Difference between revisions of "Hongloumeng/de/Chapter 20"

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== 王熙凤正言弹妒意 ==
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== 王熙凤正言弹妒意 林黛玉俏语谑娇音 ==
=== 林黛玉俏语谑娇音 ===
 
  
'''Mit gerechten Worten tadelt Hsi-fëng einen neidischen Sinndurch Nachahmung verspottet Dai-yü liebliche Töne. '''
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第二十回
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王熙凤正言弹妒意 林黛玉俏语谑娇音
  
Bau-yü erzählte also bei Dai-yü im Zimmer von den Rattengeistern, als Bau-tschai dazukam und ihn verspottete, weil ihm zum Laternenfest<ref>Vgl. o., Anm. zu S. 13.</ref> das Zitat vom grünen Wachs nicht eingefallen war. So stichelten sie zu dritt gegeneinander und machten sich übereinander lustig.
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Kapitel 20
Bau-yü hatte gefürchtet, Dai-yü werde, wenn sie sich nach dem Essen gehen ließe und schliefe, Verdauungsstörungen bekommen und in der Nacht nicht schlafen können, was nicht der richtige Weg war, die Gesundheit zu pflegen. Als jetzt Bau-tschai kam und Dai-yü über dem Plaudern und Scherzen die Müdigkeit verging, atmete er erleichtert auf. Da war plötzlich aus seinem Zimmer Geschrei zu hören. Alle drei spitzten die Ohren und lauschten. Schließlich war es Dai-yü, die als Erste lächelnd erklärte: „Das sind deine Amme und Hsi-jën, die da so schreien. An Hsi-jën ist nichts auszusetzen, und wenn deine Amme ihr allen Ernstes Vorhaltungen macht, heißt das wohl, daß sie vor Alter den Verstand verloren hat!
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Phönixglanz spricht ein ernstes Wort und zügelt die Eifersucht —
Schon wollte Bau-yü hinüberstürzen, aber Bau-tschai hielt ihn rasch fest und sagte: „Du darfst nicht mit ihr streiten! Das Alter hat ihr wirklich den Kopf verwirrt, und man muß nachsichtig mit ihr sein.“
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Kajaljade neckt mit witzigen Worten den lispelnden Akzent
„Schon gut!“ sagte Bau-yü. „Ich habe verstanden.“ Und damit ging er in sein Zimmer, wo er Amme Li vorfand, die auf ihren Stock gestützt dastand und Hsi-jën beschimpfte. „Du undankbare kleine Hure!“ zeterte sie. „Ich habe überhaupt erst etwas gemacht aus dir, und jetzt liegst du hochnäsig auf dem Ofenbett, wenn ich komme, und beachtest mich nicht. Das einzige, woran du denkst, ist, mit Bau-yü schönzutun, um ihn zu bezirzen. So weit hast du‘s schon damit gebracht, daß Bau-yü nichts mehr von mir wissen will und nur noch auf euch hört. Ein dummes Ding bist du, für ein paar Liang schnödes Silber gekauft, und willst dich hier aufspielen! Wie wär‘s, wenn wir dich fortschaffen und mit irgendeinem Kerl verheiraten? Mal sehen, ob du Bau-yü dann immer noch mit deinen Hexenkünsten bezirzen wirst!“
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Zu Anfang hatte Hsi-jën geglaubt, Amme Li schimpfe nur deshalb mit ihr, weil sie auf dem Ofenbett lag. Darum hatte sie ihr zu erklären versucht, daß sie krank sei und schwitzen müsse, sich deshalb die Decke über den Kopf gezogen habe und sie so nicht habe sehen können. Als sie sich dann anhören mußte, sie wolle Bau-yü bezirzen und solle verheiratet werden, fühlte sie sich beschämt und beleidigt und brach in Tränen aus.
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Das alles hatte Bau-yü mit angehört, aber er wußte nicht recht, was er sagen sollte. Darum beschränkte er sich darauf zu erklären, Hsi-jën sei krank und habe Medizin einnehmen müssen. „Wenn du es nicht glaubst, frag die anderen Mädchen!“
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Aber darüber geriet Amme Li erst recht in Wut. „Du mußt natürlich diese Füchsinnen in Schutz nehmen und kennst mich nicht mehr!“ sagte sie. „Wen soll ich denn fragen? Hier machen doch alle gemeinsame Sache mit dir und werden von Hsi-jën unter Druck gesetzt. Ich weiß alles! Diese Dinge werde ich mit dir nur vor der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau ausmachen. Mit meiner Milch habe ich dich großgezogen, und jetzt, wo du mich nicht mehr brauchst, läßt du mich links liegen und gestattest den Mädchen, sich vor mir aufzuspielen.Noch ehe sie ihren Wortschwall beendet hatte, brach auch sie in Tränen aus.
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Schatzjade<ref>Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans.</ref> [宝玉] erzählte gerade in Kajaljades<ref>Kajaljade (林黛玉, Lín Dàiyù) – Cousine und Seelenverwandte von Schatzjade.</ref> [黛玉] Zimmer die Geschichte von den „Ratten-Geistern“, als Schatzspange<ref>Schatzspange (薛宝钗, Xuē Bǎochāi) – Cousine von Schatzjade.</ref> [宝钗] hereinkam und Schatzjade damit aufzog, dass er am Laternenfest-Abend die Anspielung auf den „grünen Wachs“ [绿蜡] nicht erkannt hatte. Die drei neckten und verspotteten sich gegenseitig im Zimmer.
Inzwischen waren auch Dai-yü und Bau-tschai herübergekommen und redeten begütigend auf sie ein. „Habt doch ein wenig Nachsicht mit ihnen, dann ist der Fall erledigt!sagten sie.
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Amme Li aber hatte die beiden kaum erblickt, als sie sie schon bei den Händen faßte und ihnen ihr Leid zu klagen begann, wobei sie den Tee, den sie damals trank, was dann Tjiän-hsüä die Stellung gekostet hatte, mit der Cremespeise von gestern und weiteren Vorfällen hoffnungslos durcheinanderbrachte.
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Schatzjade sorgte sich, Kajaljade könne nach dem Essen einschlafen und sich den Magen verderben, oder nachts nicht müde genug sein — beides wäre der Gesundheit nicht zuträglich. Glücklicherweise war Schatzspange gekommen, und man konnte zusammen lachen und plaudern, sodass Kajaljade keine Lust mehr zum Schlafen hatte. Schatzjade war erleichtert.
Der Zufall wollte es, daß sich Hsi-fëng eben im Hauptraum aufhielt, wo sie gerade dabei war, Gewinn und Verlust einer Spielrunde zu berechnen. Als sie jetzt aus einem der hinteren Zimmer Lärm hörte, wußte sie, daß Amme Li wieder einmal in ihren alten Fehler verfallen war und Bau-yüs Sklavenmädchen herunterputzte, um ihre Wut über ihre Spielverluste an ihnen auszulassen. Darum eilte sie nach hinten, faßte Amme Li beim Ärmel und sagte: „Reg dich doch hier nicht auf, wo die alte gnädige Frau eben erst an dem großen Feiertag ein bißchen Freude gehabt hat! Alt, wie du bist, solltest du für Ruhe sorgen, wenn andere laut sind. Du aber scheinst kein Gefühl für Anstand zu haben, wenn du hier schreist und die alte gnädige Frau damit in Aufregung versetzt! Sag mir nur, wer dir etwas getan hat, und ich werde sie an deiner Statt dafür schlagen. Komm, ich habe geschmorten Fasan zu Hause, der ist noch ganz heiß. Also komm schnell mit, wir woll‘n ihn uns schmecken lassen und Wein dazu trinken!“  
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Bei diesen Worten zog sie Amme Li mit sich fort und befahl Fëng-örl: „Du bringst ihren Stock und ein Taschentuch, um ihr die Tränen abzuwischen!“
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Plötzlich hörte man aus seinem Zimmer lautes Geschrei. Alle spitzten die Ohren. Kajaljade sagte lächelnd als Erste: „Das sind deine Mutter und Dufthauch<ref>Dufthauch (袭人, Xīrén) – Schatzjades erste Kammerzofe.</ref> [袭人], die sich zanken. Bei Dufthauch mag es ja angehen, aber wenn deine Amme sie wirklich ernsthaft ausschimpft, dann ist sie wohl altersverwirrt geworden.
Stolpernd ließ Amme Li sich wegführen und sagte dabei: „Was soll mir dieses Leben noch, nachdem ich so alt geworden bin! Schön, ich habe kein Gefühl mehr für Anstand und habe hier so spektakelt, daß ich mich unmöglich gemacht habe. Aber immer noch besser, als mich von dieser kleinen Hure beleidigen zu lassen!“
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Bau-tschai und Dai-yü klatschten vor Vergnügen in die Hände, als sie sahen, wie resolut Hsi-fëng handelte. „Ein Glück, daß dieser Wirbelwind gekommen ist und die Alte weggetragen hat!“ sagten sie. Bau-yü aber nickte mit dem Kopf und sagte seufzend: „Wer weiß, auf wessen Konto es geht, daß sie wieder die Schwächste zum Sündenbock gemacht hat! Sicher war noch eine Rechnung offen, weil eines der Mädchen sie gestern gekränkt hat.“
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Schatzjade wollte sofort hinübereilen, doch Schatzspange hielt ihn fest: „Streit nicht mit deiner Amme! Sie ist alt und verwirrt — lass ihr etwas nach.“
Das hatte er kaum gesagt, als Tjing-wën lachend bemerkte: „Keine von uns ist so verrückt, sie zu kränken. Und wer es dennoch täte, würde es eingestehen und nicht andere mit hineinziehen.
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Hsi-jën faßte weinend nach Bau-yüs Hand und sagte: „Meinetwegen ist deine alte Amme beleidigt worden, und jetzt beleidigst du noch meinetwegen die andern. War es denn nicht genug, daß ich zu leiden hatte, müssen auch sie etwas abbekommen?“
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Schatzjade sagte: „Ich weiß.“ Damit ging er hinüber.
Als Bau-yü sah, wie sich Hsi-jën erregte, die doch ohnehin schon krank war, schluckte er rasch seinen Ärger hinunter und versuchte, sie zu beruhigen. „Schlaf nur und schwitze weiter!“ sagte er. Dann bemerkte er, daß sie vor Fieber zu glühen schien, und so legte er sich selbst neben sie, um nach ihr sehen zu können. Dabei redete er ihr zu, sie solle sich auskurieren und sich nicht über jede Kleinigkeit aufregen.
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„Wenn man sich darüber aufregen wollte, könnte man es keine Viertelstunde hier bei dir aushalten“, erwiderte sie ihm mit bitterem Lächeln darauf. „Aber ich weiß wirklich nicht, wie ich das auf die Dauer ertragen soll. Immer wieder habe ich dir gesagt, du sollst unseretwegen niemanden beleidigen. Du siehst nur, daß du uns im Augenblick beistehst, die Leute aber merken sich alles, und sobald sich eine Gelegenheit bietet, kramen sie es hervor, und wie stehen wir dann da!“ Bei diesen Worten begann sie wieder zu weinen, aber um Bau-yü nicht unnötig aufzuregen, verbiß sie sich tapfer die Tränen.
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Die alte Amme Li [李嬷嬷] stand mit ihrem Stock mitten im Zimmer und beschimpfte Dufthauch: „Du undankbares kleines Miststück! Ich habe dich großgezogen, und jetzt, wo ich herkomme, liegst du breit auf dem Kang und beachtest mich nicht! Du denkst nur daran, dich wie ein Füchsin aufzuspielen und Schatzjade zu bezirzen, damit er nur noch auf dich hört und nicht mehr auf mich! Du bist doch nichts als ein für ein paar läppische Silberlinge gekauftes kleines Ding — und du spielst dich hier als Herrin auf? Das geht nicht! Am besten zerrt man dich raus und verheiratet dich mit irgendeinem kleinen Diener — dann sehen wir, ob du immer noch Schatzjade verführst!“
Bald darauf brachte eine Alte, die allerlei Handreichungen verrichtete, den zweiten Aufguß der Medizin herein, und weil Bau-yü sah, daß Hsi-jën eben wieder anfing zu schwitzen, ließ er nicht zu, daß sie aufstand. Vielmehr griff er selbst nach der Medizin und flößte sie ihr im Sitzen ein. Dann befahl er den kleineren Sklavenmädchen, sie sollten das Ofenbett richten.
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„Egal, ob du etwas essen willst oder nicht, geh jetzt ein Weilchen zur alten gnädigen Frau und zur gnädigen Frau! Unterhalte dich auch ein wenig mit den Fräulein, und dann komm wieder zurück!riet ihm Hsi-jën. „Mir wird es gut tun, solange still hier liegen zu bleiben.“
