Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 117"

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== 阻超凡佳人双护玉 / 欣聚党恶子独承家 ==
 
== 阻超凡佳人双护玉 / 欣聚党恶子独承家 ==
  
ng versagte wieder, und Hsi-jën brach ungeachtet von der Anwesenheit der Dame Wang in Schluchzen aus und rief: „Ich will mit Fräulein Hsi-tschun gehen!“
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'''Zwei wunderschöne Jungfrauen halten den Jade fest und verhindern eine Flucht aus weltlicher BindungNichtsnutze nehmen das Anwesen ein und versammeln eine Menge an Kumpanen.'''
Bau-yü lächelte: „Du strebst auch nach etwas Gutem. Aber ein Leben in Abgeschiedenheit hat das Schicksal für dich nicht bestimmt.“
 
„Dann möchte ich lieber sterben!“, schluchzte Hsi-jën.
 
Entgegen seiner neu gefundenen Distanziertheit, war Bau-yü von ihren Worten sehr bewegt. Doch er sagte nichts.
 
Es war bereits vier Uhr morgens, und er schlug seiner Mutter vor, sich zur Nachtruhe zu begeben. Li Wan und die anderen gingen zurück in ihre Gemächer und Tsai-ping geleitete Hsi-tschun in ihr Zimmer, wo sie darauf wartete, daß bald Ehemänner für Hsi-tschuns Mägde gefunden würden und Dsï-djüan verbrachte den Rest des Tages damit, ihr demütig zu dienen. Doch das wollen wir nicht weiter ausführen.
 
Djia Dschëng hatte den Sarg der Herzoginmutter immer weiter gen Süden übergeführt. Weil ihnen Marineschiffe nach der siegreichen Beendigung eines Feldzuges begegneten, war der Kanal hoffnungslos überfüllt mit militärischen Transportschiffen, und die Verzögerung stimmte Djia Dschëng sehr verdrießlich. Sein einziger Trost war das Treffen mit einem Beamten des Yamens der Küstenverteidigung, der ihm berichtete, daß der Kommandant, Tan-tschuns Schwiegervater, nach Peking zurückberufen wurde. Tan-tschun konnte nun nach Hause zurückkehren, obwohl es unklar war, wann sie reisen konnten.
 
Eine weitere Folge der Verzögerung war, daß Djia Dschëng kaum mehr Geld hatte. Er mußte einen Brief schreiben und ihn zum Yamen des Sohns von Verwalter Lai Da, Lai Shang-jung, schicken, der in dieser Gegend zufällig Magistratsbeamter war. Er bat ihn, ihm fünfhundert Silbertael zu leihen. Der Diener, der mit dieser Mission beauftragt wurde, sollte das Geld bringen und Djia Dschëng weiter über den Kanal führen.
 
Nachdem einige Tage vergangen waren, erschien der Diener wieder und kam mit Lai Shang-jungs Antwort an Bord. Der Brief war voller Kummergeschichten verschiedenster Art und schloß mit fünfzig Silbertael. Djia Dschëng war rasend und, ohne zu zögern, befahl er dem Diener, sofort zurückzukehren: „Gib ihm sein Geld zurück, und seinen Brief kann er auch wieder haben! Er soll sich schämen!“
 
Der arme Diener tat, was ihm befohlen wurde und kehrte zu Lais Yamen zurück. Lai, verstört darüber, seinen Brief und das Geld wiederzubekommen, und wissend, daß er sich gemein verhalten hatte, bereitete ein weiteres Paket vor, füllte es mit weiteren hundert Tael und bat den Diener, es zurück zu Djia Dschëng zu bringen. Doch gegen Lais Bitten und Flehen blieb der Mann hart und kehrte mit leeren Händen zum Boot zurück.
 
Lai Shang-jung war sich nur zu gut  der Folgen seines Handelns bewußt und schrieb sofort seinem Vater im Jung-guo-Anwesen. Er riet ihm, sich zu verabschieden und wenn möglich, ihn aus der Situation freizukaufen. Als Verwalter Lai den Brief seines Sohnes erhielt, fragte er Djia Tchiang, Djia Yün und die anderen, bei der Dame Wang um seine Entlassung zu bitten. Djia Tchiang wußte zu gut, daß allein der Versuch sinnlos war. Er ließ einen Tag vergehen und gab dann den falschen Bericht, die Dame Wang habe ihm seine Bitte verwehrt. Also nahm sich Lai Da ein paar Tage frei und schickte einen Botschafter zum Yamen seines Sohnes, um ihn anzuweisen, sich krank zu melden und seine Stellung zu verlassen. Die Dame Wang wußte überhaupt nicht, was alles vor sich ging.
 
Djia Yün war äußerst enttäuscht zu hören, daß Djia Tchiang Lais Bitte abgewiesen hatte. Diese Tatsache, oder besser die Provision, die dies gebracht haben könnte, erschien ihm als letzte Chance, die enormen Spielschulden, die er in den letzten Tagen zu verzeichnen hatte, auszugleichen. Seine einzige andere Hoffnung war, Djia Huan um ein Darlehen zu bitten. Doch Djia Huan war nicht in der Lage, als Geldgeber zu dienen, da er selbst keine Münze besaß und bereits alles Ersparte seiner Mutter verpraßt hatte. Auch wenn Yün kein Darlehen bekam, gelang es ihm trotzdem, Djia Huan in seinen Rachegefühlen zu bestärken. Erinnerungen an Hsi-fëngs Grausamkeit schwirrten Djia Huan immer noch im Kopf. Und da Djia Liän fort war, war er mehr als bereit, seine Laune an Tchiau-djie auszulassen. Djia Yün, der ein Darlehen brauchte, schien der geeignete Komplize.
 
„Du bist nicht länger ein Junge, Yün!“, grummelte er herausfordernd. „Warum einen Armen wie mich um Geld bitten, wenn es die Möglichkeit gibt, einen kleinen Vorteil zu erzielen?“ –
 
„Erzähl’ etwas anderes!“, antwortete Yün. „Wir haben doch immer nur unseren Spaß gehabt. Ich habe für uns niemals die Möglichkeit gesehen, irgendwo Profit rauszuschlagen.“ –
 
„Was war denn letztens mit diesem Mongolischen Prinzen, der nach einer Konkubine sucht? Warum besprechen wir das nicht mit Onkel Hsing und bieten dem Prinzen Tchiau-djie an?“ –
 
„Das könnte dich vielleicht verärgern, wenn ich das sage, Onkel Huan“, antwortete Djia Yün. „Doch ich würde es so sagen: Angenommen, der Prinz kauft eine Konkubine aus unserer Familie, möchte er mit uns danach wahrscheinlich nichts mehr zu tun haben.“
 
Als Antwort darauf flüsterte Djia Huan etwas in Djia Yüns Ohr und Yün nickte nebenbei, beurteilte den Vorschlag als eine Laune von Huan, der keiner ernsthaften Überlegung wert sei. Genau in diesem Moment kam Wang Jën vorbei.
 
„Was plant ihr beiden denn?“, fragte er. „Wollt ihr mich wieder zum Narren halten?“
 
Djia Yün erzählte ihm leise den Inhalt von Djia Huans Vorschlag, und Wang Jën klatschte enthusiastisch in die Hände.
 
„Bravo! So ein einträglicher Einfall! Doch könnt ihr das wirklich durchziehen? Wenn du den Mut dazu hast, dann versichere dich. Vergiß nicht, daß ich ihr Onkel bin. Es ist immer noch meine Entscheidung. Du übermittelst den Plan nur der Dame Hsing und Djia Huan, dem alten Burschen, während ich mit Onkel Hsing spreche. Wenn die Tanten unnötige Fragen stellen, müssen wir sicher sein, daß alle dieselbe Geschichte erzählen.“
 
Als diese Besprechung vorüber war, suchte Wang Jën nach Onkel Hsing, während Djia Yün den Damen Hsing und Wang die gute Nachricht übermittelte, dabei fügte er noch ein paar Ausschmückungen hinzu. Die Dame Wang nahm den Vorschlag zur Kenntnis, blieb jedoch skeptisch. Als die Dame Hsing davon hörte, schien sie im Gegensatz dazu, äußerst begeistert von der Idee zu sein und schickte nach ihrem Bruder, um weitere Einzelheiten zu erfahren. Onkel Hsing wurde bereits von Wang Jën über alles in Kenntnis gesetzt und über seinen möglichen Gewinn informiert, was eigentlich nicht erwähnt werden muß, und wußte daher, als er in die Gemächer seiner Schwester gerufen wurde, was er zu sagen hatte: „Der Prinz ist ein sehr angesehener Mann. Natürlich bitte ich dich nicht um die Zustimmung dazu, daß sie seine richtige Frau wird. Doch sobald sie zu ihm geht, kann ich dafür garantieren, daß mein Schwiegerbruder seine Stelle zurückbekommt und die Familie ihre alte Bedrängnis los wird.“
 
Die Dame Hsing hatte keine wirkliche eigene Meinung. Sie war auf die Geschichte von ihrem Bruder hereingefallen und lud Wang Jën ein, um das Thema mit ihm zu besprechen. Wang Jëns begeisterte Unterstützung für dieses Projekt gab zuletzt den Ausschlag. Sie gab Djia Yün ihre Zustimmung, während Wang Jën umgehend losging und eine Nachricht an den Palast des Prinzen schickte.
 
Der Prinz war sich dieser ganzen Hintergründe gar nicht bewußt. Er plante lediglich, einige seiner Damen zu schicken, um die körperlichen Eigeschaften und die Tauglichkeit des Mädchens für den Harem zu untersuchen. Djia Yün gelang es, mit den Damen privat ein paar Worte zu wechseln: „Keiner aus der Familie des Mädchens kennt die ganze Wahrheit. Soweit sie betroffen sind, möchte der Prinz das Mädchen als eine seiner Frauen nehmen. Wenn sie erst angenommen ist, wird alles gut, habt keine Angst. Ihre Großmutter hat ihre Zustimmung gegeben, und ihr Onkel Wang Jën fungiert als Vermittler.“
 
Die Damen bestätigten ihre Zusammenarbeit. Djia Yün übermittelte der Dame Hsing die Neuigkeiten und berichtete der Dame Wang von der ‚Heirat‘. Li Wan und Bau-tschai kannten aber die Wahrheit nicht im geringsten und hörten die Neuigkeiten über die ‚Hochzeit‘ des Prinzen voller Freude.
 
Am vereinbarten Tag kamen mehrere prächtig gekleidete Damen an, wurden empfangen und eine Weile von der Dame Hsing unterhalten. Ihnen wurde bald bewußt, daß die Dame, mit der sie sprachen, einen beachtlichen Rang innehatte, und waren ihr gegenüber sehr respektvoll. Als den Bedingungen des Geschäftes noch nicht zugestimmt worden war, hatte die Dame Hsing Tchiau-djie noch nichts gesagt, sondern ihr nur erzählt, daß einige Verwandte zu Besuch seien und sie nach ihnen sehen solle. Tchiau-djie, die kaum mehr als ein Kind war und zu jung, um irgend einen Verdacht zu schöpfen, ging mit ihrer Amme und Ping-örl dorthin. Letztere traute dem Ganzen nicht recht und bestand darauf, sie zu begleiten. In dem Moment, als Tchiau-djie den Raum betrat, begutachteten sie das Mädchen genauestens und starrten ihre ganze Person von oben bis unten an. Sie erhoben sich dann, nahmen sie an die Hand und betrachteten sie noch einmal, worauf sie sich wieder für ein paar Minuten setzten und dann gingen. Tchiau-djie wunderte sich über ihr Anstarren, und als sie in ihr Zimmer zurückkehrte, durchdachte sie das Ganze noch einmal für sich. Sie konnte sich nicht daran erinnern, diese ‚Verwandten‘ zuvor gesehen zu haben, und sagte das Ping-örl, die für ihren Teil, sobald sie gesehen hatte, wie die Damen sich benahmen, die Wahrheit bereits vermutete.
 
‚Offensichtlich haben sie sie im Hinblick auf eine Hochzeit untersucht‘, dachte sie bei sich. ‚Doch da Herr Liän nicht zu Hause ist, liegt die Verantwortung bei der Dame Hsing, und ich habe keine Ahnung, welche Familie damit verbunden ist. Eine Familie von unserem Rang würde niemals derart starren. Trotzdem sahen diese Frauen nicht so aus, als entstammten sie einem der königlichen Gemächer. Sie hatten etwas Ausländisches an sich. Ich sage Tchiau-djie zunächst besser nichts davon, sondern warte, bis ich selbst mehr weiß.‘
 
Ping-örl machte sich daran, die Wahrheit herauszufinden, und, da die betroffenen Mägde und Dienstmädchen alle einmal für sie gearbeitet hatten, fühlten sie sich noch verpflichtet und gaben ihr sofort alle Informationen, die sie verlangte. Sie war entsetzt und suchte nach einem Einfall, wie man diese Katastrophe abwenden konnte. Sie hielt es immer noch für weiser, Tchiau-djie nichts zu sagen; daher eilte sie hinüber, um Li Wan und Bau-tschai zu informieren, und bat sie, der Dame Wang das Problem darzulegen.
 
Die Dame Wang hatte selbst gespürt, daß etwas nicht stimmte, und hatte dies der Dame Hsing gesagt. Doch die Dame Hsing war auf ihren Bruder und Wang Jën hereingefallen und anstatt die Dame Wang vernünftig anzuhören, vermutete sie ein anderweitiges Motiv, daß ihrem Entschluß entgegen stehen könnte.
 
„Das Mädchen hat sein Alter erreicht“, antwortete sie. „Da Liän von zuhause fort ist, liegt die Entscheidung bei mir. Und außerdem haben mein Bruder und der eigene Onkel des Mädchens die Angelegenheit gründlich durchdacht. Sie werden schon wissen, was daran ist. Ich bin von dieser Idee äußerst angetan. Und du, mach’ dir keine Sorgen, wenn irgend etwas schiefläuft, werden Liän und ich dich bestimmt nicht dafür beschuldigen.“
 
Die Dame Wang antwortete oberflächlich, aber insgeheim war sie wütend auf die Dame Hsing. Sie verabschiedete sich und ging zurück, um Bau-tschai zu berichten, was entschieden worden war. Während sie sprach, weinte sie, und Bau-yü versuchte, sie zu trösten.
 
„Mutter, sei nicht bekümmert. Aus dieser Intrige wird nichts. Was immer geschieht, Tchiau-djies Schicksal steht bereits fest, also versuch’ bitte nicht einzugreifen.“
 
„Sei nicht so töricht!“, rief die Dame Wang, „wenn sie erst dieser Heirat zugestimmt haben, können sie jeden Tag hier sein, um sie mitzunehmen! Ping-örl hat recht, euer Vetter Liän wird mir die Schuld dafür geben, wenn er zurückkommt! Ich will doch nur das Beste für jedes Mitglied der Familie und besonders für Tchiau-djie, um ihrer Eltern willen. Denkt an die anderen Mädchen! Wir haben Hsiu-yäns Hochzeit mit eurem Vetter Ke veranlaßt und schaut, wie glücklich sie zusammen sind! Und die Familie Mei, in welche Bau-tjin geheiratet hat, ist äußerst angenehm, daher muß man sich um sie keine Sorgen machen. Ich weiß, Hsiang-yün hatte nicht so viel Glück. Diese Hochzeit war zuerst die Idee ihres Onkels, und es wäre gut ausgegangen, wenn ihr Mann nicht an der Schwindsucht gestorben wäre. Jetzt wird das arme Mädchen den Rest ihres Lebens als Witwe verbringen. Wenn Tchiau-djie in schlechte Hände gerät, werde ich mir das niemals vergeben!“
 
Während sie sprach, trat Ping-örl ein, um sich mit Bau-tschai zu beraten und auch um zu erfahren, was das Gespräch der Dame Wang mit der Dame Hsing ergeben hatte. Die Dame Wang erzählte ihr, was die Dame Hsing gesagt hatte. Nach einem Moment nachdenklicher Stille fiel Ping-örl auf die Knie.
 
„Tchiau-djies ganze Zukunft hängt von euch ab, Herrin!“, flehte sie. „Wenn wir sie den Händen dieser Leute überlassen, bedeutet das für sie lebenslanges Leid. Und was glauben sie, wird Liän sagen, wenn er nach Hause kommt?“
 
„Du bist ein kluges Mädchen“, sagte die Dame Wang, „steh auf und hör’ zu, was ich sage! Letzten Endes ist Tchiau-djie die Enkelin meiner Schwiegerschwester, nicht meine. Wenn die Dame Hsing diese Entscheidung treffen möchte, wie kann ich ihr dann im Wege stehen?“
 
„Es gibt wirklich keinen Grund zur Betroffenheit“, beharrte Bau-yü, „es ist wichtig, eine klare Wahrnehmung seines Schicksals zu haben.“
 
Ping-örl fürchtete, daß Bau-yü wieder abzuheben beginnen oder eine Unüberlegtheit begehen würde und blieb ruhig. Alles, was sie sagen wollte, hatte sie der Dame Wang gesagt, so kehrte sie jetzt in ihre Gemächer zurück.
 
Der Kummer der Dame Wang ließ sie wieder Schmerzen in der Brust verspüren. Sie rief eine Magd, um sie zu stützen, quälte sich, auf ihren Arm gelehnt, zurück in ihr Zimmer und legte sich hin. Sie bat Bau-yü und Bau-tschai nicht, sie zu begleiten, sondern sagte nur, es würde ihr nach etwas Schlaf besser gehen. Doch es war ihr unmöglich, den Kummer abzulegen und als sie später hörte, daß die alte Frau Li sich gemeldet hatte, konnte sie sich nicht aus ihrem Bett erheben und sie unterhalten. Dann trat Djia Lan ein, um ihr eine Botschaft zu übermitteln: „Es ist ein Brief von Großvater angekommen. Die Jungen am Tor haben ihn hergebracht. Mutter wollte ihn dir geben, doch da meine Großmutter gerade gekommen ist, bat sie mich stattdessen, ihn dir zu geben. Mutter wird bald herüberkommen, um mit dir zu reden und um meine Großmutter Li vorbeizubringen.“
 
Er übergab der Dame Wang den Brief. Die Dame Wang fragte ihn, als sie den Brief nahm: „Warum ist deine Großmutter hier?“
 
„Ich weiß es selbst nicht“, antwortete Lan, „ich habe nur gehört, daß ein Brief von der Schwiegerfamilie Vetter Qis, den Dschëns, gekommen ist.“
 
Frau Wang wußte, daß Li-Qi Dschën-Bau-yü versprochen war und daß die Verlobung bereits mit dem üblichen goldenen Tee beschlossen worden war. Es konnte sein, daß die Dschëns mit der Hochzeit fortschreiten wollten und die alte Frau Li gekommen war, um die letzten Angelegenheiten zu besprechen. Sie nickte und öffnete den Brief von Djia Dschëng: „Der Kanal ist mit Booten überfüllt, die die Armee von ihrem erfolgreichen Feldzug an der Küste zurückbringen, und mein Fortkommen hat sich deutlich verzögert. Ich habe gehört, daß Tan-tschuns Ehemann mit seinem Vater in die Hauptstadt reist, und ich frage mich, ob du etwas von ihnen gehört hast? Vor ein paar Tagen habe ich einen Brief von Liän erhalten, der mir von Bruder Schës Krankheit berichtete. Gibt es dazu noch etwas Neues?
 
