Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 85"

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== 贾存周报升郎中任 / 薛文起复惹放流刑 ==
 
== 贾存周报升郎中任 / 薛文起复惹放流刑 ==
  
Dienstmagd, keine Ehefrau und Nebenfrau, das ist eine Welt der Chaoten! Ich wurde ganz anders erzogen, das kann ich euch sagen! Bei mir zu Hause kannte jeder seinen Platz. Ich habe genug in eurer Familie ertragen müssen!“
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'''Ankündigung der Beförderung von Djia Tsun-dschou [Djia Dschëng]<ref>Onkel und Neffe werden hier mit dem schriftsprachlichen Zi-Namen benannt: 贾存周、薛文起.</ref> in den Rang eines ständigen GeschäftsführersEntdeckung, daß Hsüä Wën-tschï [Hsüä Pan] sich wieder der Gefahr der Verbannung aussetzt.'''
„Schwägerin,“ flehte Bau-tschai, „Mutter ist nur gekommen, weil sie euch zwei kämpfen hörte. Falls du glaubst, sie hätte dich beleidigt, ist es nur, weil sie nicht zwischen dir und Bau-tschan unterschied, sie war doch nur traurig. Mit Sicherheit meinte sie es nicht so. Wäre es nicht besser, in Ruhe zu erklären, was dir nicht gefällt, und wir alle finden gemeinsam eine friedliche Lösung? Arme Mutter, wir bekümmern sie noch zu Tode.“
 
„Ja,“ fügte Frau Hsüä hinzu, „bevor du mich beschuldigst, erklär’ mir bitte, welche Probleme es gibt.“
 
„So ein gutes Mädchen!“, sagte Djin-guee an Bau-tschai gewandt. „Ich bin sicher, so eine feine Dame wie du wird sicher einen guten Ehemann finden und in einem schönen Haus wohnen – nicht wie ich, ich sitze hier, wie eine lebendige Witwe, keine Verwandten um mich und werde von allen und jedem ausgenutzt! Was für eine Närrin ich nur bin! Verurteile mich nicht zu hart. Ich bin nur eine arme vaterlose Kreatur, die es nicht besser gelernt hat. Und ich bin sicher, es wäre dir lieber, wenn ich die schmutzigen Details von dem aussparen würde, was wirklich zwischen meinem Mann und großen und kleinen Damen vorgeht, ganz zu schweigen von den Dienstmägden!“
 
Als Bau-tschai dies hörte, schämte sie sich und wurde wütend. Ihre Mutter in dieser Situation zu sehen, tat ihr im Herzen weh. Sie hielt die Luft an und sprach zur Schwägerin:
 
„Schwägerin,“ flehte sie, „bitte sag’ nichts mehr. Niemand verurteilt dich, niemand nutzt dich aus – auch Tchiu-ling niemals.“
 
Darauf begann Djin-guee auf ihr Ofenbett zu schlagen und schrie mit grellster Stimme:
 
„Tchiu-ling! Wie kann man mich nur mit ihr vergleichen? Ich bin den Schlamm unter ihren Füßen nicht wert, nicht  wahr? Sie ist viel länger als ich hier, sie versteht euch und weiß, wie man euch Honig ums Maul schmiert und ich nicht, ich bin nur ein Neuankömmling! Ich kann das nicht. Wie könntet Ihr mich mit ihr vergleichen. Was solls. Wir können nicht alle Kaiserliche Konkubinen sein; gehe besser deinen eigenen Weg und paß auf, daß du nicht so enden wirst wie ich, verheiratet mit einem dummen Tölpel und wie eine lebendige Witwe dasitzend, daß mich jeder beliebig verspotten kann!“
 
Frau Hsüä hörte das, wurde sehr wütend, stand auf und sagte:
 
„Ich verteidige sie nicht nur, weil sie meine Tochter ist; ich rate dir, hüte deinen Mund. Sie hat alles versucht, um sich mit dir zu vertragen, doch du hast nur im Sinn, sie weiter zu reizen. Was auch immer dein Problem ist, laß das arme Mädchen in Ruhe! Wenn du jemanden bestrafen willst, warum erwürgst du nicht mich stattdessen?“ –
 
„Bitte werd du nicht auch noch böse, Mama,“ bettelte Bau-tschai. „Wir haben nur versucht zu helfen. Wenn alles, was wir tun, es nur noch schlimmer macht, denke ich ehrlich, wir sollten gehen. Laß uns ihr Zeit geben, über alles nachzudenken. Und du hör’ auf, noch weiteren Ärger zu verursachen!“ Die letzte Bemerkung war an Bau-tschan gerichtet.
 
So gingen die beiden und kehrten in ihre eigene Wohnung zurück. Als sie den Hof durchquerten, sahen sie ein Dienstmädchen der Herzoginmutter mit Tchiu-ling herauskommen, und sie liefen ihnen entgegen, um sie zu grüßen.
 
„Welchen Weg habt ihr genommen?“, fragte Frau Hsüä und fügte hinzu: „Wir hoffen, der Herzoginmutter geht es gut.“
 
„Es geht ihr gut, vielen Dank, gnädige Frau“, antwortete die Magd. „Die Herzoginmutter trug mir auf, euch ihre Hochachtung zu übermitteln, euch für die Lychees zu danken, die Sie letztens geschickt haben und Fräulein Tjin zu ihrer Verlobung zu gratulieren.“
 
„Wann seid Ihr denn gekommen?“, fragte Bau-tschai.
 
„Vor einer ganzen Weile,“ war ihre Antwort. Frau Hsüä wurde rot, als sie bemerkte, wieviel die Magd mitgehört haben mußte.
 
„Ich fürchte, bei uns ist es so chaotisch derzeit“, sagte sie, „wir müssen in euren Augen Witzfiguren sein.“
 
„Ach, gnädige Frau, das ist nichts Ernstes“, sagte die Magd. „Jede Familie hat ihre kleinen Probleme. Das ist so natürlich wie das Klirren von Tellern im Picknickkorb. Ihr sorgt euch zu sehr.“
 
Sie ging mit ihnen hinein und setzte sich einen Moment hin, bevor sie zur Herzoginmutter zurückkehrte.
 
Eine Weile später, Bau-tschai war damit beschäftigt, Hsiang-ling Anweisungen zu geben, als Frau Hsüä plötzlich schrie:
 
„Au! Meine linke Brust!“
 
Sie legte sich nieder auf das Ofenbett und versetzte Bau-tschai und Hsiang-ling in große Panik. Doch wenn ihr den Ausgang dieser Begebenheit wissen wollt, müßt ihr zum nächsten Kapitel übergehen.
 
84. Bau-yü hat eine spontane Prüfung, und seine Verlobung wird erstmals diskutiert
 
Djia Huan besucht ein konvulsivisches Kind, und alte Anfeindungen werden neu aufgenommen.
 
