strahlte vor Freude und Begeisterung. „Wo ist Kusine Bau-tschai?“, fragte er an die gesamte Gesellschaft gewandt. „Sie konnte heute nicht mit mir kommen“, sagte Frau Hsüä lächelnd, „sie und Hsiang-ling haben zu Hause noch viele Näharbeiten zu verrichten.“ Bau-yü war sehr enttäuscht, wagte es aber nicht, sofort wieder zu gehen. Das Essen wurde aufgetragen und die Herzoginmutter und Frau Hsüä setzten sich an den Tisch, während Tan-tschun und die anderen weiter unten Platz nahmen. „Wo soll Bau-yü sitzen?“, fragte Frau Hsüä. „Er kommt hier an meine Seite“, sagte Herzoginmutter mit einem Lächeln. „Li Guee sagte mir, ich solle erst essen, bevor ich Vater antreffe,“ informierte sie Bau-yü eilig, „deshalb verlangte ich nach einem schnellen Mahl, als ich aus der Schule kam. Ich bekam einen Teller mit Fleisch und Gemüse, eine Schale Reis und Tee. Fahrt doch bitte fort.“ „In diesem Fall“, sagte die Herzoginmutter, kann Hsi-fëng kommen und bei uns sitzen. Deine Mutter sagt, heute sei einer ihrer vegetarischen Tage, deshalb kann sie alleine essen.“ „Das stimmt“, sagte die Dame Wang. „Du speist mit ihnen. Warte nicht auf mich. Ich werde daheim mein Gemüse essen.“ Hsi-fëng nahm höflich Platz, und die Mägde teilten Weinschalen und Stäbchen aus. Dann ging Hsi-fëng mit einer Weinkaraffe herum und ging, als eines jeden Schale voll war, zurück an ihren Platz. Nachdem alle etwas Wein getrunken hatten, fragte die Herzoginmutter: „Hörte ich dich nicht gerade Hsiang-ling sagen? Das ist lustig. Eines meiner Dienstmädchen sprach vor kurzem noch über jemanden, der Tjiu-ling genannt wird, und ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wer damit gemeint sein könnte. Als ich sie fragte, sagte sie mir, es sei Hsiang-lings neuer Name. Jetzt sag’ mir, wofür ändert sie bloß ihren Namen?“ Frau Hsüäs Wangen erröteten schnell, und sie seufzte: „Bitte sprich darüber nicht noch einmal, gnädige Frau. Seit dem Tag, als Pan die Frau geheiratet hatte, die gut und böse nicht unterscheiden kann, hatten wir keine friedlichen Momente mehr. Die Zankereien, die Garstigkeiten, es war grauenhaft. Ich habe mehrmals versucht, mit ihr zu reden, doch sie ist unzugänglich für Vernunft. Und ich halte es nicht mehr aus, ständig in Streitereien zu geraten, deswegen lasse ich sie streiten. Ja, sie beschloß, Hsiang-lings Namen zu ändern. Das liegt bestimmt daran, daß sie den Namen des Mädchens nicht mochte.“ „Also“, sagte die Herzoginmutter, „Namen sind Schall und Rauch.“ – „Ich könnte vor Scham sterben!“ sagte Frau Hsüä. „Ich bin sicher, ihr alle wißt den wahren Grund. Es lag nicht am Namen. Sie hat davon erfahren, daß Bau-tschai den Namen verliehen hatte. Das war es, was sie wirklich zu beanstanden hatte.“

„Was meinst du?“, fragte die Herzoginmutter.