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Dufthauch hatte anfangs geglaubt, die alte Li sei nur böse, weil sie gelegen hatte, und versuchte sich zu erklären: „Ich bin krank und habe geschwitzt, den Kopf zugedeckt — ich habe Euch wirklich nicht kommen sehen.“ Doch als die alte Li weiter von „Schatzjade verführen“ und „Füchsin spielen“ und „mit einem Diener verheiraten“ sprach, kamen Scham und Kränkung zusammen, und Dufthauch konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.
Bau-yü nahm ihr noch die Haarpfeile und die Ohrringe ab und überzeugte sich, daß sie sich ordentlich hinlegte, dann ging er in den Hauptraum hinüber und aß mit der Herzoginmutter. Nach dem Essen wollte sich die Herzoginmutter beim Kartenspielen mit ein paar alten Verwalterinnen die Zeit vertreiben, Bau-yü aber machte sich Gedanken um Hsi-jën und ging in seine Räume zurück. Hier fand er Hsi-jën schlafend vor, aber um selbst schlafen zu gehen, schien es ihm noch zu früh. Tjing-wën, Tji-hsiän, Tjiu-wën und Bi-hën waren auf der Suche nach Zerstreuung zu Yüan-yang und Hu-po gegangen, um sich mit ihnen beim Spiel zu vergnügen. Im Vorraum saß Schë-yüä einsam im Lampenschein und spielte mit Dominosteinen.
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„Warum bist du nicht auch mit den anderen spielen gegangen?“ fragte Bau-yü lächelnd.
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Schatzjade hörte das alles, konnte aber nichts tun und versuchte, Dufthauch zu verteidigen, indem er von ihrer Krankheit und den Medikamenten sprach: „Wenn Ihr mir nicht glaubt, fragt die anderen Mädchen!“
„Weil ich kein Geld habe“, antwortete Schë-yüä.
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„Aber es liegt doch genug unter dem Bett“, sagte Bau-yü. „Reicht dir das nicht zum Verspielen?“
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Die alte Li wurde nur noch wütender: „Du beschützt immer nur diese Füchsinnen und erkennst mich gar nicht mehr! Wen soll ich denn fragen? Die helfen doch alle nur dir! Dufthauch hat sie alle auf ihre Seite gezogen! Ich weiß über alles Bescheid! Ich gehe jetzt zur Herzoginmutter und zur Herrin und erkläre ihnen alles. Ich habe dich mit meiner Milch großgezogen, und jetzt, wo du keine Milch mehr brauchst, wirst du mich los und lässt dich von den Mädchen aufhetzen!
„Und wer soll hier aufpassen, wenn alle spielen gehen?“ fuhr Schë-yüä fort. „Sie liegt dort drinnen krank, und hier brennen überall Lichter und Feuer. Die alten Frauen haben es den Tag über schwer genug gehabt mit ihren müden Knochen, da muß man ihnen schon Ruhe gönnen. Die Mädchen haben auch den ganzen Tag über aufgewartet, warum sollen sie da jetzt nicht spielen dürfen? Darum habe ich sie alle gehen lassen und passe hier auf.“
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Als Bau-yü das hörte, sagte er sich, sie sei geradezu eine zweite Hsi-jën, und lächelnd bot er ihr an: „Ich bleibe hier sitzen, du kannst ruhig gehen.“
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So jammerte und weinte sie. Inzwischen waren Kajaljade und Schatzspange gekommen und redeten ihr gut zu: „Mama, Ihr alte Dame, habt ein wenig Nachsicht dann ist alles gut.
„Wenn du hier bist, brauche ich erst recht nicht zu gehen. Wir wollen uns miteinander unterhalten und lustig sein, ja?“ erwiderte Schë-yüä darauf.
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„Was können wir zu zweit schon anfangen?“ fragte Bau-yü. „Das hat doch keinen Sinn! Aber sei‘s drum! Hast du nicht heute früh gesagt, dir juckt der Kopf? Jetzt haben wir weiter nichts zu tun, da werde ich dir das Haar durchkämmen!
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Als die alte Li die beiden sah, ergriff sie deren Hände und klagte über all ihr Unrecht: den Vorfall mit dem Tee und der Entlassung von Qianxü, den Milchrahm von gestern — sie redete und redete ohne Ende.
„Schön!“ sagte Schë-yüä und holte ihr Frisierzeug und ihr Spiegelkästchen. Dann legte sie Haarpfeile und Armreifen ab und öffnete ihr Haar. Bau-yü nahm einen Staubkamm und begann, ihr Haar Strähne für Strähne zu kämmen. Da kam, als er das eben drei- oder viermal getan hatte, plötzlich Tjing-wën herein, um sich Geld zu holen. Kaum hatte sie die beiden
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erblickt, bemerkte sie mit spöttischem Lächeln: „Ach, die Hochzeitsbecher habt ihr noch nicht miteinander geleert, aber du richtest ihr schon die Frisur der Jungvermählten!“
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Gerade kam Phönixglanz<ref>Phönixglanz (王熙凤, Wáng Xīfèng) – Verwalterin des Haushalts.</ref> [熙凤] aus dem oberen Saal, wo sie Gewinn und Verlust beim Glücksspiel abgerechnet hatte. Als sie hinten das Geschrei hörte, wusste sie sofort, dass die alte Amme Li wieder einen ihrer Anfälle hatte und Schatzjades Leute drangsalierte — zumal sie an diesem Tag selbst beim Spiel verloren hatte und ihren Ärger an anderen ausließ.
„Komm her!“ sagte Bau-yü lächelnd. „Dann kämme ich dich auch!
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„Wie käme ich zu diesem Glück!“ sagte Tjing-wën, nahm das Geld, schleuderte den Türvorhang beiseite und ging hinaus.
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Phönixglanz eilte herein, ergriff die alte Lis Arm und sagte lächelnd: „Liebe Mama, regt Euch nicht auf! Am Neujahrstag war die Herzoginmutter gerade einmal fröhlich, und Ihr als ältere Person solltet die anderen zügeln, wenn sie laut werden — Ihr könnt doch nicht selbst hier Lärm schlagen und die Herzoginmutter ärgern! Sagt mir einfach, wer Euch etwas getan hat, und ich verprügel ihn für Euch. Bei mir zu Hause gibt es dampfend heißes Wildhuhn — kommt, trinken wir zusammen Wein!“
Bau-yü saß hinter Schë-yüä, Schë-yüä aber saß vor dem Spiegel, und so konnten sie einander im Spiegel sehen. Jetzt lächelte Bau-yü ihr im Spiegel zu und sagte: „Von allen, die hier im Zimmer sind, hat nur sie so eine spitze Zunge.
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Als Schë-yüä das hörte, machte sie ihm im Spiegel rasch mit der Hand ein Zeichen, aber schon klappte wieder der Türvorhang, und Tjing-wën stürzte herein und sagte: „Was ist mit meiner Zunge? Darüber wollen wir einmal reden!“
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Während sie so redete, zog sie die alte Li schon mit sich fort und rief: „Feng'er [丰儿], nimm der Amme Li den Stock und das Tränentuch ab!“ Die alte Li ließ sich widerstandslos von Phönixglanz mitziehen, redete aber weiter: „Mir ist dieses alte Leben nicht mehr wichtig! Heute mache ich einmal ordentlich Skandal, verliere dabei mein Gesicht — immer noch besser, als mir den Spott dieser frechen Weiber gefallen zu lassen!“
„Ach, geh!“ sagte Schë-yüä lächelnd. „Was soll denn das?“
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„Du mußt ihm natürlich beistehen“, sagte Tjing-wën. „Ich bin schon längst hinter eure Schliche gekommen. Wenn ich mein Geld zurückgewonnen habe, sprechen wir uns wieder!“ Und damit ging sie hinaus.
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Kajaljade und Schatzspange folgten und sahen, wie Phönixglanz die Sache handhabte. Lächelnd klatschten sie in die Hände und sagten: „Glück, dass dieser Wirbelwind kam und die alte Frau wegfegte!“
Hier aber kämmte Bau-yü Schë-yüäs Haar zu Ende und befahl dann, sie solle ihm leise beim Zubettgehen behilflich sein, weil er Hsi-jën nicht stören wollte.
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Über die Nacht ist weiter nichts zu sagen.
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Schatzjade nickte seufzend: „Schon wieder unergründliche Vorwürfe — und wie immer trifft es die Schwachen. Gestern muss irgendein Mädchen sie geärgert haben, und jetzt wird es auf mein Konto geschrieben.“
Am nächsten Morgen fühlte sich Hsi-jën etwas leichter, nachdem sie in der Nacht geschwitzt hatte, und aß ein wenig nüchterne Reissuppe. Dann wollte sie weiter ruhen. So ging Bau-yü nach dem Essen unbesorgt zu Tante Hsüä hinüber.
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Nach dem Neujahrsfest waren in der Schule jetzt Ferien, und für die Mädchen ruhte die Nadelarbeit. So hatte jedermann frei, und auch Djia Huan war gekommen, um am Vergnügen teilzuhaben. Er hatte Bau-tschai, Hsiang-ling und Ying-örl zu dritt beim Würfelspiel gefunden und verlangte, mitspielen zu dürfen.
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Kaum hatte er ausgesprochen, sagte Qingwen [晴雯] von der Seite lächelnd: „Wer wäre denn so verrückt, sie zu ärgern? Und wenn schon — dann hätte man den Mut, es zuzugeben, statt andere mit hineinzuziehen!
Bau-tschai sah Djia Huan seit jeher mit denselben Augen an wie Bau-yü und hatte keinerlei Nebengedanken. Als sie hörte, er wolle mitspielen, bat sie ihn, Platz zu nehmen.
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Sie spielten um einen Einsatz von zehn Bronzemünzen, und als Djia Huan die erste Runde gewann, frohlockte er innerlich. Dann aber verlor er mehrere Male hintereinander und wurde unruhig.  
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Dufthauch weinte und zog an Schatzjades Ärmel: „Wegen mir hast du dich mit der alten Amme angelegt, und jetzt machst du wegen mir auch noch mit allen anderen Streit — das ist mir doch schon mehr als genug. Musst du noch andere hineinziehen?“
Jetzt war er mit Würfeln an der Reihe und brauchte sieben Augen, um zu gewinnen. Würde er nur sechs werfen, dann konnte ihn Ying-örl, die als Nächste kam, mit drei Augen besiegen. Also nahm er die Würfel und schleuderte sie mit aller Kraft auf den Tisch. Der eine blieb liegen und zeigte eine Fünf, der andere aber drehte sich immer weiter. Ying-örl klatschte in die Hände und rief: „Eine Eins, eine Eins!“, Djia Huan jedoch starrte auf den Würfel und rief ohne Sinn und Verstand: „Sechs, sieben, acht...“  
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Doch als der Würfel liegenblieb, zeigte er ausgerechnet eine Eins. Da streckte Djia Huan rasch die Hand aus und nahm den Würfel fort. Dann sammelte er das Geld ein und sagte: „Es war eine Sechs!“ Ying-örl aber widersprach: „Es war ganz klar eine Eins!“
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Schatzjade sah ihren Zustand, dachte an ihre Krankheit und all den Kummer, und schluckte seinen Ärger hinunter. Er beruhigte sie und bat sie, sich wieder hinzulegen und zu schwitzen. Dann ließ er ihr noch eine Dosis Medizin kochen und überwachte, dass sie sie trank.
Bau-tschai hatte gesehen, wie Djia Huan sich erregte, darum warf sie Ying-örl einen Blick zu und sagte: „Je älter du wirst, desto mehr verlierst du den Anstand. Wird ein junger Herr dich betrügen? Sofort legst du das Geld wieder hin!“
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Ying-örl war zwar zutiefst gekränkt, wagte Bau-tschai jedoch nicht zu widersprechen. Also legte sie das Geld wieder hin, murmelte aber dabei: „Das ist mir schon ein Herr, der uns um ein paar Münzen betrügt! Neulich habe ich mit dem jungen Herrn Bau-yü gespielt, und es hat ihn überhaupt nicht gekümmert, daß er verloren hat. Sogar als sich die kleineren Mädchen einfach die restlichen Münzen nahmen, hat er nur darüber gelacht und...“
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Dufthauch sagte mit kühlem Lächeln: „Wenn ich mich wegen jeder solchen Sache aufregen würde, könnte ich hier keinen Augenblick mehr bleiben. Aber auf die Dauer — wie soll das gehen? Ich sage dir immer: Mach meinetwegen keinen Streit mit anderen! Du tust es im Moment für uns, aber die anderen merken sich alles und reden gut oder schlecht — was soll das bringen?“ Während sie so sprach, kamen ihr wieder die Tränen, doch sie wollte Schatzjade nicht noch mehr belasten und hielt sie mühsam zurück.