  
Bau-tschai identifizierte den plötzlichen Schmerz ihrer Muttter in der linken Brust als eine Bewegung des schlechten Qis der Leber nach oben in die Brust, hervorgerufen durch die schlimme Szene mit Djin-guee. Weil Bau-tschai die Ursache kannte, wartete sie nicht auf den Arzt, sondern schickte sofort einen Diener aus, um ein Paar Kleinigkeiten zu besorgen, braute eine dicke Brühe für Frau Hsüä und gab es ihr zum Einnehmen. Mit Tchiu-ling massierten sie ihre Beine und Brust, damit sie sich entspanne. Eine Weile beruhigten sich alle; doch Frau Hsüä war weiter traurig und wütend. Sie ärgerte sich über Djin-guees abscheuliches Verhalten und war traurig, daß Bau-tschai so eine Demütigung erleiden mußte.
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Bevor Tante Dschau geendet hatte, hörte sie, wie Djia Huan im äußeren Zimmer rief: „Alles, was ich tat, war den Topf umzuwerfen und etwas Medizin zu verschütten! Dein widerliches kleines Balg ist ja nicht gestorben, oder? Es lohnt sich ja nicht, mich so zu beschimpfen! Du wirfst mir vor, daß ich ein schlechter Mensch sei und würdest mich auch noch zu Tode trampeln. Warte bis morgen, dann werde ich sie wirklich beseitigen! Das wäre euch eine Lektion! Sagt ihnen besser, sie sollen aufpassen!“
Letztendlich, nach einer weiteren Dosis töchterlicher Beschwichtigung, schlief sie ein und das Qi aus der Leber hatten die Möglichkeit abzusacken.
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Tante Dschau kam angerannt und hielt ihm den Mund zu.
„Jetzt mach’ dir bitte keine Sorgen mehr, Mama,“ flehte Bau-tschai, als sie aufwachte. „In ein oder zwei Tagen, wenn du dich ausreichend erholt fühlst, warum gehen wir dann nicht rüber und sehen nach der Herzoginmutter und Tante Wang? Das würde dir sehr gut tun. Hsiang-ling und ich kümmern uns derweil hier um alles, während du fort bist. Und ich bin sicher, es wird von Djin-guees Seite keinen Ärger mehr geben.
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„Du verlangst völlig danach, solche schrecklichen Dinge zu sagen! Sie werden mich zuerst töten, mein Junge, paß auf, daß sie es nicht tun!“
Frau Hsüä nickte: „Vielleicht in ein paar Tagen.“
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Die zwei stritten sich eine Weile. Dann hörten sie Hsi-fëngs boshafte kleine Mitteilung, wodurch seine Mutter noch mehr verbittert wurde. Es kam nicht in Frage, daß sie jemanden zu Hsi-fëng mit einer Entschuldigung schicken sollte und obwohl Tjiau-djiä sich einige Tage später wieder vollständig erholte, hatte diese Episode die Fehde zwischen den beiden Familiengruppen noch verstärkt.
Endlich kamen die Neuigkeiten an, daß sich Yüän-tschun erholt hatte und alle in der Familie Djia waren sichtlich erleichtert. Ein oder zwei Tage später kam eine Gesellschaft von Eunuchen aus dem Palast mit Geschenken und Päckchen mit Geld.
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Eines Tages kam Lin Dschï-hsiau, um Dji Dschëng zu berichten, daß der Prinz Bee-djing Geburtstag habe.
Sie verkündeten, es sei der Wunsch der kaiserlichen Nebenfrau, die Familie für ihren Eifer, den sie bei ihrem Besuch während ihrer Unpäßlichkeit zeigte, zu entschädigen. Die Eunuchen überreichten die sorgfältig verpackten Geschenke. Djia Schë, Djia Dschëng und die anderen Männer traten ein, um der Herzoginmutter davon zu berichten, und kamen alle wieder zurück, um sich für die Großzügigkeit zu bedanken. Als die Eunuchen ihren Tee getrunken hatten und gegangen waren, kehrten alle zu den Gemächern der Herzoginmutter zurück. Nach einer Weile, während sie immer noch redeten, kam eine Amme mit einer Nachricht herein:
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„Gibt es dazu irgendwelche besonderen Anweisungen, Herr?“ –
„Die andere Seite berichtet, daß dort ein Besucher mit einem wichtigen Anliegen für Herrn Djia Schë wartet, meine gnädige Dame.“
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„Schicke, was wir gewöhnlich schicken“, antwortete Djia Dschëng.
Die Herzoginmutter gestattete es, er bedankte sich und ging, um sich um diese Angelegenheit zu kümmern. Als er gegangen war, mußte sie plötzlich an etwas denken und ihr Gesicht wurde von einem Lächeln erhellt.
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„Berichte es erst Herrn [Djia Schë], bevor du die Geschenke überbringst.“ – „Sehr wohl, Herr“, sagte Lin Dschï-hsiau und ging, um die nötigen Dinge zu erledigen. Wenig später erschien Djia Schë selbst, um mit Djia Dschëng die Einzelheiten des Besuches zu besprechen. Sie entschlossen sich, Vetter Djia Dschën, Djia Liän und Bau-yü mitzunehmen, um dem Prinzen Bee-djing zu gratulieren. Während dies für die älteren Männer lediglich eine weitere gesellschaftliche Pflichtsache war, war es für Bau-yü eine lang erwartete Gelegenheit. Er war ein feuriger Bewunderer der ansehlichen Erscheinung und des anmutigen Betragens des Prinzen seit der ersten Begegnung, an die er sich erinnern konnte. Er wollte ihn öfter sehen. Er wechselte rasch seine Kleider und begab sich zu den anderen in die nördliche Halle.
„Es ist so rührend“, sagte sie und wandte sich zu Djia Dschëng, „wie die kaiserliche Nebenfrau an Bau-yü denkt! An einem Tag fragte sie sogar nach ihm.
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Bei der Ankunft am Palast präsentierten Djia Schë und Djia Dschëng ihre Visitenkarten und nach kurzer Zeit eilte ein Eunuch herbei, in der Hand eine buddhistische Perlenkette haltend: „Ich hoffe, Ihnen beiden geht es gut?
„Bau-yü will nicht lernen. Ihre Besorgtheit“, antwortete Djia Dschëng mit sarkastischem Lächeln, „ist genauso großzügig wie unverdient.
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Djia Schë und Djia Dschëng erwiderten den Gruß, und die drei Brüder traten vor, um ihre Grüße zu bestellen.
„Doch ich machte einen glänzenden Bericht über ihn!“ protestierte die Herzoginmutter. „Ich sagte, wie gut er mit seinen Aufsätzen vorankäme.“
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„Ihre Kaiserliche Hoheit wird erfreut sein, Sie jetzt zu empfangen.“ Der Eunuch führte die fünf hinein, durch zwei weitere Durchgänge und hinter ein riesiges Prunkgemach, zum inneren Tor der privaten Residenz des Prinzen. Hier hielten sie noch einmal an, während die Eunuchen hineingingen, um ihre Ankunft anzukündigen. Die Gäste ließen sie während ihres Wartens vor dem Tor von einer Gruppe jüngerer Eunuchen unterhalten.
„Ich wünschte nur, es wäre wahr“, sagte Djia Dschëng mit einem vernichtenden Lächeln.
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Nach kurzer Verzögerung kehrte die ursprüngliche Eskorte zurück.
„Aber du und deine Freunde verlangt von ihm doch oft, daß er Verse und Dinge für euch verfaßt. Hat er das nicht geschafft, oder wie? Ich bin sicher, er macht Fortschritte. Er ist noch jung, seid geduldig mit ihm. Ein Sprichwort sagt: ‚Ein Kind wird auch nur Löffelchen für Löffelchen zu einem Wonneproppen,‘ wie das Sprichwort sagt.“
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„Bitte treten sie ein!
Djia Dschëng lächelte pflichtbewußt: „Ja, Mutter.
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Alle traten ehrfürchtig und mit ernsten Gesichtern ein. Der Prinz, in voller Robe seines Standes gekleidet, erwies ihnen das Kompliment, sie in einem der versteckten Gänge in der Nähe des Eingangs zur Haupthalle zu begrüßen. Djia Schë und Djia Dschëng gingen voran, um ihre Aufwartung zu machen, nach Dienstalter geordnet, gefolgt von Dschën, Liän und Bau-yü. Der Prinz nahm Bau-yüs Hand.
„Dies bringt mich,“ fuhr die alte Dame fort, „zu etwas anderem, worüber ich sprechen wollte. Jetzt, wo Bau-yü erwachsen wird, ist es Zeit, daß du und seine Mutter ernsthaft darüber nachdenkt, ihm eine vernünftige Frau zu suchen. Die Hochzeit ist einer seiner wichtigsten Schritte im Leben. Wir müssen uns nicht zu viele Gedanken darüber machen, wie nah sie mit uns verwandt oder wie wohlsituiert sie ist; doch wir müssen sicher sein, daß sie ein gutes Herz hat und ein hübsches Mädchen ist.
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„Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Ich habe oft an dich gedacht.“
„Danke, daß du mich daran erinnerst, Mutter“, antwortete Djia Dschëng. „Doch so sehr ich die Wichtigkeit, eine Braut zu suchen, anerkenne, liegt der erste Schritt, wie ich finde, bei Bau-yü selbst. Ohne eine bemerkenswerte Verbesserung auf seiner Seite wird er kein echter Mann und keine Karriere machen. Sonst wäre das ein bedauerlicher Fehler für die betroffene junge Dame. Sein derzeitiges faules Betragen kann nur eine eheliche Katastrophe verursachen.“
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Er lächelte: „Sag’ mir, wie verhält es sich mit deinem Jadestein?
Seine Antwort gefiel seiner Mutter nicht, sie antwortete: „Ich weiß, daß es die Entscheidung der Eltern ist! Das ist nicht meine Sache! Doch Bau-yü ist bei mir groß geworden, und ich kümmere mich sehr um ihn. Es ist kein Wunder, daß ich mich ein bißchen mehr um ihn kümmere. Es kann sein, daß ich mich um die wichtigen Dinge für ihn nicht so gekümmert habe. Er sieht gut aus, und sein Herz ist anständig. Er wird kein Taugenichts werden, wie könntest du meinen, er bedrohe das Glück junger Mädchen. Ich denke nicht, daß ich voreingenommen bin! Auf jeden Fall ist er dem jungen Huan vorzuziehen. Oder wie denkt Ihr darüber?“
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Bau-yü begab sich in eine halb knieende Position und antwortete mit gesenktem Haupt:
Djia Dschëng fühlte sich nun sehr unbehaglich und antwortete mit geheuchelter Freundlichkeit: „Du kannst das mit deiner größeren Erfahrung natürlich besser beurteilen, Mutter. Du magst darin richtig liegen, daß das Schicksal ihn begünstigt. Möglicherweise ist es meine eigene – wie soll ich sagen? – Ungeduld. Wahrscheinlich bin ich nicht, wie die Vorfahren sagen, blind für die Fehler der eigenen Kinder, sondern blind für die Vorzüge der eigenen Kinder.
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„Die wohltätige Aura Euer Hoheit hat uns vor Unglück bewahrt. Uns geht es allen gut.“ –
Das brachte nicht nur die Herzoginmutter zum Lachen, sondern alle Umstehenden auch.
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„Es gibt heute nichts Besonderes zu essen,“ fuhr der Prinz fröhlich fort, „wir sollten aber die Gelegenheit nutzen, uns gut zu unterhalten, weil du da bist.“
„Ja“, sagte die Herzoginmutter, „und vergiß nicht, wie alt du jetzt bist. Und du bist noch Beamter. Selbstverständlich bist du reich an Erfahrungen.“
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Die älteren Eunuchen hoben die Vorhänge und der Prinz sagte: „Bitte einzutreten“, ging aber selbst zuerst hinein. Djia Schë und die anderen folgten dem Alter gemäß, bewegten sich mit ehrerbietender Haltung. Innen angelangt, war Djia Schë der erste, der seine Geburtstagsglückwünsche überbrachte. Diese nahm der Prinz bescheiden entgegen, während Djia Schë sich niederkniete. Es muss nicht gesagt werden, dass die anderen, nach Dienstalter geordnet, es ihm gleich taten.
Sie wandte sich lächelnd zu den Damen Hsing und Wang und:
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Als diese Formalitäten (eine sehr detailreiche Beschreibung, die der Erzähler hier ausläßt) vorüber waren, begannen Djia Schë und die anderen diskret, ihren Abschied einzuleiten. Der Prinz wandte sich an seine Eunuchen und gab Anweisungen, daß die Eunuchen sich in der Empfangshalle gut um sie, seine Verwandten und die auserwählten Gäste kümmern sollten. Er bat Bau-yü, für ein kleines Gespräch zu bleiben.
„Wenn ihr ihn nur gesehen hättet, als er noch ein Junge war! Er war unmöglich! Doppelt so schlimm wie Bau-yü! Erst die Hochzeit belehrte ihn über ein paar Dinge im Leben. Und jetzt hört er gar nicht mehr auf, sich über den armen Bau zu beschweren. Der Junge ist in seinem jetztigen Alter bereits viel verständiger, als sein Vater es zu der Zeit war.“
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„Setz’ dich!“, begann er, als die anderen gegangen waren. Bau-yü bedankte sich für diese Ehre mit einem Kotau. Er setzte sich vorsichtig auf einen seidenumhüllten Porzellanhocker nahe der Tür, sie sprachen eine Weile über seine Studien, seine Kompositionen und über andere Dinge. Der Prinz schien noch entzückter als je zuvor von seinem kleinen Schützling und bot ihm etwas Tee an. Weiterhin sagte er:
Die Damen lachten und sagten, daß die Schwiegermutter sehr witzig sei. Dann traten die jüngeren Mägde ein und informierten Yüan-yang, daß das Essen bereit sei, serviert zu werden.
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„Exzellenz Direktor Wu war gestern in der Stadt für eine Audienz mit Seiner Majestät. Er sagte mir, daß dein Vater in seiner letzten Aufgabe als Bildungsbeauftragter eine gewissenhafte Unparteilichkeit gezeigt habe und sich den Respekt aller Kandidaten verdient habe, die er begutachtete. Als Ihre Majestät sich bei der Audienz erkundigte, erteilte Wu deinem Vater die größten Komplimente. Wirklich ein gutes Omen ...“
„Sprich lauter!“, rief die Herzoginmutter aus mit wieder hergestelltem heiteren Gemüt. „Weihe mich ein in das Geheimnis!“
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Bau-yü hatte sich eben flink erhoben, als der Prinz zu sprechen begann. Als er fertig war, antwortete er ihm:
Yüan-yang lächelte und gab die Nachricht weiter.
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„Ihr habt uns einen großen Vorzug erwiesen, Eure Hoheit, und Direktor Wu hat überschwengliche Freundlichkeit gezeigt.“
„In diesem Fall“, sagte die Herzoginmutter, „darf sich jeder zum Mittagessen nach Hause zurückziehen, mit Ausnahme von Hsi Feng und Vetter Dschëns Frau. Ich hätte gern, daß sie bleiben und mir Gesellschaft leisten.
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Während er sprach, kehrte ein jüngerer Eunuch von der Rezeption der vorderen Empfangshalle zurück, um den Dank verschiedener Adeliger und Ehrenmänner für das Bankett zu übermitteln, ihre Anerkennungskarten zu präsentieren und  die mittäglichen Grüße für den Prinzen zu übermitteln. Der Prinz warf einen kurzen Blick auf die Kärtchen und gab sie dem jungen Eunuchen lächelnd mit dem Zeichen der dankbaren Kenntnisnahme zurück.
Djia Dschëng, die Damen Wang und Hsing nickten, warteten, bis das Essen aufgetragen war, und dann, nach einigen weiteren Schwänken der alten Dame, brachen sie auf und gingen getrennte Wege.
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Der Eunuch fuhr fort: „Die Mahlzeit, die ihr extra für Herrn Bau-yü vorbereiten ließt, ist nun bereit.“
Nachdem die Dame Hsing gegangen war, kam Djia Dschëng zusammen mit seiner Frau, der Dame Wang, wieder auf das Thema, daß er mit der Herzoginmutter besprochen hatte:
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Der Prinz gab weitere Anweisungen. Der Eunuch begleitete Bau-yü nach draußen zu einem kleinen, aber feinen Hof. Dort wurden die Anwesenden instruiert, während des Mahls zu seiner Verfügung zu stehen. Anschließend kehrte Bau-yü zurück, um dem Prinzen zu danken, und plauderte auf dieselbe höfliche Art mit Prinz Bee-djing weiter. Plötzlich sagte dieser lächelnd: „Als ich das erste Mal diesen Stein von dir sah, war ich, wie du weißt, so davon hingerissen, daß ich bei meiner Rückkehr den Jadearbeitern eine Beschreibung von ihm gab und sie bat, mir auch einen solchen anzufertigen. Ich bin so froh, daß du heute hier bist. Du kannst Ihn dann mit nach Hause nehmen. Es wird dich sicher freuen, daß du ihn behalten darfst.“
„Meine Mutter kümmert sich so sehr um ihren Enkel! Sie hofft, daß er anständig studiert und sich einen guten Namen macht. Hoffentlich enttäuscht er ihre Hoffnung nicht und wird tatsächlich noch eine gute Partie.“
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Er beauftragte einen der jungen Eunuchen, den Jade hereinzubringen, und der Prinz selbst gab ihn Bau-yü, der ihn demütig mit beiden Händen empfing, sich bedankte und sich auf den Heimweg begab. Der Prinz trug zwei jungen Eunuchen auf, ihn nach draußen zu begleiten, wo Djia Schë und die anderen Familienmitglieder auf ihn warteten, und sie gingen alle nach Hause.
„Was Ihr sagt, ist natürlich richtig!“ stimmte die Dame Wang zu.
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Bei ihrer Ankunft begrüßte Djia Schë die Herzoginmutter und begab sich in seine Wohnung. Djia Dschëng mit den drei anderen begrüßte die Herzoginmutter ebenso und gaben einen vollständigen Bericht von ihrem Empfang. Bau-yü berichtete Djia Dschëng die Neuigkeiten, die er über Direktor Wus großzügiges Handeln in Erfahrung gebracht hatte. „Direktor Wu“, erklärte Djia Dschëng, „hat uns ja schon immer sehr gut behandelt. Er ist meine Generation und ein Staatsmann höchster Integrität.“
Djia Dschëng schickte sofort eine Magd mit folgenden Anweisungen für Li Guee los:
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Nach weiterem Plaudern erteilte die Herzoginmutter allen die Erlaubnis zu gehen. Djia Dschëng brach auf und Dschën, Liän und Bau-yü begleiteten ihn bis zur Tür.
„Sag’ Bau-yü, ich wünsche, ihn heute abend zu sehen. Anstatt mich nach der Schule zu besuchen, soll er erst sein Abendbrot einnehmen und danach direkt in mein Arbeitszimmer kommen. Ich habe ihm etwas zu sagen.“ Li Guee nickte.  
