Hongloumeng/de/Chapter 120

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Kapitel 120

甄士隐详说太虚情 / 贾雨村归结红楼梦

aus erfreut, wenn Sie bei mir verweilen und den Tag mit mir verbringen würden.“ Djia Yü-tsun willigte begeistert ein, und die beiden Männer gingen Hand in Hand, dabei folgte ihnen der Page mit dem Gepäck in die kleine, einfache Hütte. Schï-yin führte Yü-tsun herein; dieser setzte sich, und der Helfer des alten Mannes brachte ihm Tee. Yü-tsun bat darum, die Geschichte seiner mystischen Umwandlung hören zu dürfen, und Schï-yin lächelte: „Auf eine Weise wurde meine Welt umgewandelt. Sie selbst, Herr, der Sie einer Sphäre des Wohlstandes und Überflusses entstammen, müssen bestimmt von einer Person mit dem Namen Bau-yü gehört haben?“ – „Natürlich“, antwortete Yü-tsun, „zuletzt habe ich das Gerücht gehört, daß er auch in das Dharma aufgestiegen sein soll. Ich habe ihn in vergangenen Tagen einige Male gesehen und es wäre mir niemals in den Sinn gekommen, daß er diesen Schritt gehen würde.“ – „Mir war das schon klar“, sagte Schï-yin. „Ich wußte bereits seit Jahren von seinem Streben. Bereits vor diesem einen längst vergangenen Tag, als wir uns vor meiner Unterkunft auf der Rentjing-Straße getroffen und dieses kleine Gespräch miteinander geführt hatten, war ich ihm in der Tat vorher schon begegnet.“ – „Doch die Hauptstadt ist weit von Ihrer Unterkunft entfernt“, sagte Yü-tsun in großer Überrraschung, „wie können Sie ihm da begegnet sein?“ – „Wir standen schon lange in einer Art geistigem Austausch miteinander“, antwortete Schï-yin. „In diesem Fall, Herr, müssen Sie doch von seinem jetzigen Aufenthaltsort wissen?“ – „Bau-yü“, antwortete der alte Mann, „ist der Stein, der kostbare Jadestein. Bevor die beiden Häuser Jung und Ning aufgesucht und ihre weltlichen Güter beschlagnahmt wurden, an dem Tag, als Bau-tschai und Dai-yü voneinander getrennt wurden, hatte der Stein bereits die Welt verlassen. Dies geschah zum einen, um das bevorstehende Unheil abzuwenden, zum anderen um die Vollendung der Vereinigung zuzulassen. Von diesem Moment an war das weltliche Karma des Steins vollständig, seine Substanz war in seine völlige Einheit zurückgekehrt. Alles, was davon blieb, war ein kleines Bruchstück seiner spirituellen Kräfte, wodurch er einen akademischen Rang erreicht und dem Namen der Familie seine Ehre zurückgebracht hatte. Ich weiß nur von der kostbaren Natur des Steines, seiner magischen Kraft, seiner Befähigung zu geistiger Umwandlung und daß er absolut kein gewöhnlicher Stein von dieser Welt war. Zu diesem Zweck brachten ihn der buddhistische Heilige Mang-mang und der dauistische Erleuchtete Miau-miau zuerst in die Welt und, da sein Schicksal nun erfüllt ist, sind sie es, die ihn zurückholen und an seinen ursprünglichen Ort zurückbringen. Das ist alles, was ich über Bau-yü weiß und, wie Sie es nennen, seinen ‚augenblicklichen Aufenthaltsort‘.“ Obwohl Yü-tsun dem Ganzen nicht ganz folgen konnte, hatte er dennoch etwa die Hälfte verstanden. Er nickte und seufzte: „Also ist das der wahre Grund für alles. Und ich habe es nie gewußt. Doch wenn Bau-yü eine Person eines solch erlesenen spirituellen Ranges ist, warum mußte er zuerst derart von menschlichen Begierden geblendet werden, bevor er die Erleuchtung erreichte?“ Schï-yin lächelte: „Obwohl ich dies gern näher ausführen würde, fürchte ich, Sie würden es niemals vollständig verstehen. Das Land der Täuschungen und das Paradies der Wahrheit sind ein und dasselbe. Könnten zwei Lesarten des Registers und die Erfahrung eines ganzen Lebens jemanden von der Erleuchtung abbringen? Alpha ist Omega. Wenn die Blumenfee ihren ursprünglichen Zustand wiedererlangt hat, sollte es der Magische Stein dann nicht auch tun?“ Diesesmal waren die Worte des Einsiedlers Yü-tsuns Verständnis mehr als fern. Er wußte nur, daß sie eine esoterische Bedeutung haben mußten, und wagte nicht, weitere Fragen zu stellen. „Es ist so freundlich von Ihnen, daß Sie mir all dies über Bau-yü erzählen“, sagte er, „doch möchte ich Ihnen eine weitere Frage stellen: Wie kommt es, daß alle Damen in dieser vornehmen Familie, ausgenommen die kaiserliche Nebenfrau Yüän-tschun, in einfachen Verhältnissen gestorben sind?“ Wie er dies hörte, seufzte Schï-yin: „Verstehen Sie meine Worte nicht falsch, Herr! Die Tatsache ist, daß all diese edlen Damen, die Sie meinen, von den Himmeln der Leidenschaften und den Seen der Vergeltung stammen. Seit den alten Tagen unterlag ihr Geschlecht der natürlichen Verpflichtung, rein zu bleiben, rein von Lust, sogar rein vom leichtesten Hauch einer Begierde. Diese verliebten Schönheiten wie Tsuee Ying und Su Hsiau-hsiau waren gefallene Feen, ihre himmlischen Herzen waren von Grund auf mit weltlichen Gelüsten verschmutzt, während romantische Dichter wie Sung Yü und Sï-ma Hsiang-ju nur Erdichtetes schrieben. Denken Sie einen Moment nach: Wie kann ein verführtes Wesen, das der Welt anhänglich geworden ist, darauf hoffen, ‚nicht in einfachen Verhältnissen zu sterben‘, wie Sie es sagen?“ Wie er den Worten des Einsiedlers lauschte, strich sich Djia Yü-tsun meditativ über den Bart und seufzte tief. „Darf ich fragen, Herr,“ brachte er hervor, „ob die Häuser Ning und Jung jemals wieder die Höhen ihres früheren Wohlstandes erreichen werden?“ – „Es ist vorherbestimmt, daß Wohlstand mit der Tugend kommt und Elend mit dem moralischen Verfall“, antwortete Schï-yin. „Im Moment hat die Tugend in den beiden Häusern wieder ihren rechten Weg gefunden, während die moralisch Verwerflichen auf ihre Weise gesühnt haben. In der folgenden Zeit werden Orchidee und Cassia blühen, und das Glück der Familie kehrt zurück. Das ist natürlich und richtig.“ Yü-tsun senkte eine Weile nachdenklich seinen Kopf, dann lachte er plötzlich: „Ja! Natürlich! Einer von ihnen wird Lan, Orchidee, genannt, er hat eben sein Examen bestanden. Und bezüglich der Cassia, die ihr erwähntet, das könnte doch mit jenem zusammen hängen, was ihr eben über Bau-yü, das Erreichen seines akademischen Grades und das Hinterlassen seines umfassenden Erbes gesagt hattet? Ist sein posthumer Sohn Guee, Cassia, für den Ruhm bestimmt?“ Schï-yin lächelte rätselhaft: „Das wird sich mit der Zeit offenbaren. Es wäre falsch, da bereits Vorhersagen zu treffen.“ Yü-tsun hatte immer noch Fragen, doch Schï-yin war nicht mehr bereit, ihm weitere Antworten zu geben. Er trug seinem Jungen auf, den Tisch zu decken, das Essen zu bringen und lud Yü-tsun ein, mit ihnen zu essen. Als sie ihr Mahl beendet hatten, war Yü-tsun immer noch neugierig, dieses Mal wollte er um die Geheimnisse seiner eigenen Zukunft wissen. Doch sein Glück war bereits aufgebraucht. „Bleiben Sie eine Weile, Herr“, sagte Schï-yin, „in meiner bescheidenen Unterkunft. Ich habe immer noch eine Pflicht zu erfüllen, und heute ist der Tag ihrer Vollendung.“ Yü-tsun war sichtlich überrascht: „In Anbetracht des weitläufigen spirituellen Zustandes, den Sie erreicht haben, kann ich mir nicht vorstellen, wie viel Karma euch noch für eine Anwendung geblieben ist?“ – „Es betrifft die Liebe zwischen einem Mann und einer Frau.“ Das erstaunte Yü-tsun sogar noch mehr. „Bitte erklärt mir das, Herr.“ „Es gibt etwas, worin Sie vollständig unwissend sind, mein verehrter Freund“, antwortete Schï-yin. „Meine Tochter Ying-Liän wurde, wie Sie wissen, entführt, als sie noch ein kleines Mädchen war. Ihr selbst fälltet in diesem Fall das Urteil, als ihr zum ersten Mal das Amt inne hattet. Jetzt ist sie mit einem gewissen Herrn Hsüä verheiratet und wird ihm bald ein Kind ge­bähren. Dabei wird sie jedoch sterben. Sie wird einen Sohn zurücklassen, der die Traditionen der Hsüä Familie weiterführt. Jetzt ist der Moment, in dem ihre weltliche Existenz sich dem Ende neigt, und ich muß da sein, um ihren Geist zu empfangen.“ Mit einem Schütteln seines Ärmels war Schï-yin verschwunden. Yü-tsun begann, sich müde zu fühlen und war schon bald in der kleinen Hütte an der Fähren-Anlegestelle eingeschlafen. Schï-yin empfing nun Hsiang-lings Seele an der Schwelle des Todes, und führte sie in das Land der Vorspiegelungen, wo sie der Entzauberung der Feen übergeben wurde, und man ihren Namen in das Register eintrug. Als er das große Eingangstor passierte, sah er den Mönch und den Dauisten ihm entgegenschweben. Er näherte sich ihnen und sagte: „Buddhistischer und dauistischer Meister! Meine Glückwünsche! Ist das Liebes-Karma erfüllt? Sind alle betroffenen Seelen ordnungsgemäß zurückgekehrt und in das Register eingetragen worden?“ – „Das Karma ist noch nicht ganz vollständig“, antworteten sie, „doch dieser sinnlose Klotz ist bereits zurückgekehrt. Alles, was noch zu tun bleibt, ist ihn an seinen ursprünglichen Ort zurückzubringen und die Fortsetzung seiner Geschichte aufzuzeichnen. Dann ist dieser kleine Ausflug auf die Erde nicht umsonst gewesen.“ Schï-yin klatschte vor Begeisterung mit den Händen und brach auf. Der Mönch und der Dauist setzten ihren Weg, den Jade tragend, fort, bis sie schließlich am Fuß des Grünen Berges angelangten und dort, genau an der Stelle, wo Nü-wa einst den bei der Wiederherstellung des Himmelsdaches übriggebliebenen Stein liegengelassen hatte , legten sie behutsam ihre Last ab und jeder ging seines Weges. Ein überirdisches Buch erzählt eine überirdische Geschichte, wie Mann und Stein wieder zu einem Ganzen werden.