Frau Hsüä mußte die ganze Zeit mit einem Taschentuch ihre Augen betupfen. Sie seufzte noch einmal tief, bevor sie in der Lage war, fortzufahren. „Weißt du es sicher nicht? Absolut alles, was meine Schwiegertochter macht, geschieht mit der Absicht, Bau-tschai zu provozieren. Vorgestern, als du jemanden schicktest, um nach mir zu sehen, waren wir mitten in einer dieser Szenen!“ – „Das muß an dem Tag gewesen sein, als du, wie ich hörte, einige Leberbeschwerden hattest“, sagte die Herzoginmutter taktvoll. „Ich schickte jemanden, der nach dir sehen sollte, doch dann hörte ich, daß es dir wieder besser ginge und dachte daher nicht weiter darüber nach. Wenn du mich fragst, rate ich dir, es dir nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Sie sind ein frisch verheiratetes Paar und du mußt ihnen Zeit geben. Und du kannst so froh sein, Bau-tschai zu haben. Sie ist so ein freundliches, unerschütterliches Mädchen. Sie mag zwar jung sein, aber sie ist einige Male stärker als ein Erwachsener! Als meine Magd zurückkam und uns erzählte, was an diesem Tag passiert und wie sie damit umgegangen sei, haben wir sie alle sehr gelobt. So ein wunderbarer Charakter! Sie sticht aus hundert Mädchen hervor. Wenn sie einst heiratet - nimm mir nicht übel, daß ich es erwähne - wird es keine Schwiegereltern geben, die sie nicht mögen. Und auch die ganze Familie wird von ihr überzeugt sein, da bin ich sicher.“ Bau-yü empfand den Inhalt dieses Gespräche als unausstehlich und suchte nur nach einer Ausrede, um gehen zu können. Aber als seine Großmutter mit ihrer Lobrede auf Bau-tschai anfing, hörte er erstarrt weiter zu. „Was bringt das?“, fragte Frau Hsüä. „Was auch immer ihre Vorzüge sein mögen, sie ist letztlich doch nur eine Tochter. Mit einem so hoffnungslosen Sohn wie Pan werde ich keinen Frieden finden. Immer wieder bin ich in Sorge, wenn er unterwegs zu seinen Lieblingsorten ist, jede Menge trinkt und wieder in eine Rauferei gerät. In der Tat ist die einzige Zeit, in der ich mich beruhigt fühle, wenn er hier beim alten Herrn [Djia Dschën] und beim zweiten Herrn [Djia Liän] ist.“ Hier brachte sich Bau-yü ein: „Es gibt wirklich nichts zu befürchten, Tantchen. Ich kann für Vetter Pans Freunde bürgen. Sie sind alle ernsthafte Geschäftsmänner und viel zu anständig, um sich in Ärger verwickeln zu lassen.“ „In diesem Fall“, sagte Frau Hsüä mit einem Lächeln, „sollte ich mir besser doch keine Sorgen machen.“ Das Abendessen war gerade vorbei, als sich Bau-yü damit entschuldigte, daß er noch etwas für den Abend vorzubereiten habe. Die Mägde servierten den Tee, als Hu-po den Raum betrat und etwas in das Ohr der Herzoginmutter flüsterte. Sie drehte sich zu Hsi-fëng: „Du solltest besser schnell gehen. Es ist Tjiau-djiä.“ Hsi-fëng hatte keine Ahnung, um was es gehen könnte, und die anderen waren genau so verwundert wie sie. „Ping schickte eine ihrer jüngeren Mägde mit einer Nachricht für sie, die zweite gnädige Frau,“ führte Hu-po aus und ging dort hin, wo Hsi-fëng saß. „Fräulein Tjiau-djiä scheint es überhaupt nicht gut zu gehen, wenn Sie dann bitte so schnell wie möglich hinübergehen könnten.