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Djia Dschëng sagte: „Geht zurück und leistet Eurer Großmutter noch etwas Gesellschaft!“, und begab sich zurück in seine Wohnung. Er war noch nicht lange da, als eine Magd hereinkam und ankündigte, daß Lin Dschï-hsiau draußen warte, um ihm etwas zu berichten. Sie überrreichte ihm auch eine rote Besucherkarte von „Direktor Wu“. Djia Dschëng wußte, daß es ein offizieller Besuch war, ließ das Dienstmädchen Lin Dschï-hsiau hereinbitten und ging hinaus, um mit ihm im Wandelgang unter dem Dachvorsprung zu sprechen.
Li Guee fing an diesem Nachmittag Bau-yü auf seinem Heimweg von der Schule ab: „Besuchen Sie Ihren Vater heute nicht direkt, sondern essen Sie erst zu Abend und besuchen Sie ihn erst danach, weil er Ihnen etwas zu sagen hat.“ Bau-yü schien vom Blitz getroffen; er besuchte seine Großmutter, eilte zurück zum Hof der Freude am Roten, aß ein kärgliches Mahl, spülte den Mund aus und begab sich zur Wohnung seines Vaters.
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„Seine Exzellenz Direktor Wu wollte sie heute sehen, Herr,“ berichtete Lin. „Ich teilte ihm mit, sie seien unterwegs. Und noch etwas anderes, Herr; Ich habe gehört, daß die Stelle eines Dauerhaften Sekretärs im Arbeitsministerium frei geworden ist. Verschiedene Leute außerhalb und innerhalb des Ministeriums sind alle der Meinung, daß Sie der Richtige für dieses Amt sind.“
Djia Dschëng wartete im inneren Arbeitszimmer auf ihn. Bau-yü trat ein, verbeugte sich und stand dort angespannt.
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„Hm...“, sagte Djia Dschëng, „wir werden sehen.“
Djia Dschëng sagte „Ich bin zur Zeit sehr beschäftigt und hatte noch nicht die Gelegenheit, dich nach der Entwicklung deines Studiums zu fragen. Ich erinnere mich, daß der Lehrer dir einen Monat Zeit zur Nachbearbeitung gab, nach welcher er vorhatte, dich Aufsätze schreiben zu lassen. Da inzwischen zwei Monate vergangen sind, solltest du inzwischen schon angefangen haben, denke ich.“ –
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Lin Dschï-hsiau beriet sich mit seinem Herrn noch über einige andere Dinge und ging.
„Das habe ich, Herr“, antwortete Bau-yü. „Ich habe drei Aufsätze geschrieben. Der Lehrer sagte, ich solle dir jetzt noch keine Aufsätze zeigen, sondern erst später, wenn sie besser würden. Deswegen habe ich dir die Aufsätze in den letzten Tagen noch nicht gezeigt.“ – „Was waren deine ersten drei Themen?
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Nachdem Djia Dschëng die Herzoginmutter verlassen hatte, kehrten Dschën und Liän in ihre eigenen Wohnungen zurück, während Bau-yü zur Herzoginmutter zurückkehrte. Jetzt konnte er ihr alles sagen, was im Palast geschehen war. Er beschrieb, wie freundlich der Prinz ihn behandelt hatte, und nahm den Jade heraus, der ihm geschenkt worden war. Alle schauten ihn sich an, es war eine heitere Stimmung. Die Herzoginmutter beauftragte eine Magd, ihn vorsichtig wegzulegen.
„Das erste war aus den Gesprächen, Buch zwei“, antwortete Bau-yü. „Der Weise sagt, mit 15 habe er zu studieren begonnen.“ Das zweite Thema war auch aus den Gesprächen, Buch eins: „Hasse den nicht, der dich nicht versteht.“ Und das dritte war Mencius, Buch drei, Teil zwei: „Entweder gehört man der Schule Mo oder Yang an“.
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„Hast du deinen eigenen Jade gut aufbewahrt?“, sagte sie zu Bau-yü. „Sonst verwechselst du die beiden noch.“
„Und hast du deine Entwürfe aufbewahrt?“, fragte Djia Dschëng.
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Bau-yü nahm sofort das Original von seinem Hals.
„Ich habe ausreichend Abschriften von allen dreien, Herr, mit den Verbesserungen des Lehrers.“
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„Aber sieh doch!“, sagte er, „die sind so verschieden, wie könnte ich sie jemals verwechseln? Großmutter, das erinnert mich an etwas, das mir letzte Nacht widerfahren ist, als ich gerade ins Bett ging. Ich hatte gerade meinen Jade abgenommen und sie hinter dem Bettvorhang aufgehängt, als sie anfing, zu leuchten. Der ganze Innenbereich meines Bettes war rot.“
„Sind sie zu Hause oder im Schulraum?
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„Wieder Unsinn!“, ermahnte ihn die Herzoginmutter. „Da sind rote Bänder an deiner Vorhangleiste. Kerzenlicht erzeugt dann natürlich ein rotes Leuchten.“
„Im Schulraum, Herr.“
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„Nein, die Kerzen waren alle aus, in meinem Zimmer war es stockfinster und ich sah es immer noch glimmen.
„Dann laß jemanden gehen und sie besorgen. Ich würde sie gerne sehen.“
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Die Damen Hsing und Wang kicherten. Hsi-fëng konnte sich auch nicht zurückhalten rätselhaft zu bemerken:
Bau-yü schickte eine Eilnachricht an Bee-ming: „Gehe in den Schulraum; in der Schublade unter meinem Pult ist ein dünnes Schreibheft aus Bambuspapier, auf dem Achtgliedrige Aufsätze steht. Bring es schnell her!
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„Kein Zweifel, das kündigt die Hochzeit an...
Nach kurzer Zeit kehrte Bee-ming mit dem Heft zurück, welches er Bau-yü gab, der es seinem Vater zeigte. Djia Dschëng schlug die erste Seite auf und begann den ersten Achtgliedrigen Aufsatz von Bau-yü mit dem Thema „Mit 15 zu studieren anfangen“ zu lesen.
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„Welche Hochzeit?“, fragte Bau-yü.
Der Weise nahm sich vor, zu studieren, obwohl er jung war.
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„Davon verstehst du nichts“, sagte die Herzoginmutter, „aber jetzt komm! Es war ein turbulenter Tag für dich, und du solltest nun gehen und dich ausruhen und keine Zeit damit verschwenden, hier Geschichten zu erzählen.
Der Lehrer hatte aber das Zeichen für „jung“ in „fünfzehn Jahre“ korrigiert.
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Bau-yü blieb noch ein bißchen und kehrte dann in den Garten zurück. Als er aus dem Zimmer war, wandte sich die Herzoginmutter:
Djia Dschëng fragte Bau-yü:
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„Nun, warst du schon bei der Frau [Hsüä] und hast mit ihr darüber gesprochen?“ –
„Du hast ja vorher ‚jung‘ geschrieben, das stimmt ja mit dem Thema nicht ganz überein, weil ‚jung‘ die Phase von klein an bis sechzehn Jahren. Dieser Aufsatz geht darüber, wie der Weise darüber spricht, wie er selbst, als er anfing zu studieren, immer weiter voran kam, deshalb die Altersangaben fünfzehn, dreißig, vierzig, fünfzig, sechzig, siebzig. So kann man erst seine Entwicklung sehen. Er beschreibt, wie man bis zu jenem Jahrzehnt jenen Meilenstein erreicht hat; deshalb hat der Lehrer ‚jung‘ in ‚mit fünfzehn Jahren‘ korrigiert. So kann man es besser verstehen.“
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„Ja, Mutter, das wollte ich eigentlich sofort machen“, antwortete die Dame Wang. „Aber weil Hsi-fëng in den letzten Tagen mit der kranken Tjiau-djiä beschäftigt war, konnte ich es erst zwei Tage später machen. Auf jeden Fall scheint seine Tante sehr erfreut über diese Idee, doch sie sagt, sie müsse warten, bis Pan nach Hause komme, bevor sie sich auf etwas festlegt. Sie muß erst ihn als ältesten Mann der Familie befragen.“
Im Achtgliedrigen Aufsatz folgte auf zwei Sätze Einleitung eine Interpretation, so las Djia Dschëng die Interpretation.
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„Wohl wahr“, sagte die Herzoginmutter, „dann müssen wir wohl abwarten, bis sie darüber gesprochen haben. Unterdessen kein Wort davon zu niemandem, bis eine endgültige Entscheidung der Frau [Hsüä] vorliegt.“
Bau-yüs Text, bevor der Lehrer diesen korrigiert hatte, lautete:
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Wir müssen nun diese Hochzeits-Plauderei verlassen und begeben uns zur unwissenden Hauptperson, die sich bei ihrer Ankunft im Roten Hof der Freude Hsi-jën anvertraute:
„Wenn ein Mann nicht zum Studium motiviert ist, ist er ein gewöhnlicher Mensch.“
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„Großmutter und Hsi-fëng haben über etwas sehr seltsam gesprochen heute Morgen. Ich weiß nicht, um was es geht.“
Djia Dschëng schüttelte den Kopf und sagte: „Du bist ja noch recht kindisch. Man sieht ja, daß in dir keine Motivation zum Gelehrten steckt. Dann ging er weiter im Text: „Der Weise hat mit 15 schon angefangen zu studieren, wie schwer muß das sein.“ – Wie kann man denn so etwas schreiben, das ist doch kein Satz.“ Er sah dann die Korrektur des Lehrers. „Wie sollte der Mann nicht studieren, wenn er nicht vorhat, ein Elite-Gelehrter zu wer­den? Deshalb glaubt der Weise, mit 15 zu studieren anfangen zu können.Er fragte, „Hast du verstanden, was der Lehrer korrigiert hat?“ – „Ich habe es verstanden.
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Hsi-jën blickte einen Moment nachdenklich.
Djia Dschëng ging zum zweiten Thema über: „Hasse den nicht, der dich nicht versteht.Djia Dschëng las die korrigierte Version des Lehrers, übersetzte sie sich selbst und fuhr fort:
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„Ich habe auch keine Ahnung“, entgegnete sie dann mit einem besonderen Lächeln: „Ich überlege, war Fräulein Lin dabei, als sie darüber sprachen?“  
„Wenn man sich nicht versteht und man sich nicht haßt, teilt man auch die Freude nicht.
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„Seit Fräulein Lin krank ist, wie könnte sie da bei der Großmutter sein?“
Er kniff seine Augen zusammen, um Bau-yüs verwischtes Original zu entziffern:
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Das Gespräch wurde durch Geräusche von Schë-yüä und Tjiu-wën unterbrochen, die sich im Nebenzimmer stritten.
„Was hast du denn geschrieben? ‚Wenn man kein wütendes Herz hat, gehört man zu den Gelehrten.‘ Mit diesem Satz hast nur das halbe Thema behandelt. Das muß ja korrigiert werden, damit es mit dem Thema zusammenpaßt. Der Folgesatz muß ja den Anfangstext erklären, so kann der Text ja erst fließen und logisch sein. Du brauchst Sorgfalt und Verständnis, dann erst kann es klappen.“
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„Was ist los mit euch beiden?“, rief Hsi-jën. –
Bau-yü stimmte zu. Djia Dschëng las weiter und sagte: „Du weißt nicht, daß jeder wütend werden kann? Wie soll denn das gehen? Wie könnte man auf diesem Wege noch erreichen, dann noch über Freude zu sprechen?“ Der Original-Satz von Bau-yü war: „Oder gehört man nicht zu den Gelehrten?“ – Djia Dschëng sagte: „Das ist der gleiche Fehler, was geändert wurde, ist richtig. Obwohl ich einigermaßen verstehe, was du damit sagen willst. Man kann es gerade durchgehen lassen.“ –
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„Wir haben Karten gespielt. Sie hat gewonnen und mein Geld genommen. Jetzt, wo sie verliert, will sie das Geld nicht mehr herausrücken. Jetzt bin ich komplett ausgeraubt“, antwortete Schë-yüä.
Das dritte Thema war: „Alle Äußerungen auf der Welt gehören nicht zur Yang-Schule der Orthodoxie, sondern zur Mo-Schule der Häresie.“ Djia Dschëng las das Thema, hob den Kopf, dachte eine Weile nach und fragte dann Bau-yü: „Spielt dies auf die Passage bei Meng-zi an, die der Überschrift vorausgeht? Seit ihr schon so weit im Stoff?“
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„Ach kommt schon!“ ermahnte sie Bau-yü lachend, „seid doch nicht dumm! Wer will sich schon über ein paar Münzen streiten?“ Beide ließen von einander, gingen schmollend fort und ließen Hsi-jën Bau-yü für die Nacht herrichten.
Bau-yü antwortete: „Meng-zi ist leicht verständlich, deshalb haben wir ihn vorgezogen. Bis vorgestern haben wir Meng-zi beendet. Heute lesen wir wieder die Gespräche.“
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Jetzt war Hsi-jën sicher, daß die rätselhafte Unterredung, die Bau-yü erwähnte, irgendwie mit seiner Verlobung zu tun haben mußte. Sie hatte ihre Unwissenheit nur vorgetäuscht, aus Angst, daß die Erwähnung eines solch ernsten Themas in seiner derzeitigen Verfassung noch mehr dummes Gerede Bau-yüs produzieren würde. In ihrem Herzen war dies aber die wichtigste Angelegenheit, die sie beschäftigte. Sie selbst fürchtete diese Neuigkeiten und lag in dieser Nacht wach. Dabei fiel ihr ein, daß sie am besten gleich am nächsten Morgen Dsï-djüan besuchen würde. Sie würde schauen, ob es von ihrer Seite Anzeichen gab, und dann würde sie Bescheid wissen.
Djia Dschëng sah, daß Bau-yüs Text nicht viel vom Lehrer korrigiert worden war. In der Einführung stand: „Die Wörter, die außerhalb der Yang-Schule gesprochen werden, können nicht zur Yang-Schule gehören.“ – „Der zweite Satz ist ja etwas schwierig für dich: „Der Mensch der Mo-Schule ist derjenige, der frei von Gier ist. Die Gedanken der Mo-Schule haben die halbe Welt erreicht, aber alles außerhalb der Yang-Schule. Die Gier gehört nicht zur Mo-Schule, ist das nicht so?“ – Djia Dschëng fragte: „Hast du das geschrieben?“ –
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Also stand sie am nächsten Tag früh auf, machte sie sich selbst zurecht, nachdem sie Bau-yü zur Schule geschickt hatte, und spazierte durch den Garten zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß. Dsï-djüan war im Fronthof Blumen pflücken und grüßte sie mit einem Lächeln: „Komm her und setz’ dich nach drinnen!“ – Hsi-jën ging hinein und setzte sich.
„Jawohl, Herr.
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„Nun, so setze ich mich. Wie ich sehe, bist du mit deinen Blumen beschäftigt... Was ist mit dem Fräulein?“  
Er nickte nachdenklich.
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„Sie hat sich gerade zurechtgemacht. Sie wartet darauf, daß ihre Medizin aufgewärmt wird.“
„Natürlich ist nichts Brilliantes daran, doch für den ersten Versuch ist es nicht schlecht, muß ich sagen. Ah, Mencius! Ich erinnere mich, wie ich während meiner obligatorischen Zeit als Prüfer die Gelegenheit hatte, eines meiner Themen zu bearbeiten. Das Thema war von Menzius: ‚Nur ein Gelehrter kann ohne festes Einkommen und Kapital feste moralische Prinzipien haben und sich rechtschaffen verhalten‘. Damals hat keiner der Kandidaten des ersten Grades, muß ich leider sagen, deren Köpfe voll mit Standard-Kompositionen über dieses Thema waren, etwas Originelles hervorgebracht. Alles Nachahmungen. Bist du mit dem Zitat vertraut?“ –
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Dsï-djüan nahm Hsi-jën mit nach innen. Dai-yü las ein Buch, was Hsi-jën direkt ein Gesprächsthema lieferte. Sie lächelte liebenswürdig: „Kein Wunder, daß Ihr Euch geistig verausgabt. Ihr steht auf und lest schon ein Buch. Wenn unser zweiter Herr Bau Ihrem Beispiel nur ein bißchen folgen würde, wie könnte das nicht gut werden?“
„Ja, Herr. Mencius, Buch Eins, Teil Zwei“, sagte Bau-. Djia Dschëng sagte: „Ich will, daß du deine Einstellung wechselst. Greife nicht auf die Tradition zurück, sondern denke dir etwas aus. Auch eine Eröffnung wäre in Ordnung.“
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Dai-yü lächelte und legte das Buch nieder. Währenddessen kam Hsüä-yän mit einem kleinen Teetablett mit einem Schüsselchen Medizin und einem mit Wasser. Gefolgt wurde sie von einer jungen Magd, die einen Spucknapf trug.
Bau-yü stimmte unwillig zu. Er senkte konzentriert seinen Kopf und begann, sich den Kopf über einen prägnanten Einleitungssatz zu zerbrechen, während Djia Dschëng gedankenvoll im Eingang stand und die Hände hinter dem Rücken hielt. Genau in diesem Moment flitzte ein winziger Page vorbei. Als er den Herrn im Eingang stehen sah, erstarrte er, sein Körper war sichtlich gebeugt, seine Arme hingen schlaff herunter.
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Eigentlich war es Hsi-jëns Absicht, sie auszuhorchen; sie saß eine Weile, doch fand keinen passenden Gesprächseinstieg, und sie dachte auch, daß es das Risiko nicht wert war, das Fräulein, das sich immer so viele Gedanken machte, zu kränken, um die Informationen zu erhalten. Nachdem sie nun eine Weile dort gesessen und planlos geplaudert hatte, verabschiedete sie sich und ging nach Hause.
„Was ist dein Anliegen, Junge?“, fragte Djia Dschëng.
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Sie näherte sich dem Roten Hof der Freude, als sie zu ihrer großen Überraschung zwei männliche Figuren etwas weiter weg stehen sah. Sie hielt es für diskreter, sich nicht weiter zu nähern. Einer von ihnen hatte sie bereits gesichtet und rannte zu ihr herüber. Es stellte sich heraus, daß es Tschu-yau war [einer von Bau-yüs Pagen].
„Frau Hsüä ist gerade bei der gnädigen Herrin angekommen, und Frau Liän hat mich mit speziellen Anweisungen für die Küche geschickt, Herr.“ Djia Dschëng hörte das, gab keine Antwort, und der Page verschwand.
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„Was tust du hier?“, fragte sie ihn.
Seit Bau-tschai aus dem Garten abgereist war, vermißte Bau-yü sie sehr. Als er nun hörte, daß Frau Hsüä zu Besuch sei, vermutete er, daß Bau-tschai auch da wäre. Seine Aufregung über den Gedanken, sie wiederzusehen, spornte ihn an:
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„Der zweite Herr Yün kam gerade mit einem Brief und sagte, er sei für unseren zweiten Herrn [Bau-yü], und deshalb bin ich hier.
„Ich habe den Entwurf einer Eröffnung für Sie, aber ich weiß nicht, ob es geht.“ –
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„Aber du mußt doch wissen, daß der zweite Herr Bau jeden Tag in die Schule geht, worauf wartet ihr also?“
„Dann laß mal hören!“, erwiderte Djia Dschëng.
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„Das habe ich ihm auch gesagt“, sagte Tschu-yau schüchtern grinsend. „Doch er sagte, ich solle es dir erzählen und stattdessen auf deine Antwort warten.“