Aus: Jinyuyuan 1889b. Eines Tages ging der Dauist Kung-kung wieder am Fuß des Grünen Berges vorbei und sah den Stein ‚der für untauglich befunden worden war, den Himmel instandzusetzen’, immer noch dort liegen, mit derselben Inschrift wie zuvor. Er las die Inschrift wieder sorgfältig durch und bemerkte, daß ein völlig neuer Abschnitt hinzugefügt worden war, wie das Schicksal endete. Er nickte, seufzte und sagte: „Als ich das erste Mal diese merkwürdige Geschichte über Bruder Stein las, hielt ich sie für wert, sie in einer Novelle zu veröffentlichen, und schrieb sie mit dieser Absicht ab. Doch zu dieser Zeit war sie unvollendet. Der innere Kreis war noch nicht geschlossen. In der früheren Version führte nichts auf den Ursprung des Steines zurück. Ich frage mich, wann diese bewundernswerte Ergänzung hinzugefügt worden sein kann? Durch sie kann der Leser erfahren, daß die Lebenserfahrungen des ‚Bruders Stein‘ seine spirituelle Wahrnehmung nur geschärft haben und ihn nun zu einem vollständigeren Bewußtsein des Dau führten. Am Ende hatte er keinen Grund zur Reue oder zum Bedauern. Doch mit den Jahren können die Buchstaben dieser neueren Version der Inschrift unlesbar werden. Ich schreibe es besser noch einmal in seiner vollständigen Form ab und finde jemanden in dieser Welt mit der Muße, sie zu empfangen, damit sie veröffentlicht werden möge und die Botschaft überbracht wird, daß die Dinge nicht immer das sind, was sie scheinen, daß das Ungewöhnliche und das Gewöhnliche, Wahrheit und Dichtung, alle miteinander verwandt sind. Vielleicht werden junge Menschen, die vom Lebenstraum betört sind, in dieser Geschichte ein Echo finden und in ihr wahres Heim zurückgeführt werden. Während den freien Geistern der hohen Berge in dem Bericht über Bruder Steins Umwandlung, wie in der älteren Geschichte von der Wanderung des Magischen Berges, ein Licht über ihr eigenes Streben aufgehen mag.“ So schrieb Kung-kung alles nieder, verstaute diese neue Version in sei­nem Ärmel und nahm sie mit in die wohlhabende, prunkvolle Menschen­welt, um einen geeigneten Mann für die Aufgabe ihrer Veröffentlichung zu suchen. Doch alle Männer, denen er begegnete, waren entweder zu sehr mit ihrer eigenen Karriere beschäftigt oder sie hatten zu sehr mit ihrem täglichen Überleben zu kämpfen, sodaß sie weder die Muße noch die Lust hatten, über einen Stein zu plaudern. Dann gelangte Kung-kung schließlich zu der kleinen Hütte an der Fähren-Anlegestelle; dort sah er einen schlafenden Mann, den er für einen Müßiggänger hielt, und beschloß, ihm die Geschichte des Steines zum Lesen zu geben. Doch obwohl er ihn mehrere Male anrief, konnte er ihn nicht aufwecken. Endlich hob er ihn hoch und schüttelte ihn, worauf der Mann seine Augen öffnete. Er überflog das Buch und legte es ab mit den Worten: „Ich habe das alles mit eigenen Augen gesehen. Soweit ich sehe, enthält Ihr Bericht keine Fehler. Gestattet mir, Ihnen von einem Mann zu erzählen, der die Geschichte für Sie in diese Welt tragen kann und dadurch diese seltsame Angelegenheit zu einem ordentlichen Abschluß bringen kann.“ – „Wen meint ihr?“, fragte Kung-kung ungeduldig. „Sie müssen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt eines bestimmten Tages eines bestimmten Monats eines bestimmten Jahres warten. In dieser Stunde müßt Ihr ein bestimmtes Gebäude, das der Erinnerung an die Rote Kammer gewidmet ist, betreten, wo ihr einen gewissen Herrn Tsau Hsüä-tjin antreffen werdet. Sagt ihm nur: „Djia Yü-tsun sagt...“ und bittet ihn dieses und jenes zu tun! Yü-tsun schlief wieder ein, und Kung-kung notierte sich sorgfältig seine Aufgaben. Irgendwann, nach einer unzähligen Menge an Generationen, einer Unendlichkeit an Äonen, gab es wirklich das genannte Gebäude und darin einen Herr Tsau Hsüä-tjin, der die Geschichten vergangener Tage verfolgte. Kung-kung tat, wie ihm aufgetragen wurde. Er wiederholte Yü-tsuns Worte und gab ihm die Geschichte des Steines zu lesen. Dieser Herr Tsau lächelte und sagte: „Wirklich eine rohe Erzählung (Djia Yü Tsun Yän)!“ – „Wie kommt es, daß Sie den Mann kennen, Herr? Kann ich daraus folgern, daß Sie bereit sind, diese Geschichte für ihn zu übermitteln?“ – „Sie werden treffenderweise Kung-kung genannt“, bemerkte Tsau lächelnd. „Sie haben nichts im Magen, nur eine Leere. Das sind vielleicht rauhe Worte, doch sie enthalten keine sinnlosen Fehler oder unsinnige Passagen. Es wäre eine große Freude, dies mit ein paar gleichgesinnten Freunden zu teilen, bei einem Wein nach dem Essen oder um die Einsamkeit eines regnerischen Abends zu vertreiben. Es bedarf keiner wichtigtuerischen Person, die es lobt oder veröffentlicht. So, wie Sie starr in Fakten herumstöbern, ähneln Sie einem Mann, der sein Schwert im Wassser verloren hat und glaubt, es wiederzufinden, indem er eine Seite seines Bootes markiert. Ihr gleicht einem Mann, der eine Zither spielt, bei der die Stimmschrauben festgeklebt sind.“ Kung-kung erhob sein Haupt und brach in schallendes Gelächter aus, ließ das Manuskript zu Boden fallen und ging forsch seines Weges. Beim Gehen sagte er zu sich: ‚Also war alles reiner Unsinn! Autor, Kopist und Leser spielen in der Welt keine Rolle. Es ist alles nur zum Spaß, ein Spiel, Zerstreuung!‘ Ein späterer Leser des Manuskriptes fügte ein vierzeiliges Gätha hinzu, um das ursprüngliche Nachwort des Autors zu erweitern: „Wenn der Kummer um die nutzlosen Worte der Erdichtung wirklicher als das wahre Leben erscheinen, bedenke, daß das Leben selbst nur ein Traum ist. Und belächle nicht die Tränen des Lesers.“