Noch ehe sie ausgesprochen hatte, wurde sie von Bau-tschai scharf unterbrochen. Djia Huan aber sagte: „Worin könnte ich mich schon mit Bau-yü messen! Ihr stellt euch alle nur gut mit ihm, weil ihr Angst vor ihm habt. Mich aber beleidigt ihr, weil nicht die gnädige Frau mich geboren hat.Und schon begann er zu weinen.
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„Liebster Vetter“, redete Bau-tschai ihm zu, „hör auf damit, sonst wird man dich noch auslachen!“ Dann begann sie mit Ying-örl zu schimpfen.
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Eine alte Dienerin brachte die zweite Dosis Medizin. Schatzjade sah, dass Dufthauch gerade zu schwitzen begann, und wollte sie nicht aufstehen lassen — er reichte ihr die Medizin selbst ans Bett. Dann ließ er das Lager für sie richten.
In diesem Augenblick kam Bau-yü ins Zimmer und erkundigte sich, was vorgefallen sei.
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Djia Huan wagte kein Wort zu sagen, Bau-tschai aber wußte, daß es in anderen Familien die Regel war, daß die jüngeren Brüder vor den älteren Angst hatten. Was sie jedoch nicht wußte, war, daß Bau-yü nicht wollte, daß jemand Angst vor ihm hatte. Er sagte sich: „Wir haben doch alle unsere Eltern, die uns erziehen, warum also soll ich mir die Mühe machen, mich jemandem zu entfremden? Noch dazu, wo ich der Sohn der Hauptfrau bin, er aber ist der Sohn einer Nebenfrau, und es gibt ohnehin schon Leute, die heimlich darüber reden. Was würden sie erst sagen, wenn ich versuchte, ihm Vorschriften zu machen!“
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Dufthauch sagte: „Ob du isst oder nicht geh wenigstens für eine Weile zur Herzoginmutter und zur Herrin. Amüsier dich ein wenig mit den Schwestern und komm dann zurück. Ich möchte mich in Ruhe hinlegen.
Er hatte sogar noch eine andere törichte Vorstellung, und wißt ihr auch, welche? Von klein auf inmitten von Schwestern und Kusinen aufgewachsen (da waren seine Schwestern Yüan-tschun und Tan-tschun, dann die nahen Kusinen Ying-tschun und Hsi-tschun sowie die entfernteren Schï Hsiang-yün, Lin Dai-yü und Hsüä Bau-tschai), meinte er, der Himmel habe den Menschen als Seele aller Dinge hervorgebracht, aber die Quintessenz von Bergen und Strömen, Sonne und Mond sei nur den Mädchen eingegeben, während die bärtigen Männer nichts weiter seien als Abschaum und Bodensatz.
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Mit dieser törichten Vorstellung im Herzen sah er alle Männer als dumme, schmutzige Wesen an, deren Existenz ihm gleichgültig war. Und nur weil Kung-dsï der größte Mensch aller Zeiten war, dessen Lehren man nicht zuwiderhandeln konnte, hörte er notgedrungen auf das, was Vater, Onkel und ältere Vettern ihm sagten. Den Jüngeren gegenüber ließ er es jedoch einfach bei dem bewenden, was die Vernunft gebot, und dachte gar nicht daran, daß er ihnen ein Vorbild sein müßte. Deshalb fürchteten ihn weder Djia Huan noch die anderen und gaben ihm nur deswegen ein wenig nach, weil sie Angst vor der Herzoginmutter hatten.
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Schatzjade tat wie geheißen, deckte sie zu und ging ins obere Stockwerk. Nachdem er mit der Herzoginmutter gespeist hatte und diese noch mit einigen alten Aufseherinnen Karten spielen wollte, um sich die Zeit zu vertreiben, erinnerte sich Schatzjade an Dufthauch und kehrte in sein Zimmer zurück. Dufthauch döaste bereits. Da es noch früh am Abend war, brauchte Schatzjade etwas, um sich zu beschäftigen. Qingwen, Qixia [绮霰], Qiuwen und Bihen [碧痕] waren alle fortgegangen, um mit Yuanyang [鸳鸯] und Hupo [琥珀] zu spielen. Nur Sheyü [麝月] sass allein draußen im Lampenlicht und spielte mit Knochendominosteinen.
Bau-tschai aber glaubte, Bau-yü werde Djia Huan Belehrungen erteilen, und das werde die Sache nicht besser machen, deshalb nahm sie ihn rasch mit einer Ausrede in Schutz.
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„Wie kann man denn im Neujahrsmonat heulen!“ sagte Bau-yü. „Wenn es dir hier nicht gefällt, dann geh woandershin spielen! Tag für Tag studierst du die Schriften, da hast du dich wohl dummstudiert? Wenn dir etwas nicht gefällt, etwas anderes aber gefällt dir, dann laß doch jenes und nimm dieses. Oder meinst du, wenn du es festhältst und heulst eine Weile, wird es besser?
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Schatzjade fragte lächelnd: „Warum spielst du nicht mit den anderen?“
Du bist doch hergekommen, um dich zu vergnügen, und wenn du dich hier nicht vergnügen kannst, dann geh doch weg und such dir ein anderes Vergnügen. Oder hältst du es für ein Vergnügen, hier herumzuheulen? Du bereitest dir nur selber Ärger. Das beste ist wirklich, du verschwindest recht schnell von hier!
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Nach diesen Worten blieb Djia Huan keine andere Wahl, als in seine Wohnräume zurückzukehren. Als seine Mutter, Nebenfrau Dschau, sah, was er für ein Gesicht machte, fragte sie: „Wer hat denn nun wieder seine Wut an dir ausgelassen?“ Da sie keine Antwort bekam, wiederholte sie die Frage, und erst jetzt sagte Djia Huan: „Ich habe mit Kusine Bau-tschai gespielt, und ihre  Ying-örl hat mich beleidigt und um mein Geld betrogen. Dann hat Bau-yü mich weggejagt.“
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Sheyü sagte: „Ich habe kein Geld.
Nebenfrau Dschau spuckte aus und hielt ihm dann vor: „Mußtest du dich dort aufdrängen, du gemeiner, schamloser Bengel?  Das ist kein Platz für dich zum Spielen. Wer hat dich geheißen, ausgerechnet dorthin zu laufen und dir Scherereien einzuhandeln?
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Gerade als sie das sagte, kam draußen Hsi-fëng am Fenster vorbei und hörte Wort für Wort. Und so sagte sie durchs Fenster: „Was soll denn das im Neujahrsmonat? Schwager Huan ist doch noch ein Kind, und wenn er eine Kleinigkeit falsch macht, muß er belehrt werden und nicht solche Sachen gesagt bekommen. Was er macht, darum kümmern sich die gnädige Frau und der gnädige Herr. Einfach vor ihm auszuspucken! Er gehört doch mit zu den Herrschaften, und wenn er einen Fehler macht, sind schließlich Leute da, um ihn zu belehren. Was geht dich das an! – Komm heraus, Schwager, und geh mit mir spielen!“
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Schatzjade sagte: „Unter dem Bett liegt doch ein ganzer Haufen — reicht das nicht?“
Djia Huan hatte seit jeher vor Hsi-fëng mehr Respekt als vor Dame Wang. Darum ging er jetzt folgsam zu ihr hinaus, und auch Nebenfrau Dschau wagte keinen Ton mehr zu sagen.
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„Hast du denn gar keinen Charakter?Mit diesen Worten wurde Djia Huan von Hsi-fëng empfangen. „Habe ich dir nicht oft genug gesagt, du sollst essen und trinken, sollst spielen und lachen, und du kannst mit allen Vettern und Kusinen zusammen spielen, wenn du nur willst? Aber anstatt auf mich zu hören, läßt du dir von andern beibringen, schlecht und boshaft zu sein, den einen zu schmeicheln und die andern zu bedrängen. Wer sich selbst nicht achtet, sinkt immer tiefer. Und wer Böses im Herzen trägt, sollte nicht andern vorwerfen, sie seien ungerecht. Wieviel hast du denn im Spiel verloren, daß du dich so aufführen mußt?
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Sheyü sagte: „Wenn alle weggehen, wer passt dann auf das Zimmer auf? Die eine ist krank, überall brennen Laternen, überall sind Öfen. Die alten Dienerinnen haben den ganzen Tag geschuftet — sie sollten sich ausruhen dürfen. Und die kleinen Mädchen haben auch den ganzen Tag bedient — sollen sie jetzt wenigstens etwas spielen gehen. Also habe ich sie alle gehen lassen und passe allein auf.“
„Ein- bis zweihundert Münzen habe ich verloren“, gab Djia Huan bereitwillig Auskunft.
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„Du willst ein Herr sein und machst so ein Gewese um ein paar hundert Münzen?“ fragte Hsi-fëng. Sie wandte sich um und befahl Fëng-örl: „Hol eine Schnur Münzen! Und dann bring ihn nach hinten, wo die jungen Fräulein spielen, damit er dort mitspielen kann!“
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Schatzjade hörte diese Worte und dachte: Genau so wie Dufthauch. Er lächelte: „Ich bleibe hier und passe auf — geh du ruhig.“
Anschließend fuhr sie, wieder zu Djia Huan gewandt, fort: „Wenn du weiter so gemein und würdelos bist, werde ich dich zuerst selber schlagen und dann jemand in der Schule Bescheid sagen lassen, damit man dir dort die Haut vom Leibe schindet! Dein Vetter Liän knirscht über deinen Mangel an Selbstachtung schon vor Wut mit den Zähnen, und wenn ich ihn nicht daran hindern würde, hätte er dir schon längst einen Tritt versetzt, daß dir die Därme aus dem Bauch quellen. – Verschwinde!“ schrie sie ihn schließlich an, und Djia Huan ging gehorsam hinter Fëng-örl her, nahm das Geld in Empfang und ließ sich dann zu Ying-tschun bringen, um zu spielen. Aber davon soll hier nicht die Rede sein.
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Während Bau-yü mit Bau-tschai spielte und scherzte, wurde plötzlich gemeldet: „Fräulein Schï ist da!“
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Sheyü sagte: „Da du hier bist, brauche ich erst recht nicht zu gehen. Wir beide können uns unterhalten und Spaß haben — ist das nicht besser?“
Sofort stand Bau-yü auf, um zu gehen, Bau-tschai aber sagte lächelnd: „Warte doch, wir gehen gemeinsam! Ich möchte sie auch sehen.“ Damit stieg sie vom Ofenbett und ging mit Bau-yü zusammen zur Herzoginmutter hinüber, wo Schï Hsiang-yün eben mit lauter Stimme lachte und sprach. Als sie die beiden erblickte, fragte sie rasch nach ihrem Befinden, und sie begrüßten einander. Dai-yü, die ebenfalls dort war, fragte Bau-yü, wo er gewesen sei.
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„Ich war bei Kusine Bau-tschai“, erwiderte er.
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Schatzjade lächelte: „Was sollen wir denn machen? Es ist doch langweilig. Na gut — heute Morgen hast du gesagt, dein Kopf juckt. Da wir nichts zu tun haben, kämme ich dir die Haare.
„Da kann ich nur sagen, welch ein Glück, daß ihre Gesellschaft dich so gefesselt hat“, sagte Dai-yü spöttisch. „Sonst hättest du ja schon längst hier sein können!
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„Darf ich denn nur mit dir spielen und nur dir die Zeit vertreiben?“ fragte Bau-yü lächelnd. „Kaum daß ich einmal zufällig bei ihr war, mußt du so etwas sagen!“
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Sheyü sagte: „Warum nicht.“ Sie stellte den Schminkspiegel hin, nahm die Haarnadeln ab, öffnete das Haar, und Schatzjade kämmte es ihr sorgfältig Strähne für Strähne.
„Was für einen Unsinn du redest!“ gab Dai-yü zurück. „Was kümmert das mich, ob du sie besuchst oder nicht? Ich habe dich ja schließlich nicht gebeten, mir die Zeit zu vertreiben. In Zukunft brauchst du dich um mich überhaupt nicht mehr zu kümmern!“ Und wütend ging sie in ihre Räume. Rasch ging Bau-yü ihr nach und sagte: „Nun regst du dich wieder auf! Auch wenn ich etwas Falsches gesagt habe, kannst du doch drüben sitzen bleiben und noch ein Weilchen mit den andern plaudern und scherzen, anstatt dich hier einsam zu grämen.“
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„Du brauchst mir keine Vorschriften zu machen!“ sagte Dai-yü.