Die Zeit rückt näher, daß Bau-yü und Lan ihre Prüfungen zu bestehen haben. Sie müssen fleißig lernen und dürfen auf keinen Fall ihre Zeit vertrödeln. Es wird noch einige Tage dauern, bis ich Nanking mit Mutters Sarg erreiche. Ich bin bei guter Gesundheit, sorge dich nicht um mich.
 
Bitte übergib Bau-yü und Lan meine Anweisungen.
 
Dschëng.
 
Datiert am Tage X des Monats Y
 
P.S.: Jung wird sich getrenntermaßen melden.“
 
Nachdem sie den Brief gelesen hatte, gab die Dame Wang ihn Djia Lan zurück und sagte: „Gib ihn Bau-yü und sage ihm, er solle ihn lesen! Und dann gib ihn deiner Mutter zurück!“
 
Während sie sprach, traten Li Wan und die alte Frau Li ein und begrüßten sie. Sie setzten sich und die alte Frau Li sprach über die Dschëns und LiQis Hochzeit. Sie sprachen eine Weile darüber, und dann fragte Li Wan die Dame Wang: „Hast du Vaters Brief gelesen?“
 
„Das habe ich.“
 
Djia Lan reichte den Brief seiner Mutter, die ihn selbst las, und sagte: „Tan-tschun war über ein Jahr fort und ist nicht einmal nach Hause gekommen. Es wird so eine Erleichterung für euch sein, daß sie nun in die Hauptstadt ziehen.“
 
„Ja“, antwortete die Dame Wang. „Bis vorhin war ich noch bekümmert, doch nach diesen Neuigkeiten fühle ich mich wesentlich besser. Doch wir wissen immer noch nicht, wann sie ankommen werden.“
 
Die alte Frau Li fragte, wie Djia Dschëngs Reise gewesen war, während Li Wan sich an Djia Lan wandte und sagte: „Ich hoffe, du hast bemerkt, was dein Großvater in diesem Brief sagt? Die Prüfungen rücken näher, und er ist sehr besorgt um euch beide. Du beeilst dich besser und gibst den Brief Bau-yü zu lesen.“ –
 
„Bitte sagt mir,“ erkundigte sich die alte Frau Li, „wie es möglich ist, daß sie beide an der zweiten Prüfung teilnehmen können, ohne einen Grad zu besitzen?“
 
Frau Wang führte aus: „Bevor er seinen Posten als Agrarintendant erhielt, hat mein Mann den Lizenziatengrad für beide erworben.“
 
Die alte Frau Li nickte, und Djia Lan ging mit dem Brief zu Bau-yü.
 
Da er die Gemächer von Frau Wang früher verlassen hatte, war Bau-yü in seine Gemächer zurückgekehrt, wo er seine Kopie der ‚Herbstfluten‘ aus dem Kapitel des Buches Dschuang-Dsï nahm und begann, es fasziniert zu lesen. Als Bau-tschai aus dem inneren Raum kam und ihn so versunken in seine Lektüre sah, trat sie herbei und warf einen Blick auf den Titel des Buches. Es enttäuschte sie sehr, daß es sich um einen dauistischen Klassiker handelte.
 
‚Das einzige, was er noch ernst nimmt, ist dieser Unfug über „mit der Welt abschließen und sich über die Sterblichkeit erheben“ ‘, dachte sie bei sich. ‚Ein absolut hoffnungsloser Fall.’
 
Es schien unsinnig, mit ihm darüber zu diskutieren, deshalb setzte sie sich neben ihn und starrte ihn vorwurfsvoll an. Wie er ihren Ausdruck wahrnahm, fragte Bau-yü: „Was ist denn los?“
 
„Da wir nun Mann und Frau sind“, antwortete sie, „sollte ich dich ein Leben lang um Unterstützung bitten können. Unser gemeinsames Leben sollte auf mehr gegründet sein als auf einen Moment der Leidenschaft. Ruhm und Wohlstand sind substanzlos wie eine Wolke, – das kann ich verstehen. Doch selbst vor langer Zeit priesen die Weisen die charakterlichen Eigenschaften und Tugenden.“
 
Bevor er ihr ganz zugehört hatte, legte Bau-yü sein Buch nieder, lächelte und sagte: „Du sprichst von Tugend und den Weisen vergangener Zeiten. Doch weißt du, daß die Weisen auch als ein ideales ‚Herz eines neugeborenen Kindes‘ hochgehalten werden‘? Welche Tugenden hat ein neugeborenes Kind? Keine, nur die völlige Abwesenheit von Wissen, von Bewußtsein, von Gier und von Neid. In all unseren Leben versinken wir tiefer und tiefer im Sumpf der Gier, des Hasses, der Dummheit und der Begierde. Die große Frage lautet, wie man sich über all dies erheben kann, wie man diesem Netz des sterblichen Lebens entrinnen kann? ‚Dieses fließende Leben, mit seinen Begegnungen und Abschieden‘, – jetzt kann ich verstehen, weshalb die Bedeutung dieses Ausdrucks, seitdem er das erste Mal ausgesprochen wurde, in keinem Zeitalter völlig erfaßt wurde. Und was deine ‚Tugend‘ angeht, wer hat jemals einen reinen Zustand der Tugend erreicht?“ –
 
„Was die Alten mit ‚Herz eines neugeborenen Kindes‘ meinten“, erwiderte Bau-tschai, „war ein Herz voller Treue und brüderlicher Ergebenheit, nicht diese mystische, wirklichkeitsferne Deutung von dir. Die Kaiser Yau, Shun, Yü, Tang, der Fürst von Dschou, Konfuzius – sie alle verbrachten ihr Leben damit, die Menschheit zu verbessern. Ihr ‚Herz eines neugeborenen Kindes‘ war einfach der Geist des Mitleides und der Betroffenheit für andere. Wohingegen deines dich einfach so unbetroffen läßt, daß du deine eigene Familie im Stich lassen würdest. Für mich ergibt das keinen Sinn.“
 
Bau-yü nickte und lächelte: „Yau und Shun waren nicht in der Lage, Tschou-fu oder Xü-you davor zu bewahren, ihren Rückzugsort in den Bergen zu verlassen. Weder konnte König Wu noch der Fürst von Dschou Bo Yi seinen Bruder Shu Tchi dazu bringen, sich in der Welt einzubringen.“ – „Du wirst immer unsinniger!“, unterbrach ihn Bau-tschai, „wären alle Männer, die du erwähnst, Einsiedler gewesen, hätte es niemals Weise wie Yau, Shun, den Fürsten von Dschou und Konfuzius gegeben. Und außerdem ist es lächerlich, dich mit Bo Yi und Shu Tchi zu vergleichen. Sie lebten während der auslaufenden Shang-Dynastie, und ihre Leben waren von Schwierigkeiten verschiedenster Art erfüllt. Also hatten sie einen guten Vorwand, sich ihren Verpflichtungen zu entziehen. Doch in deinem Fall ist das völlig anders. Wir leben in einem Goldenen Zeitalter, und wir erhalten unsagbare Gunst vom Thron, während unsere Vorfahren dem Luxus frönten. Und du wurdest dein ganzes Leben lang behütet, von unserer verstorbenen Großmutter und von deinen Eltern. Jetzt überleg’ doch mal, was du gesagt hast! Glaubst du nicht, daß ich recht habe?“
 
Bau-yü hörte still zu. Seine einzige Antwort darauf waren ein Blick in den Himmel und ein Lächeln. „Da du keine Antwort zu finden weißt“, fuhr Bau-tschai fort, „solltest du meinen Rat hören. Reiß dich von jetzt an zusammen und arbeite so hart, wie du kannst! Schließ deine Prüfung erfolgreich ab und, selbst wenn du nichts in deinem ganzen Leben erreichst, wäre das zumindest eine Erwiderung der Himmlischen Gunst und der ‚Tugend‘ deiner Vorfahren.“
 
Bau-yü nickte und seufzte tief: „Die Prüfung gut zu bestehen ist nicht schwierig. Und was du über  ‚niemals irgend etwas erreichen‘,  ,eine Erwide-
 