– Ende – Anhang: Historische Vorworte0

Vorwort zur ersten Cheng-Gao Ausgabe Eine Einleitung von Cheng Weiyuan

Der Roman Hongloumeng (Der Traum im roten Gemach)0 war ursprünglich mit Shitou ji (Die Geschichte des Steins) betitelt. Es gibt dabei einige Unstimmigkeiten bezüglich der Autorschaft, und man weiß nicht mehr, wer es geschrieben hat. Wir haben nur das Bekenntnis im Roman selbst, daß Herr Cao Xueqin daran gearbeitet hat und den Roman einige Male umgeschrieben hat. Aufgeweckte Leser fertigten eigene Kopien des Buches an, denn diese am regulären Tempelmarkt zu kaufen, kostete ein halbes Vermögen. Es war ein echter Fall von Zirkulation durch „beinlose Bewegung“. Doch die verbreiteten Kopien waren unvollständig, da sie alle aus achtzig Kapiteln bestehen, wohingegen das Original einhundertundzwanzig Kapitel umfaßt. Selbst wenn einige Kopien vorgeben, vollständig zu sein, stellt sich bei näherer Betrachtung heraus, daß sie nur über achtzig Kapitel verfügen – insgesamt eine frustrierende Erfahrung für den Leser! Sicher, dachte ich bei mir, wenn die Inhaltsübersicht einhundertundzwanzig Kapitel aufführt, muß es irgendwo eine vollständige Version geben: Ich suchte überall, bei antiquarischen Buchsammlern bis hin zu gestapelten Papierabfällen, ich drehte jeden Stein um und habe mehrere Jahre damit zugebracht, diese elenden einhundertzwanzig Kapitel zusammenzusuchen. Dann eines Tages, durch einen glücklichen Zufall, erhielt ich zehn Kapitel von einem Hausierer. Er stimmte zu, sie mir zu einem hohen Preis zu verkaufen. Während ich diese Kapitel durchging, entdeckte ich zu meiner großen Überraschung, daß die darin aufgeführten Episoden weitgehend zu dem Material paßten, das ich bereits gesammelt hatte. Doch die Manuskripte waren völlig durcheinander. Mit der Hilfe eines Freundes bearbeitete ich das Material gründlich, entfernte dabei, was überflüssig erschien, korrigierte Unstimmigkeiten und schrieb alles noch einmal für die Veröffentlichung ins Reine. Dies ist das erste Mal, daß der Hongloumeng vollständig veröffentlicht wird. Da er nun fertig ist, habe ich diesen Bericht hinzugefügt, um die Leser darüber zu informieren, unter welchen Umständen und mit welchem Glück der Roman zustande gekommen ist. Alle, die meine Liebe zu diesem Buch teilen, werden es bestimmt neugierig und ohne zu zögern lesen!