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Nach kaum fünf Strichen kam Qingwen eilig herein, um Geld zu holen. Als sie die beiden sah, sagte sie spöhtisch: „Na, den Hochzeitsbecher habt ihr noch nicht getrunken, aber die Brauttoilette wird schon gemacht!“
„Das würde ich niemals wagen“, erwiderte Bau-yü lächelnd. „Ich kann doch aber nicht einfach zusehen, wie du dich zugrunde richtest.“
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„Hat das etwas mit dir zu tun, wenn ich mich zugrunde richte und sterbe?“ fragte Dai-yü.
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Schatzjade lächelte: „Komm her, ich kämme dir auch die Haare.
„Warum quälst du dich nur und mußt im Neujahrsmonat vom Sterben sprechen?“ sagte Bau-yü ihr darauf.
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„Ich will aber gerade vom Sterben sprechen!“ beharrte Dai-yü. „Ich sterbe jetzt, und du kannst hundert Jahre alt werden, wenn du Angst hast zu sterben. Wie wäre das?
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Qingwen sagte: „So viel Glück habe ich nicht!“ Damit nahm sie das Geld und rauschte hinaus, wobei der Vorhang klirrte.
„Meinst du, ich hätte noch Angst davor, wenn du immer nur mit mir zankst?fragte Bau-yü. „Da ist es besser zu sterben, und damit Schluß!
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„Eben!“ sagte Dai-yü. „Anstatt sich zanken zu müssen, ist es besser, ich sterbe, und damit Schluß!
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Schatzjade stand hinter Sheyü, Sheyü sass vor dem Spiegel, und beide sahen sich darin an. Schatzjade lächelte im Spiegel: „Von allen hier ist sie die Einzige, die ständig stichelt.
„Ich habe gesagt, ich sterbe, und damit Schluß“, protestierte Bau-yü. „Dreh mir doch nicht die Worte im Munde herum!“  
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In diesem Moment kam Bau-tschai herein und sagte: „Kusine Hsiang-yün wartet auf dich.“ Und sie stieß Bau-yü an, um ihn zum Mitkommen aufzufordern. Dai-yü aber drehte sich verzweifelt zum Fenster und ließ ihren Tränen freien Lauf.
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Sheyü sah das im Spiegel und winkte hastig mit der Hand. Schatzjade verstand. Da hörte man schon den Vorhang klirren — Qingwen stürmte zurück und fragte: „Ich stichle also? Das müssen wir uns mal genauer ansehen!“
Es verging nicht einmal so viel Zeit, wie man sie braucht, um zwei Tassen Tee zu trinken, da war Bau-yü wieder da, Dai-yü aber schluchzte nur um so heftiger. Bau-yü wußte, daß es schwer sein würde, sie auf andere Gedanken zu bringen, und legte sich hundert zärtliche Worte zurecht, mit denen er sie trösten wollte.
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Aber unversehens begann Dai-yü selbst zu sprechen, noch ehe er den Mund aufgetan hatte. „Was willst du denn schon wieder hier?fragte sie. „Du hast doch eine gefunden, mit der du spielen kannst und die besser liest, besser dichtet, besser schreibt und besser plaudert und lacht als ich. Sie hat dich ja sogar weggeholt, weil sie Angst hatte, du würdest dich aufregen. Was willst du also hier? Geh mir nur weg!“
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Sheyü lächelte: „Geh du und spiel! Was fragst du mich?“
Bau-yü aber trat näher an sie heran und redete leise auf sie ein: „Du bist doch klug genug, um einen Satz wie diesen zu verstehen: ‚Nahe Verwandte werden nicht durch entfernte getrennt, neue Freunde nehmen nicht die Plätze der alten ein.Ich bin zwar dumm, aber ich verstehe ihn. Zum ersten bist du die Tochter der Schwester meines Vaters, Bau-tschai aber ist die Tochter der Schwester meiner Mutter, folglich bin ich mit ihr entfernter verwandt als mit dir.
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Zum zweiten warst du früher hier, und wir haben an einem Tisch gegessen und auf einem Bett geschlafen, als wir aufgewachsen sind, sie aber ist erst vor kurzem gekommen. Wie könnte ich dich also ihretwegen hintansetzen?
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Qingwen lächelte: „Du beschützt ihn wieder! Was ihr beide hinter vorgehaltener Hand treibt, weiß ich ganz genau. Wartet, bis ich mein Geld zurückgewonnen habe, dann reden wir weiter!“ Damit rauschte sie wieder hinaus.
Dai-yü spuckte aus und sagte dann: „Geht es mir etwa darum, daß du sie hintansetzen sollst? Für wen hältst du mich denn? Worum es mir geht, ist, wie es im Herzen aussieht!“
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„Darum geht es mir ja auch!“ sagte Bau-yü. „Kennst du etwa nur dein eigenes Herz und meines nicht?“
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Schatzjade kämmte Sheyüs Haar fertig und bat sie, leise aufzupassen, damit Dufthauch nicht gestört würde. Die Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse.
Als Dai-yü das hörte, senkte sie schweigend den Kopf. Erst nach einer langen Pause sagte sie: „Du siehst nur, daß andere durch ihr Benehmen dich ärgern, aber daß auch du die andern ärgerst und betrübst, merkst du nicht. Wie konntest du nur heute bei dieser Kälte deinen Umhang aus Blaufuchsklaue ablegen!“
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„Ich habe ihn ja umgehabt“, erwiderte Bau-yü lächelnd. „Aber als du dich aufgeregt hast, ist mir so heiß geworden, daß ich ihn ablegen mußte.“
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Am nächsten Morgen, als Dufthauch aufstand, fühlte sie sich besser — sie hatte nachts geschwitzt und die Erkältung überwunden. Sie ass nur etwas Reissuppe und ruhte sich weiter aus.
„Und dann wunderst du dich, wenn du dich erkältet hast!“ seufzte Dai-yü.
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Bei diesen Worten kam Hsiang-yün herein und sagte lächelnd: „Vetter Bau-yü, Kusine Dai-yü, ihr zwei seid Tag für Tag beieinander, und wenn ich es einmal schaffe, herzukommen, kümmert ihr euch nicht um mich.“
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Schatzjade, nun beruhigt, ging nach dem Frühstück hinüber zu Tante Xüs [薛姨妈] Quartier, um sich die Zeit zu vertreiben. Es war noch Neujahr, die Schule hatte geschlossen und im Frauengemach ruhte die Näharbeit — alle hatten frei.
„Also wirklich“, sagte Dai-yü lächelnd, „wer mit der Zunge anstößt, spricht besonders gern. Immer sagst du ai – ‚lieben‘ – statt örl – ‚zwei‘. Demnächst wirst du auch beim Würfelspiel zählen: Eins liebt drei, vier, fünf...“
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„Mach sie nur tüchtig nach!“ sagte Bau-yü. „Dann wirst du bald genauso sprechen.“
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Kaufmann Hagedorn [贾环] war auch hergekommen, um zu spielen. Gerade spielten Schatzspange, Xiangling [香菱] und Ying'er [莺儿] ein Brettspiel ums Geld. Kaufmann Hagedorn sah es und wollte mitspielen. Schatzspange behandelte ihn stets wie Schatzjade, ohne Unterschied. Als er mitspielen wollte, ließ sie ihn sich dazusetzen. Man spielte um je zehn Münzen. Die erste Runde gewann er und war hocherfreut. Dann verlor er mehrere Runden hintereinander und wurde nervös.
„Sie kann aber auch kein bißchen nachsichtig sein“, beklagte sich Hsiang-yün. „Immer muß sie andern ihre Schwächen vorhalten! – Auch wenn du besser bist als alle andern, mußt du dich doch nicht über jeden, den du siehst, lustig machen. Aber ich will dir eine nennen, und wenn du es wagst, auch ihr etwas vorzuhalten, habe ich wirklich Respekt vor dir!“
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„Und wer soll das sein?“ fragte Dai-yü sofort.
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Gerade als er selbst würfeln sollte — eine Sieben hätte den Sieg bedeutet, eine Sechs und dann Ying'ers Drei den Verlust — warf er die Würfel. Einer zeigte eine Fünf und blieb liegen. Der andere drehte sich noch. Ying'er klatschte in die Hände und rief: „Eins!“ Kaufmann Hagedorn starrte auf den Würfel und rief durcheinander: „Sechs sieben acht!“ Doch der Würfel blieb auf „Eins“ stehen.
„Kusine Bau-tschai“, erwiderte Hsiang-yün. „Wenn du es fertigbringst, auch ihr eine Schwäche vorzuhalten, bist du wirklich die beste. Mag auch ich nicht an sie heranreichen, aber worin käme sie dir nicht gleich?“
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„Ich dachte, wunder wen du meinst, und da ist sie es“, sagte Dai-yü mit kühlem Lächeln. „Wie könnte ich es wagen, ihr etwas vorzuhalten, ich...“
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Kaufmann Hagedorn wurde hektisch, griff nach dem Würfel und dann nach dem Geld und behauptete, es sei eine Sechs gewesen.
Ohne Dai-yü ausreden zu lassen, brachte Bau-yü die beiden von ihrem Thema ab.
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Dann sagte Hsiang-yün lächelnd: „Ich werde natürlich nie an dich nicht heranreichen, solange ich lebe. Ich wünsche mir nur, daß du einen Mann bekommst, der auch mit der Zunge anstößt, damit du immerzu von ‚Liebe‘ hörst. Buddha Amitabha, das möchte ich erleben!“
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Ying'er sagte: „Das war eindeutig eine Eins!“
Alle brachen in Gelächter aus, Hsiang-yün aber machte kehrt und lief hinaus.
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Wer wissen will, wie es weiterging – im nächsten Kapitel wird alles genau erklärt.
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Schatzspange sah, dass Kaufmann Hagedorn wütend wurde, und wies Ying'er zurecht: „Je größer du wirst, desto weniger Anstand hast du! Würde ein junger Herr dich betrügen? Leg das Geld sofort hin!“
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Ying'er, zutiefst gekränkt, wagte nicht zu widersprechen, da Schatzspange es so befahl, und legte das Geld hin. Dabei murmelte sie: „Ein junger Herr — und betrügt uns um ein paar läppische Münzen! Mich beachtet er auch nicht. Als ich neulich mit dem jungen Herren Schatzjade spielte und er verlor — viel mehr als das! — hat er es einfach hingenommen. Das restliche Geld haben ein paar kleine Mädchen sich gegriffen, und er hat nur gelacht.“
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Schatzspange unterbrach sie hastig. Kaufmann Hagedorn sagte: „Was soll ich mich mit Schatzjade vergleichen! Ihr habt alle Angst vor ihm, seid nett zu ihm und gemein zu mir — bloß weil er der Sohn der Hauptfrau ist und ich nicht!
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Dabei begann er zu weinen. Schatzspange tröstete ihn eilig: „Lieber Bruder, sag so etwas nicht — man lacht dich aus!“ Und sie schimpfte noch einmal mit Ying'er.
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Gerade kam Schatzjade herein. Er sah die Situation und fragte, was los sei. Kaufmann Hagedorn wagte nichts zu sagen. Schatzspange kannte die Familienregeln: Jüngere Brüder fürchteten ihre älteren Brüder. Doch sie wusste auch, dass Schatzjade anders war — er wollte nicht, dass man ihn fürchtete. Er dachte: Die Brüder haben alle Vater und Mutter, die sie erziehen warum sollte ich mich einmischen und die Beziehung kaputt machen? Außerdem bin ich der Sohn der Hauptfrau, er der einer Konkubine — selbst so gibt es schon Gerede hinter meinem Rücken.
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Und dann war da noch ein weiterer eigensinniger Gedanke: Seit seiner Kindheit unter Schwestern aufgewachsen — leibliche wie Urfrühling und Tanchun, Cousinen wie Yingchun und Xichun, Verwandte wie Shi Xiangyun<ref>Shi Xiangyun (史湘云, Shǐ Xiāngyún) – Cousine von Schatzjade, lebhaft und unkonventionell.</ref> [史湘云], Kajaljade und Schatzspange — war er überzeugt, dass der Himmel seine Essenz nur in Frauen goss, während Männer nichts als trüber Abschaum waren. Deshalb behandelte er seine Brüder nur mit der angemessenen Höflichkeit, die Konfuzius vorschrieb, ohne sich als Vorbild aufzuspielen. Kaufmann Hagedorn und die anderen fürchteten ihn daher nicht — nur die Herzoginmutter ließen sie ihm drei Schritte voraus.
