Hongloumeng/de/Chapter 15
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第十五回 王熙凤弄权铁槛寺 秦鲸卿得趣馒头庵
Kapitel 15
Phönixglanz spielt ihre Macht im Eisernen-Schwellen-Kloster aus —
Qin Jingqing findet sein Vergnügen im Dampfbrötchen-Kloster
Wie bereits erzählt, blickte Schatzjade[1] auf und sah den Prinzen von Bei-Jing, Shui Rong [水溶], der eine reinweiße Prinzenmütze mit silbernen Flügeln und einem makellosen Pompon auf dem Kopf trug. Er war in eine weiße Drachenrobe gekleidet, bestickt mit fünfklauigen sitzenden Drachen über Bergen und Meereswogen, und um die Hüften trug er einen roten Ledergürtel, besetzt mit grüner Jade. Sein Gesicht glich einem edlen Jadestein, seine Augen leuchteten wie Sterne — wahrhaft eine vollendete Schönheit!
Schatzjade stürzte rasch vor, um den Prinzen respektvoll zu begrüßen. Shui Rong streckte sogleich die Hand aus der Sänfte, um ihn bei der Hand zu fassen. Er musterte Schatzjade und sah, dass dieser einen silbernen Haarreif mit zwei aus den Meereswogen auftauchenden Drachen als Stirnband trug, dazu eine weiße Robe mit hufförmigen Manschetten, die mit Drachen bestickt war, und einen silbernen Gürtel, der mit Perlen geschmückt war. Sein Gesicht glich einer Frühlingsblume, seine Augen ähnelten Tupfern aus Lack.
Shui Rong sagte lächelnd: „Er trägt seinen Namen zu Recht — wahrhaftig wie ein ‚Schatz‘, wie eine ‚Jade‘!“ Dann fragte er: „Wo ist denn jener Edelstein, den er im Munde getragen hat?“
Als Schatzjade die Frage vernahm, holte er den Stein sogleich unter dem Gewand hervor und reichte ihn dem Prinzen hinüber. Shui Rong betrachtete ihn eingehend, las die darauf eingravierten Schriftzeichen und fragte: „Ist er tatsächlich wundersam beseelt?“
Kaufmann Aufrecht[2] antwortete eilig: „So sagt man zwar, doch erprobt ist es bisher nicht.“
Während Shui Rong nicht aufhörte, den Stein zu bestaunen und zu bewundern, ordnete er die bunte seidene Schnur und hängte ihn Schatzjade eigenhändig wieder um den Hals. Dann nahm er seine Hand und fragte ihn, wie alt er sei und welche Bücher er lese. Schatzjade gab auf jede Frage bereitwillig Antwort.
Als Shui Rong hörte, wie klar und gewandt seine Rede war und wie geistreich er sich auszudrücken wusste, wandte er sich lächelnd an Kaufmann Aufrecht und sagte: „Euer Sohn ist wahrlich ein Drachenjunges und ein Phönixküken! Ich kleiner Prinz will einem alten Freund unseres Hauses gegenüber gewiss nicht anmaßend sein, doch ‚des jungen Phönix Stimme klingt reiner als des alten Lied‘ [Anm.: Zitat aus einem Gedicht von Li Shangyin (李商隐): Das junge Talent übertrifft das ältere.] — das sollte man nicht voreilig für unmöglich halten.“
Kaufmann Aufrecht erwiderte, ebenfalls lächelnd, mit einer tiefen Verbeugung: „Wie wäre mein Köter von Sohn es wert, solch goldene Lobsprüche zu empfangen! Doch sollte es im Glücksschatten Eurer fürstlichen Hoheit tatsächlich so kommen, wäre es ein Segen für unsere gesamte Nachkommenschaft.“
Shui Rong fuhr fort: „Eines nur will ich bemerken: Bei den glänzenden Anlagen Eures Sohnes erfreut er sich gewiss der innigsten Zuneigung Eurer verehrten Frau Mutter und Eurer werten Gemahlin. Doch für uns jüngere Leute ist übermäßige Verwöhnung gar nicht gut — wer verwöhnt wird, vernachlässigt mit Sicherheit seine Studien. Das habe ich seinerzeit am eigenen Leibe erfahren, und ich vermute, mit Eurem Sohn ist es nicht anders. Wenn es ihm zu Hause schwerfällt, sich aufs Lernen zu konzentrieren, so braucht er sich nicht zu genieren, öfter einmal in mein bescheidenes Haus zu kommen. Zwar bin ich selbst nicht sonderlich begabt, doch erfreue ich mich der Gunst zahlreicher berühmter Gelehrter aus allen Küstenregionen, die, wann immer sie in die Hauptstadt kommen, mir ihre besondere Aufmerksamkeit schenken. So versammeln sich in meinem bescheidenen Hause nicht wenige ausgezeichnete Köpfe. Wenn Euer Sohn öfter kommen und sich mit ihnen austauschen würde, könnten seine Kenntnisse mit jedem Tag wachsen.“
Kaufmann Aufrecht bedankte sich hastig mit einer tiefen Verbeugung.
