Hongloumeng/de/Chapter 57

From China Studies Wiki
< Hongloumeng
Revision as of 08:29, 11 April 2026 by Admin (talk | contribs) (German translation (Schwarz) - automated import)
(diff) ← Older revision | Latest revision (diff) | Newer revision → (diff)
Jump to navigation Jump to search

Kapitel: [1-10] · [11-20] · [21-30] · [31-40] · [41-50] · 51 · 52 · 53 · 54 · 55 · 56 · 57 · 58 · 59 · 60 · [61-70] · [71-80] · [81-90] · [91-100] · [101-110] · [111-120] · ← Inhalt

Version: ZH · DE · ZH-DE

Kapitel 57

慧紫鹃情辞试莽玉

慈姨妈爱语慰痴颦

Als Bau-yü hörte, Dame Wang lasse ihn rufen, ging er rasch zu ihr hinüber, und es stellte sich heraus, daß sie ihn zu einem Besuch bei Dame Dschën mitnehmen wollte. Bau-yü freute sich natürlich und ging sich schnell umziehen, um dann Dame Wang zu begleiten. Bei den Dschëns angekommen, stellte er fest, daß dort alles nicht viel anders war als im Jung-guo- und im Ning-guo-Anwesen, nur das eine oder das andere mochte ein wenig prächtiger sein. Bei näherer Erkundigung war zu erfahren, daß es in der Familie tatsächlich einen Bau-yü gab. Von Dame Dschën zu Tisch gebeten, brachen sie erst wieder auf, als der Tag zu Ende ging. Jetzt erst war Bau-yü überzeugt. Als sie wieder zu Hause waren, befahl Dame Wang, man solle ein erstklassiges Festmahl richten und eine berühmte Theatertruppe mieten, um Mutter und Tochter Dschën einzuladen. Zwei Tage später dann kehrten die beiden, ohne sich noch einmal zu verabschieden, an den Ort zurück, wo Herr Dschën sein Amt versah. Mehr soll einstweilen nicht von ihnen die Rede sein. Eines Tages stellte Bau-yü fest, daß Hsiang-yün allmählich wieder gesund wurde. Nach Hsiang-yün wollte er auch Dai-yü besuchen, die aber gerade ihren Mittagsschlaf hielt, und er wagte nicht sie zu stören. Da Dsï-djüan mit einer Nadelarbeit im Wandelgang saß, trat Bau-yü zu ihr heran und fragte: „War es heute nacht besser mit dem Husten?“ „Ja, ein wenig“, antwortete Dsï-djüan. „Buddha Amitabha!“ rief Bau-yü lächelnd aus, „wenn sie doch nur erst gesund wäre!“ Ebenfalls lächelnd, kommentierte Dsï-djüan: „Das ist aber etwas Neues, daß auch du jetzt Buddha anrufst!“ Lächelnd wehrte sich Bau-yü: „Bei schwerer Krankheit ruft man jeden Arzt, wie man so sagt.“ Da er bemerkt hatte, daß Dsï-djüan eine dünn wattierte Jacke aus schwarzbedruckter Seide trug und darüber nur eine dunkelblaue Atlasweste mit einfachem Futter, streckte er die Hand aus, um nach ihrem Körper zu fühlen, und sagte: „So dünn bist du angezogen und sitzt noch dazu hier in der Zugluft! Der Wind ist tückisch und die Jahreszeit gefährlich. Es wäre ein rechtes Unglück, wenn auch du noch krank wirst.“ Dsï-djüan aber erwiderte darauf: „In Zukunft wollen wir besser miteinander reden, ohne handgreiflich zu werden! Schließlich sind wir keine kleinen Kinder mehr. Wenn uns jemand sieht, wird er das für sehr leichtfertig halten. Das Schlimmste ist, daß diese schamlose Rotte schon heimlich über dich herzieht, aber du achtest gar nicht darauf und benimmst dich noch genauso wie als kleiner Junge. Das geht doch nicht an! Wie oft hat uns das gnädige Fräulein schon befohlen, wir sollten nicht mit dir schwatzen und scherzen. Auch sie hält sich in der letzten Zeit von dir fern und hat Angst, du könntest dich nicht fernhalten lassen.“ Damit stand sie auf, nahm ihre Handarbeit und ging ins Haus. Bau-yü war zumute, als hätte man ihn mit einer Schüssel kaltem Wasser übergossen. Geistesabwesend starrte er eine Zeitlang den Bambus an, aber da eben Mutter Dschu kam, um Bambussprossen auszugraben und die Stämme auszuputzen, verließ er benommen den Hof. Seine Seele blieb vorübergehend unbewacht, und sein Herz wußte nicht, was geschah. Gedankenverloren setzte er sich auf den nächsten besten Felsbrocken und bemerkte nicht einmal, wie ihm die Tränen herunterliefen. Er brütete so lange vor sich hin, daß man inzwischen fünf, sechs Portionen Reis hätte essen können. Tausend und zehntausend Gedanken gingen ihm derweil durch den Kopf, und doch wußte er nicht, was er tun sollte. Da traf es sich, daß eben Hsüä-yän vorüberkam, die bei Dame Wang Ginsengwurzeln geholt hatte. Bei einer zufälligen Kopfwendung sah sie, daß jemand unter dem blühenden Pfirsichbaum auf einem Stein saß, den Kopf in die Hände stützte und gedankenverloren vor sich hin starrte. Dann entdeckte sie, daß es niemand anders war als Bau-yü. Verwundert fragte sie sich: „Warum sitzt er hier ganz allein, bei dieser Kälte? Wer nicht ganz gesund ist, erleidet im Frühling leicht einen Rückfall. Ist bei ihm etwa der Wahnsinn wieder ausgebrochen?“ So fragte sie sich, ging zu Bau-yü hinüber, hockte sich nieder und sprach ihn mit lächelnder Miene an: „Was machst du hier?“ Als Bau-yü so plötzlich Hsüä-yän vor sich sah, gab er die Frage zurück: „Und was machst du hier bei mir? Bist du etwa kein Mädchen? Sie ist doch nun schon auf der Hut und hat euch befohlen, mich nicht mehr zu beachten, und du kommst trotzdem zu mir. Wenn das jemand sieht, gibt es wieder Gekeife. Also geh nur rasch ins Haus!“ Hsüä-yän, die annahm, Bau-yü sei wieder einmal von Dai-yü gekränkt worden, blieb nichts weiter übrig, als wirklich ins Haus zu gehen. Hier war Dai-yü noch nicht wieder wach, darum übergab sie den Ginseng Dsï-djüan, die sich nun erkundigte: „Was macht die gnädige Frau?“ „Sie hat ebenfalls Mittagsschlaf gehalten, darum mußte ich auch so lange warten“, antwortete Hsüä-yän. Dann fuhr sie fort: „Möchtest du etwas Komisches hören, Schwester? Als ich bei der gnädigen Frau warten mußte, saß ich mit Schwester Yü-tschuan in der Gesindestube, und wir unterhielten uns. Da hat mich auf einmal Nebenfrau Dschau hinausgewinkt, und ich dachte, sie wolle mir etwas sagen. Aber sie hatte die gnädige Frau um Urlaub gebeten, weil sie das Anwesen verlassen will, um beim Leichnam ihres Bruders die Nachtwache zu halten und ihn dann morgen zu Grabe zu tragen. Ihre kleine Magd Dji-hsiang, die sie dabei begleiten soll, hatte nichts anzuziehen, darum wollte sie meine bläulichweiße Atlasjacke für sie geliehen haben. Aber ich sagte mir, daß sie doch selber ein paar Sachen zum Anziehen haben müßten. Nur weil es dort, wo sie hingehen, nicht sauber ist, und ihre eigenen Sachen ihnen zu schade sind, um sie schmutzig zu machen, wollen sie sich von jemand anders etwas borgen. Eigentlich wäre es ja nicht der Rede wert, wenn sie etwas, das sie von mir bekommen haben, schmutzig machen, aber ich fragte mich, ob sie denn üblicherweise auch uns etwas Gutes tut. Darum habe ich ihr geantwortet: ‚Meine Kleider und meinen Schmuck muß auf Geheiß des Fräuleins Schwester Dsï-djüan für mich verwahren. Also muß ich erst einmal mit ihr sprechen, und auch dem Fräulein muß ich es melden. Aber das Fräulein ist krank, darum ist es eine höchst umständliche Angelegenheit, und Ihr würdet die Zeit darüber verpassen. Das beste ist also, Ihr wendet Euch an jemand anders.‘“ „Du bist aber ein durchtriebenes kleines Ding!“ sagte Dsï-djüan lächelnd. „Du willst ihr nichts borgen, schiebst aber alles auf mich und das Fräulein, damit dir niemand grollen kann. Fährt sie denn gleich jetzt oder erst morgen in aller Frühe?“ „Sie wollte gleich fahren“, erwiderte Hsüä-yän, „wahrscheinlich ist sie schon fort.“ Als Dsï-djüan lediglich nickte, fragte Hsüä-yän: „Wenn das Fräulein noch nicht wieder wach ist, wer hat dann Bau-yü so gekränkt, daß er dasitzt und heult?“ „Wo sitzt er denn?“ wollte Dsï-djüan sofort wissen. „Unter dem blühenden Pfirsichbaum gleich hinter dem Duftgetränkten Pavillon“, gab Hsüä-yän Auskunft. Kaum hatte Dsï-djüan das gehört, legte sie ihre Nadelarbeit aus der Hand und befahl Hsüä-yän: „Paß schön auf, ob sie ruft! Wenn sie nach mir fragt, sagst du, ich käme sofort.