Hongloumeng/de/Chapter 105
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Kapitel 105
锦衣军查抄宁国府 / 骢马使弹劾平安州
Die Goldjacken plündern das Ning-guo-AnwesenZensor Li klagt den Präfekten von Ping-an an.
Der Tag des Banketts war angebrochen. Djia Dschëng war damit beschäftigt, seine Gäste in der Halle des Blühenden Glücks zu unterhalten, als Lai Da, der Verwalter, herbeieilte, um zu berichten, daß Komissar Dschau mit einer Abteilung der Goldjacken, der Kaiserlichen Geheimpolizei draußen war: „Er sagte, er komme zu Besuch vorbei, und als ich ihn nach seiner Einladung fragte, meinte er, solche Formalitäten seien nicht notwendig, weil er so gut mit ihnen auskäme, Herr. Dann stieg er aus seinem Wagen und kam direkt herein. Ich bitte Sie, Herr, mit den jungen Herren hinauszugehen und ihn sofort zu empfangen.“ – ‚Ich habe nie etwas mit diesem Dschau zu tun gehabt,‘ dachte Djia Dschëng bei sich. ‚Der alte Herr Dschau pflegt sonst keinen Umgang mit uns, was mag ihn hergeführt haben? Und das zu einem so unangemessenen Zeitpunkt. Ich kann kaum meine Gäste verlassen, um ihn zu unterhalten; aber wenn ich ihn nicht auch hierher einlade, erscheint das unfreundlich.‘ Er mußte einen Moment darüber nachdenken, doch Djia Liän drängte ihn, sich zu beeilen: „Wenn ihr noch viel länger wartet, Onkel, werden sie vor uns eintreffen.“ Als er dies gerade gesagt hatte, trat ein Diener ein, um anzukündigen, daß Komissar Dschau das innere Tor bereits durchschritten habe und Djia Dschëng eilte auf den Hof, um ihn zu empfangen. Der Kommissar Dschau war bereits zu sehen, lächelnd, doch ruhig, ging er hin und her. Ihm folgten fünf oder sechs seiner Helfer, einige davon kannte Djia Dschëng, andere nicht, doch obwohl Djia Dschëng sie lächelnd mit ein paar Worten begrüßte, antwortete niemand auch nur mit einem Wort: Djia Dschëng ging ihnen hilflos hinterher und bat sie, sich zu setzen. Einige der Gäste waren mit Dschau bekannt, doch er ging erhobenen Hauptes an ihnen vorbei und ignorierte jeden außer Djia Dschëng, den er bei der Hand nahm und in ein kleines Gespräch verwickelte, dabei lächelte er unergründlich. Die Gäste witterten Ärger in der Luft, und mancher zog sich in sein privates Gemach im hinteren Bereich des Wohnsitzes zurück, manche blieben stehen, wo sie waren, allerdings steif, mit hängenden Armen, besorgt und respektvoll. Djia Dschëng gelang es, ein ängstliches Lächeln zu bewahren, und er wollte gerade eine von Dschaus Nettigkeiten erwidern, als ein nervöser Diener die Halle betrat und verlauten ließ: „Herr, der Prinz von Hsi-ping!“ Djia Dschëng eilte wieder hinaus und sah, wie der Prinz bereits den Hof betrat. Kommissar Dschau nahm den Platz vor Djia Dschëng ein, um dem Prinzen zu salutieren, und erteilte seinen eigenen Helfern Aufträge: „Ihre Königliche Hoheit ist nun angekommen; nehmt eure Männer und stellt sie am Tor vor dem Gebäude auf.“ Dschaus Helfer folgten seinem Gebot, während Djia Dschëng und die anderen Männer, erfüllt mit Vorahnungen schlimmer Ereignisse, die folgen würden, niederknieten und dem Prinzen von Hsi-ping Ehre bezeugten. Der Prinz erhob beide Hände zu Djia Dschëng und sagte mit einem Lächeln: „Ich würde Sie nicht zu dieser Zeit belästigen, wenn es dafür nicht trifftige Gründe gäbe: Ich wurde mit einem Kaiserlichen Erlaß für Ihren Bruder betraut, Herrn Schë. Doch ich sehe, wir haben Sie inmitten einer privaten Versammlung angetroffen und es wäre kaum angemessen fortzuschreiten, während Ihre Freunde und Verwandten immer noch da sind, daher würde ich sie bitten zu gehen. Nur Mitglieder des Haushaltes sollten bleiben.“ – „Das ist eine großzügige Geste Eurer Hoheit,“ warf Komissar Dschau scharf ein. „Doch der Herr kümmert sich auch sehr zuverlässig um das östliche [Ning-guo]-Anwesen, und er wird sicherlich schon alle Tore verriegeln haben lassen.“ Die Gäste erfuhren, daß beide Häuser irgendwie in Schwierigkeiten verwickelt waren und wollten nur noch schnell weg. Der Prinz war davon jedoch unbeeindruckt und kündigte lächelnd an: „Verehrte Herren, Sie haben die Freiheit aufzubrechen.