Bau-yü las vor: „Nicht alle Gelehrten auf dieser Welt können ohne Kapital gut sein.“
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Hsi-jën wollte gerade antworten, als sie bemerkte, daß der andere Mann begann, ihnen entgegenzuschlendern. Eine eingehende Betrachtung bestätigte, daß der heimliche Eindringling tatsächlich Djia Yün war. Sie drehte sich Tschu-yau zu und sagte forsch:
Djia Dschëng nickte.
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„Sag’ ihm, ich werde den Brief unverzüglich an den zweiten Herrn weiterleiten.“
„Das geht. In Zukunft mußt du, wenn du Aufsätze schreibst, die Themenabgrenzung klar erkennen, erst wenn du das verstanden hast, darfst du deinen Pinsel schwingen. Sag’ mir, wußte deine Großmutter, daß ich nach dir schickte?
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Djia Yüns langsames Heranschreiten sollte sein wahres Ziel verdecken, welches war, mit der angesehenen Hsi-jën ein Tête-à-tête zu arrangieren, wollte sie aber auch nicht verärgern. Seine Abweisung (die er sehr deutlich vernahm), zwang ihn, wenn auch innerhalb seines Zielbereiches, seine Pläne zu verwerfen und zu einem vorzeitigen Stillstand zu kommen. Hsi-jën drehte sich auf ihrem Absatz um und begab sich zum Hof der Freude am Roten. Djia Yün konnte nichts tun und ging ganz enttäuscht mit Tschu-Yau zurück.
„Ja, Herr.“ –
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Hsi-jën teilte diesen Zwischenfall am Abend Bau-yü mit, als er von der Schule zurückkehrte:
„Wenn das so ist, dann geh jetzt dorthin.“ –
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„Dieser junge Herr Yün war heute hier“, sagte sie.
„Ja!“
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„Was wollte er?“  
Bau-yü begab sich rückwärts aus dem Arbeitszimmer und ging über den gepflasterten Weg, imitierte dabei bis zur Perfektion die gemächliche Gangart eines Gelehrten. Sobald er das Mondhöhlentor am Ende des Ganges erreicht hatte und diese große schützende Abschirmung zwischen sich und dem Arbeitszimmer war, begann er zu rennen und stürmte direkt zu den Gemächern der Herzoginmutter.
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„Er hinterließ Ihnen einen Brief.“ –
„Vorsicht, stolpere nicht!, rief Bee-ming ihm nach.
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„Wo ist er? Zeig’ ihn mir mal.
Bau-yü hörte das nicht. Als er sich dem Eingang zu den Gemächern der Herzoginmutter näherte, konnte er den Klang von Gesprächen und Gelächter von innen her hören. Er konnte unter anderem die Stimme seiner Mutter, der Dame Wang, Hsi-fëng und Tan-tschun ausmachen.
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Schë-yüä besorgte den Brief von der Buchablage aus dem inneren Zimmer und gab ihn Bau-yü. Auf dem Umschlag stand: „An meinen verehrten Onkel.“  
Wie die Mägde ihn kommen sahen, zogen sie schnell den Vorhang beiseite und flüsterten ihm im Vorbeigehen zu: „Frau Hsüä ist hier, damit du es weißt.“
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„Lustig“, sagte Bau-yü, „ich dachte, ich sollte sein Vater sein!“ –
Bau-yü eilte, um seine Tante zu begrüßen und machte dann seiner Großmutter die abendliche Aufwartung. Die Herzoginmutter fragte: „Warum kommst du erst so spät von der Schule?“
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„Was?“, erwiderte Hsi-jën.  
Er berichtete ihr ausführlich von seinem Gespräch mit Djia Dschëng, und ihr Gesicht strahlte vor Freude und Begeisterung.
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„Erinnerst du dich nicht, vorletztes Jahr, als er mir weiße Begonien brachte, bezeichnete er mich als ‚verehrter Vater‘? Und heute schreibt er auf dem Umschlag ‚Onkel‘ – er erkennt mich nicht mehr als Vater an...“ – Hsi-jën sagte: „Er schämt sich nicht, und du schämst dich auch nicht! Er ist ja schon groß und soll dich, der auch schon so groß ist, als seinen Vater anerkennen? Er sollte sich wirklich schämen. Du bist ja noch nicht mal...“
„Wo ist Kusine Bau-tschai?“, fragte er an die gesamte Gesellschaft gewandt.
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Hsi-jën stockte. Sie errötete und lächelte verlegen. Bau-yü bemerkte das.
„Sie konnte heute nicht mit mir kommen“, sagte Frau Hsüä lächelnd, „sie und Hsiang-ling haben zu Hause noch viele Näharbeiten zu verrichten.
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„Wer weiß?“, witzelte er, „man sagt ja: ‚Ein Mönch hat keine Kinder, aber viele, die ihn wie einen Vater verehren.‘ Ich sehe ihn nur als einen einnehmenden Menschen, deshalb mache ich das überhaupt. Wenn er es nicht will, bereue ich es auch nicht.“ –
Bau-yü war sehr enttäuscht, wagte es aber nicht, sofort wieder zu gehen. Das Essen wurde aufgetragen und die Herzoginmutter und Frau Hsüä setzten sich an den Tisch, während Tan-tschun und die anderen weiter unten Platz nahmen.
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Während Bau-yü den Brief öffnete, fuhr Hsi-jën fort: „Wenn du es genau wissen willst, der kleine zweite Herr Yün sah ja merkwürdig aus. Er guckt mal heraus, mal versteckt er sich, ich glaube, er ist ein schlechter Kerl.
„Wo soll Bau-yü sitzen?“, fragte Frau Hsüä.
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Bau-yü war zu sehr darin vertieft, den Brief zu öffnen, als daß er ihr zugehört hätte. Sie studierte sein Gesicht, während er las. Ein Stirnrunzeln, dann ein Lächeln, welches überging in ein Kopfschütteln und letztlich dem Ausdruck der Ungeduld. Als er fertig zu sein schien, fragte Hsi-jën: „Worum geht es denn?
„Er kommt hier an meine Seite“, sagte Herzoginmutter mit einem Lächeln.
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Bau-yü antwortete nicht, sondern zerriß den Brief in Stücke. Hsi-jën sah das und wußte, daß sie nicht weiter fragen sollte. Stattdessen fragte sie:
„Li Guee sagte mir, ich solle erst essen, bevor ich Vater antreffe,“ informierte sie Bau-yü eilig, „deshalb verlangte ich nach einem schnellen Mahl, als ich aus der Schule kam. Ich bekam einen Teller mit Fleisch und Gemüse, eine Schale Reis und Tee. Fahrt doch bitte fort.“
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„Hast du vor, nach dem Abendessen noch etwas zu lesen?“
„In diesem Fall“, sagte die Herzoginmutter, kann Hsi-fëng kommen und bei uns sitzen. Deine Mutter sagt, heute sei einer ihrer vegetarischen Tage, deshalb kann sie alleine essen.
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„Was für ein lächerliches kleines Kind, dieser gemeine Yün!“
„Das stimmt“, sagte die Dame Wang zu Hsi-fëng. „Du speist mit ihnen. Warte nicht auf mich. Ich werde daheim mein Gemüse essen.“
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Hsi-jën lachte über diese Aussage, nach der sie nicht gefragt hatte, und fragte: „Worum geht es eigentlich?“ –
Hsi-fëng nahm höflich Platz, und die Mägde teilten Weinschalen und Stäbchen aus. Dann ging Hsi-fëng mit einer Weinkaraffe herum und ging, als eines jeden Schale voll war, zurück an ihren Platz.
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„Frag’ nicht! Laß uns zu Abend essen! Danach gehe ich gleich schlafen. Es ist nur nervig.“
Nachdem alle etwas Wein getrunken hatten, fragte die Herzoginmutter Frau Hsüä:
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Er wies eine der jüngeren Mägde an, Feuer anzuzünden und warf die Stücke von Yüns Brief hinein.
„Hörte ich dich nicht gerade Hsiang-ling sagen? Das ist lustig. Eines meiner Dienstmädchen sprach vor kurzem noch über jemanden, der Tjiu-ling genannt wird, und ich konnte mir überhaupt nicht vorstellen, wer damit gemeint sein könnte. Als ich sie fragte, sagte sie mir, es sei Hsiang-lings neuer Name. Jetzt sag’ mir, wofür ändert sie bloß ihren Namen?
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Das Abendessen wurde bald serviert, doch Bau-yü war dazu nicht in Stimmung und starrte nur mürrisch vor sich hin.
Frau Hsüäs Wangen erröteten schnell, und sie seufzte: „Bitte sprich darüber nicht noch einmal. Seit dem Tag, als Pan die Frau geheiratet hatte, die gut und böse nicht unterscheiden kann, hatten wir keine friedlichen Momente mehr. Die Zankereien, die Garstigkeiten, es war grauenhaft. Ich habe mehrmals versucht, mit ihr zu reden, doch sie ist unzugänglich für Vernunft. Und ich halte es nicht mehr aus, ständig in Streitereien zu geraten, deswegen lasse ich sie streiten. Ja, sie beschloß, Hsiang-lings Namen zu ändern. Das liegt bestimmt daran, daß sie den Namen des Mädchens nicht mochte.“
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Hsi-jën drängelte ihn auf allerlei Arten, bis er endlich etwas aß, doch er stellte seine Schüssel wieder hin und saß halb aufgerichtet im Bett, plötzlich begann er zu weinen.
„Also“, sagte die Herzoginmutter, „Namen sind Schall und Rauch.“ –
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Weder Hsi-jën noch Schë-yüä wußten, was sie tun sollten.
„Ich könnte vor Scham sterben!“ schrie Frau Hsüä. „Ich bin sicher, ihr alle wißt den wahren Grund. Es lag nicht am Namen. Sie hat davon erfahren, daß Bau-tschai den Namen verliehen hatte. Das war es, was sie wirklich zu beanstanden hatte.
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„Alles ist gut, warum bist du schon wieder so?, sagte Schë-yüa. „All dies ist Yüns Schuld, oder wie auch immer sein verdammter Name ist. Ich kann mir nicht vorstellen, was in diesem blöden Brief gestanden haben kann, daß er so einen Eindruck auf dich machte, in der einen Minute warst du am Lachen, in der nächsten bitterlich am Weinen. Wenn du noch länger auf so seltsame Art weitermachst, wie können wir das weiter ertragen.“
„Was meinst du?, fragte die Herzoginmutter.
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Sie war selbst den Tränen nahe. Hsi-jën fand das beinahe zum Lachen:
Frau Hsüä mußte die ganze Zeit mit einem Taschentuch ihre Augen betupfen. Sie seufzte noch einmal tief, bevor sie in der Lage war, fortzufahren.
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„Liebste Schwester, mach’ doch bitte nicht alles noch schlimmer. Er plagt sich doch bereits mit genug Dingen herum. Vielmehr könnte man meinen, der Brief hätte etwas mit dir zu tun...“ –
„Weißt du es sicher nicht? Absolut alles, was meine Schwiegertochter macht, geschieht mit der Absicht, Bau-tschai zu provozieren. Vorgestern, als du jemanden schicktest, um nach mir zu sehen, waren wir mitten in einer dieser Szenen!“ –
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„Also das ist wirklich eine dumme Bemerkung, muß ich sagen!“, antwortete Schë-yüä. „Du weißt, daß irgendwelche Dummheiten darin standen. Warum ziehst du mich da mit rein? Wenn du so sprichst, hat es vielleicht ja viel eher etwas mit dir zu tun...
„Das muß an dem Tag gewesen sein, als du, wie ich hörte, einige Leberbeschwerden hattest“, sagte die Herzoginmutter taktvoll. „Ich schickte jemanden, der nach dir sehen sollte, doch dann hörte ich, daß es dir wieder besser ginge und dachte daher nicht weiter darüber nach. Wenn du mich fragst, rate ich dir, es dir nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen. Sie sind ein frisch verheiratetes Paar und du mußt ihnen Zeit geben. Und du kannst so froh sein,  Bau-tschai zu haben. Sie ist so ein freundliches, unerschütterliches Mädchen. Sie mag zwar jung sein, aber sie ist einige Male stärker als ein Erwachsener! Als meine Magd zurückkam und uns erzählte, was an diesem Tag passiert und wie sie damit umgegangen sei, haben wir sie alle sehr gelobt. So ein wunderbarer Charakter! Sie sticht aus hundert Mädchen hervor. Wenn sie einst heiratet - nimm mir nicht übel, daß ich es erwähne - wird es keine Schwiegereltern geben, die sie nicht mögen. Und auch die ganze Familie wird von ihr überzeugt sein, da bin ich sicher.“
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Bevor Hsi-jën antworten konnte, kam prasselndes Gelächter aus dem Bett, Bau-yü setzte sich auf, schüttelte seine Kleider und sagte zu beiden:
Bau-yü empfand den Inhalt dieses Gespräche als unausstehlich und suchte nur nach einer Ausrede, um gehen zu können. Aber als seine Großmutter mit ihrer Lobrede auf Bau-tschai anfing, hörte er erstarrt weiter zu.
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„Jetzt ist es aber genug. Laß uns schlafen! Ich muß morgen früh zur Schule.“ Mit diesen Worten zog er sich zurück und legte sich schlafen.
„Was bringt das?“, fragte Frau Hsüä. „Was auch immer ihre Vorzüge sein mögen, sie ist letztlich doch nur eine Tochter. Mit einem so hoffnungslosen Sohn wie Pan werde ich keinen Frieden finden. Immer wieder bin ich in Sorge, wenn er unterwegs zu seinen Lieblingsorten ist, jede Menge trinkt und wieder in eine Rauferei gerät. In der Tat ist die einzige Zeit, in der ich mich beruhigt fühle, wenn er hier bei seinen Vettern Dschën und Liän ist.“
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Die Nacht ging ereignislos vorüber und am nächsten Morgen, nachdem er sich zurechtgemacht hatte, ging er in die Schule. Er ging gerade durch das Hoftor, als er sich an etwas erinnerte. Er sagte Bee-ming, er solle warten. Er kehrte um und rief „Wo ist Schwester Schë-yüä?
Hier brachte sich Bau-yü ein:
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Sie kam herbeigeeilt: „Wieso sind Sie wieder zurück, was ist denn los?“ – „Wenn Yün heute wiederkommt, sag’ ihm, er soll keinen Ärger machen, oder ich werde es der gnädigen Frau und [ihrem Sohn] dem gnädigen Herrn [Dschëng] berichten.“ – „Das werde ich.Bau-yü brach erneut auf und war auf dem Weg nach draußen, da sah er, wie Djia Yün nervös herkam. Als er Bau-yü sah, grüßte er sofort und sagte:
„Es gibt wirklich nichts zu befürchten, Tantchen. Ich kann für Vetter Pans Freunde bürgen. Sie sind alle ernsthafte Geschäftsmänner und viel zu anständig, um sich in Ärger verwickeln zu lassen.“
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„Meine herzlichsten Glückwünsche, Onkel!
„In diesem Fall“, sagte Frau Hsüä mit einem Lächeln, „sollte ich mir besser doch keine Sorgen machen.“
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Bau-yü verstand dies als Anspielung auf die Sache in dem Brief vom Vortag und antwortete knapp: „Du bist ja viel zu taktlos! Du kümmerst dich nicht darum, wie es anderen geht, du kommst nur um Chaos zu bringen...“ –
Das Abendessen war gerade vorbei, als sich Bau-yü damit entschuldigte, daß er noch etwas für den Abend vorzubereiten habe. Die Mägde servierten den Tee, als Hu-po den Raum betrat und etwas in das Ohr der Herzoginmutter flüsterte. Sie drehte sich zu Hsi-fëng:
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„Aber Onkel!“ protestierte Djia Yün mit einem süffisanten Lächeln. „Wenn du mir nicht glaubst, schau’ dich selbst an. Die Massen stehen vor dem Tor.“ –
„Du solltest besser schnell gehen. Es ist Tchiau-djie.“ Hsi-fëng hatte keine Ahnung, um was es gehen könnte, und die anderen waren genau so verwundert wie sie.
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„Was erzählst du?“ gab Bau-yü kurz zurück, seine Stimme wurde immer aufgeregter.
„Ping schickte eine ihrer jüngeren Mägde mit einer Nachricht für sie, Frau Liän,führte Hu-po aus und ging dort hin, wo Hsi-fëng saß. „Fräulein Tchiau-djie scheint es überhaupt nicht gut zu gehen, wenn Sie dann bitte so schnell wie möglich hinübergehen könnten.“ –
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In diesem Moment schwappte eine Welle von Rufen und Pfeifen von der Straße herein.
„Am besten gehst du jetzt sofort“, sagte die Herzoginmutter. „Du mußt nicht auf der Feier für deine Tante Hsüä bleiben.“ –
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„Onkel, hörst du das!“, rief Djia Yün. „Glaubst du mir nun?“
„Ja, Großmutter“, sagte Hsi-fëng und verabschiedete sich von Frau Hsüä. Als sie auf dem Weg nach draußen war, hörte sie die Dame Wang sagen:
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Bau-yü war noch verblüffter als zuvor. Aus dem ganzen Klamauk konnte er kein Wort erkennen. Er rief: „Habt ihr Leute keine Manieren? Was fällt euch ein, hierher zu kommen und so einen Aufstand zu machen?“
„Geh du erst hinüber, ich komme gleich. Ermahne die Mägde, ruhig zu sein und nicht zu viel Wirbel zu machen. Die Kleinen werden so schnell unruhig. Und vergewissere dich, daß die Katzen und Hunde gut aus dem Weg gehalten werden. Armes Kind! Aber ich glaube, solche Störungen kann man selbst in einer derart reich gesegneten Familie wie unserer erwarten.“
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Eine Stimme antwortete: „Da der Herr befördert wurde, wie könnten wir nicht herkommen um Euch zu gratulieren? Andere Leute träumen davon und erreichen nichts.
Hsi-fëng versprach der Dame Wang, ihre Anweisungen auszuführen, und ging mit ihrer Magd fort. Nach ihrem Abgang erkundigte sich Frau Hsüä weiter nach Dai-yüs Gesundheit.
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Bau-yü verstand, daß die Beförderung von Djia Dschëng zuletzt offiziell ausgerufen worden war und daß der Lärm vor den Toren von einer Menge von Leuten kam, die gratulierten. Ihre Begeisterung steigerte die Lautstärke immer mehr. Er wollte gerade losgehen, als Djia Yün rief: „Freust du dich nicht, Onkel? Wenn du dich jetzt noch verloben würdest, verhieße das ja doppeltes Glück ...“
„Fräulein Dai-yü geht es soweit gut“, antwortete die Herzoginmutter, „sie nimmt nur alles so schwer. Wenn du mich fragst, zehrt das an ihrer Gesundheit. Sie mag zwar so klug wie Bau-tschai sein, doch im Umgang mit Menschen kann man sie nicht vergleichen. Bau-tschai ist so anständig, großzügig und rücksichtsvoll.