  
Aus: Jinyuyuan 1889b.
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Die Dame Wang schickte nach Bau-tschai, um sich mit ihr zu beraten, während Bau-yü, wie er hörte, daß der Mönch draußen war, zuerst auf den Hof eilte. „Wo ist mein Meister?“, rief er.
Erwiderung der Himmlischen Gunst‘ und der ‚Tugend meiner Vorfah­ren‘ sagst, ist nicht genau der Punkt.“
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Als es letztlich kein Lebenszeichen von dem Mönch gab, ging er hinaus, wo er sah, daß sein Knecht Li Guee dem Mönch den Weg versperrte.
Bevor Bau-tschai antworten konnte, mischte sich Hsi-jën ein: „Ich habe nicht wirklich verstanden, was Frau Bau-tschai  über die alten Weisen gesagt hat. Ich weiß nur, daß wir von Kindheit an durch dick und dünn mit dir gegangen sind, dich mit mehr Hingabe behandelt haben, als ich in Worte fassen kann. Natürlich weiß ich, daß es so sein sollte, doch solltest du im Gegenzug nicht auch etwas an uns denken? Und sieh, welche Hingabe Frau Bau-tschai an deiner Statt dem Herrn Djia Dschëng und der Dame Wang erwiesen hat! Auch wenn du keinen großen Wert auf deine Ehe legst, sicher schuldest du ihr zumindest ein wenig Dankbarkeit für das, was sie für dich getan hat? Und all das mit der Unsterblichkeit, ist doch alles heiße Luft! Wer hat schon jemals gesehen, wie ein Unsterblicher einen Fuß auf die Erde setzte? Manche Mönche tauchen von Gott weiß wo auf, erzählen viel Unsinn und du nimmst sie auch noch ernst! Du bist ein gebildeter Mann, bestimmt gibst du ihren Worten nicht mehr Gewicht als denen deiner Eltern?“
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„Die gnädige Frau [Meine Mutter] bittet mich, den Meister hereinzuführen“, sagte Bau-yü.
Bau-senkte still seinen Kopf.
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Li Guee lockerte seinen Griff und der Mönch stolzierte herein. Bau-yü bemerkte sofort die Ähnlichkeit zwischen diesem Mönch und dem Führer in seinem Traum und die Wahrheit schien ihm immer deutlicher. Er verbeugte sich: „Meister, bitte vergeben Sie Ihrem Schüler, Sie so verzögert empfangen zu haben.“ –
Hsi-jën hatte noch mehr Munition bereit, doch dann hörten sie von draußen Schritte, und eine Stimme drang durch das Fenster:
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„Ich habe nicht das Verlangen danach, unterhalten zu werden“, sagte der Mönch. „Ich will nur mein Geld, und dann bin ich weg.“
„Ist Onkel Bau-yü zu Hause?“
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‚Dies ist kaum die Art, die man von einem Mann mit solch geistigem Niveau erwartet!‘, dachte Bau-yü. Doch dann sah er sich den Kopf des Mönches an, der voller Schorf war, dazu trug er eine schmutzige, verschlissene Robe, und er dachte bei sich: ‚Es gibt ein altes Sprichwort: „Der wahre Weise offenbart sich nicht selbst und wer sich selbst offenbart, ist kein wahrer Weiser.“ Ich muß vorsichtig sein und mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Ich sollte ihn besser wegen des Geldes versichern und ihn etwas beruhigen.‘
Bau-yü erkannte Djia Lans Stimme, stand auf und sagte erheitert: „Komm herein!“
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„Meister“, sagte er, „bitte seid geduldig. Meine Mutter bereitet gerade eben das Geld vor. Bitte setzt euch und wartet einen Moment. Darf ich euch fragen, Meister, ob ihr eben aus dem Land der Täuschungen zurückgekehrt seid?“  
Djia Lan trat ein, sein Gesicht strahlte vor Lachen. Er bezeugte Bau-yü und Bau-tschai seinen Respekt und begrüßte Hsi-jën, bevor er Bau-yü Djia Dschëngs Brief zeigte, welchen Bau-yü an sich nahm und las. „Also kommt meine Schwester jetzt zurück nach Hause, oder?“  
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„Welche Täuschungen?“, rief der Mönch. „Ich komme, woher ich komme und gehe, wohin ich gehe. Ich kam her, um den Jade zurückzugeben. Doch laß mich dir eine Frage stellen: Woher hast du deine Jade?“
„Nach dem Inhalt des Briefes zu urteilen, ja,“ war Djia Lans Antwort.
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Eine Weile lang fiel Bau-yü keine Antwort ein. Der Mönch lachte. „Wenn du nichts von deiner Herkunft weiß, wozu sich dann in meine vertiefen?“
Bau-yü senkte seinen Kopf in bedächtiger Stille, und Djia Lan fuhr fort: „Am Ende des Briefes, Onkel Bau-yü, siehst du, daß er dazu drängt, daß du bald einer ernsthaften Tätigkeit nachgehst. Ich glaube nicht, daß du in letzter Zeit viele Aufsätze verfaßt hast, oder etwa doch?“
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Bau-yü war immer ein empfindsames und intelligentes Kind gewesen, und seine jetztige Erleuchtung hatte ihn unfähig gemacht, den Schleier weltlicher Einbildung und Illusion zu durchdringen. Doch er wußte immer noch nichts von seiner eigenen ‚Geschichte‘, und die Frage des Mönches hatte ihn wie ein Schlag getroffen.
Bau-yü lachte: „Meinetwegen werde ich welche schreiben, nur um in Übung zu bleiben. Warum nicht? Ich könnte sie genau so gut hinters Licht führen!“  
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„Ich weiß!“, rief er, „Sie wollen gar nicht mein Geld. Sie wollen, daß ich Ihnen meinen Jade zurückgebe.“ –
„In diesem Fall“, schlug Djia Lan vor, „warum schlägst du nicht ein paar Themen vor, und wir schreiben sie zusammen. Das wird helfen, uns auf das Examen vorzubereiten. Ich möchte bestimmt kein leeres Blatt abgeben und uns damit lächerlich machen.“ –
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„Und das solltest du tun.“ kicherte der Mönch.
„Ich weiß, daß du nichts dergleichen tun wirst“, sagte Bau-yü.
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Ohne ein Wort rannte Bau-yü ins Haus. Er erreichte seine Gemächer und wie er dort sah, daß Bau-tschai, Hsi-jën und die anderen hinausgegangen waren, um auf Dame Wang zu warten, nahm er schnell seinen Jade von der Stelle am Bett, wo er lag und rannte damit zurück. Als er den Raum verließ, stieß er mit Hsi-jën zusammen, was sie zu Tode erschreckte.
Bau-tschai bat Djia Lan, sich zu setzen. Bau-yü setzte sich auch wieder in seinen eigenen Stuhl, während sich Djia Lan höflich daneben setzte, und wie sie gemeinsam über Aufsätze sprachen, wurde ihre Unterhaltung immer belebter. Als Bau-tschai sah, wie sehr sich ihr Gespräch belebte, zog sie sich zurück und dachte bei sich: ‚Es scheint beinahe so, als hätte Bau-yü das Licht erblickt. Doch ich frage mich, warum er meine Worte ‚niemals irgend etwas erreichen‘ aufgriff und sie so betont wiederholte?’
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„Die gnädige Frau hat gerade eben gesagt, was für eine gute Idee es sei“, protestierte sie, „daß du dem Mönch Gesellschaft leistest, während sie versucht, das Geld aufzutreiben. Was machst du denn auf einmal wieder hier drin?
Sie war immer noch sehr verwirrt. Hsi-jën war jedoch begeistert, ihn über Aufsätze und Examina reden zu hören.
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„Ich möchte, daß du sofort zurückgehst,“ befahl Bau-yü, „und sag’ der gnädigen Frau, sie muß sich nicht mehr um das Geld kümmern. Ich werde ihm den Jade zurückgeben. Damit ist die Rechnung beglichen.“
„Amitabha!“ sprach sie leise zu sich. „Doch was für eine Predigt war nötig, um ihn zur Vernunft zu bringen!
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Hsi-jën hielt Bau-yü auf der Stelle fest: „Das ist völlig verrückt! Der Jade ist dein ganzes Leben! Wenn er ihn fortnimmt, wirst du bestimmt wieder krank.“ –
Die Jungen setzten ihr Gespräch fort, und Ying-örl bereitete ihnen etwas Tee. Djia Lan erhob sich, um seine Tasse entgegenzunehmen und sprach noch etwas länger über die Regeln, die das Examen bestimmten und fügte dabei hinzu, daß er gern Dschën Bau-yü für einen Tag einladen würde. Bau-yü schien willig, dem zuzustimmen.
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„Nicht jetzt“, antwortete Bau-, „ich werde nicht wieder krank. Da ich nun um meine wahre Bestimmung weiß, wofür brauche ich dann noch den Jade?“
Nach einer Weile kehrte Djia Lan in seine Gemächer zurück, ließ Djia Dschëngs Brief allerdings bei Bau-yü. Dieser las ihn noch einmal durch und mit einem Lächeln auf den Lippen ging er zu Schë-yüä und übergab ihn ihr, um ihn wegzulegen. Dann kam er zurück und räumte sein Buch Dschuang-Dsï vom Tisch, dabei nahm er weitere esoterische Bücher mit sich, eine Sammlung mit Die Hermetische Clavicula (Tsantungtchi), Das Geheimnis der ursprünglichen Blume (Yüänmingbau) und Das Kompendium der Fünf Lampen (Wudeng huiyüän). Er gab Schë-yüä Anweisungen, Tjiu-wën und Ying-örl fernzuhalten. Bau-tschai war erstaunt zu sehen, daß er dies tat und wünschte, seine wahren Absichten zu erfahren.
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Er schüttelte Hsi-jën ab und ging. Sie eilte ihm nach und rief: „Komm zurück! Es gibt noch etwas, das ich dir sagen muß!“
„Ich finde es sehr lobenswert, daß du solche Bücher liest“, sagte sie mit einem spöttischen Lächeln. Doch warum mußt du sie alle außer Sicht legen?
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Bau-yü blickte zurück zu ihr: „Es muß nichts mehr gesagt werden.
„Weil ich jetzt verstehe“, antwortete Bau-yü. „daß diese Bücher nichts wert sind. Es wäre das Beste, sie zu verbrennen und für immer los zu sein!
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Sie rannte hinterher, warf all ihre Hemmungen ab und weinte beim Rennen: „Erinnerst du dich nicht an das letzte Mal, als du sie verloren hast, wie es beinahe mein Ende war? Du hast sie gerade eben zurück, und wenn er sie wieder fort nimmt, wird es dein und mein Leben kosten! Du wirst mich in den Tod treiben.
Bau-tschai war erleichtert, daß er dies sagte. Doch im nächsten Moment hörte sie ihn wie zu sich selbst zitieren:
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Sie überholte ihn und hielt ihn leicht fest, während sie sprach. „Ob es deinen Tod bedeutet oder nicht“, sagte Bau-yü mit seltsamer Heftigkeit, „Ich werde sie trotzdem zurückgeben.
„Wahrer innerer Buddha-Geist
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Er stieß Hsi-jën mit aller Kraft weg und versuchte, sich aus ihrem Griff zu lösen. Mit von seinem Griff wunden Handgelenken sank sie zu Boden, schluchzte und rief um Hilfe.
wird nicht in Sutren gefunden;
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Die Mägde in den inneren Gemächern hörten den Lärm und kamen herausgerannt, um sie beide in ihrer verzweifelten Umarmung zu finden.
Jenseits der Feuerprobe,
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„Schnell!“, rief Hsi-jën, „geht und sagt es der gnädigen Frau! Der zweite Herr Bau[-yü] will dem Mönch den Jade zurückgeben!“
Führt ein Weg zu einer höheren Ebene.
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Die Mägde eilten mit dieser Nachricht zur Dame Wang, während Bau-yü noch zorniger wurde und versuchte, sich Hsi-jëns Griff zu entwinden. Sie hielt um ihr Leben fest und Dsï-djüan hastete aus den inneren Gemächern, sobald sie gehört hatte, was Bau-yü vorhatte. Ihre Aufregung und Betroffenheit schienen noch größer als die von Hsi-jën, und ihr voriger Entschluß, gegenüber Bau-yü Gleichgültigkeit zu zeigen, schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Sie half Hsi-jën mit ihrer Kraft und umfaßte Bau-yü, der, obwohl er als Mann gegen Frauen stand, sich nicht gegen ihre Verzweiflung wehren konnte. Unfähig, sich zu befreien, seufzte er und sagte: „Wollt ihr so kämpfen, nur um ein Stück Jade zu behalten? Was würdet ihr machen, wenn ich euch verließe?
Bau-tschai verstand nicht jedes Wort, doch „innerer Buddha-Geist“ und „höhere Ebene“ reichten aus, um sie mit düsteren Vorahnungen zu erfüllen. Sie betrachtete ihn ängstlich. Er trug den Mägden auf, einen geweihten Raum für ihn vorzubereiten, suchte all seine Kopien der Bücher Dschu Hsis Neu-Konfuzianisches Elementarbuch sowie Sammlungen von Examensessays und ‑versen und brachte sie in sein neues Zimmer. Dann setzte er sich ernsthaft hin und begann in Ruhe zu arbeiten. Bau-tschai glaubte, sie könne nun beruhigt sein.
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Diese Worte riefen einen lauten Ausbruch des Schluchzens von Hsi-jën und Dsï-djüan hervor.
Hsi-jën konnte ihren Augen und Ohren kaum trauen. Sie lächelte verschwörerisch zu Bau-tschai: „Ihr wißt genau, wie man mit ihm reden muß, Herrin! Nur dieser eine Vortrag von euch, und er ist ein neuer Mann! Ich hoffe nur, er bleibt so strebsam. Das Examen steht kurz vor der Tür.“
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Sie hatten ein Patt erreicht, bis die Dame Wang und Bau-tschai hinzukamen. Nun konnte die Dame Wang die Wahrheit des Berichtes mit eigenen Augen bezeugen.
Bau-tschai nickte und lächelte: „Das liegt alles in der Hand des Schicksals. Sein Erfolg hängt nicht davon ab, wie früh oder spät er anfängt zu lernen. Ich hoffe nur, daß er von jetzt an erwachsener wird und seine alten Possen aufgibt.
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„Bau-yü!“, rief sie weinend, „hast du wieder den Verstand verloren?“
Erst schaute sie, ob sie mit Hsi-jën allein im Zimmer war, dann fügte sie mit einem Unterton hinzu: „Sicherlich gefällt mir dieser Gesinnungswandel. Doch eines bedrückt mich noch. Seine alte Schwäche für das schwache Geschlecht. Wir sollten ihn von Frauen isolieren.“ –
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Bau-yü wußte, daß er nach der Ankunft der Dame Wang nicht mehr entkommen konnte – und wechselte deswegen seine Strategie.
„Da habt ihr recht, Herrin“, sagte Hsi-jën. „So lange er unter dem Einfluß des Mönches stand, interessierte er sich wenig für die Mädchen um ihn herum. Doch jetzt hat er seinen Kurs wieder geändert, für müssen umso mehr auf die Wiederkehr seiner alten Allüren achten. Ich denke nicht, daß er uns gegenüber viel Interesse zeigen wird, Herrin. Da Dsï-djüan gegangen ist, bleiben nur noch vier weitere Mägde. Wu-örl ist sozusagen die Füchsin unter ihnen, doch ich habe gehört, daß ihre Mutter um die Erlaubnis gebeten hat, sie aus dem Dienst nehmen zu dürfen, daß sie verheiratet werden kann, deshalb wird sie in ein paar Tagen fort sein. Schë-yüä und Tjiu-wën haben Herrn Bau-yü nie besonders nahegestanden, doch wir sollten nicht vergessen, daß er mit ihnen als Kind noch herumgeschäkert hat. Dann bleibt noch Ying-örl. Er scheint sich gar nicht für sie zu interessieren, und sie ist ein sehr zuverlässiges Mädchen. Ich schlage vor, daß die täglichen Pflichten wie Tee zubereiten und Wasser bringen, Ying-örl übernehmen sollte, einige jüngere Mägde helfen ihr dann dabei. Was meint ihr, Herrin?“ –
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„Es gibt keinen Grund, daß gnädige Frau sich so aufregt, Mutter“, sagte er mit einem friedlichen Lächeln. „Du machst aus nichts immer so einen Akt. Ich dachte, der Mönch sei hier allein von Sinnen, da er darauf bestand, daß man ihm jeden Münze seiner zehntausend Tael zahlen sollte. Das machte mich sehr wütend, und ich wollte ihm den Jade nur zurückgeben, um ihm zu sagen, daß er nicht echt sei. Wenn ich ihn davon überzeugen kann, daß er für uns nicht von Wert ist, dann würde er sicher annehmen, was immer wir ihm anbieten.“ –
„Ich habe selbst lange darüber nachgedacht“, antwortete Bau-tschai, „dein Vorschlag erscheint mir sehr überlegt.“
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„Meine Güte! Ich dachte, du meinst es ernst!“, rief die Dame Wang. „Du hättest ruhig die Wahrheit sagen können! – Sieh nur, was du dadurch ausgelöst hast!“ –
So wurde von nun an Ying-örl eingesetzt. Bau-yü verließ sein Zimmer gar nicht mehr. Jeden Tag schickte er jemand anderen, um für ihn bei seiner Mutter die Aufwartung zu machen. Frau Wangs Begeisterung über diesen Wandel muß an dieser Stelle nicht näher beschrieben werden.
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„Was Bau-yü vorschlägt, klingt nach einer guten Idee“, sagte Bau-tschai. „Doch ich denke trotzdem, daß es zu riskant ist, sie ihm zurückgeben zu wollen. Wenn du mich fragst, ist dieser Mönch irgendwie merkwürdig. Er könnte genausogut etwas Schreckliches tun und die ganze Familie wieder ins Chaos stürzen. Wir können immer noch Schmuck verkaufen, um das Geld aufzutreiben.
Als der Dritte des Achten Mondmonats vorüber war, der Geburtstag der Herzoginmutter, verbeugte sich Bau-yü früh am Morgen vor ihrem Schrein und kehrte dann in seinen „geweihten Raum“ zurück. Nach dem Frühstück hatten sich Bau-tschai, Hsi-jën und einige der Mägde in den vorderen Raum ge­setzt, unterhielten sich mit den Damen Hsing und Wang, und er saß allein in seinem Zimmer, in tiefer Konzentration, als Ying-örl mit einem Tablett Obst eintrat.
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„Ja“, sagte Dame Wang, „das versuchen wir zuerst.“
„Ihre Herrin bat mich, Ihnen dies zu bringen“, sagte sie, „das war noch vom Opfer für die Herzoginmutter übrig.Bau-yü erhob sich, um sich zu be­dan­ken, und setzte sich dann wieder. „Stell’ es dort hin“, sagte er.
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Bau-yü kommentierte das nicht. Bau-tschai kam auf ihn zu und nahm ihm den Jade aus der Hand.
Als sie das Tablett auf die Seite gestellt hatte, sagte Ying-örl mit einem Un­terton zu ihm: „Ihre Herrin hat soeben sehr anerkennend von Ihnen ge­spro­chen.
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„Es gibt keinen Anlaß, daß du dich darum kümmerst“, sagte sie, „Gnädige Frau und ich werden ihm das Geld geben.“ –
Bau-yü lächelte. Ying-örl fuhr fort: „Sie sagte, da Sie nun sehr hart ar­bei­ten, würdet Sie mit Sicherheit das Examen bestehen, und dann, wenn Sie Pa­last-Magister und Beamter seien, seien die Hoffnungen Ihrer Eltern in Sie nicht umsonst gewesen.
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„Nun gut, ich werde ihm den Jade nicht geben“, sagte Bau-. „Doch ich muß ihn zumindest noch einmal sehen.“
Ying-örl erinnerte sich plötzlich daran, was Bau-yü einmal zu ihr ge­sagt hatte, – sie hatte an diesem Tag Troddeln für ihn geknüpft.
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Hsi-jën und die anderen wagten immer noch nicht, ihn loszulassen. Am Ende war es Bau-tschai, die anordnete, ihn frei zu lassen: „Er sollte besser gehen, wenn er möchte.
„Ich hoffe, ihr werdet bestehen!“, fuhr sie aufgeregt fort. Das wäre ein sol­cher Segen für unsere Herrin. Bedenken Sie, was Sie einst im Garten ge­sagt hatten, als Sie mich gebeten hatte, Pflaumenblüten-Troddeln zu knüpfen? Sie überlegten, in was für einen glücklichen Haushalt meine Herrin mich nach ihrer Hochzeit nehmen würde. Nun, trotz allem sind Sie der Glück­li­che!“
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Widerwillig gab Hsi-jën nach.
In dem, was Sie sagte, lag etwas Besonderes, und die Art, wie sie es sag­te, ließ in Bau-yü eine alte und allzu menschliche Gefühlswallung auf­kom­men. Doch die Nostalgie verging schnell. Er nahm sich schnell wieder zu­sammen und sagte mit einem höflichen Lächeln: „Nun, nach dir zu urteilen bin ich glücklich und auch deine Herrin. Doch wie fühlst du dich dabei?“
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„Ihr alle scheint dem Jade mehr Wert beizumessen als dem Besitzer!, sagte Bau-yü mit einem schiefen Lächeln. „Was wäre, wenn ich mit dem Mönch mitginge und euch mit dem Jade allein ließe? Dann würdet ihr reichlich blöde aussehen, nicht wahr?
Ying-örl errötete auf der Stelle und zwang sich zu einem Lächeln: „Wir sind nur Mägde. Glücklich sein oder nicht zählt für uns nicht.“
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Dies erweckte wieder Angst bei Hsi-jën, und sie hätte ihn wieder ergriffen, wäre sie nicht durch die Anwesenheit der Dame Wang und Bau-tschais gehemmt und von der Notwendigkeit überzeugt gewesen, den Anschein von Respekt gegenüber Bau-yü zu bewahren. Es war ohnehin zu spät, für einen Augenblick lösten sie den Griff, und Bau-yü war fort. Hsi-jën stellte sich selbst zufrieden, indem sie eine jüngere Magd mit Anweisungen für Bee-ming und Bau-yüs anderen Pagen zum inneren Tor schickte, um ein Auge auf ihn zu werfen, da er sich „sehr seltsam“ benehme. Die Magd befolgte ihre Anweisung sofort.
Bau-yü lächelte wieder: „Es ist eine Tatsache, daß du wahrscheinlich glück­licher als jeder von uns bist, obwohl du dein gesamtes Leben als Magd ver­bracht hast.
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Die Dame Wang und Bau-tschai gingen währenddessen in Bau-yüs Gemächer und setzten sich. Sie fragten Hsi-jën, was genau passiert sei und diese berichtete ausführlich, was Bau-yü alles gesagt hatte. Die Dame Wang und Bau-tschai waren beide sehr verstört und schickten einen weiteren Botschafter mit Anweisungen, daß die Diener Bau-yü gründlich bewachen und genau zuhören sollten, was der Mönch sagte. Einen Augenblick später kehrte eine jüngere Magd zurück und berichtete Dame Wang: „Der zweite Herr [Bau-yü] benimmt sich äußerst merkwürdig, Herrin. Die Pagen draußen sagen, daß, weil Sie ihm den Jade nicht gegeben haben, er sich nun selbst an seiner Stelle anbiete.“ –
Das klang für Ying-örl nach mehr als nur Unsinn. Sie fürchete, seine Krank­heit wieder aufbrechen zu lassen, und gab vor, dringend gehen zu müs­sen, doch bevor sie das tun konnte, lachte Bau-yü: „Dummes Mädchen! Laß mich dir etwas sagen!“
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„Ausgezeichnet!“, rief Dame Wang. „Und was hat der Mönch darauf gesagt?“ –
Wer wissen möchte, was es war, muß das nächste Kapitel lesen.
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„Er sagte, er wolle den Jade, nicht den Mann“, antwortete die Magd. „Nicht das Geld?“, fragte Bau-tschai.
119. Bau-yü besteht die Staatsprüfung auf Provinzebene und entsagt dann der Welt
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„Das hatten sie gar nicht erwähnt. Danach standen der Mönch und der zweite Herr [Bau-yü] sich unterhaltend da und lachten zusammen. Doch viel davon habe ich nicht mitbekommen.“
Das Haus der Familie Djia steht wieder in kaiserlicher Gunst und setzt den Ruhm seiner Ahnen fort.
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„Diese kleinen Dummköpfe!“, nörgelte die Dame Wang. „Wenn sie es schon nicht verstanden haben, könnten sie es wenigstens für uns wiederholen. Geh und sag’ ihnen, sie sollen herkommen!“
 