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Schatzspange, die befürchtete, Schatzjade könne Kaufmann Hagedorn zurechtweisen und die Sache verschlimmern, vertuschte die Angelegenheit. Schatzjade sagte: „Am Neujahrstag weinen — was soll das? Wenn es dir hier nicht gefällt, geh woanders spielen! Das ist wie mit einem Gegenstand — wenn dieser nicht gefällt, nimm einen anderen. Musst du vor diesem einen Ding sitzen und weinen? Wird es dadurch besser? Du bist doch hergekommen, um Spaß zu haben — wenn es keinen Spaß macht, geh woanders, wo es Spaß macht. Zu weinen ist doch kein Vergnügen — das bringt nur Kummer!“
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Kaufmann Hagedorn hörte das und trollte sich.
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Konkubine Zhao [赵姨娘] sah ihn kommen und fragte: „Woher kriechst du wieder angeschlichen?Auf ihre erste Frage antwortete er nicht. Beim zweiten Mal sagte Kaufmann Hagedorn: „Ich habe mit Schwester Schatzspange gespielt, Ying'er hat mich betrogen und mein Geld genommen, und Bruder Schatzjade hat mich weggeschickt.“
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Konkubine Zhao spuckte aus: „Wer hat dich geheißen, dich auf die große Bühne zu stellen? Du hast keinen Stolz! Überall könntets du spielen — aber nein, du musst dorthin rennen und dich blamieren!“
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Gerade sprach sie so, als Phönixglanz draußen am Fenster vorbeiging und jedes Wort hörte. Durch das Fenster sagte sie: „Schon wieder Ärger am Neujahrstag? Bruder Hagedorn ist noch ein Kind — wenn er einen kleinen Fehler macht, dann erzieh ihn, statt solchen Unsinn zu reden! Egal was er tut — es gibt noch seinen Vater und seine Mutter, die ihn erziehen — was geht es dich an? Bruder Hagedorn, komm raus, spiel mit mir!“
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Kaufmann Hagedorn fürchtete Phönixglanz noch mehr als Frau Wang. Als er ihren Ruf hörte, kam er eilig und gehorsam heraus. Konkubine Zhao wagte nichts zu sagen.
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Phönixglanz sagte zu Kaufmann Hagedorn: „Du hast auch gar keinen Mumm! Ich sage dir immer: Wenn du essen, trinken, spielen oder lachen willst, dann spiel mit wem du willst — der Schwester oder dem Bruder, der dir gefällt. Du hörst nicht auf mich und lässt dich von diesen Leuten mit bösen Gedanken füttern. Wenn du dich selbst nicht achtst und unter dein Niveau sinkst und dann andere beschuldigst, parteiisch zu sein — ein paar Münzen verloren, und schon so ein Gezeter!
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Sie fragte: „Wie viel hast du verloren?“
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Kaufmann Hagedorn murmelte kleinlaut: „Ein- bis zweihundert.
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Phönixglanz sagte: „Und du willst ein junger Herr sein? Wegen ein- bis zweihundert Münzen so ein Theater!“ Sie rief: „Feng'er, hol eine Schnur Geld!“ Dann wandte sie sich wieder an ihn: „Die Schwestern spielen alle hinten — bring ihn hin und lass ihn spielen. Und wenn du noch einmal so eine Szene machst, verprügel ich dich erst und lass es dann in der Schule melden, dass man dir das Fell abzieht!“ Sie scheuchte ihn weg: „Los jetzt!“
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Kaufmann Hagedorn folgte Feng'er gehorsam, bekam sein Geld und ging mit Yingchun und den anderen spielen. Davon ist nicht weiter zu berichten.
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Schatzjade sass noch bei Schatzspange, als plötzlich jemand meldete: „Fräulein Shi Xiangyun [史湘云] ist da!Schatzjade sprang auf und wollte gehen. Schatzspange lächelte: „Warte, wir gehen zusammen und begrüssen sie!“ Sie stiegen vom Kang und gingen gemeinsam zur Herzoginmutter.
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Dort lachte und redete Shi Xiangyun schon laut und fröehlich. Als sie die beiden kommen sah, begrüsste sie sie herzlich. Gerade stand Kajaljade daneben und fragte Schatzjade: „Wo warst du?
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Schatzjade sagte: „Bei Schwester Schatzspange.“
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Kajaljade sagte kühl lächelnd: „Ach so! Kein Wunder — dort war er festgehalten, sonst wäre er längst hergeflogen.“
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Schatzjade lächelte: „Darf ich denn nur mit dir spielen und dir die Langeweile vertreiben? Kaum gehe ich einmal zu ihr, sagst du so etwas.
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Kajaljade sagte: „Was für ein sinnloses Gerede! Ob du gehst oder nicht, geht mich doch nichts an! Ich habe dich ja nicht gebeten, mir die Langeweile zu vertreiben! Du brauchst mir nie wieder zu kommen!“
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Damit ging sie verargert in ihr Zimmer.
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Schatzjade eilte ihr nach und fragte: „Was ist denn schon wieder? Wenn ich etwas Falsches gesagt habe — du hättest wenigstens dort sitzen bleiben und mit den anderen plaudern können! Stattdessen gehst du hierher und grübelst allein vor dich hin.
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Kajaljade sagte: „Was geht es dich an!“
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Schatzjade lächelte: „Natürlich kümmere ich mich — ich kann doch nicht zusehen, wie du dir selbst schadest.“
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Kajaljade sagte: „Wenn ich mir schade und krank werde und sterbe — was geht es dich an!“
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Schatzjade sagte: „Na hör mal, Neujahr — gleich ist es Tod und Sterben!
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Kajaljade sagte: „Ich sage eben 'Tod'! Ich sterbe jetzt sofort! Hast du Angst vor dem Sterben? Du sollst hundert Jahre lang leben — bitte sehr!“
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Schatzjade lächelte: „Wenn du so weitermachst, brauche ich gar nicht Angst vor dem Sterben zu haben — dann sterbe ich besser gleich.
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Kajaljade sagte rasch: „Genau! Wenn es so weitergeht, ist es besser, gleich zu sterben.
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Schatzjade sagte: „Ich meine mich — ich sterbe besser gleich. Hör genau zu und schieb mir nichts in die Schuhe!“
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Da kam Schatzspange herein und sagte: „Xiangyun wartet auf dich!“ Sie schob Schatzjade mit sich fort.
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Kajaljade, nun allein, wurde nur noch trübsinniger, setzte sich ans Fenster und weinte. Kaum waren zwei Tassen Tee vergangen, kam Schatzjade schon zurück. Als Kajaljade ihn sah, schluchzte sie nur noch heftiger.
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Schatzjade wusste, dass er sie nicht so einfach zurückgewinnen konnte, sammelte tausend sanfte Worte und begann, sie zu trösten. Doch bevor er den Mund öffnen konnte, sagte Kajaljade: „Was kommst du noch? Geh! Du hast jetzt jemanden zum Spielen, die besser lesen, besser schreiben, besser dichten, besser reden und besser lachen kann als ich, die dir nicht böse wird und dich mitzieht, wenn du gehen willst. Was willst du hier? Lass mich leben oder sterben, wie es kommt!“
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Schatzjade trat näher und fluisterte: „Du bist doch ein kluger Mensch — weißt du nicht, dass 'Nähere nicht durch Fernere verdrängt werden und Fruhe nicht durch Späte' [亲不间疏,先不僭后]? Auch ich bin zwar einfältig, aber diese beiden Sätze verstehe ich. Erstens: Wir sind Kinder von Geschwistern mütterlicherseits, Schatzspange dagegen ist eine Cousine väterlicherseits — von der Verwandtschaft her steht sie dir nach. Zweitens: Du kamst zürst, wir haben am selben Tisch gegessen und im selben Bett geschlafen und sind so gross geworden. Sie ist erst später gekommen — wie könnte ich ihretwegen dich vernachlässigen?
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Kajaljade spuckte aus: „Glaubst du, ich verlange von dir, sie zu vernachlässigen? Was wäre ich dann für ein Mensch? Mir geht es um mein Herz!
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Schatzjade sagte: „Mir auch! Mir geht es auch um mein Herz! Weißt du nur von deinem Herzen und nicht von meinem?“
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Kajaljade senkte den Kopf und schwieg lange. Dann sagte sie: „Du beklagst dich immer nur, dass andere dich ohne Grund schmähen. Aber weißt du gar nicht, dass du selbst die Menschen zum Verzweifeln bringst? Nimm nur das heutige Wetter: Es ist offensichtlich so kalt — und du hast deinen grüngesäumten Pelzumhang ausgezogen!
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Schatzjade lächelte: „Natürlich hatte ich ihn an! Aber als ich sah, wie du dich aufregtest, wurde mir so heiß, dass ich ihn ausgezogen habe.
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Kajaljade seufzte: „Wenn du dir eine Erkältung holst, musst du wieder hungern und nach Essen jammern.
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Während sie noch sprachen, kam Xiangyun herein und lächelte: „Großer Bruder, Schwester Lin — ihr spielt immer zusammen! Kaum komme ich einmal, beachtet ihr mich gar nicht.“
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Kajaljade lächelte: „Da ist ja jemand, der sich gern verspricht und trotzdem so viel redet! Du kriegst nicht einmal 'Zweiter Bruder' [二哥哥] über die Lippen — immer nur 'Ai-Bruder, Ai-Bruder' [爱哥哥]. Wenn wir dann Brettspiel spielen, rufst du wohl: 'Ai-eins-drei-vier-fünf' statt 'Zwei-eins-drei-vier-fünf'!“
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Schatzjade lächelte: „Wenn du ihn ständig nachahmst, fängst du morgen selbst noch an zu lispeln!
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Xiangyun sagte: „Nie lässt sie jemanden in Ruhe — immer muss sie Fehler finden! Zeig mir eine einzige Person, die du nicht zu kritisieren wagst, und ich erkenne deine Überlegenheit an!“
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Kajaljade fragte: „Wer denn?“
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Xiangyun sagte: „Wenn du dich traust, Schwester Schatzspanges Fehler aufzuzeigen, dann erkenne ich dich an. Ich bin gewiss nicht so gut wie du aber ist sie etwa schlechter als du?“
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Kajaljade hörte das und sagte kühl lächelnd: „Ach so — natürlich sie! Wie könnte ich es wagen, sie zu kritisieren!
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Schatzjade wollte rasch ablenken und das Thema wechseln. Xiangyun aber lächelte: „In diesem Leben kann ich mich nicht mit dir messen. Ich kann nur den Himmel bitten, dass du einen lispelnden Schwager bekommst [林姐夫], der dir den ganzen Tag lang 'Ai' und 'Er' ins Ohr redet. Amitabha, das wäre ein Anblick für mich!“
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Alle lachten. Xiangyun drehte sich um und rannte davon.
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Was als Nächstes geschah, wird im folgenden Kapitel erzählt.
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[Ende des zwanzigsten Kapitels]
  