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Bau-yü errötete heftig, und er spuckte Djia Yün ins Gesicht: „Pfui! Warum verschwindest du nicht einfach? Du ekelst mich an!“
Das Gespräch ging noch etwas weiter, und dann sagte Frau Hsüä, sie müsse gehen.
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Djia Yün errötete ebenfalls. „Was soll denn das? Ich sehe, du bist ein wenig...“ –
„Ruht euch nun aus. Ich sehe besser nach, wie Bau-tschai und Hsiang-ling daheim zurecht kommen. Ich gehe dann mit Tante Wang und schaue auf meinem Weg bei Tchiau-djie vorbei.“ –
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„Ein wenig was?“, fragte Bau-yü wütend.
„Was für eine gute Idee“, sagte die Herzoginmutter. „Mit deiner Erfahrung wirst du ihnen einen nützlichen Rat geben können, da bin ich sicher.
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Doch Djia Yüns Nerven ließen ihn im Stich und er ließ seine Bemerkung unvollendet.
Frau Hsüä brach auf und ging mit der Dame Wang zu Hsi-fëngs Wohnung.
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Bau-yü eilte zur Schule, wo Dai-ju ihn mit einem Lächeln begrüßte:
Um zu Djia Dschëng zurückzukommen: er war wirklich angenehm überrascht von Bau-yüs Darbietung an diesem Abend und erwähnte es später im Zuge einer Unterhaltung mit seinen Gästen im äußeren Arbeitszimmer. Ein Neuzugang unter ihnen, ein ausgezeichneter Go-Spieler mit dem Namen Wang Örl-tiau, auch Vermittler Wang genannt, bemerkte: „Ich denke, Herr Bau-yü hat in seinen Studien gute Fortschritte gemacht. Er entwickelt sich so langsam zu einem kultivierten jungen Gesellen.“
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„Ich habe eben die guten Nachrichten gehört, mein Junge. Ich muß sagen, ich bin überrascht, dich heute überhaupt hier zu sehen.“ –
„Ich denke eher nicht“, antwortete Djia Dschëng, „sein Verständnisvermögen hat sich verbessert, das versichere ich euch. Aber Bildung? Nein, er hat noch einen weiten Weg zu gehen.“ –
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„Ich dachte, ich sollte es euch zuerst berichten, Herr, bevor ich meine Glückwünsche überbringe“, antwortete Bau-yü mit einem freundlichen Lächeln.
„Kommen sie schon, Herr Dschëng!“, sagte Dschan Guang. „Sie sind wirklich zu bescheiden. Wir alle teilen Freund Wangs Meinung. Herr Bau-yü wird es sicher weit bringen.“ –
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„Ich verstehe. Also gut, heute brauchst du nicht zum Unterricht. Nutze deinen freien Tag. Doch bitte vertrödel dich nicht im Garten. Da du auf Grund deines Alters noch nicht aktiv an den familiären Angelegenheiten teilnehmen kannst, solltest du mit deinen älteren Vettern lernen.“
„Ich fürchte, es ist eure Vorliebe für diesen Jungen, die euch zu dieser Meinung bringt,“ war die Antwort ihres Gastgebers, doch er war sichtlich begeistert.
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„Ja, Herr.“
„Mit ihrer Erlaubnis, Herr,“ fuhr Herr Wang fort, „es gibt in diesem Zusammenhang noch ein anderes Thema, das ich gerne anschneiden möchte, wenn ich darf.“ –
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Bau-yü kehrte nach Hause zurück. Als er sich dem zweiten Eingangstor näherte, kam ihm Li Guee entgegen, der ihm gratulierte.
„Auf jeden Fall.“
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„Da ist ja der zweite Herr“, sagte Li Guee, der lächelnd neben ihm stehenblieb. „Ich wollte gerade zur Schule gehen, um Sie zu holen.“ –
Wang lächelte.
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„Wer hat dir das aufgetragen?“, fragte Bau-.
„Nach meiner Kenntnis, hat seine Exzellenz Dschang, welcher zuletzt Präfekt des Kreises Nanshuo war, eine Tochter, Herr, ein sehr ansehnliches, fleißiges und durchaus lobenswertes Kind, so wurde mir erzählt, und noch nicht verlobt. Exzellenz Dschang hat sonst keine eigenen Söhne und ist, sollte ich hinzufügen, ein Mann mit enormem Reichtum. Er ist sehr eigen in seiner Art und verlangt, daß sein Schwiegersohn nicht nur einer bedeutenden und wohlhabenden Familie entstammt und klug, sondern auch ein Mann von ausgewähltem Charakter ist. In den zwei Monaten, in denen ich dort war, Herr, wurde ich des moralischen und intellektuellen Formats des jungen Herrn Bau-yü gewahr, die für die Zukunft Großes versprechen. Käme ein Antrag von einer so  erhabenen Familie wie der Eurigen, Herr, bedürfte es nur, da bin ich sicher, eines einzigen Besuches von mir und die Verlobung wäre so gut wie besiegelt.
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„Die gnädige Frau schickte jemanden zu Ihnen“, antwortete Li Guee, „doch die Mägde sagten, Sie seien bereits in der Schule, deshalb schickte die gnädige Frau jemanden mit den Anweisungen, Sie für ein paar Tage von der Schule zu befreien. Während die Herzoginmutter gerade Theaterschauspieler für die Festlichkeiten besorgt, kamen Sie gerade.
„Es stimmt, daß Bau-yü ein heiratsfähiges Alter erreicht hat“, antwortete Djia Dschëng. „Mutter hat mich mehr als einmal daran erinnert. Doch wer ist diese Exzellenz Dschang? Ich habe noch nie von ihm gehört.“
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Bau-yü ging hinein, um zu sehen, daß der Vorhof der Herzoginmutter von Mägden und Dienstmädchen überquoll, ihre Gesichter strahlten vor aufrichtiger Begeisterung:
„Erlauben sie mir, dies klarzustellen,“ wagte sich Zhan vor, „ich bin mit der Familie Dschang, die Freund Wang erwähnte, befreundet. Sie stehen tatsächlich in Verbindung mit seiner Exzellenz Shïs Familie, und es dürfte nicht schwer sein, noch mehr Informationen über sie zu bekommen.“  
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„Sie sind spät, zweiter Herr! Beeilen Sie sich besser, um der gnädigen Frau zu gratulieren!“
„Wirklich?“, sagte Djia Dschëng gedankenverloren, „ich kann nicht sagen, daß ich meinen Bruder jemals von einer solchen Verwandtschaft habe sprechen hören.“  
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Bau-yüs Gesicht erhellte sich. Als er den Raum betrat, fand er die Herzoginmutter mit Dai-yü links und Hsiangyün rechts neben ihr sitzend aufrecht auf dem Ofenbett, während darunter die Damen Hsing und Wang, Tantschun, Hsi-tschun, Li Wan und Hsi-fëng, Li Wën [Li Wans zwei Kusinen], Li Tji und Hsing Hsiuyän [die Nichte der Dame Hsing] versammelt waren. Er bemerkte, daß Bautschai, Bautjin und Ying-tschun nicht dabei waren.
„Nun, streng genommen, Herr,“ führte Zhan aus, „sind sie über die Ehe mit dem älteren Bruder der Dame Hsing verwandt.“  
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Überglücklich, eine solche Versammlung zu sehen, gratulierte Bau-yü seinerseits der Herzoginmutter herzlichst, dann der Dame Wang und der Dame Hsing und anschließend dem Rest der Familie. Er wandte sich lächelnd an Dai-yü und sagte: „Hast du dich denn etwas erholt, Kusine?
,Ach, da liegt also die Verbindung‘, dachte Djia Dschëng.
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„Ja, es geht mir viel besser“, antwortete Dai-yü lächelnd. „Und dir? Ich habe gehört, daß es dir auch nicht allzu gut ging.“ –
Ein wenig später ging er wieder hinein mit der Absicht, diese neue Anregung mit seiner Frau, der Dame Wang, zu besprechen und sie zu bitten, die Dame Hsing über die Familie Dschang auszuhorchen. Er mußte jedoch feststellen, daß seine Frau fort war, um Tchiau-djie mit Frau Hsüä zu besuchen. Als dann später Frau Hsüä nach Hause gegangen und die Dame Wang zurückgekehrt war, besprach Djia Dschëng sein Anliegen mit ihr. Er erkundigte sich auch nach Tchiau-djie.
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„Ja, in einer Nacht hatte ich plötzlich einen Schmerz in der Brust verspürt. Seit ein paar Tagen ist mir wieder besser, doch ich mußte jeden Tag zur Schule, deshalb konnte ich dich nicht besuchen kommen.“
„Wir denken, es kommt von der Erkältung. Die Kälte ist noch nicht aus ihrem Körper heraus“, sagte sie.
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Bevor er zu Ende sprechen konnte, wandte sich Dai-yü ab, um mit Tantschun zu sprechen. Hsi-fëng stand in ihrer Nähe und bemerkte sarkastisch:
„Nichts Ernstes, hoffe ich?“
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„Ich dachte, ihr beiden wärt unzertrennlich? Wie höflich ihr miteinander redet, könnte man meinen, ihr seid Gäste. Das ist so wie in der Redewendung ‚sich zu respektieren wie Ehrengäste“.“ Alle lachten. Dai-yüs Gesicht verfärbte sich und zuerst war sie vor Verlegenheit sprachlos. Doch da sie dachte, von ihr würde nun irgendeine Antwort erwartet, entfuhr ihr schließlich:„Was verstehst du denn ...?“ Das schien alle noch mehr zu erheitern.
„Es ist zu früh, um das festlegen zu können. Die Anfälle sind noch nicht vorüber.“
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Nach kurzem Überlegen bemerkte Hsi-fëng, daß ihr Scherz deplaziert war, und sie wollte gerade ein neues Thema anfangen, um die Atmosphäre aufzulockern, als sich Bau-yü plötzlich zu Dai-yü wandte und sagte:
Djia Dschëng seufzte, doch sagte er nichts mehr, und sie begaben sich zur Nachtruhe.
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„Kusine, weißt du, was dieser taktlose, unmögliche Narr Yün versucht...“ Dann fiel ihm ein, daß er darüber besser nicht sprechen sollte. Verblüfftes Lachen kam von den anderen. Jemand sagte: „Wovon redest du?“
Als die Dame Hsing am nächsten Tag kam, um der Herzoginmutter ihre morgendliche Aufwartung zu machen, erwähnte die Dame Wang die Heiratspläne und nahm die Gelegenheit wahr, die Dame Hsing über die Familie Dschang zu befragen.
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Dai-yü tappte ebenso wie sie im Dunkeln und lächelte unbeholfen. Bau-yü wand sich irgendwie heraus und ging zu einem anderen Thema über: „Ich habe vorhin erst gehört, daß einige Theaterschauspieler bestellt wurden. Wieviele Stücke werden denn aufgeführt?“
„Ja, sie sind Verwandte von uns,“ enthüllte die Dame Hsing, „doch wir haben jetzt schon seit Jahren keinen Kontakt mehr zueinander, deshalb habe ich keine Vorstellung, wie dieses Fräulein Dschang sein könnte. Wo du es gerade erwähnst, Yings Schwiegermutter, Frau Sun, schickte vor ein oder zwei Tagen eine ihrer Frauen zu mir und erwähnte dabei die Dschangs. Sie erzählte, sie hätten eine Tochter und hätten die Suns darum gebeten, sich nach einem passenden Ehemann für sie umzuschauen. Offensichtlich ist sie ein Einzelkind und sehr wählerisch. Sie verfügt über Bildung und klingt nach einem eher schüchternen Mädchen, das gern zu Hause bleibt. Sie hat noch nicht viel von der Welt gesehen. Weil sie ein Einzelkind ist, würde ihr Vater es niemals in Erwägung ziehen, sie von zu Hause fortzulassen. Er fürchtet, die Strenge einer Stiefmutter könnte eine zu große Belastung für sie sein und besteht darauf, daß der Schwiegersohn mit ihnen zusammen lebt und sie sich die familiäre Verantwortung teilen.
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Alle guckten ihn lachend an. Hsi-fëng antwortete dann:
„Das kommt nicht in Frage!“, rief die Herzoginmutter, „Bau-yü ist ja eigentlich derjenige, der auf andere angewiesen ist. Kannst du dir vorstellen, ihn fortzuschicken, um das Oberhaupt einer fremden Familie zu werden?“ –
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„Du hast es ja von draußen gehört. Du hast es uns ja jetzt berichtet. Wen willst du denn fragen?“
„Du hast vollkommen Recht“, sagte die Dame Hsing.
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Bau-yü antwortete verlegen: „Ich gehe besser hinaus und sehe mal nach.
Die Herzoginmutter wandte sich an die Dame Wang.
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„Jetzt auch noch nach draußen!“ warnte die Herzoginmutter. „Du möchtest doch nicht, daß sich die Menge über dich lustig macht, oder? Und denke daran, dies ist ein ganz besonderer Tag für deinen Vater und wenn er nach Hause kommt und du treibst dich herum, gibt es mit Sicherheit Ärger.“ –
„Wenn du nach Hause gehst, sag’ Dschëng, daß sich die Angelegenheit endgültig erledigt hat.“ –
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„Ja, Großmutter“, antwortete Bau-yü und begab sich auf die Flucht.
„Ja, Mutter.“ –
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Als er gegangen war, fragte die Herzoginmutter Hsi-fëng: „Wer hat etwas von Theater gesagt?
„Erzähl’ mir,fuhr die alte Dame fort, „wie ging es Tchiau-djie, als du sie gestern besuchtest? Als Ping herkam, schien es ja nicht gut auszusehen. Ich möchte gern dorthin und selber nach ihr sehen.
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„Der Familie des zweiten Onkels [Wang Dsïscheng] geht es gut“, antwortete Hsi-fëng, „sie möchten dir, dem Herrn und den Damen gratulieren. Sie haben extra eine neue Truppe an Schauspielern engagiert und sagen, daß es Euch nicht nur gut gehe, sondern der ganze Tag glücklich werde.“
Die beiden Damen dankten der Herzoginmutter für den guten Einfall und baten sie, sich wegen Tchiau-djie nicht zu sehr zu sorgen.
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Hsi-fëng lachte: „Und das nicht nur auf eine Art.“
„Es ist nicht nur ihretwegen. Es ist die Bewegung. Ich möchte meine Beine gern etwas stärken“, sagte die alte Dame, „ihr beide nehmt euer Mittagessen ein, dann gehen wir gemeinsam los.“
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Sie schaute Dai-yü an und lächelte. Dai-yü lächelte schüchtern zurück.
Die Damen Wang und Hsing gingen zum Mittagessen nach Hause. Anschließend holten sie die Herzoginmutter ab und begleiteten sie zu Hsi-fëngs Wohnung. Hsi-fëng grüßte sie an der Tür und führte sie herein.
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„Natürlich!“ stieß die Dame Wang hervor. „Es ist der Geburtstag unserer Nichte!
„Wie geht es ihr?“, fragte die Herzoginmutter.
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Als die Herzoginmutter das vernahm, lachte sie laut: „Das alles zeigt nur, wie geistesabwesend ich in meinem Alter werde! Es ist gut, daß Hsi-fëng hier alles organisiert. Nun, und was könnte besser sein: wir können die Beförderung deines Onkels feiern und gleichzeitig deinen Geburtstag!“ Darauf mußte jeder lachen, und alle stimmten einhellig darin überein, daß die alte Dame die Ereignisse so druckreif zusammengeführt hatte, daß die Familie völlig zu Recht ein so ungeheures Glück genösse.
„Es scheint sich um einen Krampfanfall zu handeln,“ informierte sie Hsi-fëng.
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Bau-yü kam rechtzeitig zurück, um von der Feier zu hören, und tanzte vor Freude. Sie setzten sich alle zum Mittagessen in einer Atmosphäre größter Heiterkeit. Nach dem Essen kehrte Djia Dschëng von seiner Danksagung am Hof zurück. Nach einem zeremoniellen Kniefall vor dem Familienschrein kam er herein, um vor der Herzoginmutter einen Kotau zu machen. Dann erhob er sich und sagte ein paar Worte, bevor er draußen die Gäste empfing und sich bei ihnen bedankte.
„Hättest du nicht besser sofort den Arzt rufen sollen?“ – „Das haben wir bereits, liebe Großmutter.“
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Während der nächsten Tage herrschte durchgehender Betrieb und ein Durcheinander, als ein Schwall Verwandter das Jung-guo-Anwesen belagerte. Pferde und Wagen drängten am Haupteingang, und in jeder Ecke wartete ein wichtig aussehender Edelmann auf seinen Einsatz, mit gestärktem Hut und Ehrendolch geschmückt. Es war wirklich, wie es heißt:
Die Herzoginmutter ging mit den Damen Wang und Hsing hinein und fand Tchiau-djie in den Armen ihrer Krankenschwester, eingehüllt in eine rosafarbene Decke aus Damast-Seide, ihr Gesicht war grün, ihre Augenbrauen und Nasenflügel zitterten etwas. Nach diesem kurzen Nachschauen zogen sie sich in das äußere Zimmer zurück und setzten sich, um zu reden. In diesem Moment kam eine junge Magd aus der Wohnung von Dame Wang mit einer Nachricht für Hsi-fëng:
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Über Blumenblüte
„Der Herr schickte mich, um zu fragen, wie es Tchiau-djie geht, Frau Liän.
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Bienen- und Schmetterlingstanz,
„Sag’ ihr, wir haben den Arzt verständigt“, antwortete Hsi-fëng, „davon werde ich berichten, sobald er ein Rezept ausgestellt hat.“
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Unter weitem Himmel,
Die Ankunft der Magd erinnerte die Herzoginmutter an die gegenwärtigen Heiratspläne. Sie wandte sich an die Dame Wang:
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Über'm Ozean der Vollmond.
„Du solltest Dschëng schnellstens von dieser Heiratssache berichten. Wenn wir dem jetzt ein Ende setzen, bevor es jemand an die Familie Dschang weitergibt, sparen wir uns jetzt den Ärger, es später absagen zu müssen.“
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Zwei Tage später kamen die Theaterschauspieler, auf Anweisung von Wang Dsïscheng und weiteren Angehörigen, am frühen Morgen an. Sie bauten ihre Bühne im Hof der Herzoginmutter auf, der Haupthalle gegenüber lag. Die Männer der Familie Djia waren in offizielle Gewänder gekleidet und unterhielten ihre Gratulanten und Verwandten im offenen Hof, wo mehr als zehn Tische aufgestellt waren. Da eine Premiere gegeben wurde, wurde eine besondere gläserne Sichtwand zwischen Hof und Hinterzimmer aufgestellt, durch die das Spiel von der Nordseite angeschaut werden konnte. Vier Tische wurden im geschlossenen Raum aufgestellt, um den Damen und besonders der Herzoginmutter zu ermöglichen, die Spiele zu sehen. Alles war darauf ausgerichtet, besonders der Herzoginmutter eine Freude zu machen. Frau Hsüä saß am Kopf des Ehrentisches, umsäumt von ihrer Schwester, der Dame Wang, und ihrer Nichte Bautjin, während die Herzoginmutter am Kopf des Tisches gegenüber saß, begleitet von der Dame Hsing und Hsiuyän. Die zwei verbleibenden Tische waren noch leer, und die Herzoginmutter rief den anderen zu, sich zu beeilen und zu setzen.