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Die Magd mußte sich einer Befragung der Dame Wang unterziehen. Dann erschien ein Page [Bee-ming], stand draußen im Flur, mischte sich ein und begrüßte sie durch das Fenster.
Wie wir im letzten Kapitel berichtet haben, war Ying-örl, verwirrt von Bau-yüs Worten, beinahe dabei zu gehen, als sie ihn wieder sprechen hörte: „Dummes Mädchen! Laß mich dir etwas sagen. Wenn deine Herrin glücklich ist, dann bist du es auch, weil du ihre Magd bist. Auf Hsi-jën kann man sich nicht verlassen. In Zukunft - merke dir meine Worte - mußt du dich um deine Herrin mit Sorge und Hingabe kümmern, und am Ende wirst du eine angemessene Belohnung für deine Dienstjahre erhalten.“
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„Natürlich“, so die Dame Wang, „wenn ihr die Bedeutung nicht von dem verstanden habt, was der zweite Herr [Bau-yü] und der Mönch sagten, sollte es doch wenigstens möglich sein, uns die Worte zu wiederholen.“
Bau-yüs Worte ergaben für Ying-örl keinen Sinn, auch wenn sie schein­bar sinnvoll begannen.
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„Alles, was wir gehört haben“, antwortete der Page [Bee-ming], „war etwas über einen großen einsamen Berg und ein grünen Bergesfuß. Und dann etwas über ein Land der Täuschungen und „sich auflösende weltliche Bänder“.
„Gut“, sagte sie, „dann gehe ich besser. Die Herrin wartet auf mich. Wenn Sie mehr Obst möchten, Herr Bau-yü, senden Sie nur eine der jüngeren Dienstmägde nach mir.“
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Für die Dame Wang ergab das genauso wenig Sinn wie für den Pagen. Doch Bau-tschai, die stumm vor sich hin starrte, konnte etwas damit anfangen.
Bau-yü nickte, und Ying-örl ging. Kurz darauf kehrten Bau-tschai und Hsi-jën aus den eigenen Räumen zurück.
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Sie wollten gerade jemanden schicken, der Bau-yü zurückholt, bis Bau-yü selbst breit lächelnd eintrat und verkündete: „Alles ist gut! Alles ist gut!“
Die Prüfung rückte näher. Die ganze Familie war voller Erwartung und hoffte, daß die beiden Jungen achtbare Aufsätze schreiben und der Familie Ehre machen würden. Alle außer Bau-tschai. Obwohl Bau-yü sich wirklich gut vorbereitet hatte, hatte sie gelegentlich auch eine seltsame Abge­stumpft­heit in seinem Verhalten bemerkt. Ihre erste Sorge war, daß die beiden Jun­gen, für die es beide eine Premiere war, im Gewühl von Menschen und Fahr­zeu­gen vor den Prüfungshallen verletzt würden oder einen Unfall hätten. Sie sorg­te sich besonders um Bau-, der das Anwesen seit seinem Zu­sam­men­tref­fen mit dem Mönch nicht mehr verlassen hatte. Seine Freude am Studium schien ihr das Ergebnis eines zu hastigen und insgesamt nicht überzeugenden Ge­sinnungswandels, und sie hatte eine Vorahnung, daß etwas Ungehöriges pas­sieren würde. An dem Tag vor dem großen Ereignis trug sie Hsi-jën und ei­nigen der jüngeren Dienerinnen auf, mit Su-yün und ihren Helfern zu gehen und sicherzustellen, daß beide Kandidaten gut vorbereitet waren. Sie selbst über­prüfte ihre Sachen, legte sie bereit und ging dann mit Li Wan hinüber in die Gemächer der Dame Wang, wo sie einige treue Gefolgsmänner der Fa­mi­lie auswählte, um sie am nächsten Tag zu begleiten, aus Angst, sie könnte in der Menge gestoßen oder gar niedergetrampelt werden.
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Bau-tschai starrte ihn kummervoll an, während die Dame Wang fragte: „Was gab es denn mit dem Mönch zu plaudern?“
Der große Tag brach letztendlich an, und Bau-yü und Djia Lan wechselten in elegante, aber schlichte Gewänder. Sie kamen frohen Mutes herüber, um sich von der Dame Wang zu verabschieden, die ihnen zum Abschied noch ein paar ratsame Worte mitgab: „Dies ist das erste Examen für euch beide und obwohl ihr jetzt schon große Jungen seid, ist es immer noch das erste Mal für euch, einen ganzen Tag von Zuhause fort zu sein. Ihr mögt in der Vergangenheit zwar fort gewesen sein, doch Ihr wart immer in Begleitung eurer Dienerinnen. Ihr habt niemals eine Nacht außer Haus auf diese Art verbracht. Heute, wenn ihr beide euch dem Examen unterzieht, werdet ihr euch sehr einsam fühlen, so ganz ohne Familie. Ihr müßt besonders vorsichtig sein. Beendet eure Aufsätze und kommt so früh wie möglich heraus und sucht einen der Familiendiener, dann kommt so schnell wie möglich nach Hause. Dann werden wir uns um euch keine Sorgen mehr machen.“
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„Es war kein Geplauder. Es war ein ernsthaftes Gespräch. Es hat sich herausgestellt, daß er mich kennt und daß er mich im Grunde genommen nur sehen wollte. Er wollte niemals Geld. Er hoffte nur auf eine freundliche Zuwendung, welche gutes Karma hervorruft. Sobald er sich verstanden gefühlt hatte, war er auch schon gegangen. Ganz einfach. Daher wirst du mir sicher zustimmen, daß alles gut ist!“
Während sie sprach, war die Dame Wang von dieser Angelegenheit sehr bewegt. Djia Lan gab alle passenden Antworten, doch Bau-yü blieb still, bis seine Mutter zu Ende gesprochen hatte. Dann begab er sich zu ihr, kniete vor ihren Füßen, mit Tränen auf den Wangen verbeugte er sich dreimal vor ihr und sagte: „Ich werde dich niemals für das entschädigen können, was du in meinem Leben für mich getan hast, Mutter. Doch wenn ich dies Eine erfolgreich meistere, wenn ich mein Bestes gebe und die Prüfung bestehe, dann kann ich dir vielleicht eine kleine Freude machen. Dann ist meine weltliche Pflicht erfüllt, und ich werde zumindest etwas von dem zurückgeben, was ich dir an Ärger verursacht habe.
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Die Dame Wang konnte das nicht glauben und fragte den Page [Bee-ming], die immer noch auf der anderen Seite des Fensters stand, ob sie Bau-yüs Geschichte bestätigen könne. Er eilte fort, um den Torwächter zu befragen und kehrte sofort zurück, um zu berichten: „Es ist wahr. Der Mönch ist wirklich fort. Als er ging, sagte er: „Die gnädigen Frauen braucht sich nicht zu sorgen. Das Geld wollte ich niemals.“ Er sagt, er wolle nur, daß zweite Herr Bau[-yü] ihn oft besucht. ‚Laß alles mit Karma angereichert werden! In allen Dingen liegt eine feste Bestimmung.‘ Das waren seine Abschiedsworte.“
Die Dame Wang war jetzt noch tiefer bewegt: „Es ist eine sehr feine Sache, die du da vorhast. Es ist eine Schande, daß deine Großmutter das nicht mehr erleben kann.
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„Also war er nur ein guter Mönch“, rief die Dame Wang, „hat ihn irgend jemand gefragt, wo er denn lebt?“
Während sie sprach, weinte sie und legte ihre Arme um ihn, um ihn an sich zu drücken. Bau-yü blieb auf dem Boden knieen und wollte sich nicht erheben.
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„Der Torwächter meint, der Mönch sagte, unser zweite Herr Bau[-yü] würde wissen, wo er ihn zu finden habe.
„Auch wenn Großmutter nicht hier ist“, sagte er, „bin ich sicher, sie weiß davon und ist glücklich. Es ist beinahe so, als sei sie wirklich da. Uns trennt nur etwas. Zusammen sind wir in einem Geist.
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Dame Wang wandte sich an Bau-yü: „Nun – und wo lebt er?“
Li Wan fürchtete, diese Szene könnte Bau-yü einen seiner Anfälle auslösen. Sie spürte etwas Unheilvolles. Sie fuhr eilig fort: „Mutter, heute sollten wir mit Freude erfüllt sein. Du darfst nicht so traurig sein. Denke daran, wie einfühlsam und pflichterfüllt Bau-yü zuletzt war! Alles, was er nun tun muß, ist mit Lan im Examen zu sitzen, seine Zettel vollzuschreiben und früh nach Hause zu kommen. Dann kann er einigen Schülern und uns Abschriften von dem zeigen, was er geschrieben hat, und wir warten einfach auf gute Neuigkeiten.“
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Bau-yü lächelte rätselhaft: „Seine Unterkunft ist weit weg und zugleich ganz in der Nähe. Es hängt alles davon ab, von wo aus man es betrachtet.“ –
Sie trug einer der Mägde auf, Bau-yü wieder auf die Beine zu helfen. Bau-yü drehte sich um und sagte: „Schwiegerschwester, mach’ dir keine Sorgen. Lan und ich werden sicher bestehen. Weiterhin hat Lan eine ausgezeichnete Zukunft vor sich, während du selbst eines Tages eine Dame hohen Ranges sein und nur noch edle Kleider tragen wirst.
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„Um Himmels willen!“, unterbrach Bau-tschai ihn ungeduldig, bevor er zu Ende gesprochen hatte. „Reiß dich zusammen und hör’ mit dem Unsinn auf! Du weißt, wie sehr der gnädige Herr und Frau dich lieben! Und der gnädige Herr hat dir gesagt, wie wichtig es im Leben sei, Erfolg zu haben!
Li Wan lächelte: „Wenn all dies wirklich wahr wird, wäre das zumindest ein Ausgleich.
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„Zählt das, worüber ich spreche, nicht als Erfolg?“, fragte Bau-yü auf heitere Art. „Kennst du nicht das Sprichwort: ‚Wenn ein Sohn ein Mönch wird, werden die Seelen von sieben Generationen in den Himmel aufsteigen‘? “
Sie hielt inne, da sie der Dame Wang keinen weiteren Kummer bereiten wollte. Bau-yü fühlte keine Hemmung dieser Art: „Wenn Lan sich gut schlägt und die Familientradition aufrecht erhält, kann mein älterer Bruder, sein Vater, es zwar nicht mehr bezeugen, doch sein größter Wunsch ist zumindest erfüllt.“
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Als sie dies hörte, war die Dame Wang  noch verzeifelter als vorher: „Unsere Familie ist ruiniert! Hsi-tschun spricht nur noch von ihrer Schwesternschaft, und jetzt fängt auch er noch damit an! Warum soll ich mein Leben dann noch unnötig verlängern?
Es wurde allmählich spät, und da Li Wan diese Runde nicht weiter in die Länge ziehen wollte, nickte sie nur kurz zum Abschluß. Bau-tschai war die Seltsamkeit dieser Reden nicht entgangen. Nicht nur Bau-yüs Bemerkungen an sich waren rätselhaft, auch jedes Wort der Dame Wang und Li Wan schien eine unheilvolle Bedeutung zu haben. Sie wagte nicht, ihre Vorahnungen offen zu formulieren, deshalb hielt Bau-tschai ihre Tränen zurück und blieb still. Bau-yü kam zu ihr und verbeugte sich tief. Es erschien ihnen allen als ein sehr exzentrisches Verhalten, und es konnte sich weder jemand vorstellen, was das zu bedeuten hatte, noch wagte jemand zu lachen. Das allgemeine Staunen wurde größer, als Bau-tschai in eine Flut von Tränen ausbrach und Bau-yü sich von ihr verabschiedete: „Kusinchen! Ich gehe jetzt. Bleib hier bei meiner Mutter und warte auf gute Neuigkeiten!
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Sie begann, hysterisch zu schluchzen. Bau-tschai versuchte sie zu trösten, doch Bau-yü lachte nur und sagte: „Das war ein Scherz! Es gibt doch keinen Grund, das ernst zu nehmen.“ Die Dame Wang trocknete ihre Tränen: „Wie kann man über so etwas nur scherzen?“
„Es ist Zeit für dich zu gehen“, antwortete Bau-tschai, „es gibt keinen Grund, wieder eine dieser langen Reden zu halten.“ –
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In diesem kritischen Augenblick kam eine Magd herein, um die Ankuft von dem zweiten Herrn anzukündigen: „Er sieht auch traurig aus, Herrin. Er möchte sich gerne mit gnädiger Frau unterhalten.“
„Du mußt mich nicht drängen zu gehen“, sagte Bau-yü, „ich weiß, daß es Zeit ist.“
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Das war ein weiterer Schock für die Dame Wang. „Frag’ ihn bitte, ob er herkommen kann. Die jüngere Schweigerin [Bau-tschai] ist seine Kusine, also muß er sich um ihre Anwesenheit nicht kümmern!“
Er blickte um sich und sah, daß Hsi-tschun und Dsï-djüan nicht da waren.
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Djia Liän kam ordnungsgemäß herein und begrüßte die Dame Wang. Bau-tschai grüßte Djia Liän auch, dann sagte er: „Ich habe eben einen Brief von meinem Vater erhalten“, sagte Djia Liän, „darin steht, er sei schwer krank geworden. Ich  muß schnell zu ihm gehen, bevor es zu spät ist!“ Tränen flossen ihm über die Wangen.  
„Sagt bitte Hsi-tschun und Dsï-djüan auf Wiedersehen von mir“, sagte er, „ich werde sie bestimmt wiedersehen.
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„Stand in dem Brief, was für eine Krankheit er hat?“, fragte die Dame Wang.
Alle wunderten sich sehr über das Gemisch von Sinn und Unsinn in Bau-yüs Worten. Sie glaubten, er sei im Moment verwirrt, zum Teil wegen der derzeitigen Situation, zum Teil auch wegen der Anweisungen der Dame Wang. Es erschien allen als die beste Lösung, daß er sich endlich auf den Weg machte.
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„Es begann als eine Grippe, die sich zu einer Lungenentzündung entwickelt hat, die sich nun in einem kritischen Stadium befindet. Ein spezieller Botschafter reiste Tag und Nacht, um die Neuigkeiten zu überbringen und sagte, daß wenn sich meine Abreise um einen Tag verzögere, es schon zu spät sein könnte. Ich muß schnellstmöglich aufbrechen. Ich fürchte, dass niemand hier sein wurde, um sich um alles zu kümmern. Ihr müßtet dann mit Tjiang-örl und Yün-örl zurechtkommen. So groß ihre Schwächen auch sein mögen, wenigstens sind sie Männer und können mit euch über alles reden, was draußen geschieht. In meinen Gemächern meiner Wenigkeit muß man sich nicht um viel kümmern. Tjiu-tung ist die ganze Zeit am Weinen und Klagen und sagt, daß sie gehen will, deshalb habe ich ihrer Familie gesagt, sie solle sie abholen. Das wird das Leben für Ping-örl immerhin erträglicher machen. Es ist niemand da, der sich um Tjiau-djiä kümmern kann, ich weiß, doch Ping-örl kommt gut mit ihr zurecht. Tjiau-djiä ist ein sehr einfühlsames Mädchen, doch hat sie einen noch härteren Charakter als ihre Mutter, deshalb hoffe ich, daß gnädige Frau sie weitgehend führen kann.“
„Sie warten draußen auf dich. Kein Geplauder mehr, sonst bist du zu spät.
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Während er sprach, erröteten seine Augen verräterisch, und er nahm ein seidenes Taschentuch aus seiner Betelnußtasche am Bauch und tupfte sie damit ab.
Bau-yü erhob seinen Kopf und lachte.
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„Wenn ihre eigene Großmutter unmittelbar in der Nähe ist, warum vertraust du sie dann mir an?“, fragte die Dame Wang.
„Ich gehe! Genug mit der Narretei! Es ist vorüber!“ –
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„Wenn gnädige Frau sich so eine Haltung angewöhnen, kann ich mich genau so gut totschlagen!“, sagte Djia Liän zur Dame Wang mit leiser Stimme. „Ich werde nichts mehr sagen, ich bitte dich nur, nett zu meiner Wenigkeit zu sein und zu tun, was du kannst.“
„Nun – dann gehen Sie!“, riefen alle nervös lachend. Nur die Dame Wang und Bau-tschai schluchzten unentwegt, als ob sie ihn niemals wiedersähen. Endlich ging Bau-yü durch die Tür und kicherte auf seinem Weg wie ein Schwachsinniger.
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Er kniete vor ihr.
„Das Register weltlichen Ruhmes betretend,
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„Steh sofort auf!“, rief die Dame Wang, ihre Augen waren naß vor Tränen. „Was ist das für eine Art, wie Tante und Neffe miteinander reden? Eines sollten wir noch besprechen. Das Kind hat nun sein Alter erreicht. Wenn deinem Vater irgend etwas Unerwartetes zugestoßen ist und du zurückgehalten wirst und wenn in dieser Zeit eine angemessene Familie ein Heiratsangebot macht, soll ich damit dann auf deine Rückkehr warten, oder soll ich deine Mutter während deiner Abwesenheit entscheiden lassen?“
Durchbricht er die erste Schranke seines weltlichen Käfigs.
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„Natürlich brauchst du nicht auf mich warten. Wenn die gnädigen Frauen hier sind, könnt ihr beide so entscheiden, wie ihr es für richtig haltet.“ –
Wir müssen nun Bau-yü und Djia Lan auf ihrem Weg zum Examen verlassen und zu Djia Huan zurückkehren. Die Aufregung über die Abreise der ‚Kandidaten‘ hatte in ihm ein noch ärgerlicheres Gefühl als zuvor hinterlassen, und mit ihrer Abwesenheit hatte er nun die Freiheit, seinen Plan auszuführen: „Rache an meiner eigenen Mutter! Jetzt ist niemand mehr im Haus und die Dame Hsing wird tun, was ich sage. Ich muß niemanden fürchten.“
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„Dann geh jetzt besser“, sagte Dame Wang. „Schreibe dem zweiten gnädigen Herrn [deinem Onkel Dschëng] eine Nachricht. Sag’ ihm, daß dein Vater in einem bedenklichen Gesundheitszustand ist und daß keine Männer im Haus sind. Bitte den zweiten gnädigen Herrn, die Beerdigungsriten für die alte Dame schnellstmöglich zu beenden und so zügig wie möglich nach Hause zu kommen.“
Mit entschlossenem Schritt eilte er zur Dame Hsing, um seinen Respekt zu erweisen, und unterhielt sich mit ihr in einem äußerst unterwürfigen Ton. Sie fühlte sich natürlich geschmeichelt und sagte zu ihm: „Jetzt sprichst du wie ein intelligentes Kind! Natürlich bin ich der Mensch, der die Entscheidung bei einer Gelegenheit wie der von Tchiau-djie zu treffen hat.
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„Nun gut, Tante.
 