Cheng Weiyuan (Kleiner Frühling) [1791] Vorwort von Gao E

Es ist mehr als zwanzig Jahre her, als ich das erste Mal vom Roman Hongloumeng hörte und von der großen Faszination, die dieser auf seine Leser ausübt und das trotz seines fragmentarischen Charakters. Ich war wirklich froh, als ich von einem Freund eine Kopie des vollständigen Originals erhielt. Ihn vollständig zu lesen war eine überaus spannende Erfahrung. Im Frühling diesen Jahres besuchte mich mein Freund Cheng Weiyuan und zeigte mir den vollständigen Text, den er besorgt hatte. „Dies“, sagte er, „ist die Frucht meiner Arbeit von vielen Jahren. Stück für Stück habe ich es zusammengesetzt, im Hinblick darauf, es für seine Liebhaber zu veröffentlichen. Da Du zur Zeit ziemlich am Ende bist und Unterstützung brauchst, möchtest Du nicht in dieses Projekt einsteigen und zusammen mit mir das Manuskript für den Druck vorbereiten?“ Obwohl es nur ein Roman war, enthielt er nichts, was den Lehren des Konfuzius zuwiderlief, ich nahm sein Angebot also gerne an und machte mich mit dem sprichwörtlichen Fleiß des persischen Sklaven, der eine Perle sah, an die Arbeit. Da nun die Arbeit vollbracht ist, habe ich diese Umstände zur Information für den Leser aufgeschrieben. Geschrieben mit meiner Hand in diesem Jahr Xinhai der Herrschaftsperiode Qianlong, am fünften Tag nach der Wintersonnenwende [27. Dezember 1791]. Gao E (Orchideenhäuschen) von Tieling Zusätzliches Vorwort der späteren [2.] Cheng-Gao-Ausgabe

1. Sammler haben beinahe über dreißig Jahre lang eigene Abschriften der er­sten achtzig Kapitel dieses Buches angefertigt. Wir haben nun die letzten vierzig Kapitel erworben und können sie mit dem Rest zu einem Ganzen zusammenfügen. Da einige Freunde es sich zur Abschrift ausleihen wollten und viele andere neugierig waren, es zu sehen, war es schwer, die Zeit zu finden, es ordentlich für den ersten Druck vorzubereiten. In Anbetracht der vielen Zeit, die das Einkerben in den Holzblock benötigte, entschlossen wir uns, zuerst eine Edition mit beweglichen Lettern anzufertigen. In unserer Eile, dieses Buch anderen Lesern vorzustellen, gelang es uns nicht, es mit größter Sorgfalt auszubessern und auf Fehler durchzulesen, und daher sind noch viele Fehler enthalten. Wir haben nun sämtliche Originaltexte zusammengelegt und eine ausführliche Überarbeitung vorgenommen, was einen deutlich verbesserten Text zur Folge hat und wodurch viele Fehler behoben werden konnten. Wir hoffen, unsere vorherige Nachlässigkeit wird von den Lesern mit Nachsicht behandelt. 2. Die Abschriften der ersten achtzig Kapitel unterscheiden sich von Kopie zu Kopie. Wir haben eine große Anzahl dieser Abschriften zusammengetragen und anhand unseres Urteilsvermögens und Menschenverstandes bestehende Lücken gefüllt und Fehler korrigiert. Wo Wörter hinzugefügt oder entfernt worden sind, sollte dies einem flüssigeren Lesen dienen und kein überhebliches Verlangen darstellen, das Original verbessern zu wollen. 3. Weil der Roman über mehrere Jahre „inoffiziell“ überliefert worden ist, enthalten die Kopien, die auf den Markt gekommen sind, und jene, die im Besitz eines privaten Sammlers sind, einige Abweichungen. Zum Beispiel ist Kapitel 67 in mehreren Versionen vorhanden, und fehlt in manchen Versionen. Auch wenn seine Kapitelüberschrift die gleiche ist, kann der Inhalt bei verschiedenen Kopien abweichen. In solchen Fällen ist es unmöglich, eine Vorlage als absolut authentisch gelten zu lassen. Als wir unseren Text erarbeiteten, folgten wir dem, was uns bei der Lektüre am plausibelsten erschien. 4. Die letzten vierzig Kapitel wurden über mehrere Jahre zusammengetragen und wie ein Fuchsfell zusammengeflickt. Es gab keine anderen Texte, auf die man sich hätte beziehen können. Unser wesentliches Anliegen war, den Text der Reihenfolge der Handlungsabläufe anzugleichen und somit eine innere Kontinuität und Beständigkeit zu erreichen. Wir haben es nicht gewagt, eigenmächtige Änderungen vorzunehmen, da wir immer noch hoffen, daß wir einen besseren Text finden und in der Lage sind, eine bessere Ausgabe liefern zu können. Wir wollten das Original nicht mit unseren eigenen Ideen ruinieren. 5. Der Scharfsinn und die Originalität dieses Buches wurden lange von Schriftgelehrten untersucht und kommentiert. Während der Vorbereitung für die Veröffentlichung konnten jedoch wegen der enormen Textmasse und des intensiven Arbeitsaufwandes, der damit verbunden war, die kritischen Anmerkungen nicht übernommen werden. Allerdings vermag der Leser selbst die brillant ironischen Kontraststellen des Geschriebenen oder das Wechselspiel zwischen Offenem und Verborgenem bewerten. 6. Vorworte oder Widmungen für Romane werden eigentlich von berühmten Schriftstellern verfasst. Wir leiten hier nicht in den Roman ein, sondern schreiben nur ein paar kurze einleitende Worte, weil der Roman so viele Jahre unvollständig war und plötzlich zu einem Ganzen geworden ist. Das wird viele sehr freuen und wir sind froh, unsere Namen damit bekannt zu machen und unser Glück zu feiern, dieses Buch vervollständigt zu haben. Unser eigentliches Motiv für den Druck dieses Buches war es, nachfolgenden Lesern dasselbe Lektürevergnügen zu bereiten. Es gab später eine so große Anfrage von Buchhandlungen, daß wir einen verbindlichen Ladenpreis festgesetzt haben, um die Druckkosten zu decken und eine größere Verbreitung zu ermöglichen. Wir wollen diesen Schatz gewiß niemandem vorenthalten! Cheng Weiyuan (Kleiner Frühling) Gao E (Orchideenhäuschen) Der Tag nach dem Blumenmorgen, im Jahre Renzi [4. März 1792] Anhang: Namen- und Ortsverzeichnis mit erster Nennung (Auswahl)