Sie wandte sich an die Dame Hsing: „Warum besucht ihr in letzter Zeit die Familie Dschang nicht mehr so oft?“
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Hsi-fëng wurde von Dai-yü begleitet und holte sämtliche Dienstmägde. Dai-yü trug ein neues Kleid und sah, als sie hereinkam, aus wie die Mondgöttin, die auf die Erde niedersteigt. Sie kam herein und sah die Menge an Leuten. Hsiangyün Li Wën und Li Tji baten sie, sich am Kopf ihres Tisches niederzulassen. Dai-yü lehnte beharrlich ab. Die Herzoginmutter sagte lächelnd:
„Sie sind schwierige Verwandte“, antwortete die Dame Hsing. „Sie sind sehr geizig und wären für Bau-yü eine Erniedrigung gewesen.
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„Nun komm schon, Liebes, heute mußt du den Platz einnehmen!“ –
„Ist es Bau-yüs Verlobung, über die ihr sprecht, Mutter?“, fragte Hsi-fëng.
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„Wirklich?“, stieß Frau Hsüä sich erhebend hervor. „Hat Fräulein Dai-yü heute auch etwas zu feiern?“
„Nun ja, eigentlich schon“, sagte die Dame Hsing. Die Herzoginmutter erzählte Hsi-fëng von dem Vorschlag mit den Dschangs. Hsi-fëng lachte:
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Die Herzoginmutter lachte: „Es ist ihr Geburtstag!“ –
„Ich hoffe, ihr entschuldigt, Großmutter, Mutter, Tante Wang, daß ich unaufgefordert davon spreche, doch warum sollte man sich jetzt nach einer Braut für Bau-yü umsehen, wenn wir eine ,vorbestimmte Zuneigung“ direkt vor unseren Augen haben?
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„Ach, du meine Güte. Ich habe es vergessen! Wie schrecklich von mir!“ Frau Hsüä ging zu Dai-yü: „Es tut mir leid. Ich hoffe, du vergibst mir meine Vergeßlichkeit. Ich werde Bautjin bitten, dich später aufzusuchen und dir alles Gute zu wünschen.“
„Was meinst du?“, fragte die Herzoginmutter interessiert.
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„Bitte mach’ dir meinetwegen nicht solche Mühe“, sagte Dai-yü lächelnd. Sie blickte um sich, als sich alle setzten, und bemerkte, daß Bautschai nicht gekommen war.
„Aber, Mutter, du kannst doch nicht Bau-yüs Jade-Kostbarkeit und Bau-tschais kostbare Haarspange vergessen haben?“
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„Ich hoffe, Kusine Bau[-tschai] geht es gut. Warum konnte sie heute nicht kommen?“
Die Herzoginmutter lachte.
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„Sie wollte“, antwortete Frau Hsüä, „doch da zuhause niemand aufpaßt, mußte sie dort bleiben.
„Aber natürlich! Doch warum hast du das gestern nicht erwähnt, als Tante Hsüä hier war?“ –
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Dai-yü errötete und sagte mit einem erstaunten Lächeln: „Jetzt, da Vetter Pan verheiratet ist und eine neue Schwägerin da ist, müßte sie doch nicht mehr zu Hause bleiben? Sie war sicher nicht in der Stimmung für diesen ganzen Lärm und die Aufregung. Es ist schade, daß sie nicht kommen konnte. Sie fehlt mir sehr.“ Frau Hsüä lächelte: „Das ist süß von dir, Liebes. Sie denkt auch ständig an dich. Ich werde ihr sagen, sie soll an einem Tag einmal zum Plaudern vorbeikommen.“
„Es wäre kaum angemessen für mich gewesen, in Anwesenheit von Älteren davon zu sprechen“, antwortete Hsi-fëng. „Nebenbei, Tante Hsüä kam für einen Höflichkeitsbesuch, und es wäre wirklich unpassend gewesen. Wenn wir die Sache vernünftig angehen wollen, müssen Mutter und Tante Wang hinübergehen und bei Tante Hsüä ordentlich um Bau-tschais Hand anhalten.“
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Die Mägde servierten bereits den Wein und deckten die Tische, während die Theatervorstellung draußen begonnen hatte. Selbstverständlich wurde sie mit zwei komödiantischen Stücken eröffnet. Bei dem dritten Stück schien es sich um eine Premiere zu handeln. Ein Chor goldener Pagen und Jade-Jungfrauen kam auf die Bühne, Feenbänder und Flaggen schwebten in der Höhe, um eine überaus betörende junge Dame zu enthüllen, ihr Kopf war mit einem Tuch schwarz drapiert, ihr Seidenkostüm schimmerte in den Farben eines Regenbogens, und sie trug eine gefiederten bunte Jacke. Der junge Mann in der Frauenrolle sang eine kurze Arie und verließ die Bühne.
Sie lachten alle zusammen.
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Keiner aus der Familie konnte dieses Stück überhaupt kennen, und sie hörten, wie einer der Gäste sagte:
„Sei gesegnet, Hsi-fëng“, sagte die Herzoginmutter, „ich war ja blind.“
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„Das war ,Die Verwandlung“, von einer ihrer letzten Darstellungen, Der Perlenpalast. Es wird die Geschichte von Chang E erzählt, die aus ihrem Mondpalast herunter auf die Erde kommt und sich gerade mit ihrem sterblichen Liebhaber vermählen will, als die Göttin der Barmherzigkeit ihr die Augen für die Wahrheit öffnet, und sie stirbt, bevor die Hochzeit stattfindet. In dieser Szene schwebt sie gerade zum Mond. Hast du den Text der Arie gehört?
Währenddessen wurde der Arzt angekündigt, und die Herzoginmutter setzte sich im äußeren Zimmer nieder, während sich die beiden Damen diskret zurückzogen. Der Arzt trat mit Djia Liän ein und grüßte die Herzoginmutter herzlich, bevor er Tchiau-djies Zimmer betrat. Als er zurückkam, beugte er sich zur Herzoginmutter und formulierte seine Diagnose.
+
Die Liebe, die der Menschen Geist beherrscht,
„Das kleine Mädchen leidet unter Krampfanfällen, die zur Hälfte von Fieber, zur anderen von einer Erkältung erschwert werden. Zuerst muß sie eine einzige Dosis der Mischung eines krampf- und schleimlösenden Mittels einnehmen, und dann möchte ich ihr etwas von meinen vier Wunderpulvern verabreichen. Es ist ein sehr ernster Infekt. Ihr werdet in meinem Rezept Rinder-Bezoarsteine notiert sehen. Ich sollte erwähnen, daß viele der Bezoars, die von den Apthekern heutzutage verkauft werden, nicht echt sind. Es ist wichtig, daß ihr echte besorgt.
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verdunkelt alle Spuren
Die Herzoginmutter dankte ihm für sein Kommen, und der Arzt ging mit Djia Liän hinaus, schrieb das Rezept und brach auf.
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ewiger Wahrheit:
„Es gibt immer Ginseng im Haus“, sagte Hsi-fëng, „doch ich glaube, wir haben keine Bezoarsteine. Wir müssen welche kaufen und darauf achten, daß sie echt sind.“ –
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Die Erntemonde schwinden,
„Warte, bis ich jemanden zu meiner Schwester geschickt habe“, sagte die Dame Wang, „ich weiß, daß Pan oft Geschäfte mit Händlern von Übersee führte. Sie könnten vielleicht echten Bezoar haben.“
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des Frühlings frische Schönheit,
Während sie sprach, kamen mehrere Mädchen an, um Tchiau-djie zu sehen. Sie blieben eine Weile und brachen dann mit der Herzoginmutter und den anderen auf.
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voll der Anmut, welkt.
Tchiau-djies Schleimlöser war nun zubereitet und floß in ihre Kehle. Es gab ein würgendes Geräusch und  alles kam hoch, Medizin,  Schleim und an-
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Sterbliche Liebe war's,  
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die meiner Augen Licht benahm
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und um mich spann
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ein Netz von Dunkelheit.
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Als viertes Stück stand die Szene: ,Eine Ehefrau ißt Weizen und bezichtigt sich selbst’ auf dem Programm,<ref>Das ist die 21. Szene aus ,Die Geschichte der Laute‘</ref> gefolgt vom fünften Stück ,Bodhidharma und seine Schüler überquerten den Fluß‘.<ref>Aus ,Die Pilgerreise‘.</ref>
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Als Bühnenhintergrund wurde eine Fata Morgana-Szene aufgebaut, und es sah turbulent aus. Die Begeisterung hatte gerade ihren Höhepunkt erreicht, als einer der Diener der Hsüä-Familie, mit schweißüberströmtem Gesicht, in den Hörsaal des Hofes platzte und zu Hsüä Kës Tisch eilte:
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„Der zweite Herr [Kë]! Kommen Sie schnell nach Hause! Und sagen Sie der Herrin Bescheid, daß sie auch kommen soll. Es ist sehr dringend!
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„Was ist passiert?“, fragte Hsüä Kë.
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„Ich sage es ihnen, wenn wir zu Hause sind, Herr!“, keuchte der Junge.
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Seinen Gastgebern unaufhörlich dankend, folgte Hsüä Kë dem Jungen aus dem Hof und schickte eine der Mägde mit einer Nachricht in den Damenbereich. Als Frau Hsüä die Neuigkeiten vernahm, verfinsterte sich ihre Miene. Bautjin mit sich nehmend, verabschiedete sie sich unkonzentriert und begab sich direkt zu ihrer Sänfte, die ganze Versammlung dabei in höchstem Aufruhr verlassend.
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„Wir schicken jemanden hin, um zu erfahren, was los ist“, sagte die Herzoginmutter, „alle machen sich Sorgen.
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Alle stimmten zu.
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Die Spieler fuhren mit ihrem Programm fort. Doch wir müssen sie verlassen und Frau Hsüä folgen, die bei ihrer Ankunft zu Hause zwei Boten des Yamen am inneren Torweg warten sah. Bei ihnen waren einige Angestellte des Familienpfandhauses.
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„Wenn die Dame [Hsüä] erscheint“, sagten sie, „wird sie alles erklären können.“
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Als die Boten des Yamen diese ältere Dame mit ihrem Gefolge männlicher und weiblicher Begleiter zum Tor eilen sahen und die erhöhte Position der Person sahen, mit der sie es zu tun hatten, standen sie stramm und ließen sie passieren. Frau Hsüä ging weiter durch die Empfangshalle und konnte bereits lautes Weinen aus [Schwiegertochter] Djing-guees Wohnung vernehmen. Sie beschleunigte ihren Gang. Bautschai kam ihr mit einem Gesicht naß vor Tränen entgegen.
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„Hast du es gehört, Mama? Bitte keine Aufregung! Wir müssen etwas tun!“
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Sie gingen zusammen hinein. Einige der Diener hatten Frau Hsüä auf ihrem Weg hinein bereits gesagt, worum es ging. Bau-tschai schluchzte und zitterte immer noch von dem Schrecken.
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„Doch wer? Wer war es?“, fragte sie aufgewühlt.
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„Herrin“, sagte einer der Diener, „solche Details werden an der Situation im Moment nichts ändern. Das Gesetz sagt: ‚Ein Leben muß mit einem Leben vergolten werden‘. Deshalb müssen wir überlegen, was zu tun ist.“ –
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„Überlegen!“, schrie Frau Hsüä hysterisch, „was bringt denn schon Überlegen in so einem verdammten Moment wie jetzt?“ –
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„Das Beste, wie wir finden“, fuhr der Diener fort, „ist dies. Zuerst schicken wir den zweiten Herr Kë mit etwas Geld, um den ersten Herrn [Hsüä Pan] im Gefängnis zu besuchen. Was morgen zuerst zu tun ist: Herr Kë muß sich einen guten Berufsschreiber besorgen, jemand, der mit der gerichtlichen Terminologie vertraut ist. Er muß ihm ein gutes Honorar anbieten, um sicherzugehen, daß sein Todesurteil verworfen wird. Wenn das erledigt ist, müssen wir einen der Edelmänner der Familie Djia hier fragen, ob sie ein paar Fäden ziehen. Doch zu allererst müssen wir den Yamen-Boten ein kleines Trinkgeld geben. Dann können wir den Rest angehen.“
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Frau Hsüä war nicht überzeugt. „Findet einfach die Familie des Mannes“, sagte sie, „gebt ihnen, was immer sie wollen für Beerdigungskosten und Ausgleich. Wenn der Kläger nicht darauf drängt, wird er leicht wieder frei kommen.“
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Bau-tschais Stimme war durch den Türvorhang zu vernehmen: „Nein, Mama, das wird nicht gehen. Je mehr Geld wir ausgeben, desto größer wird der Ärger auf lange Sicht. Wir sollten tun, was der Junge sagt.“ –
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„Wozu soll ich überhaupt noch leben?“ seufzte Frau Hsüä. „Laß mich gehen und ihn noch einmal sehen! Dann kann ich mit ihm zusammen sterben!“
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Bau-tschai flehte sie an, sich ein Herz zu fassen, und rief zur selben Zeit nach dem Jungen, um sofort mit dem zweiten Herr aufzubrechen. Die Mägde halfen Frau Hsüä wieder herein. Hsüä Kë stieß auf seinem Weg nach draußen dazu.
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„Schicke jemanden mit einem Brief nach Hause, sobald es etwas Neues gibt“, unterwies ihn Bau-tschai. „Du mußt da bleiben. Wir zählen auf dich.“
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Hsüä Kë versprach, sein Bestes zu geben und brach auf.
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Während Bau-tschai sich wieder einmal die Aufgabe auferlegte, [ihre Mutter] Frau Hsüä zu trösten, nahm Djin-guee die Gelegenheit wahr, einen ungestörten Angriff auf Hsiang-ling zu verüben: „Ihr habt sonst die Familie immer nur gelobt“, schrie sie. „So ein Mord bedeutet nichts in dieser Familie, oder? Ihr alle kamt danach direkt in die Stadt, als ob nichts passiert wäre, nicht wahr? Wo sind jetzt all dein Geld und deine feinen Freunde und vornehmen Verwandten? Ihr seid alle so entsetzt, daß ihr nicht wißt, ob ihr kommen oder gehen sollt. Und in ein paar Tagen, wenn sie den ersten Herrn [Pan] beseitigt haben, wirst du dich aus dem Staub machen und mich mit all dem hier allein lassen!“
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Sie brach wieder in dramatisches Jammern aus. Frau Hsüä hörte jedes Wort und war so aufgebracht, daß sie in Ohnmacht fiel. Bautschai war am Ende ihrer geistigen Kräfte. Inmitten dieses Tumults erschien ein altes Dienstmädchen der Dame Wang, um sich nach etwas Neuem zu erkundigen. Dies bescherte Bautschai ein weiteres Problem. Sie war sich seit dem offiziellen Verlobungsbesuch vor einigen Tagen ihrer ausgewählten Position durchaus bewußt, und wußte, daß sie streng genommen jeden Kontakt mit ihrer zukünftigen Bräutigamsfamilie vermeiden sollte, einschließlich der Dienstmädchen. Trotz der Tatsache, daß die Verlobung noch nicht ganz besiegelt war, schien die Dringlichkeit des momentanen Ernstfalls eine vorübergehende Aufgabe der Regeln zu rechtfertigen.
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„Wir kennen noch nicht die ganze Geschichte“, sagte sie der Magd, „was wir gehört haben ist, daß mein Bruder jemanden umgebracht haben soll und vom örtlichen Magistrat in Haft genommen worden sei. Wir wissen nicht, welcher Art Mord er für schuldig befunden wurde, doch der zweite Herr [Kë] wird es herausfinden. Wir sollten in ein oder zwei Tagen über genauere Neuigkeiten verfügen und werden es die gnädige Frau umgehend wissen lassen. Bitte danke ihr für ihre freundliche Nachfrage und sage ihr, daß wir zu fortgeschrittener Zeit sicher alle Hilfe benötigen werden, die die Herren uns bieten können.“
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Die Magd kehrte mit dieser Nachricht zurück.
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Die nächsten zwei Tage harrten Frau Hsüä und Bau-tschai in unerträglicher Ungewißheit aus. Wenigstens kam zwei Tage später ein Dienstbote mit einem Brief zurück, welchen er einer Magd gab, um ihn den Damen zu überreichen. Bau-tschai öffnete ihn und las Satz für Satz ihrer Mutter folgendes vor:
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„Bruders Fall wurde ‚tödliche Körperverletzung durch Unfall‘ und nicht ‚vorsätzlicher Mord‘ genannt. Ich hinterlegte heute Morgen zuerst einen Verteidigungsappell für Kë und warte immer noch auf das Urteil des Magistrats. Der Bruder [Pan] erneuerte seine ursprüngliche Aussage und wir müssen, wenn der Appell geprüft worden sein wird, den Einspruch bei der Anhörung vorbringen. Wir sollten in der Lage sein, ihn frei zu bekommen.“ –
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„Ich brauche dringend fünfhundert Liang Silber. Besorge sie unverzüglich beim Pfandhaus. Sag’ der gnädigen Frau, sie soll sich nicht sorgen. Für den Rest frage den Dienstboten.“
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Als Bau-tschai fertig war, den Brief laut vorzulesen, trocknete Frau Hsüä ihre Augen und sagte:
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„Sein Leben steht auf der Kippe, nicht wahr?“
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„Bevor du wieder in Kummer versinkst, Mama“, sagte Bau-tschai, „laß uns nach dem Dienstboten schicken und ihn fragen, was er weiß.“
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Eine Magd wurde geschickt, den Dienstboten zu holen. Als er eintrat, trug Frau Hsüä ihm auf, ihnen einen vollständigen Bericht von allem zu geben, was er wußte.
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„An dem Abend, als wir ankamen“, begann er, „als ich hörte, was der erste Herr Pan dem zweiten Herr Kë erzählt hatte, starb ich beinahe vor Angst...“
 +
Doch den Rest des Berichtes lese man im nächsten Kapitel.
  