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Als er gerade gehen wollte, kehrte er noch einmal um und sagte: „Es sollten genug Diener im Haus sein. Doch es ist niemand im Garten. Der Ort ist zu verlassen, besonders da Bau Yung mit ihrem gnädigen Herrn [den Dschëns] zurückgegangen ist und zweite Herr Hsüä [Kë] und Frau Hsüä in ihr altes Gelände in der Nähe des Gartens gezogen sind, um in ihren eigenen Gemächern zu wohnen. Alle Gebäude im Garten sind leer und vernachlässigt. Die Gnädige Frau sollte jemanden schicken, der sich diesen Ort näher anschaut. Das Kloster Gefangenes Grün ist ein Familienstift, und da Miau-yü verschwunden ist, muß etwas mit ihren Begleitern geschehen. Die Oberin glaubt nicht, sie könne selbst eine Entscheidung treffen und möchte, daß jemand aus der Familie das übernimmt.“  
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„Das wird warten müssen“, antwortete die Dame Wang. „Wenn unser eigener Haushalt schon in solchem Chaos ist, sind wir nicht in der Lage, zusätzliche Verpflichtungen zu übernehmen. Das darfst du auf keinen Fall gegenüber dem vierten Fräulein [Hsi-tschun] erwähnen. Das würde sie nur in ihrem Vorhaben bestärken. Meine Güte, wie weit ist es nur mit uns gekommen? Eine Nonne in der Familie wäre eine Katastrophe!“ –
[[Category:Hongloumeng]]
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„Das hätte meine Wenigkeit schon nicht selbst erwähnt“, sagte Djia Liän, „doch da die gnädige Frau es nun getan hat, sollte ich vielleicht meinen Rat anbieten. Das vierte Fräulein [Hsi-tschun] gehört trotz allem zum ostlichen [Ning-guo-] Anwesen der Familie. Von ihren Eltern lebt keiner mehr, ihr älterer Bruder wurde in die Verbannung geschickt, und sie und ihre Schwiegerschwester kommen schlecht miteinander aus. Meine Wenigkeit hat gehört, daß sie einige Male versucht hat, Selbstmord zu begehen. Wenn sie wirklich fest entschlossen ist, eine Nonne zu werden, und wir immer noch auf unserer Ablehnung beharren, wird sie sich wirklich das Leben nehmen. Und dann hätten wir sie ganz verloren!“
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Die Dame Wang nickte: „Diese Last ist zu schwer für mich! Das gehört wirklich nicht zu meiner Verantwortung. Ich muß es ihrer Schwiegerschwester überlassen, das zu entscheiden.“
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Djia Liän sagte noch etwas und brach dann auf. Er rief die Diener herbei und gab ihnen Anweisungen. Dann schrieb er einen Brief [an Djia Dschëng] und packte seine Sachen. Ping-örl bat ihn, gut auf sich acht zu geben, während Tjiau-djiä sehr traurig über die Abreise ihres Vaters war. Djia Liän formulierte seinen Wunsch, sie solle sich um [Onkel] Wang Jën kümmern, doch das wollte sie nicht. Und wie sie erfuhr, daß [Djia] Yün und [Djia] Tjiang außerhalb verpflichtet waren, war sie sehr widerspenstig und sagte nichts mehr. Sie verabschiedete sich von ihrem Vater und beschloß, zu Hause ein ruhiges Leben mit Ping-örl zu verbringen.
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Fëng-örl und Hsiau-hung waren seit Hsi-fëngs Tod völlig von der Rolle, in einem Moment wollten sie gehen, im anderen gaben sie vor, krank zu sein. Ping-örl hatte ein Mädchen aus einem anderen Zweig ihrer Familie hergebeten, um bei ihnen zu bleiben, zum Teil, um Tjiau-djiä Gesellschaft zu leisten, zum Teil, um sie zu erziehen, doch die einzigen Namen, die ihr einfielen, waren Hsi-luan und Si-djie-örl, die Liebste der Herzoginmutter, und von den beiden hatte Si-djie-örl kürzlich geheiratet, während Hsi-luan verlobt und kurz davor war, das Haus zu verlassen.
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Djia Yün und Djia Tjiang begleiteten Djia Liän hinaus und kamen dann wieder herein, um den Damen Hsing und Wang zu berichten. Die zwei Männer erfüllten ihre nächtlichen Pflichten im äußeren Studierzimmer, und während des Tages vergnügten sie sich mit den Dienern, veranstalteten Feste und luden verschiedene Freunde ein, die sich als Gastgeber stets abwechselten. Es gab sogar ernsthaftes Glücksspiel. Die Damen hatten davon natürlich keine Ahnung.
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Eines Tages kamen der ältere Onkel Hsing [Dë-tchüän] und Wang Jën vorbei. Wie sie erfuhren, daß Djia Yün und Djia Tjiang nun hier [im Jung-guo-Anwesen], und wie sie mitbekamen, wie sie ihre Zeit genossen, begannen sie regelmäßig, ‚nach dem Rechten zu sehen‘ und richteten ein regelmäßiges Trinken und Spielen im äußeren Studierzimmer ein. Alle derzeitigen Diener hatten entweder Djia Dschëng oder Djia Liän begleitet und die übrigen männlichen Diener waren Söhne und Neffen von Verwalter Lai und Lin, die nun dem leichten Leben zugeneigt waren, welches ihre Eltern ihnen zufällig vermacht hatten; sie interessierten sich recht wenig für die Grundsätze, wie ein Haushalt vernünftig geführt werden sollte. Da ihre Eltern fort waren, glichen sie jungen Hengsten, die man auf der Weide losgelassen hat. Und durch die zwei jüngeren Herren, die sie weiter anspornten, kannten ihre Vergnügen keine Grenzen.
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Unter dieser Herrschaft hätte das Familienmotto einfach lauten können: ‚Erlaubt ist, was gefällt.‘
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Djia Tjiang hatte überlegt, Bau-yü einzuladen, doch Djia Yün verwarf die Idee schnell: „Der zweite Herr Bau ist ein absoluter Spaßverderber. Der würde nur Ärger machen. Vor ein oder zwei Jahren hatte ich die perfekte Hochzeit für ihn vorbereitet. Der Vater des Mädchens war ein Steuereintreiber aus einer der Provinzen, die Familie besaß mehrere Pfandhäuser, und das Mädchen selbst war einfach zuckersüß. Ich habe viele Strapazen auf mich genommen und ihm einen langen Brief geschrieben, doch die Mühe hätte ich mir sparen können. Er ist der reinste Spielverderber.“
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Yün blickte um sich, um sicher zu gehen, daß niemand zuhörte und fuhr fort:
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„In Wirklichkeit hatte er schon seine neue Frau im Auge! Und dann war da noch Fräulein Lin [Dai-yü], davon mußt du gehört haben. Sie starb an gebrochenen Herzen, das ist allgemein bekannt. Und es war alles seine Schuld. Doch das ist eine andere Geschichte. Jedem gebührt sein eigenes Schicksal in der Liebe, nehme ich an. Alles dasselbe, ich sehe nicht ein, warum er böse auf mich sein und mir alles vermasseln sollte. Vielleicht glaubte er, ich würde in Schulden geraten oder so.“
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Djia Tjiang nickte und gab die Idee auf, Bau-yü einzuladen. Was keiner von ihnen wußte, war, daß Bau-yü seit seinem Treffen mit dem Mönch völlig von seinen weltlichen Fesseln gelöst war. Während der Anwesenheit der Dame Wang benahm er sich so normal wie möglich, doch seine Beziehungen zu Bau-tschai und Hsi-jën waren um einiges kälter geworden. Die Mägde hatten von diesem Wandel nichts bemerkt und behandelten ihn wie vorher, wobei sie allerdings von Bau-yüs Seite ignoriert wurden. Er schien praktische Haushaltsangelegenheiten völlig vergessen zu haben. Und was seine Studien betrifft, wann immer die Dame Wang und Bau-tschai sich danach erkundigten, heuchelte er Strebsamkeit, doch in Wirklichkeit konnte er nur an den Mönch und seine rätselhafte Reise in das Feenreich denken. Jeder um ihn schien so unerträglich banal, und er begann, sich in seiner familiären Umgebung immer weniger wohl zu fühlen. Wenn er von Verpflichtungen befreit war, war es Hsi-tschun, die er als Begleitung aussuchte. Die beiden entdeckten immer mehr Gemeinsamkeiten, und ihre belebten Unterhaltungen festigten seinen Entschluß. Für Djia Huan und Djia Lan hatte er nur noch wenig Zeit.
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Djia Huan begann nun, da sein Vater von Zuhause fort und [seine Mutter], Frau Dschau, tot war, und seit die Dame Wang ihm nur noch wenig Aufmerksamkeit entgegenbrachte, sich zu Djia Tjiang und seinen Kumpanen hingezogen zu fühlen. Tsai-yün, die stets versuchte, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, empfing nichts als Beschimpfungen für ihre Mühen. Yü-tschuan-örl bemerkte selbst, daß Bau-yü noch gestörter als zuvor war und fragte ihre Mutter, ob sie aus dem Dienst genommen werden könnte. Derzeit gelang es Bau-yü und Djia Huan auf ihre Weise, die Leute um sich herum abzuschrecken. Djia Lan saß im Gegensatz dazu fleißig studierend an der Seite seiner Mutter. Und wenn er einen Aufsatz beendet hatte, ging er damit zur Familienschule, um Kommentare des Lehrers zu erhalten. Zur Zeit war der Lehrer lange Zeit bettlägerig gewesen, und Djia Lan mußte ständig alleine arbeiten. [Seine Mutter] Li Wan mochte es immer friedlich und ruhig und, außer die Dame Wang und Bau-tschai zu treffen, tat sie weiter nicht viel, als zu Hause zu sitzen und Djia Lan bei seiner Arbeit zuzusehen. So ging das Leben im Jung-guo-Anwesen weiter, jeder ging seinen eigenen Geschäft nach, was Djia Huan, Djia Tjiang und der Gesellschaft die Freiheit ließ, ungestört fortzufahren. Bald hatten sie alles Familieneigentum heimlich verpfändet oder verkauft, um ihre unehrenhaften Geschäfte zu bezahlen. Djia Huan war am schlimmsten. Seine Hurerei und sein Spiel kannten keine Grenzen.
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Eines Tages wollten Hsing [Dë-tchüän] und Wang Jën, die bereits heiter trinkend im Studierzimmer waren Unterhaltung. Sie waren ganz berauscht und verlangten nach ein paar Singmädchen, die sie mit einigen Liedern unterhalten und ihnen beim Zechen Gesellschaft leisten sollten.
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„Das wird doch die reinste Orgie!“, protestierte Djia Tjiang scherzhaft. „Ich schlage vor, wir veranstalten ein Trinkspiel, um etwas in Stimmung zu kommen.“
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Jeder hielt das für eine gute Idee. „Reich’ den Becher auf das Wort ‚Mond‘ weiter,“ schlug Djia Tjiang vor. „Ich nenne einen Vers und zähle, und wer das Wort ‚Mond‘ bekommt, muß trinken und zwei Verse nennen – einen Einleitungs- und einen Endvers – meinen Anweisungen folgend. Die Strafe sind drei große Becher.“
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Jeder stimmte seinen Regeln zu. Zuerst trank Djia Tjiang einen Becher zum Auftakt und zitierte dann Li Bos Vers: „Die Pfauenbecher fliegen, der betrunkene Mond...“ Der ‚Mond‘ fiel auf Djia Huan.
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„Für den Einleitungsvers gib einen Vers mit ‚Cassia‘ “, sagte Djia Tjiang.
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Djia Huan zitierte einen Vers des Tang-Dichters Wang Djiän: „Kalter Tau benäßt still die Cassia-Blumen...“ –
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„Und Duft für den Endvers“, folgerte Djia Tjiang.
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Djia Huan war mit dem Vers eines weiteren Tang-Dichters an der Reihe, Sung Dschï-wën: „Hinter den Wolken weht ein himmlischer Duft...“.
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„Langweilig! Langweilig!“ beschwerte sich der ältere Onkel Hsing [Dë-tchüän]. „Hör’ auf rumzupoetisieren, Huan, alter Junge! Was weißt du schon von Poesie! Das macht überhaupt keinen Spaß. Es reicht, du machst mich krank! Wir machen Schluß und spielen lieber Fingerraten. Der Verlierer trinkt und singt ein Lied, eine doppelte Strafe. Wer nicht singen kann, muß statt dessen einen Witz erzählen. Doch es sollte besser ein lustiger sein.“
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Alle stimmten dem neuen Vorschlag zu, und es gab einen großen Lärm, als sie begannen, die Finger auszuwürfeln. Wang Jën war der erste Verlierer. Er trank und sang ein Lied.
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„Bravo!“, riefen sie und machten weiter. Als nächstes verlor eines der Mädchen. Sie sang ein Lied mit dem Namen „Lilien-Fräulein-Zauberhaft“. Dann war Hsing [Dë-tchüän] an der Reihe. Jeder wollte, daß er ein Lied sang, doch er beharrte darauf, er sei taubstumm. „Dann erzähl’ uns einen Witz!“ –
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„Wenn keiner lacht,“ warnte ihn Djia Tjiang, „mußt du auch Strafe zahlen.“
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Der ältere Onkel Hsing senkte den Becher und erzählte seine Geschichte: „Meine Damen und Herren: Es war einmal in einem bestimmten Dorf, da waren zwei Tempel, – ein Großer, dem Großen Gott des Nordens gewidmet und daneben ein Kleinerer, dem Dorfgott gewidmet. Der Große Gott lud den Dorfgott immer zum Plaudern ein. Eines Tages wurde ihm etwas aus seinem Tempel gestohlen, und er bat den Dorfgott, der Sache auf den Grund zu gehen. ‚Doch es gibt in dieser Gegend keine Diebe‘, protestierte der Dorfgott. ‚Es muß die Nachlässigkeit einer deiner Torwächter sein. Jemand muß sich hineingeschlichen und die Dinge gestohlen haben.‘ – ‚Unsinn!‘ antwortete der Große Gott. ‚Du hast zur Zeit Schulden. Wenn es einen Dieb gibt, trägst du die Verantwortung. Was soll denn das auch? Du solltest den Dieb besser suchen, als die Torwächter der Nachlässigkeit zu beschuldigen!‘ – ‚Was ich mit nachlässig meinte‘, verdrehte der Dorfgott, ‚ist, daß dein Tempel schlecht plaziert ist, die Drachenlinien müssen sich irren.‘ – ‚Ich wußte nicht, daß du über Fëngshuee Bescheid weißt‘, kommentierte der Große Gott ungläubig. ‚Erlaube mir, selbst nachzusehen‘, bot der Dorfgott an, ‚und wir werden sehen, was ich sehe.‘ Er ging um den Tempel, untersuchte jede Nische und jedes Versteck und nach einer Weile berichtete er: ‚Mein Herr, hinter deinem Thron ist eine doppelblättrige, rote Tür. Eine unsichere Konstruktion. Ich persönlich habe hinter meinem Thron eine stabile Steinmauer, deshalb wird mir nichts gestohlen. Du kannst dir in der jetztigen Situation einfach damit behelfen, an Stelle des Thrones eine Mauer zu bauen.‘ Dies erschien dem Großen Gott einleuchtend, und er wies die Torwächter an, Arbeiter zu rufen, die eine solche Mauer errichten sollten. ‚Doch wir können uns nicht einmal eine Kerze oder ein Weihrauchstäbchen für diesen Tempel leisten!‘, klagten die Torwächter. ‚Wie können wir uns dann Steine und Mörtel leisten und die Arbeiter bezahlen?‘ Dem Großen Gott fiel keine Lösung ein. Er trug ihnen auf, eine zu finden, doch sie waren zu ratlos dazu. Doch der Schildkrötengeneral, dessen ruhende Steinform zu Füßen des Großen Gottes lag, stand auf und sagte: ‚Ihr seid eine nutzlose Bande! Ich habe eine Idee: reißt die rote Tür nieder und benutzt meinen Bauch, um die Öffnung zu blockieren. Ich bin sicher, das wird seinen Zweck erfüllen.‘ – ‚Ein ausgezeichneter Plan!‘, riefen die Torwächter im Chor, ‚einfach, zuverlässig und umsonst!‘ So wurde der Schildkrötengeneral zur Rückwand, und es herrschte Frieden – eine Weile. Dann begannen wieder, Dinge aus dem Tempel zu verschwinden. Die Torwächter riefen den Dorfgott herbei und klagten: ‚Ihr habt uns Sicherheit garantiert, wenn wir eine Mauer errichten, doch nun seht, was geschehen ist! Wir haben eine Mauer und verlieren immer noch Dinge!‘ – ‚Die Mauer kann nicht stabil genug sein.‘ – ‚Schaut selbst nach,‘ forderten sie. Dies tat der Dorfgott. Die Mauer schien durchaus stabil. Das war seltsam. Dann fühlte er mit seiner Hand. ‚Aaah!‘, rief er, ‚kein Wunder! Ich meinte eine vernünftig gebaute Mauer. Ein alter Dieb könnte diese Mauer herunterdrücken (Djia Tjiang).‘ “
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Alle lachten, sogar Djia Tjiang, dessen Name als Grundlage für diesen Witz diente. „Komm schon, Onkel Hsing!“, protestierte er. „Sei fair! Ich habe niemals etwas von Witzen auf Kosten von Namen gesagt! Dafür mußt du einen trinken!“
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Der ältere Onkel Hsing, der bereits ein Blatt im Wind war, gab willig nach. Sie tranken alle noch ein paar Becher und im allgemeinen Rausch ließ der dumme Onkel einige boshafte Bemerkungen über seine Schwester [die Dame Hsing] los, während Wang Jën eine entwürdigende Erinnerung an seine Schwester [Hsi-fëng] beisteuerte, – beide waren voller Bitterkeit. Ihr Beispiel und der Wein verliehen Djia Huan mehr Mut, und auch er lieferte einen Beitrag, bemängelte, wie herzlos Hsi-fëng gewesen sei und wie sie versucht habe, so viele ihrer Leben zu ruinieren. „Ja, die Leute sollten allgemein mehr Anstand zeigen“, stimmten alle ein. „Wie sie den Einfluß der alten Dame genutzt hat, jeden zu schikanieren, war furchtbar. Sie war starr, ohne einen Erben zu gebähren. Sie hatte nur eine Tochter. Vergeltung noch zu Lebzeiten!“
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Djia Yün, der sich nur zu gut daran erinnern konnte, wie grob Hsi-fëng einst zu ihm war und wie Tjiau-djiä-örl immer anfing zu brüllen, wenn sie ihn erblickte, verfiel dem herrschenden Ton und gab auch seine Schmähungen zum Besten. Djia Tjiang wollte die rachsüchtige Gesellschaft wieder etwas aufheitern: „Laßt uns lieber noch einen Becher trinken! Das Gerede führt doch zu nichts!“ –
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„Wie alt ist denn das Mädchen, das du erwähnt hast?“, erkundigten sich die beiden Gesangsmädchen. „Ist sie hübsch?“ –
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„Oh ja“, antwortete Djia Tjiang, „sehr sogar. Sie ist etwa dreizehn.“ –
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„In diesem Fall ist es eine Schande, daß sie in eine Familie wie eure hineingeboren wurde,“ bemerkten die Mädchen, „wenn sie nur aus einem ehrbaren Haus wäre, könnte sie eine Stellung erreichen, wodurch sie für ihre Familie gute Arbeit finden und haufenweise Geld bringen würde.“ –
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„Was meinst du?“ –
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„Wir kennen einen bestimmten mongolischen Prinzen“, antworteten die Mädchen, „er ist wirklich ein Mann der Damen. Er sucht nach einer Konkubine, und die Dame, die seinen Vorstellungen entspricht, könnte mit ihrer ganzen Familie im Palast leben. Was für ein unsagbares Glück das für jemanden wäre!“
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Keiner von ihnen schien wirklich zuzuhören, mit Ausnahme von Wang Jën, der sehr nachdenklich aussah. Zunächst sagte er nichts und trank weiter.
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Ein wenig später kamen zwei junge Männer herein, jüngere Söhne der Verwalter Lai und Lin.
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„Ihr scheint euch die Zeit gut zu vertreiben, ihr Herren, in Anbetracht der Umstände“, riefen sie.
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Jeder erhob sich, um sie zu grüßen.
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„Wo wart ihr zwei denn so lange? Wir haben so lange auf euch gewartet.“
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Sie erklärten: „Am frühen Morgen hörten wir das üble Gerücht, unsere Familie sei wieder in ernsthaften Schwierigkeiten; also eilten wir hin, um zu sehen, welche Neuigkeiten im Palast herauszufinden seien. Es stellte sich heraus, daß es gar nichts mit unserer Familie zu tun hatte.“
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Alle fragten: „Wenn dem so ist, warum seid ihr dann nicht direkt hergekommen?“
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Die beiden erklärten: „Es betraf nicht genau unsere Familie, doch es hat etwas mit uns zu tun. Es war dieser Herr Djia Yü-tsun. Als wir am Palast waren, sahen wir ihn in Ketten gelegt. Man sagte uns, er würde zum Hohen Gericht zu einem Verhör gebracht. Wir wußten, daß er hier regelmäßig zu Besuch war und fürchteten, daß uns dieser Fall doch beträfe, deshalb folgten wir ihm, um zu sehen, was dabei heraus käme.“
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„Gut bedacht, Männer!“, rief Djia Yün. „Wir sind euch zu Dank verpflichtet. Setzt euch, trinkt etwas und erzählt uns davon.“
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Die zwei setzten sich nach höflicher Zurückhaltung und fuhren trinkend fort: „Dieser Herr Yü-tsun ist bestimmt ein fachverständiger Mann und weiß, wie man die Fäden zu ziehen hat. Bis jetzt hatte er das immer gut getan. Doch er hat einiges Schmiergeld genommen und wurde verraten. Wie wir alle wissen, ist unser derzeitiger erhabener Herrscher überaus weise, mitleidig und wohltätig. Es gibt nur eine Sache, die ihn wirklich erzürnt, und das ist Korruption, jede Form tyrannischen oder schikanierenden Benehmens. Daher beschloß seine Majestät, daß der Beschuldigte in diesem Fall festgenommen und vor Gericht gebracht werden solle. Wenn er für schuldig befunden wird, sieht es sehr schlecht für ihn aus. Wird er frei gesprochen, dann geraten die Männer, die ihn angeklagt haben, in Schwierigkeiten. Es ist überaus beruhigend zu sehen, in welch gerechten Zeiten wir leben! Glückliche Zeiten auf jeden Fall für Beamte.“ –
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„Wie dein älterer Bruder“, sagten die Männer und bezogen sich dabei auf den ältesten Sohn des Verwalters Lai Da, Lai Shang-jung. „Er ist Bezirksmagistrat. Er hat wohl für sich ausgesorgt.“
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„Wohl wahr“, antwortete der junge Lai, „doch sein Verhalten läßt durchaus zu wünschen übrig, fürchte ich. Seine Stellung wird er nicht so lange behalten.“ –
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„Hat er sich selbst in einen Engpaß getrieben?“
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Lai nickte und senkte sein Glas.
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„Was für andere Neuigkeiten habt ihr aus dem Palast mitgebracht?“, fragten sie die beiden.
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„Ach, nicht viel. Eine Zahl Verbrecher an der Küste wurde festgenommen und zum Hohen Gericht geschickt. Während ihrer Verhandlung haben sie wohl sämtliche Mitwirkenden bekannt gegeben, die hier in der Stadt ansässig sind, die alles beobachten und auf eine gute Gelegenheiten für weitere Verbrechen warten. Glücklicherweise haben die zivilen und militärischen Autoritäten hier soweit alles im Griff und sind ihrem Dienst für den Thron so ergeben, daß alle kriminellen Elemente sicher kontrolliert werden.“ –
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„Wenn ihr von solchen Fällen gehört habt, vielleicht gibt es etwas Neues von unserem Diebstahl?“, fragten die Männer.
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„Ich fürchte nicht,“ war die Antwort, „ich hörte nur etwas von einem Mann aus den inneren Provinzen, der sich hier in der Stadt dafür Ärger einhandelte, daß er eine Frau entführte und mit ihr an die Küste verschwand. Sie setzte sich zur Wehr und das endete mit ihrem Tod. Sie nahmen ihn an der Grenze fest und richteten ihn auf der Stelle hin.“ –
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„War jene Miau-yü sowieso aus dem Kloster Gefangenes Grün nicht unter ähnlichen Umständen entführt worden?“ warf einer der anderen ein. „Könnte sie es nicht gewesen sein?“ –
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„Sie war es“, murrte Djia Huan.
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„Woher weißt du das?“, fragten sie ihn.
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„Sie war eine äußerst unsympathische Person“, sagte Djia Huan. „Sie hielt sich selbst immer für etwas Besseres. Sie mußte nur Bau-yü anschauen, da lächelte sie schon über das ganze Gesicht. Doch meine Existenz hat sie nie zur Kenntnis genommen. Ich hoffe, sie war es!“
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„Es werden ständig Leute entführt“, kommentierte jemand. „Es könnte genau so gut jemand anderes gewesen sein.“
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„Ich kann mir gut vorstellen, daß sie es war“, sagte Djia Yün. „Vorgestern habe ich gehört, daß eine der Nonnen in der Herberge einen Traum hatte, in welchem Miau-yü ermordet wurde.“
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Das wurde mit Spott aufgenommen: „Träume kann man doch nicht ernst nehmen.“
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„Traum oder nicht Traum, das ist mir alles gleich“, protestierte der ältere Onkel Hsing. „Laßt uns lieber erst zu Abend essen und dann eine ordentliche Partie spielen.“
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Das wurde allgemein begrüßt und, sobald sie ihr Essen beendet hatten, spielten sie intensiv. Bis nach Mitternacht waren sie damit beschäftigt, als sie in den inneren Gemächern einen plötzlichen Aufruhr hörten. Sie wurden schließlich informiert, daß das vierte Fräulein [Hsi-tschun] mit der ersten gnädige Frau Dschën gestritten hatte und das Ergebnis war, daß sie ihr ganzes Haar abgeschnitten hatte und zu den Damen Hsing und Wang gerannt war. Dort verbeugte sie sich und flehte sie an, ihrem Wunsch nachzugeben. Wenn nicht, so drohte sie, sich sofort das Leben zu nehmen. Die beiden Damen Hsing und Wang waren mit ihren Nerven am Ende und schickten nach Djia Tjiang und Djia Yün, um einzugreifen. Djia Yün wußte aber, daß dies etwas war, das sie [Hsi-tschun] schon längst hätte tun sollen, spätestens seit der fatalen Nacht der Plünderung, als ihr allein die Verantwortung des Hauses übertragen worden war, und ihm schien es, daß es kaum noch Hoffnung gab, sie davon abbringen zu können. Er besprach es mit Djia Tjiang: „Die gnädige Frau [Wang] sagt, wir sollen eingreifen, doch ich wüßte nicht, wie wir etwas erreichen könnten. Das ist eine schwere Verantwortung, und sie wollen sie auf uns abwälzen. Wir müssen uns einiges einfallen lassen, um sie [Hsi-tschun] von ihrem Plan abzubringen, und dann, wenn sie nicht zuhören will, müssen wir sie den Damen wieder übergeben. Währenddessen schreibe ich dem zweiten Onkel Liän einen Brief, der uns von aller Schuld befreit.“
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Sie stimmten beide seinem Plan zu, riefen die Damen Hsing und Wang und versuchten nun, Hsi-tschun zu überzeugen. Wie vorhergesagt, blieb Hsi-tschun hartnäckig. Wenn sie in keinen Konvent außerhalb des Familiengrundstücks flüchten könne, würde sie sich, wie sie sagte, einige stille Zimmer einrichten, worin sie ihre Sutras rezitieren und ihre Gebete aufsagen konnte. So konnte Frau You sehen, daß die Tanten nicht in der Lage waren, diese Verantwortung zu übernehmen. Ihre eigene Angst, daß Hsi-tschun Selbstmord begehen könnte, war sie los, und sie zwang sich selbst zu einem Kompromiß.
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„Ich werde sehen, daß ich die Schuld auf mich nehme. Nun gut. Laß sie sagen, daß ich es war, der ich die Schwester meines eigenen Mannes nicht geduldet habe und sie in die Schwesternschaft getrieben habe. Was kümmert es mich? Doch ich kann ihr nicht gestatten, das Haus zu verlassen. Das steht außer Frage. Sie wird hier bleiben müssen. Die gnädige Frauen [Hsing und Wang],, ich bitte Sie, meine Entscheidung zu bezeugen. Älterer Bruder [Djia] Tjiang, schreibe bitte einen Brief, worin du deinem ersten gnädigen Herrn Dschën und dem zweiten Onkel [Liän] mitteiltest, was vorgefallen ist.“
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Djia Tjiang und Djia Yün stimmten Frau Yous Entscheidung zu.
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Doch um zu erfahren, ob die Damen Hsing und Frau Wang dies auch taten, muß man das nächste Kapitel lesen.