“ – „Am besten gehst du jetzt sofort“, sagte die Herzoginmutter. „Du mußt nicht auf der Feier für deine Tante Hsüä bleiben.“ – „Ja, Großmutter“, sagte Hsi-fëng und verabschiedete sich von Frau Hsüä. Als sie auf dem Weg nach draußen war, hörte sie die Dame Wang sagen: „Geh du erst hinüber, ich komme gleich. Ermahne die Mägde, ruhig zu sein und nicht zu viel Wirbel zu machen. Die Kleinen werden so schnell unruhig. Und vergewissere dich, daß die Katzen und Hunde gut aus dem Weg gehalten werden. Armes Kind! Aber ich glaube, solche Störungen kann man selbst in einer derart reich gesegneten Familie wie unserer erwarten.“ Hsi-fëng versprach der Dame Wang, ihre Anweisungen auszuführen, und ging mit ihrer Magd fort. Nach ihrem Abgang erkundigte sich Frau Hsüä weiter nach Dai-yüs Gesundheit. „Fräulein Dai-yü geht es soweit gut“, antwortete die Herzoginmutter, „sie nimmt nur alles so schwer. Wenn du mich fragst, zehrt das an ihrer Gesundheit. Sie mag zwar so klug wie Bau-tschai sein, doch im Umgang mit Menschen kann man sie nicht vergleichen. Bau-tschai ist so anständig, großzügig und rücksichtsvoll.“ Das Gespräch ging noch etwas weiter, und dann sagte Frau Hsüä. „Ruht euch nun aus. Ich sehe besser nach, wie Bau-tschai und Hsiang-ling daheim zurecht kommen. Ich gehe dann mit Tante Wang und schaue auf meinem Weg bei Tjiau-djiä vorbei.“ – „Was für eine gute Idee“, sagte die Herzoginmutter. „Mit deiner Erfahrung wirst du ihnen einen nützlichen Rat geben können, da bin ich sicher.“ Frau Hsüä brach auf und ging mit der Dame Wang zu Hsi-fëngs Wohnung. Um zu Djia Dschëng zurückzukommen: er war wirklich angenehm überrascht von Bau-yüs Darbietung an diesem Abend und erwähnte es später im Zuge einer Unterhaltung mit seinen Gästen im äußeren Arbeitszimmer. Ein Neuzugang unter ihnen, ein ausgezeichneter Go-Spieler mit dem Namen Wang Örl-tiau, auch Vermittler Wang genannt, bemerkte: „Ich denke, Herr Bau-yü hat in seinen Studien gute Fortschritte gemacht. Er entwickelt sich so langsam zu einem kultivierten jungen Gesellen.“ – „Ich denke eher nicht“, antwortete Djia Dschëng, „sein Verständnisvermögen hat sich verbessert, das versichere ich euch. Aber Bildung? Nein, er hat noch einen weiten Weg zu gehen.“ – „Kommen sie schon, Herr Dschëng!“, sagte Dschan Guang. „Sie sind wirklich zu bescheiden. Wir alle teilen Freund Wangs Meinung. Herr Bau-yü wird es sicher weit bringen.“ – „Ich fürchte, es ist eure Vorliebe für diesen Jungen, die euch zu dieser Meinung bringt,“ war die Antwort ihres Gastgebers, doch er war sichtlich begeistert. „Mit ihrer Erlaubnis, Herr,“ fuhr Herr Wang fort, „es gibt in diesem Zusammenhang noch ein anderes Thema, das ich gerne anschneiden möchte, wenn ich darf.“ – „Auf jeden Fall.