Daraufhin streifte Shui Rong eine Gebetsschnur von seinem Handgelenk und reichte sie Schatzjade mit den Worten: „Wir begegnen uns heute zum ersten Mal, und in der Eile habe ich wahrhaftig kein angemessenes Geschenk vorbereitet. Diese Gebetsschnur aus Bachstelzen-Duftholz [Anm.: 鶺鴒香, ein seltenes, kostbares Räucherholz.] hat mir vor kurzem der Kaiser persönlich verehrt — möge sie einstweilen als Zeichen meiner Wertschätzung dienen!“
Schatzjade nahm die Gabe rasch entgegen, drehte sich um und überreichte sie Kaufmann Aufrecht. Kaufmann Aufrecht und Schatzjade bedankten sich gemeinsam. Daraufhin traten Kaufmann Begnadigung[3], Kaufmann Juwel[4] und die übrigen herbei und baten den Prinzen, sich in seine Sänfte zurücktragen zu lassen.
Doch Shui Rong sprach: „Die Verstorbene ist bereits in die Gefilde der Unsterblichen aufgestiegen und weilt nicht mehr in der staubigen Welt, in der wir uns gewöhnlichen Sterblichen bewegen. Obwohl mir durch die Gnade des Kaisers die Prinzenwürde zuteilwurde — die ich unverdient empfing —, wie dürfte ich es wagen, dem Gefährt einer Unsterblichen in den Weg zu treten?“
Als Kaufmann Begnadigung und die anderen sahen, dass er hartnäckig auf seiner Meinung bestand, blieb ihnen nichts anderes übrig, als sich zu verabschieden und dem Prinzen für seine Huld zu danken. Sie kehrten zurück und befahlen ihrem Gefolge, die Musikanten schweigen zu lassen. Erst als der mächtige Trauerzug schwerfällig vorbeigezogen war, ließen sie den Prinzen Shui Rong in seine Sänfte steigen und davonfahren. Doch davon soll nicht weiter die Rede sein.
Wir wollen nun von dem Leichenbegängnis des Ning-Guo-Hauses berichten. Es ging auf dem ganzen Weg überaus prunkvoll und lebhaft zu. Kaum war der Zug am Stadttor angelangt, da standen dort bereits die Opferstände, die von den Amtsgefährten und Untergebenen von Kaufmann Begnadigung, Kaufmann Aufrecht und Kaufmann Juwel aufgestellt worden waren, und sie hielten Familie um Familie ihre Opferzeremonien ab. Nachdem man sich bei allen bedankt hatte, zog man durch das Tor und hielt geradewegs auf die große Straße zum Eisernen-Schwellen-Kloster [铁槛寺] zu.
Zu diesem Zeitpunkt kam Kaufmann Juwel mit Kaufmann Hibiskus[5] zu den älteren Familienmitgliedern, um sie zu bitten, in ihre Sänften zu steigen oder ihre Pferde zu besteigen. So setzten sich Kaufmann Begnadigung und die Männer seiner Generation in Wagen und Sänften, und Kaufmann Juwels Altersgenossen machten ebenfalls Anstalten, aufzusitzen.
Phönixglanz[6] aber machte sich Sorgen um Schatzjade — sie fürchtete, er könnte hier draußen vor der Stadt seinen Übermut unter Beweis stellen wollen und sich von den Dienern nichts sagen lassen. Kaufmann Aufrecht konnte sich um solche Kleinigkeiten nicht kümmern, und wenn Schatzjade etwas zustoßen sollte, würde sie der Herzoginmutter[7] schlecht unter die Augen treten können. Also schickte sie einen Sklavenjungen los, um ihn zu rufen.
Schatzjade blieb nichts anderes übrig, als zu ihrem Wagen zu reiten. Phönixglanz empfing ihn lächelnd: „Liebster Vetter, du bist ein vornehmer Herr, zart wie ein Mädchen — warum musst du es den anderen nachmachen und wie ein Affe auf dem Pferd hocken? Steig lieber ab, wir beiden fahren zusammen im Wagen — wäre das nicht viel schöner?“
Als Schatzjade das hörte, stieg er eilig vom Pferd und kletterte in Phönixglanz' Wagen. Lachend und plaudernd fuhren sie weiter.
Es dauerte nicht lange, da kamen aus der Ferne zwei Reiter im vollen Galopp herangeprescht. Nicht weit von Phönixglanz' Wagen sprangen sie vom Pferd, fassten die Deichsel und berichteten: „Hier gibt es eine Einkehr, gnädige junge Frau — Ihr könntet hier rasten und Euch frisch machen.“
Sofort befahl Phönixglanz, bei Dame Xing[8] und Dame Wang[9] Weisungen einzuholen. Als der Bote zurückkam, meldete er: „Die gnädigen Frauen lassen sagen, sie brauchten keine Rast, Ihr aber sollt ganz nach eigenem Ermessen verfahren.“ Als Phönixglanz das vernahm, ordnete sie an, hier eine Pause einzulegen. Die Sklavenjungen lenkten daraufhin den Wagen aus dem Trauerzug heraus und fuhren in nördlicher Richtung im Galopp davon.