 
== Anmerkungen ==
 
== Anmerkungen ==
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[[Kategorie:Hongloumeng]]

Revision as of 12:18, 15 April 2026

Kapitel: [1-10] · 11 · 12 · 13 · 14 · 15 · 16 · 17 · 18 · 19 · 20 · [21-30] · [31-40] · [41-50] · [51-60] · [61-70] · [71-80] · [81-90] · [91-100] · [101-110] · [111-120] · ← Inhalt

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Kapitel 20

王熙凤正言弹妒意 林黛玉俏语谑娇音

第二十回 王熙凤正言弹妒意 林黛玉俏语谑娇音

Kapitel 20 Phönixglanz spricht ein ernstes Wort und zügelt die Eifersucht — Kajaljade neckt mit witzigen Worten den lispelnden Akzent

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Schatzjade[1] [宝玉] erzählte gerade in Kajaljades[2] [黛玉] Zimmer die Geschichte von den „Ratten-Geistern“, als Schatzspange[3] [宝钗] hereinkam und Schatzjade damit aufzog, dass er am Laternenfest-Abend die Anspielung auf den „grünen Wachs“ [绿蜡] nicht erkannt hatte. Die drei neckten und verspotteten sich gegenseitig im Zimmer.

Schatzjade sorgte sich, Kajaljade könne nach dem Essen einschlafen und sich den Magen verderben, oder nachts nicht müde genug sein — beides wäre der Gesundheit nicht zuträglich. Glücklicherweise war Schatzspange gekommen, und man konnte zusammen lachen und plaudern, sodass Kajaljade keine Lust mehr zum Schlafen hatte. Schatzjade war erleichtert.

Plötzlich hörte man aus seinem Zimmer lautes Geschrei. Alle spitzten die Ohren. Kajaljade sagte lächelnd als Erste: „Das sind deine Mutter und Dufthauch[4] [袭人], die sich zanken. Bei Dufthauch mag es ja angehen, aber wenn deine Amme sie wirklich ernsthaft ausschimpft, dann ist sie wohl altersverwirrt geworden.“

Schatzjade wollte sofort hinübereilen, doch Schatzspange hielt ihn fest: „Streit nicht mit deiner Amme! Sie ist alt und verwirrt — lass ihr etwas nach.“

Schatzjade sagte: „Ich weiß.“ Damit ging er hinüber.

Die alte Amme Li [李嬷嬷] stand mit ihrem Stock mitten im Zimmer und beschimpfte Dufthauch: „Du undankbares kleines Miststück! Ich habe dich großgezogen, und jetzt, wo ich herkomme, liegst du breit auf dem Kang und beachtest mich nicht! Du denkst nur daran, dich wie ein Füchsin aufzuspielen und Schatzjade zu bezirzen, damit er nur noch auf dich hört und nicht mehr auf mich! Du bist doch nichts als ein für ein paar läppische Silberlinge gekauftes kleines Ding — und du spielst dich hier als Herrin auf? Das geht nicht! Am besten zerrt man dich raus und verheiratet dich mit irgendeinem kleinen Diener — dann sehen wir, ob du immer noch Schatzjade verführst!“

Dufthauch hatte anfangs geglaubt, die alte Li sei nur böse, weil sie gelegen hatte, und versuchte sich zu erklären: „Ich bin krank und habe geschwitzt, den Kopf zugedeckt — ich habe Euch wirklich nicht kommen sehen.“ Doch als die alte Li weiter von „Schatzjade verführen“ und „Füchsin spielen“ und „mit einem Diener verheiraten“ sprach, kamen Scham und Kränkung zusammen, und Dufthauch konnte ihre Tränen nicht zurückhalten.

Schatzjade hörte das alles, konnte aber nichts tun und versuchte, Dufthauch zu verteidigen, indem er von ihrer Krankheit und den Medikamenten sprach: „Wenn Ihr mir nicht glaubt, fragt die anderen Mädchen!“

Die alte Li wurde nur noch wütender: „Du beschützt immer nur diese Füchsinnen und erkennst mich gar nicht mehr! Wen soll ich denn fragen? Die helfen doch alle nur dir! Dufthauch hat sie alle auf ihre Seite gezogen! Ich weiß über alles Bescheid! Ich gehe jetzt zur Herzoginmutter und zur Herrin und erkläre ihnen alles. Ich habe dich mit meiner Milch großgezogen, und jetzt, wo du keine Milch mehr brauchst, wirst du mich los und lässt dich von den Mädchen aufhetzen!“

So jammerte und weinte sie. Inzwischen waren Kajaljade und Schatzspange gekommen und redeten ihr gut zu: „Mama, Ihr alte Dame, habt ein wenig Nachsicht — dann ist alles gut.“

Als die alte Li die beiden sah, ergriff sie deren Hände und klagte über all ihr Unrecht: den Vorfall mit dem Tee und der Entlassung von Qianxü, den Milchrahm von gestern — sie redete und redete ohne Ende.

Gerade kam Phönixglanz[5] [熙凤] aus dem oberen Saal, wo sie Gewinn und Verlust beim Glücksspiel abgerechnet hatte. Als sie hinten das Geschrei hörte, wusste sie sofort, dass die alte Amme Li wieder einen ihrer Anfälle hatte und Schatzjades Leute drangsalierte — zumal sie an diesem Tag selbst beim Spiel verloren hatte und ihren Ärger an anderen ausließ.