“ An Dschau gewandt, fuhr er fort: „Schickt einige meiner Männer, um sie hinauszuführen, und sagen Sie Ihren Beamten, daß sie alle Gäste sind und auf keinen Fall behindert oder durchsucht werden dürfen, sondern ohne Verzögerung durchgelassen werden sollen.“ Sobald sie dies hörten, lösten sich die Gäste auf wie eine Rauchwolke. Übrig blieben nur Djia Schë, Djia Dschëng und die direkte Familie, sie zitterten alle und waren blaß vor Angst. Kurz danach strömten die Schutzleute herein und stellten sich an jeder Tür auf, unterbanden dabei jegliche Bewegungsmöglichkeit von Herren und Dienern. Der Kommissar Dschau wandte sich an den Prinzen mit giftigem Gesicht: „Wären Ihre Hoheit so freundlich, jetzt das Edikt vorzulesen, daß wir mit unserem Auftrag beginnen können?“ Die Schutzleute legten ihre Umhänge zurecht, krempelten ihre Ärmel hoch und standen dort voller Erwartung auf das Edikt. Mit großer Sorgfalt trug der Prinz die Präambel vor: „Hiermit wurde ich von ihrer Majestät angewiesen, mit Komissar Dschau Tjüän von den Goldjacken das vollständige Inventar und Eigentum von Djia Schë zu untersuchen.“ Djia Schë kauerte ausgestreckt auf dem Boden, als der Prinz die Terasse bestieg und Richtung Süden blickend begann, das gesamte Edikt vor- zutragen: „Vernehmet! Insofern als die betroffene Person Djia Schë sich mit einem Beamten der Provinz verschworen hat und seinen Einfluß mißbrauchte, um wehrlose Bürger zu verfolgen, hat er sich unserer Gnade unwürdig erwiesen, unsere Ahnen entehrt, und somit wird ihm seine Erbfolge aberkannt. Durch Kaiserliche Anordnung.“ – „Nehmt ihn fest!“, brüllte Dschau. „Haltet die anderen unter strenger Bewachung!“ Dies betraf die anderen Dija-Männer: Djia Dschëng, Djia Liän, Vetter Dschën, Djia Jung, Djia Tjiang, Djia Dschï und Djia Lan. Nur Bau-yü hatte es irgendwie geschafft, unter dem Vorwand einer Unpäßlichkeit oder ähnlichem, etwas früher in die Gemächer der Herzoginmutter zu fliehen, während Djia Huan bei solchen gesellschaftlichen Versammlungen eher selten in Erscheinung trat. Kommissar Dschau trug seinen Helfern weiterhin auf, den jüngeren Beamten und den Schutzleuten ihre Aufträge zu geben: Sie sollten sich aufteilen, den Wohnsitz Zimmer für Zimmer durchsuchen und dabei eine ausführliche Bestandsaufnahme machen. Diese Befehle und die penible Genauigkeit, mit der sie ausgeführt wurden, hatten eine vernichtende Wirkung auf die Moral der Familie Djia, auf die Jungen wie auf die Alten. Sie blickten sich voller Schrecken gegenseitig an, als sie weggeführt wurden, während die Schutzleute und persönliche Lakaien sich in schadenfroher Erwartung die Hände rieben. „Ich verstehe“, sagte der Prinz von Hsi-ping, „daß Herr Dschëng und Herr Schë verschiedene Unternehmen führen. Da das Edikt uns nur die Vollmacht erteilt, Herrn Schës Eigentum zu beschlagnahmen, sollten die anderen Gemächer verschlossen und bewacht werden, bis ich weitere Anweisungen von ihrer Majestät erhalten habe.“ Dschau erhob sich. „Euer Hoheit, ich sollte Sie darüber informieren, daß Djia Schë und Djia Dschëng tatsächlich keine verschiedenen Unternehmen führen. Im Gegenteil, man hat mir zu verstehen gegeben, daß die Angelegenheiten beider Zweige des Jung-guo-Anwesens von einer Person geleitet werden, Djia Liän, dem Sohn von Herrn Schë und Neffen von Herrn Dschëng. Es ist deshalb zwingend notwendig, beide Wohnsitze zu durchsuchen.“ Der Prinz schwieg und Dschau fuhr fort: „In diesem Fall sollte ich besser persönlich die Residenzen von Djia Schë und Djia Liän durchsuchen.“ „Das eilt nicht“, sagte der Prinz, „schickt erst eine Nachricht zu den inneren Gemächern und gebt den Damen Zeit, sich zurückzuziehen. Ein paar Minuten Verzögerung werden nicht schaden.“ Doch sogar während er sprach, teilten sich Dschaus Männer, welche bereits die Dija-Männer weggeführt hatten, in verschiedene Suchtrupps auf und begannen ihre Arbeit, jeder nahm dazu einen Dija-Diener zur Führung. „Ich will kein gewalttätiges Verhalten sehen!