Name Kap. Zeichen Pinyin Erläuterung

Ban-hë 24 伴鹤 Banhe Sklavenjunge/junger Dienstbote

Bau-tschan 80 宝蟾 Baochan Dienstmagd von Djin-guee Moonbeam Bee-mang-schan 16 北邙山 Beimangshan Berg

Bee-ming 24 焙茗 Beiming Sklavenjunge/junger Dienstbote Tealeaf Begonienbund 37 海棠社 Haitangshe


Bergdorf, wo man Bohnenfasern wäscht 17 浣葛山庄 Huangeshanzhuang Bezeichnung für ein Gebäude im Garten des Großen Anblicks, vorheriger Name杏帘在望„Zwischen Aprikosen eine Weinflagge sich zeigt“

Bi Dschï-an 98 毕知庵Bi Zhian Arzt

Bi-yüä 29 碧月 Biyue Dienstmagd von Li Wan

Brokatbestückter Turm 17 缀锦阁 Östliches Nebengebäude des Gartens des Großen Anblicks

Dai-schu 7 待书 Daishu Dienstmagd von Tan-tschun

Djia Bau-yü 2 贾宝玉Jia Baoyu Jüngster Sohn von Djia Dschëng, mit Jadestein im Mund geboren, „klüger als 100 andere“, Hauptheld (identisch mit dem Pagen Geisterjade und dem Stein aus der Rahmenhandlung)

Djia Dai-hua 2 贾代化 Jia Daihua Ältester Sohn von Herzog Ning-guo

Djia Dai-ju 8 贾代儒 Djia Dairu Schulleiter

Djia Dai-schan 2 贾代善 Jia Daishan Sohn von Jung-guo

Djia Djing 2 贾敬 Jia Jing Zweitältester Sohn von Djia Daihua, treibt sich außerhalb der Hauptstadt mit Dauisten herum

Djia Dschën 2 贾珍 Jia Zhen Sohn von Djia Djing, hatte keine Lust am Lernen, wird im Lauf der Geschichte Hausvorstand.

Djia Dschëng 2 贾政 Jia Zheng jüngerer Sohn von Djia Dai-schan , von klein auf größte Freude am Lernen, Ministerialsekretär

Djia Dschu 2 贾珠 Jia Zhu ältester Sohn von Djia Dschëng, mit 14 Hsiutsai, mit 19 geheiratet und 1 Sohn, wurde krank und starb

Djia Fu 2 贾复 Jia Fu Urahn der Djia-Sippe in der östlichen Han-Dynastie, Umschrift des Namens schreibt sich wie die des ältesten Sohnes von Ning-guo

Djia Fu 2 贾敷 Jia Fu Ältester Sohn von Djia Daihua, starb mit 8-9 Jahren

Djia Hsi-tschun 2 贾惜春 Jia Xichun Jüngere Tochter von Djia Djing

Djia Juee 9 贾瑞 Jia Rui Nichtsnütziger Enkel von Djia Dai-ju.

Djia Jung 2 贾蓉 Jia Rong Sohn von Djia Dschën, zu Beginn des Romans 16 Jahre alt, lernfaul.

Djia Liän 2 贾琏 Jia Lian Sohn von Djia Schë, ist zu Beginn des Romans um die 20, hat 2 Jahre vor Beginn der Erzählung eine Nichte der Dame Wang geheiratet, den Titel eines Unterpräfekten erkauft, keine Lust zu lernen, wohnt bei seinem Onkel Djia Dschëng

Djia Min 2 贾敏 Jia Min Tochter von Djia Dai-schan, Frau von Lin Ju-hai

Djia Schë 2 贾赦 Jia She älterer Sohn von Djia Dai-schan

Djia Tan-tschun 2 贾探春 Jia Tanchun Tochter einer Nebenfrau von Djia Dschëng

Djia Ying-tschun 2 贾迎春 Jia Yingchun Tochter einer Nebenfrau von Djia Schë

Djia Yüan-tschun 2 贾元春 Jia Yuanchun Älteste Tochter von Djia Dschëng, tugendreich und begabt, Hoffräulein für den Kaiserpalast

Djia Yü-tsun 2 贾雨村Jia Yucun armer Gelehrter, der im Flaschenkürbistempel haust = Familienname war Djia, sein Rufname Hua, sein Ehrenname Schï-fee und sein Beiname Yü-tsun

Djiau-hsing 2 娇杏 Jiaoxing Dienstmagd

Djin-ling = Nanking 1 金陵 Jinling = Nanjing Stadt

Djin-tschuan 7 金钏 Jinchuan Dienstmagd der Dame Wang

Dschang Ju-guee 3 张如圭 Zhang Rugui Amtsgefährte von Djia Yü-tsun

Dschën Schï-yin = Dschën Fee 1 甄士隐 Zhen Shiyin = Zhen Fei Vater von Ying-liän

Dschën Ying-liän 1 甄英莲 Zhen Yinglian Tochter von Dschën Schï-yin

Dschën-dschu 3 花珍珠Hua Zhenzhu Dienstmagd der Herzoginmutter, nach dem Wechsel als Dienstmagd zu Bau-yü umbenannt in Hsi-jën Pearl Dschën-örl 29 臻儿 Zhen’er Dienstmagd von Hsiang-ling

Dsï-djüan 8 紫鹃 Zijuan Dienstmagd von Lin Dai-yü

Duftgetränkter Pavillon 26 沁芳亭 Qinfangting Gebäude im Garten des Großen Anblicks

Duftgetränkter Turm 17 含芳阁 Hanfangge Westliches Nebengebäude des Gartens des Großen Anblicks

Duftreisdorf 17 稻香村 Daoxiangcun Ort im Garten des Großen Anblicks

Fang-guan 54 芳官Fang-guan Schauspielerin Parfume Fee Warnendes Trugbild 13 警幻仙子 Jinghuanxianzi Mystische Figur in der Rahmenhandlung.

Felsen der Dreimaligen Wiedergeburt 1 三生石畔Sanshengshipan Mystischer Ort in der Rahmenhandlung.

Felswand Grüne Erhebung 2 青埂 Qinggeng Mystischer Ort in der Rahmenhandlung.