Schatzjade rief noch eilig aus dem Wagen heraus, man solle den jungen Herrn Qin[10] zu ihm bitten. Qin Zhong ritt gerade hinter der Sänfte seines Vaters einher, als plötzlich Schatzjades Sklavenjunge herangelaufen kam und ihn zum Rasten einlud. Als Qin Zhong sich umblickte, sah er Phönixglanz' Wagen nach Norden abbiegen. Hinten am Wagen war Schatzjades Pferd mit Sattel und Packtasche angebunden — da wusste er, dass Schatzjade bei Phönixglanz im Wagen saß. Er lenkte sein Pferd hinterher und holte sie ein, als sie gerade in das Tor eines Bauernhofes einfuhren.
Die Dienerschaft hatte die Dorfbewohner des Hofes bereits fortgescheucht. Da das Bauernanwesen nicht über viele Räume verfügte, hatten die Frauen keine Möglichkeit, sich zu verbergen, und mussten die Besucher gewähren lassen. Die Dorfmädchen und Bauernfrauen, die nun Phönixglanz, Schatzjade und Qin Zhong in ihrem prachtvollen Aufzug und mit ihrem vornehmen Betragen erblickten — wie hätten sie da nicht fasziniert hinstarren sollen?
Alsbald betrat Phönixglanz die strohgedeckte Stube und befahl Schatzjade und den anderen, erst einmal ein wenig hinausgehen und sich draußen umschauen. Schatzjade verstand den Wink und ging mit Qin Zhong hinaus. In Begleitung der Sklavenjungen streiften sie umher und betrachteten alles. Alle Gerätschaften, wie Bauern sie brauchen, hatte Schatzjade noch nie gesehen. Als er jetzt Spaten, Haue, Hacke und Pflug erblickte, waren das für ihn die wundersamsten Dinge — er wusste weder, wofür sie dienten, noch wie sie hießen. Die Sklavenjungen an seiner Seite erklärten ihm von jedem Stück den Namen und die Verwendung.
Als Schatzjade das hörte, nickte er seufzend und sprach: „Kein Wunder, dass es in jenem alten Gedicht heißt: ‚Wer weiß denn, dass ein jedes Korn auf dem Teller mit bitterstem Schweiß erkauft ist?‘ [Anm.: Berühmte Verse aus dem Gedicht ‚Mitleid mit den Bauern‘ (悯农) von Li Shen (李绅, Tang-Dynastie).] — genau dies ist damit gemeint!“
Während er so sprach, gelangte er zu einem anderen Gebäude. Dort erblickte er auf dem Kang [Anm.: 炕, ein beheizbares Ofenbett, typisch für Nordchina.] ein Spinnrad. Schatzjade fragte wieder die Sklavenjungen: „Was ist das für ein Ding?“ Die Sklavenjungen erklärten es ihm. Schatzjade trat heran, drehte neugierig daran und fand es höchst vergnüglich. Da kam plötzlich ein Bauernmädchen von etwa siebzehn, achtzehn Jahren herbeigelaufen und rief aufgeregt: „Lasst die Finger davon, ihr macht es mir noch kaputt!“
Die Sklavenjungen fuhren sie sogleich barsch an und wollten sie abhalten. Schatzjade aber zog rasch die Hand zurück und sagte lächelnd: „Ich hatte so etwas noch nie gesehen und wollte es einmal ausprobieren.“
Das Mädchen sagte: „Was versteht Euresgleichen davon! Geht beiseite, dann zeige ich Euch, wie man spinnt.“
Qin Zhong zupfte verstohlen an Schatzjades Ärmel und flüsterte lächelnd: „Diese Maid scheint mir überaus reizvoll!“
Schatzjade stieß ihn lachend weg: „Verdammter Kerl! Wenn du weiter solchen Unsinn redest, bekommst du Schläge von mir!“ Damit blickte er wieder hin, und das Mädchen hatte begonnen, einen Faden zu spinnen. Gerade als Schatzjade etwas zu ihr sagen wollte, rief von drüben eine alte Frau: „Zweites Mädchen, komm schnell herüber!“ Das Mädchen ließ das Spinnrad stehen und lief sofort davon.
Betrübt und verstimmt stand Schatzjade da. Bald darauf schickte Phönixglanz jemanden, um die beiden hereinzurufen. Phönixglanz hatte sich bereits die Hände gewaschen, die Kleider gewechselt und den Staub ausgeklopft. Sie fragte die beiden, ob sie sich ebenfalls umziehen wollten. Schatzjade mochte nicht, also ließ man es dabei bewenden.
Nun brachten die mitreisenden Dienerinnen und Sklavinnen die unterwegs mitgeführten Teekannen und Teetassen herein, dazu kunstvoll zusammengestellte Speisetabletts mit allerlei kleinen Leckereien. Nachdem Phönixglanz und die anderen ihren Tee getrunken hatten und alles eingepackt war, stiegen sie wieder in den Wagen. Draußen hatte Wanger [旺儿] bereits ein Trinkgeldpäckchen bereitgehalten und überreichte es dem Gastgeber des Dorfes. Die Bauernfrauen kamen herbei, um sich fußfällig zu bedanken. Phönixglanz schenkte dem keine Beachtung, doch Schatzjade blickte aufmerksam hin — das Zweite Mädchen war nirgends dabei.