“, schrie der Prinz, „ich werde das Geschehen selber verfolgen.“ Er erhob sich auf eine stattliche Art und wies seine Begleiter an: „Keiner von Euch bewegt sich. Wartet hier, und wir werden gemeinsam das Inventar untersuchen.“ Auf der Stelle kehrte einer von Dschaus Männern von der Suche zurück und kniete nieder: „Eure Hoheit, nur vom Kaiser zu benutzende Gewänder und Röcke für den Palastgebrauch und viele andere verbotene Gegenstände wurden in den inneren Gemächern gefunden. Ich habe die Anordnung gegeben, daß diese nicht von der Stelle bewegt werden dürfen. Ich bitte um Anweisung von Eurer Hoheit.“ Dann kehrte ein anderer Suchtrupp zurück und verkündete: „Es wurden zwei Kisten mit Eigentumsurkunden im östlichen Seitengelände gefunden und eine davon enthielt Schuldscheine – allesamt unrechtmäßig und höchst interessant!“ – „Wucherer!“ zischte Dschau. „Sie verdienen, alles zu verlieren. Setzt Euch, Eure Hoheit und erlaubt mir, die sofortige Beschlagnahme des gesamten Besitzes des Hauses zu befehlen. Wir können beim Thron die nötigen Genehmigungen immer noch später erbitten.“ In diesem Augenblick kam ein Helfertrupp, um mit dem Prinzen zu sprechen: „Die Soldaten am Tor teilten uns mit, daß der Prinz von Bee-djing eingetroffen ist, als spezieller Abgesandter Seiner Majestät und einen zweiten Erlaß vortragen wird. Man verlangt, daß Sie herauskommen, um ihn zu empfangen.“ Dschau vernahm dies und freute sich innerlich. ‚Ich hatte ja so ein Pech‘, dachte er bei sich, ‚so einen schlecht gelaunten Prinzen getroffen zu haben! Jetzt wird er ersetzt, und ich sollte nun zu meinem Geschäft kommen können!‘ Er ging hinaus auf den vorderen Hof, um den Prinzen von Bee-djing, bereits Richtung Süden stehend, zu sehen, wie er das neue Edikt verkündete. „Zur Einberufung von Dschau Tjüän, Komissar der Goldjacken, vernehmet! Die Männer unter Dschaus Befehlen dürfen niemanden festnehmen, mit Ausnahme von Djia Schë, der zur Befragung festgenommen wird. Der Prinz von Hsi-ping wird alle Angelegenheiten bezüglich dieser Ermittlungen nach unserem Ermessen ausführen.“ Der Prinz von Hsi-ping war erleichtert. Er setzte sich mit dem Prinzen von Bee-djing nieder und wies Dschau an, Djia Schë mit sich zu nehmen und in seinen Yamen zurückzukehren. Die Suchtrupps, die bereits über die Ankunft des neuen Prinzen unterrichtet waren, versammelten sich alle erneut im Hof. Sie waren sehr enttäuscht zu hören, daß Dschau aufbrechen solle, standen umher und warteten dabei vergeblich auf neue Befehle. Der Prinz von Bee-djing wählte zwei der am ehrlichsten aussehenden Beamten und ein Dutzend der älteren Schutzleute, um zu bleiben und schickte die anderen fort. „Ich fing gerade an, mich über den alten Dschau aufzuregen“, sagte der Prinz von Hsi-ping, „du bist gerade zur rechten Zeit mit dem zweiten Erlaß angekommen. Wärst du später gekommen, hätte es schlecht mit den Djias ausgesehen.“ – „Ich hörte vor Gericht“, antwortete der Prinz von Bee-djing, „daß dir das originale Edikt anvertraut wurde und daß die Ermittlungen in deinen Händen lagen, darüber war ich sehr erleichtert. Ich wußte, ich könnte mich auf dich verlassen, daß die Dinge nicht außer Kontrolle geraten. Doch ich hatte nicht mit dem alten Dschau gerechnet. Sag’ mir, wo sind Herr Dschëng und der junge Bau-yü? Ich weiß nicht, wie weit das Chaos in den inneren Gemächern vorangeschritten ist.“ „Djia Dschëng und die anderen Edelmänner werden in den Zimmern der Bediensteten bewacht“; die Beamten hätten ihm davon berichtet. „Die Männer haben bei ihrer Suche alles auf den Kopf gestellt.“ Der Prinz von Bee-djing wandte sich an einen von ihnen: „Bring Herrn Dschëng sofort her. Ich will ihn sprechen.“ Djia Dschëng wurde hereingebracht und fiel auf die Knie, flehte in Tränen aufgelöst um Gnade. Der Prinz von Bee-djing stand auf, nahm ihn an beiden Hände und sagte: „Alter Dschëng, beruhigen Sie sich erst einmal.