Fëng Su 1 封肃 Feng Su Bauer, Vater von Frau Fëng, Schwiegervater von Dschën

Fëng, Frau 1 封 Feng Frau von Dschën, Mutter von Ying-liän

Fëng-örl 7 丰儿 Feng’er Dienstmagd von Hsi-fëng Felicity Flaschenkürbistempel 1 葫芦庙 Hulumiao Ort

Garten des Großen Anblicks 17 大观园 Daguanyuan Künstlich angelegter Wohngarten auf den Gütern des Djia-Clans. Prospect Garden Gasse der Menschlichkeit und der Reinheit 1 仁清巷Renqinggang Gasse, Ort

Großen Wüsten Gebirge 1 大荒山 Damangshan Mystischer Ort in der Rahmenhandlung

Halle des Blühenden Glücks 3 荣禧堂 Rongxitang Haupthalle des Jung-guo-Anwesens.

Haselwurzpark 17 蘅芜苑 Hengwuyuan Ort im Garten des Großen Anblicks, vorheriger Name蘅芷清芬„Reiner Duft von Haselwurz und Bärenklau“

He-hsiän 93 鹤仙 Hexian buddhistische Novizin Thurible Heiteres Herbstatelier 101 秋爽 Qiu­shuang Ort im Garten des Großen Anblicks

Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß 17 潇湘馆 Xiaoxiangguan Dai-yüs Hof, vorheriger Name有凤来仪„Ein Phönix kommt zu Besuch“

Herzoginmutter 3 贾母 Djia Mu, Frau Shï Weiblicher Hausvorstand und gute Seele der Familie

Hof der Düfte 81 蘅芜院 Suwuyuan Ort im Garten des Großen Anblicks

Hof der Freude am Roten 17 怡红院 Yihongyuan Bau-yüs Hof im Garten des Großen Anblicks

Hsiang-ling 7 香菱 Xiang­ling


Hsiau-hung 24 小红 Xiaohong Dienstmagd von Hsi-fëng Crimson Hsiau-schë 80 小舍儿 Xiao Sheer Dienstmagd, wörtlich: „Kleine Verlassene“

Hsi-jën 3 袭人 Xiren Sklavenmädchen/Dienstmagd von Bau-yü Aroma Hsing Hsiu-yän 49 邢岫烟 Xing Xiuyan


Hsin-hsiang 93 沁香 Xin­xiang buddhistische Novizin CruCible Hsiu-djü 29 绣桔 Xiuju Dienstmagd von Ying-tschun

Hsüä Bau-tschai 4 薛宝钗 Xue Baochai (Spätere) Frau von Djia Bau-yü.

Hsüä Pan 4 薛蟠 Xue Pan


Hsüä-yän 3 雪雁 Xueyan Dienstmagd von Lin Dai-yü, wörtlich: Schneegans Snowgoose Huan-örl 25 环儿 Huan’er


Hu-po 20 琥珀 Hupo Dienstmagd der Herzoginmutter Amber Insel der violetten Wassernüsse 17 紫菱洲 Zilingzhou Ort im Garten des Großen Anblicks

Inselchen der Seekannenblätter 17 荇叶渚 Xingyezhu Ort im Garten des Großen Anblicks

Ju-hua 7 入画 Ruhua Dienstmagd von Hsi-tschun

Jung-guo-Anwesen 2 荣国府 Rongguofu Herzögliche Residenz der Djias westlich der Straße

Kiosk des Lotoswurzelduftes 17 藕香榭 Ouxiangxie Gebäude im Garten des Großen Anblicks

Klippe Unerforschlich 1 无稽崖 Wujiya Mythischer Ort in der Rahmenhandlung

Kloster des Weisen Durchdringens 2 智通寺 Zhitongsi Mythischer Ort in der Rahmenhandlung

Kloster Eiserne Schwelle 12 铁槛寺 Tiekansi Kloster

Kloster Gefangenes Grün 41 栊翠庵 Longcuian Kloster von Miau-yü Green Bower Hermitage Konvent der Verstreuten Blumen 101 散花寺Sanhuasi Konvent Scattered Flowers Coment Kung-kung, Dauist = Tjing-sëng 1 空空道人 Kongkong daoren Dauist

Laube des Knöterichwindes 17 蓼风轩 Liao­fengxuan Gebäude im Garten des Großen Anblicks

Lëng Dsï-hsing 2 冷子兴Leng Zixing Antiquitätenhändler

Li Wan 4 李纨 Li Wan Djia Dschus Witwe

Lin Dai-yü 2 林黛玉 Lin Daiyu Tochter von Lin Ju-hai, Herzensdame von Djia Bau-yü, in der Rahmenhandlung identisch mit Purpurperle

Lin Ju-hai 2 林如海 Lin Ruhai Salzinspektor, Vater von Lin Dai-yü, seine Frau ist zu Beginn des Romans schon ein Jahr tot

Li-tji 81 李绮Li Qi Kusine von Li-wën

Liu Wu-örl 60 柳五儿 Liu Wuer Tochter der Küchenangestellten Liu, sechzehn Jahre alt, konnte sich „an Schönheit mit Ping-örl, Hsi-jën, Dsï-djüan und Yüan-yang messen“, vorgesehen als Dienstmagd für Bau-yü Fivey Li-wën 81 李纹 Li Wen Kusine von Li-tji

Mang-mang 2 茫茫大士 Mangmang dashi buddhistischer Mönch, Heiliger

Mee-jën 5 媚人 Meiren Sklavenmädchen/Dienstmädchen

Miau-miau 2 渺渺真人 Miaomiao zhenren Erleuchteter, dauistischer Priester, wird auch als 僧道 seng Dao bezeichnet

Miau-yü 17 妙玉 Miaoyu Adamatina/Adamantina, Nonne

Nebenfrau Dschau 20 赵姨娘 Zhao yiniang


Ning-guo-Anwesen 2 宁国府Ningguofu Herzögliche Residenz der Djias östlich der Straße

Nü-wa 1 女娲Nüwa Göttin, die in der mystischen Rahmenerzählung das Himmelszelt repariert

Oma Liu 6 刘姥姥 Liu laolao bodenständige, herzensgute Figur vom Lande

Page Geisterjade 1 神瑛侍者 Shenyingshizhe Page, Figur aus mythischer Vorgeschichte (wird wiedergeboren als Djia Bau-yü)

Pan San-bau 81 潘三保 Pan Sanbao zwielichtige Gestalt, heuerte Hexe an

Pei-fëng 106 佩凤 Peifeng Konkubine Djia Dschëns Lovey (oder Dove?) Ping-örl 6 平儿 Ping’er Dienstmagd von Hsi-fëng Patience Prinz von Bee-djing 11 北静王Beijing wang Prinz von Bee-djing