Revision as of 13:46, 12 April 2026

Kapitel: 1 · 11 · 21 · 31 · 41 · 51 · 61 · 71 · 81 · 91 · 101 · 111 · 112 · 113 · 114 · 115 · 116 · 117 · 118 · 119 · 120 · ← Inhalt

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Kapitel 117

阻超凡佳人双护玉 / 欣聚党恶子独承家

Zwei wunderschöne Jungfrauen halten den Jade fest und verhindern eine Flucht aus weltlicher BindungNichtsnutze nehmen das Anwesen ein und versammeln eine Menge an Kumpanen.

Die Dame Wang schickte nach Bau-tschai, um sich mit ihr zu beraten, während Bau-yü, wie er hörte, daß der Mönch draußen war, zuerst auf den Hof eilte. „Wo ist mein Meister?“, rief er. Als es letztlich kein Lebenszeichen von dem Mönch gab, ging er hinaus, wo er sah, daß sein Knecht Li Guee dem Mönch den Weg versperrte. „Die gnädige Frau [Meine Mutter] bittet mich, den Meister hereinzuführen“, sagte Bau-yü. Li Guee lockerte seinen Griff und der Mönch stolzierte herein. Bau-yü bemerkte sofort die Ähnlichkeit zwischen diesem Mönch und dem Führer in seinem Traum und die Wahrheit schien ihm immer deutlicher. Er verbeugte sich: „Meister, bitte vergeben Sie Ihrem Schüler, Sie so verzögert empfangen zu haben.“ – „Ich habe nicht das Verlangen danach, unterhalten zu werden“, sagte der Mönch. „Ich will nur mein Geld, und dann bin ich weg.“ ‚Dies ist kaum die Art, die man von einem Mann mit solch geistigem Niveau erwartet!‘, dachte Bau-yü. Doch dann sah er sich den Kopf des Mönches an, der voller Schorf war, dazu trug er eine schmutzige, verschlissene Robe, und er dachte bei sich: ‚Es gibt ein altes Sprichwort: „Der wahre Weise offenbart sich nicht selbst und wer sich selbst offenbart, ist kein wahrer Weiser.“ Ich muß vorsichtig sein und mir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Ich sollte ihn besser wegen des Geldes versichern und ihn etwas beruhigen.‘ „Meister“, sagte er, „bitte seid geduldig. Meine Mutter bereitet gerade eben das Geld vor. Bitte setzt euch und wartet einen Moment. Darf ich euch fragen, Meister, ob ihr eben aus dem Land der Täuschungen zurückgekehrt seid?“ „Welche Täuschungen?“, rief der Mönch. „Ich komme, woher ich komme und gehe, wohin ich gehe. Ich kam her, um den Jade zurückzugeben. Doch laß mich dir eine Frage stellen: Woher hast du deine Jade?“ Eine Weile lang fiel Bau-yü keine Antwort ein. Der Mönch lachte. „Wenn du nichts von deiner Herkunft weiß, wozu sich dann in meine vertiefen?“ Bau-yü war immer ein empfindsames und intelligentes Kind gewesen, und seine jetztige Erleuchtung hatte ihn unfähig gemacht, den Schleier weltlicher Einbildung und Illusion zu durchdringen. Doch er wußte immer noch nichts von seiner eigenen ‚Geschichte‘, und die Frage des Mönches hatte ihn wie ein Schlag getroffen. „Ich weiß!“, rief er, „Sie wollen gar nicht mein Geld. Sie wollen, daß ich Ihnen meinen Jade zurückgebe.“ – „Und das solltest du tun.“ kicherte der Mönch. Ohne ein Wort rannte Bau-yü ins Haus. Er erreichte seine Gemächer und wie er dort sah, daß Bau-tschai, Hsi-jën und die anderen hinausgegangen waren, um auf Dame Wang zu warten, nahm er schnell seinen Jade von der Stelle am Bett, wo er lag und rannte damit zurück. Als er den Raum verließ, stieß er mit Hsi-jën zusammen, was sie zu Tode erschreckte. „Die gnädige Frau hat gerade eben gesagt, was für eine gute Idee es sei“, protestierte sie, „daß du dem Mönch Gesellschaft leistest, während sie versucht, das Geld aufzutreiben. Was machst du denn auf einmal wieder hier drin?“ – „Ich möchte, daß du sofort zurückgehst,“ befahl Bau-yü, „und sag’ der gnädigen Frau, sie muß sich nicht mehr um das Geld kümmern. Ich werde ihm den Jade zurückgeben. Damit ist die Rechnung beglichen.“ Hsi-jën hielt Bau-yü auf der Stelle fest: „Das ist völlig verrückt! Der Jade ist dein ganzes Leben! Wenn er ihn fortnimmt, wirst du bestimmt wieder krank.“ – „Nicht jetzt“, antwortete Bau-yü, „ich werde nicht wieder krank. Da ich nun um meine wahre Bestimmung weiß, wofür brauche ich dann noch den Jade?“ Er schüttelte Hsi-jën ab und ging. Sie eilte ihm nach und rief: „Komm zurück! Es gibt noch etwas, das ich dir sagen muß!“ Bau-yü blickte zurück zu ihr: „Es muß nichts mehr gesagt werden.“ Sie rannte hinterher, warf all ihre Hemmungen ab und weinte beim Rennen: „Erinnerst du dich nicht an das letzte Mal, als du sie verloren hast, wie es beinahe mein Ende war? Du hast sie gerade eben zurück, und wenn er sie wieder fort nimmt, wird es dein und mein Leben kosten! Du wirst mich in den Tod treiben.“ Sie überholte ihn und hielt ihn leicht fest, während sie sprach. „Ob es deinen Tod bedeutet oder nicht“, sagte Bau-yü mit seltsamer Heftigkeit, „Ich werde sie trotzdem zurückgeben.“ Er stieß Hsi-jën mit aller Kraft weg und versuchte, sich aus ihrem Griff zu lösen. Mit von seinem Griff wunden Handgelenken sank sie zu Boden, schluchzte und rief um Hilfe. Die Mägde in den inneren Gemächern hörten den Lärm und kamen herausgerannt, um sie beide in ihrer verzweifelten Umarmung zu finden. „Schnell!“, rief Hsi-jën, „geht und sagt es der gnädigen Frau! Der zweite Herr Bau[-yü] will dem Mönch den Jade zurückgeben!“ Die Mägde eilten mit dieser Nachricht zur Dame Wang, während Bau-yü noch zorniger wurde und versuchte, sich Hsi-jëns Griff zu entwinden. Sie hielt um ihr Leben fest und Dsï-djüan hastete aus den inneren Gemächern, sobald sie gehört hatte, was Bau-yü vorhatte. Ihre Aufregung und Betroffenheit schienen noch größer als die von Hsi-jën, und ihr voriger Entschluß, gegenüber Bau-yü Gleichgültigkeit zu zeigen, schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Sie half Hsi-jën mit ihrer Kraft und umfaßte Bau-yü, der, obwohl er als Mann gegen Frauen stand, sich nicht gegen ihre Verzweiflung wehren konnte. Unfähig, sich zu befreien, seufzte er und sagte: „Wollt ihr so kämpfen, nur um ein Stück Jade zu behalten? Was würdet ihr machen, wenn ich euch verließe?“ Diese Worte riefen einen lauten Ausbruch des Schluchzens von Hsi-jën und Dsï-djüan hervor. Sie hatten ein Patt erreicht, bis die Dame Wang und Bau-tschai hinzukamen. Nun konnte die Dame Wang die Wahrheit des Berichtes mit eigenen Augen bezeugen. „Bau-yü!“, rief sie weinend, „hast du wieder den Verstand verloren?“ Bau-yü wußte, daß er nach der Ankunft der Dame Wang nicht mehr entkommen konnte – und wechselte deswegen seine Strategie. „Es gibt keinen Grund, daß gnädige Frau sich so aufregt, Mutter“, sagte er mit einem friedlichen Lächeln. „Du machst aus nichts immer so einen Akt. Ich dachte, der Mönch sei hier allein von Sinnen, da er darauf bestand, daß man ihm jeden Münze seiner zehntausend Tael zahlen sollte. Das machte mich sehr wütend, und ich wollte ihm den Jade nur zurückgeben, um ihm zu sagen, daß er nicht echt sei. Wenn ich ihn davon überzeugen kann, daß er für uns nicht von Wert ist, dann würde er sicher annehmen, was immer wir ihm anbieten.“ – „Meine Güte! Ich dachte, du meinst es ernst!“, rief die Dame Wang. „Du hättest ruhig die Wahrheit sagen können! – Sieh nur, was du dadurch ausgelöst hast!“ – „Was Bau-yü vorschlägt, klingt nach einer guten Idee“, sagte Bau-tschai. „Doch ich denke trotzdem, daß es zu riskant ist, sie ihm zurückgeben zu wollen. Wenn du mich fragst, ist dieser Mönch irgendwie merkwürdig. Er könnte genausogut etwas Schreckliches tun und die ganze Familie wieder ins Chaos stürzen. Wir können immer noch Schmuck verkaufen, um das Geld aufzutreiben.“ „Ja“, sagte Dame Wang, „das versuchen wir zuerst.“ Bau-yü kommentierte das nicht. Bau-tschai kam auf ihn zu und nahm ihm den Jade aus der Hand. „Es gibt keinen Anlaß, daß du dich darum kümmerst“, sagte sie, „Gnädige Frau und ich werden ihm das Geld geben.“ – „Nun gut, ich werde ihm den Jade nicht geben“, sagte Bau-yü. „Doch ich muß ihn zumindest noch einmal sehen.“ Hsi-jën und die anderen wagten immer noch nicht, ihn loszulassen. Am Ende war es Bau-tschai, die anordnete, ihn frei zu lassen: „Er sollte besser gehen, wenn er möchte.“ Widerwillig gab Hsi-jën nach. „Ihr alle scheint dem Jade mehr Wert beizumessen als dem Besitzer!“, sagte Bau-yü mit einem schiefen Lächeln. „Was wäre, wenn ich mit dem Mönch mitginge und euch mit dem Jade allein ließe? Dann würdet ihr reichlich blöde aussehen, nicht wahr?“ Dies erweckte wieder Angst bei Hsi-jën, und sie hätte ihn wieder ergriffen, wäre sie nicht durch die Anwesenheit der Dame Wang und Bau-tschais gehemmt und von der Notwendigkeit überzeugt gewesen, den Anschein von Respekt gegenüber Bau-yü zu bewahren. Es war ohnehin zu spät, für einen Augenblick lösten sie den Griff, und Bau-yü war fort. Hsi-jën stellte sich selbst zufrieden, indem sie eine jüngere Magd mit Anweisungen für Bee-ming und Bau-yüs anderen Pagen zum inneren Tor schickte, um ein Auge auf ihn zu werfen, da er sich „sehr seltsam“ benehme. Die Magd befolgte ihre Anweisung sofort. Die Dame Wang und Bau-tschai gingen währenddessen in Bau-yüs Gemächer und setzten sich. Sie fragten Hsi-jën, was genau passiert sei und diese berichtete ausführlich, was Bau-yü alles gesagt hatte. Die Dame Wang und Bau-tschai waren beide sehr verstört und schickten einen weiteren Botschafter mit Anweisungen, daß die Diener Bau-yü gründlich bewachen und genau zuhören sollten, was der Mönch sagte. Einen Augenblick später kehrte eine jüngere Magd zurück und berichtete Dame Wang: „Der zweite Herr [Bau-yü] benimmt sich äußerst merkwürdig, Herrin. Die Pagen draußen sagen, daß, weil Sie ihm den Jade nicht gegeben haben, er sich nun selbst an seiner Stelle anbiete.“ – „Ausgezeichnet!“, rief Dame Wang. „Und was hat der Mönch darauf gesagt?“ – „Er sagte, er wolle den Jade, nicht den Mann“, antwortete die Magd. „Nicht das Geld?“, fragte Bau-tschai. „Das hatten sie gar nicht erwähnt. Danach standen der Mönch und der zweite Herr [Bau-yü] sich unterhaltend da und lachten zusammen. Doch viel davon habe ich nicht mitbekommen.“ – „Diese kleinen Dummköpfe!“, nörgelte die Dame Wang. „Wenn sie es schon nicht verstanden haben, könnten sie es wenigstens für uns wiederholen. Geh und sag’ ihnen, sie sollen herkommen!“ Die Magd mußte sich einer Befragung der Dame Wang unterziehen. Dann erschien ein Page [Bee-ming], stand draußen im Flur, mischte sich ein und begrüßte sie durch das Fenster. „Natürlich“, so die Dame Wang, „wenn ihr die Bedeutung nicht von dem verstanden habt, was der zweite Herr [Bau-yü] und der Mönch sagten, sollte es doch wenigstens möglich sein, uns die Worte zu wiederholen.“ – „Alles, was wir gehört haben“, antwortete der Page [Bee-ming], „war etwas über einen großen einsamen Berg und ein grünen Bergesfuß. Und dann etwas über ein Land der Täuschungen und „sich auflösende weltliche Bänder“. Für die Dame Wang ergab das genauso wenig Sinn wie für den Pagen. Doch Bau-tschai, die stumm vor sich hin starrte, konnte etwas damit anfangen. Sie wollten gerade jemanden schicken, der Bau-yü zurückholt, bis Bau-yü selbst breit lächelnd eintrat und verkündete: „Alles ist gut! Alles ist gut!“ Bau-tschai starrte ihn kummervoll an, während die Dame Wang fragte: „Was gab es denn mit dem Mönch zu plaudern?“ „Es war kein Geplauder. Es war ein ernsthaftes Gespräch. Es hat sich herausgestellt, daß er mich kennt und daß er mich im Grunde genommen nur sehen wollte. Er wollte niemals Geld. Er hoffte nur auf eine freundliche Zuwendung, welche gutes Karma hervorruft. Sobald er sich verstanden gefühlt hatte, war er auch schon gegangen. Ganz einfach. Daher wirst du mir sicher zustimmen, daß alles gut ist!“ Die Dame Wang konnte das nicht glauben und fragte den Page [Bee-ming], die immer noch auf der anderen Seite des Fensters stand, ob sie Bau-yüs Geschichte bestätigen könne. Er eilte fort, um den Torwächter zu befragen und kehrte sofort zurück, um zu berichten: „Es ist wahr. Der Mönch ist wirklich fort. Als er ging, sagte er: „Die gnädigen Frauen braucht sich nicht zu sorgen. Das Geld wollte ich niemals.“ Er sagt, er wolle nur, daß zweite Herr Bau[-yü] ihn oft besucht. ‚Laß alles mit Karma angereichert werden! In allen Dingen liegt eine feste Bestimmung.‘ Das waren seine Abschiedsworte.“ – „Also war er nur ein guter Mönch“, rief die Dame Wang, „hat ihn irgend jemand gefragt, wo er denn lebt?“ „Der Torwächter meint, der Mönch sagte, unser zweite Herr Bau[-yü] würde wissen, wo er ihn zu finden habe.“ Dame Wang wandte sich an Bau-yü: „Nun – und wo lebt er?“ Bau-yü lächelte rätselhaft: „Seine Unterkunft ist weit weg und zugleich ganz in der Nähe. Es hängt alles davon ab, von wo aus man es betrachtet.“ – „Um Himmels willen!“, unterbrach Bau-tschai ihn ungeduldig, bevor er zu Ende gesprochen hatte. „Reiß dich zusammen und hör’ mit dem Unsinn auf! Du weißt, wie sehr der gnädige Herr und Frau dich lieben! Und der gnädige Herr hat dir gesagt, wie wichtig es im Leben sei, Erfolg zu haben!“ – „Zählt das, worüber ich spreche, nicht als Erfolg?“, fragte Bau-yü auf heitere Art. „Kennst du nicht das Sprichwort: ‚Wenn ein Sohn ein Mönch wird, werden die Seelen von sieben Generationen in den Himmel aufsteigen‘? “ Als sie dies hörte, war die Dame Wang noch verzeifelter als vorher: „Unsere Familie ist ruiniert! Hsi-tschun spricht nur noch von ihrer Schwesternschaft, und jetzt fängt auch er noch damit an! Warum soll ich mein Leben dann noch unnötig verlängern?“ Sie begann, hysterisch zu schluchzen. Bau-tschai versuchte sie zu trösten, doch Bau-yü lachte nur und sagte: „Das war ein Scherz! Es gibt doch keinen Grund, das ernst zu nehmen.“ Die Dame Wang trocknete ihre Tränen: „Wie kann man über so etwas nur scherzen?“ In diesem kritischen Augenblick kam eine Magd herein, um die Ankuft von dem zweiten Herrn anzukündigen: „Er sieht auch traurig aus, Herrin. Er möchte sich gerne mit gnädiger Frau unterhalten.