“ Als der Prinz ihn über den zweiten Erlaß informierte, weinte Djia Dschëng vor Rührung und sprach in Richtung Norden dem Thron seinen größten Dank und Ehrerbietung aus. Dann drehte er sich wieder zum Prinzen, um weitere Anweisungen entgegenzunehmen. Es war der Prinz von Hsi-ping, der fortfuhr: „Mein Freund Dschëng, als der alte Dschau eben hier war, berichteten seine Männer, verbotene Kleidung und Schuldscheine gefunden zu haben. Es ist schwer, das zu beschönigen. Die Kleider waren ohne Zweifel für den Gebrauch der Kaiserlischen Konkubine gedacht – das kann ich in meinem Bericht plausibel erklären. Doch die Schuldscheine – was können wir darüber sagen? Mein Freund Dschëng, du solltest besser mit einem der Beamten gehen und ihm eine ausführliche Erklärung über Herrn Schës Eigentum geben. Es ist wichtig, daß du nichts vorenthältst, oder es wird für dich nur noch schlimmer.“ „Wie könnte ich wagen, etwas zu verbergen“, antwortete Djia Dschëng. „Doch ich bitte Euch, Euer Hoheit zu berichten, daß unser Familienerbe niemals offiziell unter meinem Bruder und mir aufgeteilt wurde. Daneben verfügt jeder getrennt für sich über das, was sich in seinen Gemächern befindet.“ – „Nun gut“, sagten die Prinzen, „fahrt so fort wie bisher und registriert alles, was sich auf Herrn Schës Gelände befindet.“ Die Offiziere wurden angewiesen, diese Anweisungen ordentlich brachen dann wie befohlen mit Djia Dschëng auf. Laßt uns zu den Gemächern der Herzoginmutter zurückkehren, wo die Djia-Damen ein Familienessen vorbereiteten. Bau-yü hatte sich zu ihnen gesellt und die Dame Wang fragte ihn dort just: „Bau-yü wollte nicht zu den Männern gehen, ich befürchte, das verärgert seinen Vater.“ Hsi-fëng war trotz ihrer Krankheit auch da, und sie antwortete etwas heiser für Bau-yü: „Ich bin sicher, Bau-yü fürchtet die Gesellschaft nicht, und er wollte sich nicht vor seiner Verantwortung drücken. Er dachte nur, draußen sei bereits eine Menge von Männern, um auf die Gäste zu warten, und er hielt es für ratsamer, uns hier zu helfen, was bereits genug Verantwortung ist. Wenn Herr [Dschëng] noch eine helfende Hand braucht, kannst du Bruder Bau[-yü] später noch hinüberschicken.“ Die Herzoginmutter lachte: „Hsi-fëng mag zwar krank sein, aber gesprächig ist sie wie eh und je!“ Die Gesellschaft war erheitert und die Konversation wurde sehr fröhlich, als plötzlich eine der Hausmädchen der Dame Hsing hereinrannte und kreischte: „Gnädige Herrin, Herrin! Es ist etwas Schreckliches passiert! Hunderte von Banditen mit großen Stiefeln sind ins Haus eingebrochen, öffnen alle Truhen und Kisten und fangen an, alles zu plündern!“ Die Herzoginmutter und die anderen starrten sie sprachlos an. Als nächstes eilte Ping-örl ins Zimmer, ihre Haare zerzaust, zerrte Tjiau-djiä an der Hand herein und schluchzte hysterisch: „Es ist etwas Schreckliches passiert! Ich aß gerade mit Tjiau-djiä zu Mittag, als Lai Wang mit den Händen auf dem Rücken hereingebracht wurde.“ „Beeilt euch, Fräulein“, sagte er mir, „geht hinein und sagt der gnädigen Herrin sie solle sich verstecken. Der Prinz sei dabei, unseren Besitz zu durchsuchen! Ich starb beinahe vor Angst. Ich ging in unsere Gemächer, um ein paar wichtige Dinge zu retten und lief in einen Gang voller Banditen, die mich aus dem Weg stießen. Ihr solltet Euch besser beeilen und alle Kleider und Dinge einsammeln, bevor es zu spät ist.“ Die Damen Hsing und Wang waren völlig entgeistert; Hsi-fëng hörte mit weit aufgerissenen Augen zu, als Ping-örl die Geschichte erzählte, fiel dann mit zurückgeworfenem Kopf auf den Boden und wurde ohnmächtig. Die Herzoginmutter brach in eine Flut von Tränen aus, bevor sie zuende gehört hatte, und war zu bestürzt, um irgendetwas zu veranlassen. Der ganze Raum war in einem Zustand völliger Verwirrung, und die Diener rannten in Panik durcheinander, Dinge zusammenklaubend, als plötzlich noch mehr Schreie von draußen zu vernehmen waren: „Alle Frauen sollen sich zurückziehen! Seine Hoheit, der Prinz, nähert sich!