Aus: Jinyuyuan 1889b.
+
== Anmerkungen ==
de­res, ganz zu Hsi-fëngs Erleichterung. Eine der jüngeren Mägde der Dame Wang erschien mit einem kleinen roten Päckchen.
+
<references/>
„Wir haben etwas Bezoar gefunden, gnädige Frau. Die gnädige Herrin sagt, ihr sollt die Menge in zwei Rationen aufteilen und verwenden.“
 
Hsi-fëng bat die Magd, der Herzoginmutter ihren Dank auszusprechen. Wang nahm das Päckchen und trug Ping auf, die pulverisierten Perlen, Sumatrakampfer und Zinnober zusammen mit dem Bezoar in den vorgeschriebenen Mengen zusammenzukochen. Sie selbst wog die korrekte Menge des pulverisierten Bezoars aus und fügte es der Mixtur hinzu. Sie wartete, bis Tchiau-djie wieder aufwachte, um ihr dann den Trunk zu verabreichen.
 
 
 
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Revision as of 13:46, 12 April 2026

Kapitel: 1 · 11 · 21 · 31 · 41 · 51 · 61 · 71 · 81 · 82 · 83 · 84 · 85 · 86 · 87 · 88 · 89 · 90 · 91 · 101 · 111 · ← Inhalt

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Kapitel 85

贾存周报升郎中任 / 薛文起复惹放流刑

Ankündigung der Beförderung von Djia Tsun-dschou [Djia Dschëng][1] in den Rang eines ständigen GeschäftsführersEntdeckung, daß Hsüä Wën-tschï [Hsüä Pan] sich wieder der Gefahr der Verbannung aussetzt.

Bevor Tante Dschau geendet hatte, hörte sie, wie Djia Huan im äußeren Zimmer rief: „Alles, was ich tat, war den Topf umzuwerfen und etwas Medizin zu verschütten! Dein widerliches kleines Balg ist ja nicht gestorben, oder? Es lohnt sich ja nicht, mich so zu beschimpfen! Du wirfst mir vor, daß ich ein schlechter Mensch sei und würdest mich auch noch zu Tode trampeln. Warte bis morgen, dann werde ich sie wirklich beseitigen! Das wäre euch eine Lektion! Sagt ihnen besser, sie sollen aufpassen!“ Tante Dschau kam angerannt und hielt ihm den Mund zu. „Du verlangst völlig danach, solche schrecklichen Dinge zu sagen! Sie werden mich zuerst töten, mein Junge, paß auf, daß sie es nicht tun!“ Die zwei stritten sich eine Weile. Dann hörten sie Hsi-fëngs boshafte kleine Mitteilung, wodurch seine Mutter noch mehr verbittert wurde. Es kam nicht in Frage, daß sie jemanden zu Hsi-fëng mit einer Entschuldigung schicken sollte und obwohl Tjiau-djiä sich einige Tage später wieder vollständig erholte, hatte diese Episode die Fehde zwischen den beiden Familiengruppen noch verstärkt. Eines Tages kam Lin Dschï-hsiau, um Dji Dschëng zu berichten, daß der Prinz Bee-djing Geburtstag habe. „Gibt es dazu irgendwelche besonderen Anweisungen, Herr?“ – „Schicke, was wir gewöhnlich schicken“, antwortete Djia Dschëng. „Berichte es erst Herrn [Djia Schë], bevor du die Geschenke überbringst.“ – „Sehr wohl, Herr“, sagte Lin Dschï-hsiau und ging, um die nötigen Dinge zu erledigen. Wenig später erschien Djia Schë selbst, um mit Djia Dschëng die Einzelheiten des Besuches zu besprechen. Sie entschlossen sich, Vetter Djia Dschën, Djia Liän und Bau-yü mitzunehmen, um dem Prinzen Bee-djing zu gratulieren. Während dies für die älteren Männer lediglich eine weitere gesellschaftliche Pflichtsache war, war es für Bau-yü eine lang erwartete Gelegenheit. Er war ein feuriger Bewunderer der ansehlichen Erscheinung und des anmutigen Betragens des Prinzen seit der ersten Begegnung, an die er sich erinnern konnte. Er wollte ihn öfter sehen. Er wechselte rasch seine Kleider und begab sich zu den anderen in die nördliche Halle. Bei der Ankunft am Palast präsentierten Djia Schë und Djia Dschëng ihre Visitenkarten und nach kurzer Zeit eilte ein Eunuch herbei, in der Hand eine buddhistische Perlenkette haltend: „Ich hoffe, Ihnen beiden geht es gut?“ Djia Schë und Djia Dschëng erwiderten den Gruß, und die drei Brüder traten vor, um ihre Grüße zu bestellen. „Ihre Kaiserliche Hoheit wird erfreut sein, Sie jetzt zu empfangen.“ Der Eunuch führte die fünf hinein, durch zwei weitere Durchgänge und hinter ein riesiges Prunkgemach, zum inneren Tor der privaten Residenz des Prinzen. Hier hielten sie noch einmal an, während die Eunuchen hineingingen, um ihre Ankunft anzukündigen. Die Gäste ließen sie während ihres Wartens vor dem Tor von einer Gruppe jüngerer Eunuchen unterhalten. Nach kurzer Verzögerung kehrte die ursprüngliche Eskorte zurück. „Bitte treten sie ein!“ Alle traten ehrfürchtig und mit ernsten Gesichtern ein. Der Prinz, in voller Robe seines Standes gekleidet, erwies ihnen das Kompliment, sie in einem der versteckten Gänge in der Nähe des Eingangs zur Haupthalle zu begrüßen. Djia Schë und Djia Dschëng gingen voran, um ihre Aufwartung zu machen, nach Dienstalter geordnet, gefolgt von Dschën, Liän und Bau-yü. Der Prinz nahm Bau-yüs Hand. „Wir haben uns lange nicht mehr gesehen. Ich habe oft an dich gedacht.“ Er lächelte: „Sag’ mir, wie verhält es sich mit deinem Jadestein?“ Bau-yü begab sich in eine halb knieende Position und antwortete mit gesenktem Haupt: „Die wohltätige Aura Euer Hoheit hat uns vor Unglück bewahrt. Uns geht es allen gut.“ – „Es gibt heute nichts Besonderes zu essen,“ fuhr der Prinz fröhlich fort, „wir sollten aber die Gelegenheit nutzen, uns gut zu unterhalten, weil du da bist.“ Die älteren Eunuchen hoben die Vorhänge und der Prinz sagte: „Bitte einzutreten“, ging aber selbst zuerst hinein. Djia Schë und die anderen folgten dem Alter gemäß, bewegten sich mit ehrerbietender Haltung. Innen angelangt, war Djia Schë der erste, der seine Geburtstagsglückwünsche überbrachte. Diese nahm der Prinz bescheiden entgegen, während Djia Schë sich niederkniete. Es muss nicht gesagt werden, dass die anderen, nach Dienstalter geordnet, es ihm gleich taten. Als diese Formalitäten (eine sehr detailreiche Beschreibung, die der Erzähler hier ausläßt) vorüber waren, begannen Djia Schë und die anderen diskret, ihren Abschied einzuleiten. Der Prinz wandte sich an seine Eunuchen und gab Anweisungen, daß die Eunuchen sich in der Empfangshalle gut um sie, seine Verwandten und die auserwählten Gäste kümmern sollten. Er bat Bau-yü, für ein kleines Gespräch zu bleiben. „Setz’ dich!“, begann er, als die anderen gegangen waren. Bau-yü bedankte sich für diese Ehre mit einem Kotau. Er setzte sich vorsichtig auf einen seidenumhüllten Porzellanhocker nahe der Tür, sie sprachen eine Weile über seine Studien, seine Kompositionen und über andere Dinge. Der Prinz schien noch entzückter als je zuvor von seinem kleinen Schützling und bot ihm etwas Tee an. Weiterhin sagte er: „Exzellenz Direktor Wu war gestern in der Stadt für eine Audienz mit Seiner Majestät. Er sagte mir, daß dein Vater in seiner letzten Aufgabe als Bildungsbeauftragter eine gewissenhafte Unparteilichkeit gezeigt habe und sich den Respekt aller Kandidaten verdient habe, die er begutachtete. Als Ihre Majestät sich bei der Audienz erkundigte, erteilte Wu deinem Vater die größten Komplimente. Wirklich ein gutes Omen ...“ Bau-yü hatte sich eben flink erhoben, als der Prinz zu sprechen begann. Als er fertig war, antwortete er ihm: „Ihr habt uns einen großen Vorzug erwiesen, Eure Hoheit, und Direktor Wu hat überschwengliche Freundlichkeit gezeigt.“ Während er sprach, kehrte ein jüngerer Eunuch von der Rezeption der vorderen Empfangshalle zurück, um den Dank verschiedener Adeliger und Ehrenmänner für das Bankett zu übermitteln, ihre Anerkennungskarten zu präsentieren und die mittäglichen Grüße für den Prinzen zu übermitteln. Der Prinz warf einen kurzen Blick auf die Kärtchen und gab sie dem jungen Eunuchen lächelnd mit dem Zeichen der dankbaren Kenntnisnahme zurück. Der Eunuch fuhr fort: „Die Mahlzeit, die ihr extra für Herrn Bau-yü vorbereiten ließt, ist nun bereit.“ Der Prinz gab weitere Anweisungen. Der Eunuch begleitete Bau-yü nach draußen zu einem kleinen, aber feinen Hof. Dort wurden die Anwesenden instruiert, während des Mahls zu seiner Verfügung zu stehen. Anschließend kehrte Bau-yü zurück, um dem Prinzen zu danken, und plauderte auf dieselbe höfliche Art mit Prinz Bee-djing weiter. Plötzlich sagte dieser lächelnd: „Als ich das erste Mal diesen Stein von dir sah, war ich, wie du weißt, so davon hingerissen, daß ich bei meiner Rückkehr den Jadearbeitern eine Beschreibung von ihm gab und sie bat, mir auch einen solchen anzufertigen. Ich bin so froh, daß du heute hier bist. Du kannst Ihn dann mit nach Hause nehmen. Es wird dich sicher freuen, daß du ihn behalten darfst.“ Er beauftragte einen der jungen Eunuchen, den Jade hereinzubringen, und der Prinz selbst gab ihn Bau-yü, der ihn demütig mit beiden Händen empfing, sich bedankte und sich auf den Heimweg begab. Der Prinz trug zwei jungen Eunuchen auf, ihn nach draußen zu begleiten, wo Djia Schë und die anderen Familienmitglieder auf ihn warteten, und sie gingen alle nach Hause. Bei ihrer Ankunft begrüßte Djia Schë die Herzoginmutter und begab sich in seine Wohnung. Djia Dschëng mit den drei anderen begrüßte die Herzoginmutter ebenso und gaben einen vollständigen Bericht von ihrem Empfang. Bau-yü berichtete Djia Dschëng die Neuigkeiten, die er über Direktor Wus großzügiges Handeln in Erfahrung gebracht hatte. „Direktor Wu“, erklärte Djia Dschëng, „hat uns ja schon immer sehr gut behandelt. Er ist meine Generation und ein Staatsmann höchster Integrität.“ Nach weiterem Plaudern erteilte die Herzoginmutter allen die Erlaubnis zu gehen. Djia Dschëng brach auf und Dschën, Liän und Bau-yü begleiteten ihn bis zur Tür. Djia Dschëng sagte: „Geht zurück und leistet Eurer Großmutter noch etwas Gesellschaft!“, und begab sich zurück in seine Wohnung. Er war noch nicht lange da, als eine Magd hereinkam und ankündigte, daß Lin Dschï-hsiau draußen warte, um ihm etwas zu berichten. Sie überrreichte ihm auch eine rote Besucherkarte von „Direktor Wu“. Djia Dschëng wußte, daß es ein offizieller Besuch war, ließ das Dienstmädchen Lin Dschï-hsiau hereinbitten und ging hinaus, um mit ihm im Wandelgang unter dem Dachvorsprung zu sprechen. „Seine Exzellenz Direktor Wu wollte sie heute sehen, Herr,“ berichtete Lin. „Ich teilte ihm mit, sie seien unterwegs. Und noch etwas anderes, Herr; Ich habe gehört, daß die Stelle eines Dauerhaften Sekretärs im Arbeitsministerium frei geworden ist. Verschiedene Leute außerhalb und innerhalb des Ministeriums sind alle der Meinung, daß Sie der Richtige für dieses Amt sind.“ „Hm...“, sagte Djia Dschëng, „wir werden sehen.“ Lin Dschï-hsiau beriet sich mit seinem Herrn noch über einige andere Dinge und ging. Nachdem Djia Dschëng die Herzoginmutter verlassen hatte, kehrten Dschën und Liän in ihre eigenen Wohnungen zurück, während Bau-yü zur Herzoginmutter zurückkehrte. Jetzt konnte er ihr alles sagen, was im Palast geschehen war. Er beschrieb, wie freundlich der Prinz ihn behandelt hatte, und nahm den Jade heraus, der ihm geschenkt worden war. Alle schauten ihn sich an, es war eine heitere Stimmung. Die Herzoginmutter beauftragte eine Magd, ihn vorsichtig wegzulegen. „Hast du deinen eigenen Jade gut aufbewahrt?“, sagte sie zu Bau-yü. „Sonst verwechselst du die beiden noch.“ Bau-yü nahm sofort das Original von seinem Hals. „Aber sieh doch!“, sagte er, „die sind so verschieden, wie könnte ich sie jemals verwechseln? Großmutter, das erinnert mich an etwas, das mir letzte Nacht widerfahren ist, als ich gerade ins Bett ging. Ich hatte gerade meinen Jade abgenommen und sie hinter dem Bettvorhang aufgehängt, als sie anfing, zu leuchten. Der ganze Innenbereich meines Bettes war rot.“ „Wieder Unsinn!“, ermahnte ihn die Herzoginmutter. „Da sind rote Bänder an deiner Vorhangleiste. Kerzenlicht erzeugt dann natürlich ein rotes Leuchten.“ „Nein, die Kerzen waren alle aus, in meinem Zimmer war es stockfinster und ich sah es immer noch glimmen.“ Die Damen Hsing und Wang kicherten. Hsi-fëng konnte sich auch nicht zurückhalten rätselhaft zu bemerken: „Kein Zweifel, das kündigt die Hochzeit an...“ „Welche Hochzeit?“, fragte Bau-yü. „Davon verstehst du nichts“, sagte die Herzoginmutter, „aber jetzt komm! Es war ein turbulenter Tag für dich, und du solltest nun gehen und dich ausruhen und keine Zeit damit verschwenden, hier Geschichten zu erzählen.“ Bau-yü blieb noch ein bißchen und kehrte dann in den Garten zurück. Als er aus dem Zimmer war, wandte sich die Herzoginmutter: „Nun, warst du schon bei der Frau [Hsüä] und hast mit ihr darüber gesprochen?“ – „Ja, Mutter, das wollte ich eigentlich sofort machen“, antwortete die Dame Wang. „Aber weil Hsi-fëng in den letzten Tagen mit der kranken Tjiau-djiä beschäftigt war, konnte ich es erst zwei Tage später machen. Auf jeden Fall scheint seine Tante sehr erfreut über diese Idee, doch sie sagt, sie müsse warten, bis Pan nach Hause komme, bevor sie sich auf etwas festlegt. Sie muß erst ihn als ältesten Mann der Familie befragen.“ „Wohl wahr“, sagte die Herzoginmutter, „dann müssen wir wohl abwarten, bis sie darüber gesprochen haben. Unterdessen kein Wort davon zu niemandem, bis eine endgültige Entscheidung der Frau [Hsüä] vorliegt.“ Wir müssen nun diese Hochzeits-Plauderei verlassen und begeben uns zur unwissenden Hauptperson, die sich bei ihrer Ankunft im Roten Hof der Freude Hsi-jën anvertraute: „Großmutter und Hsi-fëng haben über etwas sehr seltsam gesprochen heute Morgen. Ich weiß nicht, um was es geht.“ Hsi-jën blickte einen Moment nachdenklich. „Ich habe auch keine Ahnung“, entgegnete sie dann mit einem besonderen Lächeln: „Ich überlege, war Fräulein Lin dabei, als sie darüber sprachen?“ „Seit Fräulein Lin krank ist, wie könnte sie da bei der Großmutter sein?“ Das Gespräch wurde durch Geräusche von Schë-yüä und Tjiu-wën unterbrochen, die sich im Nebenzimmer stritten. „Was ist los mit euch beiden?“, rief Hsi-jën. – „Wir haben Karten gespielt. Sie hat gewonnen und mein Geld genommen. Jetzt, wo sie verliert, will sie das Geld nicht mehr herausrücken. Jetzt bin ich komplett ausgeraubt“, antwortete Schë-yüä. „Ach kommt schon!“ ermahnte sie Bau-yü lachend, „seid doch nicht dumm! Wer will sich schon über ein paar Münzen streiten?“ Beide ließen von einander, gingen schmollend fort und ließen Hsi-jën Bau-yü für die Nacht herrichten. Jetzt war Hsi-jën sicher, daß die rätselhafte Unterredung, die Bau-yü erwähnte, irgendwie mit seiner Verlobung zu tun haben mußte. Sie hatte ihre Unwissenheit nur vorgetäuscht, aus Angst, daß die Erwähnung eines solch ernsten Themas in seiner derzeitigen Verfassung noch mehr dummes Gerede Bau-yüs produzieren würde. In ihrem Herzen war dies aber die wichtigste Angelegenheit, die sie beschäftigte. Sie selbst fürchtete diese Neuigkeiten und lag in dieser Nacht wach. Dabei fiel ihr ein, daß sie am besten gleich am nächsten Morgen Dsï-djüan besuchen würde. Sie würde schauen, ob es von ihrer Seite Anzeichen gab, und dann würde sie Bescheid wissen. Also stand sie am nächsten Tag früh auf, machte sie sich selbst zurecht, nachdem sie Bau-yü zur Schule geschickt hatte, und spazierte durch den Garten zur Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß. Dsï-djüan war im Fronthof Blumen pflücken und grüßte sie mit einem Lächeln: „Komm her und setz’ dich nach drinnen!“ – Hsi-jën ging hinein und setzte sich. „Nun, so setze ich mich. Wie ich sehe, bist du mit deinen Blumen beschäftigt... Was ist mit dem Fräulein?“ „Sie hat sich gerade zurechtgemacht. Sie wartet darauf, daß ihre Medizin aufgewärmt wird.“ Dsï-djüan nahm Hsi-jën mit nach innen. Dai-yü las ein Buch, was Hsi-jën direkt ein Gesprächsthema lieferte. Sie lächelte liebenswürdig: „Kein Wunder, daß Ihr Euch geistig verausgabt. Ihr steht auf und lest schon ein Buch. Wenn unser zweiter Herr Bau Ihrem Beispiel nur ein bißchen folgen würde, wie könnte das nicht gut werden?“ Dai-yü lächelte und legte das Buch nieder. Währenddessen kam Hsüä-yän mit einem kleinen Teetablett mit einem Schüsselchen Medizin und einem mit Wasser. Gefolgt wurde sie von einer jungen Magd, die einen Spucknapf trug. Eigentlich war es Hsi-jëns Absicht, sie auszuhorchen; sie saß eine Weile, doch fand keinen passenden Gesprächseinstieg, und sie dachte auch, daß es das Risiko nicht wert war, das Fräulein, das sich immer so viele Gedanken machte, zu kränken, um die Informationen zu erhalten. Nachdem sie nun eine Weile dort gesessen und planlos geplaudert hatte, verabschiedete sie sich und ging nach Hause. Sie näherte sich dem Roten Hof der Freude, als sie zu ihrer großen Überraschung zwei männliche Figuren etwas weiter weg stehen sah. Sie hielt es für diskreter, sich nicht weiter zu nähern. Einer von ihnen hatte sie bereits gesichtet und rannte zu ihr herüber. Es stellte sich heraus, daß es Tschu-yau war [einer von Bau-yüs Pagen]. „Was tust du hier?“, fragte sie ihn. „Der zweite Herr Yün kam gerade mit einem Brief und sagte, er sei für unseren zweiten Herrn [Bau-yü], und deshalb bin ich hier.“ „Aber du mußt doch wissen, daß der zweite Herr Bau jeden Tag in die Schule geht, worauf wartet ihr also?“ „Das habe ich ihm auch gesagt“, sagte Tschu-yau schüchtern grinsend. „Doch er sagte, ich solle es dir erzählen und stattdessen auf deine Antwort warten.“ Hsi-jën wollte gerade antworten, als sie bemerkte, daß der andere Mann begann, ihnen entgegenzuschlendern. Eine eingehende Betrachtung bestätigte, daß der heimliche Eindringling tatsächlich Djia Yün war. Sie drehte sich Tschu-yau zu und sagte forsch: „Sag’ ihm, ich werde den Brief unverzüglich an den zweiten Herrn weiterleiten.“ Djia Yüns langsames Heranschreiten sollte sein wahres Ziel verdecken, welches war, mit der angesehenen Hsi-jën ein Tête-à-tête zu arrangieren, wollte sie aber auch nicht verärgern. Seine Abweisung (die er sehr deutlich vernahm), zwang ihn, wenn auch innerhalb seines Zielbereiches, seine Pläne zu verwerfen und zu einem vorzeitigen Stillstand zu kommen. Hsi-jën drehte sich auf ihrem Absatz um und begab sich zum Hof der Freude am Roten. Djia Yün konnte nichts tun und ging ganz enttäuscht mit Tschu-Yau zurück. Hsi-jën teilte diesen Zwischenfall am Abend Bau-yü mit, als er von der Schule zurückkehrte: „Dieser junge Herr Yün war heute hier“, sagte sie. „Was wollte er?“ „Er hinterließ Ihnen einen Brief.“ – „Wo ist er? Zeig’ ihn mir mal.“ Schë-yüä besorgte den Brief von der Buchablage aus dem inneren Zimmer und gab ihn Bau-yü. Auf dem Umschlag stand: „An meinen verehrten Onkel.“ „Lustig“, sagte Bau-yü, „ich dachte, ich sollte sein Vater sein!“ – „Was?“, erwiderte Hsi-jën. „Erinnerst du dich nicht, vorletztes Jahr, als er mir weiße Begonien brachte, bezeichnete er mich als ‚verehrter Vater‘? Und heute schreibt er auf dem Umschlag ‚Onkel‘ – er erkennt mich nicht mehr als Vater an...“ – Hsi-jën sagte: „Er schämt sich nicht, und du schämst dich auch nicht! Er ist ja schon groß und soll dich, der auch schon so groß ist, als seinen Vater anerkennen? Er sollte sich wirklich schämen. Du bist ja noch nicht mal...“ Hsi-jën stockte. Sie errötete und lächelte verlegen. Bau-yü bemerkte das. „Wer weiß?“, witzelte er, „man sagt ja: ‚Ein Mönch hat keine Kinder, aber viele, die ihn wie einen Vater verehren.‘ Ich sehe ihn nur als einen einnehmenden Menschen, deshalb mache ich das überhaupt. Wenn er es nicht will, bereue ich es auch nicht.“ – Während Bau-yü den Brief öffnete, fuhr Hsi-jën fort: „Wenn du es genau wissen willst, der kleine zweite Herr Yün sah ja merkwürdig aus. Er guckt mal heraus, mal versteckt er sich, ich glaube, er ist ein schlechter Kerl.“ Bau-yü war zu sehr darin vertieft, den Brief zu öffnen, als daß er ihr zugehört hätte. Sie studierte sein Gesicht, während er las. Ein Stirnrunzeln, dann ein Lächeln, welches überging in ein Kopfschütteln und letztlich dem Ausdruck der Ungeduld. Als er fertig zu sein schien, fragte Hsi-jën: „Worum geht es denn?“ Bau-yü antwortete nicht, sondern zerriß den Brief in Stücke. Hsi-jën sah das und wußte, daß sie nicht weiter fragen sollte. Stattdessen fragte sie: „Hast du vor, nach dem Abendessen noch etwas zu lesen?“ – „Was für ein lächerliches kleines Kind, dieser gemeine Yün!“ Hsi-jën lachte über diese Aussage, nach der sie nicht gefragt hatte, und fragte: „Worum geht es eigentlich?“ – „Frag’ nicht! Laß uns zu Abend essen! Danach gehe ich gleich schlafen. Es ist nur nervig.“ Er wies eine der jüngeren Mägde an, Feuer anzuzünden und warf die Stücke von Yüns Brief hinein. Das Abendessen wurde bald serviert, doch Bau-yü war dazu nicht in Stimmung und starrte nur mürrisch vor sich hin. Hsi-jën drängelte ihn auf allerlei Arten, bis er endlich etwas aß, doch er stellte seine Schüssel wieder hin und saß halb aufgerichtet im Bett, plötzlich begann er zu weinen. Weder Hsi-jën noch Schë-yüä wußten, was sie tun sollten. „Alles ist gut, warum bist du schon wieder so?“, sagte Schë-yüa. „All dies ist Yüns Schuld, oder wie auch immer sein verdammter Name ist. Ich kann mir nicht vorstellen, was in diesem blöden Brief gestanden haben kann, daß er so einen Eindruck auf dich machte, in der einen Minute warst du am Lachen, in der nächsten bitterlich am Weinen. Wenn du noch länger auf so seltsame Art weitermachst, wie können wir das weiter ertragen.“ Sie war selbst den Tränen nahe. Hsi-jën fand das beinahe zum Lachen: „Liebste Schwester, mach’ doch bitte nicht alles noch schlimmer. Er plagt sich doch bereits mit genug Dingen herum. Vielmehr könnte man meinen, der Brief hätte etwas mit dir zu tun...“ – „Also das ist wirklich eine dumme Bemerkung, muß ich sagen!“, antwortete Schë-yüä. „Du weißt, daß irgendwelche Dummheiten darin standen. Warum ziehst du mich da mit rein? Wenn du so sprichst, hat es vielleicht ja viel eher etwas mit dir zu tun...“ Bevor Hsi-jën antworten konnte, kam prasselndes Gelächter aus dem Bett, Bau-yü setzte sich auf, schüttelte seine Kleider und sagte zu beiden:

„Jetzt ist es aber genug. Laß uns schlafen! Ich muß morgen früh zur Schule.“ Mit diesen Worten zog er sich zurück und legte sich schlafen.

Die Nacht ging ereignislos vorüber und am nächsten Morgen, nachdem er sich zurechtgemacht hatte, ging er in die Schule. Er ging gerade durch das Hoftor, als er sich an etwas erinnerte. Er sagte Bee-ming, er solle warten. Er kehrte um und rief „Wo ist Schwester Schë-yüä?“ – Sie kam herbeigeeilt: „Wieso sind Sie wieder zurück, was ist denn los?“ – „Wenn Yün heute wiederkommt, sag’ ihm, er soll keinen Ärger machen, oder ich werde es der gnädigen Frau und [ihrem Sohn] dem gnädigen Herrn [Dschëng] berichten.“ – „Das werde ich.“ Bau-yü brach erneut auf und war auf dem Weg nach draußen, da sah er, wie Djia Yün nervös herkam. Als er Bau-yü sah, grüßte er sofort und sagte: „Meine herzlichsten Glückwünsche, Onkel!“ Bau-yü verstand dies als Anspielung auf die Sache in dem Brief vom Vortag und antwortete knapp: „Du bist ja viel zu taktlos! Du kümmerst dich nicht darum, wie es anderen geht, du kommst nur um Chaos zu bringen...“ – „Aber Onkel!“ protestierte Djia Yün mit einem süffisanten Lächeln. „Wenn du mir nicht glaubst, schau’ dich selbst an. Die Massen stehen vor dem Tor.“ – „Was erzählst du?“ gab Bau-yü kurz zurück, seine Stimme wurde immer aufgeregter. In diesem Moment schwappte eine Welle von Rufen und Pfeifen von der Straße herein. „Onkel, hörst du das!“, rief Djia Yün. „Glaubst du mir nun?“ Bau-yü war noch verblüffter als zuvor. Aus dem ganzen Klamauk konnte er kein Wort erkennen. Er rief: „Habt ihr Leute keine Manieren? Was fällt euch ein, hierher zu kommen und so einen Aufstand zu machen?“ Eine Stimme antwortete: „Da der Herr befördert wurde, wie könnten wir nicht herkommen um Euch zu gratulieren? Andere Leute träumen davon und erreichen nichts.“ Bau-yü verstand, daß die Beförderung von Djia Dschëng zuletzt offiziell ausgerufen worden war und daß der Lärm vor den Toren von einer Menge von Leuten kam, die gratulierten. Ihre Begeisterung steigerte die Lautstärke immer mehr. Er wollte gerade losgehen, als Djia Yün rief: „Freust du dich nicht, Onkel? Wenn du dich jetzt noch verloben würdest, verhieße das ja doppeltes Glück ...“ Bau-yü errötete heftig, und er spuckte Djia Yün ins Gesicht: „Pfui! Warum verschwindest du nicht einfach? Du ekelst mich an!“ Djia Yün errötete ebenfalls. „Was soll denn das? Ich sehe, du bist ein wenig...“ – „Ein wenig was?“, fragte Bau-yü wütend. Doch Djia Yüns Nerven ließen ihn im Stich und er ließ seine Bemerkung unvollendet. Bau-yü eilte zur Schule, wo Dai-ju ihn mit einem Lächeln begrüßte: „Ich habe eben die guten Nachrichten gehört, mein Junge. Ich muß sagen, ich bin überrascht, dich heute überhaupt hier zu sehen.“ – „Ich dachte, ich sollte es euch zuerst berichten, Herr, bevor ich meine Glückwünsche überbringe“, antwortete Bau-yü mit einem freundlichen Lächeln. „Ich verstehe. Also gut, heute brauchst du nicht zum Unterricht. Nutze deinen freien Tag. Doch bitte vertrödel dich nicht im Garten. Da du auf Grund deines Alters noch nicht aktiv an den familiären Angelegenheiten teilnehmen kannst, solltest du mit deinen älteren Vettern lernen.“ – „Ja, Herr.“ Bau-yü kehrte nach Hause zurück. Als er sich dem zweiten Eingangstor näherte, kam ihm Li Guee entgegen, der ihm gratulierte. „Da ist ja der zweite Herr“, sagte Li Guee, der lächelnd neben ihm stehenblieb. „Ich wollte gerade zur Schule gehen, um Sie zu holen.“ – „Wer hat dir das aufgetragen?“, fragte Bau-yü. „Die gnädige Frau schickte jemanden zu Ihnen“, antwortete Li Guee, „doch die Mägde sagten, Sie seien bereits in der Schule, deshalb schickte die gnädige Frau jemanden mit den Anweisungen, Sie für ein paar Tage von der Schule zu befreien. Während die Herzoginmutter gerade Theaterschauspieler für die Festlichkeiten besorgt, kamen Sie gerade.“ Bau-yü ging hinein, um zu sehen, daß der Vorhof der Herzoginmutter von Mägden und Dienstmädchen überquoll, ihre Gesichter strahlten vor aufrichtiger Begeisterung: „Sie sind spät, zweiter Herr! Beeilen Sie sich besser, um der gnädigen Frau zu gratulieren!“ Bau-yüs Gesicht erhellte sich. Als er den Raum betrat, fand er die Herzoginmutter mit Dai-yü links und Hsiangyün rechts neben ihr sitzend aufrecht auf dem Ofenbett, während darunter die Damen Hsing und Wang, Tantschun, Hsi-tschun, Li Wan und Hsi-fëng, Li Wën [Li Wans zwei Kusinen], Li Tji und Hsing Hsiuyän [die Nichte der Dame Hsing] versammelt waren. Er bemerkte, daß Bautschai, Bautjin und Ying-tschun nicht dabei waren. Überglücklich, eine solche Versammlung zu sehen, gratulierte Bau-yü seinerseits der Herzoginmutter herzlichst, dann der Dame Wang und der Dame Hsing und anschließend dem Rest der Familie. Er wandte sich lächelnd an Dai-yü und sagte: „Hast du dich denn etwas erholt, Kusine?“ – „Ja, es geht mir viel besser“, antwortete Dai-yü lächelnd. „Und dir? Ich habe gehört, daß es dir auch nicht allzu gut ging.“ – „Ja, in einer Nacht hatte ich plötzlich einen Schmerz in der Brust verspürt. Seit ein paar Tagen ist mir wieder besser, doch ich mußte jeden Tag zur Schule, deshalb konnte ich dich nicht besuchen kommen.“ Bevor er zu Ende sprechen konnte, wandte sich Dai-yü ab, um mit Tantschun zu sprechen. Hsi-fëng stand in ihrer Nähe und bemerkte sarkastisch: „Ich dachte, ihr beiden wärt unzertrennlich? Wie höflich ihr miteinander redet, könnte man meinen, ihr seid Gäste. Das ist so wie in der Redewendung ‚sich zu respektieren wie Ehrengäste“.“ Alle lachten. Dai-yüs Gesicht verfärbte sich und zuerst war sie vor Verlegenheit sprachlos. Doch da sie dachte, von ihr würde nun irgendeine Antwort erwartet, entfuhr ihr schließlich:„Was verstehst du denn ...?“ Das schien alle noch mehr zu erheitern. Nach kurzem Überlegen bemerkte Hsi-fëng, daß ihr Scherz deplaziert war, und sie wollte gerade ein neues Thema anfangen, um die Atmosphäre aufzulockern, als sich Bau-yü plötzlich zu Dai-yü wandte und sagte: „Kusine, weißt du, was dieser taktlose, unmögliche Narr Yün versucht...“ Dann fiel ihm ein, daß er darüber besser nicht sprechen sollte. Verblüfftes Lachen kam von den anderen. Jemand sagte: „Wovon redest du?“ Dai-yü tappte ebenso wie sie im Dunkeln und lächelte unbeholfen. Bau-yü wand sich irgendwie heraus und ging zu einem anderen Thema über: „Ich habe vorhin erst gehört, daß einige Theaterschauspieler bestellt wurden. Wieviele Stücke werden denn aufgeführt?“ Alle guckten ihn lachend an. Hsi-fëng antwortete dann: „Du hast es ja von draußen gehört. Du hast es uns ja jetzt berichtet. Wen willst du denn fragen?“ Bau-yü antwortete verlegen: „Ich gehe besser hinaus und sehe mal nach.“ „Jetzt auch noch nach draußen!“ warnte die Herzoginmutter. „Du möchtest doch nicht, daß sich die Menge über dich lustig macht, oder? Und denke daran, dies ist ein ganz besonderer Tag für deinen Vater und wenn er nach Hause kommt und du treibst dich herum, gibt es mit Sicherheit Ärger.“ – „Ja, Großmutter“, antwortete Bau-yü und begab sich auf die Flucht. Als er gegangen war, fragte die Herzoginmutter Hsi-fëng: „Wer hat etwas von Theater gesagt?“ – „Der Familie des zweiten Onkels [Wang Dsïscheng] geht es gut“, antwortete Hsi-fëng, „sie möchten dir, dem Herrn und den Damen gratulieren. Sie haben extra eine neue Truppe an Schauspielern engagiert und sagen, daß es Euch nicht nur gut gehe, sondern der ganze Tag glücklich werde.“ Hsi-fëng lachte: „Und das nicht nur auf eine Art.“ Sie schaute Dai-yü an und lächelte. Dai-yü lächelte schüchtern zurück. „Natürlich!“ stieß die Dame Wang hervor. „Es ist der Geburtstag unserer Nichte!“ Als die Herzoginmutter das vernahm, lachte sie laut: „Das alles zeigt nur, wie geistesabwesend ich in meinem Alter werde! Es ist gut, daß Hsi-fëng hier alles organisiert. Nun, und was könnte besser sein: wir können die Beförderung deines Onkels feiern und gleichzeitig deinen Geburtstag!“ Darauf mußte jeder lachen, und alle stimmten einhellig darin überein, daß die alte Dame die Ereignisse so druckreif zusammengeführt hatte, daß die Familie völlig zu Recht ein so ungeheures Glück genösse. Bau-yü kam rechtzeitig zurück, um von der Feier zu hören, und tanzte vor Freude. Sie setzten sich alle zum Mittagessen in einer Atmosphäre größter Heiterkeit. Nach dem Essen kehrte Djia Dschëng von seiner Danksagung am Hof zurück. Nach einem zeremoniellen Kniefall vor dem Familienschrein kam er herein, um vor der Herzoginmutter einen Kotau zu machen. Dann erhob er sich und sagte ein paar Worte, bevor er draußen die Gäste empfing und sich bei ihnen bedankte. Während der nächsten Tage herrschte durchgehender Betrieb und ein Durcheinander, als ein Schwall Verwandter das Jung-guo-Anwesen belagerte. Pferde und Wagen drängten am Haupteingang, und in jeder Ecke wartete ein wichtig aussehender Edelmann auf seinen Einsatz, mit gestärktem Hut und Ehrendolch geschmückt. Es war wirklich, wie es heißt: Über Blumenblüte Bienen- und Schmetterlingstanz, Unter weitem Himmel, Über'm Ozean der Vollmond. Zwei Tage später kamen die Theaterschauspieler, auf Anweisung von Wang Dsïscheng und weiteren Angehörigen, am frühen Morgen an. Sie bauten ihre Bühne im Hof der Herzoginmutter auf, der Haupthalle gegenüber lag. Die Männer der Familie Djia waren in offizielle Gewänder gekleidet und unterhielten ihre Gratulanten und Verwandten im offenen Hof, wo mehr als zehn Tische aufgestellt waren. Da eine Premiere gegeben wurde, wurde eine besondere gläserne Sichtwand zwischen Hof und Hinterzimmer aufgestellt, durch die das Spiel von der Nordseite angeschaut werden konnte. Vier Tische wurden im geschlossenen Raum aufgestellt, um den Damen und besonders der Herzoginmutter zu ermöglichen, die Spiele zu sehen. Alles war darauf ausgerichtet, besonders der Herzoginmutter eine Freude zu machen. Frau Hsüä saß am Kopf des Ehrentisches, umsäumt von ihrer Schwester, der Dame Wang, und ihrer Nichte Bautjin, während die Herzoginmutter am Kopf des Tisches gegenüber saß, begleitet von der Dame Hsing und Hsiuyän. Die zwei verbleibenden Tische waren noch leer, und die Herzoginmutter rief den anderen zu, sich zu beeilen und zu setzen. Hsi-fëng wurde von Dai-yü begleitet und holte sämtliche Dienstmägde. Dai-yü trug ein neues Kleid und sah, als sie hereinkam, aus wie die Mondgöttin, die auf die Erde niedersteigt. Sie kam herein und sah die Menge an Leuten. Hsiangyün Li Wën und Li Tji baten sie, sich am Kopf ihres Tisches niederzulassen. Dai-yü lehnte beharrlich ab. Die Herzoginmutter sagte lächelnd: „Nun komm schon, Liebes, heute mußt du den Platz einnehmen!“ – „Wirklich?“, stieß Frau Hsüä sich erhebend hervor. „Hat Fräulein Dai-yü heute auch etwas zu feiern?“ Die Herzoginmutter lachte: „Es ist ihr Geburtstag!“ – „Ach, du meine Güte. Ich habe es vergessen! Wie schrecklich von mir!“ Frau Hsüä ging zu Dai-yü: „Es tut mir leid. Ich hoffe, du vergibst mir meine Vergeßlichkeit. Ich werde Bautjin bitten, dich später aufzusuchen und dir alles Gute zu wünschen.“ – „Bitte mach’ dir meinetwegen nicht solche Mühe“, sagte Dai-yü lächelnd. Sie blickte um sich, als sich alle setzten, und bemerkte, daß Bautschai nicht gekommen war. „Ich hoffe, Kusine Bau[-tschai] geht es gut. Warum konnte sie heute nicht kommen?“ – „Sie wollte“, antwortete Frau Hsüä, „doch da zuhause niemand aufpaßt, mußte sie dort bleiben.“ Dai-yü errötete und sagte mit einem erstaunten Lächeln: „Jetzt, da Vetter Pan verheiratet ist und eine neue Schwägerin da ist, müßte sie doch nicht mehr zu Hause bleiben? Sie war sicher nicht in der Stimmung für diesen ganzen Lärm und die Aufregung. Es ist schade, daß sie nicht kommen konnte. Sie fehlt mir sehr.“ Frau Hsüä lächelte: „Das ist süß von dir, Liebes. Sie denkt auch ständig an dich. Ich werde ihr sagen, sie soll an einem Tag einmal zum Plaudern vorbeikommen.“ Die Mägde servierten bereits den Wein und deckten die Tische, während die Theatervorstellung draußen begonnen hatte. Selbstverständlich wurde sie mit zwei komödiantischen Stücken eröffnet. Bei dem dritten Stück schien es sich um eine Premiere zu handeln. Ein Chor goldener Pagen und Jade-Jungfrauen kam auf die Bühne, Feenbänder und Flaggen schwebten in der Höhe, um eine überaus betörende junge Dame zu enthüllen, ihr Kopf war mit einem Tuch schwarz drapiert, ihr Seidenkostüm schimmerte in den Farben eines Regenbogens, und sie trug eine gefiederten bunte Jacke. Der junge Mann in der Frauenrolle sang eine kurze Arie und verließ die Bühne. Keiner aus der Familie konnte dieses Stück überhaupt kennen, und sie hörten, wie einer der Gäste sagte: „Das war ,Die Verwandlung“, von einer ihrer letzten Darstellungen, Der Perlenpalast. Es wird die Geschichte von Chang E erzählt, die aus ihrem Mondpalast herunter auf die Erde kommt und sich gerade mit ihrem sterblichen Liebhaber vermählen will, als die Göttin der Barmherzigkeit ihr die Augen für die Wahrheit öffnet, und sie stirbt, bevor die Hochzeit stattfindet. In dieser Szene schwebt sie gerade zum Mond. Hast du den Text der Arie gehört? Die Liebe, die der Menschen Geist beherrscht, verdunkelt alle Spuren ewiger Wahrheit: Die Erntemonde schwinden, des Frühlings frische Schönheit, voll der Anmut, welkt. Sterbliche Liebe war's, die meiner Augen Licht benahm und um mich spann ein Netz von Dunkelheit. Als viertes Stück stand die Szene: ,Eine Ehefrau ißt Weizen und bezichtigt sich selbst’ auf dem Programm,[2] gefolgt vom fünften Stück ,Bodhidharma und seine Schüler überquerten den Fluß‘.[3] Als Bühnenhintergrund wurde eine Fata Morgana-Szene aufgebaut, und es sah turbulent aus. Die Begeisterung hatte gerade ihren Höhepunkt erreicht, als einer der Diener der Hsüä-Familie, mit schweißüberströmtem Gesicht, in den Hörsaal des Hofes platzte und zu Hsüä Kës Tisch eilte: „Der zweite Herr [Kë]! Kommen Sie schnell nach Hause! Und sagen Sie der Herrin Bescheid, daß sie auch kommen soll. Es ist sehr dringend!“ – „Was ist passiert?“, fragte Hsüä Kë. „Ich sage es ihnen, wenn wir zu Hause sind, Herr!“, keuchte der Junge. Seinen Gastgebern unaufhörlich dankend, folgte Hsüä Kë dem Jungen aus dem Hof und schickte eine der Mägde mit einer Nachricht in den Damenbereich. Als Frau Hsüä die Neuigkeiten vernahm, verfinsterte sich ihre Miene. Bautjin mit sich nehmend, verabschiedete sie sich unkonzentriert und begab sich direkt zu ihrer Sänfte, die ganze Versammlung dabei in höchstem Aufruhr verlassend. „Wir schicken jemanden hin, um zu erfahren, was los ist“, sagte die Herzoginmutter, „alle machen sich Sorgen.“ Alle stimmten zu. Die Spieler fuhren mit ihrem Programm fort. Doch wir müssen sie verlassen und Frau Hsüä folgen, die bei ihrer Ankunft zu Hause zwei Boten des Yamen am inneren Torweg warten sah. Bei ihnen waren einige Angestellte des Familienpfandhauses. „Wenn die Dame [Hsüä] erscheint“, sagten sie, „wird sie alles erklären können.“ Als die Boten des Yamen diese ältere Dame mit ihrem Gefolge männlicher und weiblicher Begleiter zum Tor eilen sahen und die erhöhte Position der Person sahen, mit der sie es zu tun hatten, standen sie stramm und ließen sie passieren. Frau Hsüä ging weiter durch die Empfangshalle und konnte bereits lautes Weinen aus [Schwiegertochter] Djing-guees Wohnung vernehmen. Sie beschleunigte ihren Gang. Bautschai kam ihr mit einem Gesicht naß vor Tränen entgegen. „Hast du es gehört, Mama? Bitte keine Aufregung! Wir müssen etwas tun!“ Sie gingen zusammen hinein. Einige der Diener hatten Frau Hsüä auf ihrem Weg hinein bereits gesagt, worum es ging. Bau-tschai schluchzte und zitterte immer noch von dem Schrecken. „Doch wer? Wer war es?“, fragte sie aufgewühlt. „Herrin“, sagte einer der Diener, „solche Details werden an der Situation im Moment nichts ändern. Das Gesetz sagt: ‚Ein Leben muß mit einem Leben vergolten werden‘. Deshalb müssen wir überlegen, was zu tun ist.“ – „Überlegen!“, schrie Frau Hsüä hysterisch, „was bringt denn schon Überlegen in so einem verdammten Moment wie jetzt?“ – „Das Beste, wie wir finden“, fuhr der Diener fort, „ist dies. Zuerst schicken wir den zweiten Herr Kë mit etwas Geld, um den ersten Herrn [Hsüä Pan] im Gefängnis zu besuchen. Was morgen zuerst zu tun ist: Herr Kë muß sich einen guten Berufsschreiber besorgen, jemand, der mit der gerichtlichen Terminologie vertraut ist. Er muß ihm ein gutes Honorar anbieten, um sicherzugehen, daß sein Todesurteil verworfen wird. Wenn das erledigt ist, müssen wir einen der Edelmänner der Familie Djia hier fragen, ob sie ein paar Fäden ziehen. Doch zu allererst müssen wir den Yamen-Boten ein kleines Trinkgeld geben. Dann können wir den Rest angehen.“ Frau Hsüä war nicht überzeugt. „Findet einfach die Familie des Mannes“, sagte sie, „gebt ihnen, was immer sie wollen für Beerdigungskosten und Ausgleich. Wenn der Kläger nicht darauf drängt, wird er leicht wieder frei kommen.“ Bau-tschais Stimme war durch den Türvorhang zu vernehmen: „Nein, Mama, das wird nicht gehen. Je mehr Geld wir ausgeben, desto größer wird der Ärger auf lange Sicht. Wir sollten tun, was der Junge sagt.“ – „Wozu soll ich überhaupt noch leben?“ seufzte Frau Hsüä. „Laß mich gehen und ihn noch einmal sehen! Dann kann ich mit ihm zusammen sterben!“ Bau-tschai flehte sie an, sich ein Herz zu fassen, und rief zur selben Zeit nach dem Jungen, um sofort mit dem zweiten Herr aufzubrechen. Die Mägde halfen Frau Hsüä wieder herein. Hsüä Kë stieß auf seinem Weg nach draußen dazu. „Schicke jemanden mit einem Brief nach Hause, sobald es etwas Neues gibt“, unterwies ihn Bau-tschai. „Du mußt da bleiben. Wir zählen auf dich.“ Hsüä Kë versprach, sein Bestes zu geben und brach auf. Während Bau-tschai sich wieder einmal die Aufgabe auferlegte, [ihre Mutter] Frau Hsüä zu trösten, nahm Djin-guee die Gelegenheit wahr, einen ungestörten Angriff auf Hsiang-ling zu verüben: „Ihr habt sonst die Familie immer nur gelobt“, schrie sie. „So ein Mord bedeutet nichts in dieser Familie, oder? Ihr alle kamt danach direkt in die Stadt, als ob nichts passiert wäre, nicht wahr? Wo sind jetzt all dein Geld und deine feinen Freunde und vornehmen Verwandten? Ihr seid alle so entsetzt, daß ihr nicht wißt, ob ihr kommen oder gehen sollt. Und in ein paar Tagen, wenn sie den ersten Herrn [Pan] beseitigt haben, wirst du dich aus dem Staub machen und mich mit all dem hier allein lassen!“ Sie brach wieder in dramatisches Jammern aus. Frau Hsüä hörte jedes Wort und war so aufgebracht, daß sie in Ohnmacht fiel. Bautschai war am Ende ihrer geistigen Kräfte. Inmitten dieses Tumults erschien ein altes Dienstmädchen der Dame Wang, um sich nach etwas Neuem zu erkundigen. Dies bescherte Bautschai ein weiteres Problem. Sie war sich seit dem offiziellen Verlobungsbesuch vor einigen Tagen ihrer ausgewählten Position durchaus bewußt, und wußte, daß sie streng genommen jeden Kontakt mit ihrer zukünftigen Bräutigamsfamilie vermeiden sollte, einschließlich der Dienstmädchen. Trotz der Tatsache, daß die Verlobung noch nicht ganz besiegelt war, schien die Dringlichkeit des momentanen Ernstfalls eine vorübergehende Aufgabe der Regeln zu rechtfertigen. „Wir kennen noch nicht die ganze Geschichte“, sagte sie der Magd, „was wir gehört haben ist, daß mein Bruder jemanden umgebracht haben soll und vom örtlichen Magistrat in Haft genommen worden sei. Wir wissen nicht, welcher Art Mord er für schuldig befunden wurde, doch der zweite Herr [Kë] wird es herausfinden. Wir sollten in ein oder zwei Tagen über genauere Neuigkeiten verfügen und werden es die gnädige Frau umgehend wissen lassen. Bitte danke ihr für ihre freundliche Nachfrage und sage ihr, daß wir zu fortgeschrittener Zeit sicher alle Hilfe benötigen werden, die die Herren uns bieten können.“ Die Magd kehrte mit dieser Nachricht zurück. Die nächsten zwei Tage harrten Frau Hsüä und Bau-tschai in unerträglicher Ungewißheit aus. Wenigstens kam zwei Tage später ein Dienstbote mit einem Brief zurück, welchen er einer Magd gab, um ihn den Damen zu überreichen. Bau-tschai öffnete ihn und las Satz für Satz ihrer Mutter folgendes vor: „Bruders Fall wurde ‚tödliche Körperverletzung durch Unfall‘ und nicht ‚vorsätzlicher Mord‘ genannt. Ich hinterlegte heute Morgen zuerst einen Verteidigungsappell für Kë und warte immer noch auf das Urteil des Magistrats. Der Bruder [Pan] erneuerte seine ursprüngliche Aussage und wir müssen, wenn der Appell geprüft worden sein wird, den Einspruch bei der Anhörung vorbringen. Wir sollten in der Lage sein, ihn frei zu bekommen.“ – „Ich brauche dringend fünfhundert Liang Silber. Besorge sie unverzüglich beim Pfandhaus. Sag’ der gnädigen Frau, sie soll sich nicht sorgen. Für den Rest frage den Dienstboten.“ Als Bau-tschai fertig war, den Brief laut vorzulesen, trocknete Frau Hsüä ihre Augen und sagte: „Sein Leben steht auf der Kippe, nicht wahr?“ „Bevor du wieder in Kummer versinkst, Mama“, sagte Bau-tschai, „laß uns nach dem Dienstboten schicken und ihn fragen, was er weiß.“ Eine Magd wurde geschickt, den Dienstboten zu holen. Als er eintrat, trug Frau Hsüä ihm auf, ihnen einen vollständigen Bericht von allem zu geben, was er wußte. „An dem Abend, als wir ankamen“, begann er, „als ich hörte, was der erste Herr Pan dem zweiten Herr Kë erzählt hatte, starb ich beinahe vor Angst...“ Doch den Rest des Berichtes lese man im nächsten Kapitel.

Anmerkungen

  1. Onkel und Neffe werden hier mit dem schriftsprachlichen Zi-Namen benannt: 贾存周、薛文起.
  2. Das ist die 21. Szene aus ,Die Geschichte der Laute‘
  3. Aus ,Die Pilgerreise‘.