Sie stiegen in den Wagen und fuhren los. Kaum waren sie ein kurzes Stück gefahren, da kam ihnen das Zweite Mädchen entgegen: Es trug ein kleines Brüderchen auf dem Arm und unterhielt sich lachend mit ein paar jüngeren Mädchen. Schatzjade wäre am liebsten vom Wagen gesprungen und ihr nachgelaufen — doch er wusste, dass man ihm das kaum gestatten würde. So musste er ihr wenigstens mit den Augen folgen, konnte aber nichts tun. Der Wagen war zu leicht und die Pferde zu schnell — im Nu war sie seinen Blicken entschwunden.
Kaum eine Weile weiter, da hatten sie den großen Trauerzug wieder eingeholt. Schon von vorn ertönten die Ritualtrommel und die goldenen Becken, Bannern und Prunkschirmen flatterten im Wind: Die Mönche des Eisernen-Schwellen-Klosters kamen ihnen mit der vollen Pracht einer Empfangsprozession entgegen. Bald darauf war man im Kloster angelangt, wo erneut buddhistische Zeremonien abgehalten und frischer Weihrauch entzündet wurde. Der Sarg wurde in einem Seitenraum der inneren Halle aufgestellt. Baozhu, die Dienerin der Verstorbenen, richtete sich im angrenzenden Gemach ein, um die Totenwache am Sarg zu halten.
In der äußeren Halle bewirtete Kaufmann Juwel die zahlreichen Verwandten und Freunde. Die einen nahmen die Einladung zum Essen an, die anderen verabschiedeten sich ohne zu speisen. Nachdem er sich bei allen der Reihe nach bedankt hatte, brachen die Herzöge, Fürsten, Grafen, Barone und Freiherren Gruppe um Gruppe auf, und erst gegen Ende der achten Doppelstunde [Anm.: 未末, ca. 15 Uhr.] waren sie schließlich alle fort.
Im Inneren übernahm Phönixglanz die Bewirtung der weiblichen Gäste. Auch hier brachen die Ranghöchsten, die Damen der Würdenträger, als Erste auf, und erst weit nach Mittag war die letzte Gästin abgefahren. Nur einige wenige der engsten Verwandten blieben noch — sie wollten erst nach Abschluss der dreitägigen Gebetszeremonie für die Sargaufstellung abreisen.
Dame Xing und Dame Wang wussten, dass Phönixglanz noch nicht nach Hause kommen konnte, und schickten sich nun an, in die Stadt zurückzukehren. Dame Wang wollte Schatzjade mitnehmen, doch Schatzjade, der zum ersten Mal draußen vor der Stadt war, wollte um nichts in der Welt zurück und bestand darauf, bei Phönixglanz zu bleiben. Dame Wang blieb nichts anderes übrig, als ihn in Phönixglanz' Obhut zu geben und allein nach Hause zu fahren.
Nun muss man wissen, dass das Eiserne-Schwellen-Kloster einst von den beiden Herzögen des Ning-Guo-Hauses und des Rong-Guo-Hauses [Anm.: 宁荣二公, die Begründer der beiden Zweige der Kaufmann-Familie.] erbaut worden war. Noch immer gab es Stiftungsland mit Einkünften, um den Unterhalt des Klosters zu sichern, damit Sippenangehörige, die in der Hauptstadt verstorben waren, hier bequem aufgebahrt werden konnten. Das Kloster verfügte über Räumlichkeiten sowohl für die Toten als auch für die Lebenden, sodass die Trauernden, die den Sarg begleiteten, hier ebenfalls unterkommen konnten.
Da jedoch die Nachkommenschaft inzwischen sehr zahlreich geworden war und der Reichtum ungleich verteilt — manche vertrugen sich zudem nicht recht mit den anderen —, blieben nur diejenigen hier im Kloster, die in bescheidenen Verhältnissen lebten und sich in ihr Los fügten. Die Wohlhabenden und Standesbewussten hingegen erklärten, es sei ihnen hier nicht komfortabel genug, und suchten sich anderswo ein Quartier — in einem Dorf oder einem Nonnenkloster —, um sich nach den jeweiligen Zeremonien dorthin zurückzuziehen.
Bei den gegenwärtigen Trauerfeierlichkeiten für Frau Qin[11] nächtigten nun alle Sippenangehörigen im Eisernen-Schwellen-Kloster — einzig Phönixglanz fand es dort nicht angemessen genug. Sie hatte deshalb bereits zuvor jemanden zum Dampfbrötchen-Kloster geschickt, um die Äbtissin Jingxu [净虚] zu bitten, ihr zwei Räume als Unterkunft freizumachen.
Dieses Dampfbrötchen-Kloster hieß eigentlich Wassermond-Kloster [水月庵], doch weil die Nonnen dort so vorzügliche Dampfbrötchen zubereiteten, hatte sich der Spitzname eingebürgert. Es lag unweit des Eisernen-Schwellen-Klosters.