“ Bau-tschai und Bau-yü konnten nur hilflos zusehen, wie die Mägde und Ammen in alle Richtungen flohen. Als nächstes kam Djia Liän angerannt und keuchte: „Alles ist gut! Der Prinz hat uns gerettet“ Sie wollten ihn fragen, was geschehen war, doch Djia Liän war selbst zu sehr von der allgemeinen Hysterie angesteckt, um überhaupt irgendeine Information übermitteln zu können. Zuerst sah er, wie Hsi-fëng bewußtlos auf dem Boden lag, und er schrie um Hilfe. Dann sah er, daß die Herzoginmutter ebenfalls von dem Schock erblichen war und fürchtete das Schlimmste. Glücklicherweise gelang es Ping-örl, Hsi-fëng zu wecken und ihr mit einer anderen Magd aufzuhelfen. Während die Herzoginmutter, als sie ihr Bewußtsein wiedererlangte, ans Ofenbett gelehnt schluchzte, um Atem ringend, als würde sie jeden Moment wieder ohnmächtig, gab Li Wan ihr Bestes, sie zu trösten. Djia Liän war zuletzt genug erholt, um ihnen von den Ereignissen zu berichten, die stattgefunden hatten und von der Freundlichkeit der beiden Prinzen. Dennoch hielt er die Neuigkeiten von Djia Schës Verhaftung zurück, da er fürchtete, es könnte der Herzoginmutter und der Dame Hsing einen zu großen Schock bereiten. Dann schaute er nach, in welchem Zustand seine eigenen Gemächer waren und fand Truhen und Kisten geöffnet und geplündert. Es war beinahe nichts übrig. Er blickte sich entsetzt um, und Tränen rannen aus seinen Augen. Er hörte, wie man draußen seinen Namen rief und ging hinaus, um Djia Dschëng mit den zwei Prinzen und dem Beamten zu finden, wie sie das Inventar an sich nahmen. Die Gegenstände wurden einer nach dem anderen von jemandem aufgerufen: „Hundertdreiundzwnahzig Stück Rotgold-Schmuck mit vollständigem Perlenbesatz, Dreizehn Perlenketten, Zwei Silbergoldteller, Zwei Goldschüsseln mit aufwendiger Verzierung, Vierzig goldene Löffel, Achtzig große Silberschüsseln, Zwanzig Silberteller, Zwei Elfenbeinstücke mit je drei Goldverzierungen darauf, Vier vergoldete Kannen, Drei Paar vergoldete Spucknäpfe, Zwei Teeservier-Tabletts, Sechsundsiebzig Silbertellerchen, Sechsunddreißig Silber-Schnapsbecher, Achtzehn schwarze Fuchsfelle, Sechs blaugrüne Fuchsfelle, Sechsunddreißig Seeotterfelle, Dreißig Gelbfuchsfelle, Zwölf Luchsmakaken, Drei Fuchsfelle mit gelb-schwarzen Troddeln, Sechzig graue Felle ausländischer Herkunft, Vierzig Felle von grauen Fuchsläufen, Zwanzig tiefbraunrote Schaffelle, Zwei Marderfelle, Zwei Bünde Fell von Gelbfuchsläufen, Zwanzig Stücke Polarfuchsfell, Dreißig Längen ausländisches Wollgewebe, Dreiundzwanzig Längen Sergegewebe, Zwölf Längen ausländisches Florgewebe, Zehn Fellrollen von Dufteichhörnchen, Vier Quadrate Maulwurffelle, Eine Rolle Samt, Ein Quadrat Sika-Hirschfell, Zwei aus Fuchshinterkopf und -hinterteil zusammengenähte Fellrollen, Eine Fellrolle von Marderhundwelpen, Sieben Stück Gewebe aus grünen Daunen von Wildentenköpfen, Einhundertsechzig Graumausfelle, Acht Dachsfelle, Sechs Tigerfelle, Drei Seehundfelle, Sechzehn Seeotterfelle, Vierzig graue Schaffelle, Dreiundsechzig schwarze Schaffelle, Zehn Mützen mit Fuchsfellrand, Zwölf Mützen mit Blaufuchsfellrand, Zwei Mützen mit Zobelfellrand, Sechzehn Zwergfuchsfelle, Zwei für Mützenränder oder Kragen verwendbare kurze, dunkle Fluß-marderhundfelle, Zwei Otterfelle, Fünfunddreißig Katzenfelle, Zwölf Längen japanische Seide, Einhundertdreißig Rollen Seidengewebe, Einhunderteinundachtzig Rollen Seidensatin, Zweiunddreißig Rollen Federgarnkrepp, Dreißig Rollen tibetisches Yakwollgewebe, Acht Rollen Satin mit Python-Muster für die Aussteuer, Drei Bündel Leinenstoff, Drei Bündel verschiedenfarbigen Stoffs, Einhundertzweiunddreißig Stück verschiedenfarbige Pelz- und Lederkleidung, Dreihundertvierzig Kleidungsstücke aus Seide mit Baumwollfutter, Zweiunddreißig Jade-Spielzeuge, Neun Gürtelbroschen, Fünfhundert Dekorationsstücke aus Kupfer, Zinn usw., Achtzehn Uhren, Neun Dekorations-Perlenketten für Audienzgewänder für höhere Beamte, Vierunddreißig Dekostücke mit Python-Muster für die Aussteuer, Drei Sätze Rücken- und Armlehnen-Seidendecken mit Pythonmuster, Acht Kleider für den Kaiserhof für die Aussteuer, Ein Gürtel mit Speckjadering, Zwölf Rollen gelben Satin, Fünftausendzweihundert Liang zweitklassiges Silber, Fünfzig Liang Feingold, Siebentausend Schnüre Silber. Alle Möbel und Eigentum, die durch Kaiserliche Gunst dem Jung-guo Zweig der Familie geschenkt wurden, sind ähnlich aufgelistet worden, während Eigentumsurkunden und Anleihen für die Hausdienerschaft in verschiedene Decken verhüllt und verschlossen wurden.