“ Damit verließ sie die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß und machte sich geradeswegs auf die Suche nach Bau-yü. Als sie vor ihm stand, sagte sie lächelnd: „Ich habe das doch nur gesagt, weil es so für uns alle besser ist. Du aber läufst wütend weg und heulst hier an dieser zugigen Stelle, damit du krank wirst und mir so einen Schreck einjagen kannst.“ „Wer ist wütend?“ fragte Bau-yü sofort mit lächelnder Miene. „Ich fand es einleuchtend, was du gesagt hast, und dachte mir, wenn ihr das sagt, werden es die andern natürlich auch sagen. Nach und nach wird mich also niemand mehr beachten, und dieser Gedanke an mich selbst hat mich traurig gestimmt.“ Nun setzte sich Dsï-djüan dicht neben ihn, und sofort erkundigte sich Bau-yü lächelnd: „Als ich vorhin vor dir gestanden und mit dir gesprochen habe, bist du weggelaufen, warum setzt du dich jetzt so dicht neben mich?“ „Du wirst das ganz vergessen haben, aber vor ein paar Tagen, als du dich gerade mit deiner Kusine unterhieltst, platzte Nebenfrau Dschau herein“, sagte Dsï-djüan, anstatt seine Frage zu beantworten. „Nun habe ich eben erfahren, sie sei nicht zu Hause, darum komme ich dich danach zu fragen. Neulich hattest du begonnen, von den Schwalbennestern zu sprechen, ohne den Satz zu Ende zu führen. Später bist du nie wieder darauf zurückgekommen. Das ist es, wonach ich dich fragen wollte.“ „Es war auch nichts Wichtiges“, erwiderte Bau-yü, „ich hatte nur daran gedacht, daß Kusine Bau-tschai zu Gast bei uns ist und daß man nicht mittendrin damit Schluß machen darf, wenn man Schwalbennester ißt. Außerdem wäre es eine vertrauensselige Zudringlichkeit, wenn sie sich die Schwalbennester immer von ihr geben ließe. Mit der gnädigen Frau konnte ich schlecht deswegen sprechen, aber der alten gnädigen Frau gegenüber habe ich schon eine zarte Andeutung gemacht, in der Hoffnung, sie werde mit Schwägerin Hsi-fëng darüber reden. Das war es, was ich erzählen wollte und nicht zu Ende erzählt habe. Nach dem, was ich jetzt hörte, bekommt ihr jeden Tag ein Liang Schwalbennester. Und damit ist ja die Sache erledigt.“ „Du warst es also, der darüber gesprochen hat!“ sagte Dsï-djüan. „Vielen Dank auch für deine Mühe! Wir wunderten uns schon, wie die alte gnädige Frau plötzlich auf den Gedanken gekommen ist, jeden Tag ein Liang Schwalbennester bringen zu lassen. Das also steckte dahinter!“ „Wenn sie es sich angewöhnt, Tag für Tag davon zu essen, wird sie in ein paar Jahren gesund sein“, prophezeite Bau-yü. „Hier wird sie sich daran gewöhnen, aber woher kommt das überschüssige Geld dafür, wenn sie nächstes Jahr zu ihrer Familie zurückkehrt?“ hielt ihm Dsï-djüan entgegen. Erschrocken fragte Bau-yü sogleich: „Wer kehrt zu welcher Familie zurück?“

Dsï-djüan. Aus: Gai Qi 1879. „Deine Kusine kehrt zu ihrer Familie nach Su-dschou zurück“, erklärte Dsï-djüan. „Du flunkerst wieder einmal“, sagte Bau-yü und lächelte dabei. „Su-dschou ist zwar ihr Heimatort, aber sie ist ja eben deswegen zu uns gekommen, weil mein Onkel und meine Tante gestorben waren und niemand mehr da war, sich um sie zu kümmern. Zu wem sollte sie also gehen, wenn sie nächstes Jahr nach Su-dschou zurückkehrt? Daran kann man erkennen, daß es gelogen ist.“ Mit frostigem Lächeln gab Dsï-djüan zurück: „Du denkst zu gering von anderen Leuten! Die Djias sind wohl die einzige große und zahlreiche Familie, die es gibt, und andere Leute haben niemand außer Vater und Mutter, ja? Mein Fräulein ist hierher gekommen, weil sie der alten gnädigen Frau leid tat, so klein, wie sie noch war, und weil sie zwar Onkel hat, aber Onkel nicht dasselbe sind wie die leiblichen Eltern. Deshalb hat sie sie für ein paar Jahre zu sich genommen. Da sie nun groß ist und heiraten wird, muß sie natürlich zu den Lins zurückgeschickt werden. Schließlich kann ja ein Mädchen aus der Familie Lin nicht ihr Leben lang in der Familie Djia bleiben. Die Lins sind zwar so arm, daß sie keinen Reis zu essen haben, aber dennoch sind sie eine Familie, die seit Generationen aus Gelehrten und Beamten besteht. Nie und nimmer lassen sie eine Familienangehörige in der Obhut von angeheirateten Verwandten, um sich damit zum Gespött der Leute zu machen. Wenn sie also nicht nächstes Jahr im Frühling oder spätestens im Herbst nach Hause gebracht wird, werden die Lins jemand schicken, der sie holt. Vorgestern nacht hat das Fräulein mit mir gesprochen und hat mir befohlen, dir zu sagen, du sollst alles zusammensuchen, was sie dir geschenkt hat, als ihr noch kleiner wart, und es ihr zurückgeben.die leiblichen Eltern. Deshalb hat sie sie für ein paar Jahre zu sich genommen. Da sie nun groß ist und heiraten wird, muß sie natürlich zu den Lins zurückgeschickt werden. Schließlich kann ja ein Mädchen aus der Familie Lin nicht ihr Leben lang in der Familie Djia bleiben. Die Lins sind zwar so arm, daß sie keinen Reis zu essen haben, aber dennoch sind sie eine Familie, die seit Generationen aus Gelehrten und Beamten besteht. Nie und nimmer lassen sie eine Familienangehörige in der Obhut von angeheirateten Verwandten, um sich damit zum Gespött der Leute zu machen. Wenn sie also nicht nächstes Jahr im Frühling oder spätestens im Herbst nach Hause gebracht wird, werden die Lins jemand schicken, der sie holt. Vorgestern nacht hat das Fräulein mit mir gesprochen und hat mir befohlen, dir zu sagen, du sollst alles zusammensuchen, was sie dir geschenkt hat, als ihr noch kleiner wart, und es ihr zurückgeben. Auch sie hat schon alles zurechtgelegt, was sie von dir bekommen hat.“ Bei diesen Worten war es Bau-yü, als hätte seinen Kopf aus heiterem Himmel ein Donnerschlag getroffen. Dsï-djüan wartete gespannt, was Bau-yü erwidern würde, aber er sagte keinen Ton. Da erschien plötzlich Tjing-wën, die auf der Suche nach ihm war, und sagte: „Hier also steckst du! Die alte gnädige Frau läßt dich rufen!“ Lächelnd behauptete Dsï-djüan: „Er hat mich hier ausgefragt, wie es meinem Fräulein geht, und ich habe es ihm eine halbe Ewigkeit lang auseinandergesetzt, aber er will es mir nicht glauben. Also schaff ihn nur fort!“ Damit verschwand sie in ihre Räume. Tjing-wën bemerkte, daß Bau-yü nicht recht bei sich war. Sein Gesicht war blaurot angelaufen und mit fiebrigem Schweiß bedeckt. Darum nahm sie ihn bei der Hand und führte ihn in den Hof der Freude am Roten. Als ihn dort Hsi-jën so erblickte, geriet sie in helle Aufregung und meinte nicht anders, als daß er sich erkältet und den verschwitzten Körper dem Wind ausgesetzt habe. Aber daß er Fieber haben könnte, war noch das wenigste, denn seine beiden Augäpfel traten mit starrem Blick hervor, aus den Mundwinkeln lief ihm Speichel, und sein Geist war vollkommen abwesend. Als sie ihm ein Kissen gab, legte er sich nieder, und als sie ihm aufhalf, setzte er sich wieder hin und trank den Tee, den sie ihm eingegossen hatte. Bei diesem Anblick wurden alle von Panik befallen, aber sie wagten es nicht, sich mit einer Meldung an die Herzoginmutter zu übereilen. Darum wurde zuerst nach Amme Li geschickt, die auch bald darauf erschien. Sie sah Bau-yü lange an, stellte ihm einige Fragen, auf die er keine Antwort gab, dann fühlte sie nach seinem Puls, und schließlich kniff sie ihn so kräftig in die Rinne zwischen Nase und Oberlippe, daß sich ihre Fingerabdrücke tief darin eingruben. Aber Bau-yü empfand keinen Schmerz dabei. „Das ist mir unbegreiflich“, sagte Amme Li nur und stöhnte. Dann schloß sie Bau-yü in ihre Arme und brach in lautes Schluchzen aus. Aufgeregt griff Hsi-jën nach ihrem Arm und verlangte: „So schau doch, ob Grund zur Sorge ist oder nicht, und sag es uns, damit wir es der alten gnädigen Frau und der gnädigen Frau melden! Wieso heulst du statt dessen nur?“ Da hämmerte Amme Li mit den Fäusten auf Bett und Kissen und sagte: „Er wird nicht wieder. Alle Mühe meines Lebens war umsonst.