“ Wang lächelte. „Nach meiner Kenntnis, hat seine Exzellenz Dschang, welcher zuletzt Präfekt des Kreises Nanshuo war, eine Tochter, Herr, ein sehr ansehnliches, fleißiges und durchaus lobenswertes Kind, so wurde mir erzählt, und noch nicht verlobt. Exzellenz Dschang hat sonst keine eigenen Söhne und ist, sollte ich hinzufügen, ein Mann mit enormem Reichtum. Er ist sehr eigen in seiner Art und verlangt, daß sein Schwiegersohn nicht nur einer bedeutenden und wohlhabenden Familie entstammt und klug, sondern auch ein Mann von ausgewähltem Charakter ist. In den zwei Monaten, in denen ich dort war, Herr, wurde ich des moralischen und intellektuellen Formats des jungen Herrn Bau-yü gewahr, die für die Zukunft Großes versprechen. Käme ein Antrag von einer so erhabenen Familie wie der Eurigen, Herr, bedürfte es nur, da bin ich sicher, eines einzigen Besuches von mir und die Verlobung wäre so gut wie besiegelt.“ „Es stimmt, daß Bau-yü ein heiratsfähiges Alter erreicht hat“, antwortete Djia Dschëng. „Mutter hat mich mehr als einmal daran erinnert. Doch wer ist diese Exzellenz Dschang? Ich habe noch nie von ihm gehört.“ „Erlauben sie mir, dies klarzustellen,“ wagte sich Zhan Guang vor, „ich bin mit der Familie Dschang, die Freund Wang erwähnte, befreundet. Sie stehen tatsächlich in Verbindung mit seiner Exzellenz Shïs Familie, und es dürfte nicht schwer sein, noch mehr Informationen über sie zu bekommen.“ „Wirklich?“, sagte Djia Dschëng gedankenverloren, „ich kann nicht sagen, daß ich meinen Bruder jemals von einer solchen Verwandtschaft habe sprechen hören.“ „Nun, streng genommen, Herr,“ führte Zhan aus, „sind sie über die Ehe mit dem älteren Bruder der Dame Hsing verwandt.“ ,Ach, da liegt also die Verbindung‘, dachte Djia Dschëng. Ein wenig später ging er wieder hinein mit der Absicht, diese neue Anregung mit der Dame Wang zu besprechen und sie zu bitten, die Dame Hsing über die Familie Dschang auszuhorchen. Er mußte jedoch feststellen, daß seine Frau fort war, um Tjiau-djiä mit Frau Hsüä zu besuchen. Als dann später Frau Hsüä nach Hause gegangen und die Dame Wang zurückgekehrt war, besprach Djia Dschëng sein Anliegen mit ihr. Er erkundigte sich auch nach Tjiau-djiä. „Wir denken, es kommt von der Erkältung. Die Kälte ist noch nicht aus ihrem Körper heraus“, sagte Dame Wang. „Nichts Ernstes, hoffe ich?“ sagte Djia Dschëng „Es ist zu früh, um das festlegen zu können. Die Anfälle sind noch nicht vorüber.“ Djia Dschëng seufzte, doch sagte er nichts mehr, und sie begaben sich zur Nachtruhe. Als die Dame Hsing am nächsten Tag kam, um der Herzoginmutter ihre morgendliche Aufwartung zu machen, erwähnte die Dame Wang die Heiratspläne und nahm die Gelegenheit wahr, die Dame Hsing über die Familie Dschang zu befragen. „Ja, sie sind Verwandte von uns,“ enthüllte die Dame Hsing, „doch wir haben jetzt schon seit Jahren keinen Kontakt mehr zueinander, deshalb habe ich keine Vorstellung, wie dieses Fräulein Dschang sein könnte. Wo du es gerade erwähnst, Frau Sun[5] schickte vor ein oder zwei Tagen eine ihrer Frauen zu mir und erwähnte dabei die Dschangs. Sie erzählte, sie hätten eine Tochter und hätten die Suns darum gebeten, sich nach einem passenden Ehemann für sie umzuschauen. Offensichtlich ist sie ein Einzelkind und sehr wählerisch. Sie verfügt über Bildung und klingt nach einem eher schüchternen Mädchen, das gern zu Hause bleibt. Sie hat noch nicht viel von der Welt gesehen. Weil sie ein Einzelkind ist, würde ihr Vater es niemals in Erwägung ziehen, sie von zu Hause fortzulassen. Er fürchtet, die Strenge einer Stiefmutter könnte eine zu große Belastung für sie sein und besteht darauf, daß der Schwiegersohn mit ihnen zusammen lebt und sie sich die familiäre Verantwortung teilen.