“ Djia Liän belauschte diese Aufzählung bis ins kleinste Detail und war äußerst verwirrt, in dieser Auflistung nichts von seinem Eigentum zu hören. Dann setzten die Prinzen seiner Fassungslosigkeit ein Ende, indem sie Djia Dschëng fragten: „Unter den zuvor konfiszierten Gegenständen waren Wucher-Schuldscheine – , wer ist dafür verantwortlich? Sie müssen die Wahrheit sagen, ehrenwerter Dschëng.“ Djia Dschëng kniete nieder, drückte die Stirn auf den Boden und sagte: „Ich war leider nicht sorgsam genug darin, meinen Haushalt zu unterweisen. Von diesen Vorgängen weiß ich überhaupt nichts. Mein Neffe Djia Liän kann zweifelsfrei ihre Fragen beantworten.“ Djia Liän eilte vor und fiel auf die Knie und sagte: „Da die Truhe mit diesem Inhalt in meinen Gemächern gefunden wurde, wie könnte ich ihre Kenntnis leugnen? Ich kann Euer Hoheit nur um Gnade anflehen. Mein Onkel wußte nichts von ihrer Existenz.“ „Ihr Vater wurde bereits verhaftet“, sagten die Prinzen. „Dieses Delikt kann zur gleichen Zeit verhandelt werden. Wir fordern euch auf, es zu gestehen.“ Sie wandten sich an ihre Männer und befahlen, Djia Liän festzunehmen und die anderen unter Arrest zu stellen. Zuletzt wandten sie sich an Djia Dschëng: „Sie, Dschëng, warten aufmerksam den nächsten Erlaß seiner Majestät ab. Wir werden nun zurückkehren, um dem Thron Bericht zu erstatten und in dieser Zeit Wachen aufstellen, die hier die Stellung halten.“ Sie bestiegen ihre Sänften und wurden aus dem Tor getragen. Djia Dschëng begleitete sie bis zum inneren Tor, wo er sich zum Abschied niederkniete. Der Prinz von Bee-djing streckte ihm im Vorbeigehen eine Hand entgegen, und wies ihn an, sich zu beruhigen. Im Gesicht des Prinzen zeigte sich aufrichtige Betroffenheit. Nach ihrer Abfahrt gelang es Djia Dschëng, sich wieder zu sammeln, obwohl er immer noch unter einem schweren Schock litt. Djia Lan bat ihn: „Großvater, bitte schaue nach der gnädigen Frau. Dann solltest du dir überlegen, wie man etwas über das östliche Anwesen erfahren kann.“ Djia Dschëng ging hastig hinein. An jeder Tür begegnete er aufgelösten Mägden und Dienstmädchen, alle fragten sich, was wohl als Nächstes käme. Zu beschäftigt, um sie zu befragen, eilte er sofort in die Gemächer der Herzoginmutter und fand dort die Dame Wang, Bau-yü und die anderen um die Herzoginmutter versammelt mit Gesichtern voller Tränen; es herrschte Stille im Raum. Nur die Dame Hsing weinte laut. Das Erscheinen von Djia Dschëng ließ Rufe wie „Der Himmel sei gesegnet!“ ertönen und alle versicherten der gnädigen Frau: „Der Herr ist gesund und sicher wieder da! Bitte, mach’ dir keine Sorgen mehr, Großmutter!“ Die Herzoginmutter atmete kaum hörbar aus, öffnete ihre Augen ein wenig und sagte: „Oh, mein Sohn! Ich dachte, ich würde dich niemals wieder sehen!“ Während sie sprach, brach sie in lautes Schluchzen aus, und keiner im Zimmer konnte die Tränen mehr zurückhalten. Djia Dschëng fürchtete, daß diese ganzen Gefühlsausbrüche die Gesundheit der Herzoginmutter gefährden könnten und hielt seine eigenen Tränen zurück: „Sei unbesorgt, gnädige Frau [Mutter]. Ich kann den Ernst der Angelegenheit nicht bestreiten. Doch dank des Kaisers Großzügigkeit und der großen Gunst der beiden Prinzen wurden wir mit großem Mitgefühl behandelt. Der älteste Herr Schë wurde nur zur Befragung abgeführt und, wenn sein Fall untersucht worden ist, wird seine Majestät Nachsicht zeigen. Momentan wurde aus dem Haus noch nichts entfernt.