“ Das war ein weiterer Schock für die Dame Wang. „Frag’ ihn bitte, ob er herkommen kann. Die jüngere Schweigerin [Bau-tschai] ist seine Kusine, also muß er sich um ihre Anwesenheit nicht kümmern!“ Djia Liän kam ordnungsgemäß herein und begrüßte die Dame Wang. Bau-tschai grüßte Djia Liän auch, dann sagte er: „Ich habe eben einen Brief von meinem Vater erhalten“, sagte Djia Liän, „darin steht, er sei schwer krank geworden. Ich muß schnell zu ihm gehen, bevor es zu spät ist!“ Tränen flossen ihm über die Wangen. „Stand in dem Brief, was für eine Krankheit er hat?“, fragte die Dame Wang. „Es begann als eine Grippe, die sich zu einer Lungenentzündung entwickelt hat, die sich nun in einem kritischen Stadium befindet. Ein spezieller Botschafter reiste Tag und Nacht, um die Neuigkeiten zu überbringen und sagte, daß wenn sich meine Abreise um einen Tag verzögere, es schon zu spät sein könnte. Ich muß schnellstmöglich aufbrechen. Ich fürchte, dass niemand hier sein wurde, um sich um alles zu kümmern. Ihr müßtet dann mit Tjiang-örl und Yün-örl zurechtkommen. So groß ihre Schwächen auch sein mögen, wenigstens sind sie Männer und können mit euch über alles reden, was draußen geschieht. In meinen Gemächern meiner Wenigkeit muß man sich nicht um viel kümmern. Tjiu-tung ist die ganze Zeit am Weinen und Klagen und sagt, daß sie gehen will, deshalb habe ich ihrer Familie gesagt, sie solle sie abholen. Das wird das Leben für Ping-örl immerhin erträglicher machen. Es ist niemand da, der sich um Tjiau-djiä kümmern kann, ich weiß, doch Ping-örl kommt gut mit ihr zurecht. Tjiau-djiä ist ein sehr einfühlsames Mädchen, doch hat sie einen noch härteren Charakter als ihre Mutter, deshalb hoffe ich, daß gnädige Frau sie weitgehend führen kann.“ Während er sprach, erröteten seine Augen verräterisch, und er nahm ein seidenes Taschentuch aus seiner Betelnußtasche am Bauch und tupfte sie damit ab. „Wenn ihre eigene Großmutter unmittelbar in der Nähe ist, warum vertraust du sie dann mir an?“, fragte die Dame Wang. „Wenn gnädige Frau sich so eine Haltung angewöhnen, kann ich mich genau so gut totschlagen!“, sagte Djia Liän zur Dame Wang mit leiser Stimme. „Ich werde nichts mehr sagen, ich bitte dich nur, nett zu meiner Wenigkeit zu sein und zu tun, was du kannst.“ Er kniete vor ihr. „Steh sofort auf!“, rief die Dame Wang, ihre Augen waren naß vor Tränen. „Was ist das für eine Art, wie Tante und Neffe miteinander reden? Eines sollten wir noch besprechen. Das Kind hat nun sein Alter erreicht. Wenn deinem Vater irgend etwas Unerwartetes zugestoßen ist und du zurückgehalten wirst und wenn in dieser Zeit eine angemessene Familie ein Heiratsangebot macht, soll ich damit dann auf deine Rückkehr warten, oder soll ich deine Mutter während deiner Abwesenheit entscheiden lassen?“ „Natürlich brauchst du nicht auf mich warten. Wenn die gnädigen Frauen hier sind, könnt ihr beide so entscheiden, wie ihr es für richtig haltet.“ – „Dann geh jetzt besser“, sagte Dame Wang. „Schreibe dem zweiten gnädigen Herrn [deinem Onkel Dschëng] eine Nachricht. Sag’ ihm, daß dein Vater in einem bedenklichen Gesundheitszustand ist und daß keine Männer im Haus sind. Bitte den zweiten gnädigen Herrn, die Beerdigungsriten für die alte Dame schnellstmöglich zu beenden und so zügig wie möglich nach Hause zu kommen.“ „Nun gut, Tante.“ Als er gerade gehen wollte, kehrte er noch einmal um und sagte: „Es sollten genug Diener im Haus sein. Doch es ist niemand im Garten. Der Ort ist zu verlassen, besonders da Bau Yung mit ihrem gnädigen Herrn [den Dschëns] zurückgegangen ist und zweite Herr Hsüä [Kë] und Frau Hsüä in ihr altes Gelände in der Nähe des Gartens gezogen sind, um in ihren eigenen Gemächern zu wohnen. Alle Gebäude im Garten sind leer und vernachlässigt. Die Gnädige Frau sollte jemanden schicken, der sich diesen Ort näher anschaut. Das Kloster Gefangenes Grün ist ein Familienstift, und da Miau-yü verschwunden ist, muß etwas mit ihren Begleitern geschehen. Die Oberin glaubt nicht, sie könne selbst eine Entscheidung treffen und möchte, daß jemand aus der Familie das übernimmt.“ „Das wird warten müssen“, antwortete die Dame Wang. „Wenn unser eigener Haushalt schon in solchem Chaos ist, sind wir nicht in der Lage, zusätzliche Verpflichtungen zu übernehmen. Das darfst du auf keinen Fall gegenüber dem vierten Fräulein [Hsi-tschun] erwähnen. Das würde sie nur in ihrem Vorhaben bestärken. Meine Güte, wie weit ist es nur mit uns gekommen? Eine Nonne in der Familie wäre eine Katastrophe!“ – „Das hätte meine Wenigkeit schon nicht selbst erwähnt“, sagte Djia Liän, „doch da die gnädige Frau es nun getan hat, sollte ich vielleicht meinen Rat anbieten. Das vierte Fräulein [Hsi-tschun] gehört trotz allem zum ostlichen [Ning-guo-] Anwesen der Familie. Von ihren Eltern lebt keiner mehr, ihr älterer Bruder wurde in die Verbannung geschickt, und sie und ihre Schwiegerschwester kommen schlecht miteinander aus. Meine Wenigkeit hat gehört, daß sie einige Male versucht hat, Selbstmord zu begehen. Wenn sie wirklich fest entschlossen ist, eine Nonne zu werden, und wir immer noch auf unserer Ablehnung beharren, wird sie sich wirklich das Leben nehmen. Und dann hätten wir sie ganz verloren!“ Die Dame Wang nickte: „Diese Last ist zu schwer für mich! Das gehört wirklich nicht zu meiner Verantwortung. Ich muß es ihrer Schwiegerschwester überlassen, das zu entscheiden.“ Djia Liän sagte noch etwas und brach dann auf. Er rief die Diener herbei und gab ihnen Anweisungen. Dann schrieb er einen Brief [an Djia Dschëng] und packte seine Sachen. Ping-örl bat ihn, gut auf sich acht zu geben, während Tjiau-djiä sehr traurig über die Abreise ihres Vaters war. Djia Liän formulierte seinen Wunsch, sie solle sich um [Onkel] Wang Jën kümmern, doch das wollte sie nicht. Und wie sie erfuhr, daß [Djia] Yün und [Djia] Tjiang außerhalb verpflichtet waren, war sie sehr widerspenstig und sagte nichts mehr. Sie verabschiedete sich von ihrem Vater und beschloß, zu Hause ein ruhiges Leben mit Ping-örl zu verbringen. Fëng-örl und Hsiau-hung waren seit Hsi-fëngs Tod völlig von der Rolle, in einem Moment wollten sie gehen, im anderen gaben sie vor, krank zu sein. Ping-örl hatte ein Mädchen aus einem anderen Zweig ihrer Familie hergebeten, um bei ihnen zu bleiben, zum Teil, um Tjiau-djiä Gesellschaft zu leisten, zum Teil, um sie zu erziehen, doch die einzigen Namen, die ihr einfielen, waren Hsi-luan und Si-djie-örl, die Liebste der Herzoginmutter, und von den beiden hatte Si-djie-örl kürzlich geheiratet, während Hsi-luan verlobt und kurz davor war, das Haus zu verlassen. Djia Yün und Djia Tjiang begleiteten Djia Liän hinaus und kamen dann wieder herein, um den Damen Hsing und Wang zu berichten. Die zwei Männer erfüllten ihre nächtlichen Pflichten im äußeren Studierzimmer, und während des Tages vergnügten sie sich mit den Dienern, veranstalteten Feste und luden verschiedene Freunde ein, die sich als Gastgeber stets abwechselten. Es gab sogar ernsthaftes Glücksspiel. Die Damen hatten davon natürlich keine Ahnung. Eines Tages kamen der ältere Onkel Hsing [Dë-tchüän] und Wang Jën vorbei. Wie sie erfuhren, daß Djia Yün und Djia Tjiang nun hier [im Jung-guo-Anwesen], und wie sie mitbekamen, wie sie ihre Zeit genossen, begannen sie regelmäßig, ‚nach dem Rechten zu sehen‘ und richteten ein regelmäßiges Trinken und Spielen im äußeren Studierzimmer ein. Alle derzeitigen Diener hatten entweder Djia Dschëng oder Djia Liän begleitet und die übrigen männlichen Diener waren Söhne und Neffen von Verwalter Lai und Lin, die nun dem leichten Leben zugeneigt waren, welches ihre Eltern ihnen zufällig vermacht hatten; sie interessierten sich recht wenig für die Grundsätze, wie ein Haushalt vernünftig geführt werden sollte. Da ihre Eltern fort waren, glichen sie jungen Hengsten, die man auf der Weide losgelassen hat. Und durch die zwei jüngeren Herren, die sie weiter anspornten, kannten ihre Vergnügen keine Grenzen. Unter dieser Herrschaft hätte das Familienmotto einfach lauten können: ‚Erlaubt ist, was gefällt.‘ Djia Tjiang hatte überlegt, Bau-yü einzuladen, doch Djia Yün verwarf die Idee schnell: „Der zweite Herr Bau ist ein absoluter Spaßverderber. Der würde nur Ärger machen. Vor ein oder zwei Jahren hatte ich die perfekte Hochzeit für ihn vorbereitet. Der Vater des Mädchens war ein Steuereintreiber aus einer der Provinzen, die Familie besaß mehrere Pfandhäuser, und das Mädchen selbst war einfach zuckersüß. Ich habe viele Strapazen auf mich genommen und ihm einen langen Brief geschrieben, doch die Mühe hätte ich mir sparen können. Er ist der reinste Spielverderber.“ Yün blickte um sich, um sicher zu gehen, daß niemand zuhörte und fuhr fort: „In Wirklichkeit hatte er schon seine neue Frau im Auge! Und dann war da noch Fräulein Lin [Dai-yü], davon mußt du gehört haben. Sie starb an gebrochenen Herzen, das ist allgemein bekannt. Und es war alles seine Schuld. Doch das ist eine andere Geschichte. Jedem gebührt sein eigenes Schicksal in der Liebe, nehme ich an. Alles dasselbe, ich sehe nicht ein, warum er böse auf mich sein und mir alles vermasseln sollte. Vielleicht glaubte er, ich würde in Schulden geraten oder so.“ Djia Tjiang nickte und gab die Idee auf, Bau-yü einzuladen. Was keiner von ihnen wußte, war, daß Bau-yü seit seinem Treffen mit dem Mönch völlig von seinen weltlichen Fesseln gelöst war. Während der Anwesenheit der Dame Wang benahm er sich so normal wie möglich, doch seine Beziehungen zu Bau-tschai und Hsi-jën waren um einiges kälter geworden. Die Mägde hatten von diesem Wandel nichts bemerkt und behandelten ihn wie vorher, wobei sie allerdings von Bau-yüs Seite ignoriert wurden. Er schien praktische Haushaltsangelegenheiten völlig vergessen zu haben. Und was seine Studien betrifft, wann immer die Dame Wang und Bau-tschai sich danach erkundigten, heuchelte er Strebsamkeit, doch in Wirklichkeit konnte er nur an den Mönch und seine rätselhafte Reise in das Feenreich denken. Jeder um ihn schien so unerträglich banal, und er begann, sich in seiner familiären Umgebung immer weniger wohl zu fühlen. Wenn er von Verpflichtungen befreit war, war es Hsi-tschun, die er als Begleitung aussuchte. Die beiden entdeckten immer mehr Gemeinsamkeiten, und ihre belebten Unterhaltungen festigten seinen Entschluß. Für Djia Huan und Djia Lan hatte er nur noch wenig Zeit. Djia Huan begann nun, da sein Vater von Zuhause fort und [seine Mutter], Frau Dschau, tot war, und seit die Dame Wang ihm nur noch wenig Aufmerksamkeit entgegenbrachte, sich zu Djia Tjiang und seinen Kumpanen hingezogen zu fühlen. Tsai-yün, die stets versuchte, ihn von seinem Vorhaben abzubringen, empfing nichts als Beschimpfungen für ihre Mühen. Yü-tschuan-örl bemerkte selbst, daß Bau-yü noch gestörter als zuvor war und fragte ihre Mutter, ob sie aus dem Dienst genommen werden könnte. Derzeit gelang es Bau-yü und Djia Huan auf ihre Weise, die Leute um sich herum abzuschrecken. Djia Lan saß im Gegensatz dazu fleißig studierend an der Seite seiner Mutter. Und wenn er einen Aufsatz beendet hatte, ging er damit zur Familienschule, um Kommentare des Lehrers zu erhalten. Zur Zeit war der Lehrer lange Zeit bettlägerig gewesen, und Djia Lan mußte ständig alleine arbeiten. [Seine Mutter] Li Wan mochte es immer friedlich und ruhig und, außer die Dame Wang und Bau-tschai zu treffen, tat sie weiter nicht viel, als zu Hause zu sitzen und Djia Lan bei seiner Arbeit zuzusehen. So ging das Leben im Jung-guo-Anwesen weiter, jeder ging seinen eigenen Geschäft nach, was Djia Huan, Djia Tjiang und der Gesellschaft die Freiheit ließ, ungestört fortzufahren. Bald hatten sie alles Familieneigentum heimlich verpfändet oder verkauft, um ihre unehrenhaften Geschäfte zu bezahlen. Djia Huan war am schlimmsten. Seine Hurerei und sein Spiel kannten keine Grenzen. Eines Tages wollten Hsing [Dë-tchüän] und Wang Jën, die bereits heiter trinkend im Studierzimmer waren Unterhaltung. Sie waren ganz berauscht und verlangten nach ein paar Singmädchen, die sie mit einigen Liedern unterhalten und ihnen beim Zechen Gesellschaft leisten sollten. „Das wird doch die reinste Orgie!“, protestierte Djia Tjiang scherzhaft. „Ich schlage vor, wir veranstalten ein Trinkspiel, um etwas in Stimmung zu kommen.“ Jeder hielt das für eine gute Idee. „Reich’ den Becher auf das Wort ‚Mond‘ weiter,“ schlug Djia Tjiang vor. „Ich nenne einen Vers und zähle, und wer das Wort ‚Mond‘ bekommt, muß trinken und zwei Verse nennen – einen Einleitungs- und einen Endvers – meinen Anweisungen folgend. Die Strafe sind drei große Becher.“ Jeder stimmte seinen Regeln zu. Zuerst trank Djia Tjiang einen Becher zum Auftakt und zitierte dann Li Bos Vers: „Die Pfauenbecher fliegen, der betrunkene Mond...“ Der ‚Mond‘ fiel auf Djia Huan. „Für den Einleitungsvers gib einen Vers mit ‚Cassia‘ “, sagte Djia Tjiang. Djia Huan zitierte einen Vers des Tang-Dichters Wang Djiän: „Kalter Tau benäßt still die Cassia-Blumen...“ – „Und Duft für den Endvers“, folgerte Djia Tjiang. Djia Huan war mit dem Vers eines weiteren Tang-Dichters an der Reihe, Sung Dschï-wën: „Hinter den Wolken weht ein himmlischer Duft...“. „Langweilig! Langweilig!“ beschwerte sich der ältere Onkel Hsing [Dë-tchüän]. „Hör’ auf rumzupoetisieren, Huan, alter Junge! Was weißt du schon von Poesie! Das macht überhaupt keinen Spaß. Es reicht, du machst mich krank! Wir machen Schluß und spielen lieber Fingerraten. Der Verlierer trinkt und singt ein Lied, eine doppelte Strafe. Wer nicht singen kann, muß statt dessen einen Witz erzählen. Doch es sollte besser ein lustiger sein.