“ „Das kommt nicht in Frage!“, rief die Herzoginmutter, „Bau-yü ist ja eigentlich derjenige, der auf andere angewiesen ist. Kannst du dir vorstellen, ihn fortzuschicken, um das Oberhaupt einer fremden Familie zu werden?“ – „Du hast vollkommen Recht“, sagte die Dame Hsing. Die Herzoginmutter wandte sich an die Dame Wang. „Wenn du nach Hause gehst, sag’ Dschëng, daß sich die Angelegenheit endgültig erledigt hat.“ – „Ja, Mutter.“ – „Erzähl’ mir,“ fuhr die alte Dame fort, „wie ging es Tjiau-djiä, als du sie gestern besuchtest? Als Ping herkam, schien es ja nicht gut auszusehen. Ich möchte gern dorthin und selber nach ihr sehen.“ Die beiden Damen dankten der Herzoginmutter für den guten Einfall und baten sie, sich wegen Tjiau-djiä nicht zu sehr zu sorgen. „Es ist nicht nur ihretwegen. Es ist die Bewegung. Ich möchte meine Beine gern etwas stärken“, sagte die alte Dame, „ihr beide nehmt euer Mittagessen ein, dann gehen wir gemeinsam los.“ Die Damen Wang und Hsing gingen zum Mittagessen nach Hause. Anschließend holten sie die Herzoginmutter ab und begleiteten sie zu Hsi-fëngs Wohnung. Hsi-fëng grüßte sie an der Tür und führte sie herein. „Wie geht es ihr?“, fragte die Herzoginmutter. „Es scheint sich um einen Krampfanfall zu handeln,“ informierte sie Hsi-fëng. „Hättest du nicht besser sofort den Arzt rufen sollen?“ – „Das haben wir bereits,“ Die Herzoginmutter ging mit den Damen Wang und Hsing hinein und fand Tjiau-djiä in den Armen ihrer Krankenschwester, eingehüllt in eine rosafarbene Decke aus Damast-Seide, ihr Gesicht war grün, ihre Augenbrauen und Nasenflügel zitterten etwas. Nach diesem kurzen Nachschauen zogen sie sich in das äußere Zimmer zurück und setzten sich, um zu reden. In diesem Moment kam eine junge Magd aus der Wohnung von Dame Wang mit einer Nachricht für Hsi-fëng: „Der Herr schickte mich, um zu fragen, wie es Tjiau-djiä geht.“ „Sag’ ihr, wir haben den Arzt verständigt“, antwortete Hsi-fëng, „davon werde ich berichten, sobald er ein Rezept ausgestellt hat.“ Die Ankunft der Magd erinnerte die Herzoginmutter an die gegenwärtigen Heiratspläne. Sie wandte sich an die Dame Wang: „Du solltest Dschëng schnellstens von dieser Heiratssache berichten. Wenn wir dem jetzt ein Ende setzen, bevor es jemand an die Familie Dschang weitergibt, sparen wir uns jetzt den Ärger, es später absagen zu müssen.“ Sie wandte sich an die Dame Hsing: „Warum besucht ihr in letzter Zeit die Familie Dschang nicht mehr so oft?“ „Sie sind schwierige Verwandte“, antwortete die Dame Hsing. „Sie sind sehr geizig und wären für Bau-yü eine Erniedrigung gewesen.“

„Ist es Bau-yüs Verlobung, über die ihr sprecht, Mutter?“, fragte Hsi-fëng.