“ Als die Herzoginmutter [ihren älteren Sohn] Djia Schë nicht sehen konnte, versetzte es ihrem Herzen wieder einen Stich, und es dauerte eine Zeit, bis Djia Dschëng sie wieder trösten konnte. Alle blieben dort, nur die Dame Hsing wagte sich aus dem Zimmer. Sie ging zu ihren Gemächern und fand alle Türen mit Papierstreifen versiegelt und verschlossen und ihre Mägde und Dienstmädchen waren darin gefangen. Es gab keinen Ausweg für sie, und sie schrie vor Verzweiflung. Sie konnte nur in Hsi-fëngs Gemächer zurückkehren. An beiden Seiten der Tür klebten auch Papierstreifen, aber die Tür war noch offen. Von innen konnte sie jemanden schluchzen hören. Sie ging hinein und sah Hsi-fëng mit geschlossenen Augen auf ihrem Sofa liegen, ihr Gesicht war aschfahl. Ping-örl stand leise weinend daneben. Die Dame Hsing glaubte, Hsi-fëng sei bereits tot, und sie weinte wieder. Ping-örl kam zu ihr: „Bitte, Herrin, weinen Sie nicht! Wir haben die Herrin [Liän] zurückgetragen, und sie sah so gut wie tot aus. Sie hatte geschlafen, wachte dann wieder auf und begann zu weinen. Jetzt ist sie noch mehr erledigt. Versuchen Sie bitte, ruhig zu sein, Herrin. Wie hat es die gnädige Herrin aufgenommen?“ Die Dame Hsing beantwortete ihre Frage nicht, sondern kehrte zu den Gemächern der Herzoginmutter zurück. Dort war sie umgeben von Djia Dschëngs Familie. Ihr Ehemann und Sohn waren verhaftet, ihre Schwiegertochter war dem Tode nah, ihre neu verheiratete Tochter wurde mißhandelt, und jetzt konnte sie selbst nirgens mehr hin. Die anderen hatten Mitleid mit ihrer Qual und gaben ihr Bestes, um sie zu trösten. Li Wan schickte einen Diener, um ihr eine Unterkunft zu besorgen, während die Dame Wang einige ihrer Mägde und Dienstmädchen beauftragte, sie zu bedienen. Djia Dschëng war währenddessen in sein äußeres Studierzimmer zurückgegangen und streichelte seinen Bart, rieb sich nervös die Hände, wartete voller Unruhe auf das Ergebnis des Berichtes des Prinzen für den Thron. Er hörte eine der Wachen draußen rufen: „Meine Güte, zu welchem Teil des Hauses gehörst du denn? Weil du hier aufgetaucht bist, müssen wir dich in unser Buch eintragen. Bindet ihn fest und bringt ihn zu den Goldjacken.“ Djia Dschëng ging raus zum Tor und sah, daß der Mann, um den es ging, Djiau Da, der „treue alte Bewahrer“ des Ning-guo-Hauses war. „Was zum Teufel führt dich her?“, fragte er. Djiau Da schrie laut, den Himmel als Zeugen anrufend: „Habe ich diese zu nichts zu gebrauchenden Herren nicht immer wieder gewarnt – und Sie sagten immer, ich sei gegen Sie! Doch Ihr, Herr, Ihr wißt von den Wunden, die ich an der Seite meines Herren erlitt! Und jetzt schauen Sie, wie weit es gekommen ist! Herr Dschën und Herr Jung liegen beide in Ketten bei irgend so einem Prinzen. Die Frauen werden grob behandelt, ausgeraubt, und von irgendwelchen Wachen in leere Räumen eingesperrt. Die einfachen Leute sind alle zusammen eingepfercht, Herr, wie Schweinehunde! Alles an Inventar wurde rausgenommen und zur Seite geworfen, schöne alte Möbel zerschlagen und Porzellan zerdeppert... Und jetzt legen die ihre Hände an mich! Ich gehe auf die neunzig zu und ich habe nur im Auftrag des Herrn die Hände anderer festgebunden. Und jetzt will man das mit mir machen! Ich habe ihnen gesagt, daß ich aus dem westlichen Anwesen bin, und bin hinausgegangen. Doch sie wollten mir nicht glauben und schubsten mich herum. Und jetzt muß ich sehen, daß hier auch alles schlecht ist. Nichts ist übrig, wofür es sich lohnt zu leben. Dann will ich lieber mit ihnen kämpfen!“ Er sagte es und stieß mit der Stirn gegen die Wand. Er bedrohte wirklich die Wachen, die ihn aus Respekt vor seinem Alter und hoffend, nicht gegen die Anordnungen der Prinzen zu verstoßen, zurückhaltend behandelten. „Beruhige dich, alter Mann. Wir sind hier, um einen Kaiserlichen Befehl auszuführen. Jetzt nimm es nicht so schwer und warte, was seine Majestät befiehlt.“ Währenddessen sagte Djia Dschëng nichts, obwohl er tief von dem getroffen war, was der alte Mann gesagt hatte. ‚Es ist hoffnungslos!‘, sagte er. ,Ich hätte nie gedacht, daß wir so enden!