Prinz von Hsi-ning 11 西宁郡王 Xining jun wang wörtlich: König der Präfektur Xining

Purpurperle 1 绛珠草 Jiangzhucao Pflanze, Figur aus mythischer Vorgeschichte (wird wiedergeboren als Lin Dai-yü)

Rotjadepalast 1 赤瑕宫 Chixiagong Ort


Sau-hua 24 扫花Saohua Sklavenjunge/junger Dienstbote Sweeper Scha, das Dummerchen 96 傻大姐儿Sha dajier Dienstmagd, Schwester von Dschën-dschu

Schë-yüä 5 麝月 Sheyue Sklavenmädchen/Dienstmädchen Musk Schï Hsiang-yün 20 史湘云Shi Xiang­yun entfernte Kusine von Djia Bau-yü

Schï-schu 89 侍书Shi Shu Dienstmagd von Tan-tschun Scribe Shakyamuni Kloster 18 牟尼院Mouni yuan Kloster vor dem Westtor der Hauptstadt

Shuai-örl 102 拴儿 Shuan’er älterer Bediensteter Ropey Sï-tji 7 司棋 Siqi Dienstmagd von Ying-tschun Chess Steinerne Mauer 2 石头城 Shitoucheng Ort

Su-yün 81 素云 Suyun Dienstmagd von Li Wan Candida Tchiu-tung 88 秋桐 Qiutong Dienstmagd von Hsi-fëng Autumn Tiau-yün 24 挑云 Tiaoyun Sklavenjunge/junger Dienstbote

Tjin-hsiang 93 沁香 Qinxiang Buddhistische Novizin

Tjing-wën 5 晴雯 Qingwen Sklavenmädchen/Dienstmädchen Skybright Tjiu-wën 19 秋纹Qiuwen Dienstmagd von Bau-yü Ripple Trauer um das Rote 1 悼红轩 Dao hong xuan Studierstube von Tsau Hsüä-tjin

Tsai-ming 7 彩明 Caiming Dienstmagd von Hsi-fëng Sunshine Tsai-ping 29 彩屏 Caiping Dienstmagd von Hsi-tschun Landscape Tsai-yün 23 彩云 Caiyun Dienstmagd der Dame Wang Suncloud Tsau Hsüä-tjin 1 曹雪芹 Cao Xueqin Autor, zugleich Figur in der Rahmenhandlung

Tschun-hsiän 29 春纤 Chunxian Dienstmagd von Lin Dai-yü

Tschu-yau 24 锄药 Chuyao Sklavenjunge/junger Dienstbote Ploughboy Tsuee-mo 29 翠墨 Cuimo Dienstmagd von Tan-tschun

Tsuee-lou 17 翠缕 Cuilou Dienstmagd Kingfisher Tung-guee 29 同贵Tonggui Dienstmagd von Frau Hsüä Prosper Tung-hsi 29 同喜 Tongxi Dienstmagd von Frau Hsüä

Turm des Großen Anblicks 17 大观楼 Daguanlou Hauptgebäude des Gartens des Großen Anblicks

Ufer des Seelenflusses 1 灵河岸 Linghean Mystischer Ort in der Rahmenhandlung

Wahngefilde der Großen Leere 15 幻境 Huanjing Himmelsähnliche Vorstellung, mystischer Ort, an dem man nach buddhistischem Glauben auf seine Wiedergeburt wartet

Wang Hsi-fëng 2 王熙凤 Wang Xifeng =凤姐 Feng jie Frau von Djia Liän, bildschön und dabei redegewandt und außerordentlich einfallsreich, „von tausend Männern kommt nicht einer ihr gleich“

Wang Örl-tiau 84 王尔调 Wang Ertiao Heiratsvermittler Brightie Wang Schï, Frau 2 王氏Wang Shi Frau von Djia Dschëng

Wassermondkloster 7 水月庵 Shui­yueyan Kloster

Wee-yang = Yang-dschou 2 维扬 Weiyang Ort

Wën-hsing 29 文杏 Wenxing Dienstmagd von Hsüä Bau-tschai

Yang Guee-fee 23 杨贵妃 Yang Guifei Nebenfrau von Tang-Kaiser Ming-huang, eigentlich Hsüan-dsung (685 – 762, Kaiser von 712 bis 756). Bau-tschai wird mit ihr verglichen.

Ying-ge 97 鹦哥 Yingge Dienstmagd von Lin Dai-yü Parrot Ying-örl 7 莺儿 Ying’er Dienstmagd von Hsüä Bau-tschai Oriole Ying-wu 29 鹦鹉 Yingwu Dienstmagd der Herzoginmutter

Yin-tjüan 24 引泉 Yinquan Sklavenjunge/junger Dienstbote

You-schï 5 尤氏 Youshi Ehefrau von Djia Dschën

Yüan-yang 20 鸳鸯 Yuan­yang Dienstmagd der Herzoginmutter Faithful Yü-tschuan 25 玉钏 Yuchuan Dienstmagd von Djia Huan Silver Zehn-Li-Straße 12 十里街 Shilijie Ort


Anhang: Das Jung-Guo-Anwesen in heutiger Darstellung (Ausschnitt)


1. Haupttor 2. Äußeres Tor 3. Große Südhalle 4. Inneres Tor 5. Halle des Blühenden Glücks 6. Tor der Hängenden Blumen 7. Durchgangshalle mit aufgestelltem Paravent 8. Blumenpavillon der Herzoginmutter 9. Haupträume der Herzoginmutter 10. Hof von Wang Xifeng (im Roman: Wang Hsi-fëng) 11. Studierzimmer von Jia Zheng (im Roman: Djia Dschëng) 12. Hof von Jia She (im Roman: Djia Schë) 13. Großes Schwarzöl-Tor 14. West-Tor Anhang: Übersichtskarte des Nachbaus des Gartens des Großen Anblicks (大观院) in Peking