„Nun ja, eigentlich schon“, sagte die Dame Hsing. Die Herzoginmutter erzählte Hsi-fëng von dem Vorschlag mit den Dschangs. Hsi-fëng lachte: „Ich hoffe, ihr entschuldigt, Großmutter, Mutter, Tante Wang, daß ich unaufgefordert davon spreche, doch warum sollte man sich jetzt nach einer Braut für Bau-yü umsehen, wenn wir eine ,vorbestimmte Zuneigung‘ direkt vor unseren Augen haben?“ „Was meinst du?“, fragte die Herzoginmutter interessiert. „Aber, Mutter, du kannst doch nicht Jade-Kostbarkeit und kostbare Haarspange vergessen haben?“ Die Herzoginmutter lachte. „Aber natürlich! Doch warum hast du das gestern nicht erwähnt, als Tante Hsüä hier war?“ – „Es wäre kaum angemessen für mich gewesen, in Anwesenheit von Älteren davon zu sprechen“, antwortete Hsi-fëng. „Nebenbei, Tante Hsüä kam für einen Höflichkeitsbesuch, und es wäre wirklich unpassend gewesen. Wenn wir die Sache vernünftig angehen wollen, müssen Mutter und Tante Wang hinübergehen und bei Tante Hsüä ordentlich um Bau-tschais Hand anhalten.“ Sie lachten alle zusammen. „Sei gesegnet, Hsi-fëng“, sagte die Herzoginmutter, „ich war ja blind.“ Währenddessen wurde der Arzt angekündigt, und die Herzoginmutter setzte sich im äußeren Zimmer nieder, während sich die beiden Damen diskret zurückzogen. Der Arzt trat mit Djia Liän ein und grüßte die Herzoginmutter herzlich, bevor er Tjiau-djiäs Zimmer betrat. Als er zurückkam, beugte er sich zur Herzoginmutter und formulierte seine Diagnose. „Das kleine Mädchen leidet unter Krampfanfällen, die zur Hälfte von Fieber, zur anderen von einer Erkältung erschwert werden. Zuerst muß sie eine einzige Dosis der Mischung eines krampf- und schleimlösenden Mittels einnehmen, und dann möchte ich ihr etwas von meinen vier Wunderpulvern verabreichen. Es ist ein sehr ernster Infekt. Ihr werdet in meinem Rezept Rinder-Bezoarsteine notiert sehen. Ich sollte erwähnen, daß viele der Bezoars, die von den Apthekern heutzutage verkauft werden, nicht echt sind. Es ist wichtig, daß Ihr echte besorgt.“ Die Herzoginmutter dankte ihm für sein Kommen, und der Arzt ging mit Djia Liän hinaus, schrieb das Rezept und brach auf. „Es gibt immer Ginseng im Haus“, sagte Hsi-fëng, „doch ich glaube, wir haben keine Bezoarsteine. Wir müssen welche kaufen und darauf achten, daß sie echt sind.“ – „Warte, bis ich jemanden zu meiner Schwester geschickt habe“, sagte die Dame Wang, „ich weiß, daß Pan oft Geschäfte mit Händlern von Übersee führte. Sie könnten vielleicht echten Bezoar haben.“ Während sie sprach, kamen mehrere Mädchen an, um Tjiau-djiä zu sehen. Sie blieben eine Weile und brachen dann mit der Herzoginmutter und den anderen auf. Tjiau-djiäs Schleimlöser war nun zubereitet und floß in ihre Kehle. Es gab ein würgendes Geräusch und alles kam hoch, Medizin, Schleim und an- deres, ganz zu Hsi-fëngs Erleichterung. Eine der jüngeren Mägde der Dame Wang erschien mit einem kleinen roten Päckchen. „Wir haben etwas Bezoar gefunden, zweite gnädige Frau. Die gnädige Herrin sagt, ihr sollt die Menge in zwei Rationen aufteilen und verwenden.“ Hsi-fëng bat die Magd, der Herzoginmutter ihren Dank auszusprechen. Hsi-fëng nahm das Päckchen und trug Ping auf, die pulverisierten Perlen, Sumatrakampfer und Zinnober zusammen mit dem Bezoar in den vorgeschriebenen Mengen zusammenzukochen. Sie selbst wog die korrekte Menge des pulverisierten Bezoars aus und fügte es der Mixtur hinzu. Sie wartete, bis Tjiau-djiä wieder aufwachte, um ihr dann den Trunk zu verabreichen. Wer außer Djia Huan könnte genau in diesem Moment in den Raum platzen? „Wie geht es Tjiau-djiä, Kusine Hsi-fëng? Mutter schickte mich, um nach ihr zu fragen.“

Hsi-fëngs Nackenhaare sträubten sich immer vollständig, wenn sie ihn oder seine Mutter, Tante Dschau, sah.