“ Hsi-jën und die anderen hatten nach Amme Li geschickt, weil sie ihnen als alt und erfahren galt. Als sie jetzt sahen, wie sie sich gebärdete, glaubten sie sofort, es müsse wahr sein, was sie sagte, und so begannen auch sie zu weinen. Tjing-wën berichtete Hsi-jën, unter welchen Umständen sie Bau-yü getroffen hatte, und sofort begab diese sich in die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß, wo Dsï-djüan eben Dai-yü die Medizin reichte. Ohne alle Umstände trat Hsi-jën näher und fragte Dsï-djüan: „Was hast du unserm Bau-yü vorhin erzählt? Geh hin und sieh ihn dir an, und dann mach du der alten gnädigen Frau davon Meldung, ich will nichts damit zu tun haben!“ Mit diesen Worten ließ sie sich auf einen Stuhl fallen. Als Dai-yü so unvermittelt Hsi-jën bei sich sah, mit einem Gesicht, das Panik verriet und von Tränen glänzte, und mit einem Benehmen, das so ganz anders war als gewöhnlich, da wurde auch sie unwillkürlich aufgeregt, und hastig fragte sie: „Was ist denn?“ Hsi-jën sammelte sich einen Moment, dann sagte sie weinend: „Eure Dsï-djüan hat etwas gesagt, ich weiß nicht was, und jetzt starrt unser Narr blicklos vor sich hin, seine Hände und Füße sind kalt, er sagt kein Wort, und als Amme Li ihn gekniffen hat, spürte er keinen Schmerz. Er war mehr tot als lebendig, und auch Amme Li sagt, er wird nicht wieder. Jetzt sitzt sie da und weint sich die Augen aus. Wahrscheinlich ist er inzwischen schon gestorben.“ Als Dai-yü das hörte, mußte sie sich sagen, daß er, wenn eine erfahrene alte Frau wie Amme Li glaubte, er werde nicht wieder, bestimmt nicht wieder gesund, und mit einem gurgelnden Laut erbrach sie alle Medizin, die sie im Bauch hatte. Schmerzhafte Hustenstöße peitschten ihr die Eingeweide, zerschnitten ihr die Lunge, verbrannten ihr den Magen und schüttelten ihr die Leber. Im Nu war ihr Gesicht gerötet und ihr Haar zerzaust, die Augen quollen ihr heraus, und die Schläfenadern traten hervor. Sie rang nach Atem und konnte den Kopf nicht wieder heben. Rasch trat Dsï-djüan zu ihr heran und klopfte ihr den Rücken. Keuchend preßte Dai-yü ihr Gesicht gegen das Kissen, dann schob sie Dsï-djüan fort und sagte: „Du brauchst mich nicht zu klopfen! Hol besser einen Strick und erdrossele mich. Das wäre das Richtige!“ – „Aber ich habe ja gar nichts weiter gesagt“, beteuerte Dsï-djüan unter Tränen, „nur ein paar Sätze im Scherz, und die hat er für ernst genommen.“ – „Ja, weißt du denn immer noch nicht, daß er so ein Narr ist, jedes Scherzwort für ernst zu nehmen?“ hielt Hsi-jën ihr vor. Und Dai-yü forderte sie auf: „Was du auch immer gesagt hast, geh schnell hin und erkläre ihm alles! Vielleicht kommt er dann wieder zu sich.“ Rasch stand Dsï-djüan vom Bett auf und ging mit Hsi-jën zum Hof der Freude am Roten, wo zu ihrer Überraschung auch die Herzoginmutter, Dame Wang und alle anderen schon eingetroffen waren. Kaum hatte die Herzoginmutter Dsï-djüan erblickt, fuhr sie sie mit zornfunkelnden Augen an: „Was hast du zu ihm gesagt, du kleines Spitzbein?“ – „Gar nichts habe ich gesagt“, verteidigte sich Dsï-djüan, „nur ein paar Sätze im Scherz.“ Zur allgemeinen Verwunderung stieß Bau-yü beim Anblick von Dsï-djüan ein „Auweh!“ aus und begann zu weinen. Alle waren erleichtert, und die Herzoginmutter, die annahm, Dsï-djüan müsse Bau-yü etwas getan haben, führte sie zu ihm hinüber und befahl, er solle sie schlagen. Statt dessen klammerte sich jedoch Bau-yü an Dsï-djüan fest und verlangte: „Nehmt mich auch mit, wenn sie schon fort muß!“ Niemand verstand, was er meinte, doch die Nachfrage ergab, daß nur durch Dsï-djüans scherzhafte Behauptung, Dai-yü solle nach Su-dschou zurückkehren, alles ausgelöst worden war. Mit Tränen in den Augen sagte die Herzoginmutter: „Ich dachte, es sei etwas Ernstes gewesen, und dabei war es nur so ein Scherz.“ Dann wies sie Dsï-djüan zurecht: „Du bist doch sonst so ein flinkes, verständiges Ding! Und du weißt auch, daß er eine Anlage zum Schwachsinn hat. Warum mußtest du ihn für nichts und wieder nichts anführen?“ Tante Hsüä aber sagte begütigend: „Bau-yü hat ein einfältiges Herz, und Fräulein Dai-yü ist schon als Kind hierher gekommen. Sie sind zusammen aufgewachsen, darum steht sie ihm näher als andere Kusinen. Und nun wird ihm urplötzlich verkündet, sie gehe fort. Nicht nur einem naiven Jungen wie ihm, auch einem kaltblütigen Erwachsenen würde so etwas ans Herz gehen. Eine ernsthafte Erkrankung ist das nicht. Ihr könnt also ganz beruhigt sein, alte gnädige Frau und gnädige Frau Schwester. Er braucht nur ein, zwei Mal etwas Medizin einzunehmen, und dann ist er wieder gesund.“ Als sie das eben gesagt hatte, wurde gemeldet: „Die Frauen von Lin Dschï-hsiau und Schan Da-liang sind gekommen, um dem jungen Herrn ihre Aufwartung zu machen.“ – „Daß sie daran gedacht haben!“ lobte die Herzoginmutter und befahl: „Laßt sie hereinkommen, damit sie ihn sehen!“ Bau-yü aber hatte kaum den Namen Lin gehört, als er sich im Bett hin und her zu werfen begann und sagte: „Unerhört! Die Lins sind schon da, um sie zu holen. Werft sie schnell hinaus!“ „Ja, werft sie schnell hinaus!“ wiederholte die Herzoginmutter rasch, als sie ihn hörte. Dann wieder versuchte sie, ihn zu beruhigen: „Das sind nicht die Lins. Die Lins sind alle tot. Es kommt sie niemand holen. Sei nur ganz ruhig!“ „Egal, wer sie sind, niemand anders soll Lin heißen als Kusinchen Dai-yü“, verlangte Bau-yü unter Tränen. „Es kommt ja niemand, der Lin heißt“, versicherte ihm die Herzoginmutter. „Alle Lins schicke ich fort.“ Dann befahl sie dem Gesinde: „Lin Dschï-hsiaus Frau wird ab sofort nicht mehr in den Garten gelassen, und ihr nehmt nie wieder den Namen Lin in den Mund! Tut, was ich sage, meine braven Kinder!“ Alle sagten rasch jawohl, und niemand wagte zu lächeln. Bald darauf blieb Bau-yüs Blick an einem selbstfahrenden goldenen europäischen Schiffsmodell hängen, das mit anderen Nippsachen zusammen in der Stellage stand. Er wies mit der Hand danach und rief wild: „Da hat schon das Schiff angelegt, das sie holen soll!“ Sofort befahl die Herzoginmutter, man solle das Schiff herunternehmen. Hsi-jën tat es, und Bau-yü streckte die Hand aus, um es sich geben zu lassen. Als sie es ihm reichte, versteckte er es unter der Bettdecke und erklärte strahlend: „Jetzt können sie nicht mehr fort!“ Zugleich hielt er Dsï-djüan krampfhaft mit der Hand fest und weigerte sich, sie loszulassen. Kurze Zeit später wurde gemeldet: „Der Arzt ist da.“ „Er soll schleunigst hereinkommen!“ befahl die Herzoginmutter. Dame Wang, Tante Hsüä und Bau-tschai suchten rasch Zuflucht im Innenraum, die Herzoginmutter aber nahm in würdevoller Haltung an Bau-yüs Seite Platz. Als Hofarzt Wang eintrat und die vielen Menschen erblickte, trat er rasch näher und entbot der Herzoginmutter seinen Gruß. Dann griff er nach Bau-yüs Arm und fühlte ihm eine Zeitlang die Pulse. Dsï-djüan aber blieb nichts weiter übrig, als mit gesenktem Blick dabeizustehen, und Hofarzt Wang konnte sich keinen Reim darauf machen. Als er sich wieder erhob, sagte er: „Die Krankheit des jungen Herrn ist eine Verwirrung des Herzens infolge eines plötzlichen Schmerzes. Wie die Alten lehren, gibt es solcherlei schleimige Verstopfungen verschiedener Art. Die eine kommt dadurch zustande, daß der Kranke auf Grund von Blutarmut Getränke und Speisen nicht verdaut, eine andere durch heftige Wut und eine dritte durch plötzlichen Schmerz. Doch es ist lediglich eine vorübergehende Stauung, verglichen mit anderen Arten von Verstopfung ist sie nur leicht.“ „Sagt mir bloß das eine, ob etwas zu befürchten steht oder nicht!“ verlangte die Herzoginmutter. „Wer möchte sich Eure medizinischen Bücher herbeten lassen!“

Rasch verbeugte sich Hofarzt Wang und versicherte lächelnd: „Es ist kein Grund zur Sorge.“