‘ Er wartete ängstlich auf Nachrichten aus dem Palast, bis er Hsüä Kë in den Hof rennen hörte, der atemlos ausrief: „Das war aber einfach, hier hereinzukommen. Da ist Onkel [Dschëng].“ Djia Dschëng sagte: „Du kommst gerade richtig. Aber wie haben sie dich hereingelassen?“ „Ich habe gebettelt und gewinselt, ihnen Geld versprochen und zum Schluß haben sie mich durchgelassen.“ Djia Dschëng erzählte ihm von der Beschlagnahmung und bat ihn herauszufinden, was eigentlich los war: „Wir können mit unseren Freunden und Verwandten keine Nachrichten auszutauschen. Das wäre zu gefährlich. Du bist der Einzige, der uns dabei helfen kann.“ „Ich habe von der Klage gegen das [Ning-guo-] Anwesen gehört“, sagte Hsüä Kë, „doch ich hatte nicht gedacht, daß es auch hier so schlimm aussieht.“ „Doch was wird uns zur Last gelegt?“, fragte Djia Dschëng. „Heute früh“, antwortete Hsüä Kë, „war ich bei der Strafbehörde. Ich erkundigte mich nach Vetter [Pans] Urteil. Doch während ich dort war, hörte ich von den Beschuldigungen, die von zwei Zensoren gegen Vetter Dschën vorgetragen wurden. Eine war für die Bestechung von Söhnen aus adeligen Familien, Anstiftung zum Spielen und so etwas. Das war die geringere Anklage: Die andere legt zur Last, die Verlobte eines unschuldigen Mannes weggenommen zu haben. Als sie sich wehrte, so sagte die Beschuldigung, wurde ihr physische Gewalt angetan, wodurch sie zu Tode gekommen ist. Um die Anklage zu stützen, hat der besagte Zensor einen unserer Diener, Bau Örl, verhaften lassen und einen Zeugen, Herrn Dschang, kommen lassen. Sogar der Hauptzensor könnte in Schwierigkeiten sein, da dieser Dschang sich eigentlich vor einiger Zeit an sie gewandt hat und er dessen Anklage verworfen hat.“ Djia Dschëng stampfte mit dem Fuß, bevor Hsüä Kë zu Ende gesprochen hatte. „Wie weit ist es nur gekommen? Wir sind wahrlich am Ende!“ Er seufzte und seine Tränen strömten. Hsüä Kë versuchte, ihn zu trösten und ging dann wieder fort, um Neuigkeiten in Erfahrung zu bringen. Nach einem halben Tag kam er zurück und berichtete: „Es sieht schlecht aus.“ – „Bei der Strafbehörde konnte ich nichts über die zwei Prinzen und ihren Bericht an den Thron herausfinden. Doch ich habe etwas anderes herausgefunden. Früher am Morgen hatte ein Zensor namens Li eine Anklage gegen den Präfekten von Ping-an vorgelegt, beschuldigte ihn dabei, sich mit seinem Vorgesetzten aus der Hauptstadt verbündet zu haben, dabei viel Geld unterschlagen und das einfache Volk unterdrückt zu haben.“ „Das ist seine Sache. Was hat das mit uns zu tun?“, antwortete Djia Dschëng etwas nervös. „Mit Ping-an sind wir gemeint“, sagte Hsüä Kë. „Der Vorgesetzte aus der Hauptstadt bei Zensor Li ist tatsächlich Onkel Schë: Das bedeutet, daß er Geld veruntreut hat, das ist noch viel schlimmer als gedacht. Seine Freunde am Hof verstecken sich alle, wollen ihre Hände so sauber wie möglich halten, und es ist noch nicht einmal jemand bereit, uns auf dem Laufenden zu halten. Es ist dasselbe mit den Verwandten und Freunden, die von der Feier geflohen sind. Manche sind direkt nach Hause gegangen, andere haben ein Versteck gefunden, worin sie verweilen können, bis der Sturm vorüber ist. Einige Mitglieder des Clans fragen öffentlich, wer denn der Glückliche sein wird, die Titel und Ämter zu erhalten, die unsere Familie verloren hat. Alle haben sie ein Auge darauf geworfen...“ Djia Dschëng stampfte mit dem Fuß, bevor zu Ende gesprochen war: „Das sind alles Folgen der Dummheit des alten Herrn [meines älteren Bruders]! Und von den unehrenhaften Wegen, die das [Ning-guo-]Anwesen eingeschlagen hat! Aber genug davon. Wer weiß, ob die gnädige Frau und die Schwiegertochter der Liäns noch leben! Sie sollten besser mit Ihren Erkundigungen fortfahren, während ich nach der Herzoginmutter sehe. Sobald es etwas Neues gibt, lass es mich möglichst schnell wissen.“ Während sie sprachen, war ein wirrer Schrei von innen zu hören: „Der gnädigen Herrin geht es schlecht!“ Djia Dschëng eilte in großer Aufregung fort. Um herauszufinden, ob sie noch lebte, lese man das nächste Kapitel.