Phönixglanz eilte herein, ergriff die alte Lis Arm und sagte lächelnd: „Liebe Mama, regt Euch nicht auf! Am Neujahrstag war die Herzoginmutter gerade einmal fröhlich, und Ihr als ältere Person solltet die anderen zügeln, wenn sie laut werden — Ihr könnt doch nicht selbst hier Lärm schlagen und die Herzoginmutter ärgern! Sagt mir einfach, wer Euch etwas getan hat, und ich verprügel ihn für Euch. Bei mir zu Hause gibt es dampfend heißes Wildhuhn — kommt, trinken wir zusammen Wein!“

Während sie so redete, zog sie die alte Li schon mit sich fort und rief: „Feng'er [丰儿], nimm der Amme Li den Stock und das Tränentuch ab!“ Die alte Li ließ sich widerstandslos von Phönixglanz mitziehen, redete aber weiter: „Mir ist dieses alte Leben nicht mehr wichtig! Heute mache ich einmal ordentlich Skandal, verliere dabei mein Gesicht — immer noch besser, als mir den Spott dieser frechen Weiber gefallen zu lassen!“

Kajaljade und Schatzspange folgten und sahen, wie Phönixglanz die Sache handhabte. Lächelnd klatschten sie in die Hände und sagten: „Glück, dass dieser Wirbelwind kam und die alte Frau wegfegte!“

Schatzjade nickte seufzend: „Schon wieder unergründliche Vorwürfe — und wie immer trifft es die Schwachen. Gestern muss irgendein Mädchen sie geärgert haben, und jetzt wird es auf mein Konto geschrieben.“

Kaum hatte er ausgesprochen, sagte Qingwen [晴雯] von der Seite lächelnd: „Wer wäre denn so verrückt, sie zu ärgern? Und wenn schon — dann hätte man den Mut, es zuzugeben, statt andere mit hineinzuziehen!“

Dufthauch weinte und zog an Schatzjades Ärmel: „Wegen mir hast du dich mit der alten Amme angelegt, und jetzt machst du wegen mir auch noch mit allen anderen Streit — das ist mir doch schon mehr als genug. Musst du noch andere hineinziehen?“

Schatzjade sah ihren Zustand, dachte an ihre Krankheit und all den Kummer, und schluckte seinen Ärger hinunter. Er beruhigte sie und bat sie, sich wieder hinzulegen und zu schwitzen. Dann ließ er ihr noch eine Dosis Medizin kochen und überwachte, dass sie sie trank.

Dufthauch sagte mit kühlem Lächeln: „Wenn ich mich wegen jeder solchen Sache aufregen würde, könnte ich hier keinen Augenblick mehr bleiben. Aber auf die Dauer — wie soll das gehen? Ich sage dir immer: Mach meinetwegen keinen Streit mit anderen! Du tust es im Moment für uns, aber die anderen merken sich alles und reden gut oder schlecht — was soll das bringen?“ Während sie so sprach, kamen ihr wieder die Tränen, doch sie wollte Schatzjade nicht noch mehr belasten und hielt sie mühsam zurück.

Eine alte Dienerin brachte die zweite Dosis Medizin. Schatzjade sah, dass Dufthauch gerade zu schwitzen begann, und wollte sie nicht aufstehen lassen — er reichte ihr die Medizin selbst ans Bett. Dann ließ er das Lager für sie richten.

Dufthauch sagte: „Ob du isst oder nicht — geh wenigstens für eine Weile zur Herzoginmutter und zur Herrin. Amüsier dich ein wenig mit den Schwestern und komm dann zurück. Ich möchte mich in Ruhe hinlegen.“

Schatzjade tat wie geheißen, deckte sie zu und ging ins obere Stockwerk. Nachdem er mit der Herzoginmutter gespeist hatte und diese noch mit einigen alten Aufseherinnen Karten spielen wollte, um sich die Zeit zu vertreiben, erinnerte sich Schatzjade an Dufthauch und kehrte in sein Zimmer zurück. Dufthauch döaste bereits. Da es noch früh am Abend war, brauchte Schatzjade etwas, um sich zu beschäftigen. Qingwen, Qixia [绮霰], Qiuwen und Bihen [碧痕] waren alle fortgegangen, um mit Yuanyang [鸳鸯] und Hupo [琥珀] zu spielen. Nur Sheyü [麝月] sass allein draußen im Lampenlicht und spielte mit Knochendominosteinen.

Schatzjade fragte lächelnd: „Warum spielst du nicht mit den anderen?“

Sheyü sagte: „Ich habe kein Geld.“

Schatzjade sagte: „Unter dem Bett liegt doch ein ganzer Haufen — reicht das nicht?“

Sheyü sagte: „Wenn alle weggehen, wer passt dann auf das Zimmer auf? Die eine ist krank, überall brennen Laternen, überall sind Öfen. Die alten Dienerinnen haben den ganzen Tag geschuftet — sie sollten sich ausruhen dürfen. Und die kleinen Mädchen haben auch den ganzen Tag bedient — sollen sie jetzt wenigstens etwas spielen gehen. Also habe ich sie alle gehen lassen und passe allein auf.“

Schatzjade hörte diese Worte und dachte: Genau so wie Dufthauch. Er lächelte: „Ich bleibe hier und passe auf — geh du ruhig.“

Sheyü sagte: „Da du hier bist, brauche ich erst recht nicht zu gehen. Wir beide können uns unterhalten und Spaß haben — ist das nicht besser?“

Schatzjade lächelte: „Was sollen wir denn machen? Es ist doch langweilig. Na gut — heute Morgen hast du gesagt, dein Kopf juckt. Da wir nichts zu tun haben, kämme ich dir die Haare.“

Sheyü sagte: „Warum nicht.“ Sie stellte den Schminkspiegel hin, nahm die Haarnadeln ab, öffnete das Haar, und Schatzjade kämmte es ihr sorgfältig Strähne für Strähne.

Nach kaum fünf Strichen kam Qingwen eilig herein, um Geld zu holen. Als sie die beiden sah, sagte sie spöhtisch: „Na, den Hochzeitsbecher habt ihr noch nicht getrunken, aber die Brauttoilette wird schon gemacht!“

Schatzjade lächelte: „Komm her, ich kämme dir auch die Haare.“

Qingwen sagte: „So viel Glück habe ich nicht!“ Damit nahm sie das Geld und rauschte hinaus, wobei der Vorhang klirrte.

Schatzjade stand hinter Sheyü, Sheyü sass vor dem Spiegel, und beide sahen sich darin an. Schatzjade lächelte im Spiegel: „Von allen hier ist sie die Einzige, die ständig stichelt.“

Sheyü sah das im Spiegel und winkte hastig mit der Hand. Schatzjade verstand. Da hörte man schon den Vorhang klirren — Qingwen stürmte zurück und fragte: „Ich stichle also? Das müssen wir uns mal genauer ansehen!“

Sheyü lächelte: „Geh du und spiel! Was fragst du mich?“

Qingwen lächelte: „Du beschützt ihn wieder! Was ihr beide hinter vorgehaltener Hand treibt, weiß ich ganz genau. Wartet, bis ich mein Geld zurückgewonnen habe, dann reden wir weiter!“ Damit rauschte sie wieder hinaus.

Schatzjade kämmte Sheyüs Haar fertig und bat sie, leise aufzupassen, damit Dufthauch nicht gestört würde. Die Nacht verging ohne besondere Vorkommnisse.

Am nächsten Morgen, als Dufthauch aufstand, fühlte sie sich besser — sie hatte nachts geschwitzt und die Erkältung überwunden. Sie ass nur etwas Reissuppe und ruhte sich weiter aus.

Schatzjade, nun beruhigt, ging nach dem Frühstück hinüber zu Tante Xüs [薛姨妈] Quartier, um sich die Zeit zu vertreiben. Es war noch Neujahr, die Schule hatte geschlossen und im Frauengemach ruhte die Näharbeit — alle hatten frei.

Kaufmann Hagedorn [贾环] war auch hergekommen, um zu spielen. Gerade spielten Schatzspange, Xiangling [香菱] und Ying'er [莺儿] ein Brettspiel ums Geld. Kaufmann Hagedorn sah es und wollte mitspielen. Schatzspange behandelte ihn stets wie Schatzjade, ohne Unterschied. Als er mitspielen wollte, ließ sie ihn sich dazusetzen. Man spielte um je zehn Münzen. Die erste Runde gewann er und war hocherfreut. Dann verlor er mehrere Runden hintereinander und wurde nervös.

Gerade als er selbst würfeln sollte — eine Sieben hätte den Sieg bedeutet, eine Sechs und dann Ying'ers Drei den Verlust — warf er die Würfel. Einer zeigte eine Fünf und blieb liegen. Der andere drehte sich noch. Ying'er klatschte in die Hände und rief: „Eins!“ Kaufmann Hagedorn starrte auf den Würfel und rief durcheinander: „Sechs — sieben — acht!“ Doch der Würfel blieb auf „Eins“ stehen.

Kaufmann Hagedorn wurde hektisch, griff nach dem Würfel und dann nach dem Geld und behauptete, es sei eine Sechs gewesen.

Ying'er sagte: „Das war eindeutig eine Eins!“

Schatzspange sah, dass Kaufmann Hagedorn wütend wurde, und wies Ying'er zurecht: „Je größer du wirst, desto weniger Anstand hast du! Würde ein junger Herr dich betrügen? Leg das Geld sofort hin!“

Ying'er, zutiefst gekränkt, wagte nicht zu widersprechen, da Schatzspange es so befahl, und legte das Geld hin. Dabei murmelte sie: „Ein junger Herr — und betrügt uns um ein paar läppische Münzen! Mich beachtet er auch nicht. Als ich neulich mit dem jungen Herren Schatzjade spielte und er verlor — viel mehr als das! — hat er es einfach hingenommen. Das restliche Geld haben ein paar kleine Mädchen sich gegriffen, und er hat nur gelacht.“

Schatzspange unterbrach sie hastig. Kaufmann Hagedorn sagte: „Was soll ich mich mit Schatzjade vergleichen! Ihr habt alle Angst vor ihm, seid nett zu ihm und gemein zu mir — bloß weil er der Sohn der Hauptfrau ist und ich nicht!“

Dabei begann er zu weinen. Schatzspange tröstete ihn eilig: „Lieber Bruder, sag so etwas nicht — man lacht dich aus!“ Und sie schimpfte noch einmal mit Ying'er.

Gerade kam Schatzjade herein. Er sah die Situation und fragte, was los sei. Kaufmann Hagedorn wagte nichts zu sagen. Schatzspange kannte die Familienregeln: Jüngere Brüder fürchteten ihre älteren Brüder. Doch sie wusste auch, dass Schatzjade anders war — er wollte nicht, dass man ihn fürchtete. Er dachte: Die Brüder haben alle Vater und Mutter, die sie erziehen — warum sollte ich mich einmischen und die Beziehung kaputt machen? Außerdem bin ich der Sohn der Hauptfrau, er der einer Konkubine — selbst so gibt es schon Gerede hinter meinem Rücken.

Und dann war da noch ein weiterer eigensinniger Gedanke: Seit seiner Kindheit unter Schwestern aufgewachsen — leibliche wie Urfrühling und Tanchun, Cousinen wie Yingchun und Xichun, Verwandte wie Shi Xiangyun[6] [史湘云], Kajaljade und Schatzspange — war er überzeugt, dass der Himmel seine Essenz nur in Frauen goss, während Männer nichts als trüber Abschaum waren. Deshalb behandelte er seine Brüder nur mit der angemessenen Höflichkeit, die Konfuzius vorschrieb, ohne sich als Vorbild aufzuspielen. Kaufmann Hagedorn und die anderen fürchteten ihn daher nicht — nur die Herzoginmutter ließen sie ihm drei Schritte voraus.