„Es geht ihr etwas besser“, antwortete sie mit einem beißenden Ton. „Wenn du zurückgehst, sag’ deiner Mutter bitte, daß es mir leid tut, ihr so viel Ärger bereitet zu haben.“ Djia Huan murmelte etwas von Abschied, begann aber , im Zimmer herumzuschnüffeln. „Sag’ mal“, sagte er nach einer Weile, „ich habe gehört, ihr habt etwas von diesem Bezoarzeug hier. Ich habe noch nie zuvor welches gesehen. Laß es mich doch mal ansehen.“ „Tjiau-djiä erholt sich langsam“, sagte Hsi-fëng, „was winselst du dann noch hier rum? Die Bezoarsteine wurden bereits vollständig für ihren Trunk aufgebraucht.“ Dies vernehmend, faßte Djia Huan ungeschickt an die Bettvorhangsquaste und warf dabei den heißen kochenden Medizintopf um. Es gab ein großes Zischen, als der Topf auslief und die kostbare Medizin sich in die Kohle ergoß und beinahe das Feuer löschte. Djia Huan sah, daß er in Schwierigkeiten war und zog sich schnell zurück. Hsi-fëng war so wütend, daß sie Funken vor Wut versprühte. „Du Balg einer verkommenen Widersacherin!“ schrie Hsi-fëng ihm nach. „Fluch meines Lebens! Was habe ich in meinem vergangenen Leben nur angerichtet, um so eine Schmach zu verdienen? Deine Mutter versuchte, es mir einzuflößen, jetzt hat es Tjiau-djiä erwischt! Wofür muß sich diese Fehde über so viele Generationen fortsetzen?“ Sie beschimpfte auch Ping, daß diese nicht vorsichtig genug gewesen sei. Während Hsi-fëng vollkommen in Rage war, kam eine Magd, um Djia Huan zu suchen. „Geh und sag’ Frau Dschau,“ befahl Hsi-fëng, „daß sie sich keine Umstände machen muß. Tjiau-djiä ist so gut wie tot, sie muß nicht mehr lange ausharren!“ Die Magd, verblüfft von Hsi-fëngs Bemerkungen, ging hinüber zu Ping, die eben einen neuen Trunk zubereitete und fragte flüsternd: „Was hat die zweite gnädige Frau denn so wütend gemacht?“ Ping erzählte ihr Djia Huans Debakel. „Kein Wunder, daß er wegrannte und sich nicht traute, nach Hause zu kommen!“ erläuterte die Magd. „Er hat sich irgendwo versteckt. Ich weiß noch nicht, wie das morgen mit diesem Huan weitergehen wird! Kann ich beim Aufräumen helfen, Ping?“ „Mach’ dir keine Umstände. Glücklicherweise hatten wir noch einige Bezoarsteine übrig und alles ist fertig gemacht, du kannst nun ruhig gehen.“ „Ich werde gewiß Frau Dschau davon berichten, wenn ich zurück bin. Vielleicht hört sie dann auf, ständig von ihm zu prahlen.“ Die Magd ging wieder zurück, hielt ihr Wort und gab Tante Dschau einen ausführlichen Bericht von Djia Huans Debakel. „Bring ihn zu mir!“, rief Tante Dschau mit erregter Stimme. Nach kurzer Suche entdeckte ihn die Magd, wie er im angrenzenden Raum herumschlich, und Tante Dschau begann unverzüglich, einen Hagel von Beschimpfungen auf ihn niederprasseln zu lassen: „Du verkommener kleiner Wicht! Was mußtest du unbedingt losgehen und Unruhe stiften, indem du die ganze Medizin auf dem Boden verteiltest? Ich sagte, du solltest gehen und fragen, wie es ihr geht und nicht dort hineinstürmen! Doch du mußtest unbedingt, oder? Und als du drinnen warst, mußtest du unbedingt bleiben und Flöhe auf dem Tigerkopf suchen. Warte nur, bis dein Vater davon hört! Er wird dir die Prügel geben, die du verdienst!“ Während sie Djia Huan beschimpfte, hörte sie noch schlimmere Beschimpfungen im äußeren Zimmer. Doch um es selbst zu hören, lese man im nächsten Kapitel weiter.

Anmerkungen

  1. Gespräche, Buch zwei
  2. Gespräche, Buch eins
  3. Mencius, Buch drei, Teil zwei
  4. Mencius, Buch Eins, Teil Zwei
  5. Yings Schwiegermutter