“ Alle stimmten dem neuen Vorschlag zu, und es gab einen großen Lärm, als sie begannen, die Finger auszuwürfeln. Wang Jën war der erste Verlierer. Er trank und sang ein Lied. „Bravo!“, riefen sie und machten weiter. Als nächstes verlor eines der Mädchen. Sie sang ein Lied mit dem Namen „Lilien-Fräulein-Zauberhaft“. Dann war Hsing [Dë-tchüän] an der Reihe. Jeder wollte, daß er ein Lied sang, doch er beharrte darauf, er sei taubstumm. „Dann erzähl’ uns einen Witz!“ – „Wenn keiner lacht,“ warnte ihn Djia Tjiang, „mußt du auch Strafe zahlen.“ Der ältere Onkel Hsing senkte den Becher und erzählte seine Geschichte: „Meine Damen und Herren: Es war einmal in einem bestimmten Dorf, da waren zwei Tempel, – ein Großer, dem Großen Gott des Nordens gewidmet und daneben ein Kleinerer, dem Dorfgott gewidmet. Der Große Gott lud den Dorfgott immer zum Plaudern ein. Eines Tages wurde ihm etwas aus seinem Tempel gestohlen, und er bat den Dorfgott, der Sache auf den Grund zu gehen. ‚Doch es gibt in dieser Gegend keine Diebe‘, protestierte der Dorfgott. ‚Es muß die Nachlässigkeit einer deiner Torwächter sein. Jemand muß sich hineingeschlichen und die Dinge gestohlen haben.‘ – ‚Unsinn!‘ antwortete der Große Gott. ‚Du hast zur Zeit Schulden. Wenn es einen Dieb gibt, trägst du die Verantwortung. Was soll denn das auch? Du solltest den Dieb besser suchen, als die Torwächter der Nachlässigkeit zu beschuldigen!‘ – ‚Was ich mit nachlässig meinte‘, verdrehte der Dorfgott, ‚ist, daß dein Tempel schlecht plaziert ist, die Drachenlinien müssen sich irren.‘ – ‚Ich wußte nicht, daß du über Fëngshuee Bescheid weißt‘, kommentierte der Große Gott ungläubig. ‚Erlaube mir, selbst nachzusehen‘, bot der Dorfgott an, ‚und wir werden sehen, was ich sehe.‘ Er ging um den Tempel, untersuchte jede Nische und jedes Versteck und nach einer Weile berichtete er: ‚Mein Herr, hinter deinem Thron ist eine doppelblättrige, rote Tür. Eine unsichere Konstruktion. Ich persönlich habe hinter meinem Thron eine stabile Steinmauer, deshalb wird mir nichts gestohlen. Du kannst dir in der jetztigen Situation einfach damit behelfen, an Stelle des Thrones eine Mauer zu bauen.‘ Dies erschien dem Großen Gott einleuchtend, und er wies die Torwächter an, Arbeiter zu rufen, die eine solche Mauer errichten sollten. ‚Doch wir können uns nicht einmal eine Kerze oder ein Weihrauchstäbchen für diesen Tempel leisten!‘, klagten die Torwächter. ‚Wie können wir uns dann Steine und Mörtel leisten und die Arbeiter bezahlen?‘ Dem Großen Gott fiel keine Lösung ein. Er trug ihnen auf, eine zu finden, doch sie waren zu ratlos dazu. Doch der Schildkrötengeneral, dessen ruhende Steinform zu Füßen des Großen Gottes lag, stand auf und sagte: ‚Ihr seid eine nutzlose Bande! Ich habe eine Idee: reißt die rote Tür nieder und benutzt meinen Bauch, um die Öffnung zu blockieren. Ich bin sicher, das wird seinen Zweck erfüllen.‘ – ‚Ein ausgezeichneter Plan!‘, riefen die Torwächter im Chor, ‚einfach, zuverlässig und umsonst!‘ So wurde der Schildkrötengeneral zur Rückwand, und es herrschte Frieden – eine Weile. Dann begannen wieder, Dinge aus dem Tempel zu verschwinden. Die Torwächter riefen den Dorfgott herbei und klagten: ‚Ihr habt uns Sicherheit garantiert, wenn wir eine Mauer errichten, doch nun seht, was geschehen ist! Wir haben eine Mauer und verlieren immer noch Dinge!‘ – ‚Die Mauer kann nicht stabil genug sein.‘ – ‚Schaut selbst nach,‘ forderten sie. Dies tat der Dorfgott. Die Mauer schien durchaus stabil. Das war seltsam. Dann fühlte er mit seiner Hand. ‚Aaah!‘, rief er, ‚kein Wunder! Ich meinte eine vernünftig gebaute Mauer. Ein alter Dieb könnte diese Mauer herunterdrücken (Djia Tjiang).‘ “ Alle lachten, sogar Djia Tjiang, dessen Name als Grundlage für diesen Witz diente. „Komm schon, Onkel Hsing!“, protestierte er. „Sei fair! Ich habe niemals etwas von Witzen auf Kosten von Namen gesagt! Dafür mußt du einen trinken!“ Der ältere Onkel Hsing, der bereits ein Blatt im Wind war, gab willig nach. Sie tranken alle noch ein paar Becher und im allgemeinen Rausch ließ der dumme Onkel einige boshafte Bemerkungen über seine Schwester [die Dame Hsing] los, während Wang Jën eine entwürdigende Erinnerung an seine Schwester [Hsi-fëng] beisteuerte, – beide waren voller Bitterkeit. Ihr Beispiel und der Wein verliehen Djia Huan mehr Mut, und auch er lieferte einen Beitrag, bemängelte, wie herzlos Hsi-fëng gewesen sei und wie sie versucht habe, so viele ihrer Leben zu ruinieren. „Ja, die Leute sollten allgemein mehr Anstand zeigen“, stimmten alle ein. „Wie sie den Einfluß der alten Dame genutzt hat, jeden zu schikanieren, war furchtbar. Sie war starr, ohne einen Erben zu gebähren. Sie hatte nur eine Tochter. Vergeltung noch zu Lebzeiten!“ Djia Yün, der sich nur zu gut daran erinnern konnte, wie grob Hsi-fëng einst zu ihm war und wie Tjiau-djiä-örl immer anfing zu brüllen, wenn sie ihn erblickte, verfiel dem herrschenden Ton und gab auch seine Schmähungen zum Besten. Djia Tjiang wollte die rachsüchtige Gesellschaft wieder etwas aufheitern: „Laßt uns lieber noch einen Becher trinken! Das Gerede führt doch zu nichts!“ – „Wie alt ist denn das Mädchen, das du erwähnt hast?“, erkundigten sich die beiden Gesangsmädchen. „Ist sie hübsch?“ – „Oh ja“, antwortete Djia Tjiang, „sehr sogar. Sie ist etwa dreizehn.“ – „In diesem Fall ist es eine Schande, daß sie in eine Familie wie eure hineingeboren wurde,“ bemerkten die Mädchen, „wenn sie nur aus einem ehrbaren Haus wäre, könnte sie eine Stellung erreichen, wodurch sie für ihre Familie gute Arbeit finden und haufenweise Geld bringen würde.“ – „Was meinst du?“ – „Wir kennen einen bestimmten mongolischen Prinzen“, antworteten die Mädchen, „er ist wirklich ein Mann der Damen. Er sucht nach einer Konkubine, und die Dame, die seinen Vorstellungen entspricht, könnte mit ihrer ganzen Familie im Palast leben. Was für ein unsagbares Glück das für jemanden wäre!“ Keiner von ihnen schien wirklich zuzuhören, mit Ausnahme von Wang Jën, der sehr nachdenklich aussah. Zunächst sagte er nichts und trank weiter. Ein wenig später kamen zwei junge Männer herein, jüngere Söhne der Verwalter Lai und Lin. „Ihr scheint euch die Zeit gut zu vertreiben, ihr Herren, in Anbetracht der Umstände“, riefen sie. Jeder erhob sich, um sie zu grüßen. „Wo wart ihr zwei denn so lange? Wir haben so lange auf euch gewartet.“ Sie erklärten: „Am frühen Morgen hörten wir das üble Gerücht, unsere Familie sei wieder in ernsthaften Schwierigkeiten; also eilten wir hin, um zu sehen, welche Neuigkeiten im Palast herauszufinden seien. Es stellte sich heraus, daß es gar nichts mit unserer Familie zu tun hatte.“ Alle fragten: „Wenn dem so ist, warum seid ihr dann nicht direkt hergekommen?“ Die beiden erklärten: „Es betraf nicht genau unsere Familie, doch es hat etwas mit uns zu tun. Es war dieser Herr Djia Yü-tsun. Als wir am Palast waren, sahen wir ihn in Ketten gelegt. Man sagte uns, er würde zum Hohen Gericht zu einem Verhör gebracht. Wir wußten, daß er hier regelmäßig zu Besuch war und fürchteten, daß uns dieser Fall doch beträfe, deshalb folgten wir ihm, um zu sehen, was dabei heraus käme.“ „Gut bedacht, Männer!“, rief Djia Yün. „Wir sind euch zu Dank verpflichtet. Setzt euch, trinkt etwas und erzählt uns davon.“ Die zwei setzten sich nach höflicher Zurückhaltung und fuhren trinkend fort: „Dieser Herr Yü-tsun ist bestimmt ein fachverständiger Mann und weiß, wie man die Fäden zu ziehen hat. Bis jetzt hatte er das immer gut getan. Doch er hat einiges Schmiergeld genommen und wurde verraten. Wie wir alle wissen, ist unser derzeitiger erhabener Herrscher überaus weise, mitleidig und wohltätig. Es gibt nur eine Sache, die ihn wirklich erzürnt, und das ist Korruption, jede Form tyrannischen oder schikanierenden Benehmens. Daher beschloß seine Majestät, daß der Beschuldigte in diesem Fall festgenommen und vor Gericht gebracht werden solle. Wenn er für schuldig befunden wird, sieht es sehr schlecht für ihn aus. Wird er frei gesprochen, dann geraten die Männer, die ihn angeklagt haben, in Schwierigkeiten. Es ist überaus beruhigend zu sehen, in welch gerechten Zeiten wir leben! Glückliche Zeiten auf jeden Fall für Beamte.“ – „Wie dein älterer Bruder“, sagten die Männer und bezogen sich dabei auf den ältesten Sohn des Verwalters Lai Da, Lai Shang-jung. „Er ist Bezirksmagistrat. Er hat wohl für sich ausgesorgt.“ „Wohl wahr“, antwortete der junge Lai, „doch sein Verhalten läßt durchaus zu wünschen übrig, fürchte ich. Seine Stellung wird er nicht so lange behalten.“ – „Hat er sich selbst in einen Engpaß getrieben?“ Lai nickte und senkte sein Glas. „Was für andere Neuigkeiten habt ihr aus dem Palast mitgebracht?“, fragten sie die beiden. „Ach, nicht viel. Eine Zahl Verbrecher an der Küste wurde festgenommen und zum Hohen Gericht geschickt. Während ihrer Verhandlung haben sie wohl sämtliche Mitwirkenden bekannt gegeben, die hier in der Stadt ansässig sind, die alles beobachten und auf eine gute Gelegenheiten für weitere Verbrechen warten. Glücklicherweise haben die zivilen und militärischen Autoritäten hier soweit alles im Griff und sind ihrem Dienst für den Thron so ergeben, daß alle kriminellen Elemente sicher kontrolliert werden.“ – „Wenn ihr von solchen Fällen gehört habt, vielleicht gibt es etwas Neues von unserem Diebstahl?“, fragten die Männer. „Ich fürchte nicht,“ war die Antwort, „ich hörte nur etwas von einem Mann aus den inneren Provinzen, der sich hier in der Stadt dafür Ärger einhandelte, daß er eine Frau entführte und mit ihr an die Küste verschwand. Sie setzte sich zur Wehr und das endete mit ihrem Tod. Sie nahmen ihn an der Grenze fest und richteten ihn auf der Stelle hin.“ – „War jene Miau-yü sowieso aus dem Kloster Gefangenes Grün nicht unter ähnlichen Umständen entführt worden?“ warf einer der anderen ein. „Könnte sie es nicht gewesen sein?“ – „Sie war es“, murrte Djia Huan. „Woher weißt du das?“, fragten sie ihn. „Sie war eine äußerst unsympathische Person“, sagte Djia Huan. „Sie hielt sich selbst immer für etwas Besseres. Sie mußte nur Bau-yü anschauen, da lächelte sie schon über das ganze Gesicht. Doch meine Existenz hat sie nie zur Kenntnis genommen. Ich hoffe, sie war es!“ „Es werden ständig Leute entführt“, kommentierte jemand. „Es könnte genau so gut jemand anderes gewesen sein.“ „Ich kann mir gut vorstellen, daß sie es war“, sagte Djia Yün. „Vorgestern habe ich gehört, daß eine der Nonnen in der Herberge einen Traum hatte, in welchem Miau-yü ermordet wurde.“ Das wurde mit Spott aufgenommen: „Träume kann man doch nicht ernst nehmen.“ „Traum oder nicht Traum, das ist mir alles gleich“, protestierte der ältere Onkel Hsing. „Laßt uns lieber erst zu Abend essen und dann eine ordentliche Partie spielen.“ Das wurde allgemein begrüßt und, sobald sie ihr Essen beendet hatten, spielten sie intensiv. Bis nach Mitternacht waren sie damit beschäftigt, als sie in den inneren Gemächern einen plötzlichen Aufruhr hörten. Sie wurden schließlich informiert, daß das vierte Fräulein [Hsi-tschun] mit der ersten gnädige Frau Dschën gestritten hatte und das Ergebnis war, daß sie ihr ganzes Haar abgeschnitten hatte und zu den Damen Hsing und Wang gerannt war. Dort verbeugte sie sich und flehte sie an, ihrem Wunsch nachzugeben. Wenn nicht, so drohte sie, sich sofort das Leben zu nehmen. Die beiden Damen Hsing und Wang waren mit ihren Nerven am Ende und schickten nach Djia Tjiang und Djia Yün, um einzugreifen. Djia Yün wußte aber, daß dies etwas war, das sie [Hsi-tschun] schon längst hätte tun sollen, spätestens seit der fatalen Nacht der Plünderung, als ihr allein die Verantwortung des Hauses übertragen worden war, und ihm schien es, daß es kaum noch Hoffnung gab, sie davon abbringen zu können. Er besprach es mit Djia Tjiang: „Die gnädige Frau [Wang] sagt, wir sollen eingreifen, doch ich wüßte nicht, wie wir etwas erreichen könnten. Das ist eine schwere Verantwortung, und sie wollen sie auf uns abwälzen. Wir müssen uns einiges einfallen lassen, um sie [Hsi-tschun] von ihrem Plan abzubringen, und dann, wenn sie nicht zuhören will, müssen wir sie den Damen wieder übergeben. Währenddessen schreibe ich dem zweiten Onkel Liän einen Brief, der uns von aller Schuld befreit.“ Sie stimmten beide seinem Plan zu, riefen die Damen Hsing und Wang und versuchten nun, Hsi-tschun zu überzeugen. Wie vorhergesagt, blieb Hsi-tschun hartnäckig. Wenn sie in keinen Konvent außerhalb des Familiengrundstücks flüchten könne, würde sie sich, wie sie sagte, einige stille Zimmer einrichten, worin sie ihre Sutras rezitieren und ihre Gebete aufsagen konnte. So konnte Frau You sehen, daß die Tanten nicht in der Lage waren, diese Verantwortung zu übernehmen. Ihre eigene Angst, daß Hsi-tschun Selbstmord begehen könnte, war sie los, und sie zwang sich selbst zu einem Kompromiß. „Ich werde sehen, daß ich die Schuld auf mich nehme. Nun gut. Laß sie sagen, daß ich es war, der ich die Schwester meines eigenen Mannes nicht geduldet habe und sie in die Schwesternschaft getrieben habe. Was kümmert es mich? Doch ich kann ihr nicht gestatten, das Haus zu verlassen. Das steht außer Frage. Sie wird hier bleiben müssen. Die gnädige Frauen [Hsing und Wang],, ich bitte Sie, meine Entscheidung zu bezeugen. Älterer Bruder [Djia] Tjiang, schreibe bitte einen Brief, worin du deinem ersten gnädigen Herrn Dschën und dem zweiten Onkel [Liän] mitteiltest, was vorgefallen ist.“ Djia Tjiang und Djia Yün stimmten Frau Yous Entscheidung zu. Doch um zu erfahren, ob die Damen Hsing und Frau Wang dies auch taten, muß man das nächste Kapitel lesen.