Schatzspange, die befürchtete, Schatzjade könne Kaufmann Hagedorn zurechtweisen und die Sache verschlimmern, vertuschte die Angelegenheit. Schatzjade sagte: „Am Neujahrstag weinen — was soll das? Wenn es dir hier nicht gefällt, geh woanders spielen! Das ist wie mit einem Gegenstand — wenn dieser nicht gefällt, nimm einen anderen. Musst du vor diesem einen Ding sitzen und weinen? Wird es dadurch besser? Du bist doch hergekommen, um Spaß zu haben — wenn es keinen Spaß macht, geh woanders, wo es Spaß macht. Zu weinen ist doch kein Vergnügen — das bringt nur Kummer!“

Kaufmann Hagedorn hörte das und trollte sich.

Konkubine Zhao [赵姨娘] sah ihn kommen und fragte: „Woher kriechst du wieder angeschlichen?“ Auf ihre erste Frage antwortete er nicht. Beim zweiten Mal sagte Kaufmann Hagedorn: „Ich habe mit Schwester Schatzspange gespielt, Ying'er hat mich betrogen und mein Geld genommen, und Bruder Schatzjade hat mich weggeschickt.“

Konkubine Zhao spuckte aus: „Wer hat dich geheißen, dich auf die große Bühne zu stellen? Du hast keinen Stolz! Überall könntets du spielen — aber nein, du musst dorthin rennen und dich blamieren!“

Gerade sprach sie so, als Phönixglanz draußen am Fenster vorbeiging und jedes Wort hörte. Durch das Fenster sagte sie: „Schon wieder Ärger am Neujahrstag? Bruder Hagedorn ist noch ein Kind — wenn er einen kleinen Fehler macht, dann erzieh ihn, statt solchen Unsinn zu reden! Egal was er tut — es gibt noch seinen Vater und seine Mutter, die ihn erziehen — was geht es dich an? Bruder Hagedorn, komm raus, spiel mit mir!“

Kaufmann Hagedorn fürchtete Phönixglanz noch mehr als Frau Wang. Als er ihren Ruf hörte, kam er eilig und gehorsam heraus. Konkubine Zhao wagte nichts zu sagen.

Phönixglanz sagte zu Kaufmann Hagedorn: „Du hast auch gar keinen Mumm! Ich sage dir immer: Wenn du essen, trinken, spielen oder lachen willst, dann spiel mit wem du willst — der Schwester oder dem Bruder, der dir gefällt. Du hörst nicht auf mich und lässt dich von diesen Leuten mit bösen Gedanken füttern. Wenn du dich selbst nicht achtst und unter dein Niveau sinkst und dann andere beschuldigst, parteiisch zu sein — ein paar Münzen verloren, und schon so ein Gezeter!“

Sie fragte: „Wie viel hast du verloren?“

Kaufmann Hagedorn murmelte kleinlaut: „Ein- bis zweihundert.“

Phönixglanz sagte: „Und du willst ein junger Herr sein? Wegen ein- bis zweihundert Münzen so ein Theater!“ Sie rief: „Feng'er, hol eine Schnur Geld!“ Dann wandte sie sich wieder an ihn: „Die Schwestern spielen alle hinten — bring ihn hin und lass ihn spielen. Und wenn du noch einmal so eine Szene machst, verprügel ich dich erst und lass es dann in der Schule melden, dass man dir das Fell abzieht!“ Sie scheuchte ihn weg: „Los jetzt!“

Kaufmann Hagedorn folgte Feng'er gehorsam, bekam sein Geld und ging mit Yingchun und den anderen spielen. Davon ist nicht weiter zu berichten.

Schatzjade sass noch bei Schatzspange, als plötzlich jemand meldete: „Fräulein Shi Xiangyun [史湘云] ist da!“ Schatzjade sprang auf und wollte gehen. Schatzspange lächelte: „Warte, wir gehen zusammen und begrüssen sie!“ Sie stiegen vom Kang und gingen gemeinsam zur Herzoginmutter.

Dort lachte und redete Shi Xiangyun schon laut und fröehlich. Als sie die beiden kommen sah, begrüsste sie sie herzlich. Gerade stand Kajaljade daneben und fragte Schatzjade: „Wo warst du?“

Schatzjade sagte: „Bei Schwester Schatzspange.“

Kajaljade sagte kühl lächelnd: „Ach so! Kein Wunder — dort war er festgehalten, sonst wäre er längst hergeflogen.“

Schatzjade lächelte: „Darf ich denn nur mit dir spielen und dir die Langeweile vertreiben? Kaum gehe ich einmal zu ihr, sagst du so etwas.“

Kajaljade sagte: „Was für ein sinnloses Gerede! Ob du gehst oder nicht, geht mich doch nichts an! Ich habe dich ja nicht gebeten, mir die Langeweile zu vertreiben! Du brauchst mir nie wieder zu kommen!“

Damit ging sie verargert in ihr Zimmer.

Schatzjade eilte ihr nach und fragte: „Was ist denn schon wieder? Wenn ich etwas Falsches gesagt habe — du hättest wenigstens dort sitzen bleiben und mit den anderen plaudern können! Stattdessen gehst du hierher und grübelst allein vor dich hin.“

Kajaljade sagte: „Was geht es dich an!“

Schatzjade lächelte: „Natürlich kümmere ich mich — ich kann doch nicht zusehen, wie du dir selbst schadest.“

Kajaljade sagte: „Wenn ich mir schade und krank werde und sterbe — was geht es dich an!“

Schatzjade sagte: „Na hör mal, Neujahr — gleich ist es Tod und Sterben!“

Kajaljade sagte: „Ich sage eben 'Tod'! Ich sterbe jetzt sofort! Hast du Angst vor dem Sterben? Du sollst hundert Jahre lang leben — bitte sehr!“

Schatzjade lächelte: „Wenn du so weitermachst, brauche ich gar nicht Angst vor dem Sterben zu haben — dann sterbe ich besser gleich.“

Kajaljade sagte rasch: „Genau! Wenn es so weitergeht, ist es besser, gleich zu sterben.“

Schatzjade sagte: „Ich meine mich — ich sterbe besser gleich. Hör genau zu und schieb mir nichts in die Schuhe!“

Da kam Schatzspange herein und sagte: „Xiangyun wartet auf dich!“ Sie schob Schatzjade mit sich fort.

Kajaljade, nun allein, wurde nur noch trübsinniger, setzte sich ans Fenster und weinte. Kaum waren zwei Tassen Tee vergangen, kam Schatzjade schon zurück. Als Kajaljade ihn sah, schluchzte sie nur noch heftiger.

Schatzjade wusste, dass er sie nicht so einfach zurückgewinnen konnte, sammelte tausend sanfte Worte und begann, sie zu trösten. Doch bevor er den Mund öffnen konnte, sagte Kajaljade: „Was kommst du noch? Geh! Du hast jetzt jemanden zum Spielen, die besser lesen, besser schreiben, besser dichten, besser reden und besser lachen kann als ich, die dir nicht böse wird und dich mitzieht, wenn du gehen willst. Was willst du hier? Lass mich leben oder sterben, wie es kommt!“

Schatzjade trat näher und fluisterte: „Du bist doch ein kluger Mensch — weißt du nicht, dass 'Nähere nicht durch Fernere verdrängt werden und Fruhe nicht durch Späte' [亲不间疏,先不僭后]? Auch ich bin zwar einfältig, aber diese beiden Sätze verstehe ich. Erstens: Wir sind Kinder von Geschwistern mütterlicherseits, Schatzspange dagegen ist eine Cousine väterlicherseits — von der Verwandtschaft her steht sie dir nach. Zweitens: Du kamst zürst, wir haben am selben Tisch gegessen und im selben Bett geschlafen und sind so gross geworden. Sie ist erst später gekommen — wie könnte ich ihretwegen dich vernachlässigen?“

Kajaljade spuckte aus: „Glaubst du, ich verlange von dir, sie zu vernachlässigen? Was wäre ich dann für ein Mensch? Mir geht es um mein Herz!“

Schatzjade sagte: „Mir auch! Mir geht es auch um mein Herz! Weißt du nur von deinem Herzen und nicht von meinem?“

Kajaljade senkte den Kopf und schwieg lange. Dann sagte sie: „Du beklagst dich immer nur, dass andere dich ohne Grund schmähen. Aber weißt du gar nicht, dass du selbst die Menschen zum Verzweifeln bringst? Nimm nur das heutige Wetter: Es ist offensichtlich so kalt — und du hast deinen grüngesäumten Pelzumhang ausgezogen!“

Schatzjade lächelte: „Natürlich hatte ich ihn an! Aber als ich sah, wie du dich aufregtest, wurde mir so heiß, dass ich ihn ausgezogen habe.“

Kajaljade seufzte: „Wenn du dir eine Erkältung holst, musst du wieder hungern und nach Essen jammern.“

Während sie noch sprachen, kam Xiangyun herein und lächelte: „Großer Bruder, Schwester Lin — ihr spielt immer zusammen! Kaum komme ich einmal, beachtet ihr mich gar nicht.“

Kajaljade lächelte: „Da ist ja jemand, der sich gern verspricht und trotzdem so viel redet! Du kriegst nicht einmal 'Zweiter Bruder' [二哥哥] über die Lippen — immer nur 'Ai-Bruder, Ai-Bruder' [爱哥哥]. Wenn wir dann Brettspiel spielen, rufst du wohl: 'Ai-eins-drei-vier-fünf' statt 'Zwei-eins-drei-vier-fünf'!“

Schatzjade lächelte: „Wenn du ihn ständig nachahmst, fängst du morgen selbst noch an zu lispeln!“

Xiangyun sagte: „Nie lässt sie jemanden in Ruhe — immer muss sie Fehler finden! Zeig mir eine einzige Person, die du nicht zu kritisieren wagst, und ich erkenne deine Überlegenheit an!“

Kajaljade fragte: „Wer denn?“

Xiangyun sagte: „Wenn du dich traust, Schwester Schatzspanges Fehler aufzuzeigen, dann erkenne ich dich an. Ich bin gewiss nicht so gut wie du — aber ist sie etwa schlechter als du?“

Kajaljade hörte das und sagte kühl lächelnd: „Ach so — natürlich sie! Wie könnte ich es wagen, sie zu kritisieren!“

Schatzjade wollte rasch ablenken und das Thema wechseln. Xiangyun aber lächelte: „In diesem Leben kann ich mich nicht mit dir messen. Ich kann nur den Himmel bitten, dass du einen lispelnden Schwager bekommst [林姐夫], der dir den ganzen Tag lang 'Ai' und 'Er' ins Ohr redet. Amitabha, das wäre ein Anblick für mich!“

Alle lachten. Xiangyun drehte sich um und rannte davon.

Was als Nächstes geschah, wird im folgenden Kapitel erzählt.

[Ende des zwanzigsten Kapitels]

Anmerkungen

  1. Schatzjade (贾宝玉, Jiǎ Bǎoyù) – Protagonist des Romans.
  2. Kajaljade (林黛玉, Lín Dàiyù) – Cousine und Seelenverwandte von Schatzjade.
  3. Schatzspange (薛宝钗, Xuē Bǎochāi) – Cousine von Schatzjade.
  4. Dufthauch (袭人, Xīrén) – Schatzjades erste Kammerzofe.
  5. Phönixglanz (王熙凤, Wáng Xīfèng) – Verwalterin des Haushalts.
  6. Shi Xiangyun (史湘云, Shǐ Xiāngyún) – Cousine von Schatzjade, lebhaft und unkonventionell.

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