Nachdem die Mönche ihre abendlichen Gebete vollendet und der Opfertee dargebracht worden war, schickte Kaufmann Juwel seinen Sohn Kaufmann Hibiskus zu Phönixglanz, um sie zu bitten, sich zur Ruhe zu begeben. Da noch einige junge Schwägerinnen da waren, die den weiblichen Verwandten Gesellschaft leisteten, verabschiedete sich Phönixglanz von allen und begab sich zusammen mit Schatzjade und Qin Zhong zum Wassermond-Kloster. Qin Zhongs Vater Qin Ye [秦业] war alt und krank und hatte nicht bleiben können — er hatte Qin Zhong lediglich aufgetragen, bis zum Abschluss der Sargaufstellung auszuharren. So hielt sich Qin Zhong jetzt einfach an Phönixglanz und Schatzjade.
Als sie nach kurzer Wegstrecke das Wassermond-Kloster erreichten, kam ihnen die Äbtissin Jingxu mit ihren beiden Novizinnen Zhishan [智善] und Zhineng [智能] entgegen, und alle begrüßten einander. Phönixglanz ging in das ruhige Gästezimmer, wechselte die Kleider und wusch sich die Hände. Als sie Zhineng erblickte, stellte sie fest, dass diese abermals ein Stück gewachsen und noch hübscher geworden war. Sie sagte: „Warum seid ihr — Meisterin und Schülerin — in letzter Zeit nicht bei uns gewesen?“
Jingxu erwiderte: „Ach, die letzten Tage hatten wir einfach keine freie Minute! Im Hause des Herrn Hu [胡老爷] wurde ein Sohn geboren, und die gnädige Frau hat zehn Liang Silber herübergeschickt, damit wir mehrere Nonnen einladen und drei Tage lang das Blutkesselsutra [Anm.: 血盆经, ein buddhistisches Sutra, das bei Geburten und für Wöchnerinnen rezitiert wird.] lesen lassen. Wir waren so beschäftigt, dass wir nicht dazu kamen, Euch unsere Aufwartung zu machen, gnädige junge Frau!“
Doch lassen wir beiseite, wie die alte Nonne Phönixglanz Gesellschaft leistete. Erzählen wir stattdessen von Qin Zhong und Schatzjade, die in der Haupthalle des Klosters herumstreiften und spielten. Als Zhineng vorbeikam, sagte Schatzjade lächelnd: „Sieh mal, Zhineng ist da!“
Qin Zhong entgegnete: „Was soll ich mit dem Ding?“
Schatzjade lachte: „Tu doch nicht so unschuldig! Neulich bei der Herzoginmutter, als kein Mensch im Zimmer war — warum hast du sie da in den Armen gehalten? Und jetzt willst du mich für dumm verkaufen?“
Qin Zhong lachte verlegen: „Das ist doch frei erfunden!“
Schatzjade sagte: „Ob es stimmt oder nicht — das ist mir einerlei. Sag ihr nur, sie soll mir eine Schale Tee eingießen, dann lasse ich dich in Ruhe.“
Qin Zhong wandte ein: „Das ist doch merkwürdig — wenn du sie selbst darum bittest, wird sie doch auch einschenken, warum soll ich es ihr sagen?“
Schatzjade erklärte: „Wenn ich sie darum bitte, geschieht es ohne Gefühl. Wenn du sie bittest, geschieht es mit Gefühl!“
So blieb Qin Zhong nichts anderes übrig, als zu rufen: „Zhineng! Bring uns doch bitte eine Schale Tee!“
Diese Zhineng ging von klein auf im Rong-Guo-Haus ein und aus, und es gab dort niemanden, der sie nicht kannte. So hatte sie auch oft mit Schatzjade und Qin Zhong zusammen gescherzt und gelacht. Jetzt, da sie heranwuchs und allmählich um die Dinge zwischen Mann und Frau zu wissen begann, hatte sie ein Auge auf Qin Zhong geworfen, weil er eine so elegante und anmutige Erscheinung war. Qin Zhong seinerseits war von ihrer Schönheit bezaubert. Obwohl noch nichts Handfestes zwischen ihnen vorgefallen war, hatten sie sich im Herzen längst gefunden.
Als Zhineng nun Qin Zhong sah, schlug ihr Herz höher und ihre Augen strahlten. Sie ging Tee eingießen und brachte ihn. Qin Zhong sagte lächelnd: „Gib ihn mir!“
Schatzjade rief: „Nein, gib ihn mir!“
Zhineng verzog den Mund zu einem spitzbübischen Lächeln und sagte: „Streitet ihr euch etwa um eine Schale Tee? Habe ich vielleicht Honig an den Fingern?“
Schatzjade schnappte sich die Schale als Erster und trank. Gerade als er Zhineng etwas fragen wollte, kam Zhishan und rief Zhineng weg, um die Teetabletts zu richten. Kurz darauf kamen sie und luden die beiden zum Tee mit Obst und Gebäck ein. Doch die beiden mochten von alldem nichts. Sie saßen einen Augenblick, dann gingen sie wieder hinaus, um sich zu vergnügen.
Auch Phönixglanz saß noch ein Weilchen am Teetisch, dann zog sie sich in das ruhige Gästezimmer zurück, um auszuruhen. Die Äbtissin begleitete sie. Als die Dienerinnen und Sklavinnen sahen, dass nichts weiter zu tun war, gingen sie nacheinander hinaus und legten sich hin. Nur einige wenige Vertraute, die zu Phönixglanz' ständiger Bedienung gehörten, blieben im Zimmer. Die alte Nonne nutzte die Gelegenheit und sagte: „Ich hätte da eine Angelegenheit, derentwegen ich eigentlich zu Euch ins Anwesen kommen und die gnädige Frau bitten wollte. Doch zunächst möchte ich die gnädige junge Frau nach ihrer Meinung fragen.“
Phönixglanz fragte, worum es gehe.
Die alte Nonne sagte: „Amitabha Buddha! Es ist so: Seinerzeit, als ich noch im Kloster der Guten Begabung [善才庵] in der Provinzstadt Chang'an lebte, da gab es dort einen Gönner namens Zhang, einen wohlhabenden Mann. Er hatte eine Tochter mit dem Kindheitsnamen Jinge [金哥]. Eines Tages kam dieses Mädchen in unser Kloster, um Weihrauch zu opfern, und musste dabei dem jungen Li [李衙内] begegnen — dem jüngeren Bruder der Gattin des Präfekten von Chang'an. Dieser junge Herr Li verliebte sich auf der Stelle in sie und wollte sie unbedingt heiraten. Er schickte Brautwerber los, doch es stellte sich heraus, dass Jinge bereits dem Sohn des ehemaligen Stadtkommandanten [Anm.: 守备, ein mittlerer Militärbeamter.] verlobt war und die Verlobungsgeschenke entgegengenommen hatte.
Die Familie Zhang wagte es nicht, die Verlobung aufzulösen, aus Furcht, der Stadtkommandant würde es nicht hinnehmen, und erklärte nur, das Mädchen sei bereits vergeben. Doch der junge Herr Li ließ sich davon keineswegs abbringen und bestand darauf, sie zur Frau zu nehmen. Die Familie Zhang steckte zwischen beiden Seiten in der Klemme und wusste nicht ein noch aus.
Als schließlich die Familie des Stadtkommandanten von der Sache erfuhr, kam sie ohne viel Federlesens zu den Zhangs, beschimpfte und demütigte sie und fragte: ‚Mit wie vielen Männern kann denn ein Mädchen verlobt sein?‘ Er lehnte es ganz entschieden ab, die Verlobungsgeschenke zurückzunehmen, und erhob Klage vor Gericht. Da bekam die Familie Zhang Angst und schickte Boten in die Hauptstadt, um Protektion zu suchen, und erklärte trotzig, man wolle die Verlobung auf jeden Fall lösen.
Nun habe ich mir gedacht: Der Garnisonskommandant Yun [云老爷] in Chang'an steht doch in engster Verbindung mit Eurer verehrten Familie. Wenn man die gnädige Frau bitten könnte, mit dem gnädigen Herrn zu sprechen, damit er dem Kommandanten Yun einen Brief schreibt und jener mit dem ehemaligen Stadtkommandanten ein Wort redet — dann würde dieser ganz bestimmt nachgeben. Und wenn es gelingen sollte, wäre die Familie Zhang bereit, ihr gesamtes Vermögen als Dank darzubringen.“
Phönixglanz hörte zu und sagte lächelnd: „An und für sich wäre das keine schwierige Sache. Nur befasst sich die gnädige Frau mit solchen Angelegenheiten nicht mehr.“
Die Äbtissin sagte: „Wenn die gnädige Frau sich nicht damit befasst, könntet ja Ihr die Sache in die Hand nehmen!“
Phönixglanz erwiderte lächelnd: „Ich bin auf Silber nicht erpicht und mache solche Geschäfte nicht.“
Als die Äbtissin Jingxu das hörte, ließ sie alle Hoffnung fahren. Doch nach einer Weile seufzte sie und sagte: „Ihr sagt das so. Aber die Familie Zhang weiß bereits, dass ich hierher gekommen bin, um bei Euch vorstellig zu werden. Wenn Ihr nun die Sache nicht regelt, werden sie nicht etwa denken, Ihr hättet keine Zeit gehabt oder der Lohn sei Euch gleichgültig — nein, es wird so aussehen, als ob Eure Familie nicht einmal über so viel Einfluss verfüge, eine solche Kleinigkeit zu erledigen.“
Diese Worte verfehlten ihre Wirkung auf Phönixglanz nicht, und sie fuhr auf: „Du kennst mich doch seit langem! Du weißt, dass ich noch nie an ein Jenseits, eine Hölle oder himmlische Vergeltung geglaubt habe. Was ich anpacke, das wird gemacht, und wenn ich sage, etwas geht, dann geht es. Sag den Leuten, sie sollen dreitausend Liang Silber bringen — dann schaffe ich ihnen den Ärger vom Hals!“
Als die Äbtissin das hörte, kannte ihre Freude keine Grenzen, und sie rief hastig: „Die haben sie, die haben sie! Das ist kein Problem!“
Phönixglanz fuhr fort: „Aber so eine bin ich nicht — eine, die sich für ein paar Silberlinge krumm macht und Ränke schmiedet! Diese dreitausend Liang sind nur die Auslagen für den Diener, den ich damit losschicke — sein Reisegeld und eine Belohnung für seine Mühe. Ich selbst will keinen einzigen Heller von den Leuten! Wenn es darauf ankäme, könnte ich auch dreißigtausend Liang auf der Stelle aufbringen.“
Die Äbtissin stimmte eilig zu und bat: „Wenn dem so ist, gnädige junge Frau — würdet Ihr die Güte haben, die Sache schon morgen in Gang zu setzen?“
Phönixglanz sagte: „Sieh mich doch an, wie viel ich um die Ohren habe — überall werde ich gebraucht! Aber wenn ich es dir versprochen habe, werde ich es auch rasch zu Ende bringen.“
Die Äbtissin schmeichelte weiter: „So eine Kleinigkeit — andere Leute würde sie in die allergrößte Aufregung versetzen. Aber vor Euch, gnädige junge Frau, da könnte noch einiges mehr dazukommen, und es wäre noch immer nicht genug, Euch ins Schwitzen zu bringen! Freilich sagt das Sprichwort: ‚Wer viel kann, muss viel tun.‘ Die gnädige Frau sieht, dass Ihr großen und kleinen Aufgaben gleichermaßen gewachsen seid, also überträgt sie Euch alles. Aber Ihr solltet auch auf Eure kostbare Gesundheit achten, gnädige junge Frau!“
Diese Schmeicheleien taten Phönixglanz so wohl, dass sie alle Müdigkeit vergaß und sich noch weiter in das Gespräch vertiefte.
Doch wer konnte ahnen, dass unterdessen Qin Zhong die Dunkelheit und die Stille nutzte, um sich auf die Suche nach Zhineng zu machen! Er schlich zum rückwärtigen Trakt und fand Zhineng allein in einem Zimmer, wo sie Teegeschirr spülte. Qin Zhong stürzte auf sie zu, schloss sie in die Arme und küsste sie. In ihrer Aufregung stampfte Zhineng mit dem Fuß auf und rief: „Was soll das! Wenn du das noch einmal tust, schreie ich!“
Qin Zhong flehte: „Liebste! Ich sterbe vor Sehnsucht! Wenn du mich heute wieder zurückweist, bringe ich mich auf der Stelle um!“
Zhineng sagte: „Was stellst du dir vor? Erst muss ich aus diesem Kerker heraus und von diesen Leuten fort sein — dann erst kann ich dir nachgeben.“
Qin Zhong wandte ein: „Das klingt schön und gut — aber fernes Wasser kann den nahen Durst nicht löschen!“ Damit blies er mit einem Atemzug die Lampe aus. Der ganze Raum lag in stockfinsterer Dunkelheit. Er trug Zhineng auf den Kang und begann das Wolken-und-Regen-Spiel [Anm.: 云雨, klassischer euphemistischer Ausdruck für geschlechtliche Vereinigung, abgeleitet aus dem Traum des Königs von Chu.] mit ihr zu spielen. Zhineng wehrte sich und strampelte, doch sie konnte sich nicht befreien, und da es schlecht anging zu rufen, musste sie ihn schließlich gewähren lassen.
Gerade als sie am meisten in ihren Freuden versunken waren, kam plötzlich jemand herein, drückte sie beide nieder, ohne ein Wort zu sagen. Die beiden wussten nicht, wer es war, und wagten sich vor Schreck nicht zu rühren. Doch dann platzte der Eindringling prustend vor Lachen heraus, und an der Stimme erkannten sie — Schatzjade!
Qin Zhong sprang hastig auf und rief vorwurfsvoll: „Was soll das?“
Schatzjade lachte: „Wenn du nicht gehorchst, rufe ich alle herbei!“
Die beschämte Zhineng lief im Schutz der Dunkelheit davon. Schatzjade zog Qin Zhong aus dem Zimmer und fragte: „Willst du es immer noch abstreiten?“ Qin Zhong antwortete lachend: „Liebster Freund, ich tue alles, was du willst — nur sei still und erzähle niemandem davon!“
Schatzjade sagte: „Jetzt müssen wir nicht davon reden. Nachher, wenn wir im Bett liegen, rechnen wir in aller Ruhe ab.“
Bald darauf war es Zeit, sich zu entkleiden und zur Ruhe zu begeben. Phönixglanz schlief im inneren Gemach, Qin Zhong und Schatzjade im Vorzimmer. Überall auf dem Fußboden hatten sich die alten Sklavinnen Lagerstätten bereitet und hielten Nachtwache. Phönixglanz, die fürchtete, der Beseelte Jadestein [通灵玉] könnte verlorengehen, wartete, bis Schatzjade eingeschlafen war, und ließ sich den Stein bringen, den sie unter ihr eigenes Kopfkissen schob.
Was für eine Abrechnung Schatzjade mit Qin Zhong hielt, wissen wir nicht. Niemand hat es mit eigenen Augen gesehen, niemand hat es zu Papier gebracht. Es bleibt ein ungeklärter Fall — und etwas erdichten wollen wir nicht.
Über den Rest der Nacht ist nichts weiter zu berichten. Am nächsten Morgen, in aller Frühe, schickten die Herzoginmutter und Dame Wang Boten, um nach Schatzjade zu sehen. Man ließ ihm ausrichten, er solle sich warm anziehen und, wenn nichts weiter anstehe, lieber nach Hause kommen. Doch wie hätte Schatzjade bereit sein sollen, zurückzukehren! Zudem stachelte ihn Qin Zhong, der sich von Zhineng nicht losreißen mochte, heimlich an, Phönixglanz zu bitten, noch einen Tag zu bleiben.
Phönixglanz überlegte einen Augenblick: Erstens waren zwar alle wichtigen Trauerriten erledigt, doch etliche Kleinigkeiten standen noch aus — das konnte man als Vorwand nehmen, um noch einen Tag zu bleiben, und damit hätte sie Kaufmann Juwel den allergrößten Gefallen getan. Zweitens konnte sie die Sache regeln, um die Jingxu sie gebeten hatte. Und drittens tat sie Schatzjade einen Gefallen, und wenn die Herzoginmutter davon erfuhr, würde sie sich nur freuen.
Da sie in dieser Überlegung drei Vorteile auf einmal erkannte, sagte sie zu Schatzjade: „Meine Geschäfte sind eigentlich alle erledigt. Aber wenn du noch einen Tag hierbleiben willst, muss ich wohl die Mühe auf mich nehmen. Morgen aber — morgen fahren wir ganz bestimmt ab!“
Schatzjade war überglücklich und nannte sie tausend- und abertausendmal „liebste Schwester“ und beteuerte, er wolle ja nur noch diesen einen Tag bleiben, am nächsten Morgen könnten sie in die Stadt zurückkehren. So verbrachten sie noch eine weitere Nacht im Kloster.
Phönixglanz ließ daraufhin den Diener Laiwanger [来旺儿] heimlich zu sich rufen und trug ihm die Angelegenheit auf, die ihr die Äbtissin am Vortag vorgetragen hatte. Laiwanger verstand sofort, worum es ging. Er eilte in die Stadt, fand den Schreiber, der die Korrespondenz führte, gab in Kaufmann Kettes[12] Namen einen Brief in Auftrag und brach noch in derselben Nacht nach Chang'an auf. Da die Entfernung nicht mehr als hundert Li betrug, war in zwei Tagen alles erledigt. Der Garnisonskommandant hieß Yun Guang [云光] und stand seit langem in der Schuld des Hauses Kaufmann — wie hätte er da eine solche Lappalie abschlagen können? Er gab einen Antwortbrief mit, und Laiwanger machte sich auf den Heimweg. Doch davon soll jetzt nicht weiter die Rede sein.
Phönixglanz verbrachte noch einen weiteren Tag im Kloster und verabschiedete sich am übernächsten Tag von der Äbtissin, der sie auftrug, in drei Tagen ins Anwesen zu kommen, um sich den Bescheid abzuholen. Qin Zhong und Zhineng vermochten sich kaum voneinander zu trennen. Heimlich trafen sie im Verborgenen allerlei verstohlene Absprachen, die hier nicht im Einzelnen wiederholt werden müssen — doch dann mussten sie, der Not gehorchend, unter Tränen Abschied nehmen.
Phönixglanz fuhr noch einmal zum Eisernen-Schwellen-Kloster hinüber, um einen letzten Blick auf die Dinge zu werfen. Baozhu hatte sich unterdessen in den Kopf gesetzt, nicht mehr nach Hause zurückzukehren, und so war Kaufmann Juwel gezwungen, ihr Sklavinnen als Gesellschaft zur Seite zu stellen.
Im Weiteren mehr davon!
Anmerkungen
- ↑ Chin. 贾宝玉 Jiǎ Bǎyù, wörtl. „Kaufmann Schatzjade“.
- ↑ Chin. 贾政 Jiǎ Zhèng.
- ↑ Chin. 贾赦 Jiǎ Shè.
- ↑ Chin. 贾珍 Jiǎ Zhēn, Oberhaupt des Ning-guo-Anwesens.
- ↑ Chin. 贾蓉 Jiǎ Róng.
- ↑ Chin. 王熙凤 Wáng Xīfèng, wörtl. „Phönix des Glanzes“.
- ↑ Chin. 贾母 Jiǎ Mǔ, die Ahnherrin der Kaufmann-Familie.
- ↑ Chin. 邢夫人 Xíng Fūrén.
- ↑ Chin. 王夫人 Wáng Fūrén.
- ↑ Chin. 秦钟 Qín Zhōng, Schulfreund Schatzjades.
- ↑ Chin. 秦可卿 Qín Kěqīng, die Verstorbene.
- ↑ Chin. 贾琏 Jiǎ Liǎn, wörtl. „Kaufmann Jadekette“.
Übersetzung: Martin Woesler, 4. Auflage (2026). Basierend auf der Gengchen-Handschrift (庚辰本).