Abbildung auf einem Schild am Eingang des Gartens. Foto: Martin Woesler

1. Haupttor (大观院正门) 2. Zickzack-Weg zur Ruhe (曲径通幽处) 3. Duftgetränkter Pavillon (沁芳亭) 4. Hof der Freude am Roten (怡红院) 5. Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß (潇湘馆) 6. Heiteres Herbstatelier (秋爽斋) 7. Halle des Morgengrüns (晓翠堂) 8. Pavillon des tropfenden Grüns (滴翠亭) 9. Duftreisdorf (稻香村) 10. Laube des Knöterichwin­des (蓼风轩) 11. Nest des warmen Duftes (暖香坞) 12. Hütte der duftenden Was­sernüsse (藕香榭) 13. Schilfschneekloster (芦雪庵) 14. Kloster Gefangenes Grün (栊翠庵) 15. Rotduftgarten (红香圃) 16. Päonien-Pavillon (牡丹亭) 17. Blütenblätterschwarm (花溆) 18. Buntseidenhaus (缀锦楼) 19. Hengyou-Garten (衡[艹尤]苑) 20. Halle der Dankbarkeit, Gü­te, Gedenkens und der Gerechtigkeit (顾恩思义殿) 21. Haus des Großen Anblicks (大观楼) 22. Duftbewahrender Pavillon (含芳阁) 23. Buntseidenpavillon (缀锦阁) 24. Haus der Kristallbach (凹晶溪馆) 25. Halle der edlen Schösslinge (嘉萌堂) 26. Villa des Jadegrünen Hügels (凸碧山庄) 27. Halle der Ulmenschösslin­ge (榆萌堂) 28. Hintertür (后门) 29. Westtor (西角门) 30. Osttor (东角门) 31. Duftgetränkte Schleu­sen­brücke (沁芳闸桥) 32. Villa für Verwandte aus den Provinzen (省亲别墅坊) Anhang: Biographische Notiz zum Herausgeber

Martin Woesler ist Sinologe und Übersetzer, Professor für Interkulturelle Kommunikation und Leiter des Sprachbereichs Chinesisch an der Hoch­schule für Angewandte Sprachen, SDI München. Er überarbeitete die Übersetzung der ersten beiden Teile des Romans seines Übersetzer-Kollegen Rainer Schwarz und übersetzte den dritten Teil. Für die Herausgabe schrieb er ein Vorwort, fügte Illustrationen, Stammbaum, Namens- und Ortsverzeichnis sowie Lagepläne hinzu. Für die Übersetzung und Herausgabe des Traums der Roten Kammer wurde er mit dem mit 10.000 Euro dotierten Preis „Desideratum 2007“ der „European Science & Scholarship Association e.V.“ ausgezeichnet. Daneben übersetzte er zahlreiche chinesische Autoren des 20. Jahrhunderts und für die Frankfurter Buchmesse 2009 (Gastland China), auch den umstrittenen Gegenwartsroman Mian Mian: Panda Sex, erschienen bei Kiepenheuer & Witsch.

Hinweise des Verlags

Der vorliegende Roman ist auch in einer limitierten, nummerierten, gebundenen Ausgabe (Rundrücken) auf Munken Print-Papier erschienen, mit Schutzumschlag, 3 Bände.


Bd 14 (3 Bde.) Tsau Hsüä-tjin, Gau Ë Der Traum der Roten Kammer oder Die Geschichte vom Stein herausgegeben und mit einem Vorwort von Martin Woesler, mit einem Nachwort von Hartmut Walravens Bochum: Europäischer Universitätsverlag 2006-2007, 3 Bde., ISBN 978-3-86515-010-3 (3-86515-010-1), € 59 pro Teilbd., Bd. I Tsau Hsüä-tjin, Übers. Rainer Schwarz 2006 978-3-86515-011-0 (3-86515-011-X), Bd. II Tsau Hsüä-tjin, Übers. Rainer Schwarz 2006 978-3-86515-012-7 (3-86515-012-8), Bd. III Tsau Hsüä-tjin, Gau Ë, Übers. Martin Woesler 2007 978-3-86515-013-4 (3-86515-013-6)

Zu Teil 1 Die Göttin Nüwa verwendet den 36501. Stein nicht mehr für die Reparatur des Himmelsdaches. Dieser ernährt daraufhin eine Blume mit Tautropfen. Schließlich wird der Stein als Protagonist Djia Bau-yü wiedergeboren, dem der Tau in Form von Tränen vergolten werden muss. Der Roman berichtet vom Aufwachsen Bau-yüs mit seinen Cousinen im ‘Garten des Großen Anblicks’ vor dem Hintergrund des Aufstiegs und Niedergangs der Beamtenfamilie Djia in der Zeit der letzten Kaiser der Ming-Dynastie. Der autobiographische Hintergrund ist jedoch der der ersten Kaiser der mandschurischen Tjing-Dynastie (1644-1911). Bau-yü verbringt mit seinen Cousinen beinahe unbeschwerte Kinder- und Jugendtage. Im ersten Teil des Romans entwickelt sich eine Dreiecksbeziehung zwischen dem talentierten, androgynen Djia Bau-yü, der draufgängerischen und pragmatischen Hsüä Bau-tschai und der sehnsüchtig-liebenden, intelligenten, aber kränklichen Lin Dai-yü.

Zu Teil 2 Bau-yü, talentierter Sohn der einflussreichen Großfamilie Djia, wächst zusammen mit seinen Cousinen beinahe unbeschwert im paradiesähnlichen ‘Garten des Großen Anblicks’ auf. Im zweiten Teil des Romans erlebt er die Degeneration und den moralischen Verfall seiner Familie, den politischen und finanziellen Abstieg. Die heile Welt der Kindheit droht beim Übergang in die Jugend zu zerbrechen. Zeichen drohenden Unheils überschatten die Liebe des androgynen Djia Bau-yü zu seiner hingebungsvollen aber kränklichen, still leidenden und schicksalsergebenen Cousine Lin Dai-yü. Hat ihre Liebe in einer Zeit arrangierter Ehen und vor dem Hintergrund des familiären Niedergangs eine Zukunft?   Zu Teil 3 Nach und nach heiraten die zwölf Mädchen des Gartens des Großen Anblicks und ziehen weg. Auch Djia Bau-yü glaubt, seine Kusine Lin Dai-yü zu ehelichen. Doch als der Schleier gelüftet wird, ist es Hsüä Bau-tschai. Lin Dai-yü stirbt zur selben Zeit vor Kummer. Der Garten verwaist. Der Jadestein geht verloren. Die Familie fällt beim Kaiser in Ungnade, die Titel werden entzogen. Das Anwesen wird ausgeraubt und geplündert. Einige Familienmitglieder werden verhaftet und verbannt. Die Herzogin-mutter stirbt. Der Niedergang der Großfamilie Djia scheint besiegelt. Erst nachdem Djia Bau-yü sein vorherbestimmtes Schicksal versteht und sich zu einem Leben als buddhistischer Mönch entschließt, wendet sich das Blatt: Djia Bau-yü besteht die Staatsprüfungen zusammen mit seinem Vetter Djia Lan. Titel, Ruf und Güter werden wiederhergestellt. Die Familie Djia blickt mit Djia Lan und Bau-yüs Sohn Djia Guee einer glücklichen Zukunft entgegen. Aber wo ist Bau-yü?