„Wirklich nicht?“ fragte die Herzoginmutter. „Wirklich und wahrhaftig nicht“, beteuerte Hofarzt Wang. „Ich verbürge mich dafür.“ „Wenn dem so ist, dann nehmt bitte draußen Platz und verschreibt ihm Eure Medizin“, forderte die Herzoginmutter ihn auf. „Wird er davon gesund, so lasse ich Euch zum Dank ein ordentliches Extrageschenk richten, und er muß es Euch eigenhändig überbringen und dabei einen Stirnaufschlag vor Euch machen. Verfehlt sie aber ihren Zweck, dann schicke ich meine Leute und lasse die Haupthalle Eures Obersten Medizinamts einreißen!“ Hofarzt Wang, der sich in einem fort verbeugte, wiederholte mehrmals hintereinander: „Zuviel der Ehre, zuviel der Ehre!“ Das sagte er, weil er nur gehört hatte, wie die Herzoginmutter versprach, sie wolle ihm ein Extrageschenk machen und Bau-yü solle ihm kniefällig danken, und nicht, weil sie ihm anschließend im Scherz drohte, sie wolle das Oberste Medizinamt einreißen lassen. Als er dazu immer noch sagte „Zuviel der Ehre!“, mußten die Herzoginmutter und alle anderen lachen. Als dann die Medizin zubereitet war, wie das Rezept es vorschrieb, und Bau-yü davon getrunken hatte, wurde er tatsächlich ruhiger. Das einzige war, daß er Dsï-djüan nicht fortlassen wollte, weil sie sonst, wie er sagte, nach Su-dschou fahren würde. So blieb der Herzoginmutter und Dame Wang keine andere Wahl, als Dsï-djüan zu befehlen, sie solle bei ihm bleiben. Dai-yü bekam statt dessen Hu-po zu ihrer Bedienung. Dai-yü ihrerseits schickte immer wieder Hsüä-yän herüber, um Nachrichten einzuholen. So wußte sie über alles Bescheid, was sich mit Bau-yü zutrug, und seufzte darüber still bei sich. Glücklicherweise war allgemein bekannt, daß Bau-yü ein wenig närrisch war und daß er von klein auf an Dai-yü ganz besonders hing. Dsï-djüans Scherz war nichts Außergewöhnliches und Bau-yüs Anfall keine Seltenheit, darum kam es niemand in den Sinn, etwas anderes zu vermuten. Erst am Abend, als Bau-yü wieder ruhiger war, kehrten die Herzoginmutter und Dame Wang in ihre Räume zurück. Aber die ganze Nacht hindurch schickten sie immer wieder Botinnen, um sich zu erkundigen. Unter dem Kommando von Amme Li hielten Frau Sung und einige andere alte Sklavinnen sorgsam bei Bau-yü Wache. Auch Dsï-djüan, Hsi-jën und Tjing-wën blieben Tag und Nacht bei ihm. Aber sooft Bau-yü auch einschlief, schreckte er alsbald wieder aus seinen Träumen. Weinend sagte er dann, Dai-yü sei fort, und wenn es nicht das war, dann die Behauptung, daß man sie eben holen käme. Jedesmal mußte Dsï-djüan erst eine Zeitlang begütigend auf ihn einreden, ehe er wieder Ruhe gab. Dann befahl die Herzoginmutter, Bau-yü die besten Geheimmittel einzugeben, wie die „Pillen zur Vertreibung von Übel und zur Bewahrung der Seele“ und das „Pulver zur Reinigung der Öffnungen und zur Klärung des Geistes“. Am Tag darauf mußte er wieder die Medizin von Hofarzt Wang einnehmen, und so genas er allmählich. Aber wenn sein Herz auch wieder verständig war, spielte er doch von Zeit zu Zeit noch den Narren, weil er fürchtete, Dsï-djüan würde sonst fortgehen. Dsï-djüan aber bereute aufrichtig, was sie getan hatte, und mühte sich jetzt Tag und Nacht, ohne zu murren. Da Hsi-jën und die anderen nun wieder ruhig und guten Mutes waren, sagten sie lächelnd zu Dsï-djüan: „Du bist an allem schuld, also mußt du ihn jetzt auch heilen! Wußtest du denn nicht, daß unser Närrchen jedes Rascheln des Windes für Regen hält? Was soll das bloß noch werden?!“ Aber genug einstweilen davon. Hsiang-yün war inzwischen wieder gesund und kam Bau-yü jeden Tag besuchen. Als sie sah, daß er wieder bei Verstand war, führte sie ihm vor, wie er sich in seinem Wahn aufgeführt hatte, bis er schließlich sein Gesicht lachend in den Kissen begrub. Bau-yü selbst hatte keine Erinnerung daran, was anfangs mit ihm gewesen war, und wollte nicht glauben, was man ihm jetzt erzählte. Einmal, als er mit Dsï-djüan allein war, nahm er ihre Hand und fragte: „Warum hast du mich so erschreckt?“ „Ich wollte mir nur einen Spaß mit dir machen, aber du hast es ernst genommen“, gab Dsï-djüan zur Antwort. „So gefühlvoll und überzeugend, wie du gesprochen hast, kann das kein Spaß gewesen sein“, versteifte sich Bau-yü. „Aber ich habe mir das alles nur ausgedacht“, versicherte Dsï-djüan. „Von den Lins ist wirklich niemand mehr übrig, höchstens ein paar ganz entfernte Verwandte, die aber nicht in Su-dschou wohnen, sondern über alle möglichen Provinzen verstreut sind. Wenn wirklich jemand käme, um deine Kusine zu holen, würde die alte gnädige Frau sie bestimmt nicht gehen lassen.“ „Selbst wenn die alte gnädige Frau sie gehen ließe, würde ich es nicht zulassen“, erklärte Bau-yü. „Das ist doch nicht dein Ernst“, zweifelte Dsï-djüan mit lächelnder Miene. „Du sagst das nur so dahin. Du bist jetzt groß, bist sogar schon verlobt. Ein paar Jahre noch, dann heiratest du. Für wen wirst du dann noch etwas übrig haben?“ „Wer hat mich verlobt, und mit wem?“ fragte Bau-yü erschrocken. Lächelnd erwiderte Dsï-djüan: „Um die Jahreswende habe ich gehört, wie die alte gnädige Frau gesagt hat, sie wolle dich mit Fräulein Bau-tjin verloben. Warum wäre sie sonst so lieb zu ihr!“ Ebenfalls lächelnd, gab Bau-yü zurück: „Alle sagen nur, ich sei närrisch, aber du bist ja noch närrischer als ich. Was die alte gnädige Frau da gesagt hat, war doch nur ein Scherz. Schließlich ist Bau-tjin schon dem Sohn des Mitglieds der Kaiserlichen Akademie Mee versprochen. Und auch ich würde mich wohl anders aufführen, wenn man mich mit ihr verlobt hätte. Habe ich damals nicht einen Schwur geleistet? Wollte ich nicht diese Jadeklamotte zerschmettern? Und hast nicht du mir gut zugeredet und gesagt, ich sei verrückt? Kaum daß es mir wieder besser geht, legst du es darauf an, mich wieder in Wut bringen!“ Dann fuhr er zähneknirschend fort: „Mein einziger Wunsch ist, auf der Stelle zu sterben. Das Herz möchte ich mir aus der Brust reißen und euch zum Ansehen geben. Und dann möchte ich mit Haut und Haaren zu Asche werden. Nein, Asche hat noch Form und Gestalt. Besser ist es, eine Rauchwolke zu werden. Aber auch Rauch kann sich noch zusammenballen, und man kann ihn sehen. Also müßte ein wilder Sturmwind wehen, der im Nu meinen Rauch nach den vier Seiten und den acht Enden der Welt auseinandertreibt. Das wäre das Richtige!“ Während er das hervorstieß, liefen ihm wieder die Tränen herunter. Rasch trat Dsï-djüan näher zu ihm heran, legte ihm die Hand auf den Mund, wischte ihm die Tränen ab und erklärte ihm lächelnd: „Du brauchst dir keine Gedanken zu machen! Ich war in Sorge, darum habe ich dich auf die Probe gestellt.“ Noch verwunderter als zuvor fragte Bau-yü: „Was für Sorgen mußt du dir machen?“ Und lächelnd berichtete Dsï-djüan: „Wie du weißt, bin ich nicht aus dem Hause Lin. Ich gehöre mit Hsi-jën und Yüan-yang zusammen, und man hat mich deiner Kusine nur zugeteilt. Aber sie ist so gut zu mir, noch zehnmal besser als zu ihren eigenen Leuten, die sie aus Su-dschou mitgebracht hat. Keinen Augenblick können wir uns voneinander trennen. Was mir nun Sorge bereitet, ist dieses: Wenn sie fortgeht, müßte ich sie auf jeden Fall begleiten, aber meine ganze Familie lebt hier. Wenn ich nicht mitgehe, übe ich an unserer Freundschaft Verrat, aber wenn ich mitgehe, lasse ich meine Familie im Stich. Das ist es, worüber ich mir im Zweifel bin, und deshalb habe ich mir diese Lügen ausgedacht, um zu hören, was du dazu sagst. Konnte ich denn ahnen, daß du einen Anfall von Wahnsinn bekommst?!“ „Das also war es, was dir Sorgen gemacht hat“, sagte Bau-yü und lächelte wieder. „Du bist doch der größere Narr. Mach dir in Zukunft keine Sorgen mehr darüber! Ich sage dir nur kurz und bündig das eine: Wenn wir leben, werden wir zusammen leben, und wenn wir sterben, werden wir zusammen zu Asche und Rauch. Was sagst du dazu?“ Dsï-djüan bedachte es eben noch still für sich, als gemeldet wurde: „Der junge Herr Huan und der junge Herr Lan sind gekommen, um ihren Gruß zu entbieten.“ „Sag ihnen, das sei sehr aufmerksam von ihnen, aber ich schliefe gerade!“ befahl Bau-yü. Die Alte sagte: „Jawohl!“ und ging wieder, Dsï-djüan aber bat lächelnd: „Jetzt, wo du wieder gesund bist, mußt du mich gehen lassen, damit ich mich um sie kümmern kann.“ „Du hast vollkommen recht“, sagte Bau-yü, „ich wollte dich gestern schon zurückschicken, aber dann habe ich es vergessen. Ich bin wieder ganz gesund, also geh nur!“ Als Dsï-djüan das hörte, packte sie ihr Bettzeug und ihre Toilettensachen zusammen. Da sagte Bau-yü lächelnd: „Wie ich gesehen habe, hast du gleich mehrere Spiegel bei deinen Frisiersachen. Laß mir den kleinsten davon mit dem Wassernußmuster hier! Ich lege ihn neben mein Kopfkissen, dann kann ich mich vor dem Einschlafen schön darin spiegeln, und wenn ich wieder ausgehen darf, kann ich ihn leicht und bequem mitnehmen.“ Dsï-djüan blieb nichts anderes übrig, als ihm den Spiegel zu geben. Dann befahl sie jemandem, ihre Sachen hinüberzutragen, und als sie sich von allen verabschiedet hatte, kehrte sie in die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß zurück. Nach allem, was Dai-yü in den letzten Tagen über Bau-yü hatte hören müssen, war ihr Zustand natürlich wieder schlechter geworden, und sie hatte öfter geweint als sonst. Als jetzt Dsï-djüan zu ihr zurückkam und ihr den Grund dafür nannte, wußte sie, daß es Bau-yü wieder viel besser ging. Daraufhin schickte sie Hu-po zur Herzoginmutter zurück, damit sie wieder dort aufwartete. Zur Nacht, als alle anderen schon schliefen, sagte Dsï-djüan, während sie ihr Gewand auszog und sich schlafen legte, leise und mit lächelnder Miene zu Dai-yü: „Bau-yü muß es doch ehrlich meinen, wenn er sich so aufgeführt hat, nur weil er hörte, wir gingen fort.“ Da Dai-yü nichts darauf erwiderte, sagte Dsï-djüan nach einer Pause wie im Selbstgespräch: „Es wäre doch besser, hier zu bleiben. Wir sind hier in einem guten Hause. Und wenn auch alles andere nicht zählen sollte – es ist schon nicht so einfach, jemand zu finden, mit dem man von klein auf zusammen ist und dessen Charakter einem so vertraut ist.“ „Du mußt doch müde sein nach all diesen Tagen“, schalt Dai-yü. „Was faselst du da noch, anstatt endlich zu schlafen!“ „Ich fasele nicht, ich meine es gut mit Euch, Fräulein“, erwiderte Dsï-djüan lächelnd. „Die ganzen Jahre mache ich mir schon Sorgen um Euch. Wen habt Ihr denn, der Euch liebt und Euch wärmt, da Ihr weder Eltern noch Geschwister habt?! Es kommt darauf an, daß die alte gnädige Frau Euch verlobt, solange sie noch bei Verstand und bei Kräften ist. Nicht umsonst sagt man, ‚Gesundheit im Alter ist wie Kälte im Frühling, wie Wärme im Herbst.‘ Wenn der alten gnädigen Frau einmal etwas zustößt, kann die Sache wohl auch noch zum Abschluß gebracht werden, aber die rechte Zeit ist verpaßt, und Ihr bekommt nicht, was Euer Herz begehrt. Junge Herren aus adliger Familie gibt es viele, aber wer von ihnen hätte nicht drei oder fünf Nebenfrauen? Heute gefällt ihm die eine und morgen schon die andere. Selbst wenn eine himmlische Fee zu ihm kommt, hat er sie nach wenigen Nächten schon über und lebt in Unfrieden und Feindschaft mit ihr, sei es auch nur einer Nebenfrau oder eines Sklavenmädchens wegen. Wenn die Familie der Frau stark und mächtig ist, ist die Frau nicht ganz so übel dran, Euch aber geht es nur gut, solange die alte gnädige Frau noch lebt. Wenn sie erst eines Tages nicht mehr da ist, seid Ihr der Willkür der Leute ausgeliefert. Und darum sage ich Euch, Ihr müßt Euch entscheiden. Habt Ihr denn, klug, wie Ihr seid, nie das Sprichwort gehört ‚Zehntausend Liang Gold findet man leichter als einen Herzensfreund‘?“ „Das Mädchen hat den Verstand verloren“, stellte Dai-yü fest, um dann zu fragen: „Wie kommt es nur, daß du nach den paar Tagen, die du fort warst, auf einmal ein anderer Mensch geworden bist? Morgen werde ich das der alten gnädigen Frau melden und dich zu ihr zurückschicken. Ich wage es nicht, dich zu behalten.“ „Ich meine es gut mit Euch“, beteuerte Dsï-djüan lächelnd. „Ich wollte ja nur, daß Ihr Euren Verstand gebraucht, nicht, daß Ihr etwas Unrechtes tut. Warum müßt Ihr es da der alten gnädigen Frau melden? Was habt Ihr davon, wenn Ihr mich in die Patsche bringt?“ Nach diesen Worten überließ sie sich endlich dem Schlaf. Äußerlich hatte sich Dai-yü wohl dagegen verwahrt, was Dsï-djüan gesagt hatte, innerlich aber konnte sie nicht anders, als sich darüber zu betrüben. Als Dsï-djüan eingeschlafen war, weinte sie die ganze Nacht hindurch und schlummerte erst ein, als es draußen schon hell zu werden begann. Mit viel Überwindung wusch sie sich am Morgen das Gesicht, spülte sich den Mund und aß ein wenig Schwalbennestersuppe. Dann kamen die Herzoginmutter und die anderen, um sie zu besuchen, und sparten dabei nicht mit guten Ratschlägen. Heute war der Geburtstag von Tante Hsüä, und von der Herzoginmutter abwärts machte ihr jedermann Geschenke. Auch Dai-yü hatte längst zwei Handarbeiten vorbereitet, die sie ihr nun bringen ließ. Tante Hsüä aber hatte eine kleine Schauspielertruppe gemietet und gab ein Fest für die Herzoginmutter, Dame Wang und die anderen. Nur Bau-yü und Dai-yü konnten nicht daran teilnehmen, und auf dem Rückweg von der Gebutstagsfeier kehrte die Herzoginmutter mit ihrem Gefolge noch einmal bei ihnen ein, um nach ihnen zu sehen, ehe sie wieder ihre eigenen Räume aufsuchte. Den folgenden Tag mußte Hsüä Kë auf Tante Hsüäs Geheiß mit all ihren Ladenangestellten beim Wein verbringen. Alles in allem dauerten die Festlichkeiten drei oder vier Tage. Tante Hsüä, die bemerkt hatte, daß sich Hsiu-yän von Natur aus durch Edelmut und Gewissenhaftigkeit auszeichnete, und dabei doch als Mädchen, das aus einer armen Familie kam, „Dornen statt Haarnadeln und aus Baumwolle den Rock“0 trug, hätte sie gern als Hsüä Pans Gattin gesehen. Da jedoch Hsüä Pans Aufführung stets leichtfertig und verschwenderisch war, fürchtete sie andererseits auch, er könnte das Mädchen ins Verderben bringen. Dann aber fiel ihr mitten in diesen Zweifeln plötzlich ein, daß ja auch Hsüä Kë noch nicht verheiratet war. Ihr schien nun, die beiden seien ein Paar, daß vom Himmel und von der Erde füreinander geschaffen sei, und so beriet sie sich mit Hsi-fëng. Hsi-fëng aber sagte mit einem Seufzer: „Ihr wißt ja, Tante, daß meine Schwiegermutter etwas verschroben ist. Also laßt mich die Sache in aller Ruhe betreiben!“ Als sie dann Besuch von der Herzoginmutter bekam, sagte sie zu ihr: „Tante Hsüä hat eine Bitte an Euch, alte Ahne. Aber sie weiß nicht recht, wie sie es Euch sagen soll.“ „Was ist es denn?“ fragte die Herzoginmutter sofort, und Hsi-fëng berichtete ihr über den Heiratswunsch. Lächelnd erwiderte die Herzoginmutter: „Warum hat sie sich nicht getraut, mir das zu sagen? Das ist doch eine gute Sache. Ich werde mit deiner Schwiegermutter reden, und dann wollen wir sehen, ob sie sich weigern wird!“ Kaum war sie in ihre Räume zurückgekehrt, gab sie den Befehl, Dame Hsing herüberzubitten, und dann spielte sie ohne alle Umschweife die Brautwerberin. Dame Hsing bedachte, daß die Hsüäs keine schlechte Familie waren und daß sie jetzt über großen Reichtum verfügten, daß auch Hsüä Kë kein schlechter Junge war und daß schließlich die Herzoginmutter selbst für ihn warb, deshalb fügte sie sich in den Plan und sagte ja. Hocherfreut befahl die Herzoginmutter sofort, man solle Tante Hsüä zu ihr bitten. Als die beiden Frauen sich gegenüberstanden, wurden natürlich viele höfliche Worte gewechselt. Dame Hsing schickte dann sogleich jemanden zu Hsing Dschung und seiner Frau, um ihnen die Sache zu melden, und da die beiden hierher gekommen waren, um bei Dame Hsing Unterstützung zu suchen, hatten sie keinen Grund, sich zu sperren. Vielmehr äußerten sie lauthals Begeisterung. Lächelnd sagte dann die Herzoginmutter: „Ich setze mich sehr gern für andere ein, aber wieviel bekomme ich für meine Vermittlung, nachdem ich dies heute geregelt habe?“ „Es versteht sich von selbst, daß Euch etwas zusteht“, versicherte Tante Hsüä, ebenfalls lächelnd. „Aber selbst wenn ich hier hunderttausend Liang Silber anschleppte, würde das für Euch nichts Besonderes sein. Da ist aber noch etwas. Wenn Ihr auch die oberste Leitung der Hochzeit übernehmen wollt, brauchen wir doch noch jemand.“ „Wenn wir auch sonst nichts haben, ein paar unbeholfene Krüppel finden sich immer“, erwiderte die Herzoginmutter fröhlich und befahl, die Frau und die Schwiegertochter von Djia Dschën herüberzurufen. Als die beiden da waren, erklärte ihnen die Herzoginmutter, worum es sich handelte, und sofort sprachen sie beiden Seiten ihre Glückwünsche aus. Dann wandte sich die Herzoginmutter an Frau You: „Mit den Gepflogenheiten des Hauses bist du ja zur Genüge vertraut. Noch nie ist es vorgekommen, daß sich zwei verschwägerte Familien um Ansehen oder Geschenke gestritten haben. Wenn du also jetzt an meiner Statt die weitere Vermittlung übernimmst, darfst du weder zu geizig noch zu verschwenderisch sein. Sobald die Sache zur beiderseitigen Zufriedenheit geregelt ist, wirst du mir darüber berichten!“ Eilfertig stimmte Frau You ihr zu, und nun gab es für Tante Hsüäs Freude keine Grenze mehr. Kaum daß sie nach Hause gekommen war, befahl sie, eine Einladung zu schreiben und sie ins Ning-guo-Anwesen nachzureichen. Mit dem Charakter von Dame Hsing bestens vertraut, hätte Frau You den Auftrag am liebsten abgelehnt, aber einer Anordnung der Herzoginmutter konnte sie nicht widersprechen. Daher wollte sie sich bemühen, alles so zu regeln, wie sie glaubte, daß es Dame Hsings Wünschen entsprach, denn Tante Hsüä war ein Mensch, mit dem man auskommen konnte und der mit sich reden ließ. Doch genug einstweilen davon. Nachdem Hsiu-yän jetzt auf Betreiben von Tante Hsüä die Braut von Hsüä Kë geworden war und das ganze Haus davon wußte, verlangte Dame Hsing, Hsiu-yän solle zu ihr ziehen. Die Herzoginmutter aber fragte: „Warum das? Ihren Bräutigam trifft sie hier nicht, nur seine Tante, seine Schwester und seine Kusine. Das ist schließlich kein Hinderungsgrund. Es ist doch schön, wenn die Mädchen es sich zusammen gemütlich machen.“ Nun erst ließ Dame Hsing davon ab. Hsüä Kë und Hsiu-yän hatten einander seinerzeit auf der Herreise gesehen und hatten wohl auch Gefallen aneinander gefunden. Es war jedoch unvermeidlich, daß Hsiu-yän sich jetzt zurückhaltender verhielt als bisher und nicht gut mit Bau-tschai und Bau-tjin zusammentreffen und plaudern konnte. Dazu kam noch Hsiang-yün, die sich gern über andere lustig machte, was Hsiu-yän als besonders peinlich empfand. Doch glücklicherweise war sie in den Schriften belesen und kannte sich in den Riten aus. Wenn sie auch ein Mädchen war, gehörte sie doch nicht zu jenen, die Schamhaftigkeit und Schüchternheit nur vortäuschen, während sie in Wirklichkeit leichtfertig und affektiert sind. Bau-tschai hatte schon bei ihrer ersten Begegnung mit Hsiu-yän bemerkt, daß diese aus einer armen Familie kam. Außerdem stellte sie fest, daß es sich bei ihren Eltern im Gegensatz zu denen von allen anderen, die betagte Leute mit Moral waren, um heillose Trinker handelte, denen das Schicksal ihrer Tochter gleichgültig war. Auch die Gefühle, die Dame Hsing für Hsiu-yän hegte, waren nur geheuchelt und keine echte Zuneigung. Hsiu-yän selbst war ernsthaft und edelmütig, Ying-tschun aber war ein ‚lebender Leichnam‘ und verstand es nicht einmal, für die eigenen Belange richtig zu sorgen. Wie sollte sie sich da noch um Hsiu-yän sorgen! Wenn es an den Dingen, derer man in den Mädchengemächern ständig bedarf, einmal einen Mangel gab und niemand sich darum kümmerte, bekam sie einfach nicht den Mund auf. Bau-tschai war es, die sich dann jedesmal in Hsiu-yäns Lage versetzt und ihr mit dem Nötigen ausgeholfen hatte, aber stets so, daß Dame Hsing nichts davon erfuhr, denn Bau-tschai hatte Angst, sie könnte auf dumme Gedanken kommen und böses Geschwätz darum machen. Als sich nun diese unerwartete Verbindung ergab und die Hochzeit beschlossene Sache war, nahm Bau-tschai in Hsiu-yäns Herzen den ersten Platz ein und Hsüä Kë nur den zweiten. Wenn Hsiu-yän noch manchmal mit Bau-tschai sprach, wurde sie von ihr weiter mit Kusine angeredet. Eines Tages war Bau-tschai zu einem Besuch bei Dai-yü unterwegs, als sie auf halber Strecke Hsiu-yän begegnete, die ebenfalls zu Dai-yü wollte. Fröhlich rief sie sie an, und sie traten hinter eine Mauer aus Stein, wo Bau-tschai mit lächelnder Miene fragte: „Dieser Tage ist es noch kalt, warum trägst du schon Sachen, die alle so dünn gefüttert sind?“ Statt einer Antwort senkte Hsiu-yän nur schweigend den Kopf, und Bau-tschai begriff, daß etwas dahintersteckte. „Bestimmt hast du wieder einmal das Monatsgeld noch nicht bekommen“, sagte sie lächelnd, „ist Hsi-fëng immer noch so unbedacht?“ „Nein, sie denkt schon daran und läßt es am richtigen Tag auszahlen“, erwiderte Hsiu-yän. „Meine Tante hat mir sagen lassen, ich brauchte keine zwei Liang Silber im Monat und sollte ein Liang sparen, um es meinen Eltern zu schicken. Wenn ich etwas brauchte, seien ja Ying-tschuns Sachen da, die für beide reichen würden, wenn wir etwas haushalten wollten. Du weißt ja, daß Ying-tschun ein schlichtes Gemüt hat und sich keine großen Gedanken um so etwas macht. Sie sagt nichts dazu, wenn ich von ihren Sachen nehme, aber welche von ihren Ammen und Mägden hätte nicht eine spitze Zunge? Ich wohne zwar mit im Haus, aber ich traue mich nicht, ihre Dienste in Anspruch zu nehmen. Damit nur ja Ruhe herrscht, muß ich ihnen alle paar Tage Geld für Wein und Naschwerk geben. So reichen nicht einmal zwei Liang im Monat, und jetzt soll ich gar mit einem einzigen auskommen. Darum habe ich vor ein paar Tagen heimlich jemand mit meinen Wattesachen in die Pfandleihe geschickt, damit ich ein paar Münzschnüre als Taschengeld habe.“ Mit betrübter Miene sagte Bau-tschai seufzend: „Daß aber auch die Mees mit der ganzen Familie auf einem Posten in der Provinz sein müssen und erst übernächstes Jahr wieder in die Hauptstadt zurückkommen! Wären sie hier und Bau-tjin könnte heiraten, dann ließe sich auch über deine Angelegenheit sprechen. Wenn du erst hier fort bist, hat die Sache ein Ende. Aber solange seine kleine Schwester nicht untergebracht ist, wagt mein Vetter nicht, sich zu verheiraten. Das ist die Schwierigkeit. Ich habe bloß Angst, daß du krank wirst vor lauter Kummer, wenn du noch zwei Jahre hier aushalten mußt. Ich werde noch einmal mit meiner Mutter darüber sprechen! Wenn sie dir zusetzen, mußt du Geduld haben und dir immer sagen, daß du dich nicht so sehr grämen darfst, bis du krank davon wirst. Das beste ist, du schickst ihnen morgen einfach auch noch das zweite Liang Silber, damit sie Ruhe geben. Und die Bediensteten brauchst du in Zukunft auch nicht mehr für nichts und wieder nichts zu bewirten. Wenn sie spitze Bemerkungen machen, läßt du sie reden, hörst gar nicht zu und gehst deiner Wege. Und wenn du etwas brauchst, benimmst du dich nicht wie ein Kind kleiner Leute, sondern wendest dich unbesorgt an mich! Schließlich sind wir schon miteinander befreundet, seitdem du hier im Hause bist, und nicht erst, seit wir jetzt miteinander verschwägert sind. Wenn du Angst vor dem Gerede der Leute hast, schickst du deine kleine Magd, die mir Bescheid sagt, und damit hat sich der Fall.“ Mit gesenktem Kopf sagte Hsiu-yän jawohl. Nun wies Bau-tschai auf ein Gürtelgehänge aus Jaspis, das Hsiu-yän trug und fragte: „Von wem hast du das?“ „Kusine Tan-tschun hat es mir gegeben“, antwortete Hsiu-yän. Darauf nickte Bau-tschai und sagte lächelnd: „Sie hat gesehen, daß alle so etwas haben, nur du nicht, und damit niemand über dich lacht, hat sie dir dieses geschenkt. Das ist klug und aufmerksam von ihr. Es gibt jedoch noch etwas, was du wissen mußt. Die Mode, sich mit solchen Dingen zu schmücken, geht von den Fräulein in reichen Beamtenfamilien aus. Aber schau mich an! Vom Kopf bis zu den Füßen wirst du bei mir solchen wertvollen Tand nicht finden. Noch vor sieben, acht Jahren bin ich auch so herumgelaufen, aber jetzt sind andere Zeiten, und worauf ich verzichten muß, darauf verzichte ich. Wenn du erst bei uns in der Familie lebst, wirst du wohl eine ganze Kiste von diesem nutzlosen Plunder finden. Wir sind nicht dasselbe wie sie, für uns ist es das Wichtigste, in allem genügsam und solide zu sein und uns nicht mit ihnen zu messen.“ Lächelnd versprach Hsiu-yän: „Wenn du meinst, werde ich es zu Hause abnehmen.“ Doch ebenfalls lächelnd, erklärte Bau-tschai rasch: „Du bist aber auch zu folgsam! Sie hat es dir in bester Absicht geschenkt, und wenn du es jetzt nicht trägst, wird sie sich natürlich Gedanken machen. Ich bin nur so darauf zu sprechen gekommen. Es reicht schon, wenn du es dir für später merkst.“ Wieder sagte Hsiu-yän jawohl, dann fragte sie: „Wohin wolltest du?“ „Ich gehe in die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß“, sagte Bau-tschai. „Du aber geh zurück und schick mir durch deine Magd den Pfandschein dorthin. Dann lasse ich deine Sachen heimlich abholen und schicke sie heute abend genauso heimlich zu dir, damit du sie morgens und abends anziehen kannst. Sonst erkältest du dich noch, und damit ist nicht zu spaßen. Aber wo hast du sie verpfänden lassen?“ „Die Pfandleihe heißt ‚Hëng-schu‘, sie ist in der Straße westlich vom Trommelturm“, gab ihr Hsiu-yän Auskunft. „Da bist du ja bei der richtigen Stelle gelandet“, sagte Bau-tschai trocken und lächelte dabei. „Hätten die Angestellten Bescheid gewußt, dann hätten sie glattweg sagen können: ‚Die Braut ist noch nicht im Hause, aber ihre Sachen schickt sie schon vor.‘“ Da wußte Hsiu-yän, daß die Pfandleihe den Hsüäs gehörte, und unwillkürlich bekam sie rote Ohren. Die beiden Mädchen lächelten sich noch einmal zu und gingen dann auseinander. Als Bau-tschai in die Herberge am Hsiau-hsiang-Fluß kam, traf sie dort ihre Mutter, die Dai-yü gleichfalls einen Besuch machte und eben mit ihr plauderte. Lächelnd erkundigte sich Bau-tschai: „Seit wann seid Ihr hier, Mutter? Ich wußte gar nicht, daß Ihr auch hierher wolltet.“ „All die letzten Tage hatte ich zu tun und konnte weder nach Bau-yü noch nach ihr sehen“, erklärte Tante Hsüä, „deshalb habe ich heute alle beide besucht und fand sie wieder wohlauf.“ Dai-yü bot Bau-tschai rasch einen Platz an und sagte dann zu ihr: „Der Mensch ahnt wirklich nicht, was sich unter dem Himmel alles ereignen kann. Wer hätte gedacht, daß sich deine Frau Mutter und meine ältere Tante einmal verschwägern!“ „Mein Kind!“ sagte Tante Hsüä, „ihr Mädchen wißt nichts davon, daß man von alters her sagt, ‚Tausend Li weit bindet die Paare die Schnur.‘ Für die Eheschließungen ist der Alte Mann unterm Mond0 zuständig, der alles im voraus festlegt. Wenn er heimlich mit einer roten Schnur zwei Menschen an den Füßen zusammenbindet, dann werden sie zu guter Letzt immer ein Paar, auch wenn ihre Familien durch Länder und Meere oder durch jahrhundertealte Feindschaft getrennt sind. Kein Mensch kann je etwas davon ahnen. Auch wenn die Eltern des Paares und das Paar selbst mit der Heirat einverstanden sind oder wenn sie seit Jahren dicht beieinander wohnen und glauben, es sei schon alles entschieden, kommt das Paar nicht zusammen, wenn der Alte Mann unterm Mond sie nicht mit der roten Schnur zusammenbindet. Auch bei euch wissen wir nicht, ob eure Zukünftigen hier unter unseren Augen leben oder ob südlich der Berge, ob nördlich des Meers.“ „Immer müßt Ihr uns mit ins Spiel bringen, wenn Ihr nur den Mund aufmacht, Mutter“, beklagte sich Bau-tschai und schmiegte den Kopf an die Brust ihrer Mutter, um sie dann lächelnd aufzufordern: „Wir wollen jetzt gehen!“ „So ein großes Mädchen ist sie, und wenn Ihr nicht dabei seid, spricht sie wie eine Alte, aber kaum daß sie Euch sieht, muß sie schmusen“, tadelte Dai-yü lächelnd. Tante Hsüä streichelte Bau-tschai den Kopf und erwiderte Dai-yü: „Sie bedeutet mir dasselbe wie Hsi-fëng der alten gnädigen Frau. Wenn es Probleme gibt, kann ich mich mit ihr beraten, und wenn es nichts zu tun gibt,

Aus: Jinyuyuan 1889a. dann bin ich froh, daß ich sie habe, um mich aufzuheitern. Es gibt keinen Kummer, den mir ihr Anblick nicht vertreibt.“ Als Dai-yü das hörte, seufzte sie unter Tränen: „Sich ausgerechnet hier so zu benehmen, macht sie bestimmt nur, um mich armes Waisenkind zu ärgern und mir durch den Anblick recht weh zu tun.“ „Schaut nur, wie wenig Zurückhaltung sie übt, Mutter! Und mir wirft sie vor, daß ich schmuse“, sagte Bau-tschai lächelnd. „Man kann es ihr nicht verübeln, daß sie gekränkt ist, hat sie doch weder Vater und Mutter noch andere nahe Verwandte, die Ärmste“, bemerkte Tante Hsüä. Dann streichelte sie auch Dai-yü und sagte lächelnd zu ihr: „Weine nicht, mein liebes Kind! Du kränkst dich, weil du siehst, daß ich deine Kusine gern habe, dabei habe ich in Wirklichkeit dich noch viel lieber. Deine Kusine hat zwar keinen Vater mehr, aber sie hat doch mich und ihren Bruder, darum ist sie besser dran als du. Ich sage ihr immer wieder, daß ich dich mag, daß ich es aber nach außen schlecht zeigen kann. Wo so viele Leute sind wie hier, wird viel geredet, und nur selten etwas Gutes. Man würde nicht sagen, du bist ohne Stütze und ohne Halt und bist so ein Mensch, daß man dich einfach gern haben muß, es würde vielmehr heißen, wir wollten uns nur lieb Kind machen, weil die alte gnädige Frau dich gern hat.“ „Wenn das so ist, werde ich Euch morgen zu meiner Mutter erklären“, sagte Dai-yü strahlend, „und wenn Ihr mich zurückweist, habt Ihr nur zum Schein gesagt, daß Ihr mich lieb habt.“ „Wenn ich dir nicht zu gering bin, nehme ich dich als Tochter an“, stimmte Tante Hsüä ihr zu. „Das geht aber nicht!“ gab Bau-tschai sofort zu bedenken. „Warum nicht?“ fragte Dai-yü. „Dann überleg einmal, warum Hsiu-yän mit meinem Vetter verlobt worden ist, obwohl mein Bruder noch keine Verlobte hat!“ forderte Bau-tschai sie auf. „Weil er nicht zu Hause ist oder weil sein Horoskop nicht zu ihrem paßte, deshalb wird dein Vetter sie bekommen“, mutmaßte Dai-yü. „Stimmt nicht!“ behauptete Bau-tschai lächelnd. „Mein Bruder hatte schon jemand gefunden.l geredet, und nur selten etwas Gutes. Man würde nicht sagen, du bist ohne Stütze und ohne Halt und bist so ein Mensch, daß man dich einfach gern haben muß, es würde vielmehr heißen, wir wollten uns nur lieb Kind machen, weil die alte gnädige Frau dich gern hat.“ „Wenn das so ist, werde ich Euch morgen zu meiner Mutter erklären“, sagte Dai-yü strahlend, „und wenn Ihr mich zurückweist, habt Ihr nur zum Schein gesagt, daß Ihr mich lieb habt.“ „Wenn ich dir nicht zu gering bin, nehme ich dich als Tochter an“, stimmte Tante Hsüä ihr zu. „Das geht aber nicht!“ gab Bau-tschai sofort zu bedenken. „Warum nicht?“ fragte Dai-yü. „Dann überleg einmal, warum Hsiu-yän mit meinem Vetter verlobt worden ist, obwohl mein Bruder noch keine Verlobte hat!“ forderte Bau-tschai sie auf. „Weil er nicht zu Hause ist oder weil sein Horoskop nicht zu ihrem paßte, deshalb wird dein Vetter sie bekommen“, mutmaßte Dai-yü. „Stimmt nicht!“ behauptete Bau-tschai lächelnd. „Mein Bruder hatte schon jemand gefunden. Sobald er nach Hause kommt, wird die Sache ins reine gebracht. Ich will keinen Namen nennen, aber überleg dir selbst, warum ich eben gesagt habe, meine Mutter kann dich nicht als Tochter annehmen!“ Bei diesen Worten warf sie ihrer Mutter einen Blick zu und lachte. Dai-yü vergrub ihren Kopf in Tante Hsüäs Schoß und verlangte: „Dafür müßt Ihr sie hauen, Tante!“ Tante Hsüä drückte Dai-yü an ihre Brust und sagte lächelnd: „Du mußt ihr nicht glauben, sie macht sich nur lustig über dich!“ „Aber wäre es nicht das beste, Ihr bittet die alte gnädige Frau morgen wirklich darum, sie Bruder Pan zur Frau zu geben? Ist das nicht besser, als auswärts nach jemand zu suchen?“ beharrte Bau-tschai. Dai-yü reckte sich, um sie zu fassen, während sie lächelnd sagte: „Du verlierst ja mehr und mehr den Verstand!“ Tante Hsüä beeilte sich, den beiden mit lächelnder Miene gut zuzureden, und brachte sie mit Gewalt auseinander. Dann sagte sie, an Bau-tschai gewandt: „Selbst Hsiu-yän war mir zu schade, um sie von deinem Bruder ins Unglück bringen zu lassen, und darum habe ich sie mit deinem Vetter verlobt. Um wieviel mehr gilt das für sie! Um nichts in der Welt würde ich sie ihm geben. Letztens wollte die alte gnädige Frau deine Kusine Bau-tjin mit Bau-yü verloben, aber sie hatte schon einen Verlobten. Sonst hätte das eine gute Verbindung ergeben. Als ich dann neulich Hsiu-yäns wegen mit der alten gnädigen Frau sprach, hat sie im Scherz gesagt: ‚Eigentlich wollte ich eins von Euren Mädels haben, nun aber habt Ihr eins von unsern bekommen!‘ Das war zwar nur Spaß, aber wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es gar nicht so verkehrt. Mir scheint, obwohl Bau-tjin schon vergeben ist und ich selbst niemand mehr zu bieten habe, könnte ich doch jemand vorschlagen. So, wie die alte gnädige Frau an Bau-yü hängt, und so, wie er geartet ist, wird sie woanders bestimmt nicht die Richtige für ihn finden. Darum ist es das beste, Dai-yü mit ihm zu verloben. Das gäbe eine ideale Verbindung!“ Anfangs hatte Dai-yü wie gebannt zugehört, aber als ihr eigener Name fiel, spuckte sie nach Bau-tschai und errötete. Anschließend packte sie Bau-tschai und drohte lächelnd: „Schlagen werde ich dich! Wie konntest du deine Mutter dazu bringen, solche Sachen zu sagen?!“ „Das ist merkwürdig!“ sagte Bau-tschai lachend. „Meine Mutter sagt es, und mich schlägst du!“ Inzwischen kam Dsï-djüan herbeigelaufen und fragte: „Wollt Ihr nicht mit der gnädigen Frau sprechen, wenn Ihr diese Absicht habt, gnädige Frau Tante?“ „Warum so eilig, mein Kind?“ fragte Tante Hsüä lachend. „Wahr­schein­lich möchtest du das Fräulein verheiratet sehen, damit auch du bald einen Bräutigam bekommst, was?“ „Jetzt fangt Ihr aber an, Euch Euer Alter zunutze zu machen, gnädige Frau Tante“, protestierte Dsï-djüan, die ebenfalls rot geworden war. Dann wandte sie sich um und ging fort. Zuerst hatte Dai-yü geschimpft: „Was geht es dich an, du kleines Spitzbein!“ Aber hinterher mußte sie lachen und sagte: „Buddha Amitabha! Das hast du verdient, das geschieht dir recht! Jetzt hast du dein Fett weg!“ Tante Hsüä und Bau-tschai lachten genauso darüber wie all die Sklavenfrauen und ‑mädchen, die im Zimmer waren. Dann aber sagten die Sklavenfrauen lächelnd: „Es war zwar ein Scherz von Euch, gnädige Frau Tante, doch Ihr hattet vollkommen recht. Wenn Ihr in einer Mußestunde mit der alten gnädigen Frau darüber sprecht und die Brautwerberin macht, kommt diese Hochzeit unfehlbar zustande.“ Und Tante Hsüä bestätigte: „Bestimmt wird sich die alte gnädige Frau freuen, wenn ich ihr diesen Vorschlag unterbreite...“ Noch ehe sie aussprechen konnte, kam plötzlich Hsiang-yün mit einem Zettel in der Hand herein und fragte lächelnd: „Ist das eine Rechnung?“ Dai-yü sah sich den Zettel an, verstand aber auch nicht, was das sein sollte. Lächelnd sagten die alten Sklavenfrauen, die dabeistanden: „Das ist ja ein ganz seltenes Stück! Aber umsonst erklären wir nicht, was es ist.“ Rasch ließ sich Bau-tschai den Zettel geben und erkannte darin den Pfandschein, von dem Hsiu-yän gesprochen hatte. Sofort faltete sie ihn zusammen, Tante Hsüä aber sagte: „Das ist bestimmt der Pfandschein von irgendeinem alten Muttchen. Sie wird ihn verloren haben, und vor lauter Sorge darüber wird sie zu Hause bestimmt alle antreiben, danach zu suchen. Woher hast du ihn?“ „Was ist das, ein Pfandschein?“ fragte Hsiang-yün, anstatt zu antworten. Alle lachten und stellten fest: „So ein Dummchen! Weiß nicht einmal, was ein Pfandschein ist." „Das kann man ihr doch nicht zum Vorwurf machen“, sagte Tante Hsüä mit einem Seufzer. „Sie ist wirklich ein Fräulein aus fürstlichem Hause, und jung ist sie außerdem. Woher sollte sie so etwas kennen? Wo könnte sie so etwas gesehen haben? Selbst wenn ihr Gesinde so etwas hat, bekommt sie es doch nicht zu Gesicht. Also verlacht sie nicht als Dummchen! Wenn das die Fräulein in eurem Hause sehen würden, dann würden auch sie sich als Dummchen erweisen.“ Lächelnd pflichteten ihr die Sklavenfrauen bei: „Selbst Fräulein Dai-yü hatte eben nicht erkannt, was es ist, da würden es die andern Fräulein erst recht nicht wissen. Sogar Bau-yü, der doch öfter einmal hinauskommt, wird so etwas noch nicht gesehen haben.“ Rasch erklärte nun Tante Hsüä, was es mit einem Pfandschein auf sich hat, und Hsiang-yün und Dai-yü sagten lächelnd: „Dazu dient das also! Wie doch die Leute alle aufs Geld aus sind! Gibt es denn so etwas in Euren Pfandleihen auch, Frau Tante?“ Wieder lachten die Sklavenfrauen und sagten: „Das sind doch wirklich zwei Dummchen! Weiße Raben gibt es nicht. Warum sollte es bei ihnen anders zugehen?“ Noch einmal fragte Tante Hsüä: „Woher hast du den Schein?“ Schon wollte Hsiang-yün es ihr erklären, da sagte Bau-tschai rasch: „Der Schein ist verfallen und wertlos. Die Sachen darauf sind schon vor Jahren wieder ausgelöst worden. Unsere Hsiang-ling wird ihn genommen haben, um sich einen Spaß mit ihnen zu machen.“ Das hörte sich echt genug an, und so fragte Tante Hsüä nicht weiter. Kurze Zeit später kam eine Frau mit der Meldung: „Die gnädige Frau aus dem andern Anwesen ist da und möchte die gnädige Frau Tante sprechen.“ Daraufhin erhob sich Tante Hsüä und ging fort. Als nun niemand weiter im Zimmer war, wollte Bau-tschai von Hsiang-yün wissen: „Wo hast du den Schein gefunden?“ Lächelnd erwiderte Hsiang-yün: „Ich hatte gesehen, wie Dschuan-örl, die kleine Magd der Braut deines Vetters, diesen Schein verstohlen Ying-örl gab und wie ihn Ying-örl dann rasch in ein Buch stecke, in der Meinung, ich hätte es nicht gesehen. Als sie hinausgegangen waren, sah ich mir den Schein heimlich an, konnte aber nicht verstehen, was das ist. Weil ich wußte, daß ihr hier seid, habe ich ihn mitgebracht, um ihn euch zu zeigen.“ „Ja, versetzt denn etwa auch sie ihre Kleider?“ fragte Dai-yü sofort. „Und wenn sie das tut, warum läßt sie dann den Schein zu euch bringen?“ Angesichts dieser Frage konnte Bau-tschai die Sache schlecht vor den beiden verheimlichen, und so erzählte sie ihnen alles, was sie vorhin in Erfahrung gebracht hatte. „Wenn ein Hase sterben muß, trauern auch die Füchse, jegliches Wesen teilt mit seinen Artgenossen den Schmerz“, sagte Dai-yü dazu, Hsiang-yün aber war empört und schlug ihnen vor: „Wartet! Ich will Ying-tschun deswegen zur Rede stellen, und ihre Frauen und Mägde werde ich ordentlich herunterputzen, um eurem Ärger Luft zu machen. Wie findet ihr das?“ Schon wollte sie losgehen, aber Bau-tschai hielt sie fest und schalt: „Verlierst du wieder einmal den Kopf? Setz dich hin!“ „Wenn du ein Mann wärst, könntest du hingehen und für das Unrecht Rache nehmen. Aber was gibst du schon für einen Djing Kë oder Niä Dschëng ab0! Es ist wirklich zum Lachen“, sagte Dai-yü lächelnd. „Wenn ihr mir das nicht erlaubt, soll sie wenigstens mit bei uns im Haselwurzpark wohnen. Das wäre doch gut!“ regte Hsiang-yün an. „Wir reden morgen noch einmal darüber!“ versprach Bau-tschai lächelnd. Im selben Moment wurde gemeldet: „Fräulein Tan-tschun und Fräulein Hsi-tschun sind da.“ Schleunigst hielten die drei den Mund von der Sache. Wer wissen will, wie es